YEAST MACHINE – Bad Milk

YEAST MACHINE - Bad Milk - album cover

Band: YEAST MACHINE 🇩🇪
Titel: Bad Milk
Label: Noisolution
VÖ: 20/03/26
Genre: Stoner Rock, Grunge, Psychedelic Rock

Tracklist

01. Globalized Condolences
02. Falling Rocks (feat. The Red Flags)
03. Bad Milk
04. Foreshadowing
05. Dust On The Radio
06. Feeding Poison To The Spiders Was Never Really My Thing
07. Karthago
08. Honey & Sweat
09. Wobbly Wizard
10. The Golden Cage

 

Besetzung

Fabian Köninger – Guitar & Vocals
Tobias Köninger – Guitar & Vocals
Benjamin Frenzel – Vocals
Jonas Bischof – Drums
Marcel Gundlach – Bass

 

Bewertung:

4/5

Die fünfköpfige Formation YEAST MACHINE bewegt sich stilistisch irgendwo zwischen staubigem Stoner-Rock, schmutzigem Grunge und psychedelischen Ausflügen. Hinter dem Namen stehen Fabian Köninger (Gitarre, Gesang), Tobias Köninger (Gitarre, Gesang), Benjamin Frenzel (Gesang), Jonas Bischof (Drums) und Marcel Gundlach (Bass). Drei Stimmen, zwei Gitarren und eine Rhythmussektion, die eher drückt als begleitet. Mit ihrem Album »Bad Milk« legt die Band eine Platte vor, die bewusst unpoliert wirkt und genau daraus ihre Wirkung zieht.

Druck und Atmosphäre

Schon die kurze Einleitung »Globalized Condolences« deutet an, wohin die Reise geht. Ein düsteres Klangbild baut Spannung auf, bevor »Falling Rocks« direkt in die Vollen geht. Der Song wirkt wie ein kontrollierter Zusammenstoß aus fuzzigen Gitarren, schweren Riffs und einem Rhythmus, der konsequent nach vorne drängt. Die Gaststimmen von THE RED FLAGS verleihen dem Stück zusätzliche Rauheit.

Diese Mischung aus Druck und Atmosphäre zieht sich durch das gesamte Album. Die Gitarren sind breit und leicht verschwommen produziert, was hervorragend zum psychedelischen Unterton passt. Gleichzeitig bleibt der Sound erdig genug, um im Stoner-Rock-Fundament zu verankern.

Drei Stimmen, ein Charakter

Ein zentrales Merkmal der Platte sind die drei Sänger. Statt klassischer Rollenverteilung entsteht ein Wechselspiel. Mal übernimmt eine Stimme die Führung, mal verschmelzen sie zu einem gemeinsamen Klangbild. Besonders im Titeltrack »Bad Milk« funktioniert das sehr gut. Der Song entwickelt eine dunkle, fast hypnotische Stimmung, während sich die Stimmen über einem schweren Groove abwechseln.

Auch »Foreshadowing« zeigt diese Dynamik. Hier arbeitet die Band stärker mit Spannungsaufbau. Leisere Passagen öffnen Raum für Hall und Echo, bevor die Gitarren wieder in massiven Wänden zurückkehren.

Wenn Staub auf den Lautsprechern liegt

Ein Highlight des Albums ist »Dust On The Radio«. Der Song lebt von einem schleppenden Rhythmus und einer Gitarrenarbeit, die stark an klassische Desert-Rock-Produktionen erinnert. Gleichzeitig bringt die Band genug eigene Ideen ein, um nicht in bloßer Genre-Routine zu landen.

Noch experimenteller wird es bei »Feeding Poison To The Spiders Was Never Really My Thing«. Schon der Titel zeigt eine gewisse Lust am Absurden. Musikalisch pendelt das Stück zwischen ruhigen, beinahe psychedelischen Momenten und eruptiven Ausbrüchen. Genau solche Tracks geben der Platte Tiefe.

Historische Anspielungen und Groove

»Karthago« gehört zu den Songs, die besonders durch Rhythmus funktionieren. Der Bass arbeitet hier auffällig melodisch und trägt das Stück gemeinsam mit den Drums. Die Gitarren setzen eher Akzente als dauerhaften Druck. Das Ergebnis ist ein Song, der sich langsam aufbaut und erst im letzten Drittel richtig explodiert.

Danach folgt mit »Honey & Sweat« ein vergleichsweise direkter Track. Kürzer, kompakter und mit einem Refrain, der im Ohr bleibt. Hier zeigt sich, dass die Band durchaus ein Gespür für zugängliche Strukturen besitzt, ohne ihre raue Ästhetik aufzugeben.

Psychedelische Schräglage

Spätestens bei »Wobbly Wizard« kippt das Album deutlich in Richtung Psychedelic-Rock. Gitarrenlinien schwanken bewusst leicht neben dem Takt, Effekte wabern im Hintergrund und die Stimmen wirken fast entrückt. Dieser Song dürfte live besonders interessant funktionieren, weil er viel Raum für Improvisation lässt.

Den Abschluss bildet »The Golden Cage«. Ein passender Schlusspunkt, der mehrere Elemente des Albums zusammenführt: schwere Riffs, mehrstimmigen Gesang und eine leicht düstere Grundstimmung. Der Track wirkt wie ein langsames Ausfaden der zuvor aufgebauten Klangwelt.

Produktion: roh, aber bewusst

Die Produktion von »Bad Milk« wirkt nicht glattgebügelt. Gitarren rauschen leicht, die Drums klingen direkt und manchmal fast trocken. Genau dieser Ansatz passt jedoch gut zur Musik. Statt sterilem Studioglanz entsteht ein Eindruck, als würde die Band in einem leicht vernebelten Proberaum spielen.

Gerade im Stoner- und Grunge-Umfeld funktioniert diese Herangehensweise hervorragend. Der Sound bleibt greifbar und vermittelt Energie, die bei zu sauberer Produktion schnell verloren gehen würde.

»Bad Milk« ist kein Album für nebenbei. Die Songs entfalten ihre Wirkung erst, wenn man ihnen Zeit gibt. Wer auf schwere Gitarren, leicht psychedelische Klanglandschaften und eine gewisse Portion Rohheit steht, findet hier viel Material.

Die Stärke der Platte liegt in ihrer Atmosphäre und im Zusammenspiel der drei Stimmen. Nicht jeder Song zündet sofort, doch das Gesamtbild bleibt überzeugend. Besonders Tracks wie »Falling Rocks«, »Dust On The Radio« oder »Wobbly Wizard« zeigen das Potenzial der Band.

Mit vier von fünf Punkten positioniert sich das Album klar im oberen Bereich moderner Stoner- und Alternative-Produktionen. Für eine Band aus dem Underground ist das ein bemerkenswert selbstbewusster Schritt. Und vermutlich noch nicht das Ende der Entwicklung.

Fazit: Mit »Bad Milk« liefern YEAST MACHINE ein Album ab, das sowohl die Grenzen des Psychedelic und Grunge auslotet als auch eine klare Handschrift erkennen lässt.

Internet

YEAST MACHINE - Bad Milk - CD Review

Robert
Roberthttps://www.metalunderground.at
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.

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