Mit „Through Veils of Time“ legt der norwegische Musiker MJOLNE sein Debüt vor – ein symphonisches Black-Metal-Werk voller epischer Stimmungen.
Epische Melodien mit Märchenatmosphäre
Sehr atmosphärisch und ruhig beginnt das Album mit „What I Once Was“, getragen von akustischer Gitarre und Ambient-Klängen. Sobald die Musik richtig einsetzt, entfaltet sich ein epischer und melodischer Sound, der stark an Old-School-Black-Metal mit symphonischen Einflüssen erinnert – Emperor oder Dimmu Borgir lassen grüßen. Emotional, melodisch, melancholisch. Langsames Tempo, doch mit unablässigem Drumming. Tatsächlich symphonisch, das Stück wird im Wesentlichen von einem orchestralen Fundament getragen, dazu infernale Vocals und eine absolute Dominanz der Drums.
MJOLNE ist ein Soloprojekt, das inzwischen seinen Namen als Bandbezeichnung trägt. Hinter dem Pseudonym steckt der Schlagzeuger der norwegischen Black-Metal-Band Mactätus (aktiv zwischen 1989 und 2002), der dort über weite Teile hinweg die Drums bediente – ebenfalls mit symphonischen Einflüssen. Im neu gegründeten Projekt übernimmt er alles selbst: Songwriting, Texte und sämtliche Instrumente.
„The Olden Perspectives“ bringt einen dynamischeren Klang, man hört den Sound eines kompletten Orchesters. Auch ein geisterhaftes Choral-Motiv trägt zum märchenhaften Flair bei. Viel Black Metal ist hier ebenfalls nicht zu finden, abgesehen von den entfesselten Drums und den gellenden Vocals.
Modernes Drumming, kontrastreiche Passagen
Die Produktion ist ausgewogen, die Atmosphäre spielt bei MJOLNE eine zentrale Rolle. Als Schlagzeuger nimmt er den Drums natürlich einen besonders großen Stellenwert ein. Doch die Produktion ist sehr gelungen und fängt den symphonisch dominierten Klang perfekt ein. Die Drums sind präzise gespielt, wirken im Soundbild jedoch moderner, als man es von traditionellem Black Metal erwarten würde.
Der Titeltrack „Through Veils of Time“ kommt mit einem anderen symphonischen Klangbild und cleanen Vocals. Wieder sehr episch, diesmal aber auch mit deutlichen Einflüssen aus der nordischen Folklore. Kontraste zwischen langsamen und schnellen Passagen, dazu variierte Vocals, die für Spannung sorgen. Im Finale gewinnt das Stück an Dynamik und bietet einige wirklich starke musikalische Momente.
„Skaldekvad“ ist ebenfalls getragen, langsam, mit gesprochenen Passagen – fast rein atmosphärisch und sehr ruhig, vielleicht zu sehr für ein Album, das sich dem Metal verschreibt. In den folgenden Songs bleibt man in ähnlichen Gefilden, manchmal etwas energischer wie bei „In the Abyss of Existence“, das mit einem Gitarrenriff aufwartet, das zwar verschwommen wirkt, aber dennoch Wirkung zeigt – einer der besten Momente des Albums.
Schwerere Riffs und dynamische Wechsel
„Til Helheim Pt.I Reisen“, „Til Helheim Pt.II Forvandlingen“ und „Til Helheim Pt.III Gjenreiselsen“ bilden eine Trilogie, die melodische Linien miteinander teilt. Schon mit den ersten Akkorden setzt ein schwererer Sound ein, erstmals mit deutlicheren Riffs – etwas, das man bis dahin kaum auf der Platte hörte. Eine starke Melodieführung, Tempo-Wechsel, die für Dynamik sorgen, und insgesamt eine spannende Komposition. Teil I wirkt wie eine klare Hommage an die Genreväter – dynamisch, mitreißend, ein Highlight. Teil II erinnert eher an einen Filmsoundtrack voller Feenwelten, während Teil III mit einer Explosion an Klängen diese Wahrnehmung wieder aufbricht. Ein weiterer Song voller Leidenschaft und Seele. Insgesamt eine komplexe Trilogie, die symphonische Elemente geschickt mit echtem Black Metal verbindet.
„The Cries Within“ bringt es auf über acht Minuten. Wieder eine komplexe Komposition mit dynamischen Gitarren, einem übermäßig epischen Klang und wechselnder Atmosphäre, getragen von einer traurigen Melodielinie. Symphonisches Orchester, Drums und Schreie sind zurück. „Ut Av Tiden“ beendet das Album schließlich als akustisches Gitarren-Outro.
Symphonische Musik mit Black-Metal-Einflüssen
Auf diesem Album steckt nicht viel Metal. Nur kurze Passagen, die auch nicht besonders aggressiv klingen. Vielmehr hat man das Gefühl, einen Soundtrack zu hören – ruhig, melodisch, mit Streichern, Bläsern und Chören, fast wie von einem kompletten Orchester gespielt. Klar erkennbar sind die Einflüsse jener Black-Metal-Bands, die schon früh symphonische Elemente einsetzten, hier allerdings noch stärker in den Vordergrund gestellt.
Doch die Musik ist überladen mit langsamen, wenig metallischen Momenten. Als Gesamteindruck wirkt das unausgewogen. Manche Passagen ziehen sich zu lange ohne Tempowechsel. Auch die Songlängen tragen dazu bei, dass der Fluss manchmal stockt. Während die erste Albumhälfte fast rein symphonisch wirkt, überzeugt die zweite Hälfte mit deutlicheren Wurzeln im Black Metal und zeigt mehr Inspiration.
Fazit: MJOLNEs Debüt „Through Veils of Time“ hat starke Momente, ist insgesamt aber eher symphonische Musik mit nur vereinzelten Metal-Parts.
Tracklist
01. What I Once Was
02. The Olden Perspectives
03. Through Veils Of Time
04. Skaldekvad
05. In The Abyss Of Existence
06. Til Helheim Pt.I Reisen
07. Til Helheim Pt.II Forvandlingen
08. Til Helheim Pt.III Gjenreiselsen
09. The Cries Within
10. Ut Av Tiden
Besetzung
Mjolne – alle Instrumente, Vocals