CYHRA - Requiem For A Pipe Dream - album artwork

Band: CYHRA 🇸🇪
Titel: Requiem For A Pipe Dream
Label: Reigning Phoenix Music
VÖ: 05.06.2026
Format: CD / Vinyl / Digital
Genre: Modern Metal / Melodic Metal / Hard Rock

Tracklist

01. Bleed With Pride
02. Superman (Re-Recorded)
03. Miss Me When I’m Gone
04. Ghostbound
05. In The Center Of A Miracle
06. Skin From Bones (Re-Recorded)
07. Ghost I’m Meant To Be
08. Mark Of My Sins (Re-Recorded)
09. Venom In Me
10. Box With Spirits
11. Hold Your Fire feat. Samy Elbanna (Bonus Track)

Besetzung und Produktion

Jake E – Gesang, Keyboards, Produktion
Euge Valovirta – Gitarre, Bass, Produktion, Mixing
Jesper Strömblad – Bass, Gitarre
Marcus Sunesson – Gitarre
Alex Landenburg – Schlagzeug

Gast:
Samy Elbanna – Gesang auf „Hold Your Fire“

Mastering:
Jacob Hansen
Maor Appelbaum

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Die schwedische Modern-Metal-Band CYHRA verbindet auf ihrem vierten Studioalbum »Requiem For A Pipe Dream« melodischen Metal, moderne Elektronik, Hard Rock und Spuren des klassischen Göteborg-Sounds. Im Mittelpunkt stehen nicht Fantasiewelten oder abstrakte Heldengeschichten, sondern Selbstzweifel, innere Unruhe, verlorene Zeit und der Versuch, nach einer Phase des Stillstands wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Die Musik setzt diesen Konflikt mit druckvollen Rhythmen, weit geöffneten Refrains, melancholischen Synthesizern und der ausdrucksstarken Stimme von Jake E um.

YouTube Art Playlist: Requiem For A Pipe Dream

ABSCHIED VON EINEM UNERREICHBAREN TRAUM

Der Albumtitel verbindet zwei scheinbar widersprüchliche Begriffe. Ein Requiem steht für Abschied und endgültige Anerkennung eines Verlustes, während ein unerfüllbarer Traum von Hoffnung lebt, obwohl seine Verwirklichung zunehmend unwahrscheinlich erscheint. CYHRA verabschieden sich jedoch nicht von ihrer musikalischen Zukunft. Sie beenden vielmehr die Abhängigkeit von äußeren Umständen, Erwartungen und der Vorstellung, Erfolg müsse immer einem geradlinigen Plan folgen.

Diese Bedeutung ist eng mit der Entwicklung der Band verbunden. Nach dem Aufbau der ersten Alben verlor das Projekt während der Pandemie einen erheblichen Teil seines Schwungs. Tourneen, gemeinsame Arbeit und langfristige Planungen wurden unterbrochen. »Requiem For A Pipe Dream« verarbeitet das Gefühl, etwas Bedeutendes langsam aus den Händen gleiten zu sehen, ohne deshalb die eigene Identität aufzugeben.

Musikalisch klingt das Album daher gleichzeitig melancholisch und entschlossen. Die Refrains sind häufig auf Aufbruch ausgerichtet, während die Strophen von Angst, Einsamkeit und beschädigtem Selbstvertrauen handeln. Die Stärke der Platte liegt in diesem Gegensatz: Hoffnung erscheint nicht als angeborener Optimismus, sondern als bewusste Entscheidung nach einer Phase erheblicher Unsicherheit.

NARBEN WERDEN ZUM KOMPASS

»Bleed With Pride« eröffnet das Album mit dessen zentraler Aussage. Vergangene Verletzungen werden nicht länger als Makel behandelt, die verborgen oder beschönigt werden müssen. Sie stehen für überstandene Krisen und für die Fähigkeit, sich nach einem Zusammenbruch neu aufzubauen. Stolz bedeutet hier nicht Überlegenheit, sondern die Anerkennung der eigenen Widerstandskraft.

Jake E singt den Song mit bemerkenswerter Klarheit. Seine Stimme besitzt den melodischen Umfang, den man von ihm erwartet, wirkt aber weniger makellos inszeniert als auf einigen früheren Veröffentlichungen. Kleine Rauheiten und ein stärkerer Druck in den mittleren Lagen geben dem Text Glaubwürdigkeit. Im Refrain öffnet er die Stimme weit, ohne die persönliche Ebene zugunsten einer reinen Arenahymne aufzugeben.

Alex Landenburg sorgt mit einem geradlinigen, kraftvollen Rhythmus für ständige Bewegung. Seine Schlagzeugarbeit ist präzise, aber nicht steril. Die Bassdrum unterstützt die Gitarren, während die Becken den Übergang zum Refrain deutlich vergrößern. Euge Valovirta, Jesper Strömblad und Marcus Sunesson verbinden schwere Akkorde mit melodischen Figuren, die an Göteborg erinnern, ohne den Song in klassischen Melodic Death Metal zu verwandeln.

»Superman« führt diese Idee in zugänglicherer Form weiter. Der Song handelt von der Fähigkeit, auch unter erheblichem Druck aufzustehen und in sich selbst eine Kraft zu entdecken, die zuvor kaum wahrgenommen wurde. Der Heldentitel ist dabei nicht wörtlich gemeint. Gemeint ist kein unverwundbarer Mensch, sondern jemand, der trotz eigener Grenzen handelt.

Der Refrain ist ausgesprochen eingängig und liegt näher an modernem Hard Rock als an Metal. Das funktioniert wirkungsvoll, wirkt aber auch sehr berechnet. Die Melodie bleibt sofort hängen, während die instrumentale Begleitung bewusst auf Komplexität verzichtet. Gerade dadurch entsteht ein Song mit großer Reichweite, der allerdings zu den glattesten Momenten des Albums gehört.

DER KRIEG IM EIGENEN KOPF

»Miss Me When I’m Gone« gehört zu den inhaltlich schwersten Stücken. Die erzählende Person erlebt jeden Herzschlag und jedes gesprochene Wort als Belastung. Angst, Erschöpfung und das Gefühl des Erstickens führen zu der Frage, ob das eigene Verschwinden überhaupt rechtzeitig wahrgenommen würde. Der Titel besitzt deshalb keine triumphierende Bedeutung. Er ist eine verzweifelte Aufforderung, einen Menschen zu sehen, bevor dessen Kraft vollständig aufgebraucht ist.

Jake E wechselt hier zwischen melodischem Gesang und einer sprechnahen, rhythmisch geführten Strophe. Die elektronische Begleitung tritt deutlich hervor und verleiht dem Song eine moderne, beinahe urbane Stimmung. Dieser Ansatz hebt die Nummer vom restlichen Album ab und unterstreicht die innere Unruhe des Textes.

Landenburg hält sich zunächst zurück und arbeitet mit wenigen, klaren Schlägen. Erst im Refrain vergrößert er das Klangbild. Der Bass bleibt tief und ruhig, während die Gitarren eher atmosphärische Akzente setzen, statt den Song mit zusätzlichen Riffs zu überladen. Dadurch bleibt der Gesang konsequent im Zentrum.

»Ghostbound« setzt die Auseinandersetzung mit Angst und beschädigtem Selbstbild fort. Die Figur ist an Erinnerungen, Schlaflosigkeit und wiederkehrende Selbstzweifel gebunden. Der Geist, der sie verfolgt, entsteht nicht außerhalb ihrer selbst. Er wird durch Flucht, Lügen und verdrängte Verletzungen immer weiter genährt.

Das Spiegelmotiv spielt dabei eine wichtige Rolle. Der Blick auf das eigene Abbild zeigt keine stabile Identität mehr, sondern eine Person, die sich durch jede Krise weiter von sich selbst entfernt hat. Gleichzeitig enthält der Song Widerstand: Die erzählende Figur ist noch nicht bereit, aufzugeben. Sie erkennt den Geist und beginnt damit, dessen Macht überhaupt erst benennen zu können.

Musikalisch ist »Ghostbound« eine der geschlossensten Kompositionen der Platte. Die Gitarren sind deutlich präsent, die Synthesizer unterstützen die Atmosphäre, und Landenburg führt die Band mit einem energischen, aber kontrollierten Rhythmus. Jake E steigert seine Stimme vom angespannten Beginn bis zum großen Refrain, ohne den Song unnötig zu überzeichnen.

LIEBE ALS GEGENKRAFT

»In The Center Of A Miracle« stellt der inneren Dunkelheit einen Menschen gegenüber, der Sicherheit und Orientierung ermöglicht. Die erzählende Person blickt auf eine Phase zurück, in der sie zwar noch funktionierte, innerlich jedoch bereits beschädigt war. Erst durch Vertrauen und Nähe gelingt es ihr, sich aus alten Bindungen und Erinnerungen zu lösen.

Der Song behandelt Liebe als Rückkehr zum Leben. Das Gegenüber wird zum Halt, der nicht sämtliche Probleme beseitigt, aber eine neue Perspektive ermöglicht. Diese Aussage ist deutlich optimistischer als der größte Teil des Albums und markiert einen wichtigen Ruhepunkt.

Musikalisch bewegt sich die Nummer nah an einer klassischen Melodic-Rock-Ballade. Jake E kann hier seine gesamte melodische Stärke ausspielen. Seine langen Gesangslinien sind sauber geführt, und besonders in den höheren Registern zeigt er, weshalb seine Stimme weiterhin das wichtigste Erkennungsmerkmal der Band ist.

Die instrumentale Begleitung bleibt zurückhaltend. Valovirta und Sunesson setzen weit klingende Akkorde, während Strömblads Bass die harmonische Bewegung stabilisiert. Landenburg verzichtet auf übertriebene Dramatik und lässt den Song über seine Melodie wirken. Der Refrain ist stark, bewegt sich allerdings nah an jener Grenze, an der Aufrichtigkeit in vorhersehbaren Pathos übergehen kann.

BEFREIUNG DURCH SCHMERZHAFTE TRENNUNG

»Skin From Bones« behandelt die Loslösung von einer Beziehung oder einem inneren Einfluss, der lange Zeit fälschlicherweise als Teil der eigenen Persönlichkeit verstanden wurde. Die erzählende Person erkennt, dass das vermeintliche Monster nicht im eigenen Kopf entstanden ist. Es wurde durch Lügen, Schuldzuweisungen und psychische Abhängigkeit dort verankert.

Das drastische Bild des Ablösens von Haut und Knochen beschreibt einen Heilungsprozess, der nicht sanft verläuft. Um sich von der Vergangenheit zu befreien, muss die Figur etwas entfernen, das bereits mit ihrem Selbstbild verwachsen ist. Die damit verbundene Angst ist Teil des Prozesses, aber nicht länger dessen bestimmende Kraft.

Musikalisch kombiniert der Song elektronische Impulse, modernes Riffing und einen sehr direkten Refrain. Valovirta übernimmt eine wichtige Rolle, weil Gitarre und Produktion eng miteinander verbunden sind. Die rhythmischen Figuren bleiben kompakt, während elektronische Flächen zusätzliche Unruhe erzeugen.

Jesper Strömblad bringt jene melodische Grundsprache ein, die seinen Stil seit Jahrzehnten prägt. Die Gitarrenmelodien dienen aber nicht als Rückblick auf alte In-Flames-Zeiten, sondern werden in den klaren, modernen Aufbau von CYHRA integriert. Das Ergebnis ist einer der unmittelbarsten Songs des Albums.

DAS SELBST ALS VERBLASSENDER GEIST

»Ghost I’m Meant To Be« greift erneut das Motiv einer beschädigten Identität auf. Die erzählende Person sucht nach Vertrauen und Wahrheit, erreicht jedoch immer wieder einen Punkt, an dem Erinnerungen und innere Konflikte diese Sicherheit auflösen. Der Geist ist hier nicht nur eine Folge vergangener Verletzungen. Er steht für die Befürchtung, dass das eigene Verschwinden möglicherweise bereits unausweichlich geworden ist.

Die entscheidende Frage lautet, ob ein Mensch seiner bisherigen Entwicklung ausgeliefert ist oder ob er die erwartete Rolle noch verlassen kann. Das Stück bleibt bewusst offen. Die Figur erkennt ihren Zustand, verfügt aber noch nicht über eine vollständige Lösung. Das Schweigen eines anderen Menschen verschärft diese Unsicherheit zusätzlich.

Der Song beginnt schwerer als die meisten Stücke der Platte. Die Gitarren erhalten mehr Raum und erzeugen einen deutlichen Gegenpol zu Jake Es sehr melodischer Gesangslinie. Landenburg setzt kräftige Akzente, ohne die Balladenstruktur vollständig zu verlassen. Dadurch entsteht eine wirkungsvolle Mischung aus Schwere und Verletzlichkeit.

»Mark Of My Sins« führt die Selbstbefragung weiter. Der Titel beschreibt Schuld nicht nur als Erinnerung an einzelne Entscheidungen, sondern als sichtbares Zeichen, das die eigene Identität dauerhaft prägt. Anstatt diese Vergangenheit zu verleugnen, versucht die erzählende Figur, Verantwortung zu übernehmen und sich nicht länger ausschließlich durch ihre Fehler definieren zu lassen.

Musikalisch ist das Stück eine sehr genaue Zusammenfassung des aktuellen Bandstils. Schwere Gitarren, elektronische Flächen, ein melodisch weit geöffneter Refrain und Jake Es emotionaler Vortrag greifen eng ineinander. Die neu eingespielte Version klingt homogener im Albumkontext, verliert gegenüber der ursprünglichen Single jedoch einen Teil ihres eigenständigen Charakters.

DAS GIFT EINER ZERSTÖRERISCHEN VERBINDUNG

»Venom In Me« beschreibt eine Beziehung, in der zwei Menschen gegensätzliche Wirklichkeiten erzeugen. Während eine Seite Schutz, Wahrheit und Vergebung sucht, antwortet die andere mit Schuld, Zerstörung und Verweigerung. Das Gift ist die bleibende Wirkung dieses Verhaltens: Es bleibt im Körper und im Denken zurück, selbst nachdem die unmittelbare Situation möglicherweise beendet ist.

Besonders wirkungsvoll ist der Gegensatz zwischen Aufbau und Zerstörung. Die erzählende Person versucht, Zukunft, Vertrauen und emotionale Sicherheit zu schaffen, während das Gegenüber diese Ansätze immer wieder untergräbt. Aus Liebe wird Schuld, aus Erinnerung wird eine dauerhafte innere Verletzung.

Der Song gehört zu den härteren regulären Albumtiteln. Landenburg spielt energisch und gibt dem Refrain zusätzlichen Nachdruck. Strömblads Bass bleibt klar wahrnehmbar und unterstützt die dunklere Harmonik. Die Gitarrnearbeit von Valovirta und Sunesson ist präzise, ohne die Melodie zu verdrängen.

Jake E singt die Strophen kontrolliert, erhöht im Refrain aber deutlich den Druck. Seine Stimme vermittelt keine distanzierte Anklage, sondern einen Konflikt, der noch immer innerhalb der erzählenden Person stattfindet. Gerade dadurch wirkt der Song stärker als eine einfache Abrechnung.

DAS HERZ IN EINER VERSCHLOSSENEN SCHACHTEL

»Box With Spirits« beschreibt einen Menschen, der Frieden erhalten möchte, indem er schweigt, Rollen spielt und die eigene Wahrheit einschließt. Die Figur versucht, innere Risse mit geliehenen Lösungen zu schließen. Sie funktioniert nach außen, während Hoffnung, Schlaf und Selbstwahrnehmung zunehmend verloren gehen.

Die Schachtel mit den Geistern ist ein innerer Aufbewahrungsort für verdrängte Gefühle, alte Verletzungen und Lügen. Das Herz wird darin geschützt, aber zugleich jeder echten Verbindung entzogen. Der Song zeigt, dass scheinbarer Frieden nicht mit Heilung verwechselt werden darf. Wer Konflikte ausschließlich einsperrt, verhindert nicht deren Fortbestehen.

Musikalisch ist das Stück bewusst geradlinig aufgebaut. Die Gitarren besitzen einen kräftigen Rockcharakter, während der Refrain sofort verständlich bleibt. Valovirta setzt ein melodisches Solo, das nicht übermäßig lang ausfällt, aber der Nummer einen klaren instrumentalen Höhepunkt gibt.

Landenburg spielt mit viel Druck, und Strömblads Bass gibt dem Song ein stabiles Fundament. Jake E verbindet einen fast nachdenklichen Vortrag in den Strophen mit einem großen, offenen Refrain. Dadurch eignet sich »Box With Spirits« als Schlusspunkt der regulären Albumfassung: Das zentrale Problem wird erkannt, aber nicht vollständig aufgelöst.

BONUSTRACK MIT GESELLSCHAFTLICHEM BLICK

»Hold Your Fire« erweitert die persönliche Perspektive um ein gesellschaftliches Thema. Der Song handelt von Gewalt, Krieg, der Normalisierung von Chaos und dem Gefühl, dass die Menschheit bekannte Fehler immer wiederholt. Die zentrale Forderung richtet sich gegen vorschnelle Eskalation und gegen die Bereitschaft, wegzusehen, solange andere die unmittelbaren Folgen tragen.

Der Gastauftritt von Samy Elbanna von Lost Society verändert die Energie deutlich. Seine aggressivere Stimme gibt dem Song zusätzliche Härte und bildet einen starken Gegensatz zu Jake Es melodischem Gesang. Das Stück erreicht dadurch eine Intensität, die auf dem regulären Album stellenweise fehlt.

Auch instrumental ist »Hold Your Fire« direkter. Die Gitarren orientieren sich stärker am Melodic Death Metal, Landenburg erhöht das Tempo, und die Rhythmusgruppe arbeitet weniger mit atmosphärischen Zwischenräumen. Der Song hätte deshalb nicht nur als Bonus funktioniert. Als regulärer Abschluss hätte er dem Album einen deutlich entschlosseneren letzten Eindruck gegeben.

MUSIKER MIT KLAR DEFINIERTEN STÄRKEN

Jake E liefert eine der persönlichsten Gesangsleistungen seiner bisherigen Laufbahn. Seine technische Kontrolle bleibt besonders in den hohen Registern beeindruckend, doch wichtiger ist die größere emotionale Offenheit. Er lässt einzelne Töne rauer stehen und verzichtet häufiger auf eine vollständig polierte Oberfläche. Dadurch gewinnen Texte über Angst, Schuld und beschädigtes Selbstvertrauen an Glaubwürdigkeit.

Seine Keyboards und elektronischen Arrangements prägen die moderne Seite der Platte. Sie sorgen für Atmosphäre und verbinden die schweren Gitarren mit den melodischen Refrains. Stellenweise treten die Synthesizer allerdings sehr weit in den Vordergrund und nehmen den Gitarren etwas von ihrer natürlichen Durchsetzungskraft.

Euge Valovirta übernimmt als Gitarrist, Bassist, Produzent und Mixer mehrere zentrale Aufgaben. Seine Soli sind melodisch aufgebaut und dienen den Songs, statt sie für technische Demonstrationen zu unterbrechen. Besonders auf »Box With Spirits«, »Skin From Bones« und »Bleed With Pride« verbindet er präzise Rhythmusarbeit mit klar geführten Leads.

Jesper Strömblad bleibt für die melodische Grundsprache der Band wichtig. Seine harmonischen Wendungen und Gitarrenfiguren tragen erkennbare Elemente des Göteborg-Sounds, werden jedoch in einen deutlich zugänglicheren Kontext gesetzt. Dass er auf dem Album auch Bass übernimmt, gibt dem tiefen Bereich eine melodische Beweglichkeit, die besonders in den weniger elektronischen Songs auffällt.

Marcus Sunesson ergänzt diese Arbeit mit kräftigen Rhythmusgitarren und sauber gesetzten melodischen Gegenstimmen. Das Zusammenspiel der drei Gitarristen wirkt erstaunlich geordnet. Niemand versucht, jede freie Stelle mit zusätzlichen Spuren zu füllen. Die Arrangements bleiben trotz der personellen Möglichkeiten meistens übersichtlich.

Alex Landenburg spielt mit großer Genauigkeit und einem ausgeprägten Verständnis für melodisches Songwriting. Er kann die härteren Stücke energisch antreiben, reduziert sich in den Balladen aber auf die notwendigen Akzente. Besonders seine Übergänge sind stark: Kleine Fills und Veränderungen der Beckenarbeit bereiten Refrains vor, ohne deren Wirkung vorwegzunehmen.

STARKER ZUSAMMENHALT, ABER NICHT NUR NEUES MATERIAL

Die größte Stärke von »Requiem For A Pipe Dream« ist seine Geschlossenheit. Inhaltlich kreisen die Songs um verschiedene Formen des Überlebens: das Akzeptieren von Narben, das Erkennen schädlicher Beziehungen, das Zurückgewinnen der eigenen Identität und die Entscheidung, trotz verlorener Zeit weiterzumachen. Die Band findet dafür eine musikalische Sprache, die gleichzeitig schwer, melodisch und unmittelbar verständlich ist.

Kritisch bleibt allerdings, dass »Superman«, »Skin From Bones« und »Mark Of My Sins« bereits vorab veröffentlicht und für das Album neu eingespielt wurden. Die neuen Versionen passen klanglich besser zusammen, doch fast ein Drittel der regulären Tracklist besitzt dadurch nicht den Charakter vollständig neuen Materials.

Auch die Produktion ist nicht in jeder Passage optimal ausbalanciert. Stimme, Schlagzeug und Synthesizer stehen sehr präsent im Mix, während einzelne Gitarrendetails weniger deutlich hervortreten. Gerade bei drei erfahrenen Gitarristen hätte man sich gelegentlich mehr Raum für ihre unterschiedlichen Handschriften gewünscht.

Die starke Eingängigkeit kann ebenfalls zum Problem werden. Einige Refrains folgen ähnlichen melodischen Bewegungen, und »In The Center Of A Miracle« bewegt sich sehr nah an konventionellem Melodic Rock. Demgegenüber stehen mit »Miss Me When I’m Gone«, »Ghostbound«, »Venom In Me« und »Hold Your Fire« Stücke, die den bekannten Stil sinnvoll erweitern.

FAZIT:

»Requiem For A Pipe Dream« ist ein persönliches, melodisch starkes Modern-Metal-Album über Selbstzweifel, beschädigte Identität und die bewusste Entscheidung zum Weitermachen. Jake E, Euge Valovirta, Jesper Strömblad, Marcus Sunesson und Alex Landenburg überzeugen als geschlossenes Ensemble, auch wenn die sehr präsenten Synthesizer und drei bereits bekannte Neuaufnahmen den Gesamteindruck leicht mindern. Besonders »Bleed With Pride«, »Miss Me When I’m Gone«, »Ghostbound«, »Venom In Me« und »Hold Your Fire« rechtfertigen starke 4 von 5 Punkten.

Musikvideo: Box With Spirits

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CYHRA - Requiem For A Pipe Dream - CD Review

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