Interview mit Lord Of Light 2020 (Mastermind Nicklas Kirkevall)

Lord Of Light Nicklas Kirkevall
Photocredit: No Remorse Records

Das Debütalbum „Morningstar“ von LORD OF LIGHT zählt ganz klar zu den herausragenden Veröffentlichungen der letzten Zeit. Ursprünglich als digitaler Selbstrelease im Dezember 2019 erschienen, bewies das griechische Label No Remorse Records schnell guten Geschmack, und die Gruppe wurde unter Vertrag genommen. In den packenden Songs kommen mehrere erstklassige Einflüsse zusammen. Es erinnert mich unter anderem an die jungen und goldenen Tage von Queensryche und Dream Theater, magische Momente der späteren Savatage. Dennoch steht das Album und jeder Song absolut für sich selbst. Trotzdem ist bisher so ziemlich gar nichts über den Kopf hinter dieser Gruppe bekannt, außer dass er Nicklas Kirkevall heißt, und die ersten Ideen für „Morningstar“ etwa vor 10 Jahren hatte. Glücklicherweise war er gleich bereit, für uns etwas mehr Licht hinter LORD OF LIGHT zu bringen.

Hallo Nicklas! Wie geht´s Dir, und wie sieht die aktuelle Situation mit diesem Corona-Problem bei Dir in Schweden aus?

Hallo! Mir geht´s prima im Moment. Lord Of Light und auch meine anderen Aktivitäten bewegen sich gerade in eine günstige Richtung. Also bin ich guter Dinge, auch wenn die aktuelle Situation besorgniserregend ist.

Wegen diesem Virus hängt gerade alles ein bisschen in der Schwebe. Unser Premierminister hat kürzlich die Leute gewarnt, sich noch für einige weitere Monate zu wappnen. Aber wie Du vielleicht gehört hast, sind unsere Quarantänemaßnahmen ziemlich locker im Vergleich zu anderen Ländern. Schauen wir mal, wie sich das entwickelt.

Lord Of Light – Morningstar album coverIch habe schon erwähnt, dass „Morningstar“ für mich ein herausragendes Album ist. Von daher war ich überrascht, dass man von Dir noch kaum etwas weiß. Eine kleine Suche mit Google führte mich zur Bandcamp-Seite einer schwedischen Progressive Rock Band namens „Atlas And Osiris“, bei denen ein Nicklas Kirkevall Gitarre spielt. Natürlich weiß ich nicht, ob das wirklich Du bist. Bevor wir also näher aufs Album zu sprechen kommen, könntest Du uns vielleicht etwas zu deinem musikalischen Hintergrund erzählen?

Jawohl! Ich bin der Rhytmusgitarrist in dieser Band. Simon Frisk, einer meine besten Freunde spielt die Leadgitarre und schreibt dort all die Musik. Bei Atlas And Osiris kann ich mich allerdings rein auf mein Gitarrenspiel konzentrieren und dabei locker herumexperimentieren. Ein neues Album ist beinahe fertig und auch unser neuer Drummer ist großartig, also finde ich auch diese Band spannend. Wir fangen an, richtig gut zu klingen.

[Hier geht´s zu Nicklas anderer Band „Atlas And Osiris“: https://atlasandosiris.bandcamp.com/releases]
Ansonsten war ich mal Keyboarder bei einem reinen AOR-Projekt namens Reach, ging allerdings bereits, bevor mehr daraus wurde. Ich war es einfach satt, diesen speziellen Keyboard-Stil zu spielen. Mittlerweile fahren Reach interessanteren und härteren, alternativen Sound, und gerade eine aktuelle Single draußen.

Kommen wir zu “Morningstar”. Was war die Idee dahinter? Und wann hast du beschlossen, es ernsthaft anzugehen und all die guten Songs in deinem Kopf auf die Welt loszulassen?

Ich habe schon als Teenager einige Songs im Prog/Power-Stil geschrieben. In meinen frühen Zwanzigern begann ich, Songs zu schreiben, um eine Band zu gründen. Zu der Zeit studierte ich in Stockholm, wo leider absolut niemand Interesse hatte, Power Metal zu spielen. Die Metalheads sahen sogar ziemlich herab auf dieses Genre. Ich habe beschlossen, dass die damit völlig schief liegen, und ich einfach alleine weitermachen muss.

Nach einigem Ausprobieren konnte ich 2012 eine Demoversion von „Ballad Of The Righteous“ aufnehmen, und ab da wurde aus meinem Wunsch ein realer Plan. Nachdem ich einige Probleme mit den Synth-Sounds auf meinem Juno-6 und Jupiter-6 in den Griff bekam, schrieb ich bald einen Song nach dem anderen. Währenddessen machte ich auch konstant Fortschritte mit meinen Gesangsfähigkeiten. Als dann alles aufnahmefähig ausgereift war, klang ich gut genug, um die Vocals selbst zu übernehmen. Mittlerweile ist die Stimme sogar mein Lieblingsinstrument, wobei ich die Gitarre und Keyboard deshalb nicht aufgeben möchte.

Lord Of Light - Nicklas Kirkevall

Photocredit; No Remorse Records

Kannst Du es nachvollziehen, wenn ich bei Euch Einflüsse von Queensryche, späteren Savatage und Dream Theater heraushöre? Gerade deine Stimme klingt für mich irgendwie an etwas zwischen Geoff Tate und Zak Stevens. Was sind tatsächlich deine wichtigsten Einflüsse?

Freut mich, dass Du so denkst! Ich bin ganz klar ein großer Fan von Savatage und Queensryche. Geoff Tate ist wahrscheinlich mein Lieblingssänger und ein immenser Einfluss auf mich als Sänger. „Operation: Mindcrime“ ist meiner Meinung nach eins der besten Metalalben.

Ansonsten ist es musikalisch ohne jede Konkurrenz Iron Maiden, daneben noch Bands wie Hammerfall, Stratovarius und frühe Sonata Artica. Dream Theater waren, abgesehen vom großartigen „Ytse Jam”, kein direkter Einfluss auf mich. Neuerdings findet auch eine Portion Meshuggah und Rottong Christ ihren Weg in meine Musik.

Begriffe wie “Lord Of Light“ und „Morningstar streifen natürlich religiöse Themen. Wenn ich die Texte so durchlese, sehe ich aber grob folgende Themen: Das Streben der Menschheit nach höheren oder edlen Idealen, den Glauben diese notfalls mit Gewalt durchsetzen zu müssen, und wie das immer wieder zu Katastrophen und haufenweise Toten führt. Das lässt sich freilich auch auf politische Bewegungen wie den Kommunismus umlegen. Aber vielleicht habe ich auch nur zuletzt etwas viel über Diktaturen gelesen. Was war Deine Idee hinter den Texten?

Ja, ich glaube das bringt es auf den Punkt. Wir haben alle Ideale und Dinge, die wir gerne in der Welt ändern möchten. Aber wenn wir das gewaltsam tun, wird es ganz schnell dreckig. Schrittweise Veränderungen, wenn möglich, sind da besser, man hat mehr Zeit sich anzupassen. Soziale und ökonomische Systeme sind komplex, so dass es unmöglich ist, die Konsequenzen irgendeiner größeren Veränderung voll und ganz vorherzusehen. Du musst nicht mal ein Diktator sein, um Leben zu zerstören. Es kann mit durchaus mit den besten Absichten beginnen. Trotzdem glaube ich nicht, dass radikale neue Ideen unmöglich umzusetzen sind – das sind sie, und man braucht sie auch oft genug.

Wenn es um Kunst und Musik geht, habe ich allerdings kein Interesse, Leute von irgendwas zu überzeugen oder sie zu bekehren. Ich rede viel lieber über die Dinge, die uns zusammenbringen. Schließlich wollen wir alle eine bessere Welt. Einen gemeinsamen Boden zu finden, gegen Unterdrückung und Ausbeutung, ist etwas Inspirierendes für mich.

Abgesehen von einvernehmlichen Zweikämpfen oder Selbstverteidigung, bin ich gegen jede Form von Gewalt. Und ich habe vielleicht ein Problem mit Autoritäten, vor allem mit unverdienter Autorität.

Lord Of Light - Nicklas Kirkevall

Photocredit: No Remorse Records

Ich habe gehört dass Ihr schon an neuem Material arbeitet und auch Live Shows plant. Letzteres ist aktuell vielleicht gerade, sagen wir, schwierig. Aber können wir uns in der näheren Zukunft auf weitere Meisterwerke wie „Morningstar“ einstellen?

Ja, ich hoffe wir können da Wort halten. Ziel ist, nächsten Sommer ein neues Album rauszubringen, und „Morningstar“ dabei in jeder Hinsicht zu übertreffen. Wir haben nämlich bereits während der Produktion von „Morningstar“ viel neues Material sammeln können. Es sollte ein paar Monate dauern, das vorhandene Material auszuarbeiten, um dann mit den Aufnahmen zu starten.
Was Live-Shows angeht, würde ich eigentlich gerne einige diesen Herbst machen. Aber es wir deine Menge Arbeit brauchen, unsere Musik für die Bühne vorzubereiten.

Zum Schluss noch einmal Danke fürs Interview und die großartige Musik. Ich wünsche Euch das Beste auf Eurem Weg! Die letzten Worte gehören Dir.

Meinen tiefsten Dank an alle, die sich „Morningstar“ angehört haben; besonders denen, die uns Rückmeldung gegeben haben oder das Album gekauft haben. Ich verspreche, dass unser neues Album länger, kantiger und dynamischer sein wird.

Was Nicklas an dieser Stelle noch hätte sagen sollen: CD-Versionen von Morningstar, die man über die Bandcamp-Seite (https://lordoflight.bandcamp.com/album/morningstar) der Band bestellt, werden von Nicklas persönlich signiert, solange der Vorrat reicht

Interview mit Lord Of Light 2020 (Mastermind Nicklas Kirkevall)

Share.

About Author

Wenn mir irgendwas von Manowar nicht gefällt, konsumiere ich es solange, bis ich endlich nach mehreren Durchläufen erkenne, welche Großtat die New Yorker wieder geleistet haben. Leider habe ich diese Geduld nicht bei anderen Bands, tut mir leid für euch.

Comments are closed.