Band: DISHUMANE 🇺🇸
Titel: Centurion’s Demise
Label: Blood Harvest Records
VÖ: 07.08.2026
Format: CD / Vinyl / Kassette / Digital
Genre: Death Metal / Brutal Death Metal / Old School Death Metal

Tracklist

01. Conquering The Forlorn
02. Centurion’s Demise
03. Soul Spun Malice
04. Loom Of Souls

Besetzung

James Shanks – Gesang, Gitarre
Chuck Sherwood – Bass
Charlie Koryn – Schlagzeug
Sasha Chrosciewicz – Leadgitarre auf »Soul Spun Malice«

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Amtlicher Death Metal Made in America! Mit ihrer Debüt-EP »Centurion’s Demise« werfen DISHUMANE knapp 15 Minuten schweres Gerät in die Schlacht und verzichten dabei dankenswerterweise auf langes Vorgeplänkel. Die aus Nevada stammende Formation um Gitarrist und Sänger James Shanks verbindet den finsteren US-Death-Metal der Neunziger mit der körperlichen Wucht des Brutal Death Metal der frühen Zweitausender. Namen wie Incantation, Immolation, Deicide und Morpheus Descends stehen unüberhörbar im Stammbaum, doch zwischen tief gestimmten Gitarren, bissigen Obertönen und plötzlichen Tempowechseln ist bereits genug eigener Charakter vorhanden, um »Centurion’s Demise« nicht als bloße Geschichtsstunde im Leichenschauhaus abzutun.

EP-Stream:

DREI SONGS UND EIN KURZER WEG INS GRAB

Offiziell umfasst »Centurion’s Demise« vier Titel. Da das abschließende »Loom Of Souls« jedoch lediglich 67 Sekunden dauert, besteht die eigentliche Fleischbeschau aus drei vollwertigen Death-Metal-Nummern. Das klingt zunächst nach einer knapp bemessenen Portion, erweist sich aber als kluge Entscheidung. DISHUMANE schleppen keine unfertigen Ideen mit und versuchen auch nicht, ein paar Riffs durch endlose Wiederholungen auf Albumlänge zu strecken.

Die Geschichte der Band reicht zu Shanks‘ Soloprojekt Sadistic Malevolence zurück. Erst die Zusammenarbeit mit Schlagzeuger Dave Procopio brachte das Material in die Form einer richtigen Band. Für die Aufnahmen der ersten EP reiste Shanks schließlich nach San Diego, wo Charlie Koryn von Incantation und Ascended Dead das Schlagzeug einspielte. Den Bass übernahm mit Chuck Sherwood ein weiterer Musiker mit Incantation-Vergangenheit.

Diese personelle Verbindung ist hörbar, ohne dass »Centurion’s Demise« wie ein ausgelagerter Incantation-Proberaum klingt. Die EP besitzt dieselbe Vorliebe für tief liegende, modrige Harmonien und abrupte Ausbrüche, setzt aber stärker auf rhythmische Verdichtung. Statt sich vollkommen im Höhlenhall zu verlieren, schlagen DISHUMANE ihre Riffs vergleichsweise trocken und direkt in die Wand.

CONQUERING THE FORLORN – KEIN AUFWÄRMEN NÖTIG

»Conquering The Forlorn« beginnt ohne atmosphärisches Vorspiel oder bedrohliches Filmsample. Ein tief gestimmtes Riff, ein paar scharf gesetzte Pinch Harmonics und Koryns Schlagzeug genügen, um die Marschrichtung festzulegen. Die Gitarrenfigur ist für sich genommen nicht sonderlich kompliziert. Entscheidend ist, wie die Band sie durch Tempowechsel, kurze Pausen und veränderte Betonungen immer wieder neu auflädt.

James Shanks brüllt dazu in einem tiefen, aber noch verständlichen Register. Seine Stimme wird nicht als formloses Gurgeln in den Hintergrund gemischt, sondern sitzt mit rauer Präsenz auf den Instrumenten. Man hört die Nähe zum klassischen amerikanischen Death Metal, besonders dann, wenn die Phrasierung einen Hauch von frühen Deicide erkennen lässt. Shanks besitzt allerdings genügend Eigenheiten, um nicht als Benton-Kopie durchzugehen.

In der zweiten Hälfte gewinnt das Stück deutlich an Gewicht. Die schnelleren Passagen brechen in einen beinahe stoßweise arbeitenden Groove ein, der ohne moderne Slam-Klischees auskommt. Genau hier liegt eine der Stärken von DISHUMANE: Die Band kann brutal klingen, ohne jeden Übergang mit einem vorhersehbaren Breakdown zu markieren. Der Kopf bewegt sich trotzdem ganz automatisch mit.

DER ZENTURIO FÄLLT UNTER RIFFBESCHUSS

Der Titeltrack ist das Zentrum und zugleich der stärkste Angriff der EP. »Centurion’s Demise« erhöht die Riffdichte, zieht das Tempo an und lässt Koryn wesentlich heftiger von der Leine. Seine Blastbeats klingen nicht wie ein nachträglich auf die Aufnahme geklebtes Maschinengewehr. Sie besitzen Druck, Schwankung und jene leichte Unberechenbarkeit, die ein echtes Schlagzeug von klinisch programmierten Rasterarbeiten unterscheidet.

Die Gitarren bewegen sich zwischen schneller Raserei und kriechender Schwere. Manche Akkorde bleiben nur einen Augenblick stehen, andere werden so lange in den Boden gedrückt, bis der nächste Tempowechsel sie zerreißt. Der Song lebt weniger von einem einzelnen, sofort erkennbaren Hauptriff als von der ununterbrochenen Bewegung. Bei aller Dichte wirkt er jedoch nicht kopflos. Die einzelnen Teile greifen sauber ineinander und führen zu einem Schlussdrittel, das die EP auf ihren brutalsten Punkt bringt.

Hier zeigt sich zugleich die Grenze des Materials. Wer in den vergangenen Jahren auch nur halbwegs regelmäßig US-Death-Metal gehört hat, wird viele Zutaten sofort erkennen. DISHUMANE erfinden weder eine neue Riffsprache noch ein bislang unbekanntes Verständnis von Brutalität. Das muss eine Debüt-EP allerdings auch nicht leisten. Entscheidend ist, dass die Band ihre Vorbilder nicht lediglich nachspielt, sondern deren Handwerk verstanden hat.

SOUL SPUN MALICE ZEIGT DEN NÄCHSTEN SCHRITT

»Soul Spun Malice« ist die interessanteste Nummer, wenn es um die künftige Entwicklung der Band geht. Das Stück bleibt schwer und aggressiv, lässt aber stärker als seine Vorgänger melodische sowie atmosphärische Bewegungen zu. Die Leadgitarre von Sasha Chrosciewicz schneidet durch das tiefe Fundament, ohne den Song plötzlich in klassischen Heavy Metal zu verwandeln.

Auch der Bass bekommt hier etwas mehr Raum. Chuck Sherwood stützt nicht lediglich die Gitarren, sondern verdickt die langsamen Passagen mit einem eigenen, knurrenden Ton. Gerade wenn das Tempo zurückgenommen wird, entsteht jene bedrückende Tiefe, die an Immolation oder Morpheus Descends erinnert. Die Klangbühne im Hörraum bleibt kompakt, besitzt aber genügend Trennung, damit Gitarren, Bass und Schlagzeug nicht zu einer einzigen tiefen Frequenz verklumpen.

Von allen drei Hauptstücken bietet »Soul Spun Malice« die größte Dynamik. Die Leads lockern das ansonsten sehr eng geführte Klangbild auf, während die atmosphärischen Übergänge zeigen, dass Shanks nicht ausschließlich in Blastbeats und Nackenbrechern denkt. Genau von solchen Momenten darf das angekündigte Debütalbum gern noch mehr enthalten.

Das kurze Instrumental »Loom Of Souls« schließt die EP schließlich mit einer unheilvollen Klangfläche ab. Als Outro funktioniert das, als eigenständiger vierter Titel sollte man es jedoch nicht missverstehen. Nach gut einer Minute ist der Spuk beendet, bevor sich daraus eine eigene Komposition entwickeln kann.

SCHWER, ORGANISCH UND OHNE PLASTIKÜBERZUG

Charlie Koryn war nicht nur für das Schlagzeug zuständig, sondern nahm die EP auch auf, mischte und masterte sie. Das Ergebnis besitzt ausreichend Klarheit, um die rhythmischen Feinheiten offenzulegen, klingt dabei aber erfreulich organisch. Die Bassdrum hat Gewicht, ohne wie ein getriggertes Klicksignal zu wirken, und die Gitarren behalten eine raue Oberfläche.

Besonders gelungen ist der Umgang mit den Pinch Harmonics. Diese werden oft als grelle Spitzen in das Riffing gesetzt, dominieren den Klang aber nicht permanent. Dadurch behalten sie ihre Wirkung. Der Bass liegt breit unter den Gitarren, während die Stimme deutlich genug im Vordergrund steht, um Shanks‘ Rhythmik nachvollziehen zu können.

Etwas zusätzliche Variation im Gitarrenton hätte den drei Hauptsongs trotzdem gutgetan. Weil Stimmung, Verzerrung und Frequenzbild weitgehend konstant bleiben, verschwimmen einzelne Passagen beim ersten Durchlauf miteinander. Die Leads in »Soul Spun Malice« zeigen, wie schnell sich das Klangbild mit wenigen gezielten Farben öffnen lässt.

Der zweite Kritikpunkt liegt zwangsläufig in der Spielzeit. 14:45 Minuten reichen für einen wuchtigen Erstkontakt, aber noch nicht für den endgültigen Beweis, dass DISHUMANE diese Intensität auch über ein vollständiges Album tragen können. Die EP reißt mehrere interessante Türen auf und schlägt sie kurz darauf wieder zu. Immerhin wurde das Debütalbum bereits in Aussicht gestellt.

DAS RAD BLEIBT RUND – UND ZERMALMT TROTZDEM

DISHUMANE tun nicht so, als hätten sie den Death Metal neu erfunden. Stattdessen greifen sie auf ein Vokabular zurück, das seit drei Jahrzehnten funktioniert: tiefe Gitarren, dunkle Harmonien, harsche Obertöne, Blastbeats und plötzliche Einbrüche ins Midtempo. Der Unterschied zu beliebigem Retro-Gebolze liegt in der Ausführung. Jedes Riff erfüllt einen Zweck, die Tempowechsel sitzen, und die Musiker wissen genau, wann eine Idee ausgespielt ist.

Gerade diese Disziplin macht »Centurion’s Demise« so wirkungsvoll. Die EP ist nicht länger als nötig, kennt keine Füllpassagen und verschwendet keine Zeit mit atmosphärischer Staffage, die anderswo lediglich den Mangel an Riffs verdecken soll. Das Material ist kompakt, aber nicht primitiv; traditionsbewusst, aber nicht leblos.

Für den kommenden Langspieler bleibt dennoch eine klare Aufgabe: DISHUMANE müssen die Ansätze aus »Soul Spun Malice« weiter ausbauen und ihrer Riffsprache zusätzliche Wiedererkennungsmerkmale geben. Gelingt das, könnte aus einem verdammt starken Einstand eine Band werden, die zwischen Old School und Brutal Death Metal dauerhaft ihren eigenen Platz behauptet.

FAZIT:

»Centurion’s Demise« ist ein kurzer, schwerer und handwerklich beeindruckender Erstschlag, der den US-Death-Metal der Neunziger mit der Brutalität der frühen Zweitausender verbindet. Noch fehlt der letzte Schritt zu einer vollkommen eigenen Handschrift, doch wenn DISHUMANE auf dem kommenden Album die atmosphärischen und melodischen Ansätze weiterentwickeln, sollte man sich besser schon einmal einen stabilen Nacken besorgen.

DISHUMANE – Centurion's Demise

Internet

DISHUMANE - Centurion's Demise - EP Review

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