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Iron Slaught – Metalllic Torments

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Band: Iron Slaught 🇫🇷
Titel: Metallic Torments
Label: Gates of Hell Records
VÖ: 10.07.2026
Format: CD / Vinyl / Digital
Genre: Heavy Metal / Speed Metal / Thrash Metal

Tracklist

01. Harbinger Of Afflictions (Prelude To Torments)
02. Ghastly Obsession
03. The Executioner
04. Soldier Of Fortune
05. Condamné Pour L’Éternité
06. Charme Funeste
07. Primal Conquest
08. Fatal Retaliations

Besetzung

Iron Jérémy – Gitarre und Gesang
Nikrass – Bass
Stéphane Hellkine – Drum-Programmierung

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Elf Jahre zwischen zwei regulären Studioalben sind im schnelllebigen Metal-Untergrund eine kleine Ewigkeit. Iron Slaught haben diese Zeit jedoch nicht damit verbracht, den Anschluss an aktuelle Strömungen zu suchen. Das 2011 in Bigorra im Südwesten Frankreichs gegründete Duo kehrt mit »Metallic Torments« vielmehr zu den Grundwerten des eigenen Schaffens zurück und schärft sie: traditioneller Heavy Metal, ungebremster Speed und Thrash, dazu gezielte Ausbrüche in Richtung Black und Death Metal. Nach »Crusading Metal Mercenaries« von 2015 sowie dem 2018 veröffentlichten Split mit Tentation wirkt das über Gates of Hell Records erschienene Zweitwerk wie ein entschlossenes Lebenszeichen – roh genug für den Underground, kompositorisch aber deutlich ambitionierter, als es die martialische Oberfläche zunächst vermuten lässt.

Albumplaylist: Iron Slaught – Metallic Torments

Das Album versteht sich als Sammlung einzelner metallischer Qualen. Ob mörderische Besessenheit, Rache, Hexerei, Glaubenswahn oder mittelalterliche Schlachten: Jeder Titel erzählt eine eigene tragische Geschichte. Diese thematische Geschlossenheit trifft auf eine auffallend breite musikalische Sprache. Iron Jérémy und Nikrass wechseln zwischen rasantem Thrash, klassischem Galopp, schwarzen Rasereien und epischen Heavy-Metal-Passagen, ohne ihre grundsätzlich altmodische Haltung zu verleugnen. Die Produktion ist dicht und druckvoll, lässt den Gitarren jedoch genügend Raum für Melodien, Harmonien und zahlreiche Soli.

RASEREI TRIFFT AUF MELODIEFÜHRUNG

Das instrumentale »Harbinger Of Afflictions (Prelude To Torments)« übernimmt die Funktion einer Ouvertüre. Harmonische Gitarrenlinien, anschwellende Spannung und der stetige Vorwärtsdrang deuten bereits an, dass sich Iron Slaught nicht mit drei Minuten Strophe-Refrain-Thrash begnügen. Der Einstieg fällt mit gut drei Minuten etwas großzügig aus, baut aber wirkungsvoll jene dunkle Erwartungshaltung auf, die »Ghastly Obsession« anschließend ohne Vorwarnung zerlegt.

Hier zeigt das Duo seine wildeste Seite. Die Gitarren attackieren in hohem Tempo, verlieren dabei aber nie die melodische Führung. Über dem Getöse pendelt Iron Jérémy zwischen rauem Thrash-Gesang und deutlich extremeren Ausbrüchen. Die Stimme wirkt nicht auf Hochglanz gebürstet, sondern bewusst ungehobelt; gerade dadurch passt sie zur fiebrigen Geschichte einer mörderischen Obsession. »The Executioner« verschärft diesen Ansatz. Der Song bringt schwarze Aggression, klassische Metal-Harmonien und ein erstaunlich variables Riffing zusammen. Trotz einer Laufzeit von über sechs Minuten bleibt er in Bewegung, weil die Gitarre permanent neue Akzente setzt.

Mit »Soldier Of Fortune« vollzieht die Platte anschließend einen deutlichen Kurswechsel. Statt finsterer Raserei regieren NWOBHM-Galopp, ein griffiger Refrain und weitgehend klarer Gesang. Der Titel gehört zu den eingängigsten Momenten des Albums und zeigt, dass Iron Slaught nicht ausschließlich über Geschwindigkeit funktionieren. Die leidenschaftliche, stellenweise leicht schräge Gesangsleistung besitzt zwar nicht die technische Eleganz eines klassischen Metalsängers, trägt den Song aber mit Persönlichkeit und Überzeugung.

ACHT SONGS, VIELE GESICHTER

Das französisch gesungene »Condamné Pour L’Éternité« verbindet die Härte der ersten Albumhälfte mit traditionellen Heavy-Metal-Leads. Die Nummer ist kompakt, direkt und rhythmisch besonders zwingend. Sie zeigt exemplarisch, wie gut Iron Slaught funktionieren, wenn das Duo seine vielen Einflüsse auf einen klaren Kern verdichtet. Deutlich ausladender fällt »Charme Funeste« aus. Der siebenminütige Titel entwickelt seine Geschichte um Verführung und unheilvolle Hexerei mit ruhigeren Passagen, melodischen Spannungsbögen und beinahe progressiven Übergängen. Nicht jeder Wechsel sitzt vollkommen nahtlos, doch gerade die Unberechenbarkeit gibt dem Stück Charakter.

»Primal Conquest« schlägt anschließend eine Brücke zwischen kriegerischem Epic Metal und harscherem Gesang. Mächtige Galoppriffs treffen auf dunkle Vokalattacken, während die Gitarren immer wieder hymnische Linien freilegen. Der abschließende Achtminüter »Fatal Retaliations« bündelt schließlich fast das gesamte Vokabular des Albums: Rachemotiv, wechselnde Tempi, ausgedehnte Leadarbeit, Thrash-Aggression und epische Dramaturgie. Das Stück verlangt Aufmerksamkeit und hätte an einzelnen Stellen etwas Straffung vertragen, belohnt diese Geduld jedoch mit einem starken Schlussdrittel.

Bemerkenswert ist, dass »Metallic Torments« trotz seiner stilistischen Sprünge nicht wie eine lose Sammlung von Genreübungen klingt. Der gemeinsame Nenner ist Iron Jérémy. Seine Gitarrenarbeit bestimmt die Platte mit präzisen Riffs, langen Melodiebögen und Soli, die technische Fertigkeit zeigen, ohne zum Selbstzweck zu werden. Ebenso wichtig ist seine stimmliche Wandlungsfähigkeit: Klargesang, raues Bellen und blackened Rasps vermitteln unterschiedliche Stimmungen, auch wenn die Übergänge nicht immer elegant geraten.

DAS METALLISCHE FUNDAMENT HAT KLEINE RISSE

Nikrass hält die Kompositionen mit einem stabilen Bassfundament zusammen, wird im dichten Mix allerdings zu oft hinter Gitarren und Schlagzeug gedrängt. Das größte Diskussionsthema bleibt die von Stéphane Hellkine programmierte Schlagzeugspur. Sie liefert Geschwindigkeit und Wucht und fällt in den hektischen Passagen erstaunlich wenig als künstliches Element auf. Bei hoher Lautstärke und in den geradlinigeren Abschnitten fehlt ihr dennoch etwas von jener menschlichen Dynamik, die diese bewusst traditionsverbundene Musik noch lebendiger gemacht hätte.

Auch der Albumfluss ist nicht vollkommen frei von Brüchen. Der Wechsel von blackened Speed Metal zu hymnischem Heavy Metal und weiter zu epischen Langstrecken kann Hörer überfordern, die eine durchgehend homogene Marschrichtung erwarten. Zudem geraten »Charme Funeste« und »Fatal Retaliations« punktuell ins Schwimmen. Diese Schwächen wiegen jedoch weniger schwer als die enorme Spielfreude, die hohe Riffdichte und der Mut, innerhalb eines klar abgesteckten Old-School-Rahmens verschiedene Schulen des Heavy Metal miteinander zu verschränken.

FAZIT:

»Metallic Torments« ist ein starkes zweites Album, das traditionellen Heavy, Speed und Thrash Metal mit harschen Black- und Death-Metal-Akzenten zu einer eigenwilligen, leidenschaftlichen Einheit verbindet. Kleine Abzüge gibt es für die gelegentlich mechanische Rhythmik, den zurückgenommenen Bass und einige ausufernde Übergänge; starke Titel wie »Ghastly Obsession«, »Soldier Of Fortune«, »Condamné Pour L’Éternité« und »Fatal Retaliations« machen diese Schwächen jedoch weitgehend wett. Iron Slaught melden sich nach langer Pause nicht bloß zurück, sondern liefern ein Werk, das dem europäischen Metal-Untergrund hörbar etwas zu sagen hat.

Iron Slaught – The Executioner

Internet

IRON SLAUGHT - METALLIC TORMENTS - CD Review

Prime Creation – Souls Of The Fallen

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Prime Creation - Souls Of The Fallen - cover Artwork
Prime Creation - Souls Of The Fallen - cover Artwork

Band: Prime Creation 🇸🇪
Titel: Souls Of The Fallen
Label: ROAR – A Division of Reigning Phoenix Music
VÖ: 26.06.2026
Format: CD / Vinyl / Digital
Genre: Melodic Heavy Metal / Power Metal

Tracklist

01. Galactic Rebirth
02. Ghosts
03. Blood Harvest
04. Souls Of The Fallen
05. Alliance
06. Lost Legacy
07. Legends Never Die
08. Ashes Of Trust

Besetzung

Esa Englund – Gesang
Robin Arnell – Leadgitarre
Rami Tainamo – Rhythmusgitarre
Henrik Weimedal – Bass
Kim Arnell – Schlagzeug

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

Schwedischer Power Metal muss nicht zwangsläufig von strahlenden Helden, Drachen und hochglänzenden Keyboardfanfaren handeln. Prime Creation bevorzugen auf ihrem vierten Studioalbum »Souls Of The Fallen« ein deutlich dunkleres Klangbild. Kriege auf der Erde, kosmische Konflikte, zerbrochenes Vertrauen, Verlust und der Wille zum Widerstand bestimmen die Atmosphäre der acht Stücke. Dabei verbindet die 2015 aus dem Umfeld der Power-Metal-Band Morifade hervorgegangene Formation melodischen Heavy Metal mit modernen Gitarren, kräftigen Rhythmen und einzelnen progressiven Erweiterungen.

Produziert wurde »Souls Of The Fallen« von Niels Nielsen, der bereits mit Bands wie Ghost und In Flames gearbeitet hat. Entsprechend druckvoll fällt das Ergebnis aus. Die Gitarren besitzen Gewicht, der Bass bleibt spürbar und das Schlagzeug wurde mit reichlich Durchsetzungskraft aufgenommen. Gleichzeitig verzichten Prime Creation auf übermäßigen Bombast. Keyboards und Synthesizer sind vorhanden, dienen aber überwiegend der Atmosphäre. Im Mittelpunkt stehen schwere Gitarrenriffs, tragfähige Refrains und die auffallend raue Stimme von Esa Englund. Technisch leistet sich die Band kaum Schwächen. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob die Musiker ihr Handwerk beherrschen, sondern ob die Songs neben der professionellen Umsetzung auch genügend eigene Identität entwickeln.

Albumstream

WIEDERGEBURT AM RAND DER AUSLÖSCHUNG

»Galactic Rebirth« eröffnet das Album mit einem elektronisch gefärbten Intro, das zunächst eine progressive oder futuristische Ausrichtung erwarten lässt. Lange hält sich diese Erwartung allerdings nicht. Sobald Kim Arnell das Schlagzeug antreibt, übernimmt ein geradliniger Mix aus melodischem Heavy Metal und Power Metal. Die Gitarren von Robin Arnell und Rami Tainamo arbeiten mit kräftigen, klar voneinander abgegrenzten Riffs, während die Keyboards den kosmischen Rahmen liefern.

Der Song handelt von einem letzten Kampf an der Grenze zur vollständigen Auslöschung. Eine sterbende Sonne, endlose Dunkelheit und miteinander verbundene Krieger bilden den erzählerischen Hintergrund. Musikalisch übersetzt die Band dieses Szenario in einen schnellen, hymnischen Auftakt. Das zentrale Riff besitzt einen leichten Galopp, ohne vollständig in klassischen europäischen Power Metal abzurutschen. Die Gitarren wurden tiefer und schwerer abgestimmt, wodurch der Song trotz seiner eingängigen Melodien genügend Gewicht erhält.

Englunds Stimme wird bereits hier zum wichtigsten Erkennungsmerkmal. Sein rauer, leicht gepresster Vortrag liegt irgendwo zwischen traditionellem Heavy-Metal-Sänger, dunklem Hard Rock und einem erzählerischen Charaktergesang. Glatte Höhen und opernhafte Ausflüge sind seine Sache nicht. Stattdessen setzt er auf Ausdruck, markante Betonungen und eine gewisse Widerborstigkeit. Das verleiht dem Material Charakter, dürfte aber auch Hörer spalten. Wer ausschließlich makellosen Hochgesang erwartet, muss sich zunächst an diese Stimme gewöhnen.

Der Refrain funktioniert durch seine klar geführte Melodie und die unterstützenden Chöre. Allerdings bewegt sich »Galactic Rebirth« dabei auf vertrautem Gelände. Die Mischung aus galoppierender Rhythmik, schwerem Gitarrenton und großer Hookline wurde von Bands wie Orden Ogan, Brainstorm und Nocturnal Rites bereits häufig verwendet. Die Schweden setzen diese Stilmittel überzeugend um, finden im Opener aber noch keine vollkommen eigenständige Sprache.

GEISTER MIT SCHWEREN GITARREN

»Ghosts« drosselt die Geschwindigkeit und rückt den schweren Heavy-Metal-Anteil stärker in den Vordergrund. Das eröffnende Riff besitzt eine breite, beinahe walzende Bewegung. Bass und Schlagzeug verstärken diese Wirkung, während einzelne Gitarrenharmonien über dem Fundament liegen. Die Strophen werden vergleichsweise zurückhaltend aufgebaut, bevor der Refrain mit mehreren Gesangsschichten deutlich größer ausfällt.

Besonders das Zusammenspiel aus Englunds Hauptstimme und den Backing Vocals sorgt für Dynamik. Die rauen Chöre verleihen dem Refrain einen leicht erdigen Hard-Rock-Charakter. Dadurch wirkt die Nummer weniger glatt als viele moderne Power-Metal-Produktionen. Die Gitarren bleiben hart angeschlagen und die Rhythmusgruppe hält den Song konsequent unter Spannung.

Robin Arnell setzt ein melodisches Solo, das technisch sauber gespielt ist, den Song aber nicht unnötig ausbremst. Seine Leadgitarre folgt zunächst der zentralen Harmonie und löst sich anschließend mit schnelleren Tonfolgen davon. Die Fingerfertigkeit bleibt jederzeit hörbar, ohne zum eigentlichen Inhalt des Songs zu werden. Genau diese Disziplin zeichnet einen großen Teil des Albums aus. Die Soli besitzen Substanz, werden aber nicht künstlich verlängert.

»Ghosts« ist ein starker, kompakter Heavy-Metal-Song mit wirkungsvollem Refrain. Vollständig überraschend fällt auch diese Nummer nicht aus. Das Riffing, die dunkle Grundstimmung und die mehrstimmigen Gesänge orientieren sich deutlich an etablierten skandinavischen und amerikanischen Vorbildern. Innerhalb des Albums erfüllt der Titel dennoch seine Aufgabe und zeigt, dass Prime Creation nicht permanent mit maximalem Tempo arbeiten müssen.

DIE ERNTE WIRD SCHWER

Mit »Blood Harvest« zieht die Band die Geschwindigkeit spürbar an. Kim Arnell setzt auf durchgehende Doublebass, schnelle Übergänge und kräftige Beckenakzente. Die Rhythmusgitarren folgen mit kurzen, scharf gespielten Figuren, deren Wirkung aus der exakten Verzahnung mit dem Schlagzeug entsteht. Der Song ist mit etwas mehr als drei Minuten der kompakteste Angriff des Albums.

Die Gitarrenarbeit fällt hier besonders präzise aus. Palm-Mute-Passagen, offene Akkorde und melodische Gegenstimmen wechseln in schneller Folge, ohne dass das Arrangement unübersichtlich wird. Henrik Weimedals Bass verdichtet das Fundament und sorgt dafür, dass die tiefen Frequenzen selbst während der schnellsten Abschnitte nicht allein vom Schlagzeug getragen werden.

Englund singt aggressiver und druckvoller als in den beiden vorherigen Stücken. Seine raue Stimme passt ausgezeichnet zum erhöhten Tempo. Der Refrain bleibt melodisch, wird aber weniger breit ausgewalzt. Statt eines großen hymnischen Bogens erhält die Nummer eine kurze, direkte Hookline, die schnell wieder in das Hauptriff übergeht.

Das Gitarrensolo zählt zu den stärkeren Momenten des Albums. Robin Arnell verbindet schnelle Läufe mit kontrollierten Bendings und melodischen Wiederholungen. Die Technik steht nicht isoliert neben dem Song, sondern greift dessen hohe Energie auf. »Blood Harvest« zeigt, wie wirkungsvoll Prime Creation sein können, wenn sie ihre Ideen konzentrieren und ohne längere Umwege auf den Punkt bringen.

DIE SEELEN DER GEFALLENEN

Der Titelsong beginnt mit schweren Drums und einem tief gestimmten Gitarrenriff. Das Tempo wurde gegenüber »Blood Harvest« deutlich reduziert, an Druck verliert die Musik dadurch nicht. Im Gegenteil: Die größeren Abstände zwischen den Anschlägen geben den Gitarren mehr Gewicht. Henrik Weimedals metallisch klingender Bass tritt stärker hervor und verleiht den Strophen eine massive Grundlage.

Inhaltlich beschäftigt sich »Souls Of The Fallen« mit einem Krieg, in den Menschen ohne echte Alternative hineingedrängt werden. Innere Stärke, moralische Konflikte, überlebende Kämpfer und das Gedenken an gefallene Verbündete bilden das Zentrum. Die Band vermeidet dabei eine triumphale Kriegsverherrlichung. Der Song behandelt den Kampf vielmehr als erzwungene Situation, deren Folgen auch nach einem möglichen Sieg bestehen bleiben.

Musikalisch gehört das Titelstück zu den interessantesten Nummern. Verschiedene Rhythmuswechsel, kurze instrumentale Übergänge und wechselnde Gitarrenbetonungen bringen einen leichten progressiven Einschlag ein. Dieser bleibt allerdings kontrolliert. Prime Creation verlassen nie die verständliche Songstruktur und führen sämtliche Umwege zurück zum melodischen Refrain.

Englunds Stimme funktioniert hier besonders gut. Sein raues Timbre vermittelt Erschöpfung, Widerstand und Entschlossenheit glaubwürdiger, als es ein technisch makelloser, aber austauschbarer Hochgesang vermutlich könnte. Der Refrain besitzt Pathos, vermeidet jedoch übermäßig süße Melodien. Auch die Gitarren tragen zur düsteren Wirkung bei. Statt heller Harmonien dominieren tiefe Akkorde und kurze, spannungsgeladene Leadfiguren.

Der Titelsong ist einer der stärksten Beiträge, weil die Band Härte, Melodie und atmosphärische Erweiterungen ausgewogen miteinander verbindet. Hier wirkt das beworbene dunklere Klangbild tatsächlich nachvollziehbar.

EIN BÜNDNIS MIT PROGRESSIVER SCHLAGSEITE

»Alliance« ist mit mehr als sechs Minuten das längste Stück des Albums. Ein atmosphärischer Beginn aus Synthesizern, zurückgenommenen Gitarren und ruhigerem Gesang bereitet auf eine umfangreichere Entwicklung vor. Die Band lässt sich bewusst Zeit, bevor Schlagzeug und verzerrte Gitarren das volle Gewicht übernehmen.

Der Song bewegt sich zwischen Power-Ballade, melodischem Heavy Metal und einzelnen progressiven Elementen. Ruhige Passagen werden von schweren Riffs abgelöst, während sich die Gitarren mehrfach aus dem Grundrhythmus lösen. Besonders Robin Arnells Leadspiel erhält hier viel Raum. Melodische Linien, langsam aufgebaute Solopassagen und schnellere Läufe werden sinnvoll miteinander verbunden.

Auch Rami Tainamos Rhythmusarbeit verdient Aufmerksamkeit. Die Akkorde liegen nicht einfach als gleichförmige Fläche unter dem Solo, sondern verändern ihre Betonungen und harmonischen Positionen. Dadurch bleibt der lange Mittelteil in Bewegung. Weimedal und Kim Arnell bilden dazu ein stabiles Fundament, das auch während der ruhigeren Abschnitte präsent bleibt.

Die sechs Minuten sind allerdings nicht vollständig frei von Längen. Einzelne Übergänge werden ausführlicher wiederholt, als es für die Wirkung notwendig wäre. Der Song besitzt gute Ideen und einen nachvollziehbaren Aufbau, hätte in einer etwas kompakteren Fassung aber vermutlich noch eindringlicher gewirkt. Gerade weil das restliche Album sehr konzentriert ausfällt, fällt die ausgedehnte Struktur stärker auf.

Trotzdem ist »Alliance« wichtig für die Dramaturgie. Die Nummer verhindert, dass »Souls Of The Fallen« zu einer bloßen Abfolge ähnlich gebauter Power-Metal-Stücke wird. Sie zeigt außerdem, dass die Band durchaus progressive Möglichkeiten besitzt, auch wenn diese auf dem Album insgesamt weniger stark ausgeprägt sind, als es manche Vorankündigung vermuten ließ.

VERLORENES ERBE UND BLEIBENDE LEGENDEN

»Lost Legacy« kehrt anschließend zum schnellen, kompakten Power Metal zurück. Ein galoppierender Rhythmus treibt die Nummer an, während die Gitarren kurze harmonische Figuren über das Fundament legen. Das Stück erinnert in seiner Bewegung stellenweise an klassischen britischen Heavy Metal, wurde jedoch mit einem deutlich moderneren und schwereren Klang versehen.

Der Refrain gehört zu den eingängigsten Momenten des Albums. Englund wird von kräftigen Chören unterstützt, ohne dass seine eigene Stimme darin untergeht. Die Melodie ist klar, aber nicht übertrieben süß. Nach dem längeren »Alliance« wirkt die direkte Struktur erfrischend. Strophe, Übergang, Refrain und Solo greifen ohne unnötige Wiederholungen ineinander.

Auch hier überzeugt die technische Umsetzung. Die Gitarrenriffs werden präzise angeschlagen, das Schlagzeug bleibt trotz hoher Geschwindigkeit kontrolliert und der Bass gibt dem Galopp zusätzlichen Druck. »Lost Legacy« gehört gemeinsam mit »Blood Harvest« zu den härteren und unmittelbarsten Songs.

»Legends Never Die« setzt dagegen stärker auf Größe und melodische Breite. Gitarrenharmonien und mehrstimmige Gesänge bilden das Zentrum. Der Refrain besitzt die erwartete hymnische Wirkung, wird aber von Englunds rauer Stimme ausreichend geerdet. Die Nummer zeigt besonders deutlich, wie gut das Zusammenspiel der beiden Gitarristen funktioniert. Rhythmus- und Leadgitarre sind klar voneinander getrennt, bleiben aber harmonisch eng verbunden.

Das Solo entwickelt die Melodie des Refrains weiter, statt einen vollständig unabhängigen technischen Einschub zu bilden. Schnelle Tonfolgen, präzise Bendings und kurze zweistimmige Figuren sorgen für einen klassischen Heavy-Metal-Charakter. »Legends Never Die« ist nicht der originellste Songtitel der Musikgeschichte, gehört kompositorisch aber zu den stärkeren Beiträgen der Platte.

AUS DER ASCHE DES VERTRAUENS

»Ashes Of Trust« beendet das Album mit einem Wechsel aus schweren Power-Metal-Passagen und zurückgenommenen Abschnitten. Inhaltlich geht es um Verrat durch eine ehemals vertraute Person, emotionale Zerstörung und die spätere Rückgewinnung der eigenen Stärke. Die Entwicklung vom verletzten Rückzug zur offenen Konfrontation spiegelt sich im Arrangement wider.

Der Beginn wirkt kontrolliert und düster. Englund singt vergleichsweise zurückhaltend, während die Gitarren einzelne Akkorde und melodische Linien setzen. Sobald der Refrain einsetzt, wird das Klangbild deutlich größer. Schlagzeug und Bass erhöhen den Druck, die Rhythmusgitarren werden breiter und die Leadgitarre legt eine klare Melodie darüber.

Besonders gelungen ist die Dynamik. Die Band spielt nicht permanent mit maximaler Lautstärke, sondern nutzt die ruhigeren Stellen, um den schweren Passagen zusätzliche Wirkung zu geben. Englunds Stimme profitiert ebenfalls von diesem Wechsel. Seine rauen Töne wirken im Refrain kraftvoller, weil die Strophen mehr Raum lassen.

Das abschließende Solo führt mehrere Elemente des Albums zusammen. Melodische Linien treffen auf schnellere Läufe, während die Rhythmusgruppe den Song konsequent vorantreibt. Die Fingerfertigkeit ist deutlich hörbar, bleibt aber erneut dem Gesamtbild untergeordnet. Mit seinem Wechsel aus Verletzlichkeit und Entschlossenheit ist »Ashes Of Trust« ein geeigneter Abschluss und einer der emotional nachvollziehbarsten Songs.

PRÄZISION, DRUCK UND STARKE SOLOS

Handwerklich bewegen sich Prime Creation auf hohem Niveau. Robin Arnell und Rami Tainamo ergänzen sich überzeugend. Die Rhythmusgitarre liefert schwere, exakt gesetzte Riffs, während die Leadgitarre melodische Erweiterungen und Soli übernimmt. Beide Instrumente wurden klar voneinander getrennt und behalten selbst in den dichteren Passagen ihre Konturen.

Die Soli gehören zu den größten Stärken des Albums. Arnell besitzt die notwendige Fingerfertigkeit für schnelle Läufe, kontrollierte Bendings und harmonische Verzierungen. Entscheidender ist jedoch sein Gespür für den jeweiligen Song. Die Solopassagen greifen häufig vorhandene Gesangsmelodien oder Gitarrenmotive auf und entwickeln sie weiter. Dadurch wirken sie nicht wie nachträglich eingesetzte Pflichtübungen.

Tainamos Rhythmusspiel ist ebenso wichtig. Viele Riffs basieren auf kurzen, präzise gedämpften Figuren, die eng mit Kim Arnells Schlagzeug verbunden sind. Gerade bei »Blood Harvest« und »Lost Legacy« müssen Gitarren und Doublebass exakt ineinandergreifen. Die Band bewältigt diese Passagen mit großer Sicherheit.

Henrik Weimedals Bass bleibt im Mix hörbar und verleiht den tiefer gestimmten Gitarren zusätzliche Substanz. Er löst sich zwar nur selten vollständig von der Rhythmusgitarre, besitzt aber genügend Präsenz, um nicht zu einer unsichtbaren Verdopplung zu werden. Kim Arnell spielt druckvoll und technisch sauber. Seine Doublebass ist präzise, während gezielt gesetzte Fills die Übergänge unterstützen.

MODERNER KLANG OHNE VOLLSTÄNDIGE KLARHEIT

Niels Nielsens Produktion gibt dem Album einen warmen, kraftvollen und modernen Klang. Das Schlagzeug besitzt reichlich Druck, ohne vollständig künstlich zu wirken. Die Gitarren sind breit aufgenommen und haben genügend Schärfe, um sich gegen den Gesang durchzusetzen. Auch die zurückhaltend eingesetzten Keyboards fügen sich überwiegend sinnvoll ein.

Der Mix ist allerdings nicht in jeder Passage optimal ausdifferenziert. Wenn mehrere Gitarren, Chöre, Keyboards und Englunds markante Stimme gleichzeitig einsetzen, verdichtet sich das Klangbild stark. Einzelne Bassbewegungen und kleinere rhythmische Details gehen dabei gelegentlich unter. Gerade die technisch sorgfältig ausgearbeiteten Gitarren hätten stellenweise etwas mehr Luft verdient.

Englunds Stimme wurde sehr präsent gemischt. Das unterstreicht seinen besonderen Charakter, kann über die gesamte Spielzeit aber auch anstrengend wirken. Sein Gesang besitzt Ausdruck und Wiedererkennungswert, bewegt sich jedoch häufig in einer ähnlichen rauen Tonlage. Die ruhigeren Momente von »Alliance« und »Ashes Of Trust« sind daher besonders wichtig, weil sie zusätzliche Abstufungen ermöglichen.

Insgesamt passt die Produktion zur musikalischen Ausrichtung. »Souls Of The Fallen« klingt weder nach nostalgischem Achtziger-Metal noch nach vollständig digitalem Hochglanzprodukt. Der Sound ist modern und schwer, bewahrt aber genügend organische Dynamik.

BEKANNTES HANDWERK MIT DUNKLER FÄRBUNG

Die größte Stärke des Albums liegt in seiner konstant hohen Qualität. Es gibt keinen wirklichen Ausfall. Sämtliche acht Stücke sind professionell arrangiert, überzeugend gespielt und mit nachvollziehbaren Refrains versehen. Die kompakte Spielzeit von gut 36 Minuten verhindert zudem, dass sich das Material unnötig ausdehnt.

Gleichzeitig fehlt einigen Songs ein unverwechselbares Merkmal. Viele Riffs, Galopprhythmen und hymnische Refrains bewegen sich innerhalb bekannter Genrestandards. Einflüsse von Brainstorm, Orden Ogan, Nocturnal Rites, Iron Fire und modernem skandinavischem Melodic Metal sind deutlich zu erkennen. Prime Creation kopieren keine dieser Bands direkt, lösen sich aber auch nicht vollständig von ihren Vorbildern.

Der angekündigte progressive Anteil bleibt hauptsächlich auf einzelne Rhythmuswechsel, atmosphärische Intros und den längeren Aufbau von »Alliance« beschränkt. Wer ein komplexes Progressive-Metal-Album erwartet, dürfte daher enttäuscht werden. Die eigentliche Stärke der Schweden liegt weiterhin im melodischen Heavy- und Power-Metal-Songwriting.

Die dunklere Ausrichtung funktioniert dennoch. Tiefer gestimmte Gitarren, Englunds raue Stimme und Themen wie Krieg, Verrat und Verlust verhindern eine allzu fröhliche Grundstimmung. Besonders der Titelsong und »Ashes Of Trust« zeigen, dass die Band innerhalb ihres vertrauten Rahmens eine eigene emotionale Wirkung entwickeln kann.

FAZIT:

»Souls Of The Fallen« ist ein technisch starkes und kompakt geschriebenes viertes Album, auf dem Prime Creation melodischen Heavy Metal und Power Metal mit einem dunkleren, modernen Klang verbinden. Die präzisen Gitarrenriffs, mehrere ausgezeichnete Soli, Kim Arnells kraftvolles Schlagzeug und die markante Stimme von Esa Englund bilden ein stabiles Fundament. Besonders »Blood Harvest«, der Titeltrack, »Lost Legacy« und »Ashes Of Trust« überzeugen durch Druck, Dynamik und eingängige Melodien. »Alliance« erweitert das Material um atmosphärische und leicht progressive Elemente, hätte aber etwas kompakter ausfallen dürfen. Die Produktion ist warm und kraftvoll, könnte die einzelnen Instrumente in den dichtesten Momenten jedoch klarer voneinander trennen. Auch kompositorisch bewegen sich einige Stücke sehr nah an vertrauten Genrestandards. Der ganz große Überraschungseffekt bleibt daher aus. Wer modernen Power Metal mit schweren Gitarren, rauem Gesang und starken Leadpassagen schätzt, erhält dennoch ein durchgehend hörenswertes Album ohne wirklichen Ausfall.

Prime Creation – Ashes Of Trust – Official Music Video

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Prime Creation - Souls Of The Fallen - CD Review

Nargaroth – Apocalyptic Steel

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Nargaroth - Apocalyptic Steel - album Artwork
Nargaroth - Apocalyptic Steel - album Artwork

Band: Nargaroth 🇩🇪
Titel: Apocalyptic Steel
Label: Season of Mist: Underground Activists
VÖ: 26.06.2026
Format: CD / Vinyl / Digital
Genre: Black Metal / Heavy Metal / Blackened Speed Metal

Tracklist

01. Intro
02. Steel Apocalypse
03. Twisted Steel
04. I Drink Alone
05. Metalheart
06. Dresden
07. Shelter the Faithless
08. Man of Mayhem
09. Requiem Germania

Besetzung

Ash – Gesang, Gitarre und Bass
Mike Williams – Gitarre und Bass
Phil Cancilla – Schlagzeug

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

Neun Jahre nach »Era of Threnody« kehrt Nargaroth mit einem Album zurück, dessen Entstehungsgeschichte beinahe länger ist als manche vollständige Bandkarriere. Die instrumentalen Grundlagen von »Apocalyptic Steel« wurden bereits im September 2014 während eines einzigen Wochenendes in den Trident Studios im kalifornischen Pacheco aufgenommen. Anschließend verschwanden die Sessions auf einer Festplatte, während das später veröffentlichte »Era of Threnody« Vorrang erhielt. Erst Jahre danach wurde das Material wieder hervorgeholt. Das Schlagzeug wurde 2022 in Las Vegas neu eingespielt, während Gesang, Mix und Mastering zwischen Februar und April 2025 in den AMP Studios in Duisburg entstanden. Veröffentlicht wird das Resultat über Season of Mist: Underground Activists.

Wer nach dieser langen Vorgeschichte ein ausuferndes, atmosphärisch verschachteltes Werk erwartet, erlebt eine Überraschung. »Apocalyptic Steel« ist mit rund 39 Minuten das vielleicht direkteste und kompakteste Nargaroth-Album seit langer Zeit. Der Black Metal bleibt das Fundament, wird jedoch mit klassischem Heavy Metal, Speed Metal, Thrash und kantigem Death Metal verbunden. Alte Judas Priest, Accept, Deicide und Obituary stehen dabei ebenso Pate wie die rohe Energie der frühen Nargaroth-Veröffentlichungen. Das Album klingt bewusst ungeschliffen und besitzt reichlich aggressive Gitarrenriffs, lässt in seiner zweiten Hälfte jedoch auch Melancholie, klare Stimmen und persönliche Nachdenklichkeit zu. Genau aus diesem Gegensatz entwickelt die Platte ihre größten Stärken, aber auch einige ihrer Brüche.

Albumstream

DER STAHL SCHLÄGT EIN

Nach einem gerade einmal 34 Sekunden langen »Intro« fällt »Steel Apocalypse« ohne weitere Vorwarnung über die Hörerschaft her. Das Schlagzeug treibt den Song mit hoher Geschwindigkeit an, während Gitarren und Bass ein dichtes, aggressives Fundament errichten. Die Riffs bewegen sich zwischen klassischem Black Metal und deutlich death-metallisch gefärbten Akkordfolgen. Statt sich über lange Minuten langsam zu entwickeln, schlägt die Nummer schnell zu und bleibt anschließend konsequent in Bewegung.

Die Gitarrenarbeit fällt überraschend vielschichtig aus. Unter der rauen Oberfläche befinden sich zahlreiche kleine rhythmische Veränderungen, kurze melodische Gegenbewegungen und kontrolliert gesetzte Leadgitarren. Die Soli wirken wild und ungezügelt, sind jedoch technisch präziser gespielt, als es der absichtlich rohe Klang zunächst vermuten lässt. Gerade das Zusammenspiel von Ash und Mike Williams verleiht der Nummer zusätzliche Tiefe. Die beiden Instrumente verdoppeln sich nicht permanent, sondern teilen Rhythmus, Melodie und kurze Leadakzente untereinander auf.

Phil Cancilla liefert dazu ein druckvolles Schlagzeugspiel, das sich nicht auf durchgehende Blastbeats beschränkt. Wechselnde Betonungen und schnelle Fills halten den Song lebendig. Das Resultat ist Black Metal mit deutlich ausgeprägtem Heavy-Metal-Verständnis. Die Energie steht im Vordergrund, doch hinter der Raserei steckt ein präzises Arrangement.

Ashs Gesang wurde sehr weit vorn im Mix platziert. Sein heiseres Organ besitzt sofortige Präsenz und schneidet durch die Instrumente. Das sorgt für Aggressivität, lässt den Gitarren jedoch stellenweise weniger Raum, als ihre Detailarbeit verdient hätte. Der Opener funktioniert trotzdem ausgezeichnet und macht deutlich, dass »Apocalyptic Steel« kein verträumter Nachfolger von »Era of Threnody« werden soll.

VERDREHTER STAHL UND KONTROLLIERTE AGGRESSION

»Twisted Steel« setzt die hohe Geschwindigkeit fort, klingt jedoch bedrohlicher und rhythmisch verschobener. Das zentrale Gitarrenriff besitzt eine schneidende Bewegung, die sich immer wieder um wenige Töne dreht und dadurch eine beinahe klaustrophobische Wirkung entwickelt. Kurze Unterbrechungen, Sprachsamples und wechselnde Schlagzeugfiguren verhindern, dass die Nummer zu einem gleichförmigen Geschwindigkeitsangriff gerät.

Besonders überzeugend ist die Präzision der Rhythmusgitarren. Die schnellen Anschläge bleiben sauber voneinander getrennt, während abrupte Pausen geschlossen von der gesamten Band umgesetzt werden. Der rohe Klang darf daher nicht mit ungenauem Spiel verwechselt werden. Die Musiker wissen genau, an welchen Stellen die Riffs verdichtet und wann einzelne Akkorde bewusst offengelassen werden müssen.

Ash steigert seine Stimme mehrfach in ein scharfes, angegriffenes Kreischen. Das passt zur aggressiven Grundhaltung, beansprucht aber einen erheblichen Teil des Klangbildes. In einzelnen Momenten entsteht der Eindruck, dass der Gesang nicht über, sondern direkt vor den Instrumenten steht. Dadurch verlieren manche Gitarrenlinien an Wirkung. Wer den charakteristischen Vortrag von Nargaroth schätzt, wird darin kaum ein Problem erkennen. Über die gesamte Albumlänge kann diese starke Präsenz jedoch ermüden.

»Twisted Steel« gehört dennoch zu den überzeugendsten schnellen Nummern. Der Song ist kompakt, besitzt einen klaren Spannungsbogen und verbindet rohe Black-Metal-Energie mit kontrollierter Fingerfertigkeit. Die Leadgitarren tauchen nur kurz auf, hinterlassen aber durch ihre wilde Tongebung einen bleibenden Eindruck.

ALLEIN MIT DER FLASCHE

Mit »I Drink Alone« wird das Tempo etwas stärker variiert. Das Stück setzt weiterhin auf aggressive Gitarren, besitzt jedoch einen schwereren Groove und mehr klassisches Heavy-Metal-Gefühl. Die Riffs sind weniger flirrend und arbeiten häufiger mit kräftigen, klar gesetzten Anschlägen. Bass und Schlagzeug erhalten dadurch mehr Raum, während die Gitarren zwischen treibenden Strophen und offeneren Übergängen wechseln.

Die Nummer lebt von ihrer unmittelbaren Haltung. Der Titel benötigt keine komplizierte Interpretation: Einsamkeit, Alkohol und selbstgewählte Abgrenzung werden ohne romantische Verklärung zusammengeführt. Ashs Vortrag wirkt dabei weniger wie eine distanzierte Erzählung als wie ein persönliches Bekenntnis. Die Stimme klingt rau und angegriffen, besitzt aber genügend rhythmische Kontrolle, um die Gitarren nicht vollständig zu überrennen.

Instrumental bewegt sich der Song zwischen Blackened Heavy Metal und einer dunklen Form von Rock ’n’ Roll. Das zentrale Riff ist unkompliziert, aber wirkungsvoll. Kleine Pausen und Betonungswechsel verleihen ihm einen starken Vorwärtsdrang. Die Leadgitarre setzt erneut kurze, technisch saubere Akzente, ohne den Song in ein ausgedehntes Solostück zu verwandeln.

»I Drink Alone« gehört nicht zu den außergewöhnlichsten Nummern des Albums, erfüllt innerhalb der ersten Hälfte jedoch eine wichtige Aufgabe. Nach der fast pausenlosen Geschwindigkeit der beiden vorherigen Stücke bringt der Song mehr Groove und körperliche Schwere ein. Gleichzeitig kündigt er an, dass sich Nargaroth auf dieser Platte nicht ausschließlich an die Regeln des klassischen Black Metal halten.

EIN HERZ AUS METALL

»Metalheart« ist die offensichtlichste Liebeserklärung an traditionellen Heavy Metal. Inhaltlich werden zahlreiche Bands genannt, die Ashs musikalische Entwicklung geprägt haben. Accept, Venom, Slayer, Sodom, Sarcófago, Sepultura, Manowar, Motörhead und Dio werden nicht subtil angedeutet, sondern direkt in den Text integriert. Was schnell zu einer peinlichen Namensliste hätte werden können, funktioniert als bewusst überzeichneter Schlachtruf für die eigene metallische Sozialisation.

Musikalisch bewegt sich die Nummer zwischen Black Metal, Speed Metal und klassischem Achtziger-Heavy-Metal. Die Gitarrenriffs besitzen eine klare, fast hymnische Struktur. Der Bass unterstützt sie mit einem satten Grundton, während Cancilla den Song geradliniger antreibt als zuvor. Das Stück wirkt dadurch sofort zugänglich und dürfte sich besonders gut für die Bühne eignen.

Die Fingerfertigkeit der Gitarristen zeigt sich erneut nicht allein in hoher Geschwindigkeit. Entscheidend sind die sauberen Wechsel zwischen gedämpften Rhythmusfiguren, offenen Akkorden und kurzen Leadpassagen. Die Gitarren klingen aggressiv, bleiben aber nachvollziehbar. Gerade im Refrain entsteht ein breiter, fast klassischer Metal-Sound, der deutlich macht, wie stark die Platte von Musik jenseits des Black Metal geprägt wurde.

»Metalheart« besitzt reichlich Pathos und bewegt sich mehrfach nahe an der Grenze zur Selbstparodie. Genau darin liegt allerdings ein Teil seines Reizes. Nargaroth versuchen nicht, ihre Begeisterung hinter intellektueller Distanz zu verstecken. Der Song ist direkt, laut und vollkommen frei von Ironie. Wer mit traditionellen Metal-Hymnen wenig anfangen kann, dürfte die Nummer eher anstrengend finden. Wer sich auf den bewusst altmodischen Geist einlässt, erhält einen der eingängigsten Titel des Albums.

DRESDEN IM SCHATTEN DER GESCHICHTE

Mit »Dresden« verändert sich das Album grundlegend. Das Tempo wird reduziert, die Gitarren wirken melodischer und der bisher dominante Schreigesang weicht einer vollständig klaren Stimme. Nach den aggressiven ersten Stücken fühlt sich dieser Wechsel zunächst beinahe wie der Beginn einer anderen Platte an. Gerade deshalb entwickelt die Nummer eine starke Wirkung.

Die Gitarren greifen melancholische Motive auf, die eher an dunklen Gothic Metal als an traditionellen Black Metal erinnern. Einzelne Akkorde werden länger gehalten, während Bass und Schlagzeug ein zurückgenommenes Fundament bilden. Ash singt kontrollierter, als man es angesichts der vorherigen Stücke erwarten würde. Seine klare Stimme ist nicht technisch makellos, besitzt aber Charakter und transportiert die Schwere des historischen Themas glaubwürdig.

Besonders gelungen ist die Zurückhaltung der Instrumente. Keine Gitarre versucht, den Gesang mit unnötigen Verzierungen zu übertrumpfen. Stattdessen entstehen kleine melodische Gegenbewegungen, die sich unter die Stimme legen und die bedrückende Stimmung verstärken. Die Fingerfertigkeit zeigt sich hier in kontrollierten Tonwechseln, sauber gehaltenen Akkorden und einem sicheren Gefühl für Dynamik.

»Dresden« ist einer der stärksten Songs des Albums, weil Nargaroth die bisherige Aggression nicht einfach fortsetzen, sondern einen deutlichen emotionalen Kontrast schaffen. Gleichzeitig offenbart die Nummer, dass Ashs klare Stimme dem Material ausgesprochen gut stehen kann. Innerhalb einer Platte, deren Schreigesang sehr dominant gemischt wurde, wirkt diese ruhigere Darbietung fast befreiend.

Der Bruch ist allerdings so stark, dass die Gesamtwirkung des Albums darunter etwas leidet. Die erste Hälfte lebt von Geschwindigkeit und metallischer Kampfbereitschaft, während »Dresden« plötzlich nach innen blickt. Als einzelner Song überzeugt die Nummer vollständig. Als Bestandteil des Albums leitet sie eine zweite Hälfte ein, die stilistisch deutlich weiter gefasst ist.

SCHUTZ FÜR DIE GLAUBENSLOSEN

»Shelter the Faithless« beginnt mit schweren, beinahe death-metallischen Gitarrenriffs. Das Tempo bleibt zunächst gedrückt, während Bass und Schlagzeug eine massive rhythmische Grundlage bilden. Der Song erinnert in seinen tiefen, schleppenden Passagen deutlich stärker an Obituary oder ältere Deicide als an norwegischen Black Metal.

Die Gitarrenarbeit gehört erneut zu den Stärken. Tiefe Akkorde werden mit dissonanten Einzeltönen verbunden, während der Rhythmus regelmäßig zwischen schleppender Schwere und schnelleren Ausbrüchen wechselt. Diese Übergänge werden präzise gespielt und zeigen, dass das Album trotz seiner bewusst rauen Produktion keineswegs spontan zusammengewürfelt wurde.

Mit mehr als sechs Minuten gehört die Nummer zu den längsten Stücken. Hier macht sich erstmals deutlicher bemerkbar, dass nicht jede Wiederholung notwendig gewesen wäre. Das zentrale Riff besitzt Gewicht, wird jedoch häufig erneut aufgegriffen, ohne dabei immer eine entscheidende Veränderung zu erfahren. Die Atmosphäre bleibt bedrohlich, doch der Spannungsbogen verliert im Mittelteil etwas an Kraft.

Auch der dominante Gesang trägt zur Ermüdung bei. Ash klingt aggressiv und glaubwürdig, befindet sich aber erneut sehr weit vor den Instrumenten. Gerade weil die Gitarrenarbeit zahlreiche interessante Details besitzt, wäre etwas mehr räumliche Balance wünschenswert gewesen. Trotz dieser Schwächen bleibt »Shelter the Faithless« ein solides, schweres Stück, das die death-metallische Seite des Albums besonders deutlich hervorhebt.

DER MANN DES CHAOS

»Man of Mayhem« verbindet melodischen Black Metal mit nachdenklicheren Übergängen. Das Stück beginnt druckvoll, öffnet sich jedoch wiederholt für weitläufigere Gitarrenmelodien. Nach der massiven Schwere von »Shelter the Faithless« wirkt die Nummer beweglicher und emotional abwechslungsreicher.

Die Rhythmusgitarren setzen auf schnelle, präzise Anschläge, während darüber melodische Linien geführt werden. Diese Gegenüberstellung gehört zu den technisch interessantesten Momenten der Platte. Die Leadgitarre übernimmt keine reine Solorolle, sondern begleitet die Rhythmusarbeit über längere Passagen. Dadurch entsteht ein dichter, aber nicht undurchsichtiger Gitarrensound.

Cancillas Schlagzeug passt sich den unterschiedlichen Abschnitten überzeugend an. Blastbeats und treibende Doublebass wechseln mit zurückgenommenen Rhythmen, ohne dass der Song auseinanderfällt. Gerade die Übergänge zeigen ein präzises Zusammenspiel. Die Musiker wechseln geschlossen zwischen Aggression und Melancholie, während Ashs Stimme die emotionale Spannung aufrechterhält.

Mit mehr als sechs Minuten nimmt sich auch »Man of Mayhem« viel Zeit. Im Gegensatz zum Vorgänger werden die Wiederholungen jedoch durch melodische Entwicklungen und dynamische Veränderungen besser aufgefangen. Der Song besitzt ein erkennbares Ziel und führt seine Motive schrittweise zu einem wirkungsvollen Abschluss. Er gehört zu den stärkeren Stücken der zweiten Hälfte und verbindet die aggressive Anfangsphase mit der melancholischen Grundhaltung des Finales.

REQUIEM FÜR DIE HEIMAT

»Requiem Germania« beendet das Album mit einem vollständig deutschsprachigen Stück, das sich deutlich von den kämpferischen Metal-Hymnen der ersten Hälfte entfernt. Inhaltlich steht die Sehnsucht nach einer verlassenen Heimat im Mittelpunkt. Ash lebt seit vielen Jahren außerhalb Deutschlands und beschreibt die Spannung zwischen der anhaltenden Bindung an die eigenen Wurzeln und der Schwierigkeit einer tatsächlichen Rückkehr.

Die Gitarren bewegen sich in einem langsameren, von Black Metal und Doom geprägten Tempo. Breite Akkorde und melancholische Melodien bestimmen das Klangbild, während Schlagzeug und Bass eine feierliche Schwere aufbauen. Klare und beschwörende Gesangspassagen ergänzen die charakteristischen Schreie. Gerade diese Abwechslung sorgt dafür, dass die Stimme weniger anstrengend wirkt als in einigen vorherigen Stücken.

Musikalisch ist der Abschluss vergleichsweise einfach aufgebaut. Die Wirkung entsteht nicht durch komplizierte Riffs oder virtuose Soli, sondern durch Wiederholung, Dynamik und die emotionale Bedeutung der Melodien. Die Gitarren spielen präzise und kontrolliert, lassen den Akkorden jedoch genügend Zeit, vollständig auszuklingen. Das Stück entfaltet dadurch eine fast rituelle Atmosphäre.

Der Refrain besitzt eine hymnische Qualität, ohne sich in übermäßigem Bombast zu verlieren. Die melancholische Grundstimmung passt hervorragend zu Ashs rauer, gelegentlich brüchiger Stimme. Genau diese Unvollkommenheit verleiht dem Song Glaubwürdigkeit. Eine technisch glatte Gesangsleistung hätte vermutlich weniger Wirkung entfaltet.

»Requiem Germania« ist gemeinsam mit »Dresden« der emotional stärkste Moment des Albums. Beide Stücke zeigen eine Seite von Nargaroth, die über reine Aggression und demonstrative Metal-Verehrung hinausgeht. Gleichzeitig verstärken sie den Eindruck, dass »Apocalyptic Steel« aus zwei unterschiedlichen Hälften besteht: einer direkten, aggressiven Metallplatte und einem nachdenklicheren, persönlichen Werk.

ROH AUFGENOMMEN, PRÄZISE GESPIELT

Die Produktion wurde bewusst nicht auf modernen Hochglanz getrimmt. Gitarren, Bass und Schlagzeug besitzen eine raue Oberfläche, bleiben aber weitgehend voneinander unterscheidbar. Der Klang erinnert an ältere Extreme-Metal-Produktionen, ohne deren technische Einschränkungen vollständig nachzuahmen.

Besonders die Gitarren profitieren von dieser Balance. Die Rhythmusspuren wirken kräftig und dicht, während Leadlinien und Soli genügend Schärfe besitzen, um sich durchzusetzen. Die Riffs werden nicht durch übermäßige Kompression zu einer einheitlichen Wand zusammengeschoben. Anschläge, Pausen und kleine Ungenauigkeiten bleiben hörbar und verleihen der Platte einen menschlichen Charakter.

Der Bass ist stärker wahrnehmbar als auf vielen Black-Metal-Alben. Er unterstützt nicht nur die Gitarren, sondern verleiht den langsameren Death-Metal-Passagen zusätzliches Gewicht. Das Schlagzeug klingt trocken und unmittelbar. Cancillas Spiel besitzt Kraft, bleibt jedoch kontrolliert. Blastbeats, Doublebass und langsamere Rhythmen werden mit hoher Präzision umgesetzt.

Problematischer ist die Position des Gesangs. Ash steht über weite Strecken sehr weit im Vordergrund. Seine Stimme ist ein wichtiger Bestandteil der Nargaroth-Identität, verdrängt aber gelegentlich die instrumentalen Feinheiten. Besonders in den schnellen Stücken hätte eine etwas tiefere Einbettung in den Gesamtmix für mehr Ausgewogenheit gesorgt.

Die lange Entstehungszeit ist dem Album klanglich erstaunlich wenig anzuhören. Obwohl die ersten Instrumente 2014 aufgenommen, die Drums 2022 ersetzt und der Gesang erst 2025 ergänzt wurden, wirkt die Produktion überwiegend geschlossen. Das spricht für die sorgfältige Arbeit beim Mix und Mastering. Lediglich die stilistischen Unterschiede zwischen den Songs lassen erkennen, dass hier verschiedene musikalische Ideen nebeneinanderstehen.

HEAVY METAL IST AUCH KRIEG

»Apocalyptic Steel« ist kein reines Black-Metal-Album. Dafür sind die Einflüsse aus traditionellem Heavy Metal, Speed, Thrash und Death Metal zu deutlich. Gerade diese Offenheit macht die Veröffentlichung interessant. Ash versucht nicht, den Sound früherer Nargaroth-Platten einfach zu wiederholen. Stattdessen verbindet er seine Black-Metal-Wurzeln mit jener Musik, die ihn ursprünglich zum Metal führte.

Die stärksten Momente entstehen immer dann, wenn diese Einflüsse nicht bloß nebeneinanderstehen, sondern zu einer gemeinsamen Sprache verschmelzen. »Steel Apocalypse« und »Twisted Steel« verbinden präzise Gitarrenriffs mit kompromissloser Geschwindigkeit. »Metalheart« funktioniert als bewusst altmodische Hymne, während »Dresden« und »Requiem Germania« melancholische und persönliche Tiefe einbringen.

Die Schwäche liegt in der fehlenden Geschlossenheit. Der Wechsel von der aggressiven ersten Hälfte zur deutlich langsameren und emotionaleren zweiten Hälfte wirkt nicht immer organisch. »Shelter the Faithless« besitzt zudem einige Längen, während der sehr dominant gemischte Schreigesang über die gesamte Spielzeit anstrengend werden kann.

Trotzdem fühlt sich »Apocalyptic Steel« nicht wie eine belanglose Zusammenstellung alter Aufnahmen an. Die Überarbeitung, die neu eingespielten Drums und die späte Fertigstellung haben aus den ursprünglichen Sessions ein vollständiges Album gemacht. Die Platte klingt nicht nach einem modernen Versuch, die Vergangenheit künstlich nachzustellen. Sie trägt vielmehr tatsächlich den Geist einer 2014 begonnenen Aufnahme in sich und wurde mit genügend Sorgfalt abgeschlossen, um auch 2026 bestehen zu können.

FAZIT:

»Apocalyptic Steel« ist ein direktes, raues und überraschend vielseitiges Nargaroth-Album. Die erste Hälfte verbindet aggressive Black-Metal-Riffs mit Heavy-, Speed- und Death-Metal-Einflüssen, während »Dresden«, »Man of Mayhem« und »Requiem Germania« stärker auf Melancholie und persönliche Nachdenklichkeit setzen. Die Gitarrenarbeit überzeugt durch präzise gespielte Rhythmusfiguren, wilde Leadpassagen und eine Fingerfertigkeit, die nie zum bloßen Selbstzweck wird. Das druckvolle Schlagzeug und der deutlich hörbare Bass verleihen dem Material zusätzliches Gewicht. Nicht alle stilistischen Übergänge wirken vollständig geschlossen, einige Passagen werden unnötig ausgedehnt und der sehr weit vorn platzierte Gesang kann auf Dauer ermüden. Dennoch ist die Platte weit davon entfernt, lediglich eine ausgegrabene Archivaufnahme zu sein. Besonders »Steel Apocalypse«, »Twisted Steel«, »Dresden« und »Requiem Germania« zeigen, dass Nargaroth auch nach langer Veröffentlichungspause noch genügend Feuer, Eigenwilligkeit und musikalische Substanz besitzen.

Nargaroth – Requiem Germania – Official Music Video

Internet

Nargaroth - Apocalyptic Steel - CD Review

KMFDM – Enemy

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Band: KMFDM 🇩🇪
Titel: ENEMY
Label: Metropolis Records
VÖ: 06.02.2026
Format: CD / Vinyl / Digital
Genre: Industrial Metal / Industrial Rock / Electro-Industrial

Tracklist

01. ENEMY
02. OUBLIETTE
03. L’ETAT
04. VAMPYR
05. YOÜ
06. OUTERNATIONAL INTERVENTION
07. A OKAY
08. STRAY BULLET 2.0
09. CATCH & KILL
10. GUN QUARTER SUE
11. THE SECOND COMING

Besetzung

Sascha „Käpt’n K“ Konietzko – Gesang, Synthesizer, Programmierung, Produktion
Lucia Cifarelli – Gesang und Songwriting
Andy Selway – Schlagzeug und Perkussion
Tidor Nieddu – Gitarre
Annabella Konietzko – Gesang und Songwriting auf „YOÜ“

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Es gibt Bands, die nach vier Jahrzehnten nur noch ihre eigene Vergangenheit verwalten. Und es gibt KMFDM. Mit »ENEMY« beweist die Industrial-Institution um Sascha „Käpt’n K“ Konietzko und Lucia Cifarelli, dass der berühmte Ultra Heavy Beat auch 2026 nicht museal klingt, sondern weiterhin mit Stahlkappe, Synthesizer, Gitarrenriff und politischem Stachel nach vorne tritt. Das Album ist kein nostalgisches Rückschauprogramm, sondern ein kompakter, bissiger und überraschend vielseitiger Klang Kosmos, in dem Industrial Rock, Electro-Industrial, Metal-Riffing, Dub, Funk, Gothic-Schattierungen und clubtaugliche Maschinenrhythmik sehr bewusst ineinandergreifen. Gerade im Sounddesign zeigen sich KMFDM nicht nur als Komponisten, sondern wie eh und je als Sound Designer: Jeder Beat sitzt wie ein mechanischer Bolzen, jede Gitarrenspur wirkt wie ein zusätzlicher Panzerplattenaufsatz, jede Stimme erfüllt eine klare dramaturgische Funktion.

KMFDM – ENEMY

Auffällig ist, wie kraftvoll »ENEMY« produziert ist. Der Sound drückt, ohne alles plattzuwalzen. Die Elektronik ist nicht bloß Hintergrundtapete, sondern ein eigenständiges architektonisches Element. Synthflächen, Sequencer, Samples, Effekte und digitale Störgeräusche bilden ein Gerüst, auf dem die Gitarren von Tidor Nieddu ihre schneidenden Linien ziehen. Andy Selway sorgt für körperliche Wucht, während Konietzko und Cifarelli die bekannten KMFDM-Gegensätze aus Parole, Melodie, Sarkasmus und Angriffslust in neue Formen bringen. Dazu kommt mit Annabella Konietzko eine frische Stimme, die auf »YOÜ« einen anderen, persönlicheren Ton in das Album trägt. Textlich geht es um Feindbilder, Machtmissbrauch, Entmenschlichung, Überwachung, autoritäre Systeme, mediale Gewalt, Eskapismus und die Frage, wie man in einer hysterischen Gegenwart überhaupt noch Haltung bewahrt. KMFDM zitieren dabei keine simple Protestpose, sondern bauen aus Schlagwort, Ironie und Klangdruck einen eigenen politischen Resonanzraum.

DER FEIND ALS SPIEGEL

Der Titeltrack »ENEMY« eröffnet das Album mit jener Mischung aus Ansage, Groove und elektronischer Verdichtung, die KMFDM seit Jahrzehnten von vielen Industrial-Kollegen unterscheidet. Die Nummer marschiert nicht einfach los, sondern baut sich wie ein Systemstart auf: Bassimpuls, Maschinenpuls, Gitarrenstich, Stimme. Konietzko klingt dabei nicht wie ein alternder Frontmann, der noch einmal Parolen aus dem Archiv holt, sondern wie ein Kommentator, der die Gegenwart mit trockenem Zorn vermisst.

Inhaltlich funktioniert der Song als Standortbestimmung. Der Feind ist hier nicht nur eine äußere Figur, sondern auch ein gesellschaftliches Konstrukt. Wer wird zum Gegner erklärt? Wer profitiert davon? Und wann wird Widerstand selbst zum letzten Mittel, um überhaupt noch Haltung zu zeigen? KMFDM verpacken diese Fragen nicht in akademische Sprache, sondern in einen kompakten Industrial-Rock-Track mit Haken, Druck und eindeutiger Körpersprache.

Besonders stark ist das Sounddesign. Die Gitarren sind nicht bloß Metal-Zugabe, sondern werden wie rhythmische Werkzeuge eingesetzt. Sie schneiden in den Beat, verdoppeln einzelne Betonungen und lassen den Song kantiger wirken. Darunter arbeitet ein elektronisches Fundament, das gleichzeitig old-schoolig und modern klingt. Kein billiges Retro-Gehabe, sondern bewusst gesetzte KMFDM-DNA.

Der Refrain sitzt, der Groove drückt, die Produktion lässt genügend Raum für jedes Element. Genau so muss ein Opener funktionieren: sofort erkennbar, sofort körperlich, sofort KMFDM.

OUBLIETTE: DER KELLER DER GESELLSCHAFT

»OUBLIETTE« gehört zu den stärksten Songs des Albums. Der Begriff bezeichnet ein Verlies, aus dem man nicht einfach entkommt, und KMFDM machen daraus eine schneidende Metapher für Entrechtung, Ausgrenzung und staatlich oder gesellschaftlich legitimierte Entmenschlichung. Der Song wirkt dadurch nicht nur düster, sondern sehr konkret. Es geht um Menschen, die in Systeme gestoßen werden, deren Architektur auf Vergessen basiert.

Lucia Cifarelli dominiert die Nummer mit enormer Präsenz. Ihre Stimme gleitet nicht über den Beat, sondern führt ihn. Sie bringt Melodie, Schärfe und emotionale Tiefe in einen Track, der sonst leicht zu rein mechanischer Härte hätte werden können. Konietzkos ergänzende Passagen setzen dagegen den vertrauten KMFDM-Kommandoton und verankern die Nummer fest im Bandkosmos.

Musikalisch sitzt »OUBLIETTE« zwischen Industrial Rock, Gothic-Elektronik und metallischer Attacke. Die Synths sind kalt, aber nicht steril. Die Gitarren treiben, ohne den Song zu überladen. Der Beat ist tanzbar, wirkt aber niemals harmlos. Genau diese Doppelfunktion beherrschen KMFDM meisterhaft: Musik für den Club, aber mit politischem Widerhaken.

Im Klang Kosmos des Albums ist »OUBLIETTE« einer der zentralen Fixpunkte. Der Track zeigt, wie stark KMFDM 2026 sind, wenn Melodie, Botschaft und Maschinenrhythmik vollständig ineinandergreifen.

L’ETAT UND DIE GEWALT DER MASCHINE

Mit »L’ETAT« zieht das Album deutlich härter an. Schon der Titel verweist auf Staat, Struktur, Kontrolle und Machtapparat. KMFDM übersetzen diese Idee in einen Song, der wie eine schwer gepanzerte Maschine wirkt. Das Riffing ist massiver, der Groove bulliger, die gesamte Nummer besitzt mehr Industrial-Metal-Kante als viele andere Stücke des Albums.

Tidor Nieddu setzt hier ein deutliches Ausrufezeichen. Seine Gitarrenarbeit verleiht dem Track eine zusätzliche physische Ebene. Die Riffs sind nicht überkompliziert, aber sehr wirkungsvoll gesetzt. Sie erinnern daran, dass KMFDM immer dann besonders stark sind, wenn Elektronik und Gitarre nicht gegeneinander arbeiten, sondern dieselbe Schneise schlagen.

Textlich lässt sich »L’ETAT« als Auseinandersetzung mit autoritärem Denken, institutioneller Härte und der kalten Sprache der Macht lesen. Die französische Färbung verleiht dem Stück zusätzliche Distanz und Eleganz, ohne die Aggression zu entschärfen. Es klingt, als würde ein Verwaltungsapparat plötzlich Zähne zeigen.

Der Song ist einer der schwersten Momente der Platte. Er beweist, dass KMFDM den Metal-Anteil nicht nur als Dekor einsetzen. Hier knirscht der Stahl tatsächlich.

VAMPYR: BLUTSAUGER IM NEONLICHT

»VAMPYR« bringt Funk, dunklen Groove und eine fast körperliche Bedrohung zusammen. Der Vampir erscheint hier weniger als klassisches Horrorwesen, sondern als Bild für Ausbeutung, Sucht, Manipulation und parasitäre Beziehungen. KMFDM halten das bewusst mehrdeutig. Der Song kann politisch, persönlich oder medial gelesen werden. Genau dadurch gewinnt er an Reiz.

Lucia Cifarelli liefert eine starke Performance. Ihre Vocals sind energisch, scharf und zugleich melodisch geführt. Der Refrain hat Biss, die Strophen rollen mit finsterem Schwung. Darunter arbeitet ein Groove, der beinahe funky wirkt, aber durch die Industrial-Produktion sofort verdunkelt wird. Das ist kein Disco-Zitat, sondern ein Nachtclub mit Stahlträgern und flackernden Warnlampen.

Das Sound Design ist hier besonders fein. Kleine elektronische Details, Filterbewegungen und rhythmische Verschiebungen lassen den Track ständig pulsieren. Es passiert mehr, als der erste Durchlauf vermuten lässt. Die Band baut keine Wand, sondern ein bewegliches Klangsystem.

»VAMPYR« ist einer dieser Songs, die zeigen, weshalb KMFDM nach so langer Zeit immer noch relevant klingen. Die Band kennt ihre Werkzeuge, aber sie setzt sie nicht mechanisch ein. Hier wird gebaut, geschichtet, geschnitten und verschoben.

YOÜ: EIN ANDERES FENSTER IM BETON

»YOÜ« ist der auffälligste Perspektivwechsel auf »ENEMY«. Annabella Konietzko übernimmt hier eine zentrale Rolle und bringt eine andere Wärme, eine andere Verletzlichkeit und eine andere melodische Farbe in das Album. Der Song fällt nicht aus dem Rahmen, öffnet aber ein neues Fenster innerhalb dieses ansonsten sehr schlagkräftigen Industrial-Gefüges.

Während viele Tracks des Albums mit Parole, Angriff und gesellschaftlichem Blick arbeiten, wirkt »YOÜ« persönlicher. Es geht um Nähe, Selbstbild, emotionale Projektion und die Spannung zwischen Anziehung und Distanz. Der Text lässt sich als innere Auseinandersetzung lesen, nicht als reine Kampfansage. Gerade deshalb ist der Song wichtig.

Musikalisch setzen KMFDM auf schwere Beats, schwebende Synths und eine deutlich weichere Gesangslinie. Diese Weichheit bedeutet aber nicht Schwäche. Sie erweitert den Klang Kosmos. Annabellas Stimme sitzt wie ein Kontrastlicht zwischen den massiven Strukturen. Sascha und Lucia rahmen den Song, ohne ihn an sich zu reißen.

»YOÜ« ist kein typischer KMFDM-Brecher, aber ein sehr gelungenes Stück Sounddramaturgie. Es zeigt, dass die Band auch im Spätwerk neue Stimmen und neue emotionale Räume zulassen kann, ohne ihre Identität zu verlieren.

OUTERNATIONAL INTERVENTION: SATIRE MIT STRAHLENKANONE

»OUTERNATIONAL INTERVENTION« spielt mit Science-Fiction, politischer Groteske und der alten Frage, ob die Menschheit sich vielleicht nur noch durch Eingreifen von außen retten ließe. Der Song wirkt absurd, aber nicht beliebig. Hinter der alienhaften Oberfläche steckt eine bissige Satire auf globale Konflikte, militärische Logik und die lächerliche Selbstüberschätzung politischer Systeme.

Musikalisch ist das Stück einer der unterhaltsamsten Momente des Albums. Der Beat treibt, die Synths blinken in grellen Farben, und die Gitarren setzen kurze, harte Akzente. KMFDM gelingt hier der Spagat zwischen Humor und Härte. Der Song hat eine fast comicartige Energie, kippt aber nie in Albernheit.

Konietzkos Vortrag passt perfekt zu dieser Mischung. Er klingt trocken, spöttisch und vollständig souverän. Lucia Cifarelli ergänzt die Struktur mit zusätzlicher Dynamik. Der Track ist nicht der tiefste Moment des Albums, aber einer der charakterstärksten. Er erinnert daran, dass KMFDM nie eine Band waren, die politische Schärfe mit völliger Humorlosigkeit verwechselt.

Im Albumfluss bringt »OUTERNATIONAL INTERVENTION« eine willkommene grelle Farbe. Ein Industrial-Sci-Fi-Kommentar mit Tanzflächenmotor und schiefem Grinsen.

A OKAY: TANZEN IM SYSTEMFEHLER

»A OKAY« wirkt zunächst leichter, fast spielerisch. Doch gerade dieser Kontrast macht den Song spannend. Unter der poppigeren Oberfläche lauert das Gefühl, dass hier jemand den eigenen Kontrollverlust mit einem künstlichen Lächeln überklebt. Der Titel klingt nach Beschwichtigung, die Musik nach einer blinkenden Benutzeroberfläche kurz vor dem Absturz.

Der Track arbeitet stärker mit Synthpop- und Electro-Elementen. Der Beat ist weniger metallisch, die Melodien wirken zugänglicher, und der gesamte Song besitzt einen helleren Farbton. Dennoch bleibt das Sounddesign eindeutig KMFDM. Die Elektronik ist kantig, die Produktion druckvoll, die Rhythmik stabil. Nichts wirkt weichgespült.

Gerade im Kontext des Albums ist »A OKAY« wichtig. Nach den martialischeren Songs öffnet er einen anderen Raum, ohne den roten Faden zu verlieren. KMFDM zeigen, dass Widerstand nicht immer im breitbeinigen Riff beginnen muss. Manchmal steckt die bitterste Aussage in einem Song, der beinahe zu freundlich wirkt.

Das Stück ist kein Hauptargument des Albums, aber ein clever gesetzter Farbtupfer. Es erweitert den Klangkosmos und sorgt dafür, dass »ENEMY« nicht in monotone Härte verfällt.

STRAY BULLET 2.0: DUB IM INDUSTRIAL-SCHATTEN

»STRAY BULLET 2.0« ist mehr als eine bloße Neuauflage. KMFDM nehmen ein bekanntes Motiv aus der eigenen Vergangenheit und verschieben es in einen dubby, entspannteren, aber keineswegs harmlosen Raum. Statt frontaler Industrial-Attacke gibt es hier Hallräume, Offbeat-Gefühl, tiefe Bassbewegungen und eine fast rauchige Atmosphäre.

Inhaltlich bleibt das Thema brisant: Waffen, Gewalt, Projektion und das gefährliche Begehren nach Kontrolle. Der Song wirkt in dieser Version weniger wie ein direkter Angriff und mehr wie eine nachträgliche Betrachtung der Ruinen. Die Kugel ist bereits geflogen, der Rauch hängt noch in der Luft, und die Konsequenzen bleiben zurück.

Das Sound Design ist ausgezeichnet. Die Dub-Elemente sind nicht aufgesetzt, sondern organisch in die KMFDM-Ästhetik eingebunden. Bass, Hall, Echo und elektronische Details erzeugen einen anderen Bewegungsmodus. Der Song rollt, statt zu marschieren. Er lässt Raum, statt alles zu pressen.

Nicht jeder Fan wird diese Version zwingend brauchen, doch innerhalb des Albums funktioniert sie überraschend gut. Sie zeigt, dass KMFDM ihr eigenes Material nicht ehrfürchtig konservieren, sondern neu verkabeln können.

CATCH & KILL: JAGDMECHANIK UND MEDIENRAUSCHEN

»CATCH & KILL« führt das Album zurück in dunklere Industrial-Grooves. Der Titel legt Deutungen in Richtung Machtmissbrauch, Informationskontrolle, mediale Manipulation und gezielte Ausschaltung unbequemer Stimmen nahe. KMFDM bauen daraus keinen plumpen Verschwörungssoundtrack, sondern einen drückenden Track über Jagd, Verschweigen und Systemerhalt.

Musikalisch besitzt die Nummer eine schattige, beinahe lauernde Qualität. Der Beat ist kontrolliert, die Gitarren treten dosiert auf, und die Elektronik erzeugt eine untergründige Spannung. Gerade hier zeigt sich die Stärke der Band als Sound Designer. Kleine Geräusche, Filter, Räume und rhythmische Details sorgen dafür, dass der Song nicht statisch wird.

Die Vocals sind weniger hymnisch als bei »OUBLIETTE« oder »ENEMY«, passen aber zur Atmosphäre. Der Track will nicht sofort explodieren. Er arbeitet mit Druck, Wiederholung und kalter Effizienz. Dadurch wirkt er wie eine Maschine, die nicht schreit, sondern einfach funktioniert.

»CATCH & KILL« ist kein offensichtlicher Hit, aber ein sehr guter Albumtrack. Er hält die dunkle politische Linie des Albums zusammen und beweist, dass KMFDM auch in zurückgenommeneren Momenten Spannung erzeugen können.

GUN QUARTER SUE: INSTRUMENTALER ACTIONFILM

»GUN QUARTER SUE« ist das instrumentale Kuriosum des Albums und wirkt tatsächlich wie der Vorspann zu einer schmutzigen Retro-Future-Serie, in der Neon, Chrom, Lederjacken und Exploitation-Kino aufeinandertreffen. Der Song lebt von Gitarren, Rhythmus und Atmosphäre, ohne eine Stimme zu benötigen.

Tidor Nieddu kann hier stärker glänzen. Seine Gitarrenarbeit bringt Bewegung, Farbe und Rock-Charakter in den Track. Das Stück ist verspielt, aber nicht belanglos. Es erinnert daran, dass KMFDM nie nur aus Beats und Parolen bestanden haben. Die Band besitzt immer auch eine filmische Seite, einen Hang zur überzeichneten Szene, zur Bildhaftigkeit, zum großen stilisierten Auftritt.

Der Instrumentaltrack funktioniert vor allem als Klangbild. Er erzählt keine Geschichte über Worte, sondern über Textur, Dynamik und Energie. Die Produktion lässt die Gitarren gut atmen, während die Elektronik den Rahmen zusammenhält.

Natürlich hätte ein starker Gesang dem Song zusätzliche Durchschlagskraft geben können. Trotzdem ist »GUN QUARTER SUE« ein charmantes und selbstbewusst platziertes Stück. KMFDM erlauben sich hier eine kleine Genremontage, die dem Album zusätzliche Persönlichkeit verleiht.

THE SECOND COMING: DUNKLER ABSPANN

»THE SECOND COMING« schließt das Album mit deutlich schwererer, langsamerer und apokalyptischerer Stimmung. Der Song ist weniger unmittelbarer Brecher als dunkler Abspann. Industrial-Doom, cineastische Elektronik und dystopische Bildsprache verbinden sich zu einem Finale, das eher unter die Haut kriecht, als sofort die Faust hochzureißen.

Textlich wirkt die Nummer wie ein Blick auf Zivilisationsmüdigkeit, Endzeitgefühl und die Wiederkehr alter Katastrophen in neuer Gestalt. KMFDM stellen keine einfache Erlösung in Aussicht. Der Titel spielt mit Erwartung, religiöser Aufladung und politischer Dunkelheit, lässt aber alles in einem kühlen, fast fatalistischen Klangraum hängen.

Der Song wird sicherlich polarisieren. Wer KMFDM vor allem für schnelle Industrial-Hymnen liebt, wird hier weniger sofortige Befriedigung finden. Wer jedoch die dunklere, filmischere Seite der Band schätzt, bekommt einen starken Abschluss. Die Produktion ist dicht, die Atmosphäre schwer, die Elektronik arbeitet mit viel Raum.

Als Finale ist »THE SECOND COMING« mutig gesetzt. Kein einfacher Hit am Ende, sondern ein langsamer Vorhang, der über einem brennenden Bühnenbild herunterfällt.

KMFDM ALS KLANGARCHITEKTEN

Der größte Triumph von »ENEMY« liegt im Sounddesign. KMFDM zeigen auf diesem Album, dass Industrial Metal nicht dadurch interessant bleibt, dass man einfach Gitarren über Beats legt. Entscheidend ist, wie die Elemente miteinander verzahnt werden. Genau darin liegt die Meisterschaft dieser Platte.

Die Beats sind nicht bloß rhythmische Basis, sondern Charakterträger. Sie können marschieren, rollen, pumpen oder tänzeln. Die Gitarren übernehmen nicht permanent die Hauptrolle, sondern erscheinen als Schneidwerkzeuge, Druckverstärker oder melodische Widerhaken. Die Synths wiederum bauen Räume, signalisieren Gefahr, öffnen Kälte oder setzen grelle Akzente. Alles erfüllt eine Funktion.

Gerade deshalb klingt »ENEMY« so lebendig. Die Band komponiert nicht nur Songs, sie konstruiert Räume. Jeder Track besitzt eine eigene Architektur. »OUBLIETTE« ist ein Verlies, »L’ETAT« eine staatliche Maschine, »VAMPYR« ein finsterer Club, »YOÜ« ein persönliches Fenster, »STRAY BULLET 2.0« ein Dub-Nachhall und »THE SECOND COMING« ein apokalyptischer Abspann.

Das ist exakt der Punkt, an dem sich KMFDM von vielen Epigonen unterscheiden. Sie verstehen Sound nicht als Verpackung, sondern als Bedeutungsträger. Klang ist hier Aussage.

POLITIK, SARKASMUS UND PERSPEKTIVE

Lyrisch bleibt »ENEMY« fest in der KMFDM-Tradition verankert. Die Band verhandelt Macht, Staat, Gewalt, Manipulation, gesellschaftliche Ausgrenzung und individuelle Gegenwehr. Gleichzeitig wirkt das Album weniger platt agitatorisch, als man es von außen vielleicht erwarten könnte. Die Texte arbeiten mit Parolen, ja, aber auch mit Bildern, Perspektivwechseln und sarkastischen Brechungen.

»OUBLIETTE« nutzt das Bild des Verlieses, um über entmenschlichte Gruppen und autoritäre Systeme zu sprechen. »L’ETAT« verdichtet Staatskritik zu Industrial-Metal-Maschinenlogik. »VAMPYR« lässt parasitäre Machtstrukturen als Nachtwesen erscheinen. »OUTERNATIONAL INTERVENTION« überzeichnet politische Rettungsfantasien mit Science-Fiction-Humor. »YOÜ« bringt dagegen eine intimere Perspektive hinein und öffnet das Album emotional.

Diese Texte sind nicht dazu da, im stillen Kämmerlein zerlegt zu werden. Sie funktionieren im Zusammenspiel mit dem Sound. KMFDM schreiben keine Seminararbeit, sondern Kampfmusik mit Reflexionsfläche. Gerade die Verbindung aus Schlagwort und Klangarchitektur macht das Album so wirksam.

STARKES SPÄTWERK STATT PFLICHTÜBUNG

Viele Bands mit einer derart langen Geschichte veröffentlichen irgendwann Alben, die zwar professionell sind, aber kaum noch zwingend wirken. ENEMY gehört nicht in diese Kategorie. Das Album besitzt Energie, Haltung, starke Songs und eine Produktion, die die alte KMFDM-Identität mit zeitgemäßem Druck verbindet.

Die erste Hälfte ist besonders stark. »ENEMY«, »OUBLIETTE«, »L’ETAT« und »VAMPYR« bilden eine beeindruckende Serie aus Angriff, Melodie, Härte und Groove. »YOÜ« setzt anschließend einen klugen Kontrast. Die zweite Hälfte ist stilistisch breiter und etwas verspielter, verliert aber nicht den Faden. Gerade »STRAY BULLET 2.0«, »CATCH & KILL« und »THE SECOND COMING« beweisen, dass KMFDM auch jenseits direkter Hits spannende Klangräume bauen können.

Nicht jeder Track hat denselben unmittelbaren Punch. »A OKAY« und »GUN QUARTER SUE« wirken eher wie farbige Seitenwege als wie zentrale Albumhöhepunkte. Doch selbst diese Stücke tragen zur Vielfalt bei. Das Album ist dadurch nicht perfekt glatt, aber deutlich lebendiger.

FAZIT:

»ENEMY« ist ein starkes, druckvolles und bemerkenswert frisch klingendes KMFDM-Album, das seine Wirkung nicht nur aus bekannten Industrial-Metal-Rezepten bezieht, sondern aus einem hervorragend gebauten Klang Kosmos. Sascha Konietzko, Lucia Cifarelli, Andy Selway, Tidor Nieddu und Annabella Konietzko liefern ein Werk, das politische Schärfe, clubtaugliche Beats, schwere Gitarren, elektronische Detailarbeit und klare Songstrukturen überzeugend miteinander verbindet. Besonders »ENEMY«, »OUBLIETTE«, »L’ETAT«, »VAMPYR« und »YOÜ« zeigen eine Band, die sich nicht nur als Komponisten, sondern wie eh und je als Sound Designer beweist. Die zweite Hälfte geht etwas stärker in die Breite, doch auch dort entstehen spannende Räume zwischen Dub, Synthpop, Instrumental-Rock und dunklem Industrial-Abspann. KMFDM liefern hier kein Alterswerk im Lehnstuhl, sondern ein waches, scharf produziertes und verdammt unterhaltsames Statement. Der Ultra Heavy Beat lebt, pulsiert und tritt weiterhin nach vorne.

KMFDM – OUBLIETTE

Internet

KMFDM - ENEMY - CD Review

Citrinitas – Telestic Ekstasis

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Citrinitas - Telestic Ekstasis - cover Artwork
Citrinitas - Telestic Ekstasis - cover Artwork

Band: Citrinitas 🇫🇮
Titel: Telestic Ekstasis
Label: Caligari Records
VÖ: 26.06.2026
Format: Kassette / Digital
Genre: Death Doom / Black Metal / Experimental Metal

Tracklist

01. The Infernal Hunt
02. Stella Signata
03. Telestic Ekstasis

Besetzung

Die Identitäten und instrumentalen Rollen der beteiligten Musiker wurden nicht öffentlich bekannt gegeben.

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

Manche Veröffentlichungen wollen keine gewöhnlichen Songs präsentieren, sondern einen Zustand erschaffen, in dem Zeit, Struktur und räumliche Orientierung langsam ihre Bedeutung verlieren. Zu dieser Kategorie gehört »Telestic Ekstasis«, das zweite Demo des anonym auftretenden finnischen Projekts Citrinitas. Veröffentlicht wurde das knapp über 16 Minuten lange Werk über Caligari Records, wo bereits das im Januar erschienene Debüt »Unending Descent« eine passende Heimat gefunden hatte. Hinter dem erneut aus drei Kompositionen bestehenden Nachfolger steckt eine eigenwillige Verbindung aus Death Doom, verschobenem Black Metal, psychedelischen Klangflächen und geräuschhaften Elementen. Die Gitarren spielen keine klassischen Strophen- und Refrainstrukturen aus, sondern bewegen sich in wiederkehrenden Kreisläufen. Verhallte Stimmen dringen nur schemenhaft durch den Mix, während das Schlagzeug die Musik weniger vorantreibt, als sie in einem schwebenden Zwischenzustand festzuhalten. Der Titel lässt sich sinngemäß als rituelle oder initiatorische Ekstase verstehen. Genau danach klingt diese Aufnahme: wie ein Übergangsritus, bei dem sich das eigene Bewusstsein langsam auflöst und einer gleichermaßen strahlenden wie beängstigenden Erkenntnis Platz macht.

Albumstream

DIE INFERNALISCHE JAGD BEGINNT

»The Infernal Hunt« eröffnet die Veröffentlichung nicht mit einem unmittelbar erkennbaren Gitarrenriff, sondern mit vereinzelten Schlägen, Rückkopplungen und undeutlichen Geräuschen. Die Instrumente scheinen zunächst aus großer Entfernung zu kommen. Erst allmählich bildet sich aus dem diffusen Klangbild eine wiederkehrende Death-Doom-Figur, die sich schwerfällig durch den Hall bewegt. Die Gitarren besitzen keine scharfen Konturen. Sie wirken eher wie massive Schatten, deren Umrisse durch den dichten Raumklang permanent verwischt werden.

Das zentrale Riff ist vergleichsweise einfach aufgebaut, entfaltet durch seine Wiederholungen jedoch eine hypnotische Wirkung. Citrinitas setzen nicht auf technische Fingerfertigkeit oder komplizierte Taktwechsel. Die Wirkung entsteht aus Geduld, kontrollierter Monotonie und dem bewussten Verzicht auf eine klare Auflösung. Einzelne Akkorde werden so lange in den Raum gestellt, bis sie ihren ursprünglichen Charakter verlieren und nur noch als dröhnende Bewegung wahrgenommen werden.

Das Schlagzeug hält die Komposition zusammen, ohne sich in den Vordergrund zu spielen. Trockene Schläge und sparsam eingesetzte Becken bilden ein stabiles Gerüst, über dem Gitarren, Rückkopplungen und Stimmen ineinanderlaufen. Die Rhythmik wirkt behäbig, aber nicht unpräzise. Jeder Schlag sitzt an der vorgesehenen Stelle, selbst wenn die verhallte Produktion den Eindruck erweckt, als würde die gesamte Musik durch einen unterirdischen Gang dringen.

Die Stimmen sind tief im Hintergrund platziert. Statt verständliche Aussagen zu transportieren, fungieren sie als zusätzliche Klangschicht. Heisere Schreie, gequälte Laute und beinahe körperlose Ausbrüche kämpfen gegen die Gitarren an, können sich jedoch niemals vollständig aus deren Masse befreien. Dadurch entsteht keine gewöhnliche Gesangsleistung, sondern der Eindruck, als würde jemand innerhalb der Musik eingeschlossen um Aufmerksamkeit ringen.

»The Infernal Hunt« ist damit weniger eine Jagd im schnellen oder aggressiven Sinne. Das Stück beschreibt vielmehr ein unausweichliches Verfolgtwerden. Die Musik rennt niemandem hinterher. Sie wartet geduldig, bis sich ihre Beute erschöpft hat.

UNTER GEZEICHNETEN STERNEN

Mit »Stella Signata« verändert sich die Stimmung deutlich. Die Gitarren treten zunächst zurück und machen Platz für eine geisterhafte, beinahe an Dungeon Synth erinnernde Melodik. Der Klang wirkt heller und weiter als im Opener, ohne seine Fremdartigkeit zu verlieren. Für einen kurzen Moment scheint sich der dichte Nebel zu öffnen. Dahinter wartet jedoch keine Erlösung, sondern eine seltsam entrückte Landschaft.

Der Titel bedeutet sinngemäß „gezeichneter“ oder „gekennzeichneter Stern“. Musikalisch passt diese Vorstellung ausgezeichnet. Einzelne Melodien leuchten aus dem gedämpften Gesamtbild hervor, bleiben aber stets von Hall und Rauschen umgeben. Die Komposition besitzt eine melancholische Qualität, die im bisherigen Schaffen von Citrinitas vergleichsweise zugänglich erscheint. Die Melodik ist nachvollziehbarer, die Gitarren wirken weniger erdrückend und der Rhythmus bewegt sich mit größerer Leichtigkeit.

Trotzdem bleibt »Stella Signata« weit von gewöhnlichem melodischem Black Metal entfernt. Die Tonfolgen werden nicht zu einem großen Spannungsbogen ausgebaut, sondern kreisen erneut um wenige Motive. Die Musik scheint sich an eine Erinnerung heranzutasten, die nicht mehr vollständig rekonstruiert werden kann. Einzelne Passagen wirken beinahe warm, doch gerade diese unerwartete Wärme erzeugt innerhalb der Veröffentlichung ein Gefühl der Unsicherheit.

Auch das Schlagzeug arbeitet zurückhaltender. Es begleitet die schwebenden Melodien mit einem gleichmäßigen Puls und verzichtet weitgehend auf aggressive Ausbrüche. Dadurch entsteht ein kurzer Ruhepunkt zwischen den beiden massiveren Kompositionen. Die Nummer wirkt wie ein Durchgang zwischen zwei Zuständen: Der infernalischen Jagd des Openers folgt ein Moment schwereloser Orientierungslosigkeit, bevor der abschließende Titeltrack sämtliche Konturen erneut auflöst.

Mit weniger als vier Minuten ist »Stella Signata« das kürzeste Stück. Gleichzeitig besitzt es die größte melodische Klarheit. Die Komposition deutet an, dass hinter der bewusst verschmutzten Oberfläche durchaus ein ausgeprägtes Gespür für Atmosphäre und emotionale Wirkung steckt. Allerdings bleibt die Idee eher eine Skizze als eine vollständig ausgearbeitete Entwicklung. Gerade deshalb funktioniert sie innerhalb des Demos: Der flüchtige Charakter gehört zum Konzept.

EKSTASE DES ZERFALLS

Der abschließende Titelsong »Telestic Ekstasis« beansprucht beinahe sieben Minuten und bildet das eigentliche Zentrum der Veröffentlichung. Die Musik kehrt zum schweren Tempo des Openers zurück, klingt jedoch noch entrückter. Gitarren, Stimmen und Schlagzeug werden von einem dichten Schleier überzogen, unter dem einzelne Details nur schwer zu unterscheiden sind. Statt eines klaren Beginns scheint die Komposition bereits vor dem ersten hörbaren Ton existiert zu haben.

Das zentrale Gitarrenmotiv bewegt sich in einem langsamen Kreislauf. Es erreicht keinen eindeutigen Zielpunkt, sondern beginnt immer wieder von vorn. Diese Struktur vermittelt den Eindruck eines schwarzen Lochs, das die Musik fortlaufend in sich selbst zurückzieht. Jede Wiederholung klingt vertraut, scheint durch den Hall aber aus einer leicht veränderten Entfernung zu kommen. Das Riff wird dadurch weniger zu einer Abfolge bestimmter Noten als zu einer Oberfläche, an der sich die Wahrnehmung festhält.

Die Stimmen sind noch tiefer im Klangbild vergraben als zuvor. Teilweise lassen sie sich kaum von den Rückkopplungen und Gitarrenschichten unterscheiden. Gerade diese Entscheidung verstärkt das Gefühl von Selbstauflösung. Die menschliche Stimme besitzt keine beherrschende Position mehr. Sie wird von der Musik aufgenommen, zersetzt und als unkenntliche Energie wieder ausgespuckt.

In der zweiten Hälfte treten geräuschhafte und dissonante Elemente stärker hervor. Sie führen jedoch nicht zu einem klassischen Höhepunkt. Stattdessen löst sich die Komposition zunehmend auf. Die Musik erscheint wie die akustische Darstellung sterbender Sterne, in deren Überresten bereits neue, ebenso zum Untergang bestimmte Gebilde entstehen. Das Ende bietet keine Erlösung und keinen endgültigen Akkord, der die vorherige Spannung auflösen würde. Es bleibt lediglich das Gefühl, dass der Kreislauf außerhalb der Aufnahme weitergeht.

Der Titeltrack ist der stärkste Moment des Demos, weil Form, Produktion und thematische Ausrichtung besonders eng miteinander verbunden sind. Gleichzeitig zeigt er die Grenzen des Ansatzes. Wer eine klare Steigerung, markante Tempowechsel oder einen dramatischen Abschluss erwartet, wird die konsequente Wiederholung als zäh empfinden. Citrinitas verlangen, dass man sich auf den Stillstand einlässt. Nicht jede Passage besitzt genug innere Bewegung, um diesen Anspruch über die gesamte Laufzeit einzulösen.

DIE PRODUKTION ALS EIGENES INSTRUMENT

Die verhallte Lo-Fi-Produktion ist nicht bloß eine Frage des Budgets oder nostalgische Underground-Dekoration. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil der Kompositionen. Würden Gitarren, Schlagzeug und Stimmen sauber voneinander getrennt, verlöre »Telestic Ekstasis« einen erheblichen Teil seiner Wirkung. Die Musik lebt davon, dass Grenzen verschwimmen und sich Instrumente gegenseitig verschlucken.

Die Gitarren besitzen eine weiche, stark gedämpfte Oberfläche. Ihre tiefen Frequenzen erzeugen Druck, während die höheren Bestandteile häufig im Hall verschwinden. Das reduziert zwar die unmittelbare Schlagkraft der Riffs, schafft aber eine bemerkenswerte räumliche Tiefe. Manche Akkorde wirken, als würden sie aus einem angrenzenden Raum erklingen. Andere scheinen direkt innerhalb des Kopfes zu entstehen.

Das Schlagzeug bleibt vergleichsweise trocken und bildet den notwendigen Gegenpol. Ohne diesen stabilen Puls würden die drei Stücke vollständig in ihren eigenen Klangflächen versinken. Die Drums dienen nicht der technischen Selbstdarstellung, sondern markieren die Grenzen des jeweiligen Tempos. Blastbeats oder schnelle Doublebass-Figuren spielen kaum eine Rolle. Citrinitas setzen auf Schwere, Wiederholung und das kontrollierte Aushalten einzelner Bewegungen.

Die im Hintergrund liegenden Stimmen sind konsequent als Textur behandelt. Das funktioniert atmosphärisch ausgezeichnet, erschwert jedoch den emotionalen Zugang. Da weder Worte noch individuelle Merkmale klar hervortreten, bleibt der Gesang abstrakt. Diese Anonymität passt zum geheimnisvollen Auftreten des Projekts, verhindert aber zugleich, dass sich einzelne Passagen stärker einprägen.

Das Artwork von Endlessvastmystrium greift die verschwommene, kosmische und rituelle Wirkung der Musik angemessen auf. Es erklärt nichts, sondern erweitert das Rätsel. Genau diese Haltung zieht sich durch die gesamte Veröffentlichung: Citrinitas liefern keine biografischen Informationen, keine namentlich bekannte Besetzung und keine eindeutigen Antworten. Die Musik soll für sich allein stehen.

ATMOSPHÄRE STATT KLASSISCHER SONGENTWICKLUNG

Im Vergleich zu »Unending Descent« wirkt das zweite Demo etwas zugänglicher. Die zentralen Motive sind deutlicher zu erkennen, während »Stella Signata« sogar eine überraschend melodische Seite offenbart. Gleichzeitig bleibt die Musik fremdartig. Death Doom, Black Metal, Noise und psychedelische Klanggestaltung werden nicht sauber voneinander getrennt, sondern zu einer bewusst unscharfen Masse verbunden.

Die größte Stärke liegt in der Atmosphäre. Bereits nach wenigen Sekunden entsteht ein unverwechselbarer Raum, der gleichermaßen unterirdisch, kosmisch und traumartig wirkt. Die drei Stücke lassen sich problemlos als zusammenhängende Bewegung hören. Übergänge und wiederkehrende Produktionsmerkmale sorgen dafür, dass das Demo trotz unterschiedlicher Schwerpunkte geschlossen erscheint.

Genau diese Geschlossenheit kann allerdings auch als Gleichförmigkeit wahrgenommen werden. Viele Riffs basieren auf kurzen, wiederholten Figuren. Das Schlagzeug bleibt über längere Abschnitte in einer stabilisierenden Rolle, und die Stimmen verändern ihre Position innerhalb des Mixes kaum. Die Musik wächst daher nicht immer durch neue kompositorische Ereignisse. Sie vertieft vielmehr denselben Zustand.

Dieser Ansatz funktioniert über 16 Minuten wesentlich besser, als er es vermutlich auf einem vollständigen Album von 40 oder 50 Minuten tun würde. Innerhalb des kompakten Formats bleibt die Spannung größtenteils erhalten. Trotzdem hätten einzelne rhythmische Brüche oder deutlichere Veränderungen der Gitarrenarbeit den Kompositionen zusätzliche Dynamik gegeben. Besonders der Titeltrack besitzt ausreichend Substanz, um neben seiner hypnotischen Wiederholung auch stärkere Kontraste zu vertragen.

FAZIT:

»Telestic Ekstasis« ist ein eigenwilliges zweites Demo, auf dem Citrinitas Death Doom, Black Metal und geräuschhafte Klanggestaltung zu einem verhallten Ritual verbinden. »The Infernal Hunt« überzeugt mit schwerer, geduldiger Bedrohlichkeit, während »Stella Signata« eine unerwartet melodische und beinahe traumartige Zwischenwelt öffnet. Der abschließende Titeltrack bündelt die Stärken des Projekts und erzeugt mit kreisenden Gitarren, fernen Stimmen und kosmischer Auflösungsstimmung den intensivsten Moment der Veröffentlichung. Die dichte Atmosphäre ist bemerkenswert, doch die geringe dynamische Entwicklung und die häufige Wiederholung weniger Motive verhindern eine höhere Wertung. Als kompakte, bewusst rätselhafte Reise in einen Zustand zwischen Selbstauflösung und schrecklicher Klarheit funktioniert das Demo dennoch ausgesprochen gut.

Citrinitas – The Infernal Hunt – Caligari Records

Internet

Citrinitas - Telestic Ekstasis - Tape Review

BLOODHUNTER – Sons of the Abandoned

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Sons Of The Abandoned_BLOODHUNTER
Sons Of The Abandoned_BLOODHUNTER

Band: BLOODHUNTER 🇪🇸
Titel: Sons of the Abandoned
Label: ROAR
VÖ: 12/06/26
Genre: Melodic Death Metal

Tracklist

01. The Devil’s Own
02. The Outspoken
03. The Threshold of Hell (ft. Fernando Ribeiro)
04. Ephemeral Youth
05. Sons of the Abandoned
06. No One Beats Death
07. Code Aeterna
08. The Path that Never Ends (ft. Laura Guldemond)
09. The Night is Darker Before Dawn
10. Masters of Deceive
11. Human Insecticide (ANNIHILATOR Cover)

 

Besetzung

Diva Satanica – Vocals
Dani Arcos – Guitar
Guillermo Starless – Guitar
Fabian Tejeda – Bass
Adrian Perales – Drums

 

Bewertung:

3,5/5

Mit „Sons of the Abandoned“ liefern BLOODHUNTER ein Album ab, das seine Einflüsse offen zur Schau trägt. Die Spanier bewegen sich hörbar zwischen dem melodischen Death Metal der späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre sowie den aggressiveren Spielarten des Thrash Metals. Dank moderner Produktion und frischen Stilelementen klingt es jedoch weniger wie ein Relikt aus der damaligen Zeit und mehr wie eine Hommage an ihre Quelle der Inspiration.

Kurz-Biografie und Stil

Die aus Galicien stammenden BLOODHUNTER haben sich in den vergangenen Jahren mit intensiver Live-Präsenz und einer klaren künstlerischen Ausrichtung einen festen Platz in der internationalen Extreme-Metal-Szene erarbeitet. Angeführt von Sängerin Diva Satánica verbindet die Band die Aggression des Death Metals mit melodischen Elementen, Groove und atmosphärischem Songwriting. Auf „Sons of the Abandoned“ schlagen BLOODHUNTER dabei persönlichere Töne an und rücken Themen wie Identität, innere Konflikte und gesellschaftliche Entfremdung stärker in den Mittelpunkt.

Klare Richtung ab der ersten Sekunde

Bereits der Opener „The Devil’s Own“ macht deutlich, wohin die Reise geht. Rasante Blast- und Thrash-Beats, bissige Vocals und eingängige Melodien treffen auf Riffs, die ebenso gut auf einem Melodic-Death-Album der Jahrtausendwende hätten sein können. Sängerin Diva Satánica erinnert mit ihrem diabolischem Vocal-Style zwangsweise an Angela Gossow (ex-ARCH ENEMY), bringt dabei jedoch eine eigene Klangfarbe mit, die den Songs zusätzliche Schärfe verleiht.

Solider Mix aus Härte und Eingängigkeit

Überhaupt zählt die Mischung aus Härte und Eingängigkeit zu den größten Stärken des Albums. Während „The Outspoken“ mit seiner düsteren Aura und einem mitreißenden Refrain punktet, überzeugt „The Threshold of Hell“ durch seine militärische Atmosphäre und dem damit einhergehenden Stimmungsaufbau. Besonders die eingestreuten Sirenen verleihen dem Song Charakter und sorgen für einen der erinnerungswürdigeren Momente des Albums. Der Gastauftritt von Fernando Ribeiro (MOONSPELL) bleibt allerdings überraschend kurz und wirkt dadurch fast etwas willkürlich.

Gutes Maß an Abwechslung und Überraschungen

Auch an anderer Stelle beweisen BLOODHUNTER ein gutes Gespür für Dynamik und Abwechslung. Das thrashige „Ephemeral Youth“ bringt zusätzliche Geschwindigkeit ins Spiel, während „The Path That Never Ends“ mit seinem Wechselspiel aus aggressiven und ruhigeren Passagen überzeugt. Vor allem der unerwartete Klargesang von Laura Guldemond (BURNING WITCHES) im Duett mit Divas teuflischem Geschrei sorgt hier für frischen Wind und wertet den Song merklich auf. Das akustische Instrumentalstück „The Night Is Darker Before The Dawn“ bietet zudem eine willkommene Verschnaufpause, bevor das Album wieder in härtere Gefilde zurückkehrt.

Schwache Momente in der Albummitte

Dennoch gelingt es „Sons of the Abandoned“ nicht durchgehend, das hohe Niveau seiner stärksten Momente zu halten. Gerade in der Albummitte schleichen sich einige Songs ein, die zwar handwerklich tadellos funktionieren, jedoch wenig bleibenden Eindruck hinterlassen. Stücke wie „No One Beats Death“ oder „Code Aeternam“ leiden weniger an fehlender Qualität als vielmehr daran, dass ihnen das entscheidende Quäntchen Eigenständigkeit oder zusätzliche Dynamik fehlt. Dieses Problem offenbart sich wiederholt über das gesamte Album hinweg.

Solide, aber zu stark verankert in der Komfortzone

BLOODHUNTER verfügen über eine klare stilistische Identität, starke Musiker und zahlreiche gute Ideen, erfinden das Genre jedoch nicht neu. Die Wurzeln im melodischen Death und Thrash Metal der 1990er und frühen 2000er sind jederzeit präsent und werden durch moderne Produktion und gelegentliche frische Einfälle ergänzt, ohne die vertrauten Genregrenzen ernsthaft zu verlassen. Dass ausgerechnet das abschließende ANNIHILATOR-Cover „Human Insecticide“ zu den einprägsamsten und stärksten Songs des Albums zählt, unterstreicht diese Beobachtung. Betont sei hier, dass ich das Original davor nicht einmal kannte und nur eine vage Vermutung hatte, dass das Lied ein Cover sein könnte. Das Cover an sich ist großartig: der moderne Klang sorgt automatisch für ein angenehmeres Hörerlebnis und die harschen Vocals verleihen dem Titel ein Mehr an Aggression, das extrem Spaß macht.

Fazit: „Sons of the Abandoned“ von BLOODHUNTER ist ein solides und über weite Strecken sehr unterhaltsames Melodic-Death-Metal-Album, das seine Einflüsse gekonnt verarbeitet und immer wieder starke Akzente setzt. Für den ganz großen Wurf fehlt BLOODHUNTER jedoch noch etwas mehr Mut zur Eigenständigkeit und ein durchgehend höheres Niveau im Songwriting.

Internet

BLOODHUNTER – Sons of the Abandoned

Druidess – Trip Meadow

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Druidess - Trip Meadow - cover Artwork
Druidess - Trip Meadow - cover Artwork

Band: Druidess 🇬🇧
Titel: Trip Meadow
Label: Eigenveröffentlichung
VÖ: 26.06.2026
Format: CD / Vinyl / Digital
Genre: Heavy Psych Rock / Doom Metal / Stoner Rock

Tracklist

01. The Hermit of Druid’s Temple
02. Trip Meadow
03. Knightingales
04. Mandragora
05. Descended from Giants
06. A Witches‘ Sabbath
07. The Forest Witch’s Daughter

Besetzung

Shonagh Brown – Gesang und Bass
Daniel Downing – Gitarre und Saxofon
Sam Armstrong – Schlagzeug
James Hill – Keyboards

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Doom Metal lebt nicht allein von tief gestimmten Gitarren und möglichst langen Akkorden. Entscheidend ist, ob hinter dem Gewicht tatsächlich gute Riffs, ein präzises Zusammenspiel und Musiker stehen, die ihre Instrumente nicht nur bedienen, sondern beherrschen. Genau an diesem Punkt können Druidess aus Newcastle upon Tyne mit ihrem Debütalbum »Trip Meadow« überzeugen. Das britische Quartett verbindet wuchtigen Doom Metal und psychedelischen Stoner Rock mit Hammond-Orgeln, jazzigen Ausflügen, folkloristischen Erzählungen und gelegentlichen Saxofonpassagen. Die Band bezeichnet ihre musikalische Ausrichtung selbstbewusst als Iommi-Verehrung, belässt es jedoch nicht bei einer bloßen Kopie der frühen Black Sabbath. Sieben Stücke und gut 41 Minuten lang zeigen Druidess, dass sich traditionelle Riffkunst, Fingerfertigkeit und ein präzises Spiel auch ohne technische Selbstdarstellung wirkungsvoll miteinander verbinden lassen. Fünf Nummern waren bereits auf der 2024 veröffentlichten EP »Hermits & Mandrakes« vertreten, erscheinen auf dem Album jedoch in überarbeiteten, kraftvolleren Fassungen. Die beiden neuen Stücke »Trip Meadow« und »Descended from Giants« erweitern das bekannte Material und verdeutlichen zugleich, in welche Richtung sich die Band künftig entwickeln könnte.

Albumstream

DER EINSIEDLER VON DRUID’S TEMPLE

»The Hermit of Druid’s Temple« eröffnet das Album mit einem beweglichen Groove, der sofort erkennen lässt, dass Druidess nicht ausschließlich auf schleppende Doom-Rhythmen setzen. Daniel Downing spielt ein schweres, stark an Tony Iommi erinnerndes Gitarrenriff, lässt zwischen den Akkorden jedoch ausreichend Raum für den Bass und die Hammond-Klänge von James Hill. Das Riff wird nicht durch unnötige Notenfolgen überladen. Seine Wirkung entsteht aus sauber gesetzten Betonungen, kleinen rhythmischen Verschiebungen und einer kontrollierten Veränderung der Anschlagsstärke. Gerade diese vermeintlich einfachen Figuren erfordern ein präzises Spiel, weil jede unsauber gesetzte Pause oder ungenaue Betonung den gesamten Groove beschädigen würde.

Der Bass von Shonagh Brown folgt der Gitarre nicht permanent, sondern entwickelt wiederholt eigene Bewegungen. Dadurch wirkt das Klangbild größer, obwohl nur eine Gitarre beteiligt ist. Sam Armstrong unterstützt die Riffs mit einem schweren, aber überraschend schwungvollen Schlagzeugspiel. Seine Beckenakzente und kurzen Fills sorgen dafür, dass sich der Song trotz seines traditionellen Aufbaus nicht statisch anfühlt. Hinzu kommt Browns kraftvolle Stimme, die den folkloristischen Text mit einer Mischung aus dunkler Beschwörung und augenzwinkernder Erzählfreude vorträgt. Der titelgebende Einsiedler lebt inmitten der Steinformationen des realen Druid’s Temple in North Yorkshire. Die Band behandelt diese Geschichte jedoch nicht mit ehrfürchtigem Ernst, sondern erlaubt sich einen verschrobenen britischen Humor.

Bereits der Opener fasst viele Stärken des Albums zusammen: griffige Gitarrenriffs, deutlich hörbare Keyboards, ein beweglicher Bass und eine Rhythmusgruppe, die auch innerhalb langsamer Tempi präzise arbeitet. Besonders Downings kontrollierte Bendings und die kurzen melodischen Verzierungen zeigen Fingerfertigkeit, ohne den Song in eine Leistungsschau zu verwandeln.

ZEHN MINUTEN AUF DER PSYCHEDELISCHEN WIESE

Der mehr als zehnminütige Titelsong »Trip Meadow« ist das experimentelle Zentrum der Platte. Statt unmittelbar mit einem schweren Doom-Riff einzusetzen, beginnt das Stück mit zurückhaltender Gitarre und weichen Saxofonklängen. Für einen Moment entsteht tatsächlich die Atmosphäre einer verrauchten Kellerbar, bevor Orgel, Bass und Schlagzeug das Stück in einen zunehmend psychedelischen Strudel führen. Die Band verbindet jazzige Harmonien, Progressive Rock, Heavy Psych und massiven Doom, ohne die Übergänge wie willkürlich zusammengesetzte Einzelteile wirken zu lassen.

Downing demonstriert hier besonders deutlich seine Fingerfertigkeit. Er wechselt zwischen klar gespielten Akkorden, fließenden Einzelnoten, breiten Fuzz-Riffs und kleinen improvisatorisch wirkenden Verzierungen. Sein Spiel bleibt dabei stets songdienlich. Statt Geschwindigkeit in den Vordergrund zu stellen, arbeitet der Gitarrist mit Tonkontrolle, Dynamik und präzisem Timing. Wenn das zentrale Riff schließlich mit voller Verzerrung einsetzt, besitzt es gerade deshalb so viel Gewicht, weil die vorherigen Minuten ausreichend Raum für den Aufbau geschaffen haben.

Brown führt mit einer ausdrucksstarken Gesangsleistung durch die ausgedehnte Komposition. Inhaltlich geht es um Mönche, eine bewusstseinserweiternde Mixtur, Mädesüßblüten und eine spirituelle Reise, die in der augenzwinkernden Aufforderung endet, sich gemeinsam zu betrinken. Der wiederkehrende Refrain bildet einen griffigen Gegenpol zu den instrumentalen Ausflügen. Hill nutzt seine Keyboards nicht nur zur flächigen Untermalung. Seine Orgel entwickelt eigene melodische Linien und tritt wiederholt in einen Dialog mit der Gitarre.

Trotz zahlreicher starker Momente ist »Trip Meadow« nicht vollkommen frei von Längen. Einige Passagen hätten kompakter zusammengeführt werden können, bevor die Band gegen Ende noch einmal schwere Riffvariationen auffährt. Die zehn Minuten sind keineswegs schlecht genutzt, doch eine etwas strengere Struktur hätte dem Titel zusätzliche Spannung verliehen. Als mutige Standortbestimmung funktioniert die Nummer dennoch hervorragend. Sie zeigt, dass Druidess deutlich weiter denken als bis zum nächsten Sabbath-Riff.

NACHTIGALLEN MIT SCHWEREM FLÜGELSCHLAG

»Knightingales« gehört zu den melodischsten und unmittelbarsten Stücken des Albums. Das eröffnende Gitarrenmotiv besitzt eine melancholische Färbung, während Schlagzeug und Bass einen kontrollierten, beinahe tänzerischen Groove entwickeln. Brown singt von einem tödlichen Wettstreit der Nachtigallen und verbindet die Geschichte mit Ostara, Frühlingsritualen und der Entstehung des Osterhasen. Dabei bleibt der Refrain bereits nach dem ersten Durchlauf im Gedächtnis.

Besonders hörenswert ist die Verbindung von Gitarrenriffs und Keyboards. Downing spielt keine durchgehende Wand aus verzerrten Akkorden, sondern lässt Hill ausreichend Platz für seine Orgelmelodien. Beide Instrumente ergänzen einander, statt um Aufmerksamkeit zu kämpfen. Während die Gitarre das rhythmische Fundament setzt, erweitert die Orgel die Harmonien und gibt dem Stück seinen deutlich von den Siebzigern geprägten Charakter.

Downings präzises Spiel zeigt sich in den Übergängen zwischen den schweren Strophenriffs und den offeneren melodischen Abschnitten. Die Wechsel erfolgen ohne hörbare Unruhe. Akkorde werden sauber beendet, Pausen bewusst gesetzt und einzelne Verzierungen exakt in den Groove integriert. Das mag weniger spektakulär erscheinen als ein ausgedehntes Solo, ist für die Wirkung der Nummer jedoch wesentlich wichtiger. »Knightingales« beweist, dass Fingerfertigkeit nicht an der Zahl gespielter Noten gemessen werden muss. Kontrolle, Timing und die Fähigkeit, ein Riff über mehrere Wiederholungen lebendig zu halten, sind mindestens ebenso entscheidend.

Auch Armstrong leistet einen erheblichen Beitrag. Sein Schlagzeug ist kraftvoll, bleibt jedoch beweglich. Statt die Gitarre lediglich mit gleichförmigen Schlägen zu begleiten, reagiert er auf die Gesangslinien und setzt Fills gezielt an den Übergängen. Gemeinsam mit Browns warmem, deutlich hörbarem Bass erhält der Song einen lebendigen Charakter, der über eine bloße Rückschau auf die Siebziger hinausgeht.

DIE MANDRAGORA SCHREIT

Mit »Mandragora« wird das Tempo angezogen. Das kompakte Stück basiert auf einem direkten Gitarrenriff, dessen Wirkung aus seinem präzisen Zusammenspiel mit dem Schlagzeug entsteht. Armstrong setzt trockene Akzente, während Brown den Bass eng an die rhythmische Bewegung bindet. Downing lässt seine Akkorde kräftig anschlagen, achtet jedoch darauf, dass die einzelnen Töne selbst innerhalb der Verzerrung nachvollziehbar bleiben.

Die Nummer handelt von der Alraune, deren Wurzel in mittelalterlichen Überlieferungen als menschenähnliches Wesen beschrieben wurde. Beim Herausziehen aus der Erde soll sie einen tödlichen Schrei ausgestoßen haben. Druidess greifen diese Vorstellung in einem eingängigen Refrain auf, der zwischen okkulter Erzählung und klassischem Hard-Rock-Hook angesiedelt ist. Brown trägt ihn mit genügend Kraft vor, um sich gegen Gitarre und Orgel durchzusetzen, ohne in schrilles Forcieren zu geraten.

Musikalisch ist »Mandragora« weniger ausladend als der Titelsong. Gerade diese Konzentration steht dem Album gut. Das Hauptriff wird variiert, aber nicht unnötig verlängert. Kurze melodische Gitarrenfiguren und gezielt eingesetzte Keyboardfarben geben dem Stück zusätzliche Kontur. Die Band arbeitet kontrolliert und geschlossen. Jeder Einsatz sitzt, die Tempowechsel bleiben nachvollziehbar und selbst kleinere rhythmische Unterbrechungen klingen selbstverständlich.

Hier zeigt sich besonders deutlich, wie wichtig präzises Spiel für langsamen und mittelschnellen Metal ist. Wo rasende Geschwindigkeit kleinere Ungenauigkeiten gelegentlich überdecken kann, liegt bei einem derart offenen Groove jeder Anschlag frei. Druidess bestehen diese Prüfung mühelos.

VON RIESEN UND NORMALEN MENSCHEN

»Descended from Giants« gehört zu den beiden neuen Stücken und fällt zunächst durch seine besonders tiefen, stark verzerrten Gitarrenriffs auf. Bass und Schlagzeug setzen ein schweres Fundament, während die Orgel erneut für einen psychedelischen Unterton sorgt. Das Stück beginnt kontrolliert, steigert sein Tempo jedoch zunehmend und entwickelt in der zweiten Hälfte eine deutlich aggressivere Energie.

Downings Gitarrenspiel wirkt hier kantiger und unmittelbarer als in den vorherigen Nummern. Die Riffs bestehen aus kurzen, kräftigen Figuren, deren Pausen ebenso wichtig sind wie die gespielten Noten. Kleine Tonverschiebungen und präzise gesetzte Dämpfungen verleihen ihnen zusätzliche Schwere. Der Gitarrist setzt seine Fingerfertigkeit vor allem bei den Übergängen ein. Statt die Grundmotive durch ausufernde Soli zu verlassen, entwickelt er sie weiter und passt ihre rhythmische Form an die zunehmende Geschwindigkeit an.

Brown liefert eine der kraftvollsten Gesangsleistungen des Albums. Ihre Stimme steigt gemeinsam mit der Instrumentierung an und erreicht gegen Ende eine beinahe beschwörende Intensität. Der Bass ist stärker als in vielen vergleichbaren Doom-Produktionen hörbar und trägt entscheidend zum Groove bei. Besonders während der kurzen rhythmischen Unterbrechungen wird deutlich, dass Brown nicht lediglich die Grundtöne der Gitarre verdoppelt.

Der Text behandelt die Familie Harding, lokale Legenden um Riesen, ein verlorenes Vermögen und die Geschichten rund um Hollinside Manor. Damit setzt die Band ihr Konzept fort, regionale Folklore nicht bloß als dekorative Oberfläche zu verwenden. Die Erzählungen bestimmen Stimmung und Aufbau der Songs. »Descended from Giants« wirkt schwer, stolz und zugleich von einem allmählichen Niedergang geprägt.

EIN HEXENSABBAT MIT ORGEL UND SAXOFON

»A Witches‘ Sabbath« ist die finsterste Komposition des Albums. Langsam aufsteigende Gitarren, mächtige Orgelakkorde und ein schweres Schlagzeug erzeugen zunächst klassischen Doom Metal. Das zentrale Riff gehört zu Downings stärksten Arbeiten. Es ist einfach genug, um unmittelbar zu wirken, besitzt jedoch durch kleine harmonische Veränderungen und präzise Betonungen genügend Charakter, um auch nach mehreren Wiederholungen interessant zu bleiben.

Hill verstärkt mit seinen Keyboards die unheilvolle Stimmung. Seine Orgel erinnert an alte Horrorfilme, ohne in eine übertriebene Jahrmarktästhetik abzurutschen. Im weiteren Verlauf nimmt die Band die Verzerrung zurück. Klare Gitarren und Saxofon öffnen einen ruhigeren Abschnitt, bevor die schwere Grundbewegung erneut einsetzt. Dieser Kontrast verleiht der Nummer eine starke Dynamik.

Gerade in den ruhigeren Passagen wird Downings technisches Können hörbar. Jeder Ton wird sauber ausgeformt, Bendings erreichen ihr Ziel und die Wechsel zwischen offenen Akkorden und Einzelnoten bleiben flüssig. Das Saxofon erscheint nicht als aufgesetzte Besonderheit, sondern führt die psychedelische Grundstimmung konsequent weiter. Seine zurückhaltende Melodie bildet einen wirkungsvollen Gegenpol zum massiven Gitarrenton.

Brown trägt die Texte über schwarze Messen, rituelle Opfer und den titelgebenden Hexensabbat mit kontrollierter Intensität vor. Ihre Stimme klingt dunkel und kraftvoll, behält jedoch einen melodischen Kern. Der Song benötigt keine extremen Schreie, um bedrohlich zu wirken. Die Wirkung entsteht aus der gesamten Band, die Tempo, Lautstärke und Instrumentierung sehr bewusst steuert.

DIE TOCHTER DER WALDHEXE

»The Forest Witch’s Daughter« bildet einen starken Abschluss. Das Stück besitzt einen lebendigeren Rhythmus und verbindet schwere Gitarren erneut mit einem deutlich ausgeprägten Hard-Rock-Gefühl. Downing eröffnet mit einem griffigen Riff, das sich unmittelbar mit Armstrongs präzisem Schlagzeug verzahnt. Browns Bass folgt der Bewegung mit eigenen Akzenten und verleiht der Nummer zusätzlichen Druck.

Der Text erzählt von einer Außenseiterin, die mit einem Greifvogel durch die ländliche Umgebung zieht, sich den Erwartungen des Dorfes widersetzt und ihre eigenen Regeln befolgt. Brown verkörpert diese Figur mit einer selbstbewussten Gesangsleistung. Ihr Vortrag wirkt weniger düster als in »A Witches‘ Sabbath«, besitzt aber eine rebellische Energie, die hervorragend zum beweglicheren Instrumentalteil passt.

Die Gitarre bleibt bis zum Ende präsent, ohne das gesamte Klangbild zu dominieren. Downing verbindet schwere Akkorde, melodische Zwischenspiele und kurze Leadfiguren. Seine Fingerfertigkeit zeigt sich erneut in der Sicherheit, mit der er zwischen diesen Aufgaben wechselt. Jeder Übergang wirkt vorbereitet, aber nicht mechanisch. Die Band spielt präzise, bewahrt sich dabei jedoch die Energie einer gemeinsam eingespielten Liveformation.

Als Abschluss funktioniert der Titel hervorragend, weil er die wichtigsten Bestandteile von »Trip Meadow« noch einmal zusammenführt: große Gitarrenriffs, folkloristische Erzählungen, melodischer Gesang, Hammond-Orgeln und ein Rhythmusfundament, das gleichermaßen schwer und beweglich ausfällt. Das Album endet nicht in einem langen Ausklang, sondern mit einer Nummer, die noch einmal unmittelbar nach vorn geht.

FINGERFERTIGKEIT OHNE SELBSTZWECK

Die Gitarrenarbeit gehört zu den größten Stärken von »Trip Meadow«. Daniel Downing ist kein Musiker, der seine technischen Fähigkeiten durch permanente Soli oder möglichst schnelle Tonfolgen beweisen muss. Seine Fingerfertigkeit zeigt sich vielmehr in der Kontrolle über Ton, Rhythmus und Dynamik. Er beherrscht schwere Powerchords ebenso wie klare Akkordbrechungen, melodische Einzelnoten, kontrollierte Bendings und psychedelische Verzierungen.

Besonders stark ist sein Gefühl für Riffs. Viele Figuren bestehen aus wenigen Noten, erhalten jedoch durch Pausen, Betonungen und kleine Variationen eine eigene Identität. Downing versteht, dass ein überzeugendes Doom-Riff nicht zwangsläufig kompliziert sein muss. Es muss exakt gespielt werden und genügend Raum besitzen, damit Bass, Schlagzeug und Keyboards darauf reagieren können. Genau das geschieht auf diesem Album.

Das präzise Spiel der gesamten Band verhindert, dass die Stücke unter ihrer Verzerrung zusammenfallen. Browns Bass bleibt deutlich erkennbar und entwickelt wiederholt eigene Linien. Armstrong arbeitet kraftvoll, trifft seine Akzente jedoch mit hoher Genauigkeit. Hill setzt seine Orgel gezielt ein und vermeidet es, jede freie Stelle mit zusätzlichen Tönen auszufüllen. Diese Disziplin ist entscheidend. Obwohl Trip Meadow von psychedelischen Klangfarben und umfangreichen Arrangements lebt, wirkt die Musik nur selten überladen.

Auch die Verbindung von Gitarre und Saxofon gelingt. Downing nutzt das Blasinstrument nicht als bloßen Überraschungseffekt. Es erscheint an Stellen, an denen die Gitarre bewusst zurückgenommen wird, und erweitert den Klang um eine jazzige, leicht verruchte Farbe. Dadurch entsteht tatsächlich der Eindruck einer okkulten Doom-Band, die sich vorübergehend in eine nächtliche Kellerbar verirrt hat.

ZWISCHEN IOMMI-VEREHRUNG UND EIGENER HANDSCHRIFT

Die Einflüsse von Black Sabbath sind nicht zu überhören. Gitarrenton, Riffaufbau und die grundsätzliche Schwere des Albums stehen deutlich in der Tradition Tony Iommis. Die Hammond-Orgel und die psychedelischen Passagen erinnern zusätzlich an den klassischen Rock der späten Sechziger und frühen Siebziger. Als weitere Orientierungspunkte bieten sich Blood Ceremony, Green Lung, Jess and the Ancient Ones und stellenweise Lucifer an.

Dennoch entwickeln Druidess genügend eigene Merkmale. Die Geschichten über regionale Sagen, historische Orte, Frühlingsrituale, Alraunen und eigenwillige Waldgestalten verleihen dem Album eine klare thematische Identität. Der Humor verhindert außerdem, dass die okkulte Inszenierung zu verbissen ausfällt. Zwischen Ritualen, schwarzen Messen und düsteren Legenden findet sich immer wieder ein Augenzwinkern.

Der größte Kritikpunkt betrifft weniger die musikalische Qualität als den Umfang des tatsächlich neuen Materials. Fünf der sieben Stücke waren bereits auf »Hermits & Mandrakes« enthalten. Die neuen Fassungen klingen druckvoller, präziser und vollständiger arrangiert, dennoch kennen langjährige Anhänger einen erheblichen Teil des Albums bereits. Der Titelsong und »Descended from Giants« zeigen jedoch eine nachvollziehbare Weiterentwicklung. Besonders die jazzigen und progressiven Elemente könnten künftig noch stärker ausgebaut werden.

Die Produktion von Chris Taylor im NoiseBoy Studio bewahrt die Energie der Band. Gitarren und Orgel besitzen genügend Wärme, während Bass und Schlagzeug klar definiert bleiben. Das Mastering von Chris Fielding sorgt für Druck, ohne die Dynamik vollständig einzuebnen. Gerade bei den Wechseln zwischen klaren Passagen und schweren Fuzz-Riffs zahlt sich diese Balance aus. Das Album klingt kräftig, aber nicht künstlich aufgeblasen.

FAZIT:

»Trip Meadow« ist ein überzeugendes Debüt, auf dem Druidess traditionelle Doom-Riffs, Heavy Psych, Stoner Rock, Hammond-Orgeln und jazzige Saxofonpassagen zu einem eigenständigen Gesamtbild verbinden. Besonders die Gitarrenarbeit von Daniel Downing überzeugt durch starke Riffs, kontrollierte Fingerfertigkeit und ein präzises Spiel, das jederzeit dem jeweiligen Song dient. Shonagh Brown ergänzt die Musik mit einer kraftvollen Stimme und beweglichen Basslinien, während Sam Armstrong und James Hill für rhythmischen Druck und psychedelische Tiefe sorgen. Der lange Titelsong könnte stellenweise kompakter ausfallen, und fünf bereits von der vorherigen EP bekannte Stücke begrenzen den Anteil vollkommen neuen Materials. Die deutlich verbesserten Arrangements und die geschlossene Leistung der Band gleichen diesen Punkt jedoch weitgehend aus. Wer schwere Gitarrenriffs, britische Folklore und klassischen Doom mit einer Portion psychedelischer Experimentierfreude schätzt, sollte sich auf dieser Wiese unbedingt einmal umsehen.

Druidess – Knightingales – Official Music Video

Internet

Druidess - Trip Meadow - CD Review

Ill Tidings – Seeds of True Rebirth

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Ill Tidings - Seeds of True Rebirth - album Artwork
Ill Tidings - Seeds of True Rebirth - album Artwork

Band: Ill Tidings 🇦🇹
Titel: Seeds of True Rebirth
Label: Vendetta Records
VÖ: 26.06.2026
Format: CD / Vinyl / Digital
Genre: Atmospheric Black Metal / Melodic Black Metal / Dissonant Black Metal

Tracklist

01. Between Cold Stars and Mass Graves
02. Fruchtbaren Ackers schändend Pflug
03. Kamadevas Mantra an den Tod
04. Worship the Temple of Flesh
05. Tides of Wrath
06. Lux Ferre
07. Abgesang

Besetzung

Gabriel – Gesang
Thorn – Gitarren und Gesang
Aquilifer – Gitarren
Syknatt – Bass
Katharsis – Schlagzeug

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

An diesem Dienstagabend gibt es mal gepflegten Black Metal aus unserer schönen Heimat Österreich. Genauer gesagt aus Wien, wo Ill Tidings seit 2018 ihr eigenes Verständnis von atmosphärischer Finsternis entwickeln. Mit »Seeds of True Rebirth« legt das Quintett nach »Signa Tenebris« und »Hymns to Demise« sein drittes Studioalbum vor. Während die vorherigen Veröffentlichungen den Zusammenbruch und das Ende noch aus einiger Entfernung betrachteten, widmet sich das neue Werk nach Aussage der Band unmittelbar der Apokalypse. Zerstörung, Transformation, menschliche Abgründe und die Möglichkeit einer Wiedergeburt ziehen sich durch sieben umfangreiche Kompositionen. Musikalisch treffen kalte Melodien, vielschichtige Gitarren, dissonante Spannungen und unerbittliche Blastbeats auf langsamere, beinahe rituelle Abschnitte. Das Ergebnis ist kein leicht verdaulicher Schwarzmetall-Happen für zwischendurch, sondern ein rund 50-minütiger Abstieg, der seine Stärken ebenso offenbart wie einige unnötige Längen.

Audioplayer

ZWISCHEN KALTEN STERNEN UND MASSENGRÄBERN

»Between Cold Stars and Mass Graves« eröffnet das Album mit jener Mischung aus eisiger Melodik und dichter Gewalt, die den weiteren Verlauf bestimmen wird. Die Gitarren von Thorn und Aquilifer liegen in mehreren Schichten übereinander, ohne zu einer vollkommen undurchsichtigen Masse zu verschwimmen. Über den rasenden Rhythmen ziehen sich melancholische Melodien, die weniger an eine heroische Schlacht als an deren trostlose Überreste erinnern. Immer wieder wird die Geschwindigkeit zurückgenommen, damit sich einzelne Akkorde und melodische Bewegungen stärker entfalten können. Der Gesang von Gabriel klingt heiser, angegriffen und emotional aufgeladen. Gemeinsam mit den zusätzlichen Vocals von Thorn entsteht kein klassischer Wechsel zwischen klar voneinander getrennten Rollen. Die Stimmen verdichten vielmehr das Gefühl permanenter innerer Unruhe. Der Opener gehört zu den stärksten Nummern, weil Atmosphäre und Aggression besonders ausgewogen ineinandergreifen. Die Band präsentiert technische Kontrolle, lässt ihre Musik aber weiterhin rau und gefährlich wirken. Mit »Fruchtbaren Ackers schändend Pflug« folgt eine umfangreichere Komposition, deren sperriger deutscher Titel bereits erkennen lässt, dass hier weder sprachlich noch musikalisch der bequemste Weg gewählt wird. Schwere Riffs und treibende Drums wechseln mit flirrenden Gitarrenpassagen. Die Musik wirkt gleichzeitig erdverbunden und entrückt, als würde etwas längst Begrabenes durch den aufgerissenen Boden wieder an die Oberfläche gelangen. Die ausgedehnte Struktur gibt den Gitarren genügend Raum, verschiedene Motive zu entwickeln. Allerdings zeigt sich erstmals, dass Ill Tidings manche Ideen länger ausführen, als es für ihre Wirkung zwingend notwendig wäre.

MANTRA AN DEN TOD

»Kamadevas Mantra an den Tod« beginnt melodischer und lässt die Gitarren zunächst weit über der Rhythmusgruppe schweben. Das Stück besitzt einen beinahe zeremoniellen Charakter, wird jedoch immer wieder von heftigen Ausbrüchen durchbrochen. Die Band beherrscht das Wechselspiel aus Bewegung und Stillstand. Katharsis beschränkt sich nicht auf durchgehende Blastbeats, sondern setzt unterschiedliche Tempi, rollende Doublebass und gezielte Pausen ein. Der Bass von Syknatt bleibt unter den Gitarrenschichten hörbar und verleiht den langsamen Abschnitten zusätzliche Tiefe. Gerade dort entwickelt das Album seine stärkste körperliche Wirkung. Der Song zeigt außerdem, dass Melodie bei Ill Tidings nicht mit Wärme oder Versöhnlichkeit gleichzusetzen ist. Selbst die eingängigeren Gitarrenfiguren wirken frostig und von einem Gefühl unausweichlicher Endgültigkeit umgeben. Mit beinahe sieben Minuten nimmt sich die Komposition erneut viel Zeit. Die einzelnen Abschnitte greifen zwar sinnvoll ineinander, könnten jedoch an einigen Stellen etwas kompakter ausfallen. Trotzdem bleibt »Kamadevas Mantra an den Tod« ein überzeugendes Bindeglied zwischen dem melodischen Beginn und der deutlich dissonanteren Mitte des Albums.

DER TEMPEL DES FLEISCHES

»Worship the Temple of Flesh« setzt unmittelbar auf Spannung. Durchdringende dissonante Töne stehen über einem zunächst entfernten Grollen, bevor die gesamte Band mit erheblicher Wucht einsetzt. Das Stück ist nervöser und unberechenbarer als seine Vorgänger. Gitarrenlinien ziehen in unterschiedliche Richtungen, das Schlagzeug verändert regelmäßig seine Betonung und die Stimmen steigern sich in eine beinahe fiebrige Intensität. Trotz der zahlreichen Wechsel wirkt die Komposition nicht wahllos. Jeder neue Abschnitt erhöht entweder den Druck oder öffnet für kurze Zeit einen dunklen Raum, in dem die vorherige Gewalt nachhallen kann. Gerade die Gitarrenarbeit überzeugt. Dissonanzen werden nicht als bloße Verzierung eingesetzt, sondern bilden das eigentliche Fundament. Die Akkorde reiben sich aneinander und erzeugen ein dauerhaftes Gefühl von Instabilität. Der Titel gehört zu den kompromisslosesten Momenten. Gleichzeitig bleibt er durch wiederkehrende Motive nachvollziehbar und gerät nicht zu einer akademischen Übung in möglichst komplizierter Klanggestaltung. »Worship the Temple of Flesh« zeigt besonders deutlich, wie stark sich Ill Tidings seit ihrem Debüt entwickelt haben. Atmosphäre entsteht nicht mehr nur durch Hall und lange Gitarrenflächen, sondern direkt aus der inneren Konstruktion der Riffs.

DIE FLUT DES ZORNS

»Tides of Wrath« bringt mehr unmittelbaren Vorwärtsdrang in das Album. Die Drums arbeiten aggressiver, während die Gitarren eine vergleichsweise geradlinige Bewegung entwickeln. Natürlich bleiben Richtungswechsel und atmosphärische Abschnitte erhalten. Dennoch wirkt der Song kompakter und körperlicher als die beiden vorherigen Stücke. Nach der dichten Dissonanz des Fleischtempels kommt dieser stärkere Fokus genau zur richtigen Zeit. Die Stimmen besitzen eine rohe Dringlichkeit, die hervorragend zur Musik passt. Gleichzeitig liegt hier einer der möglichen Streitpunkte des Albums. Einige besonders forcierte Schreie wirken emotional glaubwürdig, können auf Dauer aber anstrengend werden. Gerade in den höchsten Lagen entsteht gelegentlich der Eindruck, dass der Gesang gegen die Instrumente ankämpfen muss. Das steigert zwar die Verzweiflung, nimmt einzelnen Passagen jedoch etwas von ihrer Klarheit. Instrumental bleibt die Nummer stark. Bass und Schlagzeug formen ein druckvolles Fundament, während die Gitarren zwischen treibenden Riffs und melodischen Spannungsbögen wechseln. »Tides of Wrath« ist kein vollkommen überraschender Song, erfüllt innerhalb des Albums aber eine wichtige Aufgabe: Er führt die Energie zurück, ohne die düstere Atmosphäre aufzugeben.

DER LICHTTRÄGER IM DUNKEL

»Lux Ferre« ist eines der längsten Stücke und führt das Album erneut in weitläufigere Bereiche. Der lateinisch gefärbte Titel verweist auf den Lichtträger, doch musikalisch ist von tröstlichem Leuchten wenig zu spüren. Die Gitarren bauen langsam eine finstere Melodie auf, die im weiteren Verlauf mehrfach verändert zurückkehrt. Blastbeats und schnellere Tremolofiguren werden von schweren, beinahe doomigen Abschnitten unterbrochen. Besonders überzeugend ist die Dynamik. Die Band lässt die Musik nicht dauerhaft auf maximaler Lautstärke laufen, sondern arbeitet mit kontrollierten Rücknahmen und allmählichen Steigerungen. Dadurch entwickelt »Lux Ferre« eine starke rituelle Wirkung. Die Komposition scheint weniger einen gewöhnlichen Song als eine schrittweise vollzogene Beschwörung darstellen zu wollen. Die lange Laufzeit wird größtenteils sinnvoll genutzt. Einige Wiederholungen könnten dennoch gestrafft werden, zumal das abschließende »Abgesang« anschließend noch einmal zehn Minuten beansprucht. Die Qualität der Riffs verhindert, dass der Titel vollständig an Spannung verliert. Gerade die langsamen Passagen gehören zu den eindrucksvollsten Momenten der zweiten Albumhälfte.

ZEHN MINUTEN ABGESANG

»Abgesang« bildet den erwartungsgemäß monumentalen Abschluss. Die Band bündelt atmosphärischen Black Metal, dissonante Gitarren, schwere Rhythmen und rasende Ausbrüche zu einer langen finalen Bewegung. Der Titel beginnt kontrollierter und lässt die einzelnen Instrumente ausreichend atmen. Nach und nach verdichtet sich das Klangbild, bis Gitarren und Schlagzeug erneut in heftige Raserei übergehen. Die Wechsel wirken weniger abrupt als bei »Worship the Temple of Flesh«. Statt nervöser Sprünge baut der Song größere Abschnitte auf und führt sie langsam ihrem Ende entgegen. Damit passt »Abgesang« hervorragend zum apokalyptischen Konzept. Die Welt endet nicht mit einem einzigen Schlag, sondern zerfällt schrittweise, während unter ihren Trümmern bereits die titelgebenden Samen einer möglichen Wiedergeburt liegen. Der Abschluss besitzt starke melodische und atmosphärische Momente. Gleichzeitig bestätigt er die größte Schwäche der Platte: Nicht jede Idee benötigt eine derart ausgedehnte Wiederholung. Eine um einige Minuten gekürzte Fassung hätte vermutlich noch intensiver gewirkt. Dennoch bleibt »Abgesang« ein würdiges Finale, das die Hörerschaft nicht mit einer klaren Auflösung, sondern mit einem Gefühl fortbestehender Bedrohung zurücklässt.

KÄLTE MIT MODERNER KONTROLLE

Die Produktion von Mario Dahmen hält eine überzeugende Balance aus Rauheit und Verständlichkeit. Die Gitarren besitzen eine scharfe Oberfläche, während Bass und Schlagzeug genügend Druck entwickeln. Trotz der vielen übereinanderliegenden Spuren bleibt das Klangbild überwiegend nachvollziehbar. Besonders die melodischen Gegenbewegungen der beiden Gitarren lassen sich auch während der schnelleren Passagen erkennen. Das Schlagzeug klingt kraftvoll und kontrolliert, ohne vollständig klinisch zu wirken. Blastbeats setzen sich deutlich durch, während die langsameren Rhythmen ausreichend Gewicht behalten. Der Gesang wurde weit vorn platziert und trägt einen erheblichen Teil der emotionalen Intensität. Diese Präsenz kann jedoch ermüden, wenn besonders schrille Passagen über längere Zeit kaum Raum für Entlastung lassen. Insgesamt passt der Klang zur musikalischen Ausrichtung. Seeds of True Rebirth besitzt weder den dünnen Nebel einer absichtlich primitiven Produktion noch den vollkommen polierten Charakter modernen Hochglanz-Metals. Auch das Artwork von View from the Coffin greift Zerstörung und Transformation auf. Die verstörende Gestaltung wirkt nicht wie eine beliebige Ansammlung okkulter Symbole, sondern bereitet visuell auf die apokalyptische Atmosphäre des Albums vor.

TRADITION UND EIGENE HANDSCHRIFT

Die Einflüsse aus melodischem, atmosphärischem und dissonantem Black Metal sind deutlich hörbar. Namen wie Misþyrming, Sinmara, Eis und die heimischen Abigor bieten sinnvolle Orientierung. Ill Tidings kopieren diese Vorbilder jedoch nicht vollständig. Die Verbindung aus deutscher und englischer Sprache, mehrschichtigen Gitarren und stark emotionalem Gesang verleiht der Band eine erkennbare Handschrift. Im Vergleich zu »Hymns to Demise« wirkt das neue Album umfangreicher und ambitionierter. Die Songs besitzen komplexere Entwicklungen, stärkere Dissonanzen und eine konsequentere thematische Verbindung. Diese Weiterentwicklung bringt allerdings auch Längen mit sich. Bei sieben Songs und rund 50 Minuten liegt die durchschnittliche Laufzeit hoch. Nicht jede Komposition hält ihre Spannung über die gesamte Distanz. Eine strengere Auswahl bei Wiederholungen und Übergängen hätte das Album noch wirkungsvoller gemacht. Die vorhandene Substanz ist jedoch stark genug, um selbst in den schwächeren Momenten ein überzeugendes Gesamtbild zu erhalten. Vor allem »Between Cold Stars and Mass Graves«, »Worship the Temple of Flesh« und »Abgesang« zeigen, welches Potenzial in der Verbindung aus melodischer Kälte, dissonanter Unruhe und apokalyptischer Atmosphäre steckt.

FAZIT:

»Seeds of True Rebirth« ist ein ambitioniertes drittes Album, auf dem Ill Tidings ihren atmosphärischen Black Metal dichter, dissonanter und umfangreicher gestalten. Vielschichtige Gitarren, ein druckvolles rhythmisches Fundament und ein emotionaler Gesang erschaffen eine kalte, bedrohliche Atmosphäre. Besonders »Between Cold Stars and Mass Graves«, »Kamadevas Mantra an den Tod«, »Worship the Temple of Flesh« und der abschließende »Abgesang« überzeugen. Einige Stücke werden jedoch länger ausgedehnt, als es ihre zentralen Motive erfordern, während die stark forcierten Schreie auf Dauer anstrengend wirken können. Eine etwas kompaktere Spielzeit hätte der apokalyptischen Wucht zusätzliche Schlagkraft verliehen. Dennoch beweisen die Wiener, dass aus unserer schönen Heimat nicht nur Berge, Mozartkugeln und fragwürdige politische Diskussionen kommen, sondern auch anspruchsvoller Black Metal mit eigener Identität.

Ill Tidings – Worship the Temple of Flesh – Official Visualizer

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Ill Tidings - Seeds of True Rebirth - CD Review

LEPER COLONY – Drittes Album erscheint im Oktober

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leper colony - bandphoto
Photo Credit: Lisa Ahlin & Saskia Grewe.

LEPER COLONY – Drittes Album „Back To Primal Sludge“ erscheint im Oktober 2026 über Testimony Records – Premiere des ersten Musikvideos

Leper Colony - These Blades [Official Music Video]

LEPER COLONY haben ihr drittes Studioalbum „Back To Primal Sludge“ angekündigt, das am 9. Oktober 2026 über Testimony Records veröffentlicht wird.

Die erste Single „These Blades“ feierte bereits Premiere und ist samt Musikvideo hier zu sehen:

Gitarrenvirtuose Rogga Johansson kommentiert:

„Dieser gnadenlose Song schleudert euch rasendes Death-Metal-Geballer entgegen und öffnet euch förmlich ein neues Atemloch im Hals. Gewaltige, voll ausgearbeitete Riffs, erbarmungslos hämmernde Drums und ein brutales Gesangsgewitter gehören selbstverständlich dazu. Für uns schafft ‚These Blades‘ die perfekte Balance zwischen der amerikanischen und der schwedischen Spielart des Death Metal.“

Auch auf „Back To Primal Sludge“ verfolgen LEPER COLONY unbeirrt ihre unheilige Mission, die perfekte Verbindung zwischen dem klassischen floridianischen und dem Stockholmer Old-School-Death-Metal-Sound zu erschaffen.

In vielerlei Hinsicht stellt „Back To Primal Sludge“ eine direkte Fortsetzung des zweiten Albums „Those of the Morbid“ (2025) dar. Dennoch wurden einige Feinheiten weiterentwickelt. Während der Vorgänger noch vereinzelte Anklänge an den deutschen Death Metal enthielt, wurden diese Einflüsse nun weiter zurückgenommen. Bereits auf dem zweiten Album hatte die Band die Thrash-Metal-Elemente ihres selbstbetitelten Debüts „Leper Colony“ (2023) weitgehend hinter sich gelassen.

LEPER COLONY entstand als musikalischer Ausdruck der langjährigen Freundschaft zwischen dem deutschen Sänger Marc Grewe und dem schwedischen Gitarristen Rogga Johansson. Im Jahr 2020 beschlossen beide, ihre gemeinsame Leidenschaft für klassischen Old-School-Death-Metal in Form eines gemeinsamen Albums zu verwirklichen.

Marc Grewe machte sich als ehemaliger Frontmann von MORGOTH einen Namen und war später unter anderem bei INSIDIOUS DISEASE sowie ASINHELL aktiv. Gitarrist und Bassist Rogga Johansson zählt seit Jahren zu den prägenden Persönlichkeiten der schwedischen Death-Metal-Szene und spielte unter anderem bei PAGANIZER, RIBSPREADER und REVOLTING.

Für das Debütalbum holte das Kern-Duo zunächst Jon Skäre (CONSUMPTION) am Schlagzeug sowie Leadgitarrist Kjetil Lyngahug (PAGANIZER) ins Studio. Später stieß der britische Schlagzeuger Jon Rudin, bekannt durch MONSTROUS, DEAD SUN und zahlreiche weitere Death-Metal-Bands, als festes Mitglied zur Band.

Mit „Back To Primal Sludge“ liefern LEPER COLONY erneut ein kompromissloses Liebesbekenntnis an den klassischen Old-School-Death-Metal – genau das Album, auf das Fans der Band und Anhänger dieses brutalen Genres gehofft haben.

leper colony - back to primal sludge - album artwork

Tracklist

01. Madness Is a Kingdom
02. These Blades
03. Dead Soul Consortium
04. Thrown to the Pigs
05. Back to Primal Sludge
06. Flesh Grater
07. Seelenjäger
08. Harness the Undead
09. Beneath the Fat and Gristle

 

Quellenangabe: Sure Shot Worx Photo Credit: Lisa Ahlin & Saskia Grewe

REVEL IN FLESH – Neues Album im September

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REVEL IN FLESH - Flesh For The Kult Of Death - album artwork

REVEL IN FLESH – Neues Album „Flesh For The Kult Of Death“ erscheint im September 2026 über War Anthem Records – Neues Line-up / Details / Videoclip

REVEL IN FLESH "Flesh For The Kult Of Death" - official lyric video

REVEL IN FLESH kündigen mit Stolz ihr neues Studioalbum „Flesh For The Kult Of Death“ an, das am 18. September 2026 über War Anthem Records erscheinen wird. Gleichzeitig präsentiert die Band ihre neu formierte Besetzung.

Der Titeltrack des Albums wurde bereits als Lyric-Video veröffentlicht und ist hier zu sehen:

Mit „Flesh For The Kult Of Death“ schlagen REVEL IN FLESH ein neues Kapitel auf und kehren zugleich kompromisslos zu ihren Wurzeln zurück. Nach den jüngsten Veröffentlichungen richtet die Band ihren Fokus wieder auf das, was sie von Beginn an auszeichnete: düsterer, riffbetonter Death Metal, tief verwurzelt im klassischen schwedischen Sound.

Inspiriert vom Geist früher Alben wie „Manifested Darkness“ und „Death Kult Legions“, entfesselt „Flesh For The Kult Of Death“ eine gewaltige Mischung aus kreischenden Kettensägen-Gitarren, morbiden Melodien und einer finsteren Atmosphäre, die den Hörer von der ersten bis zur letzten Note in ihren Bann zieht. Gleichzeitig ist das Album weit mehr als nur eine nostalgische Rückschau. REVEL IN FLESH verbinden die rohe Energie ihrer Anfangstage mit der Erfahrung und dem ausgefeilten Songwriting einer Band, die sich über die Jahre kontinuierlich weiterentwickelt hat.

Thematisch taucht das Album erneut in die düsteren Welten von Tod, Kulten und Verfall ein und unterstreicht den kompromisslosen Anspruch der Band, den Geist des klassischen Death Metal mit Authentizität und Leidenschaft weiterzutragen.

Mit „Flesh For The Kult Of Death“ liefern REVEL IN FLESH ihr bislang deutlichstes Bekenntnis zum traditionellen Death Metal: roh, finster, hymnisch und voller ungezügelter Energie. Für Fans der frühen Schaffensphase der Band ebenso wie für Liebhaber des klassischen schwedischen Death Metal ist dieses Album eine triumphale Rückkehr in jene Dunkelheit, aus der REVEL IN FLESH einst hervorgingen.

REVEL IN FLESH - Flesh For The Kult Of Death - album artwork

Tracklist

01. Flesh for the Kult of Death
02. Bodybag Inferno
03. The Graverobber
04. Pool of Blood
05. Hellhole
06. Tombstalker
07. Death Kult Maniacs
08. Priest of Flesh
09. Demon Dawn
10. The Last Farewell
11. All I Had (I Gave)

 

Quellenangabe: Sure Shot Worx