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WILDHUNT – Aletheia

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cover artwork WILDHUNT Aletheia
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Band: WILDHUNT 🇦🇹
Titel: Aletheia
Label: Jawbreaker Records
VÖ: 02/01/26
Genre: Thrash/Heavy Metal

Tracklist

01. Touching the Ground
02. The Holy Pale
03. Made Man
04. Kanashibari
05. In Frozen Dreams
06. Aletheia
07. Sole Voyage

Besetzung

Wolfgang Elwitschger – Vocals, Guitars
Julian Malkmus – Guitars
Robbie Nöbauer – Bass, Backing vocals
Lukas Lobnig – Drums, Percussion

Bewertung:

4,5/5

Nach einem Jahrzehnt der Erkundung kehrt die österreichische Metal-Band WILDHUNT mit ihrem mit Spannung erwarteten zweiten Album „Aletheia“ zurück. Das Album baut auf dem Pfad auf, den ihr Debütalbum „Descending“ gesetzt hat, und vermischt komplizierte Details mit energischem Metal und epischen Songstrukturen.

Unerwarteter Start mit Metallica-Feeling

Das Album eröffnet irgendwie unerwartet – akustische Gitarren und eine sehr schöne und melancholische Melodie. „Touching the Ground“ lässt eine elektrische Gitarre langsam den Song übernehmen, und dann wird alles elektrisch, und mit einsetzenden Drums verwandelt sich die Musik in einen vollen Metal-Song. Eine schöne Übung mit einem sich entwickelnden Song, ein Opener, der an sehr alte Metallica-Meisterwerke im selben Stil erinnert. Ein instrumentaler Song, aber voll von Melodie, auch dynamisch und ausdrucksstark. Ein guter Einstieg.

WILDHUNT sind heute in Wien ansässig, die Band wurde aber 2011 in Villach gegründet. Der Gründer, Herz und Seele der Band ist Wolfgang Elwitschger, der aktuell Vocals und Gitarren spielt. Neben ihm sind die restlichen Mitglieder Julian Malkmus an den Gitarren, Robbie Nöbauer für Bass und Backing Vocals sowie Lukas Lobnig für Drums und Percussion. Sehr technische Musiker, die ihre Fähigkeiten mit jeder Note auf dem Album zeigen.

Der nächste Song „The Holy Pale“ bringt von Anfang an Old-School Thrash Metal – guter Rhythmus, komplizierte aber sehr gut kontrollierte Instrumentierung, anspruchsvolle Musik. Vocals sind typischer für Heavy Metal, eine Old-School-Aura ist noch präsenter als im Eröffnungssong. Eine epische Komposition mit Anklängen von Progressive Metal, aber außer einigen schnellen Riffs ist der Song viel mehr Heavy Metal als Thrash. Rhythmuswechsel unterstreichen die Komplexität des Songs, Bass kommt mit sehr schönen Akzenten, die Riffs sind massiv und sehr technisch. Ein solider und beeindruckender Song.

Noch mehr verschiedene Einflüsse lassen sich vom Beginn des nächsten Songs „Made Man“ hören. Ein Song, der vor langer Zeit als Single präsentiert wurde und jetzt seinen Platz auf dem Album findet. Ein galoppierendes Riff offenbart wieder das technische Können der Band. Ein Hauch von klassischem Metal kommt in der Mitte des Songs in Form eines Gitarrendialogs, mit dem Bass, der den Sound dynamischer hält – ein schöner Beitrag. Wieder eine epische Komposition. Beeindruckende Gitarren in allen möglichen Formen, von Tremolo-gepickt zu massiven Riffs, von delikaten Solos zu aggressiven Passagen. Mehrschichtiger Sound, sehr komplexe Instrumentierung, die Vocal-Intervention ist minimal und lässt die Instrumente den Song musikalisch definieren. Beeindruckend, ein klarer Höhepunkt.

Vintage-Sound mit moderner Qualität

Die Produktion ist sehr gut, ausbalanciert und schafft es, den alten, fast Vintage-Sound aus den Anfängen der Genres zu bewahren. Aber alle Instrumente sind klar im Mix und korrekt dosiert, um den ganzen Sound voll und komplett zu machen. Beeindruckende Gitarren, ein sehr starker Bass mit entschiedenen Interventionen durch das Album, Drums sind auch sehr gut ins Gesamtbild integriert. Die Qualität der Musik wird durch eine sehr gute Produktion, Mixing und Mastering gut ausgedrückt.

Fast Jazz-Musik, sehr melodische Gitarren, ein ambienter Start in „Kanashibari„. Und der Song ist genau das – ein melodisches Interlude mit sehr melancholischem Vibe, schöne Melodie, ein kurzer instrumentaler Song. „In Frozen Dreams“ übernimmt die Idee vom vorherigen Song und bringt die typische Dynamik, aber wieder mit progressiverem Sound. Diesmal passen die Vocals perfekt zur Klanglandschaft, das Storytelling fließt gut zwischen Musik und Texten. Interessante Songstruktur, wieder viele Schichten von Sounds, die zusammenkommen in einer massiven Klanglandschaft.

Der Titelsong „Aletheia“ bringt einen Hauch von Pink Floyd ins Spiel, aber nach einem kurzen melodischen Intro kehrt der Song zu einem viel entschiedeneren und kraftvolleren Song zurück. Epischer Refrain mit geschrienen aber melodiösen Vocals, eine Melodie, die sich öffnet und in eine komplexe und polyrhythmische verwandelt, viele Texturen und ein expansiver Sound. Ein warmer Song, auch wenn nicht unbedingt so melodisch wie einige der vorherigen – hier sind die Progressive-Rock-Einflüsse am klarsten auf dem Album.

Der Abschlusssong „Sole Voyage“ ist eine Mini-Oper für sich, ein über elf Minuten langer Track – die ambitionierte Komposition wird von Anfang an klar. Der Wechsel zwischen atmosphärischen Passagen und schnellen Riff-dominierten kreiert einen unvorhersehbaren Sound, ein story-getriebener Song, weitläufig und auch fließend. Wieder bringt eine sehr atmosphärische, aber Jazz-beeinflusste Passage einen schönen Wechsel im Song. Überkomplex, cinematische Momente mit puren aggressiven Riffs mischend – definitiv ein progressiver Song, für die meiste Zeit langsamer und technisch. Die im Wechselspiel stehenden Gitarren sind auf manchen Passagen einfach majestätisch und so gut gespielt. Auch als Komposition ist die epische Dimension sehr gut kontrolliert und ausgedrückt. Ein weiterer klarer Höhepunkt.

Zeitreise zu den Wurzeln des Metal

In gewisser Weise eine Reise zurück in der Zeit mit dem Sound, den WILDHUNT auf „Aletheia“ haben. Schwer zu definieren, aber mit so vielen Einflüssen, die direkt in den ursprünglichen Wurzeln von Metal-Musik verankert sind. Epische Kompositionen, sehr dramatische Melodien verwoben mit Gitarren, die konstant die Haupt-Melodielinie zurückbringen. Zwischen den originalen Heavy-Metal-Helden und Black Sabbath, mit frühen Thrash-Metal-Bands als Einflüsse, von Annihilator zu Coroner, aber auch Heathen, King Diamond oder Paradox. All diese Ähnlichkeiten zeigen den komplexen Sound der Band, eine originelle Mischung, die all das in einen einzigartigen Stil integriert.

Für jeden, der den Band-Sound von früheren Werken nicht kennt, wird „Aletheia“ eine schöne Überraschung sein – ein Werk, das Nostalgie der Anfänge von Extreme Metal zurückbringt, aber mit einer Serie von Einflüssen, die das ganze Hören dynamisch und sehr angenehm machen. Viele Wendungen in der Songstruktur, aber alle zusammengehalten durch inspirierte Übergänge und klare kompositorische Fähigkeiten. Ein Muss für Fans von Progressive, Thrash oder Heavy Metal.

Fazit: WILDHUNT zementieren mit „Aletheia“ ihren Status – technisch versiert mit innovativer Neuinterpretation von 80er Heavy Metal.

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WILDHUNT - Aletheia

EXCAVATED GRAVES – Life Isn’t For Everyone

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cover artwork EXCAVATED GRAVES Life Isn’t For Everyone
cover artwork EXCAVATED GRAVES Life Isn’t For Everyone

Band: EXCAVATED GRAVES 🇵🇱
Titel: Life Isn’t For Everyone (EP)
Label: Selfmadegod Records
VÖ: 02/01/26
Genre: Death Metal

Tracklist

1. Soil
2. Life Isn’t For Everyone
3. Waste Of War
4. Deepfrozen
5. Taboo

Besetzung

Piotr Sabarański – Guitar
Michał “Stoker” Stopa – Bass

Bartłomiej “Bruno” Waruszewski – Vocals
Michał Kaszczyszyn – Lead Guitar
Mariusz “Mel” Miernik – Drums
Adrian Słojewski – Guitar, Vocals

Bewertung:

3/5

Eine neue Death-Metal-Band aus dem polnischen Underground meldet sich zu Wort: EXCAVATED GRAVES präsentieren mit „Life Isn’t For Everyone“ ihr Debüt – eher EP oder Mini-LP als vollwertiges Album, vor allem als erste Standortbestimmung gedacht. Abseits der bloßen Vorstellung der Band liefert die Veröffentlichung jedoch bereits eine ordentliche Portion druckvollen Death Metal.

Zwischen Doom-Schwere und Old-School-Wurzeln

Ungewöhnlich beginnt das Album mit einer Eröffnungspassage, die eher an Cartoon-Musik erinnert. Erst danach setzt „Soil“ mit sehr langsamen Akkorden und tiefen Riffs ein, insgesamt stark doomig geprägt. Ein befremdlicher Moment folgt in der Mitte des Songs: langanhaltender Applaus und Ovationen erzeugen beinahe ein Theatergefühl, bevor der Track endgültig Fahrt aufnimmt. Danach entfaltet sich der Song mit massiver Instrumentierung, starker Komposition, wuchtigen Growls und klaren Referenzen an den schwedischen Old-School-Death-Metal-Stil. Der zweite Teil überzeugt mit strafferem Tempo, solider Rhythmussektion sowie aggressiv-dissonantem Solo. Ohne den ausgedehnten Intro-Teil wäre „Soil“ ein wuchtiger Death-Metal-Song.

EXCAVATED GRAVES wurden erst vor kurzer Zeit gegründet, vereinen jedoch Musiker mit viel Erfahrung aus zahlreichen polnischen Bands der letzten Jahrzehnte. Zum Kern zählen Piotr Sabarański (Parricide) an der Gitarre und Michał „Stoker“ Stopa (ex-Fam, ex-Dissenter) am Bass. Unterstützt wurden sie im Studio von Bartłomiej „Bruno“ Waruszewski (Prototyp, ex-Azarath) am Gesang, Michał Kaszczyszyn (ex-Neaghi) an der Leadgitarre, Mariusz „Mel“ Miernik (ex-Damnable, ex-Squash Bowels) am Schlagzeug sowie Adrian Słojewski (Pyorrhoea, Nuclear Vomit) an Gitarre und Gesang.

Der Titelsong „Life Isn’t For Everyone“ setzt ohne Umschweife aggressiv ein, wirkt in seiner Struktur jedoch deutlich komplexer. Häufige Tempowechsel sorgen für Dynamik, aber auch für eine gewisse Unruhe. Furioses Schlagzeugspiel, konstante Riffs und erneut ein sehr offensives Gitarrensolo prägen den Track. Teilweise melodischer als der Opener, insgesamt jedoch sprunghaft, wechseln musikalische Ideen zu abrupt, und nicht alle Tempoänderungen greifen überzeugend.

Struktur, Tempo und Klangbild

Waste Of War“ setzt auf verzweifelter klingende Vocals und entwickelt dadurch eine düstere, atmosphärische Wirkung. Nach dem eher chaotischen Vorgänger überzeugt der Song mit klarerer Struktur und stimmigerer Komposition. Tempowechsel sind weiterhin präsent, funktionieren hier jedoch deutlich besser. Stilistisch bleibt man beim klassischen schwedischen Death Metal, allerdings in einer langsameren, schwereren Ausprägung. Die Drums treiben konstant voran und arbeiten teilweise bewusst gegen das Grundtempo – ein Kontrast, der gut aufgeht.

Die Produktion ist solide, mit einer gewissen Rohheit, die dem Hörerlebnis nicht schadet. Die Leadgitarre steht mit ihren schneidenden Solos sehr weit im Vordergrund, teils fast zu dominant. Das unterstreicht zwar den abrasiven Charakter der Musik, bringt musikalisch jedoch nicht immer zusätzlichen Mehrwert und rückt andere Elemente etwas in den Hintergrund. Gerade die Rhythmusgitarre hätte mehr Präsenz verdient. Gesang und Rhythmussektion hingegen sind gut ausbalanciert.

Deepfrozen“ startet mit einem melodischeren Ansatz, starker Gesangsleistung und klar definierten Riffs. Eine nachvollziehbare melodische Linie zieht sich durch den Song, auch die Leadgitarre fügt sich hier stimmiger ins Gesamtbild ein. Der Wechsel zwischen ruhigeren Passagen und schnellen, aggressiven Momenten wirkt kontrolliert und überzeugend.

Der Abschlusstrack „Taboo“ beginnt erneut in gemächlichem Tempo, zieht dann jedoch deutlich an und kombiniert Uptempo-Parts mit eindringlichen, beinahe besessenen Vocals. Eine melodischere Grundstimmung prägt den Song, auch die Solos sind weniger schneidend als zuvor. Als Rückbezug auf den Opener schließt der Track mit erneutem Applaus und Ovationen – diesmal kürzer, aber weiterhin leicht befremdlich.

Solider Einstieg mit Luft nach oben

Life Isn’t For Everyone“ ist ein kurzes Werk, aber stilistisch klar umrissen. Die Wurzeln von EXCAVATED GRAVES sind deutlich erkennbar, und diese werden respektiert. Gleichzeitig gibt es vereinzelte experimentelle Ansätze, insbesondere im Opener – nicht immer mit überzeugendem Ergebnis. Dort, wo sich die Band auf ihren Kern konzentriert und geradlinigen Death Metal spielt, funktioniert das Material am besten.

Manche Hörer hatten auf eine klangliche Fortsetzung von Parricide gehofft, dem früheren Projekt von Piotr Sabarański, das auch zehn Jahre nach seiner Auflösung noch vermisst wird. EXCAVATED GRAVES teilen jedoch nur wenig mit dieser Band. Der neue Ansatz ist weniger wild und weniger roh, dafür stilistisch anders ausgerichtet.

Insgesamt ein gutes, wenn auch nicht perfektes Debüt. Einige Passagen wirken etwas überhastet, manche Kompositionen noch nicht vollständig ausgearbeitet. Mit mehr Feinschliff in Songwriting und Produktion lässt sich jedoch erwarten, dass die Band in Zukunft ein sehr starkes Album vorlegen kann. Enttäuschend ist „Life Isn’t For Everyone“ keinesfalls – vielmehr ehrlicher, klassisch verwurzelter Death Metal mit Entwicklungspotenzial.

Fazit: „Life Isn’t For Everyone“ ist ein kurzes, aber solides Debüt, das klassischen Death Metal mit klaren Stärken und erkennbarem Potenzial präsentiert.

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EXCAVATED GRAVES - Life Isn’t For Everyone

Hounds – Rise Of The Immortals

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Hounds – Rise Of The Immortals - Artwork
Hounds – Rise Of The Immortals - Artwork

Band: Hounds
Titel: Rise Of The Immortals
Label: Iron Shield Records
VÖ: 21/11/25
Genre: Epic/Heavy Metal

Tracklist

01. Knightmare
02. Fight, Warrior
03. A.O.R. (All Out Running)
04. Lohengrin
05. Rise Of The Immortals
06. Still Believe
07. Fatal Destroyer

Besetzung

Massimo Ventura – Gesang, Gitarren
Marco De Fabianis Manferto – Tasteninstrumente, Begleitgesang
Stefano Paparesta – Bassgitarre
Enrico Cairola – Schlagzeug, Begleitgesang

Bewertung: 3,5/5

76 %

Wie beim Debüt vor fünf Jahren darf man bei den Italienern HOUNDS auf »Rise Of Immortals« Virgin Steele als Haupteinfluss benennen. Die Zeit hat man offensichtlich genutzt, denn die Kritikpunkte, welche beim Debüt vor allem die Produktion, aber auch die Qualität einiger Songs sowie den Gesang betraf, wurden diesmal vollkommen ausgemerzt. Denn was ich hier vernehme ist

Underground Metal vom Feinsten!

Nachdem galloppierenden »Knightmare« gibt man sich in »Fight, Warrior« dermaßen kampfbereit, dass ich hier manchmal an Bands wie (später auch beim Titeltrack) Hyborian Steel denken muss. Allerdings verhindern sowohl die Keys als auch das epische Ende, dass man zu einer Kopie verkommt.
Ebenfalls sehr gut stehen » A.O.R. (All Out Running)« die „Turbo“ – Synthesizer und Hair Metal Vibes sowie die an alte Savatage erinnernde Gitarrenarbeit in »Fatal Destroyer« und dem Instrumentalstück »Lohengrin«.

An »Rise Of The Immortals« kommt man als Heavy Metal Fan schwer vorbei,

auch wenn HOUNDS hier nichts bahnbrechendes abliefern. Wie sehr gereift die Band ist, lässt an »Still Believe« gut erklären:
Trotz aller Vorhersehbarkeit schafft es das Lied durch geschickt im Hintergrund platzierte, kleine Details nicht nur die Spannung in den über sieben Minuten hoch zu halten. Man sorgt damit auch dafür, dass der Song trotz der Länge hängen bleibt.

Wer sich mit einer geringen Dosis alter Savatage, ordentlich Virgin Steele – Pathos sowie der musikalischen Art und Weise von Bands wie Validor, Hyborian Steel, Executioner Steel und Savage Oath anfreunden kann, hat hier auf jeden Fall eine Menge Spaß.

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HOUNDS – Rise Of The Immortals t

Now Or Never – The Legacy

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Now Or Never – The Legacy - Cover
Now Or Never – The Legacy - Cover

Band: Now Or Never 🇩🇰 / 🇫🇷 / 🇨🇭
Titel: The Legacy
Label: Metalpolis Records
VÖ: 05/12/25
Genre: Melodic/Heavy Metal

Tracklist

01. Burning Daylight
02. Legacy
03. Accidental Synergy
04. The Letter
05. Mr. Misery
06. Hide Behind The Screen
07. Hollow Idol
08. Secret Dream
09. Remember Icarus
10. How Do You Sleep,
11. No One Will Make Me Cry
12. Where The Road Ends
13. Dive Into The Void

Besetzung

Peer Johansson – Gesang
Ricky Marx – Gitarren, Tasteninstrumente
Guillaume Surroca – Bassgitarre
Ranzo – Schlagzeug

Bewertung: 3/5

68 %

Die einst als Pretty Maids – Ableger gestarteten NOW OR NEVER präsentieren mit »The Legacy« nicht nur ihr viertes Album im dreizehnten Jahr ihres Bestehens, sondern mit Guillaume Surroca auch den vierten Tieftöner sowie mit Peer Johannson den dritten Sänger der Bandgeschichte.

Peer Johansson macht den Unterschied auf »The Legacy«.

Im Vergleich zu seinem Vorgänger gibt der Neue am Mikro dem Klangbild einen eigenständigeren Anstrich und sorgt außerdem für einen rauen Grundton. Reiner Melodic Metal ist auf dieser Scheibe kaum noch zu hören. So befinden sich in der Mitte des Albums mit »Hide Behind The Screen« sowie »Hollow Idol« überraschend aggressive Songs, die durch einen harmonischen Mittelteil aufgelockert werden.

Auch »Burning Delight« und »Mr. Misery« überzeugen durch neue Aspekte und integrieren mit harten, aber harmonischen Gitarrenläufen Merkmale der deutschen Power Metal – Schule. Ebenfalls gut ins Ohr gehen mit dem zwischen Mittachziger Accept, MSG und Primal Fear befindlichen »Accidental Synergy«, das Led Zeppelins Kashmir zitierende »Legacy« sowie die ausnahmsweise mal etwas schnelleren »No One Will Make Me Cry« und »Dive Into The World« gegen Ende.

Weniger ist manchmal mehr!

»The Legacy« ist mit dreizehn Liedern zwar opulent bestückt, hat allerdings auch einige Füller. Warum man nach einem überwiegend akustisch vorgetragenen Stück wie »Secret Dream« später mit »Where The Road Ends« nochmal ein ähnliches und zudem viel schwächeres Stück auf die Scheibe packt bleibt ebenso ein Rätsel wie der Umstand, dass man auch mit »Remember Icarus« und »How Do You Sleep« gegen Ende alle verzichtbaren Songs versammelt.

Irgendwo zwischen Primal Fear und Pretty Maids ist eine schmale Lücke, die NOW OR NEVER in den neunundsechzig Minuten zwei Drittel der Laufzeit voll ausfüllen können. Vor allem Peer Johansson macht hierbei in allen (Ton-) Lagen eine exzellente Figur. Insofern lohnt sich ein Check der Zielgruppe auf jeden Fall!

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NOW OR NEVER – The Legacy

REDIVIDER – Sounds Of Malice

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REDIVIDER - Sounds Of Malice - album cover
REDIVIDER - Sounds Of Malice - album cover

Band: REDIVIDER 🇺🇸
Titel: Sounds Of Malice
Label: Third House Communications
VÖ: 09/01/26
Genre: Death Metal

Tracklist

01. Quartered & Devoured
02. Sounds of Malice
03. Shackled to Existence
04. Apocalyptic Waste
05. Fratricide
06. Bask in the Rot
07. Left to Rot

 

Besetzung

Jacob Spencer – Vocals
Paul Nunavath – Guitar
Jake Atha – Guitar
Alexander Farrington – Bass
Mike Hargrave – Drums

 

Bewertung:

3,5/5

Die US-amerikanische Death-Metal-Band REDIVIDER veröffentlicht mit ihrem Album »Sounds Of Malice« eine kraftvolle und düstere Klangreise. Gegründet im Herzen des Death-Metal, setzt die Formation um Sänger Jacob Spencer, Gitarristen Paul Nunavath und Jake Atha, Bassist Alexander Farrington sowie Drummer Mike Hargrave auf rohe Energie und kompromisslose Härte. Das Quintett verbindet technische Finesse mit rohem Brutalitätsanspruch und schafft so ein atmosphärisches Klangbild, das sowohl Fans des Genres sowie Neueinsteiger anspricht.

»Sounds Of Malice« präsentiert sich als klassisches Death-Metal-Album mit modernen Elementen. Die Songs zeichnen sich durch aggressive Riffs, tiefe Growls und komplexe Rhythmusstrukturen aus. Der Bandtross scheut nicht vor atmosphärischen Momenten zurück, die die düstere Stimmung intensiv unterstreichen. Die Mischung aus schnellen Blast-Beats und langsamen, erdrückenden Passagen sorgt für eine abwechslungsreiche Hörerfahrung, die die Zuhörer in eine Welt voller Dunkelheit und Zerstörung eintauchen lässt.

Riffs und Rhythmus

Schon der Opener »Quartered & Devoured« setzt die Marschrichtung klar: schnelle Gitarren, druckvolles Schlagzeug und ein growlender Spencer, der die düstere Atmosphäre des Albums trägt. REDIVIDER verliert sich nicht in technischen Spielereien, sondern setzt auf prägnante, kraftvolle Arrangements. Das zweite Stück, »Sounds of Malice«, entwickelt diese Intensität weiter, ohne monoton zu wirken. Die Gitarrenarbeit von Nunavath und Atha zeigt sowohl melodische Ansätze als daneben klassische Death-Metal-Riffs, die direkt ins Mark treffen.

Besonders auffällig ist das Zusammenspiel von Bass und Schlagzeug. Farrington und Hargrave liefern nicht nur das Fundament, sondern setzen beständig wieder rhythmische Akzente, die den Songs zusätzliche Tiefe verleihen. Gerade in »Shackled to Existence« zeigt sich, wie tight die Rhythmussektion agiert: schnelle Tempiwechsel und präzise Breaks halten die Spannung hoch.

Atmosphärische Härte

REDIVIDER verstehen es, nicht bloß Geschwindigkeit, sondern überdies Atmosphäre zu erzeugen. »Apocalyptic Waste« zeigt dies besonders deutlich. Der Song beginnt mit einem schleppenden, fast doomartigen Part, der sich langsam zu einem aggressiven Crescendo steigert. Spencer variiert hier seine Stimme und schafft es, zwischen gutturalem Growl und approximativ gesprochenen Passagen zu wechseln, ohne die Intensität zu verlieren.

Auch »Fratricide« bringt diese Mischung aus Brutalität und Atmosphäre zur Geltung. Die Gitarren sind dicht und druckvoll, während der Bass eine unterschwellige Melodie mitträgt, die dem Song Struktur verleiht. REDIVIDER beweist hier ein Gespür für Dynamik, das im Death Metal nicht immer selbstverständlich ist.

Death-Metal-Handwerk

Mit »Bask in the Rot« und »Left to Rot« zeigt das Album die technischen Fähigkeiten der Band. Hargraves Schlagzeugspiel ist präzise und abwechslungsreich, während die Gitarren sowohl melodische Leads als desgleichen fiese Riffs liefern, die den Hörer bei der Stange halten. REDIVIDER verliert sich nicht in Selbstzweck, sondern verbindet Brutalität mit Songstruktur.

Trotz der klaren handwerklichen Qualität wirkt das Album an einigen Stellen etwas vorhersehbar. Es fehlen Momente, die wirklich überraschen oder sich deutlich von anderen Death-Metal-Releases abheben. Gerade im letzten Drittel des Albums wiederholen sich einige Songideen, was die Spannung leicht mindert.

»Sounds Of Malice« ist ein solides Album, das Fans klassischen Death-Metals zufriedenstellen wird. REDIVIDER liefert technisch sauberen Sound, präzise Rhythmik und aggressive Vocals, die das Genre bedienen. Einige Songs heben sich durch atmosphärische Tiefe ab, andere wirken eher austauschbar. Insgesamt bleibt das Album knapp unter der Spitze des Genres, kann aber mit handwerklicher Präzision und konsequenter Härte punkten.

Fazit: »Sounds Of Malice« ist ein starkes Statement für REDIVIDER im Todesbleisektor.

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REDIVIDER - Sounds Of Malice - CD Review

ULVER – Neverland

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cover artwork ULVER Neverland
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Band: ULVER 🇳🇴
Titel: Neverland
Label: House of Mythology
VÖ: 31/12/25
Genre: Ambient/Avant-garde/Electronica, New Wave/Synthpop

Bewertung:

3/5

Die norwegischen Giganten ULVER präsentieren mit „Neverland“ ihr neunzehntes Album. Wie inzwischen gewohnt, bewegt sich die Musik klar im elektronischen Bereich, mit Einflüssen aus New Wave und Synth Pop, atmosphärisch, leicht und zugänglich. Es ist eine konsequente Fortführung ihrer jüngeren Werke, ein weiteres angenehm fließendes Album ohne große Brüche.

Einführung in die elektronische Welt

Das Album eröffnet mit elektronischen Klängen im typischen Spätwerk-Stil der Band. „Fear In A Handful Of Dust“ fungiert als atmosphärisches Intro, mit zarter Instrumentierung und gesprochenen Vocals, die eine Geschichte erzählen und den thematischen Rahmen des Albums andeuten. Eine leicht unheimliche Aura schwingt mit, ohne jedoch dominant zu werden. „Elephant Trunk“ beginnt mit einem schönen, melancholischen Piano-Thema, das langsam von elektronischen Effekten umspielt wird. Verzerrungen und moderne Synth-Elemente verändern schrittweise die anfänglich märchenhafte Stimmung, ohne sie vollständig aufzulösen, und verleihen dem Stück zusätzliche Dynamik.

ULVER zählen zu den kontroversesten, aber auch beliebtesten Bands, die aus der zweiten Welle des Black Metal hervorgegangen sind. 1993 in Oslo gegründet, startete die Band mit klassischem Black Metal, integrierte später Folk-Elemente und wandte sich schließlich vollständig elektronischer Musik zu. Die Entwicklung hin zu Synth Pop und New Wave markiert eine vollständige Abkehr von den Ursprüngen, ohne jedoch die eigene Identität zu verlieren. Trotz – oder gerade wegen – dieser Wandlungen verfügt die Band über eine große und treue Anhängerschaft. Konstant geblieben ist Kristoffer Rygg, Gründungsmitglied und kreativer Kern, der neben den Vocals auch für das Programming verantwortlich zeichnet. Seit 2000 ist Jørn H. Sværen für verschiedene musikalische Aufgaben zuständig, darunter auch Schlagzeug, wenn dieses zum Einsatz kommt. Ole Aleksander Halstensgård ergänzt seit 2017 das Line-up an den Electronics.

Zwischen Minimalismus und Synth-Pop

Weeping Stone“ kehrt zu einem langsamen Tempo zurück, getragen von distanzierten weiblichen Vocals, die die ätherische, leicht unheimliche Stimmung verstärken. Die Instrumentierung bleibt minimalistisch und reduziert. Deutlich komplexer präsentiert sich „People Of The Hills“, mit dichterer Synthesizer-Arbeit, moderneren Strukturen und einem klaren Synth-Pop-Charakter. Das Stück entwickelt sich im Verlauf zunehmend progressiv und zählt zu den Höhepunkten des Albums.

Die Produktion ist durchgehend sehr gelungen. Die Vielzahl an unterschiedlichen Sounds und Effekten fügt sich stimmig in das Gesamtbild ein. Der experimentelle Geist der Band ist stets präsent, ebenso der Wille, ungewöhnliche Ansätze zu verfolgen. Dennoch bleibt der Sound ausgewogen und dynamisch, ohne überladen zu wirken.

In der Folge bewegt sich das Album weiterhin zwischen dichter Ausarbeitung und bewusstem Rückzug auf minimalistische Strukturen. „They’re Coming! The Birds!“ hellt die Stimmung spürbar auf, während „Hark! Hark! The Dogs Do Bark“ deutlich experimenteller ausfällt, mit harschen Klängen und wenig Melodie. „Horses Of The Plough“ schlägt wieder ruhigere Töne an, langsam, getragen und atmosphärisch. Verhallte Sounds und unterschwellige Störungen sorgen für eine dichte, teils beunruhigende Klanglandschaft.

Experimentelle Klangreisen und Abschluss

Mit „Pandora’s Box“ taucht das Album vollständig in experimentelle und avantgardistische Gefilde ein. Zersplitterte Geräusche, scheinbar unverbundene Klänge und Effekte dominieren zunächst, bis sich allmählich eine klarere melodische Linie herauskristallisiert. Das Stück gewinnt im Verlauf an Struktur und Geschlossenheit und erweist sich als spannendes Experiment.

Quivers In The Marrow“ knüpft atmosphärisch daran an, bleibt jedoch melodischer und stärker von Synthesizern geprägt. „Welcome To The Jungle“ bringt erstmals einen deutlicheren Rhythmus ins Spiel, mit tribalartigen Drums und einem Instrument, das an eine Gitarre erinnert. Den Abschluss bildet „Fire In The End“, ein langsames, introspektives Stück, das weniger als Abschlussstatement fungiert, sondern vielmehr als weiteres Glied in der fortlaufenden Klangreise. Die letzten Passagen setzen auf einen positiveren Ton und eine leicht gesteigerte Dynamik.

Nicht unbedingt die Art von Musik, die üblicherweise im Fokus steht, doch ULVER waren stets eine Ausnahmeerscheinung. Ohne jegliche Metal-Elemente bleibt die Band für viele Hörer aus extremen Genres faszinierend. Oft ist es Musik, die aus Neugier entdeckt wird, und nicht selten schließen sich neue Hörer dem Kreis der langjährigen Fans an.

Neverland“ ist ein ehrliches Album, getragen von Erfahrung, Spielfreude und dem ungebrochenen Drang, neue Klangräume zu erkunden. Es fügt sich schlüssig in eine beeindruckende Diskografie ein und zeigt eine Band, die auch nach all den Jahren ihren eigenen Weg konsequent weitergeht.

Fazit: Avantgardistische elektronische Klangwelten, stimmungsvoll und experimentell – „Neverland“ vertieft ULVERs späte Phase überzeugend.

Tracklist

01. Fear In A Handful Of Dust
02. Elephant Trunk
03. Weeping Stone
04. People Of The Hills
05. They’re Coming! The Birds!
06. Hark! Hark! The Dogs Do Bark
07. Horses Of The Plough
08. Pandora’s Box
09. Quivers In The Marrow
10. Welcome To The Jungle
11. Fire In The End

Besetzung

Kristoffer Rygg – Vocals, Programming
Jørn H. Sværen – Verschiedenes
Ole Aleksander Halstensgård – Electronics

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ULVER – Neverland CD Review

ORCHID THRONE – Buried in Black

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ORCHID THRONE - Buried in Black - album cover
ORCHID THRONE - Buried in Black - album cover

Band: ORCHID THRONE 🇺🇸
Titel: Buried in Black
Label: Selfrelease
VÖ: 09/01/26
Genre: Melodic Doom/Black/Death Metal

Tracklist

01. Dreamworld
02. Ephemerality
03. What Defines us
04. Moonlight Revelry
05. Guilt
06. Breath of Autumn
07. With Promise

 

Besetzung

Nicholas Bonsanto – Vocals and all Instruments

 

Bewertung:

3/5

ORCHID THRONE ist das Solo-Projekt des aus Maryland stammenden Musikers Nicholas Bonsanto, der sowohl Gesang als desgleichen alle Instrumente übernimmt. Mit »Buried in Black« liefert Bonsanto ein Werk, das sich zwischen Melodic-Doom-Metal, Death-Metal und Black-Metal bewegt. Die Mischung aus schweren Riffs, atmosphärischen Passagen und emotional aufgeladenem Gesang ist das zentrale Merkmal des Albums.

Düstere Melodien und Atmosphäre

Schon der Opener »Dreamworld« zieht den Hörer sofort in eine schwermütige, fast traumartige Klanglandschaft. Bonsanto legt Wert auf dichte Gitarrenwände und melancholische Melodien, die das Gefühl von Einsamkeit und introspektiver Dunkelheit verstärken. Insbesondere bei diesem über dreizehnminütigen Einstand setzt der Künstler alles auf eine Karte. »Ephemerality« zeigt dann die etwas zugänglicheren, melodischen Seiten der Platte. Die Songstrukturen sind komplex, aber nie willkürlich; jeder Wechsel wirkt durchdacht und verstärkt die emotionale Wirkung.

Die Produktion ist sauber, ohne den rohen Charme von Black-Metal zu verlieren. Bonsanto schafft es, dass die einzelnen Instrumente klar voneinander getrennt wahrnehmbar sind, während das Gesamtkonstrukt dennoch homogen klingt. Gerade die Drums wirken manchmal mechanisch, was im Gegensatz hierzu dem Solo-Charakter des Projekts geschuldet sein dürfte.

Emotionen und Themen

Thematisch bewegt sich »Buried in Black« im Bereich von Vergänglichkeit, Schuld und existenzieller Reflexion. »What Defines Us«, fragt nach Identität und innerer Zerrissenheit, während »Moonlight Revelry« die melancholische Schönheit nächtlicher Einsamkeit einfängt. Bonsantos Stimme ist hierbei ein entscheidender Faktor: Sie kann sowohl kraftvoll aggressiv als daneben zart melancholisch klingen, was den Songs zusätzliche Tiefe verleiht.

Tracks wie »Guilt« und »Breath of Autumn« zeigen, dass Bonsanto die Fähigkeit besitzt, Stimmungen gezielt aufzubauen. Langsame, doomartige Passagen wechseln sich mit treibenden, beinahe blackmetallischen Momenten ab. Besonders die instrumentalen Zwischenspiele tragen dazu bei, dass das Album wie eine zusammenhängende Reise wirkt, auch wenn einzelne Songs unterschiedliche Stimmungen transportieren.

Struktur und Variation

»With Promise« bildet den Abschluss und rundet das Album stimmlich und thematisch ab. Hier zeigt sich die konsequente Handschrift des Künstlers. Melancholisch, introspektiv und dabei musikalisch abwechslungsreich. Die Tracklist ist klar durchdacht, und die Reihenfolge der Songs unterstützt die narrative Wirkung des Albums. Dennoch fehlt an einigen Stellen ein prägnanter Höhepunkt, der im Gedächtnis bleibt.

»Buried in Black« ist ein solides Solo-Album, das die Stärken von Bonsanto als Multiinstrumentalist zeigt. Atmosphärisch stark und emotional intensiv, gelingt es ihm, eine dichte, dunkle Stimmung zu erzeugen. Allerdings bleibt das Werk stellenweise hinter seinen Möglichkeiten zurück, insbesondere weil einige Passagen zu langgezogen wirken und stärkere Akzentuierungen fehlen.

Für Fans von Melodic-Doom und Black-Metal bietet ORCHID THRONE freilich einiges an Hörstoff: detailreiche Gitarrenarbeit, abwechslungsreiche Songstrukturen und eine klare künstlerische Handschrift. Das Album ist kein Meisterwerk, im Kontrast hierzu ein hörenswerter Beitrag zu einem Genre, das oft von Einzelprojekten lebt.

Fazit: ORCHID THRONE präsentiert mit »Buried in Black« ein Album, das durch seine atmosphärische Dichte und emotionale Tiefe besticht.

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ORCHID THRONE - Buried in Black - CD Review

DEADWOOD – Rituals of a Dying Light

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DEADWOOD - Rituals of a Dying Light - album cover
DEADWOOD - Rituals of a Dying Light - album cover

Band: DEADWOOD 🇨🇦
Titel: Rituals of a Dying Light
Label: Independent
VÖ: 09/01/26
Genre: Death Metal/Deathcore

Tracklist

01. Tales of Massacre
02. Heretic
03. Thirst for Blood
04. Whispers of Death
05. Echoes of the Fallen

 

Besetzung

Fred Element – Guitars
Stephane Filion – Lead Guitars
Charles Etienne Lafrance – Drums
Derek Heynekemp – Vocals

 

Bewertung:

3/5

DEADWOOD aus Kanada präsentieren mit »Rituals of a Dying Light« ihre neueste EP, die die Grenzen zwischen Death-Metal und Deathcore auslotet. Die Band besteht aus Fred Element an der Gitarre, Stephane Filion an der Leadgitarre, Charles Etienne Lafrance am Schlagzeug und Derek Heynekemp am Gesang. Spannend ist, dass Martin Demontigny den Gesang für die EP beigesteuert hat – ein schönes Beispiel dafür, wie eng die Szene zusammenarbeitet.

Brutale Riffs und technische Präzision

Das Album ist geprägt von intensiven Riffs und druckvollen Drums. Die Produktion wirkt druckvoll, ohne dabei die Details der einzelnen Instrumente zu vernachlässigen. Die Gesangslinien sind roh und kraftvoll, was dem Gesamtbild die nötige Aggression verleiht. Besonders auffällig sind die Passagen, die zwischen atmosphärischen Elementen und brachialen Breakdowns wechseln. Das Zusammenspiel der Musiker ist tight, was die Energie des Albums unterstreicht.

Bereits der Opener »Tales of Massacre« zeigt, dass DEADWOOD keine halben Sachen machen. Die Gitarrenarbeit von Fred Element und Stephane Filion ist satt und präzise, die Riffs wechseln flüssig zwischen groovigen Passagen und schnellen Tremolo-Läufen. Das Schlagzeug von Charles Etienne Lafrance liefert eine solide Grundlage, ohne sich in endlosen Blastbeats zu verlieren. Besonders die Breaks, die plötzliche Tempowechsel einbauen, zeigen, dass die Band über ein feines Gespür für Dynamik verfügt.

Des Weiteren setzt »Heretic« auf Abwechslung. Hier wechseln sich wuchtige Downtempo-Riffs mit schnelleren Deathcore-typischen Passagen ab. Die Gitarren harmonieren gut miteinander, und die Leadparts von Filion stechen an den richtigen Stellen hervor, ohne übertrieben virtuos zu wirken. Die Produktion ist sauber, lässt jedoch den rohen Charakter der Band erhalten.

Gesang und Atmosphäre

Martin Demontigny am Mikrofon setzt klare Akzente. Sein Growling ist tief, guttural und aggressiv – ein echter Treiber für die Songs. Bei »Thirst for Blood« klingt seine Stimme leider stellenweise annähernd flach und schwächt den Track ein Stück.

Atmosphärisch setzen DEADWOOD auf düstere, fast schon morbide Melodien. »Whispers of Death« ist diesbezüglich ein gutes Beispiel. Langsame Gitarrenlinien erzeugen eine beklemmende Stimmung, unterlegt von rhythmisch präzisem Schlagzeugspiel. Der Song zeigt, dass die Band mehr kann als nur Geschwindigkeit und Härte – hier entsteht eine greifbare, dunkle Atmosphäre.

Komposition und Songwriting

Die Tracks sind klar strukturiert, ohne sich in endlosen Soli zu verlieren. »Echoes of the Fallen« rundet die EP ab und zeigt das stärkste Zusammenspiel der Bandmitglieder. Hier verbinden sich alle Elemente zu einem stimmigen Ganzen. Dennoch wirken einige Tracks auf Dauer etwas ähnlich. Gerade Fans, die tief im Deathcore verwurzelt sind, könnten sich mehr Überraschungsmomente wünschen.

Die EP verzichtet bewusst auf unnötige Füller. Jeder Track hat seine Daseinsberechtigung, wobei die kürzere Laufzeit von fünf Songs auch bedeutet, dass die Band noch Potenzial für Entwicklung hat. Die Mischung aus Groove, technischer Präzision und düsterer Atmosphäre ist solide, im Gegensatz hierzu noch nicht spektakulär.

»Rituals of a Dying Light« ist eine EP, die zeigt, dass DEADWOOD handwerklich gut arbeitet und ein Gespür für die Balance zwischen Death-Metal und Deathcore hat. Die Produktion ist sauber, die Instrumentalparts sitzen, und die düstere Grundstimmung ist konstant spürbar. Dennoch schwankt die Intensität teilweise, besonders durch die unterschiedlichen Gesangsstile, und die Tracks ähneln sich in Aufbau und Dynamik.

Für Fans des Genres ist die EP hörenswert, liefert solide Unterhaltung und bietet genug Material, um sich ein Bild von der Band zu machen. Wer auf extreme Innovation hofft, könnte allerdings enttäuscht werden. Insgesamt reicht es für eine Bewertung von 3 von 5 Punkten – ordentlich, aber noch ausbaufähig.

Fazit: Insgesamt zeigt DEADWOOD mit »Rituals of a Dying Light« eine Band, die ihre Stärken kennt und gekonnt einsetzt.

Internet

DEADWOOD - Rituals of a Dying Light CD Review

2025 – Der etwas andere Jahresrückblick Teil I

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Jänner – März

Angesichts der auch 2025 großen Masse an Veröffentlichungen haben wir natürlich nicht die Möglichkeiten, alle Promos in unserem Postfach zu berücksichtigen.
Hinzu kommt auch, dass wir Fans sind, also nicht nur für dieses Fanzine die Musik hören, die wir lieben und leben, sondern diese auch dementsprechend (als Droge) privat konsumieren. Aus dieser Situation machen wir nun das beste draus.

Die Idee war es einen knackigen Überblick über Veröffentlichungen zu bieten, welche uns persönlich am Herzen liegen und (nicht nur hier) etwas untergegangen sind. Dabei haben wir uns, der Ordnung halber, zwei Rahmenbedingungen gesetzt:
Erstens werden Alben ausgeklammert, die wir schon rezensiert haben. Des weiteren berücksichtigen wir nur Sachen, die dieses Jahr, egal ob physisch oder digital, unsere Sammlungen bereichert haben.

Unterstützt werde ich hierbei von Voicu, was nicht nur ein breiteres musikalisches Spektrum abdecken wird, sondern auch zwei unterschiedliche Charaktere vereint. Alleine dass der Kollege seine Musik hauptsächlich digital konsumiert und ich dieses Jahr mal wieder mein Schallplattenregal aufstocken musste, sollte Bände sprechen.

Rein digitalen Konsum über Portale oder den Kauf eines Downloads kann ich als Jäger und Sammler nur gutheißen und unterstütze dies! Denn was viele gerne übersehen:
Von Portalen wie Spotify profitiert eine kleinere Band bei einigen Wiedergaben von mehreren Hörern monetär zumeist mehr als vom Verkauf einer limitierten LP, auch ein legal erworbener Download spart nicht nur dem Hörer Geld, sondern auch der jeweiligen Band, da weitere Herstellungskosten wegfallen.

Da wir beide absolute Nerds sind, kam wie jedes Jahr einiges dabei zusammen, so dass wir uns entschieden haben, die ganze Geschichte in Quartale aufzuteilen, damit es übersichtlich bleibt.
Los geht es mit den ersten drei Monaten. Wir hoffen, dass Ihr Spaß bei schmökern haben und das eine oder andere für Euch entdecken werdet!

Jänner

cover artwork BESNA Krásno

BESNA 🇸🇰 – Krásno (Black Metal, Post-Metal, Post-Black / Progressive Metal)
(Independent, 16.01.2025)
Ein Album, das von Beginn an Elemente aus Black Metal, Ambient, Post-Metal sowie elektronische und progressive Einflüsse miteinander verbindet. Zwischen melodischen und aggressiven Momenten, schönen Melodien und dynamischen Ausbrüchen entfaltet sich leidenschaftliche, stark emotional aufgeladene Musik mit vielen einprägsamen Passagen. Die Übergänge zwischen den unterschiedlichen Stilen wirken natürlich und organisch: Verzweiflung, depressive Stimmungen, aber auch positive, hoffnungsvolle Momente entwickeln sich über die gesamte Spielzeit hinweg. Dazu kommen schwere Passagen und klar blackmetallische Ausbrüche. Das Ergebnis ist durchgehend hochwertige Musik. Songs wie „Hranice“, „Paracelsus“ oder „Mesto Spí“ gehören zu den ersten, die beeindrucken, doch letztlich überzeugt das gesamte Album. Trotz zahlreicher Tempo- und Stilwechsel bleibt „Krásno“ ein geschlossenes, kohärentes Werk. (4/5) Voicu

Tokyo Blade - Time Is The Fire - ArtworkTokyo Blade 🇬🇧 – Time Is The Fire (Heavy Metal/NWOBH)
(Dissonance Productions, 17/01/25)
Bei mir macht den Anfang die aktuelle TOKYO BLADE. Diese wurde von vielen Kollegen anderer Magazine als zu lang und inkonsistent kritisiert. Nach drei Durchläufen, spätestens beim Anblick des zweifarbigen Doppelvinyl sollte man jedoch feststellen, dass es sich im Grunde um zwei Alben handelt. Die Originalbesetzung ist in Topform, vor allem Allan Marsh ist in der Form seines Lebens. Während die ersten sieben Lieder es schaffen, den Bandstil zeitgemäß (»Feeding The Rat«,»Moth In The Fire«, »The 47«) und progressiv (»Are You Happy Now«) darzubieten, huldigt man ab »The Devil In You« alten Helden wie Whitesnake, Thin Lizzy sowie musikalischen Weggefährten, ohne diese zu kopieren. »Time Is The Fire« ist heiß und das zweitbeste Werk in der Banddiskografie dieser Legende! (4,5/5) Daniel

cover artwork Hazzerd The 3rd Dimension

HAZZERD 🇨🇦 – The 3rd Dimension (Thrash Metal)
(M-Theory Audio, 17.01.2025)
Moderat eingängiger Thrash Metal mit vielen soliden Headbanging-Momenten, insgesamt jedoch überwiegend im Midtempo angesiedelt. Gute kompositorische Fähigkeiten mit starkem Old-School-Feeling, stellenweise stilistisch näher am klassischen Heavy Metal. Die Kanadier von HAZZERD liefern ein Album ab, das ihre Diskografie konsequent fortsetzt – sowohl stilistisch als auch in der Herangehensweise an Songwriting. Das Gitarrenduo bringt überzeugende Riffs und gelungene Solos ins Spiel, während die Vocals typisch thrashig bleiben: bellend, angepisst, direkt. „Plagueis“ gehört zu den schnellsten und entschlossensten Tracks und zählt ebenso zu den Highlights wie der Opener „Interdimension“ oder „Parasitic“. Auch die obligatorischen Balladen haben hier ihren Platz. Keine Revolution im Thrash Metal, aber ein solides Album, das einige Durchläufe verdient. (3,5/5) Voicu

noor-mothers-guilty-pleasures-part-one- artworkNoor 🇨🇦 – Mother`s Guilty Pleasures – Part One (US Progressive Power Metal)
(Arkeyn Steel Records, 24/01/25)
Ursprünglich vor zwei Jahren selbst veröffentlicht, erbarmte sich endlich ein Label, das Debüt der Kanadier (wenn auch in begrenzter Stückzahl) für den europäischen Markt anzubieten. Und dies noch mit vier Bonüssen, besser geht es nicht! Ich fasse mich kurz: Hier irgendeinen Song herauszupicken ist wie Ketchup ohne Pommes, sinnlos! Denn was NOOR hier abliefern, ist eine Symbiose aus der Intensität solcher Ikonen wie Agent Steel, Sanctuary oder Liege Lord sowie der Magie von Heir Apparent und Crimson Glory als auch Jacobs Dream und Steel Prophet. Eine Symbiose, keine Kopie! So etwas wie »Mother`s Guilty Pleasure Part One« passiert vielleicht alle paar Jahrzehnte. Ist es ein Meisterwerk? Gewiss! Ein Standardwerk in seinem Genre? Auf jeden Fall! Das beste Album aller Zeiten? Es ist sehr nah dran! (5/5) Daniel

Ringlorn - Tales Of War And Magic - ArtworkRinglorn 🇬🇷 – Tales Of War And Magic (Heavy/Power Metal)
(Steel Gallery Records, 24/01/25)
Manchmal reicht einem auch einfache Genrekost. Das griechische Projekt RINGLORN hat mit Mark Dexter eine durchaus bekannte Größe am Mikro verpflichten können und bietet mit »Tales Of War And Magic« ein Debüt, welches mit Fantasie gespickten Texten musikalisch zwischen Euro Power Metal, Warlord- Epik und Manowar- Pathos den schmalen Pfad zwischen Epik und Kitsch beschreitet. Auf diesem kommt man zwar öfter ins Schlingern und rutscht gegen Ende mit dem Helloween- artigen Signaturesong sowie »The Black Veil Of Death« sogar vollends ab, aber Songs wie »Royal Guard«, »Warlord« und »Hallowed Swords« sind in Kombination mit Onelinern wie „Suddenly appear, guardians of steel, with unwavering might!“ oder „Hallowed are the swords by the sovereign one, brace yourselves far the ultimate battle…“ zum Fäusterecken geile Plattitüden für jeden Genrefan! (3/5) Daniel

cover artwork THE GREAT OLD ONES Kadath

THE GREAT OLD ONES 🇫🇷 – Kadath (Post-Black Metal, Atmospheric Black Metal)
(Season of Mist, 24.01.2025)
In der Welt der von H. P. Lovecraft inspirierten Bands gehören THE GREAT OLD ONES zu den überzeugendsten Vertretern. Die thematisch geschlossenen Texte verleihen ihrem Werk zusätzliche Kohärenz, während die Musik zwischen melodischen und abrasiven Passagen oszilliert. Dynamisch und stark komponiert entfaltet sich ein Album, das den Hörer auf eine intensive Reise mitnimmt. „Those From Ulthar“ setzt früh ein Ausrufezeichen, der definitive Höhepunkt ist jedoch „Leng“. Hypnotische Klanglandschaften, hervorragend eingebettete Growls und komplexe, teils sehr aggressive Strukturen prägen den Sound. Stark verhallte Leadgitarren erzeugen eine obsessive, repetitive Atmosphäre mit melancholischem Unterton. Geisterhafte Stimmen, treibende Riffs und tremolierte Gitarrenlinien treffen auf zahlreiche leidenschaftliche Momente, die die erzählerische Dimension der Musik unterstreichen. Kraftvolle Black-Metal-Passagen stehen gleichberechtigt neben emotionalen, ambienten Teilen. Die Komplexität und dramatische Tiefe des Albums erschließen sich nach und nach und machen „Kadath“ zu einem äußerst lohnenden Hörerlebnis – eine konsequente Fortsetzung der sehr inspirierten Diskografie der Band. (4/5) Voicu

Wretch - Visitors - ArtworkWretch 🇺🇸 – Visitors (US Power Metal)
(Arkeyn Steel Records, 24/01/25)
WRETCH haben drei Probleme: Das eigentliche Label ist nicht mehr, sechs Jahre zwischen zwei Alben bedeuten wieder von null anzufangen und das größte ist Reborn, welches nicht nur das Debüt der Band war, sondern ein Genreklassiker ist. Dass »Visitors« auf einem Label erscheint, welches sich normalerweise der Restauration und Veröffentlichung von US Progressive Power Metal Demos und Perlen widmet, spricht nicht nur Bände. Es ist vor allem ein Statement für die Band, welche mit Juan Ricardo einen der besten Sänger des Genre und mit Gründungsmitglied und Gitarrist Nick Giannakos die personifizierte US Metal- Shreddingkunst im Line Up beherbergt. Das auf 500 Stück limitierte fünfte Studioalbum der unter diesem Namen (mit einer zwölfjährigen Pause) seit mittlerweile 41 Jahren bestehenden Formation schließt dabei da an, wo The Hunt und Man Or Machine aufgehört hatten. »The Voice« ballert nicht nur in bekannter Manier, der Solopart ist einer der besten in der jüngeren Metalgeschichte, »Mad Butcher Of Kingsbury Run« und »Trapped In A Lucid Dream« sind makellose Klassiker, und und zwar nicht nur die Band betreffend! Der Rest zeigt auf, dass man trotz aller Härte Melodien einbringen kann, die wie in »Chernobyl«, Gänsehaut verursachen. Und dass die Amis weiterhin ein Garant für herausragende Qualität bleiben. (4,5/5) Daniel

Februar

dream-theater-parasomnia-artworkDream Theater 🇺🇸 – Parasomnia (Progressive Disney Metal)
(InsideOut Music, 07/02/25)
„Ja“, das Cover erinnert an das legendäre Zweitwerk. Und „ja“, der Rauswurf von Mike Mangini als auch die Rückkehr von Mike Portnoy war eine einzige, offensichtlich rein geschäftliche Entscheidung. Und ebenfalls bejahe ich den Vorwurf, dass »Parasomnia« auf Nummer sicher geht. Ein letztes „ja“ gibt es für die Unterstellung, dass das sechszehnte Studioalbum der Erfinder dessen, was die meisten heute als Progressive Metal verstehen, eine Wichsvorlage für den neuen/alten Schlagzeuger ist. Aber was für eine! Da James LaBrie keine Zwanzig mehr ist, lässt er Raum für ein düsteres, über fünf Minuten langes Intro und hält sich auch so eher bedeckt, »A Broken Man« spielt wie das Abschlussepos grandios mit Jazzelementen und Songs wie »Night Terror« und »Midnight Messiah« sind so dynamisch und spannend wie lange nicht mehr. Alleine der Longtrack »The Shadow Man Incident« zeigt die neu gewonnene Frische auf. »Parasomnia« ist ein wenig wie Spiderman: No Way Home und setzt auf Nostalgie. Hier hat man es jedoch (im Gegensatz zum Film) geschafft, mit einigen wenigen Überraschungen für Langlebigkeit zu sorgen und mit der neu gewonnenen Frische das Fundament für weitere grandiose Alben zu gießen. Im Bandkosmos ist die Scheibe daher locker im oberen Mittelfeld zu verorten. Progressiv im eigentlichen Sinn ist hier freilich nichts, aber guten Disney Metal (dazu bitte meine Blutgott Review!) kann halt nur eine Band! (4/5) Daniel

cover artwork PHRENELITH Ashen Womb

PHRENELITH 🇩🇰 – Ashen Womb (Death Metal)
(Dark Descent Records, 07.02.25)
Die dänischen Dark-Death-Metal-Meister PHRENELITH haben mit „Ashen Womb“ ihr drittes Full-Length-Album vorgelegt – und wie zu erwarten handelt es sich um ein durch und durch solides Death-Metal-Werk. Die dänische Band, wie auch die vielen anderen Projekte von David Torturdød, liefert keine schwachen Veröffentlichungen ab, sondern steht für ehrlichen, morbiden, grotesken und bedrohlichen Death Metal. Das Album besitzt eine intensive Atmosphäre, einen sehr schweren Grundton und einen finsteren Klang. An der Grenze zum Doom Metal angesiedelt, dominiert ein langsames, aber zermürbendes Tempo, getragen von einem dichten Sound, starken Riffs und insgesamt dämonischen, widerwärtigen Vocals. Der permanente aggressive Zugriff, die Dissonanzen und der apokalyptische Charakter sorgen für ein geschlossenes Gesamtbild. Im Vergleich zu früheren Werken wirkt „Ashen Womb“ stellenweise technischer, bleibt aber klar in den vertrauten Klanglandschaften der Band. Das Album funktioniert als Ganzes hervorragend: eine konstant erdrückende Atmosphäre von Anfang bis Ende – genau das macht seinen Reiz aus. Keine Überraschungen, keine Experimente, sondern ein Festhalten an Massivität und Unnachgiebigkeit. „Ashen Womb“ ist ein sehr starkes Album, reiner, unverfälschter Death Metal. (4,5/5) Voicu

cover artwork OBSCURA A Sonication

OBSCURA 🇩🇪 – A Sonication (Technical / Melodic Death Metal)
(Nuclear Blast, 07.02.25)
Gemessen an den Maßstäben, die sich OBSCURA selbst gesetzt haben, ist „A Sonication“ nicht zwingend ein gutes Album – aber dennoch ein wichtiges, sowohl für die Band als auch im musikalischen Kontext des Jahres. Sehr melodisch angelegt und stellenweise hart an der Grenze zur Überladenheit, erinnert das Album hier und da an frühere OBSCURA-Veröffentlichungen. Das technische Niveau bleibt beeindruckend, wird jedoch klar hinter den melodischen Ansatz zurückgestellt. Viele der Songs wirken uninspiriert, kompositorisch gehetzt und teilweise erzwungen. Gleichzeitig gibt es Ausnahmen: Stücke wie „In Solitude“ oder „The Sun Eater“ transportieren genau das Gefühl, das man von einer OBSCURA-Veröffentlichung erwartet, und lassen den Geist früherer Werke aufleben. Ein spaltendes Album, begleitet von Diskussionen und internen Turbulenzen, das dennoch einige wenige, aber erwähnenswerte Momente bereithält. Trotz aller Schwächen ist es eine Veröffentlichung, die man nicht ignorieren kann.(2,5/5) Voicu

cover artwork SAOR Amidst The Ruins

SAOR 🏴󠁧󠁢󠁳󠁣󠁴󠁿 – Amidst The Ruins (Atmospheric Folk / Black Metal)
(Season of Mist, 07.02.25)
In konsequenter Fortführung der früheren Alben gelingt SAOR mit „Amidst The Ruins“ erneut eine nahtlose Verbindung von Folk-Elementen und atmosphärischem Black Metal. Das Album ist nicht nur ein typisches Werk der Band, sondern zählt auch zu ihren stärkeren Veröffentlichungen. Traditionelle Instrumente und folkgeprägte Melodielinien prägen eine unheimliche, dichte Atmosphäre und formen komplexe, vielschichtige Klanglandschaften, in denen der Folk-Anteil dauerhaft präsent ist. Sehr lange Stücke eröffnen mit repetitiven Strukturen, wobei die folkloristischen Elemente häufig dominieren und der Black Metal stellenweise in den Hintergrund tritt. Flöten, Dudelsäcke, traditionelle A-cappella-Gesänge – das komplette Instrumentarium wird konsequent eingesetzt. Für Hörerinnen und Hörer mit einer Affinität zu keltisch geprägter Musik ist das Album nahezu Pflichtprogramm. Gleichzeitig kann die starke Dominanz des Folk-Anteils und die ausgeprägte Repetition den Fokus der Musik in andere Richtungen lenken. Dennoch handelt es sich um ein relevantes Werk innerhalb des Genres. (3/5) Voicu

cover artwork Mantar Post Apocalyptic Depression

MANTAR 🇩🇪 – Post Apocalyptic Depression (Sludge Metal)
(Metal Blade Records, 14.02.25)
Das deutsche Duo MANTAR knüpft mit „Post Apocalyptic Depression“ erneut an seinen typischen Sound an: Rock’n’Roll-Energie, Punk-Attitüde und melodische Elemente treffen auf angepisste, leicht aggressive Musik. Das Album bietet gute musikalische Ideen, zahlreiche eingängige Momente, starke Riffs und ein ausgearbeitetes, sehr variables Drumming. Zwischen ruhigen, repetitiven Songs wie „Dogma Down“ und dissonanteren Stücken wie „Axe Death Scenario“ spannt sich ein breites Spektrum, das im epischen Finale „Cosmic Abortion“ kulminiert. Nicht auf dem Niveau einiger früherer Veröffentlichungen, aber dennoch ein Album, das alten Fans der Band und des Genres einige sehr unterhaltsame Momente bietet. (3,5/5) Voicu

cover artwork Novarupta Astral Sands

NOVARUPTA 🇸🇪 – Astral Sands (Blackened Sludge Metal, Post-Metal)
(Suicide Records, 14.02.25)
Zwischen hypnotischen Klanglandschaften und simpleren, aggressiveren Passagen bewegt sich „Astral Sands“, das neue Werk des Göteborger One-Man-Projekts NOVARUPTA. Das Album kombiniert Groove-orientierte Rhythmen, meditative Abschnitte und melodische Ansätze. Gute Riffs sind durchgehend vorhanden, ohne zwingend sehr melodisch zu sein. Im Vergleich zu früheren Veröffentlichungen hat sich der Sound stärker in Richtung moderner, eingängiger Songs verschoben, während die atmosphärische Tiefe früherer Werke zunehmend von bloß verlangsamter Musik ersetzt wird. Ein interessantes Experiment in eine neue Richtung, das es jedoch über weite Strecken nicht schafft, dauerhaft zu fesseln. Verdünnt, repetitiv und insgesamt nur noch ein Schatten der frühen Alben, bietet „Astral Sands“ dennoch einige gut ausgearbeitete und spannende Passagen und verdient zumindest ein paar Durchläufe. (2,5/5) Voicu

Claymorean - Eternal Curse - ArtworkClaymorean 🇷🇸 – Eternal Curse (Power/Heavy Metal)
(Stormspell Records, 17/02/25)
Wer die Serben schon einmal persönlich treffen durfte, weiß wie herzlich, bescheiden und dankbar Sie sind. Wer im Reviewarchiv gräbt, weiß, dass Alex und ich bei CLAYMOREAN gespaltener Meinung waren. Doch spätestens seit dem Erscheinen von »Eternal Curse« hat man sich nicht nur versöhnt. Mehr noch, das sechste Album der Serben vereint alle. Selbst die aus reinen Stahl geschmiedetenTrue Metal Brothers mit der entfernten, verstoßenen und verhassten Wackenvervandtschaft! Denn obwohl die Band um Frontherrin Dejana Betsa Garčević offensichtlich dem US Metal zugetan ist, schafft es Ihr Ehemann und Bassist als erfahrener Produzent, das Ganze in ein relativ zugängliches Konzept zu zwängen. Hymnen wie »By This Sword We Rule«, »Under The Sign Of The Cross«, »Battle Born«, »300«, »Wind Before The Storm« und das Titellied würden nicht nur beim KIT, sondern auch auf der Hauptbühne zu später Stunde beim WOA funktionieren. Dabei unterschreitet man zu keinem Zeitpunkt den sich selbst gesteckten, qualitativen Anspruch, sondern schafft es, trotz tiefgründiger kompositorischer Komplexität, oberflächlich eingängig zu erscheinen. Wem das nicht genug ist, der darf sich am abschließenden »Bannockburn« ergötzen, ein fast zehnminütiges, intensives Epos. Die Benotung erscheint etwas hoch gegriffen zu sein, doch nach wenigsten (bis dato!) einhundert Durchläufen dieses fesselnden Bollwerkes seit Erscheinen, bin ich mir in zwei Dingen halbwegs sicher. »Eternal Curse« begeistert beide Seiten: die Metal Fans und jene, die sich dafür halten. Zudem ist es, aufgrund dieses Umstandes, mindestens eines der besten Power Metal- Alben des Jahrzehnts! Anchecken, zugreifen, niederknien! (5/5) Daniel

vultures vengeance - dust age - artworkVultures Vengeance 🇮🇹 – Dust Age (US Heavy Metal)
(High Roller Records, 21/02/25)
Man stelle sich eine Mixtur aus Crimson Glory, Running Wild in ihrer kreativen Hochphase, Fates Warining zu Night On Bröcken – Zeiten und frühen Queensryche vor und garniert wird dies mit Tim Baker am Mikro. Auch wenn mich das Eröffnungsstück aufgrund der extremen Nähe zu den Freibeutern des Power Metals immer noch rausholt, bevor ich insbesondere mit »Queen Of The Last Light«, »Reign Of Severance«, »City Of A Thousand Blades« und »The Foul Mighty Temple Of Man« in epische Sphären vordringe, wo noch kein Metaller zuvor gewesen ist, haben VULTURES VENGEANCE hier mit »Dust Age« nicht nur ein makelloses Stück Edelstahl geschmiedet, sondern einen unverkennbaren Stil entwickelt, der frischen Wind in das Genre bringt. (4,5/5) Daniel

cover artwork Grima Nightside

GRIMA 🇷🇺 – Nightside (Atmospheric Black Metal)
(Napalm Records, 28.02.25)
GRIMA, ausgewiesene Meister des atmosphärischen Black Metal, erschaffen mit „Nightside“ eine kalte, dunkle Klangwelt mit stark melodischer Ausrichtung. Ihre Musik ist zugleich depressiv und erdrückend, technisch versiert und immer wieder von aggressiver Intensität durchzogen. Sorgfältig ausgearbeitet und voller Ausdruckskraft vermittelt das Album eine düstere, melancholische Stimmung, die durch dezente Folk-Einflüsse zusätzlich vertieft wird. Tremolo-geführte Leadgitarren ergänzen die frostigen Vocals und formen ein fesselndes, dunkles Klangbild. Die große Stärke von „Nightside“ liegt in seiner Geschlossenheit: Das Album wirkt als organische Einheit, die Musik fließt natürlich und hält die Aufmerksamkeit konstant aufrecht. Auch in weniger melodischen Momenten bleibt das Album musikalisch und kompositorisch überzeugend – ein starkes und relevantes Werk. (4,5/5) Voicu

März

Throne Of Iron - Adventure Two - ArtworkThrone Of Iron 🇺🇸 – Adventure Two (US Heavy Metal)
(No Remorse Records, 07/03/25)

Gewiss sind die Amis mit ihren lyrischen Anleihen bei Videospielen und dem musikalischen Augenzwinkern nichts für die Philosophen, den Geschichtsprofessoren und Genderstudenten der Szene, die entweder den Sinn des Lebens zu begreifen versuchen, ihn erforschen oder ihrem Leben einen geben wollen. THRONE OF IRON leben schlicht das Leben und stießen schon in ihrem ersten Abenteuer auf zwiespältige Reaktionen, fünf Jahre später ist es nicht anders. Musikalisch bietet man wieder US Heavy Metal, der einen extrem hohen Spaßfaktor hat und sich zwar gelegentlich nicht allzu ernst nimmt, aber die Musik immer! Die Hauptzeugen dafür sind das intensive »The City Of Brass« und der dynamische Rausschmeißer »The Ninth Level«. Weitere Belege sind das brachiale »Detect Evil« , welches durch Agent Steel – Vibes besticht, das hart stampfende »Divine Smite« mit einen Ohrwurmrefrain vom Allerfeinsten und das Hauptriff in »The Oath«, das einen ewig verfolgt. Wie ich es schon beim Vorgänger schrieb, braucht man für echten Heavy Metal „…ein paar Verrückte, eine gute Idee, viel Herzblut, Talent und viel Freude beim Hören.“ All diese Dinge bietet »Adventure Two« auf jeden Fall! (4/5) Daniel

jethro tull - curious ruminant - artworkJehtro Tull 🇬🇧 – Curious Ruminant (Progressive/Folk Rock)
(Inside Out Music, 07/03/25)
Der virtuose Altmeister schafft auf dem dritten Werk seit der Reaktivierung von JETHRO TULL zwei Sachen, die selbst ich als Hardliner nicht für möglich gehalten hätte. Nach dem guten, aber enttäuschenden The Zealot Gene und dem starken, aber in Teilen überhastet wirkenden Rockflöte legt er innerhalb von nur drei Jahren das dritte Album der letzten Bandphase vor und überzeugt in allen Bereichen! Selbst der Sprechgesang fügt sich harmonisch in die durchgehend starken Kompositionen ein, wie unter anderem der folkig rockende Opener, das flotte »The Tipu House« und das melancholische »Savannah Of Paddington Green« darlegen. Auch wenn Anderson im Titeltrack, wie auf den beiden Vorgängern, gesanglich etwas steif wirkt, insgesamt ist eine Einsicht herauszuhören, dass er es stimmlich nicht mehr schafft, das Niveau zu halten. So ersetzt an den dramaturgisch entsprechenden Stellen (»Stygian Hand« , das abschließende, fast rein instrumentale Epos und »Over Jerusalem«) sein immer noch überragendes Flötenspiel den Gesang. Und das funktioniert hervorragend. »Curious Ruminant« setzt musikalisch vor allem auf die Folkphase der Band, zitiert aber auch aus Alben wie Benefit, Ministrel In The Gallery und etwas The Broadsword And The Beast. Dabei fühlt man in jeder Note, dass hier nicht Nostalgie für einen erhöhten Umsatz die Grundlage für die stilistische Ausrichtung war, sondern die Lust von Sir Dr. Ian Scott Anderson, einfach mal wieder in diese Richtung zu gehen. Im gesetzten Alter Einsicht zu zeigen und Bodenständigkeit zu bewahren sowie zudem eines der besten Alben der Band seit Jahrzehnten abzuliefern, zollt mir eine Menge Respekt ab! (4/5) Daniel

cover artwork CRYPTOSIS Celestial Death

CRYPTOSIS 🇳🇱 – Celestial Death (Progressive Thrash Metal)
(Century Media, 07.03.25)
Mehr symphonisch als rein technisch – oder vielleicht treffender: symphonischer, schwarz gefärbter Thrash – stellt „Celestial Death“ eine deutliche und zugleich positive stilistische Weiterentwicklung im Vergleich zum Debüt dar. Komplexe Klanglandschaften, verschachtelte Kompositionen und ein vielschichtiger Sound führen CRYPTOSIS konsequent in progressive Gefilde. Die Riffs sind stark, die Synthesizer verleihen Tiefe, und das Songwriting zeigt sich abenteuerlustig, eingebettet in ein dystopisches Gesamtkonzept, das hervorragend zur Musik passt. Die Umsetzung ist auf hohem Niveau und demonstriert sowohl technisches Können als auch musikalische Reife. „Absent Presence“ überzeugt als atmosphärisches Highlight mit schwarzen Ambient-Anleihen, während „In Between Realities“ deutlich aggressiver und technischer ausfällt. Mit „Cryptosphere“ erreicht das Album schließlich einen Höhepunkt, ein Paradebeispiel für dynamischen, technisch versierten Thrash mit einprägsamen Riffs. Mit diesem Album spielt die Band klar in einer Liga mit Gruppen wie Vektor oder Coroner. Ein reifes, innovatives Werk und ein wichtiger Beitrag zum musikalischen Gesamtbild des Jahres. (4,5/5) Voicu

cover artwork Nephylim Circuition

NEPHYLIM 🇳🇱 – Circuition (Melodic Death Metal)
(Independent, 07/03/25)
Als einer der Newcomer im Melodic Death Metal und mit einer klar aufsteigenden Entwicklung seit dem Debüt präsentieren sich die Niederländer NEPHYLIM mit „Circuition“ als deutlich gereifte Band mit einem geschlossenen, kohärenten Sound. Episch angelegt, melodisch, zugleich dicht instrumentiert, drängen sich Vergleiche mit Insomnium, Be’lakor oder klassischen Göteborg-Einflüssen nahezu auf. Die Kompositionen wirken inspiriert, verbinden symphonische Elemente mit ausgeprägtem Melodieverständnis und liefern genügend starke Momente, um Genre-Fans abzuholen. Die Leadgitarren setzen in „Grand Denial“ melancholische Akzente, während „Withered“ mit soliden Riffs und dramatischem Gesang zu den Highlights zählt. (3,5/5) Voicu

cover artwork WHITECHAPEL Hymns In Dissonance

WHITECHAPEL 🇺🇸 – Hymns In Dissonance (Deathcore)
(Metal Blade Records, 07/03/25)
Eine der prägendsten Bands des Deathcore meldet sich 2025 mit ihrem neunten Album zurück. Seit „The Valley“ von 2019 haben WHITECHAPEL kontinuierlich an Profil gewonnen, und auch „Hymns In Dissonance“ zählt zu den stärkeren Veröffentlichungen ihrer Karriere. Der Sound ist äußerst dynamisch, geprägt von Wechseln zwischen unterschiedlichen Tempos und Stimmungen, getragen von dominanten Growls und zugleich überraschend melodischen, melancholischen Clean-Passagen. Massive Instrumentierung, überzeugende Kompositionen und ein sicheres Gespür für eingängige wie brachiale Momente bestimmen das Album. Stücke wie „Diabolic Slumber“, „A Visceral Retch“ oder der Titelsong „Hymns In Dissonance“ bündeln diese Qualitäten in besonders erinnerungswürdiger Form. Phil Bozemans Leistung unterstreicht einmal mehr seinen Ruf als einer der herausragenden Vokalisten des Genres. WHITECHAPEL bestätigen ihren Status als feste Größe mit konstant hoher Qualität. (4/5) Voicu

cover artwork STEVEN WILSON The Overview

STEVEN WILSON 🇬🇧 – The Overview (Progressive Rock)
(Fiction Records, 14/03/25)
STEVEN WILSON gilt als einer der zentralen Protagonisten des zeitgenössischen Progressive Rock, und mit „The Overview“ begibt er sich hörbar auf die Suche nach jener Inspirationsquelle, die seine frühen Soloalben prägte. Das Ergebnis ist eine Rückbesinnung auf klassische Prog-Tugenden, teils deutlich in der Tradition der Vorbilder der 1970er verankert. Epische Stücke mit weit ausgreifenden Strukturen bestimmen das Album, wobei der bewusst reduzierte, grundlegende Ansatz erstaunlich gut funktioniert. Die Soundlandschaften entwickeln sich von schlicht zu komplex, parallel dazu entfalten sich die Songstrukturen organisch und nachvollziehbar. Atmosphärische Passagen wechseln mit ausladenden, detailreichen Momenten voller unerwarteter Wendungen. „The Overview“ ist sein deutlich progressivstes Werk seit „Hand. Cannot. Erase.“ und überzeugt als geschlossenes, fließendes Hörerlebnis. (4/5) Voicu

Lordi 🇫🇮 – Limited Deadition (Hard Rock/Heavy Metal)
(Reigning Phoenix Music, 21/03/25)
Die Monsterrocker dürfen bei mir nicht fehlen! Nachdem monumentalen Gesamtkunstwerk Lordiversity (das sich jeder Kritiker der Band in seiner Gänze geben sollte!) war mit Screem Writers Guild die Luft raus. Und auch »Limited Deadition« gehört nicht zu den Höhepunkten der Diskografie, siedelt sich aber im soliden Mittelfeld an. Wie gewohnt gehören die »SCG« – Intros wieder zum Konzept, genauso wie der Humor. »Syntax Terror« ist diesbezüglich musikalisch wie lyrisch mein Highlight, ja selbst potenziale Hits sind neben dem eben erwähnten Titel mit »Killharmonic Orchestra«, »Fangoria«, »Hellizabeth« und dem Titellied diesmal wieder mehr als genug vertreten. Die einen können mit LORDI nur Live, die anderen überhaupt nicht, ich nehme regelmäßig Tour und Album mit. (3,5/5) Daniel

cover artwork Imperial Triumphant Goldstar

IMPERIAL TRIUMPHANT 🇺🇸 – Goldstar (Avant-garde / Technical Black / Death Metal)
(Century Media, 21/03/25)
Im Kern dissonant, voller abrupter melodischer Brüche und stilistischer Richtungswechsel, erweist sich „Goldstar“ als forderndes Hörerlebnis. IMPERIAL TRIUMPHANT operieren erneut mit einem hochkomplexen Klangbild, bei dem technische Fertigkeiten zwar offensichtlich sind, die Kompositionen sich jedoch nicht sofort erschließen. Wie schon bei früheren Veröffentlichungen öffnet sich das Album erst nach mehreren Durchläufen und offenbart dann zunehmend seine innere Logik. Es handelt sich nicht um sofort zugängliche Musik, sondern um ein dicht gepacktes, atmosphärisch geschlossenes Werk. Akustisch geprägte, langsamere Passagen stehen massiven, aggressiven Gitarrenattacken und harschen Vocals gegenüber, mit permanentem Wechsel zwischen diesen Extremen. „Hotel Sphinx“ und das abschließende „Industry of Misery“ stechen hervor, da sie vergleichsweise klarere Strukturen aufweisen, ohne den experimentellen Charakter aufzugeben. Ein starkes Album, das den Begriff Avantgarde Metal überzeugend ausfüllt. (3,5/5) Voicu

cover artwork CULT OF FIRE The One, Who Is Made Of Smoke

CULT OF FIRE 🇨🇿 – The One, Who Is Made Of Smoke (Black Metal)
(Beyond Eyes, 26/03/25)
Eine epische Form von Black Metal, stark durch orientalische und indische Melodien geprägt. Nach einem langen, atmosphärischen Intro entwickelt sich das Album mit den folgenden Stücken zunehmend druckvoller und direkter, zugleich aber in einer langsamen, stetigen klanglichen Evolution, mit einer Schwere, die man in dieser Form auf früheren Veröffentlichungen der Band kaum gehört hat. Zwischen sehr klassischen Black-Metal-Passagen und ausgeprägt melodischen Momenten erweist sich „Mourning“ als erster klarer Höhepunkt, ein Stück, das durch seine äußerst versierte Komposition unmittelbar beeindruckt. Die beiden Pole religiös inspirierter Thematik und aggressiver Grundhaltung umkreisen sich über das gesamte Album hinweg in einem komplexen Klangbild. Raue Vocals, hypnotische Leadgitarren und geschickt in Riffs und Tremolo-Gitarren integrierte indische Melodielinien machen „Joy“ zu einem weiteren Highlight. Insgesamt ein Album, das sowohl als Höhepunkt der bisherigen Karriere gelten kann als auch als eine der relevanten Veröffentlichungen des Jahres. (4/5) Voicu

elle tea - into the fall - artworkElle Tea 🇮🇹 – Into The Fall (Heavy Metal/Hard Rock)
(Eigenproduktion, 28/03/25)
Im Unterschied zu anderen Soloprojekten benutzt der Maler, Grafiker, Multiinstrumentalist und Sänger Leonardo Trevisian ELLE TEA nicht für eine Selbstdarstellung, sondern zur Selbstverwirklichung. Vielleicht schafft er es deswegen, trotz nachdenklicher Themen wie der Selbstfindung, was für mich bisher nur eine Band aus dem Progressivegenre geschafft hat. Denn egal wie düster die Thematik ist, bei allen Veröffentlichungen des Italieners schwingt in jedem Ton positive Energie mit, die einem Hoffnung gibt. Der glasklar und warm produzierte Heavy Metal orientiert dabei an die Anfangsphase des Stils Ende der Siebziger bis Mitte der Achtziger, ist in der Darbietung nie zu soft und nie zu hart. Manchmal ist ein Stück mit vertrackten Rhythmen ausgestattet, dabei aber nie überfordernd. Das mit Bluesvibes brillierende »Into The Fall«, das treibende, mit großartigen Melodien veredelte »Alive For Revenge« und das musikalisch wie textlich ergreifende »I Gave Away« wirken hier anfänglich unfertig, weil sie einen konsequenten Schlusspunkt setzen. Beim Blick auf die Länge der Songs kommt dann jedoch die Erkenntnis, dass man aufgrund dieser fesselnden Kompositionen als Hörer einfach nur bedauert, das es schon vorbei ist. Über »Rising Winds« schwebt der Geist von The Who und wer bei »Where Light Arrives« nicht zumindest ein feuchtes Auge bekommt, kann kein Mensch sein. »Into The Fall« ist schlicht ergreifend schön! (5/5) Daniel

cover artwork AMENRA De Toorn

AMENRA 🇳🇱 – De Toorn (EP) (Sludge / Doom / Post-Metal / Hardcore)
(Relapse Records, 28/03/25)
Ein konzeptuelles Werk, bestehend aus zwei gleichzeitig veröffentlichten EPs, die sowohl den Blick der Band in die Zukunft als auch ihre Verbindung zu den eigenen Wurzeln thematisieren. „De Toorn“ präsentiert sich mit einem stark atmosphärischen Klang, extrem langsamem, erdrückendem, doomlastigem Grundtempo, wobei die gesprochenen Vocals der Musik eine ausgeprägt dramatische und beinahe theatrale Dimension verleihen. Die Spannung wird durch klare Gesangspassagen zusätzlich intensiviert. Schlichte melodische Strukturen, hoch emotionale Stücke, Traurigkeit und Trostlosigkeit werden hier sehr direkt transportiert, und wenn der Sound in der für AMENRA typischen Weise explodiert, wirkt dies fast wie eine Form von Erlösung. Der Aufbau von Spannung und anschließender Katharsis ist hier einmal mehr meisterhaft umgesetzt. „De Toorn“ funktioniert sowohl als Reflexion einer 30-jährigen Bandgeschichte als auch als vielversprechender Ausblick. (4/5) Voicu

cover artwork AMENRA With Fang And Claw

AMENRA 🇳🇱 – With Fang And Claw (EP) (Sludge / Doom / Post-Metal / Hardcore)
(Relapse Records, 28/03/25)
Die zweite EP schlägt den entgegengesetzten Weg ein und legt den Fokus klar auf die musikalischen Wurzeln der Band, auf jene rohe Kraft, die ihre Anfangsphase geprägt hat. Während das Schwesterwerk seine Songs aus ruhigen, atmosphärischen Spannungsbögen heraus entwickelt, zeigt sich „With Fang And Claw“ deutlich aggressiver, mit verzerrten Gitarren, höherer Dynamik und energiereicheren Stücken. Der Sound erinnert stark an die frühen Arbeiten der Band. Trotz aller Härte bleiben die Melodien eindringlich, getragen von der für AMENRA typischen Mischung aus Verzweiflung, Schmerz und intensiver Emotionalität. Der Klang wirkt voller, die Gitarren und die Rhythmussektion prägnanter. Geschmackssache, aber insgesamt das geschlossenere und kompositorisch stärkere der beiden Werke. Zwei kurze, aber äußerst dichte Veröffentlichungen mit zahlreichen markanten Momenten. Unabhängig von persönlicher Präferenz oder zukünftiger Ausrichtung der Band deuten beide EPs auf eine weiterhin starke Phase für AMENRA hin. (4,5/5) Voicu

lady beast - the inner alchemist - artworkLady Beast 🇺🇸 – The Inner Alchemist (US Heavy Metal)
(Dying Victim Productions, 28/03/25)
Im Gegensatz zu den meisten Bands waren LADY BEAST in den fünf Jahren zwischen The Vulture`s Amulet und »The Inner Alchemist« mit diversen Liveaktivitäten und einer EP nicht gänzlich untätig. Dies sorgte dafür, dass man nicht ganz von der Bildfläche verschwunden war und dieses Album auch die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient. Der US Heavy Metal klingt grob umrissen wie eine Mischung aus Omen und Benedictum mit britischen Einflüssen (Priest, Maiden), bietet aber viel mehr. »Oracle`s Omen« ist als Jag Panzer/Judas Priest – Banger ein richtig starker Einstieg, »Through The Eyes« sticht durch den Gegensatz von Aggression und Melodie aus den großartigen Songs nochmals heraus und der Titeltrack, »Feed Your Fire«, »The Wild Hunt« und »Off With Her Head« sind allesamt Blaupausen für angehende Musiker, die lernen wollen wie eine Heavy Metal – Hymne zu klingen hat. An Abwechslung mangelt es dem fünften Werk der Amis auch so nicht. »Starborn« ist ein spannender Epikausflug, »Crone`s Crossroads« begibt sich in Thrash Metal – Gebiet und mit »Witch Light« gibt es ein großartiges Instrumentalstück. Eines der Heavy Metal – Alben des Jahres. (4,5/5) Daniel

cover artwork TEITANBLOOD From The Visceral Abyss

TEITANBLOOD 🇪🇸 – From The Visceral Abyss (Death / Black Metal)
(Norma Evangelium Diaboli, 28/03/25)
Eine massive, aggressive Verschmelzung von Death und Black Metal. TEITANBLOOD zählen zu den extremsten Vertretern der aktuellen Szene, und mit „From The Visceral Abyss“ setzen die Spanier ihren brutalen Kurs konsequent fort. Das Album erreicht ein Maß an Dissonanz und disharmonischen Klangstrukturen, das vor allem Fans der radikalsten Spielarten extremer Musik ansprechen dürfte. Chaotische Kompositionen treffen auf hoch technisches Instrumentalspiel, bewusst vollständig ohne melodische Ankerpunkte, was für einen Teil der Hörerschaft genau den Reiz ausmacht. In den atmosphärischen Momenten entfalten sich kriechende, unheilvolle Klangbilder, während die Stücke insgesamt hermetisch bleiben, aber dennoch die Essenz beider Genres vermitteln: rohe Energie und reine Gewalt. Eine konsequente Weiterentwicklung der Band innerhalb ihres klar definierten Nischenkosmos und ein solides, relevantes Werk für diesen Bereich. (3,5/5) Voicu

Fortsetzung folgt

STARSCOURGE – Conqueror of the Stars – Betwixt Sundered Seraphim, the Lands Between Bleed

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STARSCOURGE - Conqueror of the Stars - Betwixt Sundered Seraphim, the Lands Between Bleed - album cover
STARSCOURGE - Conqueror of the Stars - Betwixt Sundered Seraphim, the Lands Between Bleed - album cover

Band: STARSCOURGE 🇸🇪/🇸🇬
Titel: Conqueror of the Stars – Betwixt Sundered Seraphim, the Lands Between Bleed
Label: Independent
VÖ: 19/12/25
Genre: Melodic Death/Black Metal

Tracklist

01. Betwixt Sundered Seraphim…
02. Blessings Upon the Golden Throne
03. Ranni’s Requiem – a Night of Black Knives
04. The Shattering
05. Destiny’s Dastardly Dynasty
06. I Am the Starscourge
07. The Battle of Aeonia
08. Athwart Hereditary Taint, Thence Doth the Valkyrie Ride
09. Together, My Serpentine Valentine
10. Whereunto Frenzy Beckoneth
11. Spirit in Black (Slayer cover)

 

Besetzung

Zul Bharoocha – Guitars, Bass, Keyboards
Mithun MK – Vocals

 

Bewertung:

3,5/5

STARSCOURGE liefern mit ihrem neuesten Album erneut eine intensive Mischung aus Melodic-Death und Black-Metal. Die Band besteht aus Zul Bharoocha, der sich um Gitarre, Bass und Keyboard kümmert, und Mithun MK am Gesang. Ihr Sound verbindet technische Raffinesse mit düsterer Atmosphäre und setzt dabei auf epische Strukturen und komplexe Arrangements.

Mit »Conqueror of the Stars – Betwixt Sundered Seraphim, the Lands Between Bleed« betreten STARSCOURGE ein düsteres, kosmisches Schlachtfeld. Das Album beginnt mit dem Intro »Betwixt Sundered Seraphim…«, das wie ein dumpfes Echo bzw. Ansage aus einer anderen Dimension wirkt.

Zwischen den Welten

Bereits der zweite Track »Blessings Upon the Golden Throne« zeigt die charakteristische Mischung aus Melodic-Death und Black-Metal. Die Gitarrenarbeit von Zul Bharoocha ist hier besonders bemerkenswert: schnelles Riffing trifft auf melancholische Melodielinien, während Mithun MKs Gesang zwischen gutturalem Growl und kehligen Schreien pendelt. Die Produktion ist klar, ohne die raue Kante des Black Metal zu glätten, was der Musik eine rohe Intensität verleiht.

Epische Schlachten und düstere Geschichten

Tracks wie »Ranni’s Requiem – a Night of Black Knives und The Shattering« entfalten epische Klanglandschaften, die zwischen atmosphärischen Passagen und aggressiven Ausbrüchen wechseln. Die Songs wirken wie Miniaturen eines größeren Mythos, jedes Riff, jeder Blastbeat ein Pinselstrich auf einer apokalyptischen Leinwand. Besonders »Destiny’s Dastardly Dynasty« überrascht mit unerwarteten Tempowechseln und einem melodischen Mittelteil, der die dunkle Erzählung des Albums zusätzlich unterstreicht.

Mit »I Am the Starscourge« tritt die Band dann selbstbewusst in den Vordergrund. Der Track ist hymnisch und martialisch zugleich, eine Art Manifest der Bandidentität. Hier zeigt sich die Fähigkeit von STARSCOURGE, komplexe Strukturen ohne den Verlust von Eingängigkeit zu gestalten. »The Battle of Aeonia« folgt diesem Muster, im Kontrast hierzu mit noch mehr orchestralen Elementen, die das Gefühl einer kosmischen Schlacht intensivieren.

Extravaganz trifft Wahnsinn

STARSCOURGE scheuen sich nicht vor überbordender Kreativität: »Athwart Hereditary Taint, Thence Doth the Valkyrie Ride« und »Together, My Serpentine Valentine« kombinieren theatralische Arrangements mit aggressivem Metal. Es ist, als würden epische Fantasy-Romane in Klang übersetzt. Bei aller Extravaganz bleiben die Stücke überraschend kohärent, was den Eindruck eines sorgfältig konstruierten Albums hinterlässt.

»Whereunto Frenzy Beckoneth« steigert die Intensität noch einmal, bevor das Album mit einer Coverversion von SLAYER (Spirit in Black) endet. Diese Version zeigt, dass STARSCOURGE auch bei klassischen Metal-Hymnen ihren eigenen, düster-melodischen Stempel aufdrücken können, ohne den Respekt vor dem Original zu verlieren.

»Conqueror of the Stars – Betwixt Sundered Seraphim, the Lands Between Bleed« ist ein ambitioniertes Werk, das zwischen melodischer Schönheit und roher Gewalt balanciert. Die Produktion erlaubt jedem Instrument seinen Raum, und die Kompositionen zeigen, dass die Band ihr Handwerk versteht. Es fehlt vielleicht ein wenig der Höhepunkt, der das Album zu einem Klassiker macht, aber für Fans von Melodic-Death und Black-Metal ist es ein hörenswertes Abenteuer.

Fazit: »Conqueror of the Stars – Betwixt Sundered Seraphim, the Lands Between Bleed« von STARSCOURGE ist technisch beeindruckend, atmosphärisch dicht, mit kleineren Schwächen in der Stringenz der Tracks.

Internet

STARSCOURGE - Conqueror of the Stars - Betwixt Sundered Seraphim, the Lands Between Bleed CD Review