Band: Verdun 🇫🇷
Titel: Abyssal Womb
Label: Transcending Obscurity Records
VÖ: 26.06.2026
Format: Vinyl / Jewelcase CD / Digital
Genre: Blackened Sludge / Doom Metal / Black Metal

Tracklist

01. Funeral Of The Cosmic Knight
02. Silent Witness
03. He Who Killed The Devil
04. La Lame Et La Chair
05. Rise Of The Atomic Ghouls
06. The Man Behind My Eyes
07. Les Noces Du Néant

Besetzung

David Sadok – Gesang
Jay Pinelli – Gitarre
Florian Celdran – Bass
Geraud Jonquet – Schlagzeug

Produktion:
Aufgenommen und gemischt von Cyrille Gachet in Corconne, Frankreich
Mastering – Bruno Varéa
Artwork – David Sadok / Jaxartattooer

Bewertung:

4,5 von 5 Punkten

Blackened Sludge, Doom Metal und die dissonante Seite des Black Metal verschmelzen auf »Abyssal Womb« zu einem wuchtigen Gesamtbild. Veröffentlicht wurde das dritte Studioalbum der französischen Band Verdun am 26. Juni 2026 über Transcending Obscurity Records. Sieben Jahre nach »Astral Sabbath« kehrt das Quartett aus Montpellier mit sieben Kompositionen zurück, die insgesamt knapp 40 Minuten umfassen. Statt sich in langen Intros oder beliebigen Geräuschflächen zu verlieren, stellen Verdun schwere Riffs, körperlich spürbare Rhythmen und David Sadoks extremen Gesang ins Zentrum. Atmosphärische und melodische Momente bleiben wichtig, werden aber konsequent in eine direkte, riffbetonte Songstruktur eingebunden. Das Ergebnis ist ein Album, das gleichermaßen bedrückend, eingängig und kontrolliert verstörend ausfällt.

Full Album Stream: Abyssal Womb

EIN BEGRÄBNIS ZWISCHEN DEN STERNEN

»Funeral Of The Cosmic Knight« eröffnet das Album nicht mit vorsichtiger Annäherung, sondern mit einem schweren, schleppenden Riff, das von Beginn an die enorme Tiefe der Produktion offenlegt. Florian Celdrans Bass bildet gemeinsam mit dem Schlagzeug ein massives Fundament, während Jay Pinelli darüber schneidende und teilweise beinahe geisterhafte Gitarrentöne platziert. Der Gegensatz zwischen der erdrückenden Rhythmussektion und den höher angesetzten Klangflächen gibt der Komposition ihre kosmische Wirkung.

Inhaltlich entwirft der Song das Begräbnis eines Kriegers, dessen Kampf nicht auf ein irdisches Schlachtfeld beschränkt bleibt. Sterne, Zeit, Chaos und die Auflösung körperlicher Grenzen bestimmen die Bildsprache. Der Titel könnte leicht zu übertriebenem Pathos verführen, doch Verdun bleiben musikalisch kontrolliert. Das Stück entwickelt sich aus einem wiederkehrenden Hauptmotiv, das durch disharmonische Akzente und wechselnde Intensität zunehmend bedrohlicher erscheint.

David Sadok klingt nicht lediglich aggressiv. Seine Schreie besitzen eine verzweifelte, beinahe körperlich schmerzhafte Qualität. Dabei artikuliert er klar genug, um nicht vollständig in der instrumentalen Wand zu verschwinden. Gerade diese Verbindung aus Verständlichkeit und vokaler Entgrenzung wird im weiteren Verlauf zu einem wichtigen Merkmal des Albums.

»Silent Witness« führt den eingeschlagenen Weg fort, wirkt jedoch melodischer und emotional offener. Die Gitarren lassen zwischen den schweren Akkorden mehr Raum und erzeugen eine klagende Bewegung. Der Text beschreibt eine Instanz, die bereits vor dem Beginn der messbaren Zeit existiert und den Gegensatz zwischen Licht und Dunkelheit beobachtet. Verdun behandeln kosmische Motive nicht als dekorative Science-Fiction-Kulisse, sondern verbinden sie mit Fragen nach Bewusstsein, Vergänglichkeit und Isolation.

DER TOD DES TEUFELS LÖST KEINE PROBLEME

Mit über sechseinhalb Minuten ist »He Who Killed The Devil« das längste Stück des Albums und zugleich eines seiner stärksten. Ein markantes Gitarrenmotiv führt durch die Komposition, während Bass und Schlagzeug immer wieder zwischen schleppendem Doom und energischerem Sludge wechseln. Das Riffing bleibt eingängig, ohne sich einer konventionellen Strophe-Refrain-Struktur unterzuordnen.

Die Geschichte handelt von einer Figur, die in die Hölle hinabsteigt und den Teufel vernichtet. Was zunächst wie eine klassische Erlösererzählung erscheint, endet jedoch nicht mit Befreiung. Mit der Auslöschung des Bösen verschwindet auch das notwendige Gegenstück zum Guten. Die vermeintliche Rettung bringt eine Welt hervor, in der Licht, Gnade und moralische Orientierung ihre Bedeutung verlieren. Damit besitzt der Song eine deutlich interessantere Perspektive als gewöhnliche Schlachten zwischen Himmel und Hölle.

Musikalisch setzen Verdun diesen Gedanken wirkungsvoll um. Die Band steigert sich nicht einfach bis zum triumphalen Sieg, sondern lässt die Komposition zunehmend instabil wirken. Pinellis Gitarren werden dissonanter, Sadoks Stimme klingt immer stärker wie ein Bestandteil des allgemeinen Zusammenbruchs. Geraud Jonquet hält die unterschiedlichen Phasen mit einem ebenso kraftvollen wie disziplinierten Schlagzeugspiel zusammen.

DIE KLINGE UND DAS FLEISCH

»La Lame Et La Chair« wird auf Französisch vorgetragen und bewegt sich inhaltlich zwischen Sexualität, Gewalt, Hingabe und gegenseitiger Vernichtung. Körperliche Nähe erscheint nicht als Schutzraum, sondern als ritualisierte Grenzüberschreitung, in der Begehren und Verletzung kaum noch voneinander zu trennen sind.

Der Song gehört zu den rhythmisch direktesten Momenten der Platte. Ein schwerer Bassklang und präzise gesetzte Schläge treiben das Stück voran, während die Gitarre zwischen langgezogenen Klagen und kurzen, aggressiven Figuren wechselt. Eine ruhigere Passage im Mittelteil unterbricht den Druck, ehe die Band mit gesteigerter Geschwindigkeit zurückkehrt.

Gerade hier wird deutlich, dass Verdun ihre Musik nicht ausschließlich über Langsamkeit definieren. Kleine Tempoverschiebungen, dynamische Unterbrechungen und die dissonatnen Gitarrenfiguren sorgen dafür, dass selbst die massivsten Passagen in Bewegung bleiben. Sadoks Gesang erreicht in diesem Stück eine besonders extreme Intensität. Seine Stimme klingt nicht kontrolliert schön, sondern bewusst beschädigt und übersteuert, ohne in unverständlichem Lärm unterzugehen.

ATOMARE WIEDERGÄNGER UND MENSCHLICHE KRIEGSMASCHINEN

»Rise Of The Atomic Ghouls« richtet den Blick auf die Hinterlassenschaften industrieller und militärischer Vernichtung. Radioaktive Kreaturen erheben sich aus Reaktoren, Bunkern und verrottenden Kriegsmaschinen. Die Menschen haben ihre eigenen Nachfolger erschaffen, indem sie Waffen, Lügen und verseuchte Grabstätten hinterließen.

Das Stück ist kompakter aufgebaut und besitzt eines der unmittelbarsten Hauptriffs der Platte. Celdrans Bass ist deutlich hörbar und verstärkt die mechanische Wirkung, während Jonquets Schlagzeug das Tempo kontrolliert anzieht. Verdun bewegen sich hier näher an einem aggressiven Sludge-Groove, ohne die schwarzen und dissonanten Bestandteile ihres Sounds abzulegen.

Trotz des grotesken Horrorszenarios steckt in dem Song eine klare Kritik am Glauben, technische Gewalt dauerhaft beherrschen zu können. Die atomaren Wiedergänger sind keine zufällig auftauchenden Monster, sondern das Ergebnis menschlicher Entscheidungen. Dadurch wirkt die Nummer weniger wie eine Hommage an alte Endzeitfilme und stärker wie eine bitter überzeichnete Vision militärischen Größenwahns.

»The Man Behind My Eyes« verlagert den Horror anschließend in das Innere des Menschen. Der Text beschreibt eine zweite Instanz, die Gedanken formt, Entscheidungen beeinflusst und allmählich die Kontrolle über das eigene Gesicht und die eigene Stimme übernimmt. Ob es sich dabei um psychischen Zerfall, Schuld, Sucht oder eine übernatürliche Besessenheit handelt, bleibt offen.

Die Band arbeitet mit einem vergleichsweise klaren Hauptrhythmus, der zunehmend von verstörenden Gitarrenflächen überlagert wird. Besonders wirkungsvoll ist das Zusammenspiel von Bass und Gitarre: Während Celdran eine nachvollziehbare Bewegung vorgibt, löst Pinelli die Harmonie immer weiter auf. Der Song besitzt dadurch einen starken inneren Konflikt, ohne seine rhythmische Zugänglichkeit zu verlieren.

HOCHZEIT MIT DEM NICHTS

Das abschließende »Les Noces Du Néant« verzichtet vollständig auf Gesang. Nach sechs textlich dichten Stücken erhält die instrumentale Seite der Band damit den gesamten Raum. Der französische Titel lässt sich als Hochzeit mit dem Nichts oder Vermählung mit der Leere verstehen und fasst die zentralen Motive des Albums treffend zusammen.

Pinellis Gitarren wechseln zwischen schweren Akkorden, klagenden Melodien und offenen Dissonanzen. Bass und Schlagzeug bauen einen langsamen Spannungsbogen auf, der nicht in einem überdimensionierten Finale explodiert. Stattdessen lassen Verdun die Platte kontrolliert in jene Leere zurücksinken, aus der sie entstanden zu sein scheint.

Als Abschluss funktioniert das Stück hervorragend, weil es keine neuen Themen erzwingen muss. Mehrere musikalische Eigenschaften der vorherigen Songs kehren in verdichteter Form zurück: die schleppende Schwere des Openers, die melodische Trauer von »Silent Witness« und die instabile Harmonik von »He Who Killed The Devil«. Das Instrumental wirkt deshalb nicht wie ein angehängtes Outro, sondern wie der notwendige Endpunkt des Albums.

VIER MUSIKER, EIN GESCHLOSSENER KLANG

Die größte Stärke von »Abyssal Womb« liegt im Zusammenspiel der vier Musiker. Keine Position wird unnötig in den Vordergrund gestellt. Pinellis Gitarren liefern zwar die prägenden Riffs, wären ohne Celdrans ungewöhnlich präsenten Bass jedoch deutlich weniger wirkungsvoll. Der Bass verdoppelt nicht lediglich die Gitarre, sondern setzt eigene Bewegungen und gibt den dissonanten Passagen Halt.

Jonquets Schlagzeug klingt kraftvoll und natürlich. Er setzt nicht permanent auf maximale Geschwindigkeit, sondern arbeitet mit Gewicht, Pausen und gezielten Tempowechseln. Seine Schläge geben den langsamen Abschnitten körperliche Wirkung, während schnellere Passagen nie hektisch oder unkontrolliert erscheinen.

Sadoks Gesang verbindet die unterschiedlichen Elemente. Seine Schreie besitzen Black-Metal-Schärfe, Hardcore-Direktheit und die erschöpfte Verzweiflung des Sludge. Eine größere vokale Bandbreite hätte einzelne Songs zusätzlich voneinander abheben können. Gleichzeitig würde ein sauberer oder melodischer Gesang kaum zu dieser Musik passen. Die konsequente Extremität ist ein wesentlicher Bestandteil der Gesamtwirkung.

SCHWERE OHNE UNNÖTIGEN BALLAST

Aufgenommen und gemischt wurde das Album von Cyrille Gachet in Corconne, das Mastering übernahm Bruno Varéa. Die Produktion ist dicht und schwer, lässt den einzelnen Instrumenten aber genügend Raum. Besonders der Bass profitiert von dieser Abstimmung. Selbst in den massivsten Passagen bleibt er als eigenständige Stimme hörbar.

Die Gitarren wirken körnig, verzerrt und stellenweise bewusst unangenehm. Dissonanzen werden nicht durch übermäßige Glättung entschärft. Gleichzeitig besitzt die Platte ausreichend Klarheit, um Riffs, melodische Akzente und rhythmische Veränderungen nachvollziehen zu können. Der Klang vermeidet sowohl sterile Modernität als auch künstlich verschmutzte Underground-Romantik.

Etwas mehr Kontrast zwischen den einzelnen Gitarrensounds hätte dem Mittelteil zusätzliche Tiefe gegeben. Vor allem »La Lame Et La Chair« und »Rise Of The Atomic Ghouls« bewegen sich klanglich nahe beieinander. Die unterschiedlichen Rhythmen und Themen verhindern jedoch, dass die Stücke miteinander verschwimmen.

Mit 39 Minuten ist das Album sinnvoll bemessen. Kein Song überschreitet die Sieben-Minuten-Marke, und auf separate Intros oder atmosphärische Zwischenstücke wird verzichtet. Verdun setzen ihre Ideen konsequent um und beenden die Kompositionen, bevor die Wiederholungen ihre Wirkung verlieren.

DIREKTER ALS DER VORGÄNGER

Im Vergleich zu »Astral Sabbath« wirkt »Abyssal Womb« fokussierter und unmittelbarer. Die psychedelischen und kosmischen Bestandteile sind weiterhin vorhanden, werden jedoch enger mit den Riffs und Rhythmen verbunden. Die Band benötigt keine langen Anläufe, um Atmosphäre zu erzeugen. Sie entsteht direkt aus dem Zusammenspiel der Instrumente.

Vergleiche mit Coffinworm, Thou oder Indian liegen aufgrund der Verbindung aus Sludge, Doom und schwarzer Aggression nahe. Verdun entwickeln innerhalb dieses Rahmens jedoch eine eigene Sprache. Besonders die klar konturierten Basslinien, Sadoks extreme Artikulation und die Verbindung aus kosmischen Erzählungen und menschlichem Kontrollverlust geben dem Album ein erkennbares Profil.

FAZIT:

»Abyssal Womb« ist eine eindrucksvolle Rückkehr nach sieben Jahren Pause. Verdun verbinden massive Sludge-Riffs, Doom-Schwere und dissonanten Black Metal zu sieben konzentrierten Kompositionen, die weder an Atmosphäre noch an Direktheit sparen. Besonders »He Who Killed The Devil«, »La Lame Et La Chair« und »The Man Behind My Eyes« zeigen die Band auf einem neuen kreativen Höhepunkt. Kleinere klangliche Ähnlichkeiten zwischen einzelnen Stücken ändern nichts daran, dass dieses Album lange nachwirkt.

La Lame Et La Chair

Internet

Verdun - Abyssal Womb - CD Review

Vorheriger ArtikelBantoriak – Vol. II
Nächster ArtikelKomahawk – Doomsday For Democracy