Seahaven - Seahaven - album artwork

Band: Seahaven 🇺🇸
Titel: Seahaven
Label: Pure Noise Records
VÖ: 05.06.2026 Format: CD / Vinyl / Digital
Genre: Alternative Rock / Indie Rock / Emo / Dream Pop / Post-Hardcore

Tracklist

01. Godsend
02. Hellbound
03. Infinite Blue
04. Midnight Hour
05. February Flowers
06. Remember Me
07. Highwire
08. Million Ways
09. Tidal Wave
10. Long Goodbye
11. Wedding Bells
12. Companion

Besetzung

Kyle Soto – Gesang, Gitarre, Songwriting
Cody Christian – Gitarre Mike DeBartolo – Bass, Gesang
Eric Findlay – Schlagzeug

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Sechs Jahre nach »Halo of Hurt« kehren Seahaven mit einem selbstbetitelten Album zurück, das die bisherigen Entwicklungsstufen der Band unter einem Dach vereint. Die emotionale Unmittelbarkeit von »Winter Forever«, die verträumte Weite von »Reverie Lagoon« und die dunklere Atmosphäre des Vorgängers fließen in zwölf Songs zusammen, die zwischen Emo, Indie Rock, Alternative Rock, Dream Pop und dezenten Post-Hardcore-Spuren pendeln. Im Zentrum steht Kyle Soto, der über verlorene Beziehungen, Selbsthass, Erinnerung, Tod und die Angst schreibt, im Leben eines anderen Menschen vollständig zu verschwinden.

YouTube Art Playlist: Seahaven

EIN NAME ALS STILISTISCHE STANDORTBESTIMMUNG

Ein selbstbetiteltes Album wird häufig als Neubeginn, Zusammenfassung oder endgültige Definition der eigenen Identität verstanden. Bei Seahaven trifft von allem etwas zu. Die Kalifornier erfinden ihren Sound nicht neu, bringen dessen unterschiedliche Seiten aber erstmals in eine auffallend geschlossene Form. Die Songs sind zugänglicher als auf »Halo of Hurt«. Große atmosphärische Umwege, bedrohliche Post-Rock-Flächen und abrupte Spannungswechsel treten zugunsten klarerer Strukturen und stärkerer Refrains zurück. Dennoch klingt das Album nicht nach einer Band, die ihre Vergangenheit für einen freundlicheren Radiosound entsorgt hat. Unter den warmen Gitarren, luftigen Synthesizern und melodischen Hooks liegen Texte, die von emotionaler Abhängigkeit, Trauer und einem tief beschädigten Selbstbild handeln. Dieser Gegensatz bestimmt die Platte. Die Musik kann sommerlich, weich und beinahe unbeschwert wirken, während Soto im selben Moment Beziehungen als aussichtslos erklärt, sein eigenes Verschwinden betrachtet oder sich fragt, ob ein anderer Mensch ihn überhaupt in Erinnerung behalten wird.

EIN GESCHENK MIT VERBORGENEM PREISSCHILD

»Godsend« eröffnet das Album mit schwebenden Gitarren, elektronischem Puls und einer wiederholten Liebeserklärung. Die besungene Person erscheint zunächst als rettende Kraft, die einem erschöpften und innerlich ausgetrockneten Menschen wieder Sinn geben könnte. Doch bereits unter dieser warmen Oberfläche entstehen Zweifel. Das lyrische Ich bezeichnet sich selbst als zerstörte Landschaft und stellt infrage, ob hinter der vermeintlichen Erlösung nicht erneut Manipulation und Schuld stehen. Liebe wird zum Versprechen eines neuen Anfangs, trägt aber bereits den Keim der nächsten Enttäuschung in sich. Der kurze Opener geht unmittelbar in »Hellbound« über. Hier wird die romantische Hoffnung endgültig von Selbstsabotage eingeholt. Soto beschreibt einen Menschen, der sich für keine stabile Beziehung geeignet hält, ständig in der Vergangenheit lebt und eine neue Partnerin mit einer unerreichbaren früheren Liebe vergleicht. Musikalisch ist der Song wesentlich direkter. Eric Findlay eröffnet mit druckvollem Schlagzeug, während Cody Christian und Soto breite Alternative-Rock-Gitarren darüberlegen. Synthesizer und kleine elektronische Elemente füllen den Hintergrund, ohne den Song in reinen Dream Pop zu verwandeln. Der Refrain besitzt erhebliche Eingängigkeit, bleibt aber emotional unbequem. Die zentrale Figur warnt ihr Gegenüber nicht aus nobler Selbstlosigkeit. Sie hat sich bereits so vollständig mit ihrem Scheitern identifiziert, dass jede Möglichkeit einer funktionierenden Beziehung im Voraus zurückgewiesen wird.

UNENDLICHES BLAU UND UNERREICHBARE NÄHE

»Infinite Blue« ist einer der größten und melodisch stärksten Songs der Platte. Der Titel beschreibt nicht nur Meer, Himmel oder räumliche Weite. Das Blau steht für einen Zustand aus Sehnsucht, Erinnerung und emotionaler Unerreichbarkeit. Die besungene Person taucht überall im Alltag auf: in Straßen, Gegenständen und vertrauten Gewohnheiten. Soto beschreibt die Bereitschaft, bestehende Bindungen aufzugeben, Schuld zu übernehmen und jede innere Mauer einzureißen, wenn dadurch eine verlorene Nähe zurückkehren könnte. Hinter der romantischen Größe steckt eine problematische Besessenheit. Die Gitarren öffnen den Hörraum, während Mike DeBartolos Bass den Song mit einer geschmeidigen, melodischen Bewegung zusammenhält. Findlay spielt kraftvoll, aber nicht aufdringlich. Der Rhythmus gibt dem Refrain genügend Größe, ohne dessen verletzliche Grundstimmung mit unnötiger Härte zu überfahren. »Midnight Hour« führt in eine Beziehung, die nur noch aus nächtlichen Begegnungen, Entschuldigungen und gegenseitiger Selbsttäuschung besteht. Liebe und körperliche Nähe werden ausgesprochen, am nächsten Morgen aber nicht erinnert oder nicht mehr anerkannt. Beide Beteiligten wissen, dass sie einander beschädigen, können sich vom gemeinsamen Muster jedoch nicht lösen. Musikalisch arbeitet der Song mit einem geradlinigen Indie-Rock-Rhythmus und einer unmittelbaren Gesangslinie. Der Refrain klingt fast leichtfüßig, obwohl Soto darin jede romantische Inszenierung des Gegenübers zurückweist. Das vermeintliche Heiligenscheinchen wird nicht gekauft – die Eintrittskarte für das nächste emotionale Desaster dagegen offenbar schon.

BLUMEN, DIE IM SCHATTEN VERWELKEN

»February Flowers« behandelt eine Beziehung, in der Fürsorge nur in eine Richtung fließt. Das lyrische Ich investiert Aufmerksamkeit und Gefühle, erhält aber Ausreden, Schweigen und einen künstlich aufrechterhaltenen Schein zurück. Die Blumen des Titels wirken dadurch weniger wie ein romantisches Geschenk als wie ein zu spät geliefertes Zeichen. Die Musik besitzt einen leicht dunklen, beinahe Gothic-Rock-artigen Unterton. DeBartolos Bass steht deutlich im Raum, während die Gitarren auf große Verzerrung verzichten und stattdessen eine bedrückende Stimmung erzeugen. Sotos Stimme klingt müde und enttäuscht, vermeidet aber melodramatische Übertreibung. Der Text erkennt, dass es in diesem emotionalen Spiel keine Gewinner gibt. Beide Personen ziehen in unterschiedliche Richtungen, bleiben aber aneinander hängen. Besonders wirkungsvoll ist, dass der Song die Verantwortung nicht vollständig auf eine Seite abschiebt. Selbst in der Anklage bleibt das Bewusstsein bestehen, am toxischen Kreislauf beteiligt zu sein. »Remember Me« reduziert die instrumentale Dichte und wirkt wie ein dunkles Zwischenspiel. Verhallte Stimme, Drone-Flächen und elektronische Elemente begleiten Gedanken über Bedeutungslosigkeit, psychische Erschöpfung und die Angst, nach dem eigenen Ende vergessen zu werden. Der Song verwendet drastische Bilder, ohne sie als sensationellen Schockeffekt auszustellen. Soto klingt wie ein Mensch, der seine Verzweiflung bereits so oft durchdacht hat, dass selbst die schlimmsten Vorstellungen beinahe beiläufig formuliert werden. Gerade diese emotionale Nüchternheit macht das Stück beklemmend.

MIT GESCHLOSSENEN AUGEN AUF DEM HOCHSEIL

»Highwire« beschreibt das Leben als Balanceakt über einem Abgrund. Verpasste Chancen, unerfüllte Erwartungen und das Gefühl, von erfolgreichen Freunden lediglich oberflächliche Anteilnahme zu erhalten, erhöhen den Druck. Das lyrische Ich schließt auf dem Hochseil die Augen – nicht aus Mut, sondern weil der freie Fall plötzlich einfacher erscheint als das ständige Halten des Gleichgewichts. Die Band verbindet dieses Thema mit fließenden Gitarren und einem Refrain, der sich weit öffnet. Findlay spielt dynamisch und gibt dem Song in den richtigen Momenten zusätzlichen Schub. DeBartolos Bass bleibt beweglich und verhindert, dass die weicheren Gitarrentöne ihre Bodenhaftung verlieren. »Million Ways« führt Selbstvorwürfe und verlorene Liebe zusammen. Soto blickt auf zahlreiche kleine Versäumnisse zurück, durch die eine Beziehung nicht mit einer großen Katastrophe, sondern Stück für Stück beschädigt wurde. Erinnerungen drehen sich wie ein Karussell, während die ersehnte Person nur noch im Traum erreichbar erscheint. Der Song besitzt einen der stärksten Refrains des Albums. Die Melodie ist groß genug für eine weit geöffnete Konzertbühne, bleibt aber eng mit der persönlichen Erzählung verbunden. Christian und Soto überladen das Arrangement nicht. Statt mehrerer Gitarrenschichten um Aufmerksamkeit kämpfen zu lassen, setzen sie auf klare Akkorde, kleine melodische Antworten und sorgfältig kontrollierten Hall.

WENN AUS DER FLUT EINE WAND WIRD

»Tidal Wave« erhöht das Tempo und bringt die Post-Hardcore-Wurzeln der Band etwas deutlicher zurück. Das zentrale Bild beschreibt zunächst eine gewöhnliche Flutbewegung, die plötzlich zur zerstörerischen Welle anwächst. Ein Verlust, der kontrollierbar erschien, nimmt alles mit sich und hinterlässt das lyrische Ich in den Folgen seiner eigenen Entscheidungen. Der Song blickt auf einen vergangenen Sommer und den Übergang von Zuneigung zu Gleichgültigkeit zurück. Besonders schmerzhaft ist nicht nur das Ende der Beziehung, sondern die Erinnerung an den Moment, in dem sich erste Risse bereits erkennen ließen. Findlay spielt hier offensiver, während die Gitarren kantiger und direkter auftreten. Nach mehreren schwebenden Songs wirkt »Tidal Wave« wie ein notwendiger Stoß gegen die Tür. Die Band beweist, dass sie noch immer kräftig zupacken kann, ohne in die jugendliche Härte ihres Debüts zurückfallen zu müssen. »Long Goodbye« ist kompakter und traditioneller aufgebaut. Der Song richtet den Blick auf einen Menschen, der verlassen wurde und nun mit Müdigkeit, alten Erinnerungen und einer verblassenden Zukunftsvorstellung zurückbleibt. Hoffnung erscheint nicht als Rettung, sondern als etwas, das möglicherweise einen zu hohen Preis verlangt hat. Der Refrain ist einfach, aber wirkungsvoll. Soto singt zurückhaltend, während die Band den Song mit einer Mischung aus Emo, Alternative Rock und leichtem Post-Hardcore-Druck trägt. Die Kürze verhindert, dass sich die melancholische Idee unnötig wiederholt.

HOCHZEITSGLOCKEN UND EIN LEERER PLATZ

»Wedding Bells« war der erste Song, aus dem sich das Album entwickelte. Entsprechend wirkt er wie ein inhaltlicher Knotenpunkt. Bilder von Hochzeit, Schwangerschaft und gemeinsamer Zukunft treffen auf Tod, psychische Krisen und das Gefühl, nirgends wirklich dazuzugehören. Freiheit erhält dabei eine bittere Bedeutung. Sie wird mit einem herrenlosen Hund oder einem Vogel ohne Baum verglichen: ungebunden, aber auch ohne Schutz, Heimat und Stimme. Die Abwesenheit einer festen Beziehung kann Befreiung sein, zugleich aber eine Form vollständiger Isolation. Soto schreibt hier besonders offen über Dunkelheit, Hilferufe und eine Person, die sich offenbar in einem zerstörerischen inneren Zustand befand. Die Details bleiben fragmentarisch, vermitteln aber deutlich, wie eng Liebe, Schuld und Trauer miteinander verbunden sind. Musikalisch gehört der Song zu den ruhigeren, fließenderen Momenten. Gitarren und Bass bewegen sich mit großer Zurückhaltung, während Findlay kleine rhythmische Akzente setzt. Sotos Gesang bleibt menschlich und leicht brüchig. Eine technisch makellose Stimme hätte dem Stück eher geschadet.

DIE LETZTE BEGLEITUNG

»Companion« beendet das Album mit einer zärtlichen und zugleich endgültigen Abschiedsgeste. Der Song stellt menschliche Nähe über abstrakte Vorstellungen eines jenseitigen Paradieses. Himmel entsteht nicht an einem entfernten Ort, sondern in Berührung, Freundlichkeit und der kurzen Zeit, die zwei Menschen miteinander teilen. Gerade diese Zeit ist jedoch begrenzt. Alles Gute existiert nur auf Leihbasis, und selbst tief empfundene Hoffnung kann vergehen, wenn sie nicht gepflegt wird. Soto richtet sich an einen geliebten Menschen, bedankt sich für dessen Güte und sendet seinen Abschied sinnbildlich vom Grund des Ozeans. Die letzten Bilder verbinden Geburt und Tod zu einer kurzen Durchreise. Ein Mensch erscheint für einen begrenzten Moment, hinterlässt Spuren und verschwindet wieder. Die Platte schließt damit nicht bei romantischer Trennung, sondern bei der grundlegenden Vergänglichkeit jedes Lebens. Musikalisch arbeitet »Companion« mit elektronischen Unterströmungen, unterbrochenen Rhythmen und einem zunehmend fragilen Arrangement. Der große Rockabschluss bleibt aus. Stattdessen zieht sich die Band zurück, bis nur noch die menschliche Verletzlichkeit des Songs übrig bleibt.

KYLE SOTO ZWISCHEN SELBSTANKLAGE UND ERINNERUNG

Kyle Soto trägt das Album als Sänger, Texter und Hauptkomponist. Seine Stimme ist nicht auf makellose technische Kontrolle oder gewaltige Tonhöhen ausgerichtet. Ihre Stärke liegt im Ausdruck. Müdigkeit, Ironie, Selbstverachtung und Sehnsucht lassen sich bereits in kleinen Veränderungen seiner Phrasierung erkennen. Besonders wirkungsvoll ist die Nüchternheit, mit der Soto drastische Gedanken formuliert. Er schreit den Schmerz nicht permanent heraus, sondern behandelt ihn teilweise wie einen längst bekannten Mitbewohner. Dadurch bleiben die Texte glaubwürdig, selbst wenn sie große Bilder von Himmel, Ozean, Unendlichkeit oder vollständigem Zusammenbruch verwenden. Gelegentlich kreisen die Songs sehr stark um ähnliche Beziehungsmuster. Unerreichbare Menschen, emotionale Abhängigkeit, Selbstsabotage und die Erwartung des Scheiterns kehren mehrfach zurück. Das gibt dem Album inhaltliche Geschlossenheit, lässt einzelne Perspektiven aber auch verschwimmen.

VIER MUSIKER, DIE DER STILLE VERTRAUEN

Cody Christian setzt an der Gitarre weniger auf auffällige Soli als auf Klangfarbe, Raum und melodische Ergänzungen. Zusammen mit Soto erzeugt er warme Akkordflächen, helle Einzelnoten und kontrollierte Verzerrung. Die Gitarren dürfen leuchten, rauschen oder kurz aggressiv werden, ohne den Songs eine unnötig schwere Rüstung anzuziehen. Mike DeBartolo gehört zu den wichtigsten musikalischen Kräften der Platte. Sein Bass ist deutlich hörbar und bewegt sich häufig unabhängig von den Gitarren. Besonders auf »February Flowers«, »Highwire« und »Million Ways« gibt er den Arrangements eine geschmeidige Bewegung. Eric Findlay spielt mit großer Disziplin. Er kennt den Unterschied zwischen einem Song, der Druck benötigt, und einem Moment, der durch Zurückhaltung stärker wird. Auf »Hellbound« und »Tidal Wave« treibt er die Band kräftig an, während er sich in »Remember Me« und »Companion« beinahe vollständig der Atmosphäre unterordnet. Das Zusammenspiel wirkt eingespielt und natürlich. Obwohl Soto die Grundrisse vieler Songs zunächst allein entwickelte, klingt das Endergebnis nicht wie ein Soloprojekt mit nachträglich hinzugefügter Begleitband. Jeder Musiker trägt zur endgültigen Form bei.

WILL YIP LÄSST DIE SONNE DURCH DEN NEBEL

Die Eigenproduktion der Band wurde von Alex Estrada technisch eingefangen und anschließend von Will Yip gemischt und gemastert. Das Ergebnis ist warm, transparent und ausgesprochen räumlich. Gitarren, Bass, Schlagzeug und Elektronik lassen sich klar unterscheiden, ohne dass die Musik steril wirkt. Besonders die helleren Gitarrentöne profitieren von der Produktion. Sie erhalten genügend Luft, während der Bass im unteren Bereich präsent bleibt. Findlays Schlagzeug klingt natürlich und körperlich; selbst in den ruhigeren Passagen bleiben kleine Bewegungen und Anschlagsunterschiede erhalten. Der polierte Klang ist gleichzeitig eine mögliche Schwäche. Im Vergleich zu »Halo of Hurt« fehlt stellenweise jene bedrohliche Unberechenbarkeit, die Seahaven besonders spannend machen kann. Manche Refrains und Gitarrenflächen sind so sauber ausgeleuchtet, dass die dunklen Texte kurzzeitig weiter entfernt wirken. Dennoch verhindert Yip, dass die Platte in glattem Alternative-Rock verschwindet. Kleine Nebengeräusche, brüchige Gesangsmomente und dynamische Unterschiede erhalten die menschliche Präsenz.

ZUGÄNGLICHKEIT OHNE VOLLSTÄNDIGE VERSÖHNUNG

»Seahaven« ist vermutlich das unmittelbarste Album der Band. Die Songs verfügen über klare Refrains, kompakte Laufzeiten und einen durchgehend angenehmen Fluss. Selbst die experimentelleren Elemente werden so eingesetzt, dass sie die Kompositionen erweitern und nicht auseinanderbrechen. Diese Konzentration besitzt Vorteile. »Hellbound«, »Infinite Blue«, »Midnight Hour«, »Million Ways« und »Tidal Wave« bleiben schnell im Gedächtnis. Gleichzeitig fehlt dem Album an einigen Stellen der Mut zu jenen unerwarteten Wendungen, die frühere Veröffentlichungen ausgezeichnet haben. Die Selbstbetitelung bleibt dennoch nachvollziehbar. Seahaven fassen ihre bisherige Geschichte nicht über stilistische Zitate zusammen, sondern über ein gemeinsames Grundgefühl: warme Musik für Gedanken, die alles andere als warm sind.

FAZIT:

»Seahaven« verbindet melancholischen Indie Rock, Emo, Dream Pop und Alternative Rock zu einem warm produzierten, emotional schweren Gesamtwerk. Kyle Soto schreibt offen über Selbstsabotage, Verlust und die Angst vor dem Vergessen, während Cody Christian, Mike DeBartolo und Eric Findlay seine Texte mit klaren Gitarren, melodischem Bass und fein abgestufter Dynamik tragen. Die stärkere Zugänglichkeit nimmt dem Album gelegentlich etwas von der früheren Unberechenbarkeit, doch als konzentrierte Darstellung der heutigen Band funktioniert es ausgesprochen überzeugend.

Musikvideo: Million Ways

Internet

Seahaven - Seahaven - CD Review

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