Interview mit Night Viper (Tom & Sofie Lee) 2017

Written by Lex J.Oven. Posted in Interviews

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Published on Oktober 22, 2017 with No Comments

Night Viper Interview mit Tom & Sofie Lee

Night Viper haben mit ihrem zweiten Album “Exterminator“ ihren ureigenen Stil dreckig-rotzigen Heavy Metals deutlich steigern können. Zeit also, um sich mit den Gründungsmitgliedern Tom und Sofie Lee über ihr neuestes Opus zu unterhalten, ob sich Musikhören mit Autoerotik verträgt und andere weltbewegende Themen…

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Photocredit: Sergio Albert

Lex: Hallo Leute! Gratulation zum hervorragenden neuen Album! Wie geht´s euch und wie sind die Reaktionen und Kritiken bisher?
Tom: Uns geht´s wirklich großartig! Wir sind äußerst zufrieden mit dem neuen Album, und vor allem glücklich, dass es nach all der harten Arbeit endlich von den Leuten gehört werden kann. Es steckt immer so viel mehr hinter der Arbeit an einem neuen Album als nur das Schreiben und Aufnehmen der Songs, also ist es sehr befriedigend, wenn andere Menschen letztendlich das Ergebnis all der harten Arbeit hören. Die Leute scheinen das Album zu lieben. Wir haben wirklich herausragende Kritiken bekommen, und bekommen auch mehr Aufmerksamkeit als zuvor.

Lex: Lasst uns annehmen, dass einige Leser dieses Interview nur zufällig angeklickt haben und Night Viper gar nicht kennen (vielleicht haben sie eigentlich nur einen Porno mit demselben Namen gesucht): Wie würdet ihr eure Musik beschreiben, so dass die euer Zeug anhören wollen anstatt sich einen runterzuholen?

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Photocredit: Sergio Albert

Tom: Wenn jemand mit seinen Genitalien spielen will, sollte er das tun. Aber was unsere Band angeht, würde ich sagen dass wir uns zwischen traditionellem Heavy Metal, Thrash Metal und einer gewissen Portion Rock´n´Roll Swing liegen, dazu noch etwas Dreck obendrauf. Sehr eingängige Songs, Killerriffs, und zu jeder Zeit absolute Headbangingkompatibilität. Die Art von Songs zu denen man tanzen will. Wir sind hart und rauh, aber dabei unterhaltsam.
Sofie Lee: Warum sollte das eine das andere eigentlich ausschließen? Aber was soll diese Frage überhaupt in diesem Interview?
[Antwort: Der 12jährige in mir hielt diese Art, die Frage zu stellen für verdammt witzig und originell – Lex]

Lex: Als 2015 euer Debut erschien, mochte ich den Stil und die Einstellung, die dahinter spürbar war. Aber etwas schien mir damals doch zu fehlen. Bei „Exterminator” dagegen habt ihr – meiner Meinung nach – den rohen dreckigen Stil eures Erstwerkes beibehalten, aber ordentlich zugelegt was Songwriting und Eingängigkeit angeht. Würdet ihr da zustimmen? Oder wie würdet ihr die Entwicklung zwischen “Night Viper” und “Exterminator” beschreiben? Seid ihr an das Songwriting anders herangegangen?

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Photocredit: Sergio Albert

Tom: Ich sehe es auch so, dass auf dem ersten Album etwas fehlte, und dass wir mit diesem Album nun eines geschaffen haben, das mit unseren Live-Shows mithalten kann. Ich denke die Songs waren immer schon stark, aber auf dem neuen Album klingen wir wirklich nach uns. Es ist immer noch roh und live, aber die Instrumente haben viel mehr Wucht. Ola Ersfjord hat einen wunderbaren Job als Produzent gemacht. Alles klingt lauter. Der einzige Unterschied im Songwriting war unsere Erkenntnis, dass wir mehr Thrash-Tempi einbauen und trotzdem noch wie Night Viper klingen können. Daher ist diese Seite von uns nun ausgeprägter. Das Album ist intensiver, weil es schneller ist. Und die Songs sind eingängiger? Das ist schön zu hören. Vielleicht ist Sofie Lee nun auch besser im Schreiben von Melodien geworden.
Sofie Lee: Es ist schräg, weil ich beim Arbeiten an diesem Album das Gefühl hatte, das alte wäre „mehr aus einem Guss“ gewesen. Aber wenn ich es mir jetzt anhöre, hat „Exterminator“ das gewisse Etwas, das man auf dem Debut noch nicht findet.
So wie Tom sagt: Es hat sicher viel mit dem Sound zu tun, aber wir sind auch mittlerweile einfach erfahrener als Band, spielen besser zusammen und haben uns zudem individuell weiterentwickelt.

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Photocredit: Sergio Albert

Lex: Worum geht es bei “Exterminator”? Welche Themen sind euch wichtig?
Sofie Lee: Was die Texte angeht, habe ich mehr und mehr bemerkt wie wichtig es ist, unsere Chance zu nutzen einer weiblichen Stimme da draußen Gehör zu verschaffen. Ich beginne mit den Texten niemals, bevor die Struktur eines Songs mehr oder weniger feststeht, und dann beginnt die Arbeit an den Gesangslinien. Die Stimmung und das Tempo ist immer der Angelpunkt eines jeden Songs, und das dabei in mir entstehende Gefühl bestimmt was ich danach schreibe. Zum Beispiel „All That Remains“ mit seiner epischen Schlagseite fühlte sich an, als hätte der Song etwas Wichtiges und Ermutigendes als Botschaft. Also schrieb ich für meine drei besten Freundinnen und alle coolen Mädels, ob Bekannte oder Unbekannte; darüber sich zu vereinen und das Patriarchat zusammen zum Einsturz zu bringen ohne sich selbst dabei zu verbiegen.

Lex: Sofie Lee hat eine sehr einzigartige Stimme die Night Viper definitiv hilft, sich von anderen Bands abzuheben. Wie habt ihr sie gefunden, hat sie vorher in anderen Bands gesungen?
Tom: Wir haben uns gegenseitig gefunden. Sie hat mit einem gemeinsamen Freund namens Martin versucht, eine Band zusammenzustellen, und er hat mich reingebracht. Er war letztendlich zu beschäftigt, um wirklich dabeizubleiben, also haben ich und Sofie dann die Band begründet. Ja, sie ist unglaublich talentiert. Ich bin froh sie in der Band zu haben, und ihre Stimme ist einfach perfekt für uns. Ich erinnere mich daran, wie ich damals ihre ersten Gesangsideen für unsere frühen Songs hörte: Ich wusste da schon, dass diese Band etwas wirklich Besonderes sein würde.
Sofie Lee: Danke Dir! Wie Tom sagte, haben wir uns gegenseitig gefunden. Ich war zuvor noch in keiner Band aktiv. Martin hat mich dazu gebracht, bei einem Event in der legendären Location Truckstop Alaska in Gothenburg zu singen. Danach hatte ich endlich den Mut, es mit einer eigenen Band zu versuchen.

Lex: Welches war das erste Album, das ihr euch selbst gekauft habt?

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Photocredit: Sergio Albert

Tom: Das war “Tougher Than Leather” von Run DMC, auf Kassette. Ich liebe das Album immer noch. Ich erinnere mich noch an das bedeutungsvolle Gefühl, so viel für ein Tape auszugeben, weil ich es einfach besitzen wollte. Ich glaube das war 1988 oder 89. Wahrscheinlich haben alle, die vor der Internet-Ära aufgewachsen sind, da ähnliche Erinnerungen.
Sofie Lee: Wahrscheinlih “So Far, So Good” von Bryan Adams. Ich kann nicht behaupten, dass ich dieses oder andere seiner Alben besonders oft anhöre, aber ich bewundere ihn immer noch mit seinen großartigen Songwriter-Fähigkeiten.

Lex: Sind Shows in Österreich geplant?
Tom: Ja, am 5. Dezember im Escape-Metal Corner Wien. Es wird geil sein, wieder da zu sein. Letztes Mal hatten wir eine super Show in Wien, und wir lieben es dort. Immer cool in der Heimat von Pungent Stench zu sein!

Lex: Wenn ihr einen Wunsch frei hättet – mit wem würdet ihr gerne auf Tour gehen?
Tom: Nun, einige unserer Shows im Rahmen der Tour im Dezember werden mit Indian Nightmare sein, was uns ziemlich freut. Eine der besten aktiven Live-Bands, und prima Leute – Ich kann´s kaum erwarten! Außerdem hege ich eine lebenslange Metallica-Obsession, das wäre folglich schon gigantisch. Aber ansonsten würde ich gerne mit Antichrist, Black Breath, Hällas, Kreator, Tyranex, Necromantheon und – natürlich – Judas Priest touren.
Sofie Lee: Ich würde gern mit Christian Mistress auf Tour gehen, von denen jeder bei un sein großer Fan ist. Dann mit Girlscholl, weil sie Legenden sind. Mit den Blues Pills, weil Elin Larsson mein Krafttier ist; Horisont weil sie derzeit die wohl aufregendste Band ist, die aus Gothenburg kommt; Spiders, weil das wirklich gute Freunde und echte Rocker sind. Und Tribulation sowie Deathhammer, weil ich von denen besessen bin.

Lex: Danke für das Interview – die letzten Worte gehören euch!
Tom: Bang that Head that doesn´t bang! Hört euch unser neues Album an, und seid bereit abzugehen. Kauft vielleicht einen Tennisschläger, damit ihr was Gitarrenförmiges zum Luftgitarrespielen habt. Mit leeren Händen würdet ihr dumm aussehen.

About Lex J.Oven

Wenn mir irgendwas von Manowar nicht gefällt, konsumiere ich es solange, bis ich endlich nach mehreren Durchläufen erkenne, welche Großtat die New Yorker wieder geleistet haben. Leider habe ich diese Geduld nicht bei anderen Bands, tut mir leid für euch.

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