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LaCasta – Olibanvm

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LaCasta - Olibanvm - cover artwork
LaCasta - Olibanvm - cover artwork

Band: laCasta 🇮🇹
Titel: Olibanvm
Label: Argonauta Records
VÖ: 08.05.2026
Format: Digital / CD
Genre: Blackened Crust / Blackened Hardcore / Black Metal

Tracklist

01. Manqaf
02. Melma
03. Feast For Parasites
04. Gallows Throne
05. A Grave Makes No Distinction
06. Dogma
07. Overdose
08. Harrowing Silence
09. Eradication

Besetzung

Alessandro Donnaloia – Gesang & Synths
Mario Morgante – Gitarre
Marino Martellotta – Bass
Sbrough – Schlagzeug

 

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Black Metal ist etzadla immer noch krieg! Zumindest dann, wenn LaCasta auf »Olibanvm« ihre Version davon ausrufen. Die Italiener kommen nicht mit Kerzenromantik, nicht mit Schönklang, nicht mit fein gezeichnetem Post-Black-Metal-Nebel. Hier wird gedrückt, geschoben, gebrüllt und verdichtet, bis aus Black Metal, Crust und Hardcore ein ziemlich ruppiger Klumpen Wut entsteht. Das Album ist mit gut 34 Minuten angenehm knapp gehalten und verschwendet wenig Zeit. Wer hier eine kunstvolle Einleitung in zwölf Akten erwartet, bekommt stattdessen sehr schnell eine Wand vor den Brustkorb gestellt.

Dabei ist »Olibanvm« kein bloßes Prügelalbum. Der Titel verweist auf Olibanum, also Weihrauch, und genau daraus ziehen LaCasta ihr zentrales Spannungsfeld: das Sakrale und das Grausame, Reinheit und Verletzung, Ritual und Machtmissbrauch. Die Platte beschäftigt sich mit religiöser Manipulation, moralischem Zerfall, gesellschaftlicher Fäulnis, Schuld, Sucht, Unterwerfung und der Frage, ob aus vollständiger Zerstörung überhaupt noch etwas Neues entstehen kann. Klingt schwer? Ist es auch. Aber LaCasta diskutieren das nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit geballten Fäusten.

(Hört hier »Olibanvm« von laCasta)

SAKRALES MATERIAL, UNHEILIGE ANWENDUNG

»Manqaf« öffnet das Album mit kurzer, dunkler Spannung. Das Intro arbeitet nicht mit großem Bombast, sondern mit einer rituellen Grundierung, die sofort klarmacht: Dieses Album will keinen freundlichen Einstieg. Es setzt einen Rahmen, lässt den Raum kurz enger werden und übergibt dann direkt an »Melma«. Dort wird der Ton schlagartig konkreter. Der Song attackiert eine Welt, in der Verfall und Kontamination längst Normalzustand geworden sind. Gesellschaftliche Zersetzung wird hier nicht als abstrakter Gedanke, sondern als körperlich spürbare Überwältigung verstanden.

Musikalisch ist »Melma« einer der stärksten frühen Treffer. Die Gitarren sind dicht, der Rhythmus treibt gnadenlos, und Alessandro Donnaloia klingt, als wolle er nicht überzeugen, sondern anklagen. Das ist wichtig, denn gerade bei dieser Mischung aus Black Metal und Hardcore entscheidet die Stimme viel. Sie darf nicht nur kreischen, sie muss Druck erzeugen. Genau das passiert hier.

»Feast For Parasites« geht noch deutlicher in Richtung gesellschaftlicher Abrechnung. Der Text beschreibt Menschen, die sich falschen Göttern, leeren Ritualen und bequemem Gehorsam ausliefern. Die Parasiten sitzen dabei nicht nur oben, sondern leben auch von der Passivität der Masse. Der Song ist ein Manifest gegen geistige Unterwerfung und religiös aufgeladene Verdummung. Keine besonders subtile Nummer, aber Subtilität wäre hier auch ungefähr so passend wie Flanellpantoffeln im Schlachtfeld.

GERICHT, DOGMA, VERFALL

Mit »Gallows Throne« verbinden LaCasta Schuld, Strafe und Herrschaft zu einem der brutaleren Bilder des Albums. Der Galgen wird zum Thron, also zur Machtform. Wer richtet, herrscht. Wer zuschaut, macht mit. Der Song funktioniert musikalisch besonders gut, weil er nicht nur schnell nach vorne prügelt, sondern auch diesen schwereren, stampfenden Zug nutzt, der dem Album zusätzliche Härte gibt. Hier treffen Black-Metal-Schärfe und Hardcore-Körperlichkeit ziemlich direkt aufeinander.

»A Grave Makes No Distinction« schlägt inhaltlich einen anderen Ton an. Hier geht es um das Ende aller Unterschiede. Besitz, Ruhm, Macht, Privilegien – am Schluss bleibt davon nichts. Das ist kein neuer Gedanke, aber LaCasta bringen ihn sehr effektiv auf den Punkt. Die Nummer hat einen starken, fast schon nüchternen Fatalismus. Gerade nach den vorherigen Songs tut dieser Blick auf die endgültige Gleichmachung gut. Nicht im tröstlichen Sinn, eher im Sinne von: Am Ende gewinnt der Boden.

»Dogma« ist dann der direkte Angriff auf religiöse und ideologische Kontrolle. Der Song ist kurz, wütend und gehört zu den giftigsten Momenten der Platte. Die Band zeigt Dogma als geistiges Gefängnis, als System aus Angst, Selbstbestrafung und falscher Sicherheit. Musikalisch bleibt wenig Raum zum Atmen. Riff, Schlagzeug, Stimme – alles wirkt auf Verdichtung ausgelegt. Kein Schnörkel, keine Schonfrist.

DER MENSCH ALS SCHWACHSTELLE

»Overdose« verschiebt die Perspektive stärker auf Sucht, Ersatzrealitäten und das Leben im permanenten Ausnahmezustand. Der Text denkt Abhängigkeit nicht nur chemisch, sondern auch gesellschaftlich: Chaos als Dauerzustand, künstliche Flucht, Überleben ohne Sinn. Der Song setzt diese Idee mit ruppiger Direktheit um. Er ist nicht der auffälligste Track des Albums, aber ein wichtiger Baustein, weil er den Blick vom religiösen Machtapparat auf die innere Selbstzerstörung lenkt.

»Harrowing Silence« ist mit seiner kurzen Spielzeit ein sehr konzentrierter Schlag. Der Song handelt von Leiden, Verlassenheit und einem Körper, der bereits dem Ende übergeben scheint. Gerade weil die Nummer so knapp bleibt, funktioniert sie. Kein Auswalzen, keine große Geste. Einfach Schmerz, Druck, Ende. In einem Album, das sonst gern mit großen Begriffen wie Dogma, Eradication und Sacrifice arbeitet, ist dieser kurze, körperliche Moment besonders effektiv.

Der Abschluss »Eradication« ist mit Abstand der längste Song und trägt die zentrale Spannung des Albums noch einmal zusammen. Die Welt erscheint als zerfallendes Gebäude, gestützt von brüchigen Pfeilern, beherrscht von Täuschung, Apathie und Angst. Der Gedanke der Auslöschung wird hier nicht nur als Zerstörung, sondern auch als mögliche Voraussetzung für Neubeginn formuliert. Das ist gefährliches Terrain, weil solche Motive schnell platt werden können. LaCasta halten den Song aber stark genug zusammen, um daraus ein würdiges Finale zu machen. Der Track nimmt sich Zeit, steigert sich und lässt das Album nicht einfach abbrechen, sondern konsequent ausbrennen.

KLANG, DRUCK UND GRENZEN

Die Produktion von Sebastiano Lillo und Paolo Palmieri passt sehr gut zum Material. »Olibanvm« klingt nicht glatt, aber auch nicht nach kaputter Proberaumromantik. Die Gitarren sind massiv, das Schlagzeug arbeitet mit viel Druck, und die Vocals sitzen dominant im Zentrum. Wichtig ist: Die Platte bleibt trotz ihrer Dichte nachvollziehbar. Man hört Riffs, Brüche und Strukturen, ohne dass der rohe Charakter verloren geht.

Die größte Stärke des Albums liegt in seiner Konsequenz. LaCasta ziehen ihre Linie durch. Black Metal, Crust und Hardcore werden nicht höflich nebeneinandergestellt, sondern ineinandergepresst. Dadurch entsteht eine aggressive, kompakte Platte, die ihre 34 Minuten gut nutzt. Kein Song wirkt wie ein reiner Platzhalter, und besonders »Melma«, »Feast For Parasites«, »Gallows Throne«, »Dogma« und »Eradication« hinterlassen deutliche Spuren.

Ganz ohne Einschränkungen bleibt es dennoch nicht. Die Platte ist in ihrer Grundhaltung so kompromisslos, dass sie stellenweise wenig Luft für Überraschungen lässt. Wer nach großer Dynamik, melodischen Öffnungen oder experimentellen Seitenwegen sucht, wird hier nicht viel finden. »Olibanvm« will vor allem Druck, Schwärze und Anklage. Das macht es stark, aber auch eng. Für diese Art Album ist das kein Fehler, eher eine bewusste Entscheidung. Man sollte nur wissen, worauf man sich einlässt.

FAZIT:

»Olibanvm« ist ein wütendes, dichtes und konsequent gebautes Album zwischen Black Metal, Crust und Hardcore. LaCasta liefern keinen spirituellen Trost, sondern eine Abrechnung mit Dogma, Verfall, Macht, Sucht, sozialer Passivität und der Illusion menschlicher Überlegenheit. Der Weihrauch des Titels steht nicht für Erhebung allein, sondern für ein Ritual, das immer auch Verletzung, Opfer und Ende in sich trägt.

Musikalisch überzeugt die Platte durch kompakten Druck, schneidende Riffs, starke Rhythmusarbeit und eine Stimme, die permanent am Rand der Eskalation steht. Besonders die mittlere Albumphase und das lange Finale »Eradication« zeigen, wie effektiv LaCasta ihre Mischung aus schwarzer Kälte und Hardcore-Wucht einsetzen können. Kleine Abzüge gibt es für die begrenzte stilistische Öffnung und den engen Fokus, der nicht jedem Hörer viel Raum lässt.

Wer seinen Black Metal mit Crust-Schmutz, Hardcore-Zorn und klarer antiklerikaler Schlagseite mag, bekommt hier eine sehr überzeugende Platte. »Olibanvm« ist kurz, hart, konsequent und unangenehm im besten Sinne. Kein Album für Wellness-Schwarzmetaller, sondern für Leute, die bei extremer Musik noch immer Reibung, Zorn und klare Kante hören wollen.

Olibanvm Album Stream:

Internet

laCasta - Olibanvm - CD Review

Molosser – Molosser

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Moloser - Moloser - cover Artwork
Moloser - Moloser - cover Artwork

Band: Molosser 🇳🇿
Titel: Molosser
Label: Gutter Prince Cabal
VÖ: 11.05.2026
Format: Digital / CD / MC
Genre: Death Metal / Blackened Death Metal / Death Doom

Tracklist

01. Strychnine Hill
02. Ogre Column
03. Vengeance Manifest
04. Indomitable Force

Besetzung

A.K. – Gesang
J.A. – Gitarre / Leads
J.H. – Gitarre
C.J. – Bass / Effekte
A.M. – Schlagzeug

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

Aus dem schönen Ländle Neuseeland kommt auf euch etwas ganz cremiges zu und zwar volle Kanne Hoschi! Wobei „cremig“ hier natürlich nicht nach Sahnetörtchen klingt, sondern eher nach einer tonnenschweren Abrissbirne, die vorher noch in schwarzem Pech gebadet wurde. Molosser aus Wellington liefern mit ihrer selbstbetitelten Debüt-EP vier Tracks, knapp 18 Minuten Spielzeit und keine Sekunde Wellnessprogramm. Das ist Death Metal gehüllt in schwarzen Nebel, doomiger Schwere und einem klaren Auftrag: rein, runterdrücken, fertig.

Der Name passt dabei ziemlich gut. Ein Molosser ist historisch gesehen kein Schoßhündchen für den Sonntagsbraten, sondern ein massiger Kampfhundtyp mit Kraft, Gewicht und Vorwärtsdrang. Genau so tritt auch diese EP auf. Molosser wollen hier nicht elegant um den Hörer herumtanzen. Sie setzen an, beißen zu und lassen erst los, wenn die vier Songs durch sind. Das ist primitiv im besten Sinne: nicht dumm, nicht schlampig, sondern reduziert auf Wirkung. Kein Firlefanz, kein „Schaut mal, wir können auch Jazzakkorde“, sondern Muskel, Dreck, Druck und ein sehr klares Verständnis davon, wie man Death Metal kurz und böse hält.

(Hört hier »Molosser« von Molosser)

VIER SONGS, KEIN SITZKISSEN

»Strychnine Hill« tritt die Tür ein und stellt sofort klar, dass Molosser keine lange Vorrede brauchen. Der Song arbeitet mit massiven Riffs, wuchtigen Downbeats und einem Wechselspiel aus stumpfer Gewalt und schwarzmetallisch angehauchter Raserei. Das wirkt nicht poliert, aber sehr bewusst gebaut. Die Gitarren schieben mit breiter Schulter, das Schlagzeug hämmert martialisch, und der Gesang liegt darüber wie ein tiefes, unverständliches Kommando aus irgendeinem Bunker. Freundlich ist anders. Aber freundlich war hier hoffentlich auch niemand einkalkuliert.

Gerade der Opener zeigt schon, warum die ersten Kritiken Vergleiche zu Diocletian, Heresiarch, Caveman Cult oder Primitive Warfare ziehen. Molosser spielen nicht einfach nur Death Metal, sie setzen auf eine fast kriegerische Körperlichkeit. Trotzdem ist »Strychnine Hill« kein reiner Lärmklumpen. Zwischen den Attacken blitzen kleine Wendungen auf, die dem Song mehr Profil geben, als man beim ersten Durchlauf vielleicht erwartet. Der Hoschi-Faktor ist also hoch, aber eben nicht hirnlos.

DER OGRE KOMMT NICHT ZUM KAFFEE

»Ogre Column« hält den Druck oben und macht seinem Titel alle Ehre. Der Song wirkt wie eine langsamer marschierende Kolonne, die nicht rennt, weil sie es schlicht nicht muss. Das Tempo variiert, die Riffs bleiben schwer, und die Band lässt genug Raum, damit die einzelnen Schläge wirklich einschlagen. Hier zeigt sich die doomigere Seite von Molosser, ohne dass die EP plötzlich zur Zeitlupenveranstaltung wird. Es bleibt brutal, nur eben mit mehr Gewicht auf dem Rücken.

Besonders stark ist die Rhythmusarbeit. A.M. prügelt nicht nur nach vorne, sondern setzt die Akzente so, dass die Stücke trotz ihrer primitiven Grundhaltung nicht beliebig wirken. C.J. liefert mit Bass und Effekten zusätzlichen Unterbau, der dem Ganzen eine finstere Tiefe gibt. Das ist kein technischer Zirkus, aber solides Handwerk mit klarem Ziel. Kurz gesagt: Die Band weiß, wo sie hinwill. Und sie nimmt den kürzesten, hässlichsten Weg dorthin.

KURZ, FIES UND MIT MESSER ZWISCHEN DEN ZÄHNEN

»Vengeance Manifest« ist mit unter drei Minuten der knappste Song der EP und funktioniert wie ein konzentrierter Angriff. Hier wird nicht groß ausgebaut, hier wird zugeschlagen. Die Nummer startet mit bedrohlicher Spannung, bricht dann auf und hetzt durch Blastbeats, stakkatoartige Riff-Angriffe und wimmernde Lead-Spitzen. Das ist der Moment, in dem die EP am deutlichsten ihre kurze Form ausnutzt: kein Fett, keine Dehnung, kein „wir hängen noch zwei Minuten hinten dran, weil wir es können“.

Der Song ist vielleicht der direkteste Beweis dafür, dass Molosser auf dieser Debüt-EP sehr gut mit knapper Dramaturgie umgehen können. Viele junge Extreme-Metal-Bands wollen sofort alles zeigen, was sie können. Molosser machen das Gegenteil: Sie zeigen genug, um zu überzeugen, und lassen den Rest als Drohung im Raum stehen. Gar nicht blöd. Für eine neue Band sogar ziemlich abgebrüht.

DER LANGSAME SCHLUSS MIT SCHWEREM SCHÄDEL

»Indomitable Force« ist der längste Track und gleichzeitig der Punkt, an dem die Death-Doom-Komponente am stärksten nach vorne tritt. Die Nummer kriecht nicht einfach langsam dahin, sondern baut eine schwere, fast zeremonielle Spannung auf. Cleanere Gitarrenansätze gehen in massive Verzerrung über, das Schlagzeug bleibt methodisch, und die Riffs bekommen viel Raum, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Das ist kein Song für Ungeduldige. Aber wer Geduld mitbringt, bekommt hier den stärksten atmosphärischen Moment der EP.

Auch hier gilt: Molosser machen nicht viel, aber das, was sie machen, sitzt. Die Band verzichtet auf große Überraschungen und vertraut stattdessen auf Druck, Wiederholung und Konsequenz. Das kann schnell eintönig werden. Wird es hier aber nicht, weil die EP kurz genug ist und weil »Indomitable Force« als Finale genau den richtigen Kontrast zur direkten Gewalt der vorherigen Songs setzt. Nach dem letzten Ton ist man nicht erschlagen von Länge, sondern eher geneigt, das Ding direkt noch einmal zu starten. Gute EPs können sowas.

SOUND, WIRKUNG UND KLEINE GRENZEN

Die Produktion von Dan Lowndes im Resonance Sound Studio trifft den Stil sehr gut. Der Sound ist tief, massiv und roh genug, um nicht klinisch zu wirken, aber sauber genug, damit Riffs, Drums und Bass nicht in einem einzigen braunen Geräusch verschwinden. Die Gitarren haben Körper, die Drums drücken, der Bass macht sich bemerkbar, und die Vocals bleiben schwer verständlich, aber wirkungsvoll. Bei dieser Art Death Metal muss man nicht jedes Wort verstehen. Man muss glauben, dass es schlechte Nachrichten sind.

Was die EP besonders stark macht, ist ihre Kürze. Vier Songs, knapp 18 Minuten, klare Ansage. Molosser überziehen nicht. Keine überflüssigen Zwischenspiele, keine langgezogene Selbstbespiegelung. Die Band kommt, liefert und geht. Das ist in Zeiten, in denen manche Debüts direkt auf 54 Minuten aufgeblasen werden, fast schon eine Wohltat. Lieber vier richtig feste Schläge als zwölf halbgare Umarmungen mit Stacheldraht.

Ganz perfekt ist das natürlich noch nicht. Der eigene Charakter ist vorhanden, aber noch nicht vollständig ausformuliert. Die Einflüsse stehen deutlich im Raum, und wer mit neuseeländischem oder australischem War-/Death-Metal-Underground vertraut ist, wird viele Bezugspunkte sofort erkennen. Auch dynamisch könnte die Band künftig noch etwas mehr eigene Handschrift nachschärfen. Aber für eine Debüt-EP ist das Jammern auf hohem Niveau. Der erste Eindruck sitzt.

FAZIT:

»Molosser« ist ein sehr überzeugender Erstschlag einer neuen Death-Metal-Band aus Wellington. Die EP liefert primitive Härte, blackened Tremolo-Kälte, doomige Schwere und eine Produktion, die genau weiß, wie viel Dreck und wie viel Klarheit diese Musik braucht. Molosser wollen nicht charmant sein. Sie wollen einschlagen. Mission erfüllt.

Die stärksten Momente sind »Strychnine Hill« und »Indomitable Force«, weil sie die beiden Pole der Band am besten zeigen: rohe Attacke und langsame Vernichtung. »Ogre Column« und »Vengeance Manifest« halten das Niveau stabil und sorgen dafür, dass die EP keinen Durchhänger bekommt. Das Ding ist kurz, brutal und konzentriert genug, um mehrere Durchläufe am Stück zu vertragen.

Für Fans von Diocletian, Heresiarch, Caveman Cult, Primitive Warfare, Death Worship oder allgemein finsterem, körperlichem Death Metal ist »Molosser« eine klare Empfehlung. Noch nicht die große Vollendung, aber ein verdammt starker Start. Wenn das nur der Anfang ist, sollte man diesen Hund besser nicht ohne Leine laufen lassen.

Molosser EP Stream:

Internet

Molosser - Molosser - EP Review

GO MAHHH – Doppelgänger

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GO MAHHH - Doppelgaenger - cover artwork
GO MAHHH - Doppelgaenger - cover artwork

Band: GO MAHHH 🇩🇪
Titel: Doppelgänger
Label: Noisolution
VÖ: 29/05/26
Genre: Psychedelic Rock, Shoegaze, Fuzzrock

Tracklist

01. High Mountain
02. Happy Satan’s Reign
03. Blood Transfusion
04. Anatoliosis
05. MSAZ-20
06. BBSBBQ
07. The Sun King
08. Mind Assault

 

Besetzung

Leonard Traynor – Vocals, Guitar & Flute
Ben McMahon – Bass
Damian Lovazzano Razmilic – Guitar
Josefine Lukschy – Keyboards, Lap Steel & Vocals
Cash Hutchinson – Drums

 

Bewertung:

3/5

Zwischen Fuzz, Wahnsinn und kosmischer Schwere

Mit ihrem Debütalbum »Doppelgänger« melden sich GO MAHHH lautstark aus der Berliner Underground-Szene. Das Quintett verbindet Psychedelic-Rock mit Shoegaze-Flächen, staubigem Fuzzrock und einer angenehm schrägen Note, die irgendwo zwischen spacigem Jam-Keller, doomiger Schwere und kontrolliertem Kontrollverlust pendelt. Die Bandbesetzung wirkt dabei wie ein bewusst chaotisches Kollektiv. Leonard Traynor übernimmt Gesang, Gitarre und Flöte, Ben McMahon den Bass, Damian Lovazzano Razmilic die zweite Gitarre, Josefine Lukschy steuert Keyboards, Lap Steel und zusätzliche Vocals bei, während Cash Hutchinson am Schlagzeug den oft ausufernden Klanggebilden Struktur verleiht.

»Doppelgänger« ist kein Album für nebenbei. Die Platte fordert Aufmerksamkeit, Geduld und eine gewisse Bereitschaft, sich auf repetitive Klangspiralen einzulassen. Gleichzeitig besitzt das Material genug Eigenständigkeit, um neugierig zu machen. Gerade für ein Debüt zeigt die Band Mut, ihre Songs nicht nach klassischen Rockmustern aufzubauen.

Fuzzwände und hypnotische Grooves

Schon der Opener »High Mountain« macht klar, wohin die Reise geht. Schwerer Fuzz, hallgetränkte Gitarren und eine fast tranceartige Rhythmik schieben den Song langsam nach vorne. Der Gesang wirkt dabei eher wie ein zusätzliches Instrument im Mix, statt sich dominant in den Vordergrund zu drängen. Genau das passt jedoch zur Grundstimmung der Platte.

Mit »Happy Satan’s Reign« wird es verspielter und gleichzeitig unberechenbarer. Der Track taumelt zwischen psychedelischer Lockerheit und dunklerem Unterton hin und her. Besonders die Gitarrenarbeit von Traynor und Razmilic sorgt hier für starke Momente, weil sich beide immer wieder gegenseitig umkreisen, ohne sich gegenseitig zu überladen.

»Blood Transfusion« gehört anschließend zu den intensiveren Nummern des Albums. Der Song lebt von seiner rohen Energie und einem beinahe aggressiven Grundgefühl. Gleichzeitig verstecken sich unter der lärmenden Oberfläche einige interessante Details, etwa die subtil eingesetzten Keyboardflächen oder die kurzen melodischen Einsprengsel der Lap Steel.

Zwischen Experiment und Orientierungslosigkeit

Die größte Stärke von »Doppelgänger« liegt eindeutig in seiner Atmosphäre. GO MAHHH schaffen es mehrfach, dichte Klangräume aufzubauen, die an frühe Psychedelic-Rock-Experimente erinnern, dabei aber nie völlig retro wirken. Vor allem »Anatoliosis« entwickelt einen beinahe hypnotischen Sog. Der Song zieht sich langsam auseinander, verliert sich kurzzeitig im Nebel und findet dann doch wieder zurück zu einem greifbaren Groove.

Allerdings zeigt sich hier auch das Hauptproblem des Albums. Nicht jede Idee wird konsequent zu Ende gedacht. Manche Passagen wirken unnötig ausgedehnt, einige Übergänge verlieren an Spannung. Besonders »MSAZ-20« mäandert stellenweise etwas ziellos vor sich hin. Der experimentelle Ansatz ist zwar nachvollziehbar, doch der Song hätte von mehr Fokus profitiert.

Ähnlich verhält es sich mit »BBSBBQ«, das zunächst mit einem lässigen Groove startet, sich später jedoch etwas in seinen eigenen Wiederholungen verliert. Genau an solchen Stellen merkt man, dass GO MAHHH großes Potenzial besitzen, dieses aber noch nicht immer präzise bündeln können.

Die starken Momente bleiben hängen

Trotz kleiner Schwächen bietet das Album mehrere Tracks, die nachhaltig Eindruck hinterlassen. »The Sun King« entwickelt eine angenehm düstere Stimmung und kombiniert Shoegaze-artige Flächen mit einem beinahe stoischen Rhythmus. Gerade hier funktioniert auch der mehrstimmige Gesang besonders gut.

Der Abschlusstrack »Mind Assault« bringt schließlich noch einmal viele Elemente der Platte zusammen. Schwerer Fuzz, hypnotische Gitarrenlinien und eine latent bedrohliche Atmosphäre sorgen für ein intensives Finale. Der Song zeigt gleichzeitig, wohin sich die Band künftig entwickeln könnte, etwas fokussierter im Songwriting, aber weiterhin mutig genug, Konventionen zu ignorieren.

Ein Debüt mit Ecken, Kanten und Charakter

»Doppelgänger« ist kein makelloses Album, aber genau darin liegt auch ein Teil seines Reizes. GO MAHHH präsentieren sich als Band, die lieber Risiken eingeht, statt geschniegelt und glatt zu klingen. Die Platte lebt von ihrer dreckigen Energie, ihren psychedelischen Ausbrüchen und dem Willen, Songs auch einmal bewusst ausfransen zu lassen.

Nicht jede Idee zündet vollständig, manche Komposition hätte straffer ausfallen dürfen. Dennoch besitzt dieses Debüt genug Charakter, um neugierig auf kommende Veröffentlichungen zu machen. Besonders Fans von fuzzlastigem Psychedelic Rock mit Shoegaze- und Krautrock-Einflüssen dürften hier einiges entdecken können. GO MAHHH liefern mit »Doppelgänger« ein interessantes erstes Lebenszeichen aus dem Berliner Underground. Noch nicht komplett ausgereift, aber definitiv eigenständig.

Fazit: »Doppelgänger« markiert den Einstieg von GO MAHHH in die Psychedelic/Fuzz Rock Shoegaze Musikszene.

Internet

GO MAHHH - Doppelgänger - CD Review

Eradikated – Wiring Of Violence

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Eradikated - Wiring Of Violence - cover artwork
Eradikated - Wiring Of Violence - cover artwork

Band: Eradikated 🇸🇪
Titel: Wiring Of Violence
Label: Indie Recordings
VÖ: 08.05.2026
Format: Digital / CD / LP
Genre: Thrash Metal / Crossover Thrash / Speed Metal

Tracklist

01. And On The Economy
02. British Petroleum
03. Mortality
04. Again I Rise
05. Culling
06. Tsar
07. Precipice
08. Wiring Of Violence
09. Confession Obsession
10. Ashes
11. And Cats!

Besetzung

Elvin Landaeus Csizmadia – Lead Vocals & Guitar
Ragnar Östberg – Lead Guitar & Vocals
Erland Östberg – Bass & Vocals
Calle Frogner Moberg – Drums

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Es gibt Thrash-Alben, bei denen man nach drei Songs weiß: nett gemeint, sauber gespielt, aber eigentlich liegt die Platte schon wieder im Regal. Eradikated machen es einem auf »Wiring Of Violence« schwerer. Die Schweden treten nicht als Retro-Kapelle auf, die nur alte Bay-Area-Poster abpaust. Sie nehmen diesen Sound zwar als Fundament, hängen aber mehr Wut, mehr politische Gegenwart und mehr jugendlichen Vorwärtsdrang daran, als es vielen Veteranen inzwischen lieb sein dürfte.

Das zweite Album der Band ist kurz, direkt und ziemlich ungeduldig. Nach dem grammis-nominierten »Descendants« hätten Eradikated auch auf Nummer sicher gehen können. Stattdessen wird hier die Schraube angezogen. Krieg, Ölkonzerne, soziale Ungleichheit, Machtmissbrauch, Klimakrise und kollektive Abstumpfung bilden den thematischen Rahmen. Keine schöne Welt, keine sanfte Beobachtung, kein „vielleicht sollten wir mal darüber reden“. »Wiring Of Violence« klingt eher wie der Moment, in dem die Diskussion vorbei ist und jemand den Verstärker sehr bewusst auf Anschlag dreht.

(Hört hier »Wiring Of Violence« von Eradikated)

KURZER ANLAUF, VOLLER EINSCHLAG

»And On The Economy« ist nur ein kurzer Einstieg, aber er setzt die Tonlage. Keine mystische Ouvertüre, kein langes Geräuschintro, sondern ein zynischer Einstieg in ein Album, das wirtschaftliche Gewalt und politische Kälte nicht als Nebenthema behandelt. Direkt danach macht »British Petroleum« keine Gefangenen. Der Song ist ein klassischer Nackenöffner: schnell, bissig, riffstark, mit diesem galligen Gesang von Elvin Landaeus Csizmadia, der die Worte nicht singt, sondern ausspuckt.

Dass die Nummer auf Ölkonzerne, Krieg, Macht und Profitgier zielt, ist nicht schwer zu erkennen. Trotzdem bleibt der Song kein politisches Flugblatt mit Gitarrenbegleitung. Das Ding funktioniert zuerst als Thrash-Track. Das ist wichtig. Wenn die Musik nicht knallt, helfen auch die besten Parolen nichts. Hier knallt sie. Ordentlich sogar.

»Mortality« setzt den Druck fort und liefert einen der direktesten Songs der Platte. Das Stück ist ein Aufruf zum Widerstand gegen ein System, das sich selbst zerlegt und trotzdem von den Falschen verteidigt wird. Musikalisch ist das ein Treffer: schnelle Riffs, Gang-Feeling, präzise Breaks, genug Mitbrüllfaktor. Genau hier zeigen Eradikated, dass sie nicht nur schnell spielen können. Sie verstehen, wie man Aggression bündelt.

WENN THRASH NICHT NUR SPORT IST

»Again I Rise« nimmt etwas Tempo heraus, ohne Energie zu verlieren. Der Song hat mehr Groove, mehr Raum und eine leicht verdrehte Atmosphäre. Gut so. Nach zwei Vollgas-Nummern wäre der nächste reine Hochgeschwindigkeitsangriff zwar möglich gewesen, aber nicht unbedingt klug. Eradikated zeigen hier, dass sie Dynamik verstanden haben. Das Riffing bleibt hart, die Stimmung wird schwerer, und der Song bleibt hängen, weil er nicht sofort alles in derselben Geschwindigkeit verheizt.

»Culling« ist dann wieder deutlich nervöser. Der Song wirkt enger, aggressiver und fast klaustrophobisch. Das passt zur Thematik: Auswahl, Aussonderung, Druck von oben, Gewalt als Verwaltungsprinzip. Man muss diese politische Direktheit mögen. Mir ist das aber lieber als ein weiteres Thrash-Album über nukleare Zombies, die auf Motorrädern durch generische Endzeitkulissen fahren. Eradikated haben etwas zu sagen, und sie sagen es mit Biss.

»Tsar« ist kurz, brutal und genau richtig platziert. Keine lange Ausarbeitung, keine unnötige Ausschmückung. Der Song kommt, schlägt zu und verschwindet wieder. Solche Stücke können Füllmaterial sein. Hier sind sie eher ein Tritt gegen die Tür, bevor »Precipice« mehr Tiefe ins Spiel bringt. Dieser Track gehört zu den stärkeren Momenten, weil er zwischen düsterem Spannungsaufbau und Thrash-Abriss gut vermittelt. Krieg, Abgrund, Kontrollverlust – die Themen sind groß, aber die Band hält den Song kompakt genug, damit er nicht zur Bedeutungspose wird.

DER TITELTRACK SITZT

»Wiring Of Violence« ist nicht nur wegen seines Titels der zentrale Song. Hier verdichtet sich die Grundidee des Albums: Gewalt ist kein Ausbruch einzelner Verrückter, sondern Teil eines Systems, einer Verkabelung, einer Struktur. Die Nummer ist etwas grooviger, wuchtiger und nicht ganz so frontal wie die schnellsten Stücke. Gerade dadurch gewinnt sie. Der Refrain hat Druck, das Riffing arbeitet sauber, und die Band klingt hier am meisten nach sich selbst.

»Confession Obsession« bringt danach eine weitere Facette. Stärker im Midtempo, mit kräftigem Bass-Einstieg und fast hypnotischer Wiederholung, wirkt der Song wie ein kurzes Atemholen, aber nicht wie ein Nachlassen. Das ist einer dieser Tracks, bei denen man merkt, dass Eradikated nicht nur jugendliche Energie haben, sondern auch das Gespür für Platzierung. Nicht jeder Song muss sprinten. Manche müssen schieben.

Mit »Ashes« zieht die Band zum Schluss noch einmal an. Der Song hat einen etwas düstereren Ton, aber gleichzeitig genug Thrash-Wucht, um das Album nicht bloß auslaufen zu lassen. Inhaltlich lässt sich das Stück als Blick auf Erschöpfung, psychischen Druck und das Zurückbleiben nach all der gesellschaftlichen Zerstörung lesen. Guter Abschluss, weil er nicht nur Tempo bietet, sondern auch Nachgeschmack. »And Cats!« hängt dann als kurzer, irritierender Ausklang dran. Kann man mögen, muss man nicht. Es bricht die Ernsthaftigkeit etwas auf, ohne das Album zu beschädigen.

HANDWERK, HÄRTE UND EIN PAAR GRENZEN

Was an »Wiring Of Violence« sofort auffällt: Diese Band ist tight. Nicht „für ihr Alter tight“, sondern einfach tight. Die Riffs sitzen, die Breaks kommen präzise, und das Zusammenspiel wirkt erstaunlich selbstverständlich. Ragnar Östberg und Elvin Landaeus Csizmadia liefern Gitarrenarbeit, die stark auf Bay-Area-Tradition setzt, aber nicht wie eine Museumsführung klingt. Erland Östberg und Calle Frogner Moberg halten den Laden zusammen und sorgen dafür, dass das Album trotz aller Geschwindigkeit nicht auseinanderfliegt.

Die Produktion passt dazu. Scharf genug, um modern zu wirken, roh genug, um nicht steril zu werden. Die Gitarren schneiden, die Drums drücken, der Bass ist kein bloßer Schatten, und der Gesang bleibt vorne. Es ist kein Sound, der jeden Winkel luxuriös ausleuchtet. Muss er auch nicht. Thrash braucht Reibung, und die ist hier da.

Natürlich ist »Wiring Of Violence« kein Album, das das Genre neu sortiert. Wer seit Jahrzehnten Thrash hört, wird die Einflüsse sofort erkennen: Exodus, Slayer, Death Angel, etwas Sacred Reich, hier und da moderne Crossover-Kante. Nicht jeder Song bringt eine Überraschung, und manchmal ist die Wut stärker als die Eigenständigkeit. Aber ehrlich gesagt: Bei dieser Spielfreude fällt das weniger ins Gewicht, als es auf dem Papier klingt. Das Album will keine Revolution der Form sein. Es will zünden, schieben, beißen und im besten Fall live ein paar Nacken ruinieren.

FAZIT:

»Wiring Of Violence« ist ein starkes zweites Album einer Band, die sehr genau weiß, wofür Thrash Metal 2026 noch taugen kann. Eradikated spielen schnell, wütend und technisch sauber, aber sie verlieren sich nicht im reinen Fingertraining. Die Songs haben politische Kante, klare Themen und genug Druck, um nicht als bloße Stilübung durchzugehen.

Die stärksten Momente sind »British Petroleum«, »Mortality«, »Again I Rise«, »Precipice«, »Wiring Of Violence«, »Confession Obsession« und »Ashes«. Das ist eine Menge für ein Album, das kaum über eine halbe Stunde geht. Kleine Abzüge gibt es für die begrenzte Innovationslust und dafür, dass manche bekannten Thrash-Reflexe sehr deutlich durchscheinen. Dafür stimmt die Energie fast durchgehend.

Unterm Strich liefern Eradikated genau das, was moderner Thrash braucht: keine peinliche Nostalgieveranstaltung, keine glattpolierte Streaming-Metal-Schablone, sondern ein wütendes, kompaktes, politisch geladenes Album mit starken Riffs und echter Bühnenwirkung. Wer bei Havok, Warbringer, Exodus oder Power Trip nicht sofort den Raum verlässt, sollte »Wiring Of Violence« dringend antesten.

Wiring Of Violence Album Stream:

Internet

Eradikated - Wiring Of Violence - CD Review

A Plague Of Lighthouse Keepers – Towers Of Silence

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A Plague Of Lighthouse Keepers - Towers Of Silence - cover artwork
A Plague Of Lighthouse Keepers - Towers Of Silence - cover artwork

Band: A Plague Of Lighthouse Keepers 🇳🇱
Titel: Towers Of Silence
Label: Lay Bare Recordings
VÖ: 08.05.2026
Format: Digital / 10″ Black Vinyl
Genre: Experimental Sludge / Drone Metal / Avantgarde Doom

Tracklist

01. The Massacre Of Flour
02. I Fuck People
03. Towers Of Silence

Besetzung

Joost Verhagen – Gesang, Synths, Shruti, Tanpura
Derek Twiss – Schlagzeug
Tristan »Lama Waaien« – Gitarre, Saxophon
Sterre Marrée – Bass, Backing Vocals

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Manchmal reicht ein Bandname schon aus, um zu wissen: Hier wird heute nicht gemütlich nebenbei gebügelt. A Plague Of Lighthouse Keepers aus Haarlem legen mit »Towers Of Silence« ihre Debüt-EP vor und klingen dabei, als hätte jemand Doom, Sludge, Drone, Free Jazz, Raga und Noise in einen Raum gesperrt und dann vergessen, wo der Schlüssel liegt. Das ist nicht bequem, nicht leicht zugänglich und schon gar nicht der passende Soundtrack für ein erstes Date – außer man möchte direkt testen, wie belastbar die andere Person wirklich ist.

Der Ansatz ist allerdings spannender als reine Krachkunst. A Plague Of Lighthouse Keepers nehmen Drone Metal nicht als bloßen Dauerzustand, sondern als Ausgangspunkt für Bewegung. Die drei Stücke arbeiten mit Wiederholung, Überforderung, plötzlichen Ausbrüchen, spirituell anmutenden Klangfarben und einer politischen Schärfe, die nicht als Nebensatz auftaucht. Die Band verhandelt Verzweiflung, Wut, Identität, queere Solidarität, Krieg, politische Ohnmacht und die Suche nach einem Rest Hoffnung. Also alles Themen, die man sonst vielleicht nicht unbedingt zwischen Kaffee und Marmorkuchen bespricht. Hier schon. Nur eben mit Saxophon, Schreien und sehr viel Druck.

(Hört hier »Towers Of Silence« von A Plague Of Lighthouse Keepers)

KEIN EINFACHER EINSTIEG, ABER EIN DEUTLICHER

»The Massacre Of Flour« ist direkt ein Statement. Der Song bezieht sich inhaltlich auf das fortgesetzte Leid in Palästina und verbindet politische Wut mit einem musikalischen Aufbau, der zunächst fast widerständig gegen klare Form arbeitet. Lärm, Schwere, Schreie und rhythmische Verschiebungen stoßen gegeneinander, bis sich nach und nach eine Struktur herausschält. Das ist nicht sofort angenehm, aber sehr wirksam. Man merkt: Diese Band will nicht nur laut sein, sie will Reibung erzeugen.

Besonders stark ist der Mittelteil. Hier entsteht kurz Raum, bevor die Nummer wieder in ihre eigene Spannung zurückkippt. Das Schlagzeug von Derek Twiss hält den Song nicht brav zusammen, sondern treibt ihn in mehreren Schüben voran. Die Gitarre von Tristan »Lama Waaien« arbeitet nicht mit klassischen Riffs im Stoner-Sinn, sondern eher mit texturaler Gewalt. Dazu kommt Joost Verhagens Stimme, die zwischen Anrufung, Anklage und Kontrollverlust pendelt. Wer hier einen Refrain sucht, sollte vielleicht besser die Bedienungsanleitung des Toasters lesen. Die ist berechenbarer.

FREE JAZZ TRIFFT WUTBLOCK

»I Fuck People« ist der Titel, bei dem man kurz zweimal auf die Tracklist schaut und dann denkt: Ja gut, Zurückhaltung war offenbar ausverkauft. Inhaltlich positioniert sich der Song klar als Solidaritätsbekundung mit marginalisierten queeren Communities. Das allein wäre schon bemerkenswert, weil extreme Musik solche Themen oft eher zwischen Symbolik und Dunkelkammer versteckt. A Plague Of Lighthouse Keepers gehen offensiver damit um.

Musikalisch ist das Stück der unruhigste Moment der EP. Free-Jazz-Saxophon, Sludge-Gewicht, avantgardistische Ausbrüche und diese bewusst zerfaserte Energie machen den Song zu einem ziemlich wilden Ritt. Hier ist viel los, manchmal fast zu viel. Aber genau darin liegt der Reiz. Der Song klingt nicht chaotisch, weil niemand weiß, was er tut. Er klingt chaotisch, weil das Chaos Teil der Aussage ist. Identität, Körper, Ausgrenzung, Widerstand – das wird hier nicht schön sortiert, sondern eruptiv in den Raum gestellt.

Man kann diesen Track anstrengend finden. Sollte man vielleicht sogar. Aber langweilig ist er keine Sekunde. Und das ist in einem Bereich, in dem manche Bands ihre zehn Minuten Drone auch mal mit „wir haben das halt so gefühlt“ rechtfertigen, schon ein echter Vorteil.

DIE STILLE IST AUCH NICHT FRIEDLICH

Der Titeltrack »Towers Of Silence« ist mit über neun Minuten das Zentrum der EP. Nach den zwei vorherigen Attacken wirkt der Einstieg fast zurückgenommen. Tanpura- und Shruti-Färbungen, Drone-Strukturen und eine langsame Entwicklung schaffen eine rituellere Atmosphäre. Die Band klingt hier weniger wie ein Zusammenprall und mehr wie eine Zeremonie, die jederzeit kippen kann. Also ungefähr so beruhigend wie ein Fahrstuhl, der plötzlich anfängt, Sanskrit zu murmeln.

Inhaltlich sucht der Song nach Bedeutung angesichts von Endlichkeit, Tod und menschlicher Erschöpfung. Es geht nicht nur um Zerfall, sondern auch um die Möglichkeit, darin irgendeine Form von Sinn oder innerem Halt zu finden. Die klareren Stimmen geben dem Stück zunächst eine fast entrückte Schönheit, bevor die Härte wieder zurückkehrt. Gerade dieser Kontrast macht den Song so stark. Er zeigt, dass A Plague Of Lighthouse Keepers nicht nur schreien, scheppern und alles gegen die Wand fahren können. Sie können auch Spannung halten.

Der Schluss hat etwas Beschwörendes. Wiederholung, Stimme, Lärm und Rhythmus ziehen sich zusammen, ohne eine klassische Auflösung zu liefern. Das ist mutig, aber nicht bequem. Der Song endet nicht mit großem Aha-Moment, sondern lässt den Hörer in einem Zustand zurück, der irgendwo zwischen Faszination und leichter Überforderung liegt. Gute Kunst darf das. Schlechte übrigens auch, aber hier klappt es.

KLANG, MUT UND ZUMUTUNG

Produktionstechnisch ist »Towers Of Silence« roh genug, um gefährlich zu bleiben, aber klar genug, um die Details nicht komplett zu verschlucken. Marlon Wolterink hat im White Noise Studio einen Sound eingefangen, der die Band nicht künstlich glättet. Die EP lebt von Reibung, Lautstärkeschüben und dem Gefühl, dass jeder Moment gleich aus der Spur springen könnte. Gleichzeitig bleiben Bass, Drums, Gitarre, Saxophon und Stimmen als Einzelteile wahrnehmbar. Bei dieser Musik ist das keine Selbstverständlichkeit.

Die größte Stärke der EP ist ihr Mut zur Unbequemlichkeit. A Plague Of Lighthouse Keepers wollen nicht gefallen, sie wollen etwas auslösen. Das gelingt. Die Band nimmt Doom und Sludge als Körper, Free Jazz und Noise als Nervensystem und rituelle Elemente als dunkle Beleuchtung. Daraus entsteht eine Musik, die sich nicht freundlich erschließt, aber eine starke eigene Logik besitzt.

Natürlich ist das nichts für jeden. Wer Hooks, klare Songstrukturen oder einen netten Einstieg in extreme Musik sucht, sollte hier nicht anfangen. Das ist eher eine EP für Leute, die OM, Sumac, Swans, Sunn O))), Nadja und freie Improvisation nicht nur respektieren, sondern freiwillig auflegen. Die Platte fordert Geduld, offene Ohren und eine gewisse Bereitschaft, zwischendurch zu denken: „Was passiert hier gerade, und warum nicke ich trotzdem mit?“

FAZIT:

»Towers Of Silence« ist ein bemerkenswert eigenwilliges Debüt. A Plague Of Lighthouse Keepers liefern keine leichte Kost, aber eine EP mit Haltung, Substanz und starker künstlerischer Handschrift. Die drei Songs verbinden Sludge, Doom, Drone, Free Jazz, Noise und rituelle Klangflächen zu einem Werk, das politisch, persönlich und spirituell zugleich denkt.

Besonders »The Massacre Of Flour« und der Titeltrack zeigen, wie wirkungsvoll diese Band Spannung aufbauen kann. »I Fuck People« ist der wildeste, schwierigste und vielleicht spaltendste Moment, aber gerade dadurch wichtig für das Gesamtbild. Nicht alles ist sofort zugänglich, nicht jede Passage wirkt beim ersten Hören vollständig greifbar, doch die EP bleibt konsequent und intensiv.

Unterm Strich ist »Towers Of Silence« ein starkes erstes Ausrufezeichen im europäischen Experimental-Heavy-Underground. Kein Album für nebenbei, kein Stoff für gemütliche Autofahrten, kein Soundtrack für Menschen, die beim Wort „Saxophon“ bereits nervös nach der Skip-Taste suchen. Aber für offene Hörer, die extreme Musik noch als Risiko verstehen, ist das hier eine sehr lohnende Zumutung. Und mal ehrlich: Eine lohnende Zumutung ist im Metal manchmal mehr wert als die zehnte sauber durchproduzierte Riff-Tapete.

Towers Of Silence EP Stream:

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A Plague Of Lighthouse Keepers - Towers Of Silence - EP Review

HORRIFIC VISIONS – Remnants Of Atrophy

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HORRIFIC VISIONS - Remnants Of Atrophy - cover artwork
HORRIFIC VISIONS - Remnants Of Atrophy - cover artwork

Band: HORRIFIC VISIONS 🇺🇸
Titel: Remnants Of Atrophy
Label: COMATOSE MUSIC
VÖ: 22/05/26
Genre: Brutal Death Metal

Tracklist

01. Malnutrition
02. Horrific Visions
03. Deranged Perversion
04. Crippled Under The Weight Of A Hollow World
05. Synaptic Decay
06. Primal Regression
07. Disgusted Warped Mentality
08. Enlightenment Through Excruciating Torture
09. Remnants Of Atrophy

 

Besetzung

Rene Martinez – Drums
Chris Rossmeier – Guitar
Mason Vickers – Guitar
Cody Hancock – Bass
Conrad Heinemeyer – Vocals

 

Bewertung:

2,5/5

Zwischen Wahnsinn und Verwüstung

Mit »Remnants Of Atrophy« legt die Brutal-Death-Metal-Formation HORRIFIC VISIONS ein Debüt vor, das sich kompromisslos dem Extrem verschreibt. Die Band besteht aus Rene Martinez am Schlagzeug, Chris Rossmeier und Mason Vickers an den Gitarren, Cody Hancock am Bass sowie Conrad Heinemeyer am Mikrofon. Schon die Besetzung deutet an, wohin die Reise geht! Technisch versierter Old-School-Death-Metal, kombiniert mit modernem Brutality-Einschlag und einer Produktion, die bewusst roh gehalten wurde.

Gemischt und gemastert von Gitarrist Mason Vickers in den Rocker House Studios, klingt das Album wie ein rostiges Skalpell direkt ins Gesicht. Der Sound besitzt eine schneidende Härte, bleibt dabei aber bewusst ungeschliffen. Genau darin liegt sowohl Stärke als auch Schwäche dieser Veröffentlichung.

Brutale Intensität ohne Verschnaufpause

Bereits der Opener »Malnutrition« macht klar, dass HORRIFIC VISIONS keine Zeit mit Atmosphäre oder langen Intros verschwenden. Blastbeats, tiefergestimmte Gitarren und ein nahezu permanenter Angriff prägen den Einstieg. Die Produktion setzt stark auf Druck und Dichte, wodurch einzelne Instrumente stellenweise miteinander verschmelzen. Gerade Fans von klassischem US-Brutal-Death-Metal dürften daran Gefallen finden.

Conrad Heinemeyers Vocals bewegen sich dauerhaft zwischen tiefem Gurgeln und aggressivem Röhren. Technisch funktioniert das solide, emotional bleibt der Vortrag jedoch oft auf derselben Ebene hängen.

Interessanter wird es bei »Deranged Perversion«. Hier blitzen erstmals dynamischere Ansätze auf. Tempowechsel sorgen für etwas mehr Spannung, während die Gitarrenarbeit von Rossmeier und Vickers deutlich variabler wirkt. Besonders die kurzen Lead-Elemente lockern das ansonsten sehr kompakte Klangbild auf.

Starke Musiker, begrenzte Abwechslung

Eines der größten Probleme von »Remnants Of Atrophy« liegt in seiner Monotonie. Viele Songs folgen einem ähnlichen Muster aus Hochgeschwindigkeits-Drumming, tiefen Growls und dicht gepackten Riffs. Für ein Album mit neun Tracks ist das auf Dauer anstrengend, selbst für Genre-Liebhaber.

»Crippled Under The Weight Of A Hollow World« demonstriert dieses Problem besonders deutlich. Der Song startet intensiv, verliert aber im Mittelteil an Profil. Einzelne Riffs bleiben kaum hängen, weil das Material zu sehr auf Daueraggression setzt. Technisch ist das alles sauber gespielt, doch memorierbare Momente entstehen selten.

Andererseits zeigt »Synaptic Decay«, dass die Band durchaus Potenzial besitzt. Hier gelingt die Balance aus Groove und Brutalität deutlich besser. Die rhythmischen Akzente wirken kontrollierter, während das Schlagzeugspiel von Rene Martinez angenehm präzise bleibt. Gerade die Double-Bass-Passagen entwickeln ordentlich Druck, ohne komplett im Klangbrei zu verschwinden.

Auch Bassist Cody Hancock bekommt vereinzelt Raum, um Akzente zu setzen. Zwar bleibt der Bass meist tief im Gesamtmix verborgen, dennoch sorgen einzelne Passagen für zusätzliches Fundament.

Zwischen Old School und moderner Härte

Musikalisch bewegen sich HORRIFIC VISIONS irgendwo zwischen klassischem CANNIBAL-CORPSE-Einfluss, Slam-Elementen und moderner Technical-Death-Metal-Schule. Besonders »Primal Regression« und »Disgusted Warped Mentality« erinnern phasenweise an frühe US-Underground-Produktionen der Neunziger. Das dürfte Puristen gefallen, nimmt dem Album aber gleichzeitig Eigenständigkeit.

Die größte Stärke der Platte bleibt ihre kompromisslose Energie. Kaum ein Song fällt komplett auseinander oder wirkt uninspiriert. Selbst wenn die Ideen nicht immer nachhaltig zünden, liefern die Musiker konstant hohen Druck. Besonders die Gitarrenarbeit besitzt eine aggressive Schärfe, die hervorragend zum düsteren Gesamtbild passt.

»Enlightenment Through Excruciating Torture« versucht gegen Ende noch einmal zusätzliche Intensität aufzubauen. Der Song gehört zu den chaotischsten Momenten der Platte und lebt von seinem fast schon klaustrophobischen Charakter. Gleichzeitig zeigt sich hier erneut die Schwäche der Produktion. Manche Feinheiten gehen schlicht verloren, weil der Mix dauerhaft am Limit arbeitet.

Ein Album für kompromisslose Genre-Fans

Mit dem abschließenden Titelstück »Remnants Of Atrophy« endet die Platte ähnlich zerstörerisch, wie sie begonnen hat. HORRIFIC VISIONS präsentieren sich als Band mit klarer Vision, maximale Härte, rohe Energie und keine unnötigen Experimente. Genau diese Konsequenz dürfte einen Teil der Death-Metal-Community begeistern.

Trotzdem bleibt das Album hinter seinem Potenzial zurück. Die handwerklichen Fähigkeiten der Musiker sind vorhanden, ebenso der Wille zur absoluten Eskalation. Was fehlt, sind stärkere Wiedererkennungsmerkmale und mehr Dynamik innerhalb der Songs. Viele Ideen verschwimmen im permanenten Angriff, sodass selbst gute Ansätze nicht immer nachhaltig wirken.

Fans von kompromisslosem Brutal-Death-Metal werden hier dennoch einiges finden, das Spaß macht. Wer allerdings nach außergewöhnlichem Songwriting oder innovativen Strukturen sucht, dürfte eher ernüchtert zurückbleiben.

»Remnants Of Atrophy« ist ein aggressives, ehrliches und technisch solides Extrem-Metal-Album, das seine rohe Gewalt konsequent auslebt, dabei aber zu selten aus der eigenen Komfortzone ausbricht.

Fazit: »Remnants Of Atrophy« ist ein Album, das durch seine rohe Intensität und ungeschliffene Klangästhetik besticht.

Internet

HORRIFIC VISIONS - Remnants Of Atrophy - CD Review

Tinkicker – The Forbidden Fruit

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Band: Tinkicker 🇩🇰
Titel: The Forbidden Fruit
Label: NRT-Records
Herkunft: Kopenhagen, Dänemark
VÖ: 27.03.2026
Genre: Progressive Metal / Progressive Rock / Heavy Metal / Hard Rock
Format: Digitale EP / Bandcamp-Download inkl. Bonusfeatures

Tracklist

01. He Said / She Said
02. Mother Valium
03. Spitting Venom
04. There’s Not Enough Drugs In The World
05. Neon Lights And Transvestites (Live)

Besetzung

Klaus Bastian – Gesang, Gitarre
Søren Lindberg – Gitarre
Kristian Møller – Gitarre
Anders Oehlenschlæger – Bass
Klaus Herfort – Schlagzeug

Bewertung:

4,5 von 5 Punkten

Tinkicker gehören nicht zu den Bands, die dem schnellen Reflexfutter hinterherlaufen. Auf »The Forbidden Fruit« servieren die Dänen keine glatt polierte Snackplatte für nebenbei, sondern eine kompakte, dunkle und erstaunlich gehaltvolle EP, die sich Stück für Stück in die Gehörgänge frisst. Zwischen Progressive Metal, Progressive Rock, klassischem Hard Rock und metallischer Schwere positioniert sich die Band erneut in jener eigenwilligen Zone, die ihr nicht zufällig den schönen Beinamen »Pink Sabbath« eingebracht hat.

Das ist Musik, die mit Riffs arbeitet, aber nicht nur riffen will. Musik, die Druck macht, aber nicht stumpf drückt. Und Musik, die inhaltlich tief genug gräbt, um aus toxischen Beziehungen, familiären Brüchen, religiöser Fassade, Erinnerungsschmerz und seelischer Vergiftung mehr zu machen als bloß düsteres Dekor. »The Forbidden Fruit« klingt wie eine verbotene Frucht, die nicht süß schmeckt, sondern bitter nachwirkt. Genau darin liegt ihr Reiz.

Tinkicker - The Forbidden Fruit - Videoplaylist

Verbotene Frucht mit schwerem Kern

Was an »The Forbidden Fruit« sofort auffällt, ist die Art, wie Tinkicker ihren Sound verdichten. Die Gitarren stehen breit und satt im Raum, ohne den Mix zuzuschütten. Der Bass zieht dunkle Konturen durch die Songs, während Klaus Herfort am Schlagzeug mit jener Mischung aus Nachdruck und Präzision arbeitet, die progressive Rockmusik erst wirklich zwingend macht. Hier wird nicht kompliziert gespielt, um kompliziert zu wirken. Hier wird gebaut, geschichtet, zugespitzt.

Über diesem Fundament sitzt die Stimme von Klaus Bastian wie ein schwerer Schatten. Tief, markant und mit genug dramatischer Gravitas ausgestattet, um den Songs genau jene düstere Autorität zu geben, die dieses Material braucht. Seine Vocals wirken nie aufgesetzt theatralisch, sondern wie ein natürlicher Bestandteil dieser Musik: rau, kontrolliert, geerdet und an den richtigen Stellen beinahe unheimlich ruhig.

Gerade das macht die EP so stark. Tinkicker können Härte, Melodie und Anspruch zusammenführen, ohne aus jedem Song ein akademisches Griffbrett-Seminar zu machen. Die Stücke besitzen Wendungen, Atmosphäre und instrumentale Raffinesse, bleiben aber Songs. Das klingt banal, ist im progressiven Bereich aber längst keine Selbstverständlichkeit mehr.

Giftige Nähe in »He Said / She Said«

Der Opener »He Said / She Said« zieht zunächst mit einer unheilvollen Synthesizer-Färbung in eine leicht psychedelische Dämmerzone, bevor sich der Song in ein schweres, rhythmisch prägnantes Midtempo-Stück öffnet. Tinkicker setzen hier nicht auf den schnellen Knockout, sondern auf eine Spannung, die sich langsam verhakt. Das Riffing hat Biss, der Refrain bleibt hängen, und die Leads schneiden präzise durch den düsteren Untergrund.

Textlich führt der Song mitten hinein in eine toxische Beziehung, in der Gerüchte, Lügen, Kränkung, Besitzdenken und emotionale Gewalt längst einen eigenen Kreislauf gebildet haben. Das Interessante ist, dass die Musik diese Dynamik nicht bloß illustriert, sondern fast körperlich nachvollziehbar macht. Die Eingängigkeit wirkt nicht freundlich, sondern wie ein Haken, der sich festsetzt. Genau deshalb funktioniert der Song so gut als Auftakt: Er zeigt sofort, dass »The Forbidden Fruit« keine nette Fruchtplatte ist, sondern eher ein vergifteter Obstkorb mit Prog-Zahn.

Frömmigkeit, Fassade und »Mother Valium«

Mit »Mother Valium« kippt die EP tiefer ins Beklemmende. Der akustisch geprägte Beginn wirkt zunächst beinahe zurückgenommen, doch unter der Oberfläche lauert bereits diese dunkle Spannung, die den Song später in ein druckvolles Progressive-Metal-Gewand treibt. Tinkicker verstehen hier sehr gut, wie man Atmosphäre aufbaut, ohne sie mit Effekten zuzukleistern.

Besonders stark ist die Balance aus Melancholie und Härte. Die Gitarren dürfen glänzen, aber sie stellen sich nicht eitel ins Schaufenster. Die Soli wirken wie dramaturgische Lichtkegel in einem ansonsten ziemlich dunklen Raum. Klaus Bastian singt melodischer, aber nicht weicher im belanglosen Sinn. Vielmehr bekommt der Song dadurch eine tragische Tiefe, die den Text noch stärker macht.

Inhaltlich entfaltet »Mother Valium« das Bild einer Figur, bei der religiöse Fassade, Verdrängung, familiäre Risse und innere Erstarrung so eng miteinander verwachsen sind, dass aus scheinbarer Ordnung ein seelischer Scherbenhaufen wird. Das ist kein plakatives Drama, sondern ein langsam wirkendes Gift. Und genau so klingt der Song auch.

Stammbaum unter Strom: »Spitting Venom«

»Spitting Venom« zieht danach die Zügel deutlich an. Der Song kommt direkter, aggressiver und bissiger aus den Boxen, ohne die progressive Handschrift der Band zu verlieren. Die Drums treiben nach vorne, die Gitarren sägen mit kontrollierter Schärfe, und der Song besitzt jene ruppige Energie, die sofort Druck aufbaut, aber nie in bloßes Gerase kippt.

Gerade in den rhythmischen Verschiebungen und den kleinen kompositorischen Wendungen zeigt sich die Klasse der Band. Tinkicker wissen, wann ein Part schieben muss, wann ein Akzent reicht und wann ein Stück wieder Luft braucht. Dadurch wirkt »Spitting Venom« lebendig, aber nicht zerfasert. Das Gift wird nicht unkontrolliert verspritzt, sondern gezielt appliziert.

Textlich geht es um familiär weitergegebenes Gift, narzisstische Prägung und den Versuch, sich aus zerstörerischen Mustern zu lösen, obwohl man längst erkannt hat, wie tief diese in das eigene Selbst eingesickert sind. Das macht den Song deutlich stärker als eine reine Wutnummer. Hier wird nicht einfach nur geknurrt. Hier wird zurückgebissen.

Betäubung, Nachglühen und dunkler Nebel

»There’s Not Enough Drugs In The World« trägt seinen schwarzen Humor schon im Titel, landet musikalisch aber nicht beim zynischen Augenzwinkern, sondern bei einer schwermütigen, beinahe resignativen Schwere. Der Song pendelt zwischen akustischer Reduktion, dunklem Prog Rock, schwerem Hard Rock und einer dezenten Doom-Schlagseite. Nichts wirkt überladen, und trotzdem hängt ständig ein dunkler Druck im Raum.

Gerade hier zeigen Tinkicker ihr Gespür für Dynamik. Die ruhigen Passagen sind keine bloßen Pausen vor dem nächsten Ausbruch, sondern tragen den Song emotional weiter. Wenn die schweren Wellen kommen, wirken sie deshalb umso massiver. Die Melodie hat etwas Müdes, fast Ausgebranntes, aber genau darin liegt ihre Kraft.

Inhaltlich kreist das Stück um Selbstmedikation, Erinnerungsschmerz und die bittere Erfahrung, dass sich manche Verletzungen weder betäuben noch abschütteln lassen. Das ist kein Song über Rausch als Flucht in die Freiheit, sondern über die Grenzen dieser Flucht. Irgendwann bleibt die Wunde eben da. Und Tinkicker schauen nicht weg.

Mit »Neon Lights And Transvestites (Live)« folgt abschließend ein Bonustrack, der dem Release Bühnenluft zuführt. Das Stück wirkt wie ein sinnvoller Nachhall, weil es zeigt, dass diese Band ihre dramatische Anlage nicht nur im Studio beherrscht. Live kommt noch eine andere Rauheit dazu, ein wenig Staub, ein wenig Schweiß, ein wenig Clublicht über dunklem Holz. Als Abschluss funktioniert das hervorragend, weil es die EP nicht verwässert, sondern ihr einen organischen Ausklang gibt.

Fazit

»The Forbidden Fruit« ist eine starke, düstere und kompositorisch reife EP, die ihre Stärken sehr konzentriert ausspielt. Tinkicker liefern hier keine progressive Selbstbespiegelung, sondern Songs mit Gewicht, Charakter und emotionaler Substanz. Die Band verbindet schwere Gitarren, markante Vocals, melancholische Untertöne und clevere Arrangements zu einem Werk, das trotz kurzer Laufzeit erstaunlich geschlossen wirkt.

Besonders überzeugend ist, dass die EP nicht nur musikalisch, sondern auch thematisch zusammenhält. »He Said / She Said« schaut auf toxische Nähe, »Mother Valium« auf familiäre Verdrängung, »Spitting Venom« auf vererbtes Gift, »There’s Not Enough Drugs In The World« auf den gescheiterten Versuch der Betäubung, und »Neon Lights And Transvestites (Live)« setzt dem Ganzen eine rauere Bühnenkante hinzu.

Kleine Einschränkung: Die EP ist eben eine EP. Nach vier neuen Songs und einem Live-Bonus ist man eher angefixt als gesättigt. Gerade weil das Material so stark ist, hätte man gerne noch ein, zwei weitere Kapitel dieser dunklen Fruchtverkostung bekommen. Aber vielleicht ist genau das auch Teil der Wirkung: »The Forbidden Fruit« gibt genug, um zu überzeugen, und nimmt genug weg, um den nächsten Durchlauf sofort plausibel zu machen.

Schlusswort

»The Forbidden Fruit« ist eine verboten gute Veröffentlichung geworden. Tinkicker zeigen, dass Progressive Metal auch ohne sterile Kopflastigkeit funktionieren kann, wenn Songwriting, Atmosphäre und instrumentaler Anspruch an einem Strang ziehen. Diese EP drückt, glimmt, kratzt und lässt nach dem Hören einen dunklen Nachgeschmack zurück.

Wer schwere Riffs, kluge Arrangements, eine markante tiefe Stimme und dunkle Themen mit Substanz schätzt, sollte diese Frucht definitiv kosten. Sie ist nicht süß. Sie ist nicht harmlos. Aber sie wirkt.

Musikvideos:

Internet

Tinkicker - The Forbidden Fruit - EP Review

Pinch Black: Wenn Dämonen sich ein Duell liefern – Die epic Death Metaller im Interview

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Interview: Beppo & Burkhard von Pinch Black

Pinch Black: Laserwale, Dämonen und blutige Kurzgeschichten aus Raum und Zeit

Mit »Dystopian Times« haben Pinch Black ein Album vorgelegt, das sich nicht einfach mit dem Etikett Death Metal zufriedengibt. Die Band selbst nennt ihren Stil Epic Death Metal – und wer sich durch diese Platte fräst, versteht schnell, warum. Hier treffen düstere Horrorgeschichten, monumentale Riffs, tiefe Growls, Science-Fiction-Bilder, Splatter-Fantasien und eine fast filmische Dramaturgie aufeinander.

Unser Review zu »Dystopian Times« hat bereits gezeigt, dass Pinch Black kein glattpoliertes Genre-Produkt abliefern, sondern ein finsteres Universum erschaffen, in dem Dämonen duellieren, Monster aus Schatten kriechen, Ghoule beschworen werden, Skinwalker ihre Haut abstreifen und am Ende sogar feuerspeiende Wale mit Lasern aus den Augen in die Endschlacht ziehen. Normal? Sicher nicht. Geil krank? Absolut.

Wir haben mit Burkhard, Sänger von Pinch Black, über »Dystopian Times«, blutige Kurzgeschichten, Epic Death Metal, Underground-Ethos, innere Dämonen, Horror, Mythologie, Live-Abriss und die Frage gesprochen, warum der Kopf manchmal das brutalste Filmstudio von allen ist.

Hört hier Dystopian Times von Pinch Black:

Hallo Burkhard und willkommen bei Metal Underground! Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, mit uns über das neue Pinch Black-Album »Dystopian Times« zu sprechen. Die Platte wirkt düster, episch, kompromisslos und gleichzeitig wie ein geschlossenes Horroruniversum aus Blut, Schatten, Kreaturen und kosmischem Wahnsinn. Lass uns direkt in diese finstere Welt eintauchen.
 
»Dystopian Times« wirkt wie ein geschlossenes dunkles Universum. Gab es von Anfang an ein übergeordnetes Konzept hinter dem Album, oder hat sich diese Atmosphäre erst während des Songwritings entwickelt?
 
Burkhard: Anfangs hatten wir die Idee eines echten Konzeptalbums. Aber ich mag es, wenn ich beim Songwriting mehr Freiheiten habe und verschiedene Kurzgeschichten erzählen kann. Das ist ja mittlerweile fast ein Markenzeichen von uns geworden … haha. Deswegen gibt es wieder einige tolle kleine Horrorgeschichten, die sich wie ein blutiger roter Faden durchs Album ziehen. Das wird sich auch künftig so fortsetzen.
Seit eurer Gründung 2018 beschreibt ihr euren Stil als Epic Death Metal. Was bedeutet dieser Begriff für euch persönlich, und wodurch unterscheidet sich Pinch Black für euch von klassischem Death Metal?
 
Burkhard: Anfangs war noch nicht so klar, wohin die Reise geht. Wir mussten erst unseren eigenen Stil finden. Das hat sich aber mit der Zeit ergeben. Ich denke, wir haben einen sehr eigenen Stil, der sich vom typischen Death Metal abhebt, sich aber dennoch im Rahmen des Death Metal bewegt.
 
Allerdings sind wir weder Cannibal Corpse noch Arch Enemy beziehungsweise Melodic Death Metal. Aber jeder, der uns live sieht oder unsere Musik hört, weiß, warum wir das Epic Death Metal nennen. Also: reinhören 😉
Ihr seid nicht nur im Studio aktiv, sondern bringt euren Epic Death Metal auch live auf die Bühne – unter anderem in Clubs wie dem M8-Liveclub Mainz, der Kreativfabrik Wiesbaden und bei weiteren Terminen in Karlsruhe, Wittlich und Mörlenbach. Wie wichtig ist euch der direkte Kontakt zur Underground-Szene, und verändert sich die Wirkung von Songs wie »The Duel«, »Monsters« oder »Whales in the Clouds«, wenn ihr sie live spielt?
 
Burkhard: Live ist uns ganz wichtig. Wir wollen Abriss. Dazu müssen wir liefern. Ich denke, das klappt ganz gut … haha. Das sieht man auch bei unseren kurzen Live-Reels auf YouTube, Instagram und Facebook, die wir regelmäßig veröffentlichen. Die Songs knallen live noch brutaler als auf Platte und verlieren dabei nicht an Energie und Atmosphäre.
 
Was das Thema Underground angeht: Wir sind Underground. Und wir lieben Underground. Ich mag auch gerne den Mainstream Metal und die großen Bands. Aber wenn ich bei einem Konzert von zum Beispiel Machine Head nicht nach vorne an die Bühne komme, weil ich nicht die Inner-Circle-Tickets gekauft habe, denke ich mir: F.Y. Das ist nicht der Metal, den ich mag. Dann bleibe ich lieber im Underground. Gerade wenn ich mir die Preisentwicklungen ansehe. Wir können ja alle kein Geld scheißen.
Der Opener »The Duel« erzählt von zwei Dämonen, einem gebrochenen Pakt und einem tödlichen Duell. Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Mischung aus dämonischer Mythologie und fast schon futuristischer Bildsprache?
 
Burkhard: Ich stehe auf so kranke, bekloppte Mythen und Erzählungen. Zum einen finde ich das Thema Science-Fiction superinteressant, zum anderen Horror und Splatter. Warum also nicht alles mal kombinieren?
 
Das habe ich schon beim Thema »Skinwalker« im Video gemacht. Das waren übrigens über 500 Stunden Animationsarbeit, die da reingeflossen sind.
In »Monsters« geht es stark um Angst, Dunkelheit und das Gefühl, dass etwas Unheimliches im Raum lauert. Ist der Song eher als klassische Horrorgeschichte gedacht, oder steckt dahinter auch eine psychologische Ebene über innere Dämonen?
 
Burkhard: Ich glaube, diese Angst vor dem, was unter dem Bett oder im Schrank lauern könnte, kennt fast jeder aus seiner Kindheit. Schatten, die sich bewegen … Dieses Thema greift »Monsters« auf.
 
Unser Verstand und unsere Gedanken sind der eigentliche Ursprung des Horrors. Unser Kopf ist das Filmstudio … hahaha.
»The Reaper« arbeitet mit Nebel, Stimmen, verlorenen Seelen und einer unausweichlichen Todesfigur. Was fasziniert euch an solchen Grenzfiguren zwischen Leben, Tod und Verdammnis?
 
Burkhard: Was mich fasziniert, sind Dinge, die man nicht greifen kann. Da, wo die Realität endet, beginnt die Welt für Pinch Black. Ich bin mir sicher, dass es so jedem geht. Manch einer mag es vielleicht weniger blutig, aber für mich kann es nicht blutig genug sein 🙂
Deine extrem tiefen und epischen Vocals sind ein zentrales Markenzeichen von Pinch Black. Wie entstehen die Gesangslinien bei euch – folgen sie zuerst der Atmosphäre der Songs, oder werden sie bewusst wie eine Art Erzählerstimme eingesetzt?
 
Burkhard: Meistens habe ich eine Idee zu einem Grundthema. Wie zum Beispiel beim aktuellen Album »Dystopian Times«: Horrorgeschichten und Kreaturen in Raum und Zeit, im Weltraum, töten, Blut, Endschlacht. Soweit so irrsinnig.
 
Diese Atmosphäre greifen Laura und Janine auf und schreiben Songs. Wenn ich die fertigen Songs bekomme, schreibe ich dann Horrorgeschichten dazu, die atmosphärisch passen beziehungsweise mir passend erscheinen. Das alles, ohne das grobe Gerüst aus den Augen zu verlieren.
Laura und Janine prägen den Sound mit melodischen, aber sehr scharf gesetzten Gitarrenriffs. Wie entwickelt ihr eure Gitarrenarrangements, damit sie sowohl technisch präzise als auch atmosphärisch und erzählerisch wirken?
 
Burkhard: Wir haben ja bereits unser fünftes Album draußen. Wir haben mittlerweile unseren Stil gefunden, denke ich. Unsere Songs sind ähnlich wie ein Pop-Song strukturiert: Strophe, Break, Chorus. Das ist nicht unbedingt üblich in der Death-Metal-Welt … haha.
 
Aber durch den Chorus beziehungsweise Refrain schaffen wir es, Atmosphäre zu erzeugen. Durch den leicht vorhersehbaren Aufbau der Songs werden diese außerdem etwas schneller zugänglich. Außerdem fällt es leichter, einen Soundtrack zu einem Thema zu schreiben. Da sind die Atmosphäre und das Thema ja schon bekannt und alle arbeiten in die gleiche Richtung.
Songs wie »Ghoul« und »Necromancer« haben fast etwas Rituelles und erzählen von alten Kreaturen, Beschwörungen und wiedererweckten Toten. Welche Rolle spielen Horror, Fantasy und Mythologie generell in eurem Songwriting?
 
Burkhard: Wie schon gesagt: Diese Themen spielen beim Songwriting eine große Rolle. Da ich selbst Horrorfilme liebe und damit groß geworden bin, kann ich mir nicht vorstellen, Kuschelrock zu machen. Das muss schon etwas blutiger sein … haha. Und »Ghoul« und »Necromancer« bieten sich dazu gerade an.
»Shadows« wirkt lyrisch besonders tragisch: Eine verfluchte Figur tötet zwanghaft weiter und bleibt selbst in Dunkelheit gefangen. War es euch wichtig, das Böse nicht nur brutal, sondern auch als Fluch oder Schicksal darzustellen?
 
Burkhard: Wir sind alle ein Produkt unserer Umwelt. Täter und Opfer. Da verwischen schon mal die Grenzen zwischen Gut und Böse. Zudem mag ich es, den inneren Kampf darzustellen. Das Böse als Opfer darzustellen.
 
Ich glaube, wir können uns somit besser mit dem Bösen identifizieren. Denn wir alle haben eine dunkle Seite.
Mit »Skinwalker« greift ihr eine legendäre Gestalt auf, die stark mit Verwandlung, Angst und Identitätsverlust verbunden ist. Was hat euch an diesem Mythos gereizt, und wie habt ihr versucht, diese körperliche und seelische Zerrissenheit musikalisch umzusetzen?
 
Burkhard: Dieser Song ist mir besonders wichtig. Der Text beschreibt, wie sich der Skinwalker häutet und in anderer Gestalt weiterlebt. Das Häuten finde ich ein sehr spannendes Thema. Nicht nur im Horror, auch im übertragenen Sinn.
 
Wir strampeln uns jeden Tag ab und erleben unseren eigenen Horror. Wer würde nicht gerne mal ausbrechen? Neuer Tag. Neue Haut.
Der Abschluss »Whales in the Clouds« wirkt im Vergleich zu den vorherigen Songs fast apokalyptisch-erhaben. Wie entstand diese außergewöhnliche Bildwelt, und warum war dieser Song der passende Abschluss für das Album?
 
Burkhard: Die Idee entstand als epische Endschlacht zwischen Gut und Böse in Form einer Schlacht mit Walen. Auf deren Rücken reiten die Guten, um das Böse zu verschlingen. Die Wale speien Feuer und schießen Laser aus den Augen. Was ein geiler, kranker Scheiß … oder? Haha.
Ihr seid seit 2018 aktiv und habt mit »Voices from Hell«, »Exorcism«, »Insanity«, »Serenity« und nun »Dystopian Times« bereits eine deutliche Entwicklung durchlaufen. Wo seht ihr Pinch Black heute musikalisch – und wohin soll die Reise nach diesem Album führen?
 
Burkhard: Das kann ich dir nur schwer sagen. Ich denke, wir haben uns auf den letzten zwei Alben gefunden, was den Stil angeht. Ich weiß aber auch, dass man sich manchmal weiterentwickeln möchte. Ich habe keine Ahnung, wohin unsere Reise führt.
 
Ich denke aber, dass wir dem Epic Death Metal treu bleiben werden. Genauso wie meiner Vorliebe für kleine, blutige Horrorgeschichten. Und solange der Spaß da ist, werden wir nichts ändern.
Vielen Dank für das Interview, Burkhard. Die letzten Worte gehören dir: Möchtest du den Leserinnen und Lesern von Metal Underground noch etwas auf den Weg mitgeben?
 
Burkhard: Ihr seid der Grund, warum wir Metal machen. Hört nie auf, den Underground zu supporten. Und bewegt eure Ärsche in die Clubs, feiert und habt Spaß. Amen … haha.
 
An das Magazin und alle Helfer: Vielen Dank. Ihr macht einen geilen Job.

Pinch Black – Interview

STERBENSWILLE – Post Black Metaller im Interview: Wo Dunkelheit bricht und Hoffnung glimmt

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Sterbenswille - Gepostet mit freundlicher Genehmigung durch die band selbst

Interview: Beppo Fegesack + Andy & G3ist

STERBENSWILLE über »Asche & Licht« im exklusiven Interview

Mit »Asche & Licht« haben STERBENSWILLE ein (post) Black Metal Album veröffentlicht, das tief in Schmerz, Verlust, Depression, Selbstzerstörung und innerer Zerrissenheit verwurzelt ist. Dabei nutzt die Band diese Themen nicht als bloße düstere Ästhetik, sondern als unmittelbaren Ausdruck echter Erfahrungen, emotionaler Abgründe und persönlicher Kämpfe.

Unser Review zu »Asche & Licht« hat gezeigt, dass dieses Werk weit mehr ist als eine weitere Genreveröffentlichung. Es ist eine schonungslose Auseinandersetzung mit seelischen Grenzerfahrungen, mit dem Gefühl des Zerbrechens, aber auch mit jener kleinen Glut, aus der irgendwann wieder Feuer entstehen kann. Zwischen roher Aggression, melancholischer Schwere, atmosphärischen Zwischenräumen und Momenten vorsichtiger Hoffnung entfaltet sich ein Album, das unbequem bleibt, aber gerade dadurch eine besondere Wahrhaftigkeit besitzt.

Grund genug also, mit STERBENSWILLE über den Ursprung des Bandnamens, Depression und Trauer als künstlerische Themen, den Weg in die Unabhängigkeit, die neue Stimme von G3ist, den Kontrast zwischen Asche und Licht sowie die Frage zu sprechen, wie Musik zu einer Stütze für Menschen werden kann, die selbst durch dunkle Zeiten gehen.

Hallo Sterbenswille, schön, dass ihr euch Zeit für dieses Interview nehmt. Mit »Asche & Licht« veröffentlicht ihr am 15. Mai 2026 ein Album, das Schmerz, Verlust, Depression und Selbstzerstörung nicht als bloße düstere Ästhetik benutzt, sondern sehr direkt und emotional verarbeitet. Gleichzeitig schimmert zwischen all der Schwere immer wieder etwas auf, das nach Hoffnung, Heilung und Weitergehen klingt. Genau über diesen Spannungsraum zwischen Dunkelheit und Licht möchten wir mit euch sprechen.
 
 
Sterbenswille ist ein Name, der sofort hängen bleibt und eine enorme Schwere trägt. Was bedeutet dieser Name für euch heute, gerade im Zusammenhang mit einem Album wie »Asche & Licht«?
 
Andy: Die Band hat den Namen ursprünglich durch ein traumatisches Erlebnis von einem unserer Gründungsmitglieder bekommen. Damals hat ein Mensch sein Leben wegen Trauer und Depressionen tragischerweise beendet. Er hat einen Abschiedsbrief für Freunde und Familie hinterlassen. Und auf dem Couvert stand: „mein Sterbenswille“. Das war die Inspiration.
 
Es gibt so viele Menschen, die in solchen schlimmen Gedanken gefangen sind und leider nicht wieder alleine herausfinden. Wir wünschen uns einfach, dass wir durch unsere Musik ein paar Menschen eine Stütze auf ihrem Weg sein können.
 
Ihr sprecht offen über Depression, Trauer, Schmerz und innere Kämpfe. War es von Anfang an euer Ziel, mit der Band einen Raum zu schaffen, in dem solche Themen nicht verdrängt, sondern ausgesprochen werden dürfen?
 
G3ist: Sterbenswille steht seit Beginn an dafür, dass Emotionen frei ausgesprochen werden dürfen und auch sollen. »Asche & Licht« ist ein für uns sehr persönliches Album geworden, und wir sind dadurch gewachsen und gereift, gerade weil wir auf diesem Album noch tiefer in dieses Thema hineingehen. Also ja, der Raum dafür war immer da, nur jetzt ist die Tür zur Gänze geöffnet!
 
Nach »Dunkelheit« wirkt »Asche & Licht« emotional reifer und musikalisch vielseitiger. Was hat sich seit dem Debütalbum innerhalb der Band verändert?
 
Andy: Das Debütalbum »Dunkelheit« wurde damals zu 90 Prozent von einer Person geschrieben und dann von den jeweiligen Musikern minimal angepasst.
 
Bei »Asche & Licht« war der Prozess anders. Wir sind viel mehr zusammengewachsen und haben natürlich auch privat viel miteinander zu tun, wo man einfach gute Gespräche führt, eben genau über diese Themen: Verlust, Existenzängste, Trauer, Liebe, Kummer. Genau durch diese Gespräche entwickelten sich die Ideen für das Musikalische.
 
Wir sind älter geworden, und jeder von uns hat auf gewisse Weise seine „Kämpfe im Kopf“. Deshalb klingt es anders, weil sich jeder zu 100 Prozent eingebracht hat und natürlich auch seinen eigenen Struggle damit verarbeiten möchte und kann.
 
Mit G3ist habt ihr eine neue Stimme am Mikrofon. Wie hat sich dadurch die Ausdruckskraft und Atmosphäre von Sterbenswille verändert?
 
G3ist: Die neue Stimme ist natürlich in ihrer Art erstmal eine völlig andere als noch auf »Dunkelheit«. Jedoch schafft es G3ist, mit seiner Stimme den neuen Songs die nötige Glaubwürdigkeit zu geben, indem er quasi auch darin „physisch anwesend“ ist.
 
Man hört, wenn die Stimme wegbricht oder etwas sich nicht glatt oder perfekt anhört: Das ist nicht kalkuliert, das passiert völlig natürlich beim Recording, zum Beispiel wenn die Gefühle hochkommen und hervorbrechen. Dies trägt auch maßgeblich zur Atmosphäre und Ausdruckskraft bei.
 
Ihr habt euch von Teufelszeug Records getrennt und geht euren Weg nun unabhängiger weiter. War dieser Schritt wichtig, um »Asche & Licht« genau so umzusetzen, wie ihr es wolltet?
 
Andy: Ja, war er! Teufelszeug Records waren uns eine sehr gute Stütze. Aber wir wollten einfach unabhängig sein und mit niemandem außer uns selbst klären müssen, ob das jetzt so gut ist oder nicht.
 
»Asche & Licht« ist ein 100 Prozent ehrliches Album, ohne irgendwelche imaginären Themen oder Gedanken. Alles, was zu hören ist, ist passiert. Bis auf Mix und Master ist alles in Eigenregie passiert. Wir wollten dieses extrem persönliche Album einfach komplett für uns und unsere Fans machen!
 
Der Albumtitel »Asche & Licht« beschreibt einen starken Gegensatz zwischen Zerstörung und Hoffnung. War dieser Kontrast von Anfang an das Zentrum des Albums?
 
G3ist: Wir wollten von Beginn an eben jenen Kontrast einfangen und ihn musikalisch darstellen. Jeder einzelne Song steht für ein Gefühl und eine damit verbundene echte, erlebte Geschichte dahinter, die mit dieser Emotion einhergeht.
 
Alles dreht sich um die Zerstörung von sich selbst, aber auch um die damit verbundene Hoffnung, dass es irgendwann wieder gut wird.
 
In »Verzweiflung« geht es um Verlust, Kälte, Einsamkeit und das Gefühl, etwas Endgültiges nicht mehr aufhalten zu können. Ist dieser Song eher ein Ausdruck von Kapitulation oder ein letztes inneres Aufbäumen?
 
G3ist: Wir würden ihn als anfängliche Kapitulation vor dem Unvermeidbaren beschreiben, aber zugleich auch als ein Aufbäumen mit letzter Kraft. Um das Unvermeidbare zu akzeptieren, um trotzdem weitermachen zu können.
 
»Selbstzerstörung« beschreibt sehr schonungslos den Kampf gegen sich selbst. Wie schwer ist es, solche Gedanken in Worte zu fassen, ohne sie zu romantisieren?
 
G3ist: Solche Gedanken auf Papier zu bringen, ist nie einfach. Aber wenn die Worte echt sind, wenn alles auf eigener Erfahrung und Erlebtem basiert, dann gibt es keine Romantisierung.
 
Dann schreibt man alles Angestaute einfach schonungslos auf, ohne groß darüber nachzudenken. Denn diese Gefühle prasseln sozusagen regelrecht aufs Papier. Für Romantik und Gefühlsduselei ist dann keine Zeit und kein Platz. Es wird geschrieben, wie es herausbricht. Alles andere wäre gekünstelt, unehrlich und würde unnötig beschönigen, wo es nichts zu beschönigen gibt. Es ist, wie es ist!
 
In »Depression« wird der seelische Zustand sehr körperlich erfahrbar: als Last, Dunkelheit, Ertrinken und innere Gefangenschaft. Was war euch bei diesem Text besonders wichtig?
 
G3ist: Da es sich hier um ein sehr tiefgehendes und ernstes Thema handelt, welches sehr viele Menschen betrifft, war von Beginn an klar, dass wir besonders hier nichts schönreden, es schonungslos ausbreiten und es auch wie eine Depression in der Gesamtkomposition darzustellen versuchen.
 
Anfänglich schleichend, bis hin zum Ausbruch sich steigernd. Und ohne dabei verherrlichend, mit dem Finger zeigend oder gar befürwortend zu sein. Einfach bei aller Themenhärte auch mit Fingerspitzengefühl zu arbeiten, ist hier besonders wichtig.
 
»Zwischen Asche & Licht« wirkt wie ein zentrales Stück des Albums. Dort treffen Schmerz, Erinnerung, Wut und Hoffnung direkt aufeinander. Ist dieser Song für euch der Schlüssel zur Aussage der Platte?
 
G3ist: Definitiv! Dieser Song spiegelt das Gesamtkonzept in seiner Gänze wider, und da hier alles gegen Ende zusammenkommt, bricht der Song auch ohne Umschweife los, so wie es zu viele Emotionen auf einmal auch bewirken können.
 
Es riecht nach verbrannter Asche, in welcher noch Glut glimmt und worüber man wandern muss, um seine persönliche Heilung zu erfahren. Dabei hagelt alles auf einen nieder: Erinnerungen, Trauer, Wut, Schmerzen. Und man muss trotzdem irgendwie da durch.
 
In »Bruchstücke« tauchen Motive wie Spiegel, Masken und Selbsthass auf. Geht es in diesem Song auch darum, sich selbst nach innerer Zerstörung wieder neu zusammensetzen zu müssen?
 
G3ist: Im Kern handelt das Album auch davon, dass der innere Frieden und die Heilung nicht durch Selbstaufgabe passieren oder kommen werden, sondern durch den unbequemen Weg mitten hindurch, indem man sich sich selbst stellt.
 
Dazu gehört, sich selbst im Spiegel zu sehen, auch den Hass und die Wut auf sich zu erkennen und diesen Spiegel beim Kampf mit sich selbst zu zerstören. Seine selbst erschaffene Maske fallen zu lassen. Dann kommt der Moment, sich selbst zu finden, sein wahres Ich. Und dazu gehört, sich wieder neu zusammenzusetzen.
 
Eure Musik arbeitet stark mit Gegensätzen: rohe Aggression, melancholische Atmosphäre, ruhige Passagen und massive Ausbrüche. Wie wichtig ist euch diese Dynamik beim Songwriting?
 
Andy: Sehr wichtig! Unsere Musik ist wie das Leben, mit Höhen und Tiefen. Egal ob bei einer Trennung, einem Verlust oder sonstigem Stress: Es gibt Momente, in denen man einfach denkt, es geht nicht mehr, in denen alles im Leben eskaliert und man sich komplett alleine und melancholisch fühlt.
 
Und dann kommen die Momente, in denen sich alles langsam legt und das Leben wieder die schönen, melodischen Momente zeigt. Genau darum geht es: Das Leben kann oft unglaublich schlimm sein und einem alles abverlangen, aber dann gibt es die Momente, in denen sich alles wieder einspielt und wunderschön wird. Aufgeben ist keine Option.
 
Die instrumentalen Momente wie »Breath of Silence« und »Asche« geben dem Album Raum zum Atmen. Welche Funktion haben solche Zwischenstücke für euch?
 
G3ist: Uns ist bewusst, dass wir mit »Asche & Licht« ein vielleicht schwer verdauliches und unbequemes Album geschrieben haben. Um kurz aufatmen zu können, benötigt so etwas unserer Ansicht nach etwas Leichtes dazwischen. Nicht nur aus kompositorischer Sicht, sondern auch, um das Thema weiter aufzugreifen.
 
Unsere beiden Instrumentals sind nicht nur fürs Atmen. Sie geben dir die Möglichkeit, dich kurz umzusehen. Wo stehst du gerade? Sieh dich um, bevor du weitergehst. Setz dich, der Gipfel ist bald da, atme ein, atme aus. So in etwa kann man die Funktion beschreiben.
 
Bei »Dunkelheit« ist Liz von Roxton beteiligt. Was hat ihre Stimme dem Song und dem Abschluss des Albums gegeben?
 
G3ist: Es war uns wichtig, einen Gegenpart im Song zu schaffen, der einem nochmals mehr Licht und Hoffnung schenkt und über dieser Dunkelheit zu schweben scheint. Ein Dialog zwischen dunkel und hell sozusagen.
 
Liz hat eine fantastische Stimme, und sie singt mit sehr viel Gefühl und Herz, was dazu führt, dass eben Licht und Hoffnung glaubhaft transportiert werden. Auch ist ihre Stimme der weiche, sanfte Gegenpart zum Rest des Albums. Hier war sofort klar, dass auch nur Liz dafür in Frage kam.
 
Zum Schluss möchten wir euch die letzten Worte überlassen: Was möchtet ihr den Menschen sagen, die sich in »Asche & Licht« wiederfinden und vielleicht selbst zwischen Asche und Licht stehen?
 
Sterbenswille: Heilung kann nicht immer auf einfachem Wege wiedererlangt werden. Manchmal muss man tief hinein und den Kampf mit sich selbst aufnehmen, um sich selbst wiederzufinden. Haltet euch dabei immer vor Augen, dass selbst die kleinste Glut wieder Feuer entstehen lässt. Ihr seid das Feuer!
 
Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt. Wir wünschen euch viel Erfolg mit »Asche & Licht« und alles Gute für die kommenden Live-Termine.
 

STERBENSWILLE – Interview

Embrace Of Souls – The Battle Of The Dead

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Embrace Of Soulds - The Battle Of The Dead - cover Artwork
Embrace Of Soulds - The Battle Of The Dead - cover Artwork

Band: Embrace Of Souls 🇮🇹
Titel: The Battle Of The Dead
Label: Rockshots Records
Herkunft: Italien
VÖ: 22.05.2026
Genre: Power Metal / Symphonic Metal
Format: CD Digipak / Digital

Tracklist

01. The Battle Of The Dead
02. Eversun
03. The Plague
04. The Gathering
05. Spine
06. Who Can Save Us
07. Betrayal
08. The Dark Lord
09. The War feat. Morby
10. Sacrifice
11. Desolate Lands

Besetzung

Giacomo Rossi – Vocals
Martina Mazzeo – Vocals
Edward De Rosa – Guitars
Xavier Rota – Bass
Davide Baldelli – Keyboards
Michele Olmi – Drums

Gast:
Morby – Vocals auf The War

Bewertung:

4,5 von 5 Punkten

Power Metal, und das mit einer ordentlichen Portion Speed Metal, made in Italy und in seiner brachialen, unglaublich epischen Form: Genau das bieten Embrace Of Souls auf ihrem nunmehr dritten Studioalbum »The Battle Of The Dead«. Nach den beiden Alben »The Number Of Destiny« und »Forever Part Of Me« ist dieses Werk eine konsequente Weiterentwicklung ihres Stils, dem sie dabei aber definitiv treu bleiben. Mit der Singleauskopplung des Titeltracks haben sie bereits Neugierde geweckt und die Erwartungshaltung ordentlich hochgesteckt. Nun ist es an der Zeit, dem ganzen Album auf den Stahl zu fühlen.

Und ja, hier wird nicht lange am Metkrug genippt, bevor die Schlacht beginnt. Embrace Of Souls liefern mit »The Battle Of The Dead« ein Konzeptalbum, das sich nicht nur auf ein paar schnelle Riffs, hohe Stimmen und heldenhafte Refrains verlässt. Die italienische Formation öffnet ein komplettes Fantasy-Panorama zwischen finsteren Königreichen, verseuchten Seelen, dunkler Magie, Verrat, Opferbereitschaft und jener klassischen Power-Metal-Hoffnung, die selbst dann noch mit erhobenem Schwert dasteht, wenn der Himmel längst blutrot über dem Schlachtfeld hängt.

Schon die Grundausrichtung macht deutlich, wohin die Reise geht: Embrace Of Souls bewegen sich auf »The Battle Of The Dead« zwischen europäischem Power Metal, symphonischer Wucht, Speed-Metal-Antrieb und einer deutlichen Liebe zu dramatischen Arrangements. Wer Bands wie Rhapsody Of Fire, Stratovarius, Sonata Arctica, Vision Divine oder auch die theatralischen Seiten von Nightwish schätzt, dürfte hier sehr schnell ein breites Grinsen im Gesicht tragen. Allerdings kopiert die Band nicht nur bekannte Zutaten, sondern setzt sie mit erstaunlich viel kompositorischer Kontrolle zusammen.

Ein großes Plus ist dabei das Wechselspiel zwischen Giacomo Rossi und Martina Mazzeo. Der kräftige, klare und manchmal herrlich theatralische Gesang von Giacomo Rossi trifft auf die opernhafte Strahlkraft von Martina Mazzeo, wodurch Embrace Of Souls eine sehr eigene Klangsignatur entwickeln. Das ist nicht einfach männliche Stimme hier und weiblicher Gesang dort. Vielmehr entsteht ein dramatisches Spannungsfeld, in dem Licht und Dunkelheit, Kraft und Eleganz, Kampf und Trauer immer wieder gegeneinander anlaufen.

Musikalisch steht das Ganze auf einem standfesten Fundament aus Drums und Bass. Michele Olmi treibt die Songs mit präzisem, schweißtreibendem Drumming nach vorne, während Xavier Rota dem Material den nötigen Druck unter die Rüstung legt. Darüber arbeiten die Gitarren von Edward De Rosa mit knackigem Riffing, melodischen Leads und feurigen Soli, während Davide Baldelli an den Keyboards die symphonische Dimension mit aufspannt. Hier wird nicht einfach etwas Orchesterzucker über Power Metal gestreut. Die orchestralen Elemente sind fest in das Songwriting eingearbeitet und geben dem Album genau jene epische Breite, die es braucht.

Wenn die Toten marschieren, wird Power Metal zur Schlachtoper

Direkt zur Einleitung des Songs »The Battle Of The Dead« beweisen Embrace Of Souls, dass sie nicht nur fantastische Musiker sind, sondern auch inspirierende Sounddesigner. Wer hier sofort erwartet, dass die Axt ausgepackt wird und alles mit epischem Power Metal niedergemetzelt wird, den muss man an dieser Stelle kurz enttäuschen. Der Beginn setzt auf Atmosphäre, auf orchestrale Weite, auf einen fast filmischen Spannungsaufbau. Streicherartige Elemente, tiefe Chöre und ein dramatisches Grundgefühl öffnen das Tor zu dieser Welt, bevor nach wenigen Sekunden doch die Rüstung angelegt und der Schlachtzug eröffnet wird.

Dann geht es allerdings powerhaft zur Sache. Doublebass-Drums, ein satter Bass und drückende Powerchord-Gitarren bilden zusammen die solide Grundmauer, auf welcher hier aufgebaut wird. Im Uptempo gehalten, treiben Embrace Of Souls den Song mit enormer Spielfreude nach vorne. Gleichzeitig setzen die orchestralen Streicherakzente genau jene epische Farbe, die aus einem guten Power-Metal-Song eine richtige kleine Metal-Oper machen kann. Hier wird nicht einfach nur schnell gespielt. Hier wird erzählt, aufgebaut, gesteigert und dramatisch gezündet.

Besonders stark ist der Gesang. Giacomo Rossi bringt einen kraftvollen, männlichen Ausdruck mit, der sich zwischen Bariton-Fundament, strahlender Power-Metal-Kante und theatralischem Pathos bewegt. Martina Mazzeo setzt mit ihrem opernhaften Sopran einen wunderschönen Gegenpol und veredelt den Song mit genau jener Gänsehaut, die man in diesem Genre sucht, wenn die Sache nicht nur hart, sondern auch groß klingen soll. Zusammen machen die beiden eine amtliche Figur und geben dem Titeltrack einen Wiedererkennungswert, der sofort sitzt.

Auch inhaltlich hat »The Battle Of The Dead« einiges zu bieten. Der Song schildert den zentralen Krieg des Albums: Leben und Tod stehen sich gegenüber, während eine dunkle Macht die Fäden zieht und die Gefallenen nicht mehr ruhen lässt. Es geht um eine Schlacht, in der Hoffnung beinahe erloschen ist, in der aber trotzdem weitergekämpft wird. Das Bild der Toten auf dem Feld wird nicht nur als Fantasy-Kulisse genutzt, sondern als Symbol für eine Welt, in der Opfer, Schicksal und Widerstand miteinander kollidieren. Genau dadurch bekommt der Song mehr Gewicht als bloße Schwerter-hoch-Romantik.

Ein episches Gitarrensolo setzt dem Ganzen zusätzlich die Krone auf. Auch die keyboardartigen Solopassagen wirken nicht wie Zierleisten an einer Burgmauer, sondern wie feste Bestandteile der Dramaturgie. Embrace Of Souls ziehen hier wirklich alle Register: Tempo, Chor, Orchester, Gitarrenarbeit, Soli, Gesangsduelle und ein Refrain, der sich breit in den Hörraum stellt. Als Opener und Titeltrack ist das ein klares Statement. Die Band sagt nicht höflich Guten Tag. Sie reitet mit wehenden Bannern durchs Tor.

»Eversun« und das Licht, das gegen die Schatten anrennt

Wer glaubt, dass nach diesem Opener direkt die Luft raus ist, der irrt aber gewaltig. »The Battle Of The Dead« war nur ein spannendes Vorglühen auf das, was in weiterer Folge auf diesem Epos passiert. Mit »Eversun« folgt ein weiterer Volltreffer, der galoppierende Bass- und Gitarrenriffs mit Doublebass-Drums, orchestralen Elementen und leidenschaftlich melodischen Soli zusammenbringt. Der Song geht energisch und brachial zur Sache, besitzt aber dennoch diese feinen, präzise ausgearbeiteten Nuancen im Arrangement, die ihn über reines Genre-Handwerk hinausheben.

»Eversun« lebt von einem helleren, fast majestätischen Grundton. Während der Titeltrack stärker nach Schlachtfeld, Blut und Geisterheer klingt, öffnet sich hier ein Panorama aus Königreichen, Treue, Licht und aufziehender Bedrohung. Inhaltlich geht es um eine Welt jenseits gewöhnlicher Zeit- und Raumgrenzen, in der mehrere Reiche in Harmonie leben. Doch dieses Gleichgewicht beginnt zu kippen. Die Dunkelheit bleibt zunächst verborgen, wächst aber im Hintergrund und bedroht jene Ordnung, die scheinbar unerschütterlich war.

Musikalisch übersetzen Embrace Of Souls dieses Thema sehr überzeugend. Der Song strahlt, ohne harmlos zu werden. Die Melodien wirken groß, aber nicht kitschig. Der Refrain besitzt diese klassische Power-Metal-Erhabenheit, bei der man innerlich automatisch die Faust hebt, ohne dass einem jemand erklären muss, warum. Der Gesang von Giacomo Rossi trägt die heroische Seite des Stücks, während die symphonischen Anteile dem Ganzen eine märchenhaft-dramatische Tiefe geben.

Die Band versteht es, Songs zu komponieren, die langen Atem besitzen, ohne langatmig zu werden. Genau das ist bei »Eversun« wichtig. Der Song baut eine fantastische Klangbühne im Hörraum auf, bleibt aber klar strukturiert. Man merkt, dass Embrace Of Souls nicht nur einzelne starke Passagen aneinanderreihen, sondern einen Song wirklich als Kapitel innerhalb eines größeren Ganzen verstehen. Hier steht nicht nur ein Refrain im Mittelpunkt, sondern ein Gefühl: Licht gegen Schatten, Ehre gegen Untergang, Hoffnung gegen eine Finsternis, die bereits im Anmarsch ist.

»The Plague«: Wenn die Seuche durch die Straßen kriecht

Mit unvorhergesehenen Breaks und Wendungen schaffen es Embrace Of Souls, das Album weiterhin auf einem starken Niveau zu halten. Im Hörraum baut sich eine Klangkulisse auf, die wirkt wie eine epische Metal-Oper oder ein Metal-Theaterstück. Und das ist auf vielen Ebenen nicht übertrieben, sondern schlicht passend. »The Plague« beginnt nach einigen Paukenschlägen auf den Toms direkt kraftvoll und macht sehr schnell klar, dass die Bedrohung innerhalb der Geschichte nun konkreter, körperlicher und düsterer wird.

Hier wird Power Metal großgeschrieben. Druckvolle Gitarren, leuchtende Synthesizer, orchestrale und sphärische Streicher sowie ein ordentlich treibendes Riffing von Bass und Gitarre geben dem Song einen massiven Schub. Die Leadgitarren setzen dem Ganzen zusätzliche Schnörkel auf, ohne sich selbstverliebt in den Vordergrund zu drängen. Alles bleibt songdienlich, alles bleibt in Bewegung. Michele Olmi sorgt an den Drums für Vortrieb, während das Fundament aus Bass und Rhythmusgitarren stabil genug ist, um die symphonischen Elemente darüber richtig strahlen zu lassen.

Inhaltlich widmet sich »The Plague« der eigentlichen Katastrophe, die das Album antreibt. Die Seuche breitet sich durch Städte und Straßen aus, Menschen verlieren ihre Lebenskraft, Körper wirken nur noch wie leere Hüllen, und aus Angst wird kollektive Panik. Die Lyrics zeichnen dabei nicht nur ein Bild von Krankheit, sondern von spirituellem Verlust. Es geht um Seelen, die aus den Körpern weichen, um eine Welt, in der das Menschliche ausgelöscht wird, während die Überlebenden verzweifelt nach Rettung suchen.

Gerade dadurch bekommt der Song eine starke narrative Funktion. »The Plague« ist nicht nur ein weiterer schneller Track, sondern verschiebt das Album in Richtung Horror-Fantasy. Die Pest ist hier nicht einfach eine historische Krankheit, sondern eine übernatürliche Bedrohung, die Menschen in willenlose Schatten verwandelt. Musikalisch passt das hervorragend: Der Song bleibt melodisch und eingängig, trägt aber eine dunklere Färbung, die ihn von den strahlenderen Momenten des Albums abhebt.

Während Sänger und Sängerin im Zentrum stehen und für pure Gänsehaut sorgen, glühen im Hintergrund die Gitarren. Die Soli sind feurig, leidenschaftlich und präzise. Embrace Of Souls schaffen hier diesen schönen Spagat zwischen Genre-Euphorie und erzählerischer Beklemmung. Man kann den Song als Power-Metal-Brett genießen, aber gleichzeitig funktioniert er als Kapitel einer Geschichte, in der die Lage endgültig außer Kontrolle gerät.

»The Gathering« als dramaturgischer Schulterschluss

Mit »The Gathering« folgt ein Stück, das innerhalb der Dramaturgie wie ein Sammelpunkt wirkt. Nach der hereinbrechenden Seuche und den ersten großen Konfliktlinien braucht dieses Album einen Moment, in dem sich die Kräfte formieren. Genau hier entfaltet »The Gathering« seine Wirkung. Der Song wirkt wie das Zusammenrufen der Reiche, der Kämpfer, der Überlebenden und all jener, die sich nicht widerstandslos von der Dunkelheit verschlingen lassen wollen.

Musikalisch bleiben Embrace Of Souls ihrer Linie treu: hymnische Melodien, kraftvoller Unterbau, symphonische Weite und eine klare Liebe zum dramatischen Aufbau. Die Gitarren sind gekonnt aufgebettet auf einem stabilen rhythmischen Fundament, während die Keyboards die Szenerie vergrößern. Man hört hier förmlich, wie sich Tore öffnen, Banner gehisst werden und im Hintergrund bereits die nächsten Schatten lauern.

Auch wenn »The Gathering« auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz so unmittelbar heraussticht wie der Titeltrack oder »Eversun«, erfüllt der Song eine wichtige Aufgabe. Er hält die Spannung, erweitert das Konzept und verhindert, dass das Album nur aus Höhepunkten ohne Atem besteht. Power Metal braucht nicht nur Explosionen, sondern auch Dramaturgie. Und genau das verstehen Embrace Of Souls hier sehr gut.

»Spine«: Rückgrat, Magie und mystische Schwere

Schon aus metaphorischer Sicht ist bei »Spine« der Name Programm. Das ist rückgratbrechender Power Metal, der mystisch-düster anmutende orchestrale Elemente mit strahlenden Melodien kombiniert. Es ist faszinierend, wie Embrace Of Souls es schaffen, das Werk gleichzeitig geheimnisvoll, düster und hell leuchtend zu halten. Genau dieser Kontrast macht »Spine« zu einem der spannendsten Tracks auf »The Battle Of The Dead«.

Gitarre und Bass zeigen hier absolut souverän, was sie können. Edward De Rosa setzt präzise Gitarrenlinien, die zwischen Druck und Melodie pendeln, während Xavier Rota die Tiefe liefert, ohne im Mix unterzugehen. Beide Sänger überzeugen zudem mit ihrem Talent, auch in ruhigeren Passagen Souveränität zu halten. Giacomo Rossi wirkt kraftvoll und erzählerisch, Martina Mazzeo bringt Würde, Eleganz und opernhafte Größe ein.

Inhaltlich führt »Spine« in ein Königreich, das Hilfe verspricht. Die dortigen Magier sollen eine Heilung finden und den von der Seuche gezeichneten Menschen Rettung bringen. Zunächst klingt das wie ein Hoffnungsschimmer. Ein Reich, das zwischen Erde und Himmel steht, wird zum Symbol für Vertrauen, Magie und möglichen Ausweg. Doch gerade weil das Album zuvor schon so viel Dunkelheit aufgebaut hat, liegt über dieser Hoffnung ein Schatten. Man spürt: So einfach wird diese Rettung nicht sein.

Der Song arbeitet stark mit diesem Spannungsverhältnis. Einerseits klingt er erhebend, fast befreiend. Andererseits bleibt ein mystisches Unbehagen. Die Breaks und Richtungswechsel sorgen dafür, dass »Spine« zu keiner Sekunde langweilig wird. Leidenschaftliche Gitarrensoli stechen hervor, elektronische Synthesizer-Sounds blitzen hier und da auf, und das Arrangement bleibt bis zum Ende lebendig. Das alles im Detail auszuklamüsern, würde den Rahmen eines Reviews sprengen. Aber genau das ist ein gutes Zeichen: In diesem Song steckt viel Fleisch am Knochen.

»Who Can Save Us« und die Frage nach Rettung im Angesicht des Verlusts

Rette sich wer kann heißt es auf musikalische Art und Weise bei »Who Can Save Us« jedenfalls nicht, denn auch dieser Song ist erneut ein epischer, geschwindigkeitsrauschender Power-Metal-Track mit fantastischen orchestralen Elementen. Die Unterbettung aus Doublebass-getriebenem Schlagzeug, Bass und Gitarren macht einen abgrundtief starken Job. Hier schiebt die Rhythmusfraktion ordentlich nach vorne, während die symphonischen Schichten dem Song wieder diese breite, cineastische Wirkung geben.

Wie viele andere Stücke auf diesem Album bleibt auch »Who Can Save Us« hängen. Die Band versteht es, große Melodien nicht einfach nur groß zu spielen, sondern sie in eine emotionale Situation zu setzen. Inhaltlich ist dieser Song nämlich deutlich verzweifelter, als seine musikalische Energie zunächst vermuten lässt. Die Menschen warten auf Rettung, doch nichts ändert sich. Versprechen bleiben leer, geliebte Menschen kehren nicht zurück, und die Frage nach Hilfe wird immer mehr zu einem Schrei in eine Welt, die keine Antwort gibt.

Besonders gelungen ist, dass Embrace Of Souls hier nicht in reine Hoffnungslosigkeit kippen. Ja, der Song thematisiert Angst, Trauer und verlorenes Vertrauen. Gleichzeitig bleibt aber dieser typische Power-Metal-Kern erhalten: Weitermachen, suchen, kämpfen, den Glauben nicht völlig verlieren. Selbst wenn kein sichtbarer Weg bleibt, wird die Möglichkeit eines unsichtbaren Weges offengehalten. Das ist Pathos, natürlich. Aber es ist gutes Pathos. Es ist genau die Sorte Pathos, für die man dieses Genre liebt.

Gesanglich glänzt der Song erneut. Giacomo Rossi trägt die Dringlichkeit, Martina Mazzeo verleiht den melodischen Passagen zusätzlichen Glanz. Die Gitarren setzen dazu feine Akzente, und die Produktion lässt genug Raum, damit die einzelnen Schichten nicht ineinander verschwimmen. Gerade bei symphonischem Power Metal ist das wichtig. Zu viel Bombast kann schnell matschig werden. Hier bleibt das Klangbild klar, druckvoll und erfreulich ausgewogen.

»Betrayal«: Wenn Vertrauen im Kerker zerbricht

Schwermütig und düster leitet dann »Betrayal« ein. Der Sound wirkt zunächst wie ein Donnergrollen aus den Tiefen einer Burg, bis der gewohnte Power-Metal-Geschwindigkeitsrausch einsetzt und unter präziser Gitarrenarbeit seine Wirkung entfaltet. Opernhaft geht es mit dem weiblichen Gesang zur Sache, wodurch die pure Gänsehaut noch einmal ausgeweitet wird. Martina Mazzeo zeigt hier sehr stark, wie viel Drama sie in einen Song legen kann, ohne dass es gekünstelt wirkt.

In diesem Song geht es, wer hätte das bei dem Titel gedacht, um Betrug. Doch »Betrayal« macht daraus mehr als nur eine simple Wendung im Fantasy-Plot. Die Geschichte führt in die verborgenen Räume eines Schlosses, wo geheime Gespräche, dunkle Rituale und verbotene Magie ans Licht kommen. Jene, die eigentlich helfen sollten, werden als Verräter entlarvt. Die Magier von Spine stehen nicht mehr für Rettung, sondern für Manipulation, Seelenraub und den eigentlichen Ursprung des Grauens.

Musikalisch passt diese Enthüllung hervorragend zum Song. Die Gitarren wirken schärfer, die Atmosphäre bedrohlicher, die orchestralen Elemente dramatischer. Sänger und Sängerin liefern sich ein Duell der epischen und fantastischen Natur, während im Hintergrund die Instrumentalfraktion keinen Millimeter nachgibt. Das Besondere an der Produktion ist auch hier: Nichts wirkt nachträglich aufgesetzt oder angeklebt. Das ganze Meisterwerk klingt wie aus einem Guss.

Ein Wahnsinns-Gitarrensolo von Edward De Rosa setzt dem Ganzen im letzten Teil des Titels noch die Krone auf. Genau solche Momente zeigen, warum Embrace Of Souls im symphonisch angehauchten Power Metal hervorstechen. Die Band kann Drama, aber sie kann auch Handwerk. Sie kann Bombast, aber sie vergisst nicht das Riff. Sie kann große Gefühle, aber sie verliert nie den metallischen Kern.

»The Dark Lord«: Nein, hier geht es nicht um Harry Potter

Opernhaft mit dem schönen Gesang von Martina Mazzeo leitet dann der nächste Streich im Power-Metal-Geschwindigkeitsrausch ein, den die Band auf den Namen »The Dark Lord« getauft hat. Doch nein, hier geht es nicht um den bekannten Bösewicht aus Harry Potter, sondern um eine deutlich klassischere Fantasy-Finsternis, die sich innerhalb des Albumkonzepts nun offen zeigt.

Inhaltlich nimmt »The Dark Lord« die Konsequenz aus »Betrayal« auf. Ein Diener wird gejagt, Soldaten eilen zur Rettung, aber die wahre Gefahr ist längst größer als ein einzelner Verrat. Die dunkle Macht bekommt ein Gesicht. Der Anführer der finsteren Magier tritt aus dem Schatten, und plötzlich wird klar, dass die Bedrohung nicht mehr nur Krankheit, Panik oder Intrige ist, sondern ein Wille zur Herrschaft. Das Böse steht nicht mehr irgendwo im Nebel. Es atmet den Kämpfern bereits in den Nacken.

Musikalisch ist »The Dark Lord« ein weiterer Höhepunkt des Albums. Die Band setzt auf Geschwindigkeit, dramatische Chorwirkung, präzise Instrumentierung und ein starkes Wechselspiel zwischen Härte und Theatralik. Die Gitarren treiben das Stück mit ordentlich Feuer an, während Keyboards und orchestrale Elemente die Szene vergrößern. Man merkt, dass Embrace Of Souls ihren Fantasy-Stoff nicht ironisch behandeln. Sie nehmen ihn ernst, und genau deshalb funktioniert er.

Besonders die Gesangsdramaturgie überzeugt. Giacomo Rossi bringt die kämpferische Seite, Martina Mazzeo die opernhafte Spannung. Der Song lebt von einer Atmosphäre, die zwischen Verfolgung, Enthüllung und nahender Katastrophe pendelt. Als Kapitel im Album ist »The Dark Lord« essenziell, weil hier die diffuse Dunkelheit eine klare Gestalt annimmt. Und musikalisch gibt es dabei ordentlich Stahl auf die Ohren.

»The War«: Flammen, Donner und Morby als Verstärkung

Melodisch und brachial geht es dann mit »The War« zur Sache. Präzise Gitarren- und Bassstrukturen stützen zusammen mit dem schweißtreibenden Drumming den Song, der mit epischen Keyboards und Streichern zum Tragen gebracht wird. Epische Gitarrensoli, Chorgesänge und strahlender männlicher Gesang stehen ebenso im Fokus wie fantastische Leads der Gitarre. Gitarre und Keyboard sorgen hierbei für den melodischen Teil und schaffen eine besonders magische Atmosphäre.

Der Gastauftritt von Morby, bekannt von Domine, passt hervorragend in dieses Umfeld. Seine Präsenz verankert den Song noch stärker in der italienischen Power-Metal-Tradition und gibt »The War« zusätzliche Autorität. Man spürt hier: Jetzt ist die Zeit der Andeutungen vorbei. Die Schlacht ist da, der Krieg beginnt, und alle vorherigen Kapitel führen zu diesem Moment.

Inhaltlich geht es um den Kampf um Heimat, Freiheit und Seele. Die Feinde sind nicht nur fremde Krieger, sondern manipulierte Freunde, Brüder und Gefährten, die durch dunkle Magie zu Schatten ihrer selbst geworden sind. Genau diese Idee macht den Song stärker als eine reine Schlachthymne. Es geht nicht nur darum, gegen das Böse zu kämpfen, sondern auch darum, sich gegen das Bild der eigenen verlorenen Menschen behaupten zu müssen. Das gibt dem heroischen Gestus eine tragische Schlagseite.

Musikalisch feuern Embrace Of Souls aus allen Rohren. Doublebass, Gitarrenläufe, Chöre und orchestrale Akzente greifen sauber ineinander. Der Song besitzt Druck, Tempo und eine eingängige Struktur, bleibt aber durch die vielen Details spannend. »The War« ist damit einer jener Tracks, bei denen Power-Metal-Fans sofort wissen, warum sie dieses Genre lieben: große Melodien, schnelle Beine, erhobene Fäuste und genug Drama, um eine ganze Burgmauer zum Zittern zu bringen.

»Sacrifice«: Opernflair, Schatten und der Preis der Hoffnung

Bei »Sacrifice« gibt es zunächst durch die Synthesizer ein gruselig-episches Sounddesign, das immer mächtiger wird, je mehr Metal in den Song hineinwächst. Hier ist Martina Mazzeo mit ihrem Opernflair direkt am Zug und zieht den Zuhörer in ihren Bann. Ihr Gesang wirkt in diesem Zusammenhang nicht nur schön, sondern auch erzählerisch wichtig. Er trägt Würde, Trauer und Erhabenheit in ein Stück, das bereits durch seinen Titel nach großem Preis und schwerer Entscheidung klingt.

Da »Sacrifice« innerhalb der Albumdramaturgie direkt nach »The War« kommt, wirkt der Song wie die notwendige Konsequenz der Schlacht. Wo vorher Feuer, Donner und Kampf dominierten, steht nun stärker die Frage im Raum, was dieser Krieg kostet. Opferbereitschaft ist im Power Metal oft ein großes Wort, doch Embrace Of Souls geben ihm hier ein spürbares Gewicht. Man bekommt nicht das Gefühl, dass Heldentum ohne Verlust auskommt. Genau das macht den Song emotional wertvoll.

Musikalisch liefern die Musiker auch hier fantastisch ab. Die Komposition baut sich sehr bewusst auf, lässt die Stimme atmen und zieht dann die Instrumente immer weiter in die Höhe. Die Gitarren bleiben druckvoll, der Bass hält das Fundament, das Schlagzeug treibt kontrolliert nach vorne, und die Keyboards geben dem Ganzen eine dunkle, sakrale Färbung. »Sacrifice« ist kein bloßer Durchlaufposten vor dem Finale, sondern ein wichtiger emotionaler Knotenpunkt.

Gerade die Mischung aus opernhaftem Gesang, symphonischer Schwere und metallischer Wucht macht den Song so stark. Embrace Of Souls zeigen hier, dass sie Pathos nicht nur auf Angriff spielen können, sondern auch auf Tragik. Und das steht ihnen ausgezeichnet.

»Desolate Lands«: Das große Finale auf verbrannter Erde

Zum Grande Finale gibt es dann mit »Desolate Lands« noch einmal ein episches Power-Metal-Theaterstück, bei dem Geschwindigkeit, Präzision und große Emotion zusammenkommen. Der Song wirkt wie der Blick über ein Schlachtfeld nach dem letzten Schlag. Alles ist entschieden, aber nichts ist wirklich unversehrt. Wo zuvor gekämpft, gehofft, verraten und geopfert wurde, bleibt nun die Frage: Was ist der Sieg wert, wenn die Erde verwüstet zurückbleibt?

Inhaltlich bildet »Desolate Lands« den Abschluss der Erzählung. Der König von Eversun opfert sich, die Dunkelheit wird zurückgedrängt, der Feind fällt, doch die Verstorbenen kehren nicht zurück. Der Song verbindet Triumph und Trauer. Es gibt Frieden, aber keinen ungebrochenen Jubel. Die Überlebenden halten zusammen, erinnern sich an die Gefallenen und tragen Narben, die nicht einfach mit dem letzten Refrain verschwinden. Genau diese Mischung aus Sieg und Verlust macht das Finale stark.

Musikalisch zeigen Embrace Of Souls noch einmal alles, was dieses Album ausmacht. Schnelle, treibende Power-Metal-Strukturen treffen auf symphonische Größe, starke Gesangslinien, Gitarrensoli und eine klare dramaturgische Entwicklung. Edward De Rosa und Davide Baldelli setzen mit ihren Solopassagen Akzente, während die Rhythmusfraktion das Stück sauber nach vorne trägt. Das ist nicht einfach ein Rausschmeißer, sondern ein bewusst gesetztes Schlusskapitel.

Besonders schön ist, dass »Desolate Lands« nicht in plumpem Happy End endet. Ja, die Dunkelheit ist besiegt. Ja, der Krieg ist vorbei. Aber der Preis bleibt sichtbar. Genau hier beweist die Band erzählerisches Gespür. Aus verbrannter Erde wächst nicht sofort ein Blumenfeld, nur weil die Gitarren in Dur leuchten. Stattdessen bleibt eine melancholische Würde zurück. Das passt hervorragend zu einem Album, das von Anfang an nicht nur Power-Metal-Euphorie, sondern auch Tragik und erzählerische Konsequenz liefern wollte.

Fazit

Mit »The Battle Of The Dead« liefern Embrace Of Souls ein starkes, ambitioniertes und erfreulich geschlossenes Power-Metal-Werk ab. Die Band erfindet das Rad ihres Genres gewiss nicht neu, aber das muss sie auch nicht, denn sie sticht durchaus im hiesigen, symphonisch angehauchten Power Metal hervor. Entscheidend ist nicht, dass hier völlig unbekannte Zutaten verwendet werden. Entscheidend ist, wie überzeugend diese Zutaten zusammengesetzt werden.

Das Album besitzt alles, was man sich von dieser Stilrichtung wünschen kann: schnelle Drums, galoppierende Riffs, melodische Gitarren, große Refrains, orchestrale Wucht, opernhafte Gesangsmomente, starke Soli und eine Geschichte, die von Anfang bis Ende zusammenhält. Dabei verlieren Embrace Of Souls nie den metallischen Kern. Trotz aller Symphonik bleibt »The Battle Of The Dead« ein Power-Metal-Album mit Biss, Tempo und ordentlich Stahl in den Knochen.

Besonders hervorzuheben ist das Zusammenspiel von Giacomo Rossi und Martina Mazzeo. Die beiden Stimmen geben dem Album eine dramatische Tiefe, die weit über gewöhnliche Refrain-Veredelung hinausgeht. Giacomo Rossi überzeugt mit Kraft, Klarheit und Ausdruck, während Martina Mazzeo dem Material eine opernhafte, symphonische und beinahe theatralische Ebene verleiht. Gemeinsam schaffen sie ein vokales Zentrum, das viele Songs trägt und dem Konzept zusätzliche Glaubwürdigkeit gibt.

Schlusswort

Auch instrumental gibt es wenig zu meckern. Michele Olmi liefert nicht nur als Drummer, sondern auch als kompositorische Triebkraft eine starke Arbeit ab. Xavier Rota sorgt am Bass für ein stabiles Fundament, Edward De Rosa glänzt mit Riffs und Soli, und Davide Baldelli erweitert den Sound mit Keyboards, die nicht nach Beiwerk klingen, sondern die epische Architektur des Albums mittragen. Die Produktion ist klar, druckvoll und detailreich genug, um die vielen Schichten sauber hörbar zu machen.

Zu den stärksten Momenten zählen »The Battle Of The Dead«, »Eversun«, »Spine«, »Betrayal«, »The War« und »Desolate Lands«. Doch auch die übrigen Stücke erfüllen ihre Aufgabe innerhalb des Konzepts und verhindern, dass das Album nur aus Einzelhits besteht. »The Battle Of The Dead« funktioniert als Ganzes, und genau das ist bei einem Konzeptalbum die halbe Schlacht.

Am Ende bleibt ein Album, das Fans von epischem, melodischem und symphonisch angehauchtem Power Metal unbedingt auf dem Schirm haben sollten. Embrace Of Souls spielen hier nicht nur mit Schwertern aus Pappe und Plastikdrachen im Hintergrund. Sie bauen eine Welt, lassen sie brennen, schicken ihre Figuren durch Verrat, Krieg und Opfer und lassen den Hörer am Ende auf verwüstete Länder blicken, in denen trotzdem noch ein Rest Hoffnung glimmt. Das ist großes Kino für die Ohren. Volle Kanne Hoschi, aber mit Rüstung, Chor und brennendem Himmel.

Embrace Of Souls - The Battle Of The Dead

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Embrace Of Souls - The Battle Of The Dead - CD Review