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SEVEN METAL SINS – Legacy of Chaos

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SEVEN-METAL-SINS_Legacy-Of-Chaos
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Band: SEVEN METAL SINS 🇫🇷
Titel: Legacy of Chaos
Label: Rockshots Records
VÖ: 05/06/26
Genre: Heavy Metal

Tracklist

01. The Fall (Intro)
02. Scars Of Injustice
03. No Sanctuary
04. Hypocrisy
05. Eternal Downfall
06. Feel The Steel
07. Wolves Of The Last Dawn
08. Beyond The Breaking Point
09. Sun Eaters
10. Rise Of The Phoenix
11. King Of Sorrow

 

Besetzung

Claw G. – Vocals
Antton Iriart – Guitar
Frédéric Auclerc – Guitar
Stéphane Lacoude – Bass
Patrick Soria – Drums

 

Bewertung:

3/5

Mit „Legacy of Chaos“ liefern SEVEN METAL SINS ein Album, das seine Wurzeln offen zur Schau trägt: Die Band orientiert sich hörbar an den großen Namen des Heavy Metals der 1980er- und 1990er-Jahre, verbindet deren klassische Riffarbeit jedoch mit einer modernen Produktion und einem deutlich druckvolleren Schlagzeugsound. Das Ergebnis ist ein Werk, das vor allem durch Energie und Eingängigkeit überzeugt.

Kurz-Biografie

SEVEN METAL SINS entstanden 2024 aus der Initiative erfahrener Musiker der französischen Metal-Szene. Nach mehreren personellen Ergänzungen war die Besetzung Anfang 2025 komplett. Mit der Veröffentlichung der Debütsingle „Hypocrisy“ im April desselben Jahres begann die Band, ihren klassischen Heavy Metal mit zeitgemäßer Produktion einem breiteren Publikum vorzustellen.

Das musikalische Fundament

Bereits die ersten Songs machen deutlich, worauf SEVEN METAL SINS ihren Fokus legen: geradlinige Strukturen, markante Riffs und Refrains, die ins Ohr gehen und im Gedächtnis bleiben. Experimente sucht man auf „Legacy of Chaos“ weitgehend vergeblich. Stattdessen setzt die Band auf bewährte Zutaten und verpackt diese in einen zeitgemäßen Sound, der insbesondere von einer kraftvollen Produktion und einer präsenten Bassdrum profitiert.

Stärken

Zu den Stärken des Albums zählt dabei zweifellos sein unmittelbarer Spaßfaktor. Songs wie „Scars of Injustice“ oder „Eternal Downfall“ entfalten direkt ihre Wirkung. Erstgenannter überzeugt mit einem mitreißenden Heavy-Metal-Riff und einem eingängigen Refrain, während „Eternal Downfall“ besonders im Refrain seine volle Wucht entfaltet und regelrecht zum Mitsingen einlädt. „Wolves of the Last Dawn“ zeigt wiederum, dass die Band auch ein Gespür für Dramaturgie und Spannungsaufbau besitzt. Immer wieder finden sich zudem einzelne starke Momente, etwa das gelungene Solo samt Übergang in „No Sanctuary“ oder die groovige Ausrichtung von „Feel The Steel“. Die Songs verfügen über ausreichend Energie, um über die gesamte Laufzeit hinweg zu unterhalten. Besonders auf der Bühne dürfte das Material hervorragend funktionieren.

Schwächen

Gleichzeitig offenbaren sich jedoch die Schwächen des Albums. Die konsequente Orientierung an klassischen Heavy-Metal-Strukturen sorgt zwar für Eingängigkeit, lässt aber auch wenig Raum für Überraschungen. Viele Stücke folgen ähnlichen Mustern, wodurch sich nach mehreren Durchläufen ein gewisser Gewöhnungseffekt einstellt. Die Songs funktionieren hervorragend als unmittelbare Energielieferanten, bieten jedoch vergleichsweise wenig, das zum wiederholten analytischen Hören einlädt. Hinzu kommt der Gesang von Claw G., der sich als Geschmackssache erweisen dürfte. Die eigenwillige Klangfarbe verleiht SEVEN METAL SINS zwar Wiedererkennungswert, dürfte aber nicht jeden Hörer sofort überzeugen. Während manche darin ein charakteristisches Merkmal sehen werden, könnten andere Schwierigkeiten haben, sich dauerhaft mit dem Gesangsstil anzufreunden.

Fazit: Mit „Legacy of Chaos“ liefern SEVEN METAL SINS ein solides Heavy-Metal-Werk mit modernem Druck. Unterhaltsam und energiegeladen, aber letztlich zu vorhersehbar, um nachhaltig Eindruck zu hinterlassen.

Internet

SEVEN METAL SINS – Legacy of Chaos

Wanted Inc – Thrash Metaller im Interview: Warum Aufgeben nie eine Option war

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Fotocopyright: Danny Jakesch

Interview: Robert Resch mit Hermann Weiß & Hannes Waschler

Wanted Inc. melden sich mit Resurgence kraftvoll zurück

Mit „Resurgence“ melden sich Wanted Inc. nicht nur eindrucksvoll zurück, sondern werfen zugleich einen druckvollen Blick auf die eigene Bandgeschichte. Sechs Songs aus verschiedenen Phasen wurden in der aktuellen Besetzung neu eingespielt und zeigen die Thrash-Metal-Truppe roh, direkt und mit ordentlich Wumms im Nacken.

Die vergangenen Jahre waren für Wanted Inc. alles andere als einfach: Besetzungswechsel, Pandemie, Unsicherheit und die Frage, ob es überhaupt weitergehen kann. Doch statt die Flinte ins Korn zu werfen, hat sich die Band neu aufgestellt und mit „Dead For The First Time“ sowie der EP „Resurgence“ ein klares Lebenszeichen gesetzt.

Im Gespräch erzählen Hannes und Herm über den Neustart, die Zusammenarbeit mit NRT-Records, den rohen Sound der EP, gesellschaftskritische Texte, den neuen Bassisten Sebi und die besondere Widmung an den verstorbenen Roland Zehrer.

Dead For The First Time Clip

„Resurgence“ besteht aus sechs neu aufgenommenen Songs aus verschiedenen Phasen eurer Bandgeschichte. Warum war genau jetzt der richtige Zeitpunkt, diese Stücke in der aktuellen Besetzung noch einmal neu einzuspielen?
 
HANNES: DIE STÜCKE AUF „RESURGENCE“ SIND SONGS, DIE WIR SCHON SEIT LÄNGERER ZEIT IN UNSER LIVESET EINGEBAUT HABEN BEZIEHUNGSWEISE SCHON IMMER EINBAUEN WOLLTEN. DAMIT DIE LEUTE AUCH DIE CHANCE HABEN, DIE SONGS NICHT NUR LIVE IN AKTUELLER BESETZUNG ZU HÖREN, HABEN WIR UNS ENTSCHIEDEN, SIE NEU AUFZUNEHMEN.
 
ZUDEM WOLLTEN WIR ZUR VERÖFFENTLICHUNG UNSERES NEUEN VIDEOS ZUM SONG „DEAD FOR THE FIRST TIME“ ETWAS FRISCHES IN DER HAND HABEN. DA KAM DIE EP GENAU RICHTIG.
 
Der Titel „Resurgence“ klingt nach Wiederkehr, Aufbruch und Kampfgeist. Was bedeutet dieser Begriff für euch persönlich als Band nach den vergangenen Jahren?
 
HANNES: DIE JAHRE 2019 BIS 2022 WAREN SEHR TURBULENT FÜR UNS. ERST HAT UNS UNSER BASSIST VERLASSEN, UND WIR STANDEN ZUNÄCHST OHNE BASSER DA. UNSER EHEMALIGER BASSIST LUCKY HAT UNS DANN NOCH EINMAL FÜR DREI SHOWS AUSGEHOLFEN, GAB UNS ABER GLEICH ZU VERSTEHEN, DASS ER FÜR MEHR KEINE ZEIT HAT. SOMIT WAR DER 04.01.2020 VORERST UNSER LETZTER GIG.
 
WAS DANACH KAM, IST JEDEM VON UNS LEIDER NOCH ZU GUT IM GEDÄCHTNIS. DIE CORONA-PANDEMIE HAT UNS ALLEN ERST EINMAL DEN STECKER GEZOGEN. DANI HATTE ZUM GLÜCK NOCH MOTIVATION UND HAT IN SEINEM KELLER FLEISSIG WEITER AN NEUEN SONGS GEARBEITET. NACH EINEM JAHR PANDEMIE HAT ABER AUCH UNSER SÄNGER DAS HANDTUCH GEWORFEN, DA BEI IHM AUFGRUND DER SITUATION DER OFEN AUS WAR. WIR STANDEN ZU DRITT DA UND HATTEN KAUM HOFFNUNG, DASS ES IRGENDWIE WEITERGEHEN KÖNNTE.
 
WIE SCHON „DEAD FOR THE FIRST TIME“ PASST DER TITEL „RESURGENCE“ EINFACH GUT ZU DER DAMALIGEN SITUATION.
 
Mit „Dead For The First Time“ eröffnet ihr die EP sehr düster und intensiv. Welche Bedeutung hat dieser Song heute für euch, gerade auch im Rückblick auf die schwierige Phase während und nach der Pandemie?
 
HERM: WIR STANDEN DAMALS OHNE BASSISTEN UND SÄNGER DA UND HATTEN VOR, DAS ZU DER ZEIT AKTUELLE SONGMATERIAL ZU DRITT EINZUPRÜGELN, ES ABSCHLIESSEND ZU VERÖFFENTLICHEN UND DANN DIE SACHE GUT SEIN ZU LASSEN. DA WIR ABER DAS LINE-UP MIT FLO UND HEIKO ZU UNSERER EIGENEN ÜBERRASCHUNG DOCH WIEDER VERVOLLSTÄNDIGEN KONNTEN, GING DIE REISE FÜR UNS WEITER.
 
„DEAD FOR THE FIRST TIME“ HAT THEMATISCH ABER NICHTS MIT DIESER ZEIT ZU TUN. DASS DIE NUMMER BESONDERS DÜSTER WIRKT, IST MIR BISHER NICHT AUFGEFALLEN. DIE LYRICS SIND EINE KLEINE GRUSELSTORY ÜBER EINEN EHER SCHELMISCHEN POLTERGEIST, DER ES NICHT INS JENSEITS GESCHAFFT HAT UND AUS SEINER ZWISCHENWELT HERAUS GERNE MAL VON SEINEN OPFERN BESITZ ERGREIFT.
 
Viele eurer Texte setzen sich mit persönlichen Krisen, gesellschaftlichen Missständen und menschlichen Abgründen auseinander. Wie wichtig ist euch diese lyrische Direktheit im Thrash Metal?
 
HERM: WIR HOFFEN, DASS UNSERE MUSIK DAZU BEITRÄGT, GESELLSCHAFTLICHE MISSSTÄNDE INS ALLGEMEINE BEWUSSTSEIN ZU BRINGEN. THRASH METAL WAR IMMER AUCH AUFRÜTTELND UND SOZIALKRITISCH. AUSSERDEM IST DAS THEMA UNERSCHÖPFLICH UND LÄSST SICH PRIMA ZU LYRICS VERWURSTEN. TEXTE SIND ZWAR MEHR ODER WENIGER NUR BEIWERK DER MUSIK, ABER WIR VERSUCHEN AUCH HIER, MÖGLICHST ANSPRUCHSVOLL ZU SEIN.

Full EP Stream

Songs wie „The Vance Kid“ und „Fuel To The Fire“ greifen gesellschaftliche Themen und Schuldzuweisungsmechanismen auf. Habt ihr das Gefühl, dass diese Inhalte heute sogar noch aktueller wirken als zur ursprünglichen Veröffentlichung?
 
HERM: DIE GESCHICHTE VON „THE VANCE KID“ HANDELT VON EINEM EREIGNIS, DAS JAHRZEHNTE ZURÜCKLIEGT. DIE ESSENZ DAVON IST, DASS REDEFREIHEIT UND DIE FREIHEIT DER KUNST UNBEDINGT BEWAHRT WERDEN MÜSSEN, UM RÜCKWÄRTSGEWANDTEN UND MENSCHENVERACHTENDEN GESELLSCHAFTSFORMEN EINEN RIEGEL VORZUSCHIEBEN. DAS IST HEUTE LEIDER IMMER NOCH SEHR AKTUELL, GERADE HINSICHTLICH DES ERSTARKENS EXTREMER RECHTSKONSERVATIVER STRÖMUNGEN IN POLITIK UND GESELLSCHAFT SOWIE DEREN AKZEPTANZ IN DER BEVÖLKERUNG.
 
IN „FUEL TO THE FIRE“ VERSUCHEN WIR EBENFALLS, DAGEGEN AUFZURÜTTELN. BEFEUERT VON SOZIALEN MEDIEN HABEN SICH GESELLSCHAFTLICHE DISKUSSIONEN VERSCHÄRFT. ANSTELLE EINES LÖSUNGSORIENTIERTEN DIALOGS DOMINIERT IN VIELEN BEREICHEN EIN MORALISCHER RIGORISMUS, DER DISKURSE IN „GUT“ GEGEN „BÖSE“ AUFTEILT, STICHWORT „POPULISMUS“. ES HAT DEN ANSCHEIN, ALS BEFÄNDEN WIR UNS IM DAUERHAFTEN KRISENMODUS.
 
Ihr habt „Resurgence“ über NRT-Records veröffentlicht, ein Label, das sehr motiviert an der Promo rund um diese EP gearbeitet hat. Wie kam es zum Signing, und welchen Stellenwert hat diese Zusammenarbeit für euch in der aktuellen Phase von Wanted Inc.?
 
HERM: LABEL-BOSS PHILIPP HAT SICH ALS WANTED INC.-FAN GEOUTET UND WOLLTE UNS BEI NRT-RECORDS HABEN. WIR HABEN IHN DANN EIN JAHR ZAPPELN LASSEN, VOR ALLEM, WEIL WIR AUFGRUND DES NEU FORMIERTEN LINE-UPS ÜBERHAUPT NICHT WUSSTEN, OB DIE BAND LANGFRISTIG STABIL GENUG SEIN WÜRDE.
 
NACHDEM WIR UNS AUCH AUF DER BÜHNE UND MIT DEM NEUEN MATERIAL BEWÄHRT HATTEN, HABEN WIR BEI IHM ANGEFRAGT, OB NOCH INTERESSE AN EINER ZUSAMMENARBEIT BESTEHT. UND DIESMAL HAT ES GEKLAPPT! ES IST KLASSE, NRT-RECORDS IM RÜCKEN ZU HABEN, EIN LABEL, DAS UNS VOLLE FREIHEIT LÄSST. WIR SPÜREN ABER SCHON DEN DRUCK, UNS NOCH MEHR ANZUSTRENGEN UND DER SACHE AM ENDE AUCH GERECHT ZU WERDEN!
 
Die EP wurde gemeinsam mit Mike Stöckl produziert, gemischt und gemastert. Was war euch beim Sound besonders wichtig, damit die neuen Versionen nicht nur moderner, sondern auch authentisch nach Wanted Inc. klingen?
 
HANNES: WER „DEAD FOR THE FIRST TIME“ GEHÖRT HAT, WIRD FESTSTELLEN, DASS WIR UNS SOUNDTECHNISCH EXTREM VON VIELEN ANDEREN BANDS DER NEUZEIT ABHEBEN. KLAR HÄTTE MAN HIER UND DA NOCH ETWAS NACHBESSERN KÖNNEN, WIR HABEN DEN SOUND ABER BEWUSST ROH GEHALTEN.
 
MIKE WAR FÜR UNS EIN GLÜCKSGRIFF, DEN MAN KEIN ZWEITES MAL MACHT. ER HAT ES GESCHAFFT, UNSEREN ROHEN STIL BEIZUBEHALTEN UND DER EP DENNOCH ORDENTLICH DAMPF UND WUMMS ZU VERPASSEN, SODASS SIE RICHTIG KNALLT! ES WIRD DEFINITIV NICHT DIE LETZTE PLATTE SEIN, DIE WIR MIT MIKE ZUSAMMEN PRODUZIERT HABEN. ER IST JETZT OFFIZIELL TEIL DER WANTED INC.-FAMILIE.
 
Mit Daniel Feuerer und Hermann Weiß habt ihr ein Gitarrenduo am Start, das auf „Resurgence“ viel Druck und Präzision liefert. Wie hat sich die Gitarrenarbeit durch die aktuelle Besetzung verändert?
 
HERM: DANKE, DASS DIR DAS AUFGEFALLEN IST. WIR SPIELEN SCHON SEIT JAHREN ZUSAMMEN UND HABEN UNS VON ANFANG AN OPTIMAL ERGÄNZT. UNSER ANSPRUCH IST ES, UNS STÄNDIG ZU VERBESSERN, UND WIR SIND TOP AUFEINANDER EINGESPIELT. DADURCH BAUEN WIR INZWISCHEN DEUTLICH MEHR AMTLICHEN DRUCK BEI UNSEREN PRODUKTIONEN AUF.

Fotocopyright: Wanted Inc.

Copyright: Danny Jakesch
Inzwischen gab es mit dem Ausstieg von Heiko Fred Böhm auch am Bass eine Veränderung. Wie kam es zu diesem Schritt, und wie habt ihr euren neuen Bassisten in die Band integriert? Erzählt uns von ihm.
 
HERM: ALS HEIKO EINSTIEG, WAR WANTED INC. EIGENTLICH AM ENDE. ER UND FLO HABEN SEHR DABEI GEHOLFEN, WANTED INC. ZU RETTEN. HEIKO KOMMT MUSIKALISCH EHER AUS DEM ROCK- UND FUSION-BEREICH UND KONNTE SICH BIS ZULETZT NICHT SO MIT THRASH METAL IDENTIFIZIEREN. DAS FÜHRTE ZU UNTERSCHIEDLICHEN AUFFASSUNGEN, WIE DER BASS BEI UNSERER MUCKE EINGESETZT WERDEN SOLLTE.
 
WIR SIND IHM SEHR DANKBAR FÜR DIE COOLE ZEIT MIT IHM. WIR HABEN UNS IM GEGENSEITIGEN EINVERSTÄNDNIS GETRENNT. KEIN BÖSES BLUT ODER ÄHNLICHES. WIR STANDEN IM APRIL IN AUGSBURG EIN LETZTES MAL ZUSAMMEN AUF DER BÜHNE UND HABEN ES NOCH EINMAL RICHTIG KRACHEN LASSEN.
 
UNSER NEUER BASSIST SEBI KOMMT AUS DER HEIMISCHEN METAL-SZENE UND IST HUNDERTPROZENTIGER THRASHER. ER WIRD DIE BAND IN VIELERLEI HINSICHT DABEI UNTERSTÜTZEN, WEITER NACH VORNE ZU KOMMEN.
 
„Resurgence“ ist Roland Zehrer gewidmet, der Wanted Inc. über Jahre hinweg mitgeprägt hat. Welche Erinnerungen an ihn begleiten euch besonders, wenn ihr heute auf diese Songs und die Entwicklung der Band zurückblickt?
 
HERM: WÄHREND SEINER ZEIT BEI WANTED INC. HAT ER UNSERE MUSIK DURCH SEIN ÜBERRAGENDES BASSSPIEL SEHR GEPRÄGT. VOR, WÄHREND UND NACH DIESER ZEIT SIND WIR DICKE FREUNDE GEWESEN UND GEBLIEBEN. WIR HABEN DEN KERL GELIEBT.
 
AUF DER „EMBARRASSMENT“-SCHEIBE HAT ER SEHR VIEL ZUM SONGWRITING BEIGETRAGEN UND UNS AUF EIN HÖHERES NIVEAU GEBRACHT. IN SEINER GEGENWART FÜHLTE MAN SICH UNVERWUNDBAR. WIR HATTEN EINE MENGE SPASS MITEINANDER UND HABEN EIGENTLICH IMMER GELACHT. LEIDER GING ES NACH GUT FÜNF JAHREN WIEDER AUSEINANDER, VIELLEICHT, WEIL ER SICH MEHR ERFOLG ERWARTET HATTE.
 
Die Live-Premiere von EP und Video fand am 14.02.2026 im Cowboy-Club Regensburg 1960 e. V. statt, also genau dort, wo auch das Video zu „Dead For The First Time“ gedreht wurde. Was macht diesen Ort für euch so passend für diesen besonderen Abend?
 
HANNES: DA DAS VIDEO DORT AUFGENOMMEN WURDE, WAR ES IRGENDWO LOGISCH, DASS WIR AUCH DORT DEN RELEASE FEIERN. ES SOLLTE AUSSERDEM EIN ZEICHEN DER WERTSCHÄTZUNG UND DANKBARKEIT GEGENÜBER BASTI UND SEINEM CLUB SEIN.
 
WIR WURDEN DORT MIT OFFENEN ARMEN EMPFANGEN UND HATTEN WAHNSINNIG VIEL SPASS MIT DEN LEUTEN AUS DEM CLUB. SIE WAREN AUCH AUF DER RELEASE-PARTY DABEI, OBWOHL SIE NICHT VIEL MIT DER MUSIK ANFANGEN KONNTEN. ES HAT EINFACH PERFEKT GEPASST UND WIRD AUCH KEINE EINMALIGE SACHE BLEIBEN. FÜR NÄCHSTES JAHR IST SCHON DAS NÄCHSTE KONZERT GEPLANT.
 
Nach all den Rückschlägen, Besetzungswechseln und dem Neustart: Was ist für Wanted Inc. nach „Resurgence“ der nächste Schritt — eher neues Studiomaterial, mehr Live-Präsenz oder beides mit voller Thrash-Breitseite?
 
HERM: WIR STELLEN DERZEIT MATERIAL FÜRS KOMMENDE ALBUM HER, UND ES WIRD GARANTIERT EIN ZIEMLICH KRASSER THRASH-METAL-HAMMER WERDEN. WIR SIND HEISS AUF LIVE-GIGS UND WERDEN EINIGE DER NEUEN NUMMERN DANN SCHON MAL AUSPACKEN.
 
Vielen Dank an euch für eure Zeit und eure Offenheit. Die letzten Worte gehören euch: Was möchtet ihr euren Fans, Unterstützern und allen Thrash-Metal-Maniacs da draußen noch mit auf den Weg geben?
 
HERM: LIEBE THRASHER, BLEIBT, WIE IHR SEID. HÖRT GUTE MUSIK UND LEBT HEAVY METAL!
 
HANNES: SUPPORT THE UNDERGROUND! SIE SIND DIE HEADLINER VON MORGEN. OHNE UNDERGROUND-SZENE WERDET IHR KÜNFTIG AUF DEN GROSSEN FESTIVALS NUR NOCH EINHEITSBREI HÖREN. UND GANZ EHRLICH: DAS WILL DOCH KEINER, ODER? 😉

Wanted Inc. – Interview

Phantom – Not Midnight Yet

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Phantom - Not Midnight Yet - cover artwork
Phantom - Not Midnight Yet - cover artwork

Band: PHANTOM 🇲🇽
Titel: Not Midnight Yet
Label: High Roller Records
VÖ: 26.06.2026
Format: CD / LP / MC
Genre: Speed Metal / Thrash Metal / Heavy Metal

Tracklist

01. Hordes Of Bats
02. Out Of The Mausoleum
03. Dracula’s Curse
04. Morgenstern / Iron Strike
05. The Pale Remains Of Time
06. Summoned To Kill
07. Not Midnight Yet
08. Solomonari
09. Sepulchral Majesty
10. Curse Your Name
11. A Trail Full Of Sorrows
12. Echoes From The Fights

Besetzung

Harel O. – Gitarre
J.C. García – Gesang / Gitarre
Raír Tavizón – Bass
J.P. Alatorre – Schlagzeug

Aufnahme & Mix: Héctor „Northen“ Ibarra / Nehtron Studios, Guadalajara
Mastering: Patrick W. Engel / Temple Of Disharmony, Deutschland
Artwork: Maegan LeMay

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Aus Mexico kommt etwas ganz cremiges auf euch zu: Das brandneue album »Not Midnight Yet« von PHANTOM ist ein starkes Statement für klassischen Speed Metal mit deutlichem Thrash-Einschlag und klarer 80er-DNA. Die Band aus Guadalajara veröffentlicht ihr drittes Studioalbum über High Roller Records und zeigt sich darauf technisch versierter, dynamischer und kompositorisch breiter aufgestellt als zuvor.

Nach der Wiederveröffentlichung des Backkatalogs über High Roller Records gehen PHANTOM nicht den einfachen Weg einer reinen Wiederholung. »Not Midnight Yet« bleibt eindeutig Old-School-Heavy-Metal im Kern, erweitert diesen aber um mehr Struktur, mehr Gitarrenarbeit, mehr Tempoabstufungen und eine deutlich ausgearbeitete Atmosphäre. Das Album ist klassisch, aber nicht rückwärtsgewandt. Es klingt nach einer Band, die ihre Einflüsse kennt, sie aber mit hörbarer Entschlossenheit in ein eigenes Profil übersetzt.

Inhaltlich bewegen sich PHANTOM zwischen Horror-Motiven, Vampir-Ästhetik, okkulter Symbolik, Kampf, Verfall, Zeit, Verdammnis und persönlicher Bedrohung. Diese Themen werden nicht als bloßer Effekt benutzt, sondern sind eng mit dem Sounddesign und der Dramaturgie des Albums verbunden. Gerade deshalb wirkt »Not Midnight Yet« nicht wie eine lose Sammlung schneller Songs, sondern wie ein geschlossenes Werk mit klarer Handschrift.

Video: Dracula’s Curse

SPEED METAL MIT KLARER HANDSCHRIFT

»Hordes Of Bats« eröffnet das Album mit einem klaren Signal: PHANTOM wollen nicht langsam ins Material hineinfinden, sondern sofort zeigen, wo ihre Stärken liegen. Das Stück arbeitet mit hohem Tempo, präzisem Riffing und einer aggressiven Gesangsführung, bleibt dabei aber sauber arrangiert. Die Band verliert sich nicht in Geschwindigkeit um der Geschwindigkeit willen, sondern baut die Nummer mit sicherem Gefühl für Spannung auf.

J.C. García prägt den Song mit seiner Doppelfunktion als Sänger und Gitarrist deutlich. Seine Vocals sind rau, energisch und im besten Sinne ungeschönt. Dazu kommt ein Gitarrenstil, der stark in der klassischen Speed-Metal-Schule verwurzelt ist, aber genug technische Beweglichkeit besitzt, um das Material frisch wirken zu lassen. Schon der Einstieg macht deutlich, dass »Not Midnight Yet« nicht nur auf Nostalgie setzt, sondern auf Leistung.

DYNAMIK STATT BLOSSER GESCHWINDIGKEIT

»Out Of The Mausoleum« gehört zu den stärksten frühen Momenten des Albums. Der Song verbindet klassischen Heavy-Metal-Aufbau mit Thrash-Druck und einem sehr sicheren Gespür für Spannungswechsel. Die Gitarrenarbeit ist hier besonders überzeugend, weil sie nicht nur Geschwindigkeit liefert, sondern rhythmische Varianten, Lead-Akzente und melodische Einschübe sauber zusammenführt.

Harel O. und J.C. García spielen als Gitarrenduo extrem effektiv. Die Riffs sind direkt, aber nicht simpel. Die Leads wirken pointiert und setzen Akzente, ohne das Songwriting zu überladen. Das Zusammenspiel ist einer der großen Pluspunkte der Platte. Man merkt, dass die Band mehr will als nur alte Speed-Metal-Formeln zu bedienen. Der Song zeigt eine klare Steigerung in Arrangement, Sounddesign und kompositorischer Kontrolle.

DIE 80ER ALS BASIS, NICHT ALS KOSTÜM

»Dracula’s Curse« ist ein gutes Beispiel dafür, wie PHANTOM mit ihrer Horror-Ästhetik umgehen. Der Song nutzt klassische Vampir-Motive, klingt dabei aber nicht nach plumper Genre-Verkleidung. Stattdessen entsteht ein starker Heavy-/Speed-Metal-Track mit markanten Refrainmomenten, guter Gitarrenführung und einer Atmosphäre, die zum Thema passt, ohne den Song zu dominieren.

Der 80er-Einschlag ist auf dem gesamten Album deutlich hörbar. Man denkt an frühe Speed-Metal-Schule, an traditionellen Heavy Metal, an die rohe Direktheit alter Thrash-Produktionen. Aber PHANTOM schaffen es, diesen Einfluss nicht museal wirken zu lassen. Das liegt vor allem an der Energie der Performance und am Sound. Die Produktion hat genug Kante, bleibt aber transparent genug, um die musikalischen Details hörbar zu machen.

GITARRENARBEIT AUF HOHEM NIVEAU

»Morgenstern / Iron Strike« setzt stärker auf klassisches Riff-Handwerk und treibende Rhythmik. Hier zeigt sich die technische Seite der Band besonders deutlich. Die Gitarrenlinien sind nicht übermäßig progressiv, aber sorgfältig gesetzt und mit guter Präzision gespielt. Die Soli besitzen Feuer, bleiben aber in der Songstruktur verankert.

Das ist einer der Gründe, warum »Not Midnight Yet« so überzeugend funktioniert. Viele Bands im traditionellen Metal-Bereich können gut zitieren, aber nicht immer gut komponieren. PHANTOM haben auf diesem Album ein deutlich besseres Gespür für Übergänge, Tempi und Dramaturgie entwickelt. Die Songs wirken ausgearbeitet, ohne glattproduziert zu sein.

DER AMBITIONIERTE MITTELPUNKT

»The Pale Remains Of Time« ist einer der wichtigsten Songs des Albums. Die Nummer nimmt Tempo heraus, öffnet den Sound und zeigt eine melodischere, vielschichtigere Seite der Band. Cleanere Gitarrenpassagen, ausgedehntere Gesangslinien und eine leicht progressive Struktur sorgen dafür, dass das Album an dieser Stelle deutlich an Tiefe gewinnt.

Inhaltlich lässt sich der Song als Auseinandersetzung mit Zeit, Verlust und innerer Vergänglichkeit lesen. Musikalisch passt das sehr gut, weil PHANTOM hier nicht auf den schnellen Effekt setzen. Die Band arbeitet stärker mit Dynamik, Zwischenräumen und Aufbau. Gerade Raír Tavizón am Bass bekommt in solchen Momenten mehr Gewicht, weil sein Spiel die ruhigeren Passagen stabilisiert und die Übergänge zu den härteren Teilen sauber trägt.

RHYTHMUSGRUPPE MIT DRUCK UND DISZIPLIN

»Summoned To Kill« zieht das Energielevel wieder an und gehört zu den unmittelbarsten Songs der Platte. Die Nummer lebt von prägnanten Riffs, aggressiver Gesangsarbeit und einer Rhythmusgruppe, die sehr geschlossen agiert. J.P. Alatorre spielt druckvoll, schnell und kontrolliert. Er liefert nicht einfach Dauerbeschuss, sondern setzt Akzente, die den Song nach vorne bringen.

Auch Raír Tavizón verdient besondere Erwähnung. Sein Bassspiel hält das Album zusammen, ohne sich unnötig in den Vordergrund zu drängen. Gerade bei einem Sound, der stark von Gitarren und Gesang geprägt ist, braucht es eine Rhythmussektion, die zuverlässig, präzise und lebendig arbeitet. »Summoned To Kill« zeigt diese Qualität sehr deutlich.

TITELTRACK MIT STARKER STRUKTUR

Der Titelsong »Not Midnight Yet« ist kein reiner Speed-Metal-Abriss, sondern ein strukturierter Song mit mehreren klaren Ebenen. Die Band verbindet schnelle Abschnitte mit Midtempo-Dynamik und einem Arrangement, das bewusst mehr Spannung aufbaut. Gerade dadurch wird die Nummer zu einem zentralen Punkt des Albums.

Der Song wirkt wie eine Zusammenfassung dessen, was PHANTOM 2026 ausmacht: klassisches Fundament, technische Weiterentwicklung, hohe Spielfreude und ein stärkeres Bewusstsein für Atmosphäre. Besonders die Leadgitarren sind hier stark ausgearbeitet. Sie ergänzen die Riffs nicht nur, sondern geben dem Stück einen eigenen melodischen Charakter.

MELODIE UND KONTROLLE

»Solomonari« bringt eine stärker melodische Note in die zweite Albumhälfte. Die Gitarrenharmonien sind hier sehr gelungen, und der Song zeigt, dass PHANTOM nicht ausschließlich über Geschwindigkeit funktionieren. Die Band kann Tempo und Härte zurücknehmen, ohne Spannung zu verlieren. Das ist ein wichtiges Zeichen für kompositorische Reife.

Das Sounddesign fällt auf dem gesamten Album positiv auf. Die Orgel- und Horror-Elemente sind kein Selbstzweck, sondern Teil der Identität der Platte. Sie schaffen Atmosphäre, ohne die Gitarren zu verdecken. Gerade in einem Genre, das oft sehr direkt arbeitet, ist diese zusätzliche Ebene ein Gewinn. PHANTOM setzen solche Elemente sparsam, aber wirkungsvoll ein.

KURZ, DIREKT, WIRKUNGSVOLL

»Sepulchral Majesty« ist einer der kürzeren Songs, wirkt aber keineswegs nebensächlich. Die Nummer ist kompakt, schnell und sehr klar auf Wirkung geschrieben. Hier stehen Riffing, Schlagzeugdruck und Gesangsattacke im Vordergrund. Die Band zeigt, dass sie auch ohne längere Aufbauphasen starke Songs schreiben kann.

Gerade J.C. García überzeugt hier durch Präsenz. Seine Stimme ist nicht klassisch sauber im europäischen Power-Metal-Sinn, sondern rau, fordernd und sehr charakteristisch. Das passt hervorragend zum Gesamtbild. Seine Leistung gibt PHANTOM ein klares Profil und verhindert, dass die Band trotz ihrer traditionellen Ausrichtung austauschbar klingt.

MEHR RAUM FÜR MELODIE

»Curse Your Name« gehört zu den melodischeren und emotionaleren Stücken des Albums. Die Nummer arbeitet mit akustischen Elementen, harmonisierten Gitarren und stärker ausformulierter Gesangsführung. Das sorgt für Abwechslung und zeigt, dass PHANTOM auf »Not Midnight Yet« bewusst mehr Schichten einbauen.

Inhaltlich lässt sich der Song als Auseinandersetzung mit Verrat, persönlicher Abrechnung und innerem Konflikt verstehen. Musikalisch gelingt der Band eine gute Balance aus Melodie und Druck. Gerade die Gitarrenarbeit ist hier erneut stark. Die Leads besitzen eine klassische Heavy-Metal-Eleganz, ohne die Härte des Albums zu relativieren.

KURZER ÜBERGANG, STARKER ABSCHLUSS

»A Trail Full Of Sorrows« dient als kurzer instrumentaler Übergang und bringt noch einmal eine ruhigere Farbe ins Album. Der Track ist knapp, aber sinnvoll platziert, weil er vor dem Finale Luft schafft. Solche Momente sind wichtig, damit ein Album mit hohem Tempo nicht zu gleichförmig wirkt.

Mit »Echoes From The Fights« schließen PHANTOM die Platte energisch ab. Der Song bündelt viele Stärken des Albums: schnelles Riffing, saubere Rhythmusarbeit, starke Gitarrenharmonien und eine überzeugende finale Zuspitzung. Das Stück wirkt nicht wie ein angehängter Rausschmeißer, sondern wie ein bewusst gesetzter Abschluss.

PRODUKTION UND SOUND

Die Produktion ist ein entscheidender Faktor für die Wirkung von »Not Midnight Yet«. Aufgenommen und gemischt wurde das Album erneut mit Héctor „Northen“ Ibarra in den Nehtron Studios in Guadalajara, das Mastering übernahm Patrick W. Engel im Temple Of Disharmony. Das Ergebnis klingt roh genug, um den Old-School-Charakter zu bewahren, aber deutlich differenziert genug, um die technische Entwicklung der Band hörbar zu machen.

Die Gitarren stehen klar im Vordergrund, ohne Bass und Schlagzeug zu verdrängen. Die Drums haben Punch, der Bass bleibt als Fundament präsent, und die Vocals sitzen genau richtig im Mix. Besonders positiv ist, dass die atmosphärischen Elemente nicht künstlich aufgesetzt wirken. Orgelpassagen, ruhigere Gitarren und melodische Zwischenteile sind sinnvoll eingebunden und erweitern das Album, ohne seine Speed-Metal-Basis zu verwässern.

DIE LEISTUNG DER MUSIKER

J.C. García ist eindeutig die prägende Figur dieses Albums. Als Sänger, Gitarrist, Songwriter und kreativer Kopf trägt er viel Verantwortung und liefert auf mehreren Ebenen ab. Seine Stimme ist intensiv, aggressiv und markant. Sie polarisiert vielleicht, aber genau diese Eigenheit macht PHANTOM sofort erkennbar.

Harel O. ergänzt García an der Gitarre hervorragend. Das Zusammenspiel der beiden ist einer der stärksten Aspekte des Albums. Die Riffs sind präzise, die Soli leidenschaftlich und die harmonisierten Linien sauber ausgearbeitet. Raír Tavizón sorgt am Bass für Stabilität und Druck, besonders in den dynamischeren und melodischeren Abschnitten. J.P. Alatorre liefert eine starke Schlagzeugleistung, die Geschwindigkeit und Kontrolle sehr gut verbindet.

Als Band wirken PHANTOM auf »Not Midnight Yet« deutlich gereift. Die Songs sind länger, teilweise komplexer und besser ausbalanciert als man es von vielen reinen Speed-Metal-Veröffentlichungen erwarten würde. Trotzdem bleibt der direkte Zugriff erhalten. Genau diese Mischung macht das Album so stark.

KRITIKPUNKTE

Ein perfektes Album ist »Not Midnight Yet« trotz allem nicht. Bei zwölf Songs und über 56 Minuten Laufzeit ist die Platte sehr umfangreich. Einzelne Passagen hätten noch etwas straffer ausfallen können, vor allem dort, wo die Band bekannte Speed-/Thrash-Muster sehr konsequent ausreizt. Auch der Gesang wird nicht jeden Hörer sofort abholen, weil er bewusst roh und intensiv bleibt.

Das sind jedoch keine gravierenden Schwächen, sondern eher Punkte, die zeigen, dass PHANTOM ihre kompromisslose Linie durchziehen. Wer klassischen Speed Metal mit Thrash-Anteilen, 80er-Flair und starker Gitarrenarbeit sucht, bekommt hier sehr viel Substanz. Das Album ist nicht auf schnellen Konsum ausgelegt, sondern gewinnt gerade durch seine Details und seine konsequente Haltung.

FAZIT:

»Not Midnight Yet« ist ein starkes, technisch versiertes und sehr geschlossenes Speed-/Thrash-Metal-Album mit deutlichem 80er-Einschlag. PHANTOM verbinden klassischen Heavy Metal, aggressive Thrash-Energie, horrorlastige Atmosphäre und starke Gitarrenarbeit zu einem Album, das sowohl Fans traditioneller Schule als auch Freunde dynamischerer Songstrukturen ansprechen dürfte.

Die stärksten Momente sind »Hordes Of Bats«, »Out Of The Mausoleum«, »Dracula’s Curse«, »The Pale Remains Of Time«, »Summoned To Kill«, »Not Midnight Yet«, »Solomonari« und »Echoes From The Fights«. Besonders das Gitarrenduo, die stabile Rhythmusgruppe und das durchdachte Sounddesign heben die Platte deutlich über Durchschnitt.

Für Fans von Agent Steel, Exciter, Razor, frühem Helloween, klassischem Metal Church, Vicious Rumors und traditionellem Speed Metal ist »Not Midnight Yet« eine klare Empfehlung. PHANTOM liefern hier kein Retro-Zitat, sondern ein eigenständiges, leidenschaftliches und sehr starkes Heavy-Metal-Album. Die Nacht ist tatsächlich noch nicht vorbei.

Video

Internet

Phantom - Not Midnight Yet - CD Review

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LINKIN PARK – From Zero World Tour 2026 09. Juni 2026, Ernst-Happel-Stadion Wien

Linkin Park Tour 2026

Die Rückkehr einer Generationenband

Linkin_Park_Live_Wien8Kaum eine Band hat die Rock- und Metal-Landschaft der letzten 25 Jahre so nachhaltig geprägt wie LINKIN PARK. Mit ihrer einzigartigen Mischung aus Alternative Rock, Nu Metal, Rap Rock und elektronischen Elementen schufen sie einen Sound, der Millionen Menschen weltweit begleitete. Nach den tragischen Ereignissen rund um den Verlust von Chester Bennington schien die Zukunft der Band lange ungewiss. Doch mit Sängerin Emily Armstrong begann für LINKIN PARK ein neues Kapitel, das inzwischen längst mehr ist als nur ein Neuanfang.

Im Rahmen der „From Zero World Tour 2026“ machte die Band am 09. Juni Halt im Wiener Ernst-Happel-Stadion und präsentierte eine knapp zweistündige Show, die eindrucksvoll bewies, dass LINKIN PARK auch in ihrer neuen Besetzung zu den größten Live-Acts der Gegenwart gehören.

Wir haben den Support-Act PHANTOGRAM leider verpasst und können daher keine Bewertung ihres Auftritts vornehmen. Ebenso verzichten wir auf eine Einschätzung von CLIPSE, da deren musikalischer Schwerpunkt außerhalb des Kernbereichs unseres Magazins liegt.

Ein cineastischer Auftakt

Bereits vor Konzertbeginn lag eine besondere Spannung über dem ausverkauften Stadion. Ein eigens produzierter Trailer zu »Unshatter« sowie ein Countdown, begleitet von MICHAEL JACKSONS »Human Nature«, bauten die Atmosphäre langsam auf. Als schließlich die ersten Klänge des »Inception Intro A« durch die Lautsprecher hallten und die riesigen LED-Wände zum Leben erwachten, war klar, dass dieser Abend mehr als nur ein gewöhnliches Rockkonzert werden würde.

Mit »The Emptiness Machine« eröffnete die Band ihr Set kraftvoll und selbstbewusst. Der neue Song fügte sich erstaunlich nahtlos in das Gesamtbild ein und wurde vom Publikum sofort angenommen. Direkt danach folgten mit »Lying From You« und »Crawling« zwei Klassiker, die das Stadion erstmals kollektiv zum Beben brachten.

Emily Armstrong überzeugte bereits in den ersten Minuten mit enormer Bühnenpräsenz. Sie verzichtete bewusst darauf, Chester Bennington zu kopieren, und interpretierte die Songs mit ihrer eigenen Stimme und Persönlichkeit. Genau dieser Ansatz verlieh den bekannten Stücken eine frische Dynamik.

Zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Linkin_Park_Live_Wien10Ein wesentlicher Erfolgsfaktor dieser Tour ist die intelligente Balance zwischen nostalgischen Fan-Favoriten und aktuellem Material. Songs wie »Up From the Bottom«, »Over Each Other« oder später »Heavy Is the Crown« wurden vom Publikum ebenso enthusiastisch gefeiert wie die großen Klassiker der frühen Jahre.

Besonders beeindruckend gelang dieser Spagat im zweiten Akt der Show. Nach einem verkürzten, aber dennoch intensiven »The Catalyst« folgte »Burn It Down«, ehe Emily Armstrong bei »Over Each Other« erneut ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellte.

Einen emotionalen Moment lieferte Mike Shinoda mit einer verkürzten Version von »Where’d You Go« aus seinem Fort-Major-Katalog. Die Reaktion des Publikums zeigte eindrucksvoll, wie eng diese Songs mit der Geschichte von LINKIN PARK verbunden sind. Noch deutlicher wurde dies später während des spektakulären Medleys aus »When They Come for Me« und »Remember the Name«, bei dem Shinoda seine Rap-Qualitäten eindrucksvoll präsentierte.

Die Stärke der neuen Songs

Während viele Fans naturgemäß auf die großen Hits warten, zählen bei dieser Tour gerade einige der neuen Stücke zu den Höhepunkten des Abends. Besonders »Two Faced« entwickelte sich erneut zu einem absoluten Publikumsliebling.

Der Song vereint moderne Härte mit klassischen LINKIN-PARK-Elementen und entfaltete live eine enorme Wucht. Joe Hahn leitete das Stück mit einem atmosphärischen Intro ein, bevor die Band die volle Energie freisetzte. Die Resonanz im Stadion sprach für sich.

Auch »Heavy Is the Crown« bestätigte seinen Ruf als einer der stärksten Live-Songs der aktuellen Phase. Die Kombination aus aggressiven Gitarren, hymnischen Refrains und Emily Armstrongs kraftvoller Performance sorgte für einen der lautesten Momente des gesamten Konzerts.

Eine Produktion von gigantischem Ausmaß

Neben der musikalischen Leistung beeindruckte vor allem die visuelle Umsetzung der Show. LINKIN PARK präsentierten eine Produktion, die ohne Übertreibung zu den aufwendigsten Rockshows der Gegenwart zählt.

Gigantische LED-Wände dominierten die Bühne und erzeugten während des gesamten Konzerts wechselnde futuristische und apokalyptische Szenarien. Gewaltige Laserfächer durchschnitten den Wiener Nachthimmel, während perfekt abgestimmte Rauch- und Pyroeffekte die Musik zusätzlich verstärkten.

Gerade während »Overflow«, das mit Anspielungen auf METALLICAS »One« eingeleitet wurde, erreichte die visuelle Inszenierung eine beinahe filmische Dimension. Die gesamte Produktion vermittelte den Eindruck eines düsteren Science-Fiction-Epos, das perfekt mit den Themen vieler LINKIN-PARK-Songs harmonierte.

Emotionale Momente im dritten Akt

Linkin_Park_Live_Wien9Nach dem energiegeladenen Mittelteil schlug die Band bewusst ruhigere Töne an. Die Piano-Version von »Lost«, vorgetragen von Mike Shinoda und Emily Armstrong, sorgte für einen der emotionalsten Momente des Abends.

Anschließend folgte mit »Breaking the Habit« einer jener Songs, die auch Jahrzehnte nach ihrer Veröffentlichung nichts von ihrer Wirkung verloren haben. Zehntausende Stimmen sangen jede Zeile mit und verwandelten das Stadion in einen gigantischen Chor.

Mit »Let You Fade« präsentierte die Band einen weiteren neueren Titel, bevor »What I’ve Done« die Stimmung wieder in Richtung Stadionhymne lenkte. Die Mischung aus Melancholie und Hoffnung funktionierte hervorragend und zeigte einmal mehr die enorme Bandbreite des LINKIN-PARK-Katalogs.

Das große Finale

Der letzte Abschnitt der Show ließ keine Wünsche offen. »Lost in the Echo«, »Numb« und »Heavy Is the Crown« sorgten für eine nahezu durchgehende Explosion an Emotionen und Energie.

Besonders »Numb« entwickelte sich zu einem magischen Moment. Das Publikum übernahm große Teile des Gesangs und erzeugte eine Atmosphäre, die selbst routinierte Konzertbesucher beeindruckte.

Mit »Bleed It Out« endete zunächst das reguläre Set. Die verlängerten Passagen und die Einbindung von »A Place for My Head« sorgten für einen furiosen Abschluss.

Doch natürlich durfte eine Zugabe nicht fehlen.

»Papercut«, »In the End« und schließlich »Faint« bildeten den perfekten Schlusspunkt. Für einen kurzen, sympathischen Moment sorgte Joe Hahn, als die Band »In the End« aufgrund eines kleinen Fehlstarts nochmals neu beginnen musste. Statt die Stimmung zu stören, erzeugte dieser Augenblick zusätzliche Nähe zwischen Band und Publikum.

Als die letzten Töne von »Faint« verklungen waren und »Pass the Mic« von den BEASTIE BOYS aus den Lautsprechern erklang, verabschiedete sich eine sichtbar zufriedene Band von ihren Fans im Ernst Happel Stadion.

LINKIN PARK haben die schwierige Aufgabe gemeistert, ihre Vergangenheit zu ehren und gleichzeitig eine glaubwürdige Zukunft aufzubauen. Die „From Zero World Tour 2026“ zeigt eine Band, die nicht auf Nostalgie allein setzt, sondern mutig neue Wege geht.

Emily Armstrong hat sich längst als feste Größe innerhalb der Band etabliert und verleiht den Songs neue Energie, ohne deren ursprünglichen Charakter zu verlieren. Gemeinsam mit Mike Shinoda und den übrigen Mitgliedern präsentiert sie eine Show, die sowohl musikalisch als auch visuell Maßstäbe setzt.

Der Auftritt im Ernst-Happel-Stadion war jedoch ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass LINKIN PARK auch 2026 zu den wichtigsten und faszinierendsten Live-Bands der Rockwelt gehören.

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Setlist

01. The Emptiness Machine
02. Lying From You
03. Crawling
04. Up From the Bottom
05. Somewhere I Belong
06. The Catalyst
07. Burn It Down
08. Over Each Other
09. Where’d You Go (Fort Minor cover)
10. Waiting for the End
11. Lies Greed Misery
12. Two Faced
13. Joe Hahn Solo
14. When They Come for Me / Remember the Name
15. IGYEIH
16. One Step Closer
17. Lost
18. Breaking the Habit
19. Let You Fade
20. What I’ve Done
21. Overflow
22. Lost in the Echo
23. Numb
24. Heavy Is the Crown
25. Bleed It Out
26. Papercut
27. In the End
28. Faint

LINKIN PARK – From Zero World Tour 2026 09. Juni 2026, Ernst-Happel-Stadion Wien - Live Review

Iron Kingdom – Shadows And Dust

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Iron Kingdom - Shadows And Dust - cover artwork
Iron Kingdom - Shadows And Dust - cover artwork

Band: Iron Kingdom 🇨🇦
Titel: Shadows And Dust
Label: Independent / Steel Shark Records
VÖ: 06.06.2026
Format: Digital / CD / Vinyl / Kassette
Genre: Traditional Heavy Metal / NWOTHM / Power Metal

Tracklist

01. Defenders
02. Eternal Emperor
03. Dreamless Sea
04. Deadhouse Gates
05. Line Of Fire
06. Blood And Steel
07. Shadow Of Time
08. Dark Demands
09. Starlight
10. Sacred Fire

Besetzung

Chris Osterman – Lead Vocals / Lead Guitar
Megan Merrick – Lead Guitar
Leighton Holmes – Bass Guitar
Max Friesen – Drums

Bewertung:

4,5/5

Iron Kingdom sind keine Band, die Traditional Heavy Metal nur als Retro-Accessoire benutzt. Auf »Shadows And Dust« klingt das kanadische Quartett vielmehr wie eine Gruppe, die ihre musikalische Sprache seit Jahren verfeinert hat und nun genau weiß, welche Stärken sie ausspielen muss: Twin-Gitarren, präzise Rhythmusarbeit, hoher Gesang, melodische Führung und Songs, die nicht nur auf schnelle Wirkung, sondern auf klassische Albumdramaturgie setzen.

Das sechste Studioalbum der Band ist dunkler ausgefallen als frühere Werke. Inhaltlich geht es um Krieg, Verlust, Vergänglichkeit, innere Härte und den Willen, sich durch schwierige Situationen zu kämpfen. Vollständige Lyrics werden nicht zitiert; die Interpretation stützt sich auf die offiziellen Track-by-Track-Angaben, die Songtitel und den musikalischen Kontext. Entscheidend ist: »Shadows And Dust« klingt nicht deprimierend, sondern kämpferisch. Die Platte arbeitet mit ernsten Themen, bleibt aber musikalisch energisch, melodisch und erstaunlich zugänglich.

Albumstream:

TRADITION OHNE STILLSTAND

»Defenders« eröffnet das Album mit genau jener Energie, die man von einer Band erwartet, die sich dem klassischen Heavy Metal verschrieben hat, aber nicht wie eine bloße Kopie alter Helden klingen will. Der Song lebt von druckvollem Schlagzeug, markanten Gitarrenläufen und einem Gesang, der sich sofort in den Vordergrund stellt. Inhaltlich greift die Nummer den Widerstand polnischer Verteidiger während der Schlacht um Danzig auf und setzt diesen historischen Bezug nicht pathetisch, sondern kämpferisch um.

Chris Osterman zeigt hier direkt, warum er als Sänger und Gitarrist eine zentrale Rolle im Sound der Band spielt. Seine Stimme hat Höhe, Biss und eine leichte Rauheit, die verhindert, dass das Material zu glatt wird. Besonders stark ist, wie Max Friesen den Song antreibt. Das Schlagzeug ist präsent, lebendig und nicht nur reine Tempomaschine, sondern ein wichtiger Bestandteil der Dramaturgie.

GITARREN ALS FÜHRUNGSELEMENT

Mit »Eternal Emperor« wird der melodische Anspruch des Albums noch deutlicher. Der Song basiert textlich auf der Figur eines verfluchten Herrschers, der immer wieder zurückkehrt und dabei zunehmend den Bezug zur Realität verliert. Musikalisch passt dazu der leicht düstere Einschlag, besonders in den harmonischen Wendungen und in der vokalen Zuspitzung.

Das Gitarrenduo Chris Osterman und Megan Merrick steht hier klar im Mittelpunkt. Die beiden spielen nicht einfach parallel, sondern arbeiten mit ineinandergreifenden Leads, harmonisierten Linien und klassischem Heavy-Metal-Feingefühl. Man hört die Schule von Iron Maiden, Judas Priest und Helloween, aber auch, dass Iron Kingdom diese Einflüsse in ein eigenes Songgerüst überführen.

MELODIE, TIEFE UND BASSFUNDAMENT

»Dreamless Sea« nimmt etwas Tempo heraus und gehört gerade deshalb zu den wichtigen Stücken des Albums. Der Song beschäftigt sich mit Reue, verlorener Liebe und Vergänglichkeit. Musikalisch fällt besonders auf, wie viel Raum die Band der Stimmung lässt, ohne den Metal-Kern aufzugeben. Die Gitarren agieren melodischer, die Gesangslinien bekommen mehr Bewegung, und die Rhythmusgruppe sorgt für Stabilität.

Leighton Holmes ist hier mehr als nur ein Bassist im Hintergrund. Sein Spiel gibt dem Song Substanz und schafft eine hörbare Verbindung zwischen Groove und Melodie. In den ruhigeren, bassbetonteren Momenten zeigt sich, dass Iron Kingdom nicht nur auf hohe Geschwindigkeit und Gitarrenarbeit setzen, sondern auch ein gutes Gefühl für Aufbau und Dynamik besitzen.

ZWISCHEN ERZÄHLUNG UND DIREKTHEIT

»Deadhouse Gates« basiert auf einer Fantasy-Idee aus dem Umfeld der Malazan-Bücher und behandelt den Aufstieg durch ein mystisches, tödliches Tor. Der Song ist dennoch kein überladenes Konzeptstück, sondern ein sehr zugänglicher Heavy-Metal-Track mit klarer Hook und sauberem Drive. Gerade diese Balance aus erzählerischem Hintergrund und direktem Songwriting macht die Nummer stark.

Die Gitarrenarbeit bleibt melodisch und prägnant, während Osterman gesanglich souverän durch die Nummer führt. Die Band zeigt hier, dass sie komplexe oder literarisch inspirierte Themen nicht zwangsläufig in ausufernde Songstrukturen pressen muss. »Deadhouse Gates« funktioniert als Story-Song, aber ebenso als klassischer Midtempo-Metal-Track.

MEHR SPEED, MEHR KANTE

Mit »Line Of Fire« zieht das Album deutlich an. Der Song beschreibt die Perspektive eines Mannes im Feuergefecht, der weiß, dass Stillstand keine Option ist. Musikalisch übersetzt die Band diesen Druck in ein schnelles, riffbetontes Stück mit thrashiger Kante. Hier wird das Traditional-Metal-Fundament um eine schärfere, direktere Note erweitert.

Gerade Megan Merrick prägt diesen Song mit starkem Riffing und energischer Gitarrenarbeit. Die Leads wirken nicht aufgesetzt, sondern treiben das Stück nach vorne. Friesen hält das hohe Energielevel präzise zusammen, während Holmes dem Song den nötigen Druck im unteren Bereich gibt. Das ist einer der Momente, in denen die Band besonders geschlossen klingt.

MARSCHRHYTHMUS UND SCHWERE THEMEN

»Blood And Steel« ist einer der interessantesten Songs des Albums. Inhaltlich geht es um einen Soldaten, der weit entfernt von Zuhause in einem scheinbar endlosen Feldzug steht. Der Track ist von historischen und literarischen Bildern geprägt, aber der Kern bleibt menschlich: Erschöpfung, Zweifel, Pflichtgefühl und die Frage, wie viel ein Mensch tragen kann.

Musikalisch setzen Iron Kingdom hier stärker auf Bass und Schlagzeug. Die Strophen wirken bewusst marschierend, die Gitarren steigen gezielter ein und setzen Akzente statt dauerhaft alles zu überdecken. Das gibt dem Song einen anderen Charakter als den schnelleren Nummern. Holmes und Friesen tragen das Stück stark, während die Gitarren später wieder melodische Spannung aufbauen. Gerade dieser Aufbau macht »Blood And Steel« zu einem der reiferen Album-Momente.

KLASSISCHER HEAVY METAL MIT SICHEREM GESPÜR

»Shadow Of Time« gehört zu den Songs, die den klassischen Iron Kingdom-Sound besonders klar zusammenfassen. Der Track behandelt eine Instanz außerhalb des normalen Zeitflusses, die menschliche Ereignisse beobachtet und über Eingreifen oder Distanz nachdenkt. Das klingt abstrakt, wird aber musikalisch sehr greifbar umgesetzt.

Die Nummer lebt von NWOBHM-Flair, gut gesetzten Gitarrenharmonien und einer starken Balance aus Melodie und Drive. Hier zeigt sich die Routine der Band: Iron Kingdom wissen, wie ein traditioneller Heavy-Metal-Song funktionieren muss, ohne ihn mit unnötigem Ballast zu überladen. Kein Wunder, dass gerade dieser Track in mehreren Besprechungen als einer der besten Momente des Albums hervorgehoben wird.

DUNKLERE KANTE UND PRIEST-DRUCK

»Dark Demands« schlägt kompakter und härter zu. Inhaltlich lässt sich der Song als Warnung vor falschen Versprechungen, ausbeuterischen Strukturen und Knebelmechanismen lesen. Die Band selbst nennt als Ausgangspunkt sinngemäß auch die Idee eines schlechten Deals, der zunächst verlockend erscheint und später seinen Preis fordert.

Musikalisch ist das eine der bissigeren Nummern auf »Shadows And Dust«. Das Riffing ist direkter, der Gesang aggressiver, die gesamte Ausrichtung etwas dunkler. Merrick liefert hier starke Impulse, während Osterman gesanglich mehr Druck aufbaut. Der Song ist kurz, prägnant und bringt im Albumfluss genau den richtigen Energieschub.

EIN KLEINER BRUCH IM ALBUMFLUSS

»Starlight« ist der Song, der im Gesamtbild am ehesten heraussticht. Die Nummer greift hörbar stärker auf frühe Bandphasen und klassische NWOBHM-Färbungen zurück. Das ist handwerklich sauber gemacht, aber im Vergleich zu den stärkeren Stücken des Albums nicht ganz so zwingend. Die Melodien sitzen, die Gitarrenarbeit bleibt hochwertig, doch der Song entwickelt nicht denselben Nachdruck wie »Defenders«, »Blood And Steel« oder »Shadow Of Time«.

Trotzdem ist »Starlight« kein Ausfall. Der Track sorgt für Abwechslung und zeigt eine etwas andere Seite der Band. Man merkt jedoch, dass Iron Kingdom dann am stärksten sind, wenn sie Melodie, Dramatik und rhythmischen Druck enger verzahnen.

DAS FINALE MIT LANGEM ATEM

Mit »Sacred Fire« schließen Iron Kingdom das Album auf epische Weise ab. Der Song ist mit über sieben Minuten der längste Track der Platte und nutzt diese Laufzeit sinnvoll. Akustische Anklänge, galoppierende Passagen, Chöre, Leadgitarren und ein starker Spannungsbogen machen die Nummer zu einem würdigen Finale.

Hier darf jedes Bandmitglied noch einmal zeigen, was es zum Gesamtbild beiträgt. Osterman führt stimmlich sicher durch die dynamischen Wechsel, Merrick setzt starke Lead-Akzente, Holmes hält die Struktur zusammen, und Friesen treibt die dramatischen Steigerungen mit viel Gefühl für Timing an. Der Song ist kein überlanger Selbstzweck, sondern tatsächlich ein Abschluss, der dem Album Gewicht gibt.

PRODUKTION UND BANDGEFÜGE

Bemerkenswert ist, dass »Shadows And Dust« in den KH Studios aufgenommen wurde und Chris Osterman selbst das Engineering übernahm. Gemeinsam mit Megan Merrick fungierte er zudem als Co-Produzent. Der Mix von Andy Boldt und das Mastering von Greg Reely geben dem Album einen klaren, druckvollen Sound, ohne den traditionellen Charakter zu modern glatt zu ziehen.

Die Produktion ist sauberer und transparenter als bei vielen Underground-Veröffentlichungen dieser Schule. Besonders die Gitarren profitieren davon. Die Leads sind gut herausgearbeitet, der Bass bleibt hörbar, und die Drums haben genug Präsenz, um den Songs echten Schub zu geben. Das Album klingt klassisch, aber nicht altbacken.

DIE MUSIKERISCHE LEISTUNG

Die größte Stärke von Iron Kingdom liegt im Zusammenspiel. Chris Osterman trägt als Sänger und Leadgitarrist viel Verantwortung und liefert eine starke Leistung zwischen hoher klassischer Metal-Stimme, rauem Ausdruck und sauberer melodischer Führung. Seine Stimme dürfte nicht jedem Hörer sofort liegen, passt aber klar zur Identität der Band.

Megan Merrick ist auf »Shadows And Dust« enorm wichtig. Ihre Gitarrenarbeit bringt Schärfe, Melodie und Struktur in die Songs. Besonders in den schnelleren und härteren Momenten wirkt ihr Spiel nicht nur technisch sicher, sondern songdienlich. Leighton Holmes sorgt am Bass für Fundament und Bewegung, ohne sich zu sehr in den Hintergrund drücken zu lassen. Max Friesen wiederum liefert eine kraftvolle, sehr präsente Schlagzeugarbeit, die gerade in »Defenders«, »Blood And Steel« und »Sacred Fire« deutlich zum Erfolg der Songs beiträgt.

KLEINE KRITIKPUNKTE

Ganz ohne Abzüge bleibt »Shadows And Dust« nicht. Einige Momente stehen sehr klar in der Tradition von Iron Maiden, Judas Priest, Savatage und klassischem Power Metal. Das ist grundsätzlich kein Problem, denn Iron Kingdom bedienen diese Schule mit Können und Überzeugung. Dennoch wirkt nicht jede Idee völlig eigenständig.

Außerdem ist »Starlight« im direkten Vergleich zu den stärksten Songs etwas weniger zwingend. Der Track ist gut gespielt, aber nicht ganz so markant. Insgesamt bleibt der Eindruck jedoch deutlich positiv: »Shadows And Dust« ist ein Album mit Substanz, Spielfreude und starker handwerklicher Basis.

FAZIT:

»Shadows And Dust« ist ein starkes Traditional-Heavy-Metal-Album, das klassische Tugenden mit dunklerer Thematik, guter Produktion und überzeugender Musikerleistung verbindet. Iron Kingdom liefern keine moderne Stilrevolution, aber eine Platte, die genau weiß, was sie sein will: melodisch, kraftvoll, handwerklich sauber und mit echtem Albumgefühl geschrieben.

Die stärksten Momente sind »Defenders«, »Dreamless Sea«, »Line Of Fire«, »Blood And Steel«, »Shadow Of Time«, »Dark Demands« und das abschließende »Sacred Fire«. Besonders die Gitarrenarbeit von Chris Osterman und Megan Merrick, das stabile Fundament von Leighton Holmes und das druckvolle Schlagzeug von Max Friesen heben das Album deutlich über gewöhnliche Retro-Metal-Ware.

Für Fans von Iron Maiden, Judas Priest, Helloween, Riot, Savatage und klassischem NWOTHM ist »Shadows And Dust« eine klare Empfehlung. Nicht jeder Song trifft gleich hart, aber als Gesamtwerk zeigt das Album eine Band, die den traditionellen Heavy Metal ernst nimmt, ohne ihn leblos zu konservieren. Genau so darf diese Spielart im Jahr 2026 klingen.

Internet

Iron Kingdom - Shadows And Dust - CD Review

Halcyon Days – Nothing To No One // Something To Someone

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Halcyon Days - Nothing To No One // Something To Someone - cover artwork
Halcyon Days - Nothing To No One // Something To Someone - cover artwork

Band: Halcyon Days 🇳🇴
Titel: NOTHING TO NO ONE // SOMETHING TO SOMEONE
Label: Indie Recordings
VÖ: 05.06.2026
Format: 12″ Vinyl / Digital
Genre: Metalcore / Melodic Hardcore / Post-Hardcore / Melodic Metal

Tracklist

01. Sunday Mourning
02. Something to Someone
03. N.I.T.C
04. My Heart Is My Compass
05. Save Me From Myself
06. Watch Me Burn
07. Restylane
08. Hands Full of Ruin
09. Nightless Nights
10. Nothing to No One

Besetzung

Robbe Madsen – Gesang, Lyrics
André Sørensen – Gitarre
Steffen Johansen – Bass
Eirik Løvås Bjerke – Schlagzeug

Gast:
Jonas Westerud Hansen (Fixation) – Gesang auf „Save Me From Myself“

Produktion:
Halcyon Days – Songwriting, Arrangement, Produktion
Martin Stenstad Selen – Recording, Mix, Co-Produktion, Mastering

Bewertung:

3 von 5 Punkten

Halcyon Days aus Oslo melden sich mit »NOTHING TO NO ONE // SOMETHING TO SOMEONE« sehr geschlossen zurück. Die Norweger bewegen sich sicher zwischen Metalcore, Melodic Hardcore, Post-Hardcore und melodischem Metal, ohne ihren Sound unnötig zu verkomplizieren. Das Album behandelt Isolation, Selbstzweifel, toxische Beziehungen, innere Erschöpfung und den Versuch, trotz allem wieder eine Richtung zu finden. Die zehn Songs bleiben kompakt, arbeiten mit klaren Refrains, harten Breakdowns, emotionalen Texten und einer Produktion, die modern klingt, aber nicht steril wirkt.

YouTube Art Playlist: NOTHING TO NO ONE // SOMETHING TO SOMEONE

EMOTIONALE DIREKTHEIT STATT UMWEG

»Sunday Mourning« eröffnet das Album kurz, nervös und sehr unmittelbar. Der Titel spielt mit dem Gegensatz aus Sonntagmorgen und Trauerzustand. Inhaltlich geht es um den Moment nach einer scheinbar normalen Nacht, in dem plötzlich Erschöpfung, Zeitdruck und innere Leere im Vordergrund stehen. Musikalisch ist das ein schneller Einstieg, der keine lange Vorrede braucht und die Grundstimmung des Albums sauber festlegt.

Mit »Something to Someone« wird der emotionale Kern des Albums deutlicher. Der Song handelt von Unterstützung, Vertrauen und dem Gefühl, durch eine andere Person wieder erreichbar zu werden. Robbe Madsen singt und schreit hier mit spürbarer Dringlichkeit, ohne die melodischen Linien zu überzeichnen. Seine Stimme trägt die persönliche Ebene des Albums und wirkt besonders stark, wenn sie zwischen Verletzlichkeit und kontrollierter Härte wechselt.

ABGRENZUNG UND SELBSTBEHAUPTUNG

»N.I.T.C« gehört zu den energischsten Momenten der Platte. Inhaltlich geht es um das Abgrenzen von Menschen, die Kraft ziehen, Vertrauen beschädigen und psychisch belasten. Die Nummer macht aus diesem Thema keinen komplizierten Diskurs, sondern eine klare Entscheidung: Kontakt beenden, daraus lernen, weitergehen.

Instrumental überzeugen hier vor allem André Sørensen und Eirik Løvås Bjerke. Sørensen setzt die Gitarren rhythmisch präzise und melodisch genug ein, damit der Song nicht nur über Härte funktioniert. Bjerke spielt am Schlagzeug sehr direkt, treibt die Nummer mit sicherem Tempo an und gibt den Breakdowns den nötigen Nachdruck. Steffen Johansen hält am Bass den unteren Bereich stabil und sorgt dafür, dass die Songs trotz ihrer kompakten Form genügend Gewicht haben.

ORIENTIERUNG IN DER EIGENEN WAHRNEHMUNG

»My Heart Is My Compass« ist einer der eingängigsten Songs auf »NOTHING TO NO ONE // SOMETHING TO SOMEONE«. Der Text kreist um Orientierungslosigkeit, Selbstwahrnehmung und den Versuch, trotz innerer Unsicherheit eine Entscheidung zu treffen. Die Metaphorik des Kompasses wird nicht als einfache Lösung verwendet, sondern als Zeichen für Unruhe: Das Herz zeigt nicht eindeutig in eine Richtung, sondern steht unter Spannung.

Musikalisch ist der Song sehr gut ausbalanciert. Der Refrain öffnet sich melodisch, die Gitarren bleiben präsent, und der Rhythmusbereich arbeitet sauber auf die Dynamik hin. Gerade hier zeigt sich, dass Halcyon Days ein gutes Gespür für Metalcore-Songwriting besitzen: Die Hooks sind klar, die Härte bleibt erhalten, und der Song bleibt auch nach dem ersten Durchlauf im Kopf.

DAS DUETT ALS EMOTIONALER MITTELPUNKT

»Save Me From Myself« mit Jonas Westerud Hansen von Fixation ist der naheliegende Höhepunkt des Albums. Inhaltlich steht der Song für den Kampf gegen die eigene Selbstzerstörung und für den Wunsch, von jemandem gehalten zu werden, wenn der eigene Wille nicht mehr reicht. Gerade durch den Gastbeitrag gewinnt die Nummer an zusätzlicher Tiefe, weil sich die Stimmen nicht gegenseitig überdecken, sondern unterschiedliche Rollen innerhalb derselben emotionalen Situation einnehmen.

Madsen und Hansen ergänzen sich stark: Der eine bringt die rohe Direktheit, der andere zusätzliche melodische und aggressive Akzente. Die Band hält den Song dabei kompakt und zielgerichtet. Es gibt keine unnötige Verlängerung, keinen überflüssigen Aufbau, sondern einen klaren Ablauf aus Strophe, Refrain, Härte und Entladung. Das funktioniert sehr gut.

SELBSTHASS, DRUCK UND ERNEUERUNG

»Watch Me Burn« verschiebt den Fokus auf Selbstanklage, Schuldgefühl und den Wunsch nach Veränderung. Der Song wirkt härter und unruhiger als die melodischeren Stücke des Albums. Inhaltlich steht nicht Rettung durch andere im Vordergrund, sondern die brutale Erkenntnis, dass eine alte Version des eigenen Ichs nicht weitergetragen werden kann.

Hier arbeitet Eirik Løvås Bjerke besonders stark. Sein Schlagzeugspiel bleibt präzise, setzt aber mehr Aggression frei als in den zugänglicheren Momenten des Albums. André Sørensen liefert dazu Gitarren, die rhythmisch eng mit den Drums verbunden sind. Steffen Johansen gibt dem Song zusätzliche Schwere, ohne den Mix zu überladen.

KURZER EINSCHUB, DANN WIEDER VOLLER FOKUS

»Restylane« ist mit seiner kurzen Spielzeit kein klassischer Hauptsong, erfüllt aber im Albumfluss eine sinnvolle Funktion. Nach den emotional sehr deutlichen Stücken zuvor wirkt der Track wie ein kurzer, konzentrierter Einschub, bevor die zweite Albumhälfte wieder stärker in persönliche und zwischenmenschliche Konflikte eintaucht. Gerade weil das Album insgesamt sehr kompakt ist, fällt dieser Moment nicht als Lücke auf, sondern als bewusst gesetzter Übergang.

»Hands Full of Ruin« nimmt anschließend wieder mehr Raum ein. Inhaltlich geht es um Verletzung, Nachwirkungen von Manipulation und das Gefühl, mit den Folgen fremder Entscheidungen leben zu müssen. Der Song zählt zu den stärkeren Textmomenten des Albums, weil er Wut und Erschöpfung nicht voneinander trennt. Musikalisch setzen Halcyon Days hier auf nachvollziehbare Strukturen, klare Spannung und einen Refrain, der sich nicht anbiedert.

SCHLAFLOSE NÄCHTE UND OFFENE FRAGEN

»Nightless Nights« führt das Thema psychische Belastung noch einmal in eine dunklere Richtung. Der Song behandelt Schlaflosigkeit, innere Unruhe und das Gefühl, in einem Zustand festzuhängen, aus dem es keinen schnellen Ausweg gibt. Madsen bringt diese Stimmung überzeugend in die Stimme, ohne in Überdramatisierung zu fallen. Das ist wichtig, weil der Song sonst schnell zu schwerfällig werden könnte.

Mit »Nothing to No One« endet das Album sehr passend. Der letzte Song greift Burnout, verlorene Jahre, wiederkehrende Zweifel und den Wunsch nach einem radikalen Neustart auf. Der Titel steht in direkter Verbindung zum Albumtitel und zieht die zentrale Aussage zusammen: Es geht um Menschen, die sich selbst entwertet fühlen, aber noch nicht bereit sind, diese Entwertung als endgültig zu akzeptieren.

BAND MIT KLARER HANDSCHRIFT

Die Leistung der Musiker ist auf diesem Album durchgehend stark. Robbe Madsen ist der emotionale Mittelpunkt und liefert eine vielseitige Gesangsleistung zwischen Screams, melodischen Linien und sprechnaher Direktheit. Seine Texte sind persönlich, teilweise sehr offen und vermeiden einfache Auflösungen.

André Sørensen arbeitet an der Gitarre sehr songdienlich. Er stellt nicht die technische Selbstdarstellung in den Vordergrund, sondern unterstützt die emotionale Wirkung der Stücke. Steffen Johansen sorgt am Bass für Stabilität und gibt den Breakdowns die nötige Tiefe. Eirik Løvås Bjerke spielt variabel genug, um die Songs dynamisch zu halten, aber nie so verspielt, dass die Direktheit verloren geht.

STARKES COMEBACK MIT KLEINEN ABSTRICHEN

»NOTHING TO NO ONE // SOMETHING TO SOMEONE« ist ein sehr fokussiertes Album. Die Songs kommen schnell zum Punkt, die Produktion von Halcyon Days und Martin Stenstad Selen ist druckvoll und transparent, und die Band kennt ihre Stärken. Besonders gut funktionieren die Stücke, in denen emotionale Offenheit und musikalische Härte gleich stark gewichtet sind.

Kleine Abzüge gibt es dafür, dass nicht jeder Song denselben Wiedererkennungswert besitzt und manche bekannten Metalcore-Bausteine sehr vertraut wirken. Trotzdem bleibt der Gesamteindruck deutlich positiv. Halcyon Days liefern ein Album, das persönliche Themen glaubwürdig behandelt, kompakt geschrieben ist und in seiner besten Form direkt trifft.

FAZIT:

»NOTHING TO NO ONE // SOMETHING TO SOMEONE« ist ein starkes, emotionales und sehr geschlossenes Metalcore-Album, das zwischen Melodie, Härte und persönlicher Offenheit gut ausbalanciert ist. Halcyon Days überzeugen besonders mit »Something to Someone«, »My Heart Is My Compass«, »Save Me From Myself«, »Watch Me Burn« und »Nothing to No One«. Für Fans von Architects, Counterparts, Fixation, While She Sleeps und modernem Melodic Metalcore gibt es starke 8 von 10 Punkten.

Musikvideo: Save Me From Myself feat. Jonas Hansen

Internet

Halcyon Days - Nothing To No One // Something To Someone - CD Review

EMBRYONIC AUTOPSY – Rise Of The Mutated

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EMBRYONIC AUTOPSY - Rise Of The Mutated - cover artwork
EMBRYONIC AUTOPSY - Rise Of The Mutated - cover artwork

Band: EMBRYONIC AUTOPSY 🇺🇸
Titel: Rise Of The Mutated
Label: Massacre Records
VÖ: 05/06/26
Genre: Brutal Death Metal

Tracklist

01. Bathing In Entrails
02. Zombified Infants Of Roswell
03. Feasting Upon The Rotted Uterus
04. Aborted Within The Aztec Temple
05. Beheading The Infertile Surrogate
06. Burst Ovarian Cyst
07. Stab, Kill, Consume
08. Drenched In Corrosive Semen
09. Bloated In Pus
10. Rise Of The Mutated (The Newborn Kings)

 

Besetzung

Tim King – Vocals
Scott Roberts – Guitar
Kenxi Dupey – Bass
Marco Fimbres – Drums

 

Bewertung:

3/5

Brutalität mit Old-School-DNA

Die US-amerikanische Brutal-Death-Metal-Formation EMBRYONIC AUTOPSY meldet sich mit ihrem dritten Studioalbum »Rise Of The Mutated« zurück. Hinter dem Projekt stehen keine Unbekannten der Extrem-Metal-Szene. Sänger Tim King, Gitarrist Scott Roberts, Bassistin Kenxi Dupey und Drummer Marco Fimbres haben sich erneut zusammengeschlossen, um ihre Vorstellung von kompromisslosem Brutal-Death-Metal weiter auszubauen.

Mit zehn neuen Songs und einer Spielzeit, die kaum Raum zum Durchatmen lässt, präsentiert die Band ein Werk, das tief in den Wurzeln des Genres verankert ist. Die musikalische Ausrichtung orientiert sich deutlich an den frühen Neunzigerjahren, als Bands wie SUFFOCATION, CANNIBAL CORPSE oder INTERNAL BLEEDING den Sound des Brutal-Death-Metal entscheidend prägten. EMBRYONIC AUTOPSY versuchen dabei jedoch nicht, eine bloße Kopie vergangener Zeiten zu liefern, sondern ergänzen ihre Einflüsse durch moderne Produktionstechniken und einen druckvollen Gesamtsound.

Gewaltige Riffs und kompromisslose Geschwindigkeit

Bereits der Opener »Bathing In Entrails« macht unmissverständlich klar, wohin die Reise geht. Schwere Gitarrenwände, tiefe Growls und eine Rhythmussektion, die ohne Vorwarnung zwischen Blastbeats und Grooves wechselt, bestimmen das Geschehen. Die Band setzt konsequent auf Härte und lässt dem Hörer kaum Gelegenheit, Luft zu holen.

»Zombified Infants Of Roswell« und »Feasting Upon The Rotted Uterus« knüpfen direkt an dieses Niveau an. Besonders die Gitarrenarbeit von Scott Roberts überzeugt durch eine gelungene Mischung aus technischer Präzision und roher Gewalt. Die Songs sind zwar klar strukturiert, verlieren dabei jedoch nie ihre Aggressivität.

Immer wieder streut die Band groovende Passagen ein, die den Kompositionen zusätzliche Dynamik verleihen. Dadurch entsteht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen rasender Geschwindigkeit und schweren Midtempo-Momenten. Gerade dieser Wechsel sorgt dafür, dass das Album trotz seiner extremen Ausrichtung nicht vollständig in monotone Raserei verfällt.

Zwischen Tradition und Moderne

Eine der größten Stärken von »Rise Of The Mutated« liegt in seiner Produktion. Scott Roberts übernahm sowohl Produktion als auch Mix, während das Mastering von Ulrich Wild durchgeführt wurde, der bereits mit Größen wie PANTERA und DETHKLOK gearbeitet hat.

Das Ergebnis klingt kraftvoll und organisch. Die Instrumente besitzen ausreichend Druck, ohne dabei ihre Transparenz zu verlieren. Besonders das Schlagzeug wirkt natürlich und durchsetzungsfähig, während der Bass erfreulich präsent bleibt, etwas, das im Brutal-Death-Metal nicht selbstverständlich ist.

Gleichzeitig zeigt sich hier aber auch ein kleiner Schwachpunkt des Albums. Trotz der hohen technischen Qualität ähneln sich einige Songs in ihrer Grundstruktur und Atmosphäre. Titel wie »Burst Ovarian Cyst«, »Stab, Kill, Consume« oder »Drenched In Corrosive Semen« liefern zwar solide Brutal-Death-Metal-Kost, hinterlassen jedoch nicht immer einen nachhaltigen Wiedererkennungswert.

Höhepunkte des Albums

Zu den stärkeren Momenten zählen vor allem »Aborted Within The Aztec Temple« sowie »Bloated In Pus«. Hier gelingt es EMBRYONIC AUTOPSY, die Balance zwischen Brutalität, Groove und Songwriting besonders effektiv umzusetzen. Die Riffs bleiben im Gedächtnis und die Songs entwickeln eine eigene Identität innerhalb des Albums.

Auch der Titeltrack »Rise Of The Mutated (The Newborn Kings)« bildet einen gelungenen Abschluss. Die Band bündelt hier noch einmal sämtliche Stärken des Albums und liefert einen finalen Angriff aus massiven Riffs, treibenden Drums und bedrohlicher Atmosphäre.

Sänger Tim King überzeugt über die gesamte Laufzeit mit tiefen, kraftvollen Growls, die perfekt zum musikalischen Konzept passen. Zwar bewegt er sich überwiegend innerhalb bekannter Genregrenzen, erfüllt seine Aufgabe jedoch mit Nachdruck und Authentizität.

Für Fans extremer Klänge

»Rise Of The Mutated« ist ein Album für Liebhaber kompromisslosen Brutal-Death-Metals. EMBRYONIC AUTOPSY setzen konsequent auf die Tugenden der alten Schule. Härte, Geschwindigkeit, Groove und eine düstere, morbide Atmosphäre. Die Produktion hebt das Material auf ein modernes Niveau und sorgt dafür, dass die Songs mit entsprechender Wucht aus den Lautsprechern kommen.

Allerdings fehlt dem Album stellenweise das gewisse Etwas, das es dauerhaft aus der Masse vergleichbarer Veröffentlichungen hervorheben würde. Viele Songs funktionieren im Moment hervorragend, verschwimmen nach mehreren Durchläufen jedoch etwas miteinander. Die technische Umsetzung stimmt, die Intensität ebenfalls, doch echte Überraschungen bleiben selten.

Dennoch liefert die Band ein solides Werk ab, das Genrefans mit Sicherheit zufriedenstellen wird. Wer klassischen Brutal-Death-Metal mit zeitgemäßer Produktion schätzt, findet hier reichlich Material für die heimische Anlage oder die nächste Extrem-Metal-Playlist.

Fazit: »Rise Of The Mutated« von ist ein Album, das sowohl die Tradition als auch die Moderne des Brutal-Death-Metal zelebriert.

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EMBRYONIC AUTOPSY - Rise Of The Mutated - CD Review

Space Parasites – Make Me Evil

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Space Parasites - Make Me Evil - album artwork
Space Parasites - Make Me Evil - album artwork

Band: Space Parasites 🇩🇪
Titel: Make Me Evil
Label: Fetzner Death Records
VÖ: 06.06.2026
Format: Digital / CD / Kassette
Genre: Heavy Metal / Thrash Metal

Tracklist

01. Intro
02. Make Me Evil
03. Bedeviled Witch
04. Neckwrecker
05. Hellbound
06. How Often?
07. Monster
08. Tarot
09. Hostiles
10. Fortress
11. She

Besetzung

Nadine „Danger Dine“ Beise – Gesang
Sebastian „Iron“ Daschke – Gitarre
Matti Massaker – Gitarre
T-Moe Terror – Bass
Zaske – Schlagzeug

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Space Parasites gehören zu jenen Bands, die Heavy Metal und Thrash Metal nicht künstlich modernisieren müssen, um frisch zu wirken. Auf »Make Me Evil« setzen die Berliner auf klare Riffs, hohes Tempo, klassische Soli, druckvolle Grooves und eine Frontfrau, die dem Material einen deutlichen Wiedererkennungswert gibt. Das Album wirkt nicht wie eine nostalgische Stilübung, sondern wie eine Band, die ihre Einflüsse kennt und daraus ein kompaktes, spielfreudiges Metal-Album formt.

Thematisch bewegt sich »Make Me Evil« zwischen dunklen Legenden, innerem Verfall, Täuschung, Rache, Wahnsinn und persönlicher Bedrohung. Vollständige Songtexte sind online nicht belastbar verfügbar, weshalb die Interpretation hier nicht auf Zitaten, sondern auf den offiziellen Themenangaben, den Songtiteln und dem musikalischen Kontext basiert. Die Platte zeichnet dabei kein plattes Horrorbild, sondern arbeitet mit einer wiederkehrenden Hexen- und Fluchsymbolik, die besonders durch den Gesang von Nadine „Danger Dine“ Beise getragen wird.

Albumstream:

KLASSISCHER HEAVY METAL MIT THRASH SCHMIEDUNG

Nach dem kurzen »Intro« steigt der Titelsong »Make Me Evil« direkt in die eigentliche Marschrichtung ein. Die Band verzichtet auf Umwege und setzt früh auf Druck, saubere Gitarrenarbeit und eine Stimme, die nicht einfach nur aggressiv sein will, sondern eine Rolle innerhalb des Albums übernimmt. Danger Dine singt rau, giftig und bewusst kantig. Das ist kein klassischer Schönklang, sondern ein kontrollierter Angriff, der zur dunklen Grundstimmung des Albums passt.

Musikalisch fällt sofort auf, dass Space Parasites als Einheit funktionieren. Die Gitarren von Sebastian „Iron“ Daschke und Matti Massaker greifen eng ineinander, ohne sich gegenseitig den Platz zu nehmen. Das Riffing bleibt traditionell, aber nicht steif. Gerade die Mischung aus Heavy-Metal-Führung, thrashigem Zugriff und eingängigen Songstrukturen gibt der Platte ihren Reiz.

DIE GITARRENARBEIT TRÄGT DAS ALBUM

»Bedeviled Witch« gehört zu den zentralen Stücken der Platte. Hier zeigt sich sehr deutlich, warum das Gitarrenduo zu den Stärken der Band zählt. Die Riffs sind schnell, griffig und live-tauglich, die Soli sitzen songdienlich und wirken nicht wie nachträglich eingebaute Fingerübungen. Das Stück baut Tempo auf, ohne an Übersicht zu verlieren, und verbindet klassischen Thrash-Druck mit melodischem Heavy-Metal-Verständnis.

Auch »Neckwrecker« macht seinem Titel musikalisch alle Ehre, ohne bloß auf stumpfe Härte zu setzen. Der Song lebt von präzisem Timing, einem guten Gespür für Aufbau und dem Zusammenspiel aus Rhythmusgruppe und Gitarren. T-Moe Terror hält am Bass den unteren Bereich stabil und hörbar präsent, während Zaske am Schlagzeug die Nummer mit sehr direktem, aber kontrolliertem Spiel nach vorne bringt.

TEMPO, GROOVE UND HANDWERK

Mit »Hellbound« ziehen Space Parasites das Tempo weiter an. Hier steht weniger der Refrain als der instrumentale Zug im Vordergrund. Besonders die Leadgitarren bekommen mehr Raum und zeigen, dass die Band ihre klassischen Metal-Wurzeln nicht versteckt. Die Soli haben Substanz, bleiben aber in den Songs verankert. Genau darin liegt eine Stärke von »Make Me Evil«: Die Musiker können spielen, aber sie verlieren das Songwriting nicht aus den Augen.

»Monster« setzt später noch stärker auf Wechsel im Rhythmus und profitiert besonders vom Schlagzeug. Zaske spielt nicht einfach nur schnell, sondern setzt Akzente, verschiebt die Energie und hält auch die härteren Passagen präzise zusammen. Das gibt dem Album mehr Dynamik, als man bei einem reinen Geradeaus-Thrash-Album erwarten würde.

EINE ANDERE SEITE DER BAND

»How Often?« ist der auffälligste Bruch im Albumfluss. Die Nummer fährt das Tempo zurück und gibt dem Gesang mehr Raum. Gerade hier zeigt Danger Dine, dass sie nicht nur als aggressive Frontfrau funktioniert. Ihre Stimme bekommt mehr Tiefe und eine rauere Emotionalität, ohne in glatte Balladenroutine abzurutschen. Der Song behandelt, soweit sich aus Kontext und verfügbaren Hinweisen ableiten lässt, eher persönliche Themen wie Loslassen, innere Erschöpfung und emotionale Grenzerfahrungen.

Dass »How Often?« im Gesamtbild etwas heraussticht, ist kein Nachteil. Im Gegenteil: Der Track verhindert, dass sich das Album ausschließlich über Tempo und Riffdruck definiert. Nicht jeder Hörer wird diesen Einschub gleich stark gewichten, aber für die Dramaturgie der Platte ist er wichtig. Er zeigt, dass Space Parasites auch dann funktionieren, wenn sie den Fuß kurz vom Gas nehmen.

ZWISCHEN OCCULT-FLAIR UND THRASH-DIREKTHEIT

»Tarot« bringt anschließend wieder mehr klassischen Thrash-Drive ins Spiel. Der Song wirkt bewusst traditionell, aber nicht altbacken. Die Rhythmuswechsel sind sauber gesetzt, die Gitarren arbeiten mit klarer Linie, und die Band trifft den Punkt zwischen Nostalgie und Energie. Hier merkt man, dass Space Parasites ihre Vorbilder nicht nur kennen, sondern auch verstanden haben, warum diese Musik funktioniert.

»Hostiles« schlägt in eine ähnlich direkte Richtung. Der Song setzt auf Angriff, Groove und klare Kante. Besonders stark ist hier, wie sich Bass und Drums unter die Gitarren legen. Die Rhythmusgruppe bleibt nicht bloß Begleitung, sondern gibt dem Song den nötigen Druck. Das macht die Platte insgesamt angenehm kompakt: Selbst wenn die Gitarren im Vordergrund stehen, klingt die Band nie dünn.

STARKER SCHLUSSSPURT

Mit »Fortress« gelingt Space Parasites einer der stärkeren späten Album-Momente. Der Song bringt mehr Heavy-Groove ins Spiel und öffnet den Sound ein wenig, ohne die Härte zu verlieren. Die Gitarrenarbeit bleibt erneut stark, die Produktion gibt den Riffs genug Schärfe, und der Refrain besitzt eine gute Eingängigkeit. Hier wirkt die Band besonders geschlossen.

Der Abschluss »She« fügt sich gut in das Hexen- und Fluchmotiv des Albums ein. Die Nummer wirkt etwas atmosphärischer, bleibt aber klar im Heavy-/Thrash-Kontext. Gerade durch den Gesang bekommt der Song eine eigene Farbe. Danger Dine dominiert das Stück nicht durch Lautstärke allein, sondern durch Präsenz. Ihre Stimme polarisiert sicher, aber sie ist einer der Gründe, warum Space Parasites nicht wie eine austauschbare Retro-Thrash-Band klingen.

PRODUKTION UND BANDGEFÜGE

Die Produktion von Martin Buchwalter im Gernhart Studio ist druckvoll, klar und passend rau. Die Platte klingt nicht steril, aber auch nicht verwaschen. Die Gitarren haben Biss, der Bass bleibt im Gesamtbild stabil, die Drums drücken ordentlich, und der Gesang sitzt weit genug vorne, um den Charakter der Band zu tragen.

Besonders positiv fällt auf, dass »Make Me Evil« trotz klassischer Ausrichtung nicht wie ein reines Zitat alter Thrash-Schule wirkt. Die Band schreibt Songs, keine Stilkopien. Die Refrains sind greifbar, die Soli haben Sinn, die Rhythmik bleibt lebendig. Das ist genau jener Bereich, in dem guter traditioneller Metal heute funktionieren kann: nicht modern um jeden Preis, aber auch nicht museal.

KLEINE KRITIKPUNKTE

Ganz ohne Abzüge kommt »Make Me Evil« nicht davon. Einzelne Passagen bewegen sich sehr nah an bekannten Heavy-/Thrash-Mustern, und nicht jeder Song setzt einen gleich starken eigenen Akzent. Außerdem wird der Gesang nicht jeden Hörer sofort abholen. Danger Dine hat eine markante, kratzige und theatralisch aggressive Stimme, die hervorragend zum Konzept passt, aber bewusst nicht auf gefällige Eingängigkeit ausgerichtet ist.

Gerade das ist allerdings auch Teil der Identität der Band. Wo andere Acts im Genre sauber, aber gesichtslos wirken, haben Space Parasites Ecken. Und diese Ecken tun dem Album gut. »Make Me Evil« ist nicht perfekt, aber es hat Haltung, Energie und eine klare Handschrift.

FAZIT:

»Make Me Evil« ist ein starkes Heavy-/Thrash-Metal-Album, das klassische Metal-Tugenden mit viel Spielfreude, guter Gitarrenarbeit und einer unverwechselbaren Frontstimme verbindet. Space Parasites liefern keine Revolution, aber eine sehr überzeugende Platte, die handwerklich sauber gemacht ist und über weite Strecken richtig Druck entwickelt.

Die stärksten Momente sind »Make Me Evil«, »Bedeviled Witch«, »Neckwrecker«, »Tarot«, »Fortress« und »She«. »How Often?« ist der bewusst andere Moment des Albums und zeigt, dass die Band mehr kann als nur Tempo und Attacke.

Für Fans von klassischem Heavy Metal, deutschem Thrash, eingängigen Riffs, markantem Gesang und Bands, die ihre Songs noch mit echter Gitarrenarbeit nach vorne bringen, ist »Make Me Evil« eine klare Empfehlung. Space Parasites bestätigen hier, dass sie im Underground nicht zufällig Aufmerksamkeit bekommen, sondern musikalisch Substanz, Energie und Charakter mitbringen.

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Space Parasites - Make Me Evil - CD Review

EVERGREY – Architects Of A New Weave

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EVERGREY - Architects Of A New Weave - cover artwork
EVERGREY - Architects Of A New Weave - cover artwork

Band: EVERGREY 🇸🇪
Titel: Architects Of A New Weave
Label: Napalm Records
VÖ: 05/06/26
Genre: Progressive/Power Metal

Tracklist

01. Welcome To The Pattern
02. The Shadow Self
03. Architects Of The New Weave
04. The World Is On Fire
05. Heaven
06. The Script
07. Leaving The Emptiness
08. Longing
09. A Burning Flame (Featuring Mikael Stanne)
10. Call Off Your Lions
11. Chains Of Shame
12. The Prophecy

 

Besetzung

Tom S. Englund – vocals, guitar
Stephen Platt – guitar
Rikard Zander – keyboard
Simen Sandnes – drums
Johan Niemann – bass

 

Bewertung:

3,5/5

Zwischen Dunkelheit und Hoffnung

Seit mehr als drei Jahrzehnten zählen EVERGREY zu den eigenständigsten Vertretern des skandinavischen Progressive-Metal. Die Schweden um Frontmann Tom S. Englund haben sich mit ihrer Mischung aus düsterer Atmosphäre, emotionalen Texten und technisch anspruchsvollem Songwriting einen festen Platz in der internationalen Metalszene erarbeitet. Mit »Architects Of A New Weave« erscheint nun bereits das fünfzehnte Studioalbum der Band über Napalm Records. Die Erwartungen sind entsprechend hoch, schließlich gelang es EVERGREY in den vergangenen Jahren mehrfach, ihre Klangwelt weiterzuentwickeln, ohne ihre Identität zu verlieren.

Ein Album zwischen Schuld, Verlust und Aufbruch

Schon die von der Band beschriebenen Themen lassen erkennen, wohin die Reise geht. »Architects Of A New Weave« beschäftigt sich mit inneren Konflikten, brennenden Welten, Schuldgefühlen und der Suche nach einem Neuanfang. Dabei setzt das Album weniger auf Verzweiflung als auf Widerstandskraft. Die zentrale Botschaft lautet nicht Kapitulation, sondern Veränderung.

Das kurze Instrumentalstück »Welcome To The Pattern« eröffnet die Platte mit cineastischer Atmosphäre und bereitet den Boden für »The Shadow Self«. Hier zeigen EVERGREY sofort ihre bekannten Stärken, schwere Gitarrenriffs treffen auf eingängige Melodien.

Der Titeltrack »Architects Of A New Weave« gehört zu den stärkeren Momenten des Albums. Die Komposition verbindet progressive Elemente mit hymnischen Refrains und vermittelt genau jene Mischung aus Dunkelheit und Hoffnung, die sich durch das gesamte Werk zieht.

Kraftvolle Songs mit vertrauter Handschrift

Musikalisch bleibt die Band ihrem Stil weitgehend treu. Fans der letzten Veröffentlichungen werden sich sofort zu Hause fühlen. Die Gitarrenarbeit von Tom S. Englund und Stephen Platt überzeugt durch geschmackvolle Leads und druckvolle Rhythmusarbeit. Gleichzeitig sorgen die Keyboards von Rikard Zander für jene atmosphärischen Klangflächen, die seit Jahren ein wichtiger Bestandteil des EVERGREY-Sounds sind.

»The World Is On Fire« präsentiert sich als einer der härteren Titel des Albums. Das Stück entwickelt eine intensive Dynamik und verbindet moderne Produktion mit klassischen EVERGREY-Merkmalen. Besonders das Zusammenspiel von Schlagzeuger Simen Sandnes und Bassist Johan Niemann erzeugt eine stabile Grundlage, auf der sich die Songs entfalten können.

Mit »Heaven« und »The Script« folgen zwei Stücke, die stärker auf emotionale Tiefe setzen. Hier steht weniger die technische Komplexität im Vordergrund als vielmehr die Stimmung. Die Band beweist erneut, dass sie ein besonderes Gespür für melancholische Melodien besitzt, ohne dabei ins Kitschige abzurutschen.

Emotionale Höhepunkte und prominente Unterstützung

Zu den interessantesten Momenten gehört »A Burning Flame«, bei dem mit Mikael Stanne ein prominenter Gast zu hören ist. Der Sänger von Mikael Stanne ergänzt Englunds Gesang hervorragend. Die unterschiedlichen Stimmfarben verleihen dem Song zusätzliche Intensität und machen ihn zu einem der Höhepunkte der Platte.

Auch »Leaving The Emptiness« und »Longing« zeigen die emotionale Seite der Schweden. Gerade in diesen ruhigeren Passagen wird deutlich, weshalb EVERGREY über die Jahre eine derart treue Fangemeinde aufgebaut haben. Die Band versteht es, persönliche Themen glaubwürdig und nachvollziehbar zu transportieren.

Mit »Call Off Your Lions« und »Chains Of Shame« nimmt das Album anschließend wieder Fahrt auf. Beide Songs verfügen über starke Refrains und erinnern stellenweise an die erfolgreichsten Werke der jüngeren Bandgeschichte.

Starke Atmosphäre, aber wenige Überraschungen

Trotz vieler gelungener Mompositionen bleibt ein kleiner Kritikpunkt bestehen. »Architects Of A New Weave« ist zweifellos ein solides EVERGREY-Album, wagt jedoch nur selten größere Experimente. Die Band bewegt sich häufig innerhalb ihres bewährten Klangkosmos. Das sorgt zwar für Qualität und Wiedererkennungswert, nimmt dem Werk aber etwas von jener Überraschungskraft, die frühere Veröffentlichungen gelegentlich auszeichnete.

Der abschließende Song »The Prophecy« fasst die Stärken des Albums nochmals zusammen. Atmosphärische Keyboards, kraftvolle Gitarren und ein emotionaler Gesang bilden einen würdigen Schlusspunkt für eine Platte, die vor allem durch ihre dichte Stimmung überzeugt.

Mit »Architects Of A New Weave« liefern EVERGREY ein weiteres starkes Kapitel ihrer langen Karriere ab. Die Schweden verbinden Progressive-Metal, Power-Metal und emotionale Tiefe zu einem Werk, das sowohl alte Fans als auch Neueinsteiger ansprechen dürfte. Zwar fehlen die ganz großen Überraschungen, doch die Qualität des Songmaterials, die starke Produktion und die unverwechselbare Handschrift der Band sorgen für ein durchgehend hohes Niveau.

Das Album zeigt eine erfahrene Band, die genau weiß, worin ihre Stärken liegen. Wer düsteren, melodischen und emotional aufgeladenen Progressive-Metal schätzt, wird hier zahlreiche überzeugende Momente finden.

Fazit: »Architects Of A New Weave« ist ein starkes, atmosphärisch dichtes Werk, das die kreative Kraft von EVERGREY erneut unter Beweis stellt.

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EVERGREY - Architects Of A New Weave - CD Review

Metal Fest Open Air 2026 – Sonnenstrahlen, große Namen und ein Amphitheater wie gemalt

Pilsen, Juni 2026 – Das Metal Fest Open Air im malerischen Amphitheater von Pilsen hat sich längst einen festen Platz im europäischen Festival-Kalender erarbeitet. Auch 2026 bewies das Event eindrucksvoll, warum: eine spektakuläre Location, ein hochkarätiges Line-up und – zur Freude aller – deutlich bessere Wetterbedingungen als in den Vorjahren.

Pilsen, Juni 2026 – Das Metal Fest Open Air im malerischen Amphitheater von Pilsen hat sich längst einen festen Platz im europäischen Festival-Kalender erarbeitet. Auch 2026 bewies das Event eindrucksvoll, warum: eine spektakuläre Location, ein hochkarätiges Line-up und – zur Freude aller – deutlich bessere Wetterbedingungen als in den Vorjahren.

🌧️ Anreise im Regen, Festival im Sonnenschein

Die Anreise am Donnerstagabend verlief zunächst noch unter typisch mitteleuropäischen Festival-Vorzeichen: Regen, nasse Zelte und skeptische Blicke Richtung Himmel.

 Wetter

Auch am Freitag zeigte sich das Wetter zuerst bescheiden, jedoch waren die Schauer bis deutlich kürzer als in den letzten Jahren. Ab Samstag setzte sich dann die Sonne durch und bescherte den Besuchern eines der angenehmsten Festivalwochenenden der letzten Jahre. Gerade im Vergleich zu den wettertechnisch oft schwierigen Ausgaben der Vorjahre war die Stimmung entsprechend gelöst: Sonnenbrillen statt Ponchos.

Camping: Komfort trifft Szene

Ein echtes Novum 2026 war das erstmals eingeführte VIP-Camp. Hier warteten bereits aufgebaute Zelte auf ihre Besitzer – einfach ankommen, einziehen und direkt ins Festival starten. Besonders für internationale Gäste und Komfort-orientierte Metalheads ein großes Plus.

Doch auch die regulären Campingflächen waren begehrt: komplett ausgebucht. Wer zu spät dran war, musste auf den öffentlichen Stadtcampingplatz ausweichen. Doch das stellte sich keineswegs als Nachteil heraus – dank der hervorragend organisierten öffentlichen Verkehrsanbindung war das Festivalgelände jederzeit schnell erreichbar.

🍺 Preise & Atmosphäre

Die Preise bewegten sich im moderaten Rahmen:

  • Bier: 70 – 90 CZK (ca. 3–4 €)

Für ein internationales Festival absolut fair – insbesondere in dieser Kulisse.

Und diese Kulisse ist es, die das Metal Fest so besonders macht:
Das Amphitheater von Pilsen bietet durch seine natürliche Hanglage perfekte Sichtverhältnisse. Selbst aus den hintersten Reihen hat man eine uneingeschränkte Sicht auf die Bühne – ein Luxus, den viele Festivals nicht bieten können.

Kulinarik und Schmankerln auf dem Festival

Die Kulinarik kommt in Pilsen definitiv nicht zu kurz. Eine „Fressmeile“ wie es im Bilderbuch steht. Von der Pizza bis zu allerlei Wurstsorten steht alles am Speiseplan.

🎸 Freitag: Thrash, Tradition und spontane Änderungen

Der Freitag startete mit einer kurzfristigen Änderung im Line-up: Rage sprangen spontan ein – und lieferten souverän ab.

Das Programm:

  • Accept
  • Anthrax
  • Pain
  • Beyond The Black
  • Rage
  • April Art
  • Tri State Corner

Der Abend gehörte jedoch den Giganten:

🔥 ACCEPT – 50 Jahre Metal-Geschichte

Als Headliner präsentierten Accept ihre 50th Anniversary Show – ein Best-of-Set voller Klassiker und Power. Eine Reise durch fünf Jahrzehnte Heavy Metal, die vom Publikum frenetisch gefeiert wurde.

Anthrax – Thrash-Party pur

Die Co-Headliner lieferten eine energiegeladene Show ab. Circle Pits, Mitsing-Chöre und kompromissloser Thrash sorgten für eines der intensivsten Erlebnisse des Wochenendes.

🐉 Samstag: Symphonic Metal und große Emotionen

Das Line-up am Samstag:

  • Avantasia
  • Kamelot
  • Dominum
  • Soen
  • Freedom Call
  • Emil Bulls
  • Sliding Doors
  • Moonlight Haze
  • Solar System

🌟 Avantasia – Fantasie wird Realität

Als Headliner verwandelte Tobias Sammet mit Avantasia das Amphitheater in eine epische Metal-Oper. Die „Dragons Tour“ überzeugte mit opulenter Bühnenproduktion, zahlreichen Gastsängern und einem Klangbild, das zwischen Power Metal und Rock-Oper schwebte.

Kamelot und Soen ergänzten den Tag mit starken Auftritten – technisch präzise, emotional und atmosphärisch dicht.

⚰️ Sonntag: Abschiede, Überraschungen und Highlights

Das abschließende Line-up:

  • Sepultura
  • Gotthard
  • Crypta
  • Charlotte Wessels
  • Battle Beast
  • Crematory
  • Orphaned Land
  • Seasons in Black
  • Sovengar
  • Neverland

🖤 Sepultura – Der letzte Ritt

Ein emotionaler Höhepunkt: Sepultura auf Abschiedstour. Die brasilianischen Legenden lieferten eine intensive, würdige Show – roh, kraftvoll und voller Emotionen. Ein Moment, der vielen Fans lange in Erinnerung bleiben wird.

🎤 Battle Beast – Neue Ära live

Besonders gespannt war man auf Battle Beast, die erstmals mit ihrer neuen Sängerin auftraten. Das Ergebnis: überzeugend, energiegeladen und ein klarer Beweis, dass die Band bereit für das nächste Kapitel ist.

🎶 Tageshighlights

  • Crematory – düster, atmosphärisch und gewohnt stark
  • Gotthard – melodisch, eingängig und mitreißend

 

 

Das Metal Fest Open Air 2026 war ein voller Erfolg.
Trotz regnerischer Anreise entwickelte sich das Wochenende zu einem Festival, das wettertechnisch wie organisatorisch überzeugte.

 

 

 

 

 

Die Stärken auf einen Blick:

  • Traumhafte Location mit perfekter Sicht
  • Hochkarätiges, abwechslungsreiches Line-up
  • Gute Organisation und Infrastruktur
  • Neue Campingoptionen (VIP-Camp)
  • Faire Preise