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FROZEN CROWN veröffentlichen neue Single

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frozen crown - bandphoto
Photo Credit: Raoul Noise

FROZEN CROWN tauchen mit neuer Single „The One“ in Tolkiens Welt ein! – The Legend of the Six Kings erscheint am 2. Oktober 2026 über Napalm Records

FROZEN CROWN - The One (Official Video) | Napalm Records
FROZEN CROWN begeben sich mit der ersten Single ihres kommenden Albums The Legend of the Six Kings, das am 2. Oktober 2026 über Napalm Records erscheint, auf ihre bislang düsterste Reise. Mit „The One“ startet die Band einen narrativeren Ansatz, hüllt sich in mysteriöse Schatten, in denen ihre mitreißenden Melodien besonders leuchten. Inspiriert von der Fantasy-Literatur des 20. Jahrhunderts, besonders J. R. R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“, ist das italienische Sextett in ihrer gewohnt starken Form zurück: große Refrains, packende Riffs, purer Heavy Power Metal. Von nun an sind sie „servants of ‚The One‘“ – und ihre Hörenden nehmen sie mit ins Abenteuer …
 
FROZEN CROWN über „The One“:
 
„‚The One‘ markiert für FROZEN CROWN einen Neustart, der die ruchlose, dunkle Seite der Band zeigt. Sängerin Giada ‚Jade‘ Etro macht eine Wandlung durch, beansprucht den Thron und die Eiskrone in unserem Bandnamen für sich und führt die Ringgeister auf der Suche nach dem Einen. Klingt das vertraut? Der visionär talentierte Videograph Raoul Noise und Requisitendesignerin Daria Gislon haben sich mit der Band zusammengetan, um der farbenfrohen, aber auch obskuren Welt von FROZEN CROWN Leben einzuhauchen, irgendwo zwischen J. R. R. Tolkiens harmonisch-edler Ästhetik und Robert E. Howards Brutalität.“

Die Legende beginnt: FROZEN CROWN starten mit The Legend of the Six Kings, das am 2. Oktober 2026 über Napalm Records erscheint, in ihr Goldenes Zeitalter. Der narrative Ansatz des sechsten Albums schickt die italienische Band auf eine epische Reise. Zehn brandneue Heavy-Power-Metal-Songs erweitern das dynamische Repertoire des Sextetts in eine dunklere, aber dennoch prächtige Richtung. Sowie Frontfrau Giada „Jade“ Etro ihre zuvor heitere Herangehensweise ändert und nun nach der düsteren titelgebenden Eiskrone greift, nimmt die Band mit diesem direkten Werk ihre wahre Form an.
 
So platziert The Legend of the Six Kings FROZEN CROWN vollends auf dem Thron. Mit dem mächtigen Werk voller stürmischem Heavy Power Metal und gewaltiger Gesangsarrangements liefert die sechsköpfige Band eine glorreiche Performance voller Energie und prägnanter Zeilen. The Legend of the Six Kings lässt den Sound der Band erwachsen werden und sorgt dafür, dass die sechs Könige und Königinnen zu eben dem werden, was der Albumtitel verlauten lässt: Legenden. Das Album ist ab sofort vorbestellbar – die verschiedenen Formate finden sich unten.
 
FROZEN CROWN über The Legend of the Six Kings:

„Mit unserem sechsten Album – dem zweiten über Napalm Records – setzen wir unsere Suche nach der Essenz von FROZEN CROWN fort und destillieren die Kernelemente unseres Klangs und Stils in zunehmend präzisere und direktere Songs ohne unnötige Schnörkel. The Legend of the Six Kings stützt sich direkt auf unser Debütalbum The Fallen King und setzt die Saga um die Könige und den Tyrannen fort. Dank eines brillanten erweiterten Teams können wir endlich das umsetzen, was wir als Konzept für die Band im Sinn hatten. Das visionäre Genie von Raoul Noise (der hinter all unseren neuen Videos und Bandfotos steckt), das meisterliche Handwerk von Daria Gislon (die den Thron sowie die buchstäbliche Eiskrone entworfen und gebaut hat) und natürlich das künstlerische Talent von Sheila Franco (die das Album-Artwork gemalt hat) hauchen der dynamischen, obskuren Eiswelt, die wir schon von Beginn an im Kopf hatten, Leben ein – irgendwo zwischen J. R. R. Tolkiens harmonisch-edler Ästhetik und Robert E. Howards Brutalität. The Legend of the Six Kings bringt nicht nur neue Bilder mit sich, sondern auch einen mächtigeren Sound. Die jungen Kriegerherzen sind auf dem Schlachtfeld älter geworden und werden zu führenden Kräften der Krone (Schlagzeuger und Multiinstrumentalist Niso Tomasini übernimmt neben Sängerin Giada ‚Jade‘ Etro und Mastermind Federico Mondelli eine zentralere Rolle im Songwriting) und neue Krieger schließen sich an (Aleksandra Stamenkovic bietet sengend aggressive Old-School-Gitarren-Leads). Das sechste Album zeigt die Stärke unserer sechs Mitglieder sowie unser persönliches Verständnis von Power Metal in zehn mitreißenden Songs, die vielseitig die Nuancen des Genres aufgreifen, von rauem, kompromisslosen Speed Metal über die üppige Wortgewalt des Symphonic Metal bis hin zum gelegentlichen Chaos des Melodic Death Metal – aber immer FROZEN CROWN!“

Der zackige Opener „Lightning in the Sky“ positioniert die Band auf einem Schlachtfeld, mit blitzenden Klingen und einem Flackern in den Augen – der passende erste Eindruck für ein Album, auf dem FROZEN CROWN einen gewinnenden Schlag nach dem anderen landen. „Who Wants to Burn in Heaven“ ist ebenso richtungsweisend für den neuerlichen Feldzug: von Chören getrieben illustriert der groovige Song die Hölle als Reich der ewigen Herrschaft und fordert die Gefolgschaft der Band dazu auf, in die Schlachtgesänge einzustimmen.

Das folgende Epos „Reborn“ ist eine kraftvolle Hymne der Standhaftigkeit sowie eine stärkende Ode an den Zusammenhalt. „The One“ ist – wie auch andere Tracks auf The Legend of the Six Kings – von Tolkiens Meisterwerk „Der Herr der Ringe“ inspiriert und schlägt eine mysteriöse Dunkelheit um die Band, in der die mitreißenden Songs ganz besonders leuchten. Im harmonischen Zusammenspiel der drei Gitarren zeigen FROZEN CROWN hier außerdem ihre Fähigkeiten an den Instrumenten. Ganz besonders eingängig wird es dann mit dem Cover von „Iris“: Der 1998 veröffentlichte Song der amerikanischen Alternative-Rock-Band Goo Goo Dolls ist ein internationaler Superhit.

Dessen Power wandeln FROZEN CROWN in Power Metal um – ihre Version deckt das ganze Spektrum von Walzertakt-Ballade bis hin zu Hochgeschwindigkeits-Drums und ergreifendem Gesang ab. „I just want you to know who I am“ sollte hiernach gesetzt sein! „Winter Hearts“ kontrastiert den Ausflug in den Mainstream direkt. Schwere Riffs mit hohem Wiedererkennungswert leiten den Song ein, Growls unterstreichen die Message und ein Mitsing-Refrain bringt die Sache unter Dach und Fach – ein großer Song, der an Klassiker des Debüts The Fallen King (2018) erinnert. Das epische Storytelling setzt sich auch über „River of Time“ und „Through the Fire“ hinweg fort und „To the Stars“ schenkt The Legend of the Six Kings weiteren Live-Charakter, bevor der Titeltrack „The Legend of the Six Kings“ sich zu ganzer Pracht aufspielt. In seinen gegrowlten Strophen dem Melodic Death Metal nah ist der Song ein weiteres Duett zwischen Jade und Gitarrist Federico Mondelli, der neben dem Gutturalgesang auch Klargesang beisteuert.

frozen crown - The Legend of the Six Kings - cover artwork

Tracklist

01. Lightning in the Sky
02. Who Wants to Burn in Heaven
03. Reborn
04. The One
05. Iris
06. Winter Hearts
07. River of Time
08. Through the Fire
09. To the Stars
10. The Legend of the Six Kings

 

Quellenangabe: Napalm Records Photo Credit: Raoul Noise

RAVAGED BY THE YETI – Neue Single veröffentlicht

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Ravaged By The Yeti - Tusk of the Yeti [Official Lyric Video]

RAVAGED BY THE YETI – Neue Single veröffentlicht – Zweites Album „Snowbound Horror“ erscheint bald über Testimony Records

Ravaged By The Yeti - Snowbound Horror - cover artwork

Die Death Metal Band RAVAGED BY THE YETI hat mit „Tusk of the Yeti“ die letzte Vorab-Single ihres neuen Albums „Snowbound Horror“ veröffentlicht. Das Album erscheint am 10. Juli 2026 über Testimony Records.

Sänger Rogga Johansson erklärt dazu:

„‚Tusk of the Yeti‘ trifft den Hörer mit einem peitschenden Groove, der unter einem treibenden Death Metal Riff lauert. Dieses Biest brüllt mit Vocals, die sich tief ins Innerste brennen, während wuchtige Basslinien alles unerbittlich nach vorne treiben und den Zuhörer förmlich in Stücke reißen. Aber mal ehrlich: Mehr braucht ein guter Death Metal Song doch eigentlich nicht, oder?“

Mit ihrem zweiten Album liefern RAVAGED BY THE YETI genau das, worauf ihre treue Fangemeinde nach dem gefeierten Debüt „Apex Predator“ gehofft hatte, das in der Death Metal Szene für großes Aufsehen sorgte. „Snowbound Horror“ bietet massive Riffs aus tief gestimmten Gitarren, unheilvolle Grooves und mitreißende Songs, die vor blutiger Atmosphäre und makabren Details nur so strotzen. Ein Blick auf die Vinyl Edition genügt, um diesen Eindruck zu bestätigen.

Das Album vereint alles, was Fans des klassischen Old School Death Metal erwarten dürfen. Gleichzeitig hat sich das schwedisch englisch amerikanische Trio seit seinem Debüt musikalisch weiterentwickelt. Mit geschärften Klauen und noch bissigerem Sound präsentieren RAVAGED BY THE YETI eine konsequente Weiterentwicklung ihres Stils und liefern in jeder Hinsicht mehr von dem, was ihre Musik auszeichnet.

In neuer Besetzung kehrt die Band zurück und vereint langjährige Freunde von beiden Seiten des Atlantiks, die ihre Leidenschaft für traditionellen Death Metal teilen. Der amerikanische Musiker Michael „Mike“ Borders spielte bereits in den Demojahren der Kultband MASSACRE Bass und kehrte Anfang der 2020er Jahre im Zuge ihrer Wiederbelebung zurück. Etwa zur gleichen Zeit stieß auch der schwedische Gitarrist und Songwriter Rogga Johansson, oft als „Mr. Death Metal“ bezeichnet, zu MASSACRE und brachte den britischen Schlagzeuger sowie MONSTROUS Mitstreiter Jon Rudin mit.

Mit „Snowbound Horror“ macht die Band ihrem Namen alle Ehre. Das Album ist ein gnadenloses Biest, das seine brutalen Klauen und Reißzähne tief in die Köpfe von Death Metal Fans auf der ganzen Welt schlägt. Die Gefahr ist real: Macht euch bereit für den unwiderstehlichen Einschlag von „Snowbound Horror“.

Das Album wurde von Håkan Stuvemark in den Necrotic Audio Productions im schwedischen Ransta aufgenommen, gemischt und gemastert. Das Coverartwork stammt von Ivan S. Bragin.

Ravaged By The Yeti - Snowbound Horror - cover artwork

Tracklist

01. Vengeance in Fur
02. Human Spoil
03. By the Hands of the Beast
04. As Fangs Go Deep
05. Beast Prey
06. Frozen Stiff
07. They Came Through the Cold
08. Tusk of the Yeti
09. Death by Icicle
10. Snowbound Horror
11. Land of Ice and Snow

 

Quellenangabe: Sure Shot Worx

GRAVE DANCE COMPANY – kündigen ihr Debütalbum

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GRAVE DANCE COMPANY - Ruins - cover artwork

Modern Metal Sensationen LEAGUE OF DISTORTION veröffentlichen dritte Single „It Hurts So Good“ (feat. Christoph Wieczorek/Annisokay) + offizielles Video

GRAVE DANCE COMPANY veröffentlichen am 25. September 2026 ihr Debütalbum „RUINS“ über Reaper Entertainment.
 

Nach der EP „Lon Chaney“ folgt mit „RUINS“ das erste vollständige Kapitel einer Band, die aus Freundschaft, gemeinsamer Geschichte und der Überzeugung entstanden ist, dass Musik immer einen Weg findet, weiterzuleben.
 

„RUINS“ vereint schwere, direkte Songs mit eingängigen Melodien und einer Atmosphäre zwischen Verletzlichkeit und Wucht. Das Album beschäftigt sich mit Vergänglichkeit, Verlust, Erinnerungen und den Spuren, die Menschen und Entscheidungen hinterlassen. Ehrlich, emotional und kompromisslos richtet es den Blick auf das, was bleibt, wenn Gewissheiten verschwinden.
 

Die Band kommentiert:

„RUINS ist für uns mehr als nur ein Debütalbum. Diese Songs sind aus Momenten entstanden, die wir nicht geplant haben – aus Verlust, Unsicherheit, Freundschaft und der Erkenntnis, dass nichts selbstverständlich ist. Wir wollten festhalten, was bleibt, wenn vieles wegfällt. RUINS ist unsere Momentaufnahme davon.“

Das Artwork des Albums stammt vom in New York City lebenden Fotografen und Filmemacher Martin Koch.

„RUINS“ erscheint am 25. September 2026 über Reaper Entertainment.

Die erste Single „The Loneliest Place wird bereits am 03.07. veröffentlicht.
Um nichts zu verpassen, kann man die Single bereits jetzt pre-saven: https://lnk.to/TheLoneliestPlace

Weitere Neuigkeiten folgen in Kürze.

Quellenangabe: Reaper Entertainment

Apostle – A Splinter In The Infinite Noumenom

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Apostle - A Splinter In The Infinite Noumenom - cover artwork
Apostle - A Splinter In The Infinite Noumenom - cover artwork

Band: Apostle 🇺🇸
Titel: A Splinter in the Infinite Noumenon
Label: Terminus Hate City
VÖ: 05.06.2026
Format: Vinyl / Digital
Genre: Post-Black Metal / Chaotic Hardcore / Grindcore / Post-Metal / Blackgaze

Tracklist

01. Exiting the God Hologram
02. Illusions of Loss
03. Swine
04. Distortions of Light
05. Oscillating Polarities
06. At Ease

Besetzung

Murice White – Gesang, Gitarre
Michael Thomas – Bass, Gesang
Evan Price – Schlagzeug

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Musik kann ein geordneter Gedankengang sein – oder ein emotionaler Kurzschluss, bei dem sich Grindcore, chaotischer Hardcore, Post-Black Metal und atmosphärischer Post-Rock gegenseitig durch die Sicherung jagen. Apostle entscheiden sich auf »A Splinter in the Infinite Noumenon« eindeutig für die zweite Variante. Das Trio aus Atlanta hämmert, schneidet und schreit sich durch sechs kompakte Stücke, lässt zwischen den Trümmern jedoch immer wieder melancholische Melodien, verletzliche Zwischenspiele und überraschend warme Momente aufsteigen. Hinter der kontrollierten Kakophonie steht eine persönliche Auseinandersetzung mit Trauer, Sterblichkeit, spiritueller Dualität und der schwierigen Kunst, nach einem Verlust nicht nur weiterzuleben, sondern sich selbst neu zu verstehen.

Full Album Stream: A Splinter in the Infinite Noumenon

EIN SPLITTER IM UNENDLICHEN

Der Titel greift die Vorstellung des Menschen als Splitter einer unendlichen Gottheit auf und verbindet sie mit dem philosophischen Begriff des Noumenons: einer Wirklichkeit, die unabhängig von unserer Wahrnehmung existiert, aber niemals vollständig durch sie erfasst werden kann. Der Mensch erkennt demnach stets nur Ausschnitte, Spiegelungen und verzerrte Fragmente eines größeren Ganzen.

Apostle machen daraus keine trockene Abhandlung. Der Gedanke wird auf persönliche Verluste, Glaubensfragen und das fragile menschliche Selbstbild übertragen. Was geschieht, wenn vertraute Wahrheiten zerbrechen? Bleibt darunter eine objektive Wirklichkeit zurück – oder lediglich eine weitere Projektion, die man aus Angst vor dem Unbekannten zur Wahrheit erklärt?

Musikalisch wird dieses Thema durch ständige Gegensätze umgesetzt. Gewaltige Hardcore-Ausbrüche treffen auf Post-Rock-Melodien, Grindcore-Hektik auf schleppende Grooves und dissonante Gitarren auf beinahe versöhnliche Harmonien. Die Musik wirkt wie ein Spiegel, der in sechs Scherben zerbrochen wurde. Jede zeigt denselben Menschen, aber aus einer anderen, unvollständigen Perspektive.

AUSSTIEG AUS DEM GÖTTERHOLOGRAMM

»Exiting the God Hologram« beginnt mit dem Geräusch eines nachts vorbeifahrenden Zuges. Die Aufnahme stammt aus Murice Whites unmittelbarer Umgebung und führt das Album mit einem realen, alltäglichen Klang ein. Kurz darauf bricht die Band mit voller Kraft herein.

Das zentrale Bild zeigt ein blutrotes Meer, das sich teilt und zwei Wege freigibt. Anders als in einer religiösen Erlösungsgeschichte führt jedoch keiner der Pfade zur vollständigen Wahrheit. Wer sich nach links oder rechts entscheidet, erlebt lediglich eine bestimmte Perspektive und hält diesen begrenzten Ausschnitt anschließend möglicherweise für die gesamte Realität.

Der titelgebende Ausstieg aus dem Gottes-Hologramm bedeutet deshalb nicht zwangsläufig die Ablehnung jeder Spiritualität. Er bezeichnet die Loslösung von starren Vorstellungen, die dem Menschen eine einzige korrekte Weise des Lebens, Glaubens oder Erkennens vorschreiben. Das Hologramm erscheint echt, bleibt aber eine Projektion.

Musikalisch schleudern Apostle den Hörer zunächst in einen Hagel aus schwerem Schlagzeug, tiefem Bass und dissonanten Gitarren. White schreit nicht sauber über dem Rhythmus, sondern bewegt sich scheinbar frei durch das Arrangement. Seine Stimme droht mehrfach aus dem Takt zu brechen, landet aber immer wieder genau auf den entscheidenden Schlägen.

Evan Price ist dabei die treibende Kraft. Sein Schlagzeug besitzt enorme körperliche Präsenz und wechselt zwischen Hardcore-Druck, schnellen Extrem-Metal-Passagen und pendelnden Grooves. Michael Thomas legt darunter einen tiefen, melodisch beweglichen Bass, der verhindert, dass die Gitarrendissonanzen vollständig ins Formlose abgleiten.

Im letzten Drittel verändert sich der Song. Aus der Kakophonie wächst eine traurige Post-Black-Metal-Melodie, die später auf dem Album erneut auftauchen wird. Der Ausstieg aus dem Hologramm endet damit nicht in Leere, sondern in einer vorsichtigen, noch unvollständigen Hoffnung.

DER VERLUST ALS SPIEGEL

»Illusions of Loss« ist mit weniger als zwei Minuten das kürzeste Stück, trägt aber erhebliches emotionales Gewicht. Der Text beschreibt eine Beerdigung und die körperliche Erfahrung, Erde aufzubrechen, in den Boden einzudringen und einem geliebten Menschen beim Verschwinden zuzusehen.

Trauer wird dabei nicht nur als Verlust einer anderen Person verstanden. Sie verändert das eigene Selbstbild und bringt Teile der Persönlichkeit hervor, die zuvor verborgen blieben. Der Tod eines Menschen kann Erinnerungen, familiäre Muster und alte Verletzungen freilegen, die weit über den unmittelbaren Abschied hinausreichen.

Das Bild des Samens erweitert diesen Gedanken. Etwas wird begraben, doch Begrabenes muss nicht ausschließlich verschwinden. Erinnerung kann in veränderter Form weiterwachsen und dem Hinterbliebenen eine neue Aufgabe geben. Der Schmerz bleibt bestehen, wird aber zum Ausgangspunkt einer persönlichen Entwicklung.

Musikalisch arbeitet das Trio mit einem schleppenden Halftime-Groove, dissonanten Gitarren und einem Bass, der der Nummer eine dunkle melodische Mitte gibt. White führt seine Stimme eng durch die rhythmischen Bewegungen, bevor sich die Komposition in Tremolo-Gitarren und einen schnelleren Ausbruch steigert.

Ein verzerrtes Sprachsample über kaum noch lebenswerte städtische Zustände erweitert den persönlichen Verlust um eine gesellschaftliche Ebene. Individuelle Trauer und kollektiver Verfall stehen plötzlich nebeneinander. Der Song endet, bevor eine klare Trennung zwischen beiden möglich wird.

DIE SCHWEINE UND DAS FALSCHE LICHT

»Swine« beginnt mit Bildern von Fallen, geschlachteten Tieren und verwertetem Fleisch. Was zunächst nach einem brutalen Vorgang aus der Tierhaltung klingt, entwickelt sich zu einer Auseinandersetzung mit Macht, Unterdrückung und den Folgen eines Systems, das Menschen einsperrt, kategorisiert und gegeneinander ausspielt.

Die Rollen von Jäger, Tier und Konsument bleiben nicht stabil. Der Tisch dreht sich, das Fleisch beginnt zu brennen und die scheinbaren Herren müssen erkennen, dass ihre Macht nicht naturgegeben ist. Es gibt keine ewigen Herrscher, sondern nur Handlungen und ihre Konsequenzen.

Besonders interessant ist das Bild eines falschen, blendenden Lichtes. Es strahlt nur deshalb so mächtig, weil Menschen ihm ihren Glauben und ihre Energie geben. Die vermeintliche Autorität lebt von der Zustimmung derer, die sie beherrscht. Sobald diese Projektion durchschaut wird, kann die zuvor abgegebene Macht zurückgenommen werden.

Die Musik reagiert mit einem der aggressivsten Stücke der Platte. Whites Gitarre produziert keine klassischen Riffs, sondern scharfkantige Figuren, gewaltsames Zupfen und dissonante Spiralen. Thomas’ Bass liegt darunter wie ein schweres Kabel, das trotz aller rhythmischen Verrenkungen den Stromfluss aufrechterhält.

Price spielt zugleich präzise und entfesselt. Seine Bassdrum greift die Gitarrenbewegungen auf, während die Becken das Klangbild immer weiter verdichten. Gegen Ende entsteht ein kontrollierter Zusammenbruch: Melodische Elemente wachsen in die Gewalt hinein, bis sämtliche Schichten zu einer einzigen drückenden Masse verschmelzen.

Der Song ist beeindruckend, aber auch bewusst anstrengend. Die Band zieht nahezu alle Regler nach oben und lässt nur wenige Atempausen. Wer die Details erfassen möchte, muss mehrfach durch das Dickicht aus Gitarren, Bass, Schlagzeug und Stimmen steigen.

ZERBROCHENE DIAMANTEN

»Distortions of Light« beginnt mit einer historischen Aufnahme des Dichters E. E. Cummings, der über Individualität und den Mut spricht, tatsächlich man selbst zu sein. Erst nach dieser längeren Einführung setzt die Band ein.

Das Stück stellt sich die Realität als gigantischen Diamanten am Himmel vor. Solange er vollständig bleibt, scheint sein Licht eindeutig und vollkommen. Doch nachdem der Diamant zerbricht und seine Splitter auf die Erde fallen, zeigt jede Scherbe nur noch eine verzerrte Variante des ursprünglichen Bildes.

Menschen sammeln diese Fragmente auf, verletzen sich an ihren scharfen Kanten und halten das aufgefundene Teil dennoch für die Wahrheit. Was aus der Ferne nach Reinheit und unbegrenzter Möglichkeit aussah, wird aus der Nähe zu zerbrochenem Glas und blutigen Händen.

Der Song greift damit unmittelbar den Albumtitel auf. Der Mensch ist selbst ein Fragment und versucht zugleich, aus weiteren Fragmenten ein vollständiges Weltbild zu bauen. Erinnerung, Glaube und Wahrnehmung spiegeln Wirklichkeit, können sie aber nie ohne Verzerrung wiedergeben.

Musikalisch zeigt sich das Trio zunächst von seiner langsameren und dunkleren Seite. Der Bass bewegt sich schwer durch das Arrangement, die Gitarre zeichnet unruhige Schatten darüber und Whites Hardcore-Schreie stehen in einem wirkungsvollen Gegensatz zur kontrollierten Instrumentierung.

Später öffnet sich die Musik in Richtung Blackgaze und Post-Rock. Die Gitarren gewinnen an Helligkeit, ohne die vorherige Düsternis vollständig abzustreifen. Gerade dieser Wandel macht »Distortions of Light« zu einem Schlüsselstück: Schönheit entsteht nicht außerhalb des Zerfalls, sondern unmittelbar in dessen Bruchkanten.

Das lange Eingangssample ist inhaltlich nachvollziehbar, bremst beim wiederholten Hören jedoch den Fluss. Die eigentliche Komposition könnte auch ohne die ausführliche Einleitung bestehen.

ZWISCHEN DEN POLEN

»Oscillating Polarities« trägt seine musikalische Methode bereits im Titel. Die Komposition schwingt zwischen Gewalt und Melodie, Kontrolle und Auflösung, Selbstzweifel und innerer Gewissheit. Die Gegensätze bekämpfen sich nicht nur, sondern beginnen allmählich miteinander zu harmonieren.

Der Text verwendet einen Fluss als Bild für Intuition. Wasser sucht seinen Weg nicht durch abstrakte Planung, sondern folgt Gefälle, Widerstand und Bewegung. Es schneidet über lange Zeit selbst durch Stein und verliert dabei nicht seine grundlegende Natur.

Dem gegenüber steht der menschliche Zweifel. Er versucht, den Strom festzuhalten, seine Richtung zu kontrollieren oder seine Geschwindigkeit zu begrenzen. Die zentrale Erkenntnis liegt darin, der eigenen Wahrnehmung wieder zu vertrauen und die innere Stimme nicht ständig durch erlernte Ängste zu übertönen.

Der Song behandelt diese Selbstfindung nicht als geradlinige Heilung. Tränen, Orientierungslosigkeit und das Gefühl, im eigenen Bewusstsein zu kentern, bleiben Teil des Prozesses. Die Persönlichkeit löst sich zeitweise auf, erkennt aber gerade darin, dass die Grenze zwischen Ich und größerem Ganzen möglicherweise weniger fest ist als angenommen.

Musikalisch ist das Stück der brutalste und zugleich technisch eigenwilligste Moment der Platte. Price beginnt mit dicht verflochtener Doublebass, Beckenarbeit und abrupten Akzenten. White setzt eine schlangenartig gewundene Gitarrenfigur dagegen, deren Töne einzeln klar gesetzt sind, gemeinsam aber absichtlich instabil wirken.

Thomas hält mit dem Bass den Mittelpunkt. Seine Linien geben dem Stück einen versteckten Groove, der sich erst nach mehreren Durchläufen vollständig erschließt. Der Song wirkt zunächst wie reines Chaos; nach und nach wird jedoch ein pendelnder Rhythmus hörbar, der die verschiedenen Extreme miteinander verbindet.

White liefert hier seine tiefsten und aggressivsten gutturalen Stimmen. Seine Vocals reichen von aufgerissenen Schreien bis zu dunklem Brüllen und verstärken den Eindruck einer inneren Auseinandersetzung, die nicht durch ruhige Meditation, sondern durch vollständige emotionale Entladung gelöst wird.

In der Mitte zieht sich das Schlagzeug kurz zurück und öffnet Raum für eine rhythmisch reduzierte Passage. Dieser Moment ist entscheidend, weil er die zuvor versteckte Melodie sichtbar macht. Danach kehrt die Gewalt zurück, besitzt aber eine andere Bedeutung: Sie erscheint nicht länger ausschließlich zerstörerisch, sondern als Teil eines größeren Gleichgewichts.

TRAUER FINDET EINEN RUHEPUNKT

»At Ease« beginnt mit jener melancholischen Gitarrenmelodie, die bereits das Ende von »Exiting the God Hologram« geprägt hat. Damit schließt sich der musikalische Kreis. Was im Opener noch wie eine entfernte Möglichkeit wirkte, wird im Finale zum zentralen Thema.

Der Text richtet sich an einen verstorbenen Menschen. Zurück bleiben Tränen, Schuldgefühle und die quälende Frage, weshalb das Ausmaß der inneren Entwicklung und Tapferkeit dieser Person nicht rechtzeitig erkannt wurde. Der Gang zum Grab ersetzt die frühere unmittelbare Nähe.

Besonders schmerzhaft ist das Eingeständnis, den Menschen nicht geschützt oder verteidigt haben zu können. Die Selbstvorwürfe richten sich nach innen und verursachen neue Wunden. Heilung beginnt deshalb nicht mit dem Vergessen, sondern mit der schwierigen Anerkennung eigener Grenzen.

Das Stück vermeidet eine einfache spirituelle Lösung. Der Tod wird nicht durch ein versprochenes Jenseits entschärft. Was bleibt, ist die Wirkung des verstorbenen Menschen: sein Licht, seine Tapferkeit und die Veränderung, die er in anderen ausgelöst hat.

Musikalisch zeigen sich Apostle so verletzlich wie an keiner anderen Stelle. Price entwickelt einen beinahe jazzigen Shuffle, der nach der vorherigen rhythmischen Gewalt überraschend leicht wirkt. Thomas hält mit wenigen Grundtönen einen stabilen emotionalen Mittelpunkt.

White legt darüber ein langes Gitarrensolo. Es beginnt zurückhaltend und klagend, wächst aber zunehmend über die Rhythmusgruppe hinaus. Die Gitarre versucht nicht, technische Überlegenheit zu demonstrieren. Sie spricht dort weiter, wo die Worte nicht mehr ausreichen.

Feedback, anschwellende Becken und wiederkehrende Melodien verdichten den Schluss. Die Musik ist gleichzeitig traurig und triumphierend. Trauer wird nicht überwunden, aber in eine Form gebracht, die weiteres Leben ermöglicht. Das Album endet damit weder in vollständiger Erlösung noch in Verzweiflung, sondern in einem glaubwürdigen Zwischenzustand.

MURICE WHITE ZWISCHEN WUNDE UND WAFFE

Murice White übernahm nach dem Ausstieg des früheren Frontmanns Cameron Austin zusätzlich zum Gitarrenspiel den vollständigen Leadgesang. Diese Veränderung hat den Stil der Band entscheidend geprägt. Seine Stimme klingt nicht wie ein nachträglich über die Instrumente gelegtes Element, sondern folgt unmittelbar der rhythmischen Logik seiner Gitarre.

White bewegt sich zwischen Hardcore-Schreien, hohen aufgerissenen Lauten und tiefen Gutturals. Der Vortrag wirkt häufig unkontrolliert, ist aber präziser organisiert, als es zunächst scheint. Selbst scheinbar frei schwebende Schreie finden an entscheidenden Punkten zurück zum Rhythmus.

Seine Gitarrenarbeit verweigert einfache Orientierung. Akkorde lösen sich selten erwartbar auf, einzelne Töne werden wie scharfe Splitter in den Song gesetzt und melodische Linien tauchen häufig erst unter mehreren Schichten aus Verzerrung auf. Dabei besitzt White ein starkes Gespür für Kontraste. Gerade weil die aggressiven Passagen so abweisend klingen, entwickeln die melancholischen Melodien enorme Wirkung.

Nicht jede Idee erhält jedoch genügend Platz. Besonders in der ersten Albumhälfte kämpfen Gitarren, Stimmen und Rhythmusgruppe häufig gleichzeitig um Aufmerksamkeit. Eine gelegentliche Reduktion hätte einzelne Motive noch stärker hervortreten lassen.

DER BASS ALS VERBORGENER LEITFADEN

Michael Thomas wechselte im Zuge der personellen Veränderungen zum Bass und übernahm zusätzlichen Gesang. Seine Arbeit ist für das Album von zentraler Bedeutung, weil sie die Verbindung zwischen rhythmischer Härte und atmosphärischer Melodie herstellt.

Während Whites Gitarre häufig auseinanderbricht, hält Thomas die harmonische Richtung zusammen. Seine Basslinien sind nicht bloße Verdopplungen der Gitarren, sondern besitzen eigene melodische Bewegungen. Besonders auf »Illusions of Loss«, »Oscillating Polarities« und »At Ease« wird der Bass zum stabilen Boden unter einer absichtlich unsicheren Architektur.

Seine zusätzlichen Vocals erweitern die Stücke um eine tiefere, körperlichere Stimme. Dadurch entstehen kurze dialogartige Momente, in denen Whites schrillere Verzweiflung von Thomas’ kräftigeren Rufen beantwortet wird.

Auf dem abschließenden »At Ease« zeigt Thomas, wie wirkungsvoll Reduktion sein kann. Wenige wiederholte Grundtöne reichen aus, um der emotionalen Entwicklung Halt zu geben. Über die lange Dauer der Passage entsteht allerdings auch eine gewisse Wiederholung, die nicht für jeden Hörer gleichermaßen zwingend ausfallen dürfte.

EVAN PRICE HÄLT DAS CHAOS IN DER UMLAUFBAHN

Evan Price liefert eine herausragende Schlagzeugleistung. Seine Aufgabe besteht nicht nur darin, komplizierte Rhythmen korrekt umzusetzen. Er muss Songs zusammenhalten, deren Gitarren und Vocals permanent den Eindruck erwecken, aus der vorgesehenen Form ausbrechen zu wollen.

Price wechselt zwischen Grindcore-Geschwindigkeit, Hardcore-Grooves, Doublebass, Midtempo und beinahe jazzigen Passagen. Trotz dieser Vielfalt wirkt sein Spiel nicht wie eine Ansammlung technischer Übungen. Jede Veränderung reagiert auf die emotionale Bewegung des jeweiligen Songs.

Besonders stark ist seine Beckenarbeit. Price setzt keine gleichförmige Wand aus Dauerrauschen ein, sondern nutzt Anschwellen, kurze Akzente und gezielte Pausen, um Übergänge vorzubereiten. Im Finale trägt er entscheidend dazu bei, dass aus aggressiver Dichte langsam ein offener, nachdenklicher Raum entsteht.

Sein Spiel ist der wichtigste Orientierungspunkt des Albums. Wenn Gitarre und Stimme in verschiedene Richtungen stürzen, zeigt das Schlagzeug weiterhin, wo sich das Zentrum der Komposition befindet.

PRODUKTION AN DER GRENZE ZUR ÜBERLASTUNG

Connor Ray gibt dem Album einen dichten, druckvollen und bewusst maximalistischen Klang. Bass und Schlagzeug besitzen enorme Präsenz, während Whites Gitarre breit über das Stereobild verteilt wird. Die Vocals sitzen nicht sauber über der Instrumentierung, sondern kämpfen sich durch deren Mitte.

Diese Entscheidung passt zur Musik. Ein klinisch aufgeräumter Sound würde dem emotionalen Kontrollverlust einen Teil seiner Wirkung nehmen. Die Songs sollen nicht wie exakt beschriftete Einzelteile erscheinen, sondern wie eine gemeinsame Entladung dreier Musiker.

Gleichzeitig liegt hier die größte Schwäche. Besonders »Swine« und Teile von »Oscillating Polarities« sind so dicht komprimiert und voller gleichzeitiger Bewegungen, dass melodische Feinheiten zunächst untergehen. Die Platte belohnt wiederholtes Hören, fordert diesen zusätzlichen Aufwand aber auch konsequent ein.

Das Mastering von Erol Ulug bewahrt den körperlichen Druck und verhindert, dass die zahlreichen hohen Frequenzen vollständig unangenehm werden. Dennoch bleibt das Album bewusst scharfkantig. Entspanntes Hintergrundhören ist ungefähr so sinnvoll wie ein Mittagsschlaf neben einer laufenden Kreissäge.

KURZE SPIELZEIT, GROSSE IDEEN

Mit rund 27 Minuten ist »A Splinter in the Infinite Noumenon« ein kompaktes Werk. Die Band behandelt in dieser Zeit jedoch mehr musikalische und philosophische Ideen als manche Gruppe auf einem Doppelalbum.

Die kurze Laufzeit verhindert, dass die hohe Intensität vollständig ermüdet. Dennoch wirkt das Album nicht wie eine bloße Sammlung kurzer Angriffe. Die wiederkehrende Melodie aus dem Auftakt und dem Finale, die Motive von Licht, Fragmenten, Wasser und innerer Wahrnehmung sowie der Übergang von Orientierungslosigkeit zu vorsichtiger Akzeptanz geben dem Werk eine klare Form.

Nicht jede Verbindung ist sofort erkennbar. Die ersten Durchläufe können wie ein Sturm aus Dissonanzen, Schreien und Schlagzeugattacken wirken. Erst später treten die melodischen Leitfäden und inhaltlichen Beziehungen deutlicher hervor.

Gerade darin liegt der Reiz. Apostle liefern keine leicht zugängliche Platte, die ihre gesamte Wirkung beim ersten Hören preisgibt. Das Album verlangt Aufmerksamkeit, zeigt dafür aber bei jeder erneuten Begegnung weitere Risse, Spiegelungen und verborgene Melodien.

FAZIT:

»A Splinter in the Infinite Noumenon« ist ein intensives, philosophisch aufgeladenes Werk zwischen chaotischem Hardcore, Post-Black Metal, Grindcore und atmosphärischem Post-Rock. Murice White, Michael Thomas und Evan Price verwandeln persönliche Trauer, spirituelle Zweifel und gesellschaftliche Wut in Musik, die gleichzeitig verletzlich und beinahe körperlich überwältigend wirkt. Die maximale Klangdichte verdeckt gelegentlich wertvolle Details, doch hinter der rauen Oberfläche liegt ein sorgfältig verbundenes Album, dessen abschließende Bewegung von Verlust zu vorsichtiger Heilung lange nachwirkt.

Musikvideo: Illusions of Loss

Internet

Apostle - A Splinter In The Infinite Noumenom - CD Review

The Carburetors – We Ride At Night

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The Carburetors - We Ride At Night - cover artwork
The Carburetors - We Ride At Night - cover artwork

Band: The Carburetors 🇳🇴
Titel: We Ride At Night
Label: Fast Forward Records / Musikkoperatørene
VÖ: 19.06.2026
Format: CD / Vinyl / Digital
Genre: Hard Rock / Heavy Metal / Fast Forward Rock’n’Roll

Tracklist

01. Intro
02. Down In Flames
03. Let You Down
04. I Wanna Rock’n’Roll
05. Rock’n’Roll Never Dies
06. Shot At Dawn
07. You Need It Loud
08. Electric Shock
09. Sharpen The Blades
10. Who Likes To Boogie?

Besetzung

Eddie Guz – Gesang
Chris Marchand – Gitarre
Phillie Obuskovic – Gitarre
King ’O’ Men – Bass
Chris Nitro – Schlagzeug

The Carburetors – Produktion
Robert Hauge – Recording Engineering

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Traidioneller Heavy Metal mit gepflegtem Hard Rock Einfluss gefällig? Dann schieben euch The Carburetors mit »We Ride At Night« den passenden Soundtrack direkt unter die Motorhaube. Die fünf Norweger verbinden druckvollen Hard Rock, klassischen Heavy Metal, schmutzigen Rock ’n’ Roll und eine ordentliche Ladung Punk-Attitüde zu ihrem selbst ernannten Fast Forward Rock’n’Roll.

Seit ihrer Gründung im Jahr 2001 stehen The Carburetors für Musik, die ungefähr dort entsteht, wo Chuck Berry mit Motörhead zusammenstößt und anschließend gemeinsam mit AC/DC die nächste Werkstattparty verwüstet. Auch auf ihrem neuen Album wird weder zaghaft experimentiert noch über die philosophische Bedeutung eines verminderten Septakkords diskutiert. Hier zählen Riffs, Lautstärke und ein funktionierender Anlasser. Mit zehn Stücken und etwas mehr als 32 Minuten Spielzeit ist »We Ride At Night« angenehm kompakt ausgefallen. Die Songs drehen keine unnötigen Extrarunden und verzichten auf aufgeblasene Arrangements. Stattdessen liefern The Carburetors eine direkte Mischung aus Vollgas, Groove und Refrains, die bereits beim ersten Durchlauf nach verschwitztem Club, kaltem Getränk und leicht fragwürdigen Entscheidungen riechen.

Albumstream:

NACHTFAHRT OHNE GESCHWINDIGKEITSBEGRENZUNG

Das kurze »Intro« beginnt mit Sirenen, Hubschraubergeräuschen und einer bedrohlichen Stimme, die den Albumtitel flüstert. Für einen Moment könnte man glauben, die Norweger hätten ein düsteres Konzeptalbum über nächtliche Verfolgungsjagden aufgenommen. Dann setzt »Down In Flames« ein und stellt klar: Hier wird nicht lange verfolgt, hier wird direkt überholt.

Das Schlagzeug von Chris Nitro treibt den Song mit stoischer Kraft voran, während King ’O’ Men am Bass den notwendigen Druck unter die Gitarren legt. Aufgebaut auf diesem bombenfesten Fundament aus Drums und Bass werden die Riffs von Chris Marchand und Phillie Obuskovic sauber aufgebettet.

Die Gitarren klingen rau, aber nicht schlampig. Kurze Akkordschläge, kleine Leads und ein geradliniger Refrain verbinden Heavy Metal mit dreckigem Rock ’n’ Roll. Sänger Eddie Guz legt darüber seine markante, angeraute Stimme, die irgendwo zwischen Lemmy, einem besonders gut gelaunten Straßenköter und einem alten Rockabilly-Sänger mit erheblichem Zigarettenkonsum liegt.

»Down In Flames« macht sofort deutlich, dass The Carburetors nicht vorhaben, den Fuß vom Gas zu nehmen. Der Song ist schnell, eingängig und besitzt jene unbekümmerte Energie, die ein Album entweder sofort trägt oder nach drei Nummern in den Straßengraben schickt.

DIE RHYTHMUSGRUPPE HÄLT DEN MOTOR ZUSAMMEN

Mit »Let You Down« wird das Tempo etwas kontrollierter, ohne dass die Band in eine gemütliche Sonntagsfahrt verfällt. Das Hauptriff besitzt mehr Hard-Rock-Groove und erinnert stellenweise an die frühen The Almighty. Der Song stampft, schiebt und gibt Eddie Guz ausreichend Raum für einen besonders griffigen Refrain.

Die Hintergrundstimmen verleihen der Nummer eine punkige Straßenchor-Atmosphäre. Perfekt sauber müssen solche Stimmen nicht sein. Sie sollen klingen, als hätte sich die halbe Kneipe spontan entschieden, den Refrain mitzugrölen – unabhängig davon, ob sie den Text kennt oder überhaupt noch gerade stehen kann.

Besonders stark ist das Zusammenspiel der beiden Gitarren. Marchand und Obuskovic liefern keine technische Leistungsschau, sondern konzentrieren sich auf Riffs, die sofort körperlich funktionieren. Eine Gitarre hält den Groove fest, während die zweite kleine melodische Akzente und Leads einstreut.

»Let You Down« gehört zu den besten Songs des Albums. Er verbindet die rohe Energie der Band mit einem Refrain, der auch nach mehreren Durchläufen nicht an Wirkung verliert. Das Stück zeigt, dass The Carburetors nicht ausschließlich durch Geschwindigkeit überzeugen müssen.

ROCK ’N’ ROLL ÜBER ROCK ’N’ ROLL

Bei »I Wanna Rock’n’Roll« ist der Titel bereits die vollständige Inhaltsangabe. Keine verschlüsselten Botschaften, keine komplizierte Figurenkonstellation und garantiert kein überraschender Erzählerwechsel im dritten Akt. Die Band möchte Rock ’n’ Roll spielen – und tut genau das mit bemerkenswerter Lautstärke.

Das eröffnende Riff prescht mit einer Mischung aus Motörhead, Rose Tattoo und punkigem Hard Rock aus den Lautsprechern. Chris Nitro hämmert einen geradlinigen Beat darunter, King ’O’ Men sorgt für den notwendigen Tiefton und Eddie Guz klingt, als hätte jemand seine Stimme mit einer rostigen Feile behandelt.

Der Refrain ist einfach, vorhersehbar und hervorragend. Gerade darin liegt die Kunst. Ein schlechter Rock-’n’-Roll-Refrain klingt nach liebloser Parole. Ein guter klingt nach einer Wahrheit, die offenbar nur aus drei Akkorden und maximal fünf Wörtern bestehen darf.

»Rock’n’Roll Never Dies« setzt diese Selbstbetrachtung direkt fort. Wer auf originelle Songtitel besteht, könnte langsam nervös mit dem Kugelschreiber klopfen. Musikalisch funktioniert die Nummer jedoch bestens. Das Riff besitzt einen deutlichen AC/DC-Einschlag, während Guz gesanglich mehr melodische Kontrolle zeigt als in den schnellen Stücken.

Die Gitarren lassen den Akkorden genügend Raum, wodurch der Song schwerer und breiter wirkt. Der Refrain besitzt beinahe hymnischen Charakter und dürfte live zuverlässig sämtliche Hände nach oben schicken. Rock ’n’ Roll ist angeblich unsterblich – und The Carburetors kontrollieren offenbar regelmäßig seinen Puls.

BEI SONNENAUFGANG WIRD GESCHOSSEN

»Shot At Dawn« beginnt mit einem kantigen Riff und einer düsteren Grundstimmung. Im Vergleich zu den vorherigen Stücken wirkt die Nummer etwas metallischer und weniger unbekümmert. Der Titel erinnert an militärische Erschießungskommandos, während die Musik mit marschierendem Rhythmus und schneidenden Gitarren den passenden Druck erzeugt.

Chris Nitro liefert erneut die notwendige Energie, hält sein Spiel jedoch kontrolliert. Seine Aufgabe besteht nicht darin, möglichst viele Fills zwischen die Riffs zu quetschen, sondern die gesamte Konstruktion mit Nachdruck voranzutreiben. Das gelingt ihm hervorragend.

Im Mittelteil öffnen die Gitarren den Song für ein melodisches Solo. Die Leadarbeit bleibt kompakt und fügt sich organisch in das Stück ein. Keine fünfminütige Griffbrettvorlesung stört den Bewegungsfluss. Hier wird kurz die Klinge gezeigt und anschließend weitergefahren.

Der Refrain könnte noch etwas markanter sein. Im direkten Vergleich zu »Let You Down« oder »Rock’n’Roll Never Dies« bleibt weniger hängen. Dafür besitzt »Shot At Dawn« eine dunklere Schwere, die dem Album zusätzliche Abwechslung gibt.

LAUTSTÄRKE IST KEIN VORSCHLAG

»You Need It Loud« beginnt zunächst im Midtempo und lässt kurz vermuten, dass sich die Band eine kleine Verschnaufpause gönnen könnte. Natürlich ist diese Hoffnung ungefähr so realistisch wie ein sparsamer Verbrauch bei dauerhaft durchgetretenem Gaspedal.

Nach dem getragenen Beginn zieht das Tempo an. Die Gitarren schieben einen einfachen, aber wirkungsvollen Rhythmus vor sich her, während Guz die titelgebende Forderung mit rauer Überzeugung vorträgt. Dieser Song soll nicht leise im Hintergrund laufen, während jemand Steuerunterlagen sortiert. Dafür wurde er nicht gebaut.

Die Nummer besitzt einen deutlichen Punk-Einschlag. Der Refrain ist kurz, direkt und auf gemeinsames Brüllen ausgelegt. Inhaltlich wird nichts verkompliziert: Musik muss laut sein, der Rock ’n’ Roll muss leben und vermutlich sollte irgendwo gerade ein Getränk verschüttet werden.

Mit weniger als drei Minuten bleibt »You Need It Loud« erfreulich knapp. Die Band wiederholt ihre zentrale Aussage genau oft genug, bevor sie zur nächsten Attacke übergeht.

ELEKTROSCHOCK MIT DREI AKKORDEN

»Electric Shock« ist die kürzeste vollwertige Nummer des Albums und gleichzeitig einer seiner stärksten Ausbrüche. Das Stück ist punkig, schnell und rotzig. Die Gitarren sägen, das Schlagzeug prescht nach vorne und Eddie Guz klingt, als hätte er den titelgebenden Stromschlag bereits während der Aufnahme erhalten.

Die Strophen verzichten auf jedes überflüssige Beiwerk. Ein treibendes Riff, ein paar kurze Übergänge und ein Refrain reichen vollständig aus. Die Nummer besitzt jene „Ist mir doch egal“-Attitüde, die man nicht glaubwürdig nachspielen kann. Entweder eine Band hat sie oder sie wirkt wie eine Gruppe Büroangestellter beim verpflichtenden Team-Building in Lederjacken.

Hier stimmt jedoch alles. The Carburetors klingen wild, ohne auseinanderzufallen, und präzise, ohne steril zu wirken. Die Produktion hält die Instrumente zusammen, lässt aber genügend Dreck auf den Gitarren und in der Stimme.

»Electric Shock« beweist außerdem, dass die Band ihre Stärken besonders gut in kurzen Formaten ausspielen kann. Der Song ist vorbei, bevor die zentrale Idee auch nur ansatzweise Verschleißerscheinungen zeigt.

DIE KLINGEN WERDEN GESCHÄRFT

Mit »Sharpen The Blades« kehrt das Album zu einer etwas schwereren Heavy-Metal-Ausrichtung zurück. Das Hauptriff besitzt mehr Gewicht, während der Refrain erneut auf gemeinsames Mitsingen setzt. Der Song verbindet die rohe Energie des Rock ’n’ Roll mit einer martialischeren Bildsprache.

Die Gitarrenarbeit gehört hier zu den besten Momenten der Platte. Marchand und Obuskovic verzahnen Rhythmus- und Leadspiel, ohne dass eine der beiden Spuren die andere überdeckt. Kleine harmonische Bewegungen geben dem Riff zusätzliche Tiefe.

Auch King ’O’ Men ist deutlicher wahrnehmbar. Sein Bass folgt nicht ausschließlich den Gitarren, sondern verstärkt den Groove mit kleinen rhythmischen Bewegungen. Gerade in den Übergängen sorgt das Instrument dafür, dass die Nummer nicht zu einer reinen Gitarrenwand wird.

Mit knapp über vier Minuten gehört der Song zu den längeren Titeln. Die zusätzliche Spielzeit wird sinnvoll genutzt, um das zentrale Motiv auszubauen und ein kräftiges Solo unterzubringen. Ein kleiner Straffungsschnitt hätte zwar nicht geschadet, doch echte Langeweile entsteht nicht.

WER WILL BOOGIE?

Der Abschluss »Who Likes To Boogie?« wirft sämtliche verbliebenen Zweifel über Bord. Nach Heavy Metal, Punk und Motörhead-Geballer kommt noch einmal der ursprüngliche Rock ’n’ Roll zum Vorschein. Das Stück verbindet Elvis Presley, Chuck Berry und harten skandinavischen Rock zu einem schwitzenden Finale.

Eddie Guz zeigt hier besonders deutlich, wie stark seine Stimme vom Rockabilly und frühen Rock ’n’ Roll geprägt ist. Er zieht einzelne Silben, setzt kleine rhythmische Akzente und trägt den Refrain mit hörbarem Vergnügen.

Die Gitarren liefern dazu einen federnden Boogie-Rhythmus, während Bass und Schlagzeug das Stück mit kräftigem Groove zusammenhalten. Trotz des lockeren Grundgefühls bleibt der Klang druckvoll. Das ist kein nostalgischer Tanztee mit Haartolle und Petticoat, sondern Elvis auf Steroiden, der vermutlich gerade sein Motorrad falsch geparkt hat.

Als Abschluss funktioniert die Nummer ausgezeichnet. Das Album endet nicht mit einem großen Drama, sondern mit einem breiten Grinsen. Nach etwas mehr als einer halben Stunde ist die Nachtfahrt vorbei – zumindest bis jemand erneut auf Start drückt.

EDDIE GUZ UND DIE ROSTIGE KEHLE

Der größte Wiedererkennungswert von The Carburetors liegt in der Stimme von Eddie Guz. Sein Gesang ist rau, kantig und besitzt gleichzeitig genügend melodische Kontrolle, um die Refrains sicher zu tragen.

Guz klingt niemals künstlich aggressiv. Seine Stimme wirkt vielmehr wie das natürliche Ergebnis aus jahrzehntelangem Rock ’n’ Roll, lauten Bühnen und wahrscheinlich einer gewissen Abneigung gegen Kräutertee. Gerade diese Glaubwürdigkeit gibt selbst den klischeehaftesten Textzeilen genügend Gewicht.

In den schnelleren Nummern setzt er auf kurze, rhythmische Phrasen. Bei »Let You Down« und »Rock’n’Roll Never Dies« zeigt er dagegen mehr melodische Bandbreite. Diese Wechsel verhindern, dass das Album vollständig in gleichförmigem Gebrüll versinkt.

Einige Refrains ähneln sich in ihrer Phrasierung. Da beinahe alle Titel auf direkte Mitsingbarkeit ausgelegt sind, wiederholen sich bestimmte Betonungen und melodische Bewegungen. Guz besitzt jedoch genügend Charakter, um auch vertraute Muster lebendig zu halten.

FÜNF MUSIKER IM GLEICHEN GANG

Instrumental lebt das Album vom engen Zusammenspiel. Chris Marchand und Phillie Obuskovic verstehen sich als Gitarrenduo, ohne in ein ständiges Duell zu geraten. Die Riffs stehen im Mittelpunkt, während Soli und Leads gezielt eingesetzt werden.

King ’O’ Men liefert einen stabilen und druckvollen Bass. Das Instrument könnte im Mix gelegentlich noch deutlicher hervortreten, ist aber jederzeit als körperliches Fundament spürbar. Gemeinsam mit Chris Nitro entsteht eine Rhythmussektion, die sowohl schnelle Punk-Attacken als auch groovende Hard-Rock-Passagen sicher trägt.

Nitro spielt geradlinig, kraftvoll und songdienlich. Seine Beats wirken niemals komplizierter als notwendig. Das mag technisch weniger spektakulär sein, passt aber perfekt zur Musik. Niemand erwartet bei einem Hochgeschwindigkeitsrennen, dass der Fahrer zwischendurch aussteigt und einen komplizierten Stepptanz aufführt.

Die Band klingt geschlossen und eingespielt. Nach mehr als zwei Jahrzehnten gemeinsamer Geschichte wissen die Musiker genau, wann ein Riff zusätzliche Luft benötigt und wann der nächste Gang eingelegt werden muss.

ROCK ’N’ ROLL MIT FRISCHER LACKSCHICHT

Die Produktion verbindet moderne Klarheit mit ausreichend Dreck. Gitarren, Bass und Schlagzeug lassen sich gut voneinander unterscheiden, ohne dass die Aufnahme steril oder übermäßig poliert wirkt.

Besonders das Schlagzeug besitzt einen kräftigen, natürlichen Druck. Die Snare schlägt deutlich durch den Mix, während die Bassdrum genügend Substanz besitzt, ohne wie eine künstliche Klickspur zu klingen. Die Gitarren bleiben rau und behalten ihre schmutzige Oberfläche.

Eddie Guz steht präsent im Zentrum, wird aber nicht unangemessen weit über die Instrumente geschoben. Die Hintergrundstimmen sind breit genug, um den Refrains zusätzliche Größe zu geben, wirken jedoch weiterhin wie echte Musiker und nicht wie ein digital vervielfachter Männerchor.

Etwas mehr räumliche Tiefe hätte einzelnen Songs gutgetan. Gerade »Shot At Dawn« und »Sharpen The Blades« könnten noch schwerer wirken, wenn Gitarren und Schlagzeug etwas breiter angelegt wären. Insgesamt trifft die Produktion den Charakter der Band jedoch sehr gut.

KLISCHEES MIT HOHER OKTANZAHL

Textlich bewegen sich The Carburetors auf ausgesprochen bekanntem Gelände. Rock ’n’ Roll, Lautstärke, Nachtfahrten, Feuer, Klingen und elektrische Schläge bilden ungefähr das vollständige Inventar eines gut sortierten Hard-Rock-Kellers.

Wer tiefgründige Gesellschaftskritik, überraschende Erzählperspektiven oder poetische Mehrdeutigkeit erwartet, dürfte hier wenig Material für den nächsten Literaturzirkel finden. Die Texte erfüllen eine andere Funktion: Sie sollen schnell verständlich sein und sich nach einem Durchlauf mitsingen lassen.

Das funktioniert. Die Band trägt ihre Klischees nicht verschämt, sondern mit voller Überzeugung. Gerade deshalb wirken Songs wie »I Wanna Rock’n’Roll« oder »You Need It Loud« nicht peinlich. The Carburetors versuchen nicht, etwas anderes zu sein.

Die Kehrseite dieser Konsequenz ist eine gewisse Vorhersehbarkeit. Nach den ersten drei Songs ist klar, welche Themen und musikalischen Werkzeuge den Rest des Albums bestimmen werden. Größere Überraschungen bleiben aus.

FAZIT:

»We Ride At Night« ist ein geradliniges, druckvolles und hervorragend gelauntes Hard-Rock-Album. The Carburetors verbinden Heavy Metal, Punk und klassischen Rock ’n’ Roll zu einer kompakten Vollgasfahrt.

Besonders »Down In Flames«, »Let You Down«, »Electric Shock« und »Who Likes To Boogie?« überzeugen mit starken Riffs und unmittelbarer Energie. Die bekannten Texte und ähnlichen Strukturen begrenzen den Überraschungseffekt, doch wer Rock ’n’ Roll laut, dreckig und ohne unnötige Umwege bevorzugt, sollte nachts unbedingt mitfahren.

Official Video: I Wanna Rock’n’Roll

Internet

The Carburetors - We Ride At Night - CD Review

LUTHER veröffentlichen Single und Video

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luther - bandphoto
Photo Credit: Oyèmi Hessou

LUTHER UNTERZEICHNEN BEI LONG BRANCH RECORDS UND VERÖFFENTLICHEN SINGLE „GIVING THE PEOPLE WHAT THEY WANT“

LUTHER - Giving The People What They Want (Official Music Video)

Nach ihrem jüngsten Auftritt beim Rock For People Festival (CZ) und den Shows als Support für Escuela Grind, Silly Goose, Urne und Predatory Void hat die Alternative Metal Band LUTHER bei Long Branch Records unterschrieben. Heute veröffentlichen die Berliner mit „Giving The People What They Want“ ihre Label-Debütsingle.

Seht hier das Video zu „Giving The People What They Want“:

LUTHERs Sound definiert sich durch einen düsteren Alternative Metal-Ansatz, der immer wieder mit Prog Metal-, Nu Metal- und Hardcore-Einflüssen spielt. Im Zentrum des teils wütenden und chaotischen Mixes, der wahlweise an KORN, POPPY, KIM DRACULA oder KNOCKED LOOSE erinnert, befindet sich die Stimme von Sängerin Leo Luther.

 

In ihren Songs setzen sich LUTHER mit Themen wie Isolation, Verrat, Wut und Eskapismus auseinander. So auch in „Giving The People What They Want“: ein Track, der die musikalische Vision der Band sehr gut einfängt und sich im Nu Metal, Prog Metal bedient und spätestens bei den Deathcore-artigen Breakdowns auch Fans der (sehr) harten Gangart abholt.

Die Zeile „I’ll give the people what they want!“ steht dabei im Mittelpunkt und fasst die Gedanken von Leo Luther zusammen: Wenn dich das Leben mit Ablehnung, Krisen und Ungerechtigkeit konfrontiert, mach den Schmerz zu deiner Bühne: Romantisiere deine Rolle als Entertainer, dramatisiere das Chaos – und du wirst feststellen, dass du genau darin unschlagbar bist.

Produktion, Mix und Mastering der Single lagen in den Händen von Enrico Tiberi, dem aktuellen Sänger von The Ocean Collective.

Quellenangabe: Loud As Hell Agency Credit: Oyèmi Hessou

Heavenwood – The Tarot Of The Bohemians (Part II)

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Band: Heavenwood 🇵🇹
Titel: The Tarot Of The Bohemians – Part II
Label: Mighty Music
VÖ: 12.06.2026
Format: Vinyl / CD / Digital
Genre: Gothic Metal / Dark Metal / Melodic Death-Doom

Tracklist

01. Death
02. Temperance
03. The Devil
04. The Lightning-Struck Tower
05. The Stars
06. The Moon
07. The Sun
08. The Judgement
09. The Fool
10. The World

Besetzung

Ricardo Dias dos Santos – Gitarren, Gesang, Bass
Eduardo Sinatra – Schlagzeug

Produktion:
Aufgenommen im Lucky Cat Studio, Portugal
Mixing und Mastering: Niko HK Krauss, Vamacara Studios, Frankreich
Artwork: Naya Kotko

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Gothic Metal war Langezeit ein für tot erklärtes Genre, dass es zumindest untot ist und trotzdem Leben versprüht zeigt »The Tarot Of The Bohemians – Part II« von den aus Portgual stammenden Heavenwood. Zehn Jahre nach dem ersten Teil vollendet Bandgründer Ricardo Dias dos Santos den von den hermetischen Schriften des französischen Okkultisten Gérard Encausse, besser bekannt als Papus, inspirierten Tarotzyklus. Gemeinsam mit Session-Schlagzeuger Eduardo Sinatra verbindet er schwere Death-Doom-Riffs, tiefe Growls, melancholischen Klargesang und jenen dunkelromantischen Gothic Metal, mit dem sich Heavenwood bereits in den Neunzigerjahren einen Namen machten. Das Ergebnis ist weder eine nostalgische Wiederbelebungsübung noch eine makellos geschlossene Stilreise, sondern ein ambitioniertes, persönliches und atmosphärisch aufgeladenes Werk über Zerstörung, Verwandlung und spirituelle Wiedergeburt.

Albumstream:

ZEHN JAHRE BIS ZUR ZWEITEN LEGUNG

Als Heavenwood 2016 den ersten Teil von »The Tarot Of The Bohemians« veröffentlichten, blieb die Reise durch die 22 großen Arkana unvollendet. Der Nachfolger setzt bei den noch ausstehenden Karten an und bringt das Konzept nach einer ungewöhnlich langen Unterbrechung zu Ende. Dass zwischen beiden Teilen ein Jahrzehnt liegt, ist dabei nicht ausschließlich künstlerischer Langsamkeit geschuldet.

Nach einem beinahe tödlichen Unfall im Jahr 2022 und tiefgreifenden personellen Veränderungen entschied sich Ricardo Dias dos Santos, das Vermächtnis von Heavenwood weitgehend allein fortzuführen. Dadurch besitzt das Album eine autobiografische Ebene, die über die bloße Vertonung esoterischer Symbole hinausgeht. Tod, Einsturz, Versuchung und Gericht erscheinen nicht wie abstrakte Begriffe aus einem alten Tarotbuch, sondern wie Stationen einer persönlichen Krisenbewältigung.

Diese Verbindung aus Mythologie und gelebter Erfahrung verleiht der Platte Gewicht. Der Tarot dient nicht als dekoratives Kartenmotiv, das lediglich für ein düsteres Cover und einige geheimnisvolle Songtitel herhalten muss. Jede Karte steht für einen Übergang, eine Prüfung oder eine psychologische Bewegung. Entsprechend wirkt das Album wie ein langsamer Gang durch verschiedene Räume desselben inneren Gebäudes.

Dabei bleibt die musikalische Architektur nicht durchgehend einheitlich. Die erste Hälfte arbeitet häufiger mit schweren Death-Doom-Riffs, harschen Stimmen und dissonanten Spannungen. Später treten tiefer Klargesang, melodische Refrains, akustische Gitarren und stärkerer Gothic-Rock-Einfluss in den Vordergrund. Genau diese Zweiteilung sorgt für Abwechslung, erzeugt aber auch die deutlichsten Reibungsflächen.

DER TOD ÖFFNET DIE TÜR

»Death« beginnt langsam, schwer und beinahe widerwillig. Die Gitarren schleppen sich durch einen zähen Untergrund, während die harschen Stimmen wie aus einem zugeschütteten Schacht nach oben dringen. Harmonische Gitarrenlinien und melancholische Melodien verhindern jedoch, dass der Song vollständig in stumpfer Schwere versinkt.

Die Karte des Todes steht im Tarot nicht ausschließlich für das Ende, sondern ebenso für Transformation und Wiedergeburt. Diese Deutung greift die Musik unmittelbar auf. Das Stück zerstört zunächst jede Aussicht auf Leichtigkeit, lässt zwischen den massiven Akkorden aber immer wieder melodische Lichtspalten entstehen. Der Tod wird nicht als endgültiger Stillstand dargestellt, sondern als schmerzhafter Übergang von einem Zustand in einen anderen.

Besonders wirkungsvoll ist der Gegensatz zwischen den tiefen Growls und den kontrollierter eingesetzten klaren Stimmen. Dias dos Santos klingt in den harschen Passagen bedrohlich und körperlich präsent. Sein Klargesang besitzt dagegen eine zurückgenommene, fast entrückte Farbe. Beide Ausdrucksformen stehen nicht bloß nebeneinander, sondern verkörpern Zerstörung und Erneuerung.

Der Einstieg verlangt Geduld. Das Hauptriff ist bewusst einfach gehalten, das Tempo bleibt schwerfällig und die Komposition offenbart ihre Details erst allmählich. Wer einen sofort zündenden Gothic-Metal-Refrain erwartet, wird zunächst in einen Sumpf aus Doom und Melodic Death Metal gezogen. Als programmatische Eröffnung erfüllt »Death« seine Aufgabe dennoch überzeugend.

MASSHALTEN IM SCHATTEN

»Temperance« führt die Reise weniger brutal, aber nicht weniger ernst fort. Die Mäßigkeit steht für Ausgleich, Geduld und die Verbindung scheinbarer Gegensätze. Genau dieses Spannungsfeld prägt auch den Song. Schwere Gitarren treffen auf melodischere Passagen, während der Gesang zwischen dunkler Autorität und kontrollierter Nachdenklichkeit wechselt.

Die Nummer bewegt sich flüssiger als der Opener. Das Schlagzeug erhält mehr Raum, und Eduardo Sinatra hält die langen Spannungsbögen mit einem kraftvollen, aber nicht überladenen Spiel zusammen. Statt jedes Riff mit hektischen Fills zu kommentieren, gibt er den Gitarren das notwendige Fundament und sorgt dafür, dass die zahlreichen Tempoverschiebungen organisch wirken.

Im Refrain öffnet sich die Musik deutlich. Die Gitarren verlieren etwas von ihrer erdrückenden Schwere, ohne in freundliche Leichtigkeit umzuschlagen. Diese kontrollierte Balance entspricht dem Titel, wirkt allerdings stellenweise fast zu diszipliniert. Der Song baut Atmosphäre auf, setzt aber nur wenige wirklich scharfe Akzente.

Gerade im direkten Vergleich mit späteren Stücken fehlt »Temperance« ein unverwechselbarer melodischer Haken. Die Komposition ist sorgfältig ausgearbeitet und erfüllt ihre Funktion innerhalb des Konzepts, bleibt nach dem ersten Durchlauf jedoch weniger deutlich im Gedächtnis als »The Stars« oder »The Moon«.

DER TEUFEL TANZT NICHT ALLEIN

Mit »The Devil« zieht das Tempo an. Die Rhythmusarbeit wird beweglicher, die Gitarren attackieren direkter und harmonische Doppel-Leads schneiden durch die schwere Grundierung. Nach dem langsamen Beginn erhält das Album damit den notwendigen Schub.

Der Teufel verkörpert Bindung, Versuchung, Abhängigkeit und die freiwillige Unterwerfung unter die eigenen dunklen Triebe. Heavenwood übersetzen diese Motive nicht in vordergründige Schockeffekte, sondern in einen Song, der sich ständig zwischen Vorwärtsdrang und bedrückender Wiederholung bewegt. Das Riff scheint den Hörer anzutreiben und gleichzeitig an derselben Stelle festzuhalten.

Dias dos Santos wechselt erneut zwischen Growls und tieferem Klargesang. Die harschen Stimmen funktionieren in dieser schnelleren Umgebung besonders gut, weil sie nicht gegen ein schleppendes Tempo ankämpfen müssen. Die klaren Passagen bringen dagegen eine dunkle Eleganz ein, die an die melodischeren Seiten von Paradise Lost und Moonspell erinnert.

Mit fast sieben Minuten ist »The Devil« der längste Titel des Albums. Diese Laufzeit wird nicht vollständig mit neuen Ideen gefüllt. Einzelne Riffblöcke kehren häufiger zurück, als es für ihre Wirkung notwendig wäre, und der Mittelteil könnte straffer ausfallen. Die zweistimmigen Gitarren und das kraftvolle Schlagzeug bewahren die Nummer jedoch davor, vollständig auf der Stelle zu treten.

DER TURM FÄLLT MIT VOLLEM GEWICHT

»The Lightning-Struck Tower« gehört zu den überzeugendsten schweren Stücken der Platte. Ein massiver Bassunterbau und kompakte Gitarren geben der Komposition eine physische Wucht, die im bisherigen Verlauf nicht immer vorhanden war. Die Musik klingt, als würden Steinblöcke aus großer Höhe aufeinanderprallen.

Die entsprechende Tarotkarte zeigt einen vom Blitz getroffenen Turm, aus dessen zusammenbrechenden Mauern Menschen in die Tiefe stürzen. Sie steht für plötzliche Zerstörung, Kontrollverlust und den Zusammenbruch vermeintlich sicherer Strukturen. Dias dos Santos verbindet diese Symbolik mit dem Zerbrechen eigener materieller und innerer Konstruktionen.

Musikalisch lebt der Song von seinen Gegensätzen. Die Strophen drücken mit doomiger Beharrlichkeit nach unten, während die melodischen Übergänge kurzzeitig einen weiteren Horizont öffnen. Der Klargesang bleibt tief und ernst, fügt sich aber besser in die Schwere ein als bei einigen der stärker auf Gothic Rock ausgerichteten Nummern.

Die Produktion von Niko HK Krauss zeigt hier ihre größte Stärke. Gitarren und Bass besitzen Gewicht, ohne zu einem undurchsichtigen Frequenzblock zu verschmelzen. Das Schlagzeug schlägt deutlich durch den Mix, und dennoch bleibt genügend Raum für atmosphärische Spuren. Der Turm fällt nicht in matschigem Lärm zusammen, sondern Stein für Stein.

STERNE ÜBER DER RUINE

Nach der Zerstörung folgt mit »The Stars« eine deutliche Öffnung. Das Tempo pendelt sich im mittleren Bereich ein, die Growls treten zurück und der klare Gesang übernimmt die Führung. Gleichzeitig entwickeln die Gitarren einen fließenderen, beinahe schwebenden Charakter.

Der Song gehört zu den melodischsten und eingängigsten Momenten des Albums. Sein Refrain besitzt einen klaren Wiedererkennungswert, ohne die düstere Grundstimmung vollständig aufzugeben. Unter der melodischen Oberfläche bleibt ein melancholischer Schatten erhalten, der verhindert, dass die Nummer in gewöhnlichen Gothic Rock abrutscht.

Dias dos Santos klingt hier weniger wie ein bedrohlicher Erzähler und stärker wie eine Figur, die aus einer langen inneren Nacht nach Orientierung sucht. Die Stimme ist introspektiv, aber nicht kraftlos. Gerade weil sie nicht auf übertriebene Dramatik setzt, trägt sie die spirituelle Symbolik des Stücks glaubwürdig.

Innerhalb des Albumkonzepts steht der Stern für Hoffnung, Erneuerung und eine neue Ausrichtung nach dem Zusammenbruch des Turms. Diese Funktion erfüllt die Musik überzeugend. Nach den schweren ersten vier Titeln entsteht erstmals das Gefühl, dass am Ende des Weges tatsächlich etwas anderes als Dunkelheit warten könnte.

Allerdings markiert »The Stars« zugleich den Punkt, an dem sich die stilistische Gewichtung deutlich verändert. Wer vor allem den Death-Doom der ersten Hälfte schätzt, könnte den weicheren, stärker auf Gothic Rock ausgerichteten Ansatz als Verlust von Intensität empfinden. Als einzelner Song überzeugt die Nummer dennoch mit Atmosphäre, Groove und einem der besten Refrains der Platte.

DIE DUNKLE SEITE DES MONDES

»The Moon« führt die melodische Entwicklung fort, wirkt aber geheimnisvoller und emotional tiefer als sein Vorgänger. Weite Gitarrenflächen, kontrollierte Dynamik und ein zwischen Nähe und Distanz schwankender Gesang erzeugen jene dunkle Romantik, die den klassischen Gothic Metal einst von bloß dekorativem Düsterrock unterschied.

Die achtzehnte Tarotkarte steht für Täuschung, Unterbewusstsein, Ängste und die unsichere Grenze zwischen Wirklichkeit und Projektion. Dias dos Santos deutet sie zusätzlich als Symbol für die Dualität der Liebe und die metaphorische Beziehung zwischen Sonne und Mond. Entsprechend bewegt sich der Song zwischen Anziehung und unerreichbarer Ferne.

Die Gitarrenarbeit bleibt melodisch, besitzt aber genügend Schwere, um nicht vollständig in Gothic Rock aufzugehen. Kurze Verdichtungen geben der Nummer Druck, bevor sich die Musik erneut in breiteren Flächen öffnet. Diese Dynamik macht »The Moon« zu einem der geschlossensten Titel des Albums.

Besonders stark ist die melancholische Grundmelodie. Sie drängt sich nicht sofort in den Vordergrund, bleibt nach mehreren Durchläufen jedoch hartnäckig im Gedächtnis. Statt auf einen übergroßen Refrain setzt der Song auf eine Atmosphäre, die sich langsam verdichtet und den Hörer wie Mondlicht durch ein verschlossenes Fenster erreicht.

DIE SONNE BRICHT DURCH DEN GOTHIC-NEBEL

Mit »The Sun« erreicht die melodische Seite des Albums ihren hellsten Punkt. Klargesang, eingängige Harmonien und ein offen gebauter Refrain bestimmen die über sechs Minuten lange Komposition. Die harschen Stimmen und dissonanten Elemente des Beginns scheinen weit entfernt.

Der Titel steht für Klarheit, Lebensenergie und Erkenntnis. Musikalisch wird diese Symbolik ausgesprochen direkt umgesetzt. Die Gitarren klingen weniger bedrohlich, das Schlagzeug erhält einen flüssigeren Puls und der Refrain strebt deutlich nach oben. Gerade im Kontext der vorherigen Karten ist dieser Lichtwechsel nachvollziehbar.

Problematisch ist weniger die Qualität des Songs als seine Einbindung in das Gesamtbild. Zwischen dem schweren Death-Doom von »Death« und dem vergleichsweise zugänglichen Gothic Rock von »The Sun« liegt eine erhebliche stilistische Entfernung. Diese Spannweite kann als konsequente Abbildung der Tarotentwicklung verstanden werden, lässt das Album aber gelegentlich wie zwei miteinander verbundene EPs wirken.

Der Klargesang besitzt eine polierte, zurückhaltende Farbe. Das passt zur melodischen Ausrichtung, erreicht jedoch nicht immer die Ausdruckskraft der Growls. Wo Dias dos Santos mit harscher Stimme körperliche Wucht und glaubwürdige Bedrohung erzeugt, wirkt sein klarer Vortrag mitunter etwas dünner.

Trotzdem funktioniert »The Sun« durch seinen starken Refrain und die sorgsame Steigerung. Der Song ist nicht der dunkelste Moment der Platte, aber einer ihrer zugänglichsten. Er zeigt, dass Gothic Metal nicht ausschließlich aus Kerzenlicht, Friedhofsnebel und dauerhaftem Moll bestehen muss.

DAS GERICHT FÄLLT HART UND KURZ AUS

»The Judgement« benötigt lediglich dreieinhalb Minuten und ist damit der kürzeste vollständige Song des Albums. Nach den ausgedehnten Kompositionen der vorherigen Stücke wirkt diese Konzentration erfrischend. Die Growls kehren zurück, während melodische Gitarren verhindern, dass der Song zu einem reinen Härteausbruch wird.

Genau diese Verbindung gehört zu den größten Stärken von Heavenwood. Die Band muss sich nicht zwischen Melodic Death Metal und Gothic Metal entscheiden, solange beide Seiten innerhalb desselben Songs miteinander kommunizieren. Bei »The Judgement« gelingt dieser Austausch besser als an einigen anderen Stellen.

Die harschen Stimmen setzen scharfe Akzente, die Gitarren antworten mit melodischen Linien und das Schlagzeug treibt die Komposition ohne unnötige Ausschmückungen voran. Es gibt keinen überlangen Aufbau und keinen Mittelteil, der ausschließlich zur Verlängerung der Laufzeit dient. Das Gericht fällt sein Urteil zügig.

Gerade deshalb hinterlässt der Song trotz seiner Kürze einen deutlichen Eindruck. Er bündelt die wichtigsten Elemente des Albums und zeigt, wie wirkungsvoll die Platte sein kann, wenn Schwere, Melodie und Konzept nicht nacheinander, sondern gleichzeitig auftreten.

DER NARR GEHT EINEN ANDEREN WEG

Akustische Gitarren eröffnen »The Fool« und verändern die Klangfarbe erneut. Die Nummer besitzt mehr Leichtigkeit, bleibt unter ihrer zugänglichen Oberfläche aber melancholisch. Der Narr steht für Aufbruch, Unschuld, Risiko und den ersten Schritt in eine unbekannte Richtung.

Die melodische Gestaltung erinnert stellenweise an den romantischen Gothic Rock der späten Neunziger- und frühen Zweitausenderjahre. Besonders der tiefe Klargesang und die weichen Gitarrenlinien wecken Assoziationen an HIM, ohne dass Heavenwood vollständig in dessen bittersüße Love-Metal-Ästhetik wechseln.

Das akustische Element bringt dringend benötigte klangliche Abwechslung. Nach zahlreichen schweren Riffs und breit aufgezogenen Gitarrenwänden entsteht ein intimerer Raum. Dias dos Santos kann seine Stimme zurücknehmen und muss nicht ständig gegen die massive Produktion ansingen.

Auch hier bleibt die Frage, ob die poppigere Gothic-Seite ausreichend mit den härteren Teilen des Albums verbunden ist. Als Einzelstück funktioniert »The Fool« hervorragend. Innerhalb der Dramaturgie wirkt der Song wie ein bewusster Neubeginn kurz vor dem Abschluss des Zyklus.

DIE WELT SCHLIESST DEN KREIS

»The World« beendet nicht nur das Album, sondern den gesamten, über zwei Veröffentlichungen verteilten Zyklus der 22 großen Arkana. Statt ein gewaltiges orchestrales Finale zu erzwingen, wählen Heavenwood einen vergleichsweise melodischen und kontrollierten Abschluss.

Die Gitarren behalten ihre melancholische Wärme, der Klargesang steht deutlich im Vordergrund und die Komposition wirkt versöhnlicher als der Beginn des Albums. Die Welt steht für Vollendung, Ganzheit und das Ende einer Reise. Entsprechend werden die zuvor aufgebauten Spannungen nicht mit einem weiteren Zusammenbruch, sondern mit ruhigerer Bestimmtheit aufgelöst.

Diese Zurückhaltung ist sinnvoll. Ein überladenes Finale mit endlosen Chören, zusätzlichen Orchesterspuren und künstlich aufgeblähter Laufzeit hätte dem persönlichen Charakter des Albums geschadet. »The World« schließt die Tür leise, aber nicht bedeutungslos.

Gleichzeitig bleibt ein Teil der zuvor aufgebauten Härte auf der Strecke. Hörer, die sich ein letztes Zusammenführen von Growls, schweren Riffs und den melodischen Gothic-Elementen erhoffen, erhalten einen eher einseitig melodischen Abschluss. Der Kreis schließt sich konzeptionell sauberer als musikalisch.

ZWISCHEN DEATH-DOOM UND GOTHIC ROCK

Die größte Stärke und zugleich die auffälligste Schwäche von »The Tarot Of The Bohemians – Part II« liegt in seiner stilistischen Spannweite. Die ersten Stücke bewegen sich häufig in einem schweren Feld zwischen Melodic Death Metal, Doom und Dark Metal. Später gewinnen Gothic Rock, klare Stimmen und eingängigere Refrains deutlich an Bedeutung.

Diese Entwicklung lässt sich mit dem Tarotkonzept erklären. Die Reise führt von Tod, Versuchung und Einsturz zu Hoffnung, Licht, Neubeginn und Vollendung. Eine musikalische Aufhellung ist daher konsequent. Dennoch wirken die beiden Hälften nicht immer wie Teile desselben Organismus.

Besonders der Wechsel von »The Lightning-Struck Tower« zu »The Stars« macht den Bruch hörbar. Die massive, körperliche Schwere wird gegen einen fließenderen Gothic-Groove eingetauscht. Wer beide Seiten der Band schätzt, erhält ein abwechslungsreiches Album. Wer ausschließlich den Death-Doom oder den klassischen Gothic Metal sucht, dürfte jeweils nur einen Teil vollständig überzeugend finden.

Die Produktion hält diese unterschiedlichen Richtungen zumindest klanglich zusammen. Niko HK Krauss gibt den Gitarren genügend Biss, lässt den Bass präsent und schafft gleichzeitig Raum für die atmosphärischen Schichten. Das Album klingt groß und cineastisch, ohne jede natürliche Kante zu beseitigen.

Gelegentlich hätte die Platte noch dunkler ausfallen dürfen. Manche Refrains lassen mehr Licht herein, als es die bedrohlichen Titel und das symbolträchtige Artwork erwarten lassen. Andererseits verhindert genau diese Helligkeit, dass sich das Album 51 Minuten lang in derselben schwermütigen Farbe bewegt.

EIN MANN TRÄGT DAS VERMÄCHTNIS

Dass Ricardo Dias dos Santos Gitarren, Bass und Gesang weitgehend allein übernimmt, verleiht dem Album eine klare persönliche Handschrift. Die Kompositionen folgen nicht den Kompromissen einer größeren Bandbesetzung, sondern einer zusammenhängenden Vision. Jede Karte wird aus derselben Perspektive betrachtet.

Die Gitarrenarbeit ist dabei stärker als bloße Riffbegleitung. Harmonische Doppel-Leads, doomige Akkordblöcke, melodische Gegenstimmen und akustische Passagen sorgen für unterschiedliche Texturen. Technische Selbstdarstellung spielt keine zentrale Rolle. Die Instrumente dienen konsequent der Atmosphäre und dem Konzept.

Dias dos Santos überzeugt vor allem mit seinen harschen Stimmen. Seine Growls besitzen Tiefe und eine raue Körperlichkeit, die den schweren Stücken Glaubwürdigkeit verleiht. Der Klargesang ist charakteristisch und passt gut zu den melancholischen Passagen, wirkt in einigen der offeneren Refrains jedoch weniger durchsetzungsfähig.

Eduardo Sinatra erfüllt seine Rolle als Session-Schlagzeuger mit bemerkenswerter Präzision. Er gibt den langsamen Nummern Gewicht, hält die schnelleren Passagen beweglich und vermeidet es, das Material mit technischen Kunststücken zu überfrachten. Besonders bei »The Devil«, »The Lightning-Struck Tower« und »The Judgement« wird deutlich, wie wichtig seine Rhythmusarbeit für den Zusammenhalt der Platte ist.

Das Artwork von Naya Kotko ergänzt die Musik mit einer symbolischen Bildsprache, die Dualität, Esoterik und spirituelle Transformation aufgreift. Dadurch wirkt das Album nicht wie eine zufällige Sammlung von Tarotstücken, sondern wie ein geschlossen gestaltetes Werk.

UNTOT MIT PULS

Gothic Metal wurde häufig auf weiblichen Operngesang, Keyboards und romantische Friedhofskulissen reduziert. Heavenwood erinnern daran, dass das Genre ursprünglich wesentlich breiter angelegt war. Doom, Death Metal, Gothic Rock, tiefer Klargesang und melancholische Melodien konnten nebeneinander existieren, ohne in eine starre Schablone gepresst zu werden.

Das Album blickt hörbar auf diese Vergangenheit zurück, klingt aber nicht wie eine vollständig konservierte Aufnahme aus dem Jahr 1996. Die Produktion besitzt zeitgemäßen Druck, die Gitarren sind klar konturiert und die atmosphärischen Schichten wirken nicht wie nachträglich aufgeklebte Dekoration.

Nicht jede Komposition erreicht dieselbe Intensität. »Temperance« bleibt etwas blasser, »The Devil« hätte gestrafft werden können und die starke Trennung zwischen der schweren und der melodischen Albumhälfte verhindert vollständige Geschlossenheit. Demgegenüber stehen mit »Death«, »The Lightning-Struck Tower«, »The Stars«, »The Moon« und »The Judgement« mehrere überzeugende Höhepunkte.

Vor allem ist »The Tarot Of The Bohemians – Part II« ein Werk des Durchhaltevermögens. Zehn Jahre, ein schwerer Unfall und tiefgreifende Veränderungen konnten die Vollendung des Zyklus verzögern, aber nicht verhindern. Diese Geschichte ist in der Musik spürbar und gibt selbst den weniger zwingenden Momenten eine emotionale Bedeutung.

FAZIT:

»The Tarot Of The Bohemians – Part II« ist ein ambitionierter Abschluss des Tarotzyklus, der vor allem durch seine schweren Death-Doom-Passagen, melancholischen Melodien und die cineastische Produktion überzeugt. Nicht jeder Wechsel zwischen brachialer Dunkelheit und zugänglichem Gothic Rock gelingt vollständig, doch die stärksten Stücke beweisen, dass in diesem vermeintlich toten Genre noch reichlich Blut zirkuliert. 4 von 5 Punkten.

Official Video: The Moon

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Heavenwood - The Tarot Of The Bohemians - Part II - CD Review

CYHRA – Requiem For A Pipe Dream

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CYHRA - Requiem For A Pipe Dream - album artwork
CYHRA - Requiem For A Pipe Dream - album artwork

Band: CYHRA 🇸🇪
Titel: Requiem For A Pipe Dream
Label: Reigning Phoenix Music
VÖ: 05.06.2026
Format: CD / Vinyl / Digital
Genre: Modern Metal / Melodic Metal / Hard Rock

Tracklist

01. Bleed With Pride
02. Superman (Re-Recorded)
03. Miss Me When I’m Gone
04. Ghostbound
05. In The Center Of A Miracle
06. Skin From Bones (Re-Recorded)
07. Ghost I’m Meant To Be
08. Mark Of My Sins (Re-Recorded)
09. Venom In Me
10. Box With Spirits
11. Hold Your Fire feat. Samy Elbanna (Bonus Track)

Besetzung und Produktion

Jake E – Gesang, Keyboards, Produktion
Euge Valovirta – Gitarre, Bass, Produktion, Mixing
Jesper Strömblad – Bass, Gitarre
Marcus Sunesson – Gitarre
Alex Landenburg – Schlagzeug

Gast:
Samy Elbanna – Gesang auf „Hold Your Fire“

Mastering:
Jacob Hansen
Maor Appelbaum

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Die schwedische Modern-Metal-Band CYHRA verbindet auf ihrem vierten Studioalbum »Requiem For A Pipe Dream« melodischen Metal, moderne Elektronik, Hard Rock und Spuren des klassischen Göteborg-Sounds. Im Mittelpunkt stehen nicht Fantasiewelten oder abstrakte Heldengeschichten, sondern Selbstzweifel, innere Unruhe, verlorene Zeit und der Versuch, nach einer Phase des Stillstands wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Die Musik setzt diesen Konflikt mit druckvollen Rhythmen, weit geöffneten Refrains, melancholischen Synthesizern und der ausdrucksstarken Stimme von Jake E um.

YouTube Art Playlist: Requiem For A Pipe Dream

ABSCHIED VON EINEM UNERREICHBAREN TRAUM

Der Albumtitel verbindet zwei scheinbar widersprüchliche Begriffe. Ein Requiem steht für Abschied und endgültige Anerkennung eines Verlustes, während ein unerfüllbarer Traum von Hoffnung lebt, obwohl seine Verwirklichung zunehmend unwahrscheinlich erscheint. CYHRA verabschieden sich jedoch nicht von ihrer musikalischen Zukunft. Sie beenden vielmehr die Abhängigkeit von äußeren Umständen, Erwartungen und der Vorstellung, Erfolg müsse immer einem geradlinigen Plan folgen.

Diese Bedeutung ist eng mit der Entwicklung der Band verbunden. Nach dem Aufbau der ersten Alben verlor das Projekt während der Pandemie einen erheblichen Teil seines Schwungs. Tourneen, gemeinsame Arbeit und langfristige Planungen wurden unterbrochen. »Requiem For A Pipe Dream« verarbeitet das Gefühl, etwas Bedeutendes langsam aus den Händen gleiten zu sehen, ohne deshalb die eigene Identität aufzugeben.

Musikalisch klingt das Album daher gleichzeitig melancholisch und entschlossen. Die Refrains sind häufig auf Aufbruch ausgerichtet, während die Strophen von Angst, Einsamkeit und beschädigtem Selbstvertrauen handeln. Die Stärke der Platte liegt in diesem Gegensatz: Hoffnung erscheint nicht als angeborener Optimismus, sondern als bewusste Entscheidung nach einer Phase erheblicher Unsicherheit.

NARBEN WERDEN ZUM KOMPASS

»Bleed With Pride« eröffnet das Album mit dessen zentraler Aussage. Vergangene Verletzungen werden nicht länger als Makel behandelt, die verborgen oder beschönigt werden müssen. Sie stehen für überstandene Krisen und für die Fähigkeit, sich nach einem Zusammenbruch neu aufzubauen. Stolz bedeutet hier nicht Überlegenheit, sondern die Anerkennung der eigenen Widerstandskraft.

Jake E singt den Song mit bemerkenswerter Klarheit. Seine Stimme besitzt den melodischen Umfang, den man von ihm erwartet, wirkt aber weniger makellos inszeniert als auf einigen früheren Veröffentlichungen. Kleine Rauheiten und ein stärkerer Druck in den mittleren Lagen geben dem Text Glaubwürdigkeit. Im Refrain öffnet er die Stimme weit, ohne die persönliche Ebene zugunsten einer reinen Arenahymne aufzugeben.

Alex Landenburg sorgt mit einem geradlinigen, kraftvollen Rhythmus für ständige Bewegung. Seine Schlagzeugarbeit ist präzise, aber nicht steril. Die Bassdrum unterstützt die Gitarren, während die Becken den Übergang zum Refrain deutlich vergrößern. Euge Valovirta, Jesper Strömblad und Marcus Sunesson verbinden schwere Akkorde mit melodischen Figuren, die an Göteborg erinnern, ohne den Song in klassischen Melodic Death Metal zu verwandeln.

»Superman« führt diese Idee in zugänglicherer Form weiter. Der Song handelt von der Fähigkeit, auch unter erheblichem Druck aufzustehen und in sich selbst eine Kraft zu entdecken, die zuvor kaum wahrgenommen wurde. Der Heldentitel ist dabei nicht wörtlich gemeint. Gemeint ist kein unverwundbarer Mensch, sondern jemand, der trotz eigener Grenzen handelt.

Der Refrain ist ausgesprochen eingängig und liegt näher an modernem Hard Rock als an Metal. Das funktioniert wirkungsvoll, wirkt aber auch sehr berechnet. Die Melodie bleibt sofort hängen, während die instrumentale Begleitung bewusst auf Komplexität verzichtet. Gerade dadurch entsteht ein Song mit großer Reichweite, der allerdings zu den glattesten Momenten des Albums gehört.

DER KRIEG IM EIGENEN KOPF

»Miss Me When I’m Gone« gehört zu den inhaltlich schwersten Stücken. Die erzählende Person erlebt jeden Herzschlag und jedes gesprochene Wort als Belastung. Angst, Erschöpfung und das Gefühl des Erstickens führen zu der Frage, ob das eigene Verschwinden überhaupt rechtzeitig wahrgenommen würde. Der Titel besitzt deshalb keine triumphierende Bedeutung. Er ist eine verzweifelte Aufforderung, einen Menschen zu sehen, bevor dessen Kraft vollständig aufgebraucht ist.

Jake E wechselt hier zwischen melodischem Gesang und einer sprechnahen, rhythmisch geführten Strophe. Die elektronische Begleitung tritt deutlich hervor und verleiht dem Song eine moderne, beinahe urbane Stimmung. Dieser Ansatz hebt die Nummer vom restlichen Album ab und unterstreicht die innere Unruhe des Textes.

Landenburg hält sich zunächst zurück und arbeitet mit wenigen, klaren Schlägen. Erst im Refrain vergrößert er das Klangbild. Der Bass bleibt tief und ruhig, während die Gitarren eher atmosphärische Akzente setzen, statt den Song mit zusätzlichen Riffs zu überladen. Dadurch bleibt der Gesang konsequent im Zentrum.

»Ghostbound« setzt die Auseinandersetzung mit Angst und beschädigtem Selbstbild fort. Die Figur ist an Erinnerungen, Schlaflosigkeit und wiederkehrende Selbstzweifel gebunden. Der Geist, der sie verfolgt, entsteht nicht außerhalb ihrer selbst. Er wird durch Flucht, Lügen und verdrängte Verletzungen immer weiter genährt.

Das Spiegelmotiv spielt dabei eine wichtige Rolle. Der Blick auf das eigene Abbild zeigt keine stabile Identität mehr, sondern eine Person, die sich durch jede Krise weiter von sich selbst entfernt hat. Gleichzeitig enthält der Song Widerstand: Die erzählende Figur ist noch nicht bereit, aufzugeben. Sie erkennt den Geist und beginnt damit, dessen Macht überhaupt erst benennen zu können.

Musikalisch ist »Ghostbound« eine der geschlossensten Kompositionen der Platte. Die Gitarren sind deutlich präsent, die Synthesizer unterstützen die Atmosphäre, und Landenburg führt die Band mit einem energischen, aber kontrollierten Rhythmus. Jake E steigert seine Stimme vom angespannten Beginn bis zum großen Refrain, ohne den Song unnötig zu überzeichnen.

LIEBE ALS GEGENKRAFT

»In The Center Of A Miracle« stellt der inneren Dunkelheit einen Menschen gegenüber, der Sicherheit und Orientierung ermöglicht. Die erzählende Person blickt auf eine Phase zurück, in der sie zwar noch funktionierte, innerlich jedoch bereits beschädigt war. Erst durch Vertrauen und Nähe gelingt es ihr, sich aus alten Bindungen und Erinnerungen zu lösen.

Der Song behandelt Liebe als Rückkehr zum Leben. Das Gegenüber wird zum Halt, der nicht sämtliche Probleme beseitigt, aber eine neue Perspektive ermöglicht. Diese Aussage ist deutlich optimistischer als der größte Teil des Albums und markiert einen wichtigen Ruhepunkt.

Musikalisch bewegt sich die Nummer nah an einer klassischen Melodic-Rock-Ballade. Jake E kann hier seine gesamte melodische Stärke ausspielen. Seine langen Gesangslinien sind sauber geführt, und besonders in den höheren Registern zeigt er, weshalb seine Stimme weiterhin das wichtigste Erkennungsmerkmal der Band ist.

Die instrumentale Begleitung bleibt zurückhaltend. Valovirta und Sunesson setzen weit klingende Akkorde, während Strömblads Bass die harmonische Bewegung stabilisiert. Landenburg verzichtet auf übertriebene Dramatik und lässt den Song über seine Melodie wirken. Der Refrain ist stark, bewegt sich allerdings nah an jener Grenze, an der Aufrichtigkeit in vorhersehbaren Pathos übergehen kann.

BEFREIUNG DURCH SCHMERZHAFTE TRENNUNG

»Skin From Bones« behandelt die Loslösung von einer Beziehung oder einem inneren Einfluss, der lange Zeit fälschlicherweise als Teil der eigenen Persönlichkeit verstanden wurde. Die erzählende Person erkennt, dass das vermeintliche Monster nicht im eigenen Kopf entstanden ist. Es wurde durch Lügen, Schuldzuweisungen und psychische Abhängigkeit dort verankert.

Das drastische Bild des Ablösens von Haut und Knochen beschreibt einen Heilungsprozess, der nicht sanft verläuft. Um sich von der Vergangenheit zu befreien, muss die Figur etwas entfernen, das bereits mit ihrem Selbstbild verwachsen ist. Die damit verbundene Angst ist Teil des Prozesses, aber nicht länger dessen bestimmende Kraft.

Musikalisch kombiniert der Song elektronische Impulse, modernes Riffing und einen sehr direkten Refrain. Valovirta übernimmt eine wichtige Rolle, weil Gitarre und Produktion eng miteinander verbunden sind. Die rhythmischen Figuren bleiben kompakt, während elektronische Flächen zusätzliche Unruhe erzeugen.

Jesper Strömblad bringt jene melodische Grundsprache ein, die seinen Stil seit Jahrzehnten prägt. Die Gitarrenmelodien dienen aber nicht als Rückblick auf alte In-Flames-Zeiten, sondern werden in den klaren, modernen Aufbau von CYHRA integriert. Das Ergebnis ist einer der unmittelbarsten Songs des Albums.

DAS SELBST ALS VERBLASSENDER GEIST

»Ghost I’m Meant To Be« greift erneut das Motiv einer beschädigten Identität auf. Die erzählende Person sucht nach Vertrauen und Wahrheit, erreicht jedoch immer wieder einen Punkt, an dem Erinnerungen und innere Konflikte diese Sicherheit auflösen. Der Geist ist hier nicht nur eine Folge vergangener Verletzungen. Er steht für die Befürchtung, dass das eigene Verschwinden möglicherweise bereits unausweichlich geworden ist.

Die entscheidende Frage lautet, ob ein Mensch seiner bisherigen Entwicklung ausgeliefert ist oder ob er die erwartete Rolle noch verlassen kann. Das Stück bleibt bewusst offen. Die Figur erkennt ihren Zustand, verfügt aber noch nicht über eine vollständige Lösung. Das Schweigen eines anderen Menschen verschärft diese Unsicherheit zusätzlich.

Der Song beginnt schwerer als die meisten Stücke der Platte. Die Gitarren erhalten mehr Raum und erzeugen einen deutlichen Gegenpol zu Jake Es sehr melodischer Gesangslinie. Landenburg setzt kräftige Akzente, ohne die Balladenstruktur vollständig zu verlassen. Dadurch entsteht eine wirkungsvolle Mischung aus Schwere und Verletzlichkeit.

»Mark Of My Sins« führt die Selbstbefragung weiter. Der Titel beschreibt Schuld nicht nur als Erinnerung an einzelne Entscheidungen, sondern als sichtbares Zeichen, das die eigene Identität dauerhaft prägt. Anstatt diese Vergangenheit zu verleugnen, versucht die erzählende Figur, Verantwortung zu übernehmen und sich nicht länger ausschließlich durch ihre Fehler definieren zu lassen.

Musikalisch ist das Stück eine sehr genaue Zusammenfassung des aktuellen Bandstils. Schwere Gitarren, elektronische Flächen, ein melodisch weit geöffneter Refrain und Jake Es emotionaler Vortrag greifen eng ineinander. Die neu eingespielte Version klingt homogener im Albumkontext, verliert gegenüber der ursprünglichen Single jedoch einen Teil ihres eigenständigen Charakters.

DAS GIFT EINER ZERSTÖRERISCHEN VERBINDUNG

»Venom In Me« beschreibt eine Beziehung, in der zwei Menschen gegensätzliche Wirklichkeiten erzeugen. Während eine Seite Schutz, Wahrheit und Vergebung sucht, antwortet die andere mit Schuld, Zerstörung und Verweigerung. Das Gift ist die bleibende Wirkung dieses Verhaltens: Es bleibt im Körper und im Denken zurück, selbst nachdem die unmittelbare Situation möglicherweise beendet ist.

Besonders wirkungsvoll ist der Gegensatz zwischen Aufbau und Zerstörung. Die erzählende Person versucht, Zukunft, Vertrauen und emotionale Sicherheit zu schaffen, während das Gegenüber diese Ansätze immer wieder untergräbt. Aus Liebe wird Schuld, aus Erinnerung wird eine dauerhafte innere Verletzung.

Der Song gehört zu den härteren regulären Albumtiteln. Landenburg spielt energisch und gibt dem Refrain zusätzlichen Nachdruck. Strömblads Bass bleibt klar wahrnehmbar und unterstützt die dunklere Harmonik. Die Gitarrnearbeit von Valovirta und Sunesson ist präzise, ohne die Melodie zu verdrängen.

Jake E singt die Strophen kontrolliert, erhöht im Refrain aber deutlich den Druck. Seine Stimme vermittelt keine distanzierte Anklage, sondern einen Konflikt, der noch immer innerhalb der erzählenden Person stattfindet. Gerade dadurch wirkt der Song stärker als eine einfache Abrechnung.

DAS HERZ IN EINER VERSCHLOSSENEN SCHACHTEL

»Box With Spirits« beschreibt einen Menschen, der Frieden erhalten möchte, indem er schweigt, Rollen spielt und die eigene Wahrheit einschließt. Die Figur versucht, innere Risse mit geliehenen Lösungen zu schließen. Sie funktioniert nach außen, während Hoffnung, Schlaf und Selbstwahrnehmung zunehmend verloren gehen.

Die Schachtel mit den Geistern ist ein innerer Aufbewahrungsort für verdrängte Gefühle, alte Verletzungen und Lügen. Das Herz wird darin geschützt, aber zugleich jeder echten Verbindung entzogen. Der Song zeigt, dass scheinbarer Frieden nicht mit Heilung verwechselt werden darf. Wer Konflikte ausschließlich einsperrt, verhindert nicht deren Fortbestehen.

Musikalisch ist das Stück bewusst geradlinig aufgebaut. Die Gitarren besitzen einen kräftigen Rockcharakter, während der Refrain sofort verständlich bleibt. Valovirta setzt ein melodisches Solo, das nicht übermäßig lang ausfällt, aber der Nummer einen klaren instrumentalen Höhepunkt gibt.

Landenburg spielt mit viel Druck, und Strömblads Bass gibt dem Song ein stabiles Fundament. Jake E verbindet einen fast nachdenklichen Vortrag in den Strophen mit einem großen, offenen Refrain. Dadurch eignet sich »Box With Spirits« als Schlusspunkt der regulären Albumfassung: Das zentrale Problem wird erkannt, aber nicht vollständig aufgelöst.

BONUSTRACK MIT GESELLSCHAFTLICHEM BLICK

»Hold Your Fire« erweitert die persönliche Perspektive um ein gesellschaftliches Thema. Der Song handelt von Gewalt, Krieg, der Normalisierung von Chaos und dem Gefühl, dass die Menschheit bekannte Fehler immer wiederholt. Die zentrale Forderung richtet sich gegen vorschnelle Eskalation und gegen die Bereitschaft, wegzusehen, solange andere die unmittelbaren Folgen tragen.

Der Gastauftritt von Samy Elbanna von Lost Society verändert die Energie deutlich. Seine aggressivere Stimme gibt dem Song zusätzliche Härte und bildet einen starken Gegensatz zu Jake Es melodischem Gesang. Das Stück erreicht dadurch eine Intensität, die auf dem regulären Album stellenweise fehlt.

Auch instrumental ist »Hold Your Fire« direkter. Die Gitarren orientieren sich stärker am Melodic Death Metal, Landenburg erhöht das Tempo, und die Rhythmusgruppe arbeitet weniger mit atmosphärischen Zwischenräumen. Der Song hätte deshalb nicht nur als Bonus funktioniert. Als regulärer Abschluss hätte er dem Album einen deutlich entschlosseneren letzten Eindruck gegeben.

MUSIKER MIT KLAR DEFINIERTEN STÄRKEN

Jake E liefert eine der persönlichsten Gesangsleistungen seiner bisherigen Laufbahn. Seine technische Kontrolle bleibt besonders in den hohen Registern beeindruckend, doch wichtiger ist die größere emotionale Offenheit. Er lässt einzelne Töne rauer stehen und verzichtet häufiger auf eine vollständig polierte Oberfläche. Dadurch gewinnen Texte über Angst, Schuld und beschädigtes Selbstvertrauen an Glaubwürdigkeit.

Seine Keyboards und elektronischen Arrangements prägen die moderne Seite der Platte. Sie sorgen für Atmosphäre und verbinden die schweren Gitarren mit den melodischen Refrains. Stellenweise treten die Synthesizer allerdings sehr weit in den Vordergrund und nehmen den Gitarren etwas von ihrer natürlichen Durchsetzungskraft.

Euge Valovirta übernimmt als Gitarrist, Bassist, Produzent und Mixer mehrere zentrale Aufgaben. Seine Soli sind melodisch aufgebaut und dienen den Songs, statt sie für technische Demonstrationen zu unterbrechen. Besonders auf »Box With Spirits«, »Skin From Bones« und »Bleed With Pride« verbindet er präzise Rhythmusarbeit mit klar geführten Leads.

Jesper Strömblad bleibt für die melodische Grundsprache der Band wichtig. Seine harmonischen Wendungen und Gitarrenfiguren tragen erkennbare Elemente des Göteborg-Sounds, werden jedoch in einen deutlich zugänglicheren Kontext gesetzt. Dass er auf dem Album auch Bass übernimmt, gibt dem tiefen Bereich eine melodische Beweglichkeit, die besonders in den weniger elektronischen Songs auffällt.

Marcus Sunesson ergänzt diese Arbeit mit kräftigen Rhythmusgitarren und sauber gesetzten melodischen Gegenstimmen. Das Zusammenspiel der drei Gitarristen wirkt erstaunlich geordnet. Niemand versucht, jede freie Stelle mit zusätzlichen Spuren zu füllen. Die Arrangements bleiben trotz der personellen Möglichkeiten meistens übersichtlich.

Alex Landenburg spielt mit großer Genauigkeit und einem ausgeprägten Verständnis für melodisches Songwriting. Er kann die härteren Stücke energisch antreiben, reduziert sich in den Balladen aber auf die notwendigen Akzente. Besonders seine Übergänge sind stark: Kleine Fills und Veränderungen der Beckenarbeit bereiten Refrains vor, ohne deren Wirkung vorwegzunehmen.

STARKER ZUSAMMENHALT, ABER NICHT NUR NEUES MATERIAL

Die größte Stärke von »Requiem For A Pipe Dream« ist seine Geschlossenheit. Inhaltlich kreisen die Songs um verschiedene Formen des Überlebens: das Akzeptieren von Narben, das Erkennen schädlicher Beziehungen, das Zurückgewinnen der eigenen Identität und die Entscheidung, trotz verlorener Zeit weiterzumachen. Die Band findet dafür eine musikalische Sprache, die gleichzeitig schwer, melodisch und unmittelbar verständlich ist.

Kritisch bleibt allerdings, dass »Superman«, »Skin From Bones« und »Mark Of My Sins« bereits vorab veröffentlicht und für das Album neu eingespielt wurden. Die neuen Versionen passen klanglich besser zusammen, doch fast ein Drittel der regulären Tracklist besitzt dadurch nicht den Charakter vollständig neuen Materials.

Auch die Produktion ist nicht in jeder Passage optimal ausbalanciert. Stimme, Schlagzeug und Synthesizer stehen sehr präsent im Mix, während einzelne Gitarrendetails weniger deutlich hervortreten. Gerade bei drei erfahrenen Gitarristen hätte man sich gelegentlich mehr Raum für ihre unterschiedlichen Handschriften gewünscht.

Die starke Eingängigkeit kann ebenfalls zum Problem werden. Einige Refrains folgen ähnlichen melodischen Bewegungen, und »In The Center Of A Miracle« bewegt sich sehr nah an konventionellem Melodic Rock. Demgegenüber stehen mit »Miss Me When I’m Gone«, »Ghostbound«, »Venom In Me« und »Hold Your Fire« Stücke, die den bekannten Stil sinnvoll erweitern.

FAZIT:

»Requiem For A Pipe Dream« ist ein persönliches, melodisch starkes Modern-Metal-Album über Selbstzweifel, beschädigte Identität und die bewusste Entscheidung zum Weitermachen. Jake E, Euge Valovirta, Jesper Strömblad, Marcus Sunesson und Alex Landenburg überzeugen als geschlossenes Ensemble, auch wenn die sehr präsenten Synthesizer und drei bereits bekannte Neuaufnahmen den Gesamteindruck leicht mindern. Besonders »Bleed With Pride«, »Miss Me When I’m Gone«, »Ghostbound«, »Venom In Me« und »Hold Your Fire« rechtfertigen starke 4 von 5 Punkten.

Musikvideo: Box With Spirits

Internet

CYHRA - Requiem For A Pipe Dream - CD Review

Lockhart – City Pulse

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Band: Lockhart 🇨🇦
Titel: City Pulse
Label: High Roller Records
VÖ: 12.06.2026 – CD / Digital; 26.06.2026 – Vinyl
Format: Vinyl / CD / Kassette / Digital
Genre: AOR / Melodic Rock / Hard Rock

Tracklist

01. City Pulse – 03:45
02. Can’t Shake It – 03:53
03. The Dose That Made You Poison – 03:48
04. Together As None – 04:16
05. Under Fire – 02:55
06. Just Can’t Wait – 05:17
07. You Wouldn’t Know Love – 03:39
08. Before The Fall – 00:51
09. No Chance In Heaven – 04:27

Besetzung

Devon Kerr – Lead- und Hintergrundgesang, Gitarren, Synthesizer, Flügel
Jason Junop – Bass, Gesang
Fabio Alessandrini – Schlagzeug, Percussion

Gastmusiker:
Imogen Wasse – Hintergrundgesang bei »City Pulse« und »You Wouldn’t Know Love«
Ian Kilpatrick – Gitarrensolo bei »Can’t Shake It«
Nick Poulos – Gitarrensolo bei »You Wouldn’t Know Love«

Bewertung:

4,5 von 5 Punkten

Die Großstadt schläft nicht. Sie glänzt, flimmert, schwitzt und pumpt ihren Rhythmus durch regennasse Straßen. Genau dort setzen Lockhart mit ihrem ersten vollständigen Album an. »City Pulse« ist ein in Neonlicht getauchtes AOR- und Melodic-Rock-Debüt, das sich unverkennbar vor den großen Produktionen der späten Siebziger- und Achtzigerjahre verbeugt. Vintage-Synthesizer, breite Chorsätze, melodische Gitarren und Refrains für nächtliche Autobahnfahrten bestimmen das Bild.

Nach der 2022 veröffentlichten EP »No Chance« und der 2025 vorausgeschickten Titelsingle legt das kanadische Trio neun Stücke mit einer kompakten Gesamtlaufzeit von knapp 33 Minuten vor. Lockhart versuchen dabei nicht, klassischen AOR durch moderne Metal-Elemente gewaltsam neu zu erfinden. Stattdessen wollen sie die alte Maschine wieder zum Laufen bringen. Der Lack glänzt, die Armaturen leuchten, im Kassettendeck rotiert ein längst verloren geglaubtes Mixtape – und unter der Motorhaube arbeiten drei Musiker, die ihre Wurzeln im traditionellen Heavy Metal und Hard Rock keineswegs verleugnen.

Albumstream:

DIE STADT SCHALTET DAS LICHT EIN

Der Titelsong »City Pulse« öffnet das Album mit schimmernden Synthesizerflächen, einem federnden Rhythmus und Gitarren, die weniger auf rohe Härte als auf melodische Wirkung setzen. Schon nach wenigen Sekunden scheint die Musik aus einer Zeit zu stammen, in der ein nächtlicher Highway, ein Sportwagen und eine leuchtende Skyline als vollständiges Handlungskonzept für ein Musikvideo ausreichten.

Die Vergleiche mit Journey, Survivor, Foreigner, Boston, Toto und REO Speedwagon liegen offen auf der Hand. Lockhart verstecken diese Einflüsse nicht hinter einem dünnen Mantel vermeintlicher Modernität. Das Trio trägt sie wie eine sorgfältig gepflegte Lederjacke. Entscheidend ist jedoch, dass der Song nicht wie eine unbeholfene Stilübung klingt. Die Melodieführung besitzt Substanz, die Gesangsharmonien sind sauber aufgebaut und das kurze Gitarrensolo setzt genau dort an, wo der Refrain zusätzliche Leuchtkraft benötigt.

Devon Kerr singt mit einer weichen, luftigen Mittellage. Er ist kein brüllender Arena-Dompteur und versucht auch nicht, die dramatische Wucht eines klassischen Hard-Rock-Shouters zu erzwingen. Seine Stärke liegt in der unaufgeregten Melodieführung. Gerade im Titelsong fügt sich diese Stimme hervorragend in die nächtliche Atmosphäre ein.

Unterstützt wird Kerr von den Hintergrundstimmen Imogen Wasses, die dem Refrain zusätzliche Wärme verleihen. Die Chöre klingen breit, aber nicht künstlich zu einer gesichtslosen Stadionwand aufgeblasen. Man hört einzelne Stimmen, harmonische Bewegungen und kleine Gegenmelodien. Bereits hier wird deutlich, wie sorgfältig Lockhart ihre Gesangsarrangements aufgebaut haben.

Der Text zeichnet Bilder von Regen, kalter Luft, rastlosen Nächten und dem niemals vollständig zur Ruhe kommenden Herzen einer Stadt. Dadurch besitzt »City Pulse« mehr melancholischen Untergrund, als die freundlich glänzende Oberfläche zunächst vermuten lässt. Unter den Neonfarben liegt Einsamkeit – und genau diese Verbindung macht den Auftakt stärker als einen bloßen Achtzigerjahre-Kostümfilm.

Selbst der allmähliche Fade-out wirkt wie eine bewusste Zeitreise. Wo heutige Produktionen häufig mit einem harten Schnitt enden, lässt Lockhart den Puls der Stadt langsam in der Ferne verschwinden. Das ist nostalgisch, beinahe demonstrativ nostalgisch, passt aber perfekt zur Gesamtästhetik.

EIN OHRWURM IM RÜCKSPIEGEL

»Can’t Shake It« zieht das Tempo an. Fabio Alessandrini treibt den Song mit einem geradlinigen Schlagzeugrhythmus voran, während Jason Junop den Bass nicht lediglich unter den Gitarren versteckt, sondern dem Stück eine deutlich wahrnehmbare Bewegung gibt. Die Synthesizer liegen wie ein leuchtender Teppich unter der Rhythmusarbeit, ohne jeden freien Raum zuzukleistern.

Der Refrain besitzt jene angenehme Aufdringlichkeit, die ein guter AOR-Song benötigt. Er setzt sich schnell fest, wirkt dabei aber nicht wie ein mit Gewalt eingesetzter Werbejingle. Die melodischen Übergänge sind sorgfältig vorbereitet, und die Gitarren tauchen immer wieder mit kurzen Antworten zwischen den Gesangszeilen auf.

Kerrs Stimme bleibt auch hier vergleichsweise leicht. An einigen Stellen könnte man sich einen Sänger mit kräftigerer Bruststimme vorstellen, der den Refrain noch entschlossener über die Instrumente hebt. Gleichzeitig würde ein röhrender Hard-Rock-Vokalist vermutlich einen Teil der schwebenden Eleganz zerstören. Die Stimme ist deshalb weniger ein objektiver Schwachpunkt als eine Frage der Erwartung: Wer Steve Perry, Dave Bickler oder Lou Gramm als unmittelbaren Maßstab anlegt, dürfte etwas mehr Wucht vermissen. Wer Kerrs zurückhaltende Wärme akzeptiert, erhält eine eigenständige Klangfarbe.

Für zusätzliche Schärfe sorgt Ian Kilpatrick. Sein Gastsolo bricht aus der kontrollierten Hochglanzoberfläche heraus und erinnert daran, dass hinter Lockhart Musiker stehen, die auch mit deutlich metallischerer Musik vertraut sind. Das Solo ist prägnant, besitzt Biss und verschwindet wieder, bevor es die Komposition an sich reißen kann.

Gerade hier zeigt sich eine der größten Stärken von »City Pulse«: Die Platte ist zwar keyboardlastig, aber keineswegs zahnlos. Die Gitarren werden nicht auf dekorative Hintergrundarbeit reduziert. Sie warten geduldig auf ihren Einsatz und schlagen dann mit melodischer Präzision zu.

DIE DOSIS ZWISCHEN ZÄRTLICHKEIT UND GIFT

Mit »The Dose That Made You Poison« schalten Lockhart in einen emotionaleren Gang. Sanfte Tasteninstrumente und Kerrs zurückhaltender Gesang eröffnen eine Halbballade, die zunächst beinahe zerbrechlich wirkt. Nach und nach treten Schlagzeug, Bass, Gitarren und mehrstimmige Stimmen hinzu, bis aus dem intimen Beginn ein breit ausgeleuchteter Melodic-Rock-Song entsteht.

Die Nummer funktioniert vor allem durch ihre Dynamik. Lockhart lassen die Komposition atmen und vermeiden es, bereits in den ersten Sekunden sämtliche verfügbaren Spuren aufzutürmen. Der Refrain wirkt dadurch größer, weil er tatsächlich aus einem ruhigen Ausgangspunkt herauswächst.

Kerrs Stimme findet in dieser Umgebung ihren besten Platz. Seine weiche Klangfarbe transportiert Verletzlichkeit, ohne in übertriebenes Pathos abzurutschen. Die höheren Passagen zeigen allerdings auch die Grenzen seines Vortrags. Wo ein stimmgewaltiger Sänger den Refrain möglicherweise noch weiter öffnen würde, bleibt Kerr kontrolliert und vergleichsweise leicht. Das nimmt dem Stück etwas dramatische Wucht, erhält aber seinen persönlichen Charakter.

Musikalisch erinnert »The Dose That Made You Poison« an jene großen Rockballaden, die Gefühle nicht mit einer einsamen Akustikgitarre und einem bereitgelegten Taschentuch erzwingen, sondern über eine kontinuierliche Steigerung aufbauen. Das Gift wird hier nicht in einem plötzlichen Ausbruch verabreicht. Es sickert langsam durch Klavierakkorde, Chorstimmen und eine Melodie, die immer größer wird.

Besonders gelungen ist das Zusammenspiel von Bass und Schlagzeug. Junop und Alessandrini begleiten die Ballade nicht mit angezogener Handbremse, sondern verleihen ihr einen festen Puls. Dadurch kippt die Nummer nie in körperlosen Keyboard-Pop. Unter der glänzenden Oberfläche bleibt ein stabiles Rockfundament erhalten.

GEMEINSAM UND DOCH ALLEIN

»Together As None« beginnt mit hellen Synthesizern und einem Refrain, der sofort nach offenem Autofenster und endloser Straße verlangt. Der Titel spielt mit einem Widerspruch: Gemeinsamkeit und Isolation stehen nebeneinander, ohne sich vollständig aufzulösen. Auch musikalisch bewegt sich das Stück zwischen aufwärtsdrängender Euphorie und einer unterschwelligen Nachdenklichkeit.

Der Song gehört zu den deutlich poppigeren Momenten des Albums. Das Hauptriff bleibt zurückhaltend, während Keyboards und Gesang die Führung übernehmen. Trotzdem wird die Nummer nicht weichgespült. Alessandrini setzt kräftige Akzente, und die Gitarre schiebt sich in den entscheidenden Momenten mit kurzen, scharf umrissenen Leads nach vorne.

Der Refrain besitzt eine enorme Eingängigkeit. Nach zwei Durchläufen lässt er sich kaum noch aus dem Gedächtnis entfernen. Diese Unmittelbarkeit ist gleichzeitig Stärke und Risiko. Lockhart setzen auf vertraute Akkordbewegungen und verzichten weitgehend auf überraschende Richtungswechsel. Wer AOR hauptsächlich wegen seiner großen Melodien hört, wird genau das lieben. Wer hinter jeder Kurve einen Stilbruch erwartet, dürfte die Strecke bereits nach wenigen Takten vollständig überblicken.

Dennoch klingt »Together As None« nicht wie eine übrig gebliebene Skizze aus einem vergessenen Songwriterarchiv. Dafür sorgen die sorgsam geschichteten Gesangsstimmen und die kleinen harmonischen Details. Unter den offensichtlichen Achtzigerjahre-Signalen liegen Einflüsse aus klassischem Pop, Doo-Wop und mehrstimmiger Chormusik. Diese Elemente treten nie plakativ in den Vordergrund, geben den Refrains aber mehr Tiefe als gewöhnliche Stadionrock-Parolen.

UNTER FEUER WIRD DER AOR HÄRTER

Mit »Under Fire« schieben Lockhart die Gitarren weiter nach vorne. Die Nummer ist mit weniger als drei Minuten der kürzeste vollständige Song des Albums und verschwendet entsprechend wenig Zeit. Schlagzeug und Bass setzen einen energischen Groove, die Synthesizer bleiben präsent und die Gitarren erhalten mehr Biss.

Hier kommt die metallische Vergangenheit der Musiker am deutlichsten zum Vorschein. Jason Junop ist durch Cauldron und Goat Horn bekannt, Devon Kerr durch Axxion, während Fabio Alessandrini unter anderem mit Annihilator, Enforcer, Bonfire und Hardline verbunden ist. »Under Fire« klingt zwar weiterhin klar nach AOR, doch unter den Keyboards lodert ein kräftiger Hard-Rock-Kern.

Alessandrinis Hi-Hat-Arbeit gibt der Nummer zusätzlichen Schwung. Er spielt nicht spektakulär um des Spektakels willen, sondern setzt kleine rhythmische Impulse, die den Song ständig in Bewegung halten. Junops Bass sitzt gleichzeitig fest im Zentrum und verhindert, dass die zahlreichen Synthesizerspuren den unteren Frequenzbereich vollständig übernehmen.

Der Refrain ist knapp, direkt und wirkungsvoll. Kerr muss hier etwas kräftiger gegen die Instrumente ansingen, was seiner Stimme guttut. Die weiche Grundfarbe bleibt erhalten, bekommt aber eine rauere Kante. Genau diese Verbindung aus melodischem Glanz und härterer Rhythmusarbeit macht »Under Fire« zu einem der stärksten Stücke der Platte.

Bemerkenswert ist außerdem, dass der Song nicht auf die üblichen fünf Minuten gestreckt wird. Nach knapp drei Minuten ist alles gesagt: Strophe, Refrain, melodische Zuspitzung und Schluss. Lockhart beweisen damit, dass aufwendige Arrangements nicht zwangsläufig lange Laufzeiten benötigen.

WARTEN IM SYNTHESIZERSTAU

»Just Can’t Wait« stammt bereits von der EP »No Chance« und wurde für das Album neu aufbereitet. Mit über fünf Minuten ist die Nummer der längste Titel auf »City Pulse«. Breite Synthesizerflächen, ein deutlich hörbarer Bass und ein langsam wachsender Refrain bestimmen das Bild.

Die Komposition besitzt viele starke Einzelteile. Der pulsierende Unterbau funktioniert, die Gitarren setzen geschmackvolle Gegenmelodien und der Refrain bringt das zentrale Motiv überzeugend auf den Punkt. Besonders die Verbindung aus urbanen Bildern, rastloser Erwartung und romantischer Ungeduld passt ausgezeichnet zum Gesamtkonzept des Albums.

Allerdings zeigt sich hier auch, weshalb die übrigen Stücke überwiegend kompakter gehalten sind. »Just Can’t Wait« benötigt länger, um sein Ziel zu erreichen, und wiederholt seine zentralen Ideen etwas häufiger als notwendig. Die dichte Synthesizerwand entwickelt nach einigen Minuten weniger zusätzliche Dynamik als bei den vorherigen Songs.

Das macht die Nummer keineswegs schwach. Sie besitzt einen starken Refrain und eine nachvollziehbare emotionale Dramaturgie. Im direkten Vergleich mit »Can’t Shake It« oder »Under Fire« wirkt sie jedoch schwerfälliger. Wo diese Stücke sofort beschleunigen, steht »Just Can’t Wait« kurz im nächtlichen Berufsverkehr.

Gerade deshalb ist die Platzierung in der Albumstruktur sinnvoll. Nach dem kurzen, druckvollen »Under Fire« darf die Musik breiter werden und etwas länger verweilen. Ein gekürzter Mittelteil hätte die Wirkung trotzdem noch verstärken können.

EIN ALTER HIT IM NEUEN LACK

Bei »You Wouldn’t Know Love« handelt es sich um eine Coverversion des unter anderem durch Michael Bolton und Cher bekannten Stücks. Statt den Song grundlegend umzubauen, integrieren Lockhart ihn in ihre eigene Klangwelt. Synthesizer, breite Chöre und ein federnder Rhythmus sorgen dafür, dass die Nummer neben den Eigenkompositionen nicht wie ein stilistischer Fremdkörper wirkt.

Imogen Wasse ergänzt erneut die Hintergrundstimmen und gibt dem Refrain zusätzliche Farbe. Ihre Einsätze stehen nicht bloß als dekorative Dopplung hinter Kerr, sondern erweitern die harmonische Struktur. Gerade bei einem Song, der bereits in mehreren prominenten Fassungen existiert, hilft diese vokale Gestaltung dabei, zumindest eine eigene Perspektive zu entwickeln.

Den auffälligsten Akzent setzt jedoch Nick Poulos mit seinem Gitarrensolo. Sein Spiel bringt eine schärfere, beinahe metallische Energie in die ansonsten glatte Komposition. Das Solo wirkt wie ein kurzer Riss in der Neonfassade, durch den plötzlich Funken schlagen.

Trotzdem bleibt die Frage, ob das Album diese Coverversion zwingend benötigt. Lockhart spielen den Song überzeugend und passen ihn sauber an ihre Ästhetik an, übertreffen die bekanntesten Interpretationen jedoch nicht eindeutig. Auf einer Platte mit lediglich neun Titeln nimmt die Coverversion außerdem Raum ein, der für eine weitere eigene Komposition hätte genutzt werden können.

Als stilgerechter Einschub funktioniert »You Wouldn’t Know Love« dennoch. Wer den ursprünglichen Song nicht kennt, könnte ihn ohne Weiteres für ein eigenes Stück der Band halten. Das spricht für die Geschlossenheit des Albums, auch wenn die Nummer nicht zu dessen unverzichtbaren Höhepunkten zählt.

51 SEKUNDEN VOR DEM FALL

Das instrumentale »Before The Fall« dauert lediglich 51 Sekunden. Ein Synthesizer baut eine dunklere Atmosphäre auf, die sich deutlich von der meist warmen Grundstimmung der Platte unterscheidet. Das Stück ist kein eigenständiger Song, sondern ein Vorspann für das Finale.

Gerade diese Kürze ist richtig gewählt. Lockhart versuchen nicht, aus einer stimmungsvollen Einleitung künstlich ein fünfminütiges Instrumental zu machen. Die Klänge öffnen lediglich eine Tür, hinter der bereits »No Chance In Heaven« wartet.

Innerhalb der Albumdramaturgie erfüllt das Intermezzo eine wichtige Aufgabe. Nach der bekannten Covermelodie wird die Atmosphäre zurückgesetzt. Die hellen Farben verschwinden für einen Moment, die Stadt liegt still und der letzte Song kann aus einem dunkleren Hintergrund hervortreten.

KEINE CHANCE IM HIMMEL, ABER EIN STARKES FINALE

»No Chance In Heaven« war bereits auf der Debüt-EP enthalten und erhält auf dem Album eine überarbeitete, klanglich geschlossene Fassung. Der Song verbindet sämtliche Stärken von Lockhart: einen druckvollen Bass, breite Synthesizer, melodische Gitarren, große Chöre und einen Refrain, der mühelos zwischen Melancholie und Aufbruchsstimmung pendelt.

Die Gitarren besitzen hier mehr Schärfe als in vielen vorherigen Stücken. Kurze Riffblöcke geben dem Song Stabilität, während die Leads über dem Rhythmus schweben. Besonders der spätere Tonartwechsel verleiht dem Finale zusätzliche Größe. Die Steigerung wirkt nicht wie ein billiger Trick, sondern wie der logische Höhepunkt einer Komposition, die von Beginn an auf diesen Moment hinarbeitet.

Kerrs Stimme profitiert erneut von der etwas härteren Instrumentierung. Er bleibt melodisch und kontrolliert, muss sich aber stärker gegen Bass, Schlagzeug und Gitarren behaupten. Dadurch gewinnt sein Vortrag an Dringlichkeit. Der Refrain klingt nicht nach einem Sänger, der eine Rolle spielt, sondern nach jemandem, der eine gescheiterte Beziehung tatsächlich hinter sich lassen möchte.

Junop liefert eine seiner auffälligsten Bassleistungen des Albums. Seine Linien bewegen sich unter den Gitarren und geben dem Song eine zusätzliche melodische Ebene. Alessandrini hält das Fundament straff, setzt aber in den Übergängen genügend Akzente, um die abschließende Steigerung vorzubereiten.

Als Finale ist »No Chance In Heaven« hervorragend gewählt. Der Song wirkt größer als seine viereinhalb Minuten, ohne unnötig ausgewalzt zu werden. Nach dem letzten Refrain bleibt das Gefühl zurück, eine kurze Fahrt durch eine vollständig ausgearbeitete Klangwelt erlebt zu haben.

DREI METALMUSIKER WECHSELN DIE FAHRSPUR

Dass die Mitglieder von Lockhart aus dem traditionellen Heavy Metal und Hard Rock kommen, ist für »City Pulse« ein entscheidender Vorteil. Das Trio nähert sich dem AOR nicht wie eine reine Studiopop-Band, die nachträglich einige verzerrte Gitarren über ihre Keyboards legt. Bass, Schlagzeug und Riffs besitzen echtes Gewicht.

Jason Junop spielt seinen Bass präsent und melodisch. Er folgt nicht durchgehend den Grundtönen der Gitarren, sondern schafft kleine Gegenbewegungen und rhythmische Verschiebungen. Gerade bei »Under Fire«, »Just Can’t Wait« und »No Chance In Heaven« verhindert er, dass die Musik unter den zahlreichen Keyboardflächen ihre körperliche Wirkung verliert.

Fabio Alessandrini hält das Album mit einem kontrollierten, songdienlichen Schlagzeugspiel zusammen. Seine Erfahrung in härteren Bands zeigt sich weniger durch Geschwindigkeit als durch Präzision und Druck. Er weiß, wann ein Refrain zusätzliche Beckenbreite benötigt, wann eine Hi-Hat-Figur den Groove antreiben kann und wann ein gerader Beat wirkungsvoller ist als ein kompliziertes Fill.

Devon Kerr übernimmt mit Gesang, Gitarren, Synthesizern und Flügel einen Großteil der melodischen Gestaltung. Seine Arrangements sind hörbar bis ins Detail ausgearbeitet. Kaum eine Hintergrundstimme steht zufällig im Raum, kaum ein Lead wird lediglich eingesetzt, weil an dieser Stelle traditionell ein Solo erwartet wird.

Sein Gesang bleibt der wahrscheinlich stärkste Diskussionspunkt. Kerr verfügt über eine angenehme, warme und sofort erkennbare Stimme. Sie passt hervorragend zu Balladen, schwebenden Synthesizern und melancholischen Strophen. In den größten Refrains fehlt gelegentlich jener letzte Schub, mit dem Sänger wie Steve Perry oder Lou Gramm eine ganze Arena aus den Sitzen heben konnten.

Diese Einschränkung sollte jedoch nicht überbewertet werden. Kerr versucht nicht, seine Vorbilder zu imitieren, und gerade dadurch behält Lockhart eine eigene Identität. Die Stimme ist kein austauschbares Hochleistungsinstrument, sondern Teil der speziellen Atmosphäre dieser Platte.

CHÖRE STATT SCHULTERPOLSTER

Die offensichtlichsten Zutaten von »City Pulse« stammen aus dem AOR der Achtzigerjahre: helle Synthesizer, große Refrains, melodische Gitarrensoli und eine Produktion, die jedes Instrument sauber ausleuchtet. Unter dieser Oberfläche liegen jedoch weitere Einflüsse.

Die mehrstimmigen Arrangements erinnern stellenweise an Doo-Wop, klassischen Pop und die harmonische Detailarbeit eines Brian Wilson. Diese Einflüsse werden nicht in Form plakativer Stilzitate ausgestellt. Sie stecken in den Stimmen, den Übergängen und den kleinen melodischen Antworten, die zwischen den Hauptmotiven auftauchen.

Dadurch besitzen die Refrains mehr Substanz als gewöhnliche Retro-Hymnen. Lockhart schreiben nicht einfach eine Gesangslinie und verdoppeln sie anschließend auf acht Spuren. Die Stimmen bewegen sich teilweise gegeneinander, ergänzen einzelne Wörter und schaffen harmonische Räume. Diese Arbeit ist besonders bei »City Pulse«, »The Dose That Made You Poison« und »Together As None« hörbar.

Die Band behandelt die Achtzigerjahre außerdem nicht als ironische Verkleidung. Es gibt kein musikalisches Augenzwinkern, das dem Publikum ständig versichert, man wisse natürlich selbst, wie kitschig diese Musik sei. Lockhart glauben an große Melodien, romantische Texte und Keyboards, die wie eine nächtliche Skyline leuchten. Diese Ernsthaftigkeit ist wichtig, denn AOR funktioniert nur, wenn eine Band den Mut besitzt, Gefühle ohne schützende Ironie auszuspielen.

RETRO, ABER NICHT VON GESTERN

Klanglich bewegt sich »City Pulse« bewusst nahe an den klassischen Produktionen seines Genres. Die Synthesizer sind keine Hintergrunddekoration, sondern ein tragendes Instrument. Gitarren, Bass und Schlagzeug wurden trotzdem nicht unter einer spiegelglatten Oberfläche begraben.

Der Bass bleibt hörbar, die Bassdrum besitzt Druck und die Gitarren behalten genügend Kontur, um auch Metal-Hörer anzusprechen. Gleichzeitig klingt die Produktion nicht übermäßig modern. Das Schlagzeug wurde nicht zu einem klinischen Maschinengewehr bearbeitet, und die Gitarren bilden keine vollständig verdichtete Wand.

Gelegentlich stößt die konsequente Retro-Ausrichtung an ihre Grenzen. Die häufigen Fade-outs, vertrauten Akkordfolgen und Synthesizerfarben lassen wenig Zweifel daran, welches Jahrzehnt hier verehrt wird. Überraschende Brüche, ungewöhnliche Klangexperimente oder deutlich moderne Elemente sind kaum vorhanden.

Das Album gewinnt dadurch Geschlossenheit, wird aber auch berechenbar. Nach den ersten drei Songs kennt man die wichtigsten Bauteile. Die späteren Stücke müssen ihre Wirkung deshalb stärker über Melodien und Arrangements entfalten als über stilistische Überraschungen.

Dass dies überwiegend gelingt, ist dem starken Songwriting zu verdanken. »City Pulse« klingt nicht frisch, weil Lockhart das Genre neu erfinden, sondern weil sie seine bekannten Mittel mit hörbarer Begeisterung und großer handwerklicher Sorgfalt einsetzen.

KNAPP 33 MINUTEN STATT ENDLOSER NACHTFAHRT

Die kurze Laufzeit erweist sich als Vorteil. Lockhart liefern neun Titel, von denen einer lediglich als instrumentale Einleitung dient. Trotzdem wirkt »City Pulse« nicht unvollständig. Die Platte sagt, was sie zu sagen hat, und endet, bevor sich die Synthesizerlandschaft in gleichförmigen Hintergrundnebel verwandelt.

Lediglich »Just Can’t Wait« hätte etwas Straffung vertragen. Die Coverversion »You Wouldn’t Know Love« ist gut umgesetzt, bleibt im Gesamtkonzept aber weniger unverzichtbar als die stärksten Eigenkompositionen. Diese beiden Punkte verhindern, dass das Debüt vollständig in die Spitzenklasse des Genres vorstößt.

Demgegenüber stehen mit »City Pulse«, »Can’t Shake It«, »The Dose That Made You Poison«, »Under Fire« und »No Chance In Heaven« mehrere Stücke, die sich unmittelbar festsetzen. Auch »Together As None« gewinnt durch seine ungewöhnlich detaillierten Gesangsharmonien.

Vor allem funktioniert das Album als geschlossenes Ganzes. Covergestaltung, Produktion, Texte und Musik folgen derselben nächtlichen Ästhetik. »City Pulse« ist keine lose Sammlung von Songs, sondern eine Fahrt durch Straßen, in denen hinter jeder Reklametafel eine alte Erinnerung wartet.

FAZIT:

Mit »City Pulse« legen Lockhart ein bemerkenswert geschlossenes Debüt vor. Das kanadische Trio verbindet keyboardgetriebenen AOR, melodischen Hard Rock und die musikalische Bodenhaftung erfahrener Metal-Musiker. Große Refrains, mehrstimmige Chöre, präzise platzierte Gitarrensoli und eine hervorragend arbeitende Rhythmusgruppe sorgen dafür, dass die Platte weit mehr ist als eine nostalgische Stilübung.

»City Pulse« erfindet AOR nicht neu. Das Album erinnert vielmehr daran, weshalb dieses Genre überhaupt so lange überleben konnte. Gute Melodien benötigen kein Verfallsdatum, ein großer Refrain keine ironische Rechtfertigung und eine nächtliche Straße kein festgelegtes Ziel. Manchmal genügt es, den Motor zu starten, das Armaturenbrett leuchten zu lassen und dem Puls der Stadt zu folgen.

4,5 von 5 Punkten.

Official Video: City Pulse

Internet

Lockhart - City Pulse - CD Review

Ghost Avenue – Full Throttle

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Ghost Avenue - Full Throttle - cover artwork
Ghost Avenue - Full Throttle - cover artwork

Band: Ghost Avenue 🇳🇴
Titel: Full Throttle
Label: Ghost Avenue / Eigenveröffentlichung
VÖ: 19.06.2026
Format: Vinyl / Digital
Genre: Traditional Heavy Metal / Melodic Metal / Hard Rock

Tracklist

01. Killer – 03:32
02. Highwayman – 04:08
03. Full Throttle – 04:40
04. Wild And Free – 04:29
05. Freedom Fighter – 04:52
06. Coast To Coast – 04:45
07. Seas Of Thunder – 04:24
08. Ride The Night – 04:14

Besetzung

Kim Sandvik – Gesang
Petter Christopher Lein – Schlagzeug
Magnus Liseter – Bass
André Berger – Gitarre, Hintergrundgesang
Øystein Wiik – Gitarre, Hintergrundgesang

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Vollgas ist auf dem fünften Studioalbum von Ghost Avenue nicht nur ein Albumtitel, sondern eine klare Dienstanweisung. Sechs Jahre nach »Even Angels Fail« melden sich die Norweger mit acht kompakten Nummern zurück, die traditionellen Heavy Metal, melodischen Hard Rock und den Geist der NWOBHM ohne Umwege auf die Straße bringen. Experimente, elektronische Spielereien oder moderne Djent-Verrenkungen bleiben konsequent in der Garage. Stattdessen gibt es griffige Riffs, zweistimmige Gitarren, kräftige Refrains und eine Rhythmusgruppe, die das Gaspedal bereits beim ersten Takt bis zum Bodenblech durchtritt.

Dass Ghost Avenue bereits seit 2002 aktiv sind, hört man dem Album im besten Sinne an. »Full Throttle« klingt nicht nach einer jungen Band, die sich mühselig durch die Plattensammlungen ihrer Eltern arbeitet. Hier spielen fünf Musiker, die genau wissen, wie ein klassisches Heavy-Metal-Riff funktionieren muss, wann ein Refrain zusätzliche Breite benötigt und wann ein Solo besser nach vorne sticht, anstatt die gesamte Komposition unter technischem Zierrat zu begraben. Das Ergebnis ist ein geradliniges, schmissiges und erfreulich bodenständiges Heavy-Metal-Album.

Albumstream:

EIN KILLER ÖFFNET DIE AUTOBAHN

Mit »Killer« verschwenden Ghost Avenue keine Sekunde. Ein scharfkantiges Riff eröffnet die Platte, Schlagzeug und Bass schieben geschlossen nach vorne und Kim Sandvik setzt mit seiner rauen, kräftigen Stimme sofort einen markanten Gegenpol zu den melodischen Gitarren. Der Song ist klassischer Heavy Metal in konzentrierter Form: geradlinige Strophen, ein großer Refrain, kurze harmonische Ausflüge und ein Solo, das sich nicht länger aufhält als notwendig.

Inhaltlich führt die Nummer durch eine finstere Nacht und nimmt die Perspektive eines Getriebenen ein, der seinen mörderischen Impulsen folgt. Dadurch erhält der ansonsten sehr zugängliche Auftakt eine dunklere Kante. Gerade der Kontrast zwischen dem griffigen Refrain und dem bedrohlichen Inhalt macht »Killer« wirkungsvoller als einen gewöhnlichen Eröffnungssong über Lederjacken und laute Motorräder.

Die Gitarren von André Berger und Øystein Wiik arbeiten dabei nicht gegeneinander, sondern bilden ein fest verzahntes Duo. Während Berger überwiegend die kompakte Riffarbeit übernimmt, setzt Wiik mit seinen melodischen Leads und Soli gezielte Glanzpunkte. Das erinnert stellenweise an die direktere Seite von Diamond Head, Tokyo Blade oder den frühen Pretty Maids, ohne nach bloßer Kopie zu klingen.

DER HIGHWAYMAN REITET WIEDER

»Highwayman« führt das Album auf die offene Straße. Der Song besitzt einen etwas breiteren Aufbau als der Opener und kombiniert marschierende Rhythmen mit einem Refrain, der förmlich nach Bühne und erhobenen Fäusten verlangt. Die Gitarrenharmonien werden deutlicher ausgespielt, während Sandvik seine Stimme zwischen kräftigem Mittellagen-Gesang und rau aufgerissenen Spitzen bewegt.

Die Nummer bedient bewusst eine der ältesten Bildwelten des Hard Rock und Heavy Metal: den einsamen Reisenden, die nächtliche Straße und das Leben außerhalb gesellschaftlicher Begrenzungen. Neu ist das nicht. Ghost Avenue präsentieren diese Motive jedoch ohne ironische Distanz oder künstliche Coolness. Die Band glaubt an diesen Stoff – und genau deshalb funktioniert er.

Aufgebaut auf einem standfesten Fundament aus Drums und Bass werden die Gitarren sauber aufgebettet. Magnus Liseter beschränkt sich nicht auf dumpfes Mitlaufen, sondern gibt dem Stück mit seinem Bass zusätzliche Bewegung. Petter Christopher Lein hält den Rhythmus kräftig und schnörkellos auf Kurs. Beide wissen, dass ein solcher Song keinen Schlagzeugzirkus benötigt, sondern einen Motor, der zuverlässig durchzieht.

DER TITELTRACK DRÜCKT DAS PEDAL DURCH

Der Titelsong »Full Throttle« fasst die Haltung des Albums in viereinhalb Minuten zusammen. Das Tempo zieht an, die Gitarren schlagen mit mehr Schärfe zu und die Rhythmusgruppe entwickelt einen energischen Vorwärtsdrang. Dabei wird die Nummer niemals chaotisch. Ghost Avenue spielen schnell genug, um Druck aufzubauen, behalten ihre Melodien und den klaren Songaufbau aber jederzeit unter Kontrolle.

Besonders gelungen ist der Übergang zwischen den kompakten Strophen und dem offenen Refrain. Sandvik schiebt sich mit seiner Stimme kraftvoll durch die Gitarrenwand, während die Hintergrundstimmen zusätzliche Breite erzeugen. Die Band vermeidet es jedoch, den Chorus mit zu vielen Spuren künstlich aufzublasen. Er klingt groß, aber weiterhin nach fünf Musikern und nicht nach einem digital vervielfachten Stadionchor.

Die Gitarrenarbeit besitzt leichte Anklänge an Judas Priest und Accept. Vor allem die Verbindung aus kurzen Riffhieben, melodischen Antworten und einem präzise platzierten Solo lässt den traditionellen Heavy Metal der Achtziger aufleben. Dennoch ist die Produktion kräftig genug, um nicht wie eine vergessene Demoaufnahme aus einem muffigen Proberaum zu wirken.

WILD, FREI UND BEWUSST ETWAS SCHWERER

Mit »Wild And Free« nehmen die Norweger den Fuß leicht vom Gas. Das bedeutet nicht, dass plötzlich die akustische Lagerfeuergitarre ausgepackt wird. Stattdessen setzen Ghost Avenue auf ein schwereres, stärker groovendes Riff und geben der Rhythmusgruppe mehr Raum.

Gerade dieser Tempowechsel tut dem Album gut. Nach drei sehr direkten Nummern entsteht erstmals etwas mehr Luft zwischen den Akkorden. Sandvik kann seine melodische Seite stärker ausspielen, ohne die raue Grundfarbe seiner Stimme abzulegen. Der Refrain bleibt zugänglich, wirkt aber weniger offensichtlich auf sofortige Wirkung getrimmt als die vorangegangenen Stücke.

Die bekannten Themen von Freiheit, Unabhängigkeit und selbstbestimmtem Leben werden ohne große philosophische Verrenkungen behandelt. Das passt zur Musik. Ghost Avenue wollen hier keine gesellschaftstheoretische Abhandlung vertonen, sondern ein Gefühl von Aufbruch erzeugen. Der Song erreicht dieses Ziel, auch wenn seine Botschaft und seine harmonische Sprache ausgesprochen vertraut wirken.

WIDERSTAND MIT FESTEM RIFF-FUNDAMENT

»Freedom Fighter« schlägt kämpferischere Töne an. Ein kantiges Hauptriff bildet das Zentrum der Nummer, während die Gitarren in den Übergängen mit melodischen Figuren für Abwechslung sorgen. Das Stück bewegt sich zwischen klassischem Heavy Metal und kraftvollem Hard Rock und besitzt einen Refrain, der sich bereits nach dem ersten Durchlauf festsetzt.

Die Komposition ist ein gutes Beispiel für die auf »Full Throttle« verfolgte Weniger-ist-mehr-Strategie. Anstatt fünf zusätzliche Riffs und mehrere unnötige Zwischenspiele in den Song zu pressen, konzentriert sich die Band auf wenige tragfähige Ideen. Diese werden variiert, zugespitzt und schließlich in einen sauber aufgebauten Refrain überführt.

Das funktioniert handwerklich ausgezeichnet, offenbart aber zugleich die größte Begrenzung des Albums. Wer nach unerwarteten Wendungen, progressiven Konstruktionen oder radikalen Stilbrüchen sucht, wird hier kaum fündig. Ghost Avenue kennen ihre Fahrspur und denken überhaupt nicht daran, sie zu verlassen. Das sorgt für Geschlossenheit, nimmt den Songs gelegentlich aber auch etwas Überraschungskraft.

VON KÜSTE ZU KÜSTE

»Coast To Coast« verbindet melodischen Hard Rock mit einer kräftigen Heavy-Metal-Basis. Die Gitarren klingen offener, der Refrain besitzt beinahe hymnischen Charakter und Sandvik zeigt, dass seine Stimme nicht nur für aggressive Akzente geeignet ist. Besonders in den längeren Gesangslinien trägt er die Melodie sicher, ohne den notwendigen Druck zu verlieren.

Der Song weckt Erinnerungen an die skandinavische Hard-Rock-Schule, vermeidet aber den glatten AOR-Hochglanz. Die Gitarren behalten genügend Biss, der Bass bleibt präsent und das Schlagzeug klingt weiterhin nach echten Fellen und Becken. Dadurch wirkt die Nummer groß, ohne weichgespült zu werden.

Allerdings gehört »Coast To Coast« zu jenen Stücken, deren Bauteile bereits nach wenigen Takten vollständig durchschaubar sind. Der Song ist gut geschrieben und hervorragend gespielt, hinterlässt aber weniger tiefe Spuren als »Killer«, der Titelsong oder das folgende »Seas Of Thunder«. Hier rollt das Album zuverlässig weiter, ohne einen neuen Gang einzulegen.

DONNER ÜBER DEM OFFENEN MEER

Mit »Seas Of Thunder« zeigen Ghost Avenue ihre atmosphärischste Seite. Die Gitarren bauen eine breitere Kulisse auf, das Tempo wird kontrollierter und die Komposition entwickelt sich weniger über unmittelbare Riffschläge als über Spannung und melodische Steigerung.

Der Song besitzt eine deutlich erzählerischere Wirkung als der übrige Teil des Albums. Wo viele Stücke unmittelbar auf Straße, Freiheit und Bewegung setzen, entsteht hier das Bild einer gefährlichen Reise durch unberechenbare Gewässer. Die Musik greift diese Unsicherheit auf. Ruhigere Passagen werden von kräftigen Ausbrüchen abgelöst, während der Refrain die zuvor aufgebaute Spannung wirkungsvoll entlädt.

Sandvik liefert hier eine seiner stärksten Leistungen ab. Seine Stimme klingt nicht nur kraftvoll, sondern transportiert auch eine gewisse Melancholie. Die rauen Kanten bleiben erhalten, doch zwischen den härteren Akzenten kommt mehr emotionale Tiefe zum Vorschein. Auch das Zusammenspiel der Gitarren erreicht einen Höhepunkt. Rhythmische Schwere, harmonische Leads und ein ausdrucksstarkes Solo greifen präzise ineinander.

Gerade weil »Seas Of Thunder« den gewohnten Aufbau etwas erweitert, hätte das Album ein oder zwei weitere Stücke dieser Art vertragen können. Die Band beweist hier, dass sie mehr beherrscht als geradlinige Drei-Akkord-Vollgasfahrten.

DIE NACHT GEHÖRT DEN RIFFS

»Ride The Night« beendet das Album mit einer kräftigen Mischung aus traditionellem Heavy Metal und teutonisch gefärbtem Riffing. Besonders die Gitarren besitzen stellenweise ein deutliches Accept-Aroma. Kurze, präzise Akkordschläge treffen auf eine treibende Rhythmik und einen Refrain, der noch einmal sämtliche Fäuste in Richtung Hallendecke schickt.

Als Abschluss funktioniert die Nummer hervorragend. Sie fasst die zentralen Motive des Albums zusammen: Nacht, Bewegung, Freiheit, Zusammenhalt und die ungebrochene Begeisterung für klassischen Heavy Metal. Ein großes konzeptionelles Finale ist das nicht, doch ein solches würde auch nicht zur schnörkellosen Ausrichtung der Platte passen.

Nach knapp 35 Minuten endet »Full Throttle«, bevor sich Ermüdungserscheinungen einstellen können. Die Entscheidung, lediglich acht Songs aufzunehmen, erweist sich als sinnvoll. Kein Stück wird unnötig auf sechs oder sieben Minuten ausgedehnt, und es gibt weder Intro-Füllmaterial noch ein bedeutungsschweres Zwischenspiel, das lediglich die Laufzeit verlängert.

FÜNF MUSIKER STATT DIGITALER PERFEKTION

Die Stärke des Albums liegt nicht allein in den einzelnen Songs, sondern im Zusammenspiel der Musiker. Petter Christopher Lein liefert ein druckvolles, geradliniges Schlagzeugspiel. Seine Fills sitzen an den richtigen Stellen, werden aber nie zum Selbstzweck. Besonders in den schnelleren Titeln hält er die Musik mit kräftiger Präzision in Bewegung.

Magnus Liseter bildet gemeinsam mit Lein ein belastbares Fundament. Sein Bass bleibt im Mix hörbar und folgt nicht immer nur den Gitarren. Kleine rhythmische Abweichungen und melodische Bewegungen sorgen dafür, dass der Unterbau lebendig bleibt.

André Berger konzentriert sich auf die Riffs und gibt den Songs ihre kantige Struktur. Seine Arbeit ist kompakt, direkt und frei von unnötigen Verzierungen. Øystein Wiik setzt darüber die melodischen Leads und Soli. Seine Beiträge besitzen technisches Niveau, bleiben aber stets der jeweiligen Komposition untergeordnet. Kein Solo wirkt wie ein nachträglich eingeklebtes Bewerbungsvideo für einen Gitarrenhersteller.

Im Zentrum steht Kim Sandvik. Seine Stimme ist rau, kraftvoll und sofort wiederzuerkennen. Er verfügt nicht über die höchsten Spitzen des klassischen Power Metal, braucht diese aber auch nicht. Seine Stärke liegt in der Verbindung aus melodischer Kontrolle, aggressiver Färbung und einer natürlichen Autorität. Selbst vertraute Textmotive erhalten durch seinen Vortrag zusätzliche Glaubwürdigkeit.

DIE LIVE-ATMOSPHÄRE BLEIBT ERHALTEN

Aufgenommen wurde das Album im Lionheart Studio sowie an weiteren Orten. Øyvind Voldmo Larsen übernahm Mixing und Engineering, während Markus Teske von Bazement Music Production für das Mastering verantwortlich war. Produziert wurde die Platte von der Band selbst.

Die bewusste Entscheidung gegen eine überladene Produktion ist hörbar. Die Instrumente besitzen genügend Raum, die Gitarren klingen kräftig, aber nicht künstlich aufgebläht, und das Schlagzeug wurde nicht zu einem vollständig quantisierten Maschinengewehr zurechtgestutzt. Kleine natürliche Schwankungen bleiben erhalten und sorgen dafür, dass die Musik tatsächlich nach einer gemeinsam spielenden Band klingt.

Gleichzeitig ist »Full Throttle« keineswegs altmodisch oder dünn produziert. Der Bass besitzt Druck, die Stimme sitzt klar im Zentrum und die Gitarrenspuren sind sauber voneinander getrennt. Das Album verbindet die Direktheit einer Live-Situation mit der notwendigen Präzision einer zeitgemäßen Studioaufnahme.

Gelegentlich hätte der Klang etwas mehr Tiefe vertragen können. Besonders die größeren Refrains könnten räumlich noch breiter wirken. Andererseits hätte eine massive Wand aus zusätzlichen Gitarren- und Chorspuren dem ehrlichen Charakter der Platte geschadet. Die gewählte Balance ist daher nachvollziehbar.

TRADITION OHNE MUSEUMSSTAUB

Ghost Avenue erfinden mit »Full Throttle« keine neue Spielart des Heavy Metal. Die Band versucht es allerdings auch nicht. Ihre Musik basiert auf klaren Riffs, melodischen Refrains, zweistimmigen Gitarren und einer Rhythmusgruppe, die jede Nummer zielstrebig vorantreibt.

Die Einflüsse von Judas Priest, Accept, Diamond Head, Tokyo Blade, Pretty Maids und weiteren Vertretern der Achtzigerjahre sind deutlich erkennbar. Trotzdem klingt die Platte nicht wie eine bloße Ansammlung historischer Zitate. Dafür sorgen Sandviks markante Stimme, die kompakte Produktion und die glaubwürdige Spielfreude der gesamten Band.

Der Preis dieser stilistischen Konsequenz ist eine gewisse Berechenbarkeit. Bereits nach wenigen Songs ist klar, welche Bauteile das Album verwendet. Die Themen Straße, Nacht, Freiheit und Widerstand bewegen sich ebenfalls auf vertrautem Heavy-Metal-Gelände. Wer innovative Arrangements oder ungewöhnliche Texte erwartet, dürfte sich daher unterfordert fühlen.

Wer hingegen traditionellen Heavy Metal hören möchte, der ohne ironisches Augenzwinkern, Retro-Verkleidung und künstliche Überproduktion auskommt, erhält eine Platte mit reichlich Substanz. Ghost Avenue spielen diese Musik nicht, weil Achtziger-Nostalgie gerade wieder vermarktbar erscheint. Sie spielen sie, weil sie dieser Form des Heavy Metal weiterhin hörbar verbunden sind.

FAZIT:

»Full Throttle« hält, was sein Titel verspricht. Ghost Avenue liefern ein kompaktes Heavy-Metal-Album, das mit kräftigen Riffs, melodischen Doppelgitarren, einer druckvollen Rhythmussektion und der markanten Stimme von Kim Sandvik überzeugt.

Besonders »Killer«, »Highwayman«, der Titelsong, »Seas Of Thunder« und »Ride The Night« zeigen die Band in ausgezeichneter Form. Die Musiker verzichten auf überflüssige Umwege und konzentrieren sich auf Songs, die sowohl auf Platte als auch auf einer Bühne funktionieren.

Die vertrauten Themen und die starke Orientierung am traditionellen Heavy Metal begrenzen den Überraschungseffekt. Einige Stücke folgen sehr vorhersehbaren Strukturen, und ein zusätzlicher atmosphärischer Ausreißer im Stil von »Seas Of Thunder« hätte dem Album noch mehr Tiefe verliehen.

Trotzdem ist »Full Throttle« weit mehr als eine nostalgische Spazierfahrt. Die Norweger haben ein ehrliches, lebendiges und handwerklich überzeugendes Album aufgenommen, das traditionellen Heavy Metal nicht konserviert, sondern mit spürbarer Begeisterung weiterfährt. Sicherheitsgurt anlegen, Lautstärke hochdrehen und die linke Spur freihalten.

Official Video: Killer

Internet

Ghost Avenue - Full Throttle - CD Review