ANTHEA - Beyond The Dawn - album cover

Band: ANTHEA 🇺🇸
Titel: Beyond The Dawn
Label: Rockshots Records
VÖ: 17/04/26
Genre: Symphonic Metal

Tracklist

01. Beyond The Dawn
02. Phantom in the Masquerade
03. The Lost Soul
04. Awakening (Song for Spring)
05. Bygone Age (Chicxulub)
06. From Shadows to Light
07. Crystal Moon
08. Wanderer’s Quell
09. Whispers of the Heart
10. Duality of Gaia
11. Burnin’ in the Third Degree (Tahnee Caine and Tryanglz cover)

 

Besetzung

Diego Valadez – Lead Vocals, Keyboards
Juan Pina – Rhythm Guitars, Harsh Vocals
Marcos Mejia – Lead Guitars
Gabby Hawk – Bass
Peter Vasquez – Drums

 

Bewertung:

3,5/5

Zwischen Bombast und Feingefühl

Die aus Los Angeles stammende Band ANTHEA hat sich in den letzten Jahren einen festen Platz im modernen Symphonic-Metal-Kosmos erarbeitet. Ihr Sound lebt von Kontrasten. Harte Riffs treffen auf opulente Orchesterflächen, progressive Strukturen auf eingängige Melodien. Mit »Beyond The Dawn« legt die Gruppe nun ein Album vor, das genau dort ansetzt und gleichzeitig versucht, neue Facetten freizulegen. Thematisch geht es weniger um ein geschlossenes Konzept, sondern um persönliche Entwicklung, Vergangenheitsbewältigung und den Mut, den eigenen Weg zu gehen.

Ein Sound mit vielen Schichten

Schon der Titeltrack »Beyond The Dawn« macht klar, wohin die Reise geht. Breite Keyboard-Arrangements, treibende Gitarren und Diego Valadez’ markante Stimme eröffnen das Album mit viel Pathos, ohne ins Kitschige abzurutschen. Die Produktion ist klar und druckvoll, lässt aber genug Raum für Details. Besonders auffällig ist das Zusammenspiel zwischen den melodischen Leadgitarren von Marcos Mejia und den rhythmisch präzisen Riffs von Juan Pina, der zusätzlich mit harschen Vocals für Kontraste sorgt.

»Phantom in the Masquerade« und »The Lost Soul« setzen diesen Ansatz fort, wirken dabei etwas direkter und riffbetonter. Hier blitzt stärker der Einfluss von Power- und Thrash-Metal durch, während die orchestralen Elemente eher unterstützend im Hintergrund agieren. Gerade diese Balance gehört zu den größten Stärken des Albums! Die Band verliert sich selten im Bombast, sondern hält die Songs strukturell greifbar.

Emotionale Höhepunkte und ruhige Momente

Mit »Awakening (Song for Spring)« zeigen ANTHEA eine sanftere Seite. Der Song lebt von Atmosphäre, getragenen Melodien und einem fast schon filmischen Aufbau. Die Backing Vocals von The Sirens, Mel Del Real und Astrid Anaya sorgen hier für zusätzliche Tiefe und verleihen dem Stück eine fast schon sakrale Note.

Ähnlich emotional fällt »Whispers of the Heart« aus, das als eine der zugänglichsten Nummern des Albums gelten dürfte. Die Hookline bleibt hängen, ohne banal zu wirken, und zeigt, dass die Band ein Gespür für Melodie besitzt, das über reinen Genre-Standard hinausgeht.

Anspruch trifft auf Ambition

Komplexer wird es bei »Bygone Age (Chicxulub)« und »Duality of Gaia«. Hier arbeitet die Band verstärkt mit progressiven Strukturen, Tempowechseln und verschachtelten Arrangements. Besonders »Duality of Gaia« entwickelt sich zu einem der ambitioniertesten Tracks der Platte, mit zahlreichen dynamischen Wendungen und einem dichten Klangbild.

Allerdings zeigt sich genau hier auch eine kleine Schwäche. Nicht jeder Übergang wirkt vollkommen organisch. Manchmal scheint die Band sehr viele Ideen in einen Song packen zu wollen, was den Fluss leicht hemmt. Dennoch überwiegt der Eindruck von Kreativität und Mut zum Risiko.

Zwischen Licht und Schatten

»From Shadows to Light« und »Crystal Moon« gehören zu den geradlinigeren Tracks des Albums. Sie setzen stärker auf klassische Songstrukturen und eingängige Refrains, ohne dabei an Energie einzubüßen. Besonders »Crystal Moon« überzeugt mit einem starken Spannungsaufbau und einem gelungenen Zusammenspiel aus Melodie und Härte.

»Wanderer’s Quell« fällt dagegen etwas aus dem Rahmen. Der Song wirkt experimenteller, fast schon verträumt, und könnte für manche Hörer ein kleiner Bruch im Albumfluss sein. Gleichzeitig zeigt er, dass ANTHEA keine Angst davor hat, Erwartungen zu unterlaufen.

Ein ungewöhnlicher Abschluss

Mit »Burnin’ in the Third Degree«, einem Cover des TAHNEE CAINE AND TRYANGLZ-Songs, endet das Album überraschend. Die Band überträgt den 80er-Jahre-Track in ihr eigenes Klanggewand und verpasst ihm eine metallische Frischzellenkur. Das funktioniert besser als erwartet, auch wenn der Song stilistisch etwas herausfällt.

»Beyond The Dawn« ist ein Album, das viel will und über weite Strecken auch viel erreicht. ANTHEA gelingt es, die verschiedenen Einflüsse ihres Sounds zu einem stimmigen Gesamtbild zu verbinden, ohne dabei ihre Identität zu verlieren. Die Mischung aus Härte, Melodie und orchestraler Opulenz wirkt durchdacht, auch wenn nicht jeder Moment perfekt sitzt.

Besonders stark ist die Band immer dann, wenn sie Emotion und Struktur in Einklang bringt, weniger überzeugend, wenn sie sich zu sehr in komplexen Arrangements verliert. Dennoch bleibt ein positiver Gesamteindruck, ein abwechslungsreiches, ambitioniertes Werk, das Fans des Genres einiges bietet.

Mit einer Bewertung von 3,5 von 5 positioniert sich das Album klar im oberen Mittelfeld. Kein Meilenstein, aber ein solides, stellenweise beeindruckendes Statement einer Band, die ihren Weg konsequent weitergeht.

Fazit: ANTHEA gelingt mit »Beyond The Dawn« ein beeindruckendes Werk, das die Grenzen des symphonischen Metals auslotet.

Internet

ANTHEA - Beyond The Dawn - CD Review

Vorheriger ArtikelBLOOD COUNTESS – Imperatrix Sanguinis
Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.