Tracklist
01. Blizzard & Blaze
02. Heralds Of Doom
03. Charon
04. Via Necropolis
05. Buried In Flames
06. On Your Knees
07. Foltertrog
Besetzung
Gernot G. – Lead Vocals & Guitars,
René H. – Drums,
Mike H. – Growls & Guitars,
Thomas S. – Backing Vocals & Bass
Nach beinahe exakt zwei Jahren melden sich GRAUFAR zurück mit ihrem zweiten Album, „Via Necropolis“. Die „Reise zur Stadt der Toten“ wird von schweren Themen begleitet: Vergänglichkeit, Tod, Unbedeutsamkeit und Gesellschaftskritik werden in sieben Liedern verpackt, die sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch übermittelt werden.
Geschwärzter Death Metal aus Linz
GRAUFAR haben seit ihrer Gründung 2020 die österreichische Szene bedeutsam aufgemischt. Ihr Debütalbum „Scordalus“ stellte erstmalig ihre kreative und energetische Mixtur aus Black und Death Metal vor. Mit einem Batzen Groove und melodischen Akzenten erschaffen die Linzer ein lebendiges, musikalisches Gesamtbild. Ihr Stil kommt nicht nur in Österreich gut an – 2024 gewannen sie das Wacken Metal Battle Austria und spielten daraufhin auf einer der bedeutsamsten Bühnen, die es für Metal-Bands gibt. Man darf also festhalten, dass GRAUFAR sehr umtriebig sind – auch wir durften sie bereits mehrmals live sehen.
Das erste Hören war enttäuschend
Die Enttäuschung des ersten Hördurchgangs saß bei mir tief. Nachdem „Scordalus“ mich damals dermaßen überzeugt hatte, dass es fester Bestandteil meiner persönlichen Playlist wurde, war die Erwartung an „Via Necropolis“ entsprechend groß. Als die erste Single („Via Necropolis“) veröffentlicht wurde, verwandelte sich die Vorfreude in eine nagende Befürchtung: Haben GRAUFAR ihren Zenit mit dem zweiten Album schon überschritten? Denn die erste Single klingt sperrig und ist schlichtweg zu lange für das, was sie bietet. Das Tempo ist gemäßigt, die schnelleren Passagen gehen nicht so auf, wie intendiert. Man versteht die Idee hinter dem Konzept sofort – aber an der Umsetzung hapert es. Es hat natürlich seine guten Momente (eingängiger Refrain, schöne Melodien) aber es kommt nicht an die Energie und Gerissenheit von „Scordalus“ an.
In der Wiederholung liegt die Kraft
Wenn die erste Begegnung mit dem neuen Material bereits negativ ist, ist die Wahrnehmung ebenso negativ getrübt. Das Ankämpfen dagegen war mühsam, aber je öfter ich „Via Necropolis“ hörte, desto besser gefiel es mir. „Blizzard & Blaze“ gibt eine rabiate Richtung vor. Gernots Stimme klingt unfassbar giftig – für meinen Geschmack zu kreischend und unklar, in Kombination mit dem Black-Metal-Gewitter wenig eingänglich. Nach zwei Minuten mäßigt sich das Tempo und der Groove tritt in den Vordergrund. Es wird gegen Ende zunehmend melodischer, erdiger und bietet einen willkommenen Kontrast zum harschen Start. „Heralds Of Doom“ bleibt im Mid-Tempo-Bereich und bietet verschiedene groovige Riffs, die durch das Absetzen an Wucht gewinnen. Die galoppierenden Rhythmen sorgen für schöne Nuancen zwischendurch. Der Black ‘N‘ Roll-Moment am Schluss ist eine nette Art, das Lied zu schließen.
Nach ernüchterndem Start ein umso stärkeres Ende
Am Ende ist bei mir jedoch der ursprüngliche Eindruck geblieben, dass die letzten drei Nummern die stärksten sind. „Buried In Flames“ prescht mit einem kraftvollen Marsch voran. Es ist das Lied, das am stärksten die Essenz von „Scordalus“ verkörpert. Mit Melodie und Groove fesselt es einen an die Lautsprecher. Der ohnehin eingängige Refrain sticht durch die kreischenden Gitarreneffekte im Hintergrund besonders hervor – ein feines Detail mit einer unglaublich starken Wirkung. Der Mittelpart würde sich live gut für eine heftige Headbang-Passage oder ein kollektives, rhythmisches Fäuste-Recken eignen.
Das Beste kommt zum Schluss
Die treibende Energie wird in „On Your Knees“ fortgesetzt, aber mit gänzlich anderen Stilmitteln: Abgehackte, Palm-Muted Riffs und dissonante Rhythmen sorgen für Aha-Momente und Dynamik. Das Lied demonstriert die kreative Bandbreite der Band, ihre Fähigkeit, über den Tellerrand hinauszublicken. Obwohl der Aufbau klassisch ausfällt, sind hier viele Schmankerl eingebaut, die „On Your Knees“ zu einem Highlight machen. Zu guter Letzt folgt „Foltertrog“, eines der Lieder, in denen der Text ausschließlich auf Deutsch geschrieben wurde. Es verspricht eine düstere Thematik und dieses Versprechen wird gehalten. Achteinhalb Minuten Spielzeit müssen außerdem gerechtfertigt werden – werden sie. Die Gitarrenmelodien übernehmen eine essentielle Rolle für die Stimmungsentwicklung. Sie ändern sich über das gesamte Lied und markieren den thematischen Fortschritt. Sie begleiten den Hörer durch die Nummer und sorgen für eine besonders fesselnde Erfahrung. Daneben wurde in Sachen Tempowechsel und Dynamik alles richtig gemacht. Die deutschen Texte klingen scharf und verzweifelt, verleihen dem ohnehin düsteren Lied zusätzliche Brutalität.
Toller Sound
Hervorzuheben ist außerdem der Sound. Beim Mischen und Mastern hatte Norbert Leitner seine Finger im Spiel – ein mittlerweile bekannter Name in der österreichischen Metal-Szene, der höchste Qualität verspricht. Die Wucht, mit der „Via Necropolis“ die Gehörgänge malträtiert, ist rein, ohne klinisch zu klingen. Es rotzt immer noch genug, um nicht zu brav zu klingen, aber nicht mit einer Rohheit, die an billig aufgenommenen Wald-und-Wiesen-Black-Metal erinnert. Der Sound ist zeitgemäß, modern und hat Charakter.
Fazit: „Via Necropolis“ von GRAUFAR mag öfter gehört werden, um es vollends genießen zu können, denn ihre Mixtur aus Extreme Metal, Groove und Melodie ist weniger eingängig als erwartet.

