Tracklist
01. Death
02. Walking Dead
03. Blood Red
04. A Ce Lieu
05. Against the Tide
06. King of Hell
07. Kneel or Die
08. 00.00.01
09. Expand Crimson Chaos
10. Gundown the Flag
11. Nuclear Winter
12. A Ce Lieu – Demo (CD-Bonustrack)
Besetzung
Franck Ghirardi – Gesang
Seb Casula – Rhythmus- und Leadgitarre
Lionel Antonorsi – Bass
Gastmusiker:
Brent E. Smedley – Schlagzeug
Thomas Tiberi – Gitarrensoli
Produktion:
Mixing und Mastering – Christophe Boin, Recording Studio Marseille
Artwork – WolforDeer
Frankreich ist bekannt für guten Wein, feine Küche und den Eiffelturm – und dank Bands wie Stonecast und ihrem neuen Album »Expand Crimson Chaos« auch für Heavy Metal, der sich nicht mit dem bloßen Wiederholen alter Standards zufriedengibt. Mehr als sieben Jahre nach »I Earther« kehren die Musiker aus Marseille mit ihrem vierten Langspieler zurück. Darauf verbinden sie traditionellen Heavy Metal mit Power-Metal-Energie, progressiven Übergängen, düsteren Passagen und vereinzelten Thrash-Einschüben. Inhaltlich geht es um Tod, Widerstand, menschliche Abgründe, Erlösung und den Willen, selbst unter widrigen Bedingungen weiterzukämpfen.
DER TOD STEHT AM ANFANG
»Death« beginnt nicht mit einem schnellen Riff oder einem kalkulierten Mitsingrefrain, sondern mit zurückhaltenden Synthesizern und einer schweren, beinahe doomigen Grundstimmung. Erst danach treten die Gitarren deutlicher hervor. Franck Ghirardi nutzt den verfügbaren Raum für eine intensive Gesangsleistung, die zwischen kontrollierter Erzählung, kraftvollen Ausbrüchen und hohen Heavy-Metal-Tönen wechselt. Der Opener verlangt Aufmerksamkeit, setzt damit aber bewusst einen anderen Akzent als viele klassisch aufgebaute Genreplatten.
Mit »Walking Dead« zieht das Tempo an. Präzise gespielte Gitarren, ein entschlossener Rhythmus und ein eingängiger Refrain führen deutlich näher an traditionellen Heavy und Power Metal heran. Seb Casula arbeitet nicht nur mit geradlinigen Akkordfolgen, sondern lässt immer wieder kleinere harmonische Verschiebungen und melodische Details einfließen. Dadurch bleibt der Song auch nach mehreren Durchläufen interessant. Inhaltlich begleiten wir Untote, die gemeinsam mit gesetzlosen Gestalten durch eine Westernkulisse ziehen. Die Geschichte ist bewusst überzeichnet, wird von der Band aber mit voller Überzeugung präsentiert.
»Blood Red« schlägt anschließend eine finsterere Richtung ein. Ein fanatischer Prediger versucht, höllische Kräfte heraufzubeschwören, während die Musik mit schärferen Riffs und einer aggressiveren Gesangsdarbietung arbeitet. Der Song zeigt früh, dass Stonecast auf diesem Album kein eng begrenztes Klangbild verfolgen. Die stilistischen Wechsel entstehen nicht durch wahllos aneinandergereihte Ideen, sondern werden überwiegend aus den jeweiligen Geschichten entwickelt.
WIDERSTAND ZWISCHEN MELODIE UND HÄRTE
Das vollständig auf Französisch gesungene »A Ce Lieu« gehört zu den emotionalsten Momenten des Albums. Der kompakte Rhythmus besitzt spürbaren Groove, während die Gitarrenmelodien den Gesang stützen, ohne ihn zu überladen. Das Stück behandelt die Entscheidung, alles aufzugeben, um einen geliebten Menschen zu retten. Ghirardi trägt dieses Thema glaubwürdig und verzichtet dabei auf übertriebene Theatralik.
Mit einer Spielzeit von fast sechs Minuten bildet »Against the Tide« einen der kompositorischen Höhepunkte. Galoppierende Rhythmen, akustische Abschnitte, progressive Übergänge und große Refrains greifen überraschend selbstverständlich ineinander. Das Stück versteht sich als Aufruf, Hindernissen nicht auszuweichen, sondern ihnen mit Entschlossenheit entgegenzutreten. Besonders Brent E. Smedley trägt mit seinem differenzierten Schlagzeugspiel dazu bei, dass die zahlreichen Wechsel nicht konstruiert wirken. Er setzt kraftvolle Akzente, hält sich in den ruhigeren Teilen jedoch angemessen zurück.
»King of Hell« fällt deutlich direkter aus. Schnellere Gitarrenbewegungen und eine leicht thrashige Schärfe sorgen für einen bewussten Bruch. Der Song funktioniert für sich betrachtet gut, wirkt im Albumfluss jedoch etwas weniger organisch als die vorangegangenen Stücke. Inhaltlich dient er als Vorgeschichte zu »Precipice to Hell« vom Vorgängeralbum und beschäftigt sich mit Personenkult, Verführung und der manipulativen Wirkung vermeintlich charismatischer Herrscher.
Mit »Kneel or Die« bekennen sich Stonecast schließlich ohne Vorbehalte zu den klassischen Heavy-Metal-Konventionen. Der Titel, die martialischen Riffs und der druckvolle Refrain könnten direkter kaum ausfallen. Allerdings setzt die Band diese Elemente nicht mit ironischer Distanz ein. Das Stück will ein kompromissloser Heavy-Metal-Song sein und erfüllt diese Aufgabe mit Nachdruck. Gerade live dürfte der Refrain seine volle Wirkung entfalten.
DREI WORTE, DREI HAMMERSCHLÄGE
Das kurze Instrumental »00.00.01« leitet den letzten Albumabschnitt ein. Bedrohliche Klänge und ein angedeuteter Countdown erzeugen das Bild eines Menschen, der in einem Schutzraum sitzt und erkennt, dass die verbleibende Zeit bereits abgelaufen ist. Als eigenständige Komposition besitzt das Stück wenig Substanz, als Verbindung zum Titelsong erfüllt es jedoch seinen Zweck.
»Expand Crimson Chaos« bündelt anschließend viele Stärken der Platte. Der Bass von Lionel Antonorsi tritt deutlich hervor, die Gitarren verbinden Härte mit melodischer Führung und Ghirardi liefert einen Refrain, der den ungewöhnlichen Titel tatsächlich einprägsam macht. Die drei Wörter werden wie drei aufeinanderfolgende Schläge eingesetzt. Der Song wirkt weder künstlich auf Größe getrimmt noch unnötig kompliziert und zählt deshalb zu den geschlossensten Kompositionen des Albums.
Deutlich verspielter präsentiert sich »Gundown the Flag«. Stonecast verbinden klassische Metal-Riffs mit beinahe zirkusartigen Passagen, gesprochenen Einwürfen und bewusst chaotischen Übergängen. Dieser Abschnitt ist erkennbar Teil des Konzepts, dürfte jedoch die Hörerschaft spalten. Einige werden die unberechenbare Gestaltung begrüßen, während andere darin einen unnötigen Bruch mit der zuvor aufgebauten Atmosphäre sehen.
»Nuclear Winter« beendet das Album konsequent mit einer apokalyptischen Szenerie. Das Stück greift Motive aus früheren Phasen der Band auf, verdichtet sie zu einem schweren Finale und räumt auch dem Bass noch einmal ausreichend Platz ein. Einzelne raue Gesangspassagen wirken im Verhältnis zum sonstigen Klangbild etwas unvermittelt. Das abschließende Instrumentalstück führt die Platte dennoch überzeugend zu Ende und lässt offen, ob nach der vollständigen Zerstörung tatsächlich ein Neubeginn möglich ist.
STARKE GÄSTE UND KLARE PRODUKTION
Für das Schlagzeug konnten Stonecast Brent E. Smedley gewinnen, der insbesondere durch seine Arbeit mit Iced Earth bekannt ist. Seine Leistung gehört zu den wichtigsten Bestandteilen des Albums. Er spielt technisch präzise, lässt die Musik aber atmen und richtet seine Akzente nach den jeweiligen Kompositionen aus. Die Gitarrensoli stammen vollständig von Thomas Tiberi von Sunbeam Overdrive. Statt bloßer Geschwindigkeitsdemonstrationen liefert er melodisch nachvollziehbare Soli, die den Songs zusätzliche Farben geben.
Christophe Boin hat »Expand Crimson Chaos« im Recording Studio Marseille gemischt und gemastert. Gitarren, Bass, Schlagzeug und Gesang sind klar voneinander getrennt, ohne dass das Ergebnis steril erscheint. Besonders der Bass erhält erfreulich viel Präsenz. Lediglich einige besonders dicht arrangierte Stellen hätten von etwas mehr Zurückhaltung profitieren können.
Die größte Stärke des Albums ist gleichzeitig sein kleiner Schwachpunkt. Stonecast bewegen sich zwischen traditionellem Heavy Metal, Power Metal, Doom, Thrash und progressiveren Strukturen. Dadurch bleibt die Platte abwechslungsreich, besitzt aber nicht durchgehend einen vollkommen geschlossenen Fluss. Einige Übergänge wirken eher wie der Wechsel zu einer neuen Geschichte als wie die Fortsetzung eines zusammenhängenden Albums.
FAZIT:
»Expand Crimson Chaos« ist eine ambitionierte und handwerklich überzeugende Rückkehr. Stonecast verbinden klassischen Heavy Metal mit erzählerischem Anspruch, abwechslungsreichen Arrangements und starken individuellen Leistungen. Nicht jede stilistische Abzweigung fügt sich nahtlos in das Gesamtbild ein, doch Stücke wie »Death«, »Walking Dead«, »Against the Tide« und der Titelsong zeigen eine Band, die auch nach mehr als zwei Jahrzehnten nicht auf eingefahrene Lösungen angewiesen ist.






