Vithial - Awakened Ancient Spirits - cover artwork

Band: Vithial 🇺🇸
Titel: Awakened Ancient Spirits
Label: Vithial Recordings / Eigenveröffentlichung
VÖ: 05.06.2026
Format: CD / Digital
Genre: Melodic Black/Death Metal / Thrash Metal

Tracklist

01. Tornadic Wind, the Barons of Nightfall – 04:45
02. Masquerading Deception of Tyranny – 04:39
03. War of the Gods, the Balance of Darkness and Light – 05:57
04. Temporis Infinitum, Eternity of the Mind – 05:28
05. Soul Incarceration, the Covenant of Blood – 06:13
06. Awakened Ancient Spirits – 06:35

Besetzung

David Dwayne – Gesang, Gitarren, Bass, Drum- und Keyboard-Programmierung, Songwriting

Scott Elliott – Mix und Mastering
Riaj Gragoth – Artwork

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Alte Geister werden auf diesem Debüt nicht ehrfürchtig aus sicherer Entfernung betrachtet, sondern mit sägenden Gitarren, peitschenden Rhythmen und nekromantischer Entschlossenheit aus dem Boden gezerrt. Auf »Awakened Ancient Spirits« verbindet das aus Pensacola in Florida stammende Ein-Mann-Projekt Vithial den frostigen Melodieverlauf des Second-Wave-Black-Metal mit der körperlichen Wucht des Florida Death Metal und einer ordentlichen Portion Thrash.

Hinter dem Projekt steht David Dwayne, der Gesang, Gitarren und Bass selbst eingespielt sowie Schlagzeug und Keyboards programmiert hat. Die sechs Stücke bilden keine lose Ansammlung finsterer Einzelgeschichten. Naturgewalten, korrumpierte Herrscher, kämpfende Gottheiten, astrale Bewusstseinsebenen, Blutrituale und beschworene Geister sind Bestandteile einer zusammenhängenden mythologischen Welt.

Mit einer Spielzeit von knapp 34 Minuten bleibt das Album erfreulich konzentriert. Kein belangloses Intro wird auf mehrere Minuten ausgewalzt, kein Song dient als bloßer atmosphärischer Lückenfüller und auch die Synthesizer dürfen lediglich dort auftreten, wo sie tatsächlich zur Handlung beitragen. Vithial setzt auf kompakte Kompositionen, melodische Gitarren und eine Produktion, die modern genug für klare Konturen, aber rau genug für glaubwürdigen Black Metal bleibt.

Albumstream:

ZWISCHEN FLORIDA UND FROSTIGER FINSTERNIS

Die stilistischen Grundpfeiler des Albums werden schnell deutlich. Auf der einen Seite stehen melodische Tremolo-Gitarren, kalte Harmonien, harscher Gesang und jene entrückte Atmosphäre, die den Black Metal der frühen und mittleren Neunzigerjahre prägte. Auf der anderen Seite drücken schwerere Death-Metal-Riffs, kräftige Basslinien und thrashige Rhythmuswechsel in das Klangbild.

Dadurch klingt »Awakened Ancient Spirits« weder nach reinem nordischem Black Metal noch nach klassischem Florida Death Metal. Die Musik steht zwischen diesen Welten. Melodische Gitarrenlinien dürfen sich über die Stücke legen, ohne deren Aggressivität abzuschwächen. Die härteren Riffs wiederum sorgen für Gewicht, ohne die atmosphärische Ausrichtung unter einer stumpfen Prügelattacke zu begraben.

Einflüsse von Dissection, frühem Emperor, Immortal und Enslaved lassen sich ebenso erahnen wie Spuren von Morbid Angel, Deicide oder der schärferen Seite des Thrash Metal. Vithial verwendet diese bekannten Bausteine jedoch nicht als reine Retro-Dekoration, sondern fügt sie zu einer weitgehend stimmigen eigenen Klangwelt zusammen.

DER STURM ALS SCHÖPFUNGSKRAFT

»Tornadic Wind, the Barons of Nightfall« eröffnet das Album mit Naturgeräuschen und einer kurzen Dungeon-Synth-artigen Passage. Der Einstieg erzeugt nicht bloß dekorative Mystik, sondern führt direkt in das zentrale Weltbild der Platte. Natur ist hier weder friedliche Kulisse noch romantischer Rückzugsort. Sie erscheint als göttliche Kraft, die durch Sturm, Feuer und Zerstörung neue Ordnung erschafft.

Nach dem atmosphärischen Beginn brechen melodische Black-Metal-Gitarren hervor. Das Tremolo-Picking klingt kalt und schneidend, während die Rhythmussektion genügend Druck entwickelt, um den Song nicht im ätherischen Nebel verschwinden zu lassen. Aufgebaut auf einem standfesten Fundament aus Bass und programmierten Drums werden die Gitarren gekonnt aufgebettet. Melodische Leads bewegen sich über dunklen Akkordfolgen, ehe härtere Riffblöcke den Song zurück auf den Boden reißen.

Dwaynes Stimme bewegt sich zwischen heiserem Kreischen und tieferen, kräftigeren Growls. Diese Verbindung passt zum musikalischen Konzept. Die höheren Screams verkörpern die kalte Seite des Black Metal, während die tieferen Passagen den Death-Metal-Anteil verstärken.

Der Opener funktioniert als programmatische Einleitung, weil er bereits fast sämtliche Elemente des Albums enthält. Naturmystik, zerstörerische Energie, melodische Gitarren und eine unterschwellige Erhabenheit werden eingeführt, ohne den Hörer mit einem endlosen Vorspiel zu belasten.

TYRANNEI UNTER DER MASKE

»Masquerading Deception of Tyranny« richtet den Blick von den Naturgewalten auf die Korruption des Menschen. Lügen, Verrat, falsche Autoritäten und die Vergiftung des Geistes stehen im Mittelpunkt. Die Tyrannei zeigt sich nicht offen, sondern verbirgt sich hinter Masken, Versprechen und manipulierten Wahrheiten.

Musikalisch schlägt das Stück direkter zu. Thrashige Riffs sorgen für mehr Bewegung und geben dem Schlagzeugprogramm die Gelegenheit, mit schnelleren Figuren und kurzen Ausbrüchen zusätzlichen Druck aufzubauen. Die Gitarren bleiben melodisch, werden aber kantiger und aggressiver als im Opener.

Besonders gelungen ist der Kontrast zwischen den schnellen Passagen und den dunkleren, kontrollierter gespielten Abschnitten. Der Song rast nicht einfach viereinhalb Minuten mit unverändertem Tempo durch die Botanik, sondern nutzt Tempowechsel, um Misstrauen und innere Unruhe abzubilden.

Dwayne schreit einzelne Worte mit besonderem Nachdruck heraus und verleiht der Nummer dadurch einen anklagenden Charakter. Eine größere vokale Variation innerhalb der Strophen hätte dem Stück stellenweise noch mehr Dynamik gegeben. Dennoch gehört »Masquerading Deception of Tyranny« zu den unmittelbarsten Titeln des Albums.

WENN GÖTTER IN DEN KRIEG ZIEHEN

Mit »War of the Gods, the Balance of Darkness and Light« weitet sich das Konzept in kosmische Dimensionen aus. Licht und Dunkelheit werden nicht als einfache Vertreter von Gut und Böse behandelt. Beide Seiten bilden ein empfindliches Gleichgewicht, das durch Machtgier, Korruption und den Eingriff sterblicher Wesen zerstört wird.

Die Götter der Dunkelheit erscheinen dementsprechend nicht bloß als klassische Schurken. Sie reagieren auf eine Welt, in der das vermeintlich rechtschaffene Licht selbst korrumpiert wurde. Der Krieg wird damit zum gewaltsamen Versuch, eine verlorene Balance wiederherzustellen.

Musikalisch zählt das knapp sechsminütige Stück zu den stärksten Momenten des Albums. Black- und Death-Metal-Elemente greifen besonders sauber ineinander. Die Gitarren bauen zunächst eine bedrohliche melodische Spannung auf, bevor schwerere Riffs die Schlacht eröffnen. Sparsam gesetzte Synthesizer verleihen dem Geschehen zusätzliche Größe, ohne die eigentliche Bandinstrumentierung zu überdecken.

Die programmierten Drums entwickeln in den schnelleren Abschnitten ausreichend Durchschlagskraft. Blastbeat-nahe Passagen treffen auf kontrollierte Midtempo-Rhythmen und geben der Komposition eine nachvollziehbare Dramaturgie. Die Übergänge wirken größtenteils flüssig und vermeiden den Eindruck, mehrere voneinander unabhängige Ideen seien lediglich zusammengeschnitten worden.

Im letzten Drittel erreicht der Song seine größte Wucht. Gitarren, Gesang und Rhythmik verdichten sich, während die melodische Grundidee weiterhin erkennbar bleibt. Genau hier zeigt sich Dwaynes größte Stärke als Komponist: Selbst in den aggressivsten Momenten verliert er den roten Faden nicht.

DAS BEWUSSTSEIN VERLÄSST DIE MATERIE

»Temporis Infinitum, Eternity of the Mind« verlässt das Schlachtfeld und widmet sich alten Prophezeiungen, kollabierenden Sternen, astraler Projektion und dem Fortbestehen des Bewusstseins außerhalb eines sterblichen Körpers. Der physische Untergang der Welt wird nicht nur als Ende, sondern zugleich als Möglichkeit geistiger Transzendenz betrachtet.

Die Musik greift diese metaphysische Ausrichtung mit stärker atmosphärisch geprägtem Black Metal auf. Die Gitarren wirken offener und lassen den einzelnen Melodien mehr Raum. Dazwischen entstehen Passagen, in denen sich die Komposition beinahe schwerelos von der rhythmischen Grundlage löst.

Die Synthesizer werden auch hier zurückhaltend eingesetzt. Sie dienen nicht als dauerhafter orchestraler Teppich, sondern markieren Übergänge und verleihen einzelnen Melodien zusätzliche räumliche Tiefe. Diese Zurückhaltung ist wichtig. Eine zu dominante Keyboard-Spur hätte den Song schnell in überladenen Symphonic Black Metal verwandelt.

Inhaltlich arbeitet die Nummer mit einer Fülle an Begriffen und Bildern. Zeitwächter, Orakel, Dimensionstore, zerbrechende Himmel und kosmische Erkenntnis folgen dicht aufeinander. Das erzeugt eine faszinierende Bilderwelt, wirkt stellenweise aber etwas überfrachtet. Weniger Motive und eine stärkere Konzentration auf einzelne Gedanken hätten der Erzählung zusätzliche Tiefe geben können.

Musikalisch bleibt »Temporis Infinitum, Eternity of the Mind« dennoch einer der atmosphärischen Höhepunkte. Der Song beweist, dass Vithial nicht nur durch Geschwindigkeit und Härte überzeugen kann.

DER BLUTBUND IM REICH DER VERDAMMNIS

Mit »Soul Incarceration, the Covenant of Blood« beginnt der dunkelste Abschnitt der Platte. Verdammte Seelen werden ihrer körperlichen Existenz beraubt, in einem höllischen Reich gefangen gehalten und durch einen Blutbund an die Götter der Verdammnis gebunden. Das Blut der Sterblichen dient als Nahrung und Kraftquelle für eine wiedererstehende uralte Gottheit.

Die Musik wird entsprechend schwerer. Death-Metal-Riffs rücken stärker in den Vordergrund, während Thrash-Einflüsse für bissige rhythmische Akzente sorgen. Gleichzeitig bewahrt der Song seine kalte Black-Metal-Grundstimmung. Diese Mischung verhindert, dass die Nummer zu einem gewöhnlichen Death-Metal-Brett wird.

Saubere Gitarrenpassagen und ein deutlicherer Synthesizereinsatz schaffen eine ritualistische Atmosphäre. Eine gesprochene Passage verstärkt den Eindruck einer Beschwörung oder eines finsteren Schwurs. Gerade diese Abweichungen von der bisherigen Struktur machen den Song besonders wirkungsvoll.

Dwayne lässt den einzelnen Abschnitten genügend Zeit, sich zu entwickeln. Mit mehr als sechs Minuten gehört die Nummer zu den längsten Stücken, wirkt aber kaum unnötig ausgedehnt. Die verschiedenen Teile folgen der Handlung: Gefangenschaft, Blutopfer, Wiedergeburt und ewige Verdammnis bilden aufeinander aufbauende Stationen.

Die programmierte Rhythmussektion stößt hier allerdings auch an ihre Grenzen. Einige schnelle Figuren klingen sehr gleichmäßig und erreichen nicht vollständig die organische Unberechenbarkeit eines eingespielten Schlagzeugers. Dieser Umstand zerstört den Song keineswegs, ist in den besonders dichten Passagen aber wahrnehmbar.

DIE ALTEN GEISTER ERHEBEN SICH

Der Titelsong »Awakened Ancient Spirits« führt sämtliche thematischen Fäden zusammen. Ritualmagie, Nekromantie, verbotene Erkenntnis, dämonische Besessenheit und spiritueller Krieg verschmelzen zu einer abschließenden Beschwörung. Die alten Mächte kehren nicht als weise Ratgeber zurück. Sie erheben sich voller Zorn, um falsches Licht, menschliche Ignoranz und bestehende Herrschaftsordnungen zu vernichten.

Musikalisch liefert das Stück ein würdiges Finale. Schwere Gitarrenmelodien werden von Synthesizern umrahmt, während Black- und Death-Metal-Riffs erneut miteinander verzahnt werden. Die Komposition beginnt kontrolliert, steigert ihre Intensität schrittweise und erreicht schließlich eine dichte, beinahe zeremonielle Schlussphase.

Dwayne verwendet wiederkehrende Motive, um den Eindruck eines Rituals zu verstärken. Bestimmte Gesangsphrasen und Gitarrenbewegungen kehren wie Beschwörungsformeln zurück. Dadurch entsteht ein hypnotischer Effekt, ohne dass der Song in monotone Wiederholung abrutscht.

Der Titelsong besitzt allerdings nicht ganz die unmittelbare Schlagkraft von »Masquerading Deception of Tyranny« oder die dynamische Vielfalt von »War of the Gods, the Balance of Darkness and Light«. Seine Stärke liegt vielmehr in der Atmosphäre und seiner Funktion als konzeptioneller Abschluss.

Nach dem letzten Ton bleibt nicht der Eindruck eines abgeschlossenen Sieges, sondern einer geöffneten Tür. Die Geister wurden geweckt, doch welche Konsequenzen ihre Rückkehr haben wird, bleibt bewusst unbeantwortet.

EIN MANN ERSCHAFFT EINE GANZE WELT

Dass sämtliche musikalischen Bestandteile von einer einzigen Person stammen, verleiht dem Album seine große stilistische Geschlossenheit. Die Riffs, Synthesizer, Texte und Arrangements verfolgen durchgehend dieselbe Vision. Es gibt keine hörbaren Kompromisse zwischen unterschiedlichen Songwritern und keine stilistischen Fremdkörper, die nur deshalb auf der Platte landen, weil jedes Bandmitglied seinen bevorzugten Einfluss unterbringen wollte.

Dwayne ist vor allem ein überzeugender Gitarrenkomponist. Seine Stärke liegt weniger in technischen Zurschaustellungen als in der Verbindung aus Melodie und Aggression. Tremolo-Linien, schwere Akkordfolgen und thrashige Riffs werden so angeordnet, dass sie den jeweiligen Inhalt stützen.

Die Soli und Leadpassagen bleiben vergleichsweise kompakt. Statt minutenlanger Griffbrettakrobatik gibt es melodische Akzente, die einzelne Übergänge hervorheben oder einem Refrain zusätzliche Tiefe verleihen. Diese Disziplin kommt den Songs zugute.

Der Bass bildet ein solides Fundament, könnte innerhalb des Mixes aber gelegentlich stärker hervortreten. Besonders in den atmosphärischen Abschnitten wäre eine eigenständigere Bassbewegung eine interessante zusätzliche Ebene gewesen.

Die programmierten Drums sind dynamischer gestaltet als bei vielen vergleichbaren Ein-Mann-Projekten. Tempowechsel, Fills und unterschiedliche rhythmische Muster verhindern weitgehend einen statischen Eindruck. Trotzdem bleibt die exakte Gleichmäßigkeit einzelner Schläge hörbar. Ein echter Schlagzeuger könnte dem Material künftig noch mehr körperliche Energie und spontane Spannung verleihen.

KEYBOARDS ALS RITUALWERKZEUG

Die Synthesizer gehören zu den wichtigsten, aber zurückhaltendsten Elementen des Albums. Sie werden vor allem in Einleitungen, Übergängen und ausgewählten atmosphärischen Passagen eingesetzt. Dadurch behalten sie ihre Wirkung.

Viele Black-Metal-Produktionen verwenden Keyboards als permanente Tapete, die jede freie Stelle mit Chören, Streichern oder pseudo-orchestraler Größe füllt. Vithial widersteht dieser Versuchung. Die elektronischen Flächen erweitern das Klangbild, ohne die Gitarren an den Rand zu drängen.

Besonders bei »Tornadic Wind, the Barons of Nightfall«, »War of the Gods, the Balance of Darkness and Light« und dem Titelsong tragen die Synthesizer entscheidend zur mythologischen Atmosphäre bei. Sie lassen die Musik größer wirken, ohne ihr die notwendige Rohheit zu nehmen.

Auch die kurzen Dungeon-Synth-Anleihen passen zum Konzept. Sie vermitteln den Eindruck alter Rituale und vergessener Reiche, ohne zu einem separaten Stilmittel zu werden, das mit den Metal-Passagen um Aufmerksamkeit kämpft.

ROHE KANTE MIT MODERNER KLARHEIT

Für Mix und Mastering war Scott Elliott von Chernobyl Audio verantwortlich. Die Produktion bewegt sich bewusst zwischen traditioneller Rauheit und moderner Transparenz. Die Gitarren besitzen eine scharfe Oberfläche, ohne zu einem ununterscheidbaren Klangbrei zu verschmelzen. Gesang, Synthesizer und Rhythmussektion bleiben auch in den dichteren Passagen nachvollziehbar.

Diese Klarheit ist besonders wichtig, weil die Musik mehrere stilistische Ebenen gleichzeitig verarbeitet. Würden Tremolo-Gitarren, Death-Metal-Riffs, Keyboards und harscher Gesang vollständig ineinander verschwimmen, ginge ein großer Teil der kompositorischen Arbeit verloren.

Gleichzeitig klingt das Album nicht steril. Die Gitarren dürfen kratzen, der Gesang bleibt rau und die gesamte Produktion besitzt genügend Schmutz, um nicht wie ein klinisch poliertes Studioprojekt zu wirken.

Etwas mehr räumliche Tiefe hätte einzelnen Stücken dennoch gutgetan. Besonders die größeren Synthesizerpassagen und langsameren Abschnitte könnten noch breiter und bedrohlicher wirken. Auch der Bass dürfte an einigen Stellen stärker gegen die Gitarren arbeiten.

Insgesamt findet die Produktion jedoch eine überzeugende Balance. »Awakened Ancient Spirits« klingt traditionell, ohne absichtlich schlecht aufgenommen zu sein, und modern, ohne seine schwarze Seele an vollständige Perfektion zu verkaufen.

EINE GESCHLOSSENE VISION MIT KLEINEN GRENZEN

Die größte Stärke des Albums ist seine Konsequenz. Alle sechs Songs gehören erkennbar in dieselbe Welt. Natur, Götter, Blut, Zeit, Bewusstsein und spirituelle Mächte tauchen als wiederkehrende Elemente auf und erzeugen eine geschlossene Erzählung.

Auch musikalisch bleibt die Handschrift klar. Melodische Gitarren stehen im Mittelpunkt, Death-Metal-Riffs liefern Gewicht, Thrash-Passagen erzeugen Bewegung und Keyboards öffnen den Raum für mythologische Atmosphäre.

Diese Geschlossenheit führt allerdings zu einer gewissen Vorhersehbarkeit. Nach den ersten drei Stücken ist weitgehend klar, mit welchen Mitteln Vithial arbeitet. Die späteren Songs variieren Gewichtung und Stimmung, verlassen den gesteckten Rahmen aber nur selten.

Auch der Gesang könnte noch breiter aufgestellt sein. Dwaynes Screams und Growls besitzen Kraft, bewegen sich jedoch über längere Strecken innerhalb eines ähnlichen Ausdrucksbereichs. Zusätzliche tiefe Stimmen, geflüsterte Passagen oder stärker differenzierte Phrasierungen könnten zukünftigen Veröffentlichungen mehr dramatische Tiefe verleihen.

Die Texte entwickeln eine beeindruckende Fülle an Bildern, leiden gelegentlich aber unter ihrer eigenen Dichte. Fast jede Zeile enthält kosmische, okkulte oder apokalyptische Begriffe. Ein bewussterer Wechsel zwischen konkreten Szenen und abstrakten Beschreibungen könnte die einzelnen Geschichten künftig noch eindringlicher machen.

Diese Kritikpunkte ändern nichts daran, dass Vithial ein bemerkenswert geschlossenes Debüt vorlegt. Die Platte besitzt eine klare Identität, handwerkliche Substanz und eine Atmosphäre, die weit über oberflächliche Okkult-Dekoration hinausgeht.

FAZIT:

»Awakened Ancient Spirits« ist ein konzentriertes und erstaunlich ausgereiftes Debüt. Vithial verbindet den melodischen Frost des Second-Wave-Black-Metal mit der Wucht des Florida Death Metal, thrashiger Angriffslust und sparsam eingesetzten Synthesizern.

Besonders »Tornadic Wind, the Barons of Nightfall«, »War of the Gods, the Balance of Darkness and Light«, »Soul Incarceration, the Covenant of Blood« und der abschließende Titelsong zeigen, wie gut David Dwayne Melodie, Härte und mythologische Atmosphäre miteinander verbinden kann.

Die programmierten Drums klingen in einzelnen Passagen etwas zu gleichmäßig, der Gesang könnte mehr Variationsbreite vertragen und manche Texte schichten derart viele okkulte Begriffe übereinander, dass einzelne Gedanken kaum Zeit zur Entfaltung erhalten. Demgegenüber stehen starke Gitarrenarbeit, nachvollziehbare Songstrukturen und ein Konzept, das über die gesamte Spielzeit konsequent verfolgt wird.

Hier wurde kein beliebiger Haufen Black- und Death-Metal-Riffs zusammengeworfen. Vithial erschafft eine vollständige Welt aus Naturgewalten, spirituellen Kriegen, astraler Erkenntnis und uralten Mächten. Die Geister wurden erfolgreich geweckt – nun muss sich zeigen, welche Verwüstungen sie auf der nächsten Veröffentlichung anrichten.

Lyric Video: War of the Gods, the Balance of Darkness and Light

Internet

Vithial - Awakened Ancient Spirits - CD Review

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