Band: 11 Theory 🌍
Titel: All In Our Minds
Label: WLA Productions
VÖ: 19.06.2026
Format: CD / Digital
Genre: Melodic Hard Rock / Blues Rock / Modern Hard Rock

Tracklist

01. The Other Side
02. Believing It Too
03. Evil Inside
04. All In Our Minds
05. Give Us A Fight
06. The Way
07. Shovels And Pitchforks
08. Midnight Prayer
09. Can’t Wait Another Minute
10. How It Ends
11. You Are (Bonus Track)

Besetzung

Cris Hodges – Gesang
Serguei Fedotov – Gitarre
Ilia „Lu“ Smirnov – Gitarre
Sergey „Glam Dickens“ Dik – Bass
Sergey Rubtsov – Schlagzeug

Produktion:
Jack Eugene – Produktion

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Zur Abwechslung einmal Melodischer Hard Rock, bluesgetränkte Gitarren und eine zeitgemäß druckvolle Produktion bilden das Fundament von »All In Our Minds«, dem Debütalbum der international besetzten Formation 11 Theory. Herausgebracht wurde die Platte am 19. Juni 2026 über WLA Productions. Mit elf Titeln und einer Spielzeit von gut 42 Minuten tritt die Band weder als nostalgische Achtzigerjahre-Kopie noch als aalglattes Radioprojekt an. Stattdessen treffen klassische US-Hard-Rock-Melodien, schwerere Blues-Riffs, moderne Grooves und eine gelegentlich rotzige Alternative-Rock-Attitüde aufeinander. Das klingt an vielen Stellen vertraut, wird aber mit ausreichend Spielfreude, starken Gesangslinien und einem guten Gespür für Tempo und Reihenfolge umgesetzt.

YouTube Art Playlist: All In Our Minds

DIE ANDERE SEITE DES MODERNEN HARD ROCK

»The Other Side« verschwendet keine Zeit mit atmosphärischem Vorgeplänkel. Ein treibendes Riff, eine präsente Rhythmusgruppe und ein Refrain, der bereits beim zweiten Durchlauf sitzt, eröffnen das Album mit breiter Brust. Der Song verbindet klassischen amerikanischen Hard Rock mit einer modernen Produktion und besitzt genau die selbstbewusste Lässigkeit, die ein Opener dieser Art benötigt.

Im Mittelpunkt steht sofort Cris Hodges. Seine Stimme besitzt genügend Rauheit, um nicht im Melodic-Rock-Hochglanz zu versinken, bleibt aber kontrolliert und beweglich. Hodges kann kraftvoll drücken, melodische Bögen sauber ausarbeiten und einzelne Zeilen mit einem leicht arroganten Unterton versehen. Diese Mischung passt zu einer Band, die ihre Musik ernst nimmt, sich dabei aber nicht wichtiger inszeniert als die Songs.

»Believing It Too« nimmt anschließend etwas Geschwindigkeit heraus und erhöht dafür das Gewicht. Die Gitarren von Serguei Fedotov und Ilia „Lu“ Smirnov setzen auf einen wuchtigen, bluesbasierten Grundrhythmus, über dem Hodges eine deutlich dunklere Gesangslinie entwickelt. Erinnerungen an Tesla und die melodischere Seite von Lynch Mob liegen nahe, ohne dass 11 Theory deren Klangbild vollständig kopieren.

Der Einstieg funktioniert gerade deshalb so gut, weil beide Stücke unterschiedliche Seiten der Band zeigen. Der Opener sucht die offene Straße, während »Believing It Too« schwerer auf den Boden drückt. Die Produktion von Jack Eugene hält Gitarren, Bass und Schlagzeug kompakt zusammen, ohne den Refrains ihre Luft zu nehmen.

ZWISCHEN VOLLGAS UND POWERBALLADE

»Evil Inside« zieht das Tempo wieder an. Sergey Rubtsovs Schlagzeug treibt den Song geradlinig nach vorn, während der Bass von Sergey „Glam Dickens“ Dik dem Refrain zusätzlichen Schub verleiht. Die Gitarren setzen keine technischen Ausrufezeichen um ihrer selbst willen, sondern konzentrieren sich auf prägnante Rhythmusarbeit und kurze melodische Ergänzungen.

Der Titelsong »All In Our Minds« wechselt anschließend in das Balladenfach. Glücklicherweise bleibt der erwartbare Zuckerguss aus. Akustischere Klangfarben und eine bluesige Grundstimmung führen zu einem Refrain, in dem Hodges seine Stimme öffnen kann, ohne in übertriebene Theatralik zu verfallen. Der Song ist emotional, aber nicht weinerlich, groß angelegt, aber nicht aufgeblasen.

»Give Us A Fight« suggeriert dem Titel nach eine aggressive Kampfansage, fällt musikalisch jedoch entspannter aus. Der Song verbindet modernen Hard Rock mit einem lockeren Groove und leichten Southern-Rock-Anklängen. Stellenweise erinnert die Haltung an die rockigere Seite von Kid Rock: weniger wegen einer direkten klanglichen Kopie als aufgrund der Verbindung aus Blues, modernem Beat und breit angelegtem Refrain.

Nicht jede Wendung überrascht. Die Band arbeitet mit vertrauten Strukturen und setzt Refrains meist genau dort, wo man sie erwartet. Dafür sitzen diese Refrains. 11 Theory verstehen, dass klassischer Hard Rock nicht durch möglichst komplizierte Arrangements gewinnt, sondern durch Dynamik, Wiedererkennungswert und eine Rhythmusgruppe, die den Song trägt.

DUNKLERE FARBEN UND ERHOBENE MITTELFINGER

Mit »The Way« erhält das Album eine rauere Färbung. Die Gitarren klingen härter, der Groove wirkt bedrohlicher und Hodges legt mehr Druck in seine Stimme. Der Titel gehört zu den kantigeren Momenten der Platte und zeigt, dass die Band nicht ausschließlich auf sonnige Straßenhymnen und offene Fenster zielt.

»Shovels And Pitchforks« lockert die Stimmung wieder auf. Inhaltlich nimmt die Nummer vorschnelle Urteile, digitale Empörung und jene Menschen ins Visier, die mit erhobenen Mistgabeln auf alles losgehen, was gerade zur öffentlichen Zielscheibe erklärt wurde. Die Band verarbeitet das Thema nicht als schwere Gesellschaftsanalyse, sondern als bissige Hard-Rock-Nummer mit Humor und bewusst überzeichneter Haltung.

Der Refrain ist einfach gebaut, die Gitarren bleiben direkt und der Rhythmus besitzt eine deutlich liveorientierte Energie. Gerade hier zeigt sich eine Stärke des Albums: 11 Theory schreiben Stücke, die nicht erst nach zehn Durchläufen oder dem Studium eines Textblatts funktionieren müssen. Die Songs wollen gespielt, mitgesungen und auf einer Bühne körperlich umgesetzt werden.

Musikalisch bleibt »Shovels And Pitchforks« allerdings etwas konventioneller als die stärksten Nummern der Platte. Die humorvolle Ausrichtung und Hodges’ lebhafter Vortrag gleichen das weitgehend aus, doch das Stück lebt stärker von seiner Haltung als von außergewöhnlichen kompositorischen Einfällen.

EIN NACHTGEBET MIT ZÄHNEN

»Midnight Prayer« beginnt zurückgenommen und vermittelt zunächst den Eindruck einer weiteren Ballade. Die Band belässt es jedoch nicht bei leisen Gitarren und bedeutungsschwerem Gesang. Der Song wächst schrittweise zu einem kräftigen Midtempo-Rocker, dessen eingängige Melodie in einem wirkungsvollen Gegensatz zur dunkleren Grundstimmung steht.

Hodges liefert hier eine seiner besten Leistungen. Er hält die Strophen kontrolliert, steigert die Intensität in den Übergängen und öffnet den Refrain, ohne die Komposition vollständig zu dominieren. Fedotov und Smirnov begleiten ihn mit Gitarren, die melodische Akzente setzen, aber den Gesang nicht überfrachten.

»Can’t Wait Another Minute« tritt danach wieder aufs Gaspedal. Der Song besitzt die unbekümmerte Direktheit von Buckcherry, kombiniert mit einem simplen Refrain und einem Call-and-Response-Moment, der erkennbar für die Bühne geschrieben wurde. Das ist kein musikalisches Feingewebe, sondern eine geradlinige Rocknummer, die genau weiß, was sie erreichen will.

Hier offenbart sich zugleich die Grenze des Albums. 11 Theory beherrschen ihre Einflüsse, entwickeln aber noch nicht in jedem Stück eine vollständig eigene Sprache. Einige Gitarrenfiguren, Refrainaufbauten und Grooves könnten ebenso auf Veröffentlichungen etablierter amerikanischer Hard-Rock-Bands stehen. Die starke Ausführung verhindert jedoch, dass diese Vertrautheit in Beliebigkeit umschlägt.

WIE ES ENDET – UND WAS DANACH KOMMT

»How It Ends« setzt vor dem Bonusstück einen passenden Schlusspunkt. Der Song ist schmutziger, bluesiger und lässiger als viele seiner Vorgänger. Der Bass erhält mehr Raum, die Gitarren arbeiten mit einem trockenen Groove und Hodges klingt, als würde er den Text nicht vortragen, sondern durch zusammengebissene Zähne ausspucken.

Das Ende fällt allerdings sehr abrupt aus. Kaum hat sich der Groove festgesetzt, zieht die Band den Stecker. Das kann als bewusster Kontrast zum Titel verstanden werden, wirkt aber dennoch so, als hätte der Song noch einen letzten Durchlauf oder eine kurze instrumentale Zuspitzung vertragen.

Der Bonus-Track »You Are« zeigt die ruhige Seite der Band. Akustische Gitarren und reduzierte Percussion rücken Hodges vollständig ins Zentrum. Seine Stimme trägt das Stück souverän und wechselt zwischen leisen, verletzlichen Momenten und kräftigeren Passagen. Gleichzeitig ist die Nummer deutlich sanfter als der Rest des Albums und dürfte nicht jeden Hard-Rock-Hörer gleichermaßen abholen.

Als Bonus funktioniert »You Are« besser denn als regulärer Abschluss. Der eigentliche Kern der Platte endet mit »How It Ends«, während die Akustiknummer wie eine Zugabe nach dem letzten Vorhang wirkt.

FÜNF MUSIKER STATT STUDIOKONSTRUKT

Die beiden Gitarristen arbeiten songdienlich und verzichten auf überladene Soloparaden. Fedotov und Smirnov setzen auf druckvolle Akkorde, kurze Leadlinien und bluesige Verzierungen. Ihre Rollen bleiben nicht immer eindeutig voneinander getrennt, doch das Zusammenspiel besitzt ausreichend Breite und Dynamik.

Sergey Dik liefert einen stabilen Bass, der vor allem bei »Believing It Too«, »The Way« und »How It Ends« deutlich zur Wirkung der Grooves beiträgt. Sergey Rubtsov spielt kontrolliert und geradlinig. Er versucht nicht, einfache Hard-Rock-Strukturen mit unnötigen technischen Figuren aufzuwerten, sondern hält die Stücke in Bewegung.

Cris Hodges ist dennoch das auffälligste Mitglied. Seine Stimme gibt dem Material Charakter und verhindert, dass die vertrauten Genrebausteine zu neutral wirken. Besonders überzeugend sind die Momente, in denen er melodische Kontrolle mit einer raueren, beinahe provozierenden Artikulation verbindet.

Jack Eugenes Produktion stellt diesen Gesang deutlich heraus, lässt aber auch den Gitarren genügend Gewicht. Das Album klingt modern, ohne die Instrumente mit digitaler Perfektion zu ersticken. Lediglich das Schlagzeug könnte stellenweise etwas organischer und räumlicher ausfallen.

FAZIT:

»All In Our Minds« ist ein starkes Hard-Rock-Debüt, das nicht versucht, das Genre neu zu erfinden. 11 Theory konzentrieren sich stattdessen auf griffige Refrains, bluesbasierte Gitarren, abwechslungsreiche Tempi und einen Frontmann, der selbst vertrauten Strukturen Persönlichkeit verleiht. »The Other Side«, »Believing It Too«, »The Way« und »How It Ends« bilden die Höhepunkte. Der Bonus-Track fällt etwas zu weich aus und manche Referenzen sind deutlich hörbar, doch schwaches Füllmaterial sucht man weitgehend vergeblich. Ein Debüt mit Kraft, Melodie und genügend Selbstbewusstsein, um auf der Bühne noch deutlich größer zu werden.

Official Video: Shovels And Pitchforks

Internet

11 Theory - All In Our Minds - CD Review

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