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WANDAR – Tiefe Erde

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WANDAR - Tiefe Erde - album cover
WANDAR - Tiefe Erde - album cover

Band: WANDAR 🇩🇪
Titel: Tiefe Erde
Label: Vendetta Records
VÖ: 01/05/26
Genre: Atmospheric Black Metal

Tracklist

01. Bedrängnis
02. Trug
03. Visol-Bolvis
04. …Nächtlich
05. Drangsal
06. Erden
07. Irrlicht
08. Hetäre
09. Gestirne

 

Besetzung

Kallenheim – Vocals
Zazhgul – Guitar
Karlsgrad – Guitar
Mara – Bass
Totz – Drums

 

Bewertung:

4/5

WANDAR stammen aus dem deutschsprachigen Raum und stehen seit 2006 für eine konsequente Auslegung von atmosphärischem Black-Metal. Die Band richtet ihren Blick nicht auf Oberflächen oder Effekte, sondern auf Dichte, Kälte und eine fast greifbare Schwere im Klangbild. Ihr Ansatz verbindet skandinavische Tradition mit Einflüssen aus dem nordamerikanischen Underground, ohne sich dabei in Nostalgie zu verlieren. Stattdessen entsteht ein Sound, der roh wirkt, aber kontrolliert bleibt.

Besetzt ist die Formation mit Kallenheim am Mikrofon, Zazhgul und Karlsgrad an den Gitarren, Mara am Bass und Totz am Schlagzeug. Diese Konstellation wirkt auf dem Papier klassisch, entfaltet aber im Zusammenspiel eine ungewöhnliche Geschlossenheit. Jeder Beitrag greift ineinander, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

Klangbild zwischen Nebel und Fels

»Tiefe Erde« setzt genau dort an, wo viele moderne Black-Metal-Produktionen entweder zu steril oder zu überladen wirken. WANDAR wählen einen Mittelweg, der sich eher wie ein langsames Absinken in dunkle Schichten anfühlt. Gitarrenflächen ziehen sich wie kalter Rauch durch die Songs, während das Schlagzeug eine stoische, manchmal fast marschartige Struktur vorgibt.

Die Produktion bleibt bewusst erdig. Kein übermäßiges Polieren, keine künstliche Weite, die den Kern verwässert. Stattdessen entsteht ein Druck, der sich eher im Inneren als über Lautstärke entfaltet. Das macht die Platte fordernd, aber auch beständig.

Aufbau und Dramaturgie

Der Einstieg »Bedrängnis« wirkt wie ein Tor in eine abgeschlossene Welt. Kein klassischer Opener, eher eine atmosphärische Schwelle, die den Raum vorbereitet. Direkt danach setzt »Trug« mit mehr Härte ein und zeigt, dass WANDAR ihre Intensität nicht über Tempo, sondern über Schichtung definieren.

»Visol-Bolvis« gehört zu den Stücken, die sich langsam entfalten. Hier wird deutlich, wie stark die Band auf Wiederholung und minimale Variationen setzt. Das wirkt hypnotisch, ohne monoton zu werden.

Mit »…Nächtlich« verschiebt sich die Stimmung. Der Song trägt eine melancholische Schwere, die sich stärker auf melodische Gitarrenlinien stützt. »Drangsal« zieht das Tempo wieder an und bringt eine fast körperliche Aggression ins Spiel, bevor »Erden« den Fokus auf Erdung und Reduktion legt.

»Irrlicht« spielt mit Orientierungslosigkeit. Der Song wirkt fragmentierter, als würde er ständig die Richtung wechseln. »Hetäre« überrascht durch eine fast rituelle Struktur, während »Gestirne« das Album abschließt und den Blick nach oben richtet, ohne die Dunkelheit wirklich zu verlassen.

Gesang und Ausdruck

Kallenheim arbeitet weniger mit klassischen Black-Metal-Klischees, sondern eher mit einer rauen, kontrollierten Präsenz. Der Gesang sitzt tief im Mix, wirkt manchmal wie aus der Ferne kommend. Genau das verstärkt den Eindruck von Distanz und innerer Kälte.

Die Instrumente tragen diese Linie konsequent weiter. Besonders die Gitarren von Zazhgul und Karlsgrad bauen Spannungsfelder auf, die sich selten sofort entladen. Vieles bleibt angedeutet, statt ausformuliert.

Wirkung und Einordnung

»Tiefe Erde« ist kein Album, das sich nebenbei erschließt. Die Platte verlangt Aufmerksamkeit und Zeit. Wer sich darauf einlässt, bekommt keine schnellen Höhepunkte, sondern eine stetige Verdichtung von Stimmung. Genau darin liegt die Stärke von WANDAR.

Verglichen mit vielen zeitgenössischen Black-Metal-Produktionen wirkt das Album weniger auf Effekt ausgerichtet und stärker auf Atmosphäre und innere Logik gebaut. Das kann sperrig sein, entfaltet aber über die gesamte Laufzeit eine klare Linie.

WANDAR liefern mit »Tiefe Erde« ein Werk, das konsequent seinen eigenen Weg geht. Nicht jeder Moment greift sofort, aber das Gesamtbild bleibt stabil und überzeugend. Die Band verzichtet auf einfache Zugänge und setzt stattdessen auf Tiefe, Struktur und Ausdauer.

Fazit: WANDAR beweisen mit »Tiefe Erde«, dass atmosphärischer Black-Metal mehr ist als nur dunkle Riffs und growlende Vocals.

Internet

WANDAR - Tiefe Erde - CD Review

ANUBIS – Anthromorphicide

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Anthromorphicide_ANUBIS_cover_art
Anthromorphicide_ANUBIS_cover_art

Band: ANUBIS 🇺🇸
Titel: Anthromorphicide
Label: M-Theory Audio
VÖ: 24/04/26
Genre: Melodic Metal

Tracklist

01. Nuclear Dawn
02. Celestial
03. Arcanist
04. The Fire Inside
05. Anthromorphicide
06. Reptile Eyes
07. Fanged Angel
08. My Favorite Cage
09. Ancient At Birth
10. Battalion

 

Besetzung

Will Buckley (Bass)
Devin Reiche (Vocals)
Justin Escamilla (Guitars)
David Velez (Drums)
Ulises Hernandez (Guitars)
Hanna Preston (Vocals)

 

Bewertung:

3/5

Auf „Anthromorphicide“ lösen sich ANUBIS von ihren Melo-Death-Wurzeln und schlagen verstärkt eine Richtung zwischen Power und Thrash Metal ein, ohne dabei die melodischen Elemente ganz aufzugeben. Für die Band aus Los Angeles ist dieser Stilwechsel jedoch nichts Neues: Schon in der Vergangenheit zeigte sich die Formation wandlungsfähig. Nach zahlreichen Umbesetzungen und mit nur noch einem verbliebenen Gründungsmitglied bleiben ANUBIS ein schwer berechenbares Projekt. „Schwer berechenbar“ beschreibt das gesamte Album sehr gut. „Anthromorphicide“ wird vorwiegend als Power/Thrash Metal kategorisiert, aber diese Kategorisierung ist fast noch zu spezifisch.

Durchwachsener Start

Der Opener „Nuclear Dawn“ ist von einem hektischen, rap-artigen Stakkato-Gesang dominiert, welcher die Lyrics weitestgehend unverständlich lässt. Die Wörter rauschen vorbei wie Schüsse aus einem Maschinengewehr. Was bleibt – sehr einprägsam dafür – ist die „nuclear dawn“-Zeile, die dermaßen heraussticht, dass sie sich bei mir schon längst als Ohrwurm eingenistet hat. Da weder die Gitarren noch das Schlagzeug mit einem ähnlich penetranten Stakkato gespielt werden, wirkt die Nummer übertrieben gehetzt. „Celestial“ schlägt danach deutlich stärker in Richtung Power Metal aus. Der galoppierende Rhythmus erinnert an typische Vertreter des Genres. Er transportiert eine epische, ausgelassene Stimmung, die fesselt. Der hektische Sprechgesang bekommt hier keinen Raum. Die Stimme von Devin Reiche ist stark, hat einen rauen Unterton, kann aber auch in hohen Lagen überzeugen. Allerdings stören die Effekte auf der Stimme. Sie lassen sie mechanisch klingen und besonders die hohen Töne wirken künstlich geschniegelt.

Ein fortwährendes Auf und Ab

Mit „Arcanist“ liefern ANUBIS simple, aber effektive Riffs und einen durchaus eingängigen Refrain. Trotzdem drängt sich erneut dieselbe Frage auf: Muss wirklich jede Gesangsspur so stark bearbeitet werden? Die Stimme klingt oft unnatürlich und nimmt dem Song viel von seiner eigentlichen Energie. „The Fire Inside“ fährt das Tempo zurück und präsentiert sich als Power-Ballade. Der Refrain lädt zum Mitschunkeln ein, doch insgesamt bleibt die Nummer zu unspektakulär, um nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben. Der Titeltrack „Anthromorphicide“ bringt anschließend wieder deutlich mehr Thrash-Energie ins Spiel. Der schnelle Gesang kehrt zurück, diesmal etwas kontrollierter, während das Schlagzeug mit Shank-Beats und galoppierenden Rhythmen ordentlich Druck erzeugt. Der monströse Hintergrundgesang wirkt dagegen eher störend. Stark ist hingegen die Solo-Passage im letzten Drittel, besonders durch die treibende Double Bass. Das Fade-out am Ende wirkt allerdings etwas lieblos.

Der endgültige Verlust des roten Fadens

Bei „Fanged Angel“ geben plötzlich richtig böse Death-Growls den Ton an. Auch die Gitarrenarbeit erinnert mehr an modernen Death Metal als davor an Thrash bzw. Power Metal. Es wirkt wie ein Relikt aus einer früheren Epoche der Band. Die Growls werden zwischendurch kurz von Clean Vocals abgelöst, bleiben aber Hauptakteur der Nummer. Es sticht so dermaßen aus der Reihe, dass man gar nicht so recht weiß, ob man diese Abweichung gut oder schlecht finden soll. Es verstärkt jedenfalls den Eindruck, dass der rote Faden auf diesem Album längst verloren ist.

Der darauffolgende Titel „My Favorite Cage“ überrascht wiederum mit einem gänzlich anderen Stilmix: elektronische Beats und ein fast schon poppiger Unterton übernehmen die Regie. Der plötzliche weibliche Gesang in der zweiten Strophe sorgt für den nächsten Aufhorch-Moment. Dabei handelt es sich nicht, wie man anhand des Line-Ups erwarten würde, um Hanna Preston, die als Sängerin angegeben wurde, sondern Jade Zhariah Yates, einer Singer-Songwriterin aus Los Angeles. Ehrlich gesagt, hätte ich das ohne dem kürzlich veröffentlichten Musikvideo (siehe unten) gar nicht realisiert. Ihre Stimme klingt frech, rotzig und fügt sich gut in die Nummer ein. Aber bei diesem Potpourri an Stilen reicht es irgendwann auch mal…

Starke Momente

„Reptile Eyes“ gehört klar zu den stärkeren Momenten der Platte. Das bissige Hauptriff sitzt sofort, der Clou mit der Tonlagenversetzung bringt einen frischen, unerwarteten Stimmungswechsel, der subtil wie genial ist. Der Song zeigt, dass ANUBIS durchaus ein Gefühl für Dynamik besitzen. „Ancient At Birth“ startet mit Streicher- und Klavierklängen und zeigt den Sänger zunächst ungewohnt natürlich. Genau in diesen ruhigen Momenten funktioniert die Stimme am besten. Sobald der Metal-Part einsetzt, kehren allerdings auch die überladenen Effekte zurück. Trotzdem entwickelt sich der Song stark, baut Atmosphäre auf und liefert einen der epischsten Refrains des Albums. Auch der letzte Song, „Battalion“, ist gut gelungen. Es ist ein schnörkelloser, schneller Power-Metal-Track. Nichts Revolutionäres, aber solide umgesetzt und mit genug Energie versehen, um das Album ordentlich zu beenden.

Zwiespältiger Eindruck

Am Ende hinterlässt „Anthromorphicide“ einen zwiespältigen Eindruck. ANUBIS haben hörbar viele Ideen und versuchen ständig, neue Einflüsse einzubauen. Manche Experimente funktionieren durchaus, viele andere wirken jedoch unausgegoren oder unnötig überladen. Das größte Problem bleibt der Gesang bzw. dessen Produktion. Die übertriebenen Effekte verleihen dem Album einen künstlichen, beinahe mechanischen Klang, der viele eigentlich gute Ansätze ausbremst. So bleibt am Ende eine Platte mit interessanten Momenten, die sich aber nie wirklich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügt.

Fazit: Mit „Anthromorphicide“ präsentieren ANUBIS eine Flut an Ideen und Stilwechseln, die zwar immer wieder spannende Momente hervorbringt, dem Album insgesamt aber einen klaren roten Faden verweigert.

Internet

ANUBIS – Anthromorphicide

BLACKROUT – Erotic Warfare

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BLACKROUT - Erotic Warfare - album cover
BLACKROUT - Erotic Warfare - album cover

Band: BLACKROUT 🇩🇪
Titel: Erotic Warfare
Label: Independent
VÖ: 01/05/26
Genre: Thrash/Groove Metal

Tracklist

01. Vulvareign
02. Gods Of Gomorrah
03. Nectar D’Amour
04. Mephista
05. Sexorcism
06. Burn The Goddamn Sun
07. Living Dolls
08. Sado

 

Besetzung

Daniel Osinski – Vocals/Guitar
Jan – Guitar
Benny – Bass
Maik – Drums

 

Bewertung:

3,5/5

Thrash- und Groove Metal mit scharfkantiger Handschrift

BLACKROUT stammen aus einem Umfeld, in dem Groove auf rohe Energie trifft und Thrash nicht als Nostalgie verstanden wird, sondern als Werkzeug für Druck und Präzision. Hinter dem Projekt stehen Daniel Osinski (Vocals, Guitar), Jan (Guitar), Benny (Bass) und Maik (Drums). Gemeinsam formen sie ein Quartett, das sich hörbar nicht mit glatter Produktion oder gefälligen Strukturen aufhält, sondern eine direkte, oft abrasive Klangsprache bevorzugt. »Erotic Warfare« ist ihr aktuelles Statement, ein Album, das sich konsequent zwischen Aggression, Provokation und rhythmischer Schwere bewegt.

Klangbild zwischen Kontrolle und Chaos

Schon der Einstieg zeigt, wohin die Reise geht. Die Gitarren arbeiten mit trockenen, schneidenden Riffs, die bewusst wenig Raum lassen. Statt verspielter Leads dominiert eine klare rhythmische Stoßrichtung. Der Bass bleibt nicht bloß Fundament, sondern setzt punktuell eigene Akzente, die den Groove zusätzlich verdichten. Das Schlagzeug spielt dabei eine zentrale Rolle, präzise, druckvoll, ohne überflüssige Verzierungen.

Die Produktion wirkt bewusst erdig gehalten. Kein überpolierter Sound, eher ein direkter Proberaumcharakter mit Studiofokus. Dadurch entsteht Nähe, aber auch eine gewisse Rauheit, die zum Gesamtkonzept passt. BLACKROUT setzen auf Intensität statt Perfektion.

Themen zwischen Provokation und Abgrund

Der Albumtitel ist Programm, zumindest auf einer symbolischen Ebene. »Erotic Warfare« arbeitet mit Bildern von Macht, Körperlichkeit und moralischen Grenzbereichen, ohne sich in plakativen Parolen zu verlieren. Vieles bleibt zugespitzt, manchmal überzeichnet, aber selten zufällig.

Die Texte bewegen sich zwischen dunkler Bildsprache und bewusster Überhöhung. Es geht weniger um lineare Erzählungen als um Stimmungen, die sich aus den einzelnen Songs ergeben. Dabei entsteht ein Spannungsfeld zwischen Anziehung und Abstoßung, das sich durch das gesamte Album zieht.

Die Songs im Überblick

Der Opener »Vulvareign« setzt ein klares Zeichen. Ein schnelles Riff, direkt nach vorne gespielt, trifft auf eine aggressive Vocal-Performance. Der Song wirkt wie ein Toröffner, der sofort den Ton bestimmt. »Gods Of Gomorrah« hält die Geschwindigkeit hoch, arbeitet aber stärker mit rhythmischen Brüchen. Hier zeigt sich bereits die Groove-Komponente deutlicher, die dem Album seine Struktur verleiht.

»Nectar D’Amour« fällt etwas aus dem Rahmen. Der Song spielt mit langsameren Passagen und einem fast hypnotischen Grundtempo, bevor er wieder in härtere Sequenzen kippt. »Mephista« gehört zu den düstereren Momenten der Platte. Die Gitarren wirken schwerer, der Gesang etwas tiefer und bedrohlicher.

Mit »Sexorcism« folgt ein Stück, das bewusst auf Reibung setzt. Wechsel zwischen schnellen Attacken und schleppenden Teilen sorgen für Dynamik, ohne den roten Faden zu verlieren. »Burn The Goddamn Sun« gehört zu den aggressivsten Tracks des Albums. Hier dominiert kompromisslose Geschwindigkeit, begleitet von scharf geschnittenen Riffs.

»Living Dolls« zeigt eine etwas strukturiertere Seite. Der Song wirkt kontrollierter, fast mechanisch in seiner Ausführung, ohne an Druck zu verlieren. Das Finale »Sado« rundet das Album ab. Ein Stück, das die vorher aufgebauten Spannungen zusammenführt und in einem intensiven, düsteren Abschluss mündet.

Leistung der Band

Daniel Osinski liefert eine Gesangsperformance, die stark auf Ausdruck und Präsenz setzt. Keine übertriebene Vielschichtigkeit, sondern klare Durchsetzungskraft. Die Gitarrenarbeit von ihm und Jan ergänzt sich gut, wobei Jan häufig für zusätzliche rhythmische Tiefe sorgt. Benny am Bass bleibt bewusst im unteren Frequenzbereich, lässt aber genug Raum für eigene Akzente. Maik am Schlagzeug bildet das Rückgrat und treibt die Songs mit konstanter Präzision voran.

»Erotic Warfare« ist kein Album, das sich leicht konsumieren lässt. BLACKROUT setzen auf eine Mischung aus Groove und Thrash, die bewusst kantig bleibt und wenig Kompromisse eingeht. Nicht jeder Moment sitzt perfekt, und einige Übergänge wirken eher roh als ausgefeilt. Genau darin liegt aber auch der Charakter der Platte.

Am Ende bleibt ein Werk, das Energie und Haltung transportiert, ohne sich in Details zu verlieren. 3,5 von 5 Punkten spiegeln ein Album wider, das starke Ansätze zeigt und gleichzeitig Raum für Weiterentwicklung lässt.

Fazit: Insgesamt zeige BLACKROUT mit »Erotic Warfare«, dass sie eine starke, unverwechselbare Stimme im Underground sind.

Internet

BLACKROUT - Erotic Warfare - CD Review

Joey Rival – Creative Destruction

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Joey Rival - Creative Destruction - album cover
Joey Rival - Creative Destruction - album cover

Künstler: Joey Rival 🇺🇸
Titel: Creative Destruction
Label: Independent
VÖ: 13/04/26
Genre: Modern Metal / Industrial Metal / Alternative Metal

Tracklist

01 We Are The Dark
02 Welcome To Death
03 No Way Out

Besetzung

Joey Rival – Gesang, Gitarre, Songwriting, Produktion / Sounddesign

Bewertung:

4/5

Joey Rival ist kein Musiker, der mal eben aus Langeweile ein paar Riffs zusammenschraubt. Als Gitarrist, Sänger, Session-Musiker und Songwriter bringt er reichlich Erfahrung aus Live- und Studioarbeit mit. Dazu kommen Projekte wie Rival Order sowie Zusammenarbeiten mit Namen wie Chris Clancy, Dirk Verbeuren und Rich Gray. Mit der Drei-Song-EP »Creative Destruction« widmet er sich nun einem Thema, das aktueller kaum sein könnte: künstliche Intelligenz in der Musikindustrie.

Dabei wird hier keine trockene Technik-Debatte vertont. Joey Rival baut aus modernen Metal-Riffs, Industrial-Elementen, düsteren Synthesizern und Core-Schlagseite eine finstere Klangwelt, in der Kreativität, Kontrolle und Menschlichkeit langsam unter Druck geraten. Die EP ist kurz, aber keineswegs klein. Jeder Song erfüllt eine klare Funktion und fügt sich in ein kompaktes, bedrohliches Gesamtbild.

»WE ARE THE DARK« – KREATIVITÄT IM SCHATTEN DER SYSTEME

Der Opener »We Are The Dark« beginnt mit dunklen Klavier- und Synthesizerklängen und zieht den Hörer sofort in eine beklemmende Atmosphäre. Das Midtempo gibt dem Song Gewicht, während Bass und Drums ein sattes Fundament legen. Die Gitarren arbeiten schwer, griffig und düster, ohne sich in unnötiger Virtuosität zu verlieren. Hier zählt nicht die Fingerakrobatik, sondern die Wirkung.

Gesanglich zeigt Joey Rival direkt mehrere Facetten. In den dunkleren, klareren Passagen erinnert seine Stimme stellenweise an eine metallischere Variante von Marilyn Manson, während die gutturalen Ausbrüche dem Song zusätzliche Härte verleihen. Inhaltlich beschreibt »We Are The Dark« eine schleichende Übernahme: Menschliche Kreativität wird automatisiert, Stimmen werden imitiert, Systeme überschreiben das Lebendige. Die Bedrohung kommt nicht als plumper Roboter von außen, sondern steckt längst in Bildschirmen, Stimmen und digitalen Gewohnheiten. Ein starker, atmosphärischer Einstieg.

»WELCOME TO DEATH« – DER RAUSCH DER SELBSTZERSTÖRUNG

Mit »Welcome To Death« wird die EP härter und mechanischer. Der Song erinnert in seiner kalten, rhythmischen Direktheit stellenweise an Static-X, bleibt aber klar in Joey Rivals eigener Klangwelt verankert. Drums, Bass und Gitarren greifen eng ineinander, wodurch ein druckvoller, fast maschineller Sog entsteht. Doublebass-Drums, schwere Riffs und düstere Piano-Elemente sorgen für zusätzliche Wucht.

Textlich geht es um Abhängigkeit, Kontrollverlust und den Drang, immer wieder zu etwas zurückzukehren, das einen innerlich aushöhlt. Im Kontext der EP lässt sich das nicht nur als klassische Sucht lesen, sondern auch als Abhängigkeit von digitalen Reizen, künstlicher Bestätigung und technologischer Bequemlichkeit. Der Mensch weiß, dass dieser Kreislauf ihn zerstört, macht aber trotzdem weiter. Genau daraus zieht der Song seine beklemmende Kraft.

»NO WAY OUT« – UNTERHALTUNG ALS KÄFIG

Zum Abschluss fährt »No Way Out« den elektronischen Anteil noch weiter hoch. Der Song besitzt fast schon Electro-Metal-Züge, verliert dabei aber nie seine metallische Schwere. Die Gitarren und der Bass sorgen für Druck, während die Synthesizer den Horror-Anteil verstärken. Das Arrangement wirkt kontrolliert, progressiv und sehr bewusst aufgebaut.

Inhaltlich ist »No Way Out« der bitterste Moment der EP. Es geht um Blindheit, falschen Stolz und eine Gesellschaft, die sich durch Unterhaltung und digitale Dauerbeschallung freiwillig entmündigen lässt. Was zunächst wie Fortschritt oder Rettung wirkt, entpuppt sich als Falle. Die vermeintlichen Engel tragen hier ziemlich teuflische Masken. Als Finale funktioniert der Song hervorragend, weil er die zuvor aufgebaute Bedrohung konsequent zuschnürt.

FAZIT

»Creative Destruction« ist eine kurze, aber starke EP mit klarer Handschrift. Joey Rival verbindet moderne Härte, Industrial-Atmosphäre, düstere Synthesizer und variables Songwriting zu einem kompakten Gesamtwerk über künstliche Intelligenz, kreative Entfremdung und den Verlust menschlicher Kontrolle. Besonders stark ist das Sounddesign: Die elektronischen Elemente wirken nicht angeklebt, sondern sind fest mit der Geschichte der Songs verbunden.

Wer modernen Metal mit dunkler Atmosphäre, maschineller Kälte und inhaltlicher Substanz sucht, sollte »Creative Destruction« definitiv antesten. Drei Songs, kein Leerlauf, viel Druck – und eine Maschine im Hintergrund, die verdächtig menschlich klingt.

Albumstream

Internet

JOEY RIVAL - Creative Destruction - CD Review

Vier Meter Hustensaft – Dreckige Kohle

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Vier Meter Hustensaft - Dreckige Kohle - album cover
Vier Meter Hustensaft - Dreckige Kohle - album cover

Band: Vier Meter Hustensaft 🇩🇪
Titel: Dreckige Kohle
Label: NRT-Records
VÖ: 09/01/26
Genre: Punkrock/Deutschpunk

Tracklist

01. Was Ich Dringend Brauche
02. Dreckige Köhle
03. Der Allergrößte
04. Was Ich Dringend Brauche (Live In Der Börse Wuppertal)

Besetzung

Philipp „Phil“ Altenhofen – Leadgesang & Gitarre
Thiemo Schröder – Leadgesang & Gitarre
Philipp Wachter – Bass & Hintergrundgesang
Dirk „The Lobster“ Löber – Schlagzeug & Hintergrundgesang

Bewertung:

4,5/5

Vier Meter Hustensaft aus Düsseldorf liefern mit »Dreckige Kohle« keine EP ab, die lange um Aufmerksamkeit bittet. Das Ding tritt die Tür auf, stellt sich mit dreckigen Schuhen in den Flur und fragt nicht, ob es stört. Vier Songs, rund zehn Minuten Laufzeit, keine ausufernden Spielereien, kein überflüssiger Ballast. Hier wird Punkrock in kompakter Form gereicht, roh genug, um nicht nach Studiohygiene zu riechen, aber sauber genug produziert, um nicht im eigenen Krach unterzugehen.

Schon der Einstieg macht deutlich, dass die Band nicht nur auf Krawall setzt. Hinter der rotzigen Fassade liegt eine feine Beobachtungsgabe. Die subtile Sozialkritik ist allgegenwärtig, allerdings nicht als belehrende Parole, sondern als Nebenprodukt einer Welt, in der Frust, Konsumdruck, regionale Identität und persönliche Selbstbehauptung ineinandergreifen. Vier Meter Hustensaft reden nicht um den heißen Brei herum, sie kippen ihn direkt auf den Tresen.

KLANGBILD ZWISCHEN ROTZ UND KONTROLLE

Musikalisch bewegt sich »Dreckige Kohle« klar im authentischen Spektrum des Punkrock. Die Gitarren arbeiten direkt, manchmal schroff, aber nie planlos. Der Bass hält die Songs zusammen, das Schlagzeug treibt nach vorne, und die Produktion bewahrt genau das Maß an Schmutz, das diese Musik braucht. Es klingt nicht nach Hochglanzpolitur, aber auch nicht nach Proberaumaufnahme mit defektem Kabel. Der Sound ist greifbar, kantig und zweckdienlich.

Besonders auffällig ist der Gesang von Thiemo Schröder. Sein Timbre erinnert stellenweise an Axel Kurth von Wizo, ohne zur bloßen Kopie zu werden. Da ist dieses leicht nasale, bissige Element, diese Mischung aus Melodie und angekratzter Ansage, die sofort im Ohr hängen bleibt. Schröder klingt nicht wie jemand, der Punkrock spielt, weil es gerade charmant retro wirkt. Er klingt wie jemand, der genau aus dieser Welt kommt.

Auch die zweite Stimme von Philipp Altenhofen fügt sich sinnvoll ein. Dadurch wirkt die Band breiter aufgestellt, druckvoller und geschlossener. Gerade im Vergleich zur früheren Phase mit Sängerin Yvonne Wagner zeigt sich, dass Vier Meter Hustensaft nach deren Weggang nicht einfach nur weitergemacht haben. Die Band hat sich zu einer Male-fronted Formation entwickelt und dabei hörbar an Qualität zugelegt. Mehr Druck, mehr Fokus, mehr Biss.

DRECKIGE KOHLE UND SAUBERE TREFFER

In Sachen der lyrischen Dichtkunst ist »Dreckige Kohle« stärker, als es der erste ruppige Eindruck vermuten lässt. Der Titeltrack arbeitet mit Bildern aus Region, Straße und Alltag. Kohle, Stahl, Pommesbude, Altbier und urbane Bodenhaftung werden nicht als nostalgische Kulisse benutzt, sondern als Gegenentwurf zu Glanz und Statusgehabe. Die Nummer feiert nicht das Elend, sondern die eigene Verwurzelung. Es geht um Stolz ohne Pathos, um Haltung ohne Sonntagsrede.

»Was Ich Dringend Brauche« greift den alltäglichen Frust direkter auf. Der Song klingt wie ein innerer Monolog nach einem zu langen Tag, an dem alles nervt und trotzdem irgendwie weitergeht. Genau hier funktioniert die Sozialkritik besonders gut, weil sie nicht platt erklärt wird. Sie steckt in der Situation, in der Sprache und im Tonfall. Man hört die Erschöpfung, aber auch den Trotz.

»Der Allergrößte« nimmt dagegen aufgeblasene Egos ins Visier. Jeder kennt diese Gestalten, die sich selbst zur Hauptfigur erklären, während der Rest der Welt nur müde danebensteht. Der Song ist kurz, schnoddrig und angenehm ungeduldig. Keine Analyse, keine langen Umwege, einfach ein musikalischer Rempler gegen Selbstüberschätzung.

Die Live-Version von »Was Ich Dringend Brauche« rundet die EP ab. Ob man bei einer ohnehin kurzen Veröffentlichung denselben Song zweimal braucht, ist Geschmackssache. In diesem Fall passt es aber zum Charakter der Band. Live klingt das Material noch etwas ungeschliffener, unmittelbarer und weniger kontrolliert. Genau das steht Vier Meter Hustensaft gut.

ZWISCHEN BOTSCHAFT UND BIERBANK

Was »Dreckige Kohle« auszeichnet, ist die Balance zwischen Spaß und Substanz. Die EP wirkt nicht verbissen politisch, aber auch nicht belanglos. Unter der Oberfläche arbeitet eine dauerhafte Unzufriedenheit mit gesellschaftlichen Zuständen, Konsummechanismen, Selbstdarstellung und urbanem Klassenbewusstsein. Vier Meter Hustensaft formulieren das nicht wie ein Thesenpapier, sondern wie Punkrock es formulieren sollte: direkt, schmutzig und mit einem schiefen Grinsen.

Gerade diese Mischung macht die EP sympathisch. Sie will keine Revolution auf zehn Minuten ausrufen, aber sie zeigt klar, wo sie steht. Zwischen Altbier, Asphalt und angekratzten Stimmbändern entsteht ein kleines, dreckiges Stück Punkrock, das mehr Charakter besitzt als so manche überlange Veröffentlichung, die sich selbst viel zu wichtig nimmt.

PRODUKTION UND WIRKUNG

Die Produktion hält die Songs kompakt und lässt ihnen genug Luft zum Atmen. Die Gitarren sind präsent, der Gesang sitzt vorne, das Schlagzeug macht Druck, ohne steril zu wirken. Alles bleibt auf den Punkt. Keine Experimente, keine unnötigen Ausschmückungen, kein falscher Tiefgang. Die EP weiß, was sie sein will, und genau deshalb funktioniert sie.

»Dreckige Kohle« ist kein Werk, das man minutenlang sezieren muss, um seinen Kern zu verstehen. Es kommt, sagt, was es zu sagen hat, und verschwindet wieder, bevor jemand auf die Idee kommt, es glattzubügeln. Das ist in diesem Fall ausdrücklich als Kompliment gemeint.

FAZIT

»Dreckige Kohle« von Vier Meter Hustensaft ist eine kurze, bissige und erstaunlich treffsichere Punkrock-EP. Die Band klingt nach dem personellen Wandel fokussierter, männlicher geprägt und insgesamt stärker als zuvor. Besonders Thiemo Schröder setzt mit seinem an Axel Kurth erinnernden Timbre klare Akzente, während die Songs zwischen Alltagsfrust, regionaler Erdung und subtiler Sozialkritik genügend Substanz entwickeln.

Wer Punkrock ohne Hochglanz, aber mit Haltung sucht, bekommt hier zehn Minuten ehrlichen Druck auf die Ohren. Keine große Pose, kein künstlicher Tiefgang, sondern Dreck, Kante und ein gutes Gespür für den richtigen Moment.

Abschließend sei noch kurz erwähnt: Die PR-Arbeit von NRT-Records war mal wieder auf eierlegende-Wollmilchsau-Niveau. Da wurde an alles gedacht, wovon sich einige durchaus mal eine Scheibe abschneiden könnten.

Livevideo

Internet

VIER METER HUSTENSAFT - Dreckige Kohle - CD Review

Foo Fighters – Your Favorite Toy

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Foo Fighters - Your Favorite Toy - album cover
Foo Fighters - Your Favorite Toy - album cover

Band: Foo Fighters 🇺🇸
Titel: »Your Favorite Toy«
Label: Roswell / RCA
VÖ: 24.04.2026
Genre: Alternative Rock / Hard Rock

Tracklist

01. Caught In The Echo
02. Of All People
03. Window
04. Your Favorite Toy
05. If You Only Knew
06. Spit Shine
07. Unconditional
08. Child Actor
09. Amen, Caveman
10. Asking For A Friend

Besetzung

Dave Grohl – Gesang, Gitarre
Pat Smear – Gitarre
Chris Shiflett – Gitarre
Nate Mendel – Bass
Rami Jaffee – Piano, Keyboards
Ilan Rubin – Schlagzeug

Bewertung:

4/5

Die Foo Fighters mussten in den vergangenen Jahren mehr wegstecken, als viele Bands in einer kompletten Karriere verdauen. Nach dem schweren, von Verlust und Trauer geprägten »But Here We Are« war die große Frage: Wie macht eine Band weiter, wenn sie bereits alles auf den Tisch gelegt hat? Mit »Your Favorite Toy« geben Dave Grohl und seine Mitstreiter eine ziemlich klare Antwort: nicht mit vorsichtiger Selbsttherapie, sondern mit aufgerissenen Verstärkern, kantigen Hooks und einer Energie, die klingt, als hätte jemand den Proberaum abgeschlossen und den Schlüssel weggeworfen.

Das Album wirkt weniger wie ein glatt polierter Neustart, sondern eher wie ein trotziges Durchatmen. Die Foo Fighters nehmen ihre klassischen Stärken, also große Refrains, wuchtige Gitarren, melodische Direktheit und Grohls unverkennbare Mischung aus Kratzbürste und Stadionprediger, und schieben sie in ein kompakteres, ruppigeres Format. Kein aufgeblasenes Spätwerk, kein überambitioniertes Konzeptmonster, sondern zehn Songs, die wissen, wann sie zuschlagen müssen.

»CAUGHT IN THE ECHO« – FESTGEFAHREN IM KOPF

Der Opener »Caught In The Echo« macht sofort klar, dass dieses Album nicht lange an der Tür klingelt. Es tritt ein, stellt die Boxen auf den Tisch und fragt erst danach, ob jemand empfindliche Nachbarn hat. Textlich kreist der Song um innere Wiederholungen, Entscheidungsdruck und das Gefühl, in den eigenen Gedanken festzustecken. Die Worte arbeiten mit Bildern von kaputten Signalen, verzerrten Übertragungen und einem Kopf, der sich zwischen mehreren Richtungen zerreibt, ohne sofort eine klare Lösung zu finden.

Musikalisch passt das hervorragend. Der Song hat diesen nervösen Vorwärtsdrang, den die Foo Fighters immer dann besonders gut beherrschen, wenn sie nicht zu lange über ihre eigene Größe nachdenken. Die Gitarren schieben, das Schlagzeug drückt, und Dave Grohl klingt, als würde er sich selbst aus einem Tunnel herausbrüllen. Ein starker Einstieg, weil er nicht nur laut ist, sondern direkt das Hauptthema der Platte eröffnet: Was passiert, wenn man aus dem eigenen Echo ausbrechen will?

»OF ALL PEOPLE« – DER GEIST, DEN MAN NICHT LOSWIRD

Mit »Of All People« wird es noch eine Spur giftiger. Der Song blickt auf eine Person oder Erinnerung, die man eigentlich längst aus dem inneren System gelöscht haben wollte. Es geht um das Wiederauftauchen alter Schatten, um Wut, Verwunderung und diese unangenehme Erkenntnis, dass manche Dinge weiterleben, obwohl man sie längst begraben glaubte. Die Lyrics wirken wie ein inneres Streitgespräch mit einem Gespenst aus der Vergangenheit.

Musikalisch zeigt die Band hier ihre rauere, direktere Seite. Das Stück ist kurz, bissig und angenehm ungeduldig. Keine große Versöhnungsgeste, keine weiche Rückblende, sondern ein Blick nach hinten mit zusammengebissenen Zähnen. Gerade deshalb funktioniert »Of All People« so gut: Der Song klingt nicht nach nostalgischem Leid, sondern nach einem genervten „Warum bist du immer noch da?“. Sehr Foo Fighters, aber mit mehr Dreck unter den Fingernägeln.

»WINDOW« – EIN LICHTSTRAHL DURCH DEN SCHMUTZ

»Window« nimmt anschließend etwas Tempo heraus, ohne die Spannung zu verlieren. Textlich ist der Song deutlich weicher und bildhafter. Es geht um Müdigkeit, Schwere, Leere und dann um einen Moment, in dem durch ein Fenster wieder Licht hereinkommt. Das wirkt nicht kitschig, sondern eher wie eine kleine, unerwartete Öffnung in einem Raum, der vorher viel zu lange stickig war.

Hier zeigt sich die melodische Seite der Foo Fighters. Dave Grohl muss nicht permanent schreien, um Intensität zu erzeugen. Manchmal reicht dieses leicht angeschlagene Timbre, das klingt, als habe jemand die Nacht durchgemacht und trotzdem beschlossen, morgens weiterzumachen. »Window« ist kein großer Stadionbrecher, aber ein wichtiger Farbtupfer auf dem Album. Der Song lässt Luft hinein, bevor die Platte wieder die Zähne fletscht.

»YOUR FAVORITE TOY« – DER TITELTRACK ALS BITTERBÖSER OHRWURM

Der Titeltrack »Your Favorite Toy« ist der zentrale Moment des Albums, und das hört man sofort. Der Song ist verspielt und aggressiv zugleich. Die Lyrics benutzen das Bild eines weggeworfenen Lieblingsspielzeugs nicht als niedliche Kindheitserinnerung, sondern als Symbol für Verlust, gekränkte Eitelkeit, Konsum, Abhängigkeit und vielleicht auch für das Gefühl, selbst benutzt oder ersetzt worden zu sein. Es geht um glänzende Oberflächen, Druck, Verlockung und die bittere Erkenntnis, dass nicht alles, was Spaß macht, auch gut für einen ist.

Musikalisch ist das Ding ein Biest mit Bonbonpapier drumherum. Der Refrain bleibt sofort hängen, aber darunter rumort es. Die verzerrten Vocals geben dem Song etwas Spöttisches, fast Karikaturhaftes. Als würde Grohl nicht nur eine andere Person ankeifen, sondern auch sein eigenes Spiegelbild. Genau darin liegt die Stärke: »Your Favorite Toy«ist kein plumper Rocker, sondern ein dreckiger kleiner Ohrwurm mit Widerhaken. Man singt mit, bevor man merkt, dass der Song einem gerade ziemlich frech den Spiegel vors Gesicht hält.

»IF YOU ONLY KNEW« – KLASSISCHE FOOS MIT OFFENER FLANKE

»If You Only Knew« bringt dann wieder mehr von diesem klassischen Foo Fighters-Gefühl mit, das zwischen Sehnsucht, Druck und melodischer Entladung pendelt. Textlich geht es um alte Verbindungen, unausgesprochene Gefühle und den Wunsch, dass jemand endlich versteht, was im Inneren wirklich los ist. Der Song arbeitet mit dem Gedanken, dass Verstehen manchmal zu spät kommt oder nie vollständig möglich ist.

Das ist einer dieser Tracks, bei denen die Band scheinbar auf vertrautem Terrain unterwegs ist, aber genau dort ihre Routine positiv ausspielt. Die Dynamik sitzt, die Melodie trägt, und Ilan Rubin zeigt am Schlagzeug, dass er nicht einfach nur eine Lücke füllt, sondern dem Material eigenen Schub gibt. »If You Only Knew« ist vielleicht nicht der überraschendste Song der Platte, aber einer der emotional zugänglichsten.

»SPIT SHINE« – DRECKIGER GLANZ UND ZUSAMMENGEBISSENE ZÄHNE

Mit »Spit Shine« wird das Album wieder rauer. Der Text dreht sich um Selbstdisziplin, Überleben, Ernüchterung und den Versuch, sich trotz Messer im Rücken nicht komplett aus der Bahn werfen zu lassen. Da steckt viel Abrechnung drin, aber auch ein fast trotziges Festhalten am Weitermachen. Das Bild vom blankpolierten Dreck passt hervorragend: Hier wird nichts wirklich sauber, es glänzt nur kurz genug, um weiterzulaufen.

Musikalisch gehört »Spit Shine« zu den bissigsten Momenten des Albums. Die Riffs haben Druck, der Groove rammt sich nach vorne, und Grohl klingt herrlich angefressen. Genau solche Songs zeigen, warum die Foo Fighters auch nach Jahrzehnten nicht wie eine Band klingen müssen, die nur noch ihr eigenes Denkmal abstaubt. Hier wird nicht abgestaubt. Hier wird mit Schmirgelpapier poliert.

»UNCONDITIONAL« – HOFFNUNG MIT BLAUEN FLECKEN

»Unconditional« schlägt einen optimistischeren Ton an, ohne plötzlich in Zuckerguss zu baden. Textlich geht es um Erschöpfung, Erinnerungen, bessere Tage und eine Form von Liebe oder Loyalität, die trotz Verletzungen, Bedingungen und Unsicherheiten bestehen bleibt. Der Song ist versöhnlicher, aber nicht naiv. Die Hoffnung kommt hier nicht frisch geduscht aus dem Wellnesshotel, sondern mit müden Augen aus einem viel zu langen Jahr.

Musikalisch lockern die Foo Fighters das Album an dieser Stelle geschickt auf. Der Song hat eine leicht hellere Farbe, bleibt aber fest im Bandkosmos verankert. Gerade nach den ruppigeren Stücken wirkt »Unconditional« wie ein bewusst gesetzter Atemzug. Kein Ausfall, kein Füllmaterial, sondern ein Song, der zeigt: Diese Platte kann auch Trost zulassen, ohne ihre Kanten abzufeilen.

»CHILD ACTOR« – WER BIN ICH, WENN KEINER ZUSCHAUT?

»Child Actor« gehört textlich zu den interessantesten Stücken auf »Your Favorite Toy«. Der Song nimmt die Idee einer öffentlichen Rolle auseinander: Applaus, Erwartungen, Kameras, Identitätsverlust und die Frage, was vom eigentlichen Menschen übrig bleibt, wenn man zu lange fremde Worte spricht oder fremde Erwartungen erfüllt. Das ist kein billiger Kommentar auf Ruhm und Bühne, sondern eine ziemlich bittere Betrachtung von Außendarstellung und Selbstentfremdung.

Musikalisch hätte der Song vielleicht etwas kompakter ausfallen können, aber seine Idee sitzt. Der wiederholende Charakter passt zum Thema: Wer ständig beobachtet wird, steckt irgendwann in einer Schleife aus Pose und Selbstzweifel. Die Foo Fighters machen daraus keinen subtilen Kammerpop, sondern einen drückenden Rocksong, der bewusst nervt, reibt und bohrt. Genau deshalb bleibt er hängen.

»AMEN, CAVEMAN« – ZURÜCK AUF NULL

»Amen, Caveman« klingt schon vom Titel her, als hätte jemand eine Predigt in eine Höhle geworfen. Textlich geht es um Rückschritt, Simulation, gesellschaftliche Abstumpfung und das Gefühl, dass der moderne Mensch trotz Technik und Lärm immer wieder auf primitive Reflexe zurückfällt. Der Song arbeitet mit einer zynischen Endzeitnote, bleibt dabei aber kurz, direkt und effektiv.

Musikalisch ist das ein angenehm schräger Brocken. Die Foo Fighters lassen hier genug Dreck und Druck zu, damit der Song nicht wie eine bloße Zwischenstation wirkt. »Amen, Caveman« ist kein großer emotionaler Höhepunkt, aber ein clever platzierter Tritt gegen die Käfigwand. Manchmal braucht ein Album eben keinen weiteren Refrain für die Feuerzeug-App, sondern einen Song, der einmal ordentlich den Staub aus der Ecke prügelt.

»ASKING FOR A FRIEND« – FRAGEN AN DAS ENDE

Der Abschluss »Asking For A Friend« bündelt vieles, was »Your Favorite Toy« ausmacht: Zweifel, Nähe, Wahrheit, Lüge, Versprechen und die große Frage, was am Ende noch real ist. Die Lyrics wirken wie ein Gespräch an einer Schwelle, zwischen Abschied und Weitergehen, zwischen Sorge und Befreiung. Es ist ein Song, der nicht alles auflöst, aber genau dadurch glaubwürdig bleibt.

Musikalisch wächst das Stück stark an. Die Foo Fighters wissen, wie man einen Closer baut, der nicht nur das Licht ausmacht, sondern noch einmal die Halle aufreißt. »Asking For A Friend« ist emotional, aber nicht weinerlich; groß, aber nicht aufgeblasen. Ein würdiger Abschluss, weil er die Platte nicht mit einem endgültigen Schlussstrich beendet, sondern mit einer Frage, die noch ein bisschen nachhallt.

EIN ALBUM MIT SCHRAMMEN, HAKEN UND GUTER LAUNE IM FALSCHEN MOMENT

Was »Your Favorite Toy« besonders sympathisch macht, ist seine Direktheit. Die Foo Fighters klingen hier nicht wie eine Band, die beweisen will, dass sie noch relevant ist. Sie klingen eher wie eine Band, die wieder Lust daran gefunden hat, Krach zu machen. Das ist ein wichtiger Unterschied. Relevanz kann man behaupten. Energie muss man liefern. Und genau das passiert hier.

Natürlich erfinden die Foo Fighters den Rock nicht neu. Wer grundsätzlich mit Grohls großen Refrains, den vertrauten Gitarrenwänden und diesem typischen Wechsel aus rauer Strophe und melodischem Aufbruch nichts anfangen kann, wird auch hier nicht plötzlich erleuchtet vom Sofa kippen. Aber »Your Favorite Toy« ist deutlich lebendiger, kantiger und kompakter als manche bequemere Phase der Band. Die Platte hat Tempo, Charakter und genug kleine Widerhaken, um nicht als bloße Stadionware durchzurutschen.

Die Produktion darf knirschen, die Vocals dürfen verzerren, die Songs dürfen auch mal fast zu schnell an einem vorbeiziehen. Gerade das tut dem Album gut. Nach allem, was im Umfeld der Band passiert ist, wäre eine übervorsichtige, weichgespülte Selbstvergewisserung der langweiligere Weg gewesen. Stattdessen klingt »Your Favorite Toy« wie eine Band, die ihre Blessuren nicht versteckt, aber auch keine Lust hat, sich von ihnen lähmen zu lassen.

FAZIT

»Your Favorite Toy« ist ein starkes, positives Lebenszeichen der Foo Fighters. Das Album verbindet rohe Rock-Energie, Alternative-Rock-Melodien, klassische Hard-Rock-Wucht und persönliche Schatten zu einer Platte, die gleichzeitig trotzig, eingängig und erstaunlich bissig wirkt. Die Lyrics kreisen um innere Echos, alte Geister, öffentliche Rollen, Erschöpfung, Hoffnung und die Frage, was bleibt, wenn das Lieblingsspielzeug endgültig kaputt oder weggeworfen ist.

Kein makelloses Meisterwerk, aber ein verdammt lebendiges Album. Die Foo Fighters wirken hier nicht wie Veteranen auf Autopilot, sondern wie eine Band, die wieder Schweiß an den Wänden sehen will. »Your Favorite Toy«beißt, grinst und haut ab, bevor man es zurück ins Regal stellen kann. Genau so darf moderner Stadionrock gerne klingen.

Hier anhören und die Clips schauen

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FOO FIGHTERS - Your Favorite Toy - CD Review

DEVENIAL VERDICT – Old Blood – Fresh Wounds

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cover artwork DEVENIAL VERDICT Old Blood - Fresh Wounds
cover artwork DEVENIAL VERDICT Old Blood - Fresh Wounds

Band: DEVENIAL VERDICT 🇫🇮
Titel: Old Blood – Fresh Wounds
Label: Transcending Obscurity Records
VÖ: 01/05/26
Genre: Avant-garde Death Metal 

Tracklist

01. Rituals Of Ignorance
02. Swarms Of The Mindless
03. Elysium
04. The Unborn God
05. Thrones
06. Fall Of Faith
07. Sun Hammer
08. The Corinthian
09. Despoiler

Besetzung

Okko Tolvanen – Drums
Riku Saressalo – Vocals
Sebastian Frigren – Guitars
Antti Poutanen – Bass

Bewertung:

4/5

Die finnische Band – deren musikalischer Stil als Avant-garde Death Metal oder Progressive Death Metal gelabelt wird – DEVENIAL VERDICT kehrt mit neuem Werk „Old Blood – Fresh Wounds“ zurück. Ein Album, das stilistisch umstritten bleibt und eine Band zeigt, die immer noch nach dem richtigen Weg sucht, ihre musikalischen Ambitionen auszudrücken.

Schwerfällige erste Hälfte mit Brutal-Death-Reminiszenzen

Gute Riffs und schwerer Klang eröffnen das Album. „Rituals Of Ignorance“ ist ein Mid-Tempo-Track mit vielen Break-ups und Wechseln in Tempo und melodischer Linie, mit erdrückender, beklemmender Gesamtatmosphäre. Wütende Vocals, tiefe Growls, eine allgegenwärtige Leadgitarre, die mehr Dissonanz als Melodie bringt. Nicht progressiv im traditionellen Sinne, sicher sehr experimentell – tatsächlich erinnert es mehr an die erste Phase der Band von Brutal Death Metal.

Der langsame und erdrückende Rhythmus setzt sich fort in „Swarms Of The Mindless„, auch der avantgardistische Ansatz. Mit Momenten, wo sie näher an Doom/Death Metal sind, mit Riffs, die verlangsamen, während der Song fortschreitet. Dennoch ist die Rhythmusgitarre der dominante Klang im Song – tatsächlich mit ziemlich schwachem Schlagzeug und Bass, nur Riffs und Vocals markieren die Komposition. Nichts Unvergessliches allerdings.

Aus Helsinki kommend, wurden DEVENIAL VERDICT 2006 gegründet, das erste Full-Length kam 2022 heraus. Jetzt beim dritten Album mit ziemlich stabilem Lineup – neben Gründungsmitglied dem Schlagzeuger Okko Tolvanen (Bastinado, Rätäk, Spiteborn) finden sich Vocalist Riku Saressalo, Gitarrist Sebastian Frigren (Dirt, Nuclear Omnicide, Rätäk, Regression) und Bassist Antti Poutanen (Spiteborn, ex-Church of the Dead, ex-Lithuria, ex-Hooded Menace).

Ein bisschen energetischer kommt „Elysium“ – ein besser strukturierter Song mit inspirierterer Komposition, auch mit schnellen und entschiedenen Momenten. Ansonsten ziemlich simples und geradliniges Stück. Erinnert an bestimmte Passagen der Kanadier Kataklysm, ziemlich uniform und uninspirierter Song.

Gute Produktion verleiht uneinheitlichem Material Kohärenz

Die Produktion ist gut – die Instrumente sind klar und tragen gleichermaßen zum Gesamtklang bei. Ein ziemlich uniformer Klang, nicht viele Akzente oder herausragende Momente, linear und zurückhaltend. Das ist mehr ein kompositorisches Problem als ein produktionstechnisches. Teil ihres Avant-garde- oder experimentellen musikalischen Outputs sind auch die Momente auf dem Album, wo die Rhythmussektion fast verschwindet. Mit Songs so unterschiedlich in Ansatz und Stil hat die Produktion gute Arbeit geleistet, einen kohärenten Akzent zu setzen, der dem Album Einheit gab.

Und das Album setzt sich fort ohne dramatische Klangveränderungen – „The Unborn God“ bringt wieder gute Riffs, bleibt ein ziemlich kryptisches Stück. „Thrones“ mit guten Riffs, auch einer atmosphärischen Passage und insgesamt meist dissonantem Song. „Fall Of Faith“ versuchte dynamischer zu sein, mit einem gewissen Grad an Experimentierung. Dennoch ein guter Song, einer der dynamischsten Tracks auf dem Album – ein Klangbild, das beginnt, wirklich beeindruckend zu werden.

Ein gewalttätiger Riff-Angriff kommt in „Sun Hammer“ – ein beeindruckender Bass und mit Vocals, die eine tiefere Oktave nahmen und dem Song Gewicht hinzufügen. Ein marschierender Rhythmus, Schreie, gute schnelle Riffs. Einer der inspiriertesten Tracks auf dem Album und einer der wenigen Songs, die die progressive Seite der Band zeigen. Eine komplett andere Band hier als auf den Eröffnungstracks – ein Song, der gute musikalische Ideen enthüllt und lebendige Atmosphäre hat, ein definitives Highlight.

Und der gute Klangwechsel setzt sich fort in „The Corinthian“ – wieder sind es die Gitarren, die die positive Veränderung bringen. Ein Song, der sich lebendig anfühlt, dynamisch und mit interessanten Passagen. Zeigt beeindruckende technische Fähigkeiten, stilistisch auch näher an Technical Death Metal – ein weiterer guter Song. Der Final Track „Despoiler“ setzt mit dieser Attitüde fort, scheint mehr wie eine Fortsetzung des vorherigen Tracks. Zumindest endet das Album viel besser strukturiert und inspirierter, als es startet.

Zweite Hälfte belohnt geduldige Hörer

Für den größten Teil ein Album, das eine fast lethargische Band zeigt – erst im zweiten Teil wachen sie auf und zeigen etwas Potenzial. Auch sehr unentschieden stilistisch, mehr wie ein Resultat der avantgardistischen Vision, mit sehr guten Passagen gefolgt von faden und uninteressanten. Auf rhythmischeren Passagen zeigen sie wirklich gute Fähigkeiten, und diese Momente kommen mit vollem und sehr fesselndem Klang.

Die ganze Avant-garde-Idee fühlt sich mehr an wie ein breiter Schirm für Mangel an Kohäsion in der Komposition – eine Ausrede, keiner klaren Richtung zu folgen. Und das resultiert in teilweise frustrierendem Hörerlebnis – die guten Passagen sind manchmal zu kurz und nicht voll erfüllt. Jeder mit genug Geduld, nach den ersten Songs weiterzuhören, wird in der zweiten Hälfte mit viel interessanterer Musik belohnt, mit einigen wirklich unvergesslichen Passagen. Alle Songs auf der zweiten Hälfte des LP sind erwähnenswert und gute Tracks. Und der letzte Eindruck ist ein sehr positiver.

Fazit: DEVENIAL VERDICT experimentieren mit „Old Blood – Fresh Wounds“ – schwacher Start, zweite Hälfte deutlich überzeugender.

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DEVENIAL VERDICT - Old Blood - Fresh Wounds

VANSIND – Hævnen

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VANSIND - Hævnen - album cover
VANSIND - Hævnen - album cover

Band: VANSIND 🇩🇰
Titel: Hævnen
Label: Mighty Music
VÖ: 01/05/26
Genre: Folk Metal

Tracklist

01. Det Største Offer
02. Alvild
03. Blodhævn
04. Det Sidste Nådeskys
05. I Yggdrasils Skygge
06. Truslen Fra Dybet
07. Skæbnens Tunge Vej

 

Besetzung

J. Asgaard – male vocals
Line Burglin – female vocals
Rikke Klint Johansen – keyboard, tin whistle, bagpipe
Kirk Backarach – guitar
Nikolaj Madsen – guitar
James Atkin – bass
Danni Lyse Jelsgaard – drums

 

Bewertung:

4,5/5

Rückkehr mit geschärftem Klangbild

VANSIND melden sich mit ihrem zweiten Album »Hævnen« zurück. Die dänische Folk-Metal-Band knüpft damit an ihr Debüt »Mørket« aus dem Jahr 2023 an, geht aber hörbar einen Schritt weiter. Die Veröffentlichung ist für den 1. Mai 2026 über Mighty Music angekündigt. Schon jetzt zeigt sich, dass die Band ihr Profil geschärft hat. Die Musik wirkt konzentrierter, dichter und emotional aufgeladener als noch beim Vorgänger.

Im Zentrum stehen Themen wie Rache, Verrat, Freiheit und Opferbereitschaft. Diese Motive ziehen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album und geben ihm eine klare erzählerische Linie. VANSIND setzen dabei nicht auf oberflächliche Dramatik, sondern auf eine Mischung aus mythologischen Bezügen und persönlichen Konflikten, die sich gegenseitig spiegeln.

Klang zwischen Schlachtfeld und Sage

Musikalisch bewegt sich »Hævnen« zwischen brachialem Metal und traditionell geprägten Folk-Elementen. Gitarrenriffs von Kirk Backarach und Nikolaj Madsen bilden das Fundament, auf dem sich ein wechselhaftes Klangbild entfaltet. Mal dominieren harte, treibende Strukturen, dann wieder öffnen sich Räume für melodische Passagen, die fast erzählerisch wirken.

Besonders prägend ist der Einsatz von Rikke Klint Johansens Instrumentarium. Tin Whistle, Dudelsack und Keyboards verleihen dem Album eine historische Tiefe, die nie dekorativ wirkt, sondern eng mit den Songs verwoben ist. Die Mischung aus J. Asgaards kraftvollen Growls und Line Burglins klaren Gesangslinien sorgt zusätzlich für Spannung. Diese Dualität verleiht den Stücken eine emotionale Bandbreite, die von Wut bis Melancholie reicht.

Auch rhythmisch zeigt sich das Album vielseitig. Danni Lyse Jelsgaard am Schlagzeug und James Atkin am Bass treiben die Songs mit Druck voran, ohne die Dynamik zu verlieren. Gerade in den Übergängen zwischen aggressiven und atmosphärischen Momenten zeigt sich die Stärke des Songwritings.

Mythen, Dunkelheit und erzählerische Tiefe

Lyrisch greift »Hævnen« tief in nordische Mythologie und skandinavische Geschichte. Es geht um alte Konflikte, vergessene Legenden und die Frage, wie sich vergangene Gewalt in der Gegenwart fortsetzt. Dabei wirkt das Album nie wie eine bloße Nacherzählung alter Sagen, sondern eher wie eine Neuinterpretation mit zeitgemäßem Blick.

Die Produktion unterstützt diesen Ansatz. Der Klang ist klar, aber nicht glattgebügelt. Vielmehr bleibt eine gewisse Rauheit erhalten, die den Charakter der Musik unterstreicht. Besonders in Stücken wie »I Yggdrasils Skygge« oder »Truslen Fra Dybet« entsteht eine Atmosphäre, die fast filmisch wirkt, ohne sich in Effekten zu verlieren.

Einzelne Momente zwischen Wucht und Melodie

»Blodhævn« fällt durch seine kompromisslose Härte auf, während »Alvild« stärker auf melodische Elemente setzt und fast hymnisch wirkt. »Det Sidste Nådeskys« bringt eine nachdenklichere Note ein, bevor das Album mit »Skæbnens Tunge Vej« einen epischen Abschluss findet, der vieles noch einmal zusammenführt, ohne zu beschönigen.

Gerade diese Mischung aus direkten, aggressiven Songs und atmosphärisch aufgebauten Stücken sorgt dafür, dass das Album über seine gesamte Laufzeit trägt.

Zusammenspiel der Musiker

Das Line-up zeigt eine klare Aufgabenteilung, die sich im Gesamtklang widerspiegelt. J. Asgaard führt mit seinen Vocals durch die düsteren Erzählungen, während Line Burglin einen Gegenpol setzt. Rikke Klint Johansen verankert den Folk-Aspekt hörbar im Soundbild. Die Gitarrenarbeit von Backarach und Madsen sorgt für die nötige Härte, während Bass und Schlagzeug das Fundament stabil halten. Die Produktion lässt allen Beteiligten genug Raum, ohne dass einzelne Elemente überladen wirken.

»Hævnen« ist kein vorsichtiges Zweitwerk, sondern ein selbstbewusstes Statement. VANSIND erweitern ihren Sound, ohne ihre Wurzeln zu verlieren. Die Verbindung aus Folk, Metal und mythologischer Erzählweise funktioniert über weite Strecken überzeugend. Kleine Längen im Mittelteil ändern nichts daran, dass hier ein rundes, durchdachtes Album entstanden ist.

Fazit: »Hævnen« von VANSIND ist mehr als nur ein Album, es ist ein musikalischer Streifzug durch legendäre Welten, der alte Geschichten neu erzählt.

Internet

VANSIND - Hævnen - CD Review

KISSING KAOS – To Your Limit

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KISSING KAOS - To Your Limit - album cover
KISSING KAOS - To Your Limit - album cover

Band: KISSING KAOS 🇺🇸
Titel: To Your Limit
Label: Mighty Music
VÖ: 01/05/26
Genre: Heavy Melodic Rock

Tracklist

01. Hey Sugar
02. Tear It Down
03. Heartache and Scars
04. Can’t Fake Me
05. To Your Limit
06. Breakthrough
07. The Joker
08. Chaos Inside
09. Yesterday’s Kids

 

Besetzung

Joe Flynt – vocals
Brian Jung – drums
Jon Lansburg – guitars
Chris Taylor – bass

 

Bewertung:

4/5

KISSING KAOS stehen mit ihrem Debütalbum »To Your Limit« in den Startlöchern, veröffentlicht über Mighty Music. Hinter dem Projekt steht Sänger Joe Flynt, der nach seinem Abschied von ASPHALT VALENTINE neue musikalische Wege eingeschlagen hat. Aus ersten Songideen entwickelte sich schnell eine feste Bandbesetzung, die Erfahrung und frische Energie kombiniert Brian Jung am Schlagzeug, Jon Lansburg an der Gitarre und Chris Taylor am Bass.

Der Sound zwischen Druck und Melodie

Flynt wollte Songs schreiben, die Druck und Melodie verbinden und gleichzeitig die Brücke zwischen klassischen Hard-Rock-Einflüssen und modernerem Sound schlagen. Die Dynamik der frühen Demoaufnahmen überzeugte zunächst Brian Jung, der direkt wieder einstieg. Gitarrist Jon Lansburg kam über eine Empfehlung von Produzent Andy Reilly ins Spiel und brachte technische Präzision und stilistische Breite mit. Chris Taylor, bekannt von KICKIN VALENTINA, war ursprünglich nur für einzelne Videoarbeiten vorgesehen, wurde aber schnell zum festen Bestandteil der Band, beteiligte sich am Songwriting und übernahm die Bassparts auf dem gesamten Album.

Die Songs im Überblick

»To Your Limit« umfasst neun Tracks, die sich zwischen druckvollem Hard-Rock, punkiger Direktheit und eingängigen Melodien bewegen. Bereits der Opener »Hey Sugar« setzt ein hohes Tempo und zeigt die Richtung des Albums. »Tear It Down« und »Heartache and Scars« arbeiten mit eingängigen Refrains und einer rauen Grundhaltung, während »Can’t Fake Me« etwas grober und unmittelbarer wirkt.

Der Titelsong »To Your Limit« bildet das Zentrum der Platte. Hier verdichten sich die Stärken der Band besonders deutlich, ein treibendes Riff, ein klarer Gesang und ein Refrain, der sofort hängen bleibt. Danach zeigt »Breakthrough« eine leicht optimistischere Note, ohne die Härte zu verlieren. »The Joker« und »Chaos Inside« bewegen sich stärker in Richtung düsterer Klangbilder, während »Yesterday’s Kids« das Album mit einer nachdenklicheren Stimmung abschließt.

Produktion und Gesamtwirkung

Produktion und Sound bleiben klar auf Energie ausgerichtet. Die Gitarren sind breit im Mix platziert, behalten aber eine raue Kante. Der Bass bleibt bewusst im mittleren Frequenzbereich und stützt die Riffs, statt sich in den Vordergrund zu drängen. Das Schlagzeug klingt trocken und präzise, was den Songs zusätzliche Schlagkraft gibt. Besonders in schnelleren Stücken entsteht dadurch ein Gefühl von unmittelbarer Live-Energie, das die Band gut einfängt. Kleine Details wie kurze Breaks oder rhythmische Stopps sorgen für Abwechslung im ansonsten geradlinigen Aufbau.

Inhaltlich bewegt sich das Album zwischen Aufbruch, Konflikt und Selbstbehauptung. Viele Texte kreisen um innere Spannung und den Versuch, sich gegen äußere Erwartungen zu behaupten. Dabei bleibt die Sprache direkt und verzichtet auf Umwege. Joe Flynt setzt eher auf klare Bilder als auf abstrakte Metaphern. Das passt zur musikalischen Ausrichtung, die ebenfalls auf Klarheit und Energie setzt. Die Songs wirken dadurch wie Momentaufnahmen, die aus einer intensiven Phase des Songwritings entstanden sind.

Im Gesamtbild zeigt sich eine Band, die ihre Richtung gefunden hat und diese konsequent verfolgt. KISSING KAOS setzen nicht auf große Experimente, sondern auf unmittelbare Wirkung und solide Songstrukturen. Gerade diese Geradlinigkeit sorgt dafür, dass das Album schnell zugänglich bleibt, ohne an Spannung zu verlieren. Einzelne Songs entwickeln dabei genug Eigenständigkeit, um im Gedächtnis zu bleiben. Für ein Debüt ist das ein starker Einstieg, der noch Spielraum für Entwicklung lässt, aber bereits ein klares Profil erkennen lässt.

Joe Flynts Gesang wirkt rau, aber kontrolliert und trägt die Songs mit einer gewissen Dringlichkeit. Brian Jung sorgt für ein druckvolles Fundament, während Jon Lansburgs Gitarrenarbeit sowohl rhythmische als auch melodische Akzente setzt. Chris Taylor fügt sich mit seinem Bassspiel unaufdringlich ein, gibt den Songs aber spürbar Tiefe.

»To Your Limit« ist kein Album, das neue Genregrenzen verschiebt. Vielmehr überzeugt es durch Konsequenz, Spielfreude und eine klare Ausrichtung. Die Band weiß, was sie will, und setzt das ohne Umwege um.

Am Ende bleibt ein solides Debüt mit viel Energie und einigen starken Momenten, das vor allem Fans von melodischem Hard-Rock mit punkiger Kante ansprechen dürfte. Das Debüt wirkt damit wie ein klar formulierter Startpunkt. Es zeigt Energie, Zusammenhalt und eine Band, die sich ihrer Identität bewusst ist. Die nächsten Schritte könnten vor allem live spannend werden, wo die Songs ihre volle Wirkung entfalten dürften.

Fazit: KISSING KAOS zeigen mit »To Your Limit«, dass sie eine Band sind, die das Beste aus verschiedenen Welten vereint.

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KISSING KAOS - To Your Limit - CD Review

1914 – 26.04.2026, Chelsea Wien

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1914 01

“The War That Never Ends” Tour

1914, KATLA, GRIMMING

26.04.2026, Chelsea Wien

Ein ausverkauftes Konzert im Chelsea, und das an einem Sonntagabend – offenbar wollten viele die ukrainische Blackened-Death/Doom-Metal-Einheit 1914 und/oder die Supportbands KATLA und GRIMMING sehen. Die beteiligten Bands hätten wohl auch eine größere Location verdient, doch trotz der Enge erwies sich das Chelsea als passender Gastgeber für den Abend. Die Veranstaltung wurde von Barracuda Music und Mind Over Matter präsentiert.

GRIMMING

Die Band aus der Steiermark, die im vergangenen Jahr durch ein Video mit traditionellen Trachten und gleichzeitig sehr prägnantem Death Metal größere Aufmerksamkeit erlangte, eröffnete den Abend. Bereits mit den ersten Reaktionen aus dem Publikum – Applaus und Jubel – wurde klar, dass sie mehr sind als nur eine optische Besonderheit, und sie bestätigten das schnell auch musikalisch. Die Tracht täuscht nicht: das ist schwerer, klarer Metal.

GRIMMING 01

Fanfaren und traditionelle Klänge bilden zunächst den Einstieg, bevor schwere Riffs und technische Präzision den Raum füllen. Gutturale Growls, raue Vocals, melodische, aber gleichzeitig druckvolle Gitarren, ein präsenter Bass und eine solide Rhythmussektion ergeben einen dichten Sound. Die Riffs werden durch komplexere Gitarrenlinien ergänzt, dazu kommen punktuell Black-Metal-Einflüsse und eine ungewöhnliche Verbindung zu traditionellen Melodien aus dem Süden Österreichs.

GRIMMING 02Das Publikum reagiert sofort positiv, mit viel Applaus und sichtbarer Begeisterung. Die Band gewinnt die Anwesenden schnell für sich, nicht nur durch Energie, sondern auch durch ihre Songs, die zur Bewegung einladen. Die Mischung aus melodischen Linien und folkloristischen Elementen sorgt für einen eigenständigen Klang. Sie haben eine eigene Nische gefunden und füllen sie überzeugend.

Auch die Songstrukturen sind interessant, mit Momenten, in denen sich der Sound deutlich in Richtung Black Metal verschiebt. Dazu ein kommunikativer Frontmann und eine Band, die sich selbst nicht zu ernst nimmt, trotz Steirerhut und Auftreten. Entscheidend bleibt die Musik – und die funktioniert. Ein kurzer, aber überzeugender Auftritt, viele Reaktionen aus dem Publikum und ein gelungener Einstieg in den Abend.

Setlist

01. Lindwurm
02. Pankh
03. Pesthigl
04. Jagatod
05. Wüdschitz

KATLA

Das dänische Stoner/Sludge/Doom-Trio KATLA betrat als nächstes die kleine Bühne, die für drei Musiker bereits eng wirkte. Der Einstieg mit ambienten, fast meditativen Klängen wirkte zunächst irritierend – ein kurzer Moment der Ruhe, bevor sich das Gegenteil entfaltet.

KATLA 01

Mit dem eigentlichen Beginn setzt sofort ein massiver, tieffrequenter Sound ein, sehr laut, an der Grenze zum Unangenehmen. Gleichzeitig bleibt der Klang im Raum klar und präzise, technisch sauber umgesetzt. Das gilt auch für die Band selbst: langsame Tempos, lange gezogene Riffs, dominanter Bass, ergänzt durch melodische und teils dissonante Gitarren.

KATLA 02Keine Musik, die durchgehend zum Headbangen einlädt, aber in den groovigeren Passagen reagiert das Publikum dennoch. Die Dynamik entsteht eher aus dem Wechselspiel der langsamen und dichteren Momente. Auf der Bühne dominiert vor allem der Sänger und Schlagzeuger mit seiner Präsenz. Der Sound wirkt stellenweise fast vintage, mit groovigen und teilweise melodischen Ansätzen, unterstützt durch die zweite Stimme am Bass.

Ein besonderer Moment entsteht, als Oleksa von 1914 mit auf die Bühne kommt und mit zusätzlicher Gitarre den Sound deutlich verdichtet. Die Band bleibt meist im langsameren Bereich, typisch für Sludge, wobei das Schlagzeug wesentlich zur Gesamtwirkung beiträgt.

Die Reaktionen im Publikum bleiben eher zurückhaltend, passend zur Musik. Zwischen den Songs gibt es politische Kommentare, aber auch humorvolle Momente, insgesamt eine entspannte Atmosphäre. Einzelne Fans sorgen dennoch für Bewegung im Raum. Ein solides Set, mit starker musikalischer Umsetzung.

Setlist

01. Warmongering Luciferians pt. 1
02. Warcries
03. Dead Lover
04. Black Echo
05. Grim Jesus
06. Dragonlord
07. Taurus

1914

Zu den Klängen von „War In (The Beginning of the Fall)“ vom Band betreten 1914 die Bühne. In einer dichten, erdrückenden Atmosphäre setzt sich ihr Auftritt nahtlos fort, geprägt von ihrem charakteristischen Mix aus Death, Black und Doom Metal, verbunden mit den kriegsbezogenen Themen. Die eingespielten historischen Klangfragmente aus der Zeit, auf die sich ihr Name bezieht, erzeugen kurze, wirkungsvolle Übergänge und funktionieren live sogar intensiver als auf den Alben.

1914 02

Nach mehreren gescheiterten Anläufen war es ihnen nun endlich möglich, wieder auf Tour zu gehen – die Situation in ihrem Heimatland hatte ihnen lange Zeit verwehrt, Europa zu bereisen und zu spielen. Trotz dieser Umstände haben sie im letzten Jahr mit „Viribus Unitis“ eines der wichtigsten Genre-Alben veröffentlicht und sich erneut an die Spitze der relevanten Veröffentlichungen gesetzt.

1914 03Der Sound ist erneut sehr gut, mit fünf Musikern auf der Bühne deutlich vielschichtiger. Die Gitarren entwickeln komplexe Melodien und gleichzeitig eine massive, drückende Wand. Neben der Musik ist die Show klar inszeniert und theatralisch angelegt: Uniformen, gezielte Bewegungen, eine durchdachte Choreografie. Nichts wirkt zufällig, keine unnötigen Gesten – alles dient der Darstellung von Krieg, Verzweiflung, Gewalt und Hass.

Der Sänger wirkt dabei zurückgenommen, wenig emotional, fast distanziert. Das gilt im Grunde für die gesamte Band: keine sichtbare Leidenschaft, sondern eine kontrollierte, fast kühle Darbietung. Vielleicht sogar zu kontrolliert. Gleichzeitig spiegelt genau das auch ihre Musik wider. Im Kontrast dazu steht das Publikum, das die Songs mit spürbarer Begeisterung aufnimmt. Die Setlist ist sehr gut gewählt, von „FN .380 ACP#19074“ bis zu neueren Stücken wie „1914 (The Siege of Przemysl)“ oder „1916 (The Südtirol Offensive)“, insgesamt eine Auswahl der repräsentativsten Songs, vor allem der rhythmisch stärkeren, die live besser funktionieren.

1914 04Immer wieder setzen sie starke Riffs, ergänzt durch emotionale Melodien und die rauen Vocals. Sänger Dmytro Kumar ist der Einzige, der zwischen den Songs spricht – mit klar politischen Aussagen und erschütternden Geschichten, nicht aus den Alben, sondern aus der Realität. Im Kern stehen seine Worte konsequent gegen Krieg und Imperialismus und wirken wie eine direkte Warnung. Die Texte tragen eine starke Botschaft, unterstützt durch die Musik.

Musikalisch erfüllt die Band die Erwartungen vollständig, die Performance bleibt jedoch auffallend distanziert. Keine Ausbrüche, keine sichtbare Intensität, eher eine bewusste Zurückhaltung. Diese Distanz wirkt stellenweise befremdlich und schafft eine gewisse Unruhe im Raum. Niemand erwartet Leichtigkeit oder Humor, aber die Distanz ist deutlich spürbar.

Am Ende bleibt dennoch die Musik entscheidend – und die ist von höchster Qualität. Ein überzeugender Auftritt, starke Songs und ein insgesamt gelungener Abend.

Setlist

01. FN .380 ACP#19074
02. Vimy Ridge (In Memory of Filip Konowal)
03. 1914 (The Siege of Przemysl)
04. 1915 (Easter Battle for the Zwinin Ridge)
05. 1918 Pt 1: WIA (Wounded in Action)
06. 1916 (The Südtirol Offensive)
07. 1917 (The Isonzo Front)
08. Passchenhell 
09. A7V Mephisto