Band: Crying Steel 🇮🇹
Titel: Agent Steel
Label: Pride & Joy Music
VÖ: 26.06.2026
Format: CD / Digital
Genre: Heavy Metal / Power Metal / Hard Rock

Tracklist

01. The Arrival
02. You Got The Look
03. Under Cover
04. Just Played On
05. To Remember
06. Coming Home
07. My Heart Steel Rocks
08. Queen Of Grinder
09. You Steal My Soul
10. No One’s Crying – 2026 Version feat. Ralf Scheepers

Besetzung

Tiziano „Hammerhead“ Sbaragli – Gesang
Franco Nipoti – Gitarre
Paolo Nocchi – Gitarre
Marco „Ziro“ Zirondelli – Bass
Luca Ferri – Schlagzeug

Gastmusiker:
Ralf Scheepers – Gesang auf „No One’s Crying“

Produktion:
Produktion – Crying Steel
Engineering – Roberto Priori
Studio – PriStudio

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Nein, die amerikanischen Speed-Metaller Agent Steel haben sich nicht in Crying Steel umbenannt. Hinter dem Titel »Agent Steel« steckt vielmehr eine ausgesprochen charmante Science-Fiction-Geschichte: Auf dem Planeten Grinder leiden die Bewohnerinnen unter tiefer emotionaler Niedergeschlagenheit, weshalb ihre Königin die titelgebende Agentin ins Universum schickt. Auf der Erde entdeckt sie Crying Steel, entführt die Band kurzerhand und bringt sie nach Grinder, wo eine ordentliche Dosis Heavy Metal die Bevölkerung wieder aufrichten soll. Das klingt nach einer Mischung aus Achtzigerjahre-Comic, Weltraumoper und augenzwinkernder Metal-Selbstverehrung – und passt damit ausgezeichnet zum fünften Studioalbum der seit 1982 aktiven Italiener. Acht Jahre nach »Stay Steel« liefern die Veteranen aus Bologna klassischen Heavy Metal zwischen Saxon, Accept, Judas Priest, melodischem Hard Rock und einer Prise Power Metal. Neu am Mikrofon steht Tiziano „Hammerhead“ Sbaragli, dessen kräftige, hoch angesetzte Stimme dem traditionsbewussten Material zusätzliche Energie verleiht. Produziert wurde »Agent Steel« von der Band selbst, während Roberto Priori von Danger Zone für die technische Umsetzung verantwortlich zeichnet.

Official Video: My Heart Steel Rocks

DIE AGENTIN IST GELANDET

»The Arrival« eröffnet das Album mit einem breiten Gitarrenriff, das sofort deutlich macht, dass Crying Steel nicht an einer modernen Neuinterpretation ihres Stils interessiert sind. Die Akkorde besitzen klassischen Heavy-Metal-Druck, das Schlagzeug marschiert kontrolliert voran und Tiziano „Hammerhead“ Sbaragli setzt sich mit einer kraftvollen Stimme über das Instrumental.

Sein Gesang erinnert stellenweise an Biff Byford, besitzt in den höheren Passagen aber auch Anklänge an Tim „Ripper“ Owens. Entscheidend ist, dass Tiziano „Hammerhead“ Sbaragli nicht versucht, jeden Takt durch übertriebene Höhenflüge zu dominieren. Er lässt den Gitarren ausreichend Raum und setzt seine kräftigsten Töne gezielt ein.

Franco Nipoti und Paolo Nocchi bilden eine klassische Doppelgitarrenfront. Das Hauptriff bleibt geradlinig, wird jedoch durch melodische Leads und kleine harmonische Veränderungen erweitert. Luca Ferri steigert das Tempo zum Ende hin und sorgt dafür, dass der Opener nicht vollständig im gemächlichen Midtempo verharrt.

Mit »You Got The Look« geht die Band deutlich offensiver vor. Die Gitarren erhalten mehr Biss, der Rhythmus wird beweglicher und der Refrain ist unverkennbar auf unmittelbare Eingängigkeit ausgelegt. Das Stück besitzt eine leicht überdrehte Achtzigerjahre-Attitüde, die irgendwo zwischen traditionellem Heavy Metal und melodischem Hard Rock liegt.

Der Song nimmt sich selbst nicht übermäßig ernst. Gerade das steht ihm gut. Crying Steel liefern keine akademische Abhandlung über die Zukunft des Genres, sondern einen griffigen Metal-Song, dessen Refrain bereits nach dem ersten Durchlauf sitzt.

UNDER COVER GIBT DER DOUBLEBASS FREIGANG

»Under Cover« erhöht den Druck und gehört zu den kompaktesten Nummern der Platte. Der Song beginnt mit einem scharf geführten Riff, bevor Luca Ferri im Refrain die Doublebass freigibt. Die Verbindung aus klassischem Heavy Metal und melodischem Power Metal funktioniert hier besonders geschlossen.

Der Refrain besitzt eine klare Kontur und wird durch mehrstimmige Hintergrundgesänge verbreitert. Das Gitarrenduo arbeitet eng zusammen, ohne die beiden Instrumente vollständig miteinander verschmelzen zu lassen. Während eine Gitarre den Rhythmus hält, setzt die zweite kurze melodische Gegenbewegungen.

Das Stück endet vergleichsweise abrupt. Dadurch entsteht der Eindruck, als hätte die Band einen letzten Refrain oder eine kurze instrumentale Wiederaufnahme bewusst gestrichen. Die konzentrierte Form sorgt allerdings auch dafür, dass »Under Cover« keinerlei Leerlauf entwickelt.

»Just Played On« setzt den melodischen Kurs fort. Das Tempo fällt etwas kontrollierter aus, während der Refrain stärker auf klassische Hard-Rock-Eingängigkeit setzt. Die Gitarren liefern erneut das eigentliche Fundament, wobei insbesondere der Solopart positiv auffällt.

Das Stück erreicht nicht ganz die Durchschlagskraft der ersten drei Nummern. Der Refrain ist sauber gearbeitet, besitzt aber weniger Widerhaken als »You Got The Look« oder »Under Cover«. Als Verbindung zwischen dem energischen Einstieg und der melodischeren Albumhälfte erfüllt der Song dennoch zuverlässig seine Aufgabe.

ERINNERUNG UND HEIMKEHR

»To Remember« gibt den Gitarren wieder mehr Schub. Das Riffing bewegt sich deutlich in Richtung klassischer britischer Heavy-Metal-Schule, während Tiziano „Hammerhead“ Sbaragli den Song mit kraftvoller Artikulation nach vorn treibt.

Unter der harten Oberfläche liegt eine melodische Grundhaltung, die beinahe an den härteren Glam und Arena Rock der Achtziger erinnert. Crying Steel verbinden diese Einflüsse allerdings mit genügend metallischem Gewicht, um nicht in bloße Nostalgie für Haarspray und Sportwagenvideos abzugleiten.

Der Song gehört zu den stärksten Stücken, weil Riff, Refrain und Solo unmittelbar ineinandergreifen. Kein Bestandteil wirkt nachträglich ergänzt. Die Band schreibt hier nicht kompliziert, sondern effizient.

»Coming Home« schließt thematisch und musikalisch an. Die Gitarren fallen schwerer aus, während der Refrain eine größere, beinahe hymnische Wirkung entwickelt. Das Motiv der Heimkehr passt zugleich zur Geschichte einer Band, die nach mehreren Umbesetzungen und einer längeren Studiopause wieder mit einem vollständigen Album antritt.

Marco „Ziro“ Zirondelli sorgt im tieferen Bereich für ein kräftiges Fundament. Der Bass drängt sich nicht in den Vordergrund, bleibt unter den Gitarren aber deutlich genug wahrnehmbar, um dem Song zusätzliche Bewegung zu geben.

Besonders die Verbindung aus schwerem Strophenriff und offenem Refrain überzeugt. »Coming Home« dürfte live schnell funktionieren, weil der Song ausreichend Härte für die erste Reihe und genügend Melodie für den restlichen Saal besitzt.

MEIN HERZ ROCKT AUS STAHL

Der Titel »My Heart Steel Rocks« ist sprachlich ungefähr so subtil wie eine verchromte Streitaxt auf dem Frühstückstisch. Genau deshalb passt er zu Crying Steel. Die Nummer ist eine offen ausgesprochene Liebeserklärung an Heavy Metal, große Refrains und jene unerschütterliche Überzeugung, dass Stahl als emotionaler Aggregatzustand vollkommen ausreichend ist.

Musikalisch bewegt sich der Song stärker im melodischen Hard Rock. Das Riffing ist einfacher, der Refrain bewusst groß angelegt und die Hintergrundgesänge unterstreichen den Arena-Charakter. Wer ausschließlich kompromisslosen Stahl erwartet, könnte die Nummer als etwas zu glatt empfinden.

Der Ohrwurm funktioniert dennoch. Tiziano „Hammerhead“ Sbaragli singt den Refrain mit voller Überzeugung, und das Gitarrenduo liefert genügend Druck, um den Song vor einem vollständigen Abrutschen in süßlichen AOR zu bewahren.

Gerade diese Unbekümmertheit gehört zur Stärke der Band. Crying Steel müssen niemandem mehr beweisen, dass sie seit den frühen Achtzigern zur italienischen Metalgeschichte gehören. Sie können sich erlauben, eine bewusst eingängige Hymne zu schreiben, ohne ihre Identität zu verlieren.

DIE KÖNIGIN VON PLANET GRINDER

»Queen Of Grinder« führt direkt zum Science-Fiction-Konzept des Albums zurück. Die Königin des Planeten Grinder ist jene Herrscherin, die Agent Steel losschickt, um ein Heilmittel gegen die kollektive Niedergeschlagenheit ihrer Bevölkerung zu finden.

Die Geschichte ist offensichtlich mit einem Augenzwinkern geschrieben. Musikalisch nehmen Crying Steel die Aufgabe jedoch ernst. Das Stück kehrt zu schwereren Riffs zurück und erinnert in seiner stampfenden Grundbewegung an den Beginn des Albums.

Die Gitarren besitzen mehr Kanten als bei »My Heart Steel Rocks«. Kurze Leads und ein klassischer Heavy-Metal-Galopp sorgen für Bewegung, während der Refrain die fantastische Figur der Königin in den Mittelpunkt stellt.

Das Konzept wird nicht durch aufwendige Hörspielpassagen, Dialoge oder übertriebene Synthesizer erklärt. Die Band belässt es bei einem erzählerischen Rahmen, der dem Artwork und einzelnen Songs zusätzlichen Zusammenhang gibt. Dadurch bleibt »Agent Steel« in erster Linie ein Heavy-Metal-Album und wird nicht zur überladenen Rockoper.

DIE SEELE WIRD GESTOHLEN

»You Steal My Soul« bringt vor dem Bonusstück noch einmal deutlich mehr Tempo. Das Riffing fällt kantiger aus und besitzt eine leicht thrashige Schärfe, ohne den traditionellen Heavy-Metal-Rahmen zu verlassen.

Luca Ferri treibt die Nummer energisch voran. Seine Schlagzeugarbeit bleibt geradlinig, setzt aber genügend kleine Wechsel, um den Song lebendig zu halten. Insbesondere die Übergänge zwischen Strophe und Refrain erhalten durch seine Fills zusätzlichen Schwung.

Der Refrain ist eingängig, wirkt aber weniger glatt als jener von »My Heart Steel Rocks«. Die Gitarren setzen aggressivere Akzente und verleihen dem Stück eine Dringlichkeit, die der zweiten Albumhälfte guttut.

Auch Tiziano „Hammerhead“ Sbaragli überzeugt. Er arbeitet stärker mit rauen Mittellagen und reserviert die hohen Töne für gezielte Höhepunkte. Diese kontrollierte Einteilung verhindert, dass seine kraftvolle Stimme über 41 Minuten ermüdet.

RALF SCHEEPERS LÄSST NIEMANDEN WEINEN

Als Bonusstück haben Crying Steel den Klassiker »No One’s Crying« neu aufgenommen. Die ursprüngliche Fassung stammt aus der frühen Bandphase und zählt zu den bekanntesten Songs der Italiener.

Für die 2026er-Version übernimmt Ralf Scheepers von Primal Fear den Gesang. Seine Stimme passt erwartungsgemäß hervorragend zum schnellen, klassischen Heavy Metal. Die hohen Töne besitzen Kraft und Präzision, während die raueren Passagen dem Stück zusätzliche Härte verleihen.

Die Neuaufnahme klingt druckvoller und breiter als das historische Original, ohne dessen schnellen Charakter vollständig umzubauen. Die Gitarren bleiben im Mittelpunkt, der Rhythmus treibt und Ralf Scheepers setzt seinen unverkennbaren Stempel auf die Nummer.

Etwas schade ist, dass daraus kein echtes Duett mit Tiziano „Hammerhead“ Sbaragli geworden ist. Ein Wechsel beider Sänger hätte die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart noch deutlicher herausgestellt. Als eigenständige Neuaufnahme funktioniert »No One’s Crying« dennoch ausgezeichnet und beendet die Platte mit einem energischen Höhepunkt.

NEUES BLUT IM ALTEN STAHLWERK

Crying Steel wurden 1982 in Bologna gegründet und gehören damit zu den frühen italienischen Heavy-Metal-Formationen. Die Band erarbeitete sich mit der selbstbetitelten EP und dem Album »On The Prowl« einen festen Platz im europäischen Underground.

Von der heutigen Besetzung gehören Franco Nipoti und Luca Ferri zu den langjährigen Konstanten. Marco „Ziro“ Zirondelli, Paolo Nocchi und insbesondere Sänger Tiziano „Hammerhead“ Sbaragli bringen neue Energie in die bewährte Grundformel.

Das Gitarrenduo ist klar auf klassische Rollenverteilung ausgerichtet. Rhythmusriffs, Twin-Guitar-Harmonien und kurze Soli wechseln einander ab. Die Musiker versuchen nicht, ihre Songs mit unnötiger technischer Komplexität aufzuwerten.

Marco „Ziro“ Zirondelli und Luca Ferri halten das Fundament stabil. Besonders Luca Ferri versteht es, die überwiegend mittleren Tempi durch kurze Beschleunigungen und Doublebass-Einsätze abwechslungsreich zu gestalten.

Der größte Gewinn ist Tiziano „Hammerhead“ Sbaragli. Seine Stimme besitzt genügend klassische Metalhöhe, bleibt aber kräftig und körperlich. Er klingt weder wie eine Kopie früherer Sänger noch wie ein Fremdkörper in einer seit Jahrzehnten bestehenden Band.

KLASSISCHER METAL MIT MODERNEM DRUCK

»Agent Steel« wurde von Crying Steel produziert und von Roberto Priori technisch betreut. Die langjährige Verbindung zwischen Crying Steel und dessen Band Danger Zone macht sich in einem Mix bemerkbar, der den traditionellen Klang versteht.

Die Gitarren besitzen ausreichend Mitten und wirken nicht wie eine moderne, tiefgestimmte Metallwand. Das Schlagzeug klingt kräftig, ohne vollständig überproduziert zu sein. Der Bass bleibt hörbar und der Gesang sitzt deutlich im Vordergrund.

Gelegentlich fällt die Produktion etwas glatt aus. Besonders bei »My Heart Steel Rocks« und den melodischsten Refrains hätte eine rauere Oberfläche zusätzlichen Charakter erzeugt. Insgesamt passt der klare Klang jedoch zur Mischung aus Heavy Metal, Power Metal und Hard Rock.

Mit rund 41 Minuten besitzt das Album eine vernünftige Länge. Die Band verliert sich nicht in überlangen Kompositionen und verzichtet auf instrumentale Zwischenspiele, die lediglich das Science-Fiction-Konzept erklären müssten.

Nicht jeder Song erreicht dieselbe Prägnanz. »Just Played On« fällt gegenüber den stärksten Nummern leicht ab, während einzelne Refrains sehr bewusst nach vertrauten Achtzigerjahre-Mustern gebaut sind. Die hohe Trefferquote und das geschlossene Zusammenspiel gleichen diese Schwächen jedoch aus.

FAZIT:

»Agent Steel« ist ein überzeugendes Comeback-Album, auf dem Crying Steel klassischen Heavy Metal, melodischen Hard Rock und eine Prise Power Metal zu eingängigen, druckvollen Songs verbinden. Besonders »The Arrival«, »You Got The Look«, »Under Cover«, »To Remember«, »Coming Home« und die Neuaufnahme von »No One’s Crying« überzeugen. Die Agentin hat ihre Mission damit erfüllt: Planet Grinder dürfte vorerst gerettet sein – und der italienische Stahl bleibt weiterhin belastbar.

Official Video: You Got The Look

Internet

Crying Steel - Agent Steel - CD Review

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