2025 – Der etwas andere Jahresrückblick Teil II

April – Juni

Daniels Idee eines Jahresrückblicks, der bewusst jene Alben berücksichtigt, die uns im Laufe des Jahres begleitet oder nachhaltig beschäftigt haben, wurde im Team schnell als spannend und sinnvoll wahrgenommen. Der Anspruch, zusätzlich zu den regulären Reviews eine größere Anzahl weiterer Veröffentlichungen einzuordnen, ist ohne Zweifel ambitioniert. Gleichzeitig erleichtert der persönliche Zugang diese Aufgabe: Es geht um Musik, die über Monate hinweg präsent war, intensiv gehört wurde oder aus unterschiedlichen Gründen als relevant empfunden wird. Mit Charlene jetzt als zusätzlicher Stimme erweitert sich dieser Blick nochmals deutlich. Die Auswahl wird breiter, die Perspektiven vielfältiger, und genau daraus ergibt sich ein Überblick, der nicht nur individuelle Hörgewohnheiten widerspiegelt, sondern auch unterschiedliche Zugänge und Schwerpunkte zusammenführt.

Auch wenn sich die tägliche redaktionelle Arbeit in der Regel auf bevorzugte Stilrichtungen wie Death, Black und Thrash Metal konzentriert, zeigt sich gerade im Rückblick, wie viele weitere Veröffentlichungen Beachtung verdienen. Darunter finden sich überzeugende Alben ebenso wie solche, die vor allem durch hohe Erwartungen und starke Resonanz innerhalb der Szene auffallen. Entsprechend breit gefächert fällt die stilistische Ausrichtung dieser Liste aus – weniger als programmatische Entscheidung, sondern als logische Konsequenz eines Jahres, in dem qualitativ hochwertige Musik aus nahezu allen Bereichen des Metal erschienen ist.

Ein weiterer Aspekt ergibt sich aus dem Live-Kontext. Einige Bands haben ihren nachhaltigen Eindruck nicht primär über das Album, sondern zunächst auf der Bühne hinterlassen. Gerade als Support-Acts zeigt sich, welche Bedeutung Konzerte weiterhin für die Entdeckung neuer Musik haben. Bands wie BENTHOS oder DÉTRESSE überzeugten live derart, dass eine intensivere Auseinandersetzung mit ihren Studioveröffentlichungen folgte – und diese Erwartung letztlich auch eingelöst wurde.

Rückblickend erweist sich 2025 als ein ausgesprochen reichhaltiges Metal-Jahr, das selbst nach seinem Abschluss noch zahlreiche Entdeckungen bereithält. Spätestens mit dem Erscheinen der Jahreslisten und Bestenplatzierungen wird deutlich, wie viel Musik selbst engagierten Hörern entgangen ist. Wenn Alben in Top-3- oder Top-10-Listen auftauchen, die bislang noch nicht wahrgenommen wurden, verdeutlicht das die enorme Dichte und Komplexität der aktuellen Metal-Landschaft. Die Anzahl an Bands, die auf hohem Niveau arbeiten, bleibt unüberschaubar – und vollständige Erfassung ist weder realistisch noch Ziel dieses Rückblicks.

Auch dieser zweite Teil des Jahresrückblicks erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr bietet er einen persönlichen, redaktionell geprägten Einblick in Alben, die für uns im Zeitraum relevant waren. Teil II umfasst die Monate April, Mai und Juni und setzt den Versuch fort, ein Jahr aus unterschiedlichen Blickwinkeln nachzuzeichnen.

April

cover artwork ROTTING CHRIST 35 Years of Evil Existence – Live in Lycabettus

ROTTING CHRIST 🇬🇷 – 35 Years of Evil Existence – Live in Lycabettus (Black Metal)
(Season Of Mist, 04/04/25)
Ein Live-Erlebnis mit ROTTING CHRIST ist stets eine intensive musikalische Reise, da es der Band gelingt, Energie und Rohheit ihres Sounds auf der Bühne besonders authentisch zu transportieren. „35 Years of Evil Existence – Live in Lycabettus“ dokumentiert das 35-jährige Bandjubiläum und vereint Songs aus allen Schaffensphasen. Die stilistische Entwicklung über die Jahrzehnte wird ebenso deutlich wie die Konstanz eines unverwechselbaren Sounds. Vom eröffnenden „Χ ξ ς’“ über jüngere Stücke wie „Fire, God and Fear“ oder „Like Father, Like Son“ bis hin zu Klassikern wie „Societas Satanas“, „Forest of N’gai“, „Among Two Storms“, „Nemecic“ oder „Grandis Spiritus Diavolos“ ist das Set dicht und schlüssig gewählt. Fast wie eine Live-Werkschau, die eindrucksvoll zeigt, warum die Band zu den prägenden Namen des Genres zählt. Klanglich sehr gelungen und für Fans unverzichtbar. (4,5/5) Voicu

cover artwork TÓMARÚM Beyond Obsidian Euphoria

TÓMARÚM 🇺🇸 – Beyond Obsidian Euphoria (Progressive Black Metal, Technical Death Metal)
(Prosthetic Records, 04/04/25)
TÓMARÚM präsentieren ein sehr geschlossenes und ambitioniertes Album, das unterschiedlichste Stilmittel zu einem komplexen Gesamtwerk verwebt. Die Musik fordert Aufmerksamkeit und entfaltet ihre Wirkung erst nach mehreren Durchläufen, wenn sich die vielen Ebenen aus verschachtelten Rhythmen, permanent wechselnden Tempos und ineinandergreifenden Melodielinien erschließen. Die Kompositionen sind lang und strukturell anspruchsvoll, die technische Ausführung auf hohem Niveau. Mitunter verliert sich das Album etwas in Füllpassagen und Überkomplexität, doch die musikalischen Ideen und die Konsequenz im Ansatz machen „Beyond Obsidian Euphoria“ zu einer lohnenden Herausforderung für Fans progressiver Spielarten des Extreme Metal. (4/5) Voicu 

cover artwork BENTHOS From Nothing

BENTHOS 🇮🇹 – From Nothing (Progressive Metal)
(InsideOut Music, 11/04/25)
Vielschichtig, tonal offen und stellenweise bewusst sperrig: BENTHOS bewegen sich mit „From Nothing“ an der Grenze zur Dissonanz, ohne den Fokus zu verlieren. Einflüsse aus Jazz, Djent und klassischem Prog werden zu einem dichten, ständig in Bewegung befindlichen Sound verbunden. Live wirkt das Material sogar noch überzeugender, da Energie und Spielfreude besonders deutlich hervortreten. Die Vocals wechseln mühelos zwischen aggressiven Growls, Screams und kontrolliertem Klargesang. Technisch wie kompositorisch bewegt sich die Band auf hohem Niveau und zeigt eine bemerkenswerte Sicherheit im Wechsel zwischen Ordnung und Chaos. Ein klarer Entwicklungsschritt und ein relevantes Album im modernen Progressive Metal. (4,5/5) Voicu

cover artwork MESSA The Spin

MESSA 🇮🇹 – The Spin (Doom Metal/Rock)
(Metal Blade, 11/04/25)
MESSA zählen längst zu den etablierten Namen im Doom-Umfeld, und auch „The Spin“ knüpft daran an. Die Band verbindet epische, oft melancholische Songs mit Elementen aus Gothic Doom und Rock, wodurch ein zugänglicher, stellenweise melodisch geprägter Charakter entsteht. Der verhallte Frauengesang verleiht dem Album eine leicht nostalgische Note und öffnet den Sound auch für weniger genretypische Einflüsse. Im Vergleich zu früheren Veröffentlichungen wirkt das Material dichter ausgearbeitet, mit klarerem Fokus auf ausgeformte Kompositionen. „Void Meridian“ als Opener und „Thicker Blood“ zum Abschluss zählen zu den stärkeren Momenten. Solider, gut hörbarer Doom, der vor allem Genre-Fans ansprechen dürfte. (3/5) Voicu

cover artwork LIK Necro

LIK 🇸🇪 – Necro (Death Metal)
(Metal Blade, 18/04/25)
LIK gehören seit einigen Jahren zu den Bands, denen es besonders überzeugend gelingt, den klassischen schwedischen Old-School-Death-Metal-Sound einzufangen. Nach den starken Vorgängeralben war „Necro“ daher eines der meist erwarteten Genre-Releases des Jahres 2025. Ganz erreicht das Album zwar nicht das Niveau der vorherigen Veröffentlichungen, bleibt aber dennoch eine der wichtigsten Death-Metal-Platten des Jahres. Massiver Death Metal, unerbittliche Rhythmen, tiefgestimmte, sägende Gitarren, die die für das Genre typische Schwere garantieren, sowie passende Growls prägen das Gesamtbild. Hochwertiger Death Metal, voll von guten Headbanging-Momenten, schnell, druckvoll und nahezu ohne ruhigere Passagen – eine durchgehend strafende Platte. Dass dem Album ein klarer Übersong fehlt, der sich deutlich abhebt, lässt es im Vergleich zu früheren Werken etwas schwächer erscheinen. Die Erfahrung der beteiligten Musiker, die Verbindungen zu Bands wie Katatonia, Bloodbath, Grave oder Repugnant haben, ist jedoch jederzeit hörbar. Technisch stark, stilistisch überzeugend und ein weiteres klares Statement für den klassischen schwedischen Sound. (3,5/5) Voicu

Sirens Death 🇩🇪 – Demo (Heavy Metal)
(Eigenproduktion, 23/04/25)
Die Bonner Formation ist aufgrund einer Pause der Band Hornado entstanden und bewegt sich stilistisch zwischen Schweden und Großbritannien, setzt aber auch mal einen Fuß in die USA. Dabei erinnert man manchmal an die frühen, okkulten Anfänge der NWOBH. Insbesondere der Signatur – Song und das grandiose »Avalon« wecken Assoziationen zu Bands wie Angelwitch, Clooven Hoof, Wytchfynde und so weiter. Auch der dezent epische Ausflug in »Steel, Fortune & Fate« steht der Band mehr als gut. Das Potenzial ist hier nicht nur offensichtlich vorhanden, sondern enorm hoch. Lediglich Sängerin Jacky sollte noch etwas an Ihrem Gesang feilen, denn dieser liegt leider noch zu oft neben der Spur. Mein Wunsch für 2026 ist trotzdem:
Mehr! Vielleicht findet sich ein Label für den Vertrieb einer EP, wenn die kleinen Mankos beseitigt und noch ein paar Songs mehr geschrieben wurden. (4/5) Daniel

cover artwork Cadaver Hymns Of Misanthropy

CADAVER 🇳🇴 – Hymns Of Misanthropy (Death Metal)
(Listenable Records, 25/04/25)
Als eine der frühen Bands des Death Metal melden sich CADAVER 2025 mit ihrem siebten Album „Hymns Of Misanthropy“ zurück. In einer Diskografie mit wechselnder Qualität nimmt diese Veröffentlichung einen der besseren Plätze ein. Zwar finden sich auch hier vereinzelte experimentelle Ansätze, insgesamt gelingt es der Band jedoch, ein fokussiertes, dynamisches und überwiegend aggressives Album vorzulegen, das tief im Old-School-Death-Metal verwurzelt ist. Gelegentliche Groove-Momente und wiederkehrende Thrash-Einflüsse erinnern an frühere Phasen der Bandgeschichte, ohne den Gesamteindruck zu stören. Die Produktion ist nicht optimal und wirkt stellenweise etwas roh, was das Hörerlebnis leicht beeinträchtigt. Dennoch überzeugen massive Gitarren, treibende Drums, präsenter Bass und infernale Growls in insgesamt schlüssigen Kompositionen. Die Band beweist weiterhin Leidenschaft und Motivation, neue Musik zu veröffentlichen. Auch wenn das Niveau nicht an das Debüt heranreicht, ist „Hymns Of Misanthropy“ ein interessantes Album, das Genrefans definitiv mehrere Durchläufe wert ist. (4/5) Voicu

Eluveite 🇨🇭 – Ànv (Folk/Death Metal)
(Nuclear Blast Records, 25/04/25)
Für Folkies zu derb, für Death Metaller zu folkig, und trotzdem hat Grigel Glanzmann es geschafft, seine eigensinnige musikalische Version im Metalkosmos erfolgreich zu integrieren. »Ànv« erblickt nach sechs Jahren Wartezeit das Licht der Welt und knüpft da an, wo Ategnatos aufhörte. Unterbrochen von folkigen Instrumentalstücken und musikalisch untermalten, gesprochenen Passagen bieten »Taranoías«, »The Prodigal Ones«, »Premonition«, »The Harvest«, »Aeon Of The Crescent Moon« und das abschließende »The Prophecy« die perfekte Verbindung aus Folk und (teilweise sehr brutalem) Death Metal. Auch ein kommerzieller Songs wie »Awen« darf natürlich nicht fehlen, ist aber wieder mal von überragender Qualität. Eines meiner Highlights des Jahres, welches, wenn sich mit »All Is One« nicht doch noch ein eher durchschnittlicher Track eingeschlichen hätte, in der Digipackversion ein perfektes ELUVEITIE – Werk wäre. (4,5/5) Daniel

cover artwork STRUCTURE Heritage

STRUCTURE 🇳🇱 – Heritage (Atmospheric Doom/Death Metal)
(Ardua Music, 25/04/25)
STRUCTURE ist das Soloprojekt von Bram Bijlhout (ex-Officium Triste), und das Debütalbum „Heritage“ war angesichts seines musikalischen Hintergrunds mit hohen Erwartungen verbunden. Das Album wurde sowohl von Fans als auch von Kritikern sehr positiv aufgenommen – zu Recht, denn es handelt sich um ein äußerst geschlossenes Werk im Bereich Doom/Death Metal mit stark ausgeprägter atmosphärischer Komponente. Bereits der Opener „Will I Deserve It“, zugleich einer der Höhepunkte des Albums, führt tief in die erdrückende Klangwelt ein. Von extrem langsamen, kriechenden Passagen bis hin zu dynamischeren Momenten entfaltet sich ein Sound, der durchgehend emotional aufgeladen ist. Epische Abschnitte wechseln sich mit Momenten von Verzweiflung und innerer Leere ab. Die Lead-Gitarren unterstreichen dies mit langen, technisch versierten Solos, während das Fundament von schweren, konstanten Riffs getragen wird. Der Titelsong „Heritage“ sticht ebenfalls hervor – besonders durch seine überwältigende Schwere in Kombination mit einer melancholischen Grundstimmung. Ein sehr geschlossenes, kohärentes Album und zweifellos eines der stärkeren Doom/Death-Releases des Jahres. (4/5) Voicu

Cirith Ungol 🇺🇸 – Live At The Roxy (Epic/Heavy/Doom Metal)
(Metal Blade Records, 25/04/25)
Ein musikalisches Denkmal ist die Aufzeichnung des Abschiedsgigs der Legende CIRITH UNGOL vom zwanzigsten Oktober 2023. In knapp zweiundsechzig Minuten gibt es im ersten Teil die Livedarbietung des letzten Albums Dark Parade, im zweiten Akt bietet man einen Querschnitt durch die Diskografie feil. Auch wenn die Band hier nicht, wie sie es verdient hätte, vor zehntausenden Menschen spielt und Tim Baker nicht mehr so wie früher klingt, kann man den Schweiß in dem Klub beim Abspielen der Platte förmlich riechen und Baker agiert trotzdem brillant, indem er seine altersbedingten stimmlichen Schwächen mit der Einbindung des Publikums und einem aggressiveren Grundton umschifft. Das Album ist vertonte Energie und ein würdiger (hoffentlich nur vorübergehender) Abschluss der Bandhistorie. Die beiliegende DVD habe ich übrigens bis heute nicht angerührt, denn »Live At The Roxy« sorgt auch ohne Bewegtbilder für Kopfkino bis zum Schluss! Danach allerdings, kommt Wehmut auf… (10/5) Daniel

Wednesday-13-Mid-Death-Crisis

WEDNESDAY 13 🇺🇸– Mid Death Crisis (Punk/Rock/Heavy Metal)
(Napalm records, 25/04/25)
 „Mid Death Crisis“ klingt wie eine Hommage an WEDNESDAY 13s Debüt „Transylvania 90210“ (2005) und seine gesamte Wandlung seitdem. Anfangs klar im Punkrock angesiedelt, lehnten sich die Songs mit der Zeit immer stärker in Richtung (Industrial) Metal. Typisch sind außerdem die Texte über Horrorfilm-Klassiker und verwandte schaurige Themen. Der oft komödiantische Ton, getragen von ausgelassener Musik, ging auf den beiden Vorgängern „Necrophaze“ (2019) und „Horrifier“ (2022) etwas verloren.
Auf „Mid Death Crisis“  ist dieses alte Flair jedoch von der ersten Sekunde an wieder spürbar – frisch und unverkrampft. Knackige Songs und Texte mit dem gewohnten Augenzwinkern („Rotting Away“, „Decapitation“) treffen auf mitreißende Refrains und Strophen wie in „When The Devil Commands“ und „In Misery“. So bleibt das Album kurzweilig und einprägsam, ohne sich zu wiederholen. Die Metal-Elemente tragen in Form von groovigen Riffs und druckvollen Drums zu einem dynamischen und zeitgemäßen Sound bei. (4,5/5) Charlene

Mai

Palantyr 🇫🇷 – The Ascent And The Hunger (Speed/Heavy Metal)
(Jawbreaker Records, 02/05/25)
Bei den Franzosen von PALANTYR handelt es sich mitnichten um eine neue Band, sondern um die umbenannten, schon seit einer Dekade aktiven Destrukt. Diese Erfahrung merkt man »The Ascent & The Hunger« auch an, denn Speed Metal Hymnen wie »Shan E Sorkh« und »Broken Mirror« sind dermaßen auf den Punkt gespielt, dass man zur Verzückung des Hörers in »Son Of The White Mare« selbst bei Überschallgeschwindigkeit auch vor komplexen Breaks nicht zurückschreckt. Zudem macht die Stimmung in »Graveyard« dem Namen alle Ehre und mit dem stilistisch perfekt adaptierten Paul Roland – Cover »Nosferatu« hat man einem echten Hit in petto. Wer auf Smoulder und Lady Beast auf Speed steht, kann hier gar nicht anders als zugreifen! (4,5/5) Daniel

cover artwork CREMATORY Destination

CREMATORY 🇩🇪 – Destination (Industrial/Gothic Metal)
(ROAR! / Rock of Angels Records, 02/05/25)
CREMATORY veröffentlichen 2025 mit „Destination“ ihr siebzehntes Studioalbum. Musikalisch liefert die Band genau das, was man von ihren jüngeren Veröffentlichungen erwartet: melodischen Industrial Metal mit Gothic-Anleihen, eingängigen Refrains, moderater Härte und starker Keyboard-Präsenz. Vom frühen Gothic Death Metal ist man längst weit entfernt, und die Diskografie der letzten Jahre zeigt deutliche Qualitätsschwankungen. Auch „Destination“ reiht sich hier ein, mit einer Mischung aus gelungenen Songs und vielen weniger überzeugenden Momenten. Stilistisch tauchen immer wieder alternative Metal-Elemente auf, während die dominanten Keyboards den industriellen Rahmen sichern. Insgesamt fehlt es dem Album an Überraschungen, viele Songs wirken glatt, stellenweise zu kommerziell und nicht immer vollständig ausgearbeitet. Zwischen eingängigen und eher belanglosen Stücken bleibt am Ende ein Release, das für viele Genre-Fans relevant sein dürfte, darüber hinaus jedoch keinen nachhaltigen Eindruck hinterlässt. (2,5/5) Voicu

cover artwork HATE Bellum Regiis

HATE 🇵🇱 – Bellum Regiis (Blackened Death Metal)
(Metal Blade, 02/05/25)
HATE gehören zu den konstantesten Bands im extremen Metal und haben über ihre mehr als 35-jährige Karriere hinweg nahezu im Zwei- bis Drei-Jahres-Rhythmus neue Alben veröffentlicht. Auch stilistisch ist die Band ihrer Linie stets treu geblieben, trotz punktueller Entwicklungen im Laufe der Jahre. Nach vier Jahren Wartezeit erscheint mit „Bellum Regiis“ das neue Werk, das erwartungsgemäß genau dort ansetzt, wo die letzten Veröffentlichungen aufgehört haben. Solider Death Metal mit blackened Einschlag, kraftvolle Riffs, druckvolles Drumming und vor allem die markanten Vocals von Adam, der als einziges konstantes Mitglied das Herz der Band darstellt. Musikalisch ist das Album handwerklich überzeugend, bringt jedoch kaum neue Impulse. Die Melodien sind durchgehend gut, ähneln sich jedoch stark untereinander und erinnern häufig an Material früherer Alben. Es fehlt an klarer Differenzierung zwischen den Songs und an Momenten, die sich nachhaltig festsetzen. Ein insgesamt angenehmes Album ohne echte Schwächen, dem jedoch der Funke fehlt, der aus guten Songs bleibende macht. Dennoch ein Werk, das Genre-Fans einige Durchläufe wert ist. (3/5) Voicu

Blindgänger 🇩🇪 – Damokles (Groove/Heavy Metal)
(Eigenproduktion, 15/05/25; 02/01/25)
Trick 17, denn das am zweiten Januar erschienene fünfte Album der Leipziger BLINDGÄNGER hatte ich glatt im ersten Teil ausgelassen, wurde allerdings am 15.05. als LP veröffentlicht und muss erwähnt werden. Denn die Kapelle hat einen beeindruckenden musikalischen Weg von einer Punk-/Deutschrock – Combo hinzu einer der besten deutschsprachigen Metalacts hinter sich. Und da »Damokles« in Teilen zwar extrem politisch ist, aber nicht wie der Vorgänger politisch extrem, kommt es hier zur Geltung. Die Hardcore – Walze mit Kid D. als Gast eröffnet den Reigen großartiger Songs, denn nicht nur das folgende »Damokles« bietet Groove Metal der keine Gefangenen macht, sondern überzeugt durch lyrisch stark in Szene gesetzte Konsumkritik. Ebenfalls auf textlichem wie musikalischem Toppniveau sind die Kritik an der Lethargie des Individuums im hitverdächtigen »Zeichen« und das mit seiner selbstreferenziellen Lyrik sehr authentisch rüberkommende »Glut«. Dazwischen gibt es mit »Stolperstein« und »Zeichen« auch Kritik an der politischen Lage in der Republik, mit »Ganz gleich« Zukunftsangst aus grüner Sicht und mit der (ungefähr 45 Jahre zu spät erschienenen) Feminismus/Heavy Metal Hymne »Schwestern aus Stahl« mit Laura Guldemond von Burning Witches musikalisch ausnahmslos großartige Kost. »Damokles« ist eines der besten deutschsprachigen Metalalben seit Jahren! (4/5) Daniel

Scorcher 🇬🇷 – The Regal Eye (US Power/Melodic Metal)
(Eigenproduktion, 16/05/25)
Es ist eine Sünde, dass die unter dem Banner SCORCHER agierenden Brüder Chris und Hauptprotagonist Vangelis Tekas seit mittlerweile dreizehn Jahren kaum jemanden etwas sagen. Jedem der bisher drei Alben merkt man nicht nur die Liebe zum Heavy Metal der Achtziger an, Vangelis „Tex“ Tekas ist zudem einer der besten Songwriter, welche jemals im traditionellen Spektrum unterwegs waren. Die Griechen zeichnet seit Jahren aus, eine als unerreichbar geltende Einheit von NWOBH und dem USPM zu kreieren. Das Zweitwerk Steal The Throne ist eines der besten Steel Prophet – Alben, das nicht von den Amis geschrieben wurde und der Nachfolger Systems Of Time klingt wie ein Jam Session Battle zwischen Clooven Hoof, Judas Priest und Iron Maiden auf der einen, Helstar, Vicious Rumors, Jag Panzer und Metal Church auf der anderen Seite. Sieben Jahre später stehen auf »The Regal Eye« die Gewinner dieser Schlacht fest und die britische Sektion darf lediglich durch sehr markante Gastbeiträge glänzen. Der eröffnende Titeltrack und das begeisternde »De-synchronized« bilden als Steel Prophet – Referenzen lediglich die Ausnahme, das schon vor vier Jahren als 7“ Single und bis zum erscheinen des Albums regelmäßig rotierende »Radio Silence« als auch »Joyful Child« führen den auf dem Vorgänger angedeuteten Weg zu mehr Konsequenz in der Gitarrenarbeit nicht nur fort, sondern perfektionieren dies geradezu. »(No Need To Know) The Future« hätte ebenso auf der aktuellen (großartigen!) Wretch stehen können und dass man sieben Minuten gnadenlosen, treibenden US Power Metal dermaßen kurzweilig wie in »We Are The Cure« zum Besten kann, ist beinahe ein Unikum in diesem Genre. »The Regal Eye« schafft es, magische Melodien mit kompromissloser Härte zu vereinen, ist ein Denkmal an die Hochphase des Heavy Metal im Allgemeinen und sollte neben der neuen Wings Of Steel auch von jedem traditionellen Metalfan abseits des US Metal zumindest angecheckt werden. (5/5) Daniel

cover artwork DÉTRESSE Pessimismes

DÉTRESSE 🇦🇹 – Pessimismes (Black Metal)
(Vendetta Records, 16/05/25)
DÉTRESSE sind eine Black-Metal-Band aus Wien, und die Musik, die sie spielen, ist direkter, gut komponierter Black Metal. Verzweifelte Schreie unterstreichen durchgehend die trostlose Atmosphäre, werden jedoch von sehr starker Musik getragen, die klar in einer eher klassischen Black-Metal-Tradition verwurzelt ist. Von klagenden Momenten mit hoher emotionaler Aufladung bis hin zu äußerst aggressiven, von Wut geprägten Passagen reicht das inspirierte Songwriting. „Pessimismes“ widmet sich – wie der Titel bereits andeutet – stärker der depressiven Seite des Genres, melancholische Akkorde verleihen der Musik dabei kontinuierlich eine atmosphärische Dimension. Insgesamt hinterlässt das Album einen sehr geschlossenen Eindruck, es ist sorgfältig ausgearbeitet und durchdacht komponiert. Der Abschlusstrack und zugleich der Titeltrack setzt einen letzten emotionalen Akzent: ein langes, akustisches Gitarrenstück, getragen von Traurigkeit und einem tiefen Gefühl von Verlust, das das Album beschließt. Ein anderer Klangraum, aber ein würdiger Abschluss. Insgesamt ein Album mit vielen Facetten, die jedoch allesamt von sehr guter Musik getragen werden. Eindrucksvoll und überzeugend. (4,5/5) Voicu

Titan Killer 🇦🇹 – Slow Self-Destuction (Heavy/Power Metal)
(Eigenproduktion, 16/05/25)
Eine Frage in den Raum: Wer hat Bock auf eine Mischung aus Scanner und Iced Earth? Richtig, alle! Wobei die grobe Umschreibung des Klangbildes der Wiener TITAN KILLER dem Fünfer nicht gerecht wird. Hinzu gesellt sich der Einfluss alter Accept genauso wie die NWOBH. Wer jetzt schon sabbert, sollte aufhören zu lesen und sofort reinhören, dem kleinen Rest sei noch mitgeteilt, dass der Titeltrack, »Fear The Cross«, »Forced The Hollow«, »Echoes Of Hope«, »SF-1« sowie die letzten drei Lieder allesamt Walzen sind, die eindrucksvoll zwischen Gitarrenwand, Accept – Chören, britischen Melodien und fetten Refrains alles platt machen, was im europäischen Raum an Veröffentlichungen im traditionellen Metalbereich 2025 rauskam. Die Band ist hier eine Wand, eine Armee im Gleichschritt, ein gottverdammter Panzer, dessen Zerstörungskraft in Zukunft zu spüren sein sollte. Denn trotz des zu lethargischen »Fuel Addicted« ist »Slow Self-Destruction« eines der Alben des Jahres, wenn es um unverfälschten, kompromisslosen und anspruchsvollen Heavy Metal mit einhundert Prozent Wiedererkennungswert geht! (4,5/5) Daniel

cover artwork PELICAN Flickering Resonance

PELICAN 🇺🇸 – Flickering Resonance (Post-Metal/Rock)
(Run For Cover Records, 16/05/25)
Einst gehörten PELICAN zu den prägendsten Bands des instrumentalen Post-Metal, zuletzt haben sie sich jedoch stärker in Richtung Rock bewegt. Dennoch wurde das neue Album von langjährigen Fans mit großem Interesse erwartet. Es ist nicht zwingend eine Enttäuschung, erreicht jedoch bei Weitem nicht das Niveau der besten Arbeiten der Band. Ohne wirkliche Hooks, die den Hörer nachhaltig fesseln könnten, wirkt das Material vergleichsweise linear, mit Akkordfolgen, die sich häufig wiederholen. Obwohl die Musik an sich interessant ist, fehlt ihr jene kompositorische Sogwirkung, die frühere Veröffentlichungen ausgezeichnet hat. Vieles erinnert eher an einen dokumentarischen Soundtrack oder an neutrale Hintergrundmusik. Trotz einiger guter Riffs und der unbestrittenen technischen Fähigkeiten der Bandmitglieder fehlt der Funke, der den Unterschied zwischen einer durchschnittlichen und einer wirklich herausragenden Band ausmacht. Wiederholende Strukturen, nur seltene melodische Akzente oder Kontraste, insgesamt eine recht blasse Angelegenheit. Dennoch handelt es sich innerhalb der Welt des instrumentalen Post-Metal um eine relevante Veröffentlichung, zugleich aber um einen Tiefpunkt in der bisherigen Karriere der Band. (2,5/5) Voicu

Düsenjäger 🇦🇹 – Tod von oben (EP) (Heavy/Speed/Thrash Metal)
(Eigenproduktion, 25/05/25)
Das Konzept des Venator Nebenprojektes dürfte bei einigen Zeitgenossen für Schnappatmung sorgen. Auf dem Gebiet der ehemaligen DDR indes denkt man mit Begeisterung beim Hören von »Tod von oben« an Bands Titan, Vantom und die aus meiner Heimat stammenden Biest, »Luftangriff« erinnert sogar ein wenig an alte Macbeth. Mittlerweile gibt es ja immer mal wieder Bands, die sich an deutschsprachigem Heavy Metal und Hardrock versuchen, aber bis auf Iron Kobra mit der Kerker und Drachen – EP und dem Vulva Ableger Ritvs kam bis Juli 2025 niemand an die alten Hardrock- und Ostmetalbands ran. Für HMFEG – Fans ein Muss! (4,5/5) Daniel

Sapid Steel 🇩🇪 – Feel The Fire (Hardrock/Heavy Metal)
(Eigenproduktion, 25/05/25)
Die Chemnitzer haben mit Moshquito – Basser Rudi und Barock – Frontmann Marv (unter anderem ex- Steelclad) zwei bekanntere Gesichter im Line Up und spielen Live zumeist Covershows mit AC/DC-, Motörhead- und diversen Achtziger Metalsongs. Allerdings schreibt man ab und an auch eigene Lieder, und dies scheint mit hinzukommen des aktuellen Sängers verstärkt angegangen worden zu sein. Auch wenn es hier viele olle Bandkamellen auf »Feel The Fire« geschafft haben, lohnt sich das Album durchaus für Fans von AC/DC, Krokus und alte Accept. Obendrauf gibt es in »Whatever«, »Feel The Fire« sowie »Rock It Hot« leichte Rolling Stones – Vibes und die eben erwähnten Kamellen erstrahlen im neuen Glanz. Die finalen Versionen von »Wasted Trouble«, »Scream Machine« und »Steelbreaker« machen richtig Spaß, das Debüt ist zudem ideal für längere Autofahrten. »Feel The Fire« wirkt wie eine Bestandsaufnahme auf der einen Seite, auf der anderen wie ein Übergang. Denn einen schlechten Song kann man hier nicht ausmachen, im Gegenteil. Am Ende gibt es mit »Hangover« einen richtig starken (Southern)Rock Song und die Saxon/Accept – Dampframme »Damnatio Memoriae« ist in meiner Topsongplaylist unter den besten fünf Songs des Jahres. Hier deutet sich an, wohin die Reise nach diesem sehr guten Einstand noch gehen kann. (3,5/5) Daniel

cover artwork ŠAKAL II

ŠAKAL 🇷🇸 – II (Black Metal, Pagan Black Metal)
(Independent, 30/05/25)
Auch bekannt als Шакал, ist die serbische Band ŠAKAL noch ein vergleichsweise neuer Name im großen Black-Metal-Kosmos. Mit dem Debütalbum konnten sie jedoch bereits überzeugen, und mit „II“ versuchen sie nun, ihre Position weiter zu festigen. Das neue Material erweist sich als sehr überzeugend. Viele der heidnischen Einflüsse wurden in eine deutlich kompaktere und direktere Form von Black Metal überführt. Das Album bietet unerbittliche Rhythmen, wobei die Leadgitarre häufig eine zentrale Rolle im Gesamtbild einnimmt. Trotz beeindruckender Tremolo-Linien wirken die Solos stilistisch oft aus einem anderen musikalischen Kontext entlehnt und sind nicht immer stimmig eingebettet. Abgesehen davon funktioniert jedoch nahezu alles sehr gut in der Musik der Band: verzweifelte Schreie und dämonische Vocals, getragen von einer spürbaren Dringlichkeit, sorgen für zahlreiche dramatische Momente. Dichte, kraftvolle Instrumentierung und solide kompositorische Fähigkeiten halten die Spannung konstant aufrecht. Ein starkes Album und eine Band, die ihren Status bereits überzeugend unter Beweis stellt. (4/5) Voicu

cover artwork RIVERS OF NIHIL Rivers Of Nihil

RIVERS OF NIHIL 🇺🇸 – Rivers Of Nihil (Progressive/Technical Death Metal)
(Metal Blade Records, 30/05/25)
Nach einem schwächeren Vorgänger melden sich die amerikanischen Progressive/Technical-Death-Metaller RIVERS OF NIHIL mit einem selbstbetitelten Album zurück. „Rivers Of Nihil“ entstand zudem unter deutlichen personellen Veränderungen, mit dem erklärten Ziel, an die Dynamik ihres Meisterwerks „Where Owls Know My Name“ anzuknüpfen. Teilweise gelingt die Rückkehr zu stärkerem Songwriting und einer lebendigeren musikalischen Ausrichtung. Zwischen scharf geschnittenen, kraftvollen Passagen finden sich Elemente aus dem Deathcore, eingebettet in einen technisch versierten Death-Metal-Kontext. Gleichzeitig gibt es melodische und progressiv geprägte Momente, wobei Clean Vocals weiterhin einen wichtigen Anteil an der Gesangsarbeit haben. Die Songs sind komplex aufgebaut, mit zahlreichen ineinandergreifenden Ebenen, polyrhythmischen Strukturen und dicht verwobenen Melodien – in diesem Sinne ein konsequent progressives Album. „House of Light“ sticht als eines der epischsten Stücke hervor, weniger verschachtelt als viele andere Songs, dafür mit einer klareren und inspirierteren melodischen Linie. Weniger experimentell als der direkte Vorgänger, dafür intensiv und dynamisch, mit kreativer Handschrift. Nicht auf dem Niveau der stärksten Veröffentlichungen der Band, aber dennoch ein solides Werk, das mehrere Durchläufe verdient. (3,5/5) Voicu

Juni

Cromlech 🇩🇪 – Of Owls And Eels (Atmospheric/Melodic Black Metal)
(Darkness Shall Rise Productions, 06/06/25)
Das wieder aufgenommene Projekt von Impurus, der einigen vielleicht als Teil der Doomer Albez Duz bekannt ist, setzt neben allerhand Klangeffekten auf die alte Schule. Atmosphärisch sehr dicht, sitzen Songs wie »Owls In The Fog« und »Past Forever« zwischen den schwedischen Naglfar und The Ruins Of Beverast, »Ice Curse« und das deutschsprachige »Mordlust« assoziieren zudem einen Bezug zu Bands wie Lunar Aurora, Gehenna, auch klirrende Emperor – Gitarren spielen eine wichtige Rolle in dieser Aufführung. Gesanglich geht hier alles vom dezent Klargesang über Erzählung und vor allem guttural, die Keyboards sind ein wesentlicher Bestandteil des Klangbildes und verdichten die Mauern der Kammer, in die sich der Hörer begibt. Sicher ist diese Art des Black Metal eine reine Geschmacksfrage, aber wer auf die oben genannten Referenzen abfährt, fährt mit »Of Owls And Eels« auf jeden Fall gut. (4/5) Daniel

Twist Of Fate 🇺🇸 – Only When It Rains (US Melodic Progressive Metal)
(Arkeyn Steel Records, 06/06/25)
Das Album sollte ursprünglich 1997 erscheinen und war eines der großen Juwelen, die in den Neunzigern vergraben wurden. Wer im US – Underground zu Hause ist, dem wird die 1998 erschienene EP der Band sicher noch etwas sagen, allerdings lohnt sich auch jetzt ein Blick die Band. Denn unter anderem war ein gewisser Tim Owens vor den Aufnahmen Sänger von TWIST OF FATE und mit Dennis Hayes, Jeff Curenton und Nick Giannakos sind gleich drei (Ex-)Mitglieder von Wretch im Line Up vertreten, die sich für eines der besten US Power Metal Werke aller Zeiten verantwortlich zeigten. Und das kann man »Only When It Rains« auch entnehmen, denn »Alone«, »Season Of Chance«, »Red Skies«, »Two Arms« und »Above The Law« beinhalten Ideen, die neun Jahre später in einem anderen musikalischen Kontext auf Reborn nochmals verwendet wurden. »Only When It Rains« ist mehr als eine Zeitreise in ein Jahrzehnt, wo Musiker noch mehr Ansprüche an sich selbst hatten und diese Art von Musik (welche entgegen der offiziellen Doktrin nicht tot war, sondern) keine Möglichkeit geboten bekam, beworben zu werden. Denn die Überarbeitung der Aufnahmen lässt das Album nicht verstaubt klingen und alle Songs auf dem gesamten Werk sind bis ins kleinste Detail arrangiert. TWIST OF FATE schaffen es innerhalb dieser guten Stunde mittels einer vielfältigen Farbpalette, bestehend aus der direkten Art von Bands wie Wretch und Fifth Angel und den Traumwelten alter Heir Apparent und Queensryche, durch die Dramaturgie früher Fates Warning in ein großartiges sowie einzigartiges Klanggemälde zu verwandeln. Das i-Tüpfelchen ist jedoch die Gitarrenarbeit. Habe ich im ersten Teil Giannakos als das personifizierte US Metal Shredding bezeichnet, was man hier unter anderem in »Once Again« und »White Crime« erneut eindrucksvoll belegt bekommt, beinhaltet das gesamte Album obendrein in Verbindung mit den Solos und Gänsehautmelodien eine der besten Gitarrenarbeiten im US Metal überhaupt. (4,5/5)

cover artwork AUTUMN NOSTALGIE Metanoia

AUTUMN NOSTALGIE 🇸🇰 – Metanoia (Post-Black Metal/Ambient)
(Northern Silence Productions, 06/06/25)
Nostalgische Akkorde, Melancholie, Traurigkeit und eine ausgeprägt emotionale Grundstimmung sind das, was man von der slowakischen Post-Black-Metal-Band AUTUMN NOSTALGIE erwarten darf – und genau das findet sich auch auf ihrem aktuellen Album „Metanoia“. Sehr melodisch, dabei stark von einer traurigen Atmosphäre getragen, bewegt sich die Musik überwiegend im Spannungsfeld von Blackgaze, ergänzt durch Elemente aus Post-Metal und gelegentliche Ambient-Passagen. „Return to Nowhere“ bringt die typischen, hypnotischen Akkordfolgen ins Spiel, schöne Musik mit erheblichem emotionalem Gewicht. Dieses melancholische Moment zieht sich in einem kontinuierlichen Fluss durch das gesamte Album. Die Leadgitarre mit ihren Tremolo-Linien prägt maßgeblich die melodische Dimension, während markante Basslinien und treibende Drums das Fundament bilden, auf dem die verzweifelten, gequälten Schreie ihre dramatische Wirkung entfalten. Der Titeltrack „Metanoia“ zeigt sich aggressiver, enthält aber auch eine atmosphärische Passage und zählt zu den melodischsten Stücken des Albums. AUTUMN NOSTALGIE, das Soloprojekt von A.G., erfindet den Post-Black-Metal nicht neu, überzeugt jedoch mit starken Melodien und viel Gefühl, das konsequent über die Musik transportiert wird. Eine Empfehlung für alle, die dem Genre nahestehen. (4/5) Voicu

cover artwork GAAHLS WYRD Braiding The Stories

GAAHLS WYRD 🇳🇴 – Braiding The Stories (Black Metal)
(Season Of Mist, 06/06/25)
Sechs Jahre nach dem Debüt kehren GAAHLS WYRD mit ihrem zweiten Full-Length zurück und präsentieren erneut eine Reise durch äußerst unterschiedliche musikalische Klangräume. Von Passagen, die beinahe an einen Leonard-Cohen-Song erinnern könnten, bis hin zu aggressiven, voll ausgeformten Black-Metal-Ausbrüchen spannt sich ein weiter Bogen. Dramatische Momente durchziehen das gesamte Album, und stets bleibt das Gefühl präsent, Teil einer Erzählung zu sein, eher Zuhörer einer Geschichte als Konsument einzelner Songs. Stücke wie „Braiding the Stories“, „And the Now“ und vor allem das klare Highlight „Time and Timeless Timeline“ fungieren als markante Wegpunkte innerhalb dieser Reise. Die Kompositionen sind sorgfältig ausgearbeitet, geprägt von starken dramaturgischen Spannungen, sehr experimentellen Elementen und einer stilistischen Offenheit zwischen Black Metal, progressiven Ansätzen und avantgardistischen Strukturen. In typischer Gaahl-Manier wirkt das Album mehr wie ein musikalisches Theaterstück denn wie ein klassisches Metal-Album. Seine vokale Performance ist dabei interessanter und vielschichtiger denn je, die Vielzahl an Ausdrucksformen und Techniken beeindruckend. Ein Album mit enormem Gehalt, das Aufmerksamkeit und Geduld verlangt, dessen Komplexität und Klasse sich jedoch mit jedem Durchlauf deutlicher erschließen. (4/5) Voicu

cover artwork GRUESOME Silent Echoes

GRUESOME 🇺🇸 – Silent Echoes (Progressive Death Metal)
(Relapse Records, 06/06/25)
Für jeden Fan von DEATH sind GRUESOME unweigerlich als eine der klanglich ähnlichsten Bands erkennbar. Doch GRUESOME sind längst mehr als eine reine Referenz oder Verneigung – sie haben eine eigene Identität und eine klar erkennbare musikalische Handschrift entwickelt, was sie mit „Silent Echoes“ erneut unter Beweis stellen. Stilistisch bewegt sich die Band inzwischen stärker im progressiven Death Metal und überzeugt durch komplexe Kompositionen sowie verschachtelte Klanglandschaften. Der Einfluss von DEATH ist dabei stets präsent, ohne dominierend zu wirken, und verleiht der Musik zusätzliche Tiefe. Bereits die starke Eröffnung mit „Condemned Identity“ und „A Darkened Window“ zieht den Hörer mit wechselnden Tempos und ausgefeilten Strukturen in den Bann. Die folgenden Stücke bestätigen diesen Eindruck: massive Riffs, tiefes Growling, komplexe Gitarrensolos und durchweg überzeugendes Songwriting prägen das Album. Getragen von einem unnachgiebigen Rhythmusgefüge formen die Songs ein geschlossenes, homogenes Klangbild. Technisch präzise, sehr dicht gespielt und kompositorisch überzeugend ist „Silent Echoes“ aus allen Blickwinkeln ein starkes Album und eine konsequente Fortsetzung einer ohnehin beachtlichen Diskografie. (4,5/5) Voicu

cover artwork VOLBEAT God Of Angels Trust

VOLBEAT 🇩🇰 – God Of Angels Trust (Heavy/Groove Metal, Hard Rock)
(Vertigo Records / Universal Music Group, 06/06/25)
Der unverwechselbare Stil von VOLBEAT, der ihnen über die Jahre eine riesige und treue Fanbasis eingebracht hat, ist bereits mit den ersten Takten von „God Of Angels Trust“ sofort erkennbar. Die Mischung aus Rock’n’Roll-Attitüde, eingängigen Melodien und druckvollen Riffs bildet auch hier das Fundament. Vier Jahre nach dem Vorgänger „Servant Of The Mind“, der für viele zu den stärksten Veröffentlichungen der Band zählt, waren die Erwartungen entsprechend hoch. Diese kann das neue Album nicht vollständig erfüllen, dennoch handelt es sich um ein solides und typisches VOLBEAT-Werk. Die kraftvollen Riffs und eingängigen Refrains sind vorhanden, allerdings fehlt es an ein oder zwei klaren Highlights, die sich nachhaltig festsetzen. Positiv fällt auf, dass das Album weniger kitschig und insgesamt dynamischer wirkt, mit einer stärkeren Ausrichtung auf härtere Passagen und einem geringeren Hang zum allzu Glatten. Kein schwaches Album, sondern eher ein gleichmäßiges Werk ohne viele herausragende Momente, das dennoch als relevante Veröffentlichung des Jahres betrachtet werden kann. (3/5) Voicu

Fabula Rasa 🇩🇪 – Tome II: The Beyond (Power/Folk Metal)
(Eigenproduktion, 13/06/25)
Die Düsseldorfer Formation spielt keinen astreinen Power Metal, denn sie hat statt einer zweiten Gitarre eine Violine am Start. »Tome II: The Beyond« setzt trotzdem überwiegend auf Metal, auch wenn sich wie in »At The Full Moon« tanzbare Folkpassagen mit Melodic Power Metal Solos abwechseln. »Vegeance Is Mine« und »Dragon Rising« galoppieren unnachgiebig nach vorn, »Anthem Of The North« ist eine richtig starke Metalhymne und mit »Legend Of Jhachaar« und »Until The Dawn« befinden sich großartige Folk/Power Metalstücke auf dem Album, die selbst Rhapsody in ihrer Hochphase nicht besser hinbekommen hätten. Aus der Sicht eines Metallers hätte man sich zwar das reine Folkstück »Burning Innocence« schenken und den grauenvollen Refrain von »Deties Fight« sparen können, aber dies ändert weder etwas an der beeindruckenden Leistung von Sänger Achim Hopf, noch an dem Alleinstellungsmerkmal der Violine und schon gar nichts daran, dass sich »Tome II: The Beyond« vor allem für Euro Power Metal Fans lohnt. (3,5/5) Daniel

cover artwork CRYPTOPSY An Insatiable Violence

CRYPTOPSY 🇨🇦 – An Insatiable Violence (Brutal/Technical Death Metal)
(Season Of Mist, 20/06/25)
Die Pioniere des Brutal Death Metal melden sich 2025 mit einem neuen Album zurück und liefern eine der gnadenlosesten musikalischen Attacken des Jahres ab. „An Insatiable Violence“ ist ein Album ganz im Geiste der Band: brutal, infernalisch und von der ersten bis zur letzten Sekunde ein permanenter Angriff ohne Verschnaufpause. Melodien spielen hier keine Rolle – und das erwartet bei CRYPTOPSY auch niemand. Stattdessen dominieren rohe Gewalt, eine makabre Atmosphäre sowie mahlende, massive Rhythmen. Die technische Klasse der Musiker treibt ihre Fähigkeiten an die absolute Grenze. Das Schlagzeug ist ein permanentes Feuerwerk aus komplexer Rhythmik, virtuosen Figuren und rasenden Blastbeats. Brutale Death-Metal-Slams wechseln sich mit extrem beschleunigten Passagen ab. „Dead Eyes Replete“ sticht als klares Highlight hervor, ebenso wie „Embrace The Nihility“ oder „The Nimis Adoration“ – Songs von enormer Energie und Durchschlagskraft. Die Darbietung ist hochpräzise, die technische Versiertheit offensichtlich, und auch kompositorisch zeigt sich die Band auf höchstem Niveau. Ein herausragendes Album und einer der markantesten Beiträge im Death-Metal-Jahr 2025. (4,5/5) Voicu

 

Yungblud - Idols -Coverart

YUNGBLUD 🇬🇧 – Idols (Rock/Pop)
(Locomotion Recordings, 20/06/25)
Wahrscheinlich war ich nicht die Einzige, die bis zum 5. Juli 2025 keinerlei Berührungspunkte mit YUNGBLUD hatte. Seine Live-Performance von BLACK SABBATHs „Changes“ beim geschichtsträchtigen Event „Back To The Beginning“ zu Ehren von Ozzy Osbourne ging tausenden Menschen unter die Haut. Entsprechend dominierten Clips dieser Performance sowie Interviews mit Dominic Richard Harrison alias Yungblud anschließend meine Social-Media-Feeds. Der Algorithmus tat sein Übriges und führte mich schließlich zu seinen aktuellen Singles.
Kurz vor dem Event erschien sein viertes Studioalbum „Idols“. Die Single „Zombie“ wirkte auf mich zunächst zu poppig und zu glatt. „Hello Heaven, Hello“ hingegen überraschte mich positiv: Der neunminütige, in drei Akte gegliederte Opener spannt einen stimmigen Bogen von bittersüßer Melancholie über eine energiegeladene Rockpassage mit deutlichen BLACK-SABBATH-Einflüssen bis hin zu einem orchestralen, versöhnlichen Outro. Als Albumauftakt setzt der Song die Messlatte hoch.
Die übrigen elf Tracks fallen jedoch deutlich simpler aus. „Idols Pt.1“ bleibt brav, „Lovesick Lullaby“ punktet mit Ausgelassenheit, während Songs wie „Zombie“ oder „Ghosts“ vor allem durch ihre Texte wirken. Musikalisch fehlt vielen Songs die rebellische Attitüde, die YUNGBLUD verkörpert. Stärke zeigt „Idols“ vor allem in den Lyrics, die sich sensibel mit psychologischen Themen auseinandersetzen, sowie in den gezielt eingesetzten orchestralen Arrangements. „Idols“ präsentiert sich als überraschend zurückhaltendes, aber kurzweiliges Werk, das YUNGBLUDs Entwicklung zum authentischen Rock noch nicht vollendet, seinen Pop-Background jedoch deutlich kontrastiert. (3,5/5) Charlene

Prinzip – Live Kamenz ´78 (Hardrock/Classic Rock)
(ROKKFILM, 27/06/25)
Ein wunderbares Sammlerstück mit einem üppigen Beiheft über die Geschichte einer Band, die Musikgeschichte geschrieben hatte, ist der 1978er Livemittschnitt der Gruppe PRINZIP, die bis 1990 existierte. In Relation zum Erfolg der Band in den Staaten der damaligen Sowjetunion sowie der Tatsache, dass man unter anderem mit »Sieben Meter Seidenband«, »Müh Dich fort« und »Preßlufthammer Conny« neue Härtemaßstäbe östlich des antifaschstischen Schutzwalls setzte und somit die Grundlage für den Heavy Metal in der DDR legte, kann man hier von den Scorpions des Ostens sprechen. Der DDR –  Staatsführung war der Härtegrad zu hoch, so dass mit Rainer Kirchmann ein von der Regierung verordneter Keyboarder Einzug in die Band hielt, um weitermachen zu dürfen. Auch das Bandlogo wurde zensiert, weil es zu „…westlich orientiert sei…“.
Das Line Up der Band beherbergte zudem im Verlauf der Bandhistorie einiges an Prominenz, doch dazu werde ich an anderer Stelle ausholen. PRINZIP war für die Auftritte berühmt, weil die Band ab Beginn der Achtziger mit einer Lichtshow auf Westniveau brillieren konnte und die Lieder späterer Veröffentlichungen härter darbot als auf den weichgespülten Alben. »Live Kamenz ´78« bietet musikalisch für die damalige Zeit sehr harten Hardrock in einer groben Schnittmenge aus Deep Purple/Uriah Heep und zeigt auf, was für großartige Musiker hier mit an Bord waren. Alleine die hier vertretene Version von »Sieben Meter Seidenband« lässt Classic Rock Fans dahinschmelzen, die heutzutage bekannten Interna lassen einen außerdem über den offensichtlichen (instrumentalen und den Gig befruchtenden) Zweikampf von Matkowitz und Kirchmann schmunzeln. Dieses Werk ist ein wichtiges Stück deutscher Rockgeschichte und unschätzbar, was unter anderem auch die Unterstützung des Good Times Magazin bei dieser Veröffentlichung verdeutlicht. (/) Daniel

Fortsezung folgt

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