Band: Bantoriak 🇮🇹
Titel: Vol. II
Label: Argonauta Records
VÖ: 19.06.2026
Format: CD / Digital / farbiges Vinyl ab 28.08.2026
Genre: Psychedelic Doom / Desert Rock / Heavy Psych / Stoner Rock

Tracklist

01. Vol II
02. Blu Bus feat. Sergio Ch.
03. Ritualism feat. Dome La Muerte
04. Liquid Brain
05. Kairot
06. La Muerte feat. Dome La Muerte
07. Amanita
08. Karpura

Besetzung

Izio Orsini – Komposition, Multiinstrumentalist, künstlerische Leitung

Gastmusiker:
Sergio Ch. – Leadgitarre bei »Blu Bus«
Dome La Muerte – Gastmusiker bei »Ritualism« und »La Muerte«

Weitere Mitwirkende:
Marco Gambicorti
Toto Barbato
Omar Tognotti
Giacomo Cerri
Rosy Ninivaggi
Valentina Erre
Jacopo Pannokkia
Filippo Del Bimbo
Andrea Appino
Mattia Cominotto
Giacomo Vaccai

Bewertung:

4,5 von 5 Punkten

Psychedelic Doom, Desert Rock, Heavy Psych und Stoner Rock bilden das Fundament von »Vol. II«, dem zweiten Album des italienischen Projekts Bantoriak. Veröffentlicht wurde die Platte am 19. Juni 2026 über das italienische Underground-Label Argonauta Records. Hinter dem Namen steht der aus Livorno stammende Multiinstrumentalist Izio Orsini, der auch durch Rancho Bizzarro bekannt ist. Elf Jahre nach dem ursprünglichen Erscheinen des Debüts »Weedooism« erweitert Orsini sein einstiges Soloprojekt zu einem offenen Kollektiv aus Freunden und Gastmusikern. Die acht Stücke verbinden schwere Fuzz-Gitarren, weitläufige Improvisationen, Hard-Blues-Anklänge, zurückhaltende Gesangspassagen und eine warme Produktion, die sich hörbar an den psychedelischen Aufnahmen der Siebzigerjahre orientiert.

YouTube Art Playlist: Vol. II

VOM SOLOPROJEKT ZUM KOLLEKTIVEN RITUAL

Das nur knapp anderthalb Minuten lange Titelstück »Vol II« dient als atmosphärische Einleitung. Verhallte Klänge, flächige Gitarren und eine bewusst offene Gestaltung führen nicht zu einem klassischen Song, sondern bereiten den Übergang in die wesentlich umfangreicheren Kompositionen vor. Bereits hier wird deutlich, dass Bantoriak keine Sammlung kompakter Stoner-Rock-Nummern vorlegen wollen. Die Platte ist als zusammenhängende Reise angelegt, bei der sich die einzelnen Stücke aus wiederkehrenden Grooves, improvisatorisch wirkenden Passagen und allmählichen Klangveränderungen entwickeln.

Im Mittelpunkt steht weiterhin Izio Orsini. Seine Arbeit an Gitarren, Bass und den grundlegenden Arrangements gibt dem Album eine erkennbare Handschrift. Gleichzeitig klingt »Vol. II« nicht wie das Werk eines Einzelnen, der sämtliche Spuren nacheinander eingespielt hat. Die zahlreichen Gäste bringen unterschiedliche Spielweisen ein, ohne den Fluss der Platte zu zerlegen. Die Musik bleibt organisch und bewahrt jene spontane Energie, die bei stark auf Improvisationen ausgerichtetem Heavy Psych entscheidend ist.

DER BLAUE BUS ROLLT DURCH DIE WÜSTE

»Blu Bus« ist der erste große Höhepunkt. Das über sieben Minuten lange Stück wird von einem tiefen, konstanten Groove getragen, über dem sich mehrere Gitarrenspuren entfalten. Der argentinische Gitarrist Sergio Ch., bekannt durch Los Natas und Soldati, übernimmt die Leadgitarre und liefert keinen oberflächlich aufgesetzten Gastbeitrag. Seine fließenden Linien greifen die Rhythmik auf, verändern allmählich die Tonfarbe und treiben den Song in eine ausgedehnte Schlussphase.

Der Einfluss des südamerikanischen Desert Rock ist hier besonders deutlich. Die Musik besitzt die Schwere des Stoner Doom, bleibt rhythmisch aber beweglich. Statt ein einzelnes Riff bis zur völligen Erschöpfung zu wiederholen, verändert die Besetzung Akzente, Lautstärke und melodische Führung. Bass und Schlagzeug halten den Song zusammen, während die Gitarren zunehmend freier agieren. Das Ergebnis erinnert stellenweise an Yawning Man, Colour Haze und frühe Los Natas, besitzt durch die weiche, beinahe schwebende Produktion aber eine eigene Atmosphäre.

RITUALISMUS, DUNKELHEIT UND DOME LA MUERTE

Mit »Ritualism« wird die Musik schwerer und dunkler. Dome La Muerte fügt dem Stück eine rauere Psychedelic- und Dark-Rock-Komponente hinzu. Der Rhythmus entwickelt eine beinahe zeremonielle Wirkung, während die Gitarren zwischen dröhnenden Akkorden und offenen Effektflächen wechseln. Sparsam eingesetzte Stimmen stehen nicht im Zentrum, sondern werden wie ein weiteres Instrument behandelt.

Die Länge von über sieben Minuten wird weitgehend sinnvoll genutzt. Der Song arbeitet weniger mit einer deutlich erkennbaren Strophe-Refrain-Struktur als mit mehreren aufeinander aufbauenden Phasen. Gerade die langsame Verdichtung überzeugt, weil die Band nicht vorschnell in den lautesten Abschnitt springt. Gegen Ende wird die Musik massiver, ohne ihre hypnotische Grundbewegung zu verlieren.

»Liquid Brain« fällt anschließend konzentrierter aus. Das Stück verbindet einen vergleichsweise festen Hauptrhythmus mit einer zunehmend freien Gitarrenarbeit. Vor allem die zweite Hälfte zeigt, wie geschickt Orsini Spannung erzeugen kann, ohne das Tempo stark zu erhöhen. Die Solopassagen wirken nicht wie technische Demonstrationen, sondern wie eine Verlängerung des zentralen Motivs. Gleichzeitig zählt der Song zu den zugänglicheren Momenten, weil seine einzelnen Abschnitte klar voneinander unterscheidbar bleiben.

ZWISCHEN WEITE UND SCHWERKRAFT

»Kairot« nimmt sich viel Zeit für Atmosphäre. Ruhigere Gitarrentöne, ein kontrollierter Rhythmus und lange Nachhallräume erzeugen einen stärkeren Space-Rock-Eindruck. Die Komposition bewegt sich zunächst zurückhaltend, bevor die Verzerrung zunimmt und aus der schwebenden Einleitung ein schwerer, breit angelegter Jam entsteht. Die Übergänge bleiben fließend. Dadurch wirkt der Song geschlossen, obwohl er auf deutlich unterschiedliche Intensitätsstufen setzt.

Hier zeigt sich allerdings auch eine kleinere Schwäche des Albums. Einige Passagen verharren etwas lange in ähnlichen Bewegungen. Die Wiederholung ist ein grundlegendes Stilmittel dieser Musik, doch nicht jede Schleife steigert automatisch die Wirkung. Eine leichte Straffung hätte dem Mittelteil zusätzliche Prägnanz gegeben. Das ändert wenig an der hohen Qualität des Zusammenspiels, macht aber deutlich, dass »Vol. II« konzentriertes Zuhören verlangt.

»La Muerte« bringt Dome La Muerte erneut ins Spiel. Im Vergleich zu »Ritualism« fällt das Stück kompakter und stärker am dunklen Psychedelic Rock ausgerichtet aus. Der Groove ist direkter, die Gitarren bleiben jedoch stark verhallt und erzeugen eine bedrohliche Tiefe. Die Stimme wird wiederum sparsam eingesetzt und verstärkt die rituelle Wirkung, anstatt die Musik mit langen Textpassagen zu überladen.

PILZE, RAUCH UND ÖSTLICHE TONFOLGEN

»Amanita« gehört zu den unmittelbarsten Stücken des Albums. Ein markantes Riff bildet das Zentrum, während Bass und Schlagzeug einen schweren, aber nicht unbeweglichen Groove entwickeln. Die Gitarrenproduktion besitzt reichlich Fuzz, lässt die einzelnen Anschläge jedoch klar genug hervortreten. Innerhalb der insgesamt stark jamorientierten Platte sorgt dieser fokussiertere Aufbau für einen wichtigen Kontrast.

Das abschließende »Karpura« greift die mystische Seite der Band auf. Orientalisch anmutende Tonfolgen, verhallte Gitarren und eine erneut stark ritualisierte Rhythmik führen die Platte zu einem schlüssigen Ende. Die pscyhedelischen Elemente wirken hier nicht wie eine nachträglich hinzugefügte Verzierung. Sie bestimmen Aufbau, Klangfarbe und Dynamik der gesamten Komposition.

Der Song entwickelt keinen klassischen finalen Höhepunkt, sondern lässt das Album allmählich auslaufen. Diese Entscheidung passt zum Charakter der Platte. »Vol. II« erzählt keine lineare Geschichte und arbeitet auch nicht auf einen einzelnen großen Refrain hin. Das Album versteht sich als fortlaufende Klangbewegung, in der Desert Rock, Doom, Space Rock und psychedelische Improvisation ineinander übergehen.

MUSIKERLEISTUNG UND PRODUKTION

Orsinis größte Stärke liegt nicht in auffälliger Virtuosität, sondern in seiner Kontrolle über Klang und Dynamik. Seine Riffs sind häufig bewusst einfach gehalten, erhalten durch Effekte, unterschiedliche Anschlagstärken und wechselnde Begleitfiguren jedoch ausreichend Tiefe. Die Gastmusiker erweitern dieses Grundgerüst. Besonders Sergio Ch. prägt »Blu Bus«, während Dome La Muerte den beiden von ihm mitgestalteten Stücken eine dunklere Rock-Komponente verleiht.

Bass und Schlagzeug erfüllen weit mehr als eine begleitende Funktion. Die Rhythmussektion hält die langen, offenen Passagen zusammen und verhindert, dass sich die Musik vollständig in Effekten verliert. Gerade bei »Ritualism«, »Kairot« und »Karpura« ist diese Disziplin entscheidend.

Die Produktion setzt auf Wärme statt maximale Härte. Gitarren und Bass besitzen einen weichen, analogen Charakter, während das Schlagzeug natürlich und räumlich klingt. Die Platte orientiert sich an der Ästhetik der Siebzigerjahre, ohne wie eine künstlich gealterte Retroproduktion zu wirken. Gelegentlich könnten die tiefen Frequenzen etwas klarer getrennt sein, doch grundsätzlich passt der dichte Klang hervorragend zur Musik.

FAZIT:

»Vol. II« ist ein sorgfältig aufgebautes Heavy-Psych-Album, das seine zahlreichen Gäste sinnvoll in eine einheitliche Klangsprache integriert. »Blu Bus«, »Ritualism«, »Liquid Brain« und »Karpura« ragen besonders heraus. Einige Jampassagen hätten etwas kompakter ausfallen können, doch das starke Zusammenspiel, die warme Produktion und die konsequent entwickelte Atmosphäre machen die Rückkehr von Bantoriak zu einer ausgesprochen gelungenen Angelegenheit.

Art Track: Ritualism feat. Dome La Muerte

Internet

Bantoriak - Vol. II - CD Review

Vorheriger ArtikelAbsu – The Temples of Offal / Return of the Ancients – Remastered 35th Anniversary Edition
Nächster ArtikelVerdun – Abyssal Womb