Tracklist
01. Into Chaos
02. Drama King
03. Sinto Muito
04. Lovesick
05. Goodbye (See You In Hell)
06. Yet I Live
07. She’s A Drug (Feat Miguel Inglês)
08. Fuck You, Next
09. Someone
Besetzung
Rui “ruidamosher” Alexandre – Guitars, main vocals
Gaspar “Animal” Ribeiro – Drums, backing vocals
Pedro Mota – Bass
Pedro Magalhães – Guitars
Die portugiesische Formation CHAOSADDICTION ist kein unbeschriebenes Blatt mehr in der europäischen Underground-Szene. Mit ihrem zweiten Album »Kintsugi« schärfen die vier Musiker ihr Profil deutlich nach. Das Line-up bleibt dabei klar definiert, Rui „ruidamosher“ Alexandre an Gitarre und Hauptgesang, Gaspar „Animal“ Ribeiro am Schlagzeug mit Backing Vocals, Pedro Mota am Bass sowie Pedro Magalhães an der zweiten Gitarre. Diese Konstellation setzt auf direkte Energie statt technischer Spielereien und genau das ist auch auf »Kintsugi« spürbar.
Zwischen Nostalgie und Eigenständigkeit
Aufgenommen in den Golden Jack Studios in Coimbra unter der Regie von João Dourado, ist »Kintsugi« ein Album, das sich hörbar an den Groove-Metal-Giganten der frühen 90er orientiert. Namen wie MACHINE HEAD, SEPULTURA, PANTERA und FEAR FACTORY stehen dabei unausgesprochen im Raum. Doch statt bloß zu kopieren, greifen CHAOSADDICTION diese Einflüsse auf und übersetzen sie in einen modernen, eigenständig klingenden Sound.
Der Albumtitel »Kintsugi« verweist auf die japanische Kunst, zerbrochene Keramik mit Gold zu reparieren. Diese Idee spiegelt sich auch musikalisch wider. Brüche, Kontraste und emotionale Risse werden nicht kaschiert, sondern bewusst hervorgehoben.
Der Einstieg: Kurz, direkt, effektiv
Mit »Into Chaos« startet das Album in knapp zwei Minuten ohne Umwege. Ein kurzer, fast schon roher Opener, der sofort klarmacht, wohin die Reise geht. Danach legt »Drama King« deutlich zu. Hier zeigt sich erstmals das Gespür der Band für eingängige Grooves und präzise gesetzte Breaks. Der Song bleibt hängen, ohne sich anzubiedern.
»Sinto Muito« bringt eine persönliche Note ins Spiel. Sprachlich wie emotional hebt sich der Track ab und verleiht dem Album eine zusätzliche Tiefe. Die Mischung aus Härte und Melancholie funktioniert überraschend gut.
Starke Mitte mit klarer Handschrift
In der Album-Mitte wird das Songwriting besonders interessant. »Lovesick« spielt mit Dynamik und Spannungsaufbau, während »Goodbye (See You In Hell)« mit fast sechs Minuten Laufzeit zu den ausladenderen Stücken gehört. Hier zeigt sich die Band ambitionierter, ohne sich zu verlieren.
»Yet I Live« setzt auf Atmosphäre und zieht das Tempo bewusst an und wieder zurück. Diese Wechsel wirken nie konstruiert, sondern organisch. Man merkt, dass die Band nicht einfach nur härter oder schneller sein will, sondern gezielt mit Stimmungen arbeitet.
Ein besonderes Highlight ist »She’s A Drug«, bei dem Miguel Inglês als Feature-Gast auftaucht. Der Song ist kurz, fast punkig in seiner Direktheit und bringt frischen Wind in die Tracklist.
Aggression mit Haltung
»Fuck You, Next« trägt seinen Titel nicht ohne Grund. Der Song ist wütend, kompromisslos und gehört zu den härtesten Momenten des Albums. Gleichzeitig wirkt er nie plump. Die Aggression hat Richtung und Aussage, was ihn deutlich von generischem Genre-Material abhebt.
Mit »Someone« endet das Album schließlich etwas nachdenklicher. Der Track rundet »Kintsugi« ab, ohne in Pathos zu verfallen. Statt eines großen Finales gibt es einen kontrollierten Ausklang, der gut zur Gesamtstimmung passt.
Produktion und Sound
Die Produktion ist druckvoll, aber nicht überpoliert. Gerade das kommt dem Material zugute. Die Gitarren haben genug Biss, ohne den Mix zu dominieren, während Bass und Schlagzeug klar präsent bleiben. Besonders Gaspar Ribeiros Drumming fällt auf, weil es Groove und Präzision gut verbindet.
Auch gesanglich bewegt sich Rui Alexandre zwischen aggressiven Shouts und kontrollierten melodischen Passagen. Diese Bandbreite sorgt dafür, dass die Songs abwechslungsreich bleiben.
»Kintsugi« ist ein starkes Statement einer Band, die genau weiß, wo sie herkommt und wohin sie will. Die Mischung aus klassischen Groove-Metal-Elementen und modernen Einflüssen funktioniert überzeugend. Dabei gelingt es CHAOSADDICTION, trotz klarer Referenzen eine eigene Identität zu bewahren.
Das Album lebt von seinen Kontrasten. Härte trifft auf Emotion, Direktheit auf durchdachtes Songwriting. Nicht jeder Moment ist perfekt, aber genau diese kleinen Unebenheiten machen den Reiz aus.
Mit einer Bewertung von 4,5 von 5 zeigt sich deutlich, »Kintsugi« gehört zu den spannenderen Veröffentlichungen im aktuellen Groove-Metal-Kosmos. Wer Bands wie MACHINE HEAD oder PANTERA schätzt, wird hier definitiv fündig, bekommt aber genug Eigenständigkeit geboten, um nicht nur in Nostalgie zu schwelgen.
Fazit: »Kintsugi« von CHAOSADDICTION ist mehr als nur ein Album, es ist eine emotionale Reise durch Chaos und Heilung

