Band: Warthrash 🇨🇴
Titel: No Light Shall Remain
Label: Awakening Records
VÖ: 19.06.2026
Format: CD / Digital
Genre: Death Metal / Thrash Metal / Old School Death Metal

Tracklist

01. No Light Shall Remain – 01:52
02. Culebras Sin Honor – 03:28
03. Sombras del Poder – 03:35
04. Crucifixion – 03:31
05. Oscura Condena – 03:31
06. Wounds – 04:47
07. Undefeated – 05:47
08. Hand of Doom – 04:34
09. Abismo Sin Retorno – 04:23
10. Ruins – 03:11
11. Hollow Existence – 04:48

Besetzung

Caronte – Schlagzeug, Gesang
Nosferatu – Gitarre
Silent – Bass
Merciless – Leadgitarre

Produktion:
Aufnahme und Mastering – Area 51 Studios, Medellín
Artwork – Felipe Mora
Layout und Design – Héctor Caronte

Physische Ausgabe:
Jewel-Case-CD
16-seitiges Booklet
Limitiert auf 1.000 Exemplare

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Bei einem Namen wie Warthrash scheint die musikalische Richtung eigentlich schon vollständig geklärt: Krieg, Thrash und anschließend möglichst wenig Gefangene. Ganz so einfach machen es sich die Kolumbianer auf »No Light Shall Remain« allerdings nicht. Das zweite vollständige Studioalbum der 2005 in Medellín gegründeten Formation ist wesentlich stärker im klassischen Death Metal verwurzelt, als der Bandname vermuten lässt. Die ursprüngliche Thrash-Schlagseite bleibt in schnellen Riffs, scharf geführten Übergängen und der direkten Struktur erhalten, wird jedoch von tiefen Growls, Blastbeats, finsteren Melodien und massiven Midtempo-Passagen überlagert. Zwölf Jahre nach »Descending to Exile« präsentieren Caronte, Nosferatu, Silent und Neuzugang Merciless elf Stücke über Macht, Zerfall, Konfrontation und eine Welt, in der das letzte Licht allmählich erlischt. Veröffentlicht wird die rund 44-minütige Platte über Awakening Records.

Full Album Stream: No Light Shall Remain

DAS LICHT ERLISCHT AUF AKUSTISCHEN SAITEN

Das Titelstück »No Light Shall Remain« eröffnet die Platte überraschend zurückhaltend. Statt eines sofortigen Blastbeat-Angriffs setzt Nosferatu auf eine akustische Gitarrenfigur, deren dunkle Stimmung an die bedrohlicheren Zwischenspiele des klassischen Thrash Metal erinnert. Der kurze Instrumentalauftakt wirkt wie der Blick auf eine Landschaft, über der sich bereits schwarze Wolken zusammengezogen haben.

Mit »Culebras Sin Honor« bricht der Sturm schließlich los. Schnelle Gitarren, kurze Blastbeats und Carontes tiefes Gebrüll schieben den Song ohne Umwege nach vorn. Der spanische Titel lässt sich sinngemäß als „ehrlose Schlangen“ übersetzen und passt zu einer Nummer, die Verrat und moralische Verkommenheit nicht differenziert analysiert, sondern unmittelbar angreift.

Die Gitarren von Nosferatu und Merciless bilden eine breite Front, innerhalb derer sich kurze Leadlinien und scharfkantige Soli öffnen. Besonders die zusätzliche Leadgitarre erweitert den Klang gegenüber früheren Veröffentlichungen. Warthrash verlassen sich nicht länger ausschließlich auf kompakte Rhythmusriffs, sondern gestatten einzelnen Melodien mehr Raum.

»Sombras del Poder« hält das Tempo hoch. Die „Schatten der Macht“ werden durch nervöse Riffs, wechselnde Stimmen und eine Rhythmusgruppe dargestellt, die immer wieder zwischen schnellem Death Metal und stampfendem Thrash wechselt. Der Song besitzt keine komplizierte Struktur, gewinnt aber durch seinen permanenten Bewegungsdrang.

KREUZIGUNG UND DUNKLES URTEIL

»Crucifixion« gehört zu den unmittelbarsten Stücken. Das Hauptriff ist kompakt, aggressiv und stärker vom Thrash Metal geprägt als manche Nachbarn. Caronte treibt die Musik gleichzeitig mit trockenen Schlägen und kurzen Doublebass-Passagen voran.

Der Song zeigt, dass technische Überladung nicht notwendig ist, wenn Rhythmik und Riffing präzise ineinandergreifen. Warthrash wiederholen ihre Motive lange genug, damit sie sich festsetzen, wechseln jedoch rechtzeitig in einen neuen Abschnitt. Besonders live dürfte die Nummer unmittelbar funktionieren.

Mit »Oscura Condena« wird das Klangbild noch brutaler. Die dunkle Verurteilung beginnt mit einem heftigen Schlagzeugangriff, bevor die Gitarren eine Reihe schneller, tief gespielter Riffs aufbauen. Der Gesang klingt hier besonders massiv und wird stellenweise gedoppelt, wodurch die Worte beinahe wie eine gemeinsame Anklage wirken.

Die ersten fünf Stücke bewegen sich stilistisch eng beieinander. Geschwindigkeit, tiefe Gitarren und ähnlich strukturierte Übergänge erzeugen einen geschlossenen Albumcharakter, führen aber auch zu leichter Gleichförmigkeit. Erst die zweite Hälfte öffnet das Material deutlicher und zeigt, dass Warthrash wesentlich mehr können als geradlinige Death-Metal-Attacken.

WUNDEN ÖFFNEN DIE MELODISCHE SEITE

»Wounds« markiert den Wendepunkt. Die Gitarren arbeiten stärker mit Tremolo-Melodien und harmonisierten Linien, während der Rhythmus kontrollierter aufgebaut wird. Die Härte bleibt erhalten, doch unter der aggressiven Oberfläche entsteht erstmals eine deutliche melancholische Färbung.

Gerade Merciless macht sich hier bemerkbar. Seine Leadgitarre erweitert den bisher dominierenden Rhythmusblock und sorgt dafür, dass sich die Komposition klar vom ersten Albumdrittel abhebt. Das Solo besitzt genügend technische Präzision, bleibt aber dem Song untergeordnet.

Inhaltlich werden Wunden nicht nur als körperliche Verletzungen verstanden. Die Musik vermittelt vielmehr den Eindruck langfristiger Schäden, die selbst nach einem überstandenen Konflikt weiterwirken. Carontes Stimme klingt entsprechend weniger angriffslustig als erschöpft und verbittert.

»Undefeated« führt diesen erweiterten Ansatz fort. Mit fast sechs Minuten ist es das längste Stück und erlaubt sich mehrere melodische Entwicklungen. Der Beginn bleibt schwer und kontrolliert, bevor schnellere Bewegungen, Doppelgitarren und ausgedehnte Solopassagen hinzukommen.

Der Song hätte im letzten Drittel etwas gestrafft werden können. Dennoch gehört »Undefeated« zu den wichtigsten Nummern, weil die Band hier über das unmittelbare Drei-Minuten-Format hinausgeht und ihre verschiedenen Einflüsse zu einer umfangreicheren Komposition verbindet.

DIE HAND DES UNTERGANGS

Bei »Hand of Doom« handelt es sich trotz des bekannten Titels nicht um eine gemütliche Verbeugung vor doomigem Siebzigerjahre-Rock. Warthrash setzen auf einen schweren, galoppierenden Rhythmus, der Death und Thrash besonders ausgewogen miteinander verbindet.

Die Gitarren bewegen sich zwischen harten Akkorden und melodischen Leadfiguren. Stellenweise erinnert die dramatische Führung an klassischen kanadischen oder amerikanischen Death Thrash, ohne dass die Kolumbianer ihre südamerikanische Rohheit verlieren.

Silent erhält am Bass mehr Raum als in den besonders schnellen Songs. Sein Instrument verleiht dem Groove zusätzliche Bewegung und verhindert, dass die tiefen Frequenzen ausschließlich von den Gitarren besetzt werden. Gerade in den zurückgenommenen Abschnitten ist seine Arbeit deutlich wahrnehmbar.

Mit »Abismo Sin Retorno« folgt der Abstieg in einen Abgrund ohne Rückkehr. Das Stück beginnt schwer und beinahe schleppend, beschleunigt anschließend jedoch mehrfach. Dieser Wechsel aus kontrollierter Bedrohung und plötzlichen Angriffen gehört zu den wirkungsvollsten dynamischen Entscheidungen des Albums.

Die Band illustriert den Abgrund nicht durch Keyboards oder lange Soundeffekte. Wenige dunkle Gitarrenmelodien und ein massiver Rhythmus reichen aus, um die notwendige Atmosphäre zu erzeugen. Carontes Gesang bleibt tief, setzt einzelne Silben aber mit größerem Abstand und verleiht ihnen dadurch zusätzliches Gewicht.

RUINEN ZWISCHEN THRASH UND TOD

»Ruins« ist mit etwas mehr als drei Minuten die kompakteste reguläre Nummer. Ein scharfes, beinahe an Slayer erinnerndes Riff führt in den Song, bevor die Death-Metal-Rhythmik erneut die Kontrolle übernimmt.

Das Stück zeigt die ursprünglichen Thrash-Wurzeln der Band besonders deutlich. Die Gitarren besitzen mehr Biss, das Schlagzeug treibt geradliniger und der Aufbau verzichtet auf längere atmosphärische Umwege. Trotzdem klingt »Ruins« nicht wie ein Überbleibsel aus einer früheren Schaffensphase.

Die Melodien der zweiten Albumhälfte bleiben erhalten und werden in die aggressive Struktur eingebunden. Dadurch wirkt der Song wie eine Verbindung zwischen dem direkten Beginn und den breiter entwickelten späteren Stücken.

Warthrash vermeiden es dabei, nostalgischen Retro-Thrash zu spielen. Der Klang ist zu tief, der Gesang zu massiv und die Rhythmik zu stark im klassischen Death Metal verwurzelt. Die alten Einflüsse dienen als Fundament und nicht als vollständiger Bauplan.

EINE HOHLE EXISTENZ ALS SCHLUSSPUNKT

»Hollow Existence« beendet das Album mit einer der emotionalsten Kompositionen. Der Song beginnt schwer und lässt dem Bass sowie den Gitarrenmelodien deutlich mehr Luft. Erst später erhöht sich die Intensität und führt zu einem düsteren Finale.

Die titelgebende hohle Existenz wirkt wie die Konsequenz der vorherigen Themen. Macht, Verrat, Gewalt und Konfrontation hinterlassen keinen Sieger, sondern Menschen, deren inneres Fundament ausgehöhlt wurde. Die Musik reagiert darauf mit Melodien, die weniger triumphal als resigniert erscheinen.

Besonders die Gitarrensoli besitzen hier eine erzählerische Funktion. Sie unterbrechen den Song nicht, sondern führen seine melancholische Linie weiter. Merciless und Nosferatu ergänzen sich überzeugend und zeigen, wie wichtig die erweiterte Gitarrenbesetzung für den heutigen Klang der Band ist.

Das Ende verzichtet auf einen plötzlichen letzten Schlag. Die Komposition lässt ihre Stimmung nachwirken und schließt damit einen Bogen, der mit der akustischen Dunkelheit des Titelstücks begonnen hat.

VIER MUSIKER ZWISCHEN KRIEG UND FINSTERNIS

Caronte übernimmt gleichzeitig Schlagzeug und Gesang. Diese Doppelrolle ist anspruchsvoll, zumal die Musik häufig zwischen Blastbeats, schnellen Thrash-Rhythmen und schweren Midtempo-Passagen wechselt. Seine Leistung wirkt dennoch kontrolliert und körperlich.

Die Stimme besitzt eine tiefe, raue Grundfarbe, wird aber stellenweise stark gedoppelt oder bearbeitet. Das erzeugt zusätzlichen Druck, kann einzelne Passagen jedoch auch etwas künstlich wirken lassen. Eine klarer herausgearbeitete natürliche Stimme hätte manchen Songs mehr Persönlichkeit gegeben.

Nosferatu liefert den rhythmischen Kern. Seine Gitarrenarbeit ist direkt und riffbetont, bleibt aber beweglich genug, um schnelle Übergänge und melodische Veränderungen zu tragen. Merciless erweitert diese Basis um Leadgitarren und zusätzliche Texturen.

Silent wird in der zweiten Albumhälfte zunehmend wichtig. Sein Bass ist nicht permanent dominant, tritt aber in den groovenden und melodischen Abschnitten deutlich hervor. Dadurch erhält das Klangbild eine zusätzliche Ebene unterhalb der Gitarren.

ROHE KRAFT AUS AREA 51

Aufgenommen und gemastert wurde »No Light Shall Remain« in den Area 51 Studios in Medellín. Die Produktion klingt klar genug, um die Riffs, Bassbewegungen und Soli nachvollziehbar abzubilden, vermeidet jedoch übertriebene Glätte.

Die Gitarren besitzen eine trockene und körnige Oberfläche. Das Schlagzeug drückt kraftvoll, ohne vollständig durch Samples ersetzt zu wirken. Besonders die Snare setzt sich deutlich durch und unterstützt den aggressiven Charakter.

In den besonders schnellen Songs verschmelzen Gitarren und Gesang gelegentlich zu einer kompakten Fläche. Die zweite Albumhälfte profitiert stärker von der Produktion, weil melodische Linien und langsamere Passagen mehr Raum erhalten.

Das Artwork von Felipe Mora setzt die dunkle Grundidee eindrucksvoll um. Die zerstörte Landschaft und der beinahe vollständig verdunkelte Himmel passen zu einer Platte, die nicht von einer plötzlichen Apokalypse, sondern von fortschreitendem Zerfall geprägt ist.

ZWÖLF JAHRE BIS ZUM ZWEITEN ALBUM

Warthrash wurden 2005 in Medellín gegründet und bewegten sich zunächst stärker im klassischen Thrash Metal. Die EP »Si Vis Pacem Para Bellum« bereitete den Weg für das 2014 erschienene Debüt »Descending to Exile«.

Mit der EP »Echoes of Pain« verschob sich das Verhältnis zunehmend in Richtung Death Metal. Diese Entwicklung ist auf »No Light Shall Remain« vollständig abgeschlossen. Thrash bleibt als rhythmische und kompositorische Grundlage vorhanden, bestimmt aber nicht mehr allein die Identität.

Die Band orientiert sich hörbar an Death, Morbid Angel, Entombed und Dismember. Hinzu kommen Spuren klassischen Thrash Metals und gelegentlich melodische Gitarren, die besonders in der zweiten Albumhälfte hervortreten.

Nicht jede Nummer besitzt dasselbe Maß an Eigenständigkeit. Vor allem die schnellen Stücke zu Beginn ähneln sich in Aufbau und Wirkung. Sobald Warthrash Groove, Melodie und längere Entwicklungen zulassen, gewinnt das Album deutlich an Profil.

FAZIT:

»No Light Shall Remain« ist ein wuchtiges zweites Album, auf dem Warthrash ihre Thrash-Wurzeln mit klassischem Death Metal, Blastbeats und zunehmend melodischen Doppelgitarren verbinden. Besonders »Wounds«, »Undefeated«, »Hand of Doom«, »Ruins« und »Hollow Existence« überzeugen, während die ähnlich strukturierten ersten Songs und der stellenweise stark bearbeitete Gesang leichte Abzüge verursachen. Das Licht mag erloschen sein – die kolumbianische Death-Thrash-Maschine arbeitet darunter jedoch mit beachtlicher Kraft weiter.

Internet

Warthrash - No Light Shall Remain - CD Review

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