Band: Goreworm 🇨🇦
Titel: Miasmic Solitude
Label: Transcending Obscurity Records
VÖ: 12.06.2026 Format: CD / Digital
Genre: Technical Death Metal / Melodic Death Metal / Brutal Death Metal / Progressive Death Metal

Tracklist

01. Conjuring
02. Monuments to Murdering
03. The Enthralling Grave
04. Orbweaver
05. Amor Vincit Omnia
06. No Reprieve
07. Eve of Flagellation
08. Jarrell
09. Strelly
10. Miasmic Solitude

Besetzung

Robert Miller – Gesang
Jordan Estrela – Gitarre
Brent Moerschfelder – Gitarre, Bass
Robin Stone – Session-Schlagzeug

Gastmusiker:
Jesse Suess – Gastgesang auf „Orbweaver“
Andrew Warner – Gitarrensolo auf „Amor Vincit Omnia“

Produktion:
Robin Stone – Schlagzeugproduktion
Philipp Welsing – Mastering
Leanna TenEycke – Artwork

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Goreworm? Blutwurm? Was soll das sein? Beim Namen der kanadischen Formation könnte man zunächst an primitiven Goregrind, dumpf produzierten Höhlen-Death-Metal oder ein besonders unangenehmes medizinisches Problem denken. Tatsächlich liefern die 2017 in Ontario gegründeten Goreworm auf ihrem zweiten Album »Miasmic Solitude« jedoch technisch anspruchsvollen Death Metal, der melodische Gitarren, brutale Rhythmusarbeit, progressive Strukturen und gelegentliche Slam-Eruptionen miteinander verbindet. Sechs Jahre nach dem Debüt »Prodigy of the Grotesque« und fünf Jahre nach der EP »Plague of Shadows« tritt die Band mit veränderter Besetzung und einem Vertrag bei Transcending Obscurity Records wieder an. Robert Miller übernimmt den Gesang, während die Gitarristen Jordan Estrela und Brent Moerschfelder den instrumentalen Kern bilden; Letzterer spielt zusätzlich den Bass. Hinter dem Schlagzeug sitzt Session-Musiker Robin Stone. Das Ergebnis umfasst zehn Stücke und rund vierzig Minuten, in denen Goreworm nahezu pausenlos zwischen halsbrecherischer Präzision, melodischer Führung und körperlicher Härte wechseln. »Miasmic Solitude« klingt damit keineswegs wie ein schleimiger Wurm, der langsam durch verwesendes Fleisch kriecht. Dieses Tier bewegt sich verdammt schnell, besitzt offenbar acht Gliedmaßen und hat nebenbei klassischen Gitarrenunterricht genommen.

Full Album Stream: Miasmic Solitude

BESCHWÖRUNG MIT VOLLGAS

»Conjuring« eröffnet das Album mit einer kurzen atmosphärischen Andeutung, bevor Robin Stone das Schlagzeug beschleunigt und die Gitarren nahezu gleichzeitig mehrere Bewegungsrichtungen einschlagen. Goreworm verwenden keine lange Einleitung, um ihre Fähigkeiten langsam vorzustellen. Tremolo-Läufe, harte Akkorde, schnelle Bassdrums und Robert Millers raues Gebrüll stehen innerhalb weniger Sekunden gemeinsam im Raum.

Die Gitarrenarbeit von Jordan Estrela und Brent Moerschfelder ist technisch anspruchsvoll, bleibt aber zunächst vergleichsweise geradlinig. Zwischen den schnellen Riffs tauchen kleinere melodische Figuren und zurückhaltende Synthesizerflächen auf. Diese verleihen dem Opener zusätzliche Größe, ohne Goreworm in symphonische Bereiche zu verschieben.

Miller besitzt eine kräftige Stimme, die zwischen tiefen Growls und höher angesetzten Schreien wechselt. Sein Vortrag ist nicht so variabel wie die Gitarrenarbeit, erfüllt aber eine wichtige Funktion: Während sich die Instrumente ständig verändern, bildet der Gesang einen stabilen aggressiven Fixpunkt.

Mit »Monuments to Murdering« zeigen Goreworm anschließend deutlicher, was unter dem Begriff Technical Death Metal verstanden werden darf. Estrela und Moerschfelder verbinden neoklassische Läufe, schnelle Harmonien und scharf gesetzte Rhythmusfiguren. Die Gitarren stehen dabei nicht nur nebeneinander, sondern greifen ineinander wie zwei Teile derselben Konstruktion.

Der Song dauert kaum mehr als drei Minuten, enthält jedoch genügend Material für eine deutlich längere Komposition. Goreworm wechseln zwischen hoher Geschwindigkeit, melodischen Leadlinien und schweren Akzenten, ohne einzelne Übergänge ausführlich anzukündigen. Wer für einen Moment nicht aufpasst, befindet sich wenige Sekunden später bereits in einem völlig anderen Abschnitt.

Trotz dieser Dichte wirkt die Nummer nicht planlos. Wiederkehrende Motive halten die Struktur zusammen, während Stones Schlagzeug selbst komplizierte Wechsel mit erstaunlicher Geschmeidigkeit bewältigt. Besonders seine kurzen Rollen und kontrollierten Bassdrum-Salven verhindern, dass die Gitarren dem Song vollständig die Richtung diktieren.

DAS GRAB BEGINNT ZU TANZEN

»The Enthralling Grave« gehört zu den unmittelbarsten Stücken des Albums. Ein scharfes, beinahe thrashiges Riff führt in die Komposition, ehe die Band das Tempo verschärft und melodische Gitarren über die Rhythmusarbeit legt.

Der Song zeigt besonders deutlich, dass Goreworm technische Fähigkeiten nicht als Selbstzweck verstehen. Das zentrale Riff besitzt genügend Kontur, um auch nach dem ersten Durchlauf im Gedächtnis zu bleiben. Gleichzeitig verändern Estrela und Moerschfelder die Figuren regelmäßig, damit die Nummer nicht auf einer einzigen Idee stehen bleibt.

Im Mittelteil bremst die Band ab und nähert sich einem Slam-Riff. Goreworm setzen diesen Abschnitt jedoch nicht als isolierten Moshpart ein. Der schwere Rhythmus entsteht organisch aus der vorherigen Bewegung und führt anschließend wieder in schnellere Bereiche zurück. Dadurch bleibt die Komposition geschlossen.

Robert Miller klingt hier besonders überzeugend. Seine Growls besitzen Druck und setzen klare rhythmische Akzente. Eine größere vokale Bandbreite wäre willkommen, doch gerade in den kompakteren Stücken passt seine geradlinige Aggression zur instrumentalen Unruhe.

»Orbweaver« führt den technischen Anspruch anschließend weiter. Der Titel bezeichnet eine Radnetzspinne, und die Gitarrenarbeit passt zu diesem Bild: Mehrere Leadlinien ziehen sich über- und untereinander, kreuzen sich und bilden ein dichtes musikalisches Geflecht.

Jesse Suess, der frühere Sänger der Band, kehrt für einen Gastbeitrag zurück. Seine Stimme erweitert die vokale Ebene und bildet einen wirkungsvollen Kontrast zu Miller. Der Einsatz wirkt nicht wie ein nostalgischer Verweis auf die Vergangenheit, sondern stärkt die dramaturgische Entwicklung des Songs.

Die Vielzahl der Gitarrenspuren und Rhythmuswechsel macht »Orbweaver« zu einer der anspruchsvollsten Kompositionen. Gleichzeitig besteht hier erstmals die Gefahr, dass Goreworm zu viele Ideen auf engem Raum unterbringen. Einzelne Motive verschwinden fast unmittelbar, nachdem sie eingeführt wurden.

Diese Überladung gehört allerdings zum Konzept. Das Stück soll nicht bequem aufgelöst werden. Die Musik zieht den Hörer in ein Netz, dessen Aufbau erst nach mehreren Durchläufen vollständig erkennbar wird.

LIEBE BESIEGT ALLES – AUSSER DIE DOUBLEBASS

»Amor Vincit Omnia« trägt einen lateinischen Titel, der mit „Die Liebe besiegt alles“ übersetzt werden kann. Musikalisch klingt die Nummer allerdings nicht nach einem friedlichen Triumph der Zuneigung. Goreworm beginnen mit einer kontrollierten Gitarrenbewegung und lassen die Rhythmusgruppe anschließend in immer härtere Bereiche vordringen.

Robin Stone liefert eine seiner stärksten Leistungen. Seine Schlagzeugfiguren sind nicht dauerhaft auf reine Geschwindigkeit ausgerichtet. Zwischen den Blastbeats und Bassdrum-Angriffen setzt er fließende Rollen, verschiebt Akzente und reagiert präzise auf die melodischen Veränderungen der Gitarren.

Estrela und Moerschfelder lassen sich im längsten Stück des Albums mehr Zeit. Die Komposition überschreitet als einzige die Marke von fünf Minuten und entwickelt mehrere deutlich voneinander getrennte Abschnitte. Schnelle technische Riffs wechseln mit breiteren melodischen Passagen und schweren rhythmischen Unterbrechungen.

Andrew Warner steuert ein Gastsolo bei. Seine Leadgitarre fügt sich in den vorhandenen Stil ein, besitzt aber genügend Eigenständigkeit, um als besonderer Moment hervorzutreten. Das Solo setzt nicht auf bloße Geschwindigkeit, sondern entwickelt eine nachvollziehbare melodische Linie.

Gerade hier wird deutlich, wie stark Goreworm von klassischen Metal-Gitarren beeinflusst sind. Unter den extremen Stimmen und der modernen Präzision liegen Harmonien, die auch im Melodic Death Metal oder in neoklassisch geprägtem Heavy Metal funktionieren könnten.

Die Verbindung gelingt überwiegend überzeugend. Gelegentlich wirken die Übergänge jedoch so schnell, dass einzelne Motive kaum Zeit erhalten, ihre volle Wirkung zu entfalten. Goreworm sind ständig auf dem Weg zur nächsten Idee und könnten an manchen Stellen davon profitieren, eine starke Passage länger auszuspielen.

KEINE GNADE, KEINE PAUSE

»No Reprieve« macht seinem Titel alle Ehre. Nach den komplexeren Entwicklungen von »Amor Vincit Omnia« konzentriert sich die Band auf einen direkteren Angriff. Das Riffing bleibt technisch, wird aber stärker auf körperliche Wirkung ausgerichtet.

Stone verbindet harte Bassdrum-Salven mit kurzen rhythmischen Unterbrechungen. Seine Leistung wirkt präzise, ohne vollständig mechanisch zu klingen. Besonders in den Übergängen beweist er, dass er nicht nur Geschwindigkeit liefern, sondern komplizierte Songstrukturen zusammenhalten kann.

Die Gitarren bleiben beweglich. Kurze neoklassische Läufe werden von schweren Akkorden abgefangen, während der Bass überwiegend das Fundament stärkt. Moerschfelder spielt druckvoll, könnte sich aber häufiger von den Gitarren lösen. Da er beide Aufgaben übernimmt, folgt der Bass verständlicherweise häufig den rhythmischen Grundbewegungen.

»Eve of Flagellation« setzt auf eine ähnlich direkte Härte. Die Komposition beginnt aggressiv, besitzt jedoch weniger auffällige melodische Merkmale als die vorherigen Stücke. Dadurch wirkt sie innerhalb des Albums etwas unscheinbarer.

Handwerklich gibt es kaum etwas auszusetzen. Schlagzeug, Gitarren und Gesang bewegen sich auf einem hohen technischen Niveau, und die Band hält die Intensität ohne hörbare Schwächen aufrecht. Das Problem liegt eher in der Platzierung: Nach sechs Stücken voller Tempowechsel, Leads und komplexer Riffs benötigt der Hörer einen klareren Kontrast.

Ein stärker reduzierter Mittelteil oder eine markantere melodische Leitfigur hätte »Eve of Flagellation« deutlicher von »No Reprieve« getrennt. So bleibt eine solide, brutale Nummer, die im Gesamtwerk jedoch nicht dieselbe Wirkung wie die Höhepunkte entwickelt.

JARRELL ZERLEGT DIE TAKTARTEN

»Jarrell« gehört zu den ungewöhnlichsten Stücken. Der Titel verweist offenbar auf den verheerenden Tornado, der 1997 die texanische Stadt Jarrell traf. Goreworm versuchen nicht, dieses Ereignis mit offensichtlichen Windgeräuschen oder gesprochenen Nachrichtenaufnahmen zu illustrieren. Die Naturgewalt wird allein durch die Instrumente dargestellt.

Die Gitarren drehen sich in schnellen Bewegungen umeinander, während das Schlagzeug seine Akzente ständig verschiebt. Das Tempo beschleunigt, bricht ab und setzt an anderer Stelle erneut ein. Die Komposition vermittelt dadurch den Eindruck einer Kraft, deren Richtung nicht zuverlässig vorhergesagt werden kann.

Stone steht erneut im Mittelpunkt. Seine Blastbeats bilden nicht einfach einen gleichmäßigen Hintergrund, sondern reagieren auf jede Veränderung der Gitarren. Schnelle Rollen und abrupte Unterbrechungen verleihen dem Song eine körperliche Unruhe.

Miller folgt dieser Bewegung mit kurzen, hart gesetzten Phrasen. Seine Stimme bleibt zwar überwiegend in denselben beiden extremen Bereichen, wirkt hier aber durch die ungewöhnliche Rhythmik deutlich lebendiger.

Trotz der technischen Dichte besitzt »Jarrell« einen klaren Spannungsbogen. Die Band baut keine beliebige Folge von Riffs, sondern steigert das Gefühl der Unkontrollierbarkeit. Das Stück zählt deshalb zu den kompositorisch überzeugendsten Momenten des Albums.

STRELLY BRAUCHT KEINE STIMME

Mit »Strelly« folgt ein Instrumentalstück, das den Gitarren endgültig die vollständige Kontrolle überlässt. Nach acht vokal geführten Nummern ist diese Entscheidung sinnvoll. Goreworm verändern ihren Stil nicht grundsätzlich, schaffen aber einen notwendigen Kontrast.

Die Komposition beginnt mit melodischen Harmonien, die beinahe feierlich wirken. Kurz darauf beschleunigt das Schlagzeug und zieht die Gitarren in einen technischeren Abschnitt. Estrela und Moerschfelder wechseln zwischen gemeinsamen Linien und klar voneinander getrennten Leadbewegungen.

Das Instrumental ist nicht als reine Vorführung angelegt. Natürlich stehen die Fähigkeiten der Musiker im Vordergrund, doch die Komposition besitzt eine eigene Dramaturgie. Melodische Motive kehren wieder, werden verändert und schließlich in einen härteren Schlussabschnitt geführt.

Besonders die harmonisierten Gitarren verleihen »Strelly« einen hohen Wiedererkennungswert. In einer anderen Produktion könnten manche Passagen beinahe als instrumentaler Melodic Death Metal durchgehen. Goreworm halten den Klang jedoch schwer genug, damit die Nummer nicht aus dem Album herausfällt.

Der Verzicht auf Gesang verdeutlicht zugleich, wie viel auf »Miasmic Solitude« permanent geschieht. Ohne Millers Stimme werden kleinere Bassbewegungen, rhythmische Details und zweite Gitarrenlinien leichter erkennbar. Das Stück funktioniert deshalb nicht bloß als Pause für den Sänger, sondern als gezielter Perspektivwechsel.

EINSAMKEIT UNTER GIFTIGEM NEBEL

Der Titeltrack beendet das Album mit einer Mischung aus technischer Geschwindigkeit, melodischen Leads und schweren Rhythmuswechseln. »Miasmic Solitude« versucht nicht, das Werk durch ein langes atmosphärisches Finale künstlich zu vergrößern. Goreworm bleiben ihrem kompakten Ansatz treu.

Das zentrale Gitarrenmotiv besitzt eine nervöse, aufsteigende Bewegung. Estrela und Moerschfelder ergänzen diese Figur durch schnelle Läufe und harmonisierte Leads. Der Song führt damit mehrere Eigenschaften der vorherigen Stücke zusammen.

Miller liefert einen besonders aggressiven Vortrag. Die Stimme steht klar im Vordergrund und bildet einen deutlichen Gegenpol zu den melodischen Instrumenten. In den dichten Abschnitten wird der Gesang allerdings so präsent, dass Teile des Schlagzeugs etwas an Kontur verlieren.

Der Titel beschreibt eine Form der Einsamkeit, die nicht still oder leer wirkt. Die Atmosphäre ist belastet, giftig und permanent in Bewegung. Diese Vorstellung passt zum gesamten Album. Goreworm schaffen keinen offenen Raum, sondern eine Umgebung, in der sich Riffs, Stimmen und Rhythmen gegenseitig bedrängen.

Als Abschluss funktioniert die Nummer gut, ohne den Höhepunkt des Albums eindeutig zu übertreffen. »The Enthralling Grave«, »Orbweaver«, »Amor Vincit Omnia« und »Jarrell« besitzen jeweils markantere Einzelmerkmale. Der Titeltrack erfüllt vor allem die Aufgabe, das Gesamtbild geschlossen zu beenden.

NEUE STIMME, BEKANNTER KERN

Seit »Prodigy of the Grotesque« hat sich die Besetzung erheblich verändert. Die Gitarristen Jordan Estrela und Brent Moerschfelder bilden weiterhin das Zentrum, während Robert Miller den früheren Sänger Jesse Suess ersetzt. Robin Stone ist erneut als Session-Schlagzeuger beteiligt.

Der Wechsel am Mikrofon verändert den Charakter. Miller klingt kräftig, tief und zuverlässig aggressiv. Seine Stimme besitzt jedoch weniger auffällige Eigenheiten als die instrumentale Arbeit. Eine größere Abstufung zwischen Growls, Schreien und zurückhaltenderen Passagen könnte zukünftige Veröffentlichungen deutlich bereichern.

Dass Jesse Suess ausgerechnet bei »Orbweaver« zurückkehrt, ist deshalb besonders wirkungsvoll. Der Kontrast zwischen beiden Stimmen zeigt, wie viel zusätzliche Tiefe durch unterschiedliche vokale Ebenen entstehen kann.

Estrela und Moerschfelder gehören zu den klaren Stärken des Albums. Ihre Gitarrenarbeit ist technisch anspruchsvoll, melodisch und präzise aufeinander abgestimmt. Sie vermeiden weitgehend den Eindruck, als würden sie lediglich Tonleitern in maximaler Geschwindigkeit abarbeiten.

Moerschfelders Bass besitzt Gewicht, bleibt aber häufig eng an die Gitarren gebunden. Ein eigenständigerer Bass hätte manche komplexen Abschnitte weiter öffnen können. Da ein Musiker gleichzeitig Gitarre und Bass verantwortet, ist die enge Verbindung allerdings nachvollziehbar.

Robin Stone liefert eine herausragende Session-Leistung. Blastbeats, schnelle Bassdrums, kontrollierte Rollen und komplexe Übergänge werden mit großer Sicherheit umgesetzt. Er dient nicht als bloßer Taktgeber, sondern trägt maßgeblich zur Identität der Songs bei.

TECHNISCH, ABER NICHT VOLLSTÄNDIG STERIL

Die Produktion stellt Gitarren und Gesang deutlich in den Vordergrund. Dadurch bleiben selbst schnelle Läufe und komplexe Harmonien nachvollziehbar. Technical Death Metal benötigt eine gewisse Trennschärfe, weil die kompositorischen Details sonst zu einer undefinierten Masse verschmelzen würden.

Goreworm vermeiden dennoch einen vollständig sterilen Klang. Die Gitarren besitzen genügend Rauheit, während Millers Stimme nicht durch übermäßige Bearbeitung geglättet wurde. Philipp Welsings Mastering verleiht dem Album Druck, ohne sämtliche Dynamik zu beseitigen.

Das Schlagzeug ist grundsätzlich kraftvoll abgebildet. In besonders dichten Passagen verliert es jedoch etwas an Durchsetzungskraft. Wenn mehrere Gitarrenspuren, Growls und Blastbeats gleichzeitig einsetzen, treten einzelne Schläge hinter die Saiteninstrumente zurück.

Diese Schwäche beschädigt das Album nicht grundlegend, fällt aber angesichts Stones starker Leistung auf. Ein etwas offenerer Mix hätte seine zahlreichen Details deutlicher hervorgehoben.

Auch der Bass könnte stärker von den Gitarren getrennt werden. Sein Gewicht ist vorhanden, sein eigener Klang tritt jedoch nur gelegentlich hervor. Gerade bei einer technisch orientierten Band kann ein beweglicher, klar hörbarer Bass eine zusätzliche kompositorische Ebene schaffen.

Das Artwork von Leanna TenEycke passt hervorragend zur Musik. Die fremdartige Kreatur in einer kargen Landschaft verbindet biologische Bedrohung mit kosmischer Isolation. Es ist kein klassisches Splattermotiv, sondern vermittelt genau jene Mischung aus Präzision, Unbehagen und Andersartigkeit, die auch den Klang des Albums bestimmt.

TECHNIK ZWISCHEN MELODIE UND BRUTALITÄT

Goreworm lassen sich nicht eindeutig einer einzigen Death-Metal-Spielart zuordnen. Die Geschwindigkeit und Präzision verweisen auf Technical Death Metal, während die harmonisierten Gitarren deutlich aus dem Melodic Death Metal stammen. Schwere Unterbrechungen und Slam-Anteile bringen zusätzliche Brutalität ein.

Als Vergleichspunkte bieten sich Arsis, Gorod, Obscura, Vale of Pnath und The Black Dahlia Murder an. Goreworm übernehmen von diesen Bands keine vollständige Formel, bewegen sich aber in einem ähnlichen Spannungsfeld aus technischer Leistung, Melodie und Aggression.

Die größte Stärke besteht darin, dass die Kanadier ihre unterschiedlichen Einflüsse überwiegend zusammenhalten. Ein melodischer Lauf wird nicht als Fremdkörper auf einen brutalen Song gesetzt, sondern entsteht aus dem vorherigen Riff. Selbst die Slam-Passagen wirken meist wie Bestandteile der Komposition und nicht wie berechnete Unterbrechungen für den Moshpit.

Gleichzeitig verlangt das Album viel Aufmerksamkeit. Nahezu jeder Song enthält mehrere schnelle Wechsel, Gitarrenharmonien und rhythmische Verschiebungen. Wer Death Metal vor allem wegen einfacher, schwerer Riffs hört, dürfte von der Informationsdichte zeitweise erschlagen werden.

Goreworm könnten an einigen Stellen stärker auswählen. Nicht jede gute Idee muss sofort in denselben Song eingebaut werden. Weniger Wechsel und länger ausgearbeitete Leitmotive hätten einzelnen Nummern noch mehr Wiedererkennungswert verliehen.

Das Album bleibt trotzdem erstaunlich geschlossen. Die zehn Stücke wirken nicht wie technische Übungen, die zufällig mit Gesang versehen wurden. Hinter der instrumentalen Leistung stehen vollständige Songs, auch wenn manche ihre Qualitäten erst nach mehreren Durchläufen offenlegen.

DER WURM HAT SICH WEITERENTWICKELT

Goreworm veröffentlichten 2018 zunächst die EP »The Path to Oblivion«. Zwei Jahre später folgte mit »Prodigy of the Grotesque« das erste vollständige Album, bevor »Plague of Shadows« 2021 die technische und melodische Entwicklung weiterführte.

Die fünfjährige Pause bis »Miasmic Solitude« und die Veränderungen innerhalb der Besetzung haben den Stil nicht vollständig neu ausgerichtet. Die Gitarren bleiben das bestimmende Element, während schnelle Rhythmen, Melodien und brutale Unterbrechungen weiterhin eng miteinander verbunden werden.

Das zweite Album wirkt jedoch größer und vielseitiger. Die Songs besitzen mehr atmosphärische Elemente, stärkere melodische Kontraste und eine breitere Produktion. Besonders »Orbweaver«, »Amor Vincit Omnia«, »Jarrell« und »Strelly« zeigen, wie weit Goreworm ihre Grundformel ausdehnen können.

Der Preis dieser Entwicklung ist eine gelegentliche Überladung. Wo das Debüt direkter wirkte, fordert »Miasmic Solitude« mehr Konzentration. Nicht jeder Übergang bleibt nach dem ersten Hören hängen, und manche Songs benötigen mehrere Durchläufe, bevor sich ihre Struktur vollständig erschließt.

Wer diese Geduld aufbringt, erhält jedoch ein Album mit erheblicher musikalischer Substanz. Goreworm demonstrieren nicht nur instrumentales Können, sondern eine klare Vorstellung davon, wie technischer Death Metal zugleich melodisch, brutal und atmosphärisch funktionieren kann.

FAZIT:

»Miasmic Solitude« ist ein technisch beeindruckendes und überraschend vielseitiges Death-Metal-Album, auf dem Goreworm neoklassische Gitarren, brutale Rhythmen, melodische Harmonien und progressive Strukturen weitgehend überzeugend verbinden. Kleinere Abzüge gibt es für die stellenweise überladene Komposition, den etwas zurückgesetzten Bass und einen Mix, der Robin Stones hervorragendes Schlagzeug nicht immer vollständig zur Geltung bringt. Ein Blutwurm ist Goreworm also nicht – eher eine hochentwickelte Spinne, die ihre Beute mit zehn komplizierten Songs in einem bemerkenswert stabilen Netz festsetzt.

Official Track: The Enthralling Grave

Official Track: Amor Vincit Omnia

Official Track: No Reprieve

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Goreworm - Miasmic Solitude - CD Review

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