Kaum zu glauben, aber dieses Special geht dem Ende entgegen, denn während Ihr das lest, ist der letzte Teil schon so gut wie fertig und wird spätestens Ende der kommenden Woche auch online sein.
Wie Euch sicher auffallen wird, ist dieser Teil im Gegensatz zu Teil I und II nicht mehr ganz so üppig. Ebenfalls nicht allzu ausladend wird der letzte Teil dieser Odyssee ausfallen.
Dies liegt vor allem an dem Umstand, dass wir viele Alben schon rezensiert haben, die uns wichtig waren, was ein Privileg ist. Ebenfalls entdecken wir noch immer Alben aus dem vergangenen Jahr, was sich locker noch bis in den Frühling ziehen wird.
So ist beispielsweise die aktuelle Bullet meine erste Anschaffung aus dem neuen Jahr gewesen, während ich gerade erst die aktuelle Flaming Row aus dem letzten Oktober entdeckt habe. »Kickstarter« durfte ich übrigens schon lange vor der Veröffentlichung hören. Wer dieses Privileg erfahren möchte und es sich zutraut, eine Rezension zu schreiben, einen Livebericht zu verfassen oder ein Interview zu führen, kann sich gerne hier bewerben!
Ich wünsche allen viel Spaß bei Schmökern, Probehören und Entdecken!
Juli

CLAIRVOYANCE 🇵🇱 – Chasm Of Immurement (Death Metal)
(Carbonized Records, 18.07.25)
CLAIRVOYANCE präsentieren auf ihrem Debütalbum eine äußerst aggressive Form von Death Metal, geprägt von tiefen Growls, wuchtigen Riffs und einem konstant hohen Tempo. Nach mehreren gut aufgenommenen Kurzveröffentlichungen zeigt die polnische Band mit „Chasm Of Immurement“ nun eindrucksvoll ihre ganze Härte. Trotz einzelner melodischer Momente dominiert eine unnachgiebige Abfolge massiver Riffkaskaden, unheilvoller Growls und verzweifelter Schreie. Das Rhythmusfundament ist permanent unter Spannung, furios und antreibend, wird jedoch immer wieder von kürzeren, doomigeren Passagen unterbrochen, die ebenso drückend und von einer höllischen Atmosphäre durchzogen sind. Grotesk, morbide, stark dissonant, dabei jedoch kontrolliert und strukturiert umgesetzt – ein Album, das massive Härte mit präziser Umsetzung verbindet und sich hervorragend zum Headbangen eignet. (3,5/5) Voicu

ARKHAAIK 🇨🇭 – Uihtis (Blackened Death/Doom Metal)
(Eisenwald, 25.07.25)
Sechs Jahre nach dem Debüt melden sich ARKHAAIK aus Zürich mit einem lange erwarteten neuen Werk zurück, das inhaltlich und stilistisch konsequent an den Vorgänger anknüpft. Die Musik bewegt sich in einem eigenständigen Spannungsfeld zwischen aggressivem Blackened Death Metal und archaischen Elementen: rituelle Gesänge, tribalartige Rhythmen, obsessive Klagelaute und zahlreiche folkloristische Einflüsse prägen den Gesamteindruck. Diese unterschiedlichen Ansätze fließen organisch ineinander, wechseln mühelos zwischen dominanter Death-Metal-Wucht und den gegensätzlichen, fast meditativen Momenten, ohne je konstruiert zu wirken. Mit nur vier Stücken folgt „Uihtis“ einer klaren Doom-Tradition und besitzt nahezu konzeptuellen Charakter. Gerade Songs wie „Geutores Suhnos“ oder „Kerhos Mehnsos“ stechen hervor, da sie die verschiedenen Einflüsse besonders ausgewogen und wirkungsvoll verbinden. Die Mischung weist eine gewisse Eigenwilligkeit auf und kann stellenweise verstörend wirken, entfaltet jedoch insgesamt eine starke Sogwirkung und behauptet sich als unverwechselbare Veröffentlichung in einer überfüllten Metal-Landschaft. (4/5) Voicu

BLOODLETTER 🇺🇸 – Leave The Light Behind (Melodic Thrash Metal)
(Wise Blood Records, 25.07.25)
Die aus Chicago stammende Band BLOODLETTER liefert mit „Leave The Light Behind“ kraftvollen Thrash Metal mit deutlicher melodischer Ausrichtung. Während bereits die früheren Veröffentlichungen überzeugten, hebt dieses Album das Niveau nochmals spürbar an. Ein konstant hohes Tempo, prägnante Riffs und tremolo-geführte Leadgitarren erzeugen eine starke melodische Linie, besonders deutlich in Stücken wie „On Blackened Wings“, das sogar Anklänge aus dem Black Metal erkennen lässt. Auch Songs wie „Terminal“, „Unearthing Darkness“ oder „Call Of The Deep One“ verbinden den typischen Thrash-Antrieb mit unterschiedlich stark ausgeprägten melodischen Elementen. Diese genreübergreifende Herangehensweise funktioniert über die gesamte Spielzeit hinweg und sorgt für einen durchgehend kurzweiligen Hörfluss. Der Wechsel zwischen aggressiven Riffattacken und melodischeren Passagen unterstreicht den charakteristischen Stil der Band, inklusive der markanten, bellenden Vocals. Für Thrash-Metal-Fans stellt „Leave The Light Behind“ eine lohnende und überzeugende Veröffentlichung dar. (4/5) Voicu
August

CENTURIES OF DECAY 🇨🇦 – A Monument To Oblivion (Progressive Death Metal)
(Independent, 01.08.25)
Acht Jahre nach ihrem gelungenen Debüt kehren CENTURIES OF DECAY mit einem neuen, äußerst beeindruckenden Album zurück. Die kanadische Band bewegt sich im Death Metal, erweitert diesen jedoch um progressive Elemente, die sich weniger im Klangbild als vielmehr in der Struktur und Komplexität der Kompositionen widerspiegeln. Die Songs sind vielschichtig, bleiben dabei aber stets direkt, aggressiv und technisch versiert umgesetzt. Melodische Akzente und vereinzelte, entfernt wirkende Clean-Vocals mit progressiver Anmutung treffen auf massives, unerbittliches Drumming, schwere Riffs und eine insgesamt erdrückende Atmosphäre. Der Stil geht über klassischen Progressive Death Metal hinaus, da auch Metalcore-Ansätze sowie Passagen aus dem Technical Death Metal erkennbar sind. Vom dynamischen und aggressiven Opener „Cauterize“ über den titelgebenden Track „A Monument To Oblivion“ mit seinen dramatischen Tempowechseln bis hin zu „Tempest“, das mit einer nostalgischen Note den Abschluss bildet, bleibt das Album abwechslungsreich, ohne an Intensität zu verlieren. Ein Werk, das insbesondere Genre-Fans eine genauere Auseinandersetzung verdient. (3,5/5) Voicu

MEHRWERTSTEUER 🇩🇪 – Krone Der Schöpfung (Melodic Black/Death Metal)
(Selfrelease, 08.08.25)
Black Metal über finanzielle Themen, Börse, Bürokratie, wirtschaftliche Zusammenhänge, Besteuerung und staatliche Wirtschaftspolitik – allein diese Ausgangsbasis macht neugierig auf die Musik von MEHRWERTSTEUER und ihr Debütalbum „Krone Der Schöpfung“. Und tatsächlich folgt eine positive Überraschung: Ein dominanter Black-Metal-Sound, kombiniert mit Elementen aus dem Death Metal, funktioniert auf Albumlänge ausgesprochen gut. Die Songs sind eingängig, melodisch und dynamisch aufgebaut. Klanglich erinnert das Album stellenweise stark an die neue deutsche Black-Metal-Sensation Kanonenfieber. Das Ein-Mann-Projekt MEHRWERTSTEUER, hinter dem sich der Musiker unter dem Pseudonym „Der Vorstand“ verbirgt, behandelt seine Texte dabei nicht parodistisch, sondern klar kritisch und analytisch im Hinblick auf moderne Gesellschafts- und Wirtschaftsthemen. Atmosphärische Passagen treffen auf schwere, aggressive Abschnitte, permanent begleitet von tremolierten Gitarrenlinien. Gut komponierte Songs mit vielen einprägsamen Momenten machen „Krone Der Schöpfung“ zu einem interessanten und überzeugenden Debüt. (4/5) Voicu
Haunt 🇺🇸 – Ignite (Heavy Metal)
(Church Recordings, 13/08/25)
Bandleader Trevor Church macht was er jedes Jahr macht, nämlich ein Album raushauen. Kritiker werfen HAUNT gerne vor, Masse statt Klasse abzuliefern, objektiv betrachtet macht die Band jedoch beides. Keines der bisher zehn Alben plus ein Akustikwerk ist auch nur annähernd durchschnittlich und nach dem großartigen Dreamers folgte mit »Ignite« das vielleicht sogar beste Album. Was hier an Melodien (»Soaring Through The Ages«, »Not The Same«, »With Our Angel«!) abgefeurt wird, ist schlicht überragend. Auch der melancholische Gesang passt besser denn je zum düsteren, teilweise pechschwarzen Grundton der Scheibe. »Extraordinary Life«, »Long Cold Lonely Winter« und das schleppend depressive »If I Said Goodbye« sind dabei die Sahnehäubchen eines durchgehend beeindruckenden Albums. (4,5/5) Daniel

BAEST 🇩🇰 – Colossal (Death Metal)
(Century Media, 15.08.25)
Über klassischen Death Metal hinausgehend präsentieren BAEST auf ihrem aktuellen Album „Colossal“ eine stilistische Mischung aus Heavy Metal, Death/Doom, Metalcore und vor allem groovebetonter Ausrichtung. Blastbeat-dominierte Passagen wechseln sich mit simpleren, rhythmusgitarrengetragenen Teilen ab, langsame und erdrückende Riffs stehen schnellen, galoppierenden Momenten gegenüber. Das Album zeigt viele Facetten der Band. Für manche Hörer zu vielseitig und ohne klare Linie, für andere ein klares Jahres-Highlight – „Colossal“ ist ein polarisierendes Album. Höhepunkte sind etwa „King Of The Sun“ mit Jesper Binzer (D-A-D), das stark im Heavy Metal verwurzelt ist, oder „Mouth Of The River“, ein melodisch geprägter Death-Metal-Track. Insgesamt bewegt sich das Album permanent zwischen Genres, bietet eingängige Melodien und einige starke Riffs. Stilistisch vielleicht etwas hektisch und unentschlossen, musikalisch aber mit vielen gelungenen Momenten ausgestattet. (3/5) Voicu

PYREXIA 🇺🇸 – Unholy (Brutal Death Metal)
(Gravitas Entertainment / Time To Kill Records, 28.08.25)
Ein Album, das streng genommen kaum in eine Jahresretrospektive gehört, da es sich nicht um ein komplett neues Werk handelt: PYREXIA haben ihr 2018 erschienenes Album „Unholy Requiem“, das ursprünglich nur in Demo-Qualität veröffentlicht wurde, neu eingespielt. Aufgrund der starken musikalischen Substanz entschied man sich für eine vollständige Neuaufnahme mit neuer Produktion und punktuellen Verbesserungen – von der Band selbst als „re-imagined“ bezeichnet. Das Ergebnis, „Unholy“, zählt 2025 zu den repräsentativsten Veröffentlichungen im Brutal Death Metal. Die Qualität ist derart hoch, dass das Album sowohl für die Band als auch für das Genre insgesamt eine gewichtige Rolle einnimmt. Musikalisch handelt es sich um extrem brutalen, aggressiven Death Metal, sauber komponiert, durchgehend packend und getragen von einem druckvollen, klaren Sound, der die technische Instrumentierung und die Vocals optimal zur Geltung bringt. Massive Riffs, ein stabiler, treibender Rhythmus, unzählige Blastbeats – alles, was Fans dieses Genres erwarten, wird hier auf sehr hohem Niveau geboten. (4,5/5) Voicu
HALESTORM 🇺🇸 – Everest (Alternative Metal/Hard Rock)
(Atlantic Records, 08/08/25)
HALESTORM sind in den letzten Jahren zu einer festen Größe im Rock- und Metal-Genre gewachsen. Als ich die Band 2018 erstmals live sah, spielten sie als Headliner in der Wiener Simm City vor rund 800 Leuten. Im November 2025 folgte eine ausverkaufte Headliner-Show im Gasometer vor etwa 3.500 Menschen. Zusätzlich wurden HALESTORM gemeinsam mit Größen wie METALLICA, PANTERA und SLAYER zum „Back To The Beginning“-Event zu Ehren von Ozzy Osbourne eingeladen.
Der Popularitätszuwachs mag auch mit dem musikalischen Wandel der Band zusammenhängen. Seit dem dritten Album „Into The Wild Life“ (2015) ist eine allgemeine Entwicklung hin zu aggressiveren, frecheren Songs spürbar. Während es anfangs nur einzelne härtere Tracks („Mayhem“, „Apocalyptic“) waren, fielen „Vicious“ (2018) und „Back From The Dead“ (2022) insgesamt metal-lastiger aus. Trotz guter Kritiken wirkten diese Alben für mich aber nicht ganz stimmig.
Umso mehr überzeugt „Everest“ – für mich eines der besten, wenn nicht das beste Album von HALESTORM. Lzzy Hales ohnehin starke Gesangsleistung erreicht hier ein neues Level. Auch musikalisch beschreitet die Band neue Wege. Die gleichnamige Single „Everest“ besticht durch ihren lauernden Aufbau und starke Lyrics. Power-Songs wie „Fallen Star“ und „Watch Out!“ liefern druckvolle Metal- und Hard-Rock-Passagen, während ruhigere Stücke wie „Shiver“, „Like A Woman Can“ und „Darkness Always Wins“ mit Tiefe, Feingefühl und Gänsehautmomenten punkten. Besonders „Darkness Always Wins“ überzeugt mit einem raffinierten Spannungsbogen und starkem Finale.Das Album kommt ohne Füllmaterial aus, wirkt abwechslungsreich und energiegeladen. Die Mischung aus gefühlvollen, frechen und metal-lastigen Songs macht „Everest“ zu einem kurzweiligen Highlight. Einziger Kritikpunkt ist der unsaubere Sound, der klarer und voller sein hätte könnte. (4,5/5) Charlene

ASYMMETRIC UNIVERSE 🇮🇹 – A Memory And What Came After (Jazz Fusion / Djent / Progressive Metal)
(InsideOut, 29.08.25)
Musik, die Genregrenzen konsequent auflöst: ASYMMETRIC UNIVERSE bewegen sich zwischen Jazz, Fusion, Djent und Progressive Metal, ergänzt durch zahlreiche weitere Einflüsse, die im Verlauf des Albums deutlich hörbar werden. Dabei handelt es sich nicht nur um eine Demonstration technischer Fähigkeiten, sondern um Instrumente, die mit großer Sicherheit und Ausdrucksstärke eingesetzt werden. Die Musik ist überwiegend aggressiv, zugleich komplex und vielschichtig. Nach zwei EPs, mit denen sich das Duo bereits eine beachtliche Fangemeinde aufgebaut hat, beweisen sie mit ihrem Debütalbum „A Memory And What Came After“ erneut, dass sie einen sehr eigenständigen Weg verfolgen. Die Musik ist schwer zu kategorisieren, musikalisch herausragend und technisch äußerst beeindruckend. Trotz der Besetzung aus lediglich Gitarre und Bass entsteht ein dichtes, komplexes Klangbild mit häufigen Tempowechseln, dem Wechsel zwischen melodischen und aggressiven Passagen sowie zwischen jazztypischen Solos, massiven Riffs und verschachtelten Strukturen. Polyrhythmik spielt eine zentrale Rolle, ebenso der Bass, der hier bewusst melodisch agiert und nicht nur als rhythmische Grundlage fungiert. Ein sehr dynamisches, spannendes Album mit hohem Wiederhörwert. (4,5/5) Voicu

IHLO 🇬🇧 – Legacy (Progressive Metal)
(Independent, 29.08.25)
Progressive Metal bildet weiterhin den Kern der Musik von IHLO, doch mit „Legacy“ bewegt sich die britische Band deutlich in Richtung melodischer, zugänglicher Klanglandschaften. Nach einem beeindruckenden Debüt, fest im Progressive Metal verankert, aber offen für vielfältige Einflüsse, markiert dieses Album eine klare stilistische Verschiebung hin zu poppigeren und kommerzielleren Strukturen. Elektronische Elemente und sehr eingängige, emotional aufgeladene Melodien prägen nun den Sound, während progressive Elemente eher ergänzend wirken und nicht mehr im Zentrum stehen. Parallelen zur stilistischen Entwicklung von Astronoid sind ebenso erkennbar wie musikalische Ähnlichkeiten. „Legacy“ bietet durchaus starke Momente, schwere und komplexe Riffs sowie kraftvolle Instrumentierung, diese fungieren jedoch meist als Kontrast oder Hintergrund für eher leichte, emotional geprägte Songs. Nach hohen Erwartungen ist das Album für viele langjährige Hörer eine Enttäuschung, für neue Fans hingegen ein möglicher Einstieg in eine Welt, die über klassische Popmusik hinausgeht und komplexere, härtere Elemente integriert. Aus dieser Perspektive besitzt „Legacy“ durchaus seine Berechtigung – bleibt insgesamt aber ein ernüchternder Schritt. (2,5/5) Voicu
September
Metal Faust 🇩🇪 – Demo 2025 (Heavy Metal)
(Eigenproduktion, ?/09/25)
Das Demo sorgte im Underground für etwas Wirbel und erweckte auch meine Neugierde. Geboten werden vier Songs, die vor allem an alte DDR – Bands wie Formel 1, Metal und MCB erinnern, »Theater auf der Weltbühne« hat zudem was von Böhse Onkelz Ende der Achtziger. Die Aufmachung der einseitig bespielten Kassette als auch die Produktion erwecken in der Tat Erinnerungen an so manche Demoaufnahme aus den Anfangstagen des Heavy Metal, was dieses Demo zu einem Tribut an diese Zeit macht. Ein gelungenes, wohlgemerkt. Für meinen Geschmack ist der Hype mehr der Geheimniskrämerei über die hier beteiligten (und durchaus bekannten) Musiker und des Erscheinungstages denn der Qualität der Lieder geschuldet, allerdings macht diese Aufnahme als Gesamtkunstwerk durchweg richtig Spaß. Ich sage nur „METAL FAUST Kommando, gefürchtet so das keiner lacht, METAL FAUST Kommando, Heavy Metal an die Macht!“ Genau so und nicht anders! (3,5/5) Daniel

GREEN CARNATION 🇳🇴 – A Dark Poem, Part I: The Shores Of Melancholia (Gothic/Progressive Metal/Rock)
(Season Of Mist, 05.09.25)
Die norwegischen Veteranen kehren nach fünf Jahren Pause mit einem neuen Album zurück. Bereits der Titel „A Dark Poem, Part I: The Shores Of Melancholia“ deutet an, dass es sich um den Auftakt eines größeren Konzepts handelt. Ursprünglich im Death Metal verwurzelt, hat sich GREEN CARNATION im Laufe der Jahre zunehmend in Richtung Progressive Metal und Rock bewegt und dabei immer stärker auch Gothic-Elemente integriert. Auf dem neuen Album dominiert ein progressiver Ansatz, der melodisch, aber nie überladen wirkt und zugleich eine spürbare Schwere bewahrt, die hervorragend zum Bandsound passt. Die Gesangslinien erinnern stellenweise an klassischen Hard Rock, wirken dabei warm, leidenschaftlich und verleihen dem gesamten Album eine durchgehend melancholische Grundstimmung. Diese wird durch ausgefeilte Kompositionen und eine sehr präzise Instrumentalarbeit zusätzlich vertieft. Stücke wie „In Your Paradise“, das mit folkigen Einflüssen und epischer Ausrichtung zu den Höhepunkten zählt, oder „The Slave That You Are“, das mit klaren Black-Metal-Anleihen und den unverkennbaren Schreien von Grutle Kjellson (Enslaved) aufwartet, unterstreichen die stilistische Vielfalt. Ein reichhaltiger Sound, starkes Songwriting und zahlreiche einprägsame Momente machen „A Dark Poem, Part I: The Shores Of Melancholia“ zu einem wichtigen Werk in der Bandgeschichte und zu einem der bedeutendsten Progressive-Releases des Jahres. (4/5) Voicu

AUTREST 🇧🇷 – Burning Embers, Forgotten Wolves (Atmospheric Black Metal)
(Northern Silence Productions, 05.09.25)
Ein sorgfältig ausgearbeitetes Album mit starken Melodien, eindrucksvollem Synth-Einsatz und einer Vielzahl atmosphärischer Momente, die eine traurige, verlassene Stimmung transportieren. Zwar bewegt sich AUTREST innerhalb eines mittlerweile stark frequentierten Bereichs des Atmospheric Black Metal, doch hier überzeugt vor allem die Qualität der Kompositionen und die sensible Herangehensweise an das Genre. Aggressive Passagen sind ebenso präsent, fügen sich jedoch organisch in einen kontinuierlichen, emotional aufgeladenen Fluss ein. Neben klassischen Black-Metal-Strukturen sind zahlreiche weitere Einflüsse zu hören, insbesondere aus dem Post-Black-Metal- und Blackgaze-Umfeld, die sehr stimmig integriert werden. Die klare und ausgewogene Produktion unterstützt den Gesamtklang erheblich und lässt die Feinheiten der Musik deutlich hervortreten. Das Ergebnis ist ein introspektives, intensives und zugleich sehr zugängliches Hörerlebnis. (4,5/5) Voicu

BETWEEN THE BURIED AND ME 🇺🇸 – The Blue Nowhere (Progressive Metal)
(InsideOut Music, 12.09.25)
Zwischen funkigen Rhythmen und den typischen progressiven Klangmustern wurde das neue Album von BETWEEN THE BURIED AND ME im Vorfeld als Rückkehr zu früherer Stärke angekündigt. Tatsächlich stellt „The Blue Nowhere“ jedoch eher eine konsequente Fortsetzung der jüngeren Bandphase dar. Das lange erwartete Werk auf dem Niveau von „Colors“ bleibt aus. Zwar ist man die hektischen Kompositionsstrukturen der Band gewohnt, doch während diese auf früheren Alben trotz aller Komplexität klar durchdacht und strukturiert wirkten, dominiert hier ein deutlich chaotischerer und eklektischer Ansatz. Funkige und jazzige Elemente nehmen viel Raum ein, während die progressiven Death-Metal-Passagen vergleichsweise zurückhaltend und selten ausfallen. Dennoch bleibt festzuhalten, dass es sich um hochklassige Musiker handelt, deren Erfahrung und technisches Können immer wieder zu interessanten Momenten führt. Trotz aller Kritik ergibt sich insgesamt ein in sich geschlossenes Klangbild, das zwischen karnevalesker Atmosphäre, groovigen Passagen und vereinzelten schweren Momenten pendelt und damit zumindest klar im Metal-Kontext verankert bleibt. (3,5/5) Voicu

PARADISE LOST 🇬🇧 – Ascension (Death Doom Metal, Gothic Metal/Rock)
(Nuclear Blast, 12.09.25)
Für viele eines der meistgelobten und einflussreichsten Alben des Jahres 2025, wenn auch nicht auf persönlicher Ebene. Der Einfluss, den „Ascension“ im Veröffentlichungsjahr hatte, ist jedoch unbestreitbar und rechtfertigt eine Aufnahme in diese Rückschau. Nicht wenige betrachten das Album sogar als einen Höhepunkt der Bandkarriere. Eine Karriere, die seit der Gründung 1988 zahlreiche stilistische Wandlungen erlebt hat, vom frühen Doom/Death über stark vom Gothic Rock, Synthesizern und New-Wave-Elementen geprägte Phasen bis hin zur späteren Rückkehr zu schwereren Klängen. „Ascension“ vereint diese unterschiedlichen Entwicklungsstufen in konzentrierter Form: massive Death/Doom-Passagen stehen neben fragilen, emotional aufgeladenen Gothic-Momenten, ergänzt durch elektronische Effekte, vereinzelte Folk-Anklänge und stellenweise sogar melodische Death-Metal-Elemente. Die Spannweite reicht von epischen Songstrukturen bis hin zu bewusst einfach gehaltenen, beinahe kommerziellen Passagen. Gerade diese Vielschichtigkeit dürfte ein wesentlicher Grund für die enorme Aufmerksamkeit sein, die das Album erfahren hat. Unabhängig persönlicher Präferenzen handelt es sich um eine bedeutende Veröffentlichung, die von einer großen und treuen Fangemeinde entsprechend gewürdigt wurde. (3/5) Voicu
Castle Rat 🇺🇸 – The Bestiary (Epic/Doom/Stoner Metal)
(Black Funeral Recordings, 19/09/25)
Die Mischung aus Black Sabbath, Jex Thoth und The Wizar`d funktioniert bei den New Yorkern auch auf »The Bestiary« nahezu perfekt. Die Riffs in »Wolf I: Tooth & Blade«, »Unicorn: Carnage And Ice« und »Sun Song: Behold The Flame« sind tonnenschwer, hinzu kommt ein erhöhter Melodieanteil sowie komplexere Songstrukturen. Für das Zweitwerk braucht man Zeit, anfänglich eher mau daherkommende Songs wie das folkloristische »Crystal Cave: Enshrined« oder das relativ flotte »Serpent: Coiled Figure« offenbaren erst nach unzähligen Durchläufen ihre große Klasse. Wer das Debüt mochte, wird nach dieser Geduldsprobe »The Bestiary« allerdings lieben! (4,5/5)

REVOCATION 🇺🇸 – New Gods, New Masters (Technical Death/Thrash Metal)
(Metal Blade, 19.09.25)
Als eine der prägenden Bands des technischen Death Metal der letzten Jahre, mit starkem Thrash-Einschlag, legen REVOCATION mit „New Gods, New Masters“ erneut ein Album vor, das sowohl technische als auch kompositorische Stärken eindrucksvoll demonstriert. Weniger wütend als einige frühere Veröffentlichungen, überzeugt das Werk dennoch mit einer Vielzahl markanter Riffs, einem sehr präsenten Bassspiel und einem durchgehend treibenden, präzisen Schlagzeug. Das Album bleibt über die gesamte Laufzeit in hohem Tempo und zeichnet sich durch einen dichten, druckvollen Sound aus. Titel wie „Sarcophagi Of The Soul“ oder „Confines Of Infinity“ verdeutlichen zudem, dass David Davidson weiterhin ein Gespür für einprägsame Songstrukturen, starke Harmonien und eingängige melodische Akzente innerhalb eines aggressiven Rahmens besitzt. Ein Album, das die Stärken der Band bündelt und definitiv eine intensive Beschäftigung verdient. (4/5) Voicu
Maahes 🇩🇪 – Nechacha (Melodic Black Metal)
(Massacre Records, 19/09/25)
Auch das zweite Album dreht sich um die ägyptische Mythologie und ist eine leichte Steigerung zum gelungenen Debüt von vor fünf Jahren. »Nechacha« zeichnet sich vor allem durch seine klare, jedoch nicht steril klingende Produktion aus. In diese eingebettet sind es vor allem Songs wie das fiese »Magic Slave«, das zwischen Aggression und Epik wandelnde »Morbid Love« und das abwechslungsreiche »Keeper Of The Secret«, die nicht nur Genre – Ultras begeistern sollten. »Nechacha« ist vielseitig und bringt vom hervorragend ausgearbeiteten, ergreifenden »The Resurrection« über das orientalisch geprägte »Patron Saint Of Pharaos« bis zum gnadenlosen »Medusa« gekonnt alles unter einen Hut. (3,5/5) Daniel
IGORRR 🇫🇷 – Amen (Experimental Extreme Metal)
(Metal Blade Records, 19.09.25)
IGORRR begann 2006 als Soloprojekt des Franzosen Gautier Serre und entwickelte sich spätestens mit der Vertragsunterzeichnung bei Metal Blade Records und der Veröffentlichung von „Savage Sinusoid“ (2017) zu einer vollwertigen Band. Mit „Amen“ setzt das Projekt diesen Weg konsequent fort. Die Musik entzieht sich weiterhin jeder klaren Kategorisierung: Extreme Metal, Elektronik, klassische Musik und orientalische Harmonien prallen aufeinander und erzeugen ein Spannungsfeld zwischen Wahnsinn und Genialität. Zugänglich ist das nicht – zumindest nicht auf den ersten Blick. Klassische Songstrukturen werden bewusst zerschmettert, Genregrenzen ignoriert. Und doch wirkt „Amen“ kontrollierter als frühere Veröffentlichungen. Das Chaos ist weniger übergriffig, da die Songs sehr groovig und fokussierter arrangiert sind. Damit ist das Album wohl das bislang zugänglichste der Diskografie, ohne an Exzentrik einzubüßen. Töne werden ausgeschlachtet, verzerrt, Songelemente zerlegt, wieder neu zusammengesetzt und am Ende fügen sie sich dennoch zu einem kohärenten Klangbild zusammen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Single „Headbutt“: Hier trifft Black Metal auf Klaviermelodien, aggressive Growls auf Operngesang. Getragen wird alles von einer aufbauschenden Atmosphäre und verrückten Verzerrungen. „Amen“ akzentuiert all das, was IGORRR ausmacht – progressive, experimentelle Songstrukturen und die Furchtlosigkeit der Genremischung. (5/5) Charlene
Christone „Kingfish“ Ingram 🇺🇸 – Hard Road (Blues Rock)
(Red Zero Records, 26/09/25)
„Some call it blues, some say it’s rock ’n‘ roll
I don’t know what it is, it all comes from my soul
People love to talk and throw around the bull
I don’t care what you call it, long as it feels good.“
Mit diesen Worten im groovenden Eröffnungsstück »Truth« bringt der Kingfish seine Art der Musik perfekt den Punkt. »Hard Road« ist das aktuelle Album des bald gerade einmal 26-jährigen Ausnahmegitarristen und das persönlichste. Musikalisch schafft er es weiterhin, den Blues in die Neuzeit zu transportieren, ohne dass dieser seinen alten Charme verliert. »Bad Like Me« bietet Funkelemente, Classic Rock wird in »S.S.S.« und »Crosses« genauso selbstverständlich mit eingebunden wie moderner Hardrock in »Back To LA«. Hingegen regiert der Soul in den überragend gesungenen Herzschmerzsongs »Nothin`But Your Love« und »Clearly« genauso mächtig wie der Bluesrock in »Voodoo Charme« und »Standing On Business«. Dass man zum Abschluss in »Hard To Love« (gute!) Popelemente mit einbringt und darauf mit »Memphis« auch der Delta Blues Beachtung erfährt, ist hierbei genauso konsequent wie das gesamte Werk wie aus einem Guss komponiert wirkt. CHRISTONE „KINGFISH“ INGRAM ist einer der besten Musiker der Neuzeit hat (inklusive diesem Meisterstück) drei grandiose Alben in petto, wurde bisher zweimal für den Grammy nominiert, ist Blues Music Award -Dauerabonnent und verdient auf jeden Fall mehr Aufmerksamkeit von den Rockfans auf dem alten Kontinent! (4,5/5) Daniel








„World Panopticon“ ist ein Konzeptalbum. Wie wichtig ist das Konzeptformat für den Ausdruck eurer Musik?
Science-Fiction spielt offensichtlich eine große Rolle als nicht-musikalischer Einfluss. Woher kommt diese Inspiration, und welche weiteren nicht-musikalischen Einflüsse prägen Dome Runner?
Wie unterschied sich der Songwriting-Prozess für „World Panopticon“ vom Schreiben eures Debüts?
Gehen wir zurück zum Anfang: Wie begann deine persönliche Reise im Metal? Was hat dich speziell zu extremem Metal gezogen? Welche Bands oder Künstler haben dich am stärksten geprägt?
2025 war ein Jahr, in dem die österreichische Metalszene ihre Stärken zeigte: Bodenständigkeit, Haltung und handgemachte Musik statt Effekthascherei. Kleine Bands wie JACOBS MOOR, RAUHNÅCHT oder SILIUS lieferten starke Releases, die man nicht einfach übersah. Die Produktion klang klarer, aber der rohe Kern blieb erhalten.
Auch das Jahr 2025 war ein komisches Jahr…Überraschung! Allgemein fiel auf, dass die alten Helden des Metal teils zu Hochform zurückfanden, teils über den Jordan gingen und so Plätze im Metal-Olymp freiwurden. Wer sie besetzen wird? Vielleicht wird uns das 2026 zeigen.
Zwei Dinge waren für mich dieses Jahr prägend:
Mein musikalisches Jahr 2025 war geprägt von der Tatsache, dass ich nach Jahren der Absitnenz wieder zurück im Schreiben bin. Langsam und behutsam taste ich mich wieder an die alte Form heran. Dazu kann ich nur sagen: „I’m back bitches!“. Am meisten überrascht war ich persönlich von der Metalcore/Deathcore-Szene. Hier hat sich tatsächlich etwas – für mein Empfinden – in die korrekte Richtung bewegt. Dieses Genre werde ich 2026 vermehrt beobachten und gegebenenfalls natürlich auch häufiger rezensieren. Dennoch werde ich weiterhin in den Extremen schwimmen und mich im Überlebenskampf zwischen Blut, Mord, Pussy und Poo suhlen.
Top 5 Alben:









