DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT – 21.03.2026, ((szene)) Wien

the Fall V

Darkened Nocturn Slaughtercult, Thy Light, ArsGoatia, Guyod, Mysterivm Xarxes 

21.03.2026, ((szene)) Wien

The fall V

Ein Konzert, das sich bereits Monate vor Beginn als Enttäuschung herausstellte. Das ursprünglich angekündigte Line-up mit Darkened Nocturn Slaughtercult, Bølzer, Misþyrming, Vitriol, Trepaneringsritualen und Mysterivm Xarxes wurde massiv verändert. Zuerst kündigten Bølzer an, dass sie ihre Tour abgesagt haben. Dennoch blieb das verbleibende Programm interessant. Doch einen Monat vor dem Konzert erfuhren wir, dass statt Misþyrming, Vitriol und Trepaneringsritualen plötzlich Thy Light, ArsGoatia und Guyod auftreten würden. Wenn das kein Downgrade ist, dann nichts. Welche vernünftige Person würde Misþyrming mit ArsGoatia vergleichen oder Vitriol mit Guyod? Ein Betrug! Das ist die Strafe dafür, wenn man Tickets früh kauft.

Wir gehören jedoch zu den Menschen, die verstehen, wie schwierig es sein kann, ein Festival-Line-up zusammenzustellen, und dass zwischen erster Ankündigung und endgültigem Programm Probleme auftreten können. In diesem Fall informierte der Veranstalter jedoch lediglich trocken und arrogant über die sozialen Medien: Das ist das endgültige Line-up. Keine Erklärung, keine Entschuldigung, keine Kompensation – nichts. Wir fühlten uns getäuscht, verspottet und mit Gleichgültigkeit behandelt. Dennoch kann man wenig dagegen tun, außer ein Konzert zu besuchen, das unter normalen Umständen für den Großteil des Publikums kaum großes Interesse geweckt hätte.

Selbst deutlich größere Veranstalter behandeln ihr Publikum mit mehr Respekt und Rücksicht. Und wir tun dem Veranstalter sogar einen Gefallen, indem wir ihn hier nicht namentlich nennen – obwohl es natürlich kein großes Geheimnis ist. Eine Erklärung oder eine kurze Entschuldigung hätte sicherlich nicht geschadet.

MYSTERIVM XARXES

MYSTERIVM XARXES standen bereits im ursprünglichen Line-up und rückten in der neuen Konstellation automatisch stärker in den Fokus, denn sie gehören zu den interessantesten Acts des Abends. Die Band aus Graz ist noch relativ neu in der lokalen Black-Metal-Landschaft, aber bereits sehr aktiv und zugleich einer der spannendsten Namen, die in den letzten Jahren auf der heimischen Szene aufgetaucht sind.

MYSTERIVM XARXES 01

Dabei handelt es sich um rohen Black Metal, allerdings um jene Art von rohem Klang, der dennoch mit guten Kompositionen und interessanter Instrumentierung arbeitet. Nicht ganz so minimalistisch, wie man es in diesem Genre oft hört. Live wurde diese Rohheit sogar ein Stück weit transformiert, denn der Sound war erstaunlich klar – deutlich klarer als auf den Veröffentlichungen – und wirkte insgesamt gut und professionell gespielt. Leicht melancholisch, mit einer gewissen rituellen und okkulten Aura im musikalischen Ansatz. Kaum auf der Bühne angekommen, startete die Band direkt mit verzweifelten Schreien, die von schönen melodischen Linien ergänzt wurden.

MYSTERIVM XARXES 02Der Frontmann der Band, mit dem Bühnennamen Homvnkvlvs (auch aktiv bei Ald Daedroth, Nihilist Dogma und Zerdrescher), wird von bekannten Musikern begleitet: etwa Gitarrist Giuseppe Taormina (Sirrush, Tiyris, Ellende (live), Metalucifer (live), Tryglav (live), ex-Crystal Viper, ex-Crimson Wind, ex-Xenos A.D.) sowie Schlagzeuger Paul Färber (Karg, Nekrodeus, Ellende (live), Harakiri for the Sky (live), ex-Norikum). Entsprechend professionell klingt die Band, und die technische Klasse der Musiker auf der Bühne ist leicht zu erkennen.

Die scheinbar einfachen Akkorde wirken fast spielerisch, und besonders Giuseppe lässt vieles mühelos erscheinen – vor allem wenn man die komplexen Solos berücksichtigt, die er präsentierte. Zusammen mit schönen Tremolo-Leadgitarren und massiven Drums formte sich eine klare musikalische Identität. Einen großen Anteil an der Wirkung hatte auch der Sänger mit seinen verzweifelten Schreien und schrillen Vocals, die fast theatralisch inszeniert wirkten. Die Band besitzt ein gutes Gespür für Rhythmus und erzeugt einen vollen Klang. Auch der Sound in der Szene Wien war in diesem Moment sehr gut – deutlich besser als bei den beiden folgenden Bands.

Der Saal begann sich langsam zu füllen, auch wenn noch viel Platz vorhanden war. MYSTERIVM XARXES gelang es dennoch, das Publikum einzubeziehen, und viele wirkten zufrieden damit, wie der Abend begonnen hatte. Ein gutes Set – kurz, aber beeindruckend. Gute Musik und definitiv eine Band, die im Black Metal noch einiges zu sagen haben wird.

GUYOĐ

Nach der EP, die Anfang des Jahres erschien und die wir überhaupt nicht überzeugend fanden, stand GUYOĐ nicht unbedingt weit oben auf der Liste der Bands, die man live sehen möchte. Aber gut – sehen wir sie uns an.

Zwischen den Bands gab es sehr lange Wartezeiten. Wenn schon eine Band weniger spielt, hätte man diese Zeit zumindest sinnvoll verteilen können. Positiv war immerhin, dass zwischen den Sets Metal-Musik lief – ein Dank an die Tontechniker dafür. Die Szene Wien war immer noch nicht wirklich voll, was wenig überrascht.

GUYODGUYOĐ brachten Räucherstäbchen für die Atmosphäre mit – offenbar ein wichtiger Bestandteil ihres Konzepts. Und natürlich begann die Show mit ihrem Markenzeichen: Wal- und Ozeangeräuschen. Vorhersehbar. Live funktioniert das allerdings kaum, wenn ein ganzer Saal gekommen ist, um Musik zu hören, stattdessen aber zunächst aufgezeichnete Meeresgeräusche serviert bekommt. Doch lassen wir das – eine ironische Rezension ist nicht das Ziel, also beschränken wir uns auf einige Fakten zum Set:

Sehr langsame Musik. Doom, aber ohne jede Melodik – was in sich schon fast ein Widerspruch ist. Der Bass war im Mix viel zu laut, ohne dass daraus ein dynamischer Klang entstanden wäre. Kein Rhythmus, keine Dynamik, insgesamt leblos wirkende Musik. Die Drums waren gut gespielt, standen jedoch völlig losgelöst vom Rest der Band, als würden alle Musiker unterschiedliche Dinge spielen. Technische Fähigkeiten wurden kaum sichtbar, und insgesamt wirkte die Band nicht wie eine gut eingespielte Formation.

Wie schon auf dem Album war auch live der Sound sehr schlecht, was zeigt, dass die Produktion von „Death Throes Of A Drowning God“ nicht das Problem war – wie wir in unserer Rezension zunächst vermutet hatten. Eine Entschuldigung an die Produzenten, die offenbar ihr Bestes gegeben haben. Musikalisch hatte dieser Auftritt wenig mit dem Rest des Abends zu tun. Eine Füllband, vermutlich von verzweifelten Veranstaltern gebucht. Während ihres Sets war der Saal entsprechend leer – viele standen draußen. Die Vorband war deutlich besser.

ARS GOATIA

Ein völlig anderes Bühnenbild: Schädel und eine starke Bildsprache dominieren die Szenerie. Mit ArsGoatia kehren wir zumindest wieder in die Gefilde des Black Metal zurück.

ARS GOATIA 01Der Sound ist roh und dissonant, zugleich stark im Old-School-Black-Metal verwurzelt. Aggressive Gitarren und ein lärmender Klang ohne viel Melodie, direkt und ohne Umwege. Technisch sind die Musiker zweifellos versiert, doch technische Fähigkeiten garantieren noch lange keine überzeugende Atmosphäre oder einen wirklich packenden Klang. Auch frühere Mitgliedschaften in bekannteren und stärkeren Bands bedeuten nicht automatisch, dass das aktuelle Material auf dem gleichen Niveau liegt. Insgesamt bleibt es bei mittelmäßigem Black Metal – dennoch ein deutlicher Schritt nach vorne im Vergleich zur vorherigen Band.

ARS GOATIA 02Die Vocals gehören nicht zu den stärksten im Genre, und auch der Backing-Gesang wirkt wenig überzeugend, teilweise sogar leicht unsauber. Der Hauptgesang mit seinen Schreien und schrillen Ausbrüchen passt dagegen besser zur Musik. Die Band arbeitet mit primitiver, roher Aggression, streut hier und da auch melodische Passagen ein, sodass zumindest gelegentlich mehr entsteht als nur eine dichte und chaotische Klangwand. Das Publikum wirkt weiterhin nicht völlig überzeugt, doch zumindest bewegt sich der Abend langsam in eine bessere Richtung.

Zwischen cleanen Gesangspassagen und Growls wechseln sich quasi-melodische Momente mit dissonanten Ausbrüchen ab. Letztlich scheint jedoch das visuelle Konzept wichtiger zu sein als die Musik selbst. Das satanische Bühnenbild wird konsequent inszeniert, doch musikalisch bleibt wenig hängen: einfache Riffs, unkoordinierte Schreie, insgesamt wenig Substanz. Vermutlich erneut eine Füllband. Wer an diesem Abend zu Hause geblieben ist, um Wäsche zu waschen oder Blumen zu gießen, hatte vermutlich ebenso viel Unterhaltung. Die Vorband bleibt bis zu diesem Zeitpunkt weiterhin das interessanteste Set des Abends.

THY LIGHT

Als Nächstes betreten THY LIGHT die Bühne. Das Projekt des brasilianischen Musikers Paolo Bruno existiert seit 2005 und gilt in der Underground-Szene des Depressive Suicidal Black Metal als Kult. Die seltenen Live-Auftritte der Band machen diesen Auftritt umso bemerkenswerter.

THY LIGHT 01

Schon mit den ersten Klängen füllt ein atmosphärischer Soundscape den Raum. Tiefe Melancholie bestimmt die Musik: fragile Gitarren wechseln sich mit wütenden Ausbrüchen ab, dazu gequälte, verzweifelte Vocals und zurückhaltend gesetzte, sorgfältig platzierte Drum-Interventionen. Dichte Nebelschwaden verhüllen die Bühne und unterstreichen die Stimmung. Sobald der Gesang einsetzt, wird die Musik ernst – und tatsächlich zutiefst deprimierend. Je depressiver der Klang, desto dichter scheint auch der Nebel zu werden; fast wirkt es, als sei das inzwischen ein festes Stilmittel des Genres.

THY LIGHT 02Der Klang wirkt authentisch. Die Vocals hallen endlos nach, melodische Linien sind zahlreich vorhanden, insgesamt bleibt das Tempo jedoch langsam und stark atmosphärisch geprägt. Gleichzeitig bringen dynamischere Passagen Bewegung in die Stücke, sodass das Set am Ende durchaus überzeugend wirkt. Die Songs tragen eine enorme emotionale Last, überwältigende Traurigkeit, aber auch starke Gitarrenarbeit. Hypnotische Leadgitarren verbinden sich perfekt mit den verhallten Stimmen, und die infernalischen Schreie werden live mit spürbarer Intensität vorgetragen. Gute Musik – daran gibt es keinen Zweifel.

Während bei den beiden vorherigen Bands der Saal oft leer wirkte, füllt sich die Venue nun spürbar. Dennoch bleibt diese Art von Musik schwer zugänglich für direkte Publikumsinteraktion. Am Ende wirkt das Publikum jedoch deutlich gefesselt, und vermutlich hat die Band an diesem Abend einige neue Fans gewonnen – völlig verdient.

DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT

Alle Hoffnungen auf einen triumphalen Abschluss liegen nun beim Headliner, und es gab kaum Zweifel daran, dass sie liefern würden. DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT gelten seit Jahren als Kultband des deutschen Underground-Black-Metal. Seit 1997 verfolgen sie konsequent ihren eigenen okkulten, satanisch-ritualistischen Weg – eine Band, die ihrer Vision treu geblieben ist. Zudem gehört sie zu den wenigen klassischen Black-Metal-Formationen dieses Spektrums, die von einer Sängerin angeführt werden. Auch ihre seltenen Live-Auftritte machen den Abend zusätzlich besonders.

DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT 02

Kurz vor Beginn ihres Sets werden alle Bodenmonitore vor der Bühne mit Plastiksäcken abgedeckt – ein klares Zeichen dafür, dass ein ritualistischer Auftritt bevorsteht. Die Band ist dafür bekannt, bei ihren Shows echtes Schweineblut zu verwenden; eine Vorsichtsmaßnahme der Venue also, um Schäden zu vermeiden. Zwischen den Sets läuft nun auch keine Metal-Musik mehr, stattdessen ritualartige Gesänge, die fast wie Gebete von Mönchen wirken. Die Atmosphäre verändert sich spürbar, das Publikum bereitet sich auf das kommende Ritual vor.

DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT 03Mit leichter Verspätung beginnt schließlich das Set, wodurch die Spannung im Saal weiter ansteigt. Noch immer ist einiges an Platz in der Halle – vermutlich haben viele Metal-Fans ähnliche Überlegungen angestellt wie zu Beginn dieser Rezension beschrieben und sich entschieden, den Abend zu Hause zu verbringen.

Doch DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT liefern. Die Setlist ist klug gewählt, viele ihrer stärksten und wirkungsvollsten Songs finden ihren Platz. Rhythmus, Instrumentierung und Klang sind überzeugend und präzise. Selbst ohne den rituellen Aspekt würde ihre Musik stark genug wirken. Doch als Onielar zu Beginn des Sets ganz in Weiß gekleidet auf die Bühne tritt und im Verlauf des Auftritts zunehmend mit Blut bedeckt ist, entsteht ein Bild, das sich sofort einprägt. Auch der Bassist und der zweite Gitarrist enden schließlich vollständig mit Blut überzogen – auf Körper, Gesicht und Haaren.

Onielar beeindruckt ebenso mit ihrem Gesang: ein variantenreicher Vortrag, der von Schreien über schrille Ausbrüche bis hin zu fast klagenden, hohen Akzenten und kurzen Heulern reicht. Dazu spielt sie technisch beeindruckende Gitarren, was einmal mehr zeigt, warum sie das Herz und die Seele dieser Band ist. Eine düstere Atmosphäre bestimmt das gesamte Set, und das Publikum wirkt vollständig von Musik und Inszenierung absorbiert. Live ist diese Band wirklich beeindruckend: reiner, roher Black Metal, hermetisch in seiner Wirkung, zugleich aber äußerst präzise gespielt. Die Schreie klingen noch lange nach, selbst nachdem das Konzert längst vorbei ist.

DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT 04

Ein erfolgreicher Abend? Nun, am Ende erweist sich das Konzert tatsächlich als lohnend. Die erste Band des Abends hinterließ einen starken Eindruck, die Füllbands blieben genau das, während THY LIGHT das Publikum in eine melancholische Klangwelt zog und DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT einmal mehr bestätigten, warum sie bei echten Black-Metal-Fans so geschätzt werden. Ein gutes Konzert mit einigen wirklich erinnerungswürdigen Momenten.

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