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TERRORSTAHL – Gravitationskollaps

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TERRORSTAHL - Gravitationskollaps - cover artwork
TERRORSTAHL - Gravitationskollaps - cover artwork

Band: TERRORSTAHL 🇩🇪
Titel: Gravitationskollaps
Label: Independent
VÖ: 14/06/26
Genre: Black/Thrash Metal

Tracklist

01. Wir sind zurück
02. Gewaltinferno
03. Exorzist
04. Gravitationskollaps
05. This Is Duisburg, Not L.A.
06. Gier frisst Moral
07. Raben
08. Totenschauer
09. Nur der Tod
10. Der Himmel bleibt kalt

 

Besetzung

Andy „The Reaper“ Rösler – Vocals/Guitar
Mathias „Matzimizer“ Menne – Guitar
Daniel Butler – Guitar
Stefan „Schmitzi“ Schmitz – Bass
Earnest McBang – Drums

 

Bewertung:

4/5

Zwischen Black, Thrash und kompromissloser Wucht

Seit ihrer Gründung im Jahr 2010 in Duisburg arbeiten TERRORSTAHL konsequent an einem eigenen Klangbild, das sich nicht auf ein einzelnes Genre festlegen lässt. Die fünfköpfige Formation verbindet Black und Thrash-Metal mit Einflüssen aus Death-Metal und schweren Doom Passagen.

Markenzeichen der Band sind die drei Gitarren, die sowohl für druckvolle Riffs als auch für ausgefeilte Lead Harmonien sorgen. Mit Andy „The Reaper“ Rösler am Mikrofon und an der Gitarre, Mathias „Matzimizer“ Menne und Daniel Butler an den weiteren Gitarren, Stefan „Schmitzi“ Schmitz am Bass sowie Earnest McBang am Schlagzeug präsentiert sich die Gruppe eingespielt und selbstbewusst. »Gravitationskollaps« ist bereits das dritte Studioalbum und zeigt eine Band, die ihren Stil weiter geschärft hat.

Aggressiver Einstieg mit klarer Ansage

Schon der Opener »Wir sind zurück« macht seinem Titel alle Ehre. Ohne lange Einleitung legt die Band mit schneidenden Gitarren und hoher Intensität los und schafft einen gelungenen Auftakt. Direkt danach erhöht »Gewaltinferno« das Tempo noch einmal und kombiniert rasende Thrash-Passagen mit finsteren Black-Metal-Elementen. Dabei wirkt die Musik nie überladen, sondern zielgerichtet und kompakt.

»Exorzist« setzt stärker auf Atmosphäre und überzeugt mit wechselnden Dynamiken. Besonders die Gitarrenarbeit fällt positiv auf. Die drei Instrumentalisten schaffen es immer wieder, sich gegenseitig Raum zu geben und dennoch ein geschlossenes Klangbild zu erzeugen.

Der Titelsong als Herzstück

Mit »Gravitationskollaps« erreicht das Album einen seiner stärksten Momente. Der Song vereint alle Stärken der Band in knappem Rahmen. Harte Riffs treffen auf melodische Leads, während das Schlagzeug unablässig Druck erzeugt. Auch der Gesang von Andy Rösler passt hervorragend ins Gesamtbild. Seine raue Stimme transportiert die nötige Aggression, ohne die Verständlichkeit völlig zu opfern.

Einen kleinen stilistischen Seitenhieb liefert »This Is Duisburg, Not L.A.«, dessen Titel bereits erkennen lässt, dass die Band ihre Wurzeln mit einem Augenzwinkern präsentiert. Musikalisch bleibt der Track kompromisslos und verbindet klassische Thrash Strukturen mit modernen Akzenten.

Vielseitigkeit ohne Stilbruch

Im weiteren Verlauf zeigen Stücke wie »Gier frisst Moral« und »Raben«, dass TERRORSTAHL nicht ausschließlich auf Geschwindigkeit setzt. Gerade in den etwas langsameren Momenten entsteht eine düstere Atmosphäre, die den Songs zusätzliche Tiefe verleiht. Doom-Einflüsse blitzen immer wieder auf und sorgen für Abwechslung innerhalb des Albums.

»Totenschauer« gehört zu den finstersten Nummern der Platte und lebt von seinem schweren Groove. Anschließend schlägt »Nur der Tod« wieder eine direktere Richtung ein und überzeugt mit treibendem Rhythmus und markanten Gitarrenläufen.

Den Abschluss bildet »Der Himmel bleibt kalt«, ein Song, der das Album würdig beendet. Hier verbindet die Band melodische Elemente mit bedrückender Stimmung und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck.

Drei Gitarren als besonderes Markenzeichen

Das auffälligste Merkmal von »Gravitationskollaps« bleibt die Arbeit der drei Gitarristen. Statt sich gegenseitig im Weg zu stehen, ergänzen sich Rhythmusarbeit, Leads und Harmonien ausgesprochen effektiv. Dadurch entsteht ein voller Sound, der sowohl live als auch im Studio funktionieren dürfte.

Auch die Rhythmussektion liefert eine starke Leistung ab. Stefan „Schmitzi“ Schmitz sorgt mit seinem Bass für das nötige Fundament, während Earnest McBang die Songs mit druckvollem und abwechslungsreichem Schlagzeugspiel antreibt. Die Produktion setzt auf Klarheit, ohne den rauen Charakter der Musik zu glätten, was hervorragend zum Stil der Band passt.

Mit »Gravitationskollaps« liefern TERRORSTAHL ein Album ab, das die Stärken der Duisburger Formation konsequent ausspielt. Die Mischung aus Black und Thrash Metal, ergänzt durch Death- und Doom-Einflüsse, wirkt eigenständig und wird durch die markante Drei Gitarren Besetzung zusätzlich aufgewertet. Zwar bewegt sich die Band überwiegend innerhalb vertrauter Genregrenzen und überrascht nicht an jeder Ecke mit neuen Ideen, doch die durchweg hohe Energie und das handwerkliche Niveau sorgen für ein überzeugendes Gesamtbild.

Vor allem Fans harscher Riffs, düsterer Atmosphäre und klassischer Extreme Metal Tugenden kommen hier auf ihre Kosten. Die zehn Songs besitzen genügend Abwechslung, um über die gesamte Laufzeit spannend zu bleiben, und zeigen eine Band, die genau weiß, welchen Sound sie transportieren möchte.

Fazit: TERRORSTAHL beweisen mit »Gravitationskollaps«, dass sie nicht nur lokale Szene-Helden sind, sondern sich auch international behaupten können.

Internet

TERRORSTAHL - Gravitationskollaps - CD Review

MOONTOWERS – Lethal Messiah

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MOONTOWERS - Lethal Messiah - album artwork
MOONTOWERS - Lethal Messiah - album artwork

Band: MOONTOWERS 🇩🇪
Titel: Lethal Messiah
Label: Independent
VÖ: 12/06/26
Genre: Heavy Metal

Tracklist

01. Towerlords
02. Leviathan
03. The Absence of Empahty
04. Privatum Infernum
05. Kenoma
06. Eviscreator
07. Lethal Messiah
08. Prometheus
09. Gaias Last Call

 

Besetzung

Markus Kuschke – Guitars
Fabio Baulig – Bass
Kratz – Drums
Dirk Dommermuth – Guitars, Vocals

 

Bewertung:

4/5

Klassischer Heavy Metal mit frischer Entschlossenheit

Seit ihrer Gründung im Jahr 2017 haben sich MOONTOWERS aus Koblenz dem klassischen Heavy Metal verschrieben, ohne dabei in bloßer Nostalgie zu verharren. Die erfahrenen Musiker, deren Wurzeln unter anderem bei DESASTER, METAL INQUISITOR, SECUTOR und BLUESIDE liegen, verbinden traditionelles Songwriting mit einer modernen, druckvollen Produktion. Mit »Lethal Messiah« legt das Quartett nun sein zweites Studioalbum vor und präsentiert sich hörbar gereift. Markus Kuschke an der Gitarre, Fabio Baulig am Bass, Kratz am Schlagzeug sowie Sänger und Gitarrist Dirk Dommermuth liefern neun Stücke ab, die den Geist des klassischen Metals hochhalten und dennoch ihre eigene Identität besitzen.

Zwischen Melodie und Stahl

Schon der Opener »Towerlords« macht deutlich, wohin die Reise geht. Prägnante Riffs, ein treibender Rhythmus und eingängige Melodien schaffen einen kraftvollen Einstieg, der sofort an die goldene Ära des Genres erinnert. Dabei gelingt es der Band, bekannte Elemente nicht einfach zu kopieren, sondern mit eigener Handschrift zu versehen.

»Leviathan« setzt den eingeschlagenen Weg konsequent fort und überzeugt mit markanten Gitarrenharmonien sowie einer dynamischen Gesangsleistung von Dirk Dommermuth. Die Produktion wirkt transparent und lässt jedem Instrument ausreichend Raum, wodurch besonders die Gitarrenarbeit ihre Wirkung entfalten kann.

Mit »The Absence of Empathy« schlägt die Band leicht düsterere Töne an. Atmosphärische Passagen treffen auf druckvolle Riffs und verleihen dem Song zusätzliche Tiefe. Die Balance zwischen Härte und Melodie zählt zu den größten Stärken des Albums.

Abwechslungsreich ohne Stilbruch

Im Mittelteil zeigt sich die Vielseitigkeit von »Lethal Messiah«. »Privatum Infernum« überzeugt durch seine epische Stimmung und einen gelungenen Spannungsaufbau, während »Kenoma« mit melodischen Leads und einem eingängigen Refrain punktet. Beide Stücke unterstreichen, dass MOONTOWERS ihre Kompositionen sorgfältig strukturieren und Wert auf abwechslungsreiche Arrangements legen.

Besonders aggressiv präsentiert sich »Eviscreator«. Das Tempo wird angezogen, die Gitarren sägen kompromisslos und das Schlagzeug treibt die Komposition mit hoher Präzision voran. Trotzdem verliert die Band nie das Gespür für eingängige Melodiebögen, wodurch der Song trotz seiner Härte zugänglich bleibt.

Der Titeltrack »Lethal Messiah« gehört zweifellos zu den Höhepunkten der Platte. Hier verbinden sich hymnische Passagen mit schweren Riffs und einer dichten Atmosphäre zu einem Stück, das die Grundidee des Albums hervorragend zusammenfasst. Traditioneller Heavy Metal trifft auf eine zeitgemäße Energie, ohne seine Wurzeln zu verleugnen.

Starker Endspurt

Mit »Prometheus« folgt ein weiterer gelungener Titel, der durch sein variables Songwriting und packende Gitarrensoli auffällt. Die Band beweist hier erneut, dass sie technische Fähigkeiten stets in den Dienst der Songs stellt und nicht bloß zur Schau stellt.

Den Abschluss bildet »Gaias Last Call«, das einen würdigen Schlusspunkt setzt. Der Song entwickelt sich langsam, steigert sich kontinuierlich und hinterlässt mit seiner epischen Ausrichtung einen nachhaltigen Eindruck. Gerade dieses Finale vermittelt das Gefühl, dass MOONTOWERS nicht nur einzelne starke Songs geschrieben haben, sondern ein geschlossenes Albumkonzept verfolgen.

Tradition mit eigener Identität

Was »Lethal Messiah« besonders auszeichnet, ist die Authentizität. Die Band orientiert sich hörbar an den klassischen Tugenden des Heavy-Metal. Kraftvolle Riffs, melodische Gitarren, nachvollziehbare Songstrukturen und hymnische Refrains. Gleichzeitig vermeiden MOONTOWERS den Fehler, lediglich bekannte Vorbilder zu imitieren. Stattdessen entwickeln sie ihren eigenen Klang, der durch die Erfahrung der Musiker und deren Gespür für Atmosphäre geprägt wird.

Auch gesanglich überzeugt Dirk Dommermuth mit einer variablen Leistung, die zwischen rauer Durchsetzungskraft und melodischer Ausdrucksstärke pendelt. Die Rhythmussektion aus Fabio Baulig und Kratz liefert dazu ein solides Fundament und sorgt dafür, dass die Songs jederzeit Druck entwickeln, ohne überladen zu wirken.

Nicht jede Komposition erreicht das Niveau der stärksten Momente auf dem Album. Vereinzelt hätte etwas mehr Mut zu überraschenden Wendungen den Wiedererkennungswert weiter steigern können. Dennoch bleibt das Qualitätsniveau über die gesamte Spielzeit bemerkenswert konstant.

Mit »Lethal Messiah« gelingt MOONTOWERS ein überzeugendes Heavy-Metal-Album, das handwerkliches Können, Spielfreude und Leidenschaft miteinander verbindet. Die Mischung aus klassischen Einflüssen, starken Gitarrenmelodien und einer gelungenen Produktion sorgt für ein rundes Gesamtbild, das Fans traditionellen Metals ebenso ansprechen dürfte wie Hörer, die nach frischen Akzenten innerhalb des Genres suchen.

Die Koblenzer beweisen eindrucksvoll, dass ehrlicher Heavy-Metal auch 2026 nichts von seiner Faszination verloren hat. »Lethal Messiah« wirkt entschlossen, energiegeladen und atmosphärisch zugleich und etabliert MOONTOWERS als Band, die ihren eigenen Platz in der deutschen Metal-Landschaft weiter festigt.

Fazit: »Lethal Messiah« ist ein Album, das den Geist des klassischen Heavy-Metal atmet und gleichzeitig neue Klangfarben erkundet.

Internet

MOONTOWERS - Lethal Messiah - CD Review

Coma Beach – The Scapegoat’s Agony

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Coma Beach - The Scapegoat's Agony - album artwork
Coma Beach - The Scapegoat's Agony - album artwork

Band: Coma Beach 🇩🇪
Titel: The Scapegoat’s Agony
Label: Impact Records / DistroKid
VÖ: 11.11.1995 / digitale Wiederveröffentlichung 2021
Format: CD / Digital
Genre: Punk Rock / Alternative Rock / Post-Punk / Indie Rock

Tracklist

01. The Past Of The Future
02. Nothing Right
03. Mind Descending
04. A Madman’s Dream
05. Bliss
06. Passion
07. Jesus’ Tears
08. Astray (Fallen Angel)
09. Extreme Masochist
10. Absurd
11. Another Song
12. I Won’t Listen
13. The Final Door

Besetzung

B. Kafka – Gesang, Wahnsinn
Captain A. Fear – Gitarre, Gesang
M. Blunt – Gitarre, Gesang
U. Terror – Bass, Gesang
M. Lecter – Schlagzeug, Gesang

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Bereits im Jahr 1995 präsentierten Coma Beach aus Würzburg mit ihrem Debütalbum »The Scapegoat’s Agony« keine gewöhnliche Sammlung wütender Punknummern, sondern eine finstere Reise durch Schuld, Isolation, Selbsthass, gesellschaftliche Absurdität und die schmerzhafte Suche nach einem Sinn. Ein Album das zeigte, wie philosophisch Punk sein kann. Ursprünglich 1995 veröffentlicht und Jahrzehnte später auch digital zugänglich gemacht, ist dieses Konzeptalbum quasi wie das musikalische Tagebuch eines namenlosen Antihelden, der an der Welt, seinen Mitmenschen und nicht zuletzt an sich selbst zerbricht.

Literarische und philosophische Einflüsse von Samuel Beckett, Arthur Schopenhauer, Douglas Adams und William Shakespeare treffen dabei auf rohen Punk Rock, Alternative Rock und düsteren Post-Punk. Das Resultat ist keine akademische Vorlesung mit Gitarrenbegleitung, sondern ein kantiges, zynisches und unangenehm menschliches Album, das den Geist beschäftigt und gleichzeitig ordentlich in die Magengrube tritt.

Albumstream:

ZWISCHEN KELLERCLUB UND LITERATURSEMINAR

Schon dem Albumtitel merkt man es an: Coma Beach haben anderes im Sinn als die übliche Punk-Parole für den nächsten Aufnäher. »The Scapegoat’s Agony« verweist auf die Welt von Samuel Beckett und beschreibt die überwiegend qualvolle emotionale Odyssee eines namenlosen Antihelden. Dieser Protagonist wird zum Sündenbock, zum Außenseiter und zum verzerrten Spiegel einer Gesellschaft, die selbst kaum weniger beschädigt erscheint als er.

Die Musik klingt dabei genauso, wie diese Geschichte es verlangt: rau, trocken, ungeschönt und voller nervöser Energie. Die Gitarren schrammen und schneiden, der Bass drückt stoisch durch das Geschehen und das Schlagzeug hält die Songs mit einer direkten Punk-Attitüde auf Kurs. Darüber steht die Stimme von B. Kafka, die weniger nach sauberer Gesangsschule als nach innerem Ausnahmezustand klingt. Gerade deshalb funktioniert sie.

DIE VERGANGENHEIT KOMMT MIT DEM MESSER

»The Past Of The Future« eröffnet das Album wie eine düstere Warnung. Die Vergangenheit ist hier kein abgeschlossenes Kapitel, sondern eine Macht, die zurückkehrt, Rache fordert und jeden Versuch vereitelt, sich einfach aus der eigenen Geschichte herauszustehlen. Musikalisch wächst der Song aus einer bedrohlichen Grundstimmung zu einem treibenden Punk-Rock-Stück heran, das den Ton des gesamten Albums festlegt.

»Nothing Right« richtet den Blick anschließend nach innen. Der Antiheld sucht nach dem Sinn seines Lebens, nach Vergebung und nach einer Erklärung für sein Scheitern. Doch Antworten gibt es keine. Stattdessen arbeitet sich der Song an Selbstzweifeln, Schuld und dem Gefühl ab, im eigenen Leben lediglich eine tragische Rolle in einem längst geschriebenen Theaterstück zu spielen.

Mit »Mind Descending« wird die Spirale enger. Das Stück ist kurz, hektisch und wirkt wie ein psychischer Absturz im Zeitraffer. Alltag, Wahnsinn und groteske Bilder prallen aufeinander, während die Band das Tempo hochhält. Die Kürze ist hier eine Stärke: Der Song erklärt den Kontrollverlust nicht, sondern lässt ihn geschehen.

WAHNSINN MIT OFFENEN AUGEN

»A Madman’s Dream« setzt den geistigen Zerfall fort, wirkt aber stärker erzählerisch. Die Grenzen zwischen Traum, Krankheit und Wirklichkeit lösen sich auf. Weiße Kittel, brennende Gedanken und eine unsichtbare Bedrohung formen eine klaustrophobische Szenerie, die zwischen schwarzem Humor und ernsthafter Verzweiflung schwankt.

Musikalisch besitzt der Song einen griffigen Refrain und eine beinahe klassische Punk-Struktur. Gerade dieser Gegensatz zwischen eingängiger Form und verstörendem Inhalt macht ihn wirkungsvoll. Coma Beach benutzen Melodie nicht als Ausweg aus der Dunkelheit, sondern als Köder, der einen nur tiefer hineinzieht.

»Bliss« gehört zu den stärksten Stücken des Albums. Der Song rechnet mit freiwilliger Ignoranz, geistiger Bequemlichkeit und dem Wunsch ab, die Welt einfach in beruhigendes Rosa zu streichen. Glück wird hier nicht als erfüllter Zustand beschrieben, sondern als Produkt bewusster Blindheit. Der Refrain bleibt sofort hängen, während sein Inhalt die bequeme Selbsttäuschung seziert.

WO IST DIE LEIDENSCHAFT GEBLIEBEN?

»Passion« nimmt das Tempo zunächst etwas zurück und gibt der Gitarre mehr Raum. Im Mittelpunkt steht der Verlust jener Begeisterung, die den Antihelden einst angetrieben hat. Was früher Leidenschaft war, ist inzwischen zu Asche, Routine und Frustration geworden.

Der Song steigert sich langsam und lässt die wiederkehrende Frage nach der verschwundenen Leidenschaft zunehmend verzweifelt erscheinen. B. Kafka trägt diese Entwicklung überzeugend, weil seine Stimme nicht versucht, den Schmerz elegant zu gestalten. Sie bleibt rau, gepresst und unmittelbar. Besonders im letzten Drittel wird aus der Frage ein beinahe manischer Ruf nach Erlösung.

Mit fast fünf Minuten gehört »Passion« zu den längeren Nummern. Einige Wiederholungen hätten durchaus gestrafft werden können, zugleich braucht das Stück diese Beharrlichkeit, um seinen Zustand emotionaler Gefangenschaft zu vermitteln.

KREUZIGUNG, RACHE UND FALSCHE MESSIASSE

»Jesus’ Tears« arbeitet mit drastischen religiösen Bildern. Der Antiheld erscheint als Gekreuzigter, dessen Leiden nicht zur Läuterung führt. Statt Reue entsteht Rache. Die religiöse Symbolik wird damit umgedreht: Erlösung bleibt aus, das Opfer verweigert die erwartete Demut und hält selbst im Sterben an seinem Zorn fest.

Die Band spielt dazu überraschend melodisch, ohne dem Stück seine Schärfe zu nehmen. Die Gitarren bleiben punkig und direkt, während der Refrain eine fast hymnische Wirkung entfaltet. Genau diese Mischung aus sakraler Bildsprache und schmutziger Straßenenergie sorgt für einen der markantesten Momente des Albums.

Noch bissiger wird »Astray (Fallen Angel)«. Der Song nimmt selbst ernannte Erlöser, religiöse Geschäftemacherei und geistige Unterwerfung ins Visier. Der angebotene Frieden besitzt einen Preis: Freiheit, Besitz, Lust, Individualität und schließlich der eigene Wille sollen aufgegeben werden.

Coma Beach präsentieren diese Botschaft nicht als trockene Religionskritik, sondern als zynische Predigt. Der vermeintliche Messias will keinen Menschen befreien, sondern ihn brechen. Musikalisch besitzt das Stück einen treibenden, leicht post-punkigen Unterbau und einen Refrain, dessen Eingängigkeit beinahe unangenehm gut zur Manipulation im Text passt.

SCHMERZ ALS LETZTER BEWEIS DES LEBENS

»Extreme Masochist« ist knapp, brutal und ohne höfliche Vorwarnung. Schmerz wird zum letzten Mittel, überhaupt noch etwas zu empfinden. Die überspitzten Gewaltdarstellungen wirken dabei weniger wie eine Feier körperlicher Qual als wie die Konsequenz vollständiger innerer Abstumpfung.

Das Stück gehört zu den direktesten Punk-Attacken des Albums. Schlagzeug und Bass treiben vorwärts, die Gitarren sägen sich durch die kurze Spielzeit und der Refrain reduziert die gesamte Existenz auf eine bittere Gleichung: Leben bedeutet Schmerz. Subtil ist das nicht, aber wirkungsvoll.

WILLKOMMEN IN DER ABSURDEN WELT

Mit »Absurd« erreicht das philosophische Fundament des Albums seinen deutlichsten Ausdruck. Der Song betrachtet die Menschheit aus einer entfremdeten Perspektive und beschreibt eine Spezies, die Bücher schreibt, ihre Toten begräbt, nach Macht und Reichtum jagt und sich gleichzeitig an Vorstellungen klammert, die ihr Sicherheit geben sollen.

Hier begegnen sich die Sinnlosigkeit bei Samuel Beckett, der metaphysische Pessimismus Arthur Schopenhauers und der schwarze Humor von Douglas Adams. Das Ergebnis bleibt jedoch Punk und wird nicht zur vertonten Hausarbeit. Der Refrain ist spöttisch, aggressiv und eingängig genug, um auch ohne Kenntnis der philosophischen Hintergründe zu funktionieren.

Mit mehr als fünf Minuten ist »Absurd« der längste Track des Albums. Nicht jede Wiederholung wäre zwingend notwendig gewesen, doch die monotone Beharrlichkeit unterstreicht den Eindruck einer Menschheit, die sich unaufhörlich im selben Wahnsinn dreht.

DAS LEBEN IST EIN HIT – UND EIN SCHLAG INS GESICHT

»Another Song« verbindet einen beinahe ausgelassenen Punk-Refrain mit düsteren Momentaufnahmen. Wünsche scheitern, Träume werden zerstört und hinter den vermeintlichen Erfolgsformeln des Lebens warten Leere, Gewalt und Verzweiflung. Der Song klingt stellenweise fast beschwingt, während der Text ein Bild nach dem anderen zerlegt.

Dieser Gegensatz ist eine der großen Stärken von Coma Beach. Die Band muss nicht ständig langsam und schwermütig spielen, um Dunkelheit zu erzeugen. Manchmal wirkt der Zynismus gerade dann am stärksten, wenn der Refrain zum Mitsingen einlädt.

»I Won’t Listen« verwandelt den Antihelden endgültig in einen radikalen Verweigerer. Er will weder Ratschläge noch Trost, Anerkennung oder gesellschaftliche Teilhabe. Die Außenwelt erscheint als endloses Stimmengewirr aus bedeutungslosen Phrasen, falscher Moral und stumpfer Pflichterfüllung.

Das Stück besitzt eine klare Punk-Rock-Kante und gehört zu den eingängigsten Nummern des Albums. Die zentrale Verweigerungshaltung wird allerdings nicht als heroische Rebellion romantisiert. Sie ist zugleich Schutzschild und Gefängnis. Der Antiheld widersetzt sich der Welt, verliert dadurch aber auch jede Möglichkeit, noch mit ihr in Verbindung zu treten.

DIE LETZTE TÜR FÜHRT NACH UNTEN

»The Final Door« beschließt die Reise mit einer kurzen, finsteren Abrechnung. Der Tod öffnet keine friedliche Tür, sondern führt in ein Reich der Schuld und Vergeltung. Wer anderen Schmerz zugefügt hat, soll nun selbst erfahren, was er angerichtet hat.

Als Schlussstück ist die Nummer bewusst einfach und kompromisslos gehalten. Nach all den Zweifeln, Widersprüchen und philosophischen Fragen steht am Ende kein versöhnliches Ergebnis. Die Reise des Antihelden mündet nicht in Erkenntnis, sondern in einer letzten Drohung.

Dass der Track vergleichsweise kurz ausfällt, passt zu seiner Funktion. »The Final Door« ist kein großes Finale mit Feuerwerk, sondern das Geräusch einer Tür, die zufällt und sich nicht mehr öffnen lässt.

FÜNF MUSIKER IM INNEREN AUSNAHMEZUSTAND

Die Musik von Coma Beach lebt nicht von technischer Selbstdarstellung. Captain A. Fear und M. Blunt setzen auf kantige Akkorde, schneidende Punk-Riffs und melodische Figuren, die den Songs genügend Wiedererkennungswert geben. Die Gitarren klingen bewusst unpoliert und vermeiden jeden überflüssigen Zierrat.

U. Terror hält das Material mit einem präsenten Bass zusammen. Gerade in den post-punkigeren Momenten trägt das Instrument entscheidend zur düsteren Atmosphäre bei. M. Lecter spielt geradlinig und druckvoll, ohne die Stücke mit unnötigen Details zu überfrachten. Seine Aufgabe besteht darin, den inneren Aufruhr in Bewegung zu halten – und genau das gelingt.

Über allem steht B. Kafka. Sein Gesang kann anstrengend, gepresst und bewusst unschön wirken. Doch eine glatte Stimme würde diese Texte entkräften. Er klingt nicht wie ein neutraler Erzähler, sondern wie die Figur, die all diese Abgründe tatsächlich durchlebt. Zwischen Zynismus, Panik, Wut und Erschöpfung entwickelt er eine Ausdruckskraft, die wichtiger ist als technische Perfektion.

ROHE PRODUKTION STATT GLÄNZENDER FASSADE

Man hört »The Scapegoat’s Agony« sein Entstehungsjahr an. Die Produktion besitzt nicht die Breite, Klarheit oder Lautstärke moderner Punk-Alben. Manche Instrumente stehen eng beieinander, einzelne Übergänge wirken kantig und der Gesang schiebt sich gelegentlich sehr dominant in den Vordergrund.

Das ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits fehlt manchen Songs etwas mehr räumliche Tiefe und dynamische Differenzierung. Andererseits würde eine sterile Hochglanzproduktion dieser Musik einen großen Teil ihrer Identität nehmen. Das Album klingt wie eine Aufnahme, die nicht erst durch mehrere Marketingabteilungen und Klangoptimierungsprogramme laufen musste.

Auch kompositorisch ist nicht jede Idee perfekt austariert. Einzelne Refrains werden häufiger wiederholt, als es für ihre Wirkung notwendig wäre, und die philosophischen Gedanken werden gelegentlich sehr direkt ausgesprochen. Doch selbst diese Schwächen passen zu einer Band, die lieber zu viel ausdrückt, als sich in unverbindlicher Coolness zu verstecken.

PUNK, DER NICHT VOR DEM DENKEN DAVONLÄUFT

Die entscheidende Stärke von »The Scapegoat’s Agony« liegt in der Verbindung aus unmittelbarer Punk-Energie und einem durchgehenden literarischen Konzept. Die Songs funktionieren als einzelne Stücke, bilden gemeinsam aber eine wesentlich größere Erzählung über einen Menschen, der sich selbst und seine Umwelt nur noch als feindliche Kräfte wahrnimmt.

Dabei verherrlichen Coma Beach ihren Antihelden nicht. Seine Wut besitzt nachvollziehbare Gründe, doch seine Verweigerung, sein Hass und seine Rachefantasien treiben ihn immer weiter in die Isolation. Er ist Opfer und Täter, Beobachter und Beteiligter, Sündenbock und Mitverursacher seiner eigenen Qual.

Genau dadurch bleibt das Album interessant. Es liefert keine einfachen Schuldzuweisungen und auch keine beruhigenden Lösungen. Stattdessen zwingt es seine Hörer dazu, sich mit den hässlichen Widersprüchen der menschlichen Existenz auseinanderzusetzen. Und während der Kopf noch über Beckett, Schopenhauer oder die Absurdität des Lebens nachdenkt, setzt der nächste Punk-Refrain bereits zum Tritt gegen das Schienbein an.

FAZIT:

»The Scapegoat’s Agony« ist ein rohes, düsteres und ungewöhnlich gedankenreiches Punk-Album. Coma Beach verbinden die Energie von Punk Rock und Alternative Rock mit literarischen Motiven, schwarzem Humor und einer pessimistischen Betrachtung der menschlichen Existenz.

Besonders »The Past Of The Future«, »Bliss«, »Passion«, »Jesus’ Tears«, »Absurd« und »I Won’t Listen« zeigen, wie wirkungsvoll diese Verbindung sein kann. Die raue Produktion, einige ausgedehnte Wiederholungen und gelegentlich sehr direkte Texte verhindern eine höhere Wertung, gehören aber gleichzeitig zum eigenwilligen Charakter des Albums.

Wer Punk nur als schnelle Akkorde, Lederjacken und drei Minuten Rebellion versteht, findet hier eine deutlich komplexere Angelegenheit. Coma Beach liefern den Soundtrack für eine Welt, in der Godot weiterhin nicht erscheint, der Mensch trotzdem auf ihn wartet und währenddessen wütend gegen die Wand des eigenen Daseins schlägt. Dafür gibt es eine ganz klare Empfehlung!

Lyric Video: The Final Door

Internet

Coma Beach - The Scapegoat’s Agony - CD Review

FLESHCRAWL – Epitome Of Carnage

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FLESHCRAWL - Epitome Of Carnage - album artwork
FLESHCRAWL - Epitome Of Carnage - album artwork

Band: FLESHCRAWL 🇩🇪
Titel: Epitome Of Carnage
Label: Distortion Music Group (DMG)
VÖ: 12/06/26
Genre: Death Metal

Tracklist

01. Blood Dominion
02. Chapel Of Guts
03. Grave Messiah
04. Embers Of Wrath
05. Comitted To Suffer
06. Reign Forever
07. Chronicles Of Blododshed
08. Rebuild From Flesh
09. Orphan God
10. Path Of Thorns
11. Heralds Of Death
12. Of Fire And Flesh

 

Besetzung

Bastian Herzog – Drums, Vocals
Manu Markowski – Bass
Apu Justin Reisch – Guitars
Christian Kalbrecht – Guitars
Borisz Sarafutgyinov – Vocals

 

Bewertung:

4/5

Deutscher Death-Metal mit ungebrochener Wucht

Seit beinahe vier Jahrzehnten zählen FLESHCRAWL zu den verlässlichen Größen des deutschen Death Metal. Gegründet wurde die Band 1987 im bayerischen Illertissen von Stefan Hanus und Bastian Herzog. Nach den frühen Tagen unter den Namen MORGÖTH und SUFFOCATION fand die Gruppe schließlich zu ihrem bis heute bekannten Namen. Über die Jahre entwickelte sich FLESHCRAWL zu einer festen Institution des Genres und blieb ihrem kompromisslosen Stil stets treu. Nach dem 2019 erschienenen »Into the Catacombs of Flesh« schlägt die Formation nun gemeinsam mit ihrem neuen Label Reigning Phoenix Music das nächste Kapitel auf. Das Ergebnis trägt den passenden Titel »Epitome Of Carnage«.

Alte Schule mit frischer Energie

Schon der Opener »Blood Dominion« macht deutlich, wohin die Reise geht. Schwere Gitarrenriffs, donnernde Drums und ein massives Fundament aus Bass und Gesang sorgen für einen wuchtigen Einstieg. FLESHCRAWL versuchen nicht, Trends hinterherzulaufen oder moderne Spielereien einzubauen. Stattdessen setzen sie konsequent auf den klassischen europäischen Death-Metal-Sound, der durch Präzision und rohe Kraft überzeugt.

Mit »Chapel Of Guts« und »Grave Messiah« legt die Band unmittelbar nach. Die Gitarrenarbeit von Apu Justin Reisch und Christian Kalbrecht verbindet eingängige Riffs mit melodischen Ansätzen, ohne die nötige Härte einzubüßen. Dabei gelingt es den Musikern, den Songs jeweils eine eigene Identität zu verleihen, obwohl sich das Album stilistisch klar innerhalb seines Genres bewegt.

Druckvolle Produktion und starke Rhythmusarbeit

Ein wesentlicher Pluspunkt des Albums ist die druckvolle Produktion. Jeder Instrumentalpart besitzt genügend Raum, ohne dass die rohe Atmosphäre verloren geht. Besonders Schlagzeuger Bastian Herzog überzeugt mit kraftvollen Rhythmen und präzisem Spiel, das den Songs konstant Vortrieb verleiht. Gemeinsam mit Bassist Manu Markowski entsteht ein solides Fundament, auf dem sich die Gitarren frei entfalten können.

Auch gesanglich präsentiert sich die Band variabel. Die tiefen Growls von Borisz Sarafutgyinov sorgen für die nötige Bedrohlichkeit, während Herzogs ergänzende Vocals zusätzliche Dynamik schaffen. Dadurch gewinnen Stücke wie »Committed To Suffer« oder »Reign Forever« an Intensität und entwickeln eine beeindruckende Durchschlagskraft.

Zwischen Brutalität und Atmosphäre

Besonders gelungen ist die Balance zwischen kompromissloser Härte und atmosphärischen Momenten. »Embers Of Wrath« baut mit seinen Tempowechseln Spannung auf, ehe die Band wieder in gnadenlose Riffattacken verfällt. »Chronicles Of Bloodshed« entwickelt sich zu einem der Höhepunkte des Albums und verbindet technische Präzision mit einer düsteren Stimmung, die lange nachhallt.

Mit »Rebuild From Flesh« und »Orphan God« beweisen FLESHCRAWL zudem, dass eingängige Songstrukturen auch im Death-Metal funktionieren können. Die Refrains bleiben zwar nicht im klassischen Sinn hängen, doch markante Gitarrenmotive sorgen für Wiedererkennungswert und machen die Stücke auch nach mehreren Durchläufen interessant.

Keine Experimente, dafür Konsequenz

Wer Innovationen oder stilistische Grenzgänge sucht, wird auf »Epitome Of Carnage« kaum fündig. Genau darin liegt allerdings auch eine der größten Stärken des Albums. FLESHCRAWL wissen seit Jahren, wofür sie stehen, und liefern genau das ab! Kompromisslosen Death-Metal ohne unnötige Schnörkel.

»Path Of Thorns« und »Heralds Of Death« setzen diesen Weg konsequent fort und erinnern in ihrer Direktheit an die Hochphase der Neunzigerjahre. Das abschließende »Of Fire And Flesh« rundet das Album mit einer düsteren und kraftvollen Schlussnote gelungen ab und hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

»Epitome Of Carnage« zeigt eine Band, die auch nach Jahrzehnten nichts von ihrer Entschlossenheit verloren hat. FLESHCRAWL präsentieren zwölf Songs voller Energie, massiver Riffs und kompromissloser Härte, ohne sich in Beliebigkeit zu verlieren. Die starke Produktion, die eingespielte Rhythmussektion und die überzeugende Gitarrenarbeit sorgen dafür, dass das Album über die gesamte Spielzeit fesselt.

Zwar fehlen echte Überraschungsmomente, doch die konsequente Ausrichtung auf klassischen Death Metal macht die Platte gerade für Fans der alten Schule äußerst reizvoll. Wer auf schwere Grooves, düstere Atmosphäre und ehrliche Härte setzt, bekommt hier ein rundum gelungenes Werk serviert.

Fazit: Mit »Epitome Of Carnage« demonstrieren FLESHCRAWL, dass sie nach über drei Jahrzehnten im Geschäft nichts von ihrer Intensität eingebüßt haben.

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FLESHCRAWL - Epitome Of Carnage - CD Review

Frozen Sand – Fractals: A Light Among Shadows

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Frozen Sand - FRACTALS A LIGHT AMONG SHADOWS - cover artwork
Frozen Sand - FRACTALS A LIGHT AMONG SHADOWS - cover artwork

Band: Frozen Sand 🇮🇹
Titel: FRACTALS: A LIGHT AMONG SHADOWS
Label: Independent
VÖ: 15.05.2026
Format: CD / Digital
Genre: Modern Progressive Metal / Alternative Metal / Djent / Metalcore / Prog Rock

Tracklist

01. Midnight
02. Trauma
03. Nothingness
04. Fracture
05. Neverending Circle
06. Specters in my Dreams
07. Meet the Enemy
08. The Aftertaste
09. Freezing Time, Seizing Space (The Final Chronicle)

Besetzung

Luke „The Dreamer“ – Gesang
Fede „The Rational“ – Gitarre
Tia „The Skeptic“ – Gitarre
Tizi „The Enigmatic“ – Bass
Simo „The Mediator“ – Schlagzeug

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

Frozen Sand aus Italien verstehen sich nicht einfach als Band, sondern als Erzähler eines größeren musikalischen Kosmos. Mit »FRACTALS: A LIGHT AMONG SHADOWS« führen sie ihre »Fractals«-Saga weiter und verbinden Modern Progressive Metal, Alternative Metal, Djent, Metalcore, Prog Rock und Power-Metal-Anklänge zu einem ambitionierten Konzeptalbum. Im Zentrum stehen innere Konflikte, Erinnerungen, Zeit, Trauma, Selbstbegegnung und die Frage, ob man aus Schatten wirklich Licht formen kann.

Albumstream:

PROGRESSIVE METAL ALS ERZÄHLFORM

»Midnight« eröffnet das Album mit einer düsteren Schwelle. Die Mitternacht steht hier nicht bloß für eine Uhrzeit, sondern für einen psychischen Kipppunkt: Schatten, Zweifel und der drohende Verlust innerer Sicherheit rücken in den Vordergrund. Musikalisch setzen Frozen Sand diese Stimmung mit schweren Riffs, atmosphärischen Keyboardfarben und einem Wechselspiel aus melodischem Gesang und härteren Ausbrüchen um.

Luke „The Dreamer“ zeigt direkt, dass er die zentrale Erzählerfigur dieses Albums ist. Seine Stimme trägt die dramatischen Linien, kann melodisch öffnen und im nächsten Moment aggressiver zupacken. Das passt zu einem Album, das nicht nur Songs aneinanderreiht, sondern eine Geschichte über innere Brüche erzählt.

TRAUMA, LEERE UND DER KAMPF MIT DEM SELBST

»Trauma« geht tiefer in die psychologische Ebene. Der Song wirkt wie ein Gang durch ein inneres Labyrinth, in dem Erinnerungen nicht verschwinden, sondern immer wieder mit neuer Wucht zurückkommen. Hier geht es um Schuld, Angst, alte Wunden und den Moment, in dem Verdrängung nicht mehr funktioniert. Die Band verbindet emotionale Clean-Passagen mit härterer Metalcore-Schlagseite, wodurch der innere Druck musikalisch greifbar wird.

»Nothingness« setzt danach stärker auf Atmosphäre. Der Song beschreibt einen Zustand der Entleerung, in dem Inspiration, Orientierung und Identität langsam ausfransen. Die ruhigen Passagen sind hier besonders wichtig, weil sie nicht bloß Pause vor dem nächsten Ausbruch sind, sondern den Kern des Stücks tragen. Tizi „The Enigmatic“ hält mit seinem Bass das Fundament dicht und warm, während die Gitarren von Fede „The Rational“ und Tia „The Skeptic“ eher schichten als nur drücken.

FRAKTUR MIT KANTE

Mit »Fracture« kommt einer der härtesten und direktesten Momente der Platte. Inhaltlich steht der Song für den Bruch der eigenen Gewissheiten. Das Gegenüber ist nicht irgendein äußerer Feind, sondern die dunkle Spiegelung des Selbst, die sich aus Angst, Wut und Kontrollverlust zusammensetzt. Genau hier greifen Konzept und Musik besonders gut ineinander.

Aufgebaut auf ein massives Fundament aus Simo „The Mediator“ am Schlagzeug und Tizi am Bass werden die Gitarren modern, kantig und mit Djent-Präzision daraufgesetzt. Fede und Tia arbeiten nicht mit ziellosem Gefrickel, sondern mit Riffs, die gleichzeitig technisch und songdienlich sind. Die harten Vocals setzen dazu die nötige Schärfe. Das ist progressiv, aber nicht verkopft.

KREISE, TRÄUME UND VERLUST

»Neverending Circle« dreht sich um Rückschau, Erinnerung und die Gefahr, sich in vergangenen Zuständen zu verlieren. Der Song hat eine bittersüße Grundstimmung und arbeitet mit einem starken Kontrast aus Melodie, dunklerem Riffing und progressiven Wendungen. Besonders die Gitarrenarbeit fällt positiv auf: Die Leads sind technisch sauber, aber nicht überladen, und die Rhythmusgitarren geben dem Stück genug Schwere.

»Specters in my Dreams« ist deutlich emotionaler angelegt. Hier geht es um Traumbilder, Geister der Vergangenheit, Verlust und die Sehnsucht nach einem Gesicht, das nur noch in Erinnerung oder Traumwelt erreichbar scheint. Der Song bewegt sich stärker in Richtung Ballade und Prog-Theater, ohne komplett aus dem Metal-Kontext zu fallen. Nicht jeder Übergang wirkt völlig selbstverständlich, aber die emotionale Absicht ist klar: Dieses Stück soll nicht prügeln, sondern nachhallen.

DER FEIND IM SPIEGEL

»Meet the Enemy« ist der offensichtliche Single-Höhepunkt und zugleich einer der griffigsten Songs des Albums. Inhaltlich verhandelt der Track die Begegnung mit dem eigenen Schatten, dem Doppelgänger, dem inneren Gegner. Die deutschsprachigen Einschübe verstärken diesen Spiegelcharakter und geben dem Song eine unheimliche, fast theatralische Note.

Musikalisch ist das eine starke Verbindung aus Alternative Metal, Metalcore, Djent und progressiver Dramaturgie. Simo spielt präzise und druckvoll, ohne alles plattzuwalzen. Tizi sorgt für Tiefe, während Fede und Tia eine Gitarrenwand bauen, die trotz moderner Produktion transparent bleibt. Luke liefert dazu eine seiner überzeugendsten Leistungen des Albums: melodisch, aggressiv, erzählerisch und mit klarem Wiedererkennungswert.

BITTERER NACHKLANG UND LETZTES KAPITEL

»The Aftertaste« bringt Reife in das Album. Der Song schaut weniger auf den unmittelbaren Kampf, sondern stärker auf das, was nach der Krise bleibt. Aus Schwarz-Weiß-Denken wird Graustufe, aus Schmerz wird Erfahrung, aus Wut wird Akzeptanz. Diese Nummer gehört zu den stärkeren melodischen Momenten der Platte, weil sie Gefühl zeigt, ohne in überzogenen Kitsch abzurutschen.

Mit »Freezing Time, Seizing Space (The Final Chronicle)« schließen Frozen Sand das Album groß und bewusst ausladend ab. Das Finale wirkt wie ein letzter Blick auf die gesamte Saga: Zeit wird angehalten, Raum wird gedehnt, Erinnerungen und Identität werden noch einmal zusammengeführt. Der Song setzt stärker auf orchestrale und atmosphärische Elemente. Das ist ambitioniert und nicht für jeden sofort zugänglich, aber als Schlusspunkt funktioniert es, weil es die konzeptionelle Größe des Albums noch einmal unterstreicht.

MUSIKER, DIE NICHT NUR SPIELEN, SONDERN ERZÄHLEN

Die größte Stärke von »FRACTALS: A LIGHT AMONG SHADOWS« liegt im Zusammenspiel der Band. Luke „The Dreamer“ trägt mit seinem vielseitigen Gesang den erzählerischen Kern. Er kann Pathos, Aggression und Verletzlichkeit glaubwürdig verbinden, auch wenn einzelne sehr dramatische Passagen sicher Geschmackssache bleiben.

Fede „The Rational“ und Tia „The Skeptic“ liefern eine starke Gitarrenarbeit zwischen modernen Djent-Kanten, progressiven Figuren, melodischen Leads und kräftigen Metalcore-Ausbrüchen. Tizi „The Enigmatic“ ist am Bass nicht bloß Begleiter, sondern hält das Material auch in komplexeren Passagen stabil zusammen. Simo „The Mediator“ überzeugt am Schlagzeug mit präzisen Wechseln, kräftigem Druck und einem guten Gespür dafür, wann ein Song Kontrolle braucht und wann er losbrechen darf.

AMBITION MIT KLEINEN REIBUNGEN

Ganz ohne Reibung bleibt dieses Album nicht. Frozen Sand wollen viel: Konzept, Charaktere, progressive Strukturen, moderne Härte, Power-Metal-Momente, Balladenanteile, Djent, Metalcore und erzählerische Dramatik. Meist funktioniert diese Mischung stark, manchmal wirken einzelne Übergänge aber etwas sprunghaft. Das ist kein echter Bruch, aber man merkt, dass die Band eher zu viel erzählen will als zu wenig.

Gerade das macht »FRACTALS: A LIGHT AMONG SHADOWS« aber auch interessant. Dieses Album ist nicht glatt, nicht klein und nicht bequem. Es ist ein Werk mit spürbarem Anspruch, starken Musikern und einer klaren erzählerischen Identität. Wer Progressive Metal nur als technische Sportart versteht, wird hier überrascht. Wer Geschichten, Emotionen und moderne Härte zusammen hören will, bekommt ein sehr starkes Album.

FAZIT:

»FRACTALS: A LIGHT AMONG SHADOWS« ist ein ambitioniertes, stark gespieltes und emotional dichtes Progressive-Metal-Album, das moderne Härte, Djent, Alternative Metal und erzählerischen Anspruch überzeugend verbindet. Frozen Sand glänzen besonders bei »Fracture«, »Neverending Circle«, »Meet the Enemy« und »The Aftertaste«, auch wenn einzelne Übergänge etwas überladen wirken. Für Fans von Periphery, TesseracT, Karnivool, Protest The Hero und moderner Konzeptalben gibt es starke 3,5 von 5 Punkten.

Musikvideo: Meet the Enemy

Internet

Frozen Sand - FRACTALS: A LIGHT AMONG SHADOWS - CD Review

DEAD SLEEP – Repulsion

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DEAD-SLEEP_Repulsion
DEAD-SLEEP_Repulsion

Band: DEAD SLEEP 🇸🇪
Titel: Repulsion
Label: Self-Released
VÖ: 12/06/26
Genre: Death/Thrash Metal

Tracklist

01. Repulsion
02. Hell Hath No Fury
03. Children Of The Blade
04. Leech From Cachtice
05. Bring Me The Head

 

Besetzung

Anna Wagner – Vocals, Bass
Marcus Bader – Guitar
Per Olofsson – Drums

 

Bewertung:

3,5/5

Mit „Repulsion“ legen DEAD SLEEP eine EP vor, die tief in den Wurzeln des Death Metal verankert ist, dabei jedoch viele moderne Akzente setzt. Die Band kombiniert klassische Death-Metal-Riffs mit thrashigen Schlagzeugparts, einem druckvollen Bassfundament und einer spürbaren Leidenschaft für die Anfänge des Extreme Metals.

Kurz-Biografie

Die aus Malmö stammenden DEAD SLEEP bewegen sich seit ihrer Gründung zwischen Old-School-Death-Metal, Thrash und einer ordentlichen Portion Punk-Attitüde. Mit der EP „Repulsion“ präsentiert sich das Trio direkter und kompromissloser denn je. Inhaltlich widmet sich die Band Themen wie Macht, Mutterschaft und gesellschaftlichen Rollenbildern, während musikalisch rohe Extreme-Metal-Einflüsse auf eingängige Grooves und klassische Heavy-Metal-Elemente treffen.

Ungewöhnlich präsenter Bass und charakterstarke Vocals

Besonders auffällig ist bei DEAD SLEEP die Rolle des Basses, der auf der gesamten EP ungewöhnlich präsent im Klangbild steht. Bedenkt man, dass die Band ein Trio mit nur einer Gitarre ist, macht es allerdings Sinn, dass der Bass derartig wuchtig klingt. Zusammen mit der Stimme von Sängerin Anna Wagner bildet er das markanteste Alleinstellungsmerkmal der Schweden. Wagner liefert eine intensive und emotionale Performance ab, die stellenweise Erinnerungen an Angela Gossow weckt. Ihre Stimme verleiht den Songs Charakter und Wiedererkennungswert. Gleichzeitig gibt es jedoch Momente, in denen die Vocals so wirken, als würden sie an ihre Grenzen stoßen. Ob bewusst eingesetztes Stilmittel oder technische Eigenheit – diese Passagen können gelegentlich etwas aus dem Hörfluss reißen.

Energetisch und mitreißend

Musikalisch überzeugt „Repulsion“ vor allem durch seine Energie. Der Titelsong eröffnet die EP mit mitreißenden Grooves, starken Hooks und einer Dynamik, die unmittelbar zum Headbangen einlädt. Auch „Children of the Blade“ punktet mit einem äußerst eingängigen Hauptriff und einem gelungenen Spannungsbogen, während das düstere Outro zu den stärkeren Momenten der Veröffentlichung zählt. Mit „Leech From Cachtice“ zeigen DEAD SLEEP am deutlichsten, wie effektiv sie unterschiedliche Einflüsse miteinander verbinden können. Ein klassisch anmutendes Heavy-Metal-Riff trifft auf deutlich finsterere, beinahe Black-Metal-artige Passagen. Dieses Wechselspiel verleiht dem Song eine Eigendynamik, die ihn aus dem restlichen Material heraushebt und gleichzeitig verdeutlicht, welches kreative Potenzial in der Band steckt.

Die kreativen Grenzen

Generell profitieren die Songs von einem guten Gespür für Rhythmus und Eingängigkeit. Die thrashigen Beats treiben das Material konsequent nach vorne, während zahlreiche Groove-Momente dafür sorgen, dass die EP trotz ihrer Härte stets zugänglich bleibt. Gleichzeitig werden im Verlauf der Spielzeit auch die kreativen Grenzen des Songwritings sichtbar. Viele Ideen bewegen sich innerhalb bekannter Genre-Konventionen, und nicht jeder Ansatz wird bis zu seinem möglichen Höhepunkt weiterentwickelt. Gerade Stücke wie „Hell Hath No Fury“ lassen erkennen, dass die Band interessante Spannungsmomente aufbaut, diese aber nicht immer in unerwartete Richtungen weiterführt.

Fazit: DEAD SLEEP beherrschen die Kunst des klassischen Death Metals, schöpfen ihr kreatives Potenzial aber noch nicht vollständig aus. „Repulsion“ macht Spaß und besitzt Charakter, lässt jedoch Raum für weitere Entwicklung.

Internet

DEAD SLEEP – Repulsion

My Own Will – Misery

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My Own Will - Misery - cover artwork
My Own Will - Misery - cover artwork

Band: My Own Will 🇺🇸
Titel: Misery
Label: Bleeding Art Collective / Blood Blast Distribution
VÖ: 04.06.2026
Format: Digital EP
Genre: Deathcore / Death Metal Driven Hardcore / Metallic Hardcore

Tracklist

01. Misery
02. Rorschach
03. Forsaken
04. Phobos

Besetzung

Dave Keoppen – Gesang
Kyle Cummings – Gitarre
Max Kushner – Bass, Engineering, Produktion
Danny Cummings – Schlagzeug

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

My Own Will aus Michigan liefern mit »Misery« eine kurze, aber ziemlich kompromisslose EP zwischen Deathcore, Metallic Hardcore und death-metallischem Groove. Vier Songs, knapp 13 Minuten Spielzeit, kein Leerlauf: Die Band setzt auf dicke Riffs, harte Breakdowns, wuchtige Rhythmik und eine Stimmung, die aus Frust, Wut und direkter körperlicher Wirkung gebaut ist. Das ist kein verkopftes Konzeptwerk, sondern eine sehr fokussierte Ansage: rein, kaputtmachen, raus.

YouTube Art Playlist: Misery

VIER SONGS, EIN KLARES ZIEL

»Misery« eröffnet die EP mit genau der Haltung, die der Titel verspricht. Die Nummer arbeitet mit wechselnden Geschwindigkeiten, tief gestimmten Riffs und einer Vocal-Performance von Dave Keoppen, die zwischen Wut, Druck und kontrolliertem Kontrollverlust pendelt. Inhaltlich geht es nicht um eine große versteckte Botschaft, sondern um das, was der Sound unmittelbar auslöst: Aggression, Anspannung und ein Gefühl von innerem Überdruck.

Gerade Keoppen macht hier den Unterschied. Seine Stimme wirkt nicht wie ein austauschbarer Deathcore-Standard, sondern trägt diese hardcoreartige Direktheit, die den Songs mehr Körper gibt. Er brüllt nicht einfach über die Musik, sondern setzt rhythmische Akzente, die sich eng mit den Gitarren und dem Schlagzeug verzahnen.

GROOVE, ZORN UND TESTBILD

»Rorschach« ist der vielleicht typischste My Own Will-Song auf dieser EP. Der Song richtet sich thematisch gegen Blender, falsche Prediger und Menschen, die sich moralisch größer machen, als sie sind. Musikalisch passt das perfekt: Das Stück ist konfrontativ, groovt schwer und baut seine Wirkung aus abgehackten Riffs, Stakkato-Passagen und Breakdowns, die nicht einfach als Pflichtprogramm wirken.

Kyle Cummings liefert dazu Gitarrenarbeit, die nicht auf Solo-Schau setzt, sondern auf Druck, Präzision und kurze giftige Kanten. Aufgebaut auf ein massives Fundament aus Danny Cummings am Schlagzeug und Max Kushner am Bass werden die Gitarren exakt dort aufgesetzt, wo sie maximal drücken müssen. Das ist kompakt, effizient und live sicher ein Abriss.

GESELLSCHAFTSKRITIK MIT BREAKDOWN-KANTE

»Forsaken« bringt eine deutlich gesellschaftskritische Ebene hinein. Der Song dreht sich um soziale Ungleichheit, Machtverhältnisse und das Gefühl, dass viele Menschen im Alltag so sehr mit Überleben beschäftigt sind, dass kaum noch Raum für Orientierung oder Widerstand bleibt. Das ist kein plattes Parolenstück, sondern eine wütende Bestandsaufnahme, die zur musikalischen Form passt.

Hier zeigt sich auch, wie wichtig Max Kushner für den Gesamtdruck ist. Sein Bass hält die tiefe Gewalt zusammen, während die Produktion den Song nicht in Soundmatsch versenkt. Die EP klingt massiv, aber transparent genug, damit die Rhythmusarbeit nicht untergeht. Danny Cummings wiederum spielt nicht bloß stumpf nach vorne, sondern setzt die nötigen Tempowechsel und Betonungen, damit die Breakdowns auch wirklich Gewicht bekommen.

ANGST ALS SCHLUSSPUNKT

»Phobos« beendet die EP mit einem düsteren Schlussakkord. Schon der Titel verweist auf Angst, und genau so funktioniert der Song auch: weniger als reiner Speed-Ausbruch, mehr als gedrückte, bedrohliche Verdichtung. Die Gitarren walzen, der Bass schiebt, das Schlagzeug hämmert kontrolliert, und Keoppen zieht die Vocals noch einmal tiefer in diese Mischung aus Bedrohung und Wut.

Das Starke an »Misery« ist nicht, dass My Own Will hier die Welt neu erfinden. Die Stärke liegt in der Konsequenz. Jeder Song hat einen Zweck, jeder Breakdown sitzt an einer sinnvollen Stelle, und die Band wirkt geschlossen. Man hört, dass hier vier Musiker an einem gemeinsamen Sound arbeiten und nicht einzelne Bausteine nebeneinanderstellen.

FAZIT:

»Misery« ist eine kurze, brutale und sehr fokussierte EP, die Deathcore, Death Metal und Hardcore mit sauberem Groove und starker Live-Wirkung verbindet. My Own Will liefern keine Minute zu viel und zeigen mit Dave Keoppen, Max Kushner, Kyle Cummings und Danny Cummings eine Band, die genau weiß, wie man aus Wut funktionierende Songs baut. Kompakt, hart, effektiv: 8 von 10 Punkten.

Musikvideo: Rorschach

Internet

Revolting – Supernatural Anthems

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Revolting - Supernatural Anthems - cover artwork
Revolting - Supernatural Anthems - cover artwork

Band: REVOLTING 🇸🇪
Titel: Supernatural Anthems
Label: Xtreem Music
VÖ: 04.06.2026
Format: CD / Digital
Genre: Swedish Death Metal / Old School Death Metal

Tracklist

01. Supernatural Anthem
02. At Dusk They Rise
03. Upon the Chopping Block
04. Undead Wife, Happy Life
05. Those Who Never Lived
06. The Dead Are Craving
07. Dungeon Overture
08. A Midnight Massacre
09. The End So Near

Besetzung

Revolting Rogga – Gesang, Gitarren
Grotesque Tobias – Bass
Mutated Martin – Schlagzeug

Bewertung:

3,5 von 5 Punkte

Revolten aus Schweden sind Ultra Brudal aller, und mit »Supernatural Anthems« liefern REVOLTING erneut genau jene Sorte Death Metal ab, die keine langen Erklärungen braucht: schwedisch geprägt, direkt, riffbetont, dreckig im Ton, aber sauber im Songwriting. Die Band um Rogga Johansson bleibt ihrem klassischen Old-School-Death-Metal-Kern treu, arbeitet mit Horror-Motiven, Untoten, Slasher-Bildern und makabrem Humor, ohne dabei in billige Effekthascherei zu kippen. Das Album läuft knapp über eine halbe Stunde und macht daraus einen Vorteil: keine aufgeblasenen Zwischenspiele, keine künstliche Komplexität, sondern neun kompakte Stücke, die auf Riffs, Groove, Stimme und Atmosphäre setzen.

Albumstream:

SCHWEDENSTAHL OHNE MODERNE KOSMETIK

»Supernatural Anthem« eröffnet die Platte wie eine klare Standortbestimmung. Die Nummer wirkt wie das programmatische Schild über dem Eingang: Hier geht es nicht um Neuerfindung, sondern um konsequenten Swedish Death Metal mit sägender Gitarrenführung, tiefem Gesang und einem Refrain, der eher über Wiedererkennung als über große Melodik kommt. Thematisch steckt der Song den Rahmen ab: Das Übernatürliche wird nicht romantisiert, sondern als düstere Grundordnung gesetzt, in der Tod, Spuk und Verfall den Ton angeben.

Musikalisch ist das typisch REVOLTING: Die Riffs führen, das Schlagzeug hält die Nummer in Bewegung, und der Bass gibt dem Ganzen genug Masse, damit die Songs nicht nur an der Oberfläche kratzen. Die Produktion wirkt nicht klinisch, aber auch nicht matschig. Gerade das passt zur Band. Man hört die alte Schule, aber man hört auch, dass hier keine Demo-Ästhetik vorgeschoben wird, um fehlende Durchschlagskraft zu kaschieren.

WENN DIE TOTEN BEI DÄMMERUNG AUFSTEHEN

»At Dusk They Rise« gehört zu den stärksten Momenten des Albums. Schon der Titel deutet klar in Richtung klassischer Untoten-Erzählung: Der Tag kippt, die Sicherheit verschwindet, und mit der Dämmerung kommt das, was besser unter der Erde geblieben wäre. Die Bedeutung des Songs liegt weniger in einer komplizierten Geschichte, sondern in der Umsetzung eines archetypischen Horrorbildes: Aus Ruhe wird Bewegung, aus Tod wird Jagd.

Aufgebaut auf ein solides Fundament aus Drums und Bass werden die Gitarren trocken und effektiv daraufgesetzt. Der Song hat Tempo, aber auch genug melodische Führung, um nicht einfach durchzurauschen. Besonders stark ist, dass REVOLTING die schwedische Death-Metal-DNA nicht als Nostalgie-Museum behandeln. Die Band arbeitet mit vertrauten Mitteln, setzt sie aber so routiniert ein, dass daraus keine bloße Kopie alter Helden wird.

HACKBLOCK, HUMOR UND HORROR-KANTE

»Upon the Chopping Block« zieht das Tempo etwas zurück und arbeitet stärker mit Gewicht. Der Titel ruft Bilder von Hinrichtung, Opferung und körperlichem Horror auf. Der Song wirkt dadurch wie ein kurzer Schnitt in eine finsterere Kammer des Albums. Hier ist weniger Bewegung nach vorne, dafür mehr Druck nach unten. Genau solche Nummern braucht eine Platte wie diese, damit sie nicht nur aus durchgetretenem Gaspedal besteht.

Mit »Undead Wife, Happy Life« beweist die Band anschließend schwarzen Humor. Der Titel spielt offensichtlich mit einem bekannten Sprichwort und dreht es in Richtung Zombie-Groteske. Das ist nicht subtil, soll es aber auch nicht sein. Der Song verbindet makabren Witz mit klassischem Horror-Death-Metal und lockert die Platte auf, ohne sie zur Parodie werden zu lassen. Gerade darin liegt eine Stärke von REVOLTING: Die Band nimmt ihren Sound ernst, aber nicht jede Pointe ihres Horrorkosmos muss bierernst wirken.

DIE, DIE NIE GELEBT HABEN

»Those Who Never Lived« bringt eine etwas tragischere Färbung in das Album. Während manche Songs mit Blut, Nacht und Untoten sehr direkt arbeiten, steckt hier ein stärker existenzieller Gedanke drin: Leben, das gar nicht erst stattfinden konnte, Körper, die verschwinden, Schicksale, die nur noch als Schatten vorhanden sind. Diese Ebene gibt dem Album mehr Gewicht, weil der Horror nicht nur als Splatter-Kulisse funktioniert, sondern auch als Bild für Verlust, Vergänglichkeit und ausgelöschte Individualität.

Musikalisch bleibt die Band trotzdem bei ihrer Linie. Die Nummer arbeitet mit Tempo- und Stimmungswechseln, ohne den roten Faden zu verlieren. Revolting Rogga presst seine Vocals tief und rau durch den Mix, während die Gitarren immer wieder melodische Linien aufreißen. Das ist kein technischer Schaukampf, sondern zweckgebundenes Songwriting. Jeder Part muss tragen, sonst fliegt er raus.

APPETIT DER TOTEN

»The Dead Are Craving« ist inhaltlich sehr klar: Hier geht es um Hunger, Verlangen und den nicht endenden Drang der Toten. Der Song steht damit voll in der Zombie-Tradition und funktioniert gerade deshalb so gut, weil REVOLTING keine große theoretische Deutung darüberlegen. Die Idee ist simpel, aber wirkungsvoll: Der Tod ist nicht ruhig, sondern gierig.

Das Stück bringt genau jene Mischung aus Riffdruck und eingängiger Brutalität, die dieses Album über weite Strecken trägt. Der Death Metal ist hier nicht überkompliziert, sondern direkt komponiert. Man merkt, dass Johansson ein erfahrener Songschreiber ist, der weiß, wann ein Riff genug Aussagekraft besitzt und wann ein Song nicht noch drei weitere Wendungen braucht. Das wirkt manchmal fast unspektakulär, ist aber handwerklich stark.

DUNGEON-STIMMUNG UND MITTERNACHTS-MASSAKER

»Dungeon Overture« bringt eine andere Farbe in die Platte. Schon der Titel deutet stärker in Richtung Gewölbe, Kerker, okkulte Szenerie und klassisches Grusel-Setting. Der Song wirkt wie ein Zwischenkapitel, das die Horrorwelt von »Supernatural Anthems« breiter macht. Hier geht es nicht nur um Untote auf offener Fläche, sondern um eingeschlossene Räume, Dunkelheit und das Gefühl, dass hinter jeder Wand etwas lauert.

»A Midnight Massacre« setzt anschließend wieder deutlicher auf Slasher-Energie. Der Song arbeitet mit dem Bild eines nächtlichen Blutbads, also mit einer sehr direkten Horror-Sprache. Musikalisch ist das einer der besseren Abräumer der Platte, weil Tempo, Groove und Leadgitarren sauber zusammenfinden. Die Nummer ist kurz, effektiv und bleibt hängen. Genau hier zeigt sich, warum REVOLTING auch nach vielen Veröffentlichungen noch funktionieren: Die Band weiß, wie man Horror-Death-Metal so schreibt, dass er nicht nur Genre-Accessoire bleibt, sondern als Song trägt.

DAS ENDE IST NAH, ABER NICHT GEHETZT

Mit »The End So Near« schließen REVOLTING das Album passend ab. Der Titel öffnet die Perspektive vom einzelnen Horrorbild hin zur Endzeit. Es geht nicht mehr nur um eine Kreatur, ein Opfer oder eine Szene, sondern um das Gefühl, dass der Schluss bereits vor der Tür steht. Das gibt dem letzten Song eine schöne dramaturgische Funktion.

Musikalisch arbeitet die Nummer mit mehr getragenem Druck und melodischen Linien, ohne den Death-Metal-Kern zu verlassen. Der Abschluss ist nicht überdimensioniert, sondern angemessen kompakt. Das passt zum gesamten Album: »Supernatural Anthems« will kein monumentales Konzeptwerk sein, sondern eine konzentrierte Platte mit klarer Identität. Und genau diese Klarheit ist ihre größte Stärke.

ROGGA BLEIBT ROGGA

Natürlich kann man bei REVOLTING immer die Frage stellen, wie viele Alben ein Mann wie Rogga Johansson eigentlich noch aus dem Ärmel schütteln kann. Die Antwort auf »Supernatural Anthems« lautet: offenbar noch genug, solange die Riffs sitzen. Nicht jede Idee auf dieser Platte ist neu, und nicht jeder Song hebt sich maximal vom Rest ab, aber das Album besitzt eine sehr geschlossene Qualität.

Grotesque Tobias am Bass und Mutated Martin am Schlagzeug liefern die notwendige rhythmische Stabilität. Die Songs stehen auf sicherem Fundament, während die Gitarren mit Leads, sägenden Riffs und klassischen HM-2-nahen Klangfarben den Wiedererkennungswert setzen. REVOLTING klingen hier nicht wie eine Band, die Trends beobachtet, sondern wie eine Band, die ihren Bereich kennt und dort mit Routine, Geschmack und ordentlich Druck arbeitet.

KEINE REVOLUTION, ABER EINE STABILE ABRECHNUNG

Wer von »Supernatural Anthems« eine komplette Neuausrichtung erwartet, ist bei REVOLTING falsch. Dieses Album bleibt im bekannten Feld: schwedischer Death Metal, Horror-Atmosphäre, kompakte Songs, eingängige Riffs, tiefe Vocals, kurze Spielzeit. Das kann man vorhersehbar nennen, aber auch konsequent.

Die stärksten Songs sind »At Dusk They Rise«, »Upon the Chopping Block«, »Those Who Never Lived«, »A Midnight Massacre« und »The End So Near«. Kleine Abzüge gibt es dafür, dass die Platte nicht jeden Song zu einem zwingenden Einzelhighlight macht und manche Ideen sehr vertraut wirken. Trotzdem bleibt »Supernatural Anthems« ein starkes, griffiges und angenehm schnörkelloses Death-Metal-Album.

FAZIT:

»Supernatural Anthems« ist kompakter, riffstarker Swedish Death Metal mit Horror-Schlagseite, der nicht überrascht, aber zuverlässig trifft. REVOLTING liefern keine Neuerfindung, sondern eine routinierte und druckvolle Platte mit starken Momenten bei »At Dusk They Rise«, »A Midnight Massacre« und »The End So Near«. Wer klassischen Old-School-Death mit Untoten-Flair und klarer Kante mag, bekommt hier soliden Death Metal mit Rifftechnischer Präzision, Tightem Drumming, Kompositorischem und stimmlichem Können Serviert

A Midnight Massacre Video:

Internet

Revolting - Supernatural Anthems - CD Review

The Tirith – Quetzalcoatl

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The Tirith - Quetzalcoatl - cover artwork
The Tirith - Quetzalcoatl - cover artwork

Band: The Tirith 🇬🇧
Titel: Quetzalcoatl
Label: Independent
VÖ: 03.07.2026
Format: Digital
Genre: Progressive Rock / Classic Rock / Symphonic Rock / Prog Folk

Tracklist

01. Intro
02. Quetzalcoatl
03. The Slide
04. Moon King
05. Back to Space
06. Rabbit Ings
07. Dancing With Vampires
08. Spirit of the Volcano
09. Masters of Highways
10. Save The Oak
11. No Mind (Mushin)
12. The Riddles

Besetzung

Tim Cox – Gitarre, Arrangements, Mixing, Produktion
Dick Cory – Gesang, Bass, Akustikgitarre
Anthony Hill – Keyboards
Paul Williams – Schlagzeug, Percussion

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Quetzalcoatl ist in der Mythologie eine gefiederte Schlange und zeitgleich Namensgeber des neuen Albums von The Tirith. The Tirith sind eine britische Progressive-Rock-Band mit Wurzeln in den Siebzigern, die ihren klassischen Unterbau nicht versteckt, ihn auf »Quetzalcoatl« aber deutlich lebendiger ausspielt, als es bei manch traditionsbewusstem Prog-Act der Fall ist. Das Genre lässt sich hier klar benennen: Progressive Rock mit Classic-Rock-Fundament, symphonischen Keyboards, Folk-Anklängen, erzählerischem Gesang, längeren Spannungsbögen und gelegentlich kräftigerem Rockdruck. Kein moderner Metal-Brocken, aber sehr wohl ein Album, das für Hörer interessant ist, die zwischen Rush, Wishbone Ash, frühem Artrock, Folk-Prog und britischer Erzähltradition zu Hause sind.

Video: Save The Oak

KLASSISCHER PROG MIT FESTEM RÜCKGRAT

»Quetzalcoatl« macht schnell deutlich, dass The Tirith nicht auf kurzlebige Effekte setzen. Das Album ist sauber gebaut, detailreich arrangiert und nimmt sich die nötige Zeit, um Stimmungen wachsen zu lassen. Der Einstieg über »Intro« und den Titeltrack stellt nicht den schnellen Refrain in den Mittelpunkt, sondern Atmosphäre, Dynamik und einen klaren Sinn für Dramaturgie.

Der Titelsong »Quetzalcoatl« funktioniert als programmatische Eröffnung. Die Band setzt auf schwebende Keyboardflächen, markante Gitarrenlinien und eine Gesangsführung, die weniger auf vordergründige Virtuosität, sondern stärker auf Erzählkraft ausgerichtet ist. Das passt zu einem Album, das sich in Themenfeldern wie Mythologie, Natur, innerer Bewegung, Fantastik und Weltflucht bewegt, ohne dabei in bloße Konzeptüberladung zu kippen.

ZWISCHEN GITARRE, TASTEN UND ERZÄHLKRAFT

Mit »The Slide« kommt früh einer der stärksten Songs der Platte. Aufgebaut auf ein standfestes Fundament aus Bass und Schlagzeug werden die Gitarren sauber und melodisch daraufgesetzt, während die Keyboards nicht bloß Begleitung sind, sondern den Song farblich erweitern. Gerade hier zeigt sich, dass The Tirith ein gutes Gespür für kontrollierte Steigerung besitzen. Der Song bleibt zugänglich, hat aber genug Wendungen, um nicht zur reinen Classic-Rock-Nummer zu werden.

»Moon King« und »Back to Space« führen diese Linie fort, wirken aber noch stärker wie Kapitel innerhalb eines größeren Erzählraums. Besonders »Back to Space« knüpft an jene Science-Fiction-Seite an, die bei der Band immer wieder aufscheint. Das Stück verbindet eine leicht ruppigere Gitarrenbasis mit jener typisch britischen Prog-Eigenart, große Themen nicht nur groß, sondern auch mit einem gewissen verschrobenen Charme zu behandeln.

FOLK, FANTASY UND EIN WALTZER MIT BISS

»Rabbit Ings« bringt eine stärker folkige Färbung in das Album. Die Akustikgitarre öffnet den Raum, danach arbeitet die Band mit Kontrasten zwischen ruhigerem Erzählen und kräftigerem Rockeinschub. Das ist kein Song, der sofort alles auspackt, sondern einer, der seine Wirkung über Atmosphäre, Textur und kleine instrumentale Verschiebungen entfaltet.

Direkt danach setzt »Dancing With Vampires« einen angenehm dunkleren Akzent. Die Nummer besitzt einen waltzartigen Grundcharakter, ohne zur bloßen Stilübung zu werden. Inhaltlich geht es um Verführung, Gefahr und das Spiel mit einer romantisch aufgeladenen Vampirfigur. Musikalisch bleibt das Stück kontrolliert, fast elegant, hat aber genug Spannung, damit es nicht ins Theaterhafte abrutscht. Hier greifen Bass, Schlagzeug und Gitarrnearbeit besonders stimmig ineinander.

HANDWERK STATT BLENDER-PROG

Was »Quetzalcoatl« wohltuend von vielen überambitionierten Prog-Veröffentlichungen unterscheidet, ist der Verzicht auf reines Technikgeprotze. Natürlich können diese Musiker spielen. Tim Cox liefert klare, melodische und sauber formulierte Gitarrenarbeit, die ihre stärksten Momente nicht im Geschwindigkeitsrausch, sondern im Aufbau von Spannung findet. Dick Cory hält mit Bass und Stimme den erzählerischen Kern zusammen, während Anthony Hill an den Keyboards häufig genau jene Farbe beisteuert, die den Songs ihre symphonische Breite gibt.

Auch Paul Williams spielt am Schlagzeug nicht den Selbstdarsteller. Seine Arbeit ist präzise, lebendig und songdienlich. Gerade bei einem Album wie diesem ist das wichtig. Prog kann schnell zerfasern, wenn alle gleichzeitig zeigen wollen, was sie können. The Tirith wirken dagegen wie eine Band, die zuhört. Das macht »Quetzalcoatl« nicht zahm, sondern geschlossen.

NATUR, MYTHOS UND GEDANKENFLUSS

»Spirit of the Volcano« erweitert den mythologischen Rahmen des Albums. Der Song arbeitet mit einer gewissen Schwere, ohne in harte Gefilde abzubiegen. Er steht für jene Seite der Platte, die nicht einfach Rocknummern aneinanderreiht, sondern Bilder, Zustände und Geschichten musikalisch sortiert. Die Komposition bleibt dabei nachvollziehbar und verliert sich nicht im Nebel aus endlosen Zwischenteilen.

Mit »Masters of Highways« wird es noch einmal ausladender. Der Song hat eine angenehm breite Anlage und gehört zu den Nummern, die zeigen, warum diese Band im Progressive Rock richtig aufgehoben ist. Es geht nicht darum, möglichst viele Takte auf engstem Raum zu stapeln, sondern um Entwicklung. Die Gitarren bekommen Raum, der Bass bleibt präsent, die Keyboards füllen nicht alles zu, und das Schlagzeug hält die Sache sauber in Bewegung.

DER STÄRKSTE EINZELMOMENT: SAVE THE OAK

»Save The Oak« ist einer der direktesten und besten Songs des Albums. Die Nummer verbindet Classic-Rock-Wärme mit progressiver Struktur und einem ökologischen Unterton, der nicht wie ein aufgeklebtes Statement wirkt. Die Gitarren schichten sich sauber, die Keyboards setzen passende Akzente, und der Refrain bleibt hängen, ohne sich anzubiedern. Genau hier findet die Band eine sehr überzeugende Balance zwischen Tradition und Gegenwart.

Auch produktionstechnisch sitzt dieser Song stark. Der Mix ist transparent, die Instrumente bleiben unterscheidbar, und trotz der vielen Details wirkt nichts überladen. Das ist bei Progressive Rock keine Kleinigkeit. Zu viele Bands verwechseln Fülle mit Größe. The Tirith zeigen auf »Save The Oak«, dass man auch mit kontrollierter Dynamik eine starke Wirkung erzielen kann.

RUHEPUNKT UND ABSCHLUSS MIT KOPF

»No Mind (Mushin)« bringt einen meditativeren Gedanken in die zweite Albumhälfte. Der Bezug auf einen Zustand der inneren Leere und Konzentration passt gut zur Musik, die hier weniger drängt und stärker fließt. Das Stück wirkt nicht wie ein bloßer Einschub, sondern wie ein bewusst gesetzter Ruhepunkt vor dem Finale.

Mit »The Riddles« endet »Quetzalcoatl« dann auf eine Weise, die zum Charakter der Platte passt. Der Song spielt mit Rätselmotiven, lässt den Hörer nicht mit einer einfachen Auflösung zurück und gibt der Band noch einmal Gelegenheit, ihre melodische Seite mit einem klassischen Rockabschluss zu verbinden. Das Finale ist nicht übertrieben bombastisch, sondern konsequent. Für dieses Album ist das die bessere Entscheidung.

NICHT ALLES ZÜNDET SOFORT

Ganz ohne Einschränkung kommt »Quetzalcoatl« allerdings nicht davon. Wer Prog nur dann mag, wenn er kantig, modern produziert oder deutlich härter ausfällt, wird hier stellenweise Geduld brauchen. Manche Passagen setzen stark auf klassische Erzählformen, manche Gesangslinien wirken bewusst traditionell, und nicht jeder Song entwickelt denselben unmittelbaren Sog wie »The Slide«, »Dancing With Vampires« oder »Save The Oak«.

Das ist aber kein echter Bruch, sondern eher eine Frage der Zielgruppe. The Tirith schreiben nicht für den schnellen Playlist-Klick, sondern für Hörer, die sich auf ein Album als Gesamtwerk einlassen. Wer dazu bereit ist, bekommt hier ein sehr ordentlich komponiertes, handwerklich starkes und atmosphärisch dichtes Progressive-Rock-Album.

FAZIT:

»Quetzalcoatl« ist ein gelungenes Progressive-Rock-Album mit klarer klassischer Prägung, viel erzählerischer Substanz und einer angenehm geschlossenen Bandperformance. The Tirith verbinden Siebziger-Wurzeln, Classic Rock, Folk-Färbungen, symphonische Keyboards und gelegentlich kräftigere Gitarren zu einem Album, das nicht auf Effekthascherei setzt, sondern auf Aufbau, Atmosphäre und Musikalität.

Die stärksten Momente sind »The Slide«, »Back to Space«, »Dancing With Vampires«, »Masters of Highways« und vor allem »Save The Oak«. Kleine Abzüge gibt es für einzelne Längen und dafür, dass die sehr traditionelle Gesangs- und Erzählweise nicht jeden sofort packen wird. Insgesamt aber ist »Quetzalcoatl« ein starkes Album für Fans von klassischem britischem Progressive Rock, die Wert auf Songs, Spielfreude und eine echte Albumdramaturgie legen.

Für Freunde von Rush, Wishbone Ash, Caravan, Pink Floyd, melodischem Classic Rock und erzählerischem Prog ist diese Platte definitiv einen Durchlauf wert. Kein Retro-Abziehbild, kein modern glattgebügeltes Prog-Produkt, sondern eine gereifte Band, die ihre Geschichte kennt und daraus hörbar neues Material formt.

Video: Save The Oak

Internet

The Tirith - Quetzalcoatl - CD Review