Oddland

Neues aus dem Proggland. Oddland haben erst vor kurzem ihre Meisterwerk The Treachery Of Senses veröffentlicht. Grund genug mich auf die Versen der Finnen zu machen, um ihnen einiges zu entlocken.

Hallöchen, wie geht es euch?

Hallo, Hallo uns geht es sehr gut, Danke der Nachfrage. Wir lauschen grade ein bisschen KING CRIMSON und freuen uns auf das Interview mit Euch.

Danke, dass ihr euch ein bisschen Zeit für uns und unsere Fragen genommen habt. Erst mal Glückwunsch zu Eurem Album „The Treachery Of Senses“, welches in meinen Ohren ja doch wie eine kleine Revolution im Schubladendenken herkommt. Ich finde Grunge-Sounds gepaart mit progressiven Metal ist ja doch eine kleine Neuheit, ein Novum und dass das so gut funktioniert, beeindruckt mich.

Vielen Dank, Eure Worte gehen runter wie Öl! Wir finden es interessant, dass einige Menschen in unserer Musik dermaßen viel mehr Grunge raushören, als wir selbst. Wie auch immer, ALICE IN CHAINS, SOUNDGARDEN & PEARL JAM waren in unserer Jugend schon sehr wichtig für uns und nehmen dadurch auch einen enormen Platz in unseren musikalischen Einflüssen ein, die wir nicht verneinen können, bzw. dem auch nichts entgegensetzen wollen. Ville und Jussi hatten mit Grunge nicht so viel am Hut, doch wuchs das Interesse bei Jussi auch nach seinen Teenie-Metalhead-Jahren 😉

Seid ihr durch die derzeitige Promo-Maschinerie genervt und gestresst oder habt ihr Spaß daran und genießt es?

Ich finde es ziemlich genial wenn jemand dafür Interesse zeigt, wofür man sein Herz und seine Seele gibt, ein geiles Gefühl. Und Ja, ich mag es, besonders die Live-Interviews bringen unglaublich viel Spaß mit sich. Der Haken ist, das wir halt teilweise nicht ganz so schnell bei Mail-Interviews reagieren können, oder es auch oft nicht leicht ist, uns telefonisch zu erreichen, weil wir unsere Tagesjobs, unser Privatleben und unser Bandleben unter einen Hut bringen müssen. Und Sorry, nächstes Mal geht’s schneller 😉

Passt schon 😉 Wie sind denn sonst so die bisherigen Reaktionen der Presse (Magazine, Fanzines, Webzines), wie ist das Feedback seitens der Fans?

Wir waren überwältigt von der Menge an positivem Feedback was das Album einbrachte. Wir gingen davon aus, das lediglich ein paar Prog-Metal-Enthusiasten unsere musikalischen Leistungen bemerken, ggf. auch honorieren. Aber wir rechneten nicht mit solch breiter Akzeptanz. Und es ist so cool, wenn Menschen unseren Sound als „frisch“ empfinden, als etwas neues was wir allein geschaffen haben und es keinen wirklichen Vergleich gibt.

Ich las, ihr seid als reine Grunge-Band an den Start gegangen, was war denn der maßgebliche Grund zur Soundveränderung?

Wir würden nicht behaupten, dass was wir in unseren Anfangstagen verzapften, wirklich Grunge zu nennen ist. Wir spielten eher Rock-orientierten Stoff, aber ich denke, aus heutiger Sicht wird das wohl eher Grunge genannt. Die Kursveränderung verlief teilweise bewusst, teilweise auch sehr natürlich, bzw. automatisch begleitend. Es kam halt einfach dazu, dass wir uns entschieden, heavier klingen zu wollen und der progressive Teil schlich sich dabei mehr oder weniger mit ein, was uns aber gut gefiel und wir deshalb beibehielten und ausbauten weshalb wir genau zu diesem Sound regelrecht drifteten.

Aber was war genau passiert, das sich Euer Sound dermaßen evolutionär vom 90´s Grunge zum beinahe perfekten technischen Prog-Metal der Gegenwart mit sehr gut partiell eingesetzten Grunge-Elementen im Gesang positiv veränderte?

Naja, ich denke dass der hauptausschlagende Grund für den Grunge vom Gesang her kommt, aber so klinge ich nun mal als Sänger, so klingt halt mein natürlicher Gesang. Die Musik änderte sich wie eben beschrieben und ich nehme an, dass dies nun das Ergebnis ist, wenn mein Gesangsstil auf die Musik trifft.

Was geschah in der Zeit von 2002, der Bandgründung, bis heute? Erzähle uns ein bisschen frei von der Leber weg mehr von der Band, Highlights der Bandgeschichte, über die Mitglieder, über „Suomi Metal Star“, über den Vertrag mit CENTURY MEDIA, und vieles mehr…

Tja, sozusagen kam der Ball 2002 so richtig ins Rollen. Joni (Bass), Ville (Drums) und Ich kennen uns bereits seit der Grundschule und sind dadurch bereits etliche Jahre lang befreundet. Jussi (Gitarre) kam im Herbst 2009 zu uns. Davor hatten wir einen ordentlichen Verschleiß an Gitarristen, hielten Jussi aber dann endlich für den perfekten Mann für uns. 2005 kamen wir dann an den Punkt der Veränderung und schrieben heavier klingendes Songmaterial, welches auch immer mehr in die progressivere Richtung driftete. Als ich nach meiner Spanien-Auszeit 2008 wiederkehrte, beschlossen wir, auf ´nen Deal hin zu arbeiten. Wir nahmen in Eigenregie 2010 die reine Promo-CD „Away From The Watching Eye“ auf, die auch gut ankam und enterten am Ende des Jahres die Bühne des Suomi Metal Star, eine Art Wettbewerb für finnische Newcomer-Bands, bei dem wir uns aber keine weiteren Chancen ausmalten. Aber wie es so ist, kamen wir plötzlich unter die Top 12 und letztendlich gewannen wir zu unserer Verwunderung die Competition. Zuerst sahen wir nur die Möglichkeit beim FME 2011 zu spielen und haben es nicht von Anfang an gerafft, dass der Sieg einen Vertrag mit CENTURY MEDIA beinhaltet. Umso größer war natürlich die Verwunderung sowie Freude und so sind wir fix abgetaucht um uns voll und ganz auf die Albumaufnahmen zu konzentrieren. Natürlich waren die meisten Songs zu diesem Zeitpunkt bereits fertig doch verbrachten wir noch etliche Zeit damit, die Songs wirklich studiotauglich auf der Reihe zu haben, bevor wir dann endlich ins Studio gebeten wurden. Wie Du siehst, wir mussten die harte Schule durchlaufen 😉

TJ: Welche Bands und Musiker, welche Musik hat euch sonst noch so beeinflusst?

Boah, das ist nicht ganz so leicht zu beantworten. Ich denke, unser Drummer Ville ist stark von MESHUGGAH befangen, wie man vielleicht auch aus seinem Spiel raushören kann. Ansonsten ist es schwer zu sagen, da jeder von uns tonnenweise, verschiedene Einflüsse mit einbringt. Aber um ein paar Bands zu nennen die wir alle gern hören kann ich hier mal u.a. KARNIVOOL, TOOL, FAITH NO MORE, GOJIRA und OPETH aufzählen.

Wer schreibt bei Euch die Songs, wer ist für die Lyrics verantwortlich und erzähle uns doch auch bitte etwas über die Texte Song für Song!

Also, Ville und ich sind hauptsächlich fürs komponieren zuständig, wobei aber die anderen Bandmitglieder auch ihren Einfluss geltend machen, bis es wirklich jedem gefällt und alle zufrieden sind. Die Lyrics entstammen alle meiner Feder, denn ich finde es wirklich wichtig, dass der Sänger dies tut. Nur er weiß wirklich, wie er welche Worte am besten und passendsten einbringen kann, so dass wirklich alles genau harmonisch in die Strophen und Refrains passt. Song für Song die Texte interpretieren, bzw. erklären? Ich werde die Thematiken anreißen und versuchen, sie auch vage zu beschreiben. Ich werde dies aber nicht ausführlich tun, denn ich möchte nicht zu viel von mir preisgeben, da sie teilweise auch sehr autobiographisch sind. Also, lass uns anfangen!

-Above And Beyond: beschreibt die unweigerliche Dynamik, die Rache entwickeln kann;

-Flooding Light: ist ein Song über die Frage, wo Realität endet und Illusion beginnt! Kennst du die Grenze?

-In The Eyes Of The Mourning: hier geht es um Verlust und Unzufriedenheit

-Aisle Of Array: ein Song über Sucht…

-Past The Gates: behandelt das Thema Selbst-Reflektion

-Still The Spirit Stays: hier geht es um das ungelebte Leben

-In Endless Endeavour: ein Song über die Beharrlichkeit, Ausdauer

-Sewers: ein Track über die bezaubernden Qualitäten von Dunkelheit und dem Bösen

-Lines Of Silver Blood: dieser Song beschreibt auf meine Art den Umgang mit inneren Konflikten

-Ire: hier wird der Umgang mit unterdrückter Wut beschrieben

Mehr kann und will ich nicht zu den Lyrics sagen, sorry!

Kein Problem. Sind die Songs auf dem Album eine Ansammlung von Songs und Ideen der vergangenen 10 Jahre oder ist das wirklich brandneues, aktuelles Material?

Es ist eine Ansammlung von Songs der letzten 3 Jahre. Wir hatten davor natürlich auch Songmaterial am Start, doch musste auch das dem neuen Soundgewand angepasst werden. Es waren Tracks aus der Zeit, bevor wir unseren musikalischen Kurs überdachten und diesen Richtungswechsel einlegten. Die aktuellen Songs werden so bleiben wie sie sind, aber wir werden uns definitiv weiterentwickeln, so dass das nächste Album nicht anders, aber wieder etwas evolutionärer klingen wird, denn Stillstand ist der Tod.

Wie verlief denn die Zusammenarbeit mit Dan Swanö?

Er ist wirklich ein toller Kerl und wusste so ziemlich genau, was wir wollten. Die Zusammenarbeit verlief in einem ruhigen und freundschaftlichen „Flow“ und bis jetzt habe ich noch niemanden kennengelernt, der fix mixt, mischt und zu unserer Zufriedenheit noch passende Ideen dazu tat und wusste, wie wir das klingen lassen wollten. Er war wirklich immer und zu jeder Zeit bemüht, unsere teilweise sehr schrägen Ideen umzusetzen. Er hat wirklich verstanden, was wir mit unserer Musik ausdrücken wollen.

Wie würdet Ihr eure Musik einem Menschen beschreiben, der überhaupt nichts mit Rock und Metal zu tun hat?

Grundsätzlich spielt unsere Musik mit vielen verschiedenen Dynamiken. Ich würde sagen, dass unsere Musik eine Verschmelzung von Aggressivität und melancholischen Atmosphären ist, die sich immer wieder aufs Neue durch die vielen verschiebenden Intensitäten erfindet, bzw. bildet. Wir benutzen die klare Stimme anstatt Growls, dies erlaubt noch mehr verschiedene Tempi und Songdynamiken die es uns wiederum erlauben, in jedem Song doch noch etwas „catchiges“, ein ohrengreifendes Element einzubauen, was den Song unvergessen macht. Sozusagen das Erkennungsmerkmal, sei es nun ein Riff, ein Beat, eine Gesangsmelodie…!

Was sind denn nun die Zukunftspläne von ODDLAND, wie geht es weiter? Was ist mit Tourplänen? Wo siehst du die Band in den nächsten Jahren?

Erst mal werden wir unseren Videoclip vom Song „In The Eyes Of The Mourning“ an den Start bringen und dann werden wir auf dem größten Metalfestival in Finnland spielen; dem Tuska Festival. Ich wünsche mir sehr, dass es spätestens im nächsten Frühjahr soweit ist und wir mit einer größeren Band Europa live beackern können. Es gab bereits mehrere Gespräche für eine Tour doch leider ging bis jetzt nix. Wenn sich etwas ergibt, würden wir gern noch in diesem Herbst bei Euch vorbei schauen, aber ich denke, Frühling 2013 ist realistischer. Und natürlich werden wir auch gern versuchen nach Österreich zu kommen. Uns wurde auch gesagt, dass sich ein Besuch in Deutschland immer lohnen würde, hehe!

Na dann kann ja nix mehr schief gehen, vielen Dank für die Zeit die Ihr Euch für uns und unsere Fragen genommen habt, hoffentlich sehen wir uns dann mal bald in Österreich und Deutschland. Und weiterhin alles Gute auf eurem Weg.

Wir danken Euch und hoffentlich sehen wir uns dann auch auf Tour!

Lazerhttps://www.metalunderground.at
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