YELLOW EYES, ULTHA, ARA – 08.04.2026, Arena Wien

Ultha & Yellow Eyes European Tour 2026

Die kleine Arena DreiRaum bot einen Abend, an dem einige der interessantesten Stimmen im Black Metal eine besondere Erfahrung lieferten. Vom aggressiven Sound von ARA über die komplexen Klanglandschaften von YELLOW EYES bis hin zu ULTHA, die ein sehr persönliches, beinahe transzendentales Erlebnis boten.

ARA

ARA gehören zu den neueren lokalen Namen, die sich schnell einen Platz im Underground erarbeitet haben – nicht nur lokal. Ihr Sound basiert klar auf Black Metal, wird aber durch Punk-Einflüsse und viele weitere Elemente erweitert, die ihnen eine eigene Identität geben. Post-Punk, Dungeon Synth und auch atmosphärische Folk-Ansätze sind hörbar. Das alles macht ihren Sound vielschichtig und eigenständig.

ARA 01

Was auf Album schon überzeugt, bekommt live eine zusätzliche Dimension. Von langsameren Songs mit repetitiven Strukturen und plötzlichen Energieausbrüchen bis hin zu schnellen, aggressiven Momenten, in denen die Band mit voller Wucht spielt – das Ganze wirkt intensiv und geschlossen.

ARA 02Auch auf der Bühne lebt die Band von Kontrasten. Da die Mitglieder anonym auftreten, wird bewusst auf Namensnennungen verzichtet. Der Bassist und Frontmann mit einer sehr soliden Performance, starken Basslinien und harschen Vocals. Die Lead-Gitarristin, ruhig und konzentriert, trägt mit ihren tremolo-gepickten Linien den Black-Metal-Kern. Der zweite Gitarrist bringt Bewegung und Energie, liefert dynamische Riffs und steht eher für die „punkige“ Seite. Dazu kommen Synth- und Ambient-Elemente sowie sehr leidenschaftliche Backing Vocals. Und natürlich ein präziser, druckvoller Drummer.

Das Ergebnis ist ein energiegeladener, komplexer Sound mit vielen unerwarteten Wendungen. Die Setlist umfasste Material aus allen Veröffentlichungen, inklusive eines Songs vom kommenden Album („Hohe Tannen“, Veröffentlichung am 11. Mai). Ein überzeugender Auftritt und ein starker Opener.

Setlist

01. Uns’re Zeit ist um
02. Gurre Grund
03. Mutter
04. Friede schloss den Ton
05. Lucia
06. Traum
07. Tief und laut
08. Leere

ULTHA

Ein mit Spannung erwartetes Konzert. ULTHA gehören zu den interessantesten und eigenständigsten Stimmen im aktuellen Black Metal. In der kleinen, aber gut gefüllten Halle entwickelten sie eine Wirkung, die sich schwer in Worte fassen lässt.

ULTHA 02

Die Fakten: Eine beeindruckende Diskografie, die erst vor wenigen Tagen mit dem neuen Album „A Light So Dim“ erweitert wurde. Ein Werk, das sich nahtlos einfügt und gleichzeitig neue Facetten eröffnet. Hypnotische, auf Wiederholung aufgebaute Strukturen, introvertierte Passagen, atmosphärische Elemente, dazu Einflüsse aus Industrial, Post-Punk und Darkwave. Wie schon beim Vorgänger „All That Has Never Been True“ kam das Album ohne Vorankündigung – keine Singles, keine Promotion. Eine Band, die nicht auf Mechanismen setzt, sondern auf Inhalt. Und eine treue Hörerschaft, die genau das zu schätzen weiß. 

ULTHA 03Wie wir auch im Interview mit der Band erfahren haben, spielt genau diese bewusste Zurückhaltung gegenüber klassischen Mechanismen und die Konzentration auf die Musik selbst eine zentrale Rolle in ihrem Ansatz.

Und genau dieses Material funktioniert live außergewöhnlich gut. Die neuen Songs fügen sich nahtlos ein, behalten die Dichte und entwickeln auf der Bühne eine eigene Intensität. Die Setlist konzentrierte sich auf die letzten beiden Alben und zeigte ULTHA in ihrer klarsten Form.

ULTHA 04Die persönliche Ebene: Jeder nimmt ein Konzert anders wahr. Aber bei ULTHA passiert etwas, das über das Übliche hinausgeht. Es gibt diese Momente, in denen Begriffe wie „gut“ oder „beeindruckend“ nicht mehr ausreichen. Wenn das passiert, dann ist Musik nicht mehr nur etwas, das man beschreibt, sondern etwas, das man erlebt.

Viele Details gehen dabei fast unter – jede einzelne Performance ließe sich eigentlich für sich analysieren. Aber genau das ist bei einem ULTHA-Konzert nicht der Punkt. Die Band funktioniert als geschlossenes Ganzes, jedes Mitglied trägt entscheidend zum Sound bei, und dennoch verschmilzt alles zu einem einheitlichen, fließenden Gesamtbild.

Ihre Songs haben diese hypnotische, fast tranceartige Struktur – lange Spannungsbögen, enorme emotionale Intensität, dieses Zusammenspiel aus Verzweiflung und Schönheit. Und ULTHA sind eine Band, die das live nicht einfach reproduziert, sondern verstärkt. Die Stücke sind klar wiederzuerkennen, aber die Energie, mit der sie gespielt werden, hebt sie auf ein anderes Niveau. Man wird in diesen Sound hineingezogen, die Dichte und Komplexität wirken überwältigend. Selbst die ruhigen, atmosphärischen Passagen werden durch massive Gitarren, Bass und Drums getragen und gewinnen dadurch an zusätzlicher Wucht und Dynamik.

Ein Konzert, bei dem man alles andere ausblendet. Zeit verliert an Bedeutung. Songtitel werden irrelevant. Alles konzentriert sich auf das, was gerade passiert. Genau das macht einen besonderen Abend aus. Eine persönliche und sehr intensive Erfahrung. Eines der eindringlichsten und immersivsten Konzerterlebnisse, die man erleben kann.

Setlist

01. Love As We’re Falling Down
02. Her Still Singing Limbs
03. Der alte Feind (Jeder Tag reißt Wunden)
04. Dispel
05. To Part the Abelia Springs

YELLOW EYES

Es ist keine leichte Aufgabe, nach ULTHA auf die Bühne zu gehen. Die Wirkung ihres Auftritts bleibt im Raum und lässt sich nicht sofort abschütteln. Genau das war hier spürbar – die Konzentration lag noch stark auf dem, was zuvor passiert ist.

YELLOW EYES 01

Trotzdem nahmen YELLOW EYES ihre Rolle als Headliner ernst. Wie bei den Bands zuvor wurde der Soundcheck vor Publikum durchgeführt, kleinere technische Probleme schnell gelöst.

YELLOW EYES 02Die Band entschied sich für zugänglichere Stücke. Ihr Material kann sehr verschlossen und komplex sein, aber es gibt auch Songs, die direkter funktionieren. Melodischer Black Metal mit starker Atmosphäre, ergänzt durch akustische und folkloristische Elemente. Die Songs kamen gut an, auch durch ihre Dynamik, die immer wieder in kraftvolle Momente überging.

Nach dem starken Album „Confusion Gate“ aus dem letzten Jahr – eines der interessantesten Releases – lag der Fokus des Sets auf diesem Material. Ein sehr präsenter und intensiver Drummer sorgte für die Dynamik, während Gitarren und die verhallten, gebellten Vocals eine eigene, fast surreale Klangwelt erzeugten. Technisch sauber und mit viel Einsatz gespielt. Ein guter Auftritt.

Ein Abend, der nachwirkt. Vor allem wegen ULTHA, deren Set alles überlagert hat, aber auch, weil jede Band ihren eigenen Ansatz klar durchgezogen hat. Nicht alles war perfekt, aber genau daraus entstand eine besondere Dynamik, die diesen Abend im Gedächtnis hält.

Setlist

01. Brush the Frozen Horse
02. The Thought of Death 
03. I Fear the Master’s Murmur
04. Confusion Gate 
05. Sick With Bloom
06. When Jackie’s Lamps Have Showed

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