ROBOKOPF Interview

Robokopf - Band

Aufgrund unserer Kampagne S.O.S. (save our scene) haben wir die Gloom Rock Truppe kontaktiert, um mehr über Band, Album und deren Situation während der Corona Krise zu erfahren.

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Photocredit: Band

Liebe ROBOKOPF Crew danke, dass ihr euch Zeit genommen habt. Würdet ihr bitte kurz ROBOKOPF vorstellen. Gebt uns bitte eine Übersicht über Eure bisherige Schaffensphase!

Kein Thema und sehr gerne. ROBOKOPF hat sich 2018 in Wien formiert. Ich (Andi, Gitarre) komm ursprünglich aus Graz, der Reini unser Schlagzeuger aus dem Mostviertel, der Fink unser Mann am Mikro aus dem Innviertel und der Lukas unser Bassist ist in Wien verwurzelt. Das Studium hat uns in Wien weitgehend zusammengeführt. Begonnen hab ich das Projekt mit dem Lukas (Bass) und kurz darauf ist der Reini (Schlagzeug) mit dem ich schon seit Ewigkeiten musikalisch verbandelt bin zu uns gestoßen. Zur Zeit der Bandgründung hab ich mir mit dem Fink eine Wohnung geteilt und nachdem er bei seiner Hauptband ANGOR von nur Gitarre zu Gitarre und Gesang gewechselt hat, hab ich mir gedacht da kann er das ja auch bei uns machen. Ein frühes gemeinsames Ziel war definitiv was auf Vinyl rauszubringen. Ich sammle das Zeug ja selbst leidenschaftlich und war ziemlich angetrieben von dem Gedanken eigenes schwarzes Gold zu produzieren. Offiziell haben wir dann die Platte gemeinsam mit EXIT MASCHINIST am 02.01.2020 bei einer Double Vinyl Release Party im Café Carina präsentiert.

Wurde The Echoes Of Owls von allen Bandmitgliedern gleichberechtigt mitgeschrieben oder gibt es bei euch eine Hierarchie? Worum geht es inhaltlich in euren Tracks?

Fünf Nummern stammen aus meiner Feder und der Rest vom Lukas. Wir sind bei ROBOKOPF das kreative Zweiergespann und schreiben auch die Texte. Arrangiert wird aber alles gemeinsam und solange adjustiert bis alle etwas mit den Ideen anfangen können. Wir kommen alle aus unterschiedlichen musikalischen Richtungen und treffen uns bei ROBOKOPF in einem düsteren, aber auch humoristischen Schnittfeld. Eine Hierarchie gibt es nicht und wenn von einem von uns etwas abgelehnt wird, findet es einfach nicht statt.

Textlich sind zwei Titel, der Opener „Vinegar Fist“ und „The Echoes of Owls“ an ein Videoprojekt vom Lukas angelehnt (www.facebook.com/blindfistmovie). Es geht um einen blinden Krieger, was auch Potenzial für ein Konzeptalbum gehabt hätte. „Wolf to the World“ ist eine metaphorische Betrachtung über Kunst und wie sie ihren Weg in die Welt findet. „Erinnerung an Else U.“ ist eine tragische Kriegsgeschichte, die ich von einem sehr beeindruckenden Bild vom Karl Wiener abgeleitet hab. Das Bild trägt übrigens den gleichen Namen und hängt im Wienmuseum. „Move like a Mountain“ ist eine humoristische Betrachtung des Christentums. Es geht um die unendlichen Fähigkeiten, die von Gläubigen einem Gott zugeschrieben werden und was der dann am Ende damit macht. Frei nach dem Slogan „Krise als Chance“ reflektiert „Flagshipwreck“ Gefühle von Orientierungslosigkeit und Kontrollverlust sowie die etwaige Notwendigkeit Schiffbruch zu erleiden, um neue Wege zu finden. „Watching the moon“ behandelt die kosmischen Bewegungen von Sonne und Mond, die einander umkreisen, ohne sich anzunähern – eine Allegorie auf die Sehnsucht zweier Seelen ohne Hoffnung auf Ankunft. In Anbetracht einer zukünftigen Platte war „The Echoes of Owls“ auch ein bisschen wie ein Versuchslabor und/oder eine experimentierfreudige Selbstfindung für uns.

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Gab’s eine bestimmte Inspirationsquelle für das neue Album?

Emotion ist denke ich immer die beste Inspirationsquelle. Wenn ich was lese oder sehe, dass mich bewegt oder wenn ich eine persönliche Erfahrung mache, die etwas auslöst, schreibt sich ein Text von selbst. Das kann ich nicht planen. Bei Musik geht das leichter, da fällt mir immer irgendwas ein und wenn ich es nach ein paar Tagen noch immer gut finde dann mach ich was damit. Ist jedenfalls eine gute Frage. Wenn ein Lied entsteht dann schwingt natürlich auch immer die eigene Hörgewohnheit mithinein und das, was dem Rest der Band gefällt. Das Pathos eines Rainbow Demons ist bei der einen oder anderen Nummer wie ich hoffe wahrnehmbar.

Wie waren die Resonanzen bis jetzt zum Album

Erfreulich gut soweit. Als Künstler steht man ja seinem eigenen Werk immer sehr kritisch gegenüber und findet immer etwas, das man ändern möchte. Insofern freut einen eine Bestätigung natürlich doppelt. In erster Linie macht man Musik zwar für sich selbst aber, wenn sie ein Publikum findet dann freuen sich Musikant und Kapelle natürlich sehr.

Euer von euch selbst betitelter Gloom Rock Sound hat ja viele Einflüsse quer durch die sogenannte Retro Phase alter Rock/Heavy Metal Dinosaurer. Welche maßgeblichen Ingredienzien haben Platz gefunden?

Irgendwann ist mir einmal die Beschreibung Regressive Gloom Rock in den Sinn gekommen, weil der eine oder andere Prog Einfluss alter Helden doch hörbar ist und ich mir gedacht hab das wär doch absurd etwas progressiv zu nennen, wenn es einem 50 Jahre alten Klangbild entspricht. Das ganze zugedeckt von Gloom wie eine dicke illuminierte klingende Nebeldecke. Und Hard Rock passt denk ich auch ganz gut als Überbegriff.

Wir habens auch spannend gefunden für die Produktion das Instrumentarium zu erweitern und haben auch Synths, Tubular Bells, Flöten und stimmige Soundeffekte von u.a. Ketten etc. in den Gesamtsound eingewoben – alla 70er Jahre Narrenfreiheit. Ein bandcamp Reviewer hat dann Regressive Gloom Rock als „pretty fitting tag“ bezeichnet und das finden wir auch.

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Welche Szenegröße würdet ihr mal selbst, persönlich kennen lernen und was würdet ihr ihn fragen?

Bei Lukas muss ich da nicht lange nachdenken. Der junge Ian Anderson und dann kommt lange gar nichts. Reini ist großer Fan von dem genialen Soundtüftler Gavin Harrison von PORCUPINE TREE. In Sachen Technik stehen Thomas Pridgen und Luke Holland bei ihm hoch im Kurs. Man hat aber natürlich ein bestimmtes Bild von Leuten, die man gut findet, das ja vielleicht nicht unbedingt der Realität entspricht aber bei Halford Interviews denk ich mir immer der ist nicht nur ein Gott, sondern auch ein echt sympathischer erdiger Typ da könnt ich mir so ein Plauscherl gut vorstellen. Mich faszinieren auch immer Geschichten rund um die Entstehung von Genres. So Tape Trading Gschichten aus den 80ern oder so was. Da würd ich gern einmal mit einem Lee Dorrian drüber quatschen. Ob da vielleicht einmal ein PUNGENT STENCH Tape in Birmingham gelandet ist oder umgekehrt.

Derzeit befinden wir uns ja in einer schwierigen Zeit für Bands, die derzeit weder touren noch auftreten können. Wie geht es euch denn, wie ist denn derzeit eure Situation innerhalb der Band, wie geht ihr mit der „Ausgangsbeschränkung“ um?

Wir sind ja finanziell nicht vom Musizieren abhängig und spielen ja auch für Gulasch und Bier. Oder sagen wir einmal für eine Tankfüllung und einen Vollrausch…und das Gulasch natürlich. Aber Spaß beiseite ich hör jetzt immer wieder von Gigmusikern die mit sehr viel finanziellem Risiko Musikschaffen und da ist die derzeitige Situation natürlich eine sehr Unsichere. Kleinere Bands, die sich mit touren grad ebenso über Wasser halten können trifft die momentane Situation natürlich hart. Ich hoffe, dass es diesbezüglich nach der Krise genug Unterstützung für eben diese Bands aus der Basis gibt. Diverse Fonds sind ja bereits angelaufen wobei ich eher skeptisch bin, was gerechte Verteilung von Geld betrifft. Was man natürlich auch nicht vergessen darf, ist das es nicht nur Bands, sondern auch Studios, Plattenläden, und natürlich Veranstalter und Venues herbe trifft.

Könntet ihr uns – so als ein Beispiel des Künstlers derzeit-, natürlich nur wenn ihr möchtet, sagen, was genau diese momentane „Coronakrise“ für eurer Band bedeutet?

Kurzgefasst Heimarbeit. Zum Komponieren hab ich jetzt sogar mehr Zeit und bereite so weit möglich Nummern für unser nächstes Album vor. Ich hab im Urlaub immer eine Reisegitarre dabei und hab letzten Sommer in Griechenland da dutzende Songschnipsel aufgenommen, die ich jetzt quasi in Metall gieße bzw. elektrisch umformuliere und dann ein Vorarrangement zusammenzimmere. Klingt alles aber nicht sehr griechisch, obwohl ich dort tolle Musik entdeckt habe. Große Empfehlung für alle Progfans wäre Kyriakos Sfetsas und sein GREEK FUSION ORCHESTRA.

Lukas tüfftelt zurzeit auch im Homestudio mit der Aufnahme von allerlei Tönen, Klängen und auch Texten. Wir werden hören wie’s klingt, wenn wir nach Ende der Beschränkungen die erste Noten gemeinsam spielen.

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Da man sich als Band ja nicht zusammenfinden kann, um zu proben oder auf folgende Auftritte einzustimmen, wie wird diese Situation von euch gemeistert?

Wir treffen uns einmal die Woche, während der Plattenaufnahme war es zweimal die Woche was natürlich derzeit flachfällt. Mir geht das schon sehr ab, weil das auch ein perfektes Ventil für mich ist. Hab mir gerade eine sehr empfehlenswerte Studiodoku der Band HÄLLAS die ihre aktuelle Scheibe beim Eisenerzer Label Napalm Records rausgebracht haben angeschaut. Da hab ich richtig gemerkt, wie mir dieses Musikbasteln im Keller mit ROBOKOPF abgeht. Ich denke Fernweh nach dem geliebten Kellerloch macht sich bereits bei allen breit. Außerdem trinken wir unser Bier nicht gern allein…

Schau auf dich, schau auf mich! Ist derzeit die große Kampagne wie geht ihr mit der Situation um, wie helft ihr bzw. kann euch geholfen werden?

Ich arbeite bei der AGES unter anderem auch bei der Corona Infoline und bin von Berufswegen schon einmal sehr mit der Krise konfrontiert. Also wenn man da anruft besteht zumindest die Möglichkeit, dass ich am anderen Ende sitze. Ich nehm die Situation durchwegs ernst. Ich gehöre zwar nicht zur Risikogruppe, aber wenn man verhindern kann, dass jemand aus solch einer Gruppe wirklich Probleme bekommt bleib ich gern daheim damit ist den meisten schon sehr geholfen. Auch wenn das vermehrte Gitarrengedudel mir meinen Nachbarn langsam zum Feind macht. Also entweder er klopft wegen mir oder er hängt immer Bilder auf, wenn ich etwas lauter spiele hehe.

Ich hab auch unlängst mit dem Reini drüber gesprochen, der sich schon auch um seine Eltern Sorgen macht. Aber die leben im Dorf, und sehen das ganz entspannt und das ist auch gut so.

RoboKopf - The Echoes Of Owls album coverAn Lichtblicke orientieren sich in schweren Zeiten gerne die Leute. Was ist bei euch der Lichtblick, was erwartet uns in naher Zukunft von euch?

Der Gedanke ans erste Bier beim ersten Konzert nach diesem leidlichen, aber verständlichen Veranstaltungsverbot ist jedenfalls ein äußerst Guter. Wir werden am 20.06. unter der Patronanz der When in Sodom Veranstalter (besten Gruß an Alex und Wuppi an dieser Stelle) im Club Wakuum zu Graz gemeinsam mit der befreundeten Band Exit Maschinist gastieren und bis dahin ist hoffentlich schon wieder Normalität eingekehrt. An einem Nachfolgealbum wird bereits geschmiedet und das wird für uns bestimmt wieder eine spannende Sache. 2020 soll es noch, wenn es nach mir geht fertig werden, aber Geschwindigkeit soll hier nicht der Feind der Qualität sein.

Dann bedanke ich mich an dieser Stelle für das Interview und bitte euch um die letzten obligatorischen Worte!

Wir sagen Danke für Eure Fragen und Euer Interesse an ROBOKOPF. Danke auch an alle, die uns mit dem Kauf einer Platte oder Merch unterstützen und uns bei Gigs Spritzwein auf die Bühne reichen.

The Echoes of Owls ist übrigens beim Totem Records in Wien, beim Inandout Records in Graz und in Quarantänezeiten auch unter robokopf-art.bandcamp.com/releases zu haben oder über robokopfheadone@gmail.com zu bestellen. Wer über Konzerte etc. informiert werden mag am besten uns auf FB: https://www.facebook.com/robokopfwien abonnieren.

Cheers!

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Funkender sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.

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