SMOULDER Interview

Smoulder Band
Picture by: Kimo Verkindt

Die kanadischen Newcomer haben bereits mit ihrem Debüt rund um den Globus überall mit ihrem episch-doomigen Traditionsstahl abgeräumt, und das völlig zurecht: „Times Of Obscene Evil And Wild Daring“ (2019) war eines der stärksten und eigenständigsten Erstwerke der letzten Jahre. Auch die kürzlich veröffentlichte EP „Dream Quest Ends“ (2020) konnte mich begeistern (siehe unser Review). Die anschließenden Tourpläne wurden dann leider durch Covid-19 durchkreuzt. Smoulder saßen erst einmal in Athen fest und sahen sich mit beträchtlichen finanziellen Verlusten konfrontiert. Wir unterhielten uns mit der Band über ihre Erlebnisse, die neue EP, Zusammenhalt, die Zukunft, sowie andere Dinge, die viel wichtiger sind als Klopapier…

Smoulder - dream quest ends album coverHallo Smoulder! Erstmal Gratulation zu eurer hervorragenden neuen EP „Dream Quest Ends“ – wie kam das Teil bisher an?

Sarah: Die Fans und Kritiker haben sich sehr wohlwollend über unsere EP geäußert. Das Format ist ein bisschen riskant – denn viele Leute bevorzugen komplette Alben, was wir auch gut nachvollziehen können. Trotzdem dachten wir, dass die neuen Songs [„Dream Quest Ends“ und „Warrior Witch Of Hel“ – Lex] so herausstechen, dass sie gesondert veröffentlicht werden mussten. Zumindest für uns sind die neuen Stücke dunkler, nachdenklicher und progressiver. Das „Cage Of Mirrors“-Cover passte exakt in diesen bedrückenden Vibe hinein. Sie weichen unserer Meinung nach von der überwiegend triumphierenden Stimmung des Albums [„Times Of Obscene Evil And Wild Daring“] ab, weshalb wir über die positive Resonanz sehr erfreut sind. Außerdem ist es prima, dass wir unser Demo [„The Sword Woman“] als B-Seite unterbringen konnten. Viele Fans haben uns schon gefragt, wo sie noch ein Exemplar bekommen könnten, was somit glücklicherweise wieder möglich ist.

Wo wir schon bei der EP sind: Was hat euch zu „Warrior Witch Of Hel“ inspiriert? Dieser Track verfolgt mich schon seit dem ersten Anhören…

Sarah: „Warrior Witch Of Hel” basiert auf der gleichnamigen Sword&Sorcery-Geschichte von Asa Drake (Ein Pseudonym von C. Dean Anderson). Das Buch handelt von der Kriegerin Bloodsong, die der Sklaverei durch einen Pakt mit der Göttin Hel entkam, welche aber ihre Tochter versklavt hat. Im ersten Teil der Trilogie macht Bloodsong sich auf, den bösen Hexer Nidhug zu töten, und hat auf dem Weg zu seinem Schloss eine Reihe schauerlicher Erlebnisse. Als Kevin mit der Musik für den Song kam, fügte sich diese unheimliche Geschichte wie von selbst dort ein. Ich bin sehr zufrieden damit – musikalisch und textlich erinnert der Track an barbarische Doom Bands wie Gates Of Slumber und Minotauri, die ich einfach liebe.

„Cage Of Mirrors“ ist ein großartiges Cover eines großartigen Songs – Mark Shelton würde stolz sein. Was hat euch bewogen diesen Song zu covern?

Vincent: Wir hatten schon länger darüber diskutiert, einen Manilla Road-Song aufzunehmen. Nach Mark Sheltons Tod 2018 wollten wir das endlich in Angriff nehmen. „Cage Of Mirrors“ war seit Jahren mein absoluter Lieblingssong von Manilla Road, und da auch der Rest der Band den Song mochte, war die Entscheidung schnell klar.

Picture by: Wayne Archibald

Sarah, Du bist eine der herausragendsten Stimmen im Metalbereich überhaupt, und schaffst es euren Texten ordentlich Leben und Bedeutung einzuhauchen. Wie kamst Du eigentlich zum Mikrofon, wer waren Deine Vorbilder?

Sarah: Danke, das ist sehr nett. Mich inspirieren viele Sänger, vor allem aber Ronnie James Dio. Danach kommt Robert Lowe (Solitude Aeternus), Leather Leone (Chastain), Johann Längquist auf dem Debüt von Candlemass, Grace Slick (Jefferson Airplane), Bruce Dickinson, Dusty Springfield, J.D. Kimball (Omen) und… Eigentlich jeder Sänger der mit seiner Stimme Geschichten erzählen kann und/oder ungewöhnliche Betonungen verwendet.

Ihr seid ja quasi aus dem Nichts gekommen und habt gleich mit eurem Debüt-Album „Times Of Obscene Evil And Wild Daring“ (2019) viel Anerkennung und Erfolg bekommen. Ihr hebt euch auch ganz deutlich von den allermeisten Bands ab. Was glaubt Ihr ist euer Geheimnis, was macht Euren Signature Sound aus?

Kevin: Ich glaube, das Besondere an unserem Debüt ist, dass wir nicht wirklich einen Signature Sound haben, sondern eher viele unterschiedliche Einflüsse verarbeiten, die aber gut miteinander harmonieren. „Bastard Steel“ hebt sich stark von “The Sword Woman” ab, dieses wiederum von „Black God´s Kiss“ und so weiter. Auch beteiligt sich bei uns jeder am Songwriting, so dass alle unsere gesammelte Erfahrung als Musiker zum Zuge kommen kann.

Kommen wir auf weniger erfreuliche Ereignisse zu sprechen. Leider platzte ja wegen der Corona-Krise kurzfristig euer Auftritt beim griechischen Up The Hammers-Festival in Athen. Ihr wart bereits vor Ort, hattet Schwierigkeiten wieder nachhause zu kommen und einige finanzielle Verluste dadurch erlitten. Vielleicht könnt Ihr uns etwas mehr darüber erzählen?

Adam: Wir hatten eine ganze Reihe Auftritte in ganz Griechenland geplant, nicht nur in Athen. Darüber hinaus platzten in Folge mehrere später im Jahr geplante Konzert- und Festivaltermine.
Wir sind natürlich nicht allein davon betroffen, sondern wahrscheinlich jede aktive Band auf diesem Planeten.

Aber unser Timing für die Ankunft in Griechenland fiel besonders ungünstig aus. Als unser Flug in Kanada losging, schien alles noch nach Plan zu laufen. Aber als wir in Athen ankamen, war bereits bekanntgeworden, dass eine ganze Reihe von Bands ausfallen. Am darauffolgenden Tag gab die USA bereits ihre Reisesperre für Europa bekannt, woraufhin das Up The Hammers komplett abgesagt wurde. Zu diesem Punkt erkannten wir bereits die Zeichen und wussten, dass wir so schnell wie möglich schauen mussten, dass wir nachhause kommen. Das brauchte aber mehrere Tage und gelang nur mit Hilfe von Familie und Freunden. Ich bin echt dankbar über die Unterstützung, die wir in dieser Zeit erfahren haben.
Trotz all dem Stress und den Schwierigkeiten in Griechenland, gab es allerdings auch Highlights: Beispielsweise Scald vor einer kleinen Gruppe in ihrem Proberaum spielen zu sehen; die Akropolis zu sehen (welche wegen der Pandemie allerdings bereits geschlossen war), und unsere „Dream Quest Ends“-EP großzügig im Schaufenster von No Remorse Records ausgestellt zu sehen. Die Leute bei Eat Metal Records waren ebenfalls sehr nett zu uns, und Ich kam letztlich mit einigen neuen Scheiben nachhause.

Wo Schatten, da auch Licht: Ich hörte, dass euer erlittener finanzieller Schlag, durch Fan-Support, doch noch etwas abgedämpft werden konnte. Wie geht es Euch jetzt?

Vincent: Wir hatten echt Glück, so viel Support von Fans aus der ganzen Welt, und auch durch vor Ort in Athen anwesenden Fans zu erfahren. Wir konnten unsere exklusiven griechischen Tour Shirts komplett verkaufen, sowie eine große Menge anderes mitgebrachtes Merchandise aus Kanada. Letztlich haben wir trotzdem noch beträchtliche Verluste eingefahren, aber das hat uns finanziell trotzdem enorm geholfen.

Wie können Fans euch denn am Besten unterstützen?

Vincent: Jeder, der uns direkt unterstützen kann und möchte, kann auf unserer Bandcamp-Seite: https://smoulder.bandcamp.com/ CDs, Vinyl, Patches, Shirts oder digitale Versionen der Alben bestellen. 
[Bandcamp-Verkäufe kommen, anders als anderweitige Bestellungen, direkt in die Kassen der  Bands  -Lex]

In Österreich, wie überall auf der Welt, müssen weiterhin eine Reihe von Maßnahmen zur Eindämmung der Krise getroffen werden. So wie die Lage aussieht, ist eine Entspannung der Lage nicht so schnell in Sicht. Wie wir d sich die Lage Eurer persönlichen Meinung nach entwickeln? Was sollten die Leute vielleicht sogar daraus lernen?

Adam: Im Moment befinden wir uns alle in Selbstquarantäne und hoffen, nicht mit Covid-19 infiziert zu sein. Nach allem, was ich aktuell weiß [die Antworten der Band erreichten uns am 28. März – Lex], werden wir noch für Monate isolieren und soziale Distanz aufrechterhalten müssen. Meine Sorge ist gegenwärtig, dass ohne flächendeckende  soziale Hilfestellungen, gesundheitlich schwache und hilfsbedürftige Menschen in enormen Maß betroffen sein werden.

Mir selbst wird es gut gehen, denn ich kann meine Arbeit von zuhause aus machen. Ich mach mir aber Sorgen über die, die ihre “nicht-essentiellen“ Jobs verloren haben Probleme in der Beschaffung von Essen und Medikamenten während der nächsten Monate bekommen.

Der Silberstreifen am Horizont ist, dass dieses Problem dermaßen klar und offensichtlich ist, und so viele Menschen auf einmal zur selben Zeit betrifft. Wahrscheinlich wird daher realisiert, dass hier dringend Handlungsbedarf besteht, und diese Leute deshalb mit lebensnotwendigen Dingen versorgt sein werden. Einige von diesen positiven Entwicklungen werden wir vielleicht beibehalten können, nachdem wir den Virus bewältigt haben. Vielleicht wird die Erkenntnis bleiben, dass wir immer noch nicht über der Natur stehen – und dass der Klimawandel dann ernster genommen wird. Ich versuche einfach zuversichtlich zu sein, also fokussiere ich mich auf diese Dinge.

Picture by: Wayne Archibald

Ich hoffe natürlich, dass es für Euch auf jeden Fall bald weitergeht, noch jede Menge geniale Alben von euch kommen, und Ihr weiterhin massiven und aktiven Fan-Support erhaltet. Im Wesentlichen also, wünsche ich euch das Beste. Wenn der Drachen Corona erst einmal durch den Stahl zerschmettert am Boden liegt, hoffe Ich Euch einmal live sehen zu können. Die letzten Worte gehören Euch; Ich sage an dieser Stelle Danke für dieses Interview und die großartige Musik.

Adam: Danke Dir! Wir werden sicher nicht aufgeben. Unsere ursprünglichen Pläne für dieses Jahr [gemeint sind umfangreiche Touraktivitäten – Lex] werden nicht umsetzbar sein, aber das heißt nur, dass die Pläne sich verändert haben. Wir werden mehr als normalerweise Zeit haben, an unseren Instrumenten zu üben und an unserer Musik zu arbeiten. Ich kann also garantieren, dass wir mit neuem Material aus dieser Situation hervorgehen werden. Wir müssen uns nur verantwortungsvoll verhalten und gesund bleiben. Bleibt zuhause soweit es nur geht, greift euch nicht ins Gesicht, und wascht euch regelmäßig die Hände.

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Wenn mir irgendwas von Manowar nicht gefällt, konsumiere ich es solange, bis ich endlich nach mehreren Durchläufen erkenne, welche Großtat die New Yorker wieder geleistet haben. Leider habe ich diese Geduld nicht bei anderen Bands, tut mir leid für euch.

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