1986 – Carniveil

1986 Carniveil album cover

Band: 1986 🇬🇧
Titel: Carniveil
Label: Independent
VÖ: 02/01/26
Genre: Sludge Metal/Hardcore

Tracklist

01. White Rabbit
02. Joy
03. Sweet Tooth
04. Black Mirror
05. Teanga Briste
06. Torment
07. Equus Gallows
08. Static Burn
09. One for Sorrow
10. Vipers Den
11. Afterlife Crisis

 

Besetzung

Gregory Creighton – Guitars
Ashley Fenlon – Vocals
James Gardner – Bass
Will Parish – Drums

 

Bewertung:

3,5/5

1986 ist ein Vierer aus Manchester, England, der sich seit einigen Jahren mit einer eigenwilligen Mischung aus Sludge Metal und Hardcore eine kleine, treue Hörerschaft erspielt hat. Ashley Fenlon schreit und keift sich durch die Songs, als stünde jedes Wort unter Strom. Gregory Creighton legt dazu schwere, sägende Gitarrenflächen, während James Gardner am Bass eher gräbt als spielt. Will Parish hält das Ganze am Schlagzeug mit einer rohen, annähernd störrischen Direktheit zusammen. »Carniveil« ist das erste Full-Lenght-Album und es zeigt eine Band, die sich hörbar weiterentwickelt, ohne ihre Ecken glattzuschleifen.

Ein dunkler Ritt durch Sludge Metal und Hardcore

Der Sound von »Carniveil« ist dicht, körnig und bewusst nicht geschniegelt. Die Gitarren liegen wie eine Staubwolke über den Songs, zeitweilig demgemäß massiv, dass sie fast alles andere verschlucken. Genau das scheint gewollt. 1986 wollen keinen sauberen, durchhörbaren Metal liefern, sondern ein Gefühl von Enge und Druck. Die Produktion betont das noch, vor allem im Bassbereich, der oft wummert wie ein Motor im Leerlauf. Das Schlagzeug klingt trocken und direkt, was gut zu Parish’ hartem, schnörkellosem Stil passt. Fenlons Stimme sitzt eher im Mix als darauf. Sie wirkt auf keinen Fall wie ein Star im Vordergrund, sondern wie ein weiterer, wütender Bestandteil dieses Klangblocks.

Einstieg mit Biss

Der Opener »White Rabbit« macht gleich klar, wohin die Reise geht. Ein schleppendes Riff, das sich langsam aufbaut, bis Fenlon mit voller Wucht einsetzt. Der Song arbeitet viel mit Dynamik, mit kurzen Momenten von Ruhe, die dann abermals von Lärm zerfetzt werden. »Joy« zieht das Tempo an und zeigt die Hardcore-Wurzeln der Band deutlicher. Hier wird nicht lange gefackelt, der Song rast nach vorne und lässt kaum Luft zum Atmen. »Sweet Tooth« setzt dem eine giftige, beinahe punkige Note entgegen. Das Riff ist simpel, im Kontrast hierzu effektiv, und Fenlons Gesang klingt hier besonders spöttisch.

Dunkle Spiegel

Mit »Black Mirror« und »Teanga Briste« wird das Album schwerer und halbwegs sperriger. »Black Mirror« lebt von einem drückenden Groove, der sich tief ins Ohr frisst. Die Gitarren schichten sich übereinander, während der Bass darunter wie ein dunkler Strom fließt. »Teanga Briste«, dessen Titel aus dem Irischen stammt, ist einer der experimentelleren Momente der Platte. Hier spielen 1986 mehr mit Pausen und ungeraden Strukturen, was den Song zwar interessant, wenngleich weniger zugänglich macht.

Im Kern brutal

Die Mitte des Albums gehört »Torment« und »Equus Gallows«. Beide Stücke sind Paradebeispiele für das, was die Briten gut können. »Torment« ist ein zäher Brocken, der sich langsam entfaltet und dabei eine approximativ hypnotische Wirkung entwickelt. »Equus Gallows« dagegen ist direkter, mit einem treibenden Rhythmus und einem Refrain, der sich überraschend gut im Kopf festsetzt, wenngleich Fenlon ihn eher brüllt als singt. Hier zeigt sich, dass die Band durchaus ein Gespür für Songwriting hat, wenn sie das daneben hinter Lärm und Aggression versteckt.

Flackernde Energie

»Static Burn« bringt wiederum Tempo ins Spiel. Der Song klingt wie ein Kabelbrand in Zeitlupe, überall knistert es, während das Schlagzeug unnachgiebig vorantreibt. »One for Sorrow« ist danach angenähert schon melancholisch. Die Gitarren sind hier nahezu offener, die Stimmung gedrückter. Es ist einer der wenigen Momente, in denen 1986 so etwas wie Verletzlichkeit durchscheinen lassen. »Vipers Den« kehrt dann wieder zur Wut zurück. Der Track ist kurz, heftig und lässt wenig Raum für Zwischentöne.

Ein Abgang mit Fragezeichen

Der Schlusspunkt »Afterlife Crisis« fasst viele Elemente des Albums noch einmal zusammen. Langsame, schwere Parts wechseln sich mit plötzlichen Ausbrüchen ab. Der Song wirkt wie ein innerer Kampf, der nie ganz entschieden wird. Das passt gut zum Gesamteindruck von 1986, das eher Fragen aufwirft als Antworten liefert.

Stärken und Schwächen

1986, punkten auf diesem Album vor allem mit Atmosphäre und Konsequenz. Sie ziehen ihren Stil kompromisslos durch und schaffen es, eine dichte, bedrückende Welt aufzubauen, in der jeder Song seinen Platz hat. Gleichzeitig liegt hier die größte Schwäche. Über die volle Länge von elf Tracks hinweg kann sich das Klangbild einigermaßen abnutzen. Nicht jeder Song hebt sich stark genug vom vorherigen ab, und manchmal wünscht man sich einen klareren Kontrast oder eine mutigere Abwechslung.

»Carniveil« ist kein Album für nebenbei. Es fordert Aufmerksamkeit und eine gewisse Leidensfähigkeit, belohnt im Gegensatz hierzu mit intensiven Momenten und ehrlicher, ungefilterter Energie. 1986 zeigen, dass sie ihre Mischung aus Sludge-Metal und Hardcore verstanden haben und weiter ausbauen. Für ein Meisterwerk fehlt noch annähernd Feinschliff und vielleicht der Mut, öfter aus der eigenen Komfortzone auszubrechen. Mit 3,5 von 5 Punkten bleibt »Carniveil« eine starke, wenn auch nicht makellose Platte, die vor allem Fans harter, düsterer Klänge zufriedenstellen dürfte.

Fazit: 1986 gelingt es mit »Carniveil« die Essenz von Sludge-Metal und Hardcore einzufangen und in einer kraftvollen, dunklen Klangwelt zu präsentieren.

Internet

1986 - Carniveil - CD Review

Robert
Roberthttps://www.metalunderground.at
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.

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