Tracklist
01. Vanity
02. The Wild Divine
03. Ouroboros
04. Building Shrines to Vermin
05. Prayers to Fallen Gods
06. Hesperus
07. The Offering
Besetzung
Udun – Bass, Vocals
Rhynn – Guitars, Drum programming
Das Projekt ALDHEORTE bewegt sich in einem Bereich des Black-Metal, der stark von Atmosphäre, Mythologie und introspektiver Düsternis geprägt ist. Hinter der Formation stehen zwei Musiker. Udun, verantwortlich für Bass und Gesang, sowie Rhynn, der Gitarren einspielt und das Drum-Programming übernimmt. Gemeinsam erschaffen sie einen Klangkosmos, der zwischen traditionellem Black Metal und moderner, melodischer Interpretation pendelt.
Mit dem Album »The Wild Divine« legt das Duo ein Werk vor, das sich thematisch um spirituelle Zerbrechlichkeit, Verfall und den ewigen Kreislauf von Zerstörung und Erneuerung dreht. Die sieben Stücke bewegen sich zwischen rauer Aggression und getragenen, fast meditativen Passagen.
Ein Einstieg zwischen Melodie und Finsternis
Schon der Opener »Vanity« macht klar, wohin die Reise geht. Rasche Tremolo-Riffs treffen auf kalte, fast nebelhafte Klangflächen. Rhynns Gitarrenarbeit orientiert sich hörbar am melodischen Black-Metal skandinavischer Prägung, während das Drum-Programming einen konstanten, mechanischen Druck erzeugt.
Uduns Stimme klingt rau und verhangen, jedoch nicht ausschließlich aggressiv. Immer wieder tauchen Nuancen auf, die dem Gesang eine gewisse Emotionalität verleihen. Dadurch wirkt das Stück weniger wie ein reiner Angriff und eher wie ein düsterer Monolog über Selbstüberschätzung und Verfall.
Der Übergang zum Titeltrack »The Wild Divine« gelingt fließend. Hier rückt das atmosphärische Element stärker in den Vordergrund. Langsam aufgebaute Gitarrenlinien entfalten sich über einen gleichmäßigen Rhythmus, während sich die Komposition schrittweise verdichtet. Der Song gehört zu den markantesten Momenten des Albums, weil er die Balance zwischen Härte und Melodie besonders gut trifft.
Kreisläufe, Rituale und Abgründe
Mit »Ouroboros« greifen ALDHEORTE ein Motiv auf, das im Black Metal immer wieder auftaucht. Den ewigen Kreislauf von Leben, Tod und Wiedergeburt. Musikalisch wird dieses Konzept durch wiederkehrende Riffstrukturen umgesetzt. Die Gitarrenlinien drehen sich beinahe spiralförmig umeinander, während das Tempo zwischen rasenden Passagen und ruhigeren Sequenzen wechselt.
Ein deutlicher Kontrast folgt mit »Building Shrines to Vermin«. Der Titel lässt bereits erahnen, dass hier eine schärfere Tonart angeschlagen wird. Das Stück gehört zu den aggressiveren Momenten der Platte. Schnelle Blastbeats und harsche Riffs dominieren das Klangbild. Gleichzeitig bleibt eine melodische Grundlinie erhalten, die verhindert, dass der Song im reinen Lärm versinkt.
»Prayers to Fallen Gods« wirkt dagegen deutlich epischer. Die Struktur ist weiter, fast hymnisch angelegt. Einzelne Gitarrenmelodien ziehen sich durch das gesamte Stück und verleihen ihm einen melancholischen Charakter. Uduns Gesang tritt hier etwas zurück und lässt der Instrumentierung mehr Raum.
Atmosphäre als zentrales Element
Eine besondere Rolle spielt »Hesperus«. Der Song funktioniert beinahe wie ein Übergangsstück innerhalb des Albums. Die Geschwindigkeit wird reduziert, die Gitarren klingen offener und weniger verzerrt. Dadurch entsteht ein Moment der Ruhe, der dem Hörer eine kurze Atempause verschafft.
Solche Passagen zeigen, dass ALDHEORTE nicht ausschließlich auf Härte setzen. Stattdessen versucht das Duo, Stimmungen aufzubauen und die Dramaturgie des Albums bewusst zu gestalten. Gerade diese Momente verleihen »The Wild Divine« eine gewisse Tiefe.
Ein Finale mit Ritualcharakter
Den Abschluss bildet »The Offering«, das längste und zugleich dramatischste Stück der Platte. Hier bündeln sich viele Elemente, die zuvor bereits angedeutet wurden. Rasante Passagen wechseln sich mit langsameren, beinahe feierlichen Abschnitten ab.
Die Gitarren wirken im Finale besonders vielschichtig. Mehrere Melodielinien laufen parallel, während das Drum-Programming eine stetige Spannung erzeugt. Uduns Gesang klingt hier etwas verzweifelter als zuvor, fast beschwörend. Dadurch erhält das Stück eine rituelle Wirkung, als würde das Album mit einer letzten, dunklen Zeremonie enden.
Stärken und kleinere Schwächen
»The Wild Divine« überzeugt vor allem durch seine Atmosphäre. ALDHEORTE gelingt es, eine dichte, düstere Klangwelt aufzubauen, die sich über das gesamte Album hinweg trägt. Besonders die melodischen Gitarrenlinien sorgen dafür, dass die Songs trotz ihrer Rohheit zugänglich bleiben.
Darüber hinaus funktioniert das Zusammenspiel der beiden Musiker erstaunlich gut. Obwohl nur zwei Personen beteiligt sind, wirkt das Album selten leer oder unausgereift. Rhynns Gitarrenarbeit liefert genügend Dynamik, während Uduns Gesang eine passende emotionale Ebene einbringt.
Einige Schwächen zeigen sich jedoch in der Produktion und im Drum-Programming. Die Schlagzeugspuren wirken stellenweise etwas steril. Gerade in schnelleren Passagen fehlt manchmal die organische Energie, die ein echter Drummer mitbringen würde. Zudem ähneln sich manche Riffstrukturen stärker, als es dem Album guttut.
Mit »The Wild Divine« präsentieren ALDHEORTE ein solides Black-Metal-Album, das vor allem von Atmosphäre und melodischer Gitarrenarbeit lebt. Die Platte bewegt sich sicher innerhalb des Genres, ohne ständig nach radikalen Experimenten zu greifen.
Die stärksten Momente entstehen immer dann, wenn das Duo Tempo herausnimmt und Raum für Melodien schafft. Gleichzeitig sorgen die aggressiveren Stücke dafür, dass die nötige Härte nicht verloren geht.
Unterm Strich bleibt ein Werk, das Fans melodischer und atmosphärischer Black-Metal-Spielarten durchaus ansprechen dürfte. Kleine Schwächen verhindern eine höhere Bewertung, doch das Fundament stimmt.
Fazit: »The Wild Divine« von ALDHEORTE ist ein dunkles, atmosphärisches Werk, das die Themen des menschlichen Abgrunds und kosmischer Mächte mit einer düsteren Klangästhetik verbindet.

