Tracklist
01. Grip of Winter
02. Weaver of Witchery
03. Behind a Veil of Death
04. The Endless Night/Hindenburg
Besetzung
Marcus Granlien – Guitars
Kristian Sigland – Guitars
William Fossheim – Bass
Kent Helset – Drums
Kenneth O. Grimelid – Vocals
Auf den Spuren des nordischen Dunkels
Mit »Weaver of Witchery« melden sich MISERATE aus Norwegen eindrucksvoll zurück. Die Band, bestehend aus Marcus Granlien und Kristian Sigland an den Gitarren, William Fossheim am Bass, Kent Helset am Schlagzeug und Kenneth O. Grimelid am Gesang. Vereint in ihrem aktuellen Werk klassische Doom-Elemente mit wuchtigem Death-Metal und zeigt dabei ein erstaunliches Feingefühl für Atmosphäre. Schon beim ersten Durchlauf wird klar, dies ist kein bloßer Abklatsch altbekannter Muster, sondern eine intensive, eigenständige Vision nordischer Schwermetallkunst.
Ein Sound wie eingefrorene Zeit
Der Opener »Grip of Winter« legt die Messlatte hoch. Die Gitarren von Granlien und Sigland weben ein frostiges Klanggewebe, das sowohl melodisch als auch schwerfällig ist, während Helsets Schlagzeug den Herzschlag der Dunkelheit vorgibt. Fossheims Bass fügt eine tiefe, beinahe greifbare Dimension hinzu, die den Hörer sofort in die Klangwelt der Band zieht. Grimelids gutturaler Gesang wirkt dabei wie ein unheilvolles Echo durch eine verlassene nordische Landschaft, roh, eindringlich, absolut passend.
Mit einer Spielzeit von knapp fünfeinhalb Minuten entfaltet »Grip of Winter« ein dichtes Spannungsfeld, das die Übergänge zwischen Doom- und Death-Elementen fließend gestaltet. Es ist ein klares Statement! MISERATE verstehen es, Schwere und Melodie zu verbinden, ohne dass das eine das andere überlagert.
Titellied als Zentrum der Finsternis
Der Titeltrack »Weaver of Witchery« streckt sich über fast sieben Minuten und zeigt die Band von ihrer epischsten Seite. Hier verschmelzen hypnotische Riffs mit orchestralen Momenten, die den Song zu einem regelrechten Monument machen. Lidéns Mix sorgt dafür, dass jede Nuance hörbar bleibt. Das Gitarrenspiel atmet, die Drums pulsieren und die Vocals sitzen mitten im Geschehen, ohne zu dominieren. Die dichte Produktion hebt das Songwriting hervor, das sowohl technische Raffinesse als auch emotionale Tiefe beweist.
Zwischen Tod und Verfall
»Behind a Veil of Death« bringt den klassischen Death-Metal-Einschlag der Band voll zur Geltung. Die Gitarrenarbeit ist messerscharf, die rhythmische Präzision von Helset beeindruckend, und Grimelids Stimme vermittelt eine Mischung aus Schmerz und Wut, die an alte nordische Mythen erinnert. Trotz der Härte verliert MISERATE nie den Blick für die düstere Atmosphäre, die das Album durchzieht. Es ist kein schneller, flüchtiger Kick, sondern ein nachhaltiges Erlebnis, das nachhallt.
»The Endless Night/Hindenburg« schließt das Album ab und zeigt, wie geschickt die Band Tempo, Dynamik und Stimmung steuern kann. Epische Passagen wechseln sich mit intensiven Momenten ab, und das alles ohne Überladenheit. Das Ende wirkt wie ein langsames Einsinken in Dunkelheit – perfekt für den letzten Nachklang eines intensiven Hörerlebnisses.
Produktion auf höchstem Niveau
Karl Daniel Lidén, bekannt für seine Arbeit mit DRACONIAN, BLOODBATH und KATATONIA, hat »Weaver of Witchery« gemischt. Die Klarheit und Tiefe, die er in den Sound bringt, unterstreicht die Stärken der Band ohne jegliche Künstlichkeit. Jeder Ton sitzt an der richtigen Stelle, und die Mischung aus Doom- und Death-Elementen wird organisch transportiert. Das Album wirkt lebendig, roh und gleichzeitig erstaunlich poliert – ein Balanceakt, der selten so überzeugend gelingt.
Nordischer Metal in Bestform
Mit »Weaver of Witchery« zeigen MISERATE, dass Doom- und Death-Metal in Norwegen nicht nur lebendig sind, sondern geradezu eine Renaissance erleben. Das Album ist dicht, atmosphärisch und technisch beeindruckend. Jeder Song hat seine eigene Schwere, seine eigene Persönlichkeit, und doch fügt sich alles zu einem stimmigen Gesamtwerk. Für Fans der Genres ein Pflichtkauf, für Neulinge ein beeindruckender Einstieg in die dunkle Seite des skandinavischen Metals.
Fazit: »Weaver of Witchery« bestätigt den Ruf von MISERATE als eine der führenden Bands im norwegischen Doom-Death-Genre.

