Tracklist
01. Misery
02. Rorschach
03. Forsaken
04. Phobos
Besetzung
Dave Keoppen – Gesang
Kyle Cummings – Gitarre
Max Kushner – Bass, Engineering, Produktion
Danny Cummings – Schlagzeug
My Own Will aus Michigan liefern mit »Misery« eine kurze, aber ziemlich kompromisslose EP zwischen Deathcore, Metallic Hardcore und death-metallischem Groove. Vier Songs, knapp 13 Minuten Spielzeit, kein Leerlauf: Die Band setzt auf dicke Riffs, harte Breakdowns, wuchtige Rhythmik und eine Stimmung, die aus Frust, Wut und direkter körperlicher Wirkung gebaut ist. Das ist kein verkopftes Konzeptwerk, sondern eine sehr fokussierte Ansage: rein, kaputtmachen, raus.
VIER SONGS, EIN KLARES ZIEL
»Misery« eröffnet die EP mit genau der Haltung, die der Titel verspricht. Die Nummer arbeitet mit wechselnden Geschwindigkeiten, tief gestimmten Riffs und einer Vocal-Performance von Dave Keoppen, die zwischen Wut, Druck und kontrolliertem Kontrollverlust pendelt. Inhaltlich geht es nicht um eine große versteckte Botschaft, sondern um das, was der Sound unmittelbar auslöst: Aggression, Anspannung und ein Gefühl von innerem Überdruck.
Gerade Keoppen macht hier den Unterschied. Seine Stimme wirkt nicht wie ein austauschbarer Deathcore-Standard, sondern trägt diese hardcoreartige Direktheit, die den Songs mehr Körper gibt. Er brüllt nicht einfach über die Musik, sondern setzt rhythmische Akzente, die sich eng mit den Gitarren und dem Schlagzeug verzahnen.
GROOVE, ZORN UND TESTBILD
»Rorschach« ist der vielleicht typischste My Own Will-Song auf dieser EP. Der Song richtet sich thematisch gegen Blender, falsche Prediger und Menschen, die sich moralisch größer machen, als sie sind. Musikalisch passt das perfekt: Das Stück ist konfrontativ, groovt schwer und baut seine Wirkung aus abgehackten Riffs, Stakkato-Passagen und Breakdowns, die nicht einfach als Pflichtprogramm wirken.
Kyle Cummings liefert dazu Gitarrenarbeit, die nicht auf Solo-Schau setzt, sondern auf Druck, Präzision und kurze giftige Kanten. Aufgebaut auf ein massives Fundament aus Danny Cummings am Schlagzeug und Max Kushner am Bass werden die Gitarren exakt dort aufgesetzt, wo sie maximal drücken müssen. Das ist kompakt, effizient und live sicher ein Abriss.
GESELLSCHAFTSKRITIK MIT BREAKDOWN-KANTE
»Forsaken« bringt eine deutlich gesellschaftskritische Ebene hinein. Der Song dreht sich um soziale Ungleichheit, Machtverhältnisse und das Gefühl, dass viele Menschen im Alltag so sehr mit Überleben beschäftigt sind, dass kaum noch Raum für Orientierung oder Widerstand bleibt. Das ist kein plattes Parolenstück, sondern eine wütende Bestandsaufnahme, die zur musikalischen Form passt.
Hier zeigt sich auch, wie wichtig Max Kushner für den Gesamtdruck ist. Sein Bass hält die tiefe Gewalt zusammen, während die Produktion den Song nicht in Soundmatsch versenkt. Die EP klingt massiv, aber transparent genug, damit die Rhythmusarbeit nicht untergeht. Danny Cummings wiederum spielt nicht bloß stumpf nach vorne, sondern setzt die nötigen Tempowechsel und Betonungen, damit die Breakdowns auch wirklich Gewicht bekommen.
ANGST ALS SCHLUSSPUNKT
»Phobos« beendet die EP mit einem düsteren Schlussakkord. Schon der Titel verweist auf Angst, und genau so funktioniert der Song auch: weniger als reiner Speed-Ausbruch, mehr als gedrückte, bedrohliche Verdichtung. Die Gitarren walzen, der Bass schiebt, das Schlagzeug hämmert kontrolliert, und Keoppen zieht die Vocals noch einmal tiefer in diese Mischung aus Bedrohung und Wut.
Das Starke an »Misery« ist nicht, dass My Own Will hier die Welt neu erfinden. Die Stärke liegt in der Konsequenz. Jeder Song hat einen Zweck, jeder Breakdown sitzt an einer sinnvollen Stelle, und die Band wirkt geschlossen. Man hört, dass hier vier Musiker an einem gemeinsamen Sound arbeiten und nicht einzelne Bausteine nebeneinanderstellen.
FAZIT:
»Misery« ist eine kurze, brutale und sehr fokussierte EP, die Deathcore, Death Metal und Hardcore mit sauberem Groove und starker Live-Wirkung verbindet. My Own Will liefern keine Minute zu viel und zeigen mit Dave Keoppen, Max Kushner, Kyle Cummings und Danny Cummings eine Band, die genau weiß, wie man aus Wut funktionierende Songs baut. Kompakt, hart, effektiv: 8 von 10 Punkten.






