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DEEP PURPLE – Splat

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DEEP PURPLE - Splat - album artwork
DEEP PURPLE - Splat - album artwork

Band: DEEP PURPLE 🇬🇧
Titel: Splat!
Label: earMUSIC
VÖ: 03/07/26
Genre: Hard Rock, Progressive Rock, Bluesrock

Tracklist

01. Arrogant Boy
02. Diablo
03. The Rider
04. The Lunatic
05. The Only Horse In Town
06. Sacred Land
07. The Beating Of Wings
08. Guilt Trippin‘
09. Scriblin‘ Gib’rish
10. Jessica’s Bra
11. Third Call
12. My New Movie
13. Splat!

 

Besetzung

Ian Gillan – Vocals
Roger Glover – Bass
Don Airey – Hammond organ, keyboard
Simon McBride – Guitar
Ian Paice – Drums

 

Bewertung:

5/5

Eine Legende bleibt in Bewegung

Wenn über die größten Namen der Rockgeschichte gesprochen wird, fällt unweigerlich der Name DEEP PURPLE. Seit mehr als fünf Jahrzehnten zählt die britische Institution zu den prägenden Kräften des Hard Rock und hat mit Klassikern wie »Machine Head«, »In Rock« oder »Perfect Strangers« Musikgeschichte geschrieben. Dabei hat sich die Band nie darauf beschränkt, ihre Vergangenheit zu verwalten. Mit Ian Gillan am Mikrofon, Roger Glover am Bass, Don Airey an Hammond-Orgel und Keyboards, Ian Paice am Schlagzeug sowie Gitarrist Simon McBride präsentieren sich DEEP PURPLE auch heute als kreative Einheit, die den eigenen Sound kontinuierlich weiterentwickelt. Produziert und gemischt wurde das neue Studioalbum »SPLAT!« erneut von Bob Ezrin, der bereits bei den letzten Veröffentlichungen seine Handschrift hinterlassen hat.

Zwischen Tradition und frischer Energie

Schon nach den ersten Takten wird deutlich, dass »SPLAT!« nicht als nostalgischer Rückblick gedacht ist. Stattdessen klingt das Album erstaunlich frisch, ohne die klassischen Wurzeln der Band aus den Augen zu verlieren. Hard Rock bildet weiterhin das Fundament, doch Progressive Rock und Bluesrock sorgen für zusätzliche Farben und Dynamik. Die Songs wirken organisch, lebendig und voller Spielfreude.

Bob Ezrin versteht es erneut, den charakteristischen Bandsound modern und gleichzeitig zeitlos einzufangen. Die Produktion besitzt Druck, Transparenz und ausreichend Raum für jedes Instrument. Besonders die legendäre Hammond-Orgel von Don Airey erhält genügend Platz, um ihre markanten Akzente zu setzen, während Simon McBrides Gitarre kraftvoll und dennoch geschmackvoll in Erscheinung tritt.

Ein abwechslungsreicher Songzyklus

Der Opener »Arrogant Boy« legt mit einem markanten Riff sofort los und zeigt, dass DEEP PURPLE noch immer eingängige Hard-Rock-Hymnen schreiben können. Ian Gillan klingt erstaunlich vital und interpretiert den Song mit jener unverwechselbaren Mischung aus rauer Energie und Charisma.

Mit »Diablo« wird das Tempo erhöht. Das Stück verbindet bluesige Gitarrenarbeit mit treibenden Rhythmen und einem starken Refrain. Hier zeigt Simon McBride eindrucksvoll, weshalb er mittlerweile als vollwertiger Bestandteil der Band angesehen wird. Seine Soli wirken nie aufgesetzt, sondern dienen stets dem Song.

»The Rider« schlägt etwas ruhigere Töne an und lebt von atmosphärischen Keyboardflächen. Don Airey setzt hier zahlreiche kleine musikalische Details ein, die den Titel abwechslungsreich gestalten. Anschließend überrascht »The Lunatic« mit progressiven Strukturen und mehreren Tempowechseln. Die Band beweist dabei eindrucksvoll, wie selbstverständlich komplexe Arrangements auch nach Jahrzehnten noch umgesetzt werden.

Viel Gefühl und musikalische Klasse

Mit »The Only Horse In Town« folgt ein bluesiger Titel voller entspannter Grooves. Roger Glover und Ian Paice bilden dabei ein rhythmisches Fundament, das ebenso präzise wie locker wirkt. Besonders der warme Basssound verleiht dem Song zusätzliche Tiefe.

»Sacred Land« entwickelt sich anschließend zu einem der emotionalen Höhepunkte des Albums. Gillans Gesang steht klar im Mittelpunkt und wird von eindrucksvollen Keyboardpassagen begleitet. Die musikalische Spannung wächst kontinuierlich, ehe sich das Stück in einem kraftvollen Finale entlädt.

Auch »The Beating Of Wings« überzeugt mit einer dichten Atmosphäre. Die Verbindung aus melodischen Gitarrenlinien und dynamischer Rhythmusarbeit erinnert stellenweise an die großen Momente der Bandgeschichte, wirkt jedoch niemals wie eine bloße Kopie früherer Werke.

Humor, Spielfreude und starke Ideen

Mit »Guilt Trippin’« zeigt sich die Band von ihrer lockeren Seite. Der Song besitzt einen beinahe spielerischen Charakter und entwickelt sich schnell zu einem Ohrwurm. Direkt danach sorgt »Scriblin‘ Gib’rish« für weitere Überraschungen. Ungewöhnliche Arrangements, raffinierte Breaks und zahlreiche instrumentale Feinheiten laden dazu ein, den Titel mehrfach zu hören.

Der augenzwinkernde Titel »Jessica’s Bra« macht bereits neugierig und hält dieses Versprechen auch musikalisch ein. Bluesige Gitarren, groovende Hammond-Orgel und ein entspanntes Songwriting ergeben einen der unterhaltsamsten Momente des Albums.

Mit »Third Call« steigt die Spannung erneut an. Das Stück wirkt deutlich progressiver und bietet zahlreiche instrumentale Höhepunkte. Besonders das Zusammenspiel zwischen McBride und Airey entwickelt hier eine beeindruckende Dynamik.

Ein würdiger Abschluss

»My New Movie« verbindet eingängige Melodien mit einer angenehmen Portion Melancholie. Ian Gillan transportiert den Text mit viel Gefühl und zeigt einmal mehr, weshalb seine Stimme trotz ihres unverwechselbaren Alters nichts von ihrer Ausdruckskraft verloren hat.

Der Titeltrack »SPLAT!« bildet schließlich den krönenden Abschluss. Hier vereinen DEEP PURPLE sämtliche Stärken des Albums in einem einzigen Stück. Harte Gitarren treffen auf markante Hammond-Klänge, kraftvolle Rhythmen und eine eingängige Melodieführung. Das Finale wirkt groß, selbstbewusst und hinterlässt den Eindruck, dass diese Band auch 2026 noch lange nicht am Ende ihrer kreativen Reise angekommen ist.

»SPLAT!« ist weit mehr als das nächste Album einer legendären Rockband. DEEP PURPLE gelingt der Spagat zwischen klassischem Hard Rock, progressiven Ideen und bluesiger Gelassenheit auf beeindruckende Weise. Die Musiker wirken hungrig, eingespielt und voller Kreativität. Bob Ezrin liefert eine ausgezeichnete Produktion, welche die Qualitäten der Band optimal zur Geltung bringt.

Vor allem die enorme Abwechslung innerhalb der dreizehn Songs sorgt dafür, dass das Album auch nach mehreren Durchläufen spannend bleibt. Simon McBride hat sich endgültig als würdiger Gitarrist etabliert, während Ian Gillan, Roger Glover, Don Airey und Ian Paice eindrucksvoll unter Beweis stellen, warum DEEP PURPLE bis heute zu den wichtigsten Vertretern der Rockmusik gehören.

Mit »SPLAT!« zeigt die Band eindrucksvoll, dass musikalische Relevanz keine Frage des Alters ist. Dieses Album verbindet Erfahrung, Leidenschaft und Kreativität zu einem Werk, das sowohl langjährige Fans als auch neue Hörer begeistern dürfte.

Fazit: Mit »SPLAT!« beweisen DEEP PURPLE, dass sie auch nach über fünf Jahrzehnten im Musikgeschäft nichts von ihrer Kreativität und Energie eingebüßt haben.

Internet

DEEP PURPLE - Splat! - CD Review

Outshine – Truthsayer

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Outshine - Truthsayer - cover Artwork
Outshine - Truthsayer - cover Artwork

Band: Outshine 🇸🇪
Titel: Truthsayer
Label: Eclipse Records
VÖ: 26.06.2026
Format: Vinyl / Digital
Genre: Dark Alternative Metal / Gothic Metal / Dark Rock

Tracklist

01. Enough – 04:01
02. Emptiness Inside – 04:54
03. Our Minds – 03:26
04. You Are Not Alone – 04:00
05. I Am Darkness – 04:25
06. The Darkest Place – 03:37
07. Screaming Silence – 05:51
08. World Ending Fascists, Pt. 1 – 02:01
09. World Ending Fascists, Pt. 2 – 05:09

Besetzung

Jimmy Boman – Gesang, Gitarre, Synthesizer, Piano
Pär Arvidsson – Gitarre, Begleitgesang
Niklas Ingvarsson – Bass
Robert Petersson – Schlagzeug

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Dunkler Alternative Metal mit gepflegtem Gothic-Einschlag gefällig? Dann legen euch die Schweden von Outshine mit »Truthsayer« den passenden Soundtrack für gesellschaftlichen Kontrollverlust, innere Leere und den Widerstand gegen Manipulation vor. Das am 26. Juni 2026 über Eclipse Records erschienene Album verbindet schwere Gitarren, melancholische Melodien, düstere Synthesizer und den tiefen, zurückhaltenden Gesang von Jimmy Boman. Musikalisch bewegt sich die Band zwischen Paradise Lost, Type O Negative, Nine Inch Nails und dem dunkleren Alternative Metal der späten Neunziger- und frühen Zweitausenderjahre. Dabei klingt »Truthsayer« weder nach einer bloßen Rückschau noch nach künstlich auf modern getrimmtem Gothic Metal. Die neun Stücke besitzen eine klare gemeinsame Stimmung, ausreichend melodische Substanz und einen angenehm schweren Grundklang.

YouTube Art Playlist: Truthsayer

GENUG IST GENUG

»Enough« steigt ohne langes Vorgeplänkel mit schweren Gitarren, zurückhaltenden Keyboards und einem kontrollierten Groove ein. Der Song richtet sich gegen gesellschaftliche Spaltung und jene Mechanismen, die Menschen durch Angst und vorgefertigte Meinungen gegeneinander aufbringen. Outshine tragen diese Botschaft nicht mit hektischer Aggression vor. Stattdessen arbeitet die Band mit einer bedrohlich ruhigen Grundhaltung, die den Text deutlich wirkungsvoller erscheinen lässt.

Jimmy Boman singt tief und melodisch, ohne sich dauerhaft in den Vordergrund zu drängen. Seine Stimme erinnert stellenweise an Nick Holmes und Peter Steele, besitzt aber genügend eigene Färbung. Der Refrain bleibt unmittelbar hängen, während die Gitarren zwischen schweren Akkorden und melodischen Linien wechseln. Das sitzt, passt und hat Luft.

»Emptiness Inside« führt die melancholische Ausrichtung konsequent weiter. Ruhigere Strophen treffen auf einen größeren, emotional geöffneten Refrain. Die Synthesizer sorgen für eine kalte Atmosphäre, ohne die Gitarren zu verdrängen. Boman phrasiert zurückhaltend und lässt einzelne Worte länger stehen, wodurch das Gefühl innerer Isolation nachvollziehbar wird.

Besonders stark ist das Zusammenspiel zwischen Gesang und Instrumentierung. Die Band versucht nicht, jede freie Stelle mit zusätzlichen Spuren auszufüllen. Dadurch erhält der Song Tiefe und kann seine Wirkung langsam entfalten. »Emptiness Inside« gehört zu den besten Stücken des Albums und zeigt, wie sicher Outshine mit melancholischen Melodien umgehen.

GEDANKEN UNTER KONTROLLE

»Our Minds« fällt etwas kompakter und unmittelbarer aus. Gitarren und Keyboards greifen stärker ineinander, während die Rhythmussektion einen gleichmäßigen, aber keineswegs leblosen Groove vorgibt. Der Refrain besitzt einen deutlich melodischeren Charakter und sorgt für einen wichtigen Kontrast zur Schwere der ersten beiden Stücke.

Pär Arvidsson beweist Fingerfertigkeit beim Spiel der Gitarre, ohne den Song mit unnötigen Solopassagen zu überladen. Seine melodischen Einsätze ergänzen Bomans dunklere Rhythmusarbeit und geben dem Titel eine klar erkennbare Führung. Die Musiker bilden dabei eine geschlossene Einheit, in der keine einzelne Spur künstlich hervorgehoben wird.

»You Are Not Alone« setzt auf eine offenere, beinahe hymnische Stimmung. Inhaltlich vermittelt der Song Zusammenhalt und die Aufforderung, sich nicht durch politische oder gesellschaftliche Kräfte isolieren zu lassen. Der Refrain ist bewusst groß angelegt und dürfte vor allem live gut funktionieren.

Im Vergleich zu den ersten drei Stücken wirkt der Aufbau allerdings etwas vorhersehbarer. Strophe, Spannungssteigerung und Refrain folgen einem vertrauten Muster, das handwerklich sauber umgesetzt wird, aber weniger Überraschungen bietet. Dennoch verhindert Bomans glaubwürdiger Vortrag, dass der Song in bloßen Pathos abrutscht.

DUNKELHEIT MIT MELODIE

»I Am Darkness« zieht die Schwere wieder deutlich an. Das Gitarrenriff ist kompakter, der Bass tritt kräftiger hervor und Robert Petersson setzt härtere Akzente am Schlagzeug. Boman singt tiefer und bedrohlicher, während die Keyboards nur punktuell eingesetzt werden. Gerade diese Zurückhaltung verleiht dem Stück zusätzlichen Druck.

Auf einem bombenfesten Fundament aus Bass und Schlagzeug entfalten die Gitarren ihre volle Wirkung. Die Komposition bleibt im Midtempo, wirkt aber keineswegs unbeweglich. Kleine Veränderungen in der Rhythmik und die melodische Führung des Refrains halten den Song jederzeit in Bewegung.

»The Darkest Place« ist stärker am Alternative Rock ausgerichtet. Der Song besitzt einen guten Grundgroove und einen eingängigen Refrain, erreicht aber nicht ganz die Intensität von »Enough« oder »I Am Darkness«. Einige Übergänge wirken zu vertraut und die melodische Entwicklung bleibt näher an den bereits etablierten Mustern.

Das ist keineswegs schlecht gespielt. Vielmehr zeigt sich hier die kleinere Schwäche des Albums: Outshine beherrschen ihre Klangsprache so sicher, dass einzelne Stücke manchmal etwas zu bequem in ihr verbleiben. Ein überraschender Tempowechsel oder eine stärker abweichende Gitarrenfigur hätte »The Darkest Place« zusätzliche Eigenständigkeit verliehen.

SCHREIENDE STILLE

Mit »Screaming Silence« erreicht das Album einen weiteren Höhepunkt. Das beinahe sechsminütige Stück beginnt mit tiefem Gesang und schweren, doomigen Akkorden. Die Gitarren lassen ausreichend Raum zwischen den Anschlägen, während Synthesizer und Piano die düstere Grundstimmung verstärken.

Der Song entwickelt sich langsam, bleibt dabei aber jederzeit spannend. Boman steigert seine Stimme kontrolliert und verzichtet auf übermäßige Theatralik. Die Gitarrenarbeit erinnert an den Gothic Metal und Dark Rock der späten Neunzigerjahre, ohne sich vollständig auf Nostalgie zu verlassen.

Besonders die zweite Hälfte überzeugt. Schlagzeug und Bass erhöhen den Druck, während die Gitarren eine breitere melodische Linie entwickeln. Hier greifen sämtliche Bestandteile des Outshine-Sounds ineinander: Schwere, Melancholie, Eingängigkeit und eine unterschwellige Bedrohlichkeit. »Screaming Silence« zeigt eindrucksvoll, weshalb die Band auch nach mehreren Jahrzehnten noch relevant klingt.

DAS ENDE DER WELT IN ZWEI KAPITELN

Das Finale besteht aus den beiden Teilen von »World Ending Fascists«. Der kurze erste Abschnitt setzt auf psychedelische Keyboards, entfernte Stimmen und eine bewusst unruhige Atmosphäre. Das Stück funktioniert weniger als eigenständiger Song, sondern als Vorbereitung auf den wesentlich umfangreicheren zweiten Teil.

»World Ending Fascists, Pt. 2« greift die zuvor eingeführten Elemente auf und entwickelt daraus einen der vielseitigsten Titel des Albums. Die Keyboards erinnern stellenweise an die dunklere Seite von Pink Floyd, während Gitarren und Rhythmussektion den Song langsam verdichten. Gruppenartige Begleitstimmen verstärken den politischen Charakter, ohne den Titel in eine platte Parole zu verwandeln.

Inhaltlich richtet sich das Stück gegen Totalitarismus, manipulierte Medienbilder und gesellschaftliche Kontrolle. Outshine formulieren ihre Haltung deutlich, ohne musikalisch in hektische Wut zu verfallen. Gerade die ruhige, beinahe resignierte Darbietung verstärkt die Wirkung.

Das abschließende Gitarrensolo führt die Platte zu einem überzeugenden Ende. Arvidsson setzt auf Gefühl und melodische Entwicklung statt auf technische Selbstdarstellung. Der Song endet nicht mit einem plötzlichen Knall, sondern lässt die aufgebaute Spannung kontrolliert auslaufen.

MUSIKERLEISTUNG UND PRODUKTION

Jimmy Boman prägt »Truthsayer« mit seinem tiefen Gesang, den Rhythmusgitarren und den elektronischen Klangflächen. Seine Stimme ist nicht auf maximale Lautstärke ausgelegt. Sie lebt von sauberer Phrasierung, zurückhaltender Dramatik und einem melancholischen Grundton. Besonders bei »Emptiness Inside« und »Screaming Silence« zeigt er eine überzeugende Bandbreite.

Pär Arvidsson ergänzt die schweren Rhythmusgitarren mit melodischen Leads und kurzen Solopassagen. Er versteht es, seine Einsätze gezielt zu platzieren und nicht jede freie Stelle auszufüllen. Dadurch behalten die Songs ihre räumliche Wirkung.

Niklas Ingvarsson und Robert Petersson bilden eine verlässliche Rhytmussektion. Der Bass bleibt im Mix hörbar und verleiht den langsameren Stücken die notwendige Tiefe. Petersson arbeitet kontrolliert und verzichtet auf unnötige technische Spielereien. Sein Schlagzeug hält die Musik zusammen, setzt aber besonders bei »I Am Darkness« und »Screaming Silence« wirkungsvolle Akzente.

Produziert und aufgenommen wurde das Album von Kenny Boufadene und Jimmy Boman im Studio Meltdown. Die Produktion klingt modern, bewahrt aber den warmen und schweren Charakter der Gitarren. Keyboards und Piano liegen häufig hinter der eigentlichen Band und erweitern das Klangbild, ohne die Songs zu überladen.

Der Gesang steht deutlich im Mittelpunkt, während Bass und Schlagzeug ausreichend Raum erhalten. Lediglich einzelne Gitarrenpassagen könnten etwas schärfer voneinander getrennt sein. Grundsätzlich passt der dichte, dunkle Mix jedoch hervorragend zur musikalischen Ausrichtung.

STÄRKEN UND KLEINERE LEERSTELLEN

»Truthsayer« überzeugt vor allem dann, wenn Outshine ihre melancholische Schwere mit klaren melodischen Ideen verbinden. »Enough«, »Emptiness Inside«, »I Am Darkness«, »Screaming Silence« und der zweite Teil von »World Ending Fascists« besitzen eine starke Atmosphäre und ausreichend Wiedererkennungswert.

Nicht jeder Titel erreicht dieses Niveau. »You Are Not Alone« und »The Darkest Place« sind gut geschrieben, verlassen sich aber stärker auf bekannte Abläufe. Auch das überwiegend ähnliche Tempo begrenzt stellenweise die Dynamik des Albums. Ein oder zwei schnellere beziehungsweise deutlich reduzierte Stücke hätten dem Gesamtwerk zusätzliche Spannung gegeben.

Trotzdem bleibt »Truthsayer« über seine rund 37 Minuten geschlossen und unterhaltsam. Die Band besitzt eine klare Identität und muss sich nicht hinter ihren offensichtlichen Einflüssen verstecken. Outshine übernehmen die melancholische Schwere von Paradise Lost, den tiefen Gesang des Gothic Rock und die kalten Flächen des Industrial Rock, führen diese Elemente aber in einer nachvollziehbaren eigenen Form zusammen.

FAZIT:

»Truthsayer« ist ein starkes Dark-Alternative-Metal-Album, das schwere Gitarren, melancholische Melodien und gesellschaftskritische Texte wirkungsvoll verbindet. Outshine spielen geschlossen, kontrolliert und mit einem sicheren Gefühl für Atmosphäre. Besonders Jimmy Bomans Gesang, die melodische Gitarrenarbeit und die zurückhaltend eingesetzten Keyboards verleihen der Platte Charakter. Nicht jeder Song erreicht die Intensität der Höhepunkte und einige Strukturen wirken etwas vertraut. Dennoch überwiegen die starken Momente deutlich. »Enough«, »Emptiness Inside«, »Screaming Silence« und »World Ending Fascists, Pt. 2« machen »Truthsayer« zu einer klaren Empfehlung für Anhänger von Paradise Lost, Type O Negative und düsterem Alternative Metal. Vier von fünf Punkten sind dafür absolut verdient.

Musikvideo: Emptiness Inside

Internet

Outshine - Truthsayer - Vinyl Review

Orga Mecha – Humanity.exe

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Orga Mecha - Humanity.exe - cover Artwork
Orga Mecha - Humanity.exe - cover Artwork

Band: Orga Mecha 🇺🇸
Titel: Humanity.exe
Label: Independent
VÖ: 26.06.2026
Format: CD / Digital
Genre: Traditional Heavy Metal / Electronic Metal

Tracklist

01. Rise – 00:52
02. Into the Fray – 04:40
03. Idols and Gods – 04:45
04. May We Never Die – 05:47
05. Steel Mandible Swarm – 05:12
06. Swords Held High – 04:25
07. The Pestilent Age – 05:16
08. Lathe of Heaven – 05:36
09. Let This Be Your Final Battlefield – 03:54
10. Cries of Redemption feat. Mike Scalzi – 03:41

Besetzung

Melissa Pinion – Gesang, Synthesizer
Raoul Rañoa – Gitarre
Rob D – Bass, Begleitgesang
Richie „Captain Black“ Brooks – Schlagzeug, Begleitgesang

Gastmusiker:
Mike Scalzi – Gastgesang bei »Cries of Redemption«
Chris Reifert – Gaststimme, Voice Acting

Weitere Mitwirkende:
John Haddad – Schlagzeugaufnahmen
Raoul Rañoa – Gitarren- und Bassaufnahmen, Mixing
Melissa Pinion – Gesangsaufnahmen
Tucker Thomasson – Mixing
Corwin Deckard – Mixing
Brendin Ross – Mixing
Charles Elliott – Mastering
Pavel Kurbanov – Coverartwork
LaDean Rañoa – Bandfotografie

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Traditioneller Heavy Metal trifft auf Keytar, Synthesizer und dystopische Science-Fiction: Mit »Humanity.exe« legt die aus Südkalifornien stammende Band Orga Mecha ihr Debütalbum vor. Das Quartett verbindet klassische Einflüsse von Judas Priest, Iron Maiden und Dio mit elektronischen Klangflächen, programmiert wirkenden Effekten und einer futuristischen Bildsprache. Der Name der Band bezieht sich auf Steven Spielbergs Science-Fiction-Film »A.I. – Artificial Intelligence«, in dem organische Menschen als „Orga“ und künstliche Lebensformen als „Mecha“ bezeichnet werden. Dieser Gegensatz bestimmt auch die zehn Stücke des Albums, die sich mit künstlicher Intelligenz, gesellschaftlichem Zerfall, technischer Abhängigkeit, Überlebenswillen und dem Konflikt zwischen Schöpfer und Schöpfung beschäftigen. Veröffentlicht wurde »Humanity.exe« am 26. Juni 2026 in Eigenregie.

YouTube Art Playlist: Humanity.exe

ZWISCHEN STAHL UND SCHALTKREISEN

Das 52 Sekunden lange »Rise« eröffnet das Album als elektronisch geprägtes Intro. Synthesizer, digitale Effekte und eine sich langsam verdichtende Atmosphäre bereiten den Übergang zum eigentlichen Auftakt »Into the Fray« vor. Der Song stellt bereits die grundlegende Arbeitsweise der Band vor: Die Gitarren orientieren sich am traditionellen Heavy Metal der Achtzigerjahre, während elektronische Elemente das Arrangement erweitern und dem Material eine moderne Science-Fiction-Ästhetik verleihen.

»Into the Fray« wird von einem galoppierenden Rhythmus, melodischen Gitarrenlinien und einem kraftvollen Refrain getragen. Raoul Rañoa setzt auf klar konturierte Riffs und melodische Leads, ohne den Song mit technischen Demonstrationen zu überladen. Melissa Pinion singt kontrolliert und druckvoll. Ihre Stimme besitzt ausreichend Kraft für die höheren Passagen, bleibt aber auch in den ruhigeren Abschnitten ausdrucksstark.

Die Synthesizer stehen nicht dauerhaft im Vordergrund. Sie ergänzen Übergänge, verstärken einzelne Melodien und schaffen zusätzliche Atmosphäre. Dadurch bleibt der klassische Heavy-Metal-Kern jederzeit erkennbar. Der Song hätte allerdings von einer etwas engeren Verzahnung zwischen Gitarren und Elektronik profitiert. Die beiden Bereiche existieren häufig nebeneinander, statt sich vollständig zu einer neuen musikalischen Sprache zu verbinden.

»Idols and Gods« führt diese Ausrichtung konsequent weiter. Das Stück besitzt eine stärkere melodische Komponente und einen unmittelbar zugänglichen Refrain. Inhaltlich richtet sich der Blick auf jene gesellschaftlichen und technischen Systeme, denen Menschen Macht übertragen. Die Band verarbeitet dieses Thema nicht mit abstrakter Progressivität, sondern innerhalb einer traditionellen Heavy-Metal-Struktur aus Strophe, Spannungsaufbau, Refrain und Gitarrensolo.

Gerade diese Verbindung macht den Song eingängig. Die Gitarrenarbeit ist präzise, der Bass hält die Komposition stabil und Richie „Captain Black“ Brooks setzt ausreichend Akzente, ohne die Gesangslinien zu verdrängen. Wer bei dem futuristischen Konzept experimentelle Songformen erwartet, dürfte allerdings überrascht sein: Orga Mecha modernisieren den klassischen Heavy Metal hauptsächlich über Klangfarben und Produktion, nicht durch eine vollständige Auflösung seiner bewährten Strukturen.

MENSCHLICHKEIT IM SYSTEMAUSFALL

»May We Never Die« gehört zu den emotionalsten Stücken der Platte. Das Tempo wird etwas zurückgenommen, während die Gesangsmelodie stärker in den Mittelpunkt rückt. Pinion überzeugt mit einer dynamischen Leistung, die zwischen zurückhaltenden Strophen und einem deutlich geöffneten Refrain wechselt. Rob D unterstützt die Gitarren mit einer gut hörbaren Bassspur und verleiht dem Song zusätzliche Tiefe.

Der Titel kann sowohl als menschlicher Überlebenswille als auch als Kommentar zur digitalen Unsterblichkeit verstanden werden. Orga Mecha vermeiden dabei eine eindeutige Antwort. Die Musik wirkt hoffnungsvoll, während elektronische Störungen und dunklere Klangflächen darauf hinweisen, dass technischer Fortschritt nicht automatisch Erlösung bedeutet.

Mit »Steel Mandible Swarm« wird das Album aggressiver. Das Schlagzeug arbeitet mit einem härteren Vorwärtsdrang, die Gitarren werden kompakter und die elektronischen Effekte erhalten größere Bedeutung. Glitchartige Eingriffe und synthetische Flächen verstärken den mechanischen Charakter des Stücks. Die grundlegende Komposition bleibt dennoch fest im traditionellen Heavy Metal verankert.

Gerade hier zeigt sich sowohl die Stärke als auch die Grenze des Konzepts. Die elektronische Gestaltung erzeugt eine passende Atmosphäre und hebt den Song von gewöhnlichem Retro-Metal ab. Rhythmisch und harmonisch verändert sie das Grundgerüst jedoch nur begrenzt. Die Maschinenwelt wird überzeugend dargestellt, greift aber noch nicht vollständig in die kompositorische Funktionsweise der Musik ein.

»Swords Held High« setzt anschließend bewusst einen traditionelleren Gegenpunkt. Titel, Rhythmik und Refrain orientieren sich deutlich am klassischen Heavy Metal. Rañoa liefert einige seiner stärksten Leadgitarren des Albums und verbindet melodische Läufe mit sauber gesetzten Solopassagen. Trotz des vertrauten Aufbaus wirkt das Stück nicht wie eine bloße Kopie alter Vorbilder.

Die Band versteht es, ihre Einflüsse in prägnante Songs zu übersetzen. Der Refrain besitzt die notwendige Größe, ohne übermäßig pathetisch zu werden. Pinion verzichtet auf dauerhaftes Hochdrucksingen und passt ihre Stimme den einzelnen Abschnitten an. Dadurch bleibt der Song trotz seiner hymnischen Ausrichtung kontrolliert.

DAS PESTILENTE ZEITALTER

»The Pestilent Age« zählt zu den stärksten Kompositionen des Albums. Gitarren, Synthesizer und Rhythmussektion wirken hier besonders geschlossen. Die elektronische Ebene ist nicht lediglich im Hintergrund vorhanden, sondern beeinflusst stärker die Atmosphäre und den Spannungsverlauf. Der Song wechselt zwischen schweren Riffs, melodischen Passagen und einem groß angelegten Refrain.

Die dystopische Grundstimmung bleibt jederzeit spürbar. Gleichzeitig verliert sich das Stück nicht in Effekten. Brooks hält die verschiedenen Abschnitte mit einem präzisen Schlagzeugspiel zusammen, während Rob D den tieferen Frequenzbereich klar ausfüllt. Rañoas Gitarrenarbeit bewegt sich zwischen kräftiger Rhythmusarbeit und melodischen Leads, die das Hauptmotiv weiterentwickeln.

Im Vergleich zu den vorherigen Songs besitzt »The Pestilent Age« mehr kompositorische Tiefe. Wiederkehrende Motive werden nicht nur wiederholt, sondern in veränderten Zusammenhängen eingesetzt. Dadurch rechtfertigt das Stück seine Spielzeit von mehr als fünf Minuten. Hier kommt die Band ihrem Anspruch, traditionellen Heavy Metal in einen futuristischen Zusammenhang zu übertragen, besonders nahe.

»Lathe of Heaven« nimmt anschließend erneut Geschwindigkeit und Härte zurück. Der Titel erinnert an Ursula K. Le Guins gleichnamigen Science-Fiction-Roman, dessen zentrale Fragen nach Realität, Verantwortung und den Folgen vermeintlich gut gemeinter Veränderungen zum thematischen Umfeld des Albums passen. Musikalisch arbeitet der Song mit ruhigeren Passagen, breiteren Synthesizerflächen und einer stärker nachdenklichen Gesangsmelodie.

Die Reduzierung sorgt für einen wichtigen Kontrast. Pinions Stimme erhält mehr Raum, während die Gitarren nicht dauerhaft die Führung übernehmen. Elektronische Elemente schaffen eine dichte Atmosphäre und funktionieren in diesem langsameren Umfeld besonders gut. Der Song benötigt etwas Zeit, entwickelt sich aber zu einem der nachhaltigeren Titel der Platte.

DAS LETZTE SCHLACHTFELD

»Let This Be Your Final Battlefield« erhöht das Tempo wieder deutlich. Brooks liefert eine seiner energischsten Schlagzeugleistungen, während Rañoa mit schnellen Riffs und schärfer akzentuierten Leads arbeitet. Der Song ist kürzer und direkter als die beiden vorherigen Kompositionen und setzt auf einen klaren Spannungsaufbau.

Die Verbindung aus traditionellem Metal und futuristischen Effekten funktioniert hier vor allem aufgrund des hohen Tempos. Die Elektronik unterstützt die Übergänge, ohne die Gitarren zu verdecken. Der Refrain ist eingängig, hätte allerdings noch etwas stärker vom übrigen Material abgegrenzt werden können. Orga Mecha greifen erneut auf einen vertrauten Aufbau zurück, setzen diesen jedoch handwerklich überzeugend um.

Das Finale »Cries of Redemption« erhält durch Mike Scalzi von Slough Feg zusätzliche Unterstützung. Seine markante Stimme bildet einen interessanten Gegenpol zu Melissa Pinion. Beide Stimmen werden nicht einfach übereinandergelegt, sondern übernehmen unterschiedliche Funktionen innerhalb des Stücks.

Scalzis traditioneller, leicht eigensinniger Gesang verstärkt den klassischen Metal-Anteil, während Pinion die melodische und futuristische Seite vertritt. Dadurch wird der zentrale Gegensatz des Albums im letzten Song auch stimmlich greifbar. Die Gitarren bleiben melodisch, der Refrain ist kompakt und die elektronischen Elemente werden zurückhaltender eingesetzt.

Als Abschluss funktioniert »Cries of Redemption« sehr gut. Der Song fasst die wichtigsten Merkmale der Platte zusammen, ohne sich unnötig auszudehnen. Das Duett verleiht dem Finale zusätzliche Eigenständigkeit und verhindert, dass das Album lediglich mit einer weiteren Variante des zuvor etablierten Songaufbaus endet.

MUSIKERLEISTUNG UND PRODUKTION

Melissa Pinion, die auch bei Stygian Crown aktiv ist, prägt das Album sowohl mit ihrer Stimme als auch mit ihren Synthesizern. Ihre Gesangsleistung bleibt über die gesamte Spielzeit kontrolliert. Sie beherrscht kraftvolle Höhen, vermeidet aber den Fehler, jeden Song mit maximaler Lautstärke zu bearbeiten. Besonders bei »May We Never Die«, »The Pestilent Age« und »Lathe of Heaven« zeigt sie eine überzeugende dynamische Bandbreite.

Raoul Rañoa orientiert sich klar am melodischen Heavy Metal. Seine Riffs sind präzise und besitzen genügend Eigenständigkeit, um nicht wie austauschbare Genreübungen zu wirken. Die Soli sind technisch sauber, bleiben aber stets Teil des jeweiligen Songs. Besonders »Swords Held High« und »Let This Be Your Final Battlefield« profitieren von seiner melodischen Führung.

Rob D sorgt am Bass für eine stabile Grundlage und bleibt im Mix erfreulich präsent. Seine Arbeit ist nicht auf das bloße Verdoppeln der Gitarren beschränkt. Vor allem in den ruhigeren und mittelschnellen Passagen setzt er eigene Bewegungen, die den Arrangements zusätzliche Tiefe geben.

Richie „Captain Black“ Brooks, der auch bei Ninth Circle spielt, führt die Band mit einem kontrollierten und kraftvollen Schlagzeugspiel durch die verschiedenen Geschwindigkeiten. Seine Leistung ist besonders wirkungsvoll, wenn Orga Mecha das Tempo erhöhen. Die elektronischen Aspekte werden durch sein Spiel ergänzt, ersetzen aber nicht die organische Rhythmusarbeit.

Die Aufnahmen entstanden in mehreren Studios. Das Schlagzeug wurde von John Haddad im Trench Studio aufgenommen, während Rañoa Gitarren und Bass im Rullian Studio einspielte. Pinion nahm den Gesang im Black Door Studio auf. Trotz dieser räumlichen Trennung klingt das Album geschlossen.

Am Mixing waren Raoul Rañoa, Tucker Thomasson, Corwin Deckard und Brendin Ross beteiligt. Das Mastering übernahm Charles Elliott. Die Produktion stellt Gitarren und Gesang deutlich in den Vordergrund, lässt dem Bass aber ausreichend Platz. Synthesizer und elektronische Effekte liegen meist hinter der eigentlichen Metal-Instrumentierung.

Diese Gewichtung bewahrt die Durchsetzungskraft der klassischen Instrumente. Sie führt allerdings dazu, dass der futuristische Anteil gelegentlich wie eine zusätzliche Produktionsschicht wirkt. Eine stärkere rhythmische und harmonische Einbindung der elektronischen Elemente hätte das Konzept noch konsequenter umgesetzt. Andererseits verhindert die klare Ausrichtung, dass die Songs unter zu vielen Effekten verschwinden.

TRADITION MIT ENTWICKLUNGSPOTENZIAL

»Humanity.exe« ist kein radikaler Bruch mit der Vergangenheit. Die Band verwendet klassische Strophe-Refrain-Strukturen, melodische Gitarrensoli und traditionelle Heavy-Metal-Harmonien. Synthesizer, Keytar und digitale Effekte verändern in erster Linie die Klanggestaltung. Nur in einzelnen Stücken greifen sie tiefer in die Komposition ein.

Das ist jedoch nicht grundsätzlich als Schwäche zu verstehen. Orga Mecha schreiben nachvollziehbare Songs, die nicht allein von ihrem Konzept abhängig sind. Selbst ohne die elektronischen Verzierungen würden viele Riffs, Melodien und Refrains funktionieren. Das unterscheidet die Band von Projekten, die eine futuristische Oberfläche verwenden, darunter aber wenig tragfähiges Songwriting bieten.

Verbesserungspotenzial besteht bei der engeren Verschmelzung beider Stilbereiche. Sollte die Band auf zukünftigen Veröffentlichungen elektronische Rhythmen, Synthesizer und Gitarren noch stärker miteinander verzahnen, könnte aus dem bereits überzeugenden Ansatz eine deutlich eigenständigere Sprache entstehen.

FAZIT:

»Humanity.exe« ist ein starkes Debüt, das traditionellen Heavy Metal mit Synthesizern, elektronischen Effekten und einer konsequenten Science-Fiction-Thematik verbindet. Melissa Pinions vielseitiger Gesang, Raoul Rañoas melodische Gitarrenarbeit sowie die verlässliche Rhythmussektion bilden die Grundlage für zehn sorgfältig arrangierte Stücke. Besonders »May We Never Die«, »The Pestilent Age«, »Lathe of Heaven« und das gemeinsam mit Mike Scalzi aufgenommene »Cries of Redemption« überzeugen. Noch greifen klassische Metal-Instrumentierung und elektronische Ebene nicht in jedem Song vollständig ineinander. Häufig erweitern die Synthesizer das Klangbild, ohne die eigentliche Struktur entscheidend zu verändern. Das schmälert den Unterhaltungswert jedoch nur geringfügig. Orga Mecha präsentieren eine klare musikalische Identität, starke Melodien und ein Konzept, das ausreichend Raum für eine spannende Weiterentwicklung lässt.

Musikvideo: Cries of Redemption feat. Mike Scalzi

Internet

Orga Mecha - Humanity.exe - CD Review

AD FINEM OMNIA – Senectus Viae

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AD FINEM OMNIA - Senectus Viae - album artwork
AD FINEM OMNIA - Senectus Viae - album artwork

Band: AD FINEM OMNIA 🇨🇱
Titel: Senectus Viae
Label: Purity Through Fire
VÖ: 06/07/26
Genre: Black Metal

Tracklist

01. Intro
02. The Hermit and the Wind
03. Inner Decay
04. Anguish and Revelation
05. The Leaf That Refused the Light
06. Where Existence Fails
07. Abolish God
08. Senectus Viae

 

Besetzung

Pablo Vera – vocals & all Instruments

 

Bewertung:

3,5/5

Ein-Mann-Projekt zwischen Verzweiflung und Erkenntnis

Hinter AD FINEM OMNIA verbirgt sich das Soloprojekt des chilenischen Musikers Pablo Vera, der auf »Senectus Viae« sämtliche Instrumente sowie den Gesang selbst übernimmt. Lediglich die Schlagzeugaufnahmen entstanden mit Unterstützung von Carlos Fuentes im Sonido Origen Studio, während Ricardo Araya in den Aphelion Studios für Mix und Master verantwortlich zeichnete. Das Ergebnis ist ein Black-Metal-Album, das weniger auf kompromisslose Raserei als vielmehr auf Atmosphäre, Melancholie und philosophische Schwere setzt. Die acht Stücke entfalten sich über gut 47 Minuten und beschäftigen sich mit Vergänglichkeit, innerem Verfall und der Suche nach Sinn in einer zunehmend trostlosen Welt.

Düster, nachdenklich und bewusst entschleunigt

Bereits das kurze Intro bereitet den Boden für die Reise, die anschließend mit »The Hermit and the Wind« ihren eigentlichen Anfang nimmt. Der über sieben Minuten lange Opener macht deutlich, wohin die musikalische Richtung führt. Kalte Gitarrenmelodien treffen auf klassische Black-Metal-Riffs, während immer wieder ruhige Passagen für Kontraste sorgen. Pablo Vera bevorzugt ein eher gemächliches Tempo und verzichtet weitgehend auf permanente Hochgeschwindigkeit. Dadurch gewinnen die Songs an Tiefe und entwickeln eine bedrückende Atmosphäre, die sich konsequent durch das gesamte Album zieht.

Besonders auffällig ist die Fähigkeit, melodische Gitarrenlinien mit harschen Klanglandschaften zu verbinden. Dabei erinnert manches an skandinavischen Black-Metal der zweiten Generation, ohne sich dabei in bloßer Nachahmung zu verlieren. Stattdessen schimmern immer wieder eigene Ideen durch, die dem Album einen eigenständigen Charakter verleihen.

Emotionen stehen über technischer Demonstration

Mit »Inner Decay« folgt einer der kompakteren Titel des Albums. Hier rücken intensive Riffs und ein wirkungsvoll eingesetztes Wechselspiel zwischen aggressiven und ruhigen Momenten in den Mittelpunkt. Der Gesang bleibt dabei klassisch schwarzmetallisch, bewegt sich jedoch nie ausschließlich in einer Tonlage. Immer wieder variieren Intensität und Ausdruck, wodurch die emotionalen Inhalte glaubwürdig transportiert werden.

»Anguish and Revelation« baut diesen Ansatz weiter aus. Die Komposition entwickelt sich langsam, fast meditativ, ehe sich das Stück mehrfach steigert und wieder zurücknimmt. Gerade diese Dynamik verhindert, dass die langen Spielzeiten monoton wirken. Vielmehr entsteht das Gefühl einer musikalischen Erzählung, die sich Stück für Stück entfaltet.

Auch »The Leaf That Refused the Light« überzeugt mit fein ausgearbeiteten Gitarrenharmonien. Hier zeigt sich, dass Pablo Vera großen Wert auf Melodie legt. Trotz aller Dunkelheit bleiben viele Themen im Gedächtnis und verleihen dem Album eine angenehme Wiedererkennbarkeit.

Zwischen Hoffnungslosigkeit und Aufbegehren

Im letzten Drittel gewinnt »Senectus Viae« noch einmal an Intensität. »Where Existence Fails« präsentiert sich schwer und bedrückend, während »Abolish God« mit seinem provokanten Titel auch musikalisch zu den kompromissloseren Momenten gehört. Blastbeats und aggressive Riffs erhalten hier deutlich mehr Raum, ohne jedoch die melodische Grundausrichtung vollständig zu verdrängen.

Der abschließende Titeltrack fasst die unterschiedlichen Facetten des Albums gelungen zusammen. Melancholische Gitarren, dichte Atmosphäre und kraftvolle Ausbrüche wechseln sich ab und sorgen für einen würdigen Abschluss. Gerade hier wird deutlich, dass AD FINEM OMNIA weniger auf einzelne Hits als auf das Gesamterlebnis setzt. Das Album wirkt wie eine zusammenhängende Reise durch verschiedene emotionale Zustände.

Produktion mit viel Atmosphäre

Klanglich präsentiert sich »Senectus Viae« ausgewogen. Der Mix lässt sämtlichen Instrumenten genügend Raum, ohne die gewünschte Rauheit des Genres einzubüßen. Besonders die Gitarren besitzen eine angenehme Tiefe und wirken weder überproduziert noch künstlich geglättet. Die Drums fügen sich organisch ins Gesamtbild ein und liefern eine solide Grundlage für die häufig komplex aufgebauten Arrangements.

Auch das Mastering überzeugt mit ausreichend Dynamik. Gerade die ruhigeren Passagen profitieren davon, da sie den folgenden Ausbrüchen mehr Wirkung verleihen. Die Produktion bewegt sich damit genau auf dem schmalen Grat zwischen moderner Transparenz und traditioneller Black-Metal-Ästhetik.

Stärken mit kleinen Schwächen

So stimmungsvoll das Album insgesamt ausfällt, ganz ohne Kritik bleibt es nicht. Einige Kompositionen ähneln sich im Aufbau, wodurch gegen Ende gelegentlich leichte Längen entstehen. Wer abwechslungsreiche Tempowechsel oder besonders spektakuläre Instrumentalpassagen erwartet, könnte sich etwas mehr Mut zur Variation wünschen. Zudem verlangt die überwiegend melancholische Grundstimmung dem Hörer Aufmerksamkeit ab und eignet sich weniger für den beiläufigen Konsum.

Dennoch überwiegen eindeutig die positiven Eindrücke. Pablo Vera beweist als Songwriter ein gutes Gespür für Atmosphäre und emotionale Spannung. Seine Musik lebt nicht von extremer Geschwindigkeit oder technischer Selbstdarstellung, sondern von sorgfältig aufgebauten Klanglandschaften und einer konsequent durchgezogenen Stimmung.

Mit »Senectus Viae« legt das Soloprojekt AD FINEM OMNIA ein solides und atmosphärisch dichtes Black-Metal-Album vor, das vor allem Liebhaber melodischer und nachdenklicher Ausprägungen des Genres ansprechen dürfte. Die Mischung aus klassischen Black-Metal-Elementen, melancholischen Gitarrenmelodien und einer stimmigen Produktion sorgt für ein rundes Gesamtbild. Zwar hätten etwas mehr Abwechslung und einige mutigere Akzente dem Album zusätzlich gutgetan, doch die starke Atmosphäre und die überzeugenden Kompositionen machen diese kleineren Schwächen weitgehend wett.

Fazit: Insgesamt zeigt »Senectus Viae« die Vielseitigkeit und Tiefe, die im Black-Metal möglich ist, wenn musikalische Aggression mit philosophischer Reflexion verbunden wird.

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AD FINEM OMNIA - Senectus Viae - CD Review

Rock Justice – You’ve Been Served

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Rock Justice - You've Been Served - cover Artwork
Rock Justice - You've Been Served - cover Artwork

Band: Rock Justice 🇧🇪 / 🇳🇱
Titel: You’ve Been Served
Label: Fireflash Records
VÖ: 26.06.2026
Format: CD / Digital / limitiertes Vinyl
Genre: Hard Rock / Heavy Rock / Melodic Metal

Tracklist

01. My Worst Enemy – 03:27
02. Rocker’s Confession – 03:44
03. You Know Better – 03:17
04. I Just Wanna Make Love To You – 03:46
05. The Rest Of The World – 05:07
06. Shape Up Or Ship Out – 03:48
07. Chicks Can’t Rock – 02:20
08. First In Line feat. Doro Pesch – 04:51

Besetzung

Maggy Luyten – Gesang
Bas Maas – Gitarre, Begleitgesang
Nick McGrath – Bass, Begleitgesang
Mischa Aussems – Schlagzeug

Gastmusikerin:
Doro Pesch – Gesang bei »First In Line«

 

Bewertung:

3 von 5 Punkten

Tja, Sex sells – TITTEN! Das plakative Cover von »You’ve Been Served« lässt kaum Zweifel daran, dass Rock Justice auf klassischen Hard Rock mit einer gehörigen Portion Achtzigerjahre-Attitüde setzen. Hinter der Band stehen mit Sängerin Maggy Luyten, bekannt durch Ayreon, Beautiful Sin und Nightmare, sowie Doro– und Ex-After Forever-Gitarrist Bas Maas zwei erfahrene Musiker. Gemeinsam mit Bassist Nick McGrath und Schlagzeuger Mischa Aussems liefern sie ein knapp über dreißig Minuten langes Debüt, das klassischen Hard Rock, Melodic Metal und traditionellen Rock ’n’ Roll sauber miteinander verbindet. Veröffentlicht wurde das Album am 26. Juni 2026 über Fireflash Records.

YouTube Art Playlist: You've Been Served

KLASSISCHER HARD ROCK OHNE UMWEGE

»My Worst Enemy« eröffnet das Album mit einem kräftigen Gitarrenriff, einem kontrollierten Midtempo-Groove und einer der überzeugendsten Gesangsleistungen der Platte. Maggy Luytens raue Stimme besitzt genügend Ausdruck, um auch vertrauten Hard-Rock-Strukturen Charakter zu verleihen. »Rocker’s Confession« steigert anschließend das Tempo und liefert einen gut funktionierenden Refrain, bleibt kompositorisch jedoch nah an bekannten Vorbildern.

Das gilt auch für »You Know Better«. Der Song ist eingängig, sauber arrangiert und besitzt eine starke Gesangsmelodie. Gleichzeitig bewegt sich die Band sehr sicher innerhalb etablierter Genregrenzen. Überraschungen bleiben aus, doch handwerklich gibt es wenig zu beanstanden. Maas setzt kompakte Riffs und kurze Leadpassagen ein, während Bass und Schlagzeug für einen druckvollen, geradlinigen Unterbau sorgen.

Die Neuinterpretation von »I Just Wanna Make Love To You« erhält durch Luytens Stimme und die härtere Gitarrenarbeit eine eigene Färbung. Der vielfach gecoverte Klassiker wirkt allerdings etwas vorhersehbar. Bei einem Album mit lediglich acht Titeln wäre ein weiterer eigener Song interessanter gewesen.

ZWISCHEN BALLADE UND VOLLGAS

»The Rest Of The World« nimmt das Tempo deutlich zurück. Die fünfminütige Ballade bietet Luyten ausreichend Raum und gehört gesanglich zu den stärksten Momenten des Albums. Der Aufbau bleibt konventionell und der Refrain trägt etwas dick auf, funktioniert innerhalb des nostalgischen Gesamtkonzepts aber ordentlich.

Deutlich stärker fällt »Shape Up Or Ship Out« aus. Das schnelle Riffing, die klaren Powerchords und das energische Schlagzeug ergeben einen der unmittelbarsten Songs der Platte. Hier klingt die Band weniger kontrolliert und entwickelt den nötigen Vorwärtsdrang. Der Titel gehört gemeinsam mit »You Know Better« zu den Höhepunkten.

»Chicks Can’t Rock« ist mit etwas mehr als zwei Minuten kurz, direkt und augenzwinkernd. Der Song lebt von seiner Haltung und Luytens energischem Vortrag, besitzt musikalisch jedoch nur begrenzte Substanz. Als kompakter Rocker erfüllt er seinen Zweck, hätte aber durchaus weiter ausgearbeitet werden können.

DORO KOMMT ZUM FINALE

Für den Abschluss »First In Line« erhält Maggy Luyten Unterstützung von Doro Pesch. Das Duett ist erwartungsgemäß hymnisch angelegt und richtet sich inhaltlich an die Vorbilder und verstorbenen Helden der Rock- und Metal-Geschichte. Beide Sängerinnen harmonieren gut miteinander, wobei Luyten neben der Metal Queen keineswegs untergeht.

Der Refrain ist wirkungsvoll, die Produktion druckvoll und das Finale passend gewählt. Gleichzeitig klingt der Song stark nach dem musikalischen Umfeld, aus dem Doro Pesch stammt. Das ist professionell umgesetzt und dürfte Anhänger klassischen Heavy Rocks unmittelbar erreichen, erweitert die musikalische Identität von Rock Justice jedoch nur bedingt.

MUSIKERLEISTUNG UND PRODUKTION

Die größte Stärke von »You’ve Been Served« ist Maggy Luyten. Ihre Stimme klingt kraftvoll, rau und emotional, ohne in übertriebene Effekthascherei abzugleiten. Bas Maas liefert passende Riffs und verzichtet auf unnötig lange Soli. Nick McGraths Bass ist im Mix gut wahrnehmbar, während Mischa Aussems die Songs präzise und mit angemessenem Druck begleitet.

Die von Maas produzierte und von Luyten co-produzierte Platte wurde von Luca Princiotta gemischt und gemastert. Der Klang ist klar, kraftvoll und modern genug, ohne die klassische Ausrichtung zu überdecken. Gitarren, Bass und Schlagzeug sind sauber getrennt, während der Gesang jederzeit im Mittelpunkt bleibt.

Die knappe Laufzeit von rund dreißig Minuten ist dagegen ein Schwachpunkt. Acht Titel, darunter eine Coverversion, lassen das Debüt eher wie eine umfangreiche EP wirken. Zudem greifen Rock Justice häufig auf bekannte Hard-Rock-Muster, typische Textthemen und etablierte Refrainstrukturen zurück. Die Band beherrscht diesen Stil, entwickelt auf ihrem Debüt aber noch nicht durchgehend eine unverwechselbare eigene Sprache.

FAZIT:

»You’ve Been Served« ist ein solides und hörbar mit Begeisterung eingespieltes Hard-Rock-Debüt von Rock Justice. Maggy Luytens herausragender Gesang, die professionelle Produktion und gelungene Songs wie »You Know Better«, »Shape Up Or Ship Out« und »First In Line« sprechen klar für Rock Justice. Dem gegenüber stehen eine sehr kurze Spielzeit, die wenig zwingende Coverversion und ein Songwriting, das sich häufig auf bekannte Genreformeln verlässt. Die Band besitzt Erfahrung, Spielfreude und eine starke Frontfrau. Für eine höhere Wertung müsste sie diese Qualitäten künftig stärker in eine eigenständigere musikalische Handschrift überführen.

Musikvideo: First In Line feat. Doro Pesch

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Rock Justice - You've Been Served - CD Review

Cyclopic – Flesh of Chaos

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Cyclopic - Flesh of Chaos - cover Artwork
Cyclopic - Flesh of Chaos - cover Artwork

Band: Cyclopic 🇰🇿 / 🇷🇺 / 🇩🇪
Titel: Flesh of Chaos
Label: Awakening Records
VÖ: 19.06.2026
Format: CD / Digital
Genre: Old School Death Metal / Death-Thrash Metal

Tracklist

01. Swords of Savage – 03:53
02. Flesh of Chaos – 03:29
03. Lich Seed – 03:13
04. Abyssal Hordes – 02:19
05. Cyclopic – 03:10
06. Eye of Rhynn – 03:08
07. Vanishing Tower – 02:57
08. Grotesque Feast – 03:55
09. The Wanderer – 03:54
10. Doomed to Eternity – 03:13

Besetzung

Alexey Rumyantsev – Gesang
Sergey Stepanenko – Gitarren, Bass
Jörg Uken – Schlagzeug

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

Mit »Flesh of Chaos« legt das internationale Trio Cyclopic sein Debütalbum vor. Die 2025 gegründete Band besteht aus Musikern aus Kasachstan, Russland und Deutschland und orientiert sich hörbar am Old School Death Metal sowie am Death-Thrash Metal der späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahre. Veröffentlicht wurde das aus zehn kompakten Stücken bestehende Album am 19. Juni 2026 über Awakening Records. Inhaltlich befassen sich die Texte mit den Fantasywerken von Michael Moorcock, insbesondere mit der „Swords Trilogy“ und den Erzählungen um den „Eternal Champion“.

Albumstream

KLASSISCHER DEATH METAL MIT THRASH-EINFLUSS

»Swords of Savage« eröffnet das Album mit einem kontrollierten Wechsel aus schnellen Riffs und schweren Midtempo-Passagen. Der Aufbau ist geradlinig, verzichtet aber nicht auf kleinere Tempowechsel und melodische Gitarrenfiguren. Alexey Rumyantsevs tiefer Gesang bleibt klar im Vordergrund und passt zur traditionellen Ausrichtung der Musik.

Das Titelstück »Flesh of Chaos« setzt stärker auf Groove. Die Gitarrenarbeit bleibt präzise und erhält durch kurze Thrash-Metal-Akzente zusätzliche Dynamik. Besonders der Übergang zwischen dem gleichmäßig geführten Hauptriff und den schnelleren Abschnitten funktioniert überzeugend. Cyclopic schreiben kompakte Stücke, die ohne lange Einleitungen oder unnötige Wiederholungen auskommen.

»Lich Seed« erhöht anschließend das Tempo. Schlagzeuger Jörg Uken treibt die Komposition mit schnellen Doublebass-Figuren und präzisen Übergängen an. Die Gitarren wechseln zwischen klar abgegrenzten Rhythmusfiguren und kurzen melodischen Einschüben. Das Stück gehört zu den stärksten Titeln des Albums, weil Aggressivität und Wiedererkennbarkeit ausgewogen eingesetzt werden.

KOMPAKTE SONGS UND KLARE STRUKTUREN

Mit einer Gesamtlänge von rund 33 Minuten bleibt »Flesh of Chaos« konzentriert. »Abyssal Hordes« ist das kürzeste Stück und nutzt seine Spielzeit für schnellen Death-Thrash Metal ohne größere Unterbrechungen. Das selbstbetitelte »Cyclopic« arbeitet dagegen stärker mit schweren Riffs und einem reduzierten Tempo.

»Eye of Rhynn« enthält einige der deutlichsten Thrash-Metal-Einflüsse. Die Gitarrenanschläge sind härter akzentuiert, während das Schlagzeug den Song mit einem gleichmäßigen Vorwärtsdrang zusammenhält. »Vanishing Tower« fällt direkter aus und gehört mit seiner klaren Struktur zu den zugänglichsten Stücken der Platte.

Die zweite Albumhälfte folgt weitgehend den zuvor eingeführten Stilmitteln. Das führt zu einem geschlossenen Gesamtbild, begrenzt allerdings auch die Überraschungen. Mehr Abwechslung beim Tempo oder eine stärker ausgearbeitete melodische Passage hätten einzelnen Titeln zusätzliche Eigenständigkeit geben können. Die Qualität des Songwritings bleibt dennoch konstant.

GROTESKE FESTE UND EWIGE HELDEN

»Grotesque Feast« beginnt mit einem schweren Hauptriff und verbindet dieses mit schnellen Schlagzeugpassagen. Die Bassspur ist gut hörbar und unterstützt die Gitarren, ohne lediglich deren Linien zu verdoppeln. Rumyantsev variiert seinen Gesang nur zurückhaltend, bleibt dadurch aber jederzeit verständlich innerhalb des dichten Mixes.

»The Wanderer« zählt zu den melodischeren Kompositionen. Die Gitarrenarbeit erhält mehr Raum, während die Rhytmussektion kontrollierter agiert. Sergey Stepanenko setzt kurze Leadpassagen ein, die das zentrale Riff ergänzen und nicht vom eigentlichen Song ablenken.

Der Abschluss »Doomed to Eternity« unterscheidet sich durch seine stärker melodisch ausgerichtete Gitarrenführung vom übrigen Material. Der Song wurde auf Grundlage älterer Ideen entwickelt und schließt das Album mit einem klaren, gut nachvollziehbaren Aufbau ab. Die Verbindung aus melodischem Death Metal und traditionellem Death-Thrash funktioniert, ohne den zuvor etablierten Stil aufzugeben.

MUSIKERLEISTUNG UND PRODUKTION

Die räumlich getrennten Aufnahmen sind dem fertigen Album nicht anzuhören. Jörg Uken nahm das Schlagzeug im deutschen Soundlodge Studio auf und übernahm anschließend Mixing und Mastering. Gitarren und Bass wurden von Sergey Stepanenko in Kasachstan eingespielt, während Alexey Rumyantsev seine Gesangsspuren in Russland aufnahm.

Uken liefert eine präzise Schlagzeugleistung und passt seine Spielweise den unterschiedlichen Geschwindigkeiten an. Stepanenkos Gitarren besitzen ausreichend Druck, bleiben im Mix aber klar voneinander unterscheidbar. Der Bass ist präsent und verleiht insbesondere den langsameren Passagen zusätzliche Substanz. Rumyantsevs Gesang ist tief und gleichmäßig, könnte auf zukünftigen Veröffentlichungen jedoch stärker variiert werden.

Die Produktion ist druckvoll, ohne übermäßig modern zu klingen. Schlagzeug und Gitarren besitzen klare Konturen, während der Bass nicht hinter den übrigen Instrumenten verschwindet. Das Album orientiert sich klanglich am Old School Death Metal, übernimmt aber nicht dessen häufig eingeschränkte Transparenz.

FAZIT:

»Flesh of Chaos« ist ein überzeugendes Debüt zwischen Old School Death Metal und Death-Thrash Metal. Cyclopic konzentrieren sich auf kompakte Songs, präzise Riffs und klar ausgearbeitete Arrangements. Besonders »Swords of Savage«, »Lich Seed«, »Grotesque Feast« und »Doomed to Eternity« überzeugen. Die stilistische Ausrichtung bleibt über die gesamte Spielzeit relativ konstant, wodurch einzelne Stücke etwas weniger deutlich hervortreten. Insgesamt präsentiert sich die Band jedoch technisch sicher, gut produziert und mit einem klar erkennbaren musikalischen Konzept.

Visualizer: Flesh of Chaos

Internet

Cyclopic - Flesh of Chaos - CD Review

Harsh – Feels

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Harsh - Feels - cover Artwork
Harsh - Feels - cover Artwork

Band: Harsh 🇫🇷
Titel: Feels
Label: Fireflash Records
VÖ: 03.07.2026
Format: CD / Vinyl / Digital
Genre: Hard Rock / Glam Rock / Melodic Rock

Tracklist

01. Break Your Way
02. All I Ever Wanted
03. Fuel To The Fire
04. Offer You A Rome
05. Don’t Mess With Me
06. Forever Yesterday
07. Back To Life
08. Maniac
09. Losing My Mind
10. Dancing Dancing
11. Never Gonna See Me Fall
12. When We’re Together

Besetzung

Albert Arnold – Gesang und Gitarre
Séverin Piozzoli – Gitarre und Hintergrundgesang
Julien Martin – Bass und Hintergrundgesang
Léo Löwenthal – Schlagzeug und Hintergrundgesang

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

Manchmal benötigt Hard Rock weder einen finsteren Überbau noch eine komplizierte Hintergrundgeschichte. Gelegentlich reichen eine eingängige Melodie, ein saftiges Gitarrenriff und ein Refrain, der bereits nach dem zweiten Durchlauf im Kopf bleibt. Genau auf diesem Fundament errichten die Pariser Harsh ihr zweites Studioalbum »Feels«. Vier Jahre nach dem Debüt »Out Of Control« präsentiert sich das Quartett hörbar selbstbewusster, vielseitiger und professioneller. Mehr als 300 absolvierte Konzerte haben ihre Spuren hinterlassen: Die zwölf Stücke wirken klar auf eine möglichst unmittelbare Livewirkung ausgerichtet.

Veröffentlicht wird »Feels« über Fireflash Records. Inhaltlich dreht sich das Album um Liebe, Verlust, Freundschaft, emotionale Erstarrung, persönliche Rückschläge und den festen Willen, sich nicht unterkriegen zu lassen. Musikalisch orientieren sich Harsh am melodischen Hard Rock der Achtziger und frühen Neunziger, ergänzen diesen jedoch durch moderne Produktion, Pop-Appeal, funkige Rhythmen und gelegentliche Alternative-Rock-Anklänge. Die Band verfügt über starke Refrains, einen charismatischen Sänger und einen Gitarristen, der seine Fingerfertigkeit mit zahlreichen Soli unter Beweis stellt. Gleichzeitig klingt nicht jede Nummer so ungezähmt, wie es die optische Glam-Rock-Inszenierung erwarten lässt. An einigen Stellen ist das Material auffällig sauber konstruiert und etwas zu deutlich auf sofortige Gefälligkeit ausgelegt.

Albumstream

DER ETWAS ZAGHAFTE START

»Break Your Way« beginnt mit einem atmosphärischen Aufbau, der zunächst an den großen Arena Rock der Achtziger erinnert. Gitarren, rhythmische Effekte und ein langsamer Spannungsaufbau bereiten den Einsatz von Albert Arnold vor. Seine Stimme besitzt eine leicht angeraute Oberfläche und erreicht mühelos die höheren Register. Gerade im Refrain zeigt sich, weshalb der Sänger zu den größten Stärken der Band gehört. Er kann Melodien kraftvoll tragen, ohne jeden Ton mit übertriebenem Vibrato oder unnötigem Pathos zu überladen.

Die Strophen greifen neben traditionellem Hard Rock auch modernere Sprechgesang- und Pop-Rock-Elemente auf. Das sorgt für Abwechslung, wirkt zu Beginn aber noch etwas vorsichtig. Der Song will gleichzeitig modern, nostalgisch und massentauglich klingen. Entsprechend sauber wurden die einzelnen Bestandteile zusammengesetzt. Das Ergebnis funktioniert, lässt jedoch zunächst jene Spontaneität vermissen, die man von einer jungen Glam-Rock-Band erwarten könnte.

Gitarrist Séverin Piozzoli sorgt mit einem präzise gespielten Solo für den ersten deutlichen Höhepunkt. Seine schnellen Tonfolgen bleiben nachvollziehbar und werden nicht einfach über den Rhythmus gelegt. Stattdessen greift er die Melodie des Refrains auf und entwickelt sie weiter. Die Fingerfertigkeit ist deutlich hörbar, ohne in eine bloße technische Vorführung auszuarten.

»All I Ever Wanted« führt den melodischen Ansatz fort und arbeitet mit einem noch eingängigeren Refrain. Die Gitarren besitzen einen klassischen amerikanischen Hard-Rock-Klang, während Bass und Schlagzeug den Song mit einem entspannten, leicht federnden Groove vorantreiben. Der Titel wächst im Verlauf deutlich. Was zunächst wie ein gefälliger Standardrocker beginnt, gewinnt durch atmosphärische Unterbrechungen und einen kraftvolleren Schluss an Dynamik.

Trotzdem bleibt der Auftakt des Albums etwas zurückhaltend. Beide Songs sind professionell komponiert und technisch sauber umgesetzt, wirken aber zunächst so, als würden Harsh ihre Möglichkeiten lediglich andeuten. Erst mit der dritten Nummer wird aus kontrollierter Gefälligkeit tatsächlich ausgelassener Rock ’n’ Roll.

BENZIN FÜR DAS FEUER

»Fuel To The Fire« ist der Moment, in dem das Album erstmals vollständig zündet. Das Schlagzeug von Léo Löwenthal treibt die Nummer mit einem energischen Beat an, während die Gitarren ein kurzes, schnörkelloses Riff aufbauen. Hier klingt die Band weniger berechnet und wesentlich unmittelbarer. Die Strophen besitzen Bewegung, der Refrain ist schnell erfasst und das Zusammenspiel vermittelt tatsächlich den Eindruck einer Formation, die bereits Hunderte Konzerte absolviert hat.

Arnold singt über Rock ’n’ Roll als Antrieb, Leidenschaft und Lebensinhalt. Inhaltlich werden damit keine unbekannten Gebiete erschlossen. Die glaubwürdige Darbietung verhindert jedoch, dass der Song zu einer leeren Durchhalteparole verkommt. Besonders die Hintergrundgesänge verleihen dem Refrain eine gemeinschaftliche Wirkung, die sich hervorragend für Konzerte eignet.

Piozzoli setzt erneut ein technisch starkes Solo. Die hohen Töne werden sauber gezogen, schnelle Läufe präzise abgeschlossen und rhythmische Unterbrechungen bewusst eingesetzt. Auch Julien Martin erhält am Bass mehr Raum. Sein Spiel bleibt zwar eng an die Rhythmusgitarre gebunden, verleiht dem Stück aber den notwendigen Druck.

»Offer You A Rome« nimmt anschließend etwas Tempo heraus und setzt stärker auf Pop Rock und Arena-Hooks. Der ungewöhnliche Titel bleibt im Gedächtnis, während die Strophen mit leichteren Gitarren und einer elastischen Rhythmik arbeiten. Spätestens im Refrain wird deutlich, worauf die Nummer abzielt: Mitsingen, Hände in die Luft und möglichst wenig Widerstand zwischen Band und Publikum.

Das funktioniert ausgesprochen gut, ist jedoch auch beispielhaft für eine Schwäche des Albums. Harsh kennen die Mechanismen eines eingängigen Rockstücks sehr genau. Intro, Strophe, Vorrefrain und Hookline sitzen an den erwarteten Stellen. Überraschungen bleiben dabei weitgehend aus. Handwerklich gibt es wenig auszusetzen, doch etwas mehr Mut zu unvorhergesehenen Wendungen hätte dem Song zusätzliche Persönlichkeit verliehen.

NICHT MIT MIR, ABER BITTE BLEIB HIER

»Don’t Mess With Me« verbindet ein geradliniges Hard-Rock-Riff mit einem textlichen Widerspruch. Das lyrische Gegenüber soll sich nicht mit dem Sänger anlegen, ihn aber gleichzeitig keinesfalls verlassen. Diese Mischung aus Selbstbehauptung und emotionaler Abhängigkeit passt ausgezeichnet zum Albumtitel. Hinter der selbstbewussten Oberfläche steht eine verletzliche Figur, die nicht genau weiß, ob sie Nähe oder Abstand benötigt.

Musikalisch orientiert sich die Nummer an klassischem Stadionrock. Die Gitarren spielen ein breites, wiederkehrendes Riff, während Arnold die Strophen mit kontrollierter Spannung aufbaut. Der Refrain besitzt kommerzielles Potenzial und bleibt unmittelbar hängen. Besonders überzeugend ist der Wechsel zwischen den niedrigeren Strophen und den deutlich höher gesungenen Hooklines.

Die Wiederholung des zentralen Satzes wird allerdings sehr stark ausgereizt. Was beim ersten und zweiten Durchlauf hervorragend funktioniert, verliert gegen Ende etwas von seiner Wirkung. Ein zusätzlicher instrumentaler Bruch oder eine stärker veränderte Schlusssequenz hätte dem Song gutgetan. Dennoch gehört »Don’t Mess With Me« zu den Titeln, die auf der Bühne zuverlässig funktionieren dürften.

GESTERN FÜR IMMER

Mit »Forever Yesterday« zeigen Harsh ihre emotionalere Seite. Banjo-Klänge und akustische Gitarren eröffnen den Song ungewöhnlich zurückhaltend. Die Instrumentierung besitzt einen leicht bluesigen und amerikanischen Einschlag, bevor im Refrain die verzerrten Gitarren einsetzen. Dieser Gegensatz zwischen intimen Strophen und großem, elektrischem Refrain gehört zu den gelungensten dynamischen Entscheidungen des Albums.

Der Text handelt von einer gescheiterten Beziehung, alten Verletzungen und der Hoffnung, trotz eigener Fehler eine zweite Chance zu erhalten. Arnold trägt diese Geschichte glaubwürdig vor. Seine Stimme klingt weniger herausfordernd als in den vorherigen Songs und lässt erstmals deutliche Zerbrechlichkeit erkennen. Gerade weil die Produktion grundsätzlich sehr sauber ausfällt, sind solche emotional raueren Momente wichtig.

Piozzolis Solo entwickelt sich langsam aus der Hauptmelodie und steigert die Spannung, ohne den verletzlichen Charakter zu zerstören. Die kontrollierten Bendings und die zunehmend schnelleren Läufe bilden einen wirkungsvollen Übergang zum kraftvollen Finale. »Forever Yesterday« zählt zu den stärksten Nummern, weil sich die Band hier nicht allein auf einen eingängigen Refrain verlässt. Arrangement, Text und instrumentale Dynamik arbeiten gemeinsam auf einen klaren emotionalen Höhepunkt hin.

ZURÜCK INS LEBEN

»Back To Life« behandelt emotionale Erstarrung, Heilung und den Versuch, einen anderen Menschen nach einer schweren Zeit wieder ins Leben zurückzuführen. Die melancholischen Strophen stehen einem helleren, hoffnungsvolleren Refrain gegenüber. Dieser Kontrast wird nicht nur durch die Gesangsmelodie, sondern auch durch die Instrumentierung umgesetzt.

Die Rhythmik besitzt funkige und stellenweise beinahe skaartige Akzente. Löwenthal spielt keinen gewöhnlichen Hard-Rock-Beat, sondern arbeitet mit kurzen Unterbrechungen und perkussiven Figuren. Martins Bass unterstützt diese Bewegung mit einem deutlich hörbaren Groove. Die Gitarren treten während der Strophen etwas zurück und öffnen dem Gesang genügend Raum.

Im Refrain wird das Klangbild breiter. Verzerrte Akkorde, Hintergrundstimmen und Arnolds hohe Hauptmelodie erzeugen den erwarteten Arena-Effekt. Das Stück wirkt modern, ohne seine klassischen Grundlagen zu verbergen. Gerade diese Balance gelingt besser als im etwas unsicheren Opener.

Die Botschaft bleibt bewusst direkt und leicht verständlich. Dabei besteht grundsätzlich die Gefahr, dass emotionale Themen zu einfachen Motivationsparolen reduziert werden. Harsh umgehen dieses Problem zumindest teilweise durch die zurückgenommenen Strophen. Die Hoffnung des Refrains wirkt nicht selbstverständlich, sondern wie das Ergebnis eines schwierigen Prozesses.

MANIAC IM HARD-ROCK-GEWAND

Bei »Maniac« handelt es sich um eine Neuinterpretation des von Michael Sembello bekannt gemachten Achtziger-Klassikers. Coverversionen dieser Art sind nicht ungefährlich. Der Song ist derart stark mit seinem ursprünglichen Synthesizer-Klang und dem Film »Flashdance« verbunden, dass eine bloße Kopie überflüssig wäre. Harsh entscheiden sich daher für eine deutlich härtere Umsetzung.

Die Grundmelodie bleibt erhalten, wird jedoch mit schweren Gitarren, kraftvolleren Drums und einer rockigeren Gesangsleistung versehen. Arnold orientiert sich nicht sklavisch an der Vorlage. Er singt die hohen Passagen mit eigener rauer Färbung und verleiht dem Refrain zusätzlichen Druck. Piozzoli ersetzt einen Teil der elektronischen Wirkung durch Gitarrenarbeit und steigert die Nummer gegen Ende in eine beinahe metallische Passage.

Das Ergebnis gehört zu den unterhaltsamsten Momenten der Platte. Die Band respektiert den Wiedererkennungswert des Originals, fügt aber genügend eigene Energie hinzu. Vollständig notwendig ist die Coverversion für das Album dennoch nicht. Die eigenen Songs besitzen ausreichend Qualität, um ohne einen bekannten Fremdtitel zu bestehen. Innerhalb der Dramaturgie funktioniert »Maniac« allerdings als ausgelassener Mittelpunkt und dürfte live für zuverlässige Bewegung sorgen.

VERSTAND VERLOREN, TANZFLÄCHE GEFUNDEN

»Losing My Mind« bringt den härteren Hard Rock zurück. Das Riff besitzt einen deutlich bluesigeren und kantigeren Charakter. Gitarren und Cowbell erzeugen eine klassische Rock-Atmosphäre, während Arnold aggressiver singt. Der Song erinnert stellenweise an die sleazigere Seite von Guns N‘ Roses und an die härteren Momente von Slash.

Instrumental ist die Nummer stark. Die Gitarren besitzen Biss, das Schlagzeug drückt und das Solo wird mit hoher Präzision gespielt. Kompositorisch bleibt »Losing My Mind« allerdings hinter den besten Stücken zurück. Der Refrain ist weniger markant und die einzelnen Abschnitte wirken nicht ganz so geschlossen wie bei »Forever Yesterday« oder »Back To Life«. Dadurch entsteht trotz der stärkeren Härte ein überraschend blasser Gesamteindruck.

»Dancing Dancing« macht seinem Titel anschließend alle Ehre. Das Stück ist kurz, rhythmisch beweglich und besitzt eine bewusst ausgelassene Grundhaltung. Die Gitarren spielen mit kleinen Gegenakzenten, während der Refrain auf unmittelbare Eingängigkeit setzt. Ein kompliziertes Konzept wäre hier vollkommen fehl am Platz. Die Nummer will unterhalten, und genau das gelingt ihr.

Besonders Piozzolis Solo bringt zusätzliche Energie. Schnelle Läufe treffen auf verspielte Tonfolgen, die den lockeren Charakter des Stücks aufgreifen. Der Song könnte problemlos noch etwas länger ausfallen, endet aber nach gut drei Minuten, bevor sich sein einfaches Grundprinzip abnutzt. Diese Konzentration tut dem Album gut.

AKUSTISCHE TÖNE UND EIN GROSSER ABSCHLUSS

»Never Gonna See Me Fall« beginnt mit akustischen Gitarren und einer zurückgenommenen Gesangsleistung. Der Titel bewegt sich in Richtung klassischer Power-Ballade, wird im weiteren Verlauf aber deutlich elektrischer und kämpferischer. Arnold singt nicht nur über Verletzlichkeit, sondern auch über Widerstand und die Weigerung, vor anderen zusammenzubrechen.

Der Aufbau funktioniert, weil die Band den Song nicht sofort mit sämtlichen Instrumenten überlädt. Bass, Schlagzeug und verzerrte Gitarren treten schrittweise hinzu. Dadurch besitzt der spätere Refrain mehr Gewicht. Die akustischen Passagen zeigen außerdem, dass Arnolds Stimme auch ohne eine massive Produktion tragen kann.

Vollständig neu ist diese Form der Power-Ballade natürlich nicht. Die Dramaturgie folgt bekannten Mustern, und einzelne Melodien erinnern an zahlreiche Hard-Rock-Alben der späten Achtziger. Die glaubwürdige Darbietung verhindert jedoch, dass die Nummer zu einer reinen Stilübung wird.

Das mehr als fünfminütige »When We’re Together« beendet das Album mit einer Mischung aus klassischem Hard Rock, Alternative Rock und leichtem Country-Einschlag. Die Gitarren besitzen stellenweise eine gröbere, beinahe grungige Färbung, während der Refrain erneut auf große Melodien setzt. Arnold liefert eine seiner stärksten Gesangsleistungen und bewegt sich sicher zwischen zurückhaltenden Strophen und hohen, kraftvollen Tönen.

Piozzoli erhält zum Abschluss noch einmal ausreichend Raum. Sein Solo verbindet melodische Wiederholungen mit schnellen Läufen und zeigt, dass technische Fingerfertigkeit nicht zwangsläufig auf Kosten des Songgefühls gehen muss. Der Gitarrist bleibt bei aller Geschwindigkeit eng an der harmonischen Grundlage.

Als Finale ist »When We’re Together« passend gewählt. Der Song fasst die positiven Grundgedanken der Platte zusammen und beendet sie nicht mit Herzschmerz, sondern mit Gemeinschaft und Hoffnung. Etwas straffer hätte die Komposition dennoch ausfallen können. Die letzten Wiederholungen fügen dem bereits Gesagten nur wenig hinzu.

DIE GITARREN ALS GRÖSSTE STÄRKE

Die instrumentale Leistung bewegt sich über die gesamte Spielzeit auf hohem Niveau. Besonders Séverin Piozzoli prägt das Album mit zahlreichen Soli. Seine Fingerfertigkeit zeigt sich in schnellen Läufen, sauber ausgeführten Bendings, melodischen Wiederholungen und präzise gesetzten Übergängen. Trotz der hohen technischen Sicherheit geraten seine Beiträge nur selten zum Selbstzweck.

Piozzoli greift häufig bestehende Gesangs- oder Gitarrenmelodien auf und führt sie weiter. Dadurch bleiben die Soli mit den Songs verbunden. Gerade »Forever Yesterday«, »Dancing Dancing« und »When We’re Together« profitieren von dieser Vorgehensweise. Die Leadgitarre erzählt dort tatsächlich einen Teil der jeweiligen Geschichte.

Albert Arnolds Rhythmusgitarre bildet gemeinsam mit dem Bass ein solides Fundament. Die Riffs sind selten besonders kompliziert, werden aber sauber, druckvoll und mit einem guten Gespür für Pausen gespielt. Häufig ist gerade die kurze Unterbrechung vor einem Refrain entscheidend für dessen Wirkung.

Julien Martin bleibt am Bass überwiegend im Dienst des Songs. In den funkigeren Passagen von »Back To Life« tritt sein Instrument stärker hervor. Ansonsten verdichtet er die Gitarren und sorgt für zusätzliche Wärme. Léo Löwenthal spielt präzise und kraftvoll, lässt seine Rhythmen aber nicht vollständig von einem Raster bestimmen. Kleine Fills und variable Beckenarbeit bewahren einen organischen Charakter.

GLANZ, DRUCK UND ETWAS ZU VIEL KONTROLLE

Aufgenommen wurde »Feels« im Studio Houssay und im Studio Moigny. Für Mix und Mastering war Hannes Braun von Kissin‘ Dynamite zuständig. Das Resultat ist druckvoll, klar und auf moderne Wiedergabesysteme zugeschnitten. Gitarren, Bass, Schlagzeug und Gesang lassen sich problemlos voneinander unterscheiden.

Arnolds Stimme steht weit vorn und erhält besonders in den Refrains zusätzliche Breite. Die Gitarren besitzen genügend Schärfe, ohne unangenehm zu wirken. Auch die akustischen Instrumente und das Banjo von »Forever Yesterday« wurden sauber integriert.

Genau diese Kontrolle nimmt dem Album gelegentlich etwas von seiner Gefährlichkeit. Glam und Hard Rock leben nicht allein von technischer Präzision. Sie benötigen auch Reibung, Schweiß und den Eindruck, dass eine Darbietung jederzeit ausbrechen könnte. »Feels« klingt dagegen häufig so aufgeräumt, dass einzelne Riffs weniger aggressiv wirken, als sie vermutlich im Proberaum oder auf der Bühne klingen.

Besonders die ersten beiden Songs erscheinen fast zu vorsichtig produziert. Ab »Fuel To The Fire« entwickelt das Album mehr Druck und Spontaneität. Trotzdem bleibt der Gesamtsound über weite Strecken ausgesprochen glatt. Das macht die Platte zugänglich und radiotauglich, nimmt ihr aber stellenweise jene Widerborstigkeit, die den besten Hard Rock auszeichnet.

ZWISCHEN THE DARKNESS, SKID ROW UND MODERNEM POP ROCK

Die Einflüsse sind leicht zu erkennen. Der hohe Gesang und die theatralische Haltung erinnern an The Darkness, während einige Refrains und Gitarrenriffs in Richtung Skid Row, Mötley Crüe, Bon Jovi und Tyketto weisen. Hinzu kommen modernere Pop-Rock- und Alternative-Elemente.

Die Band kopiert diese Vorbilder nicht direkt. Besonders Arnolds Stimme und Piozzolis Gitarrenspiel verleihen dem Material einen eigenen Charakter. Dennoch bleiben viele kompositorische Abläufe vertraut. Die meisten Songs arbeiten mit einem klaren Aufbau, steigern sich im Vorrefrain und liefern anschließend eine große Hookline. Dieses Konzept funktioniert zuverlässig, wird über zwölf Titel aber auch vorhersehbar.

Die Vielfalt des Albums verhindert größere Ermüdungserscheinungen. Auf geradlinigen Hard Rock folgen akustische Passagen, Funk-Grooves, eine Coverversion und eine Power-Ballade. Dadurch besitzt »Feels« einen guten Fluss. Die kompakteren Stücke funktionieren meist besser als die längeren Kompositionen.

FAZIT:

»Feels« ist ein professionelles, eingängiges und abwechslungsreiches zweites Album, mit dem Harsh ihre Position im europäischen Hard Rock deutlich festigen. Die Pariser verfügen über starke Refrains, eine eingespielte Rhythmusgruppe, einen charismatischen Sänger und mit Séverin Piozzoli über einen Gitarristen, dessen präzise Soli zu den größten Stärken der Platte gehören. Besonders »Fuel To The Fire«, »Forever Yesterday«, »Back To Life«, »Dancing Dancing« und »When We’re Together« überzeugen. Auch die rockige Neuinterpretation von »Maniac« funktioniert überraschend gut. Der Auftakt fällt dagegen etwas zögerlich aus, einige Arrangements wirken zu berechnet und die ausgesprochen saubere Produktion nimmt den Gitarren gelegentlich einen Teil ihrer Wildheit. Wirklich neue Wege beschreiten Harsh nicht. Sie beherrschen ihre traditionellen Einflüsse jedoch ausgezeichnet und verbinden sie mit genügend modernem Pop-Appeal, um nicht wie eine reine Achtziger-Kopie zu klingen. Ein sympathisches, handwerklich starkes Gute-Laune-Album mit echten Gefühlen, großen Hooks und etwas zu stark angezogener Handbremse.

Harsh – Back To Life – Official Music Video

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Harsh - Feels - CD Review

Nirriti – Dhrupad Anutpada (ধ্রুপদ অনুৎপাদ): Apophatic Ragas of Non-Origination

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Nirriti - Dhrupad-Anutpada-ধ্রুপদ-অনুৎপাদ-Apophatic-Ragas-of-Non-Origination cover Artwork
Nirriti - Dhrupad-Anutpada-ধ্রুপদ-অনুৎপাদ-Apophatic-Ragas-of-Non-Origination cover Artwork

Band: Nirriti 🇮🇳 / 🇨🇦
Titel: Dhrupad Anutpada (ধ্রুপদ অনুৎপাদ): Apophatic Ragas of Non-Origination
Label: Iron Bonehead Productions
VÖ: 19.06.2026
Format: CD / Digital / Vinyl
Genre: Black Metal /Death Metal / Avantgarde Metal

Tracklist

01. Mandukya, The Primordial Toad Croaks At The Outer Edge Of Sushupti – 09:06
02. In The Hallways Of Pure Existence, Freewill And Determinism Play Their Futile Game Of Chess – 05:32
03. One Foot On Samsara And The Other On Nirvana – 06:40
04. Glissando Of Ever-Fleeting Moments As The Ephemeral Wheels That Carrieth The Chariot Of Perpetuity – 04:52
05. Golden Yolk Of A Black Egg Of A Multicolored Peacock – 08:06
06. Vilambit Laya Of Vitanda Mridangam Forewarns A Pan-Philosophical Defeat (Symphony No. 0 In Doom Minor) – 09:43

Besetzung

Bhasma – Gesang
Retas – Gitarre, Bass
Rakta alias Axaazaroth von Nuclearhammer – Schlagzeug

Weitere Mitwirkende:
Martial Opium – Mixing, Layout
Dredged Oblivion – Mastering
Orryelle Bascule Defenestrate – Artwork
Q.M.G. – Logo
D.F. – grafische Produktion

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

Black/Death Metal, frühzeitlicher Grindcore, radikaler Black Noise und dissonante Avantgarde werden auf »Dhrupad Anutpada (ধ্রুপদ অনুৎপাদ): Apophatic Ragas of Non-Origination« zu einer kaum berechenbaren Klangform verdichtet. Das am 19. Juni 2026 über Iron Bonehead Productions erschienene Debütalbum des indisch-kanadischen Trios Nirriti folgt sechs Jahre auf die EP »Asuryasparsha (অসূর্যস্পর্শা)«. Auf sechs überlangen Kompositionen zerlegt die Band herkömmliche Songstrukturen, lässt Gitarren, Bass, Schlagzeug und verhallte Stimmen gegeneinanderarbeiten und entwickelt daraus knapp 44 Minuten extreme Musik, die gleichermaßen von Black Metal, Death Metal, Grindcore, Noise und philosophischer Negation geprägt ist. Eingängige Refrains oder klar abgegrenzte Strophen spielen dabei keine Rolle. Stattdessen entsteht ein bewusst überfordernder Gesamtklang, der den Hörer zwingt, inmitten der vermeintlichen Unordnung nach wiederkehrenden Mustern und musikalischen Zusammenhängen zu suchen.

Albumstream: Dhrupad Anutpada – Apophatic Ragas of Non-Origination

DIE VERNEINUNG DES URSPRUNGS

Bereits der Albumtitel verdeutlicht, dass Nirriti ihre Musik nicht lediglich als Ansammlung extremer Klänge verstehen. Dhrupad bezeichnet eine traditionsreiche Form der nordindischen klassischen Vokalmusik, während Anutpada für Nichtentstehung beziehungsweise Ursprungslosigkeit steht. Der Zusatz „Apophatic Ragas of Non-Origination“ greift das Prinzip auf, eine absolute Wahrheit nicht durch positive Eigenschaften, sondern durch Verneinung zu bestimmen. Das Album beschäftigt sich dementsprechend mit der Zurückweisung eines höchsten Schöpfers und der Vorstellung, dass überhaupt ein eindeutig bestimmbarer Schöpfungsakt stattgefunden habe.

Eine direkte Verschmelzung von traditionellem Dhrupad und Black Metal sollte dennoch niemand erwarten. Indische Klassik wird hier nicht in Form offensichtlicher Instrumente, eingängiger Skalen oder folkloristischer Verzierungen verwendet. Die Begriffe liefern vielmehr den philosophischen und formalen Rahmen. Wiederholung, allmähliche Verschiebung, Auflösung und die Verweigerung eines konventionellen Zielpunkts bestimmen den Aufbau der Stücke.

Die Musik arbeitet damit konsequent gegen vertraute Erwartungen. Riffs erscheinen, werden jedoch nicht unbedingt wiederholt oder zu einem klaren Refrain geführt. Schlagzeugfiguren geben für kurze Zeit Orientierung, bevor sie in unregelmäßige Schläge, Blastbeats und abrupte Tempowechsel übergehen. Selbst der Gesang verweigert eine eindeutige Position im Klangbild. Bhasmas Stimme wird mit starkem Hall, Überlagerungen und rückwärts wirkenden Effekten zu einem Bestandteil der gesamten pscyhischen Unruhe.

DER PRIMORDIALE FROSCH ERWACHT

Der neunminütige Auftakt »Mandukya, The Primordial Toad Croaks At The Outer Edge Of Sushupti« eröffnet das Album ohne vorbereitende Einleitung. Schlagzeug, Gitarren und Stimmen setzen beinahe gleichzeitig ein und erzeugen eine dichte Wand aus perkussiver Gewalt und dissonanten Tonfolgen. Der im Titel erwähnte Zustand Sushupti bezeichnet den tiefen, traumlosen Schlaf. Ruhig oder passiv klingt die musikalische Umsetzung allerdings nicht. Nirriti gestalten diesen Grenzbereich vielmehr als gewaltsames Ringen zwischen Bewusstsein, Auflösung und vollständiger Abwesenheit.

Rakta entwickelt am Schlagzeug keine gleichmäßig fortlaufende Blastbeat-Fläche. Er wechselt zwischen martialischen Schlagfolgen, kurzen Beschleunigungen, taumelnden Übergängen und schwer nachvollziehbaren Akzenten. Einzelne rhythmische Muster tauchen wiederholt auf, werden jedoch jedes Mal leicht verändert. Dadurch wirkt der Song nicht zufällig, obwohl er sich einer bequem nachvollziehbaren Ordnung widersetzt.

Retas legt darüber dissonante Gitarrenlinien, die häufig weniger wie klassische Riffs als wie voneinander unabhängige Bewegungen erscheinen. Hohe, schneidende Töne treffen auf tiefer gestimmte Akkorde und verzerrte Bassfrequenzen. Gelegentlich lässt sich eine wiederkehrende Tremolofigur erkennen, doch schon kurz darauf wird sie von einer neuen Klangschicht verdeckt. Bhasmas stark verhallte Stimme vervielfacht sich im Hintergrund und vermittelt den Eindruck mehrerer gleichzeitig rufender Gestalten.

Das Stück ist eine klare Ansage. Nirriti wollen nicht langsam an ihren Ansatz heranführen und bieten auch keinen leicht zugänglichen Ausgangspunkt. Wer bereits mit Tetragrammacide, Nyogthaeblisz, Portal oder Nuclearhammer vertraut ist, wird die grundlegende musikalische Haltung erkennen. Nirriti gehen jedoch noch weiter in Richtung formfreier Klanggestaltung und verzichten über weite Strecken auf die kompakte Schlagkraft des traditionellen War Metal.

FREIER WILLE IM ENDLOSEN SCHACHSPIEL

»In The Hallways Of Pure Existence, Freewill And Determinism Play Their Futile Game Of Chess« besitzt trotz seines ausufernden Titels einen etwas konzentrierteren Aufbau. Eine langsam aufsteigende Gitarrenbewegung dient als wiederkehrender Orientierungspunkt. Dieses Motiv wird von Bass, Schlagzeug und Gesang umkreist, auseinandergezogen und schließlich beinahe vollständig überlagert.

Der Song behandelt bereits durch seinen Titel den Gegensatz zwischen freiem Willen und Determinismus. Musikalisch wird dieser Konflikt nachvollziehbar umgesetzt. Einige Passagen erscheinen festgelegt und präzise durchkomponiert, während andere wie unkontrollierte Ausbrüche wirken. Die Band bewegt sich dabei ständig zwischen Wiederholung und Abweichung. Sobald ein Rhythmus berechenbar wird, setzt Rakta einen versetzten Akzent oder bricht das Tempo auf. Sobald sich eine Gitarrenfigur festsetzt, verschiebt Retas ihre Betonung oder führt sie in einen dissonanten Gegenlauf.

Bhasmas Gesang folgt dem Instrumental nicht im traditionellen Sinne. Seine Schreie, tiefen Laute und mehrfach verhallten Stimmen antworten auf einzelne Schlagzeugschläge oder setzen bewusst gegen deren Takt ein. Durch diese rhythmische Verzahnung wird die Stimme stellenweise zu einem zusätzlichen Schlaginstrument. Inhalt und Klangbild ziehen in dieselbe Richtung: Das vermeintlich freie Element bewegt sich innerhalb eines Systems, dessen Regeln niemals vollständig offengelegt werden.

Mit fünfeinhalb Minuten ist das Stück vergleichsweise kompakt. Diese Konzentration tut dem Album gut. Die wiederkehrende Gitarrenlinie bleibt im Gedächtnis und beweist, dass Nirriti durchaus prägnante Motive schreiben können. Die Band entscheidet sich lediglich dagegen, diese in eine übliche Songstruktur zu pressen.

EIN FUSS IM SAMSARA, DER ANDERE IM NIRVANA

»One Foot On Samsara And The Other On Nirvana« gehört zu den musikalisch greifbareren Stücken. Zwischen den Noise-Schichten treten mehrfach klar erkennbare Black/Death-Metal-Riffs hervor. Das Schlagzeug bleibt unberechenbar, arbeitet jedoch häufiger mit nachvollziehbaren Tempowechseln und kurzen, schweren Grooves. Dadurch entsteht ein wirkungsvoller Kontrast zu den wesentlich amorpheren ersten beiden Kompositionen.

Retas beweist hier seine Fingerfertigkeit beim Spiel der Gitarre. Die schnellen Wechsel zwischen tremolierten Linien, scharf abgesetzten Akkorden und kurzen Leadfragmenten verlangen technische Kontrolle. Trotzdem wird die Virtuosität nie als eigenständige Demonstration herausgestellt. Jede Figur bleibt Bestandteil des dichten Gesamtklangs und wird häufig bereits nach wenigen Sekunden wieder aufgebrochen.

Der Bass tritt in einigen Abschnitten deutlicher hervor und verleiht dem Stück zusätzliche Tiefe. Gerade während der langsameren Passagen lässt sich erkennen, dass unter der verzerrten Oberfläche ein bewusst ausgearbeitetes harmonisches Gerüst liegt. Die Komposition steht sinnbildlich zwischen zwei Zuständen: auf der einen Seite der fortlaufende Kreislauf aus Bewegung und Wiederholung, auf der anderen Seite die Aussicht auf Auflösung. Eine eindeutige Entscheidung findet nicht statt.

Das anschließende »Glissando Of Ever-Fleeting Moments As The Ephemeral Wheels That Carrieth The Chariot Of Perpetuity« ist mit knapp fünf Minuten das kürzeste Stück des Albums. Gleichzeitig gehört es zu den sprunghaftesten. Gitarrentöne gleiten aus ihrer ursprünglichen Lage, Schlagzeugfiguren brechen unvermittelt ab und kurze Noise-Ausbrüche schneiden durch das Arrangement.

Der Song wirkt wie eine Untersuchung musikalischer Bewegung. Kaum ein Ton darf lange unverändert stehen. Selbst gehaltene Akkorde werden durch Rückkopplungen, Tonhöhenverschiebungen und rhythmische Gegenbewegungen destabilisiert. Diese Methode sorgt für Spannung, kann bei dauerhaft hoher Lautstärke jedoch auch ermüden. Eine stärkere dynamische Abgrenzung hätte den zahlreichen Details mehr Raum gegeben.

DAS GOLDENE EIGELB IM SCHWARZEN EI

»Golden Yolk Of A Black Egg Of A Multicolored Peacock« beginnt mit einer schwerfälligen, abwärtsgerichteten Bewegung. Gitarre und Bass erzeugen einen tiefen Sog, während das Schlagzeug zunächst einzelne harte Akzente setzt. Danach wird die Komposition zunehmend dichter. Blastbeats und unregelmäßige Beckenfolgen drängen in den Vordergrund, während die Gitarren ihre anfängliche Bewegung in mehrere dissonante Varianten zerlegen.

Das achtminütige Stück gehört zu den stärksten Beispielen für die Fähigkeit der Band, aus abstrakten Klangflächen nachvollziehbare Entwicklungen entstehen zu lassen. Der Anfang, die beschleunigte Mitte und die zunehmend schwerere Schlussphase sind klar voneinander unterscheidbar. Trotzdem gibt es keine traditionellen Übergänge. Die Musik verändert sich schrittweise, bis der ursprüngliche Ausgangspunkt kaum noch zu erkennen ist.

Bhasma setzt seine Stimme hier etwas gezielter ein. Zwischen längeren instrumentalen Abschnitten erscheinen tiefe Rufe und scharf hervortretende Schreie. Der starke Hall bleibt erhalten, verdeckt die übrigen Instrumente aber weniger vollständig als auf dem Opener. Dadurch kann der Gesang als dramaturgisches Element wirken und muss nicht dauerhaft gegen den gesamten Frequenzbereich ankämpfen.

Auch Rakta zeigt eine bemerkenswerte Ausdauer. Seine Schlagzeugarbeit beschränkt sich nicht auf Geschwindigkeit. Besonders die harten Wechsel zwischen offenen, lärmenden Passagen und enger geführten Grindcore-Ausbrüchen verlangen hohe Präzision. Selbst in den chaotischsten Momenten bleiben die Einsätze zwischen Schlagzeug, Bass und Gitarre aufeinander abgestimmt.

DIE NULLTE SINFONIE IN DOOM-MOLL

Das abschließende »Vilambit Laya Of Vitanda Mridangam Forewarns A Pan-Philosophical Defeat (Symphony No. 0 In Doom Minor)« fasst den Ansatz des Albums in fast zehn Minuten zusammen. Vilambit Laya bezeichnet ein langsames Tempo innerhalb der indischen klassischen Musik. Nirriti verwenden den Begriff allerdings nicht als einfache Tempovorgabe. Zwar beginnt das Stück mit schwereren, langsamer gesetzten Schlägen, doch diese relative Ruhe wird immer wieder von schnellen Ausbrüchen und ungeordnet erscheinenden Klangballungen unterbrochen.

Die Bezeichnung „Symphony No. 0 in Doom Minor“ ist nicht nur ironischer Zierrat. Das Stück besitzt einen beinahe sinfonischen Anspruch, weil früh eingeführte Klangmotive später in veränderter Form zurückkehren. Tiefe Gitarrentöne, klirrende Akkorde, rückwärts wirkende Stimmen und aggressive Schlagzeugbewegungen werden in mehreren Abschnitten neu kombiniert. Eine konventionelle Melodie führt nicht durch das Stück. Zusammenhalt entsteht stattdessen durch Klangfarbe und wiederkehrende rhythmische Gesten.

In der Mitte reduziert sich die Dichte für kurze Zeit. Bass und Gitarre lassen einzelne Töne länger stehen, während das Schlagzeug mit weit auseinanderliegenden Schlägen arbeitet. Diese Passage gehört zu den wirkungsvollsten Momenten des Albums, weil sie der vorherigen Reizüberflutung eine kontrollierte Leere entgegensetzt. Als anschließend sämtliche Instrumente zurückkehren, besitzt der erneute Ausbruch deutlich mehr Gewicht.

Der Schluss bietet keine Erlösung und auch keinen klassischen Höhepunkt. Das Stück verdichtet sich erneut, verliert seine klare Kontur und endet innerhalb jener Unordnung, aus der das Album hervorgegangen ist. Nirriti führen ihre Idee der Nichtentstehung damit konsequent zu Ende: Wo kein eindeutiger Anfang existiert, muss auch kein abschließender Zielpunkt erreicht werden.

MUSIKERLEISTUNG UND PRODUKTION

Trotz des bewusst chaotischen Erscheinungsbilds agieren die drei Musiker äußerst kontrolliert. Viele Abschnitte sind auf einem bombenfesten Fundament aus Bass und Gitarre aufgebaut, während das Schlagzeug dieses Gerüst gleichzeitig antreibt und destabilisiert. Retas wechselt innerhalb weniger Augenblicke zwischen Rhythmusarbeit, Tremolospiel, dissonanten Akkorden und geräuschhaften Effekten. Seine technischen Fähigkeiten werden nicht durch lange Soli, sondern durch die sichere Beherrschung ständig veränderter Spielweisen deutlich.

Rakta steht mit seinem Schlagzeug häufig im Mittelpunkt. Blastbeats, Grindcore-Ausbrüche, martialische Figuren und schwer gesetzte Einzelschläge werden nicht voneinander getrennt, sondern gehen direkt ineinander über. Die Rhytmussektion erzeugt dadurch keine gleichmäßige Grundlage, sondern wird selbst zum wichtigsten kompositorischen Werkzeug. Besonders bei »Mandukya…«, »Golden Yolk…« und dem abschließenden »Vilambit Laya…« ist seine Leistung entscheidend.

Bhasma behandelt den Gesang wie eine zusätzliche Geräuschquelle. Die Worte sind nur selten verständlich, was angesichts der philosophisch aufgeladenen Songtitel zunächst widersprüchlich erscheinen kann. Innerhalb des musikalischen Konzepts funktioniert diese Entscheidung jedoch. Die Stimme verkündet keine klar formulierte Lehre, sondern wird durch Hall, Überlagerungen und rückwärts wirkende Fragmente selbst zum Ausdruck von Unsicherheit und Verneinung.

Die Musiker bilden eine geschlossene Einheit. Auch wenn einzelne Spuren bewusst gegeneinanderzulaufen scheinen, bleiben Einsätze, Tempowechsel und abrupte Unterbrechungen erkennbar koordiniert. Das Album lebt gerade von dieser Spannung zwischen vermeintlichem Kontrollverlust und tatsächlicher Präzision.

Das Mixing von Martial Opium und das Mastering von Dredged Oblivion setzen auf maximale Dichte. Schlagzeug und Gesang stehen weit vorn, während Gitarre und Bass zu einer breiten, häufig schwer zu trennenden Fläche verschmelzen. Diese Produktion passt zur inhaltlichen Ausrichtung, verhindert aber gelegentlich, dass interessante Riffdetails vollständig zur Geltung kommen.

Besonders bei hoher Lautstärke kann die nahezu permanente Verdichtung anstrengend werden. Einzelne leisere oder stärker reduzierte Abschnitte zeigen, wie wirkungsvoll Nirriti mit Kontrasten arbeiten können. Hätte die Band diese Momente etwas häufiger eingesetzt, würden die gewaltsamen Ausbrüche noch deutlicher hervortreten. Die undurchsichtige Produktion ist somit zugleich Stärke und Schwäche: Sie erzeugt eine unverwechselbare Atmosphäre, begrenzt aber die unmittelbare Nachvollziehbarkeit der Kompositionen.

FAZIT:

»Dhrupad Anutpada (ধ্রুপদ অনুৎপাদ): Apophatic Ragas of Non-Origination« ist ein radikales Debüt, das Black/Death Metal, Grindcore, Black Noise und avantgardistische Dissonanz konsequent gegen traditionelle Songstrukturen richtet. Nirriti beherrschen ihre Instrumente und organisieren das vermeintliche Chaos mit erstaunlicher Präzision. Besonders »In The Hallways Of Pure Existence…«, »One Foot On Samsara And The Other On Nirvana« und »Golden Yolk Of A Black Egg Of A Multicolored Peacock« lassen erkennen, wie viele musikalische Details unter der extrem dichten Oberfläche verborgen liegen. Gleichzeitig verlangt das Album seinem Publikum viel ab. Die geringe dynamische Entlastung, der stark verhallte Gesang und die schwer voneinander zu trennenden Instrumente machen die knapp 44 Minuten zu einer anstrengenden Erfahrung. Wer übersichtliche Riffs, nachvollziehbare Refrains oder klassisch strukturierten Black Metal erwartet, wird hier kaum einen Zugang finden. Anhänger von Tetragrammacide, Nuclearhammer, Nyogthaeblisz und den abstrakteren Werken von Portal erhalten dagegen ein kompromissloses Album, dessen konsequente musikalische und philosophische Haltung Respekt verdient.

Art Track: Mandukya, The Primordial Toad Croaks At The Outer Edge Of Sushupti

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Nirriti - Dhrupad Anutpada: Apophatic Ragas of Non-Origination - CD Review

DUIR – Catarsi

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DUIR - Catarsi - cover artwork
DUIR - Catarsi - cover artwork

Band: DUIR 🇮🇹
Titel: Catarsi
Label: AOP Records
VÖ: 26/06/26
Genre: Atmospheric Folk/Black Metal

Tracklist

01. Manifesto
02. Di Nessuno
03. Impeto (feat. L.G. of Ellende)
04. Della Notte
05. Del Giorno
06. Oltre l’Alba

 

Besetzung

MK- Music, Guitar
Vox in Umbra- Vocals & Lyrics
Skryer- Guitar
TZ. – Flute, bagpipe, hurdy gurdy
P. – Drums

 

Bewertung:

4,5/5

Zwischen Eichen, Erinnerungen und den Schatten des Krieges

Seit ihrer Gründung im Jahr 2013 verfolgen DUIR einen klaren künstlerischen Anspruch. Das italienische Quintett verbindet atmosphärischen Black-Metal mit traditionellen Folk-Elementen und erschafft daraus Klangwelten, die weit über Genregrenzen hinausreichen. Der Name der Band stammt vom keltischen Wort für die Eiche und steht symbolisch für Beständigkeit, Weisheit und Verwurzelung. Nach den Veröffentlichungen der Demo »Tribe«, der EP »Obsidio« und dem ersten Longplayer »T. S. N. R.I. – Impermanenza« erspielte sich die Formation durch zahlreiche Konzerte in Italien und darüber hinaus einen ausgezeichneten Ruf. Mit »Catarsi« folgt nun das bislang ambitionierteste Werk der Band.

Ein Konzeptalbum über Krieg und innere Zerrissenheit

Die Geschichte von »Catarsi« spielt während des Ersten Weltkriegs und begleitet einen jungen Soldaten auf seinem Weg zwischen Patriotismus, Angst, Verzweiflung und dem schleichenden Verlust seiner Identität. Dabei erzählen DUIR ihre Geschichte nicht mit martialischer Härte, sondern mit einer Mischung aus emotionaler Intensität und poetischer Melancholie. Folk-Instrumente wie Flöte, Dudelsack und Drehleier verweben sich mit rasenden Black-Metal-Passagen, melodischen Gitarren und atmosphärischen Klangflächen zu einem geschlossenen Gesamtkonzept.

Produktionstechnisch präsentiert sich das Album auf hohem Niveau. Der Mix von P.G. von Groza sorgt dafür, dass selbst in den dichtesten Arrangements jedes Instrument seinen Platz behält, während die natürliche Dynamik erhalten bleibt.

Dramatische Reise durch sechs Kapitel

Bereits der Opener »Manifesto« eröffnet die Handlung mit eindringlichen Melodien und steigert sich langsam zu einem kraftvollen Ausbruch. Hier werden die zentralen Themen des Albums vorgestellt, ohne zu viel vorwegzunehmen. Die Kombination aus harschen Vocals von Vox in Umbra und den folkloristischen Einschüben entwickelt sofort eine besondere Sogwirkung.

»Di Nessuno« intensiviert die Stimmung deutlich. Schnelle Blastbeats treffen auf melancholische Gitarrenlinien, während die traditionellen Instrumente immer wieder wie entfernte Erinnerungen aus einer friedlicheren Zeit auftauchen. Gerade dieser Kontrast macht den Reiz des Stücks aus.

Ein Höhepunkt des Albums ist zweifellos »Impeto«, bei dem L.G. von ELLENDE als Gastsänger mitwirkt. Seine Stimme fügt sich hervorragend in das Klangbild ein und verstärkt die emotionale Wucht des Songs. Die verschiedenen Gesangsebenen ergänzen sich harmonisch und verleihen dem Stück zusätzliche Tiefe, ohne den charakteristischen Sound von DUIR zu überdecken.

Mit »Della Notte« wird die Atmosphäre zunehmend düsterer. Das Tempo variiert geschickt zwischen ruhigen Passagen und heftigen Ausbrüchen, wodurch sich ein fast filmischer Spannungsbogen entwickelt. Die Gitarren von MK und Skryer arbeiten dabei besonders harmonisch zusammen und erschaffen eindrucksvolle Klanglandschaften.

»Del Giorno« bringt anschließend etwas mehr Licht in die Geschichte, ohne die grundsätzliche Schwermut aufzugeben. Die Melodien wirken hoffnungsvoller, gleichzeitig schwingt ständig das Gefühl mit, dass Erlösung nur schwer erreichbar bleibt. Vor allem die fein dosierten Folk-Arrangements verleihen dem Titel eine außergewöhnliche Eleganz.

Den Abschluss bildet »Oltre l’Alba«, das sämtliche Motive des Albums noch einmal aufgreift und zu einem bewegenden Finale zusammenführt. Hier verschmelzen Melancholie, Härte und Hoffnung zu einer musikalischen Katharsis, die dem Albumtitel alle Ehre macht. Der Song endet nicht mit einem explosiven Höhepunkt, sondern mit einer nachdenklichen Ruhe, die lange nachhallt.

Atmosphärischer Black-Metal mit eigener Handschrift

DUIR gelingt es auf »Catarsi«, die Balance zwischen traditionellem Black-Metal und folkloristischen Einflüssen bemerkenswert sicher zu halten. Die eingesetzten Instrumente wirken niemals dekorativ, sondern sind fest in die Kompositionen eingebunden und tragen maßgeblich zur Erzählung bei. Gleichzeitig verzichten die Musiker auf übertriebene Effekthascherei und konzentrieren sich stattdessen auf starke Melodien sowie sorgfältig aufgebaute Spannungsbögen.

Auch die Besetzung überzeugt auf ganzer Linie. MK liefert ein vielseitiges Gitarrenspiel und prägt gemeinsam mit Skryer den atmosphärischen Charakter der Platte. Vox in Umbra transportiert die lyrischen Inhalte mit einer eindrucksvollen Mischung aus Aggression und Verzweiflung, während TZ. den Songs durch Flöte, Dudelsack und Drehleier ihre unverwechselbare folkloristische Identität verleiht. P. sorgt am Schlagzeug für das notwendige Fundament und beweist sowohl in rasanten als auch in zurückgenommenen Momenten ein gutes Gespür für Dynamik.

»Catarsi« ist weit mehr als eine weitere Atmospheric-Folk-Black-Metal-Veröffentlichung. DUIR verbinden historische Thematik, existenzielle Fragen und musikalische Vielfalt zu einem in sich geschlossenen Werk, das den Hörer auf eine intensive Reise mitnimmt. Die Kompositionen besitzen emotionale Tiefe, die Produktion überzeugt mit Transparenz und Kraft, und die Gastbeteiligung von L.G. fügt sich nahtlos in das Gesamtkonzept ein.

Wer atmosphärischen Black-Metal mit starkem erzählerischem Anspruch und authentischen Folk-Elementen schätzt, wird an diesem Album kaum vorbeikommen. »Catarsi« entfaltet seine Wirkung nicht durch einzelne Hits, sondern als zusammenhängendes Erlebnis, das mit jeder Minute weiterwächst und lange im Gedächtnis bleibt.

Fazit: Mit »Catarsi« beweisen DUIR erneut ihre Fähigkeit, atmosphärische Musik mit tiefgründigen Themen zu verbinden.

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DUIR - Catarsi - CD Review