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Metal Fest Open Air 2026 – Sonnenstrahlen, große Namen und ein Amphitheater wie gemalt

Pilsen, Juni 2026 – Das Metal Fest Open Air im malerischen Amphitheater von Pilsen hat sich längst einen festen Platz im europäischen Festival-Kalender erarbeitet. Auch 2026 bewies das Event eindrucksvoll, warum: eine spektakuläre Location, ein hochkarätiges Line-up und – zur Freude aller – deutlich bessere Wetterbedingungen als in den Vorjahren.

Pilsen, Juni 2026 – Das Metal Fest Open Air im malerischen Amphitheater von Pilsen hat sich längst einen festen Platz im europäischen Festival-Kalender erarbeitet. Auch 2026 bewies das Event eindrucksvoll, warum: eine spektakuläre Location, ein hochkarätiges Line-up und – zur Freude aller – deutlich bessere Wetterbedingungen als in den Vorjahren.

🌧️ Anreise im Regen, Festival im Sonnenschein

Die Anreise am Donnerstagabend verlief zunächst noch unter typisch mitteleuropäischen Festival-Vorzeichen: Regen, nasse Zelte und skeptische Blicke Richtung Himmel.

 Wetter

Auch am Freitag zeigte sich das Wetter zuerst bescheiden, jedoch waren die Schauer bis deutlich kürzer als in den letzten Jahren. Ab Samstag setzte sich dann die Sonne durch und bescherte den Besuchern eines der angenehmsten Festivalwochenenden der letzten Jahre. Gerade im Vergleich zu den wettertechnisch oft schwierigen Ausgaben der Vorjahre war die Stimmung entsprechend gelöst: Sonnenbrillen statt Ponchos.

Camping: Komfort trifft Szene

Ein echtes Novum 2026 war das erstmals eingeführte VIP-Camp. Hier warteten bereits aufgebaute Zelte auf ihre Besitzer – einfach ankommen, einziehen und direkt ins Festival starten. Besonders für internationale Gäste und Komfort-orientierte Metalheads ein großes Plus.

Doch auch die regulären Campingflächen waren begehrt: komplett ausgebucht. Wer zu spät dran war, musste auf den öffentlichen Stadtcampingplatz ausweichen. Doch das stellte sich keineswegs als Nachteil heraus – dank der hervorragend organisierten öffentlichen Verkehrsanbindung war das Festivalgelände jederzeit schnell erreichbar.

🍺 Preise & Atmosphäre

Die Preise bewegten sich im moderaten Rahmen:

  • Bier: 70 – 90 CZK (ca. 3–4 €)

Für ein internationales Festival absolut fair – insbesondere in dieser Kulisse.

Und diese Kulisse ist es, die das Metal Fest so besonders macht:
Das Amphitheater von Pilsen bietet durch seine natürliche Hanglage perfekte Sichtverhältnisse. Selbst aus den hintersten Reihen hat man eine uneingeschränkte Sicht auf die Bühne – ein Luxus, den viele Festivals nicht bieten können.

Kulinarik und Schmankerln auf dem Festival

Die Kulinarik kommt in Pilsen definitiv nicht zu kurz. Eine „Fressmeile“ wie es im Bilderbuch steht. Von der Pizza bis zu allerlei Wurstsorten steht alles am Speiseplan.

🎸 Freitag: Thrash, Tradition und spontane Änderungen

Der Freitag startete mit einer kurzfristigen Änderung im Line-up: Rage sprangen spontan ein – und lieferten souverän ab.

Das Programm:

  • Accept
  • Anthrax
  • Pain
  • Beyond The Black
  • Rage
  • April Art
  • Tri State Corner

Der Abend gehörte jedoch den Giganten:

🔥 ACCEPT – 50 Jahre Metal-Geschichte

Als Headliner präsentierten Accept ihre 50th Anniversary Show – ein Best-of-Set voller Klassiker und Power. Eine Reise durch fünf Jahrzehnte Heavy Metal, die vom Publikum frenetisch gefeiert wurde.

Anthrax – Thrash-Party pur

Die Co-Headliner lieferten eine energiegeladene Show ab. Circle Pits, Mitsing-Chöre und kompromissloser Thrash sorgten für eines der intensivsten Erlebnisse des Wochenendes.

🐉 Samstag: Symphonic Metal und große Emotionen

Das Line-up am Samstag:

  • Avantasia
  • Kamelot
  • Dominum
  • Soen
  • Freedom Call
  • Emil Bulls
  • Sliding Doors
  • Moonlight Haze
  • Solar System

🌟 Avantasia – Fantasie wird Realität

Als Headliner verwandelte Tobias Sammet mit Avantasia das Amphitheater in eine epische Metal-Oper. Die „Dragons Tour“ überzeugte mit opulenter Bühnenproduktion, zahlreichen Gastsängern und einem Klangbild, das zwischen Power Metal und Rock-Oper schwebte.

Kamelot und Soen ergänzten den Tag mit starken Auftritten – technisch präzise, emotional und atmosphärisch dicht.

⚰️ Sonntag: Abschiede, Überraschungen und Highlights

Das abschließende Line-up:

  • Sepultura
  • Gotthard
  • Crypta
  • Charlotte Wessels
  • Battle Beast
  • Crematory
  • Orphaned Land
  • Seasons in Black
  • Sovengar
  • Neverland

🖤 Sepultura – Der letzte Ritt

Ein emotionaler Höhepunkt: Sepultura auf Abschiedstour. Die brasilianischen Legenden lieferten eine intensive, würdige Show – roh, kraftvoll und voller Emotionen. Ein Moment, der vielen Fans lange in Erinnerung bleiben wird.

🎤 Battle Beast – Neue Ära live

Besonders gespannt war man auf Battle Beast, die erstmals mit ihrer neuen Sängerin auftraten. Das Ergebnis: überzeugend, energiegeladen und ein klarer Beweis, dass die Band bereit für das nächste Kapitel ist.

🎶 Tageshighlights

  • Crematory – düster, atmosphärisch und gewohnt stark
  • Gotthard – melodisch, eingängig und mitreißend

 

 

Das Metal Fest Open Air 2026 war ein voller Erfolg.
Trotz regnerischer Anreise entwickelte sich das Wochenende zu einem Festival, das wettertechnisch wie organisatorisch überzeugte.

 

 

 

 

 

Die Stärken auf einen Blick:

  • Traumhafte Location mit perfekter Sicht
  • Hochkarätiges, abwechslungsreiches Line-up
  • Gute Organisation und Infrastruktur
  • Neue Campingoptionen (VIP-Camp)
  • Faire Preise

Iselder – The 38th Division

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Iselder - The 38th Division - cover artwork
Iselder - The 38th Division - cover artwork

Band: Iselder 🇬🇧
Titel: The 38th Division
Label: Marwolaeth Records
VÖ: 01.06.2026
Format: Digital / CD / Kassette
Genre: Welsh Black Metal / Raw Black Metal / War Black Metal

Tracklist

01. The Death Of Wales
02. Bayonet
03. Call To Arms
04. Impending War
05. Glory
06. Llywelyn The Last
07. Trench Warfare
08. Embrace The End

Besetzung

Gofid – Gesang
Neidr – Instrumentierung

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Krieg ist im Metal ein häufig bemühtes Thema. Bei Iselder wirkt es auf »The 38th Division« aber nicht wie bloßes Tarnnetz über gewöhnlichem Black Metal, sondern wie der eigentliche Morast, aus dem diese acht Stücke hochgezogen werden. Dieses Album marschiert nicht elegant in den Raum, es kommt mit Erde unter den Fingernägeln, Ruß im Hals und dem Blick eines Soldaten, der längst begriffen hat, dass hinter jeder Parole nur der nächste Graben wartet.

Der walisische Black-Metal-Act legt hier keine romantisierte Heldenschau vor. »The 38th Division« klingt vielmehr wie ein rostiger Feldspaten, der immer wieder gegen Stein schlägt. Raw Black Metal, Kriegsmetaphorik, historische Wucht und eine Produktion, die bewusst nicht nach Hochglanzstudio, sondern nach kaltem Beton, nassem Stoff und verbranntem Holz riecht. Wer hier filigrane Schönheit sucht, steht am falschen Schützengraben. Wer aber Black Metal hören will, der sich wie ein Marsch durch Nebel, Schlamm und splitterndes Metall anfühlt, bekommt hier ordentlich Futter für die Nackenmuskulatur.

Albumstream:

DER ERSTE SCHUSS FÄLLT OHNE WARNUNG

»The Death Of Wales« öffnet das Album nicht mit atmosphärischem Vorgeplänkel, sondern mit direkter Kälte. Keine langen Sirenen, keine Feldaufnahme, kein dramaturgisches Aufwärmen. Iselder treten sofort auf das Pedal und lassen die Riffs wie schwarze Krähen über ein verwüstetes Feld ziehen. Der Song hat eine klare Funktion: Er stellt die Frontlinie her. Danach gibt es keinen sicheren Abstand mehr.

Gofid klingt am Mikrofon nicht wie ein Erzähler, sondern wie ein Überlebender, der seinen Bericht in gefrorenen Beton kratzt. Seine Stimme liegt roh, heiser und unversöhnlich über dem Material. Das ist kein Gesang, der gefallen möchte. Es ist ein kehliges Herauswürgen von Wut, Verlust und Verachtung. Gerade dadurch bekommt der Opener seine notwendige Härte.

DAS RIFF ALS BAJONETT

Mit »Bayonet« wird der Albumtitel endgültig körperlich. Der Song sticht nicht elegant, er rammt. Die Gitarrenarbeit wirkt wie ein rostiger Draht, der sich immer tiefer in die Haut frisst. Aufgebaut auf einem trockenen Fundament aus treibendem Schlagwerk und eisigem Riffing werden die Leadlinien nicht als Dekoration eingesetzt, sondern wie Leuchtspurmunition in der Dunkelheit.

Neidr liefert hier eine Instrumentierung, die nicht durch technische Angeberei auffällt, sondern durch Konsequenz. Das Stück bleibt direkt, grimmig und beweglich genug, um nicht in dumpfer Wiederholung zu versacken. Black Metal dieser Art lebt davon, dass ein Riff nicht nur gespielt, sondern in den Boden gestampft wird. Genau das passiert hier. Es ist keine Klangtapete, sondern ein Drahtverhau mit Verstärkeranschluss.

AUFRUF, ANGRIFF, ABNUTZUNG

»Call To Arms« trägt seinen Titel nicht zufällig. Der Song funktioniert wie ein Ruf durch ein zerbrochenes Horn: schneidend, roh und bewusst martialisch. Die Nummer hat starke Momente, besonders wenn das Tempo anzieht und die Riffs ihre Zähne zeigen. Gleichzeitig merkt man hier aber auch eine Schwäche des Albums: Nicht jede Passage wird mit derselben zwingenden Dynamik weiterentwickelt. Manches kreist etwas zu lange um dieselbe Achse.

Das ist nicht automatisch ein Problem, denn diese Art Black Metal lebt auch von Wiederholung, Druck und Trance. Trotzdem hätte gerade »Call To Arms« an ein, zwei Stellen noch eine zusätzliche Kante vertragen. Der Song wirkt wie ein Panzer, der kurz im Schlamm stecken bleibt, dann aber doch wieder anrollt. Nicht elegant, nicht perfekt, aber schwer genug, um Spuren zu hinterlassen.

IMPERIUM AUS EIS UND ASCHE

»Impending War« gehört zu den stärkeren Stücken der Platte. Hier greifen Tempo, Riff und Atmosphäre besonders gut ineinander. Der Song klingt, als würde ein Schneesturm durch ein ausgebranntes Munitionslager fegen. Kalt, bissig, unbarmherzig. Die Gitarren haben diesen frostigen Zug, der an klassischen Second-Wave-Black-Metal erinnert, aber durch die Kriegsthematik eine eigene Schwere bekommt.

Hier zeigt Iselder, warum »The 38th Division« trotz einiger konventioneller Zutaten funktioniert. Wenn die Band den Marschmodus verlässt und wirklich ins Gefecht übergeht, sitzt die Wirkung. Dann wird aus der vertrauten Black-Metal-Sprache kein bloßes Nachbeten alter Formeln, sondern ein sauber gezogener Schnitt durch die Dunkelheit.

GLORY OHNE GLANZ

»Glory« ist interessant, weil der Titel beinahe eine falsche Fährte legt. Ruhm wird hier nicht mit erhobener Fahne und heroischer Brust serviert, sondern als bitterer Rest in einem zerfetzten Mantel. Der Song arbeitet mit jener grimmigen Vorwärtsbewegung, die das Album insgesamt trägt. Dabei klingt nichts triumphal. Eher so, als hätte jemand das Wort Ehre auf eine Mauer geschrieben, kurz bevor diese von Artillerie zerbröselt wird.

Gerade dieser Widerspruch macht den Track stark. Iselder verklären den Krieg nicht, sondern zeigen ihn als Kriegsmaschnie, die Menschen verschlingt und Geschichten in Schlamm verwandelt. Die Produktion bleibt rau, manchmal fast störrisch, aber sie passt zum Thema. Ein zu sauberer Klang hätte dieser Platte vermutlich mehr geschadet als genutzt.

GESCHICHTE UNTER SCHWARZEM HIMMEL

Mit »Llywelyn The Last« rückt der walisische Geschichtsbezug deutlicher in den Vordergrund. Der Song ist kürzer, aber atmosphärisch wichtig. Hier geht es weniger um reines Durchprügeln als um Identität, Verlust und historische Erinnerung. Der Track wirkt wie eine verwitterte Steininschrift auf einem Hügel, über den der Wind seit Jahrhunderten dieselbe Drohung trägt.

Musikalisch bleibt Iselder auch hier kompromisslos im Black Metal verwurzelt. Keine folkige Ausmalung, keine kitschige Mittelalter-Fanfare, kein Lagerfeuer mit Corpsepaint. Stattdessen bekommt man knochigen, schroffen Metal, der seine historische Komponente nicht mit Zucker überzieht. Das ist angenehm konsequent.

SCHÜTZENGRABEN STATT POSTKARTE

»Trench Warfare« ist vom Titel her beinahe die programmatische Mitte des Albums. Hier riecht man den Schlamm, hier spürt man die Enge. Der Song wirkt wie ein Marsch durch einen Gang, dessen Decke jederzeit einstürzen kann. Drums und Gitarren schieben mit rauer Gewalt, während die Stimme wie eine rostige Säge durch das Material fährt.

Das Schalgzeug treibt die Nummer mit trockenem Druck nach vorne, ohne sich in unnötigen Spielereien zu verlieren. Besonders stark ist hier die physische Direktheit. »Trench Warfare« will nicht schön sein. Der Song will Druck aufbauen, den Hörer festnageln und dann mit kalter Miene weiterziehen. In solchen Momenten funktioniert das Album am besten: wenn es nicht erklären will, sondern einfach die Erde über einem zusammenklappen lässt.

DAS ENDE ALS LETZTER BEFEHL

»Embrace The End« beschließt die Platte mit der längsten Laufzeit und einem etwas breiteren Atem. Der Song fasst vieles zusammen, was »The 38th Division« ausmacht: frostiges Riffing, heisere Wut, martialische Atmosphäre und diesen sturen Blick nach vorne. Gleichzeitig zeigt sich auch hier, dass Iselder nicht immer aus den bekannten Koordinaten des Genres ausbrechen.

Das muss man fair einordnen. Wer radikale Innovation sucht, wird hier nicht mit offenem Mund vor der Anlage sitzen. »The 38th Division« ist kein Black-Metal-Labor, sondern eine Frontstellung. Die Frage ist also nicht, ob Iselder das Genre neu vermessen, sondern ob sie innerhalb ihrer gewählten Grenzen genug Druck, Atmosphäre und Glaubwürdigkeit erzeugen. Die Antwort lautet: meistens ja.

ZWISCHEN STÄRKE UND STURHEIT

Die größte Stärke dieses Albums ist seine Konsequenz. Iselder wissen, welche Welt sie bauen wollen: kalt, kriegerisch, walisisch geprägt, roh und ohne versöhnliche Fenster. Diese Welt steht. Man hört keine Band, die sich an Trends anbiedert oder im modernen Black-Metal-Nebel nach Post-Irgendwas greift. Hier regiert der alte Stahl: Riff, Tempo, Stimme, Wut.

Die Schwäche liegt genau daneben. Manche Songs könnten mehr Überraschung, mehr Strukturbruch, mehr eigenes Profil vertragen. Es gibt Passagen, die stark beginnen, dann aber etwas zu erwartbar weiterrollen. Das Album ist in seiner Haltung überzeugender als in jeder einzelnen kompositorischen Entscheidung. Anders gesagt: Der Schlachtplan ist gut, aber nicht jeder Angriff trifft mit derselben Wucht.

SOUND WIE KALTER DRAHT

Produktionstechnisch bleibt »The 38th Division« roh, direkt und kantig. Das wird manche abschrecken. Wer Black Metal nur dann akzeptiert, wenn jedes Becken glänzt und jede Gitarrenspur wie frisch poliertes Edelstahlbesteck wirkt, wird hier vermutlich den Rückzug antreten. Doch für dieses Material ist der raue Klang durchaus stimmig. Er gibt dem Album Schmutz, Druck und eine gewisse historische Patina.

Trotzdem: An manchen Stellen hätte etwas mehr Transparenz den Songs gutgetan. Nicht, um sie glattzubügeln, sondern um einzelne Details schärfer herauszuarbeiten. Gerade weil Neidr in den Riffs und Leads durchaus gute Momente setzt, wäre gelegentlich mehr Luft im Mix hilfreich gewesen. So bleibt die Platte oft eher Rammbock als Klinge. Das passt, aber es limitiert auch.

FAZIT:

»The 38th Division« ist ein grimmiges, rohes und thematisch geschlossenes Black-Metal-Album, das Krieg nicht als Heldengemälde, sondern als kalten Mahlstrom aus Schlamm, Tod und Erinnerung versteht. Iselder liefern hier keine Revolution, aber eine überzeugende Front aus frostigen Riffs, bitterer Atmosphäre und kompromissloser Wut.

Die stärksten Momente sind »Bayonet«, »Impending War«, »Trench Warfare« und »Embrace The End«. Dort klingt die Platte am zwingendsten, am bissigsten und am wenigsten wie bloß vertrautes Genre-Handwerk. Kleinere Abzüge gibt es für einige vorhersehbare Strukturen und dafür, dass nicht jeder Song seine starke Grundidee konsequent genug weiterbohrt.

Für Fans von rohem Black Metal, walisischer Historienfärbung, kalter Kriegsatmosphäre und Bands wie Marduk, 1349, Immortal oder Negator ist »The 38th Division« dennoch eine klare Empfehlung. Kein Album für die feine Abendgarderobe, sondern eine schwarze Feldflasche voll Rost, Frost und verbranntem Pulver. Man trinkt nicht gern daraus, aber man versteht danach sehr genau, warum sie mitgeschleppt wurde.

Internet

Iselder - The 38th Division - CD Review

MAGEFA – Legion

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MAGEFA - Legion - cover artwork
MAGEFA - Legion - cover artwork

Band: MAGEFA 🇩🇪
Titel: Legion
Label: Magefa Metal Rec/Cudgel
VÖ: 05/06/26
Genre: Death Metal

Tracklist

01. Legion
02. Death Waltz
03. Pathology Calls -2026
04. Rotting Away – 2026
05. Back To The Front – 2026
06. Bombs Over Europe – 2026
07. War On Innocence – Remastered
08. Overdose – 2026

 

Besetzung

Kai Or – Drums
Kevin Grams – Vocals/Guitar
Andreas Muttscheller – Bass
Nico Perez – Guitar

 

Bewertung:

4/5

Death-Metal zwischen Schlachtfeld, Verwesung und gnadenloser Wucht

Seit ihrer Gründung im Jahr 2014 stehen MAGEFA aus Frankfurt für kompromisslosen Death-Metal, der keine Gefangenen macht. Bereits der Bandname, hebräisch für „Seuche“, deutet an, wohin die Reise geht. Die vierköpfige Formation um Sänger und Gitarrist Kevin Grams setzt auf rohe Gewalt, düstere Atmosphäre und ein Fundament aus schweren Riffs, das tief in den Traditionen des klassischen Death-Metal verwurzelt ist. Inspirationen von Größen wie BOLT THROWER, CARCASS oder CANNIBAL CORPSE sind unverkennbar vorhanden, ohne dass die Band dabei zur bloßen Kopie ihrer Vorbilder wird.

Mit »Legion« präsentieren MAGEFA eine Sammlung aus neu aufgenommenen, überarbeiteten und remasterten Songs, die ihre musikalische Entwicklung eindrucksvoll dokumentiert. Das Album vereint Kriegsszenarien, menschlichen Verfall und morbide Pathologien zu einem düsteren Gesamtbild, das ebenso brutal wie faszinierend wirkt.

Der Sound einer rollenden Kriegsmaschine

Schon der Titeltrack »Legion« macht deutlich, wohin die Marschrichtung geht. Gewaltige Gitarrenwände treffen auf ein donnerndes Schlagzeugspiel von Kai Or, während Kevin Grams seine markanten Growls wie Befehle über ein verwüstetes Schlachtfeld schleudert. Der Song entwickelt eine enorme Dynamik und verbindet klassische Death-Metal-Härte mit einem Groove, der sich sofort festsetzt.

MAGEFA verstehen es hervorragend, Druck aufzubauen. Die Gitarrenarbeit von Kevin Grams und Nico Perez lebt von schweren Riffs, die sich nicht in technischer Selbstverliebtheit verlieren. Stattdessen setzt die Band auf Direktheit, Präzision und Wirkung. Jeder Anschlag scheint darauf ausgelegt zu sein, maximale Zerstörung zu entfalten.

Zwischen Verfall und Wahnsinn

Mit »Death Waltz« folgt einer der atmosphärisch dichtesten Momente des Albums. Der Titel wirkt zunächst fast ironisch, doch die Musik entfaltet eine bedrückende Stimmung, die perfekt zu den morbiden Themen der Band passt. Die Mischung aus schleppenden Passagen und plötzlichen Tempowechseln sorgt für Spannung und hält die Aufmerksamkeit dauerhaft hoch.

Besonders gelungen präsentieren sich die 2026er Neuaufnahmen von »Pathology Calls« und »Rotting Away«. Beide Stücke profitieren hörbar von der modernen Produktion. Die Instrumente wirken druckvoller, transparenter und dennoch angenehm roh. Gerade »Rotting Away« entwickelt durch seinen schweren Groove und die aggressiven Vocals eine enorme Durchschlagskraft.

Auch Andreas Muttscheller am Bass erhält genügend Raum, um dem Sound zusätzliche Tiefe zu verleihen. Seine Arbeit bildet das stabile Fundament, auf dem die Gitarren ihre zerstörerischen Klanglandschaften errichten können.

Krieg als zentrales Leitmotiv

Thematisch bewegen sich MAGEFA häufig auf den Schlachtfeldern menschlicher Geschichte. »Back To The Front« und »Bombs Over Europe« sind dafür die besten Beispiele. Hier wird die Nähe zu BOLT THROWER besonders deutlich, ohne dass die Frankfurter ihre Eigenständigkeit verlieren.

»Back To The Front« überzeugt durch seine martialische Atmosphäre und einen treibenden Rhythmus, der unweigerlich Bilder von militärischen Konflikten hervorruft. »Bombs Over Europe« geht sogar noch einen Schritt weiter und entfaltet eine beklemmende Intensität, die den Song zu einem der Höhepunkte der Platte macht.

Die Band nutzt das Kriegsthema nicht als Selbstzweck. Vielmehr dienen die Texte als Spiegel menschlicher Zerstörungskraft und bilden damit eine konsequente Fortführung des düsteren Gesamtkonzepts.

Alte Stärke in neuem Gewand

Mit »War On Innocence« findet sich zudem ein remasterter Titel auf dem Album. Der Song zeigt eindrucksvoll, wie stark das Material bereits in seiner ursprünglichen Form war. Das neue Mastering sorgt für mehr Klarheit und Druck, ohne dem Stück seinen ursprünglichen Charakter zu nehmen.

Zum Abschluss setzt »Overdose – 2026« einen weiteren starken Akzent. Der Song verbindet aggressive Riffs mit einem massiven Groove und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Gerade hier zeigt sich, wie effektiv MAGEFA ihre musikalischen Einflüsse bündeln und in einen eigenen Stil überführen.

»Legion« ist kein Album für Freunde subtiler Zwischentöne. MAGEFA setzen konsequent auf Härte, Atmosphäre und kompromisslose Direktheit. Die Mischung aus neu aufgenommenem Material, Remastering und klassischem Death-Metal-Handwerk funktioniert hervorragend und verleiht der Veröffentlichung einen starken roten Faden.

Die Frankfurter beweisen, dass traditioneller Death-Metal auch im Jahr 2026 nichts von seiner Wirkung verloren hat, wenn er mit Leidenschaft, Überzeugung und handwerklichem Können umgesetzt wird. »Legion« bietet wuchtige Riffs, drückende Grooves und eine düstere Grundstimmung, die Fans von BOLT THROWER, CARCASS oder CANNIBAL CORPSE begeistern dürfte.

Fazit: Mit »Legion« liefern MAGEFA ein kraftvolles Werk ab, das die Essenz des Death-Metal einfängt.

Internet

MAGEFA - Legion - CD Review

Thin Lassie – Invaders From Venus

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Thin Lassie - Invaders From Venus - album Artwork
Thin Lassie - Invaders From Venus - album Artwork

Band: Thin Lassie 🇩🇪
Titel: Invaders From Venus
Label: NRT-Records
VÖ: 20.03.2026
Format: Digital / CD
Genre: Space-Punk / Punkrock / Power Pop

Tracklist

01. Scruffy Looking Nerf Herder
02. Invaders From Venus
03. The Lizard Men
04. My Ex From Mars

Besetzung

Alex – Gesang / Keyboard
Danu alias Wolle Pannek – Gitarre / Hintergrundgesang
Andy – Bass / Hintergrundgesang
Dirk Löber – Schlagzeug

Bewertung:

4,5 von 5 Punkten

Punkrock mal anders: sozialkritisch, aber mit Metaphern so geschickt verpackt, dass einem die Botschaft nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern eher mit der Strahlenpistole an die Stirn gehalten wird. »Invaders From Venus« von Thin Lassie klingt weniger nach staubiger Straßenecke als nach einem Comic-Heft, das im Proberaum zwischen Bierkasten, Effektgerät und altem Science-Fiction-Trashkino gelandet ist. Diese Jungs wirken, als wären sie aus einem Panel gesprungen, hätten sich kurz den Dreck vom Iro geklopft und dann direkt den Verstärker auf Anschlag gedreht. Besonders Spannend: Das Ding kommt physisch im Comicheft mit CD!

Dabei ist das Ganze keineswegs bloßer Humor mit Antenne auf dem Kopf. Hinter der grellen Alien-Fassade lauert Punkrock mit Haltung, bissiger Satire und einer angenehm kaputten Fantasie. Prominent besetzt ist die Truppe obendrein: Danu alias Wolle Pannek kennt man aus dem Umfeld von Eisenpimmel, während Dirk Löber von Vier Meter Hustensaft hier die trommeln zerdeppert und dem Material genau jene trockene, schmutzige Direktheit verpasst, die eine solche EP braucht.

Albumstream:

PUNKROCK AUS DEM COMIC-KIOSK

»Invaders From Venus« ist kurz, auf Warp-Speed und macht keine Gefangenen. Vier Songs, keine Ausrede, kein aufgeblasenes Intro, keine verkopfte Weltraumoper mit Bedienungsanleitung. Thin Lassie setzen auf direkte Riffs, giftige Hooks, schrägen Humor und kleine Synth-Farbtupfer, die dem Ganzen den richtigen außerirdischen Glanz geben, ohne den Punkrock-Kern weichzuspülen.

Das Album beziehungsweise die EP funktioniert wie ein kleines Heftchen aus der Ramschkiste: vorne bunt, innen dreckig, hinten bleibt ein Fleck auf den Fingern. Genau das ist hier der Reiz. Die Band nimmt Motive aus Science-Fiction, Popkultur, Verschwörungswahn und B-Movie-Romantik, stopft sie in einen Punkrock-Fleischwolf und serviert daraus vier Songs, die trotz aller Albernheit mehr Substanz haben, als man beim ersten Blick auf die Strahlenkanone vermuten würde. Man stelle sich Aliens mit Irokesenschnitt und Lederjacke vor, die hier landen und vom Planeten Punktron224 kommen.

DER ANTIHELD HAT DEN BLASTER GELADEN

Mit »Scruffy Looking Nerf Herder« startet die Reise standesgemäß nerdig, aber keineswegs zahm. Der Song spielt mit der bekannten Space-Opera-Mythologie, stellt aber nicht den glänzenden Helden ins Rampenlicht, sondern den windigen Außenseiter mit schiefem Grinsen, Staub am Stiefel und moralischem Knacks im Handschuhfach. Genau diese Perspektive passt hervorragend zu Thin Lassie, denn hier geht es nicht um saubere Heldensagen, sondern um Figuren, die sich durchmogeln, stolpern und trotzdem irgendwie cooler aussehen als der ganze Rest der Galaxie.

Musikalisch sitzt der Opener sofort. Aufgebaut auf ein standfestes Fundament aus Bass und Schlagzeug werden die Gitarren schön trocken draufgesetzt, während der Gesang von Alex mit seiner spitzen, fast cartoonhaften Färbung eine ganz eigene Signatur liefert. Das kann im ersten Moment schräg wirken, entwickelt aber schnell Wiedererkennungswert. Man hört sofort: Diese Band will nicht glatt gefallen, sondern Charakter zeigen.

INVASION MIT SYSTEMKRITIK

Der Titelsong »Invaders From Venus« ist dann der Moment, in dem die EP ihre sozialkritische Schlagseite am deutlichsten ausfährt. Was oberflächlich nach Alien-Angriff, Laserpistole und Trashfilm riecht, entpuppt sich als bitterer Blick auf Kontrolle, Entmündigung, Manipulation und kalte Machtstrukturen. Die Venus-Invasoren sind hier keine niedlichen Gummimonster, sondern Sinnbilder für Systeme, die Menschen einsortieren, abstumpfen und gefügig machen.

Genau das macht den Song stark: Thin Lassie predigen nicht, sie verkleiden ihre Kritik. Die Botschaft kommt nicht als trockener Vortrag aus dem Seminarraum, sondern als Punkrock-Sirene aus dem UFO. Gitarren und Rhythmusgruppe drücken nach vorne, die Backings setzen die richtigen Haken, und der Song bleibt trotz seines satirischen Unterbaus ein verdammt eingängiger Punkrocker. So muss Sozialkritik klingen, wenn sie nicht nach Hausaufgabe, sondern nach verschwitztem Club riechen soll.

REPTILIEN, PARANOIA UND DER PUNKROCK-FLEISCHWOLF

Mit »The Lizard Men« ziehen Thin Lassie das Tempo noch einmal an und werfen Verschwörungsmythen, Reptiloiden-Fantasien und Körperhorror in einen Song, der so überdreht ist, dass er gerade dadurch zündet. Hier wird Paranoia nicht erklärt, sondern karikiert. Alles wirkt grotesk, hektisch, fiebrig und bewusst überzeichnet – wie ein schmieriges Mitternachtscomic, das jemand zu lange unter Neonlicht gelesen hat.

Der Track ist der ruppigste Schlag der EP. Kurz, schnell, bissig und auf den Punkt. Dirk Löber hält den Motor stabil am Laufen, während Andy am Bass die nötige Bodenhaftung liefert. Darüber kratzen die Gitarren, und der Gesang wirkt, als hätte jemand einem Cartoon-Schurken den Kaffee mit Batterieflüssigkeit gestreckt. Das ist kein gepflegter Punkrock-Salon, das ist ein Proberaum mit Alarmanlage im Dauerstress.

LIEBESKUMMER AUF DEM ROTEN PLANETEN

Zum Schluss kommt mit »My Ex From Mars« noch die galaktische Trennungsgeschichte. Wo andere Bands Herzschmerz mit Akustikgitarre und Regenfenster servieren, schicken Thin Lassie die Verflossene einfach zurück auf den Mars. Das ist albern, ja. Aber es ist eben die gute Sorte albern: pointiert, melodisch und mit genug Songwriting-Futter, damit der Witz nicht nach dreißig Sekunden tot im Orbit hängt.

Gerade hier zeigt sich, dass die Band nicht nur rumpeln kann. Die Chöre bleiben hängen, die Melodie hat fast schon Bubblegum-Charme, und das kleine Maß an Sci-Fi-Schmierigkeit macht den Song zum passenden Finale. Danu setzt mit seiner Gitarrenarbeit noch ein paar schöne Akzente, ohne den Track zu überfrachten. »My Ex From Mars« ist der Beweis, dass Punkrock auch dann funktionieren kann, wenn er Liebeskummer, Marsmenschen und einen leicht kaputten Humor in dieselbe Raumkapsel sperrt.

KOMPAKT, SCHMUTZIG, ABER NICHT SCHLAMPIG

Produktionstechnisch kommt »Invaders From Venus« genau richtig aus den Boxen. Nicht hochglanzpoliert, nicht künstlich auf Stadiongröße aufgeblasen, aber klar genug, damit Riffs, Hooks und kleine Synth-Spielereien ihren Platz finden. Der Sound bleibt roh, ohne matschig zu werden. Das passt zu einer Band, die ihre Songs nicht in Watte packt, sondern lieber mit Klebeband, Edding und Space-Punk-Charme zusammenhält.

Wichtig ist dabei: Der Humor steht nie über der Musik. Thin Lassie wissen, dass ein guter Gag keinen schwachen Song rettet. Deshalb funktionieren diese vier Nummern auch jenseits ihrer Referenzen. Wer keine Lust auf Popkultur-Wimmelbild hat, bekommt immer noch solide, griffige Punkrock-Songs. Wer genauer hinhört, entdeckt darunter zusätzlich Satire, kleine Gemeinheiten und eine ziemlich eigene Handschrift.

MEHR ALS EIN SZENEGAG

Natürlich wird »Invaders From Venus« nicht jedem gefallen. Wer Punkrock nur ernst, grau und mit maximaler Straßenlaternenromantik akzeptiert, könnte bei diesen Comic- und Space-Punk-Motiven die Nase rümpfen. Aber genau da liegt der Punkt: Thin Lassie machen nicht auf künstlich betroffen, sondern nutzen den Unsinn als Tarnkappe für Haltung.

Diese EP wirkt wie ein kleiner Gegenentwurf zum vorhersehbaren Standard-Punk. Statt Parolen vom Fließband gibt es Bilder aus Weltall, Kioskheft und B-Movie-Keller. Statt platter Zeigefingerpädagogik gibt es Invasoren, Echsenmenschen und eine Ex vom Mars. Und trotzdem steckt darunter genug Wut auf Manipulation, Machtmissbrauch, Dummheit und gesellschaftliche Abstumpfung, um das Ganze nicht als bloße Spaßnummer abzutun.

FAZIT:

»Invaders From Venus« ist eine kurze, schmutzige und erstaunlich clevere Space-Punk-EP, die Punkrock, Popkultur, Satire und Science-Fiction-Irrsinn charmant zusammenprügelt. Thin Lassie klingen dabei, als hätten sie ihren Proberaum irgendwo zwischen Duisburger Kellerclub und intergalaktischem Zeitungskiosk eingerichtet. Das ist rotzig, schräg, eingängig und deutlich eigenständiger, als man es bei dieser Art Konzept erwarten könnte.

Die stärksten Momente sind der sozialkritisch bissige Titelsong »Invaders From Venus«, der hektisch-paranoide Punkrock-Ausbruch »The Lizard Men« und das herrlich klebrige Finale »My Ex From Mars«. »Scruffy Looking Nerf Herder« eröffnet die EP zudem mit genau jener Mischung aus Nerd-Witz und Punkrock-Zug, die das ganze Ding trägt.

Für Fans von Ramones, Misfits, schrägem Space-Punk, poppigem Punkrock und Bands, die lieber ein Comic-Heft anzünden als zum hundertsten Mal dieselbe Szene-Pose nachstellen, ist »Invaders From Venus« eine klare Empfehlung. Keine Revolution des Genres, aber ein verdammt unterhaltsamer kleiner Alien-Angriff mit Herz, Hirn und ordentlich Schleim am Verstärker.

Internet

Thin Lassie - Invaders From Venus - EP Review

Embrace Of Souls im Interview: „Wir wollten eine echte Metal-Oper erschaffen.“

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Interview: Robert & Michale

Mit Embrace Of Souls erhebt sich eine Formation, die klassischen Power Metal, symphonische Opulenz, chorale Wucht und cineastische Erzählkunst zu einem mächtigen Gesamtbild verschmilzt. Was 2019 aus der Vision von Drummer und Komponist Michele Olmi entstand, hat sich längst von einem ambitionierten Studioprojekt zu einer echten Live-Band mit internationaler Ausstrahlung entwickelt. Nach dem Debütalbum »The Number Of Destiny« und dem 2024 erschienenen »Forever Part Of Me« folgt mit »The Battle Of The Dead« nun ein Werk, das wie eine ausgewachsene Epic-Power-Metal-Oper wirkt. Im Interview sprechen Michele, Xavier und Edward de Rosa über die Entstehung der Band, den Einfluss der Pandemie, symphonische Dramaturgie, neue Stimmen im Line-up und den nächsten großen Schritt mit Rockshots Records.

Embrace Of Souls – Interview zu »The Battle Of The Dead«

Robert: Embrace Of Souls entstand aus der Vision von Drummer und Komponist Michele Olmi. Wie kam die ursprüngliche Idee für die Band zusammen, und welches musikalische Ziel stand von Anfang an im Mittelpunkt?

Michele: Das Projekt entstand 2019 aus meinem Wunsch heraus, mich selbst als Komponist herauszufordern und Musiker zusammenzubringen, die dieselbe künstlerische Vision teilten. Von Beginn an war das musikalische Ziel klar: Wir wollten die Kraft und Geschwindigkeit des klassischen Power Metals der 90er mit Melodie, epischer Weite sowie der Größe symphonischer Orchestrierung und Chöre verbinden.

Robert: Euer Debütalbum »The Number Of Destiny« erhielt international sehr positive Rückmeldungen, besonders in Japan. Wie habt ihr diese erste Welle der Aufmerksamkeit erlebt?

Michele: Die Reaktionen auf »The Number Of Destiny« waren eine unglaubliche Überraschung. Zu wissen, dass internationale Hörer, besonders in Japan – einem Land, das schon immer eine starke Verbindung zu diesem Musikstil hatte – das Album so sehr schätzten, erfüllte uns mit Freude und Stolz. Diese erste Welle der Begeisterung war der entscheidende Funke, der mich davon überzeugte, das Projekt von einem Studioprojekt in eine echte Live-Band zu verwandeln.

Robert: Mit »Forever Part Of Me« seid ihr 2024 mit einer hörbaren Weiterentwicklung eures Sounds zurückgekehrt. Was hat sich zwischen dem ersten und dem zweiten Album am meisten verändert?

Michele: »Forever Part Of Me« markierte einen grundlegenden Wendepunkt in unserem künstlerischen Wachstum. Wenn das Debütalbum ein Manifest des klassischen Power Metals war, das traditionellen Standards verpflichtet war, wollten wir mit dem zweiten Album unsere eigene Identität weiterentwickeln.
Die deutlichste Veränderung lag in der Stärkung der Songstrukturen: Die Gitarren wurden aggressiver und moderner, Giacomos Chöre vielschichtiger, und der symphonische Ansatz verschmolz auf wesentlich direktere Weise mit der Rhythmussektion. Wir arbeiteten äußerst sorgfältig am Songwriting, damit jede Melodie unmittelbar wirkt, zugleich aber von komplexen Arrangements getragen wird. So entstand eine perfekte Brücke zwischen der treibenden Energie des Power Metals und der emotionalen Tiefe der behandelten Themen.

Robert: Euer neues Album »The Battle Of The Dead« klingt wie eine groß angelegte Epic-Power-Metal-Oper. War es von Anfang an als Konzeptalbum mit größerer Handlung geplant?

Michele: Absolut. Die Idee, eine echte Metal-Oper zu erschaffen, war ein Ziel, das wir schon lange in uns trugen. Bereits in den ersten Schreibsessions wurde »The Battle Of The Dead« als cineastische Erzählung konzipiert, die in Kapitel unterteilt ist. Wir wollten nicht einfach nur eine Sammlung von Songs schaffen, die durch einen oberflächlichen roten Faden verbunden sind, sondern eine immersive Reise. Die Musik wurde sorgfältig um die Handlung herum geformt: Jede Tempowechsel, jede orchestrale Ergänzung und jede atmosphärische Verschiebung dient dazu, die Entwicklung der Ereignisse darzustellen.

Robert: Der Titeltrack »The Battle Of The Dead« verbindet Geschwindigkeit, orchestrales Drama, Schlachtenbilder und eine sehr cineastische Atmosphäre. Was war die zentrale Idee hinter diesem Song?

Michele: Der Titeltrack ist das schlagende Herz und der dramatische Höhepunkt des gesamten Albums. Das Hauptziel bestand darin, all die unterschiedlichen Seiten von Embrace Of Souls in einem einzigen Song zusammenzufassen: die vernichtende Geschwindigkeit nordeuropäischen Power Metals und die Größe von Filmmusik. Wir wollten, dass die Hörer beim Schließen der Augen die Spannung des unmittelbar bevorstehenden Zusammenstoßes und die verzweifelte Epik einer entscheidenden Schlacht innerhalb dieser Geschichte lebendig wahrnehmen. Das orchestrale Drama dient genau diesem Zweck: Es verleiht der Geschwindigkeit des Power Metals Tiefe und emotionales Gewicht.

Robert: »Eversun« eröffnet eine Welt voller Königreiche, Schicksal, Licht und herannahender Dunkelheit. Kannst du uns mehr über das fiktionale Universum hinter dem Album erzählen?

Xavier: Die Geschichte spielt in einer Welt, die von Harmonie beherrscht wird – zumindest scheint es so. Kriege sind zu einer fernen Erinnerung geworden, und die Bewohner der vier Königreiche leben in Frieden und helfen einander. Selbst die Herrscher der verschiedenen Regionen pflegen freundschaftliche Beziehungen, wodurch der Eindruck einer stabilen und wohlhabenden Welt entsteht. Doch unter dieser scheinbaren Balance beginnen sich bereits dunklere Kräfte zu regen, die jene Ereignisse in Gang setzen, die sich im Verlauf des Albums entfalten.

Robert: Songs wie »The Plague«, »Spine« und »Who Can Save Us« behandeln Angst, Krankheit, Verzweiflung und die Suche nach Rettung. Haben reale Erfahrungen diese dunkleren Themen beeinflusst?

Xavier: Das Konzept des Albums ist fast direkt aus der Erfahrung entstanden, die wir während der COVID-Pandemie gemacht haben. Hier in Bergamo traf die Pandemie besonders hart, und es war für alle eine extrem schwierige Zeit. Die Angst vor Krankheit, das Gefühl der Isolation und der Abkopplung von der umgebenden Welt sowie der Kampf darum, die Hoffnung nicht zu verlieren, fanden alle ihren Weg in die Geschichte. Wir haben lediglich entschieden, diese Emotionen durch ein mittelalterliches Fantasy-Setting neu zu interpretieren.
 

Desolate Lands - Musikvideo:

 

Robert: »Betrayal« wirkt wie ein Wendepunkt der Geschichte, an dem Vertrauen zusammenbricht und verborgenes Böse sichtbar wird. Wie wichtig war dieser Song für die dramatische Struktur des Albums?

Xavier: Innerhalb der Erzählung des Albums spielt dieser Song eine entscheidende Rolle, weil er einen großen Wendepunkt in der Geschichte markiert. Es ist der Moment, in dem die Quelle all des Leids endlich identifiziert wird und die Charaktere zu verstehen beginnen, was ihre Welt erschüttert und verwüstet hat. Von diesem Punkt an wird der Konflikt viel klarer, und die Geschichte bewegt sich in ihre finale und dramatischste Phase.

Robert: In »The Dark Lord« erhält der Feind schließlich ein klareres Gesicht. Welche Rolle spielt diese Figur im Gesamtkonzept von »The Battle Of The Dead«?

Xavier: Zu diesem Zeitpunkt wurde die Wahrheit endlich enthüllt, und alle vier Königreiche verstehen, dass sie einem gemeinsamen Feind gegenüberstehen. Doch auch wenn die Quelle des Chaos nun klar ist, bleibt die Hoffnung knapp. Der Dark Lord nutzt gestohlene Seelen, um seine Armee aufzubauen und Krieg gegen das zu führen, was von der Menschheit übrig ist. Er repräsentiert nicht nur den Hauptantagonisten der Geschichte, sondern auch die Verkörperung von Angst, Verlust und Verzweiflung, die sich über die ganze Welt ausgebreitet haben.

Robert: Martina Mazzeo ist 2025 zur Band gestoßen und hat ein operatisches, symphonisches Element in euren Sound gebracht. Wie hat ihre Stimme die Art verändert, wie ihr Songs schreibt und arrangiert?

Michele: Martinas Einstieg hat unsere kompositorischen Horizonte erweitert und stellte einen wichtigen Schritt in der Entwicklung der Band dar. Eine Sängerin mit starkem operatischem Hintergrund zu haben, die sich ganz natürlich zwischen zarten Passagen und kraftvolleren Momenten bewegen kann, eröffnete uns neue Möglichkeiten sowohl im Songwriting als auch im Arrangement.
Aus Sicht des Arrangements verlassen wir uns nicht mehr ausschließlich auf Keyboards und orchestrale Schichten, um Atmosphäre und Emotion zu erzeugen. Martinas Stimme ist zu einem integralen Bestandteil dieser symphonischen Dimension geworden. Ihr Timbre und ihr Stimmumfang ermöglichen es uns, vielfältigere melodische Ideen zu erkunden und Gesangsarrangements mit größerer Tiefe und Flexibilität anzugehen als zuvor.

Robert: Der Kontrast zwischen Giacomo Rossis kraftvollem männlichem Gesang und Martina Mazzeos operatischem Sopran verleiht dem Album eine sehr theatrale Dimension. Wie nähert ihr euch den Gesangsarrangements für zwei derart ausdrucksstarke Stimmen?

Michele: Zwei stimmliche Persönlichkeiten auszubalancieren, die beide stark und zugleich komplementär sind, ist eine spannende Herausforderung. Wir zielen nie auf ein simples, publikumswirksames Duett ab; stattdessen betrachten wir Gesangsarrangements aus einer theatralischen und erzählerischen Perspektive. Giacomo bringt die Kraft und Rauheit mit, die typisch für klassischen Power Metal ist, während Martina Eleganz und Feierlichkeit beisteuert, wie man sie mit operatischem Gesang verbindet.
Oft verweben wir ihre Gesangslinien kontrapunktisch miteinander, sodass jede Stimme die Stärken der anderen hervorhebt. Dadurch entsteht ein dynamisches Wechselspiel, das die emotionale und dramatische Wirkung der Musik verstärkt und gleichzeitig der Geschichte dient, die wir erzählen wollen.

Robert: Eure Musik kombiniert schnellen Power Metal, symphonische Elemente, Chöre, cineastische Keyboards und technisches Gitarrenspiel. Wie bringt ihr Komplexität und einprägsames Songwriting in Balance?

Edward de Rosa: Alles beginnt mit einer melodischen Linie, die gut funktioniert und zugleich mit der Geschichte übereinstimmt, die der Text erzählen möchte. Sobald dieses Fundament steht, bereichern wir die Songs mit orchestralen Arrangements, Chören und Gitarrenmelodien, achten dabei aber immer darauf, dass kein einzelnes Element die anderen überdeckt.
Jedes Instrument spielt eine wichtige Rolle; es ist wie die Wahl des richtigen Rahmens für ein Gemälde. Wir legen großen Wert darauf, die Balance zwischen all den verschiedenen Elementen zu bewahren. Selbst die Gitarrensoli verbinden aus genau diesem Grund einen shred-orientierten und einen melodischen Ansatz: Technik sollte immer dem Song dienen, statt ihn zu dominieren.

Robert: Ihr habt bereits mit Bands wie Domine, Vision Divine, Stratovarius, Sonata Arctica und Rhapsody Of Fire die Bühne geteilt. Welche Live-Erfahrung war für die Entwicklung der Band besonders wichtig?

Edward de Rosa: Jede dieser Erfahrungen hat uns etwas gegeben, das wir für immer mit Stolz in uns tragen werden. Unser Live-Debüt als Support von Vision Divine war besonders wichtig, weil wir zuvor noch nie gemeinsam auf einer Bühne gestanden hatten und vor einem so großen Publikum wirklich nicht wussten, was uns erwarten würde. Es hätte sehr gut laufen oder in einer Katastrophe enden können.
Zum Glück fügte sich alles zusammen. Diese Show half uns zu verstehen, wer wir als Band waren, und bestätigte, dass sowohl das Projekt als auch die Chemie zwischen uns bemerkenswert gut funktionierten – fast so, als hätten wir schon seit Jahren gemeinsam gespielt.
Unser Auftritt beim Wondergate Festival an der Seite von Stratovarius und Sonata Arctica war ein weiterer wichtiger Meilenstein. Er bestätigte dieselbe Chemie in einem größeren Rahmen, als Opener für Bands, deren Musik eine bedeutende Rolle in unserer Entwicklung als Musiker gespielt hat.
Die Show mit Domine war ebenfalls besonders bedeutungsvoll, auch wegen unserer engen Freundschaft zu Morby, der auf unseren letzten beiden Alben als Special Guest zu hören war. Die Unterstützung einer so wichtigen Persönlichkeit der Metal-Szene zu haben, war und ist weiterhin eine große Quelle der Motivation und Inspiration für uns.

Robert: Eure Alben erschienen über Elevate Records. Wie wichtig ist die Beziehung zu eurem Label für das Wachstum und die internationale Sichtbarkeit von Embrace Of Souls?

Michele: Die Beziehung zu Plattenlabels war sicherlich eine tragende Säule unseres Wachstums. Unsere Zusammenarbeit mit Elevate Records war für die ersten beiden Alben sowohl synergetisch als auch entscheidend. Sie ermöglichte es uns, durch effektive Distribution und die notwendige Promotion solide Grundlagen zu schaffen, um Hörer über Italien hinaus zu erreichen – darunter historisch anspruchsvolle Märkte wie Japan und andere Teile Europas.
Heute sind wir mit der Veröffentlichung von »The Battle Of The Dead« stolz darauf, Teil des Rosters von Rockshots Records geworden zu sein. In der heutigen Musikindustrie, besonders im Symphonic Metal, wo Produktionen unglaublich ambitioniert sein können, macht es einen enormen Unterschied, ein Label zu haben, das wirklich an die eigene künstlerische Vision glaubt. Dieser Schritt bedeutet für die Band sowohl einen großen Erfolg als auch eine natürliche Weiterentwicklung.

The Battle Of The Dead Musikvideo:

Robert: Für Fans von Rhapsody Of Fire, Stratovarius, Sonata Arctica und Nightwish: Was macht Embrace Of Souls innerhalb der heutigen Power-Metal- und Symphonic-Metal-Szene einzigartig?
Michele: Die Bands, die du genannt hast, zählen für viele von uns zu den größten Einflüssen, deshalb ist es eine große Ehre, mit ihnen verglichen zu werden.
Was Embrace Of Souls unserer Meinung nach auszeichnet, ist unser Ansatz, klassische Power-Metal-Energie mit einer starken cineastischen und erzählerischen Dimension zu verbinden. Unsere Wurzeln liegen fest in der Tradition des Genres, aber wir versuchen immer, etwas zu erschaffen, das zeitgemäß wirkt, statt nostalgisch zu sein.
Ein weiteres prägendes Element ist das Zusammenspiel zwischen Giacomos kraftvollem Power-Metal-Gesang und Martinas operatischer Stimme. Ihre unterschiedlichen Hintergründe ermöglichen es uns, eine theatralischere und dynamischere Form des Storytellings zu erschaffen, die zu einem wesentlichen Bestandteil unserer Identität geworden ist.
Letztlich ist es unser Ziel, nicht nur Songs zu schreiben, sondern immersive musikalische Reisen zu erschaffen, bei denen Melodien, Orchestrierung, Texte und Charaktere alle dazu beitragen, eine Geschichte zu erzählen.

Robert: Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen euch alles Gute mit »The Battle Of The Dead« und allem, was als Nächstes kommt. Die letzten Worte gehören euch: Gibt es etwas, das ihr direkt an eure Fans und an unsere Leser richten möchtet?

Michele: Zunächst einmal vielen Dank für eure Zeit und euer Interesse, und danke an alle Leser für ihre Unterstützung.
Mit »The Battle Of The Dead« haben wir alles gegeben, um eine Geschichte und eine Reise zu erschaffen, von der wir hoffen, dass ihr sie gerne mit uns erleben werdet. Dieses Album steht für sehr viel Leidenschaft, Hingabe und harte Arbeit, und wir sind unglaublich aufgeregt, es endlich mit der Welt zu teilen.
Außerdem möchten wir allen herzlich danken, die uns über die Jahre unterstützt haben, und allen, die weiterhin an das glauben, was wir tun. Eure Ermutigung bedeutet uns mehr, als Worte ausdrücken können, und motiviert uns dazu, weiter zu wachsen und neue Musik zu erschaffen.
Wir hoffen, euch alle sehr bald unterwegs zu sehen!

Embrace Of Souls – Interview

HORN – Apokalyps 1618

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HORN - Apokalyps 1618 - cover artwork
HORN - Apokalyps 1618 - cover artwork

Band: HORN 🇩🇪
Titel: Apokalyps 1618
Label: Northern Silence Productions
VÖ: 05/06/26
Genre: Pagan Black Metal

Tracklist

01. Apokalyps 1618
02. Die Ahren gleich als mit dem Huf
03. Naud
04. Barhout
05. Am Abgrund steht der Junker
06. Hiofan mahnt
07. Ergot
08. At our bleakest

 

Besetzung

Niklas alais Nerrath – Vocals and all Instruments

 

Bewertung:

4,5/5

Zwischen Pest, Krieg und düsterer Folklore

Seit mehr als zwei Jahrzehnten zählt HORN zu den eigenständigsten Vertretern des deutschsprachigen Pagan-Black-Metal. Hinter dem Projekt steht nach wie vor Niklas „Nerrath“, der sämtliche Instrumente einspielt und den Großteil der kreativen Arbeit allein stemmt. Mit seinem elften Studioalbum »Apokalyps 1618« knüpft der Musiker thematisch an das 2024 erschienene »Daudswiärk« an und richtet den Blick erneut auf die Wirren des frühen 17. Jahrhunderts. Dabei verbindet er historische Ereignisse wie die Anfänge des Dreißigjährigen Krieges mit Sagen, Mythen und Erzählungen aus der deutschen Folklore. Das Ergebnis ist ein vielschichtiges Werk, das musikalisch wie inhaltlich zu den ambitioniertesten Veröffentlichungen der Bandgeschichte zählt.

Ein düsteres Panorama des Untergangs

Bereits der Titeltrack »Apokalyps 1618« macht deutlich, wohin die Reise geht. Melodische Gitarrenläufe treffen auf treibende Rhythmen und jene unverwechselbare Atmosphäre, die HORN seit Jahren auszeichnet. Der Song erinnert stellenweise an die Stärke früherer Werke und fungiert gleichzeitig als Tor in eine Welt voller religiöser Ängste, Kriegsschrecken und gesellschaftlicher Umbrüche.

Die Verbindung von Pagan-Metal und klassischem Black-Metal gelingt dabei bemerkenswert organisch. Nerrath setzt weniger auf rohe Aggression als auf erzählerische Spannung und atmosphärische Dichte. Gerade diese Herangehensweise verleiht dem Album eine besondere Tiefe.

Mut zur Vielfalt

Mit »Die Ahren gleich als mit dem Huf« schlägt HORN deutlich rauere Töne an. Disharmonische Gitarren und unruhige Strukturen erzeugen eine beklemmende Stimmung, die hervorragend zum historischen Kontext passt. Der Song wirkt sperrig, entfaltet aber gerade dadurch eine enorme Intensität.

»Naud« setzt stärker auf melodische Elemente und führt den Hörer durch wechselnde Stimmungen zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Die Komposition zeigt eindrucksvoll, wie vielseitig Nerrath mittlerweile arbeitet.

Zu den experimentellsten Momenten des Albums zählt zweifellos »Barhout«. Ungewöhnliche Gesangsstile, eigenwillige Harmonien und überraschende Wendungen machen den Titel zu einem der spannendsten Stücke der Platte. Hier verlässt HORN bewusst vertraute Pfade und beweist, dass sich Pagan-Black-Metal auch jenseits etablierter Genregrenzen entfalten kann.

Geschichte als Inspiration

Ein wesentlicher Reiz von »Apokalyps 1618« liegt in seiner thematischen Ausrichtung. Die Texte greifen historische Ereignisse wie den Prager Fenstersturz und die ersten Jahre des Dreißigjährigen Krieges auf. Gleichzeitig fließen Motive aus den Sammlungen der Brüder Grimm und verschiedenen Volkssagen ein.

Dadurch entsteht ein faszinierendes Spannungsfeld zwischen Realität und Mythos. Die Vergangenheit wird nicht dokumentarisch aufgearbeitet, sondern in eine düstere Klanglandschaft eingebettet, die historische Fakten mit symbolischen Bildern verknüpft. Dieser Ansatz passt hervorragend zur musikalischen Ausrichtung des Albums und sorgt dafür, dass die Songs auch nach mehreren Durchläufen neue Details offenbaren.

Hochkarätige Unterstützung

Obwohl HORN traditionell als Ein-Mann-Projekt funktioniert, erhält Nerrath auf »Apokalyps 1618« Unterstützung von mehreren Gastmusikern. Mit dabei sind Jerff von ÄNTERBILA, LESTAYA VON FERNDAL, Meister Cagliostro von ATTIC sowie Schwadorf von EMPYRIUM.

Die Gäste werden dabei nicht bloß als dekoratives Element eingesetzt, sondern tragen gezielt zur Atmosphäre einzelner Stücke bei. Ihre Beiträge erweitern das Klangspektrum und verleihen bestimmten Passagen zusätzliche Ausdruckskraft. Besonders in den mehrstimmigen Gesangspartien und den atmosphärischen Zwischentönen zeigt sich der Mehrwert dieser Zusammenarbeit.

Ein ungewöhnlicher Abschluss

Mit »At Our Bleakest« endet das Album auf überraschende Weise. Die balladeske Coverversion schlägt deutlich ruhigere Töne an und erinnert in ihrer Stimmung stellenweise an die melancholische Schwere von TYPE O NEGATIVE oder die folkigen Momente von ULVER. Der Gastgesang fügt sich hervorragend in das Konzept ein und sorgt für einen nachdenklichen Ausklang nach den zuvor oftmals düsteren und dramatischen Kompositionen.

Gerade dieser Kontrast verdeutlicht die stilistische Offenheit des Albums. HORN beschränkt sich nicht auf traditionelle Genreformeln, sondern integriert unterschiedliche Einflüsse zu einem stimmigen Gesamtbild.

Auch optisch ein Kunstwerk

Passend zur musikalischen Komplexität präsentiert sich das Artwork außergewöhnlich detailreich. Die von den surrealen Bildwelten Hieronymus Boschs inspirierte Gestaltung lädt zum Entdecken ein und ergänzt die Themen von Krieg, Glauben, Aberglauben und Weltuntergang perfekt. Wie die Musik offenbart auch das Cover bei genauer Betrachtung immer neue Facetten.

»Apokalyps 1618« gehört ohne Zweifel zu den stärksten und zugleich vielseitigsten Veröffentlichungen in der Diskografie von HORN. Nerrath verbindet traditionellen Pagan-Black-Metal mit experimentellen Ansätzen, historischen Themen und folkloristischen Elementen zu einem Werk, das gleichermaßen anspruchsvoll wie atmosphärisch ist. Die unterschiedlichen Gesangssprachen, die Gastbeiträge und die stilistische Offenheit sorgen für Abwechslung, ohne den roten Faden zu verlieren.

Wer melodischen Black-Metal mit Tiefgang, historischer Thematik und einem Gespür für außergewöhnliche Kompositionen schätzt, findet hier ein Album, das weit über Genrestandards hinausgeht.

Fazit: »Apokalyps 1618« von HORN ist mehr als nur ein Black-Metal-Album, es ist ein künstlerisches Gesamtkunstwerk, das dunkle Legenden, historische Ereignisse und surrealistische Kunst verbindet.

Internet

HORN - Apokalyps 1618 - CD Review

THORIUM – Suburban Rot

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THORIUM - Suburban Rot - cover artwork
THORIUM - Suburban Rot - cover artwork

Band: THORIUM 🇩🇰
Titel: Suburban Rot
Label: Emanzipation Productions
VÖ: 06/06/26
Genre: Death Metal

Tracklist

01. Abra Macabre
02. Endless Disgust
03. Open Wounds
04. MG42
05. Suburban Rot
06. Shelter
07. The Collector
08. Bring The Children To Me
09. The Undead
10. Crucified

 

Besetzung

Jens Peter Storm – Guitars
Jose Cruz – Guitars
Daniel Preisler Larsen – Drums
Jesper Nielsen – Bass
Michael H. Andersen – Vocals

 

Bewertung:

4,5/5

Drei Jahrzehnte skandinavische Härte

Seit mittlerweile 30 Jahren zählen THORIUM zu den beständigen Kräften des dänischen Death-Metals. Während viele Weggefährten kamen und gingen, blieb die Formation ihrem kompromisslosen Stil stets treu. Mit ihrem siebten Studioalbum »Suburban Rot«, das über Emanzipation Productions erscheint, feiert die Band nicht nur ein bemerkenswertes Jubiläum, sondern präsentiert gleichzeitig eines ihrer intensivsten und persönlichsten Werke überhaupt.

Besetzt mit Sänger Michael H. Andersen, den Gitarristen Jens Peter Storm und Jose Cruz, Bassist Jesper Nielsen sowie Schlagzeuger Daniel Preisler Larsen, setzt die Band erneut auf klassischen Death-Metal skandinavischer Prägung. Produziert wurde das Album von JP Storm, während der renommierte Tue Madsen im Antfarm Studio für Mix und Mastering verantwortlich zeichnete. Das Ergebnis klingt druckvoll, modern und dennoch angenehm organisch.

Dunkle Themen und kompromisslose Atmosphäre

Bereits der Opener »Abra Macabre« macht deutlich, wohin die Reise geht. Bedrohliche Gitarrenlinien treffen auf wuchtige Blastbeats und Michael H. Andersens markantes Growling. THORIUM verzichten auf unnötige Experimente und konzentrieren sich stattdessen auf ihre Kernkompetenzen. Eingängige Riffs, starke Dynamik und eine düstere Grundstimmung.

»Endless Disgust« legt anschließend noch eine Schippe Aggression drauf. Die Band verbindet hier klassische Death-Metal-Strukturen mit modernen Groove-Elementen, ohne dabei ihre Identität aus den Augen zu verlieren. Besonders die Gitarrenarbeit überzeugt durch zahlreiche kleine Details, die sich erst nach mehreren Durchläufen vollständig erschließen.

Mit »Open Wounds« folgt einer der emotionalsten Titel des Albums. Zwischen rasenden Passagen und schweren Midtempo-Parts entsteht eine bedrückende Atmosphäre, die hervorragend zum Albumtitel passt. THORIUM zeigen hier eindrucksvoll, dass Härte und Ausdruckskraft keine Gegensätze sein müssen.

Präzision statt Dauerfeuer

Ein besonderes Highlight stellt »MG42« dar. Der Song erinnert mit seiner kompromisslosen Direktheit an die großen Vertreter der europäischen Death-Metal-Schule. Die Gitarren sägen messerscharf durch die Lautsprecher, während das Schlagzeug präzise und druckvoll agiert.

Der Titeltrack »Suburban Rot« bildet das Herzstück des Albums. Hier bündeln THORIUM sämtliche Stärken ihrer langjährigen Karriere. Dunkle Melodien treffen auf massive Riffwände, während die Lyrics gesellschaftliche Verfallserscheinungen und menschliche Abgründe thematisieren. Der Song wirkt wie eine Zusammenfassung dessen, wofür die Band seit drei Jahrzehnten steht.

Etwas mehr Abwechslung bringt »Shelter« ins Spiel. Die langsameren Passagen schaffen Raum zum Atmen und verleihen dem Album zusätzliche Tiefe. Dennoch bleibt die Spannung durchgehend erhalten. Gerade solche Momente zeigen die Erfahrung der Musiker, die genau wissen, wann Geschwindigkeit sinnvoll ist und wann Zurückhaltung mehr Wirkung erzielt.

Zwischen Horror und Realität

Mit »The Collector« und »Bring The Children To Me« taucht die Band tief in verstörende Themenwelten ein. Beide Stücke besitzen eine beinahe cineastische Atmosphäre und erzeugen Bilder im Kopf des Hörers. Die Mischung aus schweren Grooves, aggressiven Ausbrüchen und düsteren Melodiebögen funktioniert hervorragend.

»The Undead« erinnert stellenweise an klassische skandinavische Death-Metal-Veröffentlichungen der neunziger Jahre. Dabei wirkt der Song jedoch keineswegs nostalgisch. Vielmehr gelingt es THORIUM, die Essenz des Genres in ein modernes Klanggewand zu übertragen. Die Produktion von Tue Madsen sorgt dafür, dass jede Instrumentenspur klar definiert bleibt, ohne an Wucht einzubüßen.

Den Abschluss bildet »Crucified«, ein würdiger Schlusspunkt für ein Album, das über seine gesamte Spielzeit hinweg ein hohes Niveau hält. Der Song vereint Aggression, Atmosphäre und starke Songstrukturen zu einem Finale, das lange nachhallt.

Erfahrung als Stärke

Was »Suburban Rot« besonders auszeichnet, ist die Balance zwischen Tradition und zeitgemäßer Umsetzung. THORIUM versuchen nicht, Trends hinterherzulaufen oder ihr Publikum mit unnötigen Stilwechseln zu überraschen. Stattdessen konzentriert sich die Band auf das, was sie seit Jahrzehnten ausmacht, ehrlichen, kraftvollen Death-Metal mit Charakter.

Dabei profitiert das Album spürbar von der Erfahrung seiner Musiker. Die Songs wirken durchdacht, die Arrangements präzise und die gesamte Produktion äußerst professionell. Trotz aller Härte bleibt genügend Raum für Atmosphäre und musikalische Feinheiten.

Mit »Suburban Rot« liefern THORIUM ein beeindruckendes Jubiläumsalbum ab. Die zehn Songs vereinen die Wut, Leidenschaft und Authentizität der frühen Bandjahre mit der Reife und Souveränität von drei Jahrzehnten Erfahrung. Dank starker Kompositionen, einer erstklassigen Produktion und einer konstant hohen Intensität zählt das Werk zweifellos zu den stärksten Veröffentlichungen der Bandgeschichte.

Für Fans von kompromisslosem skandinavischem Death-Metal ist dieses Album nahezu Pflichtprogramm. THORIUM beweisen eindrucksvoll, dass sie auch nach 30 Jahren noch längst nicht zum alten Eisen gehören.

Fazit: »Suburban Rot« ist ein dunkles, persönliches Meisterwerk, das die geniale Mischung aus roher Aggression und emotionaler Tiefe verkörpert.

Internet

THORIUM - Suburban Rot - CD Review

GROTESKH: neues Album mit neuem Genre bald live auf der Bühne in Klagenfurt!

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KV Blasphemic Rites präsentiert: „A LOW BUDGET HORROR (release) SHOW“ :

GROTESKH, MOSTÖRHEAD, TITAN KILLER und JOHN DRIP am 04.07.26 im Fritz Club, Klagenfurt am Wörthersee

GROTESKH_A-Low-Budget-Horror(release)show - FLYER

Wenn es einen Bandnamen gibt, der eine stilistische 180°-Wende verkraftet, dann GROTESKH. Die Band wurde 2010 in Klagenfurt gegründet und bereichert die Szene mit rauem Black Metal, der bis zuletzt seine Grausamkeit in dissonanten und arrhythmischen Elementen entfaltete. Sechzehn Jahre später haben die Kärntner offenbar die Nase voll von Blast Beats, diabolischen Riffs und keifendem Gesang – zumindest, was das Songwriting betrifft. „A Low Budget Horrorshow“ ist der Titel ihres neuen Studioalbums, das die schwarzmetallische Ära begräbt und den Horror Rock gebärt. GROTESKH würdigen auf ihrem jüngsten Werk das Absurde, die verstörende Wahrheit, die sich unter der Oberfläche verbirgt. Angemessen angesichts des Albumnamens wird es am 4. Juli 2026 im Fritz Club in Klagenfurt eine Release Show geben. Unterstützt wird diese Metamorphose von den österreichischen Acts MOSTÖRHEAD, TITAN KILLER und JOHN DRIP. Tickets für die Show gibt es unter folgendem Link.

GROTESKH haben sich seit ihrer Gründung einen guten Ruf unter Black-Metal-Liebhabern gemacht, da sie trotz der Rohheit ihres Materials nicht vor Genre-untypischen Elementen zurückschreckten. Bereits ihr Debüt „Unconsciousness“ (2013) demonstrierte die Ideenvielfalt des Quintetts und erhielt deswegen auf unserem Magazin sogar die volle Punktezahl. Nur zwei Jahre später lieferten sie mit „Code: END“ einen starken Nachfolger, der den eigenständigen Stil der Band prägte und 2018 auf der EP „No Kvlt“ (2018) nochmals verfeinert wurde. Seitdem ist es zunehmend still um GROTESKH geworden. Was in den letzten acht Jahren unter der Oberfläche gebrodelt hat und nun zum Vorschein kommt, hat so aber niemand erwartet!

In den vergangenen Wochen haben GROTESKH ihre Social-Media-Kanäle konsequent mit ominösen Botschaften und unerwarteten Ankündigungen gefüttert. Am 15. Mai wurde endlich das Geheimnis um ihren neuen Sound gelüftet: „Freaks & Clowns“ wurde als Singleauskopplung zusammen mit dem ersten offiziellen Musikvideo der Band veröffentlicht. Als Anspielung auf den Albumtitel wurde das Video treffend als „not so low budget“ bezeichnet. Angesichts der beeindruckenden Qualität wird schnell klar, dass hinter der Produktion ein beträchtlicher Aufwand steckt. Der Song hat all die Eigenschaften einer eingängigen Rock-Nummer. Progressive Variationen am Schlagzeug in der zweiten Hälfte, ein wunderbar nostalgisches Gitarrensolo und eingespielte Zirkusmusik bringen dennoch genug Abwechslung.

Die weiteren Songs auf „A Low Budget Horrorshow“, das am 31. Mai veröffentlicht wurde, setzen den neuen Heavy-Rock-Sound konsequent fort. Das Video, das Album und die ungewöhnliche Entwicklung der Band schüren die Vorfreude auf das Konzert im Juli. Allerdings ist bei GROTESKH Vorsicht geboten: Wer mit klaren Erwartungen kommt, dürfte erleben, wie diese noch vor dem ersten Refrain genüsslich in Stücke gerissen werden.

Um sich seelisch auf den musikalischen Exorzismus einzustellen, wird es an jenem Abend Unterstützung aus der österreichischen Rock-Szene geben. JOHN DRIP eröffnet das Spektakel. Der junge Musiker sticht durch sonoren Gesang und einem wilden Genremix aus der Menge. Blues, klassischer Rock und elektronische Beats werden zu einer eigensinnigen Symbiose, die gerne mit Konventionen bricht.

Anschließend daran erobern TITAN KILLER die Bühne. Logo und Name der Band lassen geradlinigen Thrash Metal vermuten, aber tatsächlich verbirgt sich dahinter ehrlicher Heavy Metal der alten Schule. Ein gutes Maß an Melodien, sanfter Gesang, der zum Mitsingen animiert und kraftvolle Riffs sind hier Teil des Erfolgskonzepts. Ihr letztes Album, „Slow Self-Destruction“ (2025), zeigt darüber hinaus deutliche Anlehnungen an Power Metal, was es umso zugänglicher macht.

Im Gegensatz dazu werden MOSTÖRHEAD das Publikum mit hoher Geschwindigkeit, ranzigem Gesang, wild dröhnendem Bass und bekannten Riffs zum Schwitzen bringen. Bei der Formation handelt es sich – Überraschung! – um eine MOTÖRHEAD-Cover-Band. Wenn man ihrer Biografie vertrauen darf, ist sie sogar die erste in Österreich und stammt, genau wie die Headliner, aus Kärnten. Besonders charakteristisch für MOTÖRHEAD war und ist bis heute die einzigartige Stimme von Frontmann Lemmy Kilmister. Der Sänger von MOSTÖRHEAD hat nicht nur Lemmys ikonischen Outfit-Style adaptiert, seine Stimme klingt auch noch verblüffend ähnlich! Noch ein guter Grund, sich auf diesen Abend zu freuen.  

Markiert euch also den 4. Juli in euren Kalendern, denn dieses Konzert verspricht ein Abend voller Überraschungen, guter Musik und noch besserer Stimmung zu werden! Tickets gibt es online oder vor Ort an der Abendkassa.

GROTESKH_A-Low-Budget-Horror(release)show - FLYER

Eckdaten zum Konzert

Datum: 04.07.2026
Ort: Fritz Club, Viktringer Ring 39, 9020 Klagenfurt am Wörthersee
Einlass: 19:00
Vorverkaufspreis: 20€
Abendkassa: 25€
Line-Up: Groteskh, Mostörhead, Titan Killer, John Drip
Ticketlink

 

Quellenangabe: Bands

AUGUST BURNS RED – Season Of Surrender

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AUGUST BURNS RED - Season Of Surrender - cover artwork
AUGUST BURNS RED - Season Of Surrender - cover artwork

Band: AUGUST BURNS RED 🇺🇸
Titel: Season Of Surrender
Label: Fearless Records
VÖ: 05/06/26
Genre: Metalcore/Melodic Metalcore

Tracklist

01. Legions [feat. Mike Hranica]
02. The Nameless
03. Behemoth
04. Den of Thieves
05. Sonic Salvation (feat. Polaris)
06. Cerebral Malfunction (feat. Make Them Suffer)
07. Tear of the Clouds
08. Whispers Like Splinters
09. S.O.S.
10. New Horizons
11. Forged by Failure

 

Besetzung

Jake Luhrs – vocals
JB Brubaker – guitar
Brent Rambler – guitar
Dustin Davidson – bass
Matt Grenier – drums

 

Bewertung:

4,5/5

Metalcore-Veteranen zwischen Härte und Feingefühl

Seit mehr als zwanzig Jahren zählen AUGUST BURNS RED zu den Konstanten der internationalen Metalcore-Szene. Während zahlreiche Weggefährten kamen und gingen oder ihren Sound grundlegend veränderten, blieb die Formation aus Lancaster im US-Bundesstaat Pennsylvania ihrer musikalischen Identität treu. Technische Präzision, massive Breakdowns, melodische Gitarrenarbeit und eine bemerkenswerte Konstanz prägen die Karriere der Band seit ihren Anfangstagen.

Mit ihrem mittlerweile zehnten Studioalbum »Season Of Surrender« beweisen Jake Luhrs und seine Mitstreiter erneut, weshalb sie bis heute zu den wichtigsten Vertretern des modernen Metalcore gehören. Das Werk verbindet die kompromisslose Härte früher Veröffentlichungen mit einer ausgefeilteren Dynamik und zahlreichen atmosphärischen Elementen, ohne dabei an Intensität einzubüßen.

Kraftvoller Einstieg mit prominenter Unterstützung

Bereits der Opener »Legions«, bei dem Mike Hranica von THE DEVIL WEARS PRADA als Gastsänger mitwirkt, macht deutlich, wohin die Reise führt. Wuchtige Riffs treffen auf aggressive Vocals und ein hohes technisches Niveau. Die Gitarrenarbeit von JB Brubaker und Brent Rambler wirkt dabei gewohnt präzise und sorgt für zahlreiche spannende Akzente.

Direkt anschließend setzt »The Nameless« auf ein höheres Tempo und zeigt die Band von ihrer unmittelbaren und kompromisslosen Seite. Der Song verzichtet auf unnötige Spielereien und überzeugt durch seinen druckvollen Aufbau. Noch härter präsentiert sich »Behemoth«, dessen Titel Programm ist. Gewaltige Rhythmuswechsel und schwere Breakdowns sorgen für eine beeindruckende Energie.

Mit »Den of Thieves« gelingt AUGUST BURNS RED die Balance zwischen Melodie und Aggression besonders gut. Die eingängigen Lead-Gitarren verleihen dem Stück zusätzliche Tiefe, während die Rhythmussektion unaufhaltsam nach vorne drängt.

Moderne Einflüsse ohne Identitätsverlust

Besonders interessant fallen die Gastbeiträge auf der zweiten Albumhälfte aus. »Sonic Salvation«, gemeinsam mit Mitgliedern von POLARIS umgesetzt, verbindet die charakteristischen Stärken beider Bands. Das Ergebnis klingt modern, dynamisch und dennoch unverkennbar nach AUGUST BURNS RED.

Noch experimenteller geht die Band bei »Cerebral Malfunction« vor. Die Zusammenarbeit mit MAKE THEM SUFFER bringt zusätzliche atmosphärische Nuancen ins Spiel. Zwischen brachialen Passagen und düsteren Klangflächen entwickelt sich einer der abwechslungsreichsten Songs der Platte. Die Mischung aus technischer Raffinesse und emotionaler Intensität funktioniert hervorragend.

Das kurze Instrumental »Tear of the Clouds« dient anschließend als Verschnaufpause. Mit seiner ruhigen und beinahe cineastischen Stimmung schafft das Stück Raum zum Durchatmen, bevor die zweite Hälfte des Albums erneut an Härte gewinnt.

Starke zweite Albumhälfte

»Whispers Like Splinters« knüpft nahtlos an die klassischen Tugenden der Band an. Schnelle Riffs, komplexe Drum-Arrangements und aggressive Vocals prägen das Bild. Gleichzeitig sorgen melodische Gitarrenlinien für einen hohen Wiedererkennungswert.

Mit »S.O.S.« folgt einer der emotionalsten Momente des Albums. Der Song entwickelt sich kontinuierlich und setzt weniger auf rohe Gewalt als auf Atmosphäre und Spannung. Gerade dadurch entfaltet er eine besondere Wirkung.

»New Horizons« gehört zweifellos zu den stärksten Kompositionen der Platte. Der Titel vereint sämtliche Elemente, die AUGUST BURNS RED über die Jahre ausgezeichnet haben. Anspruchsvolle Instrumentalarbeit trifft auf eingängige Melodien und eine starke emotionale Komponente.

Ein würdiger Abschluss

Den Schlusspunkt setzt das fast siebenminütige »Forged by Failure«. Der längste Song des Albums wirkt wie eine Zusammenfassung aller zuvor präsentierten Stärken. Technische Finesse, intensive Breakdowns, atmosphärische Zwischenspiele und ein kraftvoller Spannungsbogen machen das Finale zu einem echten Höhepunkt.

Besonders beeindruckend ist dabei die Leistung der gesamten Rhythmusfraktion. Bassist Dustin Davidson und Schlagzeuger Matt Greiner sorgen über die komplette Spielzeit hinweg für ein stabiles Fundament und verleihen den Songs zusätzliche Dynamik. Gleichzeitig beweist Sänger Jake Luhrs einmal mehr, dass er zu den markantesten Stimmen des Genres gehört. Seine aggressive Performance transportiert die emotionale Wucht der Stücke überzeugend und authentisch.

»Season Of Surrender« zeigt AUGUST BURNS RED in bemerkenswerter Form. Die Band bleibt ihren Wurzeln treu, erweitert ihren Sound jedoch behutsam um neue Facetten. Die Gastauftritte wirken sinnvoll integriert und unterstützen die musikalische Vielfalt, ohne den roten Faden des Albums zu gefährden.

Besonders überzeugend fällt die Kombination aus technischer Präzision, melodischer Eingängigkeit und kompromissloser Härte aus. Das Album bietet genügend Überraschungen, um auch langjährige Fans bei Laune zu halten, verliert dabei aber nie seine klare Identität.

AUGUST BURNS RED liefern mit ihrem zehnten Studioalbum ein starkes Statement ab und unterstreichen eindrucksvoll ihren Status als eine der führenden Bands des modernen Metalcore. »Season Of Surrender« gehört ohne Zweifel zu den stärksten Veröffentlichungen ihrer jüngeren Karriere und dürfte sich für viele Genre-Fans als Pflichtkauf erweisen.

Fazit: »Season Of Surrender« ist ein starkes Werk, das die Band erneut auf der Höhe ihrer Schaffenskraft zeigt.

Internet

AUGUST BURNS RED - Season Of Surrender - CD Review

IGNITION – All Will Die

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IGNITION - All Will Die - cover artwork
IGNITION - All Will Die - cover artwork

Band: IGNITION 🇩🇪
Titel: All Will Die
Label: Daredevil Records
VÖ: 05/06/26
Genre: Power Metal

Tracklist

01. All Will Die
02. Amok
03. Under The Reign Of A Psychopath
04. End Of The Night
05. The Decline
06. In The Name Of God
07. Into The Abyss
08. This Rotten Core
09. In The Silence
10. The Ending Calls

 

Besetzung

Sebastian Ernst – Guitar
Torsten Feichtinger – Bass
Dennis Marschallik – Vocals
Dominik Erbach – Drums
Andreas Leyer – Guitar

 

Bewertung:

4,5/5

Ruhrpottstahl mit Biss

2015 formierte sich mit IGNITION eine Band, die ihre Wurzeln tief im klassischen Heavy- und Power- Metal verankert hat. Entstanden aus ehemaligen Mitgliedern von SYNASTHASIA und BLOOD OF GOD, verfolgt die Truppe von Beginn an einen klaren musikalischen Ansatz. Ehrlicher, kraftvoller Metal ohne unnötige Kompromisse. Mit ihrem neuen Album »All Will Die« präsentieren die fünf Musiker eine Platte, die traditionelle Tugenden des Genres mit modernen Einflüssen verbindet und dabei erstaunlich vielseitig ausfällt.

Aufgenommen wurde das Werk im bandeigenen Don Phallus Studio. Für Mix und Produktion zeichnete Sänger Dennis Marschallik verantwortlich, während das Mastering von Dennis Koehne übernommen wurde, der bereits für Größen wie SODOM, LACUNA COIL, CALIBAN, ORDEN OGAN oder EXUMER tätig war. Entsprechend druckvoll und ausgewogen fällt der Klang des Albums aus.

Tradition trifft Moderne

Bereits der Titeltrack »All Will Die« macht deutlich, wohin die Reise geht. Kraftvolle Riffs, ein markanter Gesang und eine Produktion mit ausreichend Druck bilden die Grundlage für den Sound der Band. Dabei orientieren sich IGNITION zwar hörbar an US-Power-Metal-Größen wie JAG PANZER, greifen aber ebenso Elemente deutscher Genrevertreter wie BRAINSTORM oder früher BLIND GUARDIAN auf.

Besonders gelungen ist die Verbindung klassischer Metal-Strukturen mit moderneren Einflüssen. Immer wieder schimmern rhythmische Akzente und Gitarrenarrangements durch, die an Bands wie TRIVIUM erinnern, ohne den traditionellen Charakter der Songs zu verwässern. Dadurch entsteht eine spannende Mischung aus Vertrautem und Eigenständigem.

Aggression, Melodie und Atmosphäre

Mit »Amok« und »Under The Reign Of A Psychopath« schlägt das Album zunächst eine deutlich härtere Richtung ein. Die Songs leben von aggressiven Riffs und treibenden Rhythmen, behalten dabei jedoch stets ihre melodische Ausrichtung. Besonders die Gitarrenarbeit überzeugt durch zahlreiche Details und starke Harmonien.

»End Of The Night« sorgt anschließend für etwas mehr Dynamik innerhalb des Albums. Hier zeigen IGNITION ihr Gespür für eingängige Refrains und atmosphärische Passagen. Der Song besitzt Ohrwurmpotenzial, ohne in Klischees abzurutschen.

Ein weiteres Highlight folgt mit »The Decline«. Die Kombination aus druckvollem Groove, melodischen Leads und überzeugenden Gesangslinien funktioniert hervorragend. Marschallik präsentiert sich über die gesamte Spielzeit als vielseitiger Frontmann, der sowohl kraftvolle als auch emotionale Momente glaubwürdig transportiert.

Starke zweite Albumhälfte

Während viele Debütalben im hinteren Bereich etwas an Spannung verlieren, gelingt IGNITION genau das Gegenteil. »In The Name Of God« und »Into The Abyss« gehören zu den stärksten Stücken der Platte. Hier zeigt sich besonders deutlich, wie souverän die Band unterschiedliche Facetten des Heavy Metal miteinander verbindet.

»This Rotten Core« punktet durch seine düstere Grundstimmung und einen markanten Refrain. Die beiden Gitarristen Sebastian Ernst und Andreas Leyer liefern dabei einige der stärksten Leads des Albums ab. Ihre Soli wirken nie aufgesetzt, sondern fügen sich organisch in die jeweiligen Songs ein.

Mit »In The Silence« folgt ein atmosphärischer Moment, der dem Album zusätzliche Tiefe verleiht. Die Band nimmt bewusst etwas Tempo heraus und setzt stärker auf Stimmung und Melodie. Dadurch entsteht ein wirkungsvoller Kontrast zu den härteren Nummern.

Den Abschluss bildet »The Ending Calls«, das noch einmal viele Stärken der Platte zusammenführt. Kraftvolle Riffs, eingängige Melodien und eine überzeugende Dramaturgie sorgen für einen gelungenen Schlusspunkt.

Handwerklich auf hohem Niveau

Was bei »All Will Die« besonders auffällt, ist die handwerkliche Qualität. Die Musiker verfügen über reichlich Erfahrung und wissen genau, wie ein starker Metalsong aufgebaut sein muss. Die Gitarren liefern zahlreiche abwechslungsreiche Ideen, während die Rhythmussektion aus Bassist Torsten Feichtinger und Schlagzeuger Dominik Erbach für ein stabiles Fundament sorgt.

Auch produktionstechnisch gibt es kaum Anlass zur Kritik. Der Sound besitzt genug Härte für moderne Metalfans, wahrt aber gleichzeitig die Transparenz und Natürlichkeit klassischer Produktionen. Gerade diese Balance macht einen großen Teil des Reizes aus.

Mit »All Will Die« gelingt IGNITION ein bemerkenswert starkes Power-Metal-Album. Die Band verbindet klassischen US-Power Metal, deutsche Heavy-Metal-Traditionen und moderne Einflüsse zu einem eigenständigen Gesamtbild. Dabei überzeugen sowohl das Songwriting als auch die technische Umsetzung.

Wer Bands wie JAG PANZER, BRAINSTORM, frühe BLIND GUARDIAN oder moderne Power-Metal-Interpretationen mit einer Prise Thrash schätzt, sollte diesem Album unbedingt eine Chance geben. IGNITION liefern ehrlichen Metal aus dem Ruhrgebiet, der kraftvoll, abwechslungsreich und voller Leidenschaft klingt.

Fazit: IGNITION setzen mit »All Will Die« ein deutliches Zeichen. Rohheit, Ehrlichkeit und Leidenschaft sind die Grundpfeiler ihrer Musik.

Internet

IGNITION - All Will Die - CD Review