OATHBOUND – Colors In Grey

OATHBOUND - Colors In Grey - album cover

Band: OATHBOUND 🇺🇸
Titel: Colors In Grey
Label: Eclipse Records
VÖ: 06/03/26
Genre: Progressive Metalcore

Tracklist

01. Origins
02. Colors In Grey
03. Set Adrift
04. Misunderstood
05. The Masks We Wear
06. Insomniac
07. Searching For The Answer
08. Hold On
09. False Ideals

 

Besetzung

Taylor Harper – Guitar
Viktor Schultz – Guitar
Steve Schwarz – Bass
Travis Morlan – Drums

 

Bewertung:

4/5

Die Progressive-Metalcore-Formation OATHBOUND besteht aus den Gitarristen Taylor Harper und Viktor Schultz, Bassist Steve Schwarz, Schlagzeuger Travis Morlan sowie Sänger Kalyan Lopez. Gemeinsam bewegt sich das Quintett musikalisch zwischen technischem Metalcore, progressiven Strukturen und melodischen Momenten. Ihr Album »Colors In Grey« zeigt eine Band, die nicht nur auf Härte setzt, sondern auch auf Atmosphäre, Dynamik und emotionale Tiefe.

Für den finalen Klang wurde ein erfahrener Name ins Boot geholt. Das Album wurde von Aaron Chaparian bei Iron Audio gemischt und gemastert. Chaparian arbeitete bereits mit Bands wie AS I LAY DYING, BLEEDING THROUGH und CHIMAIRA, was man der Produktion auch anhört. Der Sound wirkt modern, druckvoll und gleichzeitig sehr klar strukturiert.

Atmosphäre zwischen Härte und Melancholie

Schon der Opener »Origins« deutet an, wohin die Reise geht. Atmosphärische Klangflächen bauen Spannung auf, bevor das Album mit dem Titeltrack »Colors In Grey« richtig Fahrt aufnimmt. Hier zeigt sich sofort eine Stärke der Band: komplexe Riffs treffen auf eingängige Refrains und eine Gesangsperformance, die zwischen aggressiven Shouts und melodischen Passagen wechselt.

Die Gitarrenarbeit von Harper und Schultz spielt dabei eine zentrale Rolle. Viele Riffs sind rhythmisch verschachtelt, bleiben aber überraschend zugänglich. Statt reiner Technikdemonstration entsteht ein musikalischer Fluss, der die Songs trägt.

Progressive Strukturen ohne Überladung

Progressive Metalcore kann schnell in überladene Arrangements abdriften. »Colors In Grey« vermeidet diese Falle. Songs wie »Set Adrift« oder »Misunderstood« zeigen zwar komplexe Strukturen, behalten aber eine klare Dramaturgie.

»Set Adrift« arbeitet mit ruhigen Passagen, die sich langsam zu einem massiven Breakdown aufbauen. »Misunderstood« überzeugt dagegen mit einem treibenden Groove, der stark vom präzisen Schlagzeugspiel von Travis Morlan lebt.

Besonders auffällig ist, wie organisch sich die progressiven Elemente in die Songs einfügen. Tempowechsel und rhythmische Verschiebungen wirken nicht konstruiert, sondern entstehen aus der musikalischen Dynamik heraus.

Emotionale Themen und starke Vocals

Textlich bewegt sich das Album stark im emotionalen Bereich. Themen wie Selbstzweifel, Identität und persönliche Konflikte ziehen sich durch mehrere Songs.

»The Masks We Wear« gehört zu den eindringlichsten Momenten des Albums. Der Song beschäftigt sich mit der Diskrepanz zwischen äußerer Fassade und innerer Realität. Kalyan Lopez liefert hier eine besonders intensive Gesangsleistung, die zwischen verletzlicher Melodie und roher Aggression pendelt.

Auch »Insomniac« bleibt im Gedächtnis. Die nervöse Energie des Songs spiegelt das Gefühl von Schlaflosigkeit und innerer Unruhe wider. Schnelle Gitarrenläufe treffen auf einen fast hypnotischen Rhythmus.

Die stärksten Momente des Albums

Zu den Highlights zählt »Searching For The Answer«. Der Song verbindet progressive Riffs mit einem überraschend hymnischen Refrain. Gerade diese Balance zwischen Komplexität und Eingängigkeit funktioniert hier besonders gut.

»Hold On« zeigt eine etwas melodischere Seite der Band. Die Gitarren treten stellenweise zurück und lassen Raum für atmosphärische Klangflächen. Dadurch entsteht ein emotionaler Kontrast zu den härteren Songs des Albums.

Der Abschluss »Falze Ideals« wirkt wie eine Zusammenfassung der musikalischen Ideen der Platte. Aggressive Parts, melodische Hooks und progressive Strukturen greifen ineinander und sorgen für ein intensives Finale.

Produktion und Sound

Die Produktion gehört zu den großen Stärken von »Colors In Grey«. Jeder Instrumentenbereich ist klar definiert, ohne dass der Sound steril wirkt. Die Gitarren besitzen Druck und Tiefe, während Bass und Schlagzeug eine stabile rhythmische Basis liefern. Besonders gelungen ist die Balance zwischen Härte und Transparenz. Viele moderne Metalcore-Produktionen neigen dazu, im Mix zu dicht zu werden. Hier bleibt genug Raum, damit Details hörbar bleiben.

Auch der Gesang sitzt perfekt im Mix. Die Shouts behalten ihre Aggressivität, während die melodischen Parts klar und präsent wirken.

»Colors In Grey« präsentiert eine Band, die ihre musikalischen Einflüsse verstanden hat und daraus einen eigenen Stil formt. Progressive Elemente werden nicht als Selbstzweck eingesetzt, sondern unterstützen die Atmosphäre der Songs.

Die Kombination aus technischem Anspruch, emotionalen Themen und einer starken Produktion macht das Album zu einem überzeugenden Beitrag im modernen Metalcore. Nicht jeder Song erreicht das gleiche Niveau, doch insgesamt liefert die Platte viele spannende Ideen und mehrere wirklich starke Tracks.

Mit einer Wertung von 4 von 5 Punkten zeigt »Colors In Grey«, dass OATHBOUND das Potenzial besitzt, sich in der Progressive-Metalcore-Szene langfristig zu etablieren. Wer komplexe Riffs, intensive Vocals und dynamische Songstrukturen schätzt, findet hier ein Album, das sich mehrfaches Hören verdient.

Fazit: OATHBOUND gelingt mit »Colors In Grey« ein beeindruckendes Statement im progressiven Metalcore.

Internet

OATHBOUND - Colors In Grey - CD Review

Robert
Roberthttps://www.metalunderground.at
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.

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