Revolting - Supernatural Anthems - cover artwork

Band: REVOLTING 🇸🇪
Titel: Supernatural Anthems
Label: Xtreem Music
VÖ: 04.06.2026
Format: CD / Digital
Genre: Swedish Death Metal / Old School Death Metal

Tracklist

01. Supernatural Anthem
02. At Dusk They Rise
03. Upon the Chopping Block
04. Undead Wife, Happy Life
05. Those Who Never Lived
06. The Dead Are Craving
07. Dungeon Overture
08. A Midnight Massacre
09. The End So Near

Besetzung

Revolting Rogga – Gesang, Gitarren
Grotesque Tobias – Bass
Mutated Martin – Schlagzeug

Bewertung:

3,5 von 5 Punkte

Revolten aus Schweden sind Ultra Brudal aller, und mit »Supernatural Anthems« liefern REVOLTING erneut genau jene Sorte Death Metal ab, die keine langen Erklärungen braucht: schwedisch geprägt, direkt, riffbetont, dreckig im Ton, aber sauber im Songwriting. Die Band um Rogga Johansson bleibt ihrem klassischen Old-School-Death-Metal-Kern treu, arbeitet mit Horror-Motiven, Untoten, Slasher-Bildern und makabrem Humor, ohne dabei in billige Effekthascherei zu kippen. Das Album läuft knapp über eine halbe Stunde und macht daraus einen Vorteil: keine aufgeblasenen Zwischenspiele, keine künstliche Komplexität, sondern neun kompakte Stücke, die auf Riffs, Groove, Stimme und Atmosphäre setzen.

Albumstream:

SCHWEDENSTAHL OHNE MODERNE KOSMETIK

»Supernatural Anthem« eröffnet die Platte wie eine klare Standortbestimmung. Die Nummer wirkt wie das programmatische Schild über dem Eingang: Hier geht es nicht um Neuerfindung, sondern um konsequenten Swedish Death Metal mit sägender Gitarrenführung, tiefem Gesang und einem Refrain, der eher über Wiedererkennung als über große Melodik kommt. Thematisch steckt der Song den Rahmen ab: Das Übernatürliche wird nicht romantisiert, sondern als düstere Grundordnung gesetzt, in der Tod, Spuk und Verfall den Ton angeben.

Musikalisch ist das typisch REVOLTING: Die Riffs führen, das Schlagzeug hält die Nummer in Bewegung, und der Bass gibt dem Ganzen genug Masse, damit die Songs nicht nur an der Oberfläche kratzen. Die Produktion wirkt nicht klinisch, aber auch nicht matschig. Gerade das passt zur Band. Man hört die alte Schule, aber man hört auch, dass hier keine Demo-Ästhetik vorgeschoben wird, um fehlende Durchschlagskraft zu kaschieren.

WENN DIE TOTEN BEI DÄMMERUNG AUFSTEHEN

»At Dusk They Rise« gehört zu den stärksten Momenten des Albums. Schon der Titel deutet klar in Richtung klassischer Untoten-Erzählung: Der Tag kippt, die Sicherheit verschwindet, und mit der Dämmerung kommt das, was besser unter der Erde geblieben wäre. Die Bedeutung des Songs liegt weniger in einer komplizierten Geschichte, sondern in der Umsetzung eines archetypischen Horrorbildes: Aus Ruhe wird Bewegung, aus Tod wird Jagd.

Aufgebaut auf ein solides Fundament aus Drums und Bass werden die Gitarren trocken und effektiv daraufgesetzt. Der Song hat Tempo, aber auch genug melodische Führung, um nicht einfach durchzurauschen. Besonders stark ist, dass REVOLTING die schwedische Death-Metal-DNA nicht als Nostalgie-Museum behandeln. Die Band arbeitet mit vertrauten Mitteln, setzt sie aber so routiniert ein, dass daraus keine bloße Kopie alter Helden wird.

HACKBLOCK, HUMOR UND HORROR-KANTE

»Upon the Chopping Block« zieht das Tempo etwas zurück und arbeitet stärker mit Gewicht. Der Titel ruft Bilder von Hinrichtung, Opferung und körperlichem Horror auf. Der Song wirkt dadurch wie ein kurzer Schnitt in eine finsterere Kammer des Albums. Hier ist weniger Bewegung nach vorne, dafür mehr Druck nach unten. Genau solche Nummern braucht eine Platte wie diese, damit sie nicht nur aus durchgetretenem Gaspedal besteht.

Mit »Undead Wife, Happy Life« beweist die Band anschließend schwarzen Humor. Der Titel spielt offensichtlich mit einem bekannten Sprichwort und dreht es in Richtung Zombie-Groteske. Das ist nicht subtil, soll es aber auch nicht sein. Der Song verbindet makabren Witz mit klassischem Horror-Death-Metal und lockert die Platte auf, ohne sie zur Parodie werden zu lassen. Gerade darin liegt eine Stärke von REVOLTING: Die Band nimmt ihren Sound ernst, aber nicht jede Pointe ihres Horrorkosmos muss bierernst wirken.

DIE, DIE NIE GELEBT HABEN

»Those Who Never Lived« bringt eine etwas tragischere Färbung in das Album. Während manche Songs mit Blut, Nacht und Untoten sehr direkt arbeiten, steckt hier ein stärker existenzieller Gedanke drin: Leben, das gar nicht erst stattfinden konnte, Körper, die verschwinden, Schicksale, die nur noch als Schatten vorhanden sind. Diese Ebene gibt dem Album mehr Gewicht, weil der Horror nicht nur als Splatter-Kulisse funktioniert, sondern auch als Bild für Verlust, Vergänglichkeit und ausgelöschte Individualität.

Musikalisch bleibt die Band trotzdem bei ihrer Linie. Die Nummer arbeitet mit Tempo- und Stimmungswechseln, ohne den roten Faden zu verlieren. Revolting Rogga presst seine Vocals tief und rau durch den Mix, während die Gitarren immer wieder melodische Linien aufreißen. Das ist kein technischer Schaukampf, sondern zweckgebundenes Songwriting. Jeder Part muss tragen, sonst fliegt er raus.

APPETIT DER TOTEN

»The Dead Are Craving« ist inhaltlich sehr klar: Hier geht es um Hunger, Verlangen und den nicht endenden Drang der Toten. Der Song steht damit voll in der Zombie-Tradition und funktioniert gerade deshalb so gut, weil REVOLTING keine große theoretische Deutung darüberlegen. Die Idee ist simpel, aber wirkungsvoll: Der Tod ist nicht ruhig, sondern gierig.

Das Stück bringt genau jene Mischung aus Riffdruck und eingängiger Brutalität, die dieses Album über weite Strecken trägt. Der Death Metal ist hier nicht überkompliziert, sondern direkt komponiert. Man merkt, dass Johansson ein erfahrener Songschreiber ist, der weiß, wann ein Riff genug Aussagekraft besitzt und wann ein Song nicht noch drei weitere Wendungen braucht. Das wirkt manchmal fast unspektakulär, ist aber handwerklich stark.

DUNGEON-STIMMUNG UND MITTERNACHTS-MASSAKER

»Dungeon Overture« bringt eine andere Farbe in die Platte. Schon der Titel deutet stärker in Richtung Gewölbe, Kerker, okkulte Szenerie und klassisches Grusel-Setting. Der Song wirkt wie ein Zwischenkapitel, das die Horrorwelt von »Supernatural Anthems« breiter macht. Hier geht es nicht nur um Untote auf offener Fläche, sondern um eingeschlossene Räume, Dunkelheit und das Gefühl, dass hinter jeder Wand etwas lauert.

»A Midnight Massacre« setzt anschließend wieder deutlicher auf Slasher-Energie. Der Song arbeitet mit dem Bild eines nächtlichen Blutbads, also mit einer sehr direkten Horror-Sprache. Musikalisch ist das einer der besseren Abräumer der Platte, weil Tempo, Groove und Leadgitarren sauber zusammenfinden. Die Nummer ist kurz, effektiv und bleibt hängen. Genau hier zeigt sich, warum REVOLTING auch nach vielen Veröffentlichungen noch funktionieren: Die Band weiß, wie man Horror-Death-Metal so schreibt, dass er nicht nur Genre-Accessoire bleibt, sondern als Song trägt.

DAS ENDE IST NAH, ABER NICHT GEHETZT

Mit »The End So Near« schließen REVOLTING das Album passend ab. Der Titel öffnet die Perspektive vom einzelnen Horrorbild hin zur Endzeit. Es geht nicht mehr nur um eine Kreatur, ein Opfer oder eine Szene, sondern um das Gefühl, dass der Schluss bereits vor der Tür steht. Das gibt dem letzten Song eine schöne dramaturgische Funktion.

Musikalisch arbeitet die Nummer mit mehr getragenem Druck und melodischen Linien, ohne den Death-Metal-Kern zu verlassen. Der Abschluss ist nicht überdimensioniert, sondern angemessen kompakt. Das passt zum gesamten Album: »Supernatural Anthems« will kein monumentales Konzeptwerk sein, sondern eine konzentrierte Platte mit klarer Identität. Und genau diese Klarheit ist ihre größte Stärke.

ROGGA BLEIBT ROGGA

Natürlich kann man bei REVOLTING immer die Frage stellen, wie viele Alben ein Mann wie Rogga Johansson eigentlich noch aus dem Ärmel schütteln kann. Die Antwort auf »Supernatural Anthems« lautet: offenbar noch genug, solange die Riffs sitzen. Nicht jede Idee auf dieser Platte ist neu, und nicht jeder Song hebt sich maximal vom Rest ab, aber das Album besitzt eine sehr geschlossene Qualität.

Grotesque Tobias am Bass und Mutated Martin am Schlagzeug liefern die notwendige rhythmische Stabilität. Die Songs stehen auf sicherem Fundament, während die Gitarren mit Leads, sägenden Riffs und klassischen HM-2-nahen Klangfarben den Wiedererkennungswert setzen. REVOLTING klingen hier nicht wie eine Band, die Trends beobachtet, sondern wie eine Band, die ihren Bereich kennt und dort mit Routine, Geschmack und ordentlich Druck arbeitet.

KEINE REVOLUTION, ABER EINE STABILE ABRECHNUNG

Wer von »Supernatural Anthems« eine komplette Neuausrichtung erwartet, ist bei REVOLTING falsch. Dieses Album bleibt im bekannten Feld: schwedischer Death Metal, Horror-Atmosphäre, kompakte Songs, eingängige Riffs, tiefe Vocals, kurze Spielzeit. Das kann man vorhersehbar nennen, aber auch konsequent.

Die stärksten Songs sind »At Dusk They Rise«, »Upon the Chopping Block«, »Those Who Never Lived«, »A Midnight Massacre« und »The End So Near«. Kleine Abzüge gibt es dafür, dass die Platte nicht jeden Song zu einem zwingenden Einzelhighlight macht und manche Ideen sehr vertraut wirken. Trotzdem bleibt »Supernatural Anthems« ein starkes, griffiges und angenehm schnörkelloses Death-Metal-Album.

FAZIT:

»Supernatural Anthems« ist kompakter, riffstarker Swedish Death Metal mit Horror-Schlagseite, der nicht überrascht, aber zuverlässig trifft. REVOLTING liefern keine Neuerfindung, sondern eine routinierte und druckvolle Platte mit starken Momenten bei »At Dusk They Rise«, »A Midnight Massacre« und »The End So Near«. Wer klassischen Old-School-Death mit Untoten-Flair und klarer Kante mag, bekommt hier soliden Death Metal mit Rifftechnischer Präzision, Tightem Drumming, Kompositorischem und stimmlichem Können Serviert

A Midnight Massacre Video:

Internet

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