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Temple ov Ahriman – Heretics of Consensual Reality

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Band: Temple ov Ahriman 🇺🇸
Titel: Heretics of Consensual Reality
Label: Eigenveröffentlichung
VÖ: 26.06.2026
Format: CD / Digital
Genre: Black Metal / Melodic Black Metal / Black ’n’ Roll

Tracklist

01. War in Heaven – 04:24
02. Wrath of Iblis – 04:51
03. Infernal Imperium – 03:48
04. SPQB – 04:58
05. White Death – 05:44
06. Heretics of Consensual Reality – 05:49
07. Baphomet’s Kiss – 06:09
08. Beyond the Veils of Maya – 06:40

Besetzung

Thornicator – Gesang, Gitarren, Bass, Keyboards
Servitor – Schlagzeug

Gastmusiker:
Sekt von Brüka – Gesang bei »War in Heaven«
Misery von Brüka – zusätzlicher Gesang bei »SPQB«
Val Rozar von Brüka – zusätzlicher Gesang bei »SPQB«
Von Hammerblast von Brüka – zusätzlicher Gesang bei »SPQB«

Produktion:
Kfir Gov – Schlagzeugaufnahme, Mixing
Thornicator – Aufnahme aller weiteren Instrumente
Jack Control – Mastering im Enormous Door Mastering
Mitchell Nolte – Cover-Artwork
Imazapyr – zusätzliches Songwriting bei »Baphomet’s Kiss« und »Beyond the Veils of Maya«

Schlagzeug aufgenommen am 20. Januar 2025 im Evil Snail Studio
Alle weiteren Instrumente aufgenommen zwischen Frühjahr und Herbst 2023

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Die Wirklichkeit ist bekanntlich das, worauf sich ausreichend viele Menschen geeinigt haben – bis jemand die Fenster vernagelt, die Kerzen anzündet und erklärt, dass die gemeinsam beschlossene Ordnung lediglich eine besonders hartnäckige Illusion sei. Genau an diesem Punkt setzt Temple ov Ahriman mit dem Debütalbum »Heretics of Consensual Reality« an. Hinter dem Projekt aus Austin, Texas, steht Thornicator, der Gesang, Gitarren, Bass und Keyboards nahezu vollständig allein verantwortet und bereits durch Triacanthos sowie seine frühere Tätigkeit bei Vesperian Sorrow bekannt ist. Gemeinsam mit Session-Schlagzeuger Servitor errichtet er acht Stücke lang einen Tempel aus Second-Wave Black Metal, finnisch gefärbten Melodien, D-Beat, Black ’n’ Roll und einer erstaunlich griffigen Gitarrenarbeit. Die Musik ist roh, aber nicht schlampig; melodisch, aber nicht versöhnlich; okkult aufgeladen, ohne jeden Titel mit drei Minuten Räucherstäbchenknistern einzuleiten. Inhaltlich führt der Weg von einem Krieg im Himmel über Iblis, Nero, Baphomet und die Göttin Kali bis zu jenem titelgebenden Bruch mit der gemeinsam akzeptierten Realität. Das klingt nach einem überfüllten Seminarplan für vergleichende Religionswissenschaft, wird von Thornicator jedoch in 42 Minuten konzentrierten Black Metal übersetzt.

Full Album Stream: Heretics of Consensual Reality

DER HIMMEL WIRD ZUM KRIEGSGEBIET

»War in Heaven« beginnt ohne atmosphärischen Vorlauf. Servitor setzt einen treibenden Rhythmus, die Gitarren schieben sich mit frostiger Melodik in den Vordergrund und Thornicator eröffnet den Angriff mit einem hohen, rauen Schrei. Der Klang erinnert an die zweite Black-Metal-Welle, besitzt aber genügend Druck und Klarheit, um nicht wie eine schlecht erhaltene Demokassette aus einem feuchten Keller zu wirken.

Der Song folgt der Perspektive einer Rebellion gegen die göttliche Ordnung. Nicht der Teufel wird aus dem Himmel vertrieben, sondern der vermeintliche Schöpfer soll seinen Thron verlieren. Die Umkehrung ist nicht neu, wird jedoch mit bemerkenswerter Entschlossenheit vorgetragen. Gitarren und Schlagzeug klingen weniger nach mystischer Beschwörung als nach einem tatsächlichen Sturmangriff.

Besonders auffällig ist der Gastgesang von Sekt, Bassistin der texanischen Band Brüka. Ihre klare Stimme bildet einen ungewöhnlichen Kontrast zu Thornicators heiseren Schreien. Sie wird nicht als hübsche Hintergrundverzierung eingesetzt, sondern öffnet den Song für wenige Augenblicke und verleiht ihm eine beinahe feierliche Größe.

Temple ov Ahriman nutzen den Wechsel nicht für das übliche Schönheit-und-Biest-Schema. Sekt steht nicht für das Licht und Thornicator nicht automatisch für die Dunkelheit. Beide Stimmen gehören zur selben rebellischen Seite. Gerade dadurch wirkt der Kontrast wesentlich interessanter als die hundertste Wiederholung eines symphonischen Metal-Refrains.

Musikalisch liefert der Opener bereits den Bauplan des Albums. Die Riffs sind melodisch, werden aber von einer rauen Oberfläche zusammengehalten. Servitor setzt Blastbeats und schnellere Doublebass-Figuren gezielt ein, ohne jeden freien Takt niederzutrommeln. Das Stück bleibt aggressiv, kann seine Gitarrenmelodien aber trotzdem ausspielen.

IBLIS VERWEIGERT DEN KNIEFALL

»Wrath of Iblis« bezieht sich auf jene Gestalt, die sich der Unterwerfung unter den aus Lehm geschaffenen Menschen verweigert. Thornicator interessiert sich dabei weniger für eine theologische Nacherzählung als für den Augenblick der Auflehnung. Iblis erscheint als widerspenstige Kraft, die den Befehl nicht akzeptiert und dafür aus der vorgegebenen Ordnung entfernt wird.

Das Riffing wird schärfer und schneller. Die Gitarren arbeiten mit tremolierten Bewegungen, lassen dazwischen aber immer wieder kompakte Akkordfolgen stehen. Dadurch bleibt die Musik körperlich. Temple ov Ahriman spielen Black Metal, der nicht nur atmosphärisch über dem Boden schwebt, sondern deutlich im Brustkorb ankommt.

Servitors Schlagzeug ist ein wichtiger Faktor. Die Blastbeats besitzen genügend Unruhe, um gefährlich zu wirken, bleiben aber kontrolliert. Besonders in den Übergängen hört man, dass hier kein lebloses Rhythmusprogramm eingesetzt wurde. Kleine Akzentverschiebungen und kurze Fills geben den Gitarren Raum, ohne das Tempo unnötig zu unterbrechen.

Thornicators Stimme klingt noch angegriffener als im Opener. Seine hohen Schreie werden punktuell durch tiefere Laute gestützt. Diese zweite vokale Ebene taucht auf dem Album nicht oft genug auf, ist aber jedes Mal wirkungsvoll. Die tieferen Stimmen verleihen einzelnen Zeilen ein Gewicht, das mit dauerhaftem Kreischen allein schwer zu erreichen wäre.

Im letzten Drittel setzt die Band auf eine melodische Steigerung. Die Gitarren öffnen sich, während das Schlagzeug weiter Druck erzeugt. Der Song beginnt als Raserei und endet mit einer beinahe triumphalen Bewegung. Triumph bedeutet bei Temple ov Ahriman allerdings nicht, dass plötzlich die Sonne aufgeht. Höchstens brennt der Himmel etwas heller.

DAS IMPERIUM MARSCHIERT IM MITTELTEMPO

»Infernal Imperium« ist mit weniger als vier Minuten das kürzeste Stück und zugleich eine willkommene Tempoverschiebung. Nach den ersten beiden Angriffen tritt der D-Beat deutlicher hervor. Die Musik marschiert, anstatt permanent zu rasen, und erhält dadurch eine unmittelbare Black-’n’-Roll-Wirkung.

Das Hauptriff ist bewusst einfach gehalten. Thornicator verzichtet auf technische Verzierungen und setzt stattdessen auf Wiederholung, Druck und einen Rhythmus, der sich schnell festsetzt. Wo andere Black-Metal-Projekte aus Angst vor Eingängigkeit noch drei zusätzliche Akkorde einbauen würden, lässt Temple ov Ahriman das Riff seine Arbeit erledigen.

Textlich wird Herrschaft als Recht des Stärkeren beschrieben. Nationen werden durch Begehren und eiserne Gewalt geformt, während Schwäche lediglich zur Unterwerfung bestimmt scheint. Das ist keine politische Programmschrift, sondern eine konsequente Darstellung des infernalischen Imperiums, das der Titel ankündigt.

Der Refrain besitzt eine beinahe hymnische Struktur. Thornicator wiederholt die zentralen Begriffe, während die Gitarren einen massiven Untergrund bilden. Die Melodie bleibt dunkel, ist aber sofort erkennbar. Genau solche Momente machen deutlich, dass Eingängigkeit und Black Metal keine natürlichen Feinde sein müssen.

In der Albumdramaturgie erfüllt »Infernal Imperium« eine wichtige Funktion. Der Song verhindert, dass die ersten zwanzig Minuten ausschließlich aus Blastbeats und Tremololäufen bestehen. Gleichzeitig bleibt er aggressiv genug, um nicht wie eine Verschnaufpause zu wirken. Temple ov Ahriman schalten einen Gang herunter, nehmen den Fuß aber nicht vom Gaspedal.

ROM BRENNT, NERO SINGT UND DIE MASSE KLATSCHT

»SPQB« ist kein Schreibfehler. Aus dem römischen SPQR wird hier „Senatus Populusque Blasphemiae“. Der Senat und das Volk Roms werden durch eine Gemeinschaft der Gotteslästerung ersetzt. Nero steht im Mittelpunkt, während Rom brennt, Christen den Löwen vorgeworfen werden und das Publikum seine tägliche Portion Brot und Zirkus erhält.

Musikalisch gehört die Nummer zu den unmittelbarsten Stücken. Der D-Beat treibt stärker, die Gitarren schrammen mit rauem Black-’n’-Roll-Gefühl vorwärts und Thornicator spuckt die Zeilen wesentlich rhythmischer aus als zuvor. Die Melodik bleibt vorhanden, tritt aber hinter der körperlichen Energie zurück.

Misery, Val Rozar und Von Hammerblast von Brüka unterstützen den Song mit zusätzlichen Stimmen. Die Gang-Vocals verleihen dem Nero-Refrain einen geradezu pöbelnden Charakter. Das Stück klingt für einen Moment nach einer Horde, obwohl der Kern des Projekts weiterhin aus einem einzelnen Musiker besteht.

Der Kontrast zwischen historischem Größenwahn und moderner Massenunterhaltung wird nicht sonderlich subtil gezeichnet. Das muss er auch nicht. »SPQB« ist kein philosophischer Essay, sondern ein knapp fünfminütiger Aufruhr, bei dem der Kaiser auf dem Balkon steht und die Band im brennenden Keller darunter weiterspielt.

Die Gitarrenarbeit bleibt trotz der direkten Struktur differenziert. Eine Spur hält das riffbetonte Fundament, während zusätzliche Linien für Bewegung sorgen. Thornicator versteht, dass eine Ein-Mann-Produktion nicht zwangsläufig nach einer einzigen übereinanderkopierten Gitarrenspur klingen muss.

Der Song besitzt einen der stärksten Wiedererkennungswerte des Albums. Das liegt sowohl am Refrain als auch am groovenden Rhythmus. Wer Temple ov Ahriman kennenlernen möchte, erhält hier in konzentrierter Form D-Beat, Black Metal, historische Blasphemie und genügend Energie, um den nächsten römischen Stadtbrand zumindest musikalisch zu begleiten.

DER WEISSE TOD KOMMT LANGSAM

Mit »White Death« beginnt die zweite Albumhälfte deutlich gedrosselter. Die Kälte wird nicht durch rasende Geschwindigkeit dargestellt, sondern durch ein schweres, beinahe schleppendes Riff. Der Song beschreibt Schnee, Frost, Dunkelheit und jene Isolation, in der das bloße Überleben zur Prüfung des eigenen Willens wird.

Die Musik arbeitet mit einer kreisenden Gitarrenbewegung. Das Motiv kehrt mehrfach zurück und zieht den Hörer tiefer in die frostige Umgebung. Servitor setzt einen ursprünglichen, beinahe stampfenden Rhythmus darunter. Die Wirkung entsteht nicht durch technische Komplexität, sondern durch Beharrlichkeit.

Thornicators Stimme bleibt scharf und hoch, wirkt über dem reduzierten Tempo jedoch noch greller. Die Schreie stehen wie eine offene Wunde über dem Instrumental. Gerade dieser Gegensatz zwischen schwerem Untergrund und zerrissener Stimme macht den Song zu einem der atmosphärischsten Momente.

Nach der Hälfte gewinnt das Arrangement an Bewegung. Die Gitarren werden melodischer, das Schlagzeug setzt stärkere Doublebass-Akzente und die zuvor bedrückte Stimmung beginnt sich zu öffnen. Der Text beschreibt diesen Prozess als Prüfung und Erneuerung: Der Mensch wird von der Natur beinahe gebrochen, tritt aber verändert aus der Kälte hervor.

»White Death« ist nicht der spektakulärste Titel, aber ein wichtiger. Das Stück zeigt, dass Temple ov Ahriman auch ohne permanentes Hochgeschwindigkeitsfeuer Spannung erzeugen können. Gleichzeitig fehlt dem letzten Drittel ein endgültiger Höhepunkt. Die Steigerung ist gut vorbereitet, könnte aber noch entschlossener explodieren.

DIE KETZER VERLASSEN DIE GEMEINSAME WIRKLICHKEIT

Der Titelsong »Heretics of Consensual Reality« rückt das okkulte Konzept in den Mittelpunkt. Wille, Glaube und Begehren sollen die wahrgenommene Wirklichkeit verändern. Der Mensch verlässt die alltägliche Ordnung, schafft einen abgeschlossenen rituellen Raum und versucht, Einfluss auf jene Ebenen zu nehmen, die gewöhnlich als unveränderlich akzeptiert werden.

Musikalisch kehrt die Band zur aggressiveren Ausrichtung zurück. Die Gitarren bewegen sich zwischen finsterer Melodik und härteren Akkordfolgen. Servitor wechselt zwischen Blastbeats, treibenden Passagen und kurzen Temporeduktionen. Dadurch wirkt der Song abwechslungsreicher als die ersten Stücke.

Thornicator setzt hier seine tieferen Stimmen besonders effektiv ein. Growl-artige Laute stehen neben den hohen Schreien und erzeugen eine kurze dialogische Wirkung. Es klingt, als würden mehrere Instanzen innerhalb desselben Rituals sprechen. Diese Erweiterung hätte dem gesamten Album in größerer Dosis gutgetan.

Die Keyboards bleiben zurückhaltend. Sie legen keine symphonische Wand über die Gitarren, sondern verstärken einzelne Übergänge und verdichten die Atmosphäre. Temple ov Ahriman widerstehen der Versuchung, das Titelstück durch künstliche Orchestergröße zum wichtigsten Song erklären zu wollen.

Das zentrale Motiv besitzt eine starke melodische Spannung. Die Gitarren scheinen sich nach oben zu bewegen, werden aber immer wieder von härteren rhythmischen Figuren zurückgezogen. Diese Bewegung passt zur Idee des Songs: Aufstieg und Abstieg, Licht und Dunkelheit, Wirklichkeit und Wille existieren nicht als saubere Gegensätze.

Der Titelsong gehört zu den kompositorisch vollständigsten Nummern. Er verbindet die unterschiedlichen Elemente des Albums, ohne sie bloß nacheinander abzuhaken. Black Metal, D-Beat, melodische Linien, extreme Stimmen und okkulte Atmosphäre wirken hier wie Bestandteile einer gemeinsamen Sprache.

BAPHOMET KÜSST NICHT MIT GESCHLOSSENEN AUGEN

»Baphomet’s Kiss« überschreitet erstmals die Sechs-Minuten-Marke und nutzt den zusätzlichen Raum für ein vielschichtigeres Arrangement. Das Stück bewegt sich zwischen Hexensabbat, Beltane-Ritual, sexueller Entgrenzung und der Vorstellung Baphomets als Vereinigung vermeintlicher Gegensätze.

Männlich und weiblich, menschlich und tierisch, körperlich und geistig sollen nicht voneinander getrennt bleiben. Thornicator behandelt Baphomet weniger als bloßes Maskottchen antichristlicher Provokation, sondern als Symbol der Balance. Das verschafft dem Text zumindest mehr Substanz als dem üblichen „Ziege gut, Kirche schlecht“-Programm.

Die Gitarren entwickeln sich schrittweise. Das Anfangsriff besitzt eine rohe und direkte Wirkung, wird später aber durch zusätzliche Melodien und harmonische Ebenen erweitert. Besonders in der zweiten Hälfte entsteht eine fast epische Bewegung, ohne dass die Band ihre schmutzige Grundierung verliert.

Servitors Schlagzeug bleibt variabel. Blastbeats werden gezielt eingesetzt, während die langsameren Abschnitte genügend Platz für die Gitarren lassen. Das Stück atmet stärker als die kompakteren Titel der ersten Hälfte. Die längere Spielzeit wird somit nicht einfach durch wiederholte Strophen gefüllt.

Thornicators Gesang bleibt über weite Strecken hoch und schneidend. Gerade hier wäre eine stärkere Nutzung der tiefen Stimme reizvoll gewesen. Der rituelle Charakter des Textes hätte durch mehrstimmige Beschwörungen oder eine klarer abgestufte vokale Dramaturgie weiter gewinnen können.

Trotzdem zählt »Baphomet’s Kiss« zu den Höhepunkten. Die Komposition wächst, verändert ihre Gestalt und führt mehrere melodische Gedanken zusammen. Gemeinsam mit Imazapyr geschrieben, deutet der Song an, welches Potenzial Temple ov Ahriman besitzt, wenn die direkte Black-Metal-Attacke um längere Entwicklungen ergänzt wird.

KALI ZERREISST DEN SCHLEIER

»Beyond the Veils of Maya« beendet das Album mit der längsten Komposition. Im Mittelpunkt steht Kali, zugleich Schöpferin und Zerstörerin, Verkörperung von Zeit, Tod, Veränderung und der Auflösung des Egos. Die Schleier der Maya stehen für jene Illusionen, durch die der Mensch seine begrenzte Wahrnehmung mit der vollständigen Wirklichkeit verwechselt.

Thornicator und Imazapyr führen das Album musikalisch zu einem passenden Abschluss. Das Stück beginnt nicht sofort mit dem erwarteten Finale, sondern baut mehrere Ebenen auf. Gitarrenlinien treten nacheinander hervor, Keyboards verdichten den Hintergrund und Servitor hält die Bewegung zunächst kontrolliert.

Mit zunehmender Laufzeit wird die Musik heftiger. Die Gitarren wechseln zwischen melodischen Tremololäufen und schwereren Akkorden, während das Schlagzeug die Dynamik anzieht. Der Song klingt nicht wie eine Ansammlung einzelner Teile, sondern wie eine fortlaufende Eskalation.

Die zweite Hälfte gehört zu den stärksten Passagen des Albums. Thornicators Schreie stehen über einem dichten, aber klar geordneten Instrumental. Die Melodien wirken gleichzeitig bedrohlich und erhebend. Kali erscheint nicht ausschließlich als Vernichterin, sondern als Kraft, die durch Zerstörung einen neuen Zustand ermöglicht.

Das Finale vermeidet einen langen Ambient-Ausklang. Temple ov Ahriman lösen die Energie nicht vollständig auf, sondern beenden das Album mit bleibender Spannung. Die Illusion ist durchbrochen, aber was dahinter wartet, wird nicht ausführlich erklärt. Eine kluge Entscheidung – schließlich verlieren Mysterien meist genau in dem Moment ihren Reiz, in dem jemand eine PowerPoint-Präsentation dazu eröffnet.

EIN-MANN-PROJEKT MIT ECHTEM SCHLAGZEUG

Thornicator trägt nahezu das gesamte Album allein. Das ist hörbar, aber nicht im negativen Sinn. Gitarren, Bass, Keyboards und Gesang folgen einer klaren gemeinsamen Vorstellung. Es gibt keine stilistischen Reibungsverluste, keine unpassenden Gastsoli und keine vier Musiker, die gleichzeitig beweisen möchten, dass ihr Instrument das wichtigste ist.

Die Gitarren bilden den Kern. Thornicator arbeitet mit Tremolopicking, offenen melodischen Linien, groovenden Akkorden und kurzen Leads. Die Stücke besitzen dadurch trotz ihrer gemeinsamen Grundfarbe eigene Merkmale. »Infernal Imperium« marschiert, »SPQB« pöbelt, »White Death« friert und »Baphomet’s Kiss« wächst langsam in die Breite.

Der Bass bleibt eher funktional. Er gibt den Gitarren Gewicht, tritt aber nur selten mit eigenständigen Linien hervor. Gerade in den langsameren Stücken hätte eine deutlichere Basspräsenz zusätzliche Tiefe geschaffen. Ein Ein-Mann-Projekt muss schließlich nicht bedeuten, dass ein Instrument automatisch zum unsichtbaren Angestellten der Gitarrenabteilung wird.

Die Keyboards werden sparsam eingesetzt. Das ist eine der vernünftigsten Entscheidungen des Albums. Sie verdichten die Atmosphäre, ohne den Black Metal mit synthetischen Chören zuzuschütten. Temple ov Ahriman klingen okkult, aber nie nach dem Soundtrack eines besonders günstigen Fantasy-Rollenspiels.

Servitors Schlagzeug verleiht der Aufnahme körperliche Bewegung. Die Blastbeats besitzen Wucht, D-Beat-Passagen treiben und die langsameren Rhythmen wirken nicht steif. Das natürliche Spiel verhindert, dass das Album wie ein vollständig am Computer zusammengesetztes Soloprojekt klingt.

Gesanglich arbeitet Thornicator überwiegend mit hohen, heiseren Schreien. Diese passen hervorragend zur rauen Musik, bleiben über 42 Minuten aber relativ konstant. Die tieferen Stimmen im Titelsong zeigen, dass eine breitere Palette vorhanden ist. Künftige Veröffentlichungen dürften gewinnen, wenn diese Kontraste häufiger und gezielter eingesetzt werden.

DREI STUDIOS UND EIN LANGER WEG ZUR HÖLLE

Die Entstehung von »Heretics of Consensual Reality« zog sich über mehrere Jahre. Thornicator nahm die Instrumente bereits zwischen Frühjahr und Herbst 2023 auf. Servitors Schlagzeug folgte im Januar 2025 im Evil Snail Studio. Kfir Gov übernahm dort auch das Mixing, während Jack Control das Mastering im Enormous Door Mastering verantwortete.

Diese gestreckte Produktionsgeschichte hört man dem Album nicht als Flickwerk an. Gitarren, Bass, Keyboards und Schlagzeug wirken geschlossen. Die Instrumente stehen in einem gemeinsamen Raum, obwohl ihre Aufnahmen zeitlich deutlich voneinander getrennt entstanden.

Das Mixing wahrt die Balance zwischen Rohheit und Verständlichkeit. Die Gitarren besitzen eine körnige Oberfläche, bleiben aber differenziert genug für die melodischen Ebenen. Das Schlagzeug drückt, ohne sämtliche Frequenzen zu besetzen. Besonders die Snare hat einen trockenen und direkten Anschlag.

Thornicators Stimme steht deutlich vor dem Instrumental, wird aber nicht durch übermäßigen Hall vergrößert. Dadurch verliert die Musik etwas von der räumlichen Ferne klassischer Second-Wave-Produktionen, gewinnt jedoch an Aggression. Der Sänger steht nicht am anderen Ende eines norwegischen Gebirgstals, sondern unmittelbar vor dem Hörer.

In besonders dichten Passagen könnten Bass und einzelne Gitarrenlinien klarer getrennt sein. Auch die Becken wirken gelegentlich scharf. Das sind jedoch kleinere Schwächen innerhalb einer Produktion, die ihre Aufgabe erfüllt: Sie macht das Album ausreichend roh für den Underground und ausreichend transparent für die sorgfältig gearbeiteten Riffs.

FINNISCHE KÄLTE UNTER TEXANISCHER SONNE

Temple ov Ahriman stammen aus Austin, klingen aber nur selten nach texanischer Hitze. Die melodische Gitarrenarbeit orientiert sich deutlich an finnischem Black Metal. Frostige Linien, ein Wechsel aus Raserei und schwererem Mitteltempo sowie die Verbindung aus Boshaftigkeit und Eingängigkeit prägen das Album.

Daneben bleibt die zweite Black-Metal-Welle ein wichtiger Bezugspunkt. Die Produktion ist rau, die Stimmen sind grell und die Texte wühlen sich durch antichristliche sowie okkulte Themen. Thornicator kopiert jedoch nicht einfach den Klang der frühen Neunziger, sondern verbindet ihn mit D-Beat und einem kompakteren Songwriting.

Gerade der D-Beat verhindert, dass das Album ausschließlich atmosphärisch bleibt. »Infernal Imperium« und »SPQB« besitzen eine punkige Direktheit, die den längeren und melodischeren Stücken gegenübersteht. Dadurch wirkt die Platte abwechslungsreicher, als es die relativ einheitliche Klangfarbe zunächst vermuten lässt.

Inhaltlich greift Thornicator weit aus. Christentum, Islam, römischer Kaiserkult, westlicher Okkultismus und hinduistische Mythologie werden nebeneinandergestellt. Das kann stellenweise wie eine umfangreiche Sammlung finster klingender Begriffe wirken. Dennoch zieht sich eine erkennbare Idee durch das Album: Widerstand gegen eine vorgeschriebene Ordnung und die Suche nach einer Wirklichkeit jenseits gesellschaftlicher, religiöser oder geistiger Grenzen.

Nicht jedes Thema wird mit derselben Tiefe behandelt. »SPQB« setzt stärker auf plakative Bilder, während der Titelsong und »Beyond the Veils of Maya« komplexere Vorstellungen anreißen. Diese Unterschiede schaden nicht. Sie sorgen vielmehr dafür, dass zwischen philosophischer Magie und brennendem Rom noch genügend Platz für einen guten Refrain bleibt.

FAZIT:

»Heretics of Consensual Reality« ist ein starkes Debüt zwischen Second-Wave Black Metal, finnisch geprägter Melodik, D-Beat und Black ’n’ Roll. Thornicator beweist nicht nur instrumentale Vielseitigkeit, sondern vor allem ein sicheres Gespür für griffige Riffs und nachvollziehbare Songstrukturen. Die Höhepunkte »War in Heaven«, »SPQB«, der Titelsong, »Baphomet’s Kiss« und »Beyond the Veils of Maya« besitzen jeweils eine eigene Identität, ohne den Zusammenhalt der Platte zu gefährden. Servitors natürliches und kraftvolles Schlagzeugspiel bewahrt das Soloprojekt vor steriler Heimstudio-Mechanik, während die Gaststimmen von Sekt, Misery, Val Rozar und Von Hammerblast gezielte Akzente setzen. Kleinere Abzüge gibt es für den zurückhaltenden Bass, die über längere Strecken ähnliche Gesangslage und einige Passagen, deren vorbereitete Steigerungen etwas entschlossener enden dürften. Trotzdem steht nach 42 Minuten kein unfertiges Nebenprojekt, sondern ein erstaunlich geschlossenes Black-Metal-Album, das seine okkulten und mythologischen Themen nicht als Ersatz für musikalische Substanz benötigt. Die gemeinsam vereinbarte Realität mag weiterbestehen – Temple ov Ahriman haben ihr zumindest acht tiefe Risse zugefügt.

Official Audio: SPQB

Internet

Temple ov Ahriman - Heretics of Consensual Reality - CD Review

Morgal – The Seventh Circle

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Band: Morgal 🇫🇮
Titel: The Seventh Circle
Label: Werewolf Records
VÖ: 26.06.2026
Format: CD / Vinyl / Kassette / Digital
Genre: Black Metal / Blackened Speed Metal / Heavy Metal

Tracklist

01. Intro
02. Stormchaser
03. Tales of Woland
04. Goddess of Death
05. Blessed in Hell
06. Harbinger’s Ritual
07. The Damned from the Seventh Circle

Besetzung

Tomb Nekrofiler – Gesang, Bass
Crusher – Gitarre
Killhammer – Gitarre
SS Exiler – Schlagzeug

Produktion:
Petri Puheloinen – Produktion, Aufnahme, Mixing
Morgal – Co-Produktion
Henri Sorvali – Mastering im Trollhouse Audio
Satvrnvs Noctvrna Art – Artwork
The Vultyrian – Logo, Kalligrafie

Aufgenommen zwischen August und Oktober 2024

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Black Metal aus Finnland und das mit ordentlich Wucht! Morgal benötigen auf ihrem zweiten Album »The Seventh Circle« nur ein dreißigsekündiges Intro, bevor sie sämtliche Sicherheitsvorkehrungen über Bord werfen. Danach rasen die Finnen durch sechs vollwertige Stücke, als müsse der namensgebende siebte Kreis der Hölle noch vor Sonnenaufgang erreicht werden.

Zwischen dem Debütalbum »Nightmare Lord« und seinem Nachfolger liegen fünf Jahre, zwei neue Musiker und eine hörbare Verschärfung der Lage. Tomb Nekrofiler übernimmt Bass und Gesang, Killhammer erweitert die zuvor dreiköpfige Band um eine zweite Gitarre. Gemeinsam mit den Gründungsmitgliedern Crusher und SS Exiler entsteht ein Quartett, das die unkontrollierte Angriffslust der frühen Morgal mit deutlich ausgefeilterem Heavy-Metal-Handwerk verbindet.

 

Full Album Stream: The Seventh Circle

Das Ergebnis ist (wie man hören kann) Black Metal, der weder unter einer meterdicken Schicht aus Hall verschwindet noch beim ersten melodischen Gitarrenlauf seine Boshaftigkeit verliert. Morgal bedienen sich bei Speed Metal, klassischem Heavy Metal und der melodischen skandinavischen Schwarzmetall-Schule der Neunziger, lassen daraus aber keine gepflegte Nostalgieveranstaltung entstehen. »The Seventh Circle« ist schnell, scharfkantig und ruppig produziert, besitzt unter seiner schwarzen Oberfläche jedoch erstaunlich viele ausgearbeitete Gitarrenlinien.

Die sechs eigentlichen Songs dauern überwiegend zwischen viereinhalb und knapp sieben Minuten. Trotzdem wirkt das Album mit rund einer halben Stunde Spielzeit ausgesprochen kompakt. Morgal verschwenden keine Zeit mit Ambient-Zwischenspielen, bedeutungsschweren Rezitationen oder einem achtminütigen Lagerfeuerintro. Hier wird kurz die Tür zur Unterwelt geöffnet und anschließend mit beiden Beinen eingetreten.

DIE HÖLLE BRAUCHT KEINEN WARMLAUF

Das schlicht »Intro« genannte Vorspiel bleibt mit einer halben Minute erfreulich knapp. Dunkle Klänge markieren den Eingang, bevor »Stormchaser« ohne weitere Vorwarnung losbricht. SS Exiler wirft die ersten Blastbeats in den Raum, Crusher und Killhammer setzen mit rasenden Gitarren ein und Tomb Nekrofiler begrüßt den Hörer mit einem heiseren Fauchen, das deutlich bissiger ausfällt als der Gesang auf dem Vorgänger.

Der neue Frontmann arbeitet nicht mit tiefen Growls oder einem durch Effekte künstlich vergrößerten Organ. Seine Stimme klingt ausgespuckt, gereizt und körperlich. Sie sitzt knapp über den Gitarren, ohne deren melodische Bewegungen zu verdecken. Das gibt dem Album eine unmittelbare Aggression, die eher an einen Angriff aus nächster Nähe als an eine weit entfernte Beschwörung erinnert.

»Stormchaser« lebt vom Gegensatz zwischen vollkommen entfesseltem Tempo und erstaunlich kontrollierter Gitarrenarbeit. Unter den Blastbeats laufen melodische Figuren, die sich nicht mit drei wiederholten Tremoloakkorden zufriedengeben. Die beiden Gitarren schichten Harmonien übereinander, wechseln sich mit kurzen Leads ab und lassen immer wieder klassischen Heavy Metal durch die schwarze Kruste brechen.

Morgal verstehen Geschwindigkeit nicht als Ersatz für Songwriting. Das Stück rast zwar beinahe permanent, besitzt aber klar voneinander getrennte Abschnitte. Kurze Temporeduzierungen geben den Riffs Kontur, bevor SS Exiler erneut beschleunigt. Gerade diese wenigen heruntergeschalteten Passagen verhindern, dass die Nummer zu einer fünfminütigen Geräuschfläche verschmilzt.

Der Schlagzeugsound bleibt dabei Geschmackssache. Snare und Becken schneiden scharf durch den Mix, während die Doublebass in den dichtesten Momenten etwas an Definition verliert. Das passt zur ungezügelten Wirkung, könnte aber bei höherer Trennschärfe noch brutaler einschlagen. Eine Dampfwalze wird schließlich nicht automatisch langsamer, nur weil man ihre einzelnen Schrauben erkennen kann.

WOLAND KOMMT NICHT ZUM KAFFEETRINKEN

»Tales of Woland« hält das Tempo auf Anschlag. Der Titel legt eine Verbindung zu Woland, der teuflischen Gestalt aus Michail Bulgakows »Der Meister und Margarita«, zumindest nahe. Morgal machen daraus jedoch keinen literarischen Themenabend, sondern eine weitere schwarzmetallische Hetzjagd.

Das zentrale Riff arbeitet mit einer aufsteigenden Bewegung, die zwischen Triumph und Bedrohung schwankt. Genau hier zeigt sich, wie stark Morgal vom klassischen Heavy Metal profitieren. Die Melodien klingen nicht versöhnlich. Sie verleihen der Aggression vielmehr eine Richtung. Wo stumpfes Dauerfeuer lediglich zerstört, schlagen diese Gitarren gezielt zu.

Crusher und Killhammer spielen nicht permanent dasselbe. Eine Gitarre hält häufig das rasende Fundament, während die zweite mit kurzen Läufen, Harmonien und fiebrigen Leads dagegenarbeitet. Dadurch entsteht eine Tiefe, die auf dem ersten Album noch nicht durchgehend vorhanden war.

SS Exiler leistet Schwerstarbeit. Die Blastbeats bleiben eng, die Tempowechsel erfolgen ohne hörbaren Kontrollverlust und selbst in den hektischsten Passagen fällt das Stück rhythmisch nicht auseinander. Der Drummer klingt nicht wie eine perfekt programmierte Maschine. Kleine Unebenheiten und die körperliche Wucht seines Spiels machen deutlich, dass hier ein Mensch beinahe an seine Belastungsgrenze geht. Das ist bei dieser Musik ein Vorteil.

Gegen Ende lässt die Band kurz mehr Raum für die Gitarren. Ein Lead schraubt sich über das Rhythmusfundament, bevor der Song erneut in den Abgrund beschleunigt. »Tales of Woland« gehört damit zu den stärksten Stücken des Albums. Die Nummer verbindet ungebremste Raserei mit genügend melodischen Widerhaken, um auch nach dem dritten Durchlauf nicht zu einer schwarzen Unschärfe zu werden.

DIE GÖTTIN DES TODES TRÄGT ZWEI GITARREN

Mit »Goddess of Death« erreicht die erste Albumhälfte ihren Höhepunkt. Das Stück ist fast sechs Minuten lang und nutzt diese Zeit, um die unterschiedlichen Seiten von Morgal am vollständigsten zusammenzuführen.

Der Beginn bleibt schnell, doch die Gitarrenmelodien erhalten mehr Raum als zuvor. Unter der Raserei liegt eine melancholische Bewegung, die an den melodischen Black Metal der mittleren Neunziger erinnert. Morgal kopieren dabei keine bestimmte Band. Sie greifen vielmehr jene Zeit auf, in der melodische Gitarren noch nicht automatisch bedeuteten, dass ein Song weichgespült oder auf Festivalrefrains zugerichtet wurde.

Die beiden Gitarren bauen ein Netz aus Tremololäufen, zweistimmigen Harmonien und kurzen Soli. Dabei bleibt das Fundament stets aggressiv. Selbst die melodischsten Momente wirken nicht schön im gefälligen Sinn, sondern kalt und schneidend. Schönheit darf im Black Metal schließlich durchaus vorkommen – sie sollte nur so aussehen, als hätte sie gerade etwas Unverzeihliches getan.

Tomb Nekrofiler setzt seine Stimme rhythmischer ein als in den beiden vorherigen Stücken. Einzelne Silben werden gegen die Gitarren geschleudert, während längere Schreie über den melodischen Passagen stehen. Sein Bass ist im dichten Mix nur selten als eigenständige Linie wahrnehmbar, verleiht den Gitarren aber den nötigen Unterbau.

Zur Mitte reduziert die Band das Tempo und wechselt in einen schweren Marschrhythmus. Hier zeigt sich, dass Morgal nicht ausschließlich mit Geschwindigkeit überzeugen können. Die Gitarren klingen breiter, das Schlagzeug setzt deutliche Akzente und der Song gewinnt kurzfristig eine fast majestätische Wirkung. Danach zieht die Band wieder an und führt das Hauptmotiv mit zusätzlicher Schärfe zurück.

»Goddess of Death« ist der beste Einstieg für Hörer, die Morgal noch nicht kennen. Die Nummer besitzt Raserei, Melodie, Heavy-Metal-Pathos und jene kontrollierte Unordnung, die das gesamte Album auszeichnet.

IN DER HÖLLE GESEGNET, IM SPEED METAL GETAUFT

»Blessed in Hell« eröffnet die zweite Hälfte mit einem Riff, das seine Heavy-Metal-Herkunft kaum verbergen möchte. Die Gitarren galoppieren, SS Exiler tritt das Tempo nach oben und Tomb Nekrofiler klingt, als wolle er jede Spur traditioneller Heldenhaftigkeit persönlich aus dem Song prügeln.

Hier treten die Speed-Metal-Einflüsse besonders deutlich hervor. Morgal spielen jedoch keinen schwarz eingefärbten Retro-Metal mit Patronengurt und sorgfältig einstudierter Achtzigerpose. Die Geschwindigkeit bleibt zu extrem, der Gesang zu bösartig und die Gesamtwirkung zu unberechenbar. Heavy Metal liefert das Stahlgerüst, Black Metal setzt es anschließend in Brand.

Das Stück besitzt einen der eingängigsten Gitarrenläufe des Albums. Eingängig bedeutet in diesem Fall allerdings nicht, dass beim nächsten Dorffest mitgesungen werden kann. Die Melodie bleibt sofort hängen, weil sie mehrfach in leicht veränderter Form zurückkehrt und zwischen den beiden Gitarren wandert.

Der Mittelteil wird rhythmischer. SS Exiler verlässt für kurze Zeit das Blastbeat-Dauerfeuer und setzt auf einen treibenden Beat, über dem Crusher und Killhammer ihre Leads ausspielen können. Solche Momente sind wichtig, weil sie der Band erlauben, ihre handwerkliche Klasse zu zeigen, ohne in technische Selbstdarstellung zu verfallen.

Trotzdem macht sich hier erstmals eine gewisse Gleichförmigkeit bemerkbar. Gitarrenton, Stimmlage und Produktionsästhetik bleiben über das gesamte Album sehr konstant. »Blessed in Hell« besitzt starke Riffs, hebt sich klanglich aber weniger deutlich von seinen Vorgängern ab als »Goddess of Death«. Ein stärkerer Bruch oder eine ungewöhnlichere Dynamik hätte der zweiten Albumhälfte zusätzliche Kontur gegeben.

DAS RITUAL VERZICHTET AUF RÄUCHERSTÄBCHEN

»Harbinger’s Ritual« nähert sich stärker jenem rohen und direkten Klang, der häufig mit finnischem Black Metal verbunden wird. Das Hauptriff wirkt weniger offen melodisch und setzt stattdessen auf kurze, wiederkehrende Bewegungen. Die Atmosphäre wird dunkler, während der Heavy-Metal-Anteil etwas in den Hintergrund tritt.

Morgal vermeiden trotzdem den üblichen Fehler, Rohheit mit Einfallslosigkeit zu verwechseln. Unter den geradlinigen Akkorden liegen kleine Veränderungen. Einzelne Gitarrentöne werden verlängert, Akzente verschoben und melodische Gegenstimmen nur für wenige Sekunden angedeutet.

Das Schlagzeug treibt die Nummer mit einer Mischung aus schnellen Schlägen und marschierenden Passagen voran. Gerade im langsameren Mittelteil entwickelt »Harbinger’s Ritual« eine ritualistische Wirkung, ohne auf Chöre, Glocken oder eine Aufnahme knisternden Feuers zurückgreifen zu müssen. Ein gutes Riff erledigt diese Arbeit zuverlässiger als jeder Soundeffekt aus dem Okkult-Baukasten.

Tomb Nekrofiler klingt hier besonders angegriffen. Seine Stimme besitzt weniger Hall als bei vielen Genrevertretern und bleibt dadurch unangenehm nah. Der Gesang scheint nicht aus einer Höhle zu kommen, sondern direkt aus dem Nebenraum. Das nimmt der Musik etwas von ihrer mystischen Distanz, erhöht aber ihre körperliche Wirkung.

Im direkten Vergleich mit den ersten drei Stücken fehlt »Harbinger’s Ritual« jedoch ein ähnlich prägnanter melodischer Höhepunkt. Die Nummer funktioniert innerhalb des Albums, bleibt aber eher Bindeglied als dessen zentraler Moment. Das ist bei sechs Hauptstücken kein Totalausfall, fällt aufgrund der ansonsten hohen Qualität aber auf.

DER SIEBTE KREIS SCHLIESST SICH

Der abschließende Titelsong hört auf den vollständigen Namen »The Damned from the Seventh Circle« und ist mit knapp sieben Minuten das längste Stück des Albums. Morgal nutzen die zusätzliche Spielzeit nicht für ein ausgedehntes Intro. Die Band greift sofort an und führt anschließend sämtliche Bestandteile ihres Stils zusammen.

Die ersten Minuten stehen im Zeichen der Geschwindigkeit. Gitarren und Schlagzeug preschen nach vorn, während der Gesang in kurzen Ausbrüchen über dem Instrumental liegt. Danach verlangsamt sich die Nummer und lässt ein schweres, fast episches Riff hervortreten.

Dieser Wechsel wirkt nicht wie eine pflichtbewusste Unterbrechung, damit die Blastbeats später wieder schneller erscheinen. Der langsame Abschnitt verändert tatsächlich die Perspektive. Die Gitarren klingen größer und dunkler, während der Rhythmus den Eindruck eines unausweichlichen Marsches erzeugt.

Crusher und Killhammer liefern im weiteren Verlauf mehrere der stärksten Leadpassagen des Albums. Die Gitarren greifen ineinander, trennen sich wieder und führen schließlich gemeinsam zum Hauptmotiv zurück. Dabei entsteht eine melodische Größe, die den extremen Kern der Musik nicht abschwächt.

Das Finale vermeidet den erwartbaren Ausklang. Kein Windrauschen, kein langsam verklingender Akkord und keine fünf Minuten lange Rückkehr zum Intro. Morgal beschleunigen ein letztes Mal und beenden das Album mit derselben Entschlossenheit, mit der es begonnen hat.

»The Damned from the Seventh Circle« ist gemeinsam mit »Tales of Woland« und »Goddess of Death« der stärkste Titel. Die Nummer bündelt Geschwindigkeit, melodische Gitarren, schweren Metal und rohe Black-Metal-Energie zu einem Finale, das seiner Länge gerecht wird.

VIER MUSIKER, KEIN LEERLAUF

Die personellen Veränderungen nach »Nightmare Lord« hätten Morgal problemlos aus dem Gleichgewicht bringen können. Stattdessen klingt die Band auf »The Seventh Circle« geschlossener und instrumentell vielseitiger.

Tomb Nekrofiler bringt eine andere Art von Aggression mit. Sein Gesang ist weniger verhallt und stärker auf unmittelbare Attacke ausgerichtet. Die Stimme besitzt zwar keine enorme Bandbreite, passt aber hervorragend zur Geschwindigkeit und zur scharfkantigen Produktion. Über die gesamte Spielzeit bleibt er fast ausschließlich in derselben heiseren Tonlage. Einige tiefere oder kontrollierter eingesetzte Passagen hätten die Wirkung einzelner Ausbrüche noch verstärkt.

Sein Bass erfüllt vor allem eine stützende Funktion. Im Gitarrengewitter tritt er selten klar hervor. Das sorgt für ein geschlossenes Klangbild, lässt aber wenig Raum für eigenständige Bassbewegungen. Gerade in den langsameren Passagen wäre eine deutlichere Präsenz reizvoll gewesen.

Crusher und Killhammer sind die entscheidende Erweiterung. Die zweite Gitarre verdoppelt nicht einfach das vorhandene Riffing, sondern öffnet den Songs neue Möglichkeiten. Harmonien, Leads und kurze Soli werden über das Rhythmusfundament gelegt, ohne die Angriffslust zu bremsen.

Dabei vermeiden beide Gitarristen übertriebene Virtuosität. Die Soli bleiben kurz, scharf und funktional. Niemand hält den Song an, um zwanzig Sekunden lang seine Tonleiterkenntnisse vorzuführen. Bei Morgal stehen die Gitarren im Mittelpunkt, aber nicht über der Komposition.

SS Exiler ist das Triebwerk der Band. Sein Schlagzeugspiel bewegt sich häufig am Rand des kontrollierten Zusammenbruchs, verliert diesen Kampf aber nie. Die Blastbeats besitzen Wucht, die Tempowechsel sitzen und die langsameren Passagen werden nicht mechanisch abgearbeitet. Besonders »Stormchaser« und »Tales of Woland« zeigen seine enorme Ausdauer.

SCHMUTZ MIT AUSREICHEND KONTUR

Petri Puheloinen produzierte, nahm auf und mischte das Album, während Henri Sorvali das Mastering im Trollhouse Audio übernahm. Die Aufnahmen entstanden bereits zwischen August und Oktober 2024. Das Ergebnis klingt roh genug, um Morgals Energie nicht zu zähmen, aber deutlich genug, um die aufwendigen Gitarrenarrangements erkennen zu lassen.

Die Gitarren stehen weit vorne. Ihr Klang ist scharf und körnig, besitzt aber genügend Substanz, damit die Heavy-Metal-Riffs nicht zu dünn wirken. Leads und Harmonien setzen sich meist gut vom Rhythmusfundament ab.

Das Schlagzeug klingt bewusst direkt. Snare und Becken besitzen einen harten Anschlag, während die Bassdrums in den schnellsten Passagen etwas zusammenlaufen. Ein moderner, vollkommen transparenter Mix hätte mehr Einzelheiten sichtbar gemacht, Morgal aber womöglich einen Teil ihrer Gefährlichkeit genommen.

Der Gesang ist verständlicherweise kein Hochglanzprodukt. Tomb Nekrofiler sitzt knapp über der Musik und wird nur mit dem nötigen Maß an räumlicher Tiefe versehen. Dadurch bleibt die Stimme aggressiv und vermeidet jene endlose Hallfahne, mit der manche Black-Metal-Produktionen selbst einen Einkaufszettel nach metaphysischer Verdammnis klingen lassen.

Die Produktion ist somit nicht perfekt, aber passend. Sie verbindet die Rohheit des Undergrounds mit genügend Klarheit für die melodischen und handwerklichen Feinheiten. Lediglich der Bass könnte stärker hervortreten und das Schlagzeug in den schnellsten Passagen etwas differenzierter abgebildet sein.

HEAVY METAL UNTER SCHWARZER FLAGGE

Morgal wurden 2014 in Mikkeli gegründet und erarbeiteten sich über Demos, EPs und das 2021 veröffentlichte Debütalbum »Nightmare Lord« einen eigenen Platz im finnischen Untergrund. Bereits damals verband die Band Black Metal mit der direkten Energie von Speed und Heavy Metal.

Auf »The Seventh Circle« wird diese Verbindung konsequenter umgesetzt. Die neuen Mitglieder verändern nicht das Fundament, sondern erweitern es. Morgal klingen melodischer und teilweise kontrollierter, zugleich aber aggressiver als auf dem Vorgänger.

Einflüsse aus dem Black Metal der Neunziger sind unüberhörbar. Die Raserei erinnert gelegentlich an Impaled Nazarene, die melodische Kälte an schwedische Genrevertreter jener Zeit. Die Gitarren besitzen außerdem jene metallische Angriffslust, die man auch bei Bands wie Nifelheim oder Deströyer 666 findet.

Trotzdem ist »The Seventh Circle« keine Ansammlung fremder Erkennungsmerkmale. Morgal stellen die unterschiedlichen Einflüsse so eng zusammen, dass eine eigene Handschrift entsteht. Entscheidend ist die Reihenfolge: Die Band spielt nicht Heavy Metal und legt anschließend Black-Metal-Gesang darüber. Die Musik bleibt in Haltung, Tempo und Atmosphäre fest im Black Metal verankert. Die traditionellen Metal-Elemente dienen als scharf geschliffene Werkzeuge.

Mit nur sechs vollwertigen Songs geht das Album kein unnötiges Risiko ein. Es gibt keinen Stilbruch, keine Ballade und auch keinen experimentellen Ausflug. Diese Konzentration ist eine Stärke, begrenzt aber zugleich die Dynamik. Ein überraschenderer Rhythmus, eine deutlich langsamere Komposition oder eine anders eingesetzte Stimme hätten dem Material zusätzliche Tiefe gegeben.

Andererseits dauert »The Seventh Circle« nicht lange genug, um durch seine Geschlossenheit zu ermüden. Morgal schlagen zu, hinterlassen sechs sauber gezackte Wunden und verschwinden wieder. Manchmal ist genau das die bessere Dramaturgie.

FAZIT:

»The Seventh Circle« ist ein rasendes, melodisches und ausgesprochen metallisches Black-Metal-Album. Morgal verbinden finnische Angriffslust mit Speed-Metal-Energie, klassischen Gitarrenharmonien und der frostigen Melodik der Neunziger, ohne daraus eine nostalgische Kopie zu bauen.

Die neue Viererbesetzung funktioniert. Tomb Nekrofilers bissiger Gesang verleiht den Songs zusätzliche Unmittelbarkeit, während Killhammer und Crusher eine scharf verzahnte Doppelgitarrenfront bilden. SS Exiler hält das hohe Tempo nicht nur durch, sondern gibt den Kompositionen trotz aller Raserei erkennbare Bewegungen.

»Tales of Woland«, »Goddess of Death« und »The Damned from the Seventh Circle« bilden die Höhepunkte. »Stormchaser« liefert den passenden Frontalangriff, während »Blessed in Hell« den Heavy- und Speed-Metal-Anteil besonders deutlich ausspielt.

Kleine Abzüge gibt es für die etwas gleichförmige Gesangslage, den zu zurückhaltenden Bass und eine zweite Albumhälfte, in der nicht jedes Stück dieselbe melodische Prägnanz erreicht. Auch der Schlagzeugmix könnte in den schnellsten Momenten etwas mehr Trennschärfe vertragen.

Das ändert wenig am Gesamteindruck. Morgal haben ihr Debüt nicht neu erfunden, sondern dessen beste Eigenschaften geschärft, beschleunigt und mit einer zweiten Gitarre bewaffnet. Der siebte Kreis ist damit kein Ort für vorsichtige Besucher. Wer eintritt, wird von sechs Songs lang mit Blastbeats, schneidenden Harmonien und brennendem Heavy-Metal-Stahl bearbeitet. Finnischer Black Metal mit ordentlich Wucht – Auftrag erfüllt.

Official Preview: Stormchaser

The Damned from the Seventh Circle

Internet

Morgal - The Seventh Circle - CD Review

Onségen Ensemble – A Tale

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Band: Onségen Ensemble 🇫🇮
Titel: A Tale
Label: Karisma Records
VÖ: 26.06.2026
Format: CD / Vinyl / Digital
Genre: Post-Rock / Psychedelic Rock / Progressive Rock / Stoner Rock / Progressive Folk

Tracklist

01. Garden of Celestials – 06:19
02. To Be Led by the Lost – 07:09
03. A Thought – 05:46
04. The Word – 05:11
05. Oldest Father – 04:49
06. The First Casualty – 04:25
07. Crystal Waters of Spring – 08:32

Besetzung

Heikki Hallanoro – Percussion
Tuuli Jartti – Violine
Merja Järvelin – Hintergrundgesang, Artwork
Esa Juujärvi – Bass, Gesang
Samuli Lindberg – Schlagzeug
Joni Mäkelä – Gitarre
Vilma Pesola – Gesang
Mikko Vuorela – Flöte, Mundharmonika, Soundscapes
Jarmo Väärä – Trompete

Produktion:
Niko Lehdontie – Produktion
Esa Juujärvi – Aufnahme, Co-Produktion
Merja Järvelin – Artwork

Bewertung:

4,5 von 5 Punkten

Draußen sind es fast vierzig Grad im Schatten und was könnte besser dazu passen, als eine geballte Mischung aus Post Rock und Stoner Rock ? Nun, vermutlich ein finnisches Kollektiv, das die Temperatur innerhalb weniger Minuten gefühlt um dreißig Grad senkt und seine Musik lieber durch verschneite Wälder, menschenleere Ebenen und psychedelische Zwischenwelten schickt, als den nächsten staubigen Wüstenriff-Marathon zu veranstalten. Genau dort kommt Onségen Ensemble ins Spiel.

»A Tale« ist das fünfte Album des nordfinnischen Kollektivs und erscheint über Karisma Records. Wer bei der Bezeichnung Ensemble bereits eine Ansammlung ehrgeiziger Musikhochschulabsolventen befürchtet, die siebzehn Minuten lang über eine Taktart diskutieren, darf vorsichtig aufatmen. Onségen Ensemble besitzen zwar genügend Instrumente, um einen mittelgroßen Orchestergraben auszustatten, stellen diese aber konsequent in den Dienst der Atmosphäre.

Full Album Stream: A Tale

Gitarre, Bass und Schlagzeug bilden das Fundament. Violine, Trompete, Flöte, Mundharmonika, Percussion, Mellotron-artige Flächen und mehrstimmiger Gesang erweitern den Raum. Das Ergebnis liegt irgendwo zwischen Post-Rock, psychedelischem Progressive Rock, nordischer Folklore, Stoner-Schwere und imaginärer Filmmusik. Mal scheint Ennio Morricone durch einen finnischen Winterwald zu reiten, mal treffen Pink Floyd auf eine besonders nachdenkliche Jam-Session, und gelegentlich erinnert die dunkle Schwere an jene Art von Psychedelic Rock, bei der hinter jedem schönen Akkord bereits der nächste Abgrund wartet.

Das zentrale Thema lautet Frieden. Keine schlechte Idee in einer Gegenwart, in der dieser Begriff häufig nur noch dann auftaucht, wenn erklärt wird, warum gerade neue Waffen benötigt werden. Onségen Ensemble behandeln Frieden allerdings nicht als weichgezeichneten Endzustand. Auf »A Tale« erscheint er als Wunsch, Erinnerung, Widerspruch und fragile Konstruktion, die jederzeit wieder unter den Füßen zerbrechen kann.

FRIEDEN IST KEIN WELLNESSPROGRAMM

Der Albumtitel »A Tale« klingt zunächst denkbar unspezifisch. Eine Geschichte also. Danke für die Information. Entscheidend ist jedoch weniger, welche konkrete Handlung erzählt wird, sondern wie Onségen Ensemble ihre Musik als zusammenhängende Erzählung organisieren. Die sieben Stücke wirken nicht wie isolierte Kapitel, sondern wie unterschiedliche Landschaften innerhalb derselben Welt.

Dabei verlässt sich das Kollektiv nicht auf die klassische Post-Rock-Bauanleitung. Es beginnt also nicht jeder Song mit drei leisen Gitarrentönen, um nach acht Minuten im unvermeidlichen Crescendo zu explodieren. Onségen Ensemble arbeiten kleinteiliger. Instrumente tauchen auf, verändern den Blickwinkel und verschwinden wieder. Eine Violine kommentiert, anstatt dauerhaft zu führen. Die Trompete öffnet einen Westernhorizont. Flöte und Mundharmonika setzen Farbtupfer, ohne das Album in ein folkloristisches Kostümfest zu verwandeln.

Auch der Stoner Rock bleibt eher Bestandteil der Klangfarbe als dominantes Genre. Joni Mäkeläs Gitarre besitzt durchaus Wärme, Fuzz und körperliche Schwere. Sie walzt jedoch nicht permanent über den Rest der Besetzung hinweg. Wer sich eine endlose Folge tiefer Riffs erhofft, könnte deshalb zunächst enttäuscht sein. Wer dagegen akzeptiert, dass Schwere auch durch Spannung, Harmonie und Raum entstehen kann, erhält wesentlich mehr als eine gewöhnliche Riffplatte.

Produzent Niko Lehdontie, bekannt durch Arbeiten im Umfeld von Oranssi Pazuzu, Kairon; IRSE!, Grave Pleasures und Kaleidobolt, hält die neun beteiligten Musiker zusammen, ohne sämtliche Unebenheiten glattzubügeln. Das Album klingt organisch, warm und räumlich. Kein Instrument muss beweisen, dass es bei der Aufnahme das teuerste Mikrofon erwischt hat.

DER HIMMLISCHE GARTEN HAT EINEN HINTERAUSGANG

»Garden of Celestials« eröffnet das Album mit jener Mischung aus Schönheit und unterschwelliger Bedrohung, die Onségen Ensemble besonders gut beherrschen. Der Song betritt den Raum nicht mit einem Riff, sondern mit einer melancholischen Bewegung. Klavierartige Töne, zurückhaltende Gitarre und Vilma Pesolas Stimme zeichnen zunächst ein beinahe friedliches Bild.

Pesola ist eine der entscheidenden Neuerungen des Albums. Ihr Gesang steht nicht als gewöhnliche Frontstimme vor der Musik, sondern scheint aus ihr hervorzuwachsen. Die Stimme bleibt weich und kontrolliert, besitzt aber eine kühle Distanz, die verhindert, dass das Stück in gefälligen Art Pop abrutscht. Gemeinsam mit den Hintergrundstimmen entsteht ein choraler Charakter, der die Vorstellung eines jenseitigen Gartens durchaus trägt.

Hinter dieser Oberfläche wartet allerdings Gewicht. Die Gitarre deutet immer wieder an, dass sie den Song auch in eine deutlich härtere Richtung drücken könnte. Der erwartete Zusammenbruch bleibt jedoch aus. Stattdessen öffnet sich das Arrangement weiter, nimmt zusätzliche Klangflächen auf und arbeitet mit einer kontrollierten Steigerung.

Das ist klug, weil die Band damit bereits im ersten Stück ihre Regeln erklärt: Auf »A Tale« geht es nicht um die schnelle Auszahlung. Onségen Ensemble bauen Spannung auf, ohne jeden Spannungsbogen mit einem gewaltigen Schlussakkord zu quittieren. Manchmal bleibt die Tür zum Abgrund einfach geöffnet. Hineinspringen muss der Hörer selbst.

Die Lyrics handeln von einem Übergang, von einer offenen Pforte und der Hoffnung auf Vereinigung. Diese Bilder könnten bei weniger geschickter Umsetzung rasch nach esoterischem Kalenderblatt klingen. Die nordische Kälte des Arrangements verhindert jedoch jede unangenehme Duftkerzenromantik.

DIE VERLORENEN KENNEN DEN WEG

Mit über sieben Minuten ist »To Be Led by the Lost« die zweitlängste Komposition. Der Titel dreht die übliche Rollenverteilung um: Nicht die vermeintlich Wissenden führen, sondern jene, die selbst vom Weg abgekommen sind. Das Stück wirkt entsprechend weniger wie eine lineare Reise als wie ein langsames Kreisen um einen unsichtbaren Mittelpunkt.

Der Gesang erhält einen mantraartigen Charakter. Begriffe wie Wille, Hoffnung, Liebe, Zorn, Glaube und Begehren werden nicht in eine konkrete Geschichte gezwängt, sondern als Kräfte nebeneinandergestellt. Frieden entsteht hier nicht durch das Ausblenden von Gegensätzen, sondern durch deren Anerkennung. Das ist philosophisch ambitioniert, ohne dass sich die Band eine professorale Lesebrille aufsetzt.

Musikalisch wächst das Stück aus seinem Rhythmus heraus. Samuli Lindberg und Heikki Hallanoro sorgen gemeinsam dafür, dass die Nummer trotz ihrer schwebenden Atmosphäre einen greifbaren Puls besitzt. Die Percussion wirkt nicht wie nachträglich aufgesetzte Weltmusikdekoration, sondern verschiebt fortlaufend die innere Bewegung.

Mäkeläs Gitarre setzt Akzente, anstatt das Geschehen dauerhaft zu beherrschen. Einzelne Linien steigen aus der Fläche auf und ziehen sich wieder zurück. Der Bass von Esa Juujärvi hält das Stück zusammen, ohne durch übertriebene Lautstärke auf seine Bedeutung aufmerksam machen zu müssen.

Gerade hier zeigt sich allerdings auch die Kehrseite der Arbeitsweise. Onségen Ensemble geben sich viel Zeit und verweigern den sofortigen Refrain. Wer bereits nach zwei Minuten nervös prüft, ob die Streamingplattform versehentlich auf Wiederholung gestellt wurde, dürfte mit dieser Geduld wenig anfangen können. Die Band verlangt Aufmerksamkeit, liefert dafür aber bei jedem Durchgang neue Details.

EIN GEDANKE, EIN WORT UND EINE DUNKLE VIOLINE

»A Thought« rückt das zentrale Friedensthema am deutlichsten in den Vordergrund. Frieden wird als Gedanke, Flamme, Blut und ersehnte Möglichkeit beschrieben. Das klingt nicht nach passiver Ruhe, sondern nach einem Zustand, der ständig bedroht, neu ausgehandelt und verteidigt werden muss.

Tuuli Jarttis Violine übernimmt dabei eine wichtige Rolle. Sie verbreitet keine behagliche Folk-Stimmung, sondern zieht dunkle Linien durch das Arrangement. Teilweise klingt das Instrument lyrisch, im nächsten Moment fast dämonisch. Gerade dieser Wechsel verhindert, dass der Song zu einer vertonten Friedensbotschaft für den nächsten Kirchentag wird.

Die Soundscapes von Mikko Vuorela verdichten den Hintergrund. Sie sind nicht als eigenständige Synthesizer-Schicht zu verstehen, sondern als Umgebung, in der sich die übrigen Instrumente bewegen. Man hört keinen klaren Rand. Gitarren, Streicher und Stimmen fließen ineinander, ohne vollständig ihre Identität zu verlieren.

In der Mitte gewinnt das Stück an Schwere. Die Gitarre drückt kräftiger, Bass und Schlagzeug verdichten den Rhythmus, während die Violine weiterhin über der Konstruktion schwebt. Hier kommt der Stoner-Anteil des Albums am deutlichsten zum Vorschein. Nicht als breitbeiniger Wüstenrock, sondern als dunkler Druck unter einer progressiven Oberfläche.

»A Thought« gehört zu den stärksten Stücken, weil Thema und Arrangement vollständig ineinandergreifen. Der Song spricht nicht nur über Frieden und seinen Verlust. Er klingt, als würde ein kurzer Moment der Ruhe bereits wieder von neuen Spannungen umstellt.

MORRICONE REITET DURCH NORDÖSTERBOTTEN

Bei »The Word« tritt der Gesang zurück und die Trompete von Jarmo Väärä übernimmt. Spätestens hier wird deutlich, warum die Bezeichnung Filmmusik im Zusammenhang mit Onségen Ensemble regelmäßig fällt. Das Stück könnte eine Landschaft begleiten, in der nichts geschieht und trotzdem jederzeit jemand erschossen werden könnte.

Die Trompete erinnert an die großen Western-Soundtracks von Ennio Morricone, ohne diese schlicht nachzustellen. Darunter arbeitet die Rhythmusgruppe mit einer zunehmend treibenden Bewegung. Die Musik galoppiert, bleibt aber stets kontrolliert. Niemand wirft aus Begeisterung den Cowboyhut in den finnischen Schnee.

Mäkeläs Gitarre verzichtet auf ein klassisches Solo. Stattdessen setzt sie flächige Akkorde und leicht angeraute Linien, die dem Blasinstrument ausreichend Raum geben. Diese Zurückhaltung ist eine der großen Stärken des Albums. Obwohl neun Musiker beteiligt sind, klingt »A Tale« nur selten überladen.

»The Word« erfüllt zudem eine wichtige dramaturgische Funktion. Nach den vokal geprägten ersten drei Stücken verändert die instrumentale Erzählung die Perspektive. Das Album bleibt dadurch beweglich und verhindert, dass Pesolas Gesang trotz seiner Qualität zur einzigen tragenden Säule wird.

Ganz ohne Kritik kommt die Nummer dennoch nicht davon. Der Morricone-Verweis ist derart deutlich, dass das Stück kurzfristig näher an einer stilistischen Hommage als an einer vollständig eigenständigen Sprache liegt. Onségen Ensemble retten sich jedoch durch die ungewöhnliche Verbindung aus nordischer Melancholie, Post-Rock und psychedelischer Schwere.

DER ÄLTESTE VATER SPRICHT LEISE

»Oldest Father« ist eines der kompakteren Stücke und wirkt zunächst weniger spektakulär als seine unmittelbaren Nachbarn. Keine Trompete übernimmt die Leinwand, keine Violine legt sich quer über das Arrangement, und auch das große Finale wird noch aufgespart.

Gerade deshalb besitzt der Song eine wichtige Funktion. Nach der bildgewaltigen ersten Albumhälfte zieht sich die Musik etwas zurück. Der Rhythmus bleibt ruhig, die Gitarre arbeitet mit offenen Tönen und der Gesang erhält mehr Platz. Das Stück wirkt erdiger und unmittelbarer, ohne seine psychedelische Grundstimmung zu verlieren.

Die Bezeichnung „ältester Vater“ lässt verschiedene Deutungen zu: Natur, Zeit, eine göttliche Figur oder eine Erinnerung, die älter ist als die Person, die sie trägt. Onségen Ensemble liefern keine eindeutige Erklärung. Das ist vernünftig. Bands, die ihr gesamtes Konzept in einem dreiseitigen Begleittext erläutern müssen, haben beim eigentlichen Erzählen häufig bereits verloren.

Kompositorisch bleibt »Oldest Father« allerdings der unauffälligste Titel des Albums. Die Atmosphäre stimmt, die Instrumente greifen sauber ineinander, doch ein prägnantes Motiv fehlt. Innerhalb des Gesamtwerks funktioniert die Nummer ausgezeichnet. Losgelöst betrachtet dürfte sie seltener als erster Anspieltipp genannt werden.

DAS ERSTE OPFER IST DIE WAHRHEIT

»The First Casualty« trägt den bekannten Gedanken bereits im Titel: Das erste Opfer eines Krieges ist die Wahrheit. Onségen Ensemble verzichten jedoch auf eine platte politische Ansage. Stattdessen lassen sie erneut die Instrumente sprechen.

Die Trompete kehrt zurück, diesmal noch bestimmender. Chorartige Stimmen legen sich hinter die Melodie und verleihen der Nummer etwas Feierliches, ohne sie in sakrale Schwere zu ziehen. Schlagzeug und Percussion treiben den Song mit einer überraschend direkten Bewegung an.

Während »The Word« noch durch weite Landschaften reitet, wirkt »The First Casualty« konzentrierter und dringlicher. Die Band benötigt keine lange Entwicklung. Das Hauptmotiv wird gesetzt, variiert und nach gut vier Minuten wieder losgelassen.

Die Verbindung aus Trompete, Chor und galoppierendem Rhythmus könnte auf dem Papier schnell nach überladenem Soundtrack-Kitsch klingen. In der Praxis hält die Produktion sämtliche Bestandteile auf Abstand. Lehdontie lässt genügend Luft zwischen den Instrumenten, sodass die Spannung nicht durch bloße Lautstärke erzeugt werden muss.

Gerade diese Nummer zeigt, wie souverän Onségen Ensemble mittlerweile mit einer großen Besetzung umgehen. Das Ensemble spielt nicht permanent gemeinsam. Die Musiker betreten die Szene, erfüllen ihre Funktion und treten wieder zurück. Diese Disziplin ist im Progressive Rock keineswegs selbstverständlich.

KARIBIKURLAUB IM FINNISCHEN FRÜHLING

Mit »Crystal Waters of Spring« endet das Album in seiner längsten und eigenwilligsten Komposition. Über achteinhalb Minuten verbinden Onségen Ensemble mehrere zuvor eingeführte Elemente und ergänzen sie um eine Überraschung, mit der in dieser Umgebung kaum zu rechnen war: Steel-Drum-artige Percussion.

Für einen kurzen Moment scheint das nordfinnische Kollektiv einen Umweg über die Karibik genommen zu haben. Das klingt weniger albern, als es sich liest. Die hellen Percussionklänge werden nicht als Urlaubsreklame eingesetzt, sondern bilden einen Kontrast zur melancholischen Flöte und den schwebenden Stimmen.

Vuorelas Flötenspiel gehört zu den schönsten Details des Albums. Die Melodie ist schlicht, aber wirkungsvoll. Sie führt durch das Stück, während sich im Hintergrund verschiedene Klangschichten aufbauen. Chorpassagen, Gitarre, Percussion und Soundscapes schieben sich langsam ineinander.

Das Stück besitzt eine deutliche Folk-Komponente, bleibt aber zu offen und psychedelisch, um als gewöhnlicher Progressive Folk durchzugehen. Die Band wechselt zwischen pastoraler Ruhe, kosmischer Weite und rhythmischer Bewegung. Kein Abschnitt wirkt wie ein bloßes Anhängsel, auch wenn der Song seine vollständige Wirkung erst nach mehreren Durchgängen entfaltet.

Als Abschluss funktioniert »Crystal Waters of Spring« hervorragend. Das Album endet nicht mit dem größtmöglichen Knall, sondern mit einer allmählichen Öffnung. Nach 42 Minuten bleibt weniger das Gefühl eines abgeschlossenen Endes als die Vorstellung, dass diese Geschichte außerhalb des hörbaren Bereichs weiterläuft.

NEUN MUSIKER UND KEIN GEDRÄNGE

Die personelle Größe von Onségen Ensemble könnte leicht zum Problem werden. Neun Beteiligte, dazu Streicher, Bläser, Percussion, Soundscapes und mehrere Stimmen: Andere Bands würden daraus einen permanenten Beweis ihrer eigenen Vielseitigkeit bauen. Auf »A Tale« herrscht dagegen erstaunliche Ordnung.

Samuli Lindberg spielt kein übermäßig technisches Schlagzeug. Seine Stärke liegt im Aufbau von Spannung und in der Fähigkeit, auch langsamen Passagen Bewegung zu geben. Gemeinsam mit Heikki Hallanoros Percussion entsteht ein rhythmisches Fundament, das organisch wirkt und sich nicht starr an der Gitarre orientiert.

Esa Juujärvis Bass bleibt häufig im Hintergrund, ist für die Wirkung der Musik aber unverzichtbar. Gerade wenn Gitarren und Soundscapes breiter werden, hält er die harmonische Bewegung zusammen. Sein Gesang ergänzt Vilma Pesola, ohne einen klassischen Duettcharakter zu erzeugen.

Pesola wiederum prägt den neuen Klang entscheidend. Ihre Stimme besitzt weder die theatralische Überzeichnung vieler Progressive-Rock-Sängerinnen noch die ätherische Beliebigkeit, die in diesem Bereich ebenfalls häufig anzutreffen ist. Sie singt klar, kontrolliert und mit einem leicht entrückten Charakter.

Joni Mäkelä versteht sich nicht als Dauer-Solist. Seine Gitarre kann schwer, psychedelisch und melodisch klingen, stellt sich aber regelmäßig hinter Violine, Trompete oder Gesang zurück. Gerade deshalb wirken die kräftigeren Gitarrenmomente stärker.

Tuuli Jartti, Mikko Vuorela und Jarmo Väärä erhalten keine dekorativen Gastauftritte. Violine, Flöte, Mundharmonika, Soundscapes und Trompete verändern tatsächlich die Kompositionen. Sie erweitern nicht nur den Klang, sondern übernehmen erzählerische Aufgaben.

SCHÖNHEIT MIT ANGEZOGENER HANDBREMSE

Niko Lehdonties Produktion ist entscheidend dafür, dass »A Tale« nicht unter seinem eigenen Ideenreichtum zusammenbricht. Das Album klingt warm und detailreich, aber nicht überproduziert. Die Instrumente besitzen natürliche Oberflächen. Schlagzeug und Percussion dürfen nach Holz, Metall und Raum klingen, anstatt vollständig in digitale Perfektion gezwungen zu werden.

Die psychedelische Wirkung entsteht weniger durch offensichtliche Effekte als durch Tiefe. Einzelne Instrumente scheinen weit hinten im Raum zu stehen, andere treten nur kurz in den Vordergrund. Besonders über Kopfhörer entfaltet das Album seine zahlreichen kleinen Bewegungen.

Diese Zurückhaltung hat jedoch ihren Preis. Nicht jeder Song besitzt einen sofort erkennbaren Höhepunkt. Onségen Ensemble verweigern den großen Refrain ebenso konsequent wie das obligatorische Post-Rock-Finale. Dadurch kann »A Tale« beim ersten Durchgang distanziert wirken.

Auch die rockige Schwere fällt geringer aus, als die Verbindung aus Post- und Stoner Rock zunächst vermuten lässt. Die Musik ist eher psychedelisch und progressiv als riffgetrieben. Wer eine nordische Variante von Kyuss oder Monster Magnet erwartet, steht nach wenigen Minuten im falschen Garten.

Als zusammenhängendes Album funktioniert diese Haltung allerdings hervorragend. »A Tale« lebt nicht von einzelnen Hits, sondern von Übergängen, Klangfarben und wiederkehrenden Stimmungen. Die Platte will nicht nebenbei konsumiert werden. Sie fordert Aufmerksamkeit, ohne diese mit technischer Angeberei zu erzwingen.

DAS KOLLEKTIV BLEIBT IN BEWEGUNG

Onségen Ensemble entstanden ursprünglich aus einer kleinen Gruppe nordfinnischer Musiker und entwickelten sich über wechselnde Besetzungen zu einem offenen Kollektiv. Seit dem Debüt »Awalaï« aus dem Jahr 2016 folgten »Duel«, »Fear« und »Realms«. Jedes Album veränderte die personelle und musikalische Zusammensetzung.

Diese Offenheit ist auf »A Tale« deutlich hörbar. Die Band arbeitet nicht mit einer unveränderlichen Formel, sondern lässt neue Musiker den Charakter der Musik tatsächlich beeinflussen. Vilma Pesolas Gesang ist dafür das offensichtlichste Beispiel. Ihre Präsenz führt zu einem weicheren und ätherischeren Ausdruck, ohne die dunkle Grundierung vollständig aufzulösen.

Gleichzeitig verliert das Kollektiv seine frühere Schwere nicht. Sie wird lediglich anders eingesetzt. Statt eines dominanten Riffs entstehen Druck und Unruhe durch Kontraste: schöne Melodien gegen dunkle Harmonien, luftige Stimmen gegen schwere Gitarren, folkloristische Instrumente gegen psychedelische Klangflächen.

Dadurch besitzt Onségen Ensemble eine eigene Identität. Vergleichsnamen wie Pink Floyd, Anekdoten, Ulver, Grails oder Ennio Morricone können einzelne Aspekte erklären, erfassen die gesamte Musik aber nicht. Das ist gewöhnlich ein gutes Zeichen.

FAZIT:

»A Tale« ist keine geballte Post-Rock- und Stoner-Rock-Attacke im herkömmlichen Sinn. Dafür ist das fünfte Album von Onségen Ensemble zu geduldig, zu folkloristisch und zu sehr an Atmosphäre interessiert. Die Schwere steckt zwischen den Tönen, nicht ausschließlich in den Gitarren.

Das nordfinnische Kollektiv verbindet psychedelischen Progressive Rock, Post-Rock, Folk, Filmmusik und vereinzelte Stoner-Riffs zu einem ungewöhnlich geschlossenen Werk. Besonders »Garden of Celestials«, »A Thought«, »The Word«, »The First Casualty« und »Crystal Waters of Spring« überzeugen durch ihre detailreichen Arrangements.

Vilma Pesolas Stimme erweitert den Klang entscheidend, während Violine, Trompete, Flöte, Mundharmonika und Percussion echte kompositorische Funktionen übernehmen. Die Produktion von Niko Lehdontie hält das umfangreiche Instrumentarium zusammen und bewahrt dennoch dessen organischen Charakter.

Lediglich die konsequente Zurückhaltung kann stellenweise zur Schwäche werden. Nicht jeder Song setzt einen klaren Höhepunkt, und »Oldest Father« bleibt im Vergleich zum übrigen Material etwas blass. Wer jedoch bereit ist, sich auf 42 Minuten langsamer Entfaltung einzulassen, erhält ein Album, das mit jedem Durchgang wächst.

Draußen mögen knapp vierzig Grad herrschen. »A Tale« öffnet trotzdem das Fenster zu einem nordischen Frühling, in dem Morricone-Trompeten durch verschneite Wälder hallen, dunkle Violinen über psychedelischen Gitarren kreisen und selbst das karibisch gefärbte Quellwasser noch verdächtig kühl schmeckt.

Official Video: Garden of Celestials

Official Video: The Word

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Onségen Ensemble - A Tale - CD Review

Boneripper – Radiant in Ruin

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Band: Boneripper 🇳🇱
Titel: Radiant In Ruin
Label: Eigenveröffentlichung
VÖ: 26.06.2026
Format: Vinyl / CD / Digital
Genre: Metallic Hardcore / Hardcore / Metalcore / Melodic Hardcore

Tracklist

01. Oracle Of Lies
02. Deeds Define
03. Damnation
04. Iron Veil
05. Truth To Enemy
06. Convective Outlook
07. Borrowed Breath
08. State Of Mind
09. Violent Virtue
10. Refuse Persist
11. Cold Hearts Burn
12. Radiant In Ruin

Besetzung

WD Glashouwer – Gesang
Jeljer Glashouwer – Gitarre
Eric van Miltenburg – Gitarre
Douwe Booij – Bass
Kees-Jan Glashouwer – Schlagzeug

Gastmusiker:
René von LIES! – Gastgesang bei »Damnation«

Produktion:
Musik – Jeljer Glashouwer
Texte – WD Glashouwer
Produktion, Aufnahme, Mixing und Mastering – WD Glashouwer
Artwork – Toha Mashudi alias Ahot74

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Aus den Resten der niederländischen Hardcore-Band Manu Armata hervorgegangen, veröffentlichen Boneripper mit »Radiant In Ruin« ihr zweites vollständiges Album. Gegenüber dem 2024 erschienenen »World Ablaze« nimmt das Quintett einige der ausgeprägtesten Metal-Elemente zurück und konzentriert sich stärker auf direkten, muskulösen Hardcore. Schwere Breakdowns, kurze Thrash-Akzente, melodische Gitarren und kompakte Gruppenrufe bleiben dennoch wichtige Bestandteile. Inhaltlich richten sich die zwölf Stücke gegen Krieg, Umweltzerstörung, Desinformation, gesellschaftliche Spaltung und die Untätigkeit angesichts offensichtlicher Krisen. Das Ergebnis ist eine aggressive, aber nicht resignierte Platte, die Widerstand und persönliches Handeln höher bewertet als leere Parolen.

Official Video: Deeds Define

WENIGER METALLISCHE EXTREME, MEHR HARDCORE

»Radiant In Ruin« ist keineswegs weichere Kost, setzt seine Härte aber anders ein als der Vorgänger. Statt möglichst viele metallische Riffs und Breakdowns in jeden Song zu pressen, arbeiten Boneripper stärker mit kurzen Hardcore-Strukturen, klaren Wiederholungen und Refrains, die auch ohne komplizierte Vorbereitung funktionieren.

Das zeigt sich besonders bei »Deeds Define«. Der Song konzentriert sich auf eine einfache Aussage: Nicht Diskussionen oder öffentliche Selbstdarstellung bestimmen den Wert einer Überzeugung, sondern das eigene Handeln. Musikalisch wird diese Direktheit mit einem druckvollen Rhythmus, kurzen Gitarrenfiguren und einem Refrain umgesetzt, der für den gemeinsamen Ruf vor der Bühne geschrieben wurde.

Die beiden Gitarren von Jeljer Glashouwer und Eric van Miltenburg bleiben trotzdem ein wichtiges Merkmal. Eine Gitarre hält meist die schwere Rhythmusarbeit zusammen, während die zweite mit kurzen Leads, Gegenbewegungen und metallischen Akzenten zusätzliche Kontur schafft.

VERDAMMNIS OHNE WELTUNTERGANGSKITSCH

»Damnation« beschäftigt sich mit Krieg, Gier, Umweltzerstörung und dem gesellschaftlichen Desinteresse an diesen Entwicklungen. Der Text verzichtet auf komplizierte Symbolik und benennt seine Themen unmittelbar. Die Mächtigen schützen ihren Besitz, während andere die Konsequenzen tragen und der Rest weitgehend unbeteiligt zusieht.

Der Gastgesang von René von LIES! erweitert den ohnehin rauen Vortrag von WD. Beide Stimmen werden nicht für einen melodischen Gegensatz eingesetzt, sondern verstärken die Aggressivität des Stücks. Der wiederholte Titelruf bleibt einfach, erfüllt aber genau deshalb seine Funktion.

Musikalisch verbindet der Song melodischen Hardcore im Stil von Comeback Kid oder Modern Life Is War mit schweren Breakdowns. Die melodischen Elemente nehmen der Nummer nichts von ihrer Härte, sondern geben dem kompakten Aufbau zusätzliche Wiedererkennbarkeit.

ZWÖLF SONGS GEGEN DIE GEGENWART

Bereits Titel wie »Oracle Of Lies«, »Truth To Enemy« und »Iron Veil« machen deutlich, dass Boneripper ihre Kritik nicht auf ein einzelnes Thema beschränken. Desinformation, politische Heuchelei und die bewusste Verdrehung von Tatsachen bilden einen wesentlichen Teil des Albums.

Die erste Hälfte bleibt dabei überwiegend kompakt. Gitarrenriffs werden schnell eingeführt, der Gesang folgt mit kurzen, rhythmisch präzisen Zeilen und die Breakdowns stehen am Ende einer nachvollziehbaren Entwicklung. Die Band vermeidet lange Intros und ausgedehnte Solopassagen.

»Convective Outlook« und »Borrowed Breath« erweitern den thematischen Blick auf die ökologischen und persönlichen Folgen einer Gesellschaft, die ihre Krisen zwar erkennt, aber kaum bereit ist, daraus Konsequenzen zu ziehen. Dabei bleibt die Grundhaltung düster, ohne vollständig in Hoffnungslosigkeit zu enden.

Gerade diese Verbindung aus Warnung und Widerstand gibt dem Album mehr Charakter als eine bloße Sammlung aggressiver Hardcore-Songs. Die Texte beschreiben den Verfall, fordern aber gleichzeitig dazu auf, sich nicht passiv mit ihm abzufinden.

DER EIGENE KOPF ALS KONFLIKTZONE

»State Of Mind« richtet den Blick nach innen. Der Song beschäftigt sich mit Gedanken, Ängsten und den zahlreichen Stimmen, die über soziale Medien und digitale Informationsströme auf den Einzelnen einwirken. Was dauerhaft aufgenommen wird, verändert schließlich auch die eigene Wahrnehmung.

Die Nummer gehört zu den melodischeren Momenten des Albums. Der Rhythmus bleibt energisch, doch die Gitarren lassen mehr Raum für klar erkennbare Linien. Der Refrain ist unmittelbar, ohne den Hardcore-Kern gegen glatten Alternative Rock einzutauschen.

WD singt nicht im klassischen Sinn, sondern arbeitet mit rauen Shouts, die eng am Rhythmus bleiben. Sein Vortrag besitzt wenig Variation, passt aber zur direkten Sprache der Texte. Auf Albumlänge kann diese Beständigkeit stellenweise gleichförmig wirken.

Mit »Violent Virtue«, »Refuse Persist« und »Cold Hearts Burn« kehrt die Platte anschließend stärker zu Widerstand, moralischen Widersprüchen und persönlicher Standfestigkeit zurück. Die Band bleibt dabei konsequent kurz und vermeidet unnötige Verlängerungen.

FÜNF MUSIKER, EIN KOMPAKTER KLANG

Die Rhythmussektion aus Douwe Booij und Kees-Jan Glashouwer hält das Album mit einem kräftigen, weitgehend schnörkellosen Spiel zusammen. Der Bass unterstützt nicht nur die tiefen Gitarren, sondern wird besonders in den rhythmisch reduzierten Passagen deutlich hörbar.

Kees-Jan setzt auf direkte Hardcore-Beats, schnelle Übergänge und kontrollierte Doublebass-Passagen. Technische Demonstrationen sind nicht das Ziel. Das Schlagzeug soll die Songs antreiben und den Breakdowns das notwendige Gewicht geben.

Die Produktion von WD Glashouwer klingt dicht und modern. Gitarren, Schlagzeug und Stimme stehen klar voneinander getrennt, ohne dass die Platte steril wirkt. Der Bass bleibt ausreichend präsent und die Gruppenstimmen besitzen genügend Breite.

Allerdings liegen die lauten und ruhigeren Abschnitte dynamisch nahe beieinander. Dadurch verlieren einige Übergänge an Wirkung. Ein offenerer Mix hätte die melodischen Momente deutlicher von den schweren Breakdowns abgesetzt.

DIREKTHEIT MIT BEGRENZUNGEN

Die zwölf Songs besitzen eine hohe Energiedichte und vermeiden weitgehend Leerlauf. Boneripper konzentrieren sich auf Riffs, Refrains und rhythmische Wechsel, statt die Stücke mit zusätzlichen Zwischenteilen künstlich zu verlängern.

Auf Albumlänge wiederholen sich bestimmte Abläufe dennoch. Schneller Einstieg, kompakte Strophe, gerufener Refrain und schwerer Rhythmuswechsel bilden mehrfach eine ähnliche Grundlage. Die gute Gitarrenarbeit und die unterschiedlichen Textthemen verhindern größere Ermüdung, vollständig überraschend bleibt die Platte aber nicht.

Der abschließende Titelsong »Radiant In Ruin« fasst die zentrale Haltung zusammen. Die Welt befindet sich im Verfall, doch selbst unter diesen Bedingungen bleibt die Entscheidung bestehen, Widerstand zu leisten und nicht jede Entwicklung widerspruchslos hinzunehmen.

FAZIT:

»Radiant In Ruin« verbindet direkten Hardcore, metallische Gitarren und sozialkritische Texte zu einem kompakten zweiten Album mit deutlich gewachsener eigener Identität. Wiederkehrende Songstrukturen und die sehr dichte Produktion begrenzen die Abwechslung, doch Energie, Haltung und hymnische Refrains bleiben überzeugend.

Official Video: State Of Mind

Internet

Boneripper - Radiant In Ruin - CD Review

Sleeping Pulse – Dreams & Limitations

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Sleeping Pulse - Dreams & Limitations - cover Artwork
Sleeping Pulse - Dreams & Limitations - cover Artwork

Band: Sleeping Pulse 🇬🇧 🇵🇹
Titel: Dreams & Limitations
Label: Prophecy Productions
VÖ: 05.06.2026
Format: 2CD-Artbook / CD / 2LP / Digital
Genre: Dark Progressive Rock / Atmospheric Rock / Post-Rock / Progressive Doom

Tracklist

01. Dreams & Limitations
02. Rise
03. Illuminate
04. The Butterfly Collector
05. Two Wreaths
06. The Constraint
07. Behind The Glass
08. Extrasolar
09. When I Am Young Again

Besetzung und Produktion

Mick Moss – Gesang, Texte, Gesangsmelodien
Luís Fazendeiro – Gitarren, Bass, Klavier, Synthesizer, Programmierung, Komposition
Marcelo Aires – Schlagzeug
Jenny O’Connor – zusätzlicher Gesang
Samuel Silva – Flöte, Blockflöte, Saxophon
Pedro Mendes – Gitarrensoli auf „The Constraint“ und „Behind The Glass“

Peter Junge – Mix
Martin Scheer – Mastering
Paulo Basilio – Aufnahmen zusätzlicher Gitarren, Bläser, Streicher und Percussion

Bewertung:

4,5 von 5 Punkten

Zwölf Jahre nach »Under The Same Sky« kehren Sleeping Pulse mit einem Album zurück, das sich intensiv mit Alter, Verlust, Erinnerung und menschlicher Vergänglichkeit auseinandersetzt. Das englisch-portugiesische Duo aus Mick Moss und Luís Fazendeiro verbindet melancholischen Progressive Rock mit Post-Rock, elektronischen Flächen, akustischen Instrumenten und einer zurückhaltenden Doom-Schwere. »Dreams & Limitations« ist dabei keine Platte, die Trauer künstlich vergrößert: Sie nimmt Schmerz ernst, lässt aber auch Trost, Schönheit und vorsichtige Hoffnung zu.

YouTube Art Playlist: Dreams & Limitations

TRÄUME TREFFEN AUF ENDLICHKEIT

Das kurze Titelstück öffnet das Album mit Klavier und Atmosphäre, bevor »Rise« dessen zentrales Thema formuliert: Leben und Tod lassen sich nicht voneinander trennen. Mick Moss verarbeitet darin eigene Erfahrungen mit Krankheit, körperlicher Unsicherheit und mehreren Todesfällen in seinem Umfeld. Dennoch endet der Song nicht in vollständiger Hoffnungslosigkeit. Er fordert dazu auf, das vorhandene Licht wahrzunehmen, obwohl die Dunkelheit nie vollständig verschwindet.

Musikalisch baut Luís Fazendeiro den Song geduldig auf. Klavier, kräftige Gitarrenakkorde und Samuel Silvas Flöte verbinden Progressive Rock mit melancholischer Weite. Marcelo Aires führt die Steigerungen kontrolliert, während Moss seine warme, leicht raue Stimme vom zurückgenommenen Beginn bis zum emotionalen Finale öffnet.

»Illuminate« führt diesen Gegensatz fort. Ruhige Strophen stehen einem großen Refrain gegenüber, der nicht einfach Optimismus verspricht, sondern den Versuch beschreibt, innerhalb einer schweren Lebensphase Orientierung zu finden. Besonders überzeugend ist, wie Fazendeiro die Instrumentierung um Moss’ Stimme herum aufbaut, anstatt sie mit unnötiger Komplexität zu bedrängen.

ERINNERUNGEN LASSEN SICH NICHT FESTHALTEN

»The Butterfly Collector« verwendet das Sammeln von Schmetterlingen als Bild für den verzweifelten Versuch, vergangene Augenblicke dauerhaft zu bewahren. Erinnerungen können geordnet und immer wieder aufgerufen werden, bleiben aber unberührbar. Genau daraus entsteht die Traurigkeit des Songs: Die Vergangenheit ist im Denken weiterhin lebendig, kann jedoch nicht erneut betreten werden.

Die leichtfüßige Flötenmelodie steht in einem wirkungsvollen Gegensatz zu diesem Inhalt. Der Song klingt stellenweise fast beschwingt, während Moss über die Unmöglichkeit singt, verlorene Zeit zurückzuholen. Fazendeiros Arrangement verhindert damit, dass die Melancholie eindimensional wird.

Noch persönlicher fällt »Two Wreaths« aus. Der Song handelt davon, einem verstorbenen geliebten Menschen im Traum wiederzubegegnen. Freude und Panik entstehen gleichzeitig: Der Moment fühlt sich real an, doch bereits während des Traums wächst das Bewusstsein, dass diese Begegnung bald enden wird.

Moss singt hier besonders verletzlich. Die Stimme steht klar im Mittelpunkt, während Klavier, Streicher und zurückhaltende Gitarren den emotionalen Raum öffnen. Das Stück gehört zu den stärksten Momenten des Albums, weil es Trauer nicht beschreibt, sondern den kurzen Zustand zwischen Wiedersehen und erneutem Verlust nachvollziehbar macht.

AUSBRUCH AUS DER INNEREN STARRE

Mit »The Constraint« verändert sich das Tempo. Post-Punk, Gothic Rock und ein direkter Rhythmus bringen Bewegung in die bis dahin überwiegend getragenen Arrangements. Inhaltlich geht es um Kommunikation als mögliche Lösung eines Konflikts – und zugleich um die Angst, ein Gespräch könne alles weiter verschärfen.

Pedro Mendes setzt ein prägnantes Gitarrensolo, während Marcelo Aires den Song mit einem deutlich offensiveren Schlagzeugspiel vorantreibt. Im Albumfluss wirkt die Nummer zunächst wie ein Fremdkörper, erfüllt aber eine wichtige Funktion: Sie verhindert, dass die melancholische Grundstimmung in Gleichförmigkeit übergeht.

»Behind The Glass« kehrt anschließend zur ruhigeren Seite zurück. Der Titel vermittelt das Gefühl, das eigene Leben oder einen anderen Menschen durch eine unsichtbare Trennung zu beobachten. Jenny O’Connor erweitert Moss’ Stimme und gibt der Komposition eine zweite Perspektive. Fazendeiros Gitarren bleiben zurückhaltend, bis Mendes mit seinem Solo einen klaren instrumentalen Höhepunkt setzt.

DIE SUCHE HINTER DEN GRENZEN DES VERSTANDES

Das über neun Minuten lange »Extrasolar« ist das progressive Zentrum der Platte. Ein Mensch verlässt gedanklich das vertraute System und sucht nach Erkenntnis, Gott, außerirdischem Leben und einer Antwort auf das Rätsel des Bewusstseins. Die Reise führt jedoch nicht zu einer abschließenden Wahrheit. Je weiter die Suche reicht, desto deutlicher werden die Grenzen menschlicher Wahrnehmung.

Fazendeiro verbindet schwere Gitarren, Synthesizer, Klavier, gesprochene Passagen und Streicher zu einem langen, aber schlüssigen Spannungsbogen. Die Instrumente erhalten genügend Raum, ohne den Song in eine technische Vorführung zu verwandeln. Moss passt seinen Gesang der Größe des Themas an, bleibt jedoch glaubwürdig und vermeidet übertriebenes Pathos.

»When I Am Young Again« schließt das Album mit einer besonders bitteren Vorstellung. Die erzählende Person erkennt, wie viele Jahre durch Depression, Rückzug und Angst ungenutzt vergangen sind. Sie verspricht, es in einem nächsten Leben besser zu machen – doch gerade darin liegt die Tragik: Eine zweite Gelegenheit ist keineswegs garantiert.

Das Finale verzichtet auf ein großes versöhnliches Ende. Stattdessen bleibt die Aufforderung, die vorhandene Zeit bewusster zu nutzen. Moss singt mit hörbarer Erschöpfung, während Fazendeiro das Album ruhig und ohne künstlichen Triumph ausklingen lässt.

ZWEI HANDSCHRIFTEN, EIN GEMEINSAMER PULS

Die klare Arbeitsteilung prägt das Album. Mick Moss schreibt die Texte und Gesangslinien, während Luís Fazendeiro sämtliche Kompositionen und den Großteil der Instrumentierung verantwortet. Dennoch wirkt »Dreams & Limitations« nie wie das nachträgliche Zusammensetzen zweier getrennter Arbeiten.

Moss überzeugt mit einer Stimme, die keine technische Demonstration benötigt. Sein dunkles Timbre, das charakteristische Vibrato und kleine Rauheiten tragen Verlust, Angst und Resignation ebenso glaubwürdig wie die vorsichtigen hoffnungsvollen Momente. Er singt nicht über den Arrangements, sondern bewegt sich in ihnen.

Fazendeiro zeigt sich als vielseitiger Komponist und Multiinstrumentalist. Seine Gitarren können schwer und breit klingen, werden aber ebenso für fragile Akustikpassagen oder melodische Details eingesetzt. Klavier, Synthesizer und Programmierungen erfüllen stets eine konkrete Funktion. Besonders stark ist sein Gespür dafür, lange Steigerungen vorzubereiten, ohne deren Wirkung zu früh vorwegzunehmen.

Marcelo Aires spielt songdienlich und dynamisch. Seine Leistung liegt weniger in auffälligen Fills als in der sicheren Führung durch die wechselnden Intensitäten. Samuel Silva bringt mit Flöte und Saxophon eine ungewöhnliche, aber passende Farbe ein, während Jenny O’Connor und Pedro Mendes gezielte Akzente setzen.

MELANCHOLIE MIT BEWEGUNG

Die Produktion hält Stimme, Gitarren, akustische Instrumente und orchestrale Ergänzungen sauber auseinander. Selbst in den großen Steigerungen bleibt der Klang transparent. Gleichzeitig wirkt das Album nicht steril; kleine Unebenheiten und natürliche Dynamik bewahren seine menschliche Seite.

Einzelne Stücke folgen allerdings einem ähnlichen Aufbau aus ruhigem Beginn, langsamer Verdichtung und emotionalem Höhepunkt. Auch »The Constraint« fügt sich stilistisch nicht vollkommen bruchlos ein. Diese Einschränkungen wiegen jedoch gering, weil das Album insgesamt geschlossen erzählt und seine knapp 48 Minuten ohne echten Leerlauf nutzt.

FAZIT:

»Dreams & Limitations« von SLEEPING PULSE ist ein tief emotionales und hervorragend arrangiertes Album über Sterblichkeit, Erinnerung, Depression und die schmerzhaft begrenzte Zeit eines menschlichen Lebens. Mick Moss und Luís Fazendeiro ergänzen sich nahezu ideal, während die Gastmusiker das Klangbild mit Flöte, Saxophon, zusätzlichem Gesang und melodischen Gitarrensoli erweitern. Kleine dramaturgische Wiederholungen verhindern die Höchstwertung, dennoch sind die vergebene Wertungspunkte durchaus verdient.

Musikvideo: Rise

Internet

Sleeping Pulse - Dreams & Limitations - CD Review

Non Serviam – La Lune Dont Mon Âme Est Pleine

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Band: Non Serviam 🇫🇷
Titel: La Lune Dont Mon Âme Est Pleine
Label: Lay Bare Recordings / Non Serviam Circle / Atypeek Music
VÖ: 12.06.2026
Format: Vinyl / CD / Kassette / Digital
Genre: Avantgarde Metal / Industrial Black Metal / Cybergrind / Darkwave / Sludge

Tracklist

01. La Lune dont mon âme est pleine – Part II
02. Déesse morte
03. Émile Henry
04. Victory To Kali – feat. M. Kawashima
05. La Valse des enfants morts
06. Everything About You
07. Actéon
08. Abject Sacrifice
09. La Lune dont mon âme est pleine – Part III

Besetzung

Void – Gesang, Texte, Instrumente, Programmierung, Produktion
Moon – Gesang, Instrumente, Text zu »Actéon«

Gastmusiker:
Mirai Kawashima – Gastgesang bei »Victory To Kali«

Verwendete Instrumente:
Elektrische und klassische Gitarren, Bass, Keyboards, Piano, Cembalo, Spinett, Mundharmonika, Akkordeon, Drone- und Noise-Synthesizer, Programmierung und Percussion

Produktion:
Aufnahme, Mixing und Mastering – Void
Aufgenommen in Paris, Montreuil und Montpellier
Artwork – Camille Murgue
Handschrift des Albumtitels – Lila Minni
Layout – Void

Bewertung:

4,5 von 5 Punkten

Fünf Jahre nach »Le Cœur Bat« kehren die anonym auftretenden französischen Klangradikalen Non Serviam mit ihrem dritten vollständigen Album zurück. »La Lune Dont Mon Âme Est Pleine« verbindet Industrial Black Metal, Cybergrind, Sludge, Darkwave, Noise und barocke Instrumentierung zu einem symbolistischen Konzeptwerk über den Mythos von Diana und Actaeon. Dabei geht es um das Streben nach dem Absoluten, verbotene Blicke, Gewalt, Verwandlung und die Melancholie nach der Zerstörung. Das Duo Void und Moon erzeugt daraus keine bloße Aneinanderreihung möglichst gegensätzlicher Stilmittel, sondern ein forderndes Album, das zwischen elektronischer Überlastung, kalten Melodien, schweren Riffs und verstörend ruhigen Abschnitten eine eigene Sprache entwickelt.

Official Video Playlist: La Lune Dont Mon Âme Est Pleine

BAROCKE FORMEN UND INDUSTRIELLE GEWALT

Die dreiminütige Eröffnung »La Lune dont mon âme est pleine – Part II« legt keine klassische Einleitung vor. Stimmen, elektronische Störungen und verfremdete Klangflächen stellen sofort klar, dass sich dieses Album einer gewöhnlichen Metal-Dramaturgie entzieht.

Mit »Déesse morte« folgt eine der zugänglichsten Kompositionen. Kalte Synthesizer und melodischer Klargesang stehen zunächst im Vordergrund, bevor verzerrte Gitarren, Schreie und mechanische Rhythmen die ruhige Oberfläche aufbrechen. Trotz der drastischen Wechsel besitzt der Song einen erkennbaren Spannungsbogen.

Die Stärke von Non Serviam liegt dabei nicht allein im Kontrast. Barocke Tasteninstrumente, elektronische Beats und Black-Metal-Gitarren werden nicht nacheinander präsentiert, sondern greifen gleichzeitig ineinander. Das Ergebnis klingt chaotisch, ist aber hörbar genau konstruiert.

ÉMILE HENRY UND DIE POLITISCHE ZERSTÖRUNG

»Émile Henry« bezieht sich auf den französischen Anarchisten des späten 19. Jahrhunderts. Entsprechend aggressiv arbeitet die Komposition mit hämmernder Percussion, verzerrten Stimmen und elektronischen Ausbrüchen. Die Musik vermittelt keine historische Erzählung, sondern konzentriert sich auf Radikalität, Gewalt und deren Folgen.

Die rhythmische Gestaltung bewegt sich zwischen Industrial, Breakcore und Cybergrind. Gitarren erscheinen in kurzen, massiven Blöcken, während die Elektronik keine Hintergrundfunktion übernimmt. Sie ist ein gleichberechtigter Bestandteil der Aggression.

Trotz der Überladung verliert das Stück seine Richtung nicht. Wiederkehrende Stimmen und rhythmische Muster halten die einzelnen Abschnitte zusammen. Gerade diese Kontrolle unterscheidet das Album von beliebigem Noise, bei dem Intensität allein durch Lautstärke erzeugt wird.

KALI ERHÄLT EINE STIMME

Das kompakte »Victory To Kali« gehört zu den härtesten und unmittelbarsten Stücken der Platte. Mirai Kawashima von den japanischen Avantgarde-Metallern Sigh übernimmt den Gastgesang und fügt sich mühelos in die unruhige Verbindung aus metallischen Riffs, elektronischer Percussion und rituellen Wiederholungen ein.

Die hinduistische Göttin Kali steht für Zerstörung, Zeit und Transformation. Non Serviam reduzieren diese Figur nicht auf exotische Dekoration, sondern verbinden sie mit dem zentralen Thema des Albums: Veränderung entsteht nicht ohne Verlust und Gewalt.

»La Valse des enfants morts« verändert anschließend die Klangfarbe. Walzerartige Bewegungen, barocke Instrumente und eine bewusst befremdliche Atmosphäre ersetzen den direkten Angriff. Der Titel klingt weder verspielt noch nostalgisch, sondern kontrolliert unheimlich.

DARKWAVE, NOISE UND FALSCHE SICHERHEIT

»Everything About You« zeigt die stärker melodische Seite des Duos. Darkwave, elektronische Flächen und zurückhaltende Stimmen erzeugen vorübergehend mehr Raum. Doch auch hier bleibt die Ruhe instabil. Verzerrungen und harsche Einsätze verhindern, dass der Song zu einem klassischen Gothic-Stück wird.

Dieser Wechsel zwischen Anspannung und kurzen Ruhephasen prägt das gesamte Album. Non Serviam setzen den Hörer nicht 41 Minuten lang derselben Lautstärke aus. Die ruhigen Passagen sind jedoch keine Erholung, sondern Teil der Unsicherheit.

Das macht »La Lune Dont Mon Âme Est Pleine« anstrengend, aber nicht gleichförmig. Jeder Song erhält eine eigene Gewichtung, während Produktion, Stimmen und wiederkehrende elektronische Texturen den Gesamtzusammenhang bewahren.

ACTAEON UND DER PREIS DES BLICKS

Im Zentrum des Konzeptes steht »Actéon«. Der Jäger erblickt die Göttin Diana beim Baden, wird in einen Hirsch verwandelt und schließlich von seinen eigenen Hunden zerrissen. Der Mythos wird als Geschichte über Begehren, Grenzüberschreitung und die zerstörerische Suche nach absoluter Schönheit interpretiert.

Musikalisch verbindet das Stück schwere Gitarren, elektronische Unruhe und mehrere Stimmebenen. Die Komposition bleibt dichter als die melodischeren Titel, enthält aber genügend rhythmische Veränderungen, um nicht in einer einzigen Lärmfläche zu verschwinden.

Der von Moon verfasste Text gehört zu den konkretesten Momenten der Platte. Körperliche Verwandlung und psychischer Kontrollverlust werden ohne romantische Verklärung beschrieben. Dadurch erhält die mythologische Vorlage eine moderne und deutlich unangenehmere Wirkung.

DAS OPFER UND DER ABSCHLUSS

»Abject Sacrifice« beginnt mit kalten, getragenen Tönen und vergleichsweise ruhigem Gesang. Nach und nach treten Schreie, Verzerrungen und schwerere elektronische Strukturen hinzu. Der Song arbeitet weniger mit plötzlichen Schnitten als mit einer langsamen Verschärfung.

Besonders hier zeigt sich, dass die vielen Instrumente nicht bloß zur Erweiterung der Creditliste dienen. Piano, Synthesizer, Gitarren und programmierte Rhythmen sind so angeordnet, dass sich die emotionale Temperatur des Stücks stetig verändert.

Das siebenminütige »La Lune dont mon âme est pleine – Part III« greift Motive der Eröffnung wieder auf und führt das Konzept mit einer Mischung aus gesprochenen Stimmen, kalter Melodik und aggressiven Störungen zu Ende. Die Komposition bietet keine versöhnliche Auflösung. Begehren und Verwandlung hinterlassen keine Erkenntnis, sondern Leere.

MAXIMALISMUS MIT STRUKTUR

Die Instrumentenliste reicht von elektrischen und klassischen Gitarren über Bass, Piano und Keyboards bis zu Cembalo, Spinett, Mundharmonika, Akkordeon und verschiedenen Noise-Synthesizern. Trotzdem wirkt das Album nicht wie eine Ausstellung ungewöhnlicher Klangquellen.

Void und Moon setzen diese Mittel gezielt ein. Barocke Elemente schaffen keine historische Atmosphäre, sondern stehen im direkten Gegensatz zur digitalen Härte. Darkwave-Melodien dienen nicht der Eingängigkeit, sondern verstärken die Kälte der Kompositionen.

Der Gastbeitrag von Mirai Kawashima passt daher ausgezeichnet. Wie Sigh betrachten auch Non Serviam Genregrenzen nicht als Regeln, sondern als Material. Der entscheidende Unterschied liegt in der stärkeren Verbindung zu Industrial, Noise und politisch aufgeladener Gegenkultur.

KEIN LEICHTER ZUGANG

Das Album verlangt ungeteilte Aufmerksamkeit. Die schnellen Stilwechsel, zahlreichen Stimmen und dicht übereinanderliegenden Geräusche lassen sich kaum beiläufig erfassen. Wer klare Riffs, wiederkehrende Refrains und eine berechenbare Produktion erwartet, wird nur wenige Orientierungspunkte finden.

Diese Unzugänglichkeit ist einerseits konsequent, führt aber auch zu Grenzen. Einzelne elektronische Spitzen und extrem verdichtete Abschnitte wirken auf Dauer ermüdend. Manche Ideen verschwinden bereits wieder, bevor sie ihr volles Potenzial entwickelt haben.

Gegenüber dem deutlich längeren »Le Cœur Bat« ist das neue Album jedoch konzentrierter. Die Spielzeit von rund 41 Minuten verhindert, dass der avantgardistische Ansatz vollständig in Selbstzweck umschlägt. Trotz aller Überforderung bleibt eine erkennbare Dramaturgie erhalten.

FAZIT:

»La Lune Dont Mon Âme Est Pleine« ist ein kompromissloses Avantgarde-Album, das Industrial Black Metal, Cybergrind, Sludge, Darkwave und barocke Klangfarben zu einem erstaunlich geschlossenen Konzept verbindet. Der hohe Geräuschpegel und die ständigen Stilwechsel fordern Ausdauer, doch hinter der Oberfläche stehen präzises Songwriting und eine eigenständige künstlerische Vision.

Official Music Video: Déesse Morte

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Non Serviam - La Lune Dont Mon Âme Est Pleine - CD Review

Soulburn – Quantifying Cosmic Doom

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Band: Soulburn 🇳🇱
Titel: Quantifying Cosmic Doom
Label: Testimony Records
VÖ: 12.06.2026
Format: Vinyl / CD / Kassette / Digital
Genre: Blackened Death Metal / Death Doom / Black Metal

Tracklist

01. The Braveheart Of Nightmares
02. Powehi, The Embellished Dark Source Of Unending Creation
03. A Pyramid Absurd
04. An Impious Journey Through The Cathedral’s Mouth
05. Stalactites Of Molten Flesh
06. M87 – What Hopes To Be Born?
07. Iconox Spew Black At The Razor’s Edge
08. Down Among The Stars
09. The Desolationist
10. In The Very Time That Will Rot Us
11. An Innocuous Swathe Of Sky

Besetzung

Twan van Geel – Gesang, Bass
Eric Daniels – Gitarre
Remco Kreft – Rhythmusgitarre
Marc Verhaar – Schlagzeug

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

Sechs Jahre nach »Noa’s D’ark« melden sich die niederländischen Soulburn mit einem Album zurück, dessen Titel die musikalische Ausrichtung erstaunlich präzise zusammenfasst. »Quantifying Cosmic Doom« verbindet Death Metal, schwarzen Metal und schleppende Doom-Schwere mit kosmischen Themen, melancholischen Melodien und einigen unerwartet experimentellen Gesangspassagen. Das über Testimony Records veröffentlichte fünfte Studioalbum umfasst elf Stücke und mehr als eine Stunde Musik. Die frühere Nähe zu Asphyx bleibt in den schweren Riffs erkennbar, doch Soulburn richten ihren Blick weiter in Richtung Bathory, Celtic Frost, atmosphärischen Black Metal und düsteren Gothic Rock. Nicht jede dieser Verbindungen gelingt vollständig, doch das Quartett klingt mutiger und vielseitiger als auf einem bloßen Old-School-Death-Metal-Rückblick.

Albumstream: Quantifying Cosmic Doom

ALBTRÄUME ZWISCHEN DOOM UND SCHWARZMETALL

Der Opener »The Braveheart Of Nightmares« gehört zu den abwechslungsreichsten Stücken des Albums. Langsame Gitarren, melancholische Melodien und Twan van Geels tiefe Growls wechseln mit klar gesungenen Passagen und schnelleren Black-Metal-Ausbrüchen. Die fast siebeneinhalb Minuten wirken trotz mehrerer Richtungswechsel weitgehend geschlossen.

Besonders die Gitarren von Eric Daniels und Remco Kreft bestimmen den Song. Massive Rhythmusarbeit trifft auf melodische Leads, die nicht nur als dekorative Soli eingesetzt werden. Unter der schweren Oberfläche bleibt eine deutlich erkennbare Melancholie erhalten.

Die Klargesänge sind mutig und geben dem Material zusätzliche Farbe. Allerdings bleibt ihre Qualität im weiteren Albumverlauf wechselhaft. Wo sie beim Opener Atmosphäre erzeugen, wirken sie später gelegentlich weniger sicher und nehmen einzelnen Passagen etwas von ihrer bedrohlichen Wirkung.

»Powehi, The Embellished Dark Source Of Unending Creation« beginnt mit akustischen Gitarren und entwickelt sich zu einem dunklen Stück zwischen Death Doom, Black Metal und Gothic Rock. Das lange Arrangement benötigt Geduld, belohnt diese aber mit starken Gitarrenmelodien und einem überzeugenden Wechsel zwischen kontrollierter Schwere und schnellerer Aggression.

PYRAMIDEN, KATHEDRALEN UND FLEISCH

»A Pyramid Absurd« konzentriert sich stärker auf das Death-Doom-Fundament. Die Riffs sind tief, klar aufgebaut und besitzen jene körperliche Wirkung, die man von Musikern mit enger Verbindung zur niederländischen Death-Metal-Schule erwartet. Gleichzeitig verhindern melodische Gitarren und Tempowechsel, dass die Nummer vollständig in vertrauten Strukturen stehen bleibt.

Das kompaktere »An Impious Journey Through The Cathedral’s Mouth« verbindet einen beinahe hypnotischen Rhythmus mit schnellen Black-Metal-Passagen. Der Song gehört zu den unmittelbareren Stücken der Platte und profitiert davon, seine Ideen nicht über sieben Minuten ausdehnen zu müssen.

Schwieriger fällt »Stalactites Of Molten Flesh« aus. Die einzelnen Riffs besitzen Gewicht, und Marc Verhaar sorgt mit seinem variablen Schlagzeugspiel für Bewegung. Die ungewöhnlichen Gesangslinien und der langgezogene Schluss wirken jedoch weniger zwingend. Hier wird der experimentelle Wille deutlicher als das eigentliche Ziel der Komposition.

SCHWARZE LÖCHER UND KONTROLLIERTE SCHWERE

»M87 – What Hopes To Be Born?« greift den kosmischen Schwerpunkt des Albums besonders deutlich auf. Ein schwerer Groove bildet das Zentrum, während die Gitarren zwischen dunklen Akkorden und melodischen Linien wechseln. Der Song besitzt einen klaren Aufbau und gehört zu den zugänglichsten Nummern der Platte.

Mit »Iconox Spew Black At The Razor’s Edge« folgt eine deutlich langsamere Komposition. Das eröffnende Doom-Riff wirkt massiv, bevor die Band das Tempo erhöht und härtere Death- und Black-Metal-Elemente einbindet. Die Wechsel sind gut vorbereitet und zeigen, wie überzeugend Soulburn klingen können, wenn ihre unterschiedlichen Einflüsse innerhalb eines klaren Spannungsbogens stehen.

»Down Among The Stars« bleibt kürzer und direkter. Die Band konzentriert sich auf rhythmische Härte, kurze melodische Akzente und eine kompakte Struktur. Nach mehreren langen Stücken sorgt diese Konzentration für notwendige Abwechslung.

VERFALL, VERZWEIFLUNG UND EIN OFFENES ENDE

»The Desolationist« führt zurück zu einer stärker schwarzmetallischen Grundhaltung. Schnelle Passagen und scharf gespielte Gitarren stehen neben langsameren Abschnitten, in denen der Doom-Anteil erneut mehr Gewicht erhält. Van Geels harscher Gesang funktioniert hier deutlich besser als einige der experimentelleren Varianten.

Das vorab veröffentlichte »In The Very Time That Will Rot Us« zählt zu den stärkeren Songs der zweiten Albumhälfte. Ein schwerer Groove, prägnante Gitarren und ein nachvollziehbarer Aufbau sorgen dafür, dass die Nummer trotz ihrer stilistischen Bandbreite fokussiert bleibt.

Mit »An Innocuous Swathe Of Sky« endet das Album ruhiger und atmosphärischer. Die Band vermeidet ein rein aggressives Finale und setzt stattdessen auf Melancholie, melodische Gitarren und eine langsam auslaufende Spannung. Nach mehr als einer Stunde wirkt dieser Abschluss passend, auch wenn der Weg dorthin nicht durchgehend frei von Längen bleibt.

DIE GITARREN HALTEN DAS ALBUM ZUSAMMEN

Die größte Stärke von »Quantifying Cosmic Doom« liegt in der Gitarrenarbeit. Eric Daniels und Remco Kreft verbinden schwere Death-Doom-Akkorde mit harmonischen Leads, frostigen Black-Metal-Figuren und gelegentlich beinahe klassischem Heavy-Metal-Gefühl.

Twan van Geel bewegt sich zwischen tiefen Growls, heiserem Keifen und Klargesang. Die harschen Stimmen besitzen Kraft und passen hervorragend zur schweren Grundierung. Die klaren Passagen erweitern das Ausdrucksspektrum, schwanken aber zwischen stimmungsvoller Ergänzung und hörbarer Unsicherheit.

Marc Verhaar hält die langen Kompositionen mit einem variablen Schlagzeugspiel zusammen. Er wechselt zwischen langsamem Doom, präzisem Death Metal und schnellen Black-Metal-Passagen, ohne die Songs unnötig mit technischen Details zu überladen.

Van Geels Bass bleibt dagegen häufig unter den Gitarren verborgen. Gerade bei den langsameren Stücken hätte eine deutlichere Präsenz im unteren Frequenzbereich die Wirkung des Albums weiter verstärkt.

VIELFALT MIT NEBENWIRKUNGEN

Das Album enthält zahlreiche starke Ideen. Soulburn wiederholen nicht einfach die Atmosphäre von »Noa’s D’ark«, sondern erweitern ihren Stil um Akustikgitarren, Klargesang, Gothic-Einflüsse und ausgedehnte kosmische Themen.

Diese Vielfalt sorgt allerdings nicht automatisch für Geschlossenheit. Manche Songs wechseln überzeugend zwischen Death, Doom und Black Metal, andere wirken wie mehrere gute Einzelteile, die noch keine endgültige Form gefunden haben. Besonders in der Mitte verliert das Album zeitweise an Richtung.

Auch die Laufzeit von mehr als 61 Minuten verlangt Ausdauer. Einige Stücke rechtfertigen ihre Länge durch sorgfältige Entwicklungen, während andere mit einer kompakteren Struktur stärker ausgefallen wären. Zwei oder drei Kürzungen hätten den Gesamteindruck deutlich geschärft.

DRUCKVOLL, ABER ZU STARK VERDICHTET

Aufgenommen, gemischt und gemastert wurde das Album im Toneshed Recording Studio. Die Gitarren besitzen enorme Dichte und bleiben selbst während der schnelleren Passagen klar erkennbar. Der Gesang steht ausreichend weit vorne, und das Schlagzeug setzt sich ohne Schwierigkeiten durch.

Problematisch ist die starke Kompression. Ruhige und laute Abschnitte liegen häufig zu nah beieinander, wodurch einige der vorgesehenen Spannungswechsel an Wirkung verlieren. Die Bassdrum klingt stellenweise sehr modern und kontrolliert, während der Bass selbst im unteren Mittenbereich verschwindet.

Für ein Album, das mit kosmischer Weite und monumentalem Doom arbeitet, fehlt dem Klang dadurch etwas Raum. Die Produktion ist laut und druckvoll, könnte aber wesentlich größer wirken, wenn sie den Instrumenten mehr Dynamik lassen würde.

FAZIT:

»Quantifying Cosmic Doom« ist ein ambitioniertes Album zwischen Death Doom, Black Metal und kosmischer Melancholie, dessen stärkste Momente von mächtigen Riffs und ausgezeichneter Gitarrenarbeit getragen werden. Die lange Spielzeit, einzelne unstimmige Gesangspassagen und das stark verdichtete Mastering verhindern jedoch, dass sämtliche elf Stücke dieselbe Wirkung erreichen.

Official Music Video: The Braveheart Of Nightmares

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Soulburn - Quantifying Cosmic Doom - CD Review

Aetere – Theogonie

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Aetere - Theogonie - cover Artwork
Aetere - Theogonie - cover Artwork

Band: AETERE 🇫🇷
Titel: Théogonie
Label: Octopus Rising / Argonauta Records
VÖ: 05.06.2026
Format: CD / Digital
Genre: Doom Metal / Doomgaze / Drone

Tracklist

01. Ténébrisme
02. Galea
03. Cilice
04. Thanatos
05. Innocence
06. Eudaimonia

Besetzung und Produktion

Alice Ronzini – Gesang, Gitarren, Bass, Texte, Komposition, Mix
Johan Sebenne – Synthesizer, Bass, Machines, Komposition, Mix

Dirk Serries – Mastering
Mal De Siglos – Artwork
Lucia Macip – Layout

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Doom Metal ist die Kunst, musikalische Schwere nicht über Geschwindigkeit, sondern über Zeit, Wiederholung und Raum zu erzeugen. Das französische Duo AETERE erweitert dieses Prinzip auf seinem Debütalbum »Théogonie« um Shoegaze-Flächen, Post-Punk-Spannung, dröhnende Synthesizer und rituelle Elektronik. Anstelle einer klassischen Riffparade entsteht ein langsamer Bewusstseinsstrom, in dem sich körperliche Vergänglichkeit, Mythologie und die Suche nach einer inneren göttlichen Kraft miteinander verbinden.

YouTube Art Track: Ténébrisme

DIE GEBURT DES GOTTES IM MENSCHEN

Der Begriff Theogonie bezeichnet ursprünglich die Entstehung und Abstammung von Göttern. AETERE übertragen diese Idee jedoch nicht einfach auf eine Nacherzählung griechischer Mythologie. Das Album beschreibt die Geburt einer inneren Gottheit: Der Mensch erkennt, dass die gesuchte Macht, Wahrheit und geistige Ordnung nicht zwangsläufig außerhalb seiner selbst liegen.

Diese Selbstvergöttlichung ist auf »Théogonie« keine triumphierende Pose. Sie entsteht aus Einsamkeit, Scham, Verlust und der Erfahrung, dass die materielle Existenz jederzeit zerbrechen kann. Der innere Gott wird nicht auf einem goldenen Thron geboren, sondern in einem Menschen, der sich seiner Sterblichkeit bewusst wird und dennoch nach einem beständigen geistigen Kern sucht.

Die sechs Kompositionen bilden entsprechend keine Sammlung voneinander unabhängiger Songs. Sie wirken wie verschiedene Stationen einer rituellen Entwicklung. Dunkelheit, Freundschaft, Buße, Tod, Unschuld und erfülltes Leben werden nacheinander untersucht, bis sich aus diesen zunächst widersprüchlichen Begriffen ein gemeinsamer Gedanke formt.

LICHT UND FINSTERNIS OHNE KLARE GRENZE

»Ténébrisme« eröffnet das Album rein instrumental. Der Titel verweist auf den Tenebrismus, eine Kunstrichtung, in der starke Hell-Dunkel-Kontraste die Wahrnehmung eines Bildes bestimmen. Musikalisch wird dieser Gegensatz jedoch nicht durch einen einfachen Wechsel zwischen ruhigen und schweren Passagen dargestellt.

Stattdessen lässt Johan Sebenne einen tiefen Synthesizer-Drone entstehen, der die Funktion eines klassischen Doom-Riffs übernimmt. Das Gewicht kommt nicht aus einer deutlich umrissenen Gitarrenfigur, sondern aus einer tiefen Frequenzfläche, die sich immer weiter über den Hörraum ausdehnt. Der Subbass arbeitet wie ein langsamer Puls, während die programmierten Rhythmen weniger antreiben als eine Richtung vorgeben.

Gitarren und physischer Bass treten im Opener kaum als klar voneinander getrennte Instrumente hervor. Dadurch entsteht ein zunächst abstrakter Zugang zum Album. Der Hörer bekommt keinen sofortigen Refrain und keinen zentralen Gesang, sondern wird in einen Zustand versetzt, in dem Dunkelheit und Licht nicht als Gegensätze, sondern als Bestandteile derselben Wahrnehmung erscheinen.

Die Stärke der Komposition liegt in ihrer Konsequenz. AETERE halten die Spannung über beinahe sieben Minuten aufrecht, ohne auf den erwartbaren großen Ausbruch zurückzugreifen. Allerdings wird bereits hier deutlich, dass das Duo Geduld voraussetzt. Wer von Doom Metal vor allem wiedererkennbare Gitarrenriffs erwartet, muss sich zunächst an diese beinahe körperlose Form der Schwere gewöhnen.

FREUNDSCHAFT ÜBER DUNKLEM WASSER

»Galea« ist das zugänglichste Stück des Albums und zugleich dessen persönlichster Moment. Der Song behandelt eine Freundschaft, die durch geografische Entfernung getrennt wird. Nähe ist weiterhin vorhanden, kann aber nicht mehr selbstverständlich gelebt werden. Gefühle werden dadurch so schwer, dass sie mit dunklem Wasser vergleichbar erscheinen.

Alice Ronzini singt nicht wie eine klassische Doom-Frontfrau, die sich über dem Instrumentarium behaupten möchte. Ihre Stimme wird als weitere Klangfarbe in das Arrangement eingebettet. Sie schwebt zwischen Gitarren, Synthesizern und Bass, ist manchmal klar erkennbar und löst sich an anderer Stelle beinahe vollständig in der umgebenden Fläche auf.

Diese Entscheidung passt zum Inhalt. Die Stimme klingt wie ein Signal aus großer Entfernung: emotional verständlich, räumlich jedoch schwer erreichbar. Der Text beschreibt keine zerbrochene Freundschaft, sondern die Belastung, die entsteht, wenn Verbundenheit bestehen bleibt, der gemeinsame Alltag aber verschwindet.

Ronzini zeigt hier ein feines Gespür für Zurückhaltung. Sie setzt keine großen vokalen Gesten ein, sondern arbeitet mit langen Tönen, vorsichtiger Phrasierung und einer fast körperlosen Präsenz. Sebennes Synthesizer und Bass geben dem Song darunter eine dunkle Tiefe, während die maschinelle Rhythmik das Material langsam vorwärtsbewegt.

Der Mittelteil öffnet die Komposition und lässt etwas mehr Licht in den Sound. Diese Veränderung wirkt nicht wie eine vollständige Befreiung, sondern wie die kurze Erinnerung daran, dass Entfernung eine Beziehung belasten, aber nicht zwangsläufig auslöschen muss.

DAS BÜSSERGEWAND ALS INNERE VERLETZUNG

Ein Cilice ist ein Bußinstrument, das körperliches Unbehagen oder Schmerz erzeugt und dadurch an Schuld, Disziplin und religiöse Unterwerfung erinnern soll. »Cilice« verwendet dieses Bild für einen Konflikt aus Ehrgeiz, Scham, Bestrafung und der widersprüchlichen Natur menschlicher Existenz.

Teile der inhaltlichen Inspiration stammen aus dem ersten Buch von John Miltons »Paradise Lost«. Damit rückt die Figur des gefallenen Wesens in den Mittelpunkt, das sich seiner Niederlage bewusst ist, den eigenen Stolz aber nicht vollständig aufgeben kann. Scheitern führt nicht automatisch zu Demut. Es kann ebenso neue Wut, Trotz und den Wunsch nach Selbstbehauptung hervorbringen.

Musikalisch ist »Cilice« das dichteste Stück der ersten Albumhälfte. Ein tiefer Drone liegt unter der gesamten Komposition und ersetzt erneut das klassische Riff als primäres Ordnungsprinzip. Gitarren, Bass und Synthesizer werden übereinandergeschichtet, bis ihre einzelnen Grenzen kaum noch nachvollziehbar sind.

Ronzini singt aus dieser Klangmasse heraus, ohne jemals vollständig vor sie zu treten. Ihre Stimme besitzt etwas Liturgisches, wirkt aber nicht tröstlich. Sie erinnert eher an ein Gebet, dessen Adressat möglicherweise gar nicht mehr existiert. Der langsame Aufbau verstärkt die Vorstellung einer Strafe, die nicht durch einen einzigen gewaltsamen Moment, sondern durch permanente Wiederholung wirkt.

Die Gitarren setzen weniger auf konkrete Tonfolgen als auf Oberflächen und anhaltende Spannung. Das verlangt von Ronzini eine andere Form instrumentaler Kontrolle: Sie muss nicht möglichst viele Noten spielen, sondern entscheiden, welche Frequenzen stehen bleiben, welche sich langsam verändern und wann ein neuer Akkord tatsächlich notwendig wird.

DER TOD ALS BEGINN DER SELBSTERKENNTNIS

»Thanatos« trägt den Namen der griechischen Personifikation des Todes. Inhaltlich führt der Song jedoch nicht einfach zum Ende des Lebens. Er beschreibt einen Menschen, der im Spiegel erkennt, selbst die göttliche Instanz zu sein, nach der er zuvor außerhalb seiner eigenen Existenz gesucht hat.

Der Tod erfüllt dabei eine doppelte Funktion. Einerseits zerstört er die Vorstellung körperlicher Beständigkeit. Andererseits zwingt die Erkenntnis der Sterblichkeit den Menschen dazu, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Wer nicht auf eine äußere Erlösung vertrauen kann, muss die Bedeutung seiner Existenz selbst erzeugen.

Die göttliche Kraft erscheint deshalb weder friedlich noch ausschließlich gut. Sie wird mit innerem Krieg, Einsamkeit und einer Gewalt verglichen, die den Himmel aufspaltet. Die Erkenntnis, der eigene Gott zu sein, befreit den Menschen von Unterwerfung, nimmt ihm aber zugleich die Möglichkeit, Schuld, Entscheidungen und Versagen an eine höhere Macht abzugeben.

Musikalisch bringt »Thanatos« eine deutlicher erkennbare Gitarrenmelodie hervor. Ronzinis Spiel nähert sich stellenweise dem klassischen Death Doom und entwickelt eine melancholische Führung, die sich aus dem umgebenden Drone löst. Das Solo ist nicht auf technische Wirkung ausgerichtet, sondern verlängert den emotionalen Zustand des Songs.

Sebennes Synthesizer bleiben im Hintergrund ständig präsent. Sie erzeugen eine Tiefe, in der die Gitarre nicht einfach über dem Arrangement steht, sondern aus einem dunklen Untergrund aufzusteigen scheint. Die Stimme gibt dem langen Stück schließlich Struktur und verhindert, dass es vollständig in freier Atmosphäre zerfällt.

UNSCHULD ALS FÄHIGKEIT ZU SEHEN

Mit beinahe zehn Minuten ist »Innocence« das längste und anspruchsvollste Stück des Albums. Die Komposition greift Ideen aus William Blakes visionärer Dichtung auf. Unschuld bezeichnet dabei nicht kindliche Ahnungslosigkeit, sondern die Fähigkeit, im Kleinen eine größere Wahrheit wahrzunehmen.

Ein Sandkorn kann eine ganze Welt enthalten, weil der menschliche Geist Bedeutung nicht allein anhand materieller Größe bewertet. Diese Vorstellung verbindet sich mit dem Hauptthema von »Théogonie«: Das Göttliche muss nicht als äußere, übermächtige Gestalt erscheinen. Es kann innerhalb eines einzelnen Menschen, eines Gedankens oder eines scheinbar unbedeutenden Moments entstehen.

Der Song beginnt mit Keyboards, die eine meditative und beinahe antike Atmosphäre erzeugen. Ronzinis zunächst gesprochener Vortrag verstärkt den rituellen Charakter. Die Stimme scheint weniger zu erzählen als einen geistigen Zustand zu eröffnen.

Nach und nach verliert die Komposition ihre anfängliche Bodenhaftung. Synthesizer, Gitarren und tiefe Frequenzen breiten sich aus, während die Maschinenrhythmik einen gleichmäßigen, fast post-metallischen Schritt beibehält. Johan Sebenne verhindert damit, dass der Song vollständig ins Formlose abgleitet. Seine programmierte Rhythmik ist der letzte feste Punkt innerhalb eines Arrangements, das sich zunehmend von klaren Songstrukturen entfernt.

Ronzini übernimmt später erneut die Führung mit der Gitarre. Ihr Solo entwickelt sich langsam und methodisch. Es wirkt nicht wie ein plötzlicher emotionaler Höhepunkt, sondern wie das Ergebnis einer langen inneren Konzentration. Gerade in diesem Stück zeigt sich, wie gut beide Musiker ihre Rollen verstehen: Sebenne baut den Raum, Ronzini zeichnet darin die menschliche Bewegung nach.

Die Länge ist dennoch nicht ausschließlich ein Vorteil. Einige Flächen werden sehr lange gehalten, und nicht jede Wiederholung führt zu einer erkennbaren Veränderung. Die hypnotische Wirkung bleibt erhalten, doch ein etwas konzentrierterer Mittelteil hätte den abschließenden Gitarrenmoment noch deutlicher hervorgehoben.

DAS GUTE LEBEN NACH DER GÖTTERGEBURT

»Eudaimonia« bezeichnet in der antiken Philosophie keinen kurzen Glücksmoment, sondern ein gelungenes und erfülltes Leben. Der Mensch erreicht diesen Zustand nicht allein durch Genuss, sondern durch die Entwicklung seiner Fähigkeiten, seines Charakters und seiner inneren Ordnung.

Als Abschluss von »Théogonie« ist dieser Titel konsequent. Nach Dunkelheit, Entfernung, Buße, Tod und der Wiederentdeckung von Unschuld steht am Ende die Frage, wie ein Mensch leben kann, nachdem er seine innere göttliche Kraft erkannt hat.

Das Instrumental beantwortet diese Frage nicht mit einem großen Finale. Es kehrt vielmehr zur abstrakten Welt des Openers zurück, wirkt rhythmisch aber beweglicher. Der Bass tritt deutlicher hervor, das Tempo steigt leicht an, und Tamburin sowie elektronische Hi-Hat markieren den schweren Gang der Komposition.

Sebenne zeigt hier besonders deutlich, dass Maschinen nicht zwangsläufig sterile Musik erzeugen müssen. Die programmierten Elemente wiederholen sich zwar exakt, werden aber von Bass und Synthesizern so umgeben, dass eine beinahe organische Bewegung entsteht.

Der Song wirkt wie das Skelett einer größeren Doom-Komposition. Gesang und ausgedehnte Gitarrenwände fehlen, doch gerade dadurch werden die konstruktiven Grundlagen des Albums hörbar. »Eudaimonia« führt nicht aus der Welt des Albums heraus. Es bestätigt deren Regeln und beendet die Reise dort, wo sie begonnen hat: in einer tiefen Frequenz, die langsam im Raum verschwindet.

ZWEI MUSIKER, EIN GEMEINSAMER RITUS

Alice Ronzini übernimmt auf »Théogonie« Gesang, Gitarren, Bass und Texte. Ihre wichtigste Leistung besteht darin, diese verschiedenen Aufgaben nicht wie voneinander getrennte Beiträge wirken zu lassen. Stimme und Gitarre erfüllen häufig dieselbe Funktion: Sie geben der abstrakten elektronischen Umgebung eine menschliche Form.

Als Sängerin vermeidet Ronzini jede übertriebene Dominanz. Ihre Stimme bleibt ätherisch, teilweise zurückgesetzt und häufig stark mit Hall behandelt. Das kann die Verständlichkeit der Texte erschweren, unterstützt jedoch die Vorstellung, dass die Worte nicht aus einer konkreten Gegenwart, sondern aus Erinnerung, Mythos oder innerem Bewusstsein hervortreten.

An der Gitarre arbeitet sie diszipliniert. Große Riffs werden nicht in schneller Folge präsentiert, sondern langsam vorbereitet. Einzelne Akkorde können lange im Raum stehen, bevor sie durch eine melodische Linie oder einen Wechsel der Klangdichte neu bewertet werden. Ihre stärksten instrumentalen Momente liegen in »Thanatos« und »Innocence«, wo die Gitarre aus der Atmosphäre hervortritt, ohne den Zusammenhang zu zerstören.

Johan Sebenne ist für Synthesizer, Bass und Machines verantwortlich. Seine Arbeit bildet das architektonische Fundament des Albums. Statt Doom Metal ausschließlich über Gitarrenverstärker zu definieren, erzeugt er Gewicht durch Subbass, Drone, elektronische Wiederholung und tieffrequente Verzerrung.

Besonders wichtig ist sein Verständnis von Raum. Die Synthesizer werden nicht als melodische Verzierung eingesetzt, sondern legen die akustischen Dimensionen fest, in denen sich Ronzinis Stimme und Gitarre bewegen können. Manchmal wirken diese Räume eng und bedrückend, an anderer Stelle öffnen sie sich zu großen, beinahe grenzenlosen Flächen.

Der maschinelle Puls ist dabei Stärke und Begrenzung zugleich. Er verleiht der Musik eine rituelle Beständigkeit und verhindert, dass die langen Stücke ihre Richtung verlieren. Gleichzeitig fehlt einigen Übergängen jene körperliche Unberechenbarkeit, die ein menschlicher Schlagzeuger erzeugen könnte. Besonders in den mittleren Passagen von »Cilice« und »Innocence« bleibt die Dynamik dadurch bewusst kontrolliert.

ACHT JAHRE ZWISCHEN ENTSTEHUNG UND VERÖFFENTLICHUNG

Die Kompositionen entstanden ursprünglich zwischen 2017 und 2019 in Bordeaux. Anschließend veränderten Umzüge, die Pandemie und räumliche Trennung die Arbeitsweise des Duos. Dieser lange Entstehungsprozess ist dem Album nicht als stilistische Uneinheitlichkeit anzuhören. Im Gegenteil: »Théogonie« wirkt auffallend geschlossen.

Die zeitliche Distanz dürfte dazu beigetragen haben, dass das Material nicht wie eine spontane Momentaufnahme klingt. Die Songs tragen etwas Bewahrtes in sich, als seien sie über Jahre in einem abgeschlossenen Raum gereift. Gleichzeitig haftet ihnen die Erinnerung an eine bestimmte Phase und ein inzwischen verändertes Bordeaux an.

Ronzini stellte den finalen Mix in ihrem Studio 418 fertig. Das Mastering von Dirk Serries bewahrt die tiefen Frequenzen und die rohe Grundstruktur, ohne die Platte vollständig in einer undifferenzierten Klangmasse versinken zu lassen.

Dennoch ist der Mix bewusst stark auf Tiefmitten und dichte Flächen ausgerichtet. Gitarren, Bass und Synthesizer verschmelzen daher stellenweise so vollständig, dass kleine instrumentale Feinheiten verloren gehen. Wer eine scharf getrennte Produktion erwartet, wird diese Entscheidung als Einschränkung wahrnehmen. Innerhalb der rituellen Gesamtwirkung bleibt sie jedoch nachvollziehbar.

SCHWERE OHNE KLASSISCHE RIFFARCHITEKTUR

Die entscheidende Leistung von AETERE besteht darin, Doom Metal von seiner üblichen Gitarrenzentrierung zu lösen. Die Schwere entsteht auf »Théogonie« nicht allein aus verzerrten Akkorden, sondern aus tiefen Frequenzen, räumlicher Ausdehnung und dem Gefühl, dass sich eine Klangfläche nicht vollständig überblicken lässt.

Dieses Verfahren funktioniert besonders gut in »Ténébrisme«, »Thanatos« und »Innocence«. Dort besitzen Atmosphäre, Melodie und Konzept eine klare Verbindung. »Galea« wiederum zeigt, dass das Duo auch einen emotional unmittelbareren Song schreiben kann, ohne seine klangliche Identität aufzugeben.

Weniger überzeugend sind jene Momente, in denen die Dichte selbst zum Hauptzweck wird. Einige Passagen verharren lange in einer bestimmten Textur, ohne harmonisch oder rhythmisch deutlich weiterzugehen. Die Atmosphäre bleibt stark, doch die Grenze zwischen konsequenter Meditation und kompositorischem Stillstand wird mehrfach berührt.

Gerade deshalb ist »Théogonie« ein interessantes Debüt. Es wirkt nicht wie das abschließende Statement einer vollständig ausdefinierten Band, sondern wie die präzise Errichtung eines eigenen Tempels, dessen weitere Räume erst auf kommenden Veröffentlichungen geöffnet werden.

FAZIT:

»Théogonie« ist ein tiefgründiges Doomgaze-Album, das Mythologie, innere Transformation und menschliche Vergänglichkeit in langsame Gitarrenbewegungen, dröhnende Synthesizer und ätherischen Gesang übersetzt. Alice Ronzini und Johan Sebenne erschaffen eine geschlossene rituelle Klangwelt, auch wenn einige Texturen länger stehen bleiben, als es ihre Entwicklung zwingend erfordert. Für Hörer zwischen Warning, Year Of No Light, Earth, Slowdive und My Bloody Valentine sind überzeugende 4 von 5 Punkten angebracht.

Single: Cilice

Internet

Aetere - Theogonie - CD Review

King Potenaz – Arcane Desert Rituals Vol. 2

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Band: King Potenaz 🇮🇹
Titel: Arcane Desert Rituals Vol. 2
Label: Majestic Mountain Records
VÖ: 12.06.2026
Format: Digital
Genre: Stoner Doom / Occult Doom / Psychedelic Doom / Heavy Psych

Tracklist

01. Sumerian Nights
02. Lord Of The Rust
03. The Nothingness
04. A Crack In The Void (The Empty Hand Pt. 2)

Besetzung

Giuseppe Guarini – Gitarren, Gesang
Francesco Pensato – Bass
Piero Schiavone – Schlagzeug, Synthesizer

Gastmusikerin:
Anna Carla Del Prete – Cello im Intro von »Sumerian Nights«

Produktion:
Aufgenommen im Sudestudio
Aufnahme – Stefano Manca
Mixing und Mastering – Marc Urselli
Artwork – Mirkow Gastow

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Ein Jahr nach »Arcane Desert Rituals Vol. 1« schließen die aus dem süditalienischen Fasano stammenden King Potenaz ihre zweiteilige Werkreihe mit vier weiteren Langkompositionen ab. Veröffentlicht wurde »Arcane Desert Rituals Vol. 2« über Majestic Mountain Records, wobei das Trio seinen bisherigen Stoner- und Occult-Doom-Sound verstärkt um psychedelische, progressive und ambientartige Passagen erweitert. Die knapp 37 Minuten wirken weniger unmittelbar als der erste Teil und setzen deutlicher auf lange instrumentale Entwicklungen, hypnotische Wiederholungen und einen bewusst rauen Fuzz-Klang. Der Einfluss von Black Sabbath, Sleep, Kyuss, Electric Wizard und Monster Magnet bleibt hörbar, doch die Band übernimmt deren Stilmittel nicht unverändert. Vor allem die Verbindung aus zurückhaltendem Gesang, schweren Basslinien, kosmischen Synthesizerflächen und ungewöhnlich aufgebauten Gitarrenpassagen gibt dem Album eine eigene Identität.

YouTube Art Playlist: Arcane Desert Rituals Vol. 2

SUMERISCHE MYTHEN UND LANGSAME ENTWICKLUNG

»Sumerian Nights« beginnt mit Cello, zurückhaltendem Bass und einzelnen Gitarrentönen. Der Gastbeitrag von Anna Carla Del Prete verleiht dem Intro einen ernsten, beinahe kammermusikalischen Charakter. Erst nach dieser längeren Vorbereitung setzt die verzerrte Gitarre ein und führt die Komposition in den bekannten Stoner-Doom-Sound der Band.

Der Einstieg erinnert an die meditative Schwere von Om und die langen Spannungsbögen von Sleep. King Potenaz übernehmen dabei nicht einfach ein einzelnes Riff und wiederholen es unverändert. Bass, Gitarre und Schlagzeug verändern Betonungen, Lautstärke und Klangfarbe schrittweise, sodass die knapp elf Minuten aus mehreren miteinander verbundenen Bewegungen bestehen.

Giuseppe Guarini setzt seinen Gesang vergleichsweise sparsam ein. Seine Stimme ist rau, aber nicht besonders aggressiv. Sie steht nicht deutlich über den Instrumenten, sondern bleibt in die verzerrte Gesamtproduktion eingebunden. Dadurch wirken die Textpassagen eher wie Bestandteile einer zeremoniellen Erzählung als wie ein klassischer Stoner-Rock-Refrain.

Inhaltlich beschäftigt sich der Song mit der Kultur und Mythologie des alten Mesopotamiens. Schöpfung, göttlicher Zorn, Naturkräfte und die Stadt Uruk werden ebenso angesprochen wie Dichter, Schreiber und die Weitergabe von Geschichten über Jahrhunderte. Die Texte verbinden historische Begriffe mit fantastischen und okkulten Bildern, ohne eine lineare Handlung zu erzählen.

Nach dem schweren ersten Teil folgt eine längere instrumentale Passage. Die Gitarre arbeitet hier stärker mit psychedelischen Effekten und weniger mit klaren Akkordfolgen. Francesco Pensato übernimmt am Bass eine wichtige Rolle, weil seine Linien der offenen Gitarrenarbeit eine nachvollziehbare Struktur geben.

Piero Schiavone hält das Tempo bewusst kontrolliert. Sein Schlagzeugspiel ist weder technisch überladen noch vollständig statisch. Kleine Veränderungen bei Becken und Toms sorgen dafür, dass die wiederholten Riffs nicht völlig gleichförmig wirken.

Der Song verlangt Geduld. Einige Abschnitte könnten kompakter ausfallen, ohne die Atmosphäre zu beschädigen. Gerade der instrumentale Mittelteil verweilt lange bei ähnlichen Motiven. Gleichzeitig zeigt »Sumerian Nights« sehr deutlich, dass die Band auf dem zweiten Teil weniger an unmittelbaren Refrains und stärker an einer zusammenhängenden klanglichen Entwicklung interessiert ist.

Als Eröffnung funktioniert die Komposition überzeugend. Cello, Doom-Riffs und psychedelische Passagen führen die wichtigsten Elemente des Albums ein und geben dem zweiten Teil bereits zu Beginn einen eigenständigeren Charakter.

DER HERRSCHER ÜBER ROST UND VERFALL

»Lord Of The Rust« ist kompakter und rhythmisch direkter aufgebaut. Das zentrale Gitarrenriff besitzt einen ausgeprägten Fuzz-Klang und verbindet Stoner Rock mit schwerem Doom Metal. Im Vergleich zum langen Aufbau des Openers erreicht der Song schneller seinen Hauptteil.

Der Text beschreibt eine einsame Herrscherfigur, die über verfallene Industrielandschaften, zerbrochenen Stahl und aufgegebene Gebiete wacht. Rost wird dabei zum Zeichen einer Welt, in der menschliche Konstruktionen und frühere Machtansprüche ihre Bedeutung verloren haben.

Guarinis Gesang erhält hier mehr rhythmische Kontur. Seine Linien folgen dem Gitarrenriff, ohne vollständig mit ihm zusammenzufallen. In einzelnen Momenten besitzt der Vortrag eine leicht punkige oder post-punkartige Direktheit. Das unterscheidet den Song von zahlreichen Doom-Bands, deren Stimmen ausschließlich langgezogen über den Akkorden liegen.

Die erste Hälfte gehört zu den zugänglichsten Abschnitten des Albums. Pensatos Bass spielt einen festen, gut hörbaren Groove, während Schiavone die Musik mit einem vergleichsweise energischen Rhythmus vorantreibt. Das Trio klingt kompakt und verzichtet zunächst auf ausgedehnte Umwege.

Im weiteren Verlauf reduziert die Band das Tempo. Aus dem Stoner-Rock-Groove entwickelt sich ein wesentlich langsamerer Doom-Abschnitt, in dem die Gitarren länger auf einzelnen Tönen und Akkorden verweilen. Synthesizer und Effekte treten stärker hervor und verändern die zuvor klare Songstruktur.

Dieser Wechsel ist nachvollziehbar vorbereitet und verleiht der Komposition zusätzliche Tiefe. Der direkte Beginn und die langsamere zweite Hälfte stehen nicht unverbunden nebeneinander. Das Hauptriff bleibt in veränderter Form erhalten und sorgt für einen gemeinsamen Rahmen.

»Lord Of The Rust« ist der unmittelbarste Titel des Albums. Der Song besitzt einen erkennbaren Hauptgroove, eine klare vokale Linie und genügend Veränderungen, um seine fast acht Minuten zu rechtfertigen. Gleichzeitig bleibt die Produktion roh genug, um den Verfall des Textes auch musikalisch abzubilden.

Die Verbindung aus Fuzz, Doom und einer leicht post-punkartigen Gesangsführung gehört zu den interessantesten Eigenschaften der Band. Gerade hier lösen sich King Potenaz am deutlichsten von einer reinen Sleep– oder Electric-Wizard-Nachahmung.

ATMOSPHÄRE STATT KLASSISCHER SONGSTRUKTUR

»The Nothingness« ist mit knapp sieben Minuten das kürzeste Stück des Albums, aber keineswegs dessen direkteste Komposition. Der Song reduziert Tempo und rhythmische Bewegung deutlich. Gitarren, Bass und Synthesizer erzeugen eine weitgehend gleichmäßige, schwere Atmosphäre.

Die wenigen Textzeilen handeln von Zerstörung, Isolation und der Verwandlung eines Überlebenden in eine todbringende Macht. Die Formulierung über den Zerstörer der Welten greift eine weithin bekannte Aussage auf, die mit dem Atomzeitalter und der Möglichkeit vollständiger Vernichtung verbunden wird.

Guarinis Stimme wird stark verzerrt und teilweise in den Hintergrund gesetzt. Sie wirkt weniger wie eine klare Erzählstimme als wie ein weiteres Geräusch innerhalb der Produktion. Gerade dieser Ansatz macht den Song atmosphärisch geschlossen, erschwert aber den unmittelbaren Zugang.

Das zentrale Riff basiert auf langsamen, tief gestimmten Akkorden. Pensatos Bass verstärkt deren Gewicht, spielt aber zwischen den Gitarrenschlägen kleinere Bewegungen. Dadurch entsteht eine gewisse innere Dynamik, obwohl das Tempo nahezu unverändert bleibt.

Schlagzeuger Schiavone verzichtet auf schnelle Übergänge oder auffällige Fills. Seine Aufgabe besteht vor allem darin, die langen Wiederholungen zusammenzuhalten. Ergänzende Synthesizerflächen erweitern den Klang und geben dem Stück eine kosmische, teilweise ambientartige Ausrichtung.

»The Nothingness« funktioniert eher als Ritual denn als herkömmlicher Song. Es gibt keinen deutlich abgegrenzten Refrain und nur wenige erkennbare melodische Veränderungen. Die Wirkung entsteht durch Dauer, Wiederholung und allmähliche Verdichtung.

Genau darin liegt zugleich die Begrenzung des Stücks. Wer auf ein prägnantes Hauptriff oder einen klaren Höhepunkt wartet, erhält nur wenige Orientierungspunkte. Im Albumzusammenhang funktioniert die Nummer als ruhiger und bedrückender Übergang zum Finale. Isoliert betrachtet bleibt sie weniger einprägsam als »Lord Of The Rust«.

Die Produktion unterstützt die beabsichtigte Wirkung. Gitarre, Bass und Stimme bilden eine nahezu geschlossene Klangfläche. Mehr Dynamik zwischen den einzelnen Abschnitten hätte den Spannungsbogen allerdings deutlicher hervortreten lassen.

DIE LEERE HAND WIRD VOLLENDET

»A Crack In The Void (The Empty Hand Pt. 2)« setzt die auf dem ersten Teil begonnene Komposition »The Empty Hand Pt. 1« fort. Der Song bildet damit nicht nur den Abschluss des Albums, sondern auch das Ende des gesamten zweiteiligen Zyklus.

Die ersten Minuten basieren auf einem langsamen, bluesig gefärbten Groove. Die Gitarre klingt weniger massiv als bei »Lord Of The Rust« und lässt Bass sowie Schlagzeug mehr Raum. Guarinis Stimme bleibt zurückhaltend und wird erneut als Bestandteil der Gesamtatmosphäre eingesetzt.

Der Text beschreibt einen Riss in der Wirklichkeit, die Auflösung von Zeit und eine unsichtbare Macht, die Welten zerstört. Die sogenannte leere Hand erscheint als kosmische Instanz, deren Bedeutung bewusst nicht vollständig erklärt wird. Dadurch bleibt die Erzählung offen und kann als Fortsetzung der okkulten und apokalyptischen Motive des ersten Teils verstanden werden.

Im Mittelteil entfernt sich die Komposition stärker vom klassischen Doom Metal. Gitarreneffekte, Synthesizer und lange instrumentale Passagen entwickeln eine psychedelische Struktur. Die Band lässt einzelne Motive ineinander übergehen, anstatt sie durch deutliche Strophen oder Refrains zu trennen.

Pensatos Bass bleibt während dieser offenen Passagen besonders wichtig. Er gibt dem Song eine erkennbare Bewegung und verhindert, dass sich die Gitarreneffekte vollständig von der Rhythmussektion lösen. Schiavone reagiert mit kleinen Veränderungen, hält sich aber weiterhin mit technischen Demonstrationen zurück.

Im letzten Viertel steigert die Band Tempo und Intensität. Schlagzeug und Bass werden energischer, während die Gitarre stärker verzerrt und rhythmisch direkter eingesetzt wird. Dieser späte Ausbruch ist einer der wenigen Momente des Albums, in denen sich eine lange vorbereitete Spannung vollständig entlädt.

Die Beschleunigung wirkt nicht willkürlich. Sie greift Motive aus den vorherigen Minuten auf und führt sie zu einem klaren Abschluss. Gerade weil die ersten drei Stücke häufig auf kontrollierte Entwicklung setzen, erhält dieser letzte Abschnitt zusätzliche Bedeutung.

Mit fast elf Minuten ist die Komposition umfangreich, nutzt ihre Laufzeit aber überzeugender als »Sumerian Nights«. Die einzelnen Phasen sind klarer voneinander unterscheidbar, und der finale Tempowechsel gibt dem Stück einen nachvollziehbaren Zielpunkt.

Gemeinsam mit dem ersten Teil ergibt sich eine ausgedehnte Komposition über Leere, kosmische Zerstörung und eine nicht greifbare Macht. Auch ohne direkte Kenntnis des Vorgängers funktioniert »A Crack In The Void« als eigenständiger Song. Seine vollständige konzeptionelle Bedeutung erschließt sich jedoch erst im Zusammenhang beider Alben.

ZWEI TEILE MIT UNTERSCHIEDLICHER GEWICHTUNG

»Arcane Desert Rituals Vol. 2« setzt die Struktur des ersten Teils fort. Beide Veröffentlichungen bestehen aus vier langen Songs und erreichen jeweils eine Laufzeit von deutlich mehr als einer halben Stunde. Trotzdem klingt der zweite Teil nicht wie lediglich nachgereichtes Material aus denselben Aufnahmesitzungen.

Vol. 1 war stärker vom Occult Doom geprägt. Die Riffs standen deutlicher im Mittelpunkt, und mehrere Songs entwickelten eine unmittelbarere körperliche Wirkung. Vol. 2 richtet den Fokus stärker auf Psychedelic Doom, Space Rock, Ambient und progressive Entwicklungen.

Diese Veränderung verhindert Wiederholungen. Die Band verwendet weiterhin denselben Gitarrenklang und dieselbe Grundbesetzung, erweitert aber die Songstrukturen. Besonders »Sumerian Nights« und »A Crack In The Void« bestehen aus mehreren längeren Phasen, die sich nur teilweise an klassischen Strophe-Refrain-Strukturen orientieren.

Der zweite Teil wirkt dadurch anspruchsvoller, aber weniger direkt. Mehrere Abschnitte benötigen Zeit, bevor sich Veränderungen bemerkbar machen. Bei konzentriertem Hören entwickelt sich ein geschlossenes Album. Als beiläufige Hintergrundmusik können die langen Wiederholungen dagegen schnell gleichförmig erscheinen.

Ein weiterer Unterschied liegt im Gesang. Guarini setzt seine Stimme noch sparsamer ein und behandelt sie stärker als atmosphärisches Element. Die instrumentale Arbeit erhält dadurch mehr Raum, gleichzeitig fehlen an einigen Stellen markante vokale Orientierungspunkte.

Die Entscheidung ist künstlerisch konsequent. King Potenaz wollen keine vier konventionellen Stoner-Rock-Songs liefern, sondern die auf dem ersten Teil begonnene Welt erweitern. Das gelingt überwiegend, auch wenn die größere Offenheit nicht jeder Komposition gleichermaßen zugutekommt.

EIN TRIO MIT KLAR VERTEILTEN AUFGABEN

Giuseppe Guarini verbindet schwere Akkorde mit psychedelischen Effekten, offenen Solopassagen und langen Rückkopplungen. Seine Gitarrenarbeit ist weniger auf technische Präzision als auf Klangfarbe und Dynamik ausgerichtet.

Die Riffs bleiben bewusst einfach. Ihre Wirkung entsteht durch den verzerrten Ton, die tiefe Stimmung und die lange Wiederholung. Innerhalb dieser festen Strukturen setzt Guarini kleine Veränderungen ein, die häufig erst nach mehreren Durchläufen deutlich werden.

Sein Gesang passt zur rauen Produktion. Die Stimme klingt zurückgenommen, teilweise müde und an anderen Stellen leicht bedrohlich. Eine größere vokale Bandbreite hätte einzelnen Songs zusätzliche Kontraste gegeben, doch ein dominanter oder technisch aufwendiger Gesangsstil würde kaum zur Musik passen.

Francesco Pensato ist für die Beweglichkeit der Stücke entscheidend. Sein Bass unterstützt nicht lediglich die Gitarre, sondern entwickelt eigene Linien. Besonders in den psychedelischen Abschnitten hält er die Kompositionen zusammen.

Der Bass ist im Mix gut hörbar und besitzt einen warmen, leicht verzerrten Klang. Bei »Lord Of The Rust« trägt er den zentralen Groove, während er bei »Sumerian Nights« und »A Crack In The Void« zwischen den offenen Gitarrenflächen vermittelt.

Piero Schiavone spielt kontrolliert und konzentriert. Sein Schlagzeug wirkt bewusst organisch und wurde nicht auf klinische Präzision reduziert. Kleine Schwankungen und natürliche Dynamik bleiben hörbar.

Zusätzlich übernimmt Schiavone die Synthesizer. Diese werden sparsam eingesetzt und dienen vor allem der räumlichen Erweiterung. Sie stehen nie als eigenständige Hauptmelodie im Vordergrund, sondern ergänzen die Gitarren und verstärken die kosmische Ausrichtung des Albums.

Das Zusammenspiel der drei Musiker ist geschlossen. Trotz der langen improvisatorisch wirkenden Passagen bleibt erkennbar, dass die Kompositionen geplant und strukturiert wurden. Nur an wenigen Stellen entsteht der Eindruck, dass ein Jam länger fortgeführt wird, als es für die musikalische Aussage notwendig wäre.

CELLO, SYNTHESIZER UND PSYCHEDELISCHE ERWEITERUNGEN

Der Einsatz des Cellos im Intro von »Sumerian Nights« zeigt, dass King Potenaz ihren Klang erweitern wollen, ohne das Grundgerüst des Powertrios aufzugeben. Anna Carla Del Prete erhält keinen bloßen kurzen Effektmoment. Das Instrument prägt die erste Phase des Songs und bereitet dessen ernste Atmosphäre vor.

Bedauerlich ist, dass das Cello später nicht erneut eingesetzt wird. Eine Rückkehr im Finale oder in »The Nothingness« hätte zwischen den vier Kompositionen eine zusätzliche Verbindung herstellen können.

Die Synthesizer übernehmen diese verbindende Funktion nur teilweise. Schiavone setzt sie vor allem als Hintergrundflächen ein. Sie unterstützen die kosmischen und okkulten Themen, verändern die grundlegende Klangfarbe der Band aber nicht vollständig.

Am wirkungsvollsten sind die Erweiterungen dort, wo sie unmittelbar mit Bass und Schlagzeug zusammenarbeiten. Reine Effektpassagen verlieren gelegentlich an Spannung, während rhythmisch angebundene psychedelische Abschnitte deutlich fokussierter wirken.

Die Band verfügt über ausreichend Ideen, um ihre Musik über traditionellen Stoner Doom hinauszuführen. Für zukünftige Veröffentlichungen könnte eine noch stärkere Integration von Cello, Synthesizern oder weiteren Instrumenten interessant sein. Auf Vol. 2 bleiben diese Mittel gezielte Ergänzungen.

RAUE AUFNAHMEN UND PRÄZISE KLANGBEARBEITUNG

Das Album wurde bereits im Februar 2024 im Sudestudio von Stefano Manca aufgenommen. Mixing und Mastering übernahm im Mai desselben Jahres Marc Urselli. Veröffentlicht wurde das Material schließlich im Juni 2026.

Die Produktion verbindet eine rohe Bandaufnahme mit einer klaren Trennung der Instrumente. Die Gitarre besitzt einen stark verzerrten, teilweise körnigen Fuzz-Klang, während Bass und Schlagzeug ausreichend Raum behalten.

Pensatos Bass wird nicht vollständig von der Gitarre verdeckt. Besonders bei niedriger bis mittlerer Lautstärke bleibt sein Instrument deutlich erkennbar. Das ist für die langen, auf Wiederholung aufgebauten Passagen wichtig, da der Bass häufig die eigentliche Bewegung vorgibt.

Das Schlagzeug klingt natürlich und vergleichsweise trocken. Schiavones Spiel wurde nicht durch übertriebene Trigger oder starke digitale Nachbearbeitung vereinheitlicht. Dadurch behält das Album einen Proberaum- und Livecharakter.

Guarinis Gesang wurde dagegen stark in die Gesamtfläche eingebunden. Diese Entscheidung unterstützt die Atmosphäre, erschwert aber gelegentlich das Verständnis der Texte. Eine etwas deutlichere Platzierung hätte besonders »Lord Of The Rust« zugutekommen können.

Die Mischung ist dicht, aber nicht vollständig überladen. Selbst während der lautesten Stellen bleiben Bass, Gitarren und Becken unterscheidbar. Die psychedelischen Effekte verteilen sich über das Stereobild, ohne die Rhythmussektion zu verdrängen.

Der Klang passt zur Musik. Eine glattere Produktion würde den Songs ihre raue Wirkung nehmen. Etwas mehr Dynamik zwischen ruhigen und lauten Abschnitten hätte jedoch besonders »The Nothingness« und Teilen von »Sumerian Nights« zusätzliche Spannung verliehen.

BEKANNTE EINFLÜSSE UND EIGENE MERKMALE

Die wichtigsten Einflüsse von King Potenaz sind leicht erkennbar. Die schweren Grundriffs gehen auf Black Sabbath zurück, während Sleep und Electric Wizard vor allem bei Klang, Tempo und Wiederholung wichtige Bezugspunkte darstellen.

Die psychedelische Seite erinnert an Kyuss, Monster Magnet und stellenweise Ufomammut. Einzelne rhythmische und atmosphärische Passagen lassen außerdem Vergleiche mit Slomatics, Om oder der ruhigeren Seite von Tool zu.

Das Album bleibt trotzdem mehr als eine Zusammenstellung vertrauter Stilelemente. Die zurückhaltende Gesangsführung, die Verbindung aus süditalienischem Occult Doom und kosmischen Themen sowie die leicht post-punkartige Direktheit einzelner Passagen geben der Band eigene Konturen.

Besonders »Lord Of The Rust« zeigt, wie diese Einflüsse zu einem persönlichen Stil verbunden werden können. Der Song ist schwer, aber nicht durchgehend langsam; psychedelisch, aber nicht strukturlos; melodisch, ohne einen klassischen Refrain zu benötigen.

Weniger eigenständig wirken einzelne lange Fuzz-Passagen, die sich sehr nah an bekannten Stoner-Doom-Konventionen bewegen. Dort trägt vor allem die Produktion die Musik, während das eigentliche Riff wenig neue Impulse bietet.

Insgesamt befinden sich King Potenaz jedoch auf einem nachvollziehbaren Entwicklungsweg. Vol. 2 klingt nicht nach einer Band, die lediglich ihre Einflüsse reproduziert, sondern nach einem Trio, das innerhalb eines klar abgesteckten Genres zunehmend eigene Entscheidungen trifft.

VIER LANGE SONGS OHNE FÜLLMATERIAL

Vier Titel in knapp 37 Minuten bedeuten, dass jede Komposition ausreichend Raum erhält. Das Album besitzt weder Intro noch Outro als separate Tracks und enthält keine kurzen instrumentalen Zwischenstücke. Sämtliche atmosphärischen Entwicklungen sind in die vier Hauptsongs integriert.

Dieser Aufbau unterstützt den geschlossenen Charakter. Jeder Titel steht für einen eigenen Abschnitt, während die Gesamtverbindung durch Klang, Texte und wiederkehrende kosmische Motive erhalten bleibt.

Die lange Form ist jedoch nicht durchgehend notwendig. »Sumerian Nights« könnte im Mittelteil etwas gestrafft werden, und »The Nothingness« verlässt sich stark auf die Wirkung weniger Motive. Die Wiederholungen sind stilistisch beabsichtigt, erzeugen aber nicht in jedem Fall zusätzliche Intensität.

Am konzentriertesten wirkt »Lord Of The Rust«. Der Song verbindet Direktheit und Entwicklung in einem ausgeglichenen Verhältnis. »A Crack In The Void« rechtfertigt seine Länge durch den klaren Aufbau und die späte Steigerung.

Das Album funktioniert am besten als vollständige Einheit. Einzelne Stücke lassen sich zwar isoliert hören, doch die Unterschiede zwischen den langsamen, psychedelischen und direkteren Abschnitten werden erst innerhalb der vorgesehenen Reihenfolge vollständig deutlich.

FAZIT:

»Arcane Desert Rituals Vol. 2« schließt den zweiteiligen Zyklus mit vier schweren, psychedelischen und sorgfältig entwickelten Kompositionen überzeugend ab, wobei besonders »Lord Of The Rust« und »A Crack In The Void« herausragen. Einige instrumentale Passagen sind länger als notwendig, doch die eigenständige Atmosphäre, das starke Zusammenspiel und die gelungene Produktion überwiegen deutlich.

Official Video: Sumerian Nights

Internet

King Potenaz - Arcane Desert Rituals Vol. 2 - CD Review