2025 – Der etwas andere Jahresrückblick Teil IV

Oktober – Dezember

Der vierte Teil unseres Jahresrückblicks markiert das Ende dieses Specials. Für das letzte Segment wurden ein letztes Mal die persönlichen Archive – digital und analog – durchforstet. Auch das letzte Quartal von 2025 war geprägt von starken Releases im Metal-Sektor. Sowohl etablierte Szene-Größen als auch Underground-Perlen lieferten beeindruckendes Material ab, das uns bis ins neue Jahr und darüber hinaus begleiten wird.

Als Metal-Magazin, das von der Passion freiwilliger Schreiberlinge lebt, die sich neben Beruf und Alltag Zeit fürs genaue Hinhören, Recherchieren und Grübeln nehmen, ist es oft schwierig, der Erwartung gerecht zu werden, neue Releases möglichst zeitnah zu besprechen. Mit diesem Jahresrückblick haben wir in gekürzter Form Veröffentlichungen Platz gegeben, die aus Zeitgründen leider auf der Strecke geblieben sind – ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Wir hoffen, dass der Rückblick auch unsere Leserschaft inspiriert, in das eine oder andere Album aus 2025 reinzuhören. Bereits Teil I, II und III wussten mit starken Kompositionen zu überzeugen, doch auch der vierte und letzte Teil hat einiges zu bieten:

Oktober

cover artwork AGRICULTURE The Spiritual Sound

AGRICULTURE 🇺🇸 – The Spiritual Sound (Post-Black Metal)
(The Flenser, 03.10.25)
Ein Album, das ein aufmerksames und geduldiges Hören verlangt. Der erste Eindruck ist geprägt von chaotischer, aggressiver und extrem dissonanter Musik, in der Tempowechsel eher neue Spannungen erzeugen, als Entlastung zu bieten. „The Spiritual Sound“ ist sperrig, experimentell und bewusst fordernd, entfaltet jedoch mit zunehmender Laufzeit immer mehr Facetten. Was zunächst wie reiner Lärm erscheint, offenbart sich nach und nach als durchdacht komponierte, fesselnde Musik mit klarer innerer Logik. Black Metal ist stets als Grundhaltung präsent, mal in Form von Blackgaze, mal als Post-Black-Metal-Referenz, jedoch nie als klassisch direkter Ansatz. Noise Rock, Screamo, Rock, Avantgarde, experimentelle Strukturen und eine deutlich spürbare Punk-Attitüde prägen den Sound von AGRICULTURE. Unter der aggressiven, lärmenden Oberfläche verbirgt sich eine überraschend reiche musikalische Substanz mit komplexen Kompositionen und stellenweise zarten, schmerzhaft fragilen Momenten. Unerwartet, herausfordernd und zugleich beeindruckend – eine klare Empfehlung. (4,5/5) Voicu

cover artwork ORBIT CULTURE Death Above Life

ORBIT CULTURE 🇸🇪 – Death Above Life (Melodic Death/Groove Metal)
(Century Media, 03.10.25)
Als vermeintliche Erben des klassischen Göteborger Melodic Death Metal gehandelt, haben sich ORBIT CULTURE in den vergangenen Jahren kontinuierlich nach oben gearbeitet und gelten mittlerweile als feste Größe der Szene. Auf „Death Above Life“ fällt jedoch auf, wie stark der Sound durch Programmierung geprägt ist, insbesondere bei Drums und Bass, die teilweise künstlich und überzeichnet wirken. Dadurch nähert sich die Band klanglich zunehmend modernen Metalcore- oder Deathcore-Strömungen an. Genau dieser Aspekt spricht jedoch ein jüngeres Publikum an. Die Wurzeln im melodischen Death Metal sind weiterhin erkennbar, werden aber von Album zu Album stärker überlagert. „Death Above Life“ trägt bereits zahlreiche moderne Metal-Einflüsse in sich, ohne die melodischen Linien und die grundsätzliche Schwere vollständig aufzugeben. In einer gewissen Weise wirken ORBIT CULTURE live sogar organischer als auf Platte, doch unabhängig vom Medium bleibt ihre Musik eindrucksvoll. Ein Album mit Relevanz für das Jahr 2025, auch wenn es stilistisch weiter von den Ursprüngen entfernt ist. (3,5/5) Voicu

cover artwork Vanessa Funke Requiem

VANESSA FUNKE 🇩🇪 – Requiem (Melodic Death/Gothic Metal, Atmospheric Black Metal)
(Liminal Dread Productions, 03.10.25)
Das Ein-Frau-Projekt VANESSA FUNKE hat mit dem vierten Full-Length endgültig eine größere Aufmerksamkeit verdient. Die Musik ist emotional, intensiv und zugleich aggressiv, vor allem jedoch hervorragend komponiert und umgesetzt. Melodie und Dissonanz sind ausgewogen dosiert, die Songs entwickeln sich organisch von fragilen, beinahe zerbrechlichen Passagen hin zu verzweifelten, geschrienen und wütenden Ausbrüchen. „Requiem“ basiert auf einem atmosphärisch geprägten Black-Metal-Fundament, erweitert dieses jedoch um zahlreiche weitere Einflüsse, darunter Melodic Death Metal, Gothic Metal und stellenweise auch post-metaltypische Akkordfolgen. Das Album ist stark emotionsgetrieben und nimmt den Hörer mit auf eine Reise durch überwiegend düstere, depressive Themen. Der Opener „Solitude“ setzt dabei einen markanten Akzent, während sich die Dramaturgie über weitere Stücke bis hin zu „Death“ steigert, einem besonders intensiven und bewegenden Moment, bevor „Gone“ den Abschluss bildet. Vanessa Funke überzeugt dabei nicht nur als Songwriterin, sondern auch als Musikerin, die sämtliche Instrumente selbst einspielt und mit variablen Vocals – von sanftem Klargesang bis zu aggressiven Growls – eine dichte Atmosphäre erzeugt. Auch die Texte tragen maßgeblich zur Wirkung bei. Ein geschlossenes, starkes Werk und eine klare Empfehlung für Genre-Fans. (4/5) Voicu

cover artwork SANGUISUGABOGG Hideous Aftermath

SANGUISUGABOGG 🇺🇸 – Hideous Aftermath (Death Metal)
(Century Media, 10.10.25)
Massiver, aggressiver Death Metal in Reinform: SANGUISUGABOGG präsentieren mit „Hideous Aftermath“ ihr bislang stärkstes Album. Zwar waren auch die früheren Veröffentlichungen bereits überzeugend, doch hier wirkt der Sound deutlich fokussierter und ausgereifter. Technische Elemente sind klarer herausgearbeitet, die Gitarren präziser, der Bass präsenter, das Schlagzeug unermüdlich treibend und die tiefen Growls fügen sich perfekt in das Gesamtbild ein. Der Schwerpunkt liegt klar auf der brachialen Wirkung, ergänzt durch punktuelle Anleihen aus dem Slam- und Technical-Death-Metal-Bereich. Insgesamt dominiert jedoch eine rohe, überwältigende Wucht, die das Album durchgehend trägt. Wer mit den früheren Releases der Band nicht vollständig warm wurde, dürfte hier endgültig überzeugt werden. „Hideous Aftermath“ ist ein durchgehend brachiales Schwergewicht und Pflichtstoff für Death-Metal-Fans. (4,5/5) Voicu

cover artwork TERZIJ DE HORDE Our Breath Is Not Ours Alone

TERZIJ DE HORDE 🇳🇱 – Our Breath Is Not Ours Alone (Post-Black Metal)
(Church Road Records, 10.10.25)
Hochwertiger Post-Black Metal aus den Niederlanden: „Our Breath Is Not Ours Alone“ erweist sich als intensive, emotionale und zugleich durchgehend aggressive Erfahrung. Gewaltige Black-Metal-Strukturen treffen auf eine ständig klagende Leadgitarre, darüber legen sich verzweifelte, wütende Schreie und tiefe Growls, die eine enorme emotionale Spannung erzeugen. Das Album zeichnet sich durch komplexe Klanglandschaften und anspruchsvolle Songstrukturen aus, besonders deutlich in der starken Eröffnungssequenz mit „Each Breath Is A Flame“, „Raise Them Towards The Sun“ und „The Shadows Of Prefiguration“, von denen jeder Track für sich ein Highlight darstellt. Stilistisch verbinden TERZIJ DE HORDE konsequent die Härte des Black Metal mit der emotionalen Wucht des Post Metal. Das Ergebnis ist eine klare Weiterentwicklung im Bandsound und ein Werk, das eine reife Band zeigt, die ihre musikalischen Mittel vollständig beherrscht. Ein Höhepunkt ihrer bisherigen Laufbahn und zugleich ein starkes Versprechen für kommende Veröffentlichungen. (4,5/5) Voicu

cover artwork INTERNAL BLEEDING Settle All Scores

INTERNAL BLEEDING 🇺🇸 – Settle All Scores (Brutal Death Metal / Slam)
(Maggot Stomp, 17.10.25)
Ein altbekannter Name im Slam- und Brutal-Death-Metal-Umfeld: INTERNAL BLEEDING sind eine Band, deren Ruf bis heute stark von ihren Veröffentlichungen der späten 90er-Jahre geprägt ist, die zu Recht als Meilensteine des Genres gelten. Seit diesem Hochpunkt folgten solide Alben, ohne jedoch nochmals an diese Klasse heranzureichen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen bei jeder neuen Veröffentlichung – auch bei „Settle All Scores“. Diese Hoffnungen werden allerdings nur bedingt erfüllt, denn das Album fügt sich stilistisch eher in die letzten Jahre der Band ein als in deren stärkste Phase. Lässt man die Erwartungshaltung beiseite, präsentiert sich „Settle All Scores“ dennoch als überdurchschnittliches Genrewerk. Die Rhythmik ist druckvoll, die Riffs massiv, die Vocals tief und wuchtig, wenngleich das Album über weite Strecken sehr linear verläuft. Die Songs bemühen sich um Dynamik und Durchschlagskraft, was stellenweise auch gelingt, insgesamt dominiert jedoch ein stetig mahlender, erdrückender Sound. Kein Quantensprung, aber ein solides Headbanger-Album, das mehrere Durchläufe rechtfertigt. (3,5/5) Voicu

Revenge 🇨🇴 – Night Danger (Speed Metal)
(Dying Victims Productions 17.10.25)
Überraschend hat sich mal wieder ein Label in unseren Breitengraden gefunden, um das aktuelle, zehnte Studioalbum der kolumbianischen Institution zu veröffentlichen. Anfangs war ich verwundert, waren doch die beiden vorangegangen Alben nicht das gelbe vom Ei. In Metal We Trust ist und bleibt ein absoluter Totalausfall, während In Venomous Vengeance allenfalls solide ist und das zu erwartende Minimum an Fanservice aufwartet, welches man von jeder altgedienten Band erwartet. Dass das Quartett mit »Night Danger« nicht ganz an ihre Hochphase von 2009 – 2012 heranreicht, sollte jedem klar sein, jedoch bietet das Werk durchweg präzise gespielten Speed Metal, der Fans der alten Werke genauso begeistern dürfte wie die der späteren Alben, bevor man von der (europäischen) Bildfläche verschwand. Der Titeltrack, »Black Sight«, »Soldiers Heart«, »Misty Night« und »Desire From Pain« sind hierbei das stärkste Material seit 13 Jahren. Und dies nur zur Einordnung: das fünfte Werk der Band ist in meiner Allzeitliste unter den Top 10 und eines der unterbewertensten Alben aller Zeiten. Die Kritik mancher Leute, dass »Night Danger« wenig abwechslungsreich daher kommt, ist korrekt. Aber mal ehrlich, es ist halt Speed Metal und Monotonie wird selten besser inszeniert als hier. (4/5) Daniel

Carach-Angren_The-Cult-Of-Kariba-CoverartCARACH ANGREN 🇳🇱 – The Cult of Kariba (Symphonic Black / Death Metal)
(Season Of Mist, 17.10.25)
CARACH ANGREN spannen in „The Cult Of Kariba“ einen thematischen und musikalischen Bogen zu ihrem 2008 erschienenen Debütalbum „Lammendam“. Dieses basiert auf der Legende der Weißen Frau von Schinveld, die im 17. Jahrhundert in einem Schloss lebte und in ein Liebesdreieck verwickelt war. Nach Streitigkeiten zwischen den beiden Männern brannte das Schloss unter mysteriösen Umständen nieder. Die Frau starb und erscheint seither als Geist in weißem Kleid bei Vollmond im Wald. Die Geschichte in „The Cult Of Kariba“ spielt sich am selben Ort ab und wird durch die finstere Figur „Kariba“, einer angeblichen Hexe und Giftmischerin, erweitert. Die Erzählung umfasst Kult­rituale, ein grausames Opfer, Karibas Wiederauferstehung und ihre zerstörerische Rache. Die musikalische Inszenierung dessen ist an Theatralik kaum zu überbieten: CARACH ANGREN beweisen abermals, dass sie Meister des atmosphärischen Horrors sind. Das ominöse Intro von „Draw Blood“ könnte aus einem Horrorfilm stammen und lässt keinen Zweifel, dass hier gleich die Hölle losbrechen wird. Musikalisch sind hier ganz eindeutig die Wurzeln von „Lammendam“ erkennbar. „The Resurrection of Kariba“ endet mit einer eindeutigen Anspielung an das Debüt. Die Worte „shadows over Lammendam“ werden im Outro geflüstert jagen einem einen kalten Schauer über den Rücken. „Ik Kom Uit Het Graf“ lehnt sich stilistisch in eine modernere Industrial-Richtung, die z. B. an „Monster“ vom letzten Album „Franckensteina Strataemontanus“ erinnern lässt. Es punktet durch die niederländischen Lyrics, die von Seregor regelrecht ausgespuckt werden. Das Lied klingt insgesamt so brutal, dass es einen mit den Ohren an jede Note fesselt. (5/5) Charlene

cover artwork Mammoth The End

MAMMOTH 🇺🇸 – The End (Hard Rock / Alternative Rock / Heavy Metal)
(BMG, 24.10.25)
Aus reiner Neugier darauf, wie das musikalische Erbe von Van Halen weitergetragen wird, fiel die Wahl auf das neue Album von MAMMOTH. „The End“ erweist sich dabei als überraschend starkes Werk innerhalb seines Genres. Wolfgang Van Halen bewegt sich mit seiner Musik permanent an der Grenze zum Heavy Metal, integriert dabei jedoch zahlreiche weitere Elemente, die von Post-Grunge bis hin zu beinahe poppigen Momenten reichen. Stark geprägt von den öffentlichen Aussagen und der offenen Anerkennung durch Eddie präsentiert sich Wolfgang als äußerst versierter Multiinstrumentalist: markante Basslinien, ein spielfreudiges, zugleich präzises Schlagzeug und selbstverständlich messerscharfe Gitarrensoli, die deutlich auf jene Tapping-Technik verweisen, die Eddie Van Halen geprägt hat und die sein Sohn überzeugend beherrscht.. Der Grundcharakter des Albums ist überwiegend melodischer, zugänglicher Rock, der von einer starken Gitarrenpräsenz getragen wird. Rock’n’Roll-Anleihen und eingängige, fast popartige Passagen stehen stets in direkter Verbindung mit Riffs und Leadgitarren, die das Klangbild dominieren. Der frühere Name Mammoth WVH wurde abgelegt, das Projekt firmiert nun schlicht als MAMMOTH. Trotz des Albumtitels „The End“ steht die Band erkennbar am Anfang ihres Weges und deutet das Potenzial für eine erfolgreiche Zukunft an. (4/5) Voicu

cover artwork ASPHAGOR The Aphotic Vortex

ASPHAGOR 🇦🇹 – The Aphotic Vortex (Black Metal)
(Immortal Frost Productions, 24.10.25)
Die Tiroler Black-Metal-Band ASPHAGOR meldet sich 2025 mit ihrem mittlerweile fünften Longplayer zurück. „The Aphotic Vortex“ setzt die Richtung fort, die bereits auf den vorherigen Veröffentlichungen eingeschlagen wurde. Das Album verbindet rohe, aggressive Black-Metal-Passagen mit stark atmosphärischen Elementen, wobei diese beiden Pole nicht immer vollständig ineinandergreifen. Viele der Stücke sind sehr lang angelegt und lassen sich Zeit, ohne dabei ständig neue musikalische Akzente zu setzen. Gerade die puren Black-Metal-Momente überzeugen durch Energie und Intensität und bilden einen wirkungsvollen Kontrast zu den langsameren, teilweise triumphalen oder theatralischen Ambient-Passagen. In den Kompositionen verschmelzen unterschiedliche Stimmungen, die ein insgesamt düsteres, verzweifeltes Gefühl transportieren. Ein überdurchschnittliches Album mit einigen starken Momenten, auch wenn nicht jede Idee konsequent ausgespielt wird. (3/5) Voicu

Flaming Row 🇩🇪 – Keeper Of The Scriptures (Hüterin der Schriften) (Progressive Metal/Progressive Rock)
(Eigenproduktion, 25/10/25)
Das vierte Album von Melanie Mau und Martin Schnella wirkt anhand der Fakten überambitioniert. Alleine 27 Gastmusiker, darunter unter unter anderem Arjen Lucassen, Marcus Siepen (Blind Guardian), Sally Minnear (Tochter von Kelly Minnear), Joe Deninzon (Kansas) und Glynn Morgan (Threshold), sind auf diesem Mammutwerk zu hören.
Die Grundlage für die Geschichte ist ein eigens dafür geschriebener Fantasy Roman, deren musikalische Umsetzung es obendrein auch noch in drei Versionen (englisch, deutsch, instrumental) gibt. Die sechs Jahre Differenz zum Vorgänger The Pure Shrine wurden jedoch optimal genutzt. Weder Mau noch Schnella stellen hier ihr Ausnahmekönnen in den Vordergrund, sondern agieren songdienlich. Auch die Masse an Gästen überfrachtet die Darbietungen nicht durch etwaige Prominenz, so dass die Geschichte in »Keeper Of The Scriptures (Hüterin der Schriften)« voll zur Geltung kommt und die Musik, angereichert durch folkloristische, klassische und jazzige Elemente, trotz zeitlich ausschweifender Kompositionen nie zu verkopft wird.
Dies lässt einen sofort in die Geschichte versinken, beginnend mit dem orientalischen »Gandhara’s Legacy« bis zum großartigen Abschluss ab »Hope For A Miracle«. Interessant, zumindest für Spracheninteressierte wie mich, ist die unterschiedliche Semantik der beiden Textversionen. Vergleicht man »Die Hüterin Nita« mit seinem englischsprachigen Pendant oder »It Was Magic« mit seinem ergreifenden deutschen, offenbaren sich zwei unterschiedliche Hörerlebnisse. Während die englische Version durch das Gleichgewicht von Text und Musik eine großartige Prog Rock Oper mit Referenzcharakter ist, wirkt die deutsche durch die Betonung auf die Geschichte wie eine fantastische Theatervorführung mit musikalischer Begleitung,beziehungsweise wie ein Musical. Ein herausragendes Werk, welches den hohen Ambitionen der beiden Hauptprotagonisten mehr als gerecht wird und sich jeder geben sollte! (5/5) Daniel

Prinzip– Die größten Hits (Hard Rock/Classic Rock/Ostrock/Heavy Metal)
(Sechszehn Musikproduktion; BuschFunk, 25/10/25)
Wie im zweiten Teil angedroht, gehe ich bei der 1973 gegründeten Hardrock-Kapelle PRINZIP nun ins Detail und versuche, etwas oberflächlichen Geschichtsunterricht zu geben.
Die beiden Kollegen mögen mir die Ausschweifung bezüglich der Band verzeihen und wen das einen Scheiß interessiert, der möge diesen Artikel oder den folgenden Absatz einfach überlesen.
Aber historisch dürfen Jürgen „Matko“ Matkowitz, was die Geschichte des Heavy Metal in der DDR angeht, und PRINZIP als Hort der Musikerprominenz auf der einen, dem widerwilligen Arrangement mit einem autoritären System auf der anderen Seite, aufgrund dieser Zusammenstellung nicht fehlen.
Zumal ich, Jahrgang 1981, hier begründet nostalgisch auf die zumeist verschleierte Geschichte des Heavy Metal und Hardrock meiner untergegangenen Heimat hinweisen möchte.

Matko hatte vor allem bei der Uve Schirovka Combo und den legendären Renft seine musikalische Erfahrung gesammelt, zu den frühen Mitgliedern seiner Band gehörte unter anderem auch der Original-Citysänger Emil Bogdavonov. Nach etlichen Besetzungswechseln erblickte dann 1987 das Debüt Feuerrock das Licht der sozialistischen Republik und warf auch seine Schatten. Zum einen schlug es vor allem wegen dem Titellied, der Heavy Metal-Walze »Sieben Meter Seidenband« (nicht Proto-, fucking Heavy Metal!) und dem treibenden »Das ist unsere Musik« kommerziell wie eine Bombe beim Volk ein, zum anderen der Regierung allerdings aufs Gemüt.
Nicht nur die Vorgeschichte ehemaliger Bandmitglieder (Schlagzeuger Reinhard Mihatsch wanderte beispielsweise zum Klassenfeind aus), sondern auch der Härtegrad und das Erscheinungsbild der Band waren dem System ein Dorn im Auge. Als Konsequenz gab es einen Bandlogowechsel und mit Rainer Kirchmann (der später zur Band Pankow wechselte) einen staatlich verordneten Keyboarder.
Viele bekannte Namen kamen im Laufe der Jahre, gingen wieder oder wurden gegangen, Drummer Klaus Scharfschwerdt (später bei den Puhdys) oder auch Sänger Ralf „Bummi“ Bursi waren zum Beispiel Mitglieder dieser Band. Weitestgehend unbekannt ist indes die Tatsache, dass Matko als Licht- und Bühnentechniker sein Wissen für die Liveshows nutzte und die Band für ihre Liveshows auf Westniveau im Osten berühmt war. In seinem damaligen Studio gab er zudem Bands wie Merlin, Crystal oder Biest die Möglichkeit, erste Aufnahmen zu machen.

PRINZIP waren keine Metalband, dennoch für die Heavy Metal Szene in der DDR sowohl als Fundament in den siebziger Jahren, als auch als tragende Wand in den Achtzigern durch den Support von Produktionen extrem wichtig. Und in der Retrospektive ist es gerade Matko, der heute ein Studio in Moskau hat und in Europa ab und an noch mit seiner Lichtshow tourt, der aufzeigt, dass man sich auch in einem repressiven System verwirklichen kann, wenn man die Schlupflöcher ausnutzt.

Die Geschichte der DDR war also, wie bei jedem Staat, nicht schwarz/weiß, sondern hatte viele Facetten. So verhält es sich auch mit der Musik auf dieser Zusammenstellung. Die schon 2009 erschienene und nun durch ein paar instrumentale Bonuslieder erweiterte Veröffentlichung ist abermals sehr gelungen und lässt keine Phase der Band aus.
Die wiederaufbereiteten Versionen von »Das ist unsere Musik« oder »Sieben Meter Seidenband« klingen frisch und bedeutend besser als auf den Original-LPs. »Der Steher«, »Schlag auf Schlag« (für dessen Text es damals erneut Ärger gab), »Elfenbein« und auch »Wir reiten den Sturm« vermitteln endlich die ursprünglich gedachte Dynamik, Rocker wie »Hallo Mary Lou« knallen nun so, auch mal mit metallischer Durchschlagskraft wie bei »Traumscooter« und »Doktor, Doktor«, wie sie sollen. Die Band hat eine bewegte Geschichte hinter sich gebracht, weshalb »Die größten Hits« stilistisch zwischen Hardrock, Metal und Ostrock schwankt. Insgesamt liegt hier allerdings ein lohnenswertes, absolut gelungenes Zeitdokument vor. (historische 5/5) Daniel

Executioner Steel 🇧🇩 – Rage Of The Thunderstorm (Manowar Worshipping Metal)
(Stormspell Records, 28/10/25)
Drei Fragen sind essenziell für dieses Album:
Wann wurden Manowar zu einer Persiflage?
Wurde die Band nur verpflichtet, weil sie einen Exotenbonus hat?
Warum macht »Rage Of The Thunderstorm« mir zehnmal mehr Spaß als die letzten Machwerke von Manowar?

Frage eins ist hierbei freilich Ansichtssache. Frage zwei aber erübrigt sich schon wegen der dritten Frage. Die Die Hard Manowarriors aus Bangladesch liefern hier, solide dargeboten, einen Gottesdienst für ihre Götter ab, und zwar so wie man ein Gottesdienst sein sollte:
Emotional, ehrfürchtig, mitreißend,  und ohne zeitgeistliche Anbiederungen Feuer und Flamme für die eigentliche Sache zu sein!
Dies schaffen die Mannen um Uzzair K. Xion mit Inbrunst und vor allem viel Herz. Nichts, wirklich gar nichts erreicht hier auch nur im Entferntesten das Niveau der Originale, auch eine starke eigene Note sucht man vergebens. Im Gegenteil, auf einer Party kann man Trinkratespiele aus sämtlichen Kompositionen machen. Wer das „echte“ Lied errät, wählt das nächste Getränk, wer beim Wort „Metal“ nicht augenblicklich das Glas erhebt, schmeißt die nächste Runde. »Rage Of The Thunderstorm« ist pure Leidenschaft, verbindet und bringt Freude. Purer Heavy Metal halt. Dass mich EXECUTIONER STEEL als verprellten Manowar-Fan dermaßen mitreißen, dass ich übernächstes Jahr auf ein Manowarkonzert gehen werde, spricht Bände. Die Bewertung ist objektiv, subjektiv ist dieses Werk einfach nur pure Lebensfreude! (2,5/5 und ❤️❤️❤️❤️❤️/5) Daniel

Iron Brigade 🇺🇸 – Ill Fated Voyage(US Epic/Power Metal)
(Stormspell Records, 28/10/25)
Die aus Pittsburgh stammende Formation legte vier Jahre nach ihrer sensationellen EP ihren Albumeinstand vor, der für mich die Enttäuschung des Jahres ist. Das liegt weder daran, dass der Wechsel am Mikro von Jared Cans hinzu Daniel Butch (Sohn des Gitarristen Caden Butch) schlecht wäre noch dass auf »Ill Fated Voyage« irgendwelche Stinker sind. Im Gegenteil, Butch hat ein unglaublich starkes Dickinson/Kimball-Timbre und auch wenn manche Zeitgenossen meinen, längere Songs wie der Titeltrack oder »Herculean Destiny« könnten straffer gehalten sein, man kann sich an dem zwischen maidesken Gitarrenharmonien wie in »Afterlife Confessions« oder »All Hail The Guardians«, fetten Rhythmusbollwerken a la Visigoth (»Days Of Glory«!) und der allgemein präsenten Omen-Epik nicht satt hören. Das Problem ist die dünne, teilweise extrem übersteuerte Produktion (»Crusader«!)und der zu weit in den Vordergrund abgemischte Gesang. Mit einer ordentlichen Produktion hätte »Ill Fated Voyage« locker an Deaf Dealers Journey Into Fear heranreichen können. Dass es sich hier trotzdem um ein großartiges Album handelt, zeigt wie stark die Königsdisziplin des wahren Heavy Metal wieder ist. (4/5) Daniel

cover artwork YELLOW EYES Confusion Gate

YELLOW EYES 🇺🇸 – Confusion Gate (Black Metal)
(Sibir Records, 31.10.25)
YELLOW EYES aus New York gehören seit Jahren zu jenen Bands, die die Grenzen des Black Metal kontinuierlich ausloten und erweitern. Auch „Confusion Gate“ bildet hier keine Ausnahme und dürfte ihr bislang komplexestes und ausgefeiltestes Werk darstellen. Der Black Metal dient dabei eher als Fundament, von dem aus sich die Musik in experimentelle und avantgardistische Bereiche bewegt, gespeist aus einer Vielzahl unterschiedlicher Einflüsse. Das Album entfaltet eine düstere, verstörende und zugleich kraftvolle Atmosphäre, geprägt von einer hohen Unvorhersehbarkeit. Intensive Spannungsbögen bauen sich auf, um abrupt in chaotische, dissonante Ausbrüche zu kippen, die ebenso plötzlich in ruhige, fast neofolkige Passagen übergehen – inklusive Blasinstrumenten und akustischer Saiten. „Confusion Gate“ ist ein vielschichtiges Hörerlebnis, dessen zahlreiche Details und versteckte Feinheiten sich erst nach mehreren Durchläufen vollständig erschließen. Genau diese Tiefe macht das Album zu einer der bedeutendsten Veröffentlichungen des Jahres 2025. (4,5/5) Voicu

cover artwork LUNATIC SOUL The World Under Unsun

LUNATIC SOUL 🇵🇱 – The World Under Unsun (Atmospheric Progressive Rock, Experimental Ambient)
(InsideOut, 31.10.25)
Das Solo-Projekt von Mariusz Duda, dem Kopf hinter der Progressive-Rock/Metal-Band Riverside, präsentiert mit „The World Under Unsun“ bereits sein achtes Studioalbum. LUNATIC SOUL steht für experimentellen Progressive Rock, der konsequent über Genregrenzen hinausblickt und Elemente aus Ambient, orientalischer Musik, elektronischen Klangwelten und Folk integriert. All diese Einflüsse finden sich auch auf dem aktuellen Album wieder, das sich vor allem als Reise durch elektronische Soundscapes versteht. Es ist eine introspektive Erfahrung mit langsamer, melodischer Musik, in der das Experimentelle eine zentrale Rolle einnimmt. Einflüsse von Riverside sind durchaus hörbar, vor allem im Gesang, während sich die instrumentale Seite klar anderen Klangräumen öffnet. Mariusz Duda spielt sämtliche Instrumente selbst und zeichnet für alle Aspekte des Projekts verantwortlich, was einmal mehr seine musikalische Vielseitigkeit und kreative Kraft unterstreicht. Die ruhige, friedliche Grundstimmung der Musik, kombiniert mit seinen markanten Vocals, macht das Album auch als begleitende Hintergrundmusik sehr geeignet. Dieses rund 90-minütige Ambient-Werk bietet ein leichtes, angenehmes Hörerlebnis. (3,5/5) Voicu

AVATAR – Don’t Go In The Forest AVATAR 🇵🇱Don’t Go In The Forest (Melodic Death Metal)
(Black Waltz AB, 31.10.25)
Verwurzelt im Melodic Death Metal haben AVATAR sich als experimentierfreudige Band etabliert. Ihre wohl stärksten und prägendsten Alben bisher waren „Black Waltz“ (2012), das zugleich den ikonischen visuellen Stil der Band formte, und „Hail The Apocalypse“ (2014). Groove, Melodik und Brutalität verschmolzen zu stimmigen Kompositionen, die heute noch frisch, mutig und überraschend klingen. Seitdem experimentieren AVATAR auf jedem Album in eine etwas andere Richtung. „Don’t Go In The Forest“, das aktuelle Werk, wirkt dabei zumindest geschlossener als der Vorgänger „Dance Devil Dance“ (2023). Dennoch leidet das Album unter seiner fehlenden Stringenz: Statt eines klaren Konzepts präsentiert sich die Songauswahl oft wie ein stilistisches Sammelsurium. Besonders „Captain Goat“ und „Tonight We Must Be Warriors“ fallen negativ auf. Beide Stücke wirken einfallslos und krampfhaft massenkompatibel — Atmosphäre wird zwar angedeutet, bleibt aber wirkungslos. Ganz anders „In The Airwaves“: Mit spannenden Riffs, wuchtigen Drums, durchdachtem Aufbau und kompromissloser Härte liefert der Song einen der stärksten Momente des Albums. Obwohl sich die restlichen Lieder zum Teil auch weit aus dem Fenster lehnen, funktionieren sie besser, weil sie das nötige Überraschungsmoment auf ihrer Seite haben. „Death And Glitz“ kombiniert 70er-Disco-Grooves mit schräg verzerrten Gitarren und zählt damit zu den gewagtesten Stücken der Platte. In „Take This Heart And Burn It“ und „Magic Lantern“ zeigen sich die Schweden schließlich von ihrer progressiven Seite und überzeugen mit ungewöhnlichen, kantigen Riffs. (3,5/5) Charlene 

cover artwork MOONSPELL Opus Diabolicum

MOONSPELL 🇵🇹 – Opus Diabolicum (Gothic Metal)
(Napalm Records, 31.10.25)
In der Tradition vieler Bands, die mit wachsender Bekanntheit auch musikalisch immer ausgefeilter werden, erscheint ein Live-Album mit Sinfonieorchester oft als nächster Schritt. Auch MOONSPELL haben sich in diese Richtung entwickelt, da bereits die letzten Studioalben einen deutlichen Anteil symphonischer Elemente enthielten. Mit „Opus Diabolicum“ liegt nun ein Live-Dokument vor, bei dem MOONSPELL gemeinsam mit der ORQUESTRA SINFONIETTA de LISBOA auftreten. Geboten wird eine recht typische Best-of-Setlist der Portugiesen. Der große Pluspunkt: Die Musik klingt sehr nah an einem regulären MOONSPELL-Konzert, das Orchester fungiert eher als zusätzliche Klangfarbe denn als zentrales Element. Es handelt sich nicht um Neuinterpretationen oder radikale Umarrangements, vielmehr fließen die Songs organisch, lediglich angereichert durch die symphonische Ebene. Der Sound unterscheidet sich damit zwar leicht von einem normalen Live-Auftritt, doch Fernandos Ansagen zwischen den Songs sind so vertraut wie eh und je, während der Applaus etwas zurückhaltender ausfällt, fast wie bei einem klassischen Konzert. Insgesamt handelt es sich um ein gelungenes Live-Album, das einmal mehr zeigt, warum MOONSPELL als starke Live-Band gelten. Die Songauswahl umfasst viele Klassiker und typische Stücke der letzten Jahre, während die stärker black-metal-orientierten Titel fehlen. Dennoch bleibt es ein Hörvergnügen und ein sehr solides Live-Dokument. (4/5) Voicu

November

cover artwork OMNIUM GATHERUM May The Bridges We Burn Light The Way

OMNIUM GATHERUM 🇫🇮 – May The Bridges We Burn Light The Way (Melodic Death Metal)
(Century Media, 07.11.25)
Als einer der wichtigsten Namen im aktuellen Melodic Death Metal melden sich OMNIUM GATHERUM mit „May The Bridges We Burn Light The Way“ zurück. Das neue Album fügt sich nahtlos in eine durchgehend hochwertige Diskografie ein. Nicht nur das hohe Qualitätsniveau wird gehalten, auch der typische Bandsound ist voll präsent: eine ausgewogene Mischung aus Aggression und ausgeprägter Melodik, getragen von eingängigen Refrains und schnellen Tempos. Das Album ist ein Paradebeispiel für gut gemachten Melodic Death Metal, sauber komponiert und souverän gespielt. Die markanten Gitarrensolos sind wie gewohnt perfekt in die Songs eingebettet und sorgen für zahlreiche einprägsame Momente. Stücke wie „My Pain“, „The Darkest City“ oder der Titelsong „May The Bridges We Burn Light The Way“ überzeugen durch ihre enorme Eingängigkeit, wobei letztlich das gesamte Album dieses Niveau hält. Einfache, sehr effektive Refrains treffen auf etwas härtere Strophen, eine bewährte Formel im Sound der Band. Besonders hervorzuheben sind die starken Songwriting-Qualitäten und die klare Ausrichtung auf hochmelodische Passagen. Fans des Genres werden hier ein sehr gelungenes Album und eine konsequente Fortsetzung der bisherigen Entwicklung finden. (4/5) Voicu

cover artwork THE HALO EFFECT We Are Shadows

THE HALO EFFECT 🇸🇪 – We Are Shadows (EP) (Melodic Death Metal)
(Nuclear Blast, 21.11.25)
Ein Release, der streng genommen hier kaum auftauchen sollte, zum einen, weil es sich um ein Cover-Album handelt, zum anderen, weil es bei weitem nicht zu den stärkeren Arbeiten der Band zählt und wohl ihr bislang am wenigsten inspiriertes Werk darstellt. Dennoch ist THE HALO EFFECT inzwischen ein so bedeutender Name im Melodic-Death-Metal-Umfeld, dass ein Ignorieren kaum möglich ist. Stanne & Co. veröffentlichen mit dieser EP Songs, die sie als Musiker geprägt haben, Musik aus ihrer Jugendzeit als Fans von Rock und verwandten Stilen. Gecovert werden Stücke von W.A.S.P., Phenomena, Kent, Broder Daniel und Danzig. Die Auswahl wirkt jedoch fragwürdig, da der Fokus stark auf sanften, emotionalen Momenten liegt, was im Kontext von THE HALO EFFECT schnell ins Übertrieben-Süßliche kippt. Metallische Elemente treten nur sporadisch auf, während Mikaels Clean-Gesang stark in den Vordergrund rückt. Die sonst so prägende Mischung aus In-Flames– und Dark-Tranquillity-Einflüssen, die den Bandsound normalerweise ausmacht, ist hier kaum noch präsent. Als nostalgisches Dokument oder als Einblick in die musikalische Sozialisation der Bandmitglieder mag die EP interessant sein, einen wirklichen Mehrwert für die Diskografie bietet sie jedoch kaum. Allenfalls für eingefleischte Fans aus Neugier einen Durchlauf wert. (2,5/5) Voicu

PATER TENEBRARUM – Meat Grinder - CoverartworkPATER TENEBRARUM 🇦🇹 – Meat Grinder (Melodic Death Metal)
(Running Wild Productions, 21.11.25)
Aus dem heimischen Underground tauchen immer wieder böse, aber äußerst erfreuliche Überraschungen auf. PATER TENEBRARUM aus Wien liefern mit ihrem zweiten Album „Meat Grinder“ ein beeindruckend stimmiges wie abwechslungsreiches Werk ab. Stilistisch im Melodic Death Metal verankert, wird die düstere Grundstimmung durch Thrash- und Groove-Elemente wirkungsvoll aufgelockert und zu dynamischen, mitreißenden Songs geformt. Für zusätzliche Abwechslung sorgt Sänger Christian, der mit tiefen bis kreischenden Vocals überzeugt. In „I Prefer You Dead“ sowie „Pictures Of Dead People“ überrascht er darüber hinaus mit starken Clean-Vocal-Passagen, die den Liedern umso mehr Charakter verleihen.
Insgesamt macht „Meat Grinder“ seinem Namen alle Ehre: Es ist brutal, druckvoll und dennoch äußerst unterhaltsam. Die Songs sind durchdacht strukturiert und kreieren eine stimmige Atmosphäre. Abgerundet wird das Werk von einem wuchtigen Sound, der die rohe Härte der 90er mit moderner Klarheit verbindet. (4,5/5) Charlene

cover artwork BLUT AUS NORD Ethereal Horizons

BLUT AUS NORD 🇫🇷 – Ethereal Horizons (Atmospheric Black Metal)
(Debemur Morti Productions, 28.11.25)
Die französischen Meister des atmosphärischen Black Metal melden sich mit ihrem sechzehnten Studioalbum „Ethereal Horizons“ zurück. Die Veröffentlichung führt den typischen Bandsound konsequent weiter und zeigt erneut, wie wirkungsvoll die Verbindung aus aggressivem Black Metal und atmosphärischen, ambienten sowie melodischen Passagen sein kann. „Ethereal Horizons“ überzeugt mit den gewohnt geisterhaften Gitarrenlinien und melancholischen Klangflächen und demonstriert eindrucksvoll, wie Dunkelheit und Licht nebeneinander existieren können. Der Hörer verliert sich in weitläufigen, schönen Soundlandschaften, nur um kurz darauf von plötzlichen Ausbrüchen roher Aggression überrascht zu werden. Dämonische Schreie wechseln sich mit beinahe engelsgleichen Chören ab, fragile Gitarrenakkorde mit massiven Riffs, ruhige Momente mit lärmenden Passagen. Das Ergebnis ist ein sehr gelungenes, fesselndes Album, das zu den stärkeren Veröffentlichungen von BLUT AUS NORD der letzten Jahre zählt und eine klare Empfehlung für Genre-Fans darstellt. (4/5) Voicu

Dezember

cover artwork PERSEFONE Live In Andorra

PERSEFONE 🇦🇩 – Live In Andorra (Progressive/Melodic Death Metal)
(Napalm Records, 05.12.25)
PERSEFONE zählen seit Jahren zu den interessantesten Bands im Progressive Death Metal. Mit einer Diskografie von mittlerweile sieben Studioalben und zwei EPs, durchgehend auf sehr hohem Niveau, ist ein Live-Album ein folgerichtiger Schritt in der Entwicklung einer Band. Ohne Zweifel die bedeutendste und talentierteste Band ihres Heimatlandes, haben die Andorraner über mehr als 20 Jahre hinweg eine einzigartige Mischung aus progressivem und melodischem Death Metal veröffentlicht, stets auf derselben musikalischen Basis fußend, aber immer wieder neue Wege findend, ihr Können zu zeigen. Das Live-Album bietet einen umfassenden Überblick über diese Jahre und verdeutlicht eher eine konstante musikalische Linie als radikale Brüche zwischen einzelnen Schaffensphasen. Der ohnehin sehr komplexe, vielschichtige Bandsound wird live zusätzlich durch die Orquestra Nacional Clàssica d’Andorra bereichert. Aufgenommen wurde das Konzert im National Auditorium of Andorra, und es ist bemerkenswert, dass sich die Band bewusst dafür entschieden hat, ihre Herkunft in der eigenen Heimat zu würdigen, auch wenn Andorra nicht zu den klassischen Zentren internationaler Metal-Acts zählt. „Live In Andorra“ ist ein starkes Live-Erlebnis mit einer beeindruckenden Setlist, die Songs aus allen Phasen der Bandkarriere umfasst. Die Produktion ist sehr gelungen, die Performance wie gewohnt auf höchstem Niveau. Alle sechs Musiker überzeugen mit Virtuosität und Präzision. Eines der besten Live-Alben des Jahres 2025 und Pflichtprogramm für Fans von Progressive Metal und Melodic Death Metal. (4,5/5) Voicu

cover artwork SCORPIONS Coming Home Live

SCORPIONS 🇩🇪 – Coming Home Live (Heavy Metal/Hard Rock)
(Universal Music, 05.12.25)
Ein wichtiges Dokument der Metal-Geschichte: Das Live-Album der SCORPIONS mit dem treffenden Titel „Coming Home Live“ ist weit mehr als nur ein Konzertmitschnitt aus Hannover, ihrer Heimatstadt. Es ist die Feier von 60 Jahren Bandgeschichte. Eine Spielzeit von rund anderthalb Stunden ist für eine Band mit einer derart umfangreichen Hitliste eigentlich knapp bemessen, dennoch wurde eine sehr sorgfältig zusammengestellte Setlist gewählt, die das Wesen der SCORPIONS hervorragend einfängt. Allein die Zahl von 60 Jahren Bandexistenz ist beeindruckend, doch hinzu kommt ihre immense Bedeutung für die Entwicklung der Rock- und Metal-Musik. Von den frühen, progressiv geprägten Anfängen über die Phase des Hard Rock bis hin zur festen Verankerung im Heavy Metal in den letzten 45 Jahren, haben SCORPIONS die Musikgeschichte nachhaltig mitgeprägt. Sie gehören zu den meistgeliebten Bands des Genres, mit unzähligen Songs, die Generationen begleitet und geprägt haben. Eine vollständige Aufzählung ihrer Klassiker würde den Rahmen dieser Besprechung sprengen. Umso bemerkenswerter ist, wie frisch und energiegeladen die Band auch live klingt: starke Gitarrenarbeit, eine stabile Rhythmussektion und die unverwechselbare Stimme von Klaus Meine sorgen für einen kraftvollen, lebendigen Sound. Der einzige wirkliche Wermutstropfen beim Hören dieses Albums ist, nicht selbst vor Ort gewesen zu sein. Mehr als Nostalgie oder ein Blick zurück ist „Coming Home Live“ ein überzeugendes Live-Album und schlicht gute Musik. (4/5) Voicu

cover artwork GUTTURAL SLUG Ulcers In The Flesh Of Thought

GUTTURAL SLUG 🇩🇰 – Ulcers In The Flesh Of Thought (EP) (Slam/Brutal Death Metal/Deathcore)
(Unique Leader Records, 05.12.25)
Ein kurzes, aber überraschend starkes Release der dänischen Vertreter einer der extremsten Spielarten von Slam und Brutal Death Metal. Die EP überzeugt durch eine gelungene Balance aus Genre-Typik und Dynamik, ohne dabei monoton zu wirken. Die Rhythmussektion ist massiv, die Gitarren liefern zahlreiche einprägsame, tiefgestimmte Riffs, und auch der Gesang passt hervorragend ins Gesamtbild, mit extrem tiefen Vocals, die zwischen Pig Squeals, gesprochenen und beinahe geflüsterten Passagen wechseln. „Ulcers In The Flesh Of Thought“ ist reine klangliche Gewalt: unerbittlich, schwer und durchgehend druckvoll. Abrupte Breaks wechseln sich mit konstanten, erdrückenden Passagen ab. Für Fans des Genres ein durchweg intensives Hörerlebnis und eine sehr gelungene Veröffentlichung. (4/5) Voicu

cover artwork SAKIS TOLIS Everything Comes To An End

SAKIS TOLIS 🇬🇷 – Everything Comes To An End (Gothic Metal)
(Independent, 09.12.25)
In den letzten Jahren scheint SAKIS TOLIS mit seinem Soloprojekt sogar aktiver zu sein als mit seiner Hauptband Rotting Christ. Drei Veröffentlichungen in ebenso vielen Jahren deuten darauf hin, dass dieses Projekt für ihn eine besondere Form der musikalischen Erfüllung darstellt oder ihm mehr Freiheit bietet, innere Ideen auszuleben. Bereits beim ersten Hören von „Everything Comes To An End“ wird deutlich, wie sehr sich der Sound von Rotting Christ unterscheidet, aber auch von den vorherigen Soloalben. Die Musik ist stärker im Gothic Metal verankert und trägt zugleich eine klare Heavy-Metal-Schlagseite. Viele gesprochene Passagen sind enthalten, eine Ausdrucksform, die für Sakis typisch ist. Sämtliche Instrumente mit Ausnahme des Schlagzeugs werden von ihm selbst eingespielt, was erneut seine musikalische Vielseitigkeit unterstreicht. Trotz der leicht veränderten Ausrichtung bleibt das Projekt fest in der griechischen Metal-Tradition verwurzelt, inklusive folkloristischer Elemente und einer charakteristischen Atmosphäre. In gewisser Weise wirkt diese Musik näher an der mittleren Phase von Rotting Christ als an den jüngeren Bandalben und zeigt sich insgesamt dynamischer. Das Ergebnis sind durchweg gute Songs, reich an Melodie und geprägt von der unverkennbaren Handschrift eines herausragenden Musikers. (4/5) Voicu

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