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Tarask – Sitra Ahra

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Band: Tarask 🇫🇷
Titel: Sitra Ahra
Label: Antiq Records
VÖ: 07.04.2026
Genre: Black Metal

Tracklist

01. Evocation I
02. Evocation II
03. Evocation III
04. Evocation IV
05. Evocation V
06. Evocation VI

Besetzung

H.P.K. – Gesang, Gitarren, Bass
Florian – Schlagzeug

Maéna – Artwork
Borie de la Combe Noire – Logo, Layout
Florian – Drum Recording

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Black Metal Ist Krieg! Und doch ist »Sitra Ahra« von Tarask kein stumpfer Angriff, sondern ein finsteres Konzeptalbum über innere Zersetzung, gesellschaftliche Gleichschaltung und den Griff nach okkulter Selbstbefreiung. Der Titel verweist auf die „andere Seite“, auf eine Gegenwelt, in der der Mensch nicht erlöst, sondern mit seinen Dämonen konfrontiert wird. Die Konzeption zeichnet eine klare Linie: Nach dem Entkommen aus einer korrumpierenden Stadt bleibt der Protagonist allein zurück und sucht Antworten in Satanismus, Goetia und qliphothischer Symbolik.

(Hört hier das komplette Album)

»Evocation I« öffnet dieses Ritual breit und wuchtig. Die Nummer wirkt wie ein Eintritt in einen geistigen Schacht: lange Spannungsbögen, kalte Melodik, eruptive Ausbrüche. H.P.K. trägt das Album fast vollständig auf seinen Schultern. Seine Gitarrenarbeit ist nicht nur rasend, sondern auch erzählerisch. Die Riffs ziehen Kreise, brechen aus, fallen zurück und erzeugen dadurch ein Gefühl von Verlorenheit. Der Gesang wirkt wie ein permanentes Ringen mit sich selbst: mehr Beschwörung als klassische Frontmann-Leistung.

Ein amtlich ausgearbeitetes Composing trifft auf einen kompromisslosen Sound

Aufgebaut auf einem Fundament aus Schlagzeug und Bass entwickelt »Sitra Ahra« seine eigentliche Körperlichkeit. Florian spielt nicht bloß Begleitung, sondern gibt den langen Stücken Richtung. Blastbeats, Midtempo-Walzen und zurückgenommene Passagen wirken sauber dosiert. Der Bass bleibt meist im Untergrund, aber genau dort ist er wichtig: Er gibt dem Material Druck, ohne die morbide Atmosphäre zu überladen.

»Evocation II« und »Evocation III« zeigen die melodisch stärkere Seite des Albums. Hier wird die lyrische Idee des Konformitätszwangs musikalisch greifbar: Die Songs kreisen wie Gedanken, die sich nicht abschütteln lassen. Besonders »Evocation III« besitzt eine zwingende Architektur, weil Aggression und Reflexion nicht gegeneinander arbeiten, sondern sich gegenseitig verschärfen.

Abwechslungsreichtum im düsteren Kerkerstudio

Der Bruch kommt mit »Evocation IV«. Akustische Dunkelheit und geisterhafte weibliche Stimmen öffnen kurz einen fragilen Raum. Textlich lässt sich das als Moment deuten, in dem die okkulte Suche nicht Macht, sondern Verwundbarkeit offenlegt. Danach zieht »Evocation V« das Album wieder tiefer hinab: dichter, schwerer, introspektiver.

»Evocation VI« bündelt schließlich alles: spiritueller Absturz, Selbstprüfung, Erlösungssehnsucht und die bittere Erkenntnis, dass die Flucht nach innen ebenfalls ein Gefängnis sein kann. Musikalisch ist das stark, weil Tarask Atmosphäre nicht als Dekoration versteht, sondern als tragende Substanz.

FAZIT:

»Sitra Ahra« ist ein intensives, geschlossenes Black-Metal-Werk mit depressiver Schwere, okkulter Symbolik und überraschend klarer Dramaturgie. Nicht jeder lange Abschnitt sitzt gleich zwingend, doch die Leistung von H.P.K. und Florian überzeugt durch Vision, Ausdauer und emotionale Konsequenz. Ein Album für Hörer, die Black Metal nicht nur als Raserei, sondern als Abstieg begreifen.

Tarask - Sitra Ahra Full Album:

Internet

TARASK - Sitra Ahra

The Machinist – Towers

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Band: The Machinist 🇬🇧
Titel: Towers
Label: Independent
VÖ: 07.04.2026
Genre: Blackened Industrial Metal /Death Metal

Tracklist

01. Sagittarius In Bloom
02. Of Creation And Cancer
03. Cellular Catharsis

Besetzung

John T – Gesang, Bass, Synths, Drum Programming
Tobias Gray – Gitarre
George Kal – Gitarre

George Nerantzis – Mixing, Mastering
Duncan MacPherson – Artwork

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Aus England kommt was ganz cremiges auf die Szene zu! The Machinist liefern mit »Towers« keine beiläufige EP, sondern ein kompaktes Extrem-Metal-Monument, das Industrial-Kälte, Black-Metal-Furie und Death-Metal-Druck in drei langen Stücken bündelt. Schon »Sagittarius In Bloom« zeigt, dass hier nicht einfach losgeprügelt wird: Der Song arbeitet mit Kontrasten, synthetischer Spannung und einem massiven Aufbau, der zwischen Maschinenlogik und apokalyptischer Theatralik pendelt.

(Hört hier den Song und schaut den Clip)

Aufgebaut auf einem Fundamant aus Drums und Bass entsteht ein Sound, der permanent nach vorne drückt. John T ist dabei der zentrale Motor: Seine Vocals schneiden sich aggressiv durch das Material, während Bass, Synths und Drum-Programming den Stücken ihre mechanische Härte geben. Besonders stark ist, wie die Rhythmik nicht nur stützt, sondern den Songs eine unruhige, fast industrielle Pulsfrequenz verpasst.

Die Gitarren von Tobias Gray und George Kal liefern dazu keine bloße Wand aus Lärm, sondern gezielte Schneisen. In »Of Creation And Cancer« greifen rasende Attacken, dissonante Figuren und galloppierende Passagen sauber ineinander. Das wirkt extrem, aber nicht planlos. Die Musiker verstehen, wie man Chaos kontrolliert, ohne ihm die Gefährlichkeit zu nehmen.

Der fast elfminütige Abschluss »Cellular Catharsis« ist der stärkste Beweis für die Ambition dieser EP. Der Song wächst, kippt, bäumt sich auf und wirkt eher wie ein Endzeitritual als wie ein normaler Track. Hier erreicht »Towers« seine größte Wucht, auch wenn die Überlänge nicht jede Sekunde gleich zwingend hält.

FAZIT:

»Towers« ist fordernd, finster und beeindruckend konsequent. The Machinist verbinden technische Härte mit industrieller Kälte und schaffen eine EP, die Fans von Anaal Nathrakh, Morbid Angel und extremer Klangarchitektur definitiv antesten sollten.

Of Creation And Cancer Visualiser:

Internet

THE MACHINIST - Towers

Evilean – Exhumation Evilean

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Band: Evilean 🇦🇺
Titel: Exhumation Evilean
Label: Independent
VÖ: 03.04.2026
Genre: Death Metal / Groove Metal / Crossover

Tracklist

01. Die Blind
02. Damzel of Death
03. Lost Cause
04. Bitchcntscumfck
05. Killing Fields

Besetzung

Jojo Shaw – Gesang, Gitarre
Jim Ramses – Bass
Robin Stone – Schlagzeug

Troy McCosker – Produktion, Mixing, Mastering

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Beim Lesen des Namens dieser Combo stellt man sich die Frage, ob es sich hierbei um die Zombie-Zwillingsschwester von Eveline handeln könnte? Naja, sämtliche Spekulationen zum Trotz: Evilean kommen nicht mit Samthandschuhen, sondern mit ordentlichen Schwielen. oder vielleicht eher mit Graberde unter den Fingernägeln? Jedenfalls klingt der Titel »Exhumation Evilean« weniger nach Debüt-EP als nach einer Ausgrabung aus einem feuchten Grab, in dem alte Death-Metal-Kassetten, persönliche Dämonen und unaufgeräumte Wut übereinanderliegen. Genau dort setzt diese australische Formation um Jojo Shaw auch an: nicht glatt, nicht modern zurechtpoliert, nicht auf maximale Streaming-Verträglichkeit gebürstet, sondern roh, kantig und stellenweise bewusst unbequem.

Die EP ist kurz, aber sie macht keinen kleinen Eindruck. Fünf Songs, knapp unter zwanzig Minuten, keine überflüssigen Umwege. Evilean werfen Death Metal, Groove Metal und Crossover-Elemente in einen Raum, verriegeln die Tür und lassen die Stücke gegeneinander anlaufen. Das Ergebnis ist nicht immer sauber sortiert, aber gerade diese Unordnung gehört zum Konzept. Hier will nichts elegant gleiten. Hier wird geschoben, gekratzt, gewürgt und gezerrt.

(Hört hier die komplette EP und schaut die Clips)

EXHUMIERTER SOUND MIT QUALITÄT STATT MODERNER GLANZPRODUKTION

Interessant ist an »Exhumation Evilean« vor allem, wie sehr diese EP ihren eigenen Dreck nicht verstecken will. Viele aktuelle Death-Metal-Produktionen klingen wie sterile Präzisionsmaschinen: perfekt ausgeleuchtet, perfekt editiert, perfekt entmenschlicht. Evilean gehen einen anderen Weg. Der Sound bleibt massiv, aber er besitzt Reibung. Die Gitarren haben diesen knorrigen, schweren Zug, der eher nach rostiger Werkbank als nach Hochglanzstudio klingt. Der Bass von Jim Ramses füllt den unteren Bereich mit genügend Druck, ohne sich in technische Angeberei zu verlieren, während Robin Stone am Schlagzeug das Material zusammenhält, wenn es in chaotischere Zonen kippt.

Das ist kein Death Metal, der den Hörer mit chirurgischer Komplexität beeindrucken will. Evilean setzen stärker auf Instinkt, Körperlichkeit und unmittelbare Aggression. Man hört dieser EP an, dass sie aus Spannung, innerem Druck und einer gewissen Lust am Kontrollverlust entstanden ist. Genau dadurch wirkt sie glaubwürdig. Nicht jeder Übergang sitzt elegant, nicht jeder Part ist kompositorisch zwingend ausformuliert, doch die Grundenergie ist echt. Und manchmal ist genau das wichtiger als die perfekte Schnittkante.

DIE BLIND: EIN EINSTIEG WIE EIN SCHLAG IN DEN STAUB

»Die Blind« eröffnet die EP ohne lange Vorwarnung. Das Stück wirkt wie ein Herausbrechen aus einer Erdschicht, in der lange etwas gegärt hat. Die Riffs kommen roh, direkt und mit einer bösartigen Trockenheit, die sofort klarstellt, dass Evilean keine melodische Schonfrist geben wollen. Besonders stark ist hier die Art, wie die Gitarren nicht nur brutal drücken, sondern auch eine gewisse nervöse Unruhe erzeugen. Es geht nicht bloß um Härte, sondern um ein Gefühl von Bedrängnis.

Jojo Shaw klingt dabei nicht wie jemand, der extreme Vocals als Effekt benutzt, sondern wie jemand, der sich durch das Material hindurcharbeitet. Ihre Stimme ist kratzig, giftig und körperlich. Sie muss nicht permanent in den tiefsten Keller growlen, um gefährlich zu wirken. Viel eher lebt sie von ihrer angefressenen Präsenz. »Die Blind« ist damit ein passender Auftakt: nicht der variantenreichste Song der EP, aber ein klares Statement. Hier wird nicht angeklopft. Hier wird die Tür eingetreten.

DAMZEL OF DEATH UND DER SCHMALE GRAT ZWISCHEN TRAUMA UND MYTHOS

Mit »Damzel of Death« wird die EP thematisch noch interessanter. Der Song bewegt sich im Spannungsfeld aus Gewalt, Wahrnehmung, Schuld, Rache und dunkler Faszination. Statt eine einfache Horrorpose aufzubauen, greift das Stück stärker in psychologische und biografisch aufgeladene Räume. Gerade dadurch hebt es sich von vielen reinen Splatter-Texten ab. Es geht nicht nur um Blut, sondern um die Frage, wie Gewalt erzählt, verzerrt und gedeutet wird.

Musikalisch besitzt »Damzel of Death« einen der einprägsameren Grooves der EP. Das Hauptriff ist simpel genug, um sofort zu greifen, aber schwer genug, um nicht billig zu wirken. Die Rhythmussektion setzt darunter einen stabilen Körper, während die Vocals darüber wie ein angezündeter Draht hängen. Der Song zeigt, dass Evilean mehr können als nur stumpf prügeln. Wenn die Band ihre Brutalität mit Atmosphäre verbindet, entsteht tatsächlich eine eigene Handschrift.

LOST CAUSE: DAS ZENTRUM DER EP

»Lost Cause« ist nicht ohne Grund der Song, der die EP nach außen am stärksten repräsentiert. Inhaltlich geht es um ein zerstörerisches Ego, Manipulation, Kontrollwahn und den Moment, in dem Selbstbild und Wirklichkeit endgültig auseinanderbrechen. Das passt hervorragend zum Sound: Der Track wirkt gleichzeitig aggressiv und unheimlich schillernd. Zwischen massiven Riffwänden und düsteren melodischen Einsprengseln entsteht eine Atmosphäre, die nicht einfach nur brutal ist, sondern innerlich vergiftet.

Hier findet Evilean die stärkste Balance zwischen Songwriting und roher Entladung. Die Nummer hat mehr Wiedererkennungswert als der Opener, mehr innere Dramaturgie als mancher der direkteren Abrissmomente und genug Härte, um nicht in atmosphärische Unentschlossenheit abzurutschen. Gerade die Kombination aus wütender Stimme, drückender Gitarre und einer fast fiebrigen Spannung macht »Lost Cause« zum Kernstück der EP. Wenn man nur einen Song antesten will, sollte es dieser sein.

BITCHCNTSCUMFCK: HÄSSLICHKEIT ALS PROGRAMM

Schon der Titel »Bitchcntscumfck« macht klar, dass hier keine gepflegte Abendunterhaltung wartet. Das Stück ist der vielleicht direkteste Wutausbruch der EP. Es klingt wie eine bewusst übersteuerte Konfrontation, wie ein Track, der nicht vermitteln, sondern angreifen will. Die Death-/Groove-Metal-Kante tritt hier besonders deutlich hervor: schleppende Druckmomente, kurze Ausbrüche, wiederkehrende Riffblöcke und eine Stimmung, die eher aus Zorn als aus klassischer Kompositionslogik geboren wird.

Das funktioniert über weite Strecken, weil Evilean diese Hässlichkeit nicht weichzeichnen. Gleichzeitig zeigt der Song auch eine Schwäche der EP: Wenn die Band zu lange auf derselben Angriffshaltung bleibt, verliert die Brutalität ein wenig an Wirkung. Es gibt Momente, in denen aus hypnotischem Nachdruck beinahe Monotonie wird. Trotzdem bleibt »Bitchcntscumfck« wichtig für das Gesamtbild, weil er den kompromisslosen Kern der Band freilegt. Das ist nicht schön. Das soll auch nicht schön sein.

KILLING FIELDS: DER SCHWERSTE SCHLUSS

Mit »Killing Fields« endet »Exhumation Evilean« in einem der stärkeren Momente. Der Song wirkt breiter, schwerer und etwas kontrollierter als die brutaleren Ausbrüche davor. Hier bekommt der Bass mehr Raum, die Drums drücken das Stück nach vorn, und die Gitarren bauen eine Atmosphäre auf, die nicht nur auf Angriff, sondern auch auf Nachhall setzt. Gerade in den langsameren Passagen zeigt sich, dass Evilean nicht ausschließlich von Tempo leben.

»Killing Fields« ist kein versöhnlicher Abschluss. Eher wirkt der Song wie der letzte Blick auf ein Schlachtfeld, nachdem der unmittelbare Lärm abgeklungen ist. Die Vocals klingen hier besonders zerrissen, fast gehetzt, während die Instrumente darunter eine massive, erdige Schwere erzeugen. Als Finale funktioniert das gut, weil es die EP nicht einfach abrupt auslaufen lässt, sondern den vorher aufgebauten Druck in eine dunklere, schleppendere Form überführt.

ZWISCHEN KATHARSIS UND CHAOS

Die große Stärke dieser EP liegt in ihrer Glaubwürdigkeit. Evilean klingen nicht wie eine Band, die sich einen extremen Stil ausgesucht hat, weil er gerade passt. »Exhumation Evilean« wirkt eher wie ein Ventil. Die Songs sind rau, aggressiv und in ihrer besten Form unangenehm nah. Besonders dann, wenn persönliche Dunkelheit, Death-Metal-Schwere und Groove ineinandergreifen, entwickelt das Material eine starke Wirkung.

Die Kehrseite: Die EP ist nicht immer sauber fokussiert. Manche Übergänge wirken eher impulsiv als zwingend. Einige Parts leben stark von Energie, aber weniger von kompositorischer Raffinesse. Wer Death Metal vor allem technisch, präzise und strukturell ausgefeilt erwartet, könnte sich an der rohen, stellenweise chaotischen Anlage reiben. Doch gerade diese Unordnung ist auch Teil des Reizes. Evilean sind auf diesem Debüt noch nicht die perfekt austarierte Maschine, sondern eher ein frisch ausgegrabenes Monster, das noch Erde spuckt.

SOUND: ROH, FETT UND PASSEND UNKOMFORTABEL

Die Produktion von Troy McCosker trifft den Charakter der EP gut. Der Sound ist schwer und kräftig genug, um professionell zu wirken, bleibt aber rau genug, um die Musik nicht zu entschärfen. Besonders die Gitarren profitieren von dieser Entscheidung. Sie klingen nicht steril, sondern körnig und bissig. Auch die Drums haben genügend Punch, ohne das Material in eine klinische Plastikproduktion zu drücken.

Das passt zu den Themen der EP. »Exhumation Evilean« handelt nicht von klaren, sauber sortierten Erzählungen. Es geht um verzerrte Erinnerung, innere Unruhe, Macht, Gewalt, Ego, Schmerz und das, was man lieber nicht vollständig erklärt. Ein zu glatter Sound hätte dieser Musik die Zähne gezogen. So bleibt sie kantig, manchmal unberechenbar und oft unangenehm körperlich.

FAZIT:

»Exhumation Evilean« ist ein starkes, roh belassenes Debüt, das seine Wirkung nicht aus Perfektion zieht, sondern aus Druck, Atmosphäre und emotionaler Direktheit. Evilean liefern keine EP für Hörer, die ihren Death Metal fein sortiert, elegant produziert und makellos durcharrangiert brauchen. Hier regiert der Schmutz. Hier kratzt die Stimme. Hier rumpelt und schiebt es. Genau das macht den Reiz aus.

Am besten funktionieren Evilean, wenn sie ihre Brutalität mit psychologischer Spannung verbinden. »Lost Cause«, »Damzel of Death« und »Killing Fields« zeigen besonders deutlich, wohin diese Band wachsen kann: in Richtung eines extremen, persönlichen, groovenden Death-Metal-Sounds, der nicht nur zuschlägt, sondern nachwirkt. Schwächer wird es dort, wo Chaos und Wiederholung den Songs etwas Struktur nehmen.

Trotzdem bleibt am Ende ein Debüt, das sich behauptet. »Exhumation Evilean« ist keine glattgeschliffene Visitenkarte, sondern ein schmutziger Ausbruch. Nicht jeder Knochen sitzt schon an der richtigen Stelle, aber das Skelett steht. Und wenn Evilean diesen Weg weitergehen, die stärksten atmosphärischen Ansätze vertiefen und das Songwriting noch etwas schärfen, könnte aus dieser Exhumierung mehr werden als nur ein kurzer Aufstieg aus dem Grab.

Lost Cause Video:

Internet

EVILEAN - Exhumation Evilean

MANGLED RECREMENT – Demo

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cover artwork MANGLED RECREMENT Demo
cover artwork MANGLED RECREMENT Demo

Band: MANGLED RECREMENT 🇵🇱
Titel: Demo
Label: Caligari Records
VÖ: 15/05/26
Genre: Death Metal

Tracklist

01. Boiled to Death
02. Irresponsive Cephalic Fracture
03. Bile Seeping Crypt
04. Buried Beneath Grubs

Besetzung

 

Bewertung:

3,5/5

Eine neue Band präsentiert ihr Debütwerk. Das polnische Trio MANGLED RECREMENT kommt mit „Demo“ – tatsächlich ein Demo-Tape, das der Welt ihre ersten musikalischen Ideen vorstellt. Ein guter Sound und insgesamt eine solide Produktion prägen den ersten positiven Eindruck dieses ersten Releases der Band.

Schwerer Einstieg im Old-School-Gewand

Stark verzerrt, aber klar im schwedischen Old-School-Death-Metal verwurzelt, bringt der Opener „Boiled to Death“ ein massiv drückendes Klangbild. Tiefer gestimmte Gitarren, infernalische Growls, eine klare Rhythmik, ein aggressiver und bedrückender Sound, insgesamt eine morbide und düstere Atmosphäre. Die Musik funktioniert dabei sehr gut, die Einflüsse von Entombed oder Dismember sind in jeder Passage hörbar, was an sich nichts Negatives ist. Den Sound dieser Ära aufzugreifen, ist absolut legitim, solange die Umsetzung stimmt – und genau das gelingt MANGLED RECREMENT hier überzeugend.

MANGLED RECREMENT sind ein Underground-Death-Metal-Trio aus Lublin in Polen. Gegründet 2024, handelt es sich hier um ihr erstes Demo mit vier Songs. Viel mehr ist über die Band nicht bekannt, außer dass sie „seit 2024 in den Kellern von Lublin vor sich hin verwesen“ und dass die Mitglieder auch in anderen lokalen Bands aktiv sind, etwa bei Leucotome und Toughness.

Ein ähnliches Klangbild setzt sich im nächsten Song „Irresponsive Cephalic Fracture“ fort, diesmal mit komplexeren Gitarren und deutlichen Tempowechseln, während die drückenden Riffs weiterhin das abrasive Gesamtbild tragen. Eine ambientartige, düstere Zwischenpassage in der Songmitte ist zwar sauber eingebaut, bringt aber weder musikalisch noch atmosphärisch echten Mehrwert, sondern wirkt eher wie eine Kopie bekannter Stilmittel. Schade, denn dadurch verliert der Song an Substanz. Auch wenn danach wieder die verzahnten Leadgitarren und soliden Riffs einsetzen, bleibt der Bruch im Fluss spürbar.

Solide Produktion für ein Demo

Die Produktion ist gut, deutlich besser, als man es von einem Demo erwarten würde. Die Instrumente sind klar hörbar, der Mix wirkt ausgewogen, stellenweise sind sogar moderne Akzente zu erkennen. Insgesamt eine balancierte und professionelle Produktion für dieses kurze Release.

Weniger fokussiert als die vorherigen Tracks zeigt sich „Bile Seeping Crypt“, der mit unterschiedlichen Tempos arbeitet und in seinen Höhepunkten eine rasante, technisch anspruchsvolle Passage bietet. Der Bass tritt hier besonders hervor, und alle Instrumente greifen sehr gut ineinander. Ein eigenständigerer Song und ein überzeugender Moment auf dem Demo.

Auch im abschließenden „Buried Beneath Grubs“ gibt es keine großen stilistischen Veränderungen: kraftvolle Riffs und wütende Vocals dominieren, ergänzt durch chorartige Backing-Vocals der gesamten Band, die dem Song zusätzliche Tiefe verleihen. Prägnante Gitarren, die zwischen Riffs und fuzzigen Texturen wechseln, sowie eine leicht chaotische Rhythmussektion ergeben erneut eine interessante Interpretation klassischer Genre-Elemente. Kompositorisch etwas fragmentierter und weniger inspiriert als die stärksten Momente zuvor, aber dennoch ein gelungener Abschluss.

Klarer Fokus auf Riffs und Wirkung

Alles auf diesem „Demo“ ordnet sich den massiven, verzerrten Riffs unter, genau so, wie es im Old-School-Kontext sein sollte. Gerade hier gelingt die Verbindung zum klassischen Sound am überzeugendsten, und MANGLED RECREMENT zeigen ausreichend technisches Können, um zu belegen, dass sie das Genre verstanden haben. Roh, aggressiv, direkt und druckvoll – ein kurzes Debüt, das klare Ansätze erkennen lässt.

Besonders originell ist das Material nicht, eher eine weitere Verbeugung vor Bands wie Entombed, Grave oder Dismember und der ursprünglichen schwedischen Death-Metal-Welle. Dennoch gelingt es MANGLED RECREMENT, diese Einflüsse in einigen starken Passagen sinnvoll zu bündeln. Angesichts ihres jungen Alters wirkt die Band vielversprechend und dürfte in Zukunft noch mit interessanten Veröffentlichungen nachlegen.

Fazit: MANGLED RECREMENT liefern mit „Demo“ ein solides Debüt im schwedischen Old-School-Death-Metal-Stil, technisch überzeugend, wenn auch wenig originell, mit klar erkennbarem Potenzial.

Internet

MANGLED RECREMENT - Demo

AN ABSTRACT ILLUSION, DISILLUSION – 07.05.2026, Viper Room Wien

AN ABSTRACT ILLUSION

LIVE SPRING 2026

DISILLUSION , AN ABSTRACT ILLUSION

07.05.2026, Viper Room Wien

Ein weiterer Abend, an dem zwei Konzerte aus sehr ähnlichen musikalischen Bereichen gleichzeitig stattfanden und die Wiener Progressive-Metal-Fans in zwei Richtungen teilten. Nach dem außergewöhnlichen Album „The Sleeping City“ fiel die Entscheidung für AN ABSTRACT ILLUSION allerdings leicht, auch wenn die Parallelveranstaltung ebenfalls mit einem starken Release aufwartete. So wurde dieser Abend mit AN ABSTRACT ILLUSION und DISILLUSION zu einem Konzert voller Melodie, progressiver Songstrukturen, aber ebenso voller Härte.

AN ABSTRACT ILLUSION

AN ABSTRACT ILLUSION waren als Special Guests angekündigt, für viele Besucher jedoch die eigentlichen Headliner des Abends. Nach einer Reihe von Alben auf höchstem Niveau bringt die schwedische Band in ihrer Livebesetzung alles mit, was Progressive Metal ausmacht: Melodie, Komplexität, technische Klasse und Härte.

AN ABSTRACT ILLUSION

Sie eröffneten den Abend mit einigen ihrer emotionalsten Songs. „Silverfields“ funktionierte hervorragend als Einstieg, beinahe wie ein langes Intro. Live klang der Song dichter und natürlicher als auf Album, mit besseren Drums und weiterhin stark präsenten Keyboards, während die Gitarren nach und nach den Sound ergänzten und daraus ein deutlich schwereres Klangbild machten.

AN ABSTRACT ILLUSIONFrontmann Christian Berglönn warnte das Publikum vorab, dass die Band „Death Metal und lange Songs“ liebe – und genau darum ging es bei diesem Auftritt. Die typische Melodik der Alben wurde live deutlich verändert, und stellenweise wirkte AN ABSTRACT ILLUSION eher wie eine Progressive-Death-Metal-Band. Dichter Sound, getragen von einem permanent präsenten und sehr überzeugenden Bass, dazu zwei Gitarren, weiterhin melodisch, aber wesentlich aggressiver eingebunden, sowie ein unnachgiebiges Schlagzeugspiel.

Massive Akkorde bestimmten auch „Blackmurmur“, ebenfalls vom aktuellen Album. Live wirkte der Song noch komplexer als erwartet. Wenn auf Album manchmal die Keyboards dominieren, kam das Gewicht des Sounds hier viel stärker von den übrigen Instrumenten.

AN ABSTRACT ILLUSIONDer Viper Room war ordentlich gefüllt, auch wenn er nicht überlaufen wirkte. Durch die enthusiastischen Reaktionen entstand dennoch das Gefühl eines komplett begeisterten Publikums. Und das absolut verdient, denn die Performance war vom ersten bis zum letzten Ton beeindruckend. Progressiver Metal aus Schweden, aber mit so viel Leidenschaft gespielt, dass das Publikum völlig in der Musik aufging.

Es folgten „Slaves“ vom gefeierten Album „Woe“, einem Release, das für viele mindestens auf dem Niveau von „The Sleeping City“ steht. „Frost Flower“ wurde mit einer persönlichen Widmung angekündigt und brachte viel Melancholie und Sensibilität mit sich, gleichzeitig aber auch heftige Dynamikwechsel und aggressive Ausbrüche schwerer Akkorde innerhalb derselben polyrhythmischen und verzweigten Strukturen.

AN ABSTRACT ILLUSIONJeder Musiker hätte große Anerkennung verdient, doch neben dem Sänger ragte besonders Karl Westerlund mit seinen technisch starken, aber gleichzeitig emotionalen Solos heraus. Ebenso wichtig für den typischen Sound der Band war Robert Stenvall an Keyboards und Backing Vocals. Mit Ausnahme des zweiten Gitarristen beteiligten sich alle Musiker am Gesang – eine Hauptstimme und vier zusätzliche Vocals. Kein Wunder also, dass der Sound so vielschichtig wirkte. Auch der Bassist trug nicht nur rhythmisch, sondern ebenso gesanglich enorm viel zum Gesamtbild bei. Und eigentlich war die Bühne für diese Band deutlich zu klein.

Nach jedem Song reagierte das Publikum begeistert, überhaupt war die Stimmung an diesem Abend eine der intensivsten, die man in Wien erleben kann. Endloser Applaus nach jedem Stück, völlig verdient. Komplexe Musik, perfekt live umgesetzt. Nach dem melancholischen „Emmett“ endete das Set mit „In the Heavens Above, You Will Become a Monster“, einer Reise in die härteste Seite der Band. Ein langer Song, ein weiteres Beispiel technischer Klasse und diesmal unnachgiebiger Progressive Death Metal – wütend, komplex und intensiv. Ein würdiger Abschluss eines außergewöhnlichen Auftritts.

AN ABSTRACT ILLUSION

Setlist

01. Silverfields
02. Blackmurmur
03. Slaves
04. Frost Flower
05. Emmett
06. In the Heavens Above, You Will Become a Monster

DISILLUSION

DISILLUSION feierten an diesem Abend das zwanzigjährige Jubiläum ihres Albums „Gloria“, was sich massiv in der Setlist widerspiegelte. Während die Band ursprünglich als Progressive/Melodic-Death-Metal-Gruppe begann, markierte das zweite Album einen bewussten Bruch mit dem früheren Sound. Ein bis heute polarisierendes Werk wegen seiner deutlichen Abkehr vom klassischen Death Metal.

DISILLUSION

Und genau dieser Sound dominierte den Beginn ihres Auftritts: eine Mischung aus Industrial Metal, Progressive Metal und Electro-/Rock-Elementen. Die Atmosphäre wirkte fast „techno-gothic“, voller poppiger Momente, und der stilistische Spagat der Band wurde sofort deutlich.

DISILLUSIONVor dem Konzert wirkte die Band auffallend angespannt. Normalerweise waren sie auf dieser Tour der Opener, und eine gewisse Nervosität war spürbar. Der Wechsel von der dichten Atmosphäre des vorherigen Auftritts fiel abrupt aus. „Gloria“ ist ohnehin nicht ihr stärkstes Werk, und die vielen gesprochenen Passagen, industrial- und gothicartigen Elemente sowie der dramatische Gesang entfernten sich deutlich von dem, was man an diesem Abend eigentlich erwartete. Metal im klassischen Sinn war das nur bedingt.

Der Opener „Don’t Go Any Further“ wurde immerhin von dem deutlich härteren „The Great Unknown“ abgelöst, bevor die Band erneut zwischen den unterschiedlichen Ansätzen wechselte. Dieser Song passte wesentlich besser zum Abend: schwerer, melodisch und deutlich näher am Progressive/Melodic Death Metal. Gleichzeitig zeigte sich hier auch der starke Kontrast zwischen den beiden Sänger/Gitarristen – der Frontmann eher klassisch rockig in seiner Bühnenpräsenz, der zweite Musiker deutlich stärker im Metal verwurzelt. Dieser Gegensatz spiegelte sich ebenso in ihren Bewegungen wider: auf der einen Seite fast Rock’n’Roll-artige Gestik, auf der anderen Seite heftiges Headbanging und klassische Metal-Attitüde.

DISILLUSIONDanach kehrte die Band wieder stärker zum Industrial-Sound zurück, um weitere Stücke von „Gloria“ zu präsentieren. Clean Vocals im beinahe gesprochenen „Telefonstil“, viel Synthesizer, während Gitarren und Bass oft eher begleitend wirkten, repetitive Strukturen und eingängige Passagen. Live funktionierten diese Songs immerhin deutlich härter als auf Album.

Doch sobald der Jubiläumsteil vorbei war, änderte sich die Atmosphäre spürbar. Der Sound blieb melodisch, wurde aber wesentlich schwerer und traditioneller im Melodic-Death-Metal verankert. Hier überzeugte besonders der Gitarrist/Growler mit starken Vocals, eindrucksvollen Gitarrenparts und auch akustischen Passagen. Mit „…And the Mirror Cracked“ kam schließlich einer der stärksten Songs des Abends – progressiv, technisch anspruchsvoll und zurecht einer der beliebtesten Titel der Band.

Die abschließenden Songs vom aktuellen Album „Ayam“, darunter „Driftwood“ und „Tormento“, zeigten erneut die schwerere Seite von DISILLUSION, kombiniert mit viel Melancholie und emotionalem Klargesang. Eingängige Songs, mit denen die Fans vollkommen zufrieden wirkten. Insgesamt eine interessante Band, deren Stilvielfalt den Auftritt abwechslungsreich machte und immer wieder unerwartete Wendungen im Sound brachte.

Setlist

01. Don’t Go Any Further
02. The Great Unknown
03. The Black Sea
04. Alea
05. Gloria
06. ….And the Mirror Cracked
07. Between
08. Save the Past
09. Am Abgrund
10. Driftwood
11. Tormento

Crimson Day mit neuer Videosingle „Song Of Fire“

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Crimson Day entfachen mit »Song of Fire« das apokalyptische Feuer!

Lyric Video anschauen:

Crimson Day haben mit »Song of Fire« ihre neue Single veröffentlicht. Der Song ist ein weiterer Vorbote des kommenden vierten Studioalbums »Dark Dimension«, das am 22. Mai 2026 über Wormholedeath erscheinen soll. Begleitet wird die Veröffentlichung von einem offiziellen Lyric Video, das die düstere Endzeitstimmung des Stücks visuell unterstreicht.

Mit »Song of Fire« tauchen die Finnen tief in apokalyptische Bilder ein. Inhaltlich kreist der Song um einen letzten Tag, an dem die erhoffte Erlösung ausbleibt und die Welt stattdessen den Flammen überlassen wird. Zwischen biblischer Untergangssymbolik, existenzieller Angst und finsterer Dramatik entsteht ein Szenario, das nicht auf Trost setzt, sondern auf die volle Wucht des Zusammenbruchs.

Musikalisch zeigen sich Crimson Day dabei von ihrer direkten und treibenden Seite. Rasante Metal-Riffs, druckvolle Energie, einprägsame Refrains und die kraftvolle Stimme von Milka Uusitalo bilden das Zentrum des Songs. Die Band verbindet klassischen Heavy-Metal-Spirit mit melodischen Hooks und einer dunklen, beinahe filmischen Atmosphäre, die »Song of Fire« weit über eine reine Vorab-Single hinaushebt.

Der Track reiht sich neben »False Prophet« und »Hexed« in die bisher veröffentlichten Vorboten von »Dark Dimension« ein. Gemeinsam zeichnen die drei Songs bereits jetzt das Bild eines Albums, das ambitioniert, geschlossen und thematisch deutlich dunkler ausgerichtet wirkt. Crimson Day scheinen hier nicht einfach nur ein weiteres Kapitel aufzuschlagen, sondern ihre bisherige Entwicklung mit Nachdruck auf einen neuen Punkt zu bringen.

»False Prophet« anschauen:

»Hexed« anschauen:

Crimson Day wurden 2013 in Tampere gegründet und haben sich seitdem innerhalb der finnischen Heavy-Metal-Szene ihren eigenen Platz erarbeitet. Die Band verbindet die zeitlose Kraft des klassischen Heavy Metal mit unterschiedlichen Genre-Einflüssen, dunkler Intensität, hoher Energie und melodischer Schärfe.

Nach der selbstbetitelten EP aus dem Jahr 2013 folgte 2015 das Debütalbum »Order of the Shadows«. Mit »At the Mountains of Madness« erweiterten Crimson Day 2018 ihren Sound, bevor 2023 das selbstbetitelte Album »Crimson Day« erschien. Einen wichtigen Einschnitt markierte das Jahr 2020, als Milka Uusitalo als neue Frontfrau zur Band stieß und eine neu belebte Phase einleitete.

Seitdem überzeugten Crimson Day nicht nur mit eigenen Singles wie »Raising the Fury« und »Black as the Heavens Above«, sondern auch mit eigenwilligen Coverversionen von »Immigrant Song«, »Holding Out for a Hero« und »Objection (Tango)«. Gerade diese stilistische Beweglichkeit zeigt, dass die Band zwar fest im Heavy Metal verwurzelt ist, sich aber nicht auf enge Genregrenzen reduzieren lässt.

Live haben Crimson Day ebenfalls reichlich Erfahrung gesammelt. Mit über 100 Shows in Finnland und Europa, gemeinsamen Auftritten mit Sonata Arctica, Turmion Kätilöt, Turisas, Reckless Love und Korpiklaani sowie Konzerten im Baltikum, in Deutschland und Schweden hat sich die Band einen Ruf als kraftvolle Live-Formation erspielt. Mit »Dark Dimension« steht nun das bislang ambitionierteste Kapitel der Bandgeschichte bevor.

Crimson Day sind:

 

Milka Uusitalo – Gesang
Ari Balzar – Leadgitarre
Janne Rantanen – Gitarre/Screams
Jesse »Kämy« Kämäräinen – Bass
Janne Ollikainen – Drums/Percussion

Photo Credits: Katri Kallio Photography

 

Weblinks

Quellenangabe: Crimson Day / Wormholedeath

Antirope – Bring Me To Zero

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Band: ANTIROPE 🇩🇪
Titel: Bring Me To Zero
Label: Eclipse Records
VÖ: 01.05.2026
Genre: Alternative Metal / Grunge / Psychedelic Doom

Tracklist

01. Monolith
02. Unholy
03. Zero
04. Afterglow
05. Life Is A Lie
06. Cascades
07. Dry Your Eyes
08. Intervention
09. Sunshine Of Your Love (Cream Cover)
10. Beyond
11. Aurora

Besetzung

Slaven Stokic – Gesang / Gitarre
Patrick Fleischer – Gitarre / Background Vocals / Produktion
Julie Fleischer – Bass / Background Vocals
Jürgen „BamBam“ Wiehler – Schlagzeug

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

ANTIROPE aus München sind keine Band, die sich mit dekorativer Schwere zufriedengibt. Hier wird nicht einfach ein bisschen Alternative Metal mit Grunge-Patina überzogen, damit es nach Neunzigern riecht. ANTIROPE ziehen ihre Einflüsse aus Black Sabbath, Soundgarden und Neurosis tief in einen eigenen, dunklen Raum, in dem Riffs schwer atmen, Vocals zwischen Druck und Verletzlichkeit pendeln und der psychedelische Unterton eher wie eine offene Wunde als wie ein Farbfilter wirkt.

Mit »Bring Me To Zero« legt die Band ihr zweites Album vor und klingt dabei deutlich entschlossener als auf dem Debüt »Amnesia«. Dieses Album wirkt nicht wie eine lose Sammlung starker Ideen, sondern wie ein zusammenhängender Abstieg: schwer, hypnotisch, verhangen, aber nie völlig hoffnungslos. Wo andere Gruppen im Alternative-Metal-Segment oft entweder in Retro-Verklärung oder moderne Glattproduktion kippen, bleiben ANTIROPE angenehm unbequem. Das Material ist roh genug, um zu knirschen, aber präzise genug, um nicht im Proberaumnebel zu verschwinden.

(Hört hier die Songs und schaut die Clips)

Die Songs wurden erneut live eingespielt, diesmal in Patrick Fleischers Lungfull Studios. Das hört man. »Bring Me To Zero« besitzt diese seltene Körperlichkeit, die vielen modernen Metal-Produktionen fehlt. Die Platte schiebt nicht nur über Lautstärke, sondern über Luft, Raum und Reibung. Jeder Anschlag hat Gewicht, jedes Becken wirkt wie eine Warnlampe, jeder Basslauf trägt ein Stück Erdreich mit sich. Genau darin liegt die große Stärke des Albums: ANTIROPE klingen massiv, ohne steril zu werden.

DER MONOLITH BEGINNT ZU ATMEN

Der Opener »Monolith« macht sofort klar, dass ANTIROPE keine Geduld für höfliche Warm-up-Gesten haben. Das Stück baut sich wie ein schwarzer Block vor dem Hörer auf: schwer, unnachgiebig, schleichend bedrohlich. Textlich wirkt »Monolith« wie das Bild einer fremden Macht, die gleichzeitig beobachtet, verfolgt, erstickt und kontrolliert. Es geht weniger um ein äußeres Monster als um eine innere Instanz, die sich verselbstständigt hat. Diese Mischung aus Paranoia, Überwachung und Selbstverlust passt hervorragend zum schweren Riffing. Der Song rollt nicht einfach los, er presst sich langsam in den Raum.

Musikalisch ist »Monolith« ein starker Einstieg, weil die Band hier sofort ihre Kernkompetenz zeigt: Groove statt Tempo-Flucht, Druck statt Virtuosen-Gefuchtel, Atmosphäre statt bloßer Härte. Slaven Stokic singt und schreit nicht gegen die Musik an, sondern scheint in ihr festzustecken. Seine Stimme klingt rau, gedrückt und doch erstaunlich melodiefähig. Gerade dieser Kontrast macht den Einstieg so wirksam.

»Unholy« führt diese Dunkelheit weiter, öffnet aber eine andere Tür. Der Song spielt mit religiös aufgeladenen Begriffen, mit Nähe, Abhängigkeit, Hingabe und dem Wunsch, sich aus einer erstickenden Verbindung zu lösen. Die Bedeutung liegt nicht im plakativen Antireligionsgestus, sondern in der Verdrehung von Heiligkeit: Was eigentlich schützen sollte, wird zur Last. Was wie Erlösung klingt, fühlt sich nach Unterwerfung an. ANTIROPE verpacken das in einen zähen, hypnotischen Fluss, der sich langsam ausdehnt und im Refrain eine finstere Sogwirkung entwickelt.

RESET-KNOPF IM KOPF: DER TITELKERN

Mit »Zero« erreicht das Album früh seinen konzeptionellen Mittelpunkt. Der Song handelt von Orientierungslosigkeit, Kontrollverlust und dem Wunsch, alles auf null zu setzen. Das ist keine Kapitulation, sondern eher eine radikale Reinigung: Der Kopf ist voll Lärm, die Welt wirkt entrückt, und irgendwo zwischen Schlaf, Schreien und Erstarrung wächst der Wunsch nach einem Punkt, an dem man wieder anfangen kann. Genau deshalb ist »Zero« so wichtig für »Bring Me To Zero«. Der Song erklärt nicht nur den Titel, er verkörpert ihn.

Musikalisch ist »Zero« einer der besten Momente der Platte. Patrick Fleischer und Slaven Stokic schichten die Gitarren nicht zu einem undurchdringlichen Matsch, sondern lassen dem Riff Raum zum Atmen. Julie Fleischer hält darunter den dunklen Puls, während Jürgen „BamBam“ Wiehler mit kontrollierter Wucht spielt. Sein Drumming ist kein Show-Off, sondern ein tektonischer Motor. Er gibt dem Stück Gewicht, ohne es zu überladen.

»Afterglow« wirkt dagegen wie der Blick auf die Trümmer nach dem inneren Zusammenbruch. Textlich geht es um Flucht, Zeichen, die vielleicht Warnungen sind, und eine Situation, in der Heilung nicht mehr rechtzeitig kommt. Der Song besitzt etwas Endzeitliches: Man rennt, aber nicht mehr unbedingt, um zu entkommen. Eher, um noch einmal Geschwindigkeit zu spüren, bevor alles niederbrennt. Die Musik greift diese Stimmung gut auf. Zwischen schweren Gitarren und großem Refrain entsteht ein fiebriges Spannungsfeld, das an Soundgarden in besonders bleierner Verfassung erinnert, ohne zur Kopie zu werden.

LÜGEN, MASKEN UND DER BLICK UNTER DIE HAUT

»Life Is A Lie« taucht noch tiefer in Selbsttäuschung und emotionale Erschöpfung ein. Der Text kreist um hohle Träume, dunkle Wünsche, Verdrängung und den Versuch, eine innere Lüge lange genug am Leben zu halten, bis sie sich wie Realität anfühlt. Das ist kein optimistisches Stück, aber ein ehrliches. Slaven Stokic klingt hier besonders stark, weil er nicht nur Härte liefert, sondern Müdigkeit, Bitterkeit und Trotz in dieselbe Linie presst. Solche Momente zeigen, dass ANTIROPE keine reine Riffmaschine sind.

»Cascades« ist textlich einer der spannendsten Songs des Albums. Das Stück beschäftigt sich mit falschen Gesichtern, sichtbarer Angst hinter einstudierten Gesten und dem Wunsch, die Welt auf den Kopf zu stellen, um endlich klar zu sehen. Die Bedeutung liegt in der Entlarvung: Was lächelt, ist nicht automatisch heil. Was ruhig wirkt, kann längst Risse haben. Musikalisch arbeitet der Song mit einer schönen Mischung aus Schwere und Bewegung. Der Bass von Julie Fleischer ist hier besonders wichtig, weil er nicht nur den Grundton hält, sondern die unterschwellige Spannung verstärkt.

»Dry Your Eyes« ist einer der emotional zugänglicheren Songs auf »Bring Me To Zero«. Textlich geht es um Durchhalten, Abschied, Wut, Selbstkontrolle und das Wiederaufrichten nach einer schwierigen Strecke. Der Song ist nicht weich, aber er besitzt eine fast tröstende Härte. Nicht im Sinne von alles wird gut, sondern eher: Geh weiter, auch wenn die Straße lang ist. Diese Mischung aus bitterem Humor, zäher Widerstandskraft und innerem Aufstehen macht »Dry Your Eyes« zu einem wichtigen Ruhepol des Albums.

DIE MUSIKER: KEINE STAFFAGE, SONDERN DAS FUNDAMENT

Die Leistung der Musiker ist einer der Hauptgründe, warum »Bring Me To Zero« so gut funktioniert. Slaven Stokic trägt das Album mit einer Stimme, die nicht auf klassische Perfektion setzt, sondern auf Charakter. Er kann rau drücken, melodisch öffnen und sich in den Songs so positionieren, dass man ihm den inneren Kampf abnimmt. Gerade in »Zero«, »Life Is A Lie« und »Aurora« zeigt er, dass er nicht nur Sänger, sondern Erzähler dieser dunklen Reise ist.

Patrick Fleischer liefert an der Gitarre und hinter den Reglern eine bemerkenswert geschlossene Arbeit ab. Seine Riffs haben Masse, aber auch Kontur. Er weiß, wann ein Akkord stehen bleiben muss, wann ein Groove ziehen darf und wann ein Song mehr Luft braucht. Als Produzent hält er die Platte auf Kurs: schwer, organisch, druckvoll, aber nicht überproduziert. Gerade bei dieser Art von Musik ist das entscheidend, denn ein zu glatter Sound hätte der Band die Schattnen genommen.

Julie Fleischer ist am Bass mehr als nur die Verstärkung der Gitarren. Ihr Spiel gibt den Songs Tiefe, Wärme und diesen unterschwelligen Druck, der viele Passagen erst richtig gefährlich macht. In einer Band, die stark über Groove und Atmosphäre arbeitet, ist der Bass kein Nebenschauplatz, sondern tragende Statik. Ihre Background Vocals fügen dem Material zusätzlich Farbe hinzu, ohne die düstere Grundierung aufzubrechen.

Jürgen „BamBam“ Wiehler schließlich bringt eine spürbare neue Stabilität in die Band. Seine Vergangenheit bei Bonfire und Megaherz hört man nicht als stilistische Schablone, sondern als Erfahrung: Er weiß, wie man einen Song trägt, statt ihn zu überfahren. Die Grooves sind schwer, die Fills sitzen, die Akzente kommen mit Nachdruck. Besonders in »Intervention« und »Beyond« zeigt er, dass Präzision und rohe Energie keine Gegensätze sein müssen.

INTERVENTION, KONTROLLVERLUST UND DIE LUST AM EINGRIFF

»Intervention« ist einer der unmittelbarsten Songs der Platte. Textlich dreht sich das Stück um Angst, Erstarrung, Kontrollverlust und den Wunsch, dass jemand oder etwas eingreift. Gleichzeitig klingt darin eine gefährliche Faszination für diesen Eingriff mit. Es geht nicht nur darum, gerettet zu werden, sondern auch darum, die Eskalation zu spüren. Genau diese Ambivalenz macht den Song stark: »Intervention« ist nicht bloß ein Hilferuf, sondern ein Stück über den Moment, in dem man die Kontrolle verliert und trotzdem nicht sicher ist, ob man sie wirklich zurückhaben will.

Musikalisch knallt »Intervention« am direktesten. Das Riff hat eine kantige, fast industrielle Wucht, ohne die Band in Richtung reiner Maschinenmusik zu ziehen. Jürgen „BamBam“ Wiehler schiebt das Stück mit schwerem Punch nach vorne, während die Gitarren wie Betonplatten aufeinanderkrachen. Dass externe Reviews gerade diesen Track als starken, aber noch nicht völlig explodierenden Spannungsaufbau wahrnehmen, ist nachvollziehbar. Der Song lebt von seiner kontrollierten Bedrohung.

Mit »Sunshine Of Your Love« wagen sich ANTIROPE an einen Klassiker von Cream. Solche Coverversionen sind riskant, weil das Original durch seinen legendären Riffcharakter fast unantastbar wirkt. ANTIROPE machen aber nicht den Fehler, den Song nur schwerer nachzuspielen. Sie ziehen ihn in ihre eigene Dunkelkammer. Aus bluesiger Psychedelik wird ein doomiger, verlangsamter Sog. Die ursprüngliche Wärme wird nicht zerstört, sondern verdunkelt. Dadurch passt das Cover erstaunlich gut ins Album, auch wenn es natürlich als Fremdkörper erkennbar bleibt.

DER WEG NACH DRAUSSEN FÜHRT WEITER NACH UNTEN

»Beyond« nimmt den Gedanken des Zerfallens wieder auf, geht aber stärker in Richtung Loslassen und Neubeginn. Textlich steht hier ein Ich im Zentrum, das nicht lange stabil bleibt, auseinanderfällt und nach einem Weg zurück an den Anfang sucht. Gleichzeitig öffnet sich ein Sehnsuchtsraum: Irgendwo jenseits des gegenwärtigen Zustands könnte eine Form von Befreiung liegen. Der Song verbindet die Schwere des Albums mit einer fast epischen Weite und gehört zu den Momenten, in denen ANTIROPE am überzeugendsten zwischen brutaler Erdung und seltsamer Schönheit pendeln.

Der Abschluss »Aurora« ist dann kein klassischer Rausschmeißer, sondern ein langsames, großes Nachglühen. Der Text kreist um Angst, innere Stimmen, das Bedürfnis, etwas endlich auszusprechen, und die Frage, wann Veränderung echt ist und wann sie nur als Maske dient. »Aurora« klingt wie ein Licht am Ende des Albums, aber nicht wie Erlösung. Eher wie ein fahler Morgen nach einer Nacht, in der zu viel aufgebrochen ist. Genau deshalb ist der Song als Finale so stark. Er lässt die Platte nicht triumphierend enden, sondern offen, wund und nachhallend.

Auch hier zeigt sich, warum ANTIROPE mehr sind als eine weitere Retro-Alternative-Band. Die langen Spannungsbögen, die schweren Gitarren, die kontrollierten Ausbrüche und die emotionalen Schattenflächen ergeben ein Gesamtbild, das nicht nach bloßem Stilzitat klingt. Ja, man hört die Erbmasse von Black Sabbath, Soundgarden, Alice In Chains und Neurosis. Aber ANTIROPE wirken nicht wie eine Band, die alte Poster anbetet. Sie nehmen diese Sprache und schreiben damit ihre eigenen dunklen Sätze.

STÄRKEN UND SCHWÄCHEN

Die größte Stärke von »Bring Me To Zero« liegt in seiner Atmosphäre. Dieses Album hat Gewicht. Nicht nur akustisch, sondern emotional. Die Songs wirken, als würden sie etwas mit sich herumtragen, das zu schwer ist, um es einfach in Refrains aufzulösen. Dazu kommt eine Produktion, die der Band hervorragend steht: live genug für organische Reibung, fett genug für moderne Durchsetzungskraft, transparent genug für Details.

Die Schwäche liegt dort, wo auch externe Kritiken ansetzen: Manche Songs verharren etwas zu lange in ähnlichen Tempi und Stimmungen. Wer permanente Eskalation erwartet, könnte »Bring Me To Zero« stellenweise als zu gleichförmig empfinden. Einige Passagen verlassen sich stark auf Wiederholung und Sog, statt auf überraschende Wendungen. Das ist kein Fehler im klassischen Sinn, denn genau daraus entsteht der hypnotische Charakter der Platte. Aber es sorgt dafür, dass nicht jeder Song gleich zwingend zündet.

Trotzdem überwiegen die starken Momente klar. »Zero«, »Intervention«, »Beyond«, »Aurora«, »Cascades« und »Unholy« zeigen eine Band, die ihre eigene Sprache gefunden hat. ANTIROPE sind am besten, wenn sie nicht versuchen, schneller oder lauter als alle anderen zu sein, sondern wenn sie ihre Schwere ausdehnen, bis sie psychologisch wird. Dann klingt »Bring Me To Zero« nicht nur heavy, sondern wirklich bedrückend.

FAZIT:

»Bring Me To Zero« ist ein starkes zweites Album einer Band, die ihre Identität hörbar geschärft hat. ANTIROPE liefern keinen leicht konsumierbaren Alternative-Metal-Snack, sondern eine schwere, dunkle und emotional aufgeladene Platte, die zwischen Grunge, Doom, Stoner Rock und modernem Alternative Metal ihren eigenen Raum findet. Das Album ist wuchtig, hypnotisch und stellenweise beklemmend schön.

Die Musiker spielen als Einheit: Slaven Stokic führt mit rauer, verletzlicher Stimme durch den Abstieg, Patrick Fleischer baut massive Gitarrenwände und hält produktionstechnisch alles zusammen, Julie Fleischer gibt den Songs den nötigen Tiefendruck, und Jürgen „BamBam“ Wiehler bringt den Groove mit der Erfahrung eines Drummers, der weiß, wann Kraft mehr zählt als Geschwindigkeit.

Textlich verhandelt »Bring Me To Zero« Kontrollverlust, innere Lähmung, Selbsttäuschung, toxische Nähe, Aufbruch, Abschied und den Wunsch nach einem radikalen Neustart. Das Album schaut dorthin, wo es unbequem wird, und findet unter dem Gewicht immer wieder etwas Menschliches. Nicht jeder Song schlägt gleich tief ein, und an manchen Stellen hätte etwas mehr Tempokontrast gutgetan. Doch wenn ANTIROPE ihre dunkle Maschine einmal richtig ins Rollen bringen, entsteht eine Sogwirkung, die man nicht so schnell abschüttelt.

Die stärksten Songs sind »Zero«, »Intervention«, »Beyond«, »Aurora«, »Cascades« und »Unholy«. Wer Alternative Metal mit Schwere, Charakter und psychologischer Tiefe sucht, sollte »Bring Me To Zero« nicht nebenbei hören, sondern laut, konzentriert und am besten in einem Raum, in dem die Wände ein bisschen nachgeben.

Zero Video:

Internet

ANTIROPE - Bring Me To Zero

The Narrator – Posphor

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Band: The Narrator 🇩🇪
Titel: Phosphor
Label: Nuclear Blast Records
VÖ: 08.05.2026
Genre: Modern Metalcore / Metalcore

Tracklist

01. Phosphor
02. Aurora
03. Modern Age Blasphemy
04. Stasis feat. AVRALIZE
05. Pills From The Start
06. Agnosia
07. Two Lives
08. Dissection
09. Iron Grip
10. 9010

Besetzung

Fabian Jochum – Gesang
Tom Hoppelshäuser – Gitarre / Gesang
Robert Hoppe – Bass / Gesang
Fritz Dehn – Schlagzeug

Bewertung:

4,5 / 5

MODERNER METALCORE MIT RUHRPOTT-KANTE

The Narrator gehören zu den Bands, bei denen man nicht lange nach einer Standortbestimmung suchen muss. Diese Truppe will keine verkopfte Genre-Abhandlung schreiben, sondern direkt in die Magengrube treffen. Schon das Debüt »Lore« zeigte, dass die Essener Formation den modernen Metalcore nicht als modischen Baukasten versteht, sondern als Ventil: harte Riffs, klare Hooks, brachiale Breakdowns, emotionale Refrains und genug Live-Energie, um auch mittelgroße Clubdecken zuverlässig zum Schwitzen zu bringen.

Mit »Phosphor« legt die Band nun nach – und zwar nicht zaghaft, nicht suchend, sondern mit der Haltung einer Gruppe, die genau weiß, dass jetzt der Moment ist. Nuclear Blast Records im Rücken, ein wachsendes Publikum vor der Brust und ein Albumtitel, der bereits nach Glimmen, Reibung und toxischem Licht klingt: Die Vorzeichen sind groß. Entscheidend ist aber, ob die Songs dieses Versprechen auch tragen. Und ja: »Phosphor« trägt. Nicht durchgehend überraschend, nicht immer überragend, aber mit einer Wucht, die man nicht wegdiskutieren kann.

Das Album ist kein radikaler Bruch mit »Lore«, sondern eher dessen härter fokussierter, kompakterer und selbstbewussterer Nachfolger. Wo andere moderne Metalcore-Bands inzwischen entweder komplett in Richtung Pop-Refrain oder klinisch polierter Streaming-Härte kippen, halten The Narrator die Balance erstaunlich sauber. Die Hooks sind groß, aber nicht weichgespült. Die Breakdowns drücken, ohne nur stumpfe Effektknöpfe zu sein. Und die emotionalen Momente wirken nicht wie Pflichtübungen, sondern wie der eigentliche Treibstoff dieser Platte.

(Hört hier die Songs und schaut die Clips)

DER TITELTRACK MACHT KEINE GEFANGENEN

Der Einstieg mit »Phosphor« ist programmatisch. The Narrator verschwenden keine Zeit mit atmosphärischem Nebel, sondern treten sofort auf das Pedal. Der Song ist kurz, direkt und auf den Punkt gebaut. Keine ausufernde Einleitung, kein unnötiges Intro, kein dramaturgisches Herumtasten. Stattdessen: Riff, Druck, Refrain, Abriss. Genau dadurch funktioniert der Track als Türöffner so gut. Er zeigt, worum es auf diesem Album geht: um komprimierte Energie, um Songs, die live wahrscheinlich keine Erklärung brauchen, und um eine Band, die ihren eigenen Kern gefunden hat.

»Aurora« geht danach stärker in die melodische Breite. Hier zeigt sich eine der zentralen Stärken von The Narrator: Die Band kann Härte und Eingängigkeit verbinden, ohne dass eine Seite die andere verrät. Der Song hat genug melodischen Atem, um hängen zu bleiben, aber auch genug Unterbau, um nicht in radiotaugliche Harmlosigkeit abzurutschen. Gerade die Wechsel zwischen geschriener Dringlichkeit und sauber gesetzten Gesangslinien wirken nicht aufgesetzt, sondern organisch. Das ist moderner Metalcore, wie er sein soll: emotional, aber nicht weinerlich; hart, aber nicht stumpf.

Mit »Modern Age Blasphemy« wird die Platte politischer, wütender und kantiger. Der Titel allein trägt schon eine schöne Portion Gegenwartsverachtung in sich, und musikalisch bekommt das Stück genau die entsprechende Schlagseite. Die Riffs sitzen tief, das Tempo zieht an, der Refrain öffnet den Song, bevor der nächste Schlag wieder auf die Rippen geht. Hier hört man sehr deutlich, dass The Narrator nicht nur an einzelnen Parts bauen, sondern an Live-Momenten. Jeder Übergang klingt so, als hätte die Band den nächsten Circle Pit bereits vor Augen.

HOOKS, HÄRTE UND DER GROSSE LIVE-FAKTOR

»Stasis« mit AVRALIZE ist einer der offensichtlichsten Anspieltipps der Platte. Der Song bringt diesen groovigen, federnden Einschlag mit, der sofort körperlich wird. Die Strophen haben Druck, der Refrain öffnet sich hymnisch, und der Gastbeitrag fügt sich so ein, dass daraus kein bloßes Feature-Schild am Songrand wird. The Narrator wissen hier sehr genau, wann sie den Song atmen lassen müssen und wann sie wieder zuschlagen. Das Ergebnis ist einer dieser Tracks, bei denen man schon beim ersten Hören merkt: Der wird live funktionieren.

Auch »Pills From The Start« folgt diesem Prinzip, ist aber etwas dunkler gefärbt. Der Song verbindet moderne Härte mit einem Refrain, der weniger nach Triumph als nach innerer Zerrissenheit klingt. Genau darin liegt die eigentliche Stärke von »Phosphor«. Die Band schreibt keine reinen Fitnessstudio-Breakdown-Hymnen, sondern verpackt die Aggression in ein Gefühl von Überforderung, Druck und Kontrollverlust. Das macht die Platte nicht unbedingt revolutionär, aber glaubwürdig.

»Agnosia« sticht noch einmal stärker heraus. Der Song hat etwas Kaltes, fast Entfremdetes, als würde die Band den eigenen emotionalen Kollaps aus der Distanz betrachten. Die Gitarren schneiden sauber, das Schlagzeug treibt mit kontrollierter Härte, und Fabian Jochum wirkt besonders präsent. Er schreit nicht einfach nur gegen die Wand, sondern gibt dem Stück ein klares Zentrum. Gleichzeitig tragen die cleanen Anteile den Song nach vorn, ohne ihm die Zähne zu ziehen. In dieser Mischung sind The Narrator am stärksten.

WENN DIE EMOTIONEN DEN BREAKDOWN FÜTTERN

Mit »Two Lives« gönnt sich »Phosphor« einen etwas offeneren, fast melancholischen Moment. Das ist keine Ballade im klassischen Sinne, aber der Song nimmt den Fuß spürbar anders aufs Pedal. Die Band lässt mehr Raum, mehr Melodie, mehr Nachhall zu. Gerade dadurch wird die Härte, wenn sie zurückkommt, wirkungsvoller. The Narrator beweisen hier, dass sie nicht nur im Vollkontaktmodus funktionieren, sondern auch Stimmungen aufbauen können. Das ist wichtig, weil moderne Metalcore-Alben sonst schnell zur bloßen Abfolge aus Refrain und Breakdown werden.

»Dissection« ist danach das Gegenteil: schwerer, fieser, massiver. Hier kratzt die Band deutlicher an Deathcore-Kanten, ohne vollständig dorthin abzubiegen. Der Song hat mehr Fleisch an den Knochen, mehr Dunkelheit im Riffing und einen Breakdown, der nicht nett fragt, sondern einfach den Raum leerfegt. Genau solche Momente tun »Phosphor« gut, weil sie zeigen, dass unter der melodischen Oberfläche eine deutlich hässlichere Seite lauert. Mehr davon hätte dem Album an manchen Stellen sogar noch besser gestanden.

»Iron Grip« ist dann wieder eine ausgewachsene Bühnen-Abrissbirrne. Der Song ist kompakt, griffig und mit einem Refrain ausgestattet, der sofort nach Fäusten in der Luft klingt. Die Gitarren von Tom Hoppelshäuser drücken, Robert Hoppe gibt dem Material Tiefe und zusätzliche vokale Farbe, während Fritz Dehn den Laden mit präzisem Punch zusammenhält. Man merkt: Diese Band schreibt nicht am Reißbrett für Playlisten, sondern aus der Perspektive einer Gruppe, die ihre Songs später Abend für Abend auf Bühnen testen muss.

DAS FINALE UND DER BLICK AUFS GROSSE GANZE

Der Abschluss »9010« bündelt vieles, was »Phosphor« ausmacht. Härte, Melodie, Wucht, Pathos und dieser permanente Drang nach vorne kommen noch einmal zusammen. Der Song ist kein überraschender Stilbruch, aber ein passender Schlusspunkt. Er lässt das Album nicht zerfasern, sondern zieht die Linie konsequent zu Ende. Genau das ist eine Qualität, die man The Narrator anrechnen muss: »Phosphor« wirkt geschlossen. Es klingt nicht wie eine zufällige Sammlung starker Singles, sondern wie ein Album mit klarer Richtung.

Produktionstechnisch ist die Platte ebenfalls stark. Dass Ted Jensen beim Mastering beteiligt war, hört man nicht im Sinne eines oberflächlichen Namensbonus, sondern in der Durchsetzungskraft des Materials. Die Gitarren sind fett, aber nicht matschig. Die Drums knallen modern, aber nicht leblos. Die Vocals stehen prominent im Mix, ohne die Instrumente zu erdrücken. Gerade bei einer Band wie The Narrator, die zwischen melodischen Refrains und massiven Breakdowns pendelt, ist diese Balance entscheidend.

Natürlich ist »Phosphor« nicht frei von Schwächen. Manche Strukturen sind vertraut, einige Refrain-Anläufe kommen sehr erwartbar, und wer im Metalcore nach radikaler Innovation sucht, wird hier nicht plötzlich die Zukunft des Genres entdecken. Die Platte ist eher ein extrem gut geöltes Werkzeug als ein vollkommen neues Gerät. Aber dieses Werkzeug funktioniert. Und es funktioniert mit Nachdruck.

ZWISCHEN SZENE-TRADITION UND MODERNER WUCHT

Interessant ist, wie stark The Narrator auf »Phosphor« mit klassischem Metalcore-Vokabular arbeiten, ohne altbacken zu klingen. Man hört die Erbmasse von Bands wie Killswitch Engage, Caliban, Heaven Shall Burn oder Bury Tomorrow, aber die Essener kopieren nicht einfach ein altes Rezept. Stattdessen übertragen sie diese DNA in eine heutige Produktion, in kompaktere Songformen und in eine Emotionalität, die stärker nach 2026 als nach 2006 klingt.

Das ist wichtig, weil »Phosphor« dadurch nicht nur Nostalgie bedient. Die Platte kann alte Metalcore-Hörer abholen, die wieder Hooks mit Biss und Breakdowns mit Substanz wollen. Gleichzeitig ist sie modern genug, um auch ein jüngeres Publikum zu erreichen, das Metalcore über Streaming, Festivalclips und Social-Media-Ausschnitte entdeckt. Genau an dieser Schnittstelle liegt das Potenzial von The Narrator.

Am stärksten ist das Album immer dann, wenn die Band nicht nur hart sein will, sondern den Druck emotional auflädt. »Aurora«, »Stasis«, »Agnosia«, »Dissection« und »Iron Grip« zeigen die unterschiedlichen Facetten am besten. Da gibt es hymnische Refrains, metallische Schärfe, groovende Strophen, wuchtige Breakdowns und genug Melancholie, um nicht nach bloßer Muskelshow zu klingen.

FAZIT:

»Phosphor« ist der nächste große Schritt für The Narrator. Die Band erfindet den modernen Metalcore nicht neu, aber sie spielt ihn mit einer Überzeugung, die vielen glattproduzierten Genre-Kollegen fehlt. Die Songs simd direkt, druckvoll und auf den Punkt gebracht. Die Hooks sitzen, die Breakdowns haben Gewicht, die Produktion glänzt ohne Plastikfilm, und die emotionale Grundspannung wirkt ehrlich genug, um nicht im Pathos zu versinken.

Wer absolute Innovation erwartet, wird an »Phosphor« einige vertraute Muster erkennen. Wer aber ein modernes, kompaktes und live-taugliches Metalcore-Album sucht, das Härte und Eingängigkeit sauber verzahnt, bekommt hier reichlich Futter. The Narrator klingen hungrig, fokussiert und bereit für größere Bühnen. Dieses Album ist kein vorsichtiges Nachlegen, sondern ein klares Statement: Die Band will nicht nur mitlaufen, sie will sich festbeißen.

Die stärksten Songs sind »Stasis«, »Agnosia«, »Dissection«, »Iron Grip« und »Aurora«. Dort findet »Phosphor« seine beste Mischung aus Druck, Melodie und moderner Schärfe. Ein paar Überraschungen mehr hätten die Platte noch gefährlicher gemacht, doch auch so bleibt ein starkes, wuchtiges und absolut konkurrenzfähiges Metalcore-Album aus Deutschland.

Iron Grip Video:

Internet

THE NARRATOR - Phosphor

RED EYE TEMPLE – Purgatory City

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RED-EYE-TEMPLE_Purgatory-City_Cover
RED-EYE-TEMPLE_Purgatory-City_Cover

Band: RED EYE TEMPLE 🇦🇹
Titel: Purgatory City
Label: Mars Music Productions
VÖ: 08/05/26
Genre: Progressive Metal

Tracklist

01. Exodus
02. Denied
03. The Imp
04. Purgatory City
05. Neonblind
06. Escape
07. Cool City
08. Die Saga
09. Arrival
10. S.O.S. Man
11. Sacrifice

 

Besetzung

Maria Nesh – Vocals
Mat Plekhanov – Guitar
Sam Plekhanov – Bass

 

Bewertung:

3,5/5

Das in Wien lebende Geschwister-Trio RED EYE TEMPLE kehrt mit ihrem zweiten Studioalbum „Purgatory City“ zurück. Fünf Jahre sind seit der Veröffentlichung ihres Debüts „Vortex“ vergangen, das den Grundstein für ihren Sound legte: progressive Gitarrenriffs, prägnante Basslinien und anspruchsvolle Schlagzeugrhythmen erzeugen einen spannenden musikalischen Rahmen, der abgerundet wird durch feinfühligen Gesang, dezente Soundeffekte und Melodik. Einflüsse aus den 80er Jahren sind ebenso präsent wie moderne – auf dem neuen Werk definitiv noch stärker, als zuvor auf „Vortex“.

Neue Gesangstechniken bringen frischen Wind

Was hat sich seit „Vortex“ noch verändert? Maria Nesh hat ihre Gesangstechniken erweitert und präsentiert uns auf „Purgatory City“ erstmals ihre Fry Screams. Während sich die rauen Schreie in „Denied“ allmählich anschleichen, und so als eindrucksvolles Detail für den Spannungsaufbau dienen, stehen sie in dem darauffolgenden Lied „The Imp“ deutlich im Fokus. Anstatt das Fry Screaming komplett auszureizen und die klaren Gesangsmomente vollständig zu ersetzen, wird die Technik über das gesamte Album hinweg bedacht eingesetzt. Das spricht für das Gespür von RED EYE TEMPLE, emotionale Akzente zu setzen. Im Titelsong „Purgatory City“ wird darüber hinaus mit Rap-ähnlichem Gesang experimentiert. Prinzipiell sind diese Passagen spannend. Sie haben automatisch etwas Freches, Frisches – sie fügen sich gut in das vertrackte Katz-und-Maus-Spiel der Saiteninstrumente mit dem Schlagzeug ein. Jedoch wirkt es im Vergleich mit dem restlichen Album etwas deplatziert.

Zu viele Ideen, unklare Richtung

Hier gilt es auch gleich einmal einzuhaken – deplatziert wirken auf diesem Album nämlich nicht nur die Rap-artigen-Gesangspassagen. Alleine bei „Purgatory City“ gibt es so viele Songbausteine, so viele Ideen, in welche Richtung dieses Lied eigentlich gehen könnte, dass es den Hörer am Ende schwindelig zurücklässt. Es beginnt mit einem fetten elektronischen Beat, schlenkert dann in eine Drone-mäßige Stimmung, um dann von dem Hip-Hop-ähnlichen Part in Empfang genommen zu werden. Darauf folgen sanfte Gesangsmelodien und heftige arrhythmische Riffs mit treibendem Beat. In den letzten zwei Minuten werden dann wieder neue Elemente vorgestellt, der eigenwillige „Ra-ta-ta-ta“-Part zum Beispiel, der das musikalische Geschehen leider mehr stört als unterstützt.

In gewisser Weise ist der Titeltrack eine gute Stichprobe für die Arrangements des gesamten Albums. RED EYE TEMPLE haben sehr viele Ideen und Stile miteinander in Einklang bringen wollen, wo am Ende jedoch der rote Faden verloren gegangen ist. Dass die Band progressive Musik machen will, ist klar, jedoch nicht die Richtung. Dass die Lieder zwischen technisch anspruchsvollem Rock und Metal pendeln, ist nicht das Problem. Einmal klingen sie mehr wie DREAM THEATER („Neonblind“, „Sacrifice“), einmal mehr wie TOOL („S.O.S. Man“) oder WHEEL („Denied“). Auf der anderen Seite kommen zu viele verschiedene Stile ins Spiel. Häufig eingesetzte, spacig klingende Soundeffekte und Synthesizer bringen 80er-Jahre bzw. Industrial-Schwingungen. „Arrival“ hat stellenweise einen dezenten Power-Metal-Charakter, der für dieses Lied zwar funktioniert, aber eben erneut die Richtung des Albums hinterfragen lässt. In „Escape“ gibt es auf einmal einen Gastsänger – wer auch immer er sein mag. „Cool City“ dauert zwar nur eine knappe halbe Minute, sorgt für ein solch kurzes Interlude aber für heftiges Stirnrunzeln: ein Saxophon, ein blabbernder Typ im Hintergrund, irgendwelche Soundeffekte, ein gleichmäßiger Beat – ein kurzer Schrei beendet das Chaos und lässt den Hörer mit der Frage, was zur Hölle das gerade war, zurück.

Die zugrundeliegende, charakteristische Note

Schüttelt man die Verwirrung einmal ab und sucht nach dem gemeinsamen Nenner, entpuppt sich sehr wohl eine spannende charakteristische Note der Band: die mitreißende Symbiose aus vertrackten Schlagzeugrhythmen, groovig-progressiven Riffs und markanten Basslines. In „The Imp“ bekommen wir zum Beispiel ein sehr lässiges Exemplar serviert, das den Song extrem aufwertet. „Die Saga“ wird von so einem Zusammenspiel getragen und bekommt dadurch etwas Dramatisches. Auch in „Arrival“ demonstrieren Sam und Mat Plekhanov ihr technisches Können und ihr Einfallsreichtum. Die Riffs und Soli haben einen futuristischen Touch, der das Thema des Liedes prägt. Die Instrumente stehen auf dem gesamten Album schön im Vordergrund und sorgen immer wieder für einprägsame Momente. An dieser Stelle sei ein Lob an die Sound-Produktion ausgesprochen – „Purgatory City“  hat einen total angenehmen Klang, der weder zu klinisch, noch zu roh ist. Besonders der Bass sickert wunderbar durch die Noten hindurch, ohne zu stark zu dröhnen.

Der Gesangsstil von Maria Nesh hat darüber hinaus auch etwas Einzigartiges. Die Wörter werden zwar nicht immer allzu deutlich gesungen, gehen dadurch in den Passagen, wo die Instrumente vehementer spielen, unter. Aber sie hat ein gutes Gespür für den Einsatz der richtigen Techniken zum richtigen musikalischen Zeitpunkt: Sei es Belting, Fry Screaming oder ihre freche Rock-Stimme, sie untermalt die emotionalen Qualitäten der Musik sehr gekonnt.

Fazit

RED EYE TEMPLE machen es uns mit „Purgatory City“ nicht leicht und das liegt nicht an der Natur der progressiven Spielart. Technisch hat das Trio einiges zu bieten – sowohl gesanglich, als auch instrumentell betrachtet. Allerdings sollten sie sich festlegen, welche Art von Prog Band sie sein wollen, denn in Summe bieten sie zu viele Ideen und Richtungen an. Nichtsdestotrotz ist die Scheibe genau deswegen überaus hörenswert für Fans technisch ausgeklügelter Musik. 

Internet

RED EYE TEMPLE – Purgatory City

Six Feet Under – Next To Die

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Band: Six Feet Under 🇺🇸
Titel: Next To Die
Label: Metal Blade Records
VÖ: 24.04.2026
Genre: Death Metal

Tracklist

01. Approach Your Grave
02. Destroyed Remains
03. Mister Blood and Guts
04. Mutilated Corpse in the Woods
05. Unmistakable Smell of Death
06. Wrath and Terror Takes Command
07. Skin Coffins
08. Mind Hell
09. Naked and Dismembered
10. Grasped from Beyond
11. Next to Die
12. Ill Wishes

Besetzung

Chris Barnes – Gesang
Jack Owen – Gitarre
Ray Suhy – Leadgitarre
Jeff Hughell – Bass
Marco Pitruzzella – Schlagzeug

Bewertung:

3/5

Six Feet Under sind längst keine Band mehr, über die man neutral spricht. Bei kaum einem anderen Death-Metal-Namen liegen Nostalgie, Spott, Kultstatus und Frust so eng beieinander wie bei der Truppe um Chris Barnes. Wer diesen Namen liest, denkt automatisch an die frühen Tage des Groove-Todesbleis, an stumpf walzende Riffs, an tiefe Grunts, an Splatter-Vokabular und an eine Band, die nie den Anspruch hatte, Death Metal neu zu erfinden. Six Feet Under wollten immer drücken, grooven, knarzen und mit möglichst viel Friedhofserde unter den Fingernägeln durch die Lautsprecher kriechen.

Mit »Next To Die« steht nun ein weiteres Studioalbum der Band bereit, und allein diese Ausdauer verdient Respekt. Während viele Szene-Kollegen längst im Reissue-Karussell hängen oder sich nur noch auf Festival-Sets verlassen, schieben Six Feet Under unbeirrt neues Material nach. Das kann man stur nennen. Man kann es auch konsequent nennen. Die Wahrheit liegt, wie so oft bei dieser Band, irgendwo dazwischen.

(Hört hier die Songs und schaut die Clips)

nteressant ist dabei der musikalische Ansatz. »Next To Die« wirkt wie ein Album, das einerseits wieder stärker in Richtung aggressiver Death Metal zielen möchte, andererseits aber ganz bewusst den alten Groove-Faktor der Band nicht aufgibt. Genau hier liegt auch die Stärke und gleichzeitig das Problem dieser Platte: Wenn der Groove sitzt, wirkt »Next To Die« schwer, altmodisch und angenehm unprätentiös. Wenn er nicht sitzt, wird aus stoischer Einfachheit schnell zäher Leerlauf.

ZWISCHEN OLD-SCHOOL-WERK UND SCHWERFÄLLIGEM TROTT

Der Opener »Approach Your Grave« beginnt langsam, breitbeinig und mit der Erwartung, gleich könne sich ein richtig finsterer Groove-Koloss aus dem Boden schälen. Textlich bewegt sich der Song im klassischen Six Feet Under-Kosmos: Gewalt, Tod, Leichenverfall, Opferperspektive und Täterbild verschwimmen zu einer makabren Szene, die eher Horrorkino als tiefere Erzählung sein will. Musikalisch ist der Einstieg solide, aber nicht zwingend. Die Gitarren von Jack Owen und Ray Suhy drücken tief, der Sound ist satt, und die Band gibt sich alle Mühe, direkt eine schwere Friedhofsatmosphäre aufzubauen. Trotzdem fehlt dem Stück der letzte Biss. Der Song walzt, aber er begräbt einen nicht.

Deutlich besser funktioniert »Destroyed Remains«. Das Stück beschäftigt sich lyrisch mit Tod, Verwesung, Einäscherung und dem Gedanken, dass der menschliche Körper nach dem Ableben nur noch Material ist. Das ist stumpf, morbide und genau die Art von nihilistischer Körperlichkeit, die zu Six Feet Under passt. Hier kommt auch Marco Pitruzzella stärker zur Geltung. Sein Drumming wirkt präzise, sauber und kontrolliert, ohne das Material unnötig technisch aufzublähen. Er macht aus den Songs keine Brutal-Death-Akrobatik, sondern hält sie auf Kurs. Gerade das ist wichtig, denn Six Feet Under leben nicht von filigraner Überforderung, sondern von Wiedererkennbarkeit, Körperlichkeit und Taktgefühl im Morast.

CHRIS BARNES: LEGENDE, PROBLEMZONE UND MARKENZEICHEN

Über Chris Barnes zu schreiben, ist kaum möglich, ohne seine Stimme in Relation zu früheren Zeiten zu setzen. Die brutale, tiefe, autoritäre Präsenz vergangener Jahrzehnte ist nicht mehr in dieser Form vorhanden. Das hört man auch auf »Next To Die«. Gleichzeitig wäre es zu einfach, hier nur hämisch draufzuschlagen. Barnes klingt auf diesem Album stabiler als auf einigen besonders problematischen Spätwerken. Er bleibt meist in einem engeren, mittigen Growl-Bereich und versucht weniger, Dinge zu erzwingen, die seine Stimme inzwischen nicht mehr überzeugend hergibt.

Das heißt aber nicht, dass alles funktioniert. Barnes ist auf »Next To Die« mehr rhythmisches Organ als emotionaler Erzähler. Er bellt, knurrt und presst die Worte in die Riffs, manchmal effektiv, manchmal auffällig monoton. In den besten Momenten klingt das wie ein knochiger Erzähler aus einer billigen, aber charmanten Splatter-VHS. In den schwächeren Momenten fehlt Druck, Variation und Bedrohung. Genau hier trennt sich die Hörerschaft: Wer Six Feet Under wegen dieser trockenen, fast stumpfen Direktheit liebt, bekommt Nachschub. Wer nach packender Gesangsdramaturgie sucht, wird sich an der Gleichförmigkeit reiben.

B-MOVIE-BLUT, WALDLEICHEN UND TODESGERUCH

Mit »Mister Blood And Guts« liefert die Band einen der eingängigeren Songs der Platte. Lyrisch ist das ein bewusst überzeichnetes B-Movie-Szenario: Kino, Messer, Schreie, Blut, ein phantomartiger Täter und ein Refrain, der nicht subtil sein will, sondern sich wie ein trashiger Horror-Titel ins Hirn bohren soll. Der Track ist simpel, aber genau diese Einfachheit macht ihn effektiv. Hier nervt die Wiederholung weniger, weil sie fast wie ein bewusst plakativer Horror-Slogan funktioniert.

»Mutilated Corpse In The Woods« geht noch direkter in den True-Crime-Slasher-Modus. Inhaltlich dreht sich der Song um eine grausame Gewaltszene im Wald, um Ausgeliefertsein, Verstümmelung und die typische Six Feet Under-Vorliebe für möglichst drastische Körperbilder. Musikalisch arbeitet der Track mit einem geradlinigen, treibenden Zugriff. Hier passt die Reduktion: Der Song hetzt nicht kopflos, sondern bleibt wie ein stumpfes Werkzeug auf einer Bewegung, bis der Effekt sitzt. Kein Höhepunkt der Death-Metal-Kompositionskunst, aber ein funktionierender Nackenbrecher.

Richtig stark ist »Unmistakable Smell Of Death«. Der Song zählt zu den zwingenderen Momenten des Albums, weil er mehr Tempo, mehr Aggression und ein klareres Spannungsmoment mitbringt. Lyrisch wird aus der Täterperspektive ein grausames Spiel beschrieben, bei dem sich das vermeintliche Opfer nicht einfach nur widerstandslos ergibt. Dadurch wirkt der Song lebendiger als viele andere Texte der Platte: Er hat nicht nur Gore-Bilder, sondern eine kleine Bewegung innerhalb der Szene. Musikalisch schiebt die Nummer besser nach vorn, hat mehr Biss und gehört klar zu den Tracks, bei denen »Next To Die« am ehesten zündet.

DIE MUSIKER HALTEN DAS MONSTER ZUSAMMEN

Instrumental ist »Next To Die« stärker als sein Ruf. Jack Owen und Ray Suhy liefern keine revolutionären Riffs, aber sie wissen, wie man Death-Metal-Gitarren tief, trocken und kantig inszeniert. Owen bringt den alten Death-Metal-Stammbaum mit, Suhy setzt immer wieder Leads und kleine melodische Akzente, die dem Material guttun. Vor allem dann, wenn die Songs sonst zu sehr auf der Stelle treten würden, sorgen die Soli und Lead-Figuren für Luft.

Jeff Hughell hat als Bassist einen undankbaren, aber wichtigen Job. Der Bass ist nicht permanent als eigenes Virtuoseninstrument im Vordergrund, doch er gibt dem Album diese erdige Tiefenschwere. Der Sound von »Next To Die« lebt stark vom unteren Frequenzbereich. Gerade die massiven, tief gestimmten Passagen profitieren davon, dass der Bass nicht nur mitläuft, sondern den Gitarren zusätzliche Körperlichkeit gibt.

Marco Pitruzzella ist vielleicht der heimliche Stabilitätsanker der Platte. Er kann viel mehr, als ihm dieses Material durchgehend abverlangt. Wenn Blastbeats, Doublebass-Passagen oder Tempowechsel auftauchen, merkt man sofort, dass hier ein Drummer sitzt, der technisch keine Probleme hätte, das Ganze deutlich extremer zu fahren. Aber Six Feet Under sind eben keine Band für Hochleistungssport am Schlagzeug. Pitruzzella spielt songdienlich, fest und mit der nötigen Härte. Er rettet nicht jeden zähen Riffblock, aber er verhindert, dass das Album auseinanderfällt.

WENN DIE PLATTE IN DIE DUNKELHEIT ABSACKT

»Wrath And Terror Takes Command« ist einer der interessantesten Songs, weil er lyrisch aus dem üblichen Serienkiller- und Leichenkosmos ausbricht. Hier geht es um Aufruhr, Blut auf Straßen und in Palästen, den Sturz einer alten Ordnung und eine Atmosphäre aus revolutionärer Gewalt. Das Stück hat dadurch eine andere Farbe, fast eine historische oder zumindest gesellschaftlich-apokalyptische Note. Auch musikalisch hebt es sich ab: schwerer, doomiger, bedrohlicher. Diese Abwechslung tut dem Album gut, weil Six Feet Under hier nicht nur auf den nächsten simplen Schlachtplatten-Impuls setzen.

»Skin Coffins« zieht wieder stärker in die existenzielle Todesbetrachtung. Der Text kreist um den Körper als Gefängnis, um unausweichliche Sterblichkeit, Grab, Verfall und die Vorstellung, dass der Mensch schon im Leben in seiner eigenen Hülle gefangen ist. Das ist für Six Feet Under fast schon philosophisch, natürlich weiterhin mit der Eleganz eines rostigen Fleischhakens formuliert. Musikalisch ist der Song ein typischer Midtempo-Stampfer: nicht spektakulär, aber schwer genug, um im richtigen Moment zu funktionieren.

»Mind Hell« gehört ebenfalls zu den besseren späten Momenten. Inhaltlich geht es um eine geistige Hölle, um eine verlorene Seele, ewige Dunkelheit, das Gefühl, aus der Wirklichkeit herauszufallen, und eine Art kosmische Ausweglosigkeit. Der Song schiebt langsam und alptraumhaft, statt blind zu ballern. Gerade hier zeigt sich, dass Six Feet Under dann am stärksten sind, wenn sie nicht versuchen, alte Raserei zu simulieren, sondern ihre morbide Schwere ernst nehmen.

GORE, GEISTER UND DAS TITELSTÜCK

»Naked And Dismembered« ist textlich einer der drastischsten Songs der Platte. Es geht um Mordlust, Hass, entmenschlichte Gewalt und die Perspektive eines Täters, der sich selbst kaum noch als kontrollierbares Wesen begreift. Das ist harter Splatter-Stoff, bewusst geschmacklos und sicher nichts für Hörer, die in Death-Metal-Texten nach subtiler Symbolik suchen. Musikalisch zählt der Song zu den direkteren Abrissmomenten und funktioniert vor allem wegen seiner Zielstrebigkeit.

»Grasped From Beyond« verschiebt die Atmosphäre ins Übernatürliche. Hier geht es weniger um körperliche Gewalt als um eine ungreifbare Macht, die aus einer anderen Sphäre heraus nach dem Menschen greift. Der Song bringt ein wenig alte Friedhofsstimmung zurück: galloppierend, simpel, aber mit genug morbider Energie, um nicht völlig im Standard zu verschwinden.

Der Titelsong »Next To Die« ist dann der programmatische Kern. Inhaltlich ist das purer Todesfatalismus: Niemand weiß, wann er dran ist, aber jemand ist immer der Nächste. Der Song bündelt die Themen des Albums: Gewalt, Körperzerstörung, Angst, Ausgeliefertsein, dunkle Vorsehung. Musikalisch ist das solide, aber nicht so zwingend, wie ein Titelsong sein müsste. Er fasst das Album zusammen, überragt es aber nicht.

Mit »Ill Wishes« endet die Platte überraschend düster und beinahe resignativ. Der Text löst sich stärker vom reinen Gore-Bild und geht in Richtung Verlust, Hoffnungslosigkeit, Nachleben, Blutverlust, Stillstand und dem Gefühl, zwischen Leben und Tod festzuhängen. Das ist einer der Momente, in denen Barnes thematisch mehr Raum bekommt als in den reinen Schlachtplatten-Songs. Nicht alles daran ist musikalisch zwingend, aber als Abschluss besitzt der Track eine passende morbide Schwere.

SOUND: FETT, TROCKEN, BESSER ALS DIE SONGS

Die Produktion ist einer der klaren Pluspunkte von »Next To Die«. Der Sound ist modern genug, um nicht nach Kellerdemo zu klingen, aber rau genug, um Six Feet Under nicht glattzubügeln. Die Gitarren sind sandig und massiv, der Bass hat Körper, die Drums knallen organisch, und Chris Barnes steht präsenter im Mix, als man es nach manchen Vorgängern erwartet hätte.

Und genau da liegt der Haken: »Next To Die« klingt oft besser, als es geschrieben ist. Man hört, dass die Band handwerklich liefern kann. Man hört, dass die Musiker Erfahrung haben. Man hört auch, dass der Sound mit mehr zwingenden Songs richtig brutal hätte einschlagen können. Doch zu oft verlassen sich Six Feet Under auf das Prinzip: Riff, Stampfer, Refrain-Wiederholung, nächster Riffblock. Das ist nicht automatisch schlecht, aber über zwölf Songs hinweg wird es wechselhaft.

STÄRKEN UND SCHWÄCHEN LIEGEN NAH BEIEINANDER

Die Stärke von »Next To Die« liegt klar im Groove, im Sound und in der morbiden Grundstimmung. Wenn Six Feet Under den richtigen Riff finden, wenn Pitruzzella das Tempo anzieht, wenn Hughell den Boden unter den Songs aufreißt und Barnes seine Stimme nicht überstrapaziert, dann funktioniert das Album durchaus. Dann klingt es nach altem, dreckigem Death Metal, der keine Kunsthochschule besuchen will, sondern lieber mit der Schaufel hinterm Haus steht.

Die Schwäche liegt in der Vorhersehbarkeit. Manche Songs wirken eher verwaltet als wirklich geschrieben. Einige Passagen laufen zu lange auf derselben Idee herum, ohne daraus zusätzliche Spannung zu ziehen. Auch Barnes bleibt eine Reibungsfläche: Sein Organ ist unverkennbar, aber nicht mehr so bedrohlich, wie es einmal war. Wer seine Stimme ohnehin nie mochte, wird hier nicht bekehrt. Wer mit seinem heutigen Stil leben kann, bekommt immerhin eine solide, kontrolliertere Leistung.

FAZIT:

»Next To Die« ist kein neuer Klassiker im Katalog von Six Feet Under. Dafür sind zu viele Songs zu vorhersehbar, manche Riffs zu bequem und Chris Barnes stimmlich weiterhin zu limitiert. Gleichzeitig wäre es unfair, das Album als kompletten Totalschaden abzutun. Der Sound drückt, die Musiker spielen souverän, Marco Pitruzzella hält die Platte stabil zusammen, Ray Suhy setzt wichtige Lead-Akzente, Jeff Hughell sorgt für massiven Unterbau, und Jack Owenliefert immerhin einige Riffs, die den alten Groove-Todesblei-Geist glaubwürdig beschwören.

Die stärksten Songs sind »Unmistakable Smell Of Death«, »Mister Blood And Guts«, »Wrath And Terror Takes Command«, »Mind Hell« und »Grasped From Beyond«. Dort funktioniert die Mischung aus Horror, Groove und Death-Metal-Schwere am besten. Schwächer wird es, wenn die Band zu sehr auf Wiederholung setzt und die Songs eher verwaltet als wirklich entfesselt.

Am Ende bleibt »Next To Die« ein solides, aber nicht zwingendes Spätwerk einer Band, die genau weiß, was ihre Fans hören wollen, dabei aber selten über die eigene Komfortzone hinausgeht. Für eingefleischte Six Feet Under-Anhänger ist das genug. Für den Rest ist es eine Platte mit guten Momenten, kräftigem Sound und viel Leichengeruch – aber auch mit einigen Passagen, die mehr Graberde als Feuer spucken.

Mister Blood And Guts Video:

Internet

SIX FEET UNDER - Next To Die