Band: Mortal Terror 🇩🇪
Titel: Filthy Old Thrash
Label: Eigenveröffentlichung
VÖ: 26.06.2026
Format: CD / Vinyl / Digital
Genre: Old School Thrash Metal / Speed Metal / Heavy Metal

Tracklist

01. Ghosts From The Past – 00:59
02. 1986-6-6 – 06:02
03. Filthy Old Thrash – 05:27
04. I Come For Everyone – 04:12
05. Cold, Ugly And Rotten – 04:45
06. Under Attack – 05:03
07. Deadly Class – 05:35
08. Here Is Some Speed – 05:43
09. We Own This Night – 05:07

Besetzung

Jann „Der Praktikant“ Hoffmann – Gesang
Dirk Wieland – Gitarre, Gesang
Andreas Klein – Gitarre
Gerret „Roxx“ Geilich – Bass
Jürgen Grauer – Schlagzeug

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Dreckiger alter Thrash Metal – der Albumtitel »Filthy Old Thrash« lässt wenig Raum für Missverständnisse. Die nordhessischen Szeneveteranen Mortal Terror feiern ihr vierzigjähriges Bestehen nicht mit einem weichgespülten Rückblick, einer halbgaren Best-of-Sammlung oder nostalgischer Selbstbeweihräucherung. Stattdessen veröffentlicht die 1986 gegründete Formation ihr siebtes Studioalbum und zeigt, dass röhrende Gitarrenverstärker, punkige Angriffslust, Speed-Metal-Galopp und klassischer Teutonen-Thrash auch nach vier Jahrzehnten keine Altersfreigabe benötigen. »Filthy Old Thrash« setzt dort an, wo »Creating Destruction« und »Bite Of The Underdog« aufgehört haben, wirkt jedoch fokussierter, schneller und spielerisch ausgefeilter. Zum ersten Mal ist das seit 2021 bestehende Line-up mit Jann „Der Praktikant“ Hoffmann und Andreas Klein auf einem vollständigen Album zu hören. Gemeinsam mit Dirk Wieland, Gerret „Roxx“ Geilich und Jürgen Grauer entsteht ein rauer, aber keineswegs primitiver Bastard aus Thrash Metal, Speed, NWOBHM, Punk und wenigen Death-Metal-Sprengseln.

Official Video: Filthy Old Thrash

DIE GEISTER VON 1986

Das einminütige »Ghosts From The Past« öffnet das Album mit einer düsteren Atmosphäre. Stimmen und Geräusche führen zurück in die Anfangstage einer Zeit, in der Thrash Metal noch nicht als historisches Genre verwaltet wurde, sondern in Proberäumen, Jugendzentren und verrauchten Clubs Gestalt annahm.

Direkt anschließend schlägt »1986-6-6« die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Zahlenfolge verweist auf das Gründungsjahr und wird zugleich mit der obligatorischen Sechs-Sechs-Sechs-Symbolik verbunden. Musikalisch beginnt der Song langsam und bedrohlich, ehe das gesamte Quintett Fahrt aufnimmt.

Die Gitarren von Dirk Wieland und Andreas Klein arbeiten mit schweren Akkorden, galoppierenden Rhythmen und kurzen melodischen Gegenbewegungen. Einflüsse der NWOBHM stehen gleichberechtigt neben klassischem deutschem Thrash. Statt dauerhaft mit Höchstgeschwindigkeit durchzulaufen, entwickelt sich die sechsminütige Nummer über mehrere Abschnitte.

Jann „Der Praktikant“ Hoffmann setzt eine raue, variable Stimme über das Instrumental. Er schreit, keift, brüllt und bewegt sich gelegentlich in tiefere Regionen. Die verschiedenen Lagen wirken nicht wie eine technische Demonstration, sondern verstärken die wechselnden Stimmungen.

Der Song fasst die Geschichte von Mortal Terror nicht sentimental zusammen. Er klingt eher wie eine erneute Kampfansage: Die Vergangenheit wird anerkannt, aber nicht als bequemer Ruheplatz genutzt.

DER TITEL IST PROGRAMM

»Filthy Old Thrash« beginnt mit einem Riff, das sofort nach verschwitztem Club, klebrigem Boden und kreisendem Moshpit klingt. Punkige Akkorde treffen auf galoppierende Gitarren und eine Rhythmusgruppe, die den Song mit erheblichem Druck vorantreibt.

Jürgen Grauer schlägt nicht nur den Takt, sondern verändert den Charakter der einzelnen Passagen. Straffe Thrash-Rhythmen werden von schwerem Midtempo, kurzen Beschleunigungen und kraftvollen Fills unterbrochen. Das Schlagzeug klingt körperlich und nicht wie eine klinisch bearbeitete Sammlung identischer Einzelschläge.

Die NWOBHM-Einflüsse treten in den melodischen Gitarren besonders deutlich hervor. Mortal Terror verstehen Old School nicht als Beschränkung auf möglichst rohe drei Akkorde. Hinter der ruppigen Oberfläche stehen sorgfältig arrangierte Übergänge und ein Gitarrenduo, das zwischen Aggression und klassischem Heavy-Metal-Gespür wechseln kann.

Der Refrain ist für die Bühne geschrieben. Große intellektuelle Rätsel werden hier nicht verteilt. Der Titel wird herausgeschrien, die Gitarren marschieren nach vorn und der Song erfüllt genau jene Aufgabe, die sein Name verspricht.

KEINER BLEIBT VERSCHONT

»I Come For Everyone« setzt stärker auf Geschwindigkeit und einen eingängigen Refrain. Die Backing Vocals verbreitern den Gesang, ohne dem Stück seine raue Oberfläche zu nehmen. Das Ergebnis bewegt sich zwischen klassischem Speed Metal, frühem Thrash und punkigem Rock ’n’ Roll.

Besonders die Gitarrenarbeit fällt auf. Die Rhythmusspuren treiben geradeaus, während kurze Leads und melodische Einwürfe verhindern, dass die Nummer nach einer einzigen Minute vollständig auserzählt ist. Der Refrain bleibt dennoch das klare Zentrum.

»Cold, Ugly And Rotten« trägt seine Haltung bereits im Titel. Der Song klingt schmutziger, schwerer und besitzt eine deutlich erkennbare Motörhead-Schlagseite. Bass, Gitarre und Schlagzeug drücken gemeinsam nach vorn, während der Gesang mit rotziger Aggression über dem Arrangement liegt.

Das Stück wechselt mehrfach zwischen schnellem Angriff und schweren Midtempo-Passagen. Gerade diese Tempowechsel verleihen dem Song mehr Wirkung als ein dauerhafter Vollgaslauf. Wenn die Band erneut beschleunigt, wirkt der Übergang wie ein körperlicher Schlag.

Gerret „Roxx“ Geilich ist im tiefen Fundament deutlich wahrnehmbar. Sein Bass besitzt genügend Eigenklang, um nicht vollständig unter den Gitarren zu verschwinden, und verleiht den langsameren Abschnitten zusätzliche Schwere.

UNTER ANGRIFF

»Under Attack« tritt das Gaspedal weit durch und gehört zu den direktesten Nummern des Albums. Das Riffing erinnert an die frühen Phasen von Metallica, D.R.I., Overkill und deutschem Achtziger-Thrash, wird jedoch nicht als nostalgische Stilkopie präsentiert.

Der Song besitzt einen kompakten Aufbau und mehrere klar gesetzte Groovepassagen. Mortal Terror wissen, wann ein Riff wiederholt werden muss und wann ein Wechsel notwendig ist. Diese Erfahrung verhindert, dass das Album trotz seiner tiefen Verwurzelung in den Achtzigern altbacken klingt.

Auch Andreas Klein macht sich deutlich bemerkbar. Seine Rhythmusgitarre verstärkt die ohnehin massive Grundlage, während Dirk Wieland stärker zwischen Akkordarbeit, Leads und Gesang wechselt. Die beiden Instrumente bilden keine undefinierte Wand, sondern übernehmen erkennbare Rollen.

Die Produktion lässt ausreichend Raum zwischen Gitarren und Rhythmusgruppe. Das Material klingt rau, aber nicht verwaschen. Gerade für Old-School-Thrash ist diese Balance entscheidend: Zu viel Glätte nimmt der Musik ihre Gefährlichkeit, zu wenig Trennschärfe verschluckt die spielerischen Feinheiten.

DIE TÖDLICHE KLASSE

»Deadly Class« fällt komplexer aus. Die Gitarren bewegen sich verspielter, während die Rhythmen häufiger wechseln. Erinnerungen an Megadeth, frühen Progressive Thrash und die sperrigeren Seiten von Voivod drängen sich auf, ohne den eigentlichen Stil zu verdrängen.

Die Nummer beginnt kontrolliert, baut ihre Spannung jedoch schrittweise aus. Jann „Der Praktikant“ Hoffmann wechselt zwischen aggressivem Shouting und tieferen Lauten, während die Gitarren immer wieder kleinere melodische Motive einstreuen.

Der Song zeigt, dass Mortal Terror nicht nur aufgrund ihres Alters oder ihrer langen Bandgeschichte Respekt verdienen. Die Musiker beherrschen ihr Handwerk und können kompliziertere Arrangements schreiben, ohne dabei den direkten Zugang zu verlieren.

Einige Übergänge benötigen mehrere Durchläufe, bevor sie vollständig im Gedächtnis bleiben. Genau darin liegt jedoch der Reiz. »Deadly Class« ist kein unmittelbarer Abrisshammer wie der Titeltrack, sondern eine Nummer, die ihre Stärken nach und nach offenlegt.

HIER IST ETWAS GESCHWINDIGKEIT

Bei einem Song namens »Here Is Some Speed« wäre ein gemütlicher Doom-Einschub eine gewisse Überraschung. Mortal Terror erfüllen stattdessen die Erwartung und liefern eine der schnellsten Nummern des Albums.

Das Stück beginnt treibend, lässt aber auch melodische Passagen und kurze Temporeduktionen zu. Die Band vermeidet damit den Fehler, Geschwindigkeit mit einer dauerhaft identischen Bewegung zu verwechseln. Gerade die kurzen Unterbrechungen verleihen den folgenden Angriffen zusätzliche Wucht.

Die Gitarren besitzen klassischen Speed-Metal-Biss. Gleichzeitig tauchen erneut tiefere Schreie und eine dunklere Färbung auf, die an Celtic Frost und die frühen Schnittstellen zwischen Thrash und Death Metal erinnern.

Jürgen Grauer hält die Nummer zusammen. Sein Spiel bleibt auch bei hohem Tempo kontrolliert und verliert nicht die natürliche Dynamik. Becken und Snare setzen unterschiedliche Akzente, statt lediglich ein mechanisches Raster zu erzeugen.

DIE NACHT GEHÖRT DEM UNDERGROUND

»We Own This Night« beendet das Album mit galoppierenden Gitarren, melodischen Leads und einer punkigen Haltung. Der Titel könnte leicht in eine übertrieben heroische Festivalhymne münden, doch Mortal Terror halten die Nummer ausreichend dreckig.

Der Refrain eignet sich zum Mitgrölen, während die Gitarren zwischen schwerem Rhythmus und beschleunigten Passagen wechseln. Der Song wirkt nicht wie ein angehängter Restbestand, sondern wie ein bewusst gesetztes Finale.

Inhaltlich lässt sich die Nacht als jener Raum verstehen, in dem Underground-Kultur seit Jahrzehnten stattfindet: Clubs, Proberäume, kleine Bühnen und Konzerte, bei denen Band und Publikum nicht durch große Distanzen voneinander getrennt sind.

Diese Verbundenheit ist dem Album anzuhören. »Filthy Old Thrash« wurde nicht mit Blick auf kurzfristige Trends geschrieben. Die Songs richten sich an Menschen, die genau diese Mischung aus Thrash, Speed, Heavy Metal und Punk hören wollen.

VIERZIG JAHRE OHNE RUHESTAND

Mortal Terror wurden 1986 im Raum Hann. Münden zwischen Kassel und Göttingen gegründet. Nach mehreren Demos erschienen in den Neunzigern die Alben »The Evolving Self« und »Posthuman«, auf denen Death Metal und experimentellere Einflüsse stärker hervortraten.

Später kehrte die Band zu einer geradlinigeren Verbindung aus Thrash, Speed, NWOBHM und Rock ’n’ Roll zurück. »Creating Destruction« und »Bite Of The Underdog« festigten diese Ausrichtung.

Das heutige Line-up wirkt geschlossen. Jann „Der Praktikant“ Hoffmann bringt eine variable, energische Stimme ein, während Andreas Klein die Gitarrenfront verbreitert. Die langjährigen Mitglieder sorgen dafür, dass der typische Charakter der Band erhalten bleibt.

Besonders überzeugend ist, dass Mortal Terror ihr Jubiläum nicht übermäßig inszenieren. Die Vergangenheit wird im Intro und in »1986-6-6« aufgegriffen, anschließend zählt jedoch hauptsächlich das neue Material.

RAU, ABER NICHT RÜCKSTÄNDIG

Die Produktion bewahrt die notwendige Rauheit. Gitarren klingen nach Verstärkern, das Schlagzeug nach einem tatsächlich gespielten Instrument und der Bass besitzt ausreichend Präsenz. Gleichzeitig bleibt die Aufnahme klar genug, um Leads, Tempowechsel und Backing Vocals nachvollziehen zu können.

Das Album ist damit weder eine künstlich verschlechterte Retro-Produktion noch ein vollständig glattgezogener moderner Thrash-Block. Die Band findet einen überzeugenden Mittelweg.

Einige Stücke überschreiten die Fünf-Minuten-Marke. Nicht jede Passage wäre zwingend notwendig gewesen, doch echte Längen entstehen selten. Die längeren Arrangements geben den Gitarren ausreichend Raum und unterscheiden die Platte von vielen Retro-Thrash-Veröffentlichungen, die ausschließlich auf kurze Vollgasnummern setzen.

Die Vinyl-Ausgabe verzögert sich aufgrund von Problemen beim ursprünglich vorgesehenen Presswerk. Digital und auf CD ist das Album bereits erhältlich. Die physische CD enthält ein achtseitiges Booklet mit Texten und einer umfangreichen Fotocollage.

FAZIT:

»Filthy Old Thrash« ist eine leidenschaftliche, handwerklich starke und angenehm ungeschliffene Verbeugung vor vier Jahrzehnten Underground-Metal. Mortal Terror überzeugen besonders mit »1986-6-6«, »Filthy Old Thrash«, »Cold, Ugly And Rotten«, »Deadly Class« und »Here Is Some Speed«, während lediglich einige leicht ausgedehnte Passagen kleinere Abzüge verursachen. Alt und dreckig ist dieser Thrash tatsächlich – müde oder eingerostet klingt er jedoch keine Sekunde.

Internet

Mortal Terror - Filthy Old Thrash - CD Review

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