Zum Labelwechsel, der Wiederveröffentlichung des aktuellen D-A-D Albums „Dic.Nii.Lan.Daft.Erd.Ark“ und vielem mehr, konnte ich Gitarrist und Backgroundsänger Jacob Binzer am Telefon befragen und er hatte auch einiges zu erzählen.
Aber lest selbst…

Hi Jacob, D-A-D sind grade von ein paar Shows in Frankreich und einem US Trip zurück. Erzähl uns doch mal ein bisschen über die USA Reise, den hoffentlich ausverkauften Locations und den enthusiastischen Reaktionen des Publikums…

Ist schon ´ne Weile her, als wir das letzte Mal in den USA unterwegs waren, ich glaube zuletzt mit dem Album „No Fuel Left For The Pilgrim“. Zu dem Zeitpunkt hatten wir auch ´nen Majorvertrag, der uns in diese Richtung viele Türen öffnete, die sich ohne den Deal nicht mehr für uns öffneten… Durch unseren neuen Vertrag mit AFM können wir aber wieder ganz andere Wege gehen, die u.a. jetzt auch wieder über den großen Teich führten und wir in den Clubs von New York bis Texas ausgiebig testen konnten, ob wir hier überhaupt noch ´ne Lobby haben. Und wir staunten nicht schlecht, denn die Clubs waren sehr gut besucht, Fans kamen mit CDs und LPs an um sie signiert zu bekommen oder um uns ihre damals signierten Ödeme zu zeigen. Fazit: Aus unserer Sicht war dieser Trip ein voller Erfolg um zu sehen, dass wir dort noch Freunde haben.

Hattet ihr in den USA eine andere Setlist?

Nein, die Setlisten waren identisch mit dem europäischen Programm, welches wir derzeit fahren.

Nächsten Monat geht Ihr an Board der Full Metal Cruise. Seid Ihr deswegen schon aufgeregt oder nervös? Rock´n´Roll auf einem Schiff, das klingt doch sowieso nach einer Idee von D-A-D…

Haha, Jeah, das hätte wirklich eine Idee von uns sein können… Nervös sind wir nur wg. der Schiffe, hahaha
Nein, wir haben bereits einige dieser Cruises gespielt und es war fantastisch. Es ist eine angenehme Art für alle Beteiligten denn Fans und Bands sind sich sehr „nahe“ und kommen immer wieder ins Gespräch, kommen dazu mit ihrem Vorbild oder Idol mal ein Bierchen zu trinken, gemeinsam zu frühstücken, und so weiter. D-A-D haben auch dabei ihren Spaß und lassen das auch die mitreisenden Fans spüren.

In eurer Heimat spielt Ihr richtig große Shows in Arenen, in Deutschland zum Beispiel hauptsächlich Clubs. Was ist cooler, was macht mehr Spaß? Gibt es sichtbare oder fühlbare Unterschiede zwischen den verschiedenen europäischen Fans zu den dänischen Fans? Was ist denn euer Status in Dänemark?

In Dänemark spielen wir schon hauptsächlich große Shows, egal ob auf Festivals, Open-Airs, Arenen,… Und das tun wir auch gern, wir haben dabei unseren Spaß. In Deutschland sind es einige Festivals aber sonst sind es wirklich meist nur Club-Touren mit denen wir auch sehr glücklich sind und unseren Spaß haben. Beides hat Vor- und Nachteile. Im Club können wir meist nur minimalistisch unser Showprogramm fahren, in Arenen die volle Show. Dafür verstehen wir auf den Arena-Bühnen unser eigenes Wort nicht, im Club hört man dafür jeden Verspieler und man gibt sich noch mehr Mühe, um den Zuschauern alles vernünftig bieten zu können. Unterschiede zwischen den verschiedenen Nationen sind nicht von der Hand zu weisen. Die Dänen zum Beispiel, machen aus unserer Show ein Event, kommen mit der ganzen Familie zum D-A-D Picknick und haben Spaß.

Haha, D-A-D sind in der Heimat Popstars für Jung und Alt?

Haha, ja genau… Popstars…
Die französischen Fans wiederum, lassen die Sau raus, flippen aus und wollen Fun, Spaß, Party.
Anders die deutschen Fans, die inzwischen auch mit uns älter geworden sind, mit 30-40 Jahren gemächlich vor der Bühne stehen und Note für Note mitsingen, Bier trinken und uns wohl immer treu die Stange halten. Aber wie gesagt, uns macht es Spaß überall zu spielen, wo eine super Live-Sause mit D-A-D laufen soll! Ich persönlich bevorzuge Clubs, was aber nicht heißen soll, dass ich mich nicht auf der großen Bühne wohl fühle!!! Show und Musik müssen stimmen, dann funktioniert auch das Entertainment, auch wenn der Sound in einem Club oder einer anderen Location, mal nicht der beste ist…

Wie schaut´s denn mit den alten Songs wie „Riding With Sue“, It´s After Dark“, „Marlboroman“ und I Won´t Cut My Hair“ aus, wird es nicht langweilig die ollen Kamellen immer und immer wieder zu spielen?

Nein, langweilig wird es nie. Man sollte aufpassen, dass keine Routine Einzug hält. Wir haben genug Songs am Start und zur Auswahl und oft genug ist es ja das Publikum, welches genau diese Songs fordert, aber auch immer das aktuelle Material gut abfeiert. Letzte Woche schlossen wir einen Gig mit „It´s After Dark“ und einige Zuschauer wanderten bereits in Richtung Ausgang ab. Wir gingen zurück auf die Bühne und spielten den „Marlboroman“ und plötzlich waren alle wieder da. So kann es gehen, langweilig wird es eigentlich nie.

Was war denn der Grund des Wechsels von Stefan Weidner´s 3R Label zu AFM? Dazu wurde das Abum nochmal aufgelegt und mit einer Bonus CD versehen, was ist darauf zu hören?

Der Wechsel von 3R Entertainment (Label von Stefan Weidner /Ex-Onkel und nun „DER W“) zu AFM war ein wichtiger Schritt für uns, denn sie sind nun mal ein größeres und europaweit, bzw. weltweit agierendes Label. Zumal der Vertrag mit Stefan jetzt sowieso auslief, war das alles vom Timing her passend, wir sind glücklich und fühlen uns wohl bei AFM. Es gab keinen Streit, böses Blut oder sonst etwas mit Stefan. Es sollte ja inzwischen auch jeden bekannt sein, dass wir eine langjährige Freundschaft hegen, die wir auch nicht aus geschäftlichen Gründen auf´s Spiel setzen wollen. Alles ein ganz normaler und sauberer Ablauf. Das Album wurde noch einmal aufgelegt, und ich kann nur sagen, dass dies wieder einmal sehr fanfreundlich ausgefallen ist. Es gibt eine Bonus CD mit einer Live-Performance der letzten Tour in Kopenhagen im schicken Digipack.
Also mir gefällt´s…

Was hat es denn nun mit dem Cover auf sich, ist´s ein Wink mit dem Zaunpfahl an die dänische Königin, D-A-D mit einem Titel zu beehren, wie z.B. Elton John von der Queen geadelt wurde?

Haha, nein, das ist schon etwas tiefgründiger. Die Idee schwirrte uns schon eine Weile durch den Kopf, die dänische Flagge nicht mehr leuchtend farbig sondern schwarz/weiß abzubilden. Bei uns im Land ist politisch eine Menge schief gelaufen und es erschien uns immer mehr als Tristesse, welche wir damit ausdrücken wollen. Aber aktuell hat sich ja einiges in der politischen Landschaft bei uns verändert und wir sollten dem positiver gegenüberstehen. Aber es entwickelte sich zu einer eher düsteren Umgebung und die hat eine Flagge in schwarz-weiß verdient. Und: Es gefällt uns!

Haha, da ist der Punk, der frühe Cow-Punk in D-A-D…

Ja, hahaha, genau.

Was hat es mit dem Videoclip zur Single „I Want What She´s Got“ auf sich. Habt Ihr eure feminine Seite entdeckt?

Nun, der Song heißt „I Want What She´s Got“ und das wollten wir darstellen. Dazu gehören nun mal Frauenkleider, Schminke und vor allem: High Heels! Und ich kann es gar nicht oft genug sagen: Respekt den Damen, die damit mehrere Stunden laufen können oder müssen. Beim Dreh war es eine ordentliche Stolperei, haha…

D-A-D machen seit knapp 30 Jahren Musik. Mit dänischen Cow-Punkrock gestartet, über den Hard Rock, harter Rock mit sehr leichten Grunge-Einsprengseln und für eure Verhältnisse doch sehr tiefgestimmte Gitarren, Classic Rock bis heute wieder beim hippiedesken Classic Hardrock gelandet. Elemente aus Eurer Cow-Punkrock-Ära waren nie verschwunden und sind auch heutzutage nicht zu verleugnen, aber wie kam es zu diesem Wandel, bzw. zu diesem leichten Schlenker in der eigenen „Tonspur“? War es eine normal einschleichende Nebeneffekt-Evolution, oder habt ihr Euch vorm Proberaum genau instruiert, wie es jetzt zu klingen hat,…?

Das passiert eigentlich sehr automatisch, wir müssen uns darüber keinen Kopf machen. Wir folgen einfach der Musik die aus uns herauskommt, wenn die Instrumente angestöpselt werden. Was für eine Grundrichtung es in dem Moment ist, oder welcher Stil oder nach welcher Art und Weise es klingt, ist erst mal egal. Wir lassen die Musik fließen, wirken, und basteln/komponieren uns daraus den für uns am besten klingenden Song. Ist es ein düsteres Riff, wird es wohl ungeplant ein düsterer Song, wenn man bei D-A-D überhaupt von düsteren Riffs/Songs sprechen kann…
Wir nutzen den „Flow“…

Was ist denn mit dem Song „Jihad“, hattet Ihr in den letzten Jahren irgendwelche Probleme oder sogar richtig Ärger damit oder wurde er verstanden?

Ich glaube, niemand hat den Song verstanden, hahaha… Der Song und das Album entstanden noch vor dem Golfkrieg, und unser Glück war wohl, dass sich zu dem Zeitpunkt niemand um unseren Song kümmerte. Zu einer anderen, späteren Zeit, hätte das vielleicht Ärger geben können. Wir hatten den Song auf´m Schirm, weil es bei uns in Dänemark zu dem damaligen Zeitpunkt einige nicht so schöne „religiöse“ Auseinandersetzungen gab. Aber wirklichen Ärger hatten wir bis dato nicht…

„Dic.Nii.Lan.Daft.Erd.Ark“ ist bereits euer 11.Album. Gibt es ein Album in Eurer Discographie, welches Du favorisierst oder wo Du sagst: „Bitte lass es uns nochmal machen, mit einigen Veränderungen, o.ä.“?

Schwer zu sagen…“No Fuel Left For The Pilgrim“ hatte schon eine sehr enorme Hitdichte, könnte aber bedeutend besser klingen…

Wäre es keine Option, das Album nochmal neu aufzunehmen?

Nein, das kann nicht funktionieren, wie es einmal zu dem damaligen Zeitpunkt funktioniert hat…

Macht man sich denn schon Gedanken ans „Aufhören“, der Rente oder wird es Rock Till Death geben? Haben D-A-D noch Pläne, Träume, Wünsche?

Ans Ende von D-A-D denkt keiner, geplant ist auch in diese Richtung nichts, hahaha Wenn das Schiff mitspielt, hahaha… Ja, wir haben noch Pläne, Wünsche sowie auch Träume, von denen sich zum Beispiel demnächst einer erfüllt: Wir werden in China spielen! Das finden wir sehr gut. Und Konzerte in Ländern die weiter weg sind, werden jetzt auch öfter angegangen wie z.B. vor 2 Jahren in Australien, Japan und bestimmt wollen wir auch nochmal etwas ausgiebiger die USA erkunden und erobern, hahahaha….

Während ich für´s Gespräch ein bisschen recherchierte, hörte ich nebenbei mal wieder alle Alben chronologisch durch, blätterte durch die Booklets und konnte mir hier und da ein fettes Grinsen nicht verkneifen. Die modischen Veränderungen, besonders in den 80ern bis in die Früh-90er sind einfach nur zum Schießen, wie denkst Du darüber?

Das ist u.a. Rock´n´Roll und auch die verschiedenen Zeiten und Moden spielen eine große Rolle wobei wir uns nicht einer Mode unterwarfen sondern immer das machten und trugen, was wir wollten. Auch zu den Frisuren wurden wir nicht gezwungen…

Wie bist Du zum Rock´n´Roll gekommen?

Bei mir waren es anfangs SLADE und SWEET, mit 13/14 Jahren kam ich dann mehr und mehr auf Punk und Rock.

Ich mag Eure Homepage, daran sollten sich viele Bands mal ein Beispiel nehmen…

Oh, vielen Dank, das hört man gern.

Aber Ihr bietet Bootleg-Tradern eine Plattform sowie auch die Möglichkeit, rares Promozeug zu tauschen, zu kaufen… Andere Bands rennen jeden Tag zum Anwalt um festzustellen, wie viele Fans und Sammler heute wieder angemahnt werden konnten…

Wir wollten eine Site, die nicht „nur“ die typischen Merkmale und Klickbuttons wie „Discography“, „Band“, „News“, usw. aufweist, sondern alles ein bisschen Fan-näher und interaktiver gestalten. Deshalb können die Fans auch gern auf unserer Plattform diverse D-A-D Artikel und Bootlegs tauschen. Und von mir aus auch irgendwelche raren Promo-Artikel feilbieten, aber wir haben ein Auge darauf, damit nicht übler Handel in großem Stil betrieben wird.

Vielen Dank, das war ein sehr angenehmes Gespräch mit Dir, ich hoffe wir sehen uns demnächst mal Live On Stage….

Wir spielen im Sommer ein paar Festivals hier, und im November gehen wir auf Tour. In Deutschland sind es bereits 8 gebuchte Gigs, zu Österreich kann ich noch nix sagen. Aber ich werde mal Bescheid sagen…

Und tatsächlich waren D-A-D 2006 das letzte Mal in Österreich. Zeit wird’s, denn mit diesem starken Album im Gepäck, bleibt Ihnen gar nichts anderes übrig…

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