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COME BACK FROM THE DEAD – Ad Nauseam

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cover artwork COME BACK FROM THE DEAD Ad Nauseam
cover artwork COME BACK FROM THE DEAD Ad Nauseam

Band: COME BACK FROM THE DEAD 🇪🇸
Titel: Ad Nauseam (EP)
Label: Coffin Entrails Sound
VÖ: 01/05/26
Genre: Death Metal

Tracklist

01. Sick to Death
02. Waves of Maggots over Oceans of Rot
03. Autopsy of a Genocide
04. Ad Nauseam

Besetzung

Marcos P. – Drums
Hector – Guitars
Miguel – Guitars
Paul – Vocals
Iago – Bass

Bewertung:

3,5/5

Nach ein paar Jahren interner oder persönlicher Probleme kehren COME BACK FROM THE DEAD mit „Ad Nauseam“ zurück – eine EP mit vier Tracks im typischen Band-Stil. Ein Klang fest verankert in Old-School Death Metal, der auf dem neuen Material allerdings einige fremde Einflüsse zuließ – viele davon transformiert in reicheren Klang mit klarem Wunsch, neue musikalische Territorien zu erkunden.

Beeindruckender Opener mit verwobener Melodieführung

Das Album eröffnet plötzlich, kein Intro nötig – „Sick to Death“ ist ein Old-School Death Metal Song, sehr direkt und mit guten Gitarren-Passagen, erinnert an frühe Tage des Genres. Melodisch, mit eingängigen Momenten, dominiert von der inspirierten Leadgitarre. Auch eine gute Rhythmussektion und angepisste Vocals, eine gute Komposition und gleichzeitig ein guter Start ins Album. Die Weise, wie die Gitarren die Melodie weben und Noten verflechten, repräsentiert eine unvergessliche Passage – ein sehr inspirierter Song, ein definitives Highlight.

Aus A Coruña, Galicien – COME BACK FROM THE DEAD wurden 2008 gegründet, ihre Geschichte ist von langen Hiatus-Perioden geprägt. Mit allen Mitgliedern in vielen anderen Projekten involviert, kamen diese langen Aktivitätspausen weniger überraschend. Die Gründungsmitglieder Marcos P. (ex-Asedio, ex-Cenotaph, ex-Deface, ex-Icon, ex-Reversion Christ, ex-Sepulcro, Ekkaia, ex-Cult of the Ancients) an Drums und Hector (Nashgul, ex-Asedio, Black Panda) an Gitarren wurden ein paar Jahre nach Gründung von Miguel (Arsian, ex-Cult of the Ancients) an zweiter Gitarre, Paul (ex-Extinción, Kebrantahuesos, Madame Germen) für Vocals und Iago (Lóstregos, ex-Bokluk, ex-Devil Inside, ex-Amhra) am Bass begleitet – ein solides und konstantes Lineup seitdem.

Im selben Register setzt „Waves of Maggots over Oceans of Rot“ fort, mehr wie ein Schatten des Eröffnungstracks – mild aggressiv und mit moderatem Tempo. Ein besser zur Schau gestellter Vocal-Beitrag, gutturale Schreie und wütende Shouts. Der Song verlangsamt sich in der finalen Sequenz, und die gute Atmosphäre sowie der direkte Angriff sind irgendwie vermindert – die Inspiration vom ersten Song verblasst.

Gute Produktion, mehr Rhythmusgitarre wünschenswert

Die Attitüde wird besser in „Autopsy of a Genocide“ – sie gewinnen etwas Energie und Dynamik zurück, wieder kommt die Leadgitarre mit wichtigem Beitrag. Groovy und gut rhythmisiert, wieder weit von der Energie und Inspiration vom Album-Beginn entfernt. Und wenn sie langsam und übermelodisch werden, verschwindet die ganze Magie. Ein mittelmäßiger Song, der sich für den größten Teil seiner Dauer ziemlich erzwungen anfühlt.

Die Produktion ist gut, typisch für das Genre, überschreitet in keiner Weise. Mehr Rhythmusgitarre würde der Musik guttun, auch eine besser eingefangene Rhythmussektion. Vocals sind ziemlich gewöhnlich, entschlossen und leidenschaftlich. Man kann viele Blackened- oder sogar Crust-Einflüsse hören. Der Klang ist ausbalanciert und mit einer gewissen Dosis Rohheit, nichts, worüber man sich bei der Produktion beschweren könnte – eine professionelle Arbeit.

Der Titelsong „Ad Nauseam“ startet vielversprechend mit inspiriertem Riff, fällt bald in mildes Tempo und Füller-Passagen. Eine typische Kombination aus guten und nicht so guten Momenten, beweist einmal mehr, dass ein gutes Riff, das nicht durch den ganzen Song verfolgt wird, allein keinen guten Track macht.

Lebenszeichen mit Versprechen auf Full-Length

Mehr wie ein Lebenszeichen von der Band und ein Versprechen eines Full-Length nach Reunion – „Ad Nauseam“ ist eine kurze Arbeit basierend auf einem guten Song, „Sick to Death„, und komplettiert mit gewöhnlichen Tracks nur, um den Inhalt für eine EP zu füllen. Insgesamt dennoch ein genießbares Hörerlebnis mit genug Momenten, die einen Hörer involviert halten können.

Die Sologitarre beeindruckt weiter durch das Album und entpuppt sich als echte Stärke hinter der Musik von COME BACK FROM THE DEAD. Ein Name, der als Vorahnung für die Band gesehen werden kann – jetzt, wo sie zurückgekommen sind, sollten die Fans mit dem neuen Material zufrieden sein.

Fazit: COME BACK FROM THE DEAD kehren mit „Ad Nauseam“ zurück – Old-School Death Metal mit beeindruckendem Opener und durchweg starker Leadgitarre.

Internet

COME BACK FROM THE DEAD - Ad Nauseam

Punkzirkus der Extraklasse: Die karibische Punkband zusammen mit Vier Meter Hustensaft LIVE in der Manege Lintorf am 2. Mai!

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THE BOLOKOS | VIER METER HUSTENSAFT | 4 ZIMMER KÜCHE BAD IN DER MANEGE LINTORF IN RATINGEN (DE)

Die Manege Lintorf (Ratingen DE) bekommt am Samstag, 02.05.2026, Besuch aus der Karibik: THE BOLOKOS machen im Rahmen ihrer „Sex, Rum & Rock’n’Roll“-Tour Halt in Ratingen und bringen ihren eigenwilligen Creole-Punk auf die Bühne. Unterstützt werden sie an diesem Abend von VIER METER HUSTENSAFT aus Düsseldorf sowie 4 ZIMMER KÜCHE BAD aus Limburg an der Lahn. Damit steht ein Konzertabend an, der schon auf dem Papier nach Schweiß, Tempo, Szenecharme und einer ordentlichen Portion Punk-Attitüde klingt.

THE BOLOKOS sind alles andere als eine gewöhnliche Punkband. Das Trio aus Guadeloupe wird auf seinen offiziellen Kanälen als erste Punkband der Insel beschrieben und bringt damit eine Perspektive in das Genre, die man hierzulande nicht alle Tage erlebt. Seit 2009 ist die Band aktiv, tourt international und hat sich mit ihrem Mix aus Punkrock, Ska, Country, Celtic-Einflüssen und kreolischen Farben eine eigene Nische geschaffen. Gerade diese Mischung sorgt dafür, dass ihre Musik nicht wie ein kalkulierter Exotenbonus wirkt, sondern wie ein Stil, der über Jahre gewachsen ist.

Musikalisch treffen bei THE BOLOKOS rohe Punk-Energie, karibisches Temperament und eine spürbare Lust am musikalischen Grenzgang aufeinander. Die Songs besitzen Druck, Tempo und klare Hooks, verlieren dabei aber nie den rhythmischen Unterbau, der den Sound der Band so besonders macht. Statt nur frontal nach vorne zu poltern, setzen THE BOLOKOS auf Bewegung, Spielfreude und ein Gespür für Dynamik. Das macht ihre Konzerte nicht nur laut, sondern auch lebendig und angenehm unberechenbar.

Mit VIER METER HUSTENSAFT steht außerdem ein Support auf dem Programm, der perfekt zu einem solchen Abend passt. Die Düsseldorfer bringen genau jene direkte, ehrliche und energiegeladene Punk-Kante mit, die ein Clubkonzert dieser Art braucht. Hier dürfte nichts glattgebügelt oder auf Hochglanz poliert werden. Vielmehr ist mit einer Band zu rechnen, die den Abend früh auf Temperatur bringt und das Publikum ohne große Umwege in Bewegung setzt. Nachdem die Band um die beiden Sänger und Gitarristen Philipp AltenhofenThiemo Schröder, der ebenfalls von Thin Lassie bekannten Trommler Dirk Löber und Bassist Philipp Wachter zum deutschen Label NRT-Records wechselten, kam für sie der Umbruch: In der hiesigen Punkszene gab es plötzlich großen Zuspruch. Ihr Stil Sozialkritik direkt in your face!

Auch 4 ZIMMER KÜCHE BAD passen hervorragend in dieses Umfeld. Die Band aus Limburg an der Lahn ergänzt das Paket um eine weitere ungeschliffene Note und sorgt dafür, dass der Abend nicht bloß als Durchlaufstation einer Tour wirkt, sondern als eigenständiges kleines Punk-Paket mit Charakter. Gerade solche Kombinationen machen Clubshows interessant: Unterschiedliche Bands, ein gemeinsamer Grundton und genug Reibung, damit am Ende mehr entsteht als nur ein routinierter Konzertabend.

Die Manege Lintorf ist für ein solches Konzert ohnehin ein passender Ort. Kleine bis mittelgroße Clubatmosphäre, kurze Wege zur Bühne und ein Publikum, das nicht nur konsumiert, sondern mitgeht – genau dort dürften THE BOLOKOS besonders gut funktionieren. Ihre Musik lebt nicht von Distanz, sondern von Nähe. Von verschwitzten Räumen, tanzenden Menschen und dieser leicht chaotischen Energie, die Punkkonzerte im besten Fall ausmacht.

Wer Punkrock mag, der nicht nur nach Schema F funktioniert, sollte sich diesen Abend also vormerken. THE BOLOKOS bringen mit ihrer „Sex, Rum & Rock’n’Roll“-Tour einen Sound nach Ratingen, der rau, tanzbar, eigenwillig und sofort zugänglich zugleich ist. Zusammen mit VIER METER HUSTENSAFT und 4 ZIMMER KÜCHE BAD verspricht das einen Abend, der nicht auf sterile Perfektion setzt, sondern auf Energie, Haltung und jede Menge Bewegung vor der Bühne.

DIE WICHTIGSTEN INFOS IM ÜBERBLICK

Datum: Samstag, 02.05.2026
Ort: Manege Lintorf, Jahnstraße 28, 40885 Ratingen
Beginn: 20:00 Uhr
Abendkasse: 15 €
Bands: THE BOLOKOS, VIER METER HUSTENSAFT, 4 ZIMMER KÜCHE BAD
Tour: „Sex, Rum & Rock’n’Roll“-Tour 2026
Stil: Punkrock, Creole Punk, Ska, Rock’n’Roll

Quellenangabe: Mike Vogel

Die Dorks – Unberechenbar

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Band: DIE DORKS 🇩🇪
Titel: Unberechenbar
Genre: Punk / Metal / Metalpunk
Veröffentlichung: 16.01.26
Label: Motor Music

Tracklist

01 Maximal
02 Kein Sommer der Liebe
03 Solange noch mein Herz schlägt
04 Kranker Geist
05 Alles zerstören
06 Es ist echt
07 Kopf frei
08 Lieber in der Hölle herrschen
09 Such dir keinen neuen Gott
10 Exzessive Notwehr
11 Unberechenbar

Besetzung

Liza Dork – Gitarre, Gesang
Bons Dork – Schlagzeug
Christina earlymorn – Gitarre
Mark von Elend – Bass

Bewertung:

4,5/5

Manche Alben könnte man metaphorisch als einen freundlich lächelnden Türsteher umschreiben: Sie lassen dich rein, klopfen dir auf die Schulter und tun bloß nicht weh. DIE DORKS haben auf »Unberechenbar« ganz offensichtlich beschlossen, diesen Job anderen zu überlassen. Diese Platte grinst nicht nett, sie packt dich am Kragen. Und genau darin liegt ihr Reiz. Hier wird nicht vorsichtig an einer neuen Ausrichtung herumgedoktert, hier wird ein Kurs eingeschlagen und durchgezogen. Nicht aus Trotz, sondern aus Überzeugung.

Keine Stilübung, sondern eine klare Kante

Das Album wirkt zu keinem Zeitpunkt wie das Ergebnis eines verkrampften Rechenexempels nach dem Motto: ein bisschen Punk, ein bisschen Metal, ein bisschen Rock, dann passt das schon. »Unberechenbar« klingt vielmehr nach einer Band, die ihren eigenen Kern freigelegt hat und nun keine Lust mehr auf Halbheiten hat. Die Songs stehen mit beiden Beinen im Dreck, haben aber genug Übersicht, um nicht in blinden Aktionismus zu kippen. Genau das macht diese Platte stark: Sie ist bissig, ohne kopflos zu werden, eingängig, ohne sich anzubiedern, und hart, ohne bloß auf Muskelspiel zu setzen.

Produktion mit Schubkraft

Ein entscheidender Faktor ist die Produktion. »Unberechenbar« hat Druck, aber keinen aufgedunsenen Studiobauch. Die Gitarren stehen nicht als Wand im Weg, sondern arbeiten, schneiden, schieben. Die Drums sitzen fest im Sattel und treiben das Material mit der nötigen Wucht nach vorn. Und der Bass ist hier nicht das arme Stiefkind im Hintergrund, sondern zieht an vielen Stellen ganz bewusst mit am Karren. Dass Eike Freese und Alexander Dietz ihre Finger im Spiel hatten, hört man nicht als Hochglanzsiegel, sondern an der Klarheit. Diese Platte klingt nicht geschniegelt, sondern fokussiert. Da bleibt genug Schmutz unter den Nägeln, aber alles hat seinen Platz.

»Maximal« macht die Tür auf

Der Einstieg mit »Maximal« ist clever gesetzt. Der Song hämmert nicht sofort alles kurz und klein, sondern baut erst einmal Zug auf. Groove, Bewegung, Rock’n’Roll-Motorik – das Ding rollt los, als würde es Anlauf nehmen, nur um dir kurz darauf mit dem Knie in die Brust zu springen. Genau dadurch funktioniert der Opener so gut. Er lockt nicht mit falscher Freundlichkeit, sondern mit Spannung. Und er macht sofort klar, dass DIE DORKS auf diesem Album keine Angst vor Hooks haben. Ein Refrain darf hier sitzen, ohne dass die Band gleich weichgespült klingt.

Wenn es enger wird, wird es besser

Mit »Kein Sommer der Liebe« zieht die Platte dann spürbar an. Der Song hat diese schöne Qualität, dir erst ein paar Zentimeter Leine zu geben und sie dann abrupt wieder straffzuziehen. Die Dynamik sitzt, die Gesangsschichten bauen Spannung auf, und wenn der Refrain einschlägt, ist das kein Zufallstreffer, sondern sauber vorbereitete Eskalation. Überhaupt zeigt sich hier, wie stark »Unberechenbar« darin ist, Erwartungen anzutäuschen und dann leicht versetzt zu erfüllen. Wo andere Songs einfach stumpf weiterlaufen würden, setzen DIE DORKS kleine Haken, rhythmische Verschiebungen und kluge Übergänge. Das hält die Platte in Bewegung.

Liza trägt das Ding mit Haltung

Im Zentrum steht Liza, und das ist auf einem Album wie diesem mehr als nur eine Personalie. Ihre Stimme ist nicht geschniegelt, sondern ehrlich rau. Sie klingt nicht nach aufgesetzter Wildheit und auch nicht nach geschniegelt geschniegelt geschniegelt Studiogift, sondern nach jemandem, der die Zeilen nicht vorsingt, sondern raushaut, weil sie rausmüssen. Gerade auf »Kranker Geist« und »Alles zerstören« merkt man, wie viel Attacke in ihrer Performance steckt. Das hat Biss, ohne ins Theatralische zu kippen. Gleichzeitig kann sie Refrains tragen, ohne dass der Druck aus dem Song fällt. Diese Mischung ist in dem Bereich alles andere als selbstverständlich.

Rhythmusgruppe mit Substanz

Auch die Rhythmussektion macht einen verdammt guten Job. Bei »Es ist echt« wird besonders deutlich, dass der Bass hier nicht bloß mitläuft. Er schiebt die Songs an, setzt Akzente und macht aus den Riffs etwas Körperliches. Das verleiht der Platte Gewicht. Die Drums wiederum denken mit. Sie dekorieren nicht, sie führen. Da wird nichts kaputtgetrommelt, nur damit es hektisch wirkt. Stattdessen entsteht genau diese Art von Vorwärtsdruck, die ein Album wie »Unberechenbar« braucht: schnörkellos, robust und punktgenau.

Hymnenpotenzial ohne peinliches Pathos

»Solange noch mein Herz schlägt« ist so ein Song, der live vermutlich jeden zweiten Saal in einen heiseren Chor verwandeln dürfte. Das Stück hat diese seltene Qualität, gleichzeitig offen und zupackend zu sein. Der Refrain steht, ohne geschniegelt geschniegelt geschniegelt Stadionpose anzunehmen, und die Bridge macht ihren Job, ohne nach Pflichtübung zu riechen. Gerade hier merkt man, dass DIE DORKS ein Gefühl für Dramaturgie entwickelt haben. Das Album läuft nicht einfach auf einer Geraden durch, sondern arbeitet mit Kurven, kleinen Steigungen und den richtigen Momenten zum Losrennen.

»Kopf frei« als Schlüsselmoment

Einer der stärksten Momente der Platte ist »Kopf frei«. Hier laufen Rock’n’Roll-Energie, Punk-Drive und Metal-Gewicht so sauber zusammen, dass der Song fast wie der Dreh- und Angelpunkt des Albums wirkt. Das Ding hat diesen unmissverständlichen Vorwärtsimpuls, bei dem man nicht mehr über Genregrenzen nachdenkt, sondern nur noch darüber, wie lange man still sitzen will, bevor es sowieso keinen Sinn mehr ergibt. Weil die Produktion so standfest ist, bekommt der Song zudem genau die Luft, die er braucht. Man hört Anschläge, Raum, Bewegung – und vor allem eine Band, die als Einheit funktioniert.

Texte mit Schneide statt Schaum

Textlich ist »Unberechenbar« dann am stärksten, wenn es nicht auf große Parole, sondern auf präzise Nadelstiche setzt. »Such dir keinen neuen Gott« ist dafür ein gutes Beispiel. Der Song nimmt moderne Heilsversprechen und Ersatzreligionen auseinander, ohne in diesen ermüdenden Besserwisser-Ton zu fallen, der gesellschaftskritischen Texten so oft das Genick bricht. Hier wird nicht doztiert, hier wird gestochen. Überhaupt liegt eine der Stärken des Albums darin, dass seine Wut nie gezügelt wirkt, sondern aus Beobachtung kommt.

Härte als Teil der Dramaturgie

Die schärferen Kanten von »Kranker Geist« und »Alles zerstören« wirken deshalb auch nicht wie eingestreute Genrepflicht, um die Metal-Fraktion bei Laune zu halten. Das sind keine Häkchen auf einer To-do-Liste, sondern wichtige Knotenpunkte im Albumfluss. Hier wird der Ton ruppiger, düsterer und kompromissloser, ohne dass die Songs dabei in bloßes Gepolter abgleiten. Genau dieses kontrollierte Maß macht die Härte glaubwürdig. Kein überflüssiges Gewese, kein Breakdown-Zirkus, sondern Fokus.

Auch Bekanntes fügt sich ein

Selbst »Exzessive Notwehr«, das als Vorabtrack leicht hätte wie ein Fremdkörper wirken können, sitzt erstaunlich sauber im Gesamtbild. Das spricht für die Dramaturgie des Albums. »Unberechenbar« wirkt eben nicht wie eine Ansammlung einzelner Nummern, sondern wie eine Platte mit Verlauf. Sie gibt nicht durchgehend Vollgas, sondern weiß ziemlich genau, wann Druck, wann Hook und wann Spannung gebraucht werden.

Ein kleiner Wunsch bleibt

Wenn man überhaupt meckern will, dann höchstens auf ziemlich hohem Niveau. Gerade weil DIE DORKS hier so präzise arbeiten, hätte man sich an einer Stelle vielleicht einen echten Querbalken gewünscht – einen Song, der sich noch bewusster gegen den Fluss stemmt, einen kleinen strukturellen Unfall, der kurz alles schief zieht. Nicht, weil das Album so etwas dringend bräuchte, sondern weil genau so ein Moment dem Titel »Unberechenbar« noch eine weitere Farbe gegeben hätte. Das ist aber eher Feintuning als echter Makel.

Starkes Album mit eigenem Zug

Unterm Strich ist »Unberechenbar« ein Album, das handwerklich sicher steht, ohne dadurch brav zu werden. Genau das macht es spannend. Hier trifft Druck auf Melodie, Haltung auf Spielfreude und Klarheit auf genügend Reibung, damit es interessant bleibt. »Maximal«, »Kein Sommer der Liebe«, »Solange noch mein Herz schlägt« und »Kopf frei« zeigen eine Band, die sehr genau weiß, was sie tut. Und gerade die härteren Stücke beweisen, dass das keine Pose ist, sondern ein bewusst gesetztes Statement.

Fazit: DIE DORKS haben mit »Unberechenbar« ein Album am Start, das nicht schüchtern um Zustimmung bettelt, sondern mit offener Stirn durch die Wand geht. Druckvoll, treffsicher und mit genug Charakter, um nicht bloß als gute Genreplatte durchzugehen, sondern als echtes Ausrufezeichen.

Internet

Die Dorks - Unberechenbar - CD Review

Into The Dark : Chapter 2 – 25.04.2026, ((szene)) Wien

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Into-the-Dark-Chapter-2-MISANTHROPIC-MIGHT

Into The Dark : Chapter 2

MISANTHROPIC MIGHT, CONTAINECKS, PATER TENEBRARUM, CONFESSIONS OF PAIN, RAT KING GONE

25.04.2026, ((szene)) Wien

Poster L

Die zweite Ausgabe des lokalen Festivals wurde am Wochenende in der Szene Wien präsentiert. „Into The Dark : Chapter 2“ bleibt, wie schon die erste Ausgabe, den lokalen Bands gewidmet und noch wichtiger den lokalen Underground-Bands, die alle mit unterschiedlichen Ansätzen im Extreme Metal auftreten, vom Crossover von RAT KING GONE über Death Metal von CONFESSIONS OF PAIN, Melodic Death Metal von PATER TENEBRARUM, Black Metal mit MISANTHROPIC MIGHT bis hin zu Nu Metal mit Rap-Elementen und Metalcore bei CONTAINECKS. Die Veranstaltung wurde von ((szene)) Wien gemeinsam mit PLANET MUSIC & MEDIA und den Vereinigten Österreichischen Musikförderern präsentiert.

Eine schwierige Aufgabe, bei so vielen unterschiedlichen Stilen das Publikum zusammenzubringen, noch schwieriger durch ein weiteres Death-Metal-Konzert in einer nahegelegenen Stadt, das potenzielle Besucher abgezogen hat. Für alle Anwesenden dennoch ein Abend mit guter Musik oder zumindest mit der richtigen Haltung der Musiker – sowohl von Bands am Anfang ihrer Laufbahn als auch von etablierten, erfahrenen Namen. Die Location war nicht überfüllt, ähnlich wie im letzten Jahr eher ein freundliches Treffen unter Bekannten, begleitet von massiven Riffs und aggressiven Sounds. Eine Kollegin unseres Magazins war ebenfalls vor Ort und hielt die Veranstaltung visuell für euch fest – hier geht es zu den Fotos des Abends.

RAT KING GONE

Den Auftakt machte die Wiener Band RAT KING GONE, eine noch junge Gruppe mit einer eigenen Mischung aus Thrash und Sludge Metal, kombiniert mit einer klaren Crossover-/Hardcore-Attitüde und vielen Punk-Elementen. Ein auf dem Papier sehr gemischter Sound, der sich jedoch in eine stimmige und überzeugende musikalische Umsetzung übersetzt.

RAT KING GONE 01

Sehr aktiv in der lokalen Szene, eine Band, die man häufig live sieht und die mit ihren energiegeladenen Auftritten andere Bands unterstützt. Ursprünglich sollten GRÜMPHRÖ den Abend eröffnen, mussten aber wegen interner Probleme absagen, sodass RAT KING GONE eingesprungen sind. Eine gute Entscheidung, denn ihre Präsenz tat dem Abend sichtbar gut. Die Mischung aus Punk-Attitüde und verschiedenen Metal-Einflüssen sorgt für ein dynamisches Set. Hardcore bildet die Grundlage, kurze, effektive Songs mit Thrash- und Sludge-Elementen, aber nicht nur darauf beschränkt.

RAT KING GONE 02Abseits von Genregrenzen war das, was RAT KING GONE auf die Bühne brachten, vor allem energiegeladen und lebendig. Der Sänger bewegt sich ununterbrochen, springt und rennt über die Bühne und verleiht dem Auftritt eine zusätzliche hektische Komponente. Dazu kommen massive Riffs, gute Kompositionen, groovige Rhythmen und auch langsamere Passagen. Musikalisch stark besetzt, doch die Show wird klar vom Frontmann geprägt. Sie sind, wie bereits bekannt, ein sehr guter Opener, der sofort Energie bringt und das Publikum in Bewegung setzt. Das Publikum ging gut mit, die Stimmung war entsprechend positiv. Ein gelungener Auftakt.

 

CONFESSIONS OF PAIN

Aus Wiener Neustadt kommen CONFESSIONS OF PAIN, gegründet 2007, allerdings mit längeren Pausen in ihrer Aktivität. Musikalisch überwiegend Death Metal, ergänzt durch Deathcore-Elemente und weitere Einflüsse. Nach einem Comeback im letzten Jahr mit dem Album „Resurrection“ versuchen sie erneut, sich in der lokalen Szene zu etablieren.

CONFESSIONS OF PAINIhr Stil lässt sich als eine Art Heavy Metal mit stärkerer Brutalität und Einflüssen aus dem Black Metal beschreiben. Dissonant, aggressiv, aber nicht wirklich melodisch. Der Rhythmus ist vorhanden, doch die vielen Tempowechsel und unterschiedlichen Ideen innerhalb der Songs wirken oft zusammengewürfelt und hinterlassen einen fragmentierten Eindruck. Einzelne gute Riffs sind vorhanden, ebenso ein starker Bass, der positiv auffällt.

Die Songs bleiben insgesamt eher einfach und wenig einprägsam, es fehlen markante Momente. Die Mischung der Stile verstärkt den Eindruck von nicht ganz zusammenpassenden Elementen. Der Titelsong „Resurrection“ wirkt größtenteils wie Heavy Metal mit harschem Gesang, mit epischer, triumphaler Linie und soliden, aber vorhersehbaren Riffs. Auch hier bleibt der Bass hervorzuheben.

Der Auftritt konnte insgesamt nicht wirklich überzeugen. Die Halle war weiterhin nur teilweise gefüllt, die Atmosphäre blieb dennoch angenehm, sowohl im Saal als auch außerhalb. Die Musik laut und druckvoll, aber wenig inspiriert. Der Versuch, melodische Elemente einzubauen, funktioniert nur bedingt. Ein solides Set, mehr aber nicht. RAT KING GONE hinterließen den stärkeren Eindruck und sorgten für die bessere Stimmung.

Auch die Interaktion mit dem Publikum wirkte bei CONFESSIONS OF PAIN etwas erzwungen, die Erwartungen an die Reaktionen waren höher als das, was tatsächlich zurückkam. Der unangenehmste Moment entstand beim Versuch, eine Wall of Death zu initiieren. Es kam keine Reaktion, was die Situation sichtbar awkward machte. Ein Moment, der die Distanz zwischen Band und Publikum deutlich machte. Insgesamt ein misslungener Auftritt.

PATER TENEBRARUM

Von den ersten Tönen an wird klar, dass wir uns jetzt in einer anderen Liga bewegen. Gute Vocals, beeindruckende Instrumente, druckvoller Sound, solide Riffs, klare stilistische Ausrichtung, eingängige Melodien. Die Wiener Band PATER TENEBRARUM ist noch relativ jung, hat aber bereits einige starke Releases vorzuweisen, zuletzt im vergangenen Jahr „Meat Grinder“, das eine gereifte Band zeigte.

PATER TENEBRARUM 01Als Melodic Death Metal eingeordnet, gehen sie deutlich darüber hinaus, bringen typische Black-Metal-Akkorde ebenso ein wie klassischen Death Metal. Unterschiedliche Ansätze zeigen die breite musikalische Aufstellung der Band und auch die beeindruckende technische Stärke, zu der sie fähig ist. Dazu kommen zugänglichere Passagen, die gut in den aggressiven Sound integriert sind, langsamere Momente, die Atmosphäre schaffen – eine große Bandbreite an Ausdruck.

PATER TENEBRARUM 02Und sehr wichtig: eine Band, die hervorragend mit dem Publikum verbunden ist. Nicht nur die Musik ist leidenschaftlich, dynamisch und energiegeladen, auch die Performance, vor allem die des Frontmanns. Sänger und Gründungsmitglied Christian Spannbauer agiert ungehemmt, mit viel Humor, fordert das Publikum ständig zur Interaktion auf, zum Biertrinken, zum Mitgehen mit der Musik. Und das Publikum reagiert entsprechend, ein guter Teil der Energie von der Bühne überträgt sich direkt.

Der Sound ist durchgehend aggressiv und zielgerichtet, gute und inspirierte Songs. Dazu viele eigene Elemente, ein interessanter Mix verschiedener Einflüsse. Authentische Vocals mit großer Bandbreite, von tiefen Growls bis zu hohen Screams. Gute Gitarrenarbeit, der Leadgitarrist konzentriert, weniger interaktiv, aber mit entscheidendem Beitrag zum Gesamtbild.

Eine sehr authentische Band mit der richtigen Haltung. Sie werden in Zukunft noch eine Rolle spielen. Dichter Sound, starke Musiker. Ein schöner Moment, als Christian dem Licht- und Tontechniker dankt – eine seltene Geste. PATER TENEBRARUM wirken bodenständig, freundlich und talentiert. Gute Musik, ein starker Auftritt.

MISANTHROPIC MIGHT

Eine der angesehensten Underground-Bands aus Wien: MISANTHROPIC MIGHT als eigentlicher Headliner des Abends, für viele auch der Hauptgrund zu kommen. Eine Band, die nicht oft live spielt, aber jedes Mal absolut überzeugt – sehr professionelle Musiker und ebenso überzeugende Musik.

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Von den ersten Riffs an aggressiv, direkt und gleichzeitig extrem wirkungsvoll im Black Metal. Beim letzten Wien-Auftritt stand noch das Release ihres Albums „Qualzucht“ im Fokus, einer der stärksten Veröffentlichungen des letzten Jahres, auch über die lokale Szene hinaus. Dieses Mal war das Set breiter angelegt und deckte größere Teile der Diskografie ab.

MISANTHROPIC MIGHT 03Ein dichter, aggressiver Sound, erneut ein Beweis für ihr musikalisches Niveau. Die beiden Stimmen ergänzen sich hervorragend: das Kreischen von Purgatory (aka Marathon) und die tiefen Growls von Sic. Dazu ein überzeugender Bass und melodisch tremolierte Gitarrenlinien. Die enge Zusammenarbeit, auch aus anderen Projekten heraus (Parental Advisory als Highlight der letztjährigen Ausgabe), führt zu einem geschlossenen Gesamtbild und einer präzisen Umsetzung live.

Neue Masken sorgen für ein verändertes Erscheinungsbild, klarer im Design. Nebenbei ein praktisches Problem: Bier trinken auf der Bühne wird damit deutlich komplizierter – aber auch das lösen sie souverän.

Die Songs sind kurz, aber effektiv, mit komplexer Gitarrenarbeit. Sehr technische Herangehensweise, dabei live noch direkter und aggressiver als auf Album. Während sich beide Gitarristen auf ihre Parts konzentrieren, hält Purgatory/Marathon den Kontakt zum Publikum, ein sehr starker Frontmann. Gleichzeitig zeigt sich, wie wichtig der Bass für den Gesamtsound ist.

Das Publikum reagiert entsprechend begeistert, starke Interaktion, klare Zustimmung. Die Forderungen nach einer Zugabe bleiben aus Zeitgründen unerfüllt. Schade. Underground in seiner besten Form, ein voller, kontrollierter Sound – ein sehr erfolgreicher Auftritt.

CONTAINECKS

Als bewusster Gegenpol zu den extremen Spielarten des Abends angekündigt – mit Fokus auf Groove und Dynamik, ohne die Härte ganz zu verlieren – stehen CONTAINECKS am Ende vor nur noch wenigen Anwesenden.

CONTAINECKS 01

Die Band aus Graz bewegt sich im Bereich Rapcore bzw. Nu Metal, verbindet Synthesizer, groovige Rap-Elemente und Metalcore-Riffs. Zentral sind dabei die Texte: selbstironisch, mit satirischem Unterton und viel Energie vorgetragen.

CONTAINECKS 02Schon die ersten Töne machen klar, dass hier eine völlig andere musikalische Welt beginnt. Elektronik, Rap und ein Anteil Metal ergeben einen eigenständigen Stil, der in seiner Nische funktioniert, im Kontext des Abends jedoch fremd wirkt.

Der Sound ist wuchtig, aber die Songstrukturen unterscheiden sich stark von dem, was zuvor geboten wurde. Die Band ist permanent in Bewegung, springt über die Bühne, eine Performance, die gut zur Musik passt. Wirkungsvoll, aber nicht unbedingt für jeden Kontext geeignet.

Für sie ungünstig: Der Saal ist nahezu leer, viele Besucher bleiben draußen oder sind bereits gegangen. Nach dem Headliner fehlt schlicht das Publikum. CONTAINECKS mögen für sich funktionieren, hier passt es nicht. Eine schwierige Programmwahl für diesen Abend.

Trotzdem bemerkenswert, wie sie ihr Set vor vielleicht zwanzig Leuten durchziehen. In dieser Hinsicht absolut professionell. Ein undankbarer Moment – falscher Ort, falsche Zeit.

CONTAINECKS 03

Der Abend hat gezeigt, wie breit selbst eine klar als „underground“ verstandene Szene aufgestellt sein kann – und wie unterschiedlich diese Ansätze funktionieren, wenn sie aufeinandertreffen. Nicht alles hat zusammengepasst, manches wirkte im Kontext fremd oder unglücklich platziert, aber genau darin liegt auch ein Teil des Reizes solcher Veranstaltungen. Zwischen sehr starken Auftritten, weniger überzeugenden Momenten und stilistischen Brüchen bleibt vor allem eines hängen: ehrliche, direkte Musik von Bands am Anfang ihres Weges, die sich ihren Platz erspielen wollen, ebenso wie von etablierten, längst gefestigten Namen. Keine perfekte Veranstaltung, aber eine authentische – und genau das macht solche Abende letztlich wertvoll.

Into The Dark : Chapter 2 @ ((szene)) – Fotos

Into-the-Dark-Chapter-2-Szene

Into The Dark : Chapter 2 ft. MISANTHROPIC MIGHT, CONTAINECKS, PATER TENEBRARUM, CONFESSIONS OF PAIN, RAT KING GONE

25.04.2026, ((szene)) Wien

Fotogalerie

Photos by Charlene

BLACK CILICE – Votive Fire

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cover artwork BLACK CILICE Votive Fire
cover artwork BLACK CILICE Votive Fire

Band: BLACK CILICE 🇵🇹
Titel: Votive Fire
Label: Iron Bonehead
VÖ: 01/05/26
Genre: Raw Black Metal

Tracklist

01. Released By Fire
02. Vows Sworn For Centuries
03. Into The Inner Temple
04. Deconstruction Of All Realities

Besetzung

Bewertung:

3/5

Von der Band selbst charakterisiert als „Portuguese Mysticism“ – BLACK CILICEs neues Album „Votive Fire“ ist das siebte Full-Length der portugiesischen Band, Exponenten von Raw Black Metal. Eine weitere Reise in den typischen Band-Klang, ein weiteres Release, das das musikalische und philosophische Credo der Band betont.

Trostlose Atmosphäre mit melodischer Komponente

Das Album eröffnet direkt in den typischen Klang mit „Released By Fire“ – ziemlich trostlose und depressive Atmosphäre mit verzweifelten Vocals und trauriger melodischer Linie. Der Klang hat eine gewisse erdrückende Qualität – die Instrumente wiederholen die dichten Akkorde, behalten den melancholischen Ton, eine Musik voll von Kontrasten und Emotionen. Verzweifelte Shouts, leidenschaftliche Shrieks und vor allem die Leadgitarre, die eine schöne melodische Komponente bringt. Ein guter Song, ein vielversprechender Opener.

Außer der Information, dass sie eine portugiesische Band sind, ist nicht viel bekannt über BLACK CILICE. Totales Mysterium und Geheimnis über die beteiligten Musiker oder Geschichte des Projekts. Promotion-Fotos sind im typischen Old-School Black Metal Spirit – zeigen eine Person mit Corpsepaint. Daher könnte es ein Ein-Mann-Projekt sein, das sind bereits Spekulationen. Wir bleiben ausschließlich bei der Musik, wie immer in solchen Situationen.

Ein anderer Ton startet „Vows Sworn For Centuries“ – auch wenn es mehr wie eine Fortsetzung des vorherigen Songs ist, hat sich die ganze Stimmung in eine erdrückendere und aggressivere verschoben. Nicht so melodisch wie der Opener, dennoch keine große Abweichung von diesem Klangbild. Leidenschaftliche Vocals, gnadenlose Drums und kontinuierliche Tremolo-gepickte Leadgitarre bringen die Melodie mit großem Wiederholungsfaktor.

Rohe Lo-Fi-Produktion erschwert musikalische Unterscheidung

Die Produktion ist roh, fast Lo-Fi – außer disparaten Schreien und Shouts und von Zeit zu Zeit klarer Leadgitarre nicht viel Klarheit im Klang. Nur wenige Akzente auf einem Meer von Geräuschen. Man sollte allerdings nichts anderes erwarten von einem deklarierten Raw Black Metal als Stil. Nicht notwendigerweise eine erfreuliche Erfahrung – der Exzess an Rohheit, der abrasive und schlammige Klang machen es schwer, die Musik zu unterscheiden. Das ist die künstlerische Vision der Band.

Noch dissonanter und roher kommt „Into The Inner Temple“ – auch langsamer und simpler als Songwriting, mehr wie ein kontinuierlicher Fuzz, hier und da übergossen mit gequälten Schreien. Weniger zugänglich als Musik, höchstwahrscheinlich näher am Band-Credo und Vision. Nicht viel musikalische Substanz auch, entwickelt sich in mehr und mehr aggressives Territorium.

Der finale Song „Deconstruction Of All Realities“ setzt den langsameren Ansatz fort, sehr bald hebt frenetisches Schlagzeugspiel das Tempo signifikant. Auch nichts wirklich Neues oder Anderes mit dem Song. Dynamischer als der Rest der Songs, viele Tempowechsel, gut kontrolliert, lässt die Melodie fließen ohne große Brüche, auch ohne Überraschungen. Sehr triumphale, epische Atmosphäre dominiert den Song, mit meist positiver Stimmung gewählt für den finalen Teil des Albums.

Kohärenz ohne Höhepunkte oder Akzente

Raw Black Metal ist immer eine schwierige Aufgabe – die Balance zwischen Musikalität und Rohheit ist schwer im Gleichgewicht zu halten. Jonglierend zwischen triumphalen Stimmungen oder depressiven, purem aggressivem Klang oder melodischem – ein Album, das trotz all dem ein kohärentes Werk ist. Die musikalische Richtung ist klar und durch das Album verfolgt, wie es auf der gesamten Band-Diskografie war. Von diesem Standpunkt keine große Abweichung von den alten Alben.

Ziemlich uniformer Klang – ein Hörerlebnis, das ohne viele Akzente oder Höhepunkte kommt. Sehr ähnlich als Kompositionen, die Songs sind ziemlich gleichartig, eine geradlinige Arbeit allerdings, die einer klaren Vision und Richtung folgt. Kann auch der rohe Klang sein, der keine Kontraste klar unterstreichen lässt, und als Konsequenz die lineare und überraschungslose Erfahrung. Nichts Bahnbrechendes, dennoch eine konsequente Umsetzung ihrer Vision.

Fazit: BLACK CILICE bleiben mit „Votive Fire“ ihrem Raw-Black-Metal-Credo treu – kohärent, aber ohne Variation oder neue Impulse.

Internet

BLACK CILICE - Votive Fire

The Dead Daisies – Live Plus Five

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The Dead Daisies - Live Plus Five - album cover
The Dead Daisies - Live Plus Five - album cover

Band: THE DEAD DAISIES 🇦🇺
Titel:  Live Plus Five
Label: The Dead Daisies Pty Ltd. / OPEN
VÖ: 01.05.2026
Genre: Hard Rock / Classic Rock / Alternative Rock

Tracklist

Disc 1

  1. Long Way To Go
  2. Rise Up
  3. Dead And Gone
  4. Light ’Em Up
  5. Bustle And Flow
  6. I Wanna Be Your Bitch
  7. I’m Gonna Ride
  8. Take A Long Line
  9. Going Down
  10. Fortunate Son
  11. Mexico
  12. Midnight Moses
  13. Resurrected
  14. Helter Skelter

Disc 2

  1. I’m Ready
  2. Black Betty
  3. Unspoken
  4. Last Time I Saw The Sun
  5. Get A Haircut

Besetzung

John Corabi – Gesang
Doug Aldrich – Gitarre
David Lowy – Gitarre
Michael Devin – Bass
Tommy Clufetos – Schlagzeug

Bewertung:

4/5

Ach ja, die Dead Daisies, wer kennt sie nicht? Diese Band ist seit Jahren so etwas wie der reisende Hard-Rock-Zirkus mit sehr gut gefülltem Werkzeugkoffer: große Namen, große Riffs, große Bühnenroutine. Doch »Live Plus Five« wirkt nicht wie eine weitere Veröffentlichung nach dem Motto „Hauptsache, es steht etwas Neues im Regal“. Das Album zeigt vielmehr, warum diese Truppe live noch immer funktioniert: weil sie ihre Songs nicht verwaltet, sondern mit ordentlich Druck, Spielfreude und klassischer Rock-Attitüde auf die Bretter stellt.

Livealbum der authentischen Reproduktion!

Der Kern von »Live Plus Five« basiert auf dem Mitschnitt vom Stonedead Festival 2025 und wird um fünf zusätzliche Live-Tracks ergänzt. Das ist grundsätzlich eine gute Idee, denn THE DEAD DAISIES sind keine Band, die man zwingend unter Studioglas betrachten muss. Ihre Musik braucht Bewegung, Lautstärke und dieses leicht verschwitzte Gefühl einer Bühne, auf der nicht lange gefackelt wird. Genau das kommt hier sehr ordentlich rüber. Schon »Long Way To Go«, »Rise Up« und »Dead And Gone« zeigen, dass die Band nicht lange warmlaufen muss. Der Motor springt an, röhrt kurz auf und dann geht es nach vorne.

Produktion mit Druck und Luft

Besonders stark ist die Produktion. »Live Plus Five« klingt satt, direkt und angenehm räumlich, ohne den Live-Charakter glattzubügeln. Die Gitarren haben Biss, die Drums stehen breit im Mix, der Bass gibt dem Ganzen ordentlich Bauch, und John Corabi sitzt mit seiner Stimme genau dort, wo er hingehört: mitten im Geschehen. Das klingt nicht nach nachträglich poliertem Live-Souvenir, sondern nach einer Aufnahme, die den Abend einfangen will, ohne ihn künstlich aufzupumpen. Gerade bei Songs wie »Light ’Em Up« und »Bustle And Flow« zahlt sich das aus, weil Groove, Riff und Gesang genügend Platz bekommen, um wirklich zu arbeiten.

Corabi und Aldrich als sichere Bank

John Corabi ist auf diesem Album ein echtes Pfund. Seine Stimme hat genau diese raue, erfahrene Rock-Färbung, die man für solches Material braucht. Kein Gekreische um der Wirkung willen, kein übertriebener Pathos-Ausflug, sondern ein Frontmann, der weiß, wie man eine Bühne kontrolliert. Dazu kommt Doug Aldrich, der seine Gitarrenparts mit viel Klasse und Feuer ausspielt. Seine Leads wirken nie wie Fremdkörper, sondern geben den Songs zusätzliche Spannung. Zusammen mit David Lowy, Michael Devin und Tommy Clufetos entsteht eine Bandchemie, die nicht nur auf Namen basiert, sondern hörbar funktioniert.

Klassischer Hard Rock ohne Museumstaub

Natürlich erfinden THE DEAD DAISIES auf »Live Plus Five« nichts neu. Aber mal ehrlich: Wer erwartet das hier? Diese Band steht für klassischen Hard Rock mit breiter Brust, bluesigem Unterbau und genug Stadionformat, um auch große Bühnen zu füllen. Entscheidend ist, dass die Songs nicht nach bloßer Vergangenheitspflege klingen. »Make Some Noise« und »Song And A Prayer« bringen genau diese direkte Rock-Energie mit, bei der man nicht lange über Subgenres nachdenken muss. Das ist Musik, die nicht diskutieren will, sondern den Verstärker aufdreht.

Coverversionen mit ordentlich Zug

Auch die Coverstücke fügen sich gut ein. »Fortunate Son«, »Midnight Moses« und »Helter Skelter« sind natürlich keine unbekannten Nummern, aber THE DEAD DAISIES behandeln sie nicht wie zerbrechliche Museumsstücke. Sie nehmen die Songs, drücken ihnen ihren eigenen Bühnenstempel auf und lassen sie ordentlich laufen. Besonders »Helter Skelter« bekommt genau die richtige Mischung aus Respekt, Kante und Kontrollverlust. Das ist nicht revolutionär, aber es macht Spaß – und manchmal ist genau das der Punkt.

Die fünf Zusatzstücke als Bonus mit Sinn

Die zusätzlichen fünf Tracks sind kein lieblos angeklebter Nachschlag. »I’m Ready«, »Black Betty«, »Unspoken«, »Last Time I Saw The Sun« und »Get A Haircut« erweitern das Album sinnvoll und zeigen noch einmal andere Facetten der Band. Besonders »Black Betty« passt mit seinem treibenden Charakter hervorragend zu diesem rauen Live-Rahmen. Zwar merkt man an einigen Stellen, dass diese Songs nicht komplett aus demselben Konzertfluss stammen, doch das stört den Gesamteindruck kaum. Vielmehr wirkt es wie ein gut gefüllter Zugabenteil nach einem ohnehin schon kräftigen Set.

Handwerk, Erfahrung und Spielfreude

Was »Live Plus Five« so angenehm macht, ist die Selbstverständlichkeit. Hier spielt keine Band, die zwanghaft beweisen muss, dass sie noch relevant ist. THE DEAD DAISIES wissen, was sie können, und genau das setzen sie ein. Die Rhythmusgruppe hält alles stabil auf Kurs, die Gitarren liefern Druck und Farbe, und der Gesang gibt den Songs ihre rauchige Rock-Seele. Das ist handwerklich stark, aber nicht steril. Es hat Kraft, aber auch genug Luft zum Atmen. Genau diese Balance macht das Album hörenswert.

Nicht überraschend, aber verdammt wirkungsvoll

Wenn man meckern möchte, dann höchstens darüber, dass »Live Plus Five« keine großen Überraschungen bereithält. Die Band bewegt sich sicher auf ihrem Terrain, manchmal vielleicht sogar etwas zu sicher. Ein unerwarteterer Song im Set oder ein kleiner Ausbruch aus der Komfortzone hätte dem Ganzen noch eine zusätzliche Würze geben können. Aber das ist keine schwere Schwäche, sondern eher der Wunsch nach einem kleinen Extra bei einem ansonsten sehr stimmigen Livealbum.

Starke Livescheibe mit ehrlichem Rock-Herz

Unterm Strich ist »Live Plus Five« eine starke Livescheibe, die zeigt, warum THE DEAD DAISIES auf der Bühne funktionieren. Die Produktion ist druckvoll und transparent, die Band spielt mit sichtbarer Routine und hörbarer Lust, und die Songauswahl bietet genug Klassiker, Cover und Zusatzmaterial, um Fans ordentlich abzuholen. Das ist kein revolutionäres Livealbum, aber eines, das genau weiß, was es sein will: kerniger, ehrlicher Hard Rock mit Bühne im Blut.

Fazit: THE DEAD DAISIES präsentieren sich auf »Live Plus Five« als eingespielte Hard-Rock-Maschine mit starkem Sound, viel Bühnenenergie und einer Produktion, die den Live-Charakter überzeugend einfängt. Kein Firlefanz, keine künstliche Dramatik – einfach eine Band, die weiß, wie man Rock’n’Roll auf die Rampe schiebt.

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The Dead Daisies - Live Plus Five - CD Review

Tales OF Mike – Human

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Band: TALES OF MIKE 🇩🇪
Titel: Human
Label: Fetzner Death Records
VÖ: 31.10.2025
Genre: Epic Heavy/Doom Metal / US Metal / Power Metal

Tracklist

Besetzung

Michael „Mike“ Heß – Guitars, Drums & Recording
Gonzalo Civita – Vocals
Henrik Schaller – Lead Guitar
Matías Takaya – Mixing & Mastering

Shannon Heß – Lyrics
Bernhard „Doomchild“ Tischler – Spoken Word

Bewertung:

4/5

TALES OF MIKE ist kein Projekt, das aus einer Laune heraus entstanden ist. Hinter dem Namen steht Michael „Mike“ Heß, dessen musikalischer Weg eng mit persönlicher Trauer, Erinnerung und innerer Verarbeitung verbunden ist. Bereits die EP »Landscape Of Sorrow« war ein tief emotionales Denkmal für seinen verstorbenen Bruder Markus. Mit »Human« wird dieser Ansatz nun größer gedacht. Das Album bleibt persönlich, erweitert aber den Blick: Es geht um Durchhaltewillen, Gier, falsche Freunde, Masken, Vergänglichkeit, Verlust und die Frage, wie man als Mensch all diesen Dingen standhält, ohne selbst zu zerbrechen.

Musikalisch bewegen sich TALES OF MIKE irgendwo zwischen Epic Heavy Metal, Doom, US-Metal-Kante, Power Metal und gelegentlichen Thrash-Ausbrüchen. Das klingt auf dem Papier nach einer ziemlich vollen Werkzeugkiste, funktioniert auf »Human« aber erstaunlich geschlossen. Michael Heß komponiert und spielt den Großteil der Instrumente, Gonzalo Civita verleiht den Songs mit seiner variablen Stimme ordentlich Charakter, Henrik Schallersetzt die Soli, und Matías Takaya sorgt mit  Mix und Mastering für ein stabiles Fundament. Die Texte von Shannon Heß geben dem Album zusätzlich eine klare emotionale Handschrift.

Ein Intro als dunkle Schwelle

Mit »Nomen Est Omen« beginnt »Human« nicht direkt mit der vollen Breitseite, sondern mit einer Art Eröffnungsszene. Die gesprochenen Worte und angedeuteten Klangfragmente wirken wie ein Vorhang, der langsam zur Seite gezogen wird. Man merkt sofort: Dieses Album will nicht einfach nur Songs aneinanderreihen, sondern eine Stimmung aufbauen. Das Intro ist etwas ungewöhnlich, aber gerade dadurch bekommt der Einstieg einen eigenen Charakter. Es wirkt wie ein Hinweis darauf, dass hier Name, Schicksal und Identität eng miteinander verknüpft sind.

»Nevermore« – Aufstehen, wenn der Boden nachgibt

Der erste richtige Song »Nevermore« ist direkt ein Statement. Textlich geht es um den Moment, an dem man ganz unten angekommen ist, sich alleingelassen fühlt und trotzdem nicht liegen bleibt. Der Song dreht sich um Widerstandskraft, Selbstbehauptung und den inneren Entschluss, sich von Spott, Niederlagen und negativen Menschen nicht kleinmachen zu lassen. Das ist keine sanfte Motivationskarte mit Sonnenuntergang, sondern eher ein metallischer Tritt in den eigenen Hintern.

Musikalisch passt das hervorragend. »Nevermore« baut Spannung auf, lässt die Gitarren wuchtig arbeiten und gibt Gonzalo Civita genug Raum, seine Stimme zwischen rauer Energie und melodischer Führung auszuspielen. Besonders stark sind die Gitarrenleads von Henrik Schaller, die nicht einfach nur Fingerakrobatik bieten, sondern den Song emotional anheben. Hier zeigt sich früh, dass TALES OF MIKE nicht nur Härte, sondern auch Dramaturgie können.

»Money Tree« – Gier als grünes Gift

Mit »Money Tree« zieht das Album das Tempo an und kippt deutlich stärker in thrashige Gefilde. Textlich steht hier die Gier im Zentrum. Geld wird nicht als harmloses Mittel zum Zweck beschrieben, sondern als etwas, das Menschen verformt, Beziehungen vergiftet und Persönlichkeit unter einer glänzenden Oberfläche verschwinden lässt. Produzieren, konsumieren, vortäuschen, unterdrücken – der Song zeichnet ein ziemlich bitteres Bild davon, was passiert, wenn Besitz und Status wichtiger werden als Charakter.

Musikalisch ist »Money Tree« einer der treibendsten Momente des Albums. Die Riffs haben Biss, der Groove packt sofort zu, und der Gesang wirkt besonders angefressen. Hier ist Gonzalo Civita nicht nur Sänger, sondern Ankläger. Das Stück hat eine deutliche Thrash-Schlagseite, bleibt aber im Kern songorientiert. Kein planloses Gebolze, sondern ein wütender Track mit klarer Richtung.

»Human Masquerade« – Der hässliche Maskenball

»Human Masquerade« nimmt sich falsche Freundschaften, Neid und soziale Fassaden vor. Der Text erzählt von Menschen, die zunächst freundlich auftreten, sich später aber als neidisch, charakterlos und manipulativ entpuppen. Besonders stark ist dabei der Gedanke, dass Erfolg oder persönliche Entwicklung oft genau jene entlarven, die vorher noch an deiner Seite standen. Sobald man aus der Reihe tanzt, fallen die Masken.

Tales Of Mike
Gepostet mit freundlicher Genehmigung durch Mike

Der Song lebt von dieser Enttäuschung und Wut. TALES OF MIKE setzen das musikalisch mit ordentlich Druck um. Die Mischung aus Heavy-Metal-Wucht und Speed-Metal-Energie passt perfekt zu dieser Abrechnung. »Human Masquerade« ist kein feines Psychogramm mit Samthandschuhen, sondern eher der Moment, in dem jemand auf dem Ballsaal das Licht anmacht und alle plötzlich sehen, wer da wirklich tanzt.

»Ancient Mirror« – Wenn der Spiegel zurückschlägt

Mit »Ancient Mirror« wird es deutlich düsterer. Textlich arbeitet der Song mit dem Motiv eines Spiegels, der nicht Schönheit zeigt, sondern Sünden, Schwächen und das wahre Selbst sichtbar macht. Der Spiegel wird zum Richter, der Täuschung nicht duldet und die dunklen Seiten des Menschen ans Licht zerrt. Das ist fast schon Gothic-Horror im Metal-Gewand und passt hervorragend zur dunkleren Seite des Albums.

Musikalisch taucht »Ancient Mirror« tiefer in doomige und stellenweise fast death-doomige Bereiche ein. Die Growls, die schwereren Riffs und die unheilvolle Atmosphäre geben dem Song eine besondere Schwere. Gleichzeitig bleiben melodische Elemente erhalten, wodurch das Stück nicht nur finster, sondern auch greifbar bleibt. Einer der atmosphärisch stärksten Songs des Albums.

»Hourglass« – Die Sanduhr läuft für alle

»Hourglass« behandelt ein klassisches, aber immer wirksames Thema: Vergänglichkeit. Der Text macht klar, dass die Zeit für jeden läuft und niemand sich dauerhaft vor dem Ende verstecken kann. Gleichzeitig ist der Song nicht rein fatalistisch. Vielmehr steckt darin die Aufforderung, das eigene Leben bewusst zu nutzen, kein schlechter Mensch zu sein und sich nicht von Angst auffressen zu lassen.

Musikalisch überrascht »Hourglass« mit viel Energie. Nach den dunkleren Momenten wirkt der Song fast wie ein Aufbrechen aus dem Schatten. Die thrashigen Anteile geben dem Stück Tempo, während die Melodien dafür sorgen, dass der Gedanke hinter dem Song nicht untergeht. Besonders die Gitarrenarbeit bringt hier ordentlich Feuer ins Spiel. Das ist einer dieser Tracks, bei denen man merkt, dass TALES OF MIKE auch dann nach vorne gehen können, wenn das Thema eigentlich schwer auf den Schultern liegt.

»Abandoned« – Verlassenheit als innerer Kerker

»Abandoned« ist der emotionale Brocken des Albums. Textlich geht es um Einsamkeit, zerstörte Bindungen, innere Leere und das Gefühl, von allem verlassen zu sein, sogar von dem, woran man einst geglaubt hat. Der Song betrachtet aber nicht nur das passive Verlassenwerden. Er zeigt auch, wie Menschen selbst alles hinter sich lassen, andere verletzen und irgendwann in einer selbstgebauten Isolation landen.

Mit über sechs Minuten bekommt »Abandoned« den Raum, den dieses Thema braucht. Musikalisch ist der Song schwer, atmosphärisch und sehr eindringlich. Gonzalo Civita kann hier seine ganze Bandbreite ausspielen: gequälte Tiefen, klare Linien, dunkle Ausbrüche. Der Track wirkt wie ein Gang durch ein verlassenes Haus, in dem noch überall Spuren von früheren Beziehungen liegen. Kein leicht verdaulicher Song, aber einer der stärksten Momente auf »Human«.

»Swan Song« – Abschluss ohne Kapitulation

Der abschließende »Swan Song« wirkt wie ein Resümee der gesamten Platte. Textlich blickt der Song auf erlittene Verluste, Verrat und schwere Wege zurück, ohne in Resignation zu kippen. Es geht um Abschluss, um Gerechtigkeit, um das Entlarven falscher Menschen und um die Erkenntnis, dass eine Reise zu Ende gehen kann, ohne dass alles verloren ist.

Musikalisch bringt »Swan Song« noch einmal Energie und Melodie zusammen. Der Song fühlt sich nicht wie ein müdes Auslaufen an, sondern wie ein bewusster Schlussstrich. Was gesagt werden musste, wurde gesagt. Was wehgetan hat, wurde verarbeitet. Und auch wenn die Vergangenheit nicht verschwindet, verliert sie ein Stück weit ihre Macht. Ein starker Abschluss, der das Album nicht dunkel versiegelt, sondern eine vorsichtige Aufbruchsstimmung zulässt.

Vielseitigkeit mit rotem Faden

Was »Human« besonders gelungen macht, ist die Balance. Das Album springt zwischen Epic Heavy Metal, Doom, Power Metal und Thrash-Anteilen, verliert dabei aber nicht seinen Kern. Die Songs wirken unterschiedlich, gehören aber trotzdem zusammen. Das liegt vor allem an der emotionalen Grundhaltung, an Gonzalo Civitas markantem Gesang und an den durchgehend starken Gitarrenmomenten.

Die Produktion ist druckvoll und klar, ohne dem Material seine Schwere zu nehmen. Die Gitarren haben genug Raum, die Soli glänzen, der Bass stabilisiert das Ganze, und die Drums geben den Songs die nötige Durchsetzungskraft. Besonders stark ist, dass die Platte trotz ihrer Themen nicht im reinen Schwermut versinkt. »Human« ist dunkel, ja, aber nicht hoffnungslos. Es ist ein Album über Verletzungen, falsche Menschen und Vergänglichkeit, aber auch über Widerstand, Erkenntnis und Selbstbehauptung.

Ein persönliches Album mit metallischem Rückgrat

TALES OF MIKE machen auf »Human« nicht einfach nur Musik über schwere Themen. Man merkt dem Album an, dass hier persönliche Erfahrungen, familiäre Verbundenheit und echte Verarbeitung eine Rolle spielen. Gerade die Texte von Shannon Heß geben den Songs eine direkte, oft symbolische Sprache, die gut zu Michaels musikalischer Handschrift passt. Dazu kommen starke Gastbeiträge, allen voran der ausdrucksstarke Gesang von Gonzalo Civita und die gefühlvollen wie technisch sauberen Soli von Henrik Schaller.

Nicht jeder Übergang ist völlig glatt, und manchmal wirkt die stilistische Bandbreite fast etwas übermütig. Aber genau diese Mischung macht »Human« auch spannend. Das Album will nicht nur Doom sein, nicht nur Power Metal, nicht nur Thrash-Ausbruch. Es will menschliche Abgründe und Widerstandskraft in verschiedene metallische Formen gießen. Und das gelingt über weite Strecken sehr überzeugend.

Fazit: TALES OF MIKE schaffen mit »Human« ein emotional aufgeladenes, vielseitiges und stark gesungenes Album, das Epic Heavy Metal, Doom, Thrash und Power-Metal-Anteile zu einem persönlichen Gesamtbild verbindet. Die Songs erzählen von Schmerz, Gier, falschen Masken, Vergänglichkeit und dem Willen, trotzdem weiterzugehen. Kein einfacher Stoff, aber genau deshalb ein Werk mit Substanz.

Album anhören!:

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Tales OF Mike - Human - CD Review

Riverflame – Lunar Crusades

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Riverflame - Lunar Crusades - album cover
Riverflame - Lunar Crusades - album cover

Band: RIVERFLAME 🇬🇷
Titel: Lunar Crusades
Label: code666 / Aural Music
VÖ: 24/04/26
Genre: Epic Medieval Black Metal / Melodic Black Metal

Tracklist

01. Riverflame
02. Where Dragons Once Ruled
03. Lunar Crusades
04. Through Mistlands of Unearthly Worlds
05. Before the Eternal Night

Besetzung

Haris – Guitars, Synths
Abro – Bass
Romain Nobileau – Vocals
Hakon Freyr Gustafsson – Drums

Bewertung:

4,5/5

Im Black Metal gibt es Veröffentlichungen, die schon auf den ersten Blick Neugierde wecken. Der geneigte Rezensent jedenfalls hat noch nie von Medieval Black Metal gehört, zumindest nicht als so selbstbewusst gesetzte Ansage. RIVERFLAME machen mit »Lunar Crusades« aber ziemlich schnell klar, dass dieser Begriff nicht bloß nach Fantasy-Aufkleber auf der Rüstung klingt, sondern tatsächlich Programm ist. Hier treffen melodischer Black Metal, epische Synth-Flächen und ein Hauch Dungeon-Synth aufeinander, ohne dass das Ganze wie ein billiger Mittelaltermarkt mit Blastbeats wirkt.

Wenn Black Metal plötzlich Banner trägt

Schon »Riverflame« öffnet das Album wie ein Tor zu einer halb vergessenen Festung. Der Song nimmt sich Zeit, baut Atmosphäre auf und setzt nicht nur auf Raserei, sondern auf Wirkung. Die Gitarren arbeiten melodisch, die Drums treiben nach vorne, und über allem liegen Synth-Schichten, die dem Stück sofort eine erzählerische Größe geben. Das klingt nicht nach Keller, sondern nach Nebel über alten Mauern, nach Mondlicht auf rostigem Stahl und nach einem Prolog, der mehr will als nur laut sein.

Das inspirierte Sounddesign als große Stärke

Das Sounddesign ist einfach fantastisch. Und zwar nicht nur, weil »Lunar Crusades« gut produziert ist, sondern weil die Klanggestaltung hier ein zentraler Teil der Musik wird. Dieses Album ist nicht nur kompositorisch fantastisch, sondern auch im Sounddesign inspirierend und einfach mehr als nur eine weitere Black-Metal-Produktion. Die Synths sind keine bloße Dekoration im Hintergrund, sondern öffnen Räume, setzen Farbtöne und geben den Songs diese mittelalterlich-phantastische Tiefe.

Man hört, dass hier nicht einfach ein paar Keyboardflächen über fertige Riffs gelegt wurden. Die Atmosphäre ist fest in die Songs eingewoben. Gitarren, Schlagzeug, Bass und Synths greifen ineinander, sodass »Lunar Crusades« wie ein geschlossenes Klanggemälde wirkt. Das ist episch, aber nicht aufgeblasen; atmosphärisch, aber nicht beliebig. Genau darin liegt die Klasse dieser Platte.

Drachen, Galopp und Melodie

Mit »Where Dragons Once Ruled« legen RIVERFLAME noch einmal ordentlich nach. Der Song wirkt fokussierter, treibender und fast schon kämpferisch. Die Drums haben diesen galoppierenden Zug, während die Gitarren heroische Linien ziehen, ohne den Black-Metal-Kern zu verlieren. Das Stück klingt wie der Blick auf ein untergegangenes Reich: groß, stolz, aber schon vom Staub der Vergangenheit bedeckt.

Hier zeigt sich besonders deutlich, dass RIVERFLAME nicht nur Atmosphäre stapeln, sondern auch Songs schreiben können. »Where Dragons Once Ruled« besitzt Dynamik, Entwicklung und genug melodische Widerhaken, um hängen zu bleiben. Das ist nicht nur lang und breit, sondern wirklich dramaturgisch gedacht.

Der Titeltrack als Mondlicht zwischen zwei Schlachten

Der Titeltrack »Lunar Crusades« nimmt danach spürbar Tempo heraus und funktioniert fast wie ein atmosphärisches Zwischenspiel. Hier rücken die Synths stärker in den Vordergrund, und plötzlich steht weniger der Kampf im Mittelpunkt als der Blick in eine fremde, silbrig beleuchtete Landschaft. Das ist ein kluger Kontrast, weil das Album dadurch nicht in Dauerpathos versinkt.

Gerade dieser kurze Moment zeigt, wie sicher die Band ihre Stimmung führt. »Lunar Crusades« als Song wirkt wie ein Atemzug vor dem nächsten Marsch, wie ein stiller Blick auf den Horizont, bevor wieder Stahl auf Stein trifft. Das ist schlicht, aber sehr wirkungsvoll.

Durch Nebellande und alte Welten

»Through Mistlands of Unearthly Worlds« ist dann wieder große Leinwand. Schon der Titel klingt nach einer alten Karte, die irgendwo zwischen Kerzenschein und Spinnweben ausgerollt wird. Musikalisch erfüllt der Song dieses Versprechen. Die Gitarren ziehen weite Linien, die Synths legen sich wie kalter Dunst über die Struktur, und die Rhythmik hält das Ganze stabil auf Kurs.

Besonders stark ist, dass der Song trotz seiner Länge nicht auseinanderfällt. Die Band arbeitet mit wiederkehrenden Motiven, baut Spannung auf und lässt die helleren, heroischen Passagen immer wieder gegen dunklere Momente anlaufen. Das ist Fantasy-Black-Metal mit Haltung und keine Kostümparty im Burghof.

Finale vor der ewigen Nacht

Mit »Before the Eternal Night« bekommt »Lunar Crusades« ein starkes Finale. Der längste Song des Albums bündelt noch einmal alles, was diese Platte ausmacht: melodische Black-Metal-Riffs, epische Synth-Architektur, atmosphärische Weite und diesen leicht theatralischen Unterton, der hier wunderbar passt. Das Stück wirkt wie ein letzter Marsch in die Dunkelheit, nicht hektisch, sondern entschlossen.

Gerade im letzten Drittel zeigt sich, wie gut RIVERFLAME Atmosphäre soundtechnisch aufbauen können. Die Musik bekommt Raum, wächst, zieht sich zurück und öffnet sich wieder. So entsteht ein Abschluss, der nicht einfach nur endet, sondern das Album wirklich abrundet.

Alles andere als Genre-Gimmick

Natürlich kann man bei »Lunar Crusades« an epische Black-Metal-Größen denken, aber RIVERFLAME wirken nicht wie eine bloße Nachhut bekannter Vorbilder. Dafür hat das Album zu viel eigene Energie. Vor allem die Verbindung aus melodischer Gitarrenführung, starker Synth-Arbeit und diesem fantastischen Sounddesign gibt der Platte ein klares Profil.

Kleine Abstriche gibt es höchstens dort, wo der Pathos kurz sehr breit aufgetragen wird. Nicht jeder Moment ist subtil, aber mal ehrlich: Wer bei einem Album namens »Lunar Crusades« nüchterne Sachbearbeiter-Riffs erwartet, hat sich vermutlich im falschen Königreich verlaufen. Diese Platte will groß klingen, und meistens gelingt ihr das richtig gut.

Starkes Debüt mit eigener Welt

Unterm Strich ist »Lunar Crusades« ein beeindruckendes Debüt, das Medieval Black Metal nicht als albernes Etikett benutzt, sondern als ernst gemeinte Klangwelt ausformt. Das Album ist kompositorisch stark, atmosphärisch dicht und vor allem soundtechnisch inspirierend. RIVERFLAME erschaffen hier nicht einfach nur Songs, sondern ganze Szenen: Nebel, Mondlicht, Ruinen, Schlachtfelder und ein Gefühl von alter, bröckelnder Größe.

Fazit: RIVERFLAME gelingt mit »Lunar Crusades« ein episches, melodisches und fantastisch klingendes Black-Metal-Werk, das weit mehr ist als eine weitere Genreproduktion. Das Sounddesign hebt die Platte auf ein eigenes Niveau und macht aus starken Kompositionen ein echtes Kopfkino zwischen Mondschein, Stahl und Legende.

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Riverflame - Lunar Crusades - CD Review

Android 86 – Lacerta

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Android 86 - Lacerta - Single cover
Android 86 - Lacerta - Single cover

Interpret: ANDROID 86 🇺🇸
Titel: Lacerta
Format: Single
Genre: Industrial Metal / Cyber Metal / Electronicore

Tracklist

01. Lacerta

Besetzung

Anthony D. – Gitarre, Bass, Produktion, Programming, Vocals

Bewertung:

4,5/5

Industrial Metal ist nicht unbedingt jedermanns Cup of Tea, doch bei dem Soloprojekt ANDROID 86 steckt hinter dem Maschinenlärm deutlich mehr als bloß kaltes Stampfen und digitale Effekthascherei. Anthony Damasco verbindet auf »Lacerta« schwere Gitarren, dunkle Elektronik und ein verschwörungsgeladenes Konzept zu einem Track, der sofort eine eigene Welt aufzieht.

Wenn Paranoia Groove bekommt

Thematisch greift »Lacerta« die sogenannten Lacerta Files auf, also eine bizarre Mythologie um verborgene Spezies, uralte Mächte, Manipulation und Wahrheiten, die besser im Schatten geblieben wären. Das klingt nach Aluhut-Futter, wird hier aber nicht platt ausgeschlachtet. Stattdessen nutzt ANDROID 86 diese Idee als dunklen Erzählrahmen für Misstrauen, Kontrollverlust und ein Weltbild, das langsam Risse bekommt.

Sounddesign mit echter Sogwirkung

Das Sounddesign ist einfach fantastisch. »Lacerta« ist nicht nur kompositorisch fantastisch, sondern auch im Sounddesign inspirierend und einfach mehr als nur eine weitere Industrial-Metal-Produktion. Die elektronischen Elemente wirken nicht wie Beiwerk, sondern wie ein Teil der Geschichte. Sie flackern, zischen und schieben sich zwischen die schweren Gitarren, während Drums und Bass dem Stück ein sattes, mittleres Stampfen verleihen.

Starke Stimmen, starke Atmosphäre

Besonders gut funktioniert der Kontrast aus massiver Instrumentierung und hypnotischem weiblichem Gesang. Die Stimme bringt eine unheimliche, fast außerweltliche Note hinein, während die männlichen Vocals von Anthony Damasco dem Song zusätzliche Härte geben. Dadurch entsteht eine spannende Mischung aus Bedrohung, Melodie und maschineller Kälte.

Kurz, schwer und wirkungsvoll

»Lacerta« hetzt nicht, sondern baut Druck auf. Die Gitarren sind präzise gesetzt, der Groove sitzt, und die Produktion bleibt trotz dichter Atmosphäre klar und druckvoll. Genau das hebt den Track über viele Genre-Standards hinaus. Hier wird nicht nur Industrial Metal gespielt, hier wird eine kleine dunkle Welt gebaut.

Fazit: ANDROID 86 gelingt mit »Lacerta« eine starke, düstere und hervorragend produzierte Industrial-Metal-Single. Das fantastische Sounddesign, die schwere Rhythmik und die erzählerische Tiefe machen den Track zu mehr als bloßer Maschinenmusik.

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ANDROID 86 - Lacerta - Single Review