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Uncle Hauk im Interview: Illusionen runter, Wahrheit rauf

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Uncle Hauk - Lose Your Illusions - cover artwork
Uncle Hauk - Lose Your Illusions - cover artwork

Interview: Beppo Fegesack & Uncle Hauk

Uncle Hauk: Illusionen runter, Verstärker rauf – Überleben im Weltbrand

Mit »Lose Your Illusions« hat Uncle Hauk ein Album veröffentlicht, das sich nicht um bequeme Genre-Schubladen schert. Zwischen Post-Punk, Alternative Rock, Metal, Jazz-Farben und dunklen Americana-Schatten entsteht ein Werk, das nicht einfach nebenbei läuft, sondern sich sperrig, roh und emotional in den Raum stellt.

Unser Review zu »Lose Your Illusions« hat bereits gezeigt, dass Uncle Hauk hier kein glattgezogenes Rockalbum abliefert, sondern eine Platte voller Ernüchterung, Verlust, Zorn, Weltfrust und trotzigem Überlebenswillen. Ein Album also, das seine Narben nicht versteckt, sondern sie wie Orden durch den Dreck trägt.

Wir haben mit Uncle Hauk über den Titel des Albums, persönliche Verluste, Weltbrand, Saxofon, Zahnschmerzen, Teddy-Bären-Symbolik, musikalische Grenzgänge und die Frage gesprochen, warum Hoffnung manchmal komplizierter ist als blanker Trotz.

Hört hier »Lose Your Illusions« von Uncle Hauk in voller Länge an

Hallo Uncle Hauk und willkommen! Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, mit uns über dein neues Album »Lose Your Illusions« zu sprechen. Die Platte wirkt dunkel, roh, sehr persönlich und dennoch seltsam voller Widerstandskraft und Überlebensinstinkt. Sie bewegt sich durch Post-Punk, Alternative Rock, Metal, Jazz-Elemente und dunklere Americana-Schattierungen, ohne jemals zur einfachen Hintergrundmusik zu werden. Lass uns über die Ideen, Emotionen und Sounds dahinter sprechen.
 
»Lose Your Illusions« ist ein sehr starker und direkter Titel. Welcher persönliche oder künstlerische Moment hat dich zu diesem Albumnamen geführt?
 
Uncle Hauk: Großartige Frage. Es ist definitiv eine Anspielung auf Guns N’ Roses. Als ich anfing, an diesem Album zu arbeiten, hatte ich alle möglichen Ideen. Ich dachte über ein Doppelalbum nach, ähnlich wie die »Use Your Illusion«-Alben, oder sogar über ein Triple-Album. Gleichzeitig ließ ich meiner nihilistischen Seite ziemlich freien Lauf. Es waren viele sehr rohe, sehr dunkle und sehr brutale Songs und Themen dabei. Ich habe wirklich alles bis auf die Knochen freigelegt und zugelassen, dass es bis ganz nach unten weh tut.
 
Nach und nach begann ich, Songs zu streichen, mich auf bestimmte Stücke zu konzentrieren, andere auszutauschen und herauszufinden, was ich wirklich sagen und singen wollte.
 
Der Titel ist im Grunde eine Art zu sagen: Erwartet nicht das, was ihr erwartet. Dieses Album ist nicht poliert oder hübsch. Es zeigt, was wirklich unter der Oberfläche passiert. Ich habe weder die Zeit noch die Neigung, irgendwelche Illusionen anzubieten. Ich versuche nicht, etwas anderes zu sein als ich selbst. Ich bin nicht hübsch oder glattpoliert. Ich bin einfach ich.
Das Album behandelt Desillusionierung, Trauer, Wut, Überleben und das Gefühl, dass die Welt zu einem härteren Ort geworden ist, an den man glauben soll. Was war der emotionale Ausgangspunkt dieser Platte?
 
Uncle Hauk: Es gibt so viele Dinge, auf die ich zeigen könnte. Ich sage oft, mein Leben sei eine ständige Reise durch den Fleischwolf gewesen. Vor ein paar Jahren ist meine Verlobte gestorben. Ich war im Krankenhaus bei ihr und hielt ihre Hand, während sie langsam kalt wurde. Das hat mich auf eine Weise gebrochen, von der ich mich nie vollständig erholen werde.
 
Der erste Song, den ich nach ihrem Tod geschrieben habe, war »It Doesn’t End Well«, dessen Aufnahme ich immer wieder verschoben habe, bis jetzt. »Alive In Death’s Shadow« war ein weiterer. Songs wie »Toothache« und »The World Is On Fire« beschäftigen sich dagegen mehr mit der Welt. Wir leben im Grunde in einem dritten Weltkrieg, ob das nun jemand offiziell erklären will oder nicht. Mein ganzes Leben war ein Wirtschaftscrash, gefolgt von einem Krieg, gefolgt vom nächsten Wirtschaftscrash. Die ganze Welt ist manipuliert. Also schreibe ich meine Wahrheit und schreie sie so laut ich kann.
 
Dann gibt es einen Song wie »Iron Strong«, den ich früh während der Pandemie geschrieben habe. Ich versuche, Hoffnung zu finden, wo ich kann. Und wenn ich keine Hoffnung finde, werde ich stur und kämpfe trotzdem weiter.
Was hat das Coverartwork von »Lose Your Illusions« inspiriert? Wie eng spiegelt die visuelle Seite des Albums die Musik und die Themen dahinter wider?
 
Uncle Hauk: Mein Künstler ist Danny Gonzalez von Howl Art Studios. Er ist großartig. Er hat definitiv den dunklen Geschmack des Albums eingefangen, aber auch den Hauk-Mythos. Smokey the Bear ist schon früher in meinen Songs aufgetaucht, und der Drache im Hintergrund ist ein Rückgriff auf Elf Queen. Er hat viele subtile Dinge in das Cover eingebaut, die ich liebe, zum Beispiel diese Fantasy-Wild-West-Atmosphäre. Er versteht mich auf die bestmögliche Weise.
 
Bei Artwork mag ich es, wenn meine Künstler versuchen, Dinge thematisch miteinander zu verbinden. Bei Bands wie Iron Maiden oder Megadeth gibt es Eddie und Vic Rattlehead. Bei mir ist es mein Teddybär Smokey. Danny fängt diesen Geist mit seiner Kunst ein.
Dein Sound auf diesem Album bewegt sich zwischen post-punkiger Dunkelheit, Alternative-Rock-Schmutz, Metal-Schwere, Jazz-Farben und sogar Alt-Country- oder Americana-Schatten. Kombinierst du diese Einflüsse bewusst, oder entstehen sie natürlich während des Songwritings?
 
Uncle Hauk: Schwierige Frage, denn es variiert von Song zu Song. Ich spiele tatsächlich schon länger Saxofon als Gitarre und wollte das Saxofon wieder stärker in meine Musik bringen. Ursprünglich sollte die Hauptmelodie von »Alive In Death’s Shadow« auf der Flöte gespielt werden, dann habe ich stattdessen Sopransaxofon ausprobiert. Und weil ich das bei einem Song gemacht hatte, tat ich es auch bei »It Doesn’t End Well«. Danach fügte ich hier und da immer mehr hinzu. Irgendwann machte ich dreistimmige Harmonien bei »Only the Living« und »Toothache«.
 
Ich starte immer mit dem Wunsch, in eine bestimmte Richtung zu gehen, und dann führt mich die Straße dorthin, wohin sie will. Beim Tracking probiere ich oft alles Mögliche aus und muss es beim Mixen dann auf etwas Handhabbares zurückschneiden. Oder ich mache es nicht und werfe einfach alles so gut es geht hinein.
 
Ursprünglich wollte ich dieses Album extrem heavy machen, aber ganz so ist es nicht gekommen. Ich habe deutlich weniger akustische Instrumente wie Banjo verwendet als auf früheren Alben. Es fühlte sich einfach nicht nach dem richtigen Sound dafür an.
Die Zeile »The world is on fire, but I dream of rain« aus »The World Is On Fire« ist sehr eindringlich. Geht es darin um Hoffnung, Erschöpfung, Widerstand oder um etwas ganz anderes?
 
Uncle Hauk: Diese Zeile stammt ursprünglich aus einem Elf Queen-Song, den wir nie aufgenommen oder wirklich fertiggestellt haben. Wir haben ihn immer wieder umgeschrieben, und als wir Elf Queen auf Eis gelegt haben, nahm ich diese Idee und versuchte, daraus etwas Neues zu machen.
 
Es beschreibt buchstäblich, wie ich mich heutzutage im Leben fühle. Ich bin Kalifornier, und meine sogenannte repräsentative Regierung versucht, den Nahen Osten niederzubrennen. Das mag und unterstütze ich nicht, und ich will, dass es endet. Als Kalifornier bin ich außerdem immer sehr bewusst mit Wasser und der Möglichkeit von Dürre konfrontiert. Ich träume von Regen, weil wir ihn zum Überleben brauchen. Wir müssen die Feuer löschen und die Welt heilen.
 
Die Strophen beziehen sich auf Mary Shelleys »Frankenstein«. Ich kenne so viele Menschen, die das Gefühl haben, einfach in eine blutige Höllenlandschaft aus Krieg, Hass und Tod hineingeboren worden zu sein, obwohl sie nur Frieden, Liebe und Freiheit wollen. Wir alle träumen von den Dingen, die wir nicht haben. Wir sind alle Frankensteins Monster: fähig zu einer Liebe, wie sie niemand je gesehen hat. Und wenn wir diese Liebe nicht ausleben können, übernimmt der Hass.
Auf dem gesamten Album gibt es ein starkes Gefühl von sturem Überleben. Würdest du »Lose Your Illusions« als hoffnungsloses Album beschreiben oder eher als ein Album über das Weitermachen, wenn Hoffnung kompliziert geworden ist?
 
Uncle Hauk: Vor ein paar Jahren habe ich einen Song namens »Nothing More Deadly Than Hope« veröffentlicht. Hoffnung ist in vielerlei Hinsicht etwas, dem ich misstrauen gelernt habe. Sobald ich hoffnungsvoll werde, dass sich Dinge zum Guten wenden, werde ich verletzt. Und zwar heftig.
 
Dieses Album ist absolut stur. Es ist absolut mürrisch, voller Galligkeit und mit dieser »Runter von meinem Rasen«-Haltung ausgestattet.
 
Es geht nicht einfach um die Hoffnung, dass alles gut wird. Es ist eher diese störrische »Fuck you, I won’t do what you tell me«-Haltung, die uns am Laufen hält, selbst wenn die Hoffnung stirbt.
 
Ich denke aber schon, dass das Album positiv endet, wenn auch nicht unbedingt hoffnungsvoll. Ich habe »Iron Strong« ans Ende gesetzt, um eine Art Katharsis zu finden. Wir sitzen alle im selben Boot, und wir können gemeinsam etwas aufbauen, wenn wir es wirklich wollen.
Mir ist die wiederkehrende Bären-Symbolik rund um Uncle Hauk aufgefallen, und persönlich würde ich die Cover als sehr »bärig« beschreiben. Was repräsentiert der Bär für dich visuell, emotional oder vielleicht sogar spirituell?
 
Uncle Hauk: Vor etwa vier Alben habe ich mich als Uncle Hauk neu aufgestellt. Es gibt einen Schweizer Electronic-Act, der sich den Namen Hauk auf Spotify geschnappt hatte und meine Streams bekam. Obwohl ich Streaming hasse, war das eine gute Gelegenheit für einen Neustart und ein Rebranding. Also veröffentlichte ich »Mostly True?«, das eher Alternative Country war. Der Hauptsong hieß »Benediction« und war lose von Hamlet inspiriert.
 
Ich hatte gerade an einer Produktion von Hamlet gearbeitet, die ausgerechnet in einem Boba-Shop spielte. Dort wurde die »To Be or Not To Be«-Rede wie ein Segen behandelt. Ich versuchte, dasselbe zu tun. Als ich zum Refrain kam, sang ich sinngemäß: Wenn ich sterbe, begrabt mich mit meinem Teddybären, und ich werde glücklich ruhen.
 
Ich habe immer noch meinen Teddybären Smokey, den mir meine Großeltern schenkten, als ich fünf Jahre alt war. Er steht buchstäblich in meinem Testament und soll mit mir eingeäschert werden. Danny, mein Künstler, kannte diese Hintergrundgeschichte, also arbeitete er sie in das Albumcover ein. Danach haben wir dieses Motiv einfach weitergeführt. Smokey wurde zu einem Symbol für mich und meine Musik.
Du bist Multiinstrumentalist, Produzent und Engineer, hast also sehr viel Kontrolle über den finalen Sound. Wie entscheidest du, wann ein Song mehr Schichten braucht und wann er roh, dreckig und direkt bleiben sollte?
 
Uncle Hauk: Schwierige Frage. Es hängt wirklich vom jeweiligen Song ab. Oft versuche ich, einen Song immer heavier und heavier zu machen, obwohl er eigentlich weich bleiben müsste, und umgekehrt. Der Vorteil daran, mein eigenes Studio zu besitzen, ist, dass ich mir so viel Zeit nehmen kann, wie ich brauche.
 
Manchmal bekomme ich mitten während der Arbeit an einem Album neues Equipment und probiere etwas Neues aus, das großartig klingt. Dann will ich aber die Takes, die ich bereits aufgenommen habe, nicht mehr anfassen. Dadurch klingen manche Songs auch unterschiedlich voneinander.
»Toothache« ist einer der ungewöhnlichsten und ausladendsten Tracks des Albums. Warum durfte dieser Song so weit ausgreifen, und sollte er stellenweise unangenehm oder fast körperlich reizend wirken?
 
Uncle Hauk: Das war wahrscheinlich der schwierigste Song auf dem Album. Er begann nur mit einem einfachen Gitarrenriff, aber dann fügte ich immer mehr hinzu. Ich dachte darüber nach, Intro und Outro als zwei separate Tracks zu machen oder daraus eine Song-Trilogie zu formen. Aber mir gefiel die Idee, den Hörer auf eine lange Reise mitzunehmen.
 
Ich hatte tatsächlich eine Wurzelbehandlung, als ich anfing, diesen Song zu schreiben. Die Zahnschmerzen davor brachten mich so weit, dass ich mir am liebsten selbst den Zahn gezogen hätte. Einfach eine Zange nehmen und auf das Beste hoffen.
 
Ich kann manchmal ein wenig selbstzerstörerisch sein. Daher auch die Idee, sich die Zähne einen nach dem anderen herauszuziehen.
 
Lyrisch führte mich das in Richtung Selbstverletzung und Selbstzerstörung, zumindest diesmal nur lyrisch. Geht regelmäßig zum Zahnarzt, Haukamaniacs. Die Vorstellung, mir selbst die Zähne zu ziehen und mir selbst wehzutun, wandelte sich langsam in die Vorstellung, anderen Menschen wehzutun. Konkret jenen, die vom Elend der Welt profitieren. Nicht »Eat the rich«, sondern ihnen die Zähne einen nach dem anderen ziehen.
 
Es ist kein angenehmer Song. Ich weiß nicht, ob er körperlich irritierend wirken sollte, aber er soll definitiv gefühlt werden. Aus technischer Sicht wurden die heavy Gitarren tatsächlich mit einer Gretsch und Arcane Inc Ultratrons aufgenommen, was der Verzerrung ein richtig garstiges Knurren verliehen hat. Normalerweise ist das eine meiner cleanen Gitarren, deshalb gab das dem Ganzen eine neue Farbe und Textur.
 
Dann kommt das Saxofon-Outro. Darauf habe ich eine ganze Reihe Effekte gelegt. Es beginnt so, als würde es wie eine beschädigte Vinylplatte klingen, und wird dann langsam klarer und klarer, mit sich bewegenden Low- und High-Pass-Filtern. Wie ein Weg von dem, was »sie« dir verkaufen wollen, hin zur echten Sache.
Songs wie »Stormy« und »Iron Strong« wirken fokussierter und direkter, während andere Tracks experimentellere Wege einschlagen. Ist dieser Kontrast wichtig für die Reise des Albums?
 
Uncle Hauk: Jeder Song ist ein wenig anders und hat seine eigene Reise. Ich habe beide Stücke früh während der Pandemie geschrieben, ursprünglich für ein anderes Projekt, das nie zustande kam. »Stormy« wurde oft umgeschrieben, war aber definitiv eine Reise durch Nihilismus und das Gefühl, verrückt zu werden. Ich habe während meines Masterstudiums um 2022 herum eine Version von »Stormy« gemacht und nie erwartet, noch einmal etwas damit zu tun. Aber es fühlte sich richtig an, es erneut aufzunehmen.
 
Es macht immer Spaß, zu experimentieren. Bei den meisten meiner Gitarrensoli beginne ich mit Improvisation, baue aber oft einen Abschnitt ein, der wie bei Iron Maiden harmonisiert werden soll. Wenn ich improvisiere, funktioniert es manchmal, manchmal muss ich aber erst herausfinden, was ich da eigentlich gespielt habe. Das Solo in »Stormy« war so ein Fall, mit einem harmonisierten Abschnitt, den ich spontan erfunden habe. Manchmal klappt es. Manchmal nicht.
Du hast bereits in unterschiedlichen musikalischen Kontexten gearbeitet, darunter Black Hat Society und Elf Queen. Wie viel von diesen früheren Projekten lebt noch in Uncle Hauk weiter?
 
Uncle Hauk: Das ist alles Teil der Reise. Das waren großartige Bands, und ich würde heute nicht das tun, was ich tue, ohne sie. Meine Schreibpartner in diesen Bands haben mich immer dazu gedrängt, besser zu werden und mich selbst weiterzutreiben.
 
Karin von Black Hat Society ist jetzt bei Brick Top Blaggers. Sie machen großartige Irish-Punk-Musik und spielen überall. Hört da unbedingt rein. Kelsey von Elf Queen konzentriert sich auf Voice-Over-Arbeit und macht wirklich großartige Dinge.
 
Das macht es allerdings auch schwerer, mich einzuordnen. Menschen wollen einfache Schubladen: Du bist entweder Punk oder Country oder Metal oder was auch immer. Ich mache dagegen Post-Punk-Alt-Country mit heavy Passagen und nicht ganz genug Twang. Ich sage mir immer wieder, dass ich mich stärker fokussieren sollte. Aber sobald ich anfange zu arbeiten, fliegt dieser Vorsatz wieder aus dem Fenster.
Nach einem Album voller Verlust, Desillusionierung, Weltschmerz und störrischem Überleben: Wohin kann Uncle Hauk als Nächstes gehen? Noch tiefer in die Dunkelheit, in Richtung etwas Hoffungsvolleres oder an einen völlig unerwarteten Ort?
 
Uncle Hauk: Ich weiß es wirklich nicht. Ich habe angefangen, für zukünftige Aufnahmen zu schreiben, beobachte aber auch, wie sich die Industrie wieder verändert. Manche Bands veröffentlichen nur noch Singles statt Alben. Das geht sicher schneller und hält neues Material bei den Fans. Ein Album kann ein Jahr oder länger dauern. Es macht aber auch wirklich Spaß.
 
Ich habe ein paar Songs, die stärker in Richtung Country gehen, und vielleicht mache ich etwas Bluesiges. Vor ein paar Jahren habe ich ein komplettes Jazz-/Big-Band-Album geschrieben, das auf den Runen basiert, aber nie fertiggestellt wurde. Die Drums sind aufgenommen, aber alles andere muss noch zusammenkommen.
 
Das alles kostet auch Geld, und Musik ist absolut ein Pay-to-play-Betrieb. Du zahlst für Promotion, zahlst dafür, auf Playlists zu kommen, zahlst für dies, zahlst für das und hoffst dann, dass die Streaming-Tantiemen mehr ergeben als eine Tasse Kaffee, wenn du Glück hast. Und das alles, um mit AI-Mist zu konkurrieren, den Spotify und Suno allen in den Hals rammen wollen.
 
Andererseits habe ich damit angefangen, um Musik zu machen, nicht um Geld zu verdienen. Musik ist das, was ich liebe. Das wird immer so bleiben.
Vielen Dank für das Interview, Uncle Hauk. Wir wünschen dir alles Gute mit »Lose Your Illusions« und allem, was als Nächstes kommt. Die letzten Worte gehören dir.
 
Uncle Hauk: Vielen Dank! Es ist immer eine Freude zu sprechen, und ich hoffe wirklich, dass eure Leser »Lose Your Illusions« eine Chance geben. Oder auch einer der anderen Veröffentlichungen, die ich draußen habe. Ich habe für fast jeden etwas dabei.

Uncle Hauk – Interview

Torn Open – Torn The Fuck Open, Vol. 2

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TORN THE FUCK OPEN Vol 2 - cover artwork
TORN THE FUCK OPEN Vol 2 - cover artwork

Band: Torn Open 🇺🇸
Titel: TORN THE FUCK OPEN, Vol. 2
Label: Blue Grape Music
VÖ: 01.05.2026
Genre: Deathcore / Extreme Deathcore / Groove Metal

Tracklist

01. A Testament To Stoicism
02. Denial (And So It Begins)
03. The Way Things Should End
04. …And So We Rise

Besetzung

Sofia DeMasi – Gesang
Margot Bogosian – Gitarre
Marcelo Crespo – Gitarre
Canaan Sharon – Bass
Michael Karnage – Schlagzeug

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Über den Titel »TORN THE FUCK OPEN, Vol. 2« muss man eigentlich erst einmal laut nachdenken. Nicht lange, denn diese EP tritt einem nach wenigen Sekunden ohnehin die Denkzentrale aus der Halterung, aber doch kurz genug, um festzustellen: Subtilität war hier offenbar nicht einmal als Praktikant eingeladen. Torn Open nennen ihr Ding nicht „Inner Conflicts“, nicht „The Fracture Within“ und schon gar nicht „Emotionale Zwischenräume in Beige“. Nein, hier wird direkt aufgerissen, aufgebrochen, offengelegt. Und weil das beim ersten Mal offenbar noch nicht genug war, jetzt eben Vol. 2. Willkommen im Deathcore, wo Zurückhaltung meistens nur bedeutet, dass der Breakdown drei Sekunden später kommt.

Die aus New Jersey stammenden Torn Open haben mit »TORN THE FUCK OPEN, Vol. 1« bereits deutlich gemacht, dass sie nicht angetreten sind, um dem Genre ein Duftkerzchen hinzustellen. Mit »TORN THE FUCK OPEN, Vol. 2« wird dieser Ansatz nun präziser, brutaler und selbstbewusster fortgeführt. Vier Songs, knapp 13 Minuten, kein Leerlauf. Diese EP funktioniert wie ein sehr wütender Kurzfilm: blutig, hektisch, überdreht, aber mit klarer Regie.

Stilistisch bewegen sich Torn Open im Deathcore, allerdings nicht in jener überorchestrierten Variante, bei der jedes zweite Riff klingt, als würde ein Dämon gerade ein Symphonieorchester bewerben. Hier geht es eher zurück in Richtung MySpace-Revival, Früh-Deathcore, Groove-Wucht, tiefe Chugs, fiese Screams und Breakdowns, bei denen man im Pit kurz prüfen sollte, ob die Zahnzusatzversicherung noch aktiv ist. Der Sound ist roh genug, um glaubwürdig zu bleiben, aber sauber genug produziert, um nicht im eigenen Schlamm zu ersaufen.

(Hört hier »TORN THE FUCK OPEN, Vol. 2« von Torn Open)

KURZ, BRUTAL, UNMISSVERSTÄNDLICH

»A Testament To Stoicism« eröffnet die EP mit genau jener Mischung aus maschineller Präzision und körperlicher Gewalt, die modernen Deathcore im Idealfall ausmacht. Der Song braucht keine lange Vorrede. Das Riff zieht an, die Drums setzen die Nackenmuskulatur unter Zwangsverwaltung, und Sofia DeMasi klingt vom ersten Moment an, als würde sie nicht singen, sondern eine Anklage mit bloßen Händen in Beton ritzen. Der Opener erfüllt damit gleich zwei Aufgaben: Er stellt die Härtegrade ein und macht klar, dass Torn Open diesmal noch fokussierter auftreten.

Besonders stark ist hier die Balance zwischen technischer Straffung und stumpfer Schlagwirkung. Die Gitarren von Margot Bogosian und Marcelo Crespo liefern keine ziellose Griffbrettgymnastik, sondern setzen auf Riffs, die unmittelbar drücken. Das ist nicht unnötig verspielt, aber auch nicht platt. Die Songs leben von kantigen Wechseln, abrupten Stopps, niederwalzenden Grooves und jener unangenehmen Spannung, die entsteht, wenn man merkt: Gleich kommt etwas sehr Schweres. Und dann kommt es auch. Höflichkeit ist hier höchstens ein Produktionsfehler.

»Denial (And So It Begins)« hält die Aggression hoch, wirkt aber noch gemeiner in der Art, wie das Tempo angezogen und wieder gebrochen wird. Der Song spielt mit Erwartungshaltung, schiebt sich erst in den Körper, dann in den Nacken und schließlich frontal in die Magengrube. Die Breakdowns sitzen, ohne zur bloßen Pflichtübung zu werden. Gerade hier zeigt sich, dass Torn Open ihre Gewalt nicht einfach nur höher stapeln, sondern dramaturgisch setzen. Das ist wichtig, denn im Deathcore kann Härte schnell zur Währung ohne Wechselgeld werden. Laut, tiefer, böser – schön und gut. Aber wenn alles die ganze Zeit explodiert, merkt irgendwann niemand mehr, wo der Krater war.

SOFIA DEMASI ALS ZENTRALE ABRISSKANTE

Die vielleicht auffälligste Leistung auf »TORN THE FUCK OPEN, Vol. 2« liefert Sofia DeMasi. Ihre Vocals sind nicht nur brutal, sondern variabel genug, um den vier Songs jeweils ein eigenes Gesicht zu geben. Tiefe Growls, giftige Screams, gepresste Raserei, kontrollierter Wahnsinn: DeMasi steht nicht vor der Soundwand, sie ist ein Teil davon. Gerade in einem Genre, das stark von vokaler Extremleistung lebt, ist das ein klarer Pluspunkt. Hier wird nicht einfach ins Mikro geprügelt, hier wird mit Druck, Textur und Ausdruck gearbeitet.

»The Way Things Should End« ist der zentrale Nackenschlag der EP. Der Song bringt mehr Tempo, mehr Vorwärtsdrang und eine fast filmische Brutalität mit. Kein Wunder, dass gerade diese Nummer als Single und Video funktioniert: Sie hat den nötigen Wiedererkennungswert, ohne den Dreck von den Stiefeln zu wischen. Das Riffing ist giftig, der Groove trifft schnell, und die Breaks wirken so gesetzt, dass live vermutlich niemand lange darüber nachdenkt, ob der Boden rutschfest ist. Wer hier im Pit steht, unterschreibt stillschweigend die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des blauen Flecks.

Inhaltlich wirkt die Nummer wie ein wütender Kommentar auf Macht, Gewalt, Gier und den Punkt, an dem bloßes Erdulden zur Mitschuld wird. Das passt zum Gesamtbild der EP: Torn Open verpacken ihren Deathcore nicht als reine Splatter-Show, auch wenn die Ästhetik blutig und bewusst überzogen ist. Unter der Oberfläche steckt eine klare Wut auf Zustände, die nicht mit hübschen Worten wegmoderiert werden. Das macht die Musik nicht subtiler, aber relevanter. Man muss diese Form der Direktheit mögen, aber man kann ihr kaum vorwerfen, keine Haltung zu haben.

GROOVE, CHUGS UND MYSPACE-GEISTER

Musikalisch erinnert »TORN THE FUCK OPEN, Vol. 2« an jene Zeit, in der Deathcore noch mehr nach verschwitzten kleinen Clubs, schlecht belüfteten Jugendzentren und Layouts mit schwarzem Hintergrund klang. Gleichzeitig ist die EP keine bloße Nostalgie-Übung. Torn Open greifen die DNA dieses Sounds auf, ziehen sie aber durch eine modernere Produktion und mehr rhythmische Schärfe. Die Gitarren sägen und stampfen, der Bass von Canaan Sharon verdichtet das Fundament, und Michael Karnage treibt das Ganze mit Drumming an, das zwischen Blast-Attacken, Groove-Druck und Breakdown-Mathematik souverän pendelt.

»…And So We Rise« beendet die EP mit dem Gefühl, dass Torn Open nicht auslaufen, sondern die Tür noch einmal aus dem Rahmen treten wollen. Der Track bündelt viele Stärken der Veröffentlichung: düstere Atmosphäre, wuchtige Rhythmik, finstere Vocals und diesen ständigen Wechsel aus Druckaufbau und Entladung. Besonders die Schlussphase setzt noch einmal ein Ausrufezeichen. Das ist kein episches Finale im klassischen Sinne, sondern eher der Moment, in dem nach dem Abriss jemand den Schutt betrachtet und feststellt: Ja, das war Absicht.

Die Produktion von Anthony Sallustio trifft dabei einen sehr brauchbaren Punkt zwischen Schmutz und Klarheit. Der Sound ist nicht steril, nicht glattgebügelt und nicht auf maximale Plastikbrutalität gezüchtet. Trotzdem bleiben die Instrumente unterscheidbar. Die Gitarren haben Biss, die Drums drücken, die Vocals stehen weit vorne, und der Bass verschwindet nicht komplett in der Wand. Gerade bei einer EP, die so sehr von kurzen, konzentrierten Einschlägen lebt, ist das entscheidend. Jeder Song muss sofort treffen. Viel Zeit für atmosphärische Seitenstraßen gibt es nicht.

FAZIT:

»TORN THE FUCK OPEN, Vol. 2« ist ein kurzer, hässlicher und verdammt wirksamer Deathcore-Brocken. Torn Open klingen brutaler, fokussierter und selbstsicherer als auf dem ersten Teil, ohne sich dabei in unnötiger Modernisierung zu verlieren. Die EP setzt auf Groove, Chugs, fiese Vocals, präzise Breakdowns und eine blutige Direktheit, die wunderbar zum Titel passt.

TORN THE FUCK OPEN, Vol. 2 Album Stream:

Internet

Torn Open - TORN THE FUCK OPEN, Vol. 2 - EP Review

Pinch Black – Dystopian Times

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Pinch Black - Dystopian Times - cover artwork
Pinch Black - Dystopian Times - cover artwork

Band: Pinch Black 🇩🇪
Titel: Dystopian Times
Label: Eigenproduktion
VÖ: 01.10.2025
Format: Digital / Limited Vinyl CD Edition
Genre: Epic Death Metal / Melodic Death Metal / Death Metal

Tracklist

01. The Duel
02. Monsters
03. The Reaper
04. Ghoul
05. Necromancer
06. Shadows
07. Skinwalker
08. Whales In The Clouds

Besetzung

Burkhard – Gesang
Laura – Gitarre
Janine – Gitarre
Stephan – Bass
Rafael – Schlagzeug

Bewertung:

4,5 von 5 Punkten

Dämonen, Albträume, Apokalypse – auf diesen drei Säulen errichten Pinch Black ihr aktuelles Werk »Dystopian Times«. Seit ihrer Gründung 2018 in Mainz steht die Band für epischen Death Metal, der ebenso technisch präzise wie emotional aufgeladen wirkt. Mit diesem Album legen Burkhard, Laura, Janine, Stephan und Rafael nun ein wuchtiges Statement vor, das nicht lange höflich anklopft, sondern direkt mit der Schulter durch die Tür geht. Deutsche Eigenproduktion? Ja. Aber eine, die international nicht verschämt im Keller stehen muss. Eher eine, die den Keller gleich mit brennenden Fackeln ausleuchtet.

(Hört hier »Dystopian Times« von Pinch Black)

WENN DUNKELHEIT FORM ANNIMMT

Schon der Opener »The Duel« zeigt, wie souverän Pinch Black zwischen Atmosphäre und Aggression balancieren. Die Gitarren von Laura und Janine sägen messerscharf durch den Song, bleiben dabei aber melodisch genug, um nicht nur stumpf Beton zu zerkleinern. Rafael zimmert am Schlagzeug ein rhythmisches Fundament, das nicht bloß antreibt, sondern regelrecht nach vorne peitscht. Darüber thronen Burkhards Growls wie eine dämonische Durchsage aus der Unterwelt. Kein freundliches „Bitte einsteigen“, eher ein „Zu spät, die Türen sind bereits verriegelt“.

Inhaltlich steht »The Duel« sinnbildlich für den inneren Krieg. Zwei Kräfte prallen aufeinander, Licht und Schatten, Schuld und Vergeltung, Kontrolle und Vernichtung. Die Bildsprache wirkt bewusst überhöht, fast wie ein düsterer Western aus der Hölle, nur eben mit deutlich mehr Death-Metal-Druck. Genau das passt zu »Dystopian Times«: Das Album erzählt keine kleinen Alltagssorgen, sondern zieht seine Motive groß, finster und apokalyptisch auf.

Mit »Monsters« tauchen Pinch Black tiefer in das Reich der Angst ein. Der Song wirkt wie ein musikalischer Blick unter das Bett, nur dass dort keine harmlose Kindheitsfantasie wartet, sondern ein ganzes Schattenkabinett die Krallen wetzt. Die Lyrics behandeln Albtraumbilder, innere Panik und das Gefühl, dass die eigenen Dämonen nicht vor der Tür stehen, sondern längst im Raum sind. Musikalisch kombinieren Pinch Black rasante Attacken mit unheilvoller Atmosphäre, ohne den Song zu überladen. Das ist Death Metal mit Schauwert, aber nicht mit Plastikspuk aus dem Ramschregal.

VON SCHATTEN, TOD UND WIEDERGÄNGERN

»The Reaper« führt die düstere Linie konsequent weiter. Der Tod erscheint hier nicht als schneller Schockmoment, sondern als unausweichliche Präsenz, die Schritt für Schritt näherkommt. Nebel, Stimmen, Kälte und Orientierungslosigkeit prägen die lyrische Szenerie. Das Stück wirkt dadurch weniger wie ein reiner Abriss, sondern eher wie eine Verfolgungsszene in Zeitlupe. Die Band nutzt diese Atmosphäre klug: Statt permanent Vollgas zu geben, entsteht Spannung aus Druck, Erwartung und drohender Schwere.

»Ghoul« gehört anschließend zu den Songs, in denen Pinch Black ihren erzählerischen Ansatz besonders stark ausspielen. Alte Ruinen, Gräber, Nacht, ein namenloses Wesen – der Text bewegt sich tief im klassischen Horrorbereich, aber die musikalische Umsetzung verhindert, dass das Ganze zur billigen Geisterbahn wird. Der Song ist wuchtig, schleppend und zugleich dynamisch genug, um nicht in reiner Atmosphäre zu versacken. Stephans Bassarbeit sorgt dabei für das nötige Fundament, während die Gitarren melodische Linien über die Dunkelheit ziehen.

Mit »Necromancer« wird es beschwörend. Die Nummer wirkt wie ein Ritual, das lieber nicht im Wohnzimmer stattfinden sollte, außer man hat vorher die Haftpflichtversicherung geprüft. Inhaltlich kreist der Song um Macht über Tod, Wiederkehr und den Versuch, Grenzen zu überschreiten, die vielleicht aus gutem Grund existieren. Musikalisch greifen hier Rhythmik, Gitarren und Vocals besonders geschlossen ineinander. Die Band klingt nicht wie fünf Einzelkämpfer, sondern wie eine Einheit, die genau weiß, wann sie zuschlagen und wann sie die Atmosphäre atmen lassen muss.

MYTHOS, BESTIEN UND DAS GROSSE ENDE

»Shadows« schlägt dann stärker in Richtung düsterer Zwischenwelt aus. Schatten sind hier nicht nur Kulisse, sondern fast eigene Figuren. Der Song trägt eine schwerere, melancholischere Note und zeigt, dass Pinch Black nicht nur über Härte funktionieren. Gerade die melodischen Anteile geben dem Album Tiefe. Man merkt, dass die Band ihre Epic-Death-Metal-Selbstbeschreibung nicht als leere Schublade nutzt. Diese Epik entsteht nicht durch Bombast um jeden Preis, sondern durch Aufbau, Dynamik und eine klare Vorstellung davon, wie Dunkelheit klingen soll.

»Skinwalker« bringt anschließend die mythische Seite des Albums nach vorne. Verwandlung, Verfolgung, fremde Haut, fremde Gestalt – der Song spielt mit Motiven aus Legende und Horror, ohne sich in reiner Gruselromantik zu verlieren. Besonders stark ist die Verbindung aus aggressiver Rhythmik und melodischer Gitarrenarbeit. Hier klingt die Band kompakt, bissig und fokussiert. Das Stück hat genug Härte für die Nackenmuskulatur und genug Atmosphäre, um mehr zu sein als bloßer Death-Metal-Motorbetrieb.

Der finale Track »Whales In The Clouds« ist schließlich der ungewöhnlichste und vielleicht eindrucksvollste Abschluss dieses Albums. Schon der Titel klingt, als hätte jemand einen apokalyptischen Traum mit einem Naturwunder gekreuzt. Musikalisch öffnet sich der Song stärker, arbeitet mit atmosphärischen Passagen und einem Gefühl von Weite, das nach all den Monstern, Dämonen und Todesbildern beinahe spirituell wirkt. Es ist kein versöhnliches Ende im klassischen Sinne, aber eines, das den Blick hebt. Chaos, Untergang und eine Art schwermetallische Erlösung liegen hier dicht beieinander.

KLANG, PRODUKTION UND WIRKUNG

Produktionstechnisch macht »Dystopian Times« einen beeindruckend starken Eindruck. Die Gitarren stehen breit und scharf im Mix, das Schlagzeug drückt mit ordentlich Wucht, der Bass hält das Fundament zusammen, und die Vocals sitzen genau dort, wo sie hingehören: vorne, tief, bedrohlich und mit genug Autorität, um schwächere Lautsprecher nervös werden zu lassen. Das Album klingt nicht nach glattpolierter Hochglanzware, aber auch nicht nach Proberaum-Ausrede. Es hat Druck, Klarheit und genug Dreck unter den Fingernägeln.

Was besonders auffällt, ist die Geschlossenheit. Pinch Black liefern acht Songs, die thematisch und musikalisch zusammenpassen, ohne wie ein einziger langer Song zu wirken. Dämonen, Albträume, Tod, Beschwörung, Schatten, Bestien und apokalyptische Weite greifen ineinander. Gleichzeitig bleibt die Platte kompakt genug, um nicht in ausuferndem Konzeptnebel zu verschwinden. Knapp über eine halbe Stunde Laufzeit ist hier ein Vorteil: Kein überflüssiges Fett, keine unnötigen Umwege, kein Interlude, das klingt, als hätte jemand versehentlich den Kühlschrank aufgenommen.

Natürlich erfinden Pinch Black den Death Metal nicht neu. Einige Motive sind genretypisch, und wer ausschließlich nach völlig abseitigen Experimenten sucht, wird hier keine Avantgarde-Oper über rostende Mondkrater finden. Aber darum geht es auch nicht. »Dystopian Times« überzeugt, weil es seine Stärken kennt: massive Vocals, präzise Gitarren, druckvolle Drums, melodische Dunkelheit und ein klares Gespür für Atmosphäre. Das ist kein Album, das sich im Feuilleton einschleimen will. Es will drücken, reißen, erzählen und den Hörer mit finsterer Wucht durch seine Welt ziehen.

FAZIT:

»Dystopian Times« ist ein starkes, kompaktes und beeindruckend druckvolles Death-Metal-Album, das technische Präzision mit erzählerischer Dunkelheit verbindet. Pinch Black zeigen, dass Epik und Brutalität hervorragend zusammengehen können, wenn man beides nicht als Selbstzweck versteht. Die Band setzt auf klare Songstrukturen, wuchtige Produktion und eine Atmosphäre, die konsequent zwischen Dämonenwelt, Alptraumkino und Endzeitlandschaft pendelt.

Besonders »The Duel«, »Monsters«, »Ghoul«, »Necromancer«, »Skinwalker« und »Whales In The Clouds« zeigen, wie gut diese Mischung funktioniert. Die Platte hat Härte, Melodie, Konzept und genug Eigenständigkeit, um im modernen Death-Metal-Feld nicht unterzugehen. Kleine Abzüge gibt es höchstens dafür, dass manche Motive bewusst klassisch bleiben und die Band ihre ganz eigene Handschrift in Zukunft noch mutiger nach vorne stellen könnte.

Unterm Strich ist »Dystopian Times« aber ein Album, das Kopf und Bauch gleichermaßen anspricht. Es ist technisch sauber, emotional aufgeladen und atmosphärisch dicht. Mainz mag auf der Metal-Weltkarte nicht immer als erstes genannt werden, aber Pinch Black setzen hier einen verdammt schweren Marker. Wer epischen Death Metal mit dämonischer Stimme, melodischer Gitarrenarbeit und apokalyptischem Flair sucht, sollte diese Dystopie definitiv betreten.

Dystopian Times Album Stream:

Internet

Pinch Black - Dystopian Times - CD Review

TRELLDOM – …by the word…

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cover artwork TRELLDOM …by the word…
cover artwork TRELLDOM …by the word…

Band: TRELLDOM 🇳🇴
Titel: …by the word…
Label: Prophecy Productions
VÖ: 29/05/26
Genre: Avant-garde Black Metal

Tracklist

01. When This Was Young
02. I Speak Forgotten Voices
03. This Moment The Life Of A Memory
04. By The Word
05. Folding The Mind
06. The Word – Choose To Vanish
07. In There Outside

Besetzung

Kristian Eivind Espedal – Vocals
Stian Kårstad – Guitars, Electronics
Kenneth Kapstad – Drums
Eirik Øien – Bass
Kjetil Møster – Saxophone, Clarinet, Organ, Electronics

Bewertung:

4,5/5

Die kultige, aber auch polarisierende Band TRELLDOM kehrt mit ihrem neuen Album „…by the word…“ zurück, dem fünften Teil ihres vor langer Zeit angekündigten Sieben-Alben-Werks, einer Reise, die vor mehr als 30 Jahren begonnen hat. Von vielen geschätzt, von den meisten ignoriert wegen ihres zu hermetischen Sounds, von anderen wiederum abgelehnt – eine Band, die mit ihrem hochkomplexen und unangepassten Zugang zum Black Metal bei jedem Hörer eine Reaktion hervorruft.

Dissonante Klanglandschaften

Ein sehr atmosphärischer Beginn, genau der musikalische Stil, den man von einem TRELLDOM-Album erwartet. Der Opener „When This Was Young“ arbeitet mit dissonanten und ziemlich disharmonischen Akkorden, viele Instrumente spielen unterschiedliche Melodien gleichzeitig und erschaffen dadurch eine kakophonische Klanglandschaft. Doch all das wird strukturierter, sobald der Gesang einsetzt, ohne dass der experimentelle Charakter verloren geht. Nicht unbedingt der Black Metal, den man sich darunter klassisch vorstellt, aber ganz klar eine Fortsetzung des Sounds der vorherigen Alben. Gesprochene Vocals, eher dezent im Klangbild, aber mit leidenschaftlich rezitierten Texten, die dem ohnehin hoffnungslosen Grundton noch eine weitere Ebene hinzufügen. Ein guter Opener.

TRELLDOM wurden 1992 als Nebenprojekt von Kristian Eivind Espedal – besser bekannt als Gaahl – gegründet. Bekannt aus anderen Projekten wie ex-Gorgoroth, ex-Wardruna, Gaahls Wyrd, Gaahlskagg, Sigfader oder ex-God Seed, ist er eine sehr markante Persönlichkeit des norwegischen Black Metal und Kopf wie Seele der Band. An seiner Seite der langjährige Weggefährte Stian Kårstad (ex-God Seed, ex-Gaahls Wyrd, ex-Myrkur (live), ex-Gorgoroth (live)) an Gitarre und mittlerweile auch Electronics, dazu die neueren Mitglieder Kenneth Kapstad (Goat the Head, Thorns, ex-Ihsahn (live), ex-God Seed) am Schlagzeug, Eirik Øien am Bass sowie Kjetil Møster an Saxophon, Klarinette, Orgel und Electronics.

Die dissonanten Akkorde setzen sich auch in „I Speak Forgotten Voices“ fort, diesmal schaffen Blasinstrumente ein verstörendes Fundament für einen rhythmisch stärkeren Song, erneut mit leidenschaftlichen und dramatischen Vocals, aber deutlich klarerer Instrumentierung. Die Gitarren kommen dem Black Metal hier näher als jemals zuvor auf älteren Songs der Band. Dennoch löst sich der Sound wieder in viele verschiedene Richtungen auf – ein wahrhaft avantgardistischer Track, aber ein sehr guter Song.

Vielschichtige Klangverschiebungen

Die Produktion ist ausgezeichnet, wie es auch nötig ist, um die enorme Komplexität der Musik überhaupt einfangen zu können. Permanente Wechsel im dominierenden Klangbild, dabei aber immer nah an der musikalischen Vision und den Kompositionen der Band. Ein ausgewogener Sound zwischen Dissonanz und Melodie, ebenso zwischen allen Instrumenten. Dynamisch im Klang, mal klar, mal roh – genau so, wie die Musik es verlangt. Eine sehr professionelle Arbeit.

Sehr aggressiv im Einstieg, beruhigt sich „This Moment The Life Of A Memory“ plötzlich und bringt mehr Melodie ins Spiel. Wieder sorgen die Blasinstrumente für den nervösen, unruhigen Gegenpol, meistens eher inkohärente Klänge. Doch genau dieser Kontrast funktioniert hervorragend mit der klaren melodischen Linie, die sich darüberlegt. Im Kern ein melodischer Song, langsam im Rhythmus und mit vielschichtiger Komposition.

Der Titelsong „By The Word“ verändert die Klanglandschaft erneut, diesmal stärker in Richtung Progressive Metal. Cleane Vocals, beeindruckendes Schlagzeug, ein polyrhythmischer Aufbau und eine vielschichtige Komposition vereinen düstere Momente mit beinahe karnevalesken Passagen. Der Sound entwickelt sich in eine eklektische Richtung, nur um schließlich ruhig und atmosphärisch zu enden.

Auch die folgenden Songs treiben den Sound weiter in unterschiedliche Richtungen. „Folding The Mind“ wirkt dramatisch und theatralisch, besitzt aber erneut eine starke und klare Hauptmelodie. „The Word – Choose To Vanish“ kehrt zunächst zu verstörenden Klängen zurück, bevor alles in einem langsamen, melodischen und atmosphärischen Stück zusammenläuft, voller Dissonanz, mit klug aufgebautem Crescendo und sehr starker Komposition. Ein sehr guter Track.

Der Abschlusssong „In There Outside“ legt den Fokus erneut auf theatralische Vocals, dramatisch vorgetragen und begleitet von noch verstörenderen Saxophonlinien sowie einem lärmenden, fragmentierten Hintergrund. Extrem dissonante Musik, aber ein würdiger Abschluss des Albums, ein weiterer Schritt in neue Richtungen, weniger Black Metal und stärker Avantgarde oder zeitgenössische Musik. Die unheilvolle Atmosphäre steht in gewisser Weise im Gegensatz zum Rest des Albums, doch die gequälten Vocals und verstörenden Geräusche funktionieren hervorragend als letzte Töne dieser Veröffentlichung.

Avantgarde mit klarerer Vision

Ein kohärenteres Werk als die älteren Alben, besser strukturiert und organisierter, mit klarer formulierter musikalischer Vision. Auch wenn die experimentelle oder avantgardistische Seite der Band permanent präsent bleibt, wird sie hier ergänzt durch sensible Melodien ebenso wie durch völlig aggressive Passagen. Ein permanenter Wechsel unterschiedlicher Klangwelten, sehr komplex und über weite Strecken überwältigend.

Verstörend und befremdlich – höchstwahrscheinlich genau der Sound, den Gaahl für sein TRELLDOM-Projekt erschaffen wollte. Gleichzeitig aber auch eine geschlossene musikalische Vision, die sich durch sämtliche Veröffentlichungen der Band zieht. Wahrscheinlich das beste Album der Band bisher, weil die Vision diesmal deutlich klarer Form annimmt, die Kompositionen fokussierter wirken und musikalisch mehr Substanz besitzen. Ein Album, das selbst skeptische Hörer überzeugen dürfte. Ein sehr starkes Werk insgesamt.

Fazit: TRELLDOM liefern mit „…by the word…“ ihr bislang fokussiertestes Werk – verstörend, komplex und voller avantgardistischer Ideen.

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TRELLDOM - …by the word…

SAVAGE MANIA – Demonic Assault

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SAVAGE MANIA - Demonic Assault - cover artwork
SAVAGE MANIA - Demonic Assault - cover artwork

Band: SAVAGE MANIA 🇸🇪
Titel: Demonic Assault
Label: Fireflash Records
VÖ: 15/05/26
Genre: Thrash Metal

Tracklist

01. Intro
02. Undead Rebirth
03. The Face Of Death
04. Master Of Hell
05. Remorse
06. Storm Of Steel
07. Death And Decay
08. Fasttrack
09. Demonic Assault

 

Besetzung

Oliver Rytkönen – Rhythm Guitar & Vocals
Jesper Jönsson – Lead Guitar
Viktor Lundberg – Bass
Viktor Suominen – Drums

 

Bewertung:

4/5

Steigen wir kurz in die Vergangenheit, genauer gesagt in die 1980er Jahre. Eine Ära, in der sich in Deutschland eine rohe, ungezähmte Thrash-Metal-Bewegung formierte, die bis heute nachhallt. Bands wie KREATOR, DESTRUCTION und SODOM setzten damals Maßstäbe und lieferten Veröffentlichungen, die nicht nur eine Szene definierten, sondern ein ganzes Genre prägten. Dieser Geist wirkt bis heute nach, auch weit über die Grenzen Deutschlands hinaus.

In genau diesem Spannungsfeld bewegen sich SAVAGE MANIA, eine 2019 gegründete Band aus Schweden. Das Quartett besteht aus Oliver Rytkönen (Rhythm Guitar, Vocals), Jesper Jönsson (Lead Guitar), Viktor Lundberg (Bass) und Viktor Suominen (Drums). Schon mit ihrem Debütalbum »Demonic Assault« zeigt die Band, dass sie diese klassische Thrash-DNA nicht nur versteht, sondern mit eigener Energie auflädt.

Sound zwischen Tradition und Frontalangriff

»Demonic Assault« wirkt wie ein bewusst gesetzter Rückgriff auf die frühen Tage des Thrash-Metal, ohne dabei wie ein bloßes Retro-Projekt zu klingen. Die Produktion ist roh genug, um die Kante zu behalten, aber klar genug, um die einzelnen Instrumente nicht im Chaos untergehen zu lassen.

Schon der Einstieg mit dem Intro setzt eine düstere Atmosphäre, die direkt in »Undead Rebirth« übergeht. Hier wird schnell klar, worauf SAVAGE MANIA abzielen! Tempo, Aggression und ein ungebremster Spielfluss, der sich selten Zeit zum Durchatmen nimmt. Rytkönens Vocals bleiben dabei rau und direkt, ohne unnötige Experimente, eher im klassischen Thrash-Spirit verwurzelt.

»The Face Of Death« und »Master Of Hell« treiben diese Linie konsequent weiter. Besonders auffällig ist das Zusammenspiel zwischen Jesper Jönssons Leadgitarren und dem rhythmischen Fundament der anderen Instrumente. Die Soli sind nicht überladen, sondern setzen gezielte Akzente, die den Songs zusätzliche Dynamik geben.

Zwischen Raserei und Struktur

Ein interessanter Aspekt des Albums ist die Balance zwischen Geschwindigkeit und kontrollierter Struktur. Tracks wie »Storm Of Steel« und »Fasttrack« setzen klar auf Tempo und erinnern an die ungebremste Energie früher Genreklassiker. Gleichzeitig gelingt es der Band, die Songs nicht in reine Raserei kippen zu lassen.

»Remorse« bietet einen kurzen Moment der Abwechslung, ohne die Grundstimmung zu verlassen. Hier zeigt sich, dass SAVAGE MANIA nicht nur auf Geschwindigkeit setzt, sondern auch ein Gespür für Spannungsaufbau entwickelt hat.

Der Bass von Viktor Lundberg bleibt dabei oft im Hintergrund, erfüllt aber eine stabile, tragende Rolle, während Drummer Viktor Suominen mit präzisem, druckvollem Spiel die Richtung vorgibt. Besonders in »Death And Decay« wird deutlich, wie eng Rhythmusarbeit und Gitarrenarbeit miteinander verzahnt sind.

Der Titeltrack als Kernstück

Mit »Demonic Assault« liefert die Band den längsten und vielleicht auch ambitioniertesten Song des Albums. Hier bündeln sich die bisherigen Elemente noch einmal stärker. Wechselnde Tempi, markante Riffs und ein dunkler Grundton machen den Track zu einem zentralen Punkt der Platte.

Es ist kein überproduzierter Höhepunkt, sondern eher ein konsequenter Abschluss einer durchgehend aggressiven Reise. Die Band zeigt hier, dass sie auch längere Spannungsbögen tragen kann, ohne an Intensität zu verlieren.

SAVAGE MANIA liefern mit »Demonic Assault« ein Debütalbum ab, das sich klar in der Tradition des klassischen Thrash-Metal verortet, dabei aber nicht wie ein bloßes Zitat wirkt. Die Band versteht es, den Geist der 80er Jahre aufzunehmen und in eine moderne, rohe und dennoch strukturierte Form zu bringen.

Natürlich bewegt sich das Album stilistisch auf bekannten Pfaden. Überraschungen im großen Stil bleiben aus. Genau das ist aber auch Teil des Konzepts. Statt Innovation um jeden Preis gibt es hier ehrliche, direkte und energiegeladene Musik, die ihre Wirkung vor allem über Intensität entfaltet.

Mit einer Bewertung von 4 von 5 Punkten ist »Demonic Assault« ein starkes Debüt, das vor allem Fans klassischer Thrash-Schulen ansprechen dürfte. Wer die alten Tage von KREATOR, DESTRUCTION oder SODOM schätzt, wird hier viele vertraute Momente finden, ohne dass es sich nach bloßer Kopie anfühlt.

Fazit: Mit »Demonic Assault« setzen SAVAGE MANIA ein starkes Zeichen im Thrash-Metal-Bereich.

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SAVAGE MANIA - Demonic Assault - CD Review

Fyrdsman – The Free Man

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Fyrdsman - The Free Man - cover artwork
Fyrdsman - The Free Man - cover artwork

Band: Fyrdsman 🇬🇧
Titel: The Free Man
Label: Self-Released
VÖ: 01.05.2026
Format: Digital / CD
Genre: Atmospheric Black Metal / Progressive Black Metal / Black Metal

Tracklist

01. The Green Men
02. Sacred Water
03. Dispossession
04. The Forger
05. Wither
06. Exile
07. Uhtceare
08. The Free Man

Besetzung

Tim Shaw – Gesang, E-Gitarre, Akustikgitarre, Bass, Keys / Programming
Ian Finley – Schlagzeug, Percussion

Weitere Credits:
Greg Chandler – Drum- und Akustikgitarren-Aufnahmen, Re-Amping, Mixing / Priory Studios, Sutton Coldfield
Calum Wotherspoon – Clean-Vocal-Aufnahmen / Joe’s Garage, Bristol
Chris Taylor & Jake Boughton – Harsh-Vocal-Aufnahmen / Noiseboy Studios, Salford
Mark Mynett – Mastering / Mynetaur Productions, Manchester
Dan Capp – Artwork & Layout
Phil Robinson – Logo
Andrew Helps – Fotografie

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Es gibt Alben, die bereits mit ihrem Artwork einfach nur Neugierde wecken. Doch wie Omma bereits sagte: Beurteile ein Buch nicht nach seinem Einband… Mit »The Free Man« melden sich Fyrdsman nicht einfach nur aus der Versenkung zurück, sondern steigen wie ein rußverschmierter Geist aus dem englischen Frühmittelalter aus dem Nebel. Nach »Omen In The Sky« aus dem Jahr 2013 hat sich Tim Shaw reichlich Zeit gelassen. Andere Bands veröffentlichen in dieser Zeit drei Alben, zwei Liveplatten, eine akustische EP und ein fragwürdiges Weihnachtscover. Fyrdsman hingegen haben offenbar erst einmal tief in Erde, Geschichte, Folklore und inneren Abgründen gewühlt – und kommen nun mit einem Album zurück, das nicht nur Black Metal spielen will, sondern eine Erzählung atmen soll.

Inhaltlich führt »The Free Man« in das England nach 1066. Also in eine Zeit, in der Freiheit nicht gerade wie ein gemütlicher Sonntagsspaziergang klang, sondern eher wie Schlamm, Blut, Verlust, Ohnmacht und der unangenehme Gedanke, dass der neue Chef im Land leider mit Schwert, Herrschaftsanspruch und schlechter Laune angereist ist. Erzählt wird aus der Perspektive eines Rebellen, der Terror, Entfremdung, Verlust und Rachedurst durchlebt, angetrieben von Visionen und Erscheinungen. Klingt nicht nach Gute-Laune-Grillparty, passt aber hervorragend zu einem Album, das seine Atmosphäre nicht aus Plastiknebel zieht, sondern aus historischer Schwere und emotionalem Druck.

(Hört hier »The Free Man« von Fyrdsman)

Der Opener »The Green Men« fällt nicht einfach so mit der Tür ins Haus, sondern begrüßt den Konsumenten mit dem Gefühl, dass im Wald etwas uraltes die Augen aufschlägt. Der Song beginnt atmosphärisch, lässt sich Zeit und baut dann jene Mischung aus melodischem Black Metal, rauer Stimme und organischer Erdigkeit auf, die »The Free Man« prägen wird. Dabei geht es Fyrdsman nicht um stumpfes Geknüppel im Dauerfrostmodus. Die Musik hat Wurzeln, Moos an den Stiefeln und genug Melodie, um nicht bloß als Kerkerhalllenden Schall durchgehen.

Besonders auffällig ist, wie stark das Album von Kontrasten lebt. Die harschen Vocals kratzen ordentlich am Gemäuer, die Gitarren können schneidend und wuchtig sein, doch darunter liegt immer wieder ein melodisches Fundament, das weniger nach kaltem Keller und mehr nach weiter, grauer Landschaft klingt. »The Green Men« ist damit ein sehr passender Einstieg: nicht sofort spektakulär, aber stimmungsvoll, griffig und mit genügend Substanz, um klarzumachen, dass hier kein 08/15-Schwarzmetall von der Stange kommt.

WENN GESCHICHTE NICHT IM MUSEUM VERSTAUBT

Mit »Sacred Water« vertiefen Fyrdsman diesen Ansatz. Der Song wirkt spiritueller, beschwörender und trägt eine fast rituelle Schwere in sich. Hier zeigt sich eine der größten Stärken des Albums: Es klingt nicht so, als hätte jemand einfach ein paar historische Begriffe über Standard-Black-Metal-Riffs gekippt. Die Musik versucht tatsächlich, diese Welt greifbar zu machen. Man hört Schlamm, Angst, Erinnerung und Trotz. Oder zumindest genug davon, dass man kurz überlegen könnte, ob die Steuererklärung unter normannischer Besatzung vielleicht doch noch unangenehmer gewesen wäre als heute.

»Dispossession« packt das Thema Verlust bereits im Titel an der Kehle. Enteignung, Entwurzelung, das Gefühl, dass einem Heimat, Stand und Zukunft aus den Händen gerissen werden – all das steht hier musikalisch im Raum. Die Nummer wirkt härter und drängender, ohne den atmosphärischen Faden zu verlieren. Die Gitarren schieben, das Schlagzeug von Ian Finley bringt die nötige physische Wucht, und Tim Shaw klingt nicht wie ein distanzierter Erzähler, sondern wie jemand, der den Dreck noch zwischen den Zähnen hat.

Genau an solchen Stellen funktioniert »The Free Man« am besten. Der historische Hintergrund bleibt nicht bloße Dekoration, sondern wird zum emotionalen Motor. Man muss keine Dissertation über angelsächsischen Widerstand geschrieben haben, um diese Songs zu verstehen. Es reicht, das Gefühl von Verlust und Aufbegehren zu kennen. Und falls man es nicht kennt, stellt einem das Album sehr freundlich eine brennende Fackel in die Hand und zeigt auf den nächsten Hügel.

DER SCHMIED IM NEBEL

Mit »The Forger« steht einer der zentralen Songs des Albums im Mittelpunkt. Die Nummer beginnt mit einem starken atmosphärischen Aufbau, bevor sich die Black-Metal-Kraft langsam Bahn bricht. Das Stück wirkt weniger wie ein klassischer Einzeltrack als wie ein Kapitel innerhalb einer größeren Erzählung. Gerade hier merkt man, dass Fyrdsman nicht nur Riffs aneinanderkleben, sondern Stimmungen verschieben wollen: ruhigere Passagen, melodische Linien, eruptive Ausbrüche und erzählerische Spannung greifen ineinander.

Dass der Song nicht immer sofort auf den Punkt kommt, ist zugleich Stärke und kleine Schwäche. Wer ausschließlich nach direkter Raserei sucht, könnte hier kurz ungeduldig mit dem Kettenhemd rascheln. Wer aber atmosphärischen und progressiven Black Metal mag, bekommt mit »The Forger« einen der spannendsten Momente der Platte. Der Song schmiedet seine Wirkung nicht mit einem Hammerschlag, sondern mit mehreren – und ja, dieses Bild lag so dermaßen offen herum, dass man es kaum liegen lassen konnte.

»Wither« setzt anschließend stärker auf dunkle Melodik und eine fast kränkliche Schönheit. Der Song hat etwas Verdorrtes, Abgekämpftes und zugleich Würdevolles. Besonders die cleaneren Gesangsmomente sorgen für Farbe im ansonsten rauen Gefüge. Hier zeigt sich, dass Fyrdsman nicht einfach nur zwischen laut und leise wechseln, sondern tatsächlich unterschiedliche emotionale Zustände ausformen. Das ist kein Black Metal, der nur böse schaut, weil er morgens seine Stachelhalsbänder nicht gefunden hat. Das hier trägt Trauer, Wut und Melancholie unter der Rüstung.

EXIL, ERSCHÖPFUNG UND EIN LANGER WEG DURCH DIE NACHT

Der längste Song des Albums ist »Exile«, und er nutzt seine über neun Minuten nicht für bloße Angeberei. Die Nummer ist weit angelegt, nimmt sich Raum und führt durch mehrere Stimmungen. Mal öffnet sich der Sound, mal zieht er sich wieder zusammen, mal wirkt das Ganze beinahe hymnisch, dann wieder schwer und bedrückend. Die progressiven Anteile treten hier besonders deutlich hervor. Fyrdsman beweisen, dass lange Songs im Black Metal nicht zwangsläufig klingen müssen wie ein Riff, das vergessen hat, wo der Ausgang ist.

Trotzdem ist »Exile« auch der Punkt, an dem das Album seine Hörer stärker fordert. Die Atmosphäre ist stark, die Komposition ambitioniert, aber man muss bereit sein, sich auf diesen langen Marsch einzulassen. Wer bei Black Metal vor allem sofortige Kälte, Geschwindigkeit und Hass im praktischen Kompaktformat sucht, wird hier vielleicht nervös auf die Uhr schauen. Wer dagegen gerne in ein Album hineinfällt, statt nur daran vorbeizurennen, bekommt einen der wichtigsten Songs der Platte.

Nach diesem massiven Brocken wirkt »Uhtceare« fast wie ein bewusst gesetzter Atemzug. Das kurze Instrumental nimmt die Aggression zurück und setzt auf Klavierstimmung, Nachhall und eine eigentümliche Traurigkeit. Der Titel bezeichnet sinngemäß jene Sorge oder Angst vor dem Morgengrauen, wenn man wachliegt und der Kopf Dinge tut, für die man ihn eigentlich kündigen müsste. Genau so klingt das Stück auch: wie eine Zwischenwelt zwischen Schlaf, Erinnerung und der unangenehmen Erkenntnis, dass draußen noch immer Geschichte passiert. Es ist ein kurzer, aber wichtiger Moment, weil das Album hier nicht nur kämpft, sondern innehält.

DER FREIE MANN UND DER PREIS DER FREIHEIT

Der abschließende Titelsong »The Free Man« führt die Platte zurück in dunklere Regionen. Hier laufen die zentralen Motive noch einmal zusammen: Widerstand, Verlust, Trotz, Zorn und die Frage, was Freiheit eigentlich wert ist, wenn man sie nur noch als Erinnerung oder Sehnsucht besitzt. Musikalisch ist der Song nicht der spektakulärste Moment des Albums, aber ein würdiger Abschluss. Er hat Schwere, Dramatik und genug melodische Substanz, um nicht einfach nur als letzter Schlag auf den Amboss zu verpuffen.

Produktionstechnisch klingt »The Free Man« angenehm organisch. Der Sound ist nicht klinisch glatt, aber auch nicht künstlich roh auf alt getrimmt. Die Gitarren haben Druck, der Bass bleibt hörbar, die Drums wirken kräftig und lebendig, und die atmosphärischen Elemente bekommen Raum, ohne das Album in Watte zu packen. Gerade im Bereich des Atmospheric Black Metal ist das keine Selbstverständlichkeit. Manchmal werden solche Platten entweder zu verwaschen oder zu steril. Fyrdsman finden hier einen guten Mittelweg: erdig, klar genug, aber mit genügend herrlicher Ungeschöntheit.

Was dem Album besonders zugutekommt, ist die erzählerische Geschlossenheit. »The Free Man« fühlt sich nicht wie eine lose Sammlung von Songs an, sondern wie ein zusammenhängender Weg durch eine beschädigte Landschaft. Die Songs greifen thematisch ineinander, und die musikalischen Wechsel zwischen Härte, Melodie, Folk-Nähe, progressiver Struktur und atmosphärischer Breite wirken überwiegend sinnvoll. Das ist kein Album für den schnellen Snack zwischendurch. Das ist eher ein dunkler Eintopf aus Geschichte, Wut und Wetter. Macht satt, liegt aber auch ein bisschen schwer im Magen.

MEHR ALS GENREPFLICHT

»The Free Man« ist stark, weil es mehr will als nur Genrepflichten erfüllen. Fyrdsman verbinden Black-Metal-Aggression mit Melodie, Historienbewusstsein und einer organischen Atmosphäre, die tatsächlich nach Herkunft, Landschaft und innerem Konflikt klingt. Die besten Momente entstehen dort, wo Härte und Erzählung ineinandergreifen: »The Green Men«, »The Forger«, »Wither« und vor allem »Exile« zeigen, wie wirkungsvoll dieser Ansatz sein kann.

Ganz makellos ist das Album allerdings nicht. Einige Passagen verlangen Geduld, und nicht jeder Song brennt sich sofort ein. Wer klare Hooks oder direkte Black-Metal-Abrissbirnen erwartet, muss sich an die ausführlichere Dramaturgie gewöhnen. Manchmal wirkt »The Free Man« eher wie ein düsteres Kapitelbuch als wie eine klassische Metalplatte. Das ist grundsätzlich spannend, kann aber punktuell auch etwas sperrig wirken. Der freie Mann ist hier eben kein Entertainer mit Feuerwerk, sondern ein angeschlagener Rebell mit Visionen, Rachegedanken und vermutlich sehr nassen Schuhen.

FAZIT:

»The Free Man« ist ein atmosphärisch dichter, musikalisch reifer und erzählerisch überzeugender Rückkehrschlag von Fyrdsman. Tim Shaw nimmt den Hörer mit in ein post-1066-England voller Verlust, Widerstand, Geisterbilder und innerer Zerrissenheit. Das Album klingt dabei nicht nach Mittelaltermarkt mit Blastbeats, sondern nach ernsthaft geformtem Atmospheric / Progressive Black Metal, der seine historischen Motive glaubwürdig in Musik übersetzt.

Die Platte lebt von starken Melodien, organischem Klang, gut gesetzten Kontrasten und einer Atmosphäre, die lange nachhallt. Besonders »The Forger«, »Wither«, »Exile« und »The Free Man« zeigen, dass hier nicht nur Schwarzmetall geschmiedet, sondern tatsächlich eine Geschichte erzählt wird. Kleine Abzüge gibt es für einige etwas langgezogene Momente und dafür, dass nicht jeder Song sofort denselben Griff an die Kehle findet.

Unterm Strich ist »The Free Man« aber ein starkes, charaktervolles und angenehm eigenständiges Album, das Fans von atmosphärischem und progressivem Black Metal dringend auf den Zettel stehen haben sollten. Kein Album für die schnelle Nebenbei-Beschallung, sondern eines für Kopfhörer, Dunkelheit und den Moment, in dem man merkt, dass Geschichte manchmal deutlich lauter nachhallt als ein gewöhnlicher Refrain.

The Free Man Album Stream:

Internet

Fyrdsman - The Free Man - CD Review

Sterbenswille – Asche & Licht

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Sterbenswille - Asche und Licht - cover artwork
Sterbenswille - Asche und Licht - cover artwork

Band: Sterbenswille 🇩🇪
Titel: Asche & Licht
Label: Independent
Herkunft: Altötting, Bayern, Deutschland
VÖ: 15.05.2026
Genre: Post-Black-Metal / Black Metal / Atmospheric Black Metal
Format: Album

Tracklist

01. Verzweiflung
02. Selbstzerstörung
03. Bruchstücke
04. Breath of Silence
05. Depression
06. Zwischen Asche & Licht
07. Asche
08. Dunkelheit feat. Liz von Roxton

Besetzung

G3ist – Vocals
Lukai – Guitar
Rooster – Bass
Andy – Drums
Liz von Roxton – Gastgesang auf Dunkelheit

Bewertung:

4,5 von 5 Punkten

Es gibt Alben, die Dunkelheit nur als Kulisse benutzen. Ein bisschen Schwarz, ein bisschen Nebel, ein paar klirrende Gitarren, fertig ist die ästhetische Finsternis. Sterbenswille machen es sich auf »Asche & Licht« allerdings nicht so bequem. Dieses Album klingt nicht nach dekorativer Schwermut, sondern nach innerem Ausnahmezustand. Nach etwas, das lange gegärt hat, irgendwann aufbricht und sich dann in Gitarren, Schreien, Drums, Stille und atmosphärischer Schwere entlädt.

Mit »Asche & Licht« legt die Formation aus Altötting ein Werk vor, das tief im Black Metal verwurzelt ist, aber nicht sklavisch an dessen alten Mauern kratzt. Stattdessen öffnen Sterbenswille ihren Sound in Richtung Post-Black-Metal, lassen Melancholie zu, setzen auf epische Spannungsbögen und geben den Songs genug Raum, um mehr zu sein als reine Raserei. Genau darin liegt die Klasse dieser Platte: Sie ist heftig, aber nicht stumpf. Sie ist emotional, aber nicht weinerlich. Sie ist finster, aber nicht leer.

Der Titel »Asche & Licht« bringt diesen Gegensatz bereits auf den Punkt. Hier prallen Zerstörung und Hoffnung aufeinander, Verfall und Weiterleben, verbrannte Erde und ein letzter Schein am Horizont. Das Album beschäftigt sich mit Verlust, Depression, Selbstzerstörung, seelischen Brüchen und dem mühsamen Versuch, trotz allem weiterzugehen. Dabei werden diese Themen nicht als platte Elendsromantik ausgeschlachtet. Sterbenswille klingen vielmehr so, als würden sie mit offenen Händen in den eigenen Schutt greifen, um aus den Resten noch irgendeine Form von Wahrheit herauszuziehen.

Besonders deutlich wird das durch den neuen Sänger G3ist. Seine Stimme ist kein bloßes Stilmittel, sondern ein zentrales Element der Wirkung. Er schreit, keift, presst und schleudert die Texte nicht einfach in den Raum, sondern klingt oft, als würde jeder Vers körperlich wehtun. Gleichzeitig funktionieren auch die ruhigeren und klareren Momente, weil sie nicht künstlich versöhnlich wirken. Sie reißen keine romantische Lichterkette in die Dunkelheit, sondern zeigen eher kurze Risse in einer Wand, hinter der noch etwas lebt.

Wenn Verzweiflung nicht niederfällt, sondern zurückschlägt

Der Einstieg mit „Verzweiflung“ macht unmittelbar klar, dass Sterbenswille keine lange Vorrede brauchen. Der Song öffnet sich zunächst fast vorsichtig, als würde man eine Tür in einen Raum aufstoßen, den man eigentlich nicht betreten möchte. Doch diese anfängliche Zurückhaltung hält nicht lange. Schritt für Schritt baut sich eine massive Wand aus Gitarren, Bass und Schlagzeug auf, bis der Song schließlich seine volle schwarze Wucht entfaltet.

Lyrisch kreist „Verzweiflung“ um das Gefühl, etwas oder jemanden nicht halten zu können. Hoffnung wird hier nicht pathetisch beschworen, sondern scheint einem zwischen den Fingern zu zerfallen. Trotzdem klingt der Song nicht nach Kapitulation. Eher nach einem letzten Aufbäumen. Nach diesem Moment, in dem der Mensch zwar am Boden liegt, aber innerlich noch immer mit den Zähnen knirscht.

Musikalisch überzeugt vor allem die Dynamik. Sterbenswille prügeln nicht einfach mehrere Minuten alles nieder, sondern arbeiten mit Wechseln aus mittlerem Tempo, Ausbrüchen und atmosphärischen Zwischenräumen. Die Double-Bass-Passagen treiben ordentlich nach vorne, während die Gitarren eine melancholische Kälte entfalten, die mehr kann als bloß frostig zu klingen. Hier wird nicht nur Geschwindigkeit vorgeführt. Hier wird Spannung aufgebaut.

Gerade das macht diesen Auftakt so stark. „Verzweiflung“ trägt den Schmerz nicht wie ein Schild vor sich her, sondern verwandelt ihn in Bewegung. Der Song hat Druck, aber auch Tiefe. Er wütet, ohne die Kontrolle zu verlieren. Damit setzen Sterbenswille direkt zu Beginn ein klares Statement: „Asche & Licht“ will nicht nur gehört, sondern ausgehalten werden.

Selbstzerstörung, Nebel und die Kunst des inneren Zerfalls

Mit „Selbstzerstörung“ geht das Album noch tiefer in jene seelischen Zonen, in denen der Mensch sich selbst zum Gegner wird. Der Beginn verzichtet zunächst auf rohe Gewalt und setzt stattdessen auf eine unheilvolle Atmosphäre. Keyboard-Flächen liegen wie kalter Dunst über dem Stück, während sich die Spannung langsam zusammenzieht. Man merkt sofort: Der Sturm kommt. Er wartet nur noch auf den richtigen Moment.

Wenn der Song dann losbricht, wirkt das nicht wie ein plötzlicher Stilwechsel, sondern wie die logische Entladung einer vorher bereits spürbaren Bedrohung. Die Gitarren schneiden scharf durch den Mix, die Rhythmik drückt schwer nach unten, und G3ist liefert eine vokale Performance, die zwischen Wut, Schmerz und Kontrollverlust pendelt. Das ist nicht schön im klassischen Sinne. Aber es ist verdammt wirkungsvoll.

Besonders gelungen ist, dass „Selbstzerstörung“ nicht in eindimensionalem Geballer erstarrt. Der Song nimmt sich nach der ersten Eruption wieder zurück, öffnet eine ruhigere Passage und lässt klaren Gesang zu. Genau dieser Moment gibt dem Stück eine zusätzliche emotionale Schicht. Er wirkt nicht wie ein aufgesetzter Kontrast, sondern wie ein kurzer Blick auf die verletzte Stelle unter der Rüstung.

Damit zeigen Sterbenswille, dass sie den Begriff Post-Black-Metal nicht nur als Etikett verwenden. Sie verstehen, dass Atmosphäre nicht bloß bedeutet, irgendwo ein Keyboard unter die Gitarren zu legen. Atmosphäre entsteht hier aus Dramaturgie, aus Reibung, aus dem Wechselspiel zwischen Druck und Rückzug. „Selbstzerstörung“ ist einer jener Songs, die nicht sofort alles preisgeben, aber mit jedem Durchlauf stärker greifen.

Depression als Schwerpunkt und Schattenherz des Albums

Mit „Depression“ erreichen Sterbenswille einen der intensivsten Punkte des Albums. Schon der Titel lässt wenig Raum für Umdeutung. Hier geht es nicht um eine vage Traurigkeit oder ein dekoratives Gefühl von Melancholie, sondern um einen seelischen Zustand, der Menschen lähmen, verschlucken und innerlich von der Welt abschneiden kann. Das Stück nimmt dieses Thema ernst, ohne es plakativ auszubreiten.

Der Beginn baut langsam Spannung auf. Die ersten Momente wirken fast wie ein inneres Herantasten an etwas, das zu groß ist, um es direkt auszusprechen. Dann schichten sich Gitarren, Drums und Stimme übereinander, bis aus der anfänglichen Beklemmung eine massive Klangwand entsteht. G3ist zeigt hier besonders eindrucksvoll, wie viel Ausdruckskraft in seinem Gesang steckt. Seine gutturalen Passagen klingen nicht bloß aggressiv, sondern verwundet. Und genau darin liegt die Stärke.

Musikalisch übersetzt „Depression“ Schwere nicht in bloße Langsamkeit. Der Song besitzt Bewegung, aber diese Bewegung fühlt sich nicht befreiend an. Sie wirkt eher wie ein Kreislauf, aus dem man nicht herauskommt. Double-Bass, drückender Bass, kalte Gitarren und verzweifelte Vocals bilden eine Atmosphäre, die sich eng um den Hörer legt. Man wird nicht brutal überfahren, sondern allmählich eingeschlossen.

Besonders stark ist die Steigerung im ersten Abschnitt. Die Band lässt den Song nicht sofort explodieren, sondern zieht die Spannung kontinuierlich an. Wenn die härteren Passagen schließlich vollständig greifen, haben sie dadurch deutlich mehr Gewicht. „Depression“ ist einer der Songs, bei denen man merkt, dass Sterbenswille nicht einfach über ein Thema schreiben, sondern versuchen, dessen Druck musikalisch erfahrbar zu machen.

Damit wird „Depression“ zu einem zentralen Stück auf „Asche & Licht“. Nicht nur, weil es emotional besonders stark trifft, sondern weil es die Kernidee des Albums bündelt: Dunkelheit wird hier nicht romantisiert. Sie wird durchlitten. Und gerade deshalb klingt der Song so glaubwürdig.

Zwischen Asche und Licht liegt kein gerader Weg

Der Titeltrack „Zwischen Asche & Licht“ kommt danach ohne große Umwege zur Sache. Hier verdichten Sterbenswilleviele Elemente, die das Album ausmachen: wuchtige Drums, breite Gitarrenflächen, atmosphärische Schichten, emotionale Zuspitzung und eine Thematik, die zwischen Narben, Erinnerung und Weiterleben pendelt. Das Stück klingt, als würde jemand durch die Reste eines zerstörten Lebens gehen und dabei jeden Schritt gegen den eigenen Schmerz setzen.

Besonders auffällig ist die rhythmische Gestaltung. Sterbenswille arbeiten mit Breaks, Verschiebungen und wechselnden Spannungszuständen, ohne den Song unnötig kompliziert wirken zu lassen. Die Gitarren bauen mächtige Wände auf, während Synthesizer-Flächen dem Ganzen eine zusätzliche Tiefe geben. Man hört hier deutlich, dass die Band ihre Songs nicht nur als Riff-Abfolge versteht, sondern als emotionale Räume.

Inhaltlich ist „Zwischen Asche & Licht“ einer der wichtigsten Momente der Platte. Es geht um einen Menschen, der von Schmerz geprägt wurde, vielleicht sogar so sehr, dass dieser Schmerz irgendwann zur vertrauten Umgebung geworden ist. Trotzdem bleibt der Song nicht vollständig im Untergang stehen. In den Spoken-Word-Passagen öffnet sich eine andere Ebene. Sie wirken wie Gedanken, die nicht mehr geschrien werden können, sondern nur noch ausgesprochen werden müssen.

Gerade diese gesprochenen Elemente geben dem Stück zusätzliche Würde. Sie vermeiden übertriebenes Pathos und treffen dennoch direkt. Wenn das Album irgendwo seine zentrale Aussage formuliert, dann hier: Heilung ist nicht immer hell, sauber und eindeutig. Manchmal besteht sie nur daraus, weiterzugehen, obwohl alles nach Rauch riecht. Sterbenswille finden für diesen Gedanken eine musikalische Sprache, die bedrückend und zugleich erstaunlich kraftvoll ist.

Nachglimmender Staub und das letzte dunkle Aufbäumen

Mit „Asche“ folgt anschließend ein weiteres instrumentales Stück. Das Knistern von Feuer setzt sofort ein klares Bild. Man sieht förmlich die letzten Glutreste vor sich, während akustische Gitarren eine melancholische Stimmung zeichnen. Der Song verzichtet auf Gesang und große Ausbrüche, gewinnt aber gerade dadurch an Wirkung. Nach all der Schwere wirkt „Asche“ wie ein kurzer Blick auf das, was übrig bleibt.

Dabei ist das Stück weit mehr als ein atmosphärischer Einschub. Es zeigt, dass Sterbenswille auch ohne vokale Extreme Spannung erzeugen können. Die Gitarren tragen eine stille Traurigkeit in sich, ohne kitschig zu werden. Das Feuer knistert, aber es wärmt nicht wirklich. Es erinnert eher daran, dass etwas verbrannt ist.

Als Abschluss wartet schließlich „Dunkelheit“, entstanden mit Liz von Roxton. Der Song beginnt mit akustischen Gitarren und streicherartigen Elementen, bevor er sich noch einmal zu massiven Black-Metal-Wänden aufrichtet. Hier bündeln Sterbenswille ein letztes Mal Brachialität, Melancholie und dramatische Atmosphäre.

Die Beteiligung von Liz von Roxton ist dabei ein echter Gewinn. Ihr melodischer Gesang bildet einen wirkungsvollen Kontrast zu den härteren, verzweifelten Passagen und gibt dem Song eine menschliche, beinahe verletzliche Öffnung. Das wirkt nicht wie ein kalkulierter Gastbeitrag, sondern wie ein notwendiger Gegenpol. Als würde eine zweite Stimme aus der Dunkelheit antworten, ohne sie einfach vertreiben zu können.

Inhaltlich passt „Dunkelheit“ perfekt ans Ende des Albums. Noch einmal geht es um Erschöpfung, innere Leere, Verzweiflung und den Wunsch nach Erlösung. Doch durch die melodischen Elemente bekommt das Stück eine andere Färbung. Es bleibt finster, aber nicht vollkommen verschlossen. Genau diese Ambivalenz ist die große Stärke von „Asche & Licht“. Das Album kennt den Abgrund, aber es macht aus ihm keine Pose.

Fazit

„Asche & Licht“ ist ein starkes, intensives und erstaunlich geschlossenes Album geworden. Sterbenswille liefern hier keinen beliebigen Black-Metal-Ausbruch von der Stange, sondern ein Werk mit Konzept, emotionaler Substanz und kompositorischem Anspruch. Die Band verbindet rohe Energie mit atmosphärischer Tiefe, Härte mit Melancholie und Dunkelheit mit jenen kleinen Lichtspuren, die nicht laut triumphieren, aber trotzdem nicht verschwinden.

Besonders überzeugend ist, dass Sterbenswille ihre Themen nicht billig ausschlachten. Depression, Verlust, Selbstzerstörung und Verzweiflung werden nicht als düstere Dekoration benutzt, sondern als ernsthafte innere Zustände behandelt. Dadurch wirkt das Album glaubwürdig und an vielen Stellen beklemmend nah. Man hört hier keine aufgesetzte Finsternis, sondern Musik, die sich mit Schmerz auseinandersetzt, ohne daran zu ersticken.

Schlusswort

Auch musikalisch funktioniert „Asche & Licht“ auf hohem Niveau. Die Gitarren schaffen dichte, kalte und zugleich melodisch greifbare Räume. Das Schlagzeug treibt mit Wucht, bleibt aber dynamisch genug, um den Songs Luft zu lassen. Der Bass gibt dem Material ein solides Fundament, während die atmosphärischen Elemente nie bloß Schmuck sind. Sie tragen entscheidend zur Wirkung bei. Mit G3ist haben Sterbenswille zudem eine Stimme, die den emotionalen Kern der Platte überzeugend nach außen reißt.

Zu den stärksten Momenten zählen „Verzweiflung“, „Selbstzerstörung“, „Depression“, „Zwischen Asche & Licht“und „Dunkelheit“. Doch auch die instrumentalen Passagen sind wichtig, weil sie dem Album Struktur und Atem geben. „Breath of Silence“ und „Asche“ verhindern, dass die Platte in permanenter Schwere erstarrt. Sie sind keine Pausenfüller, sondern notwendige Zwischenräume.

Am Ende bleibt ein Album, das lange nachhallt. „Asche & Licht“ ist wuchtig, traurig, zerrissen, atmosphärisch und stellenweise fast unangenehm direkt. Genau das macht es so gut. Wer modernen Post-Black-Metal sucht, der nicht nur auf Klangtapete, sondern auf emotionale Konsequenz setzt, sollte an Sterbenswille nicht vorbeigehen. Dieses Album brennt nicht hell und sauber. Es glimmt tief in der Brust weiter.

Sterbenswille - Depression

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Sterbenswille - Asche & Licht - CD Review

VERBA SERPENTIS – Torchbearers

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Verba-Serpentis_Torchbearers-EP_Coverartwork
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Band: VERBA SERPENTIS 🇦🇹
Titel: Torchbearers
Label: Self-Released
VÖ: 15/05/26
Genre: Melodic Black Metal

Tracklist

01. Ad Majorem Sathanas Gloriam
02. Ascension of the Golden Age
03. Consciousness
04. Torchbearers
05. Spheres of Darkness

 

Besetzung

Achlycet – Guitar & Vocals
Malphas – Guitar
Somnifer – Bass
Tenebris – Drums

 

Bewertung:

3,5/5

Nicht nur Skandinavien ist ein Inspirationsquell für romantischen Black Metal – unser schönes Kärnten ist ebenso bekannt für einen Hotspot an Schwarzmetallern. VERBA SERPENTIS erhöhen seit 2024 die Band-pro-Quadratkilometer-Anzahl in Klagenfurt und präsentieren uns bereits ihre zweite EP namens „Torchbearers“. Mit dieser zeichnen sie ein deutlicheres Bild ihrer musikalischen sowie theatralischen Vision, womit sie klare Unterschiede zu ihrer ersten EP „Ophidic Gnosis“ erkennen lassen.

Ausgewogener Sound

Das erste, das auffällt, wenn man „Torchbearers“ anhört, ist der Sound: Er ist wunderbar ausgewogen. Anstatt auf Kassettenrecorderklang zu setzen, haben sich VERBA SERPENTIS für ein zeitgemäßes, modernes Klangbild entschieden. Hinsichtlich der melodischen sowie atmosphärischen Akzente ist diese Entscheidung auch passend, ja, sogar notwendig, um die feinen Nuancen nicht zu ersticken. Der Sound hat aber trotzdem etwas Erdiges, um nicht steril zu klingen.

Das Bandkonzept

Wie bereits angedeutet, nutzen VERBA SERPENTIS Melodien und Atmosphäre bewusst, um dem rauen musikalischen Grundgerüst einen mystischen Touch zu verleihen. Nicht umsonst heißt es in der Biografie der Band, dass sie als künstlerisches und spirituelles Gefäß von den Gründungsmitgliedern Achlycet und Tenebris gegründet wurde. In diesem Sinne geht das Bandkonzept über die Musik hinaus und schließt ebenso ihre visuelle und symbolische Komponente ein. Wir konzentrieren uns hier aber auf die Musik.

Melodie und Atmosphäre treffen auf Black Metal

Melodische sowie atmosphärische Akzente werden primär mit den Gitarren erschaffen. Groovige Elemente fließen vereinzelt ebenso mit ein (z. B. „Ad Majorem Sathanas Gloriam“) und sorgen für interessante Hooks. Im Titeltrack „Torchbearers“ demonstriert die Band sehr gut, wie eine epische Grundstimmung anhand der Gitarren transportiert werden kann. Der Gesang von Achlycet ist keifend und teuflisch und trägt somit nicht zur melodischen Akzentuierung bei. Die Stimme mag gewöhnungsbedürftig sein, hat aber definitiv Biss. Tenebris untermalt die Stimmungswechsel am Schlagzeug mit viel Fingerspitzengefühl, während Somnifer den nötigen Unterdruck mit seinem Bass liefert.

Musikalische Umsetzung vs. Vision

Während uns die Kärntner ein fokussiertes Bandkonzept auf den Tisch legen, wirkt die musikalische Umsetzung nicht gänzlich ausgereift. Nach mehrmaligem Hören bleibt der Eindruck, dass „Torchbearers“ schwer solide, aber zu brav ist – und das liegt nicht an der Einflechtung von Melodik. Es ist das berühmte gewisse Etwas, das fehlt, was jedoch schwer konkret zu erfassen ist. Der Opening-Track, „Ad Majorem Sathanas Gloriam“, sowie der letzte Titel, „Spheres of Darkness“, haben z. B. eine schöne Hauptmelodie, aber den Liedern fehlt die Dynamik. Die Songbausteine greifen zaghaft ineinander und packende Momente fehlen.

Letzteres hat bei „Ascension of the Golden Age“ besser funktioniert. Die Stimmung ist hier sofort merklich düsterer, obwohl das Tempo ebenfalls im Mittelbereich bleibt. Die Instrumentalpassage vor den Strophenelementen ist musikalisch interessant. Die kurzen Pausen lenken immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich. Speziell die Gitarren- und Schlagzeugvariationen machen dieses Lied spannend. Der Titeltrack „Torchbearers“ gehört ebenfalls zu den stärkeren Momenten auf der EP. Das treibende Blast-Beat-Intro fesselt den Hörer automatisch. Die Strophen schaffen einen guten Kontrast zum Refrain. Die Blast-Momente sind gut gewählt und auch der Übergang in den letzten Akt des Liedes wurde dramaturgisch gut umgesetzt.  

Fazit

Mit „Torchbearers“ liefern VERBA SERPENTIS eine atmosphärisch dichte Black-Metal-EP, die vor allem durch den ausgewogenen Sound punktet. Die Mischung aus melodischen Gitarren, mystischer Stimmung und roher Grundhärte zeigt, wohin die Reise der Kärntner gehen soll. Gleichzeitig offenbart die EP aber auch, dass die musikalische Vision noch nicht in allen Momenten ihr volles Potenzial entfaltet. Einige Songs wirken trotz guter Ansätze zu zurückhaltend und lassen jene Intensität vermissen, die wirklich nachhaltige Wirkung erzeugt.

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VERBA SERPENTIS – Torchbearers

THE GHOULSTARS – The Dark Overlords of the Universe

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THE GHOULSTARS - The Dark Overlords of the Universe - cover artwork
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Band: THE GHOULSTARS 🇫🇮
Titel: The Dark Overlords of the Universe
Label: Season of Mist
VÖ: 15/05/26
Genre: Horror Punk, Metal

Tracklist

01. Too Ghoul for School
02. The Dead in Purgatory
03. Zombie Apocalypse
04. The Dark Overlords of the Universe
05. The Brain That Wouldn’t Die
06. Graverobbers from Outer Space
07. The Wolfman
08. The Ballad of the Cursed Bandits
09. Vampire
10. They Dance Upon Our Graves

 

Besetzung

Markus „Daddy Ghoul“ Laakso – Guitars
Toni „Ghoulio“ Ronkainen – Drums
Arthur „LL Ghoul A“ Thure – Vocals
Markus „Hella Ghoul“ Makkonen – Bass

 

Bewertung:

4,5/5

THE GHOULSTARS liefern mit »The Dark Overlords of the Universe« ein Debüt, das sich wie eine schmutzige Videothek aus den Achtzigern anfühlt, nur dass die Filme hier laut brüllen, verzerrt klingen und ständig nach frischem Grabstaub riechen. Die Band taucht seit 2021 immer wieder im finnischen Underground auf, ohne bislang ein vollständiges Album veröffentlicht zu haben. Jetzt wird die Tür zur Gruft endlich weit aufgestoßen.

Horror, Humor und ein bisschen Wahnsinn

Schon der Einstieg macht klar, wohin die Reise geht. »Too Ghoul for School« tritt das Tor ein, ohne lange zu fackeln, und verbindet schnellen Punk-Drive mit metallischer Schärfe. Der Sound wirkt bewusst roh, aber nicht unkontrolliert. Vielmehr klingt alles so, als hätte man eine alte Splatter-Komödie in eine laute Clubshow übersetzt.

»Zombie Apocalypse« und »The Dead in Purgatory« halten das Tempo hoch, setzen aber stärker auf Groove und Mitsing-Refrains. Genau hier zeigt sich die Stärke des Albums. Die Songs funktionieren sofort, bleiben hängen und tragen gleichzeitig diese leicht überdrehte Horror-Ästhetik, ohne zur Parodie zu werden.

Zwischen B-Movie und Metal-Bühne

Der Titeltrack »The Dark Overlords of the Universe« ist das Zentrum der Platte. Düsterer aufgebaut, etwas breiter arrangiert und mit einem Hauch epischer Atmosphäre. Hier treten auch die Gaststimmen stärker in den Vordergrund. Mathias „Vreth“ Lillmåns bringt zusätzliche Growls ins Spiel, während Tommi „Tuple“ Salmela bei den Backing Vocals für eine fast theatralische Note sorgt. Diese Momente geben dem Song eine zweite Ebene, ohne den typischen Punk-Impuls zu verlieren.

Tracks wie »Graverobbers from Outer Space« oder »The Wolfman« arbeiten stärker mit klassischen Horrorfilm-Motiven. Gitarren und Drums bleiben dabei klar im Vordergrund, der Bass sorgt für eine angenehm dunkle Unterströmung. Die Produktion lässt genug Luft, damit der rohe Charme nicht verloren geht.

Vielfalt im kleinen Rahmen

Die zweite Hälfte des Albums zeigt mehr Dynamik, als man auf den ersten Blick erwarten würde. »The Ballad of the Cursed Bandits« nimmt das Tempo raus und bringt eine überraschend melodische Seite ins Spiel. Fast schon ein kleiner Ruhepol, bevor »Vampire«wieder direkter und punkiger nach vorne geht.

»They Dance Upon Our Graves« beendet das Album schließlich mit einer Mischung aus Energie und düsterem Augenzwinkern. Kein klassisches Finale im Sinne eines großen Pathos, sondern eher ein letzter Tanz in einem verstaubten Friedhofsclub.

Produktion und Soundbild  

Produziert wurde das Album von Markus Laakso selbst, was man dem Gesamtbild deutlich anhört. Alles wirkt aus einem Guss, aber nicht glattgebügelt. Die Mischung von V. Santura im Woodshed Studio in Deutschland sorgt dafür, dass die Gitarren scharf genug bleiben, während die Drums genug Druck entfalten, ohne die punkige Rauheit zu verlieren.

Gerade diese Balance macht den Reiz aus. Es ist kein überproduziertes Metal-Produkt, sondern ein bewusst kantiger Sound, der die Energie der Songs trägt.

»The Dark Overlords of the Universe« ist ein Debüt, das seine Idee konsequent durchzieht. Horror-Punk trifft Metal, dazu eine klare Vorliebe für B-Movie-Ästhetik und eine Spielfreude, die man sofort spürt. Nicht jeder Song überrascht stilistisch, aber die Mischung aus Tempo, Humor und dunklem Charme funktioniert über die gesamte Spielzeit. Mit 4,5 von 5 Punkten landet das Album ziemlich weit oben im Regal für alle, die Lust auf eine Mischung aus Horrorfilm-Feeling und druckvollem Underground-Sound haben.

Fazit: »The Dark Overlords of the Universe« von THE GHOULSTARS ist mehr als nur ein Album, es ist eine dunkle Reise in die Welt der Monster, Mächte und des Chaos.

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THE GHOULSTARS - The Dark Overlords of the Universe - CD Review

HEAVENFALL – Thorn

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Heavenfall - Thorn - cover artwork
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Band: Heavenfall 🇮🇹
Titel: Thorn
Label: Rockshots Records
VÖ: 15/05/26
Genre: Heavy Metal/Melodic Metal/Progressive Heavy Metal

Tracklist

01. Squall-led
02. Sudden Zenith
03. No Candlelight
04. This Illusion
05. Left Apart
06. Lingering Under The Acid Rain
07. Midwinter In July
08. Ora Pro Nemine
09. Midnightingale
10. The Wind Chimes Garden
11. Stramonium

Besetzung

Dest – Vocals
Pave – Guitars
Giò – Guitars
Nick – Bass
Panta – Drums

Bewertung:

3,5/5

Heavenfall sind keine Band, die sich erst noch beweisen muss. Seit 2003 arbeiten sich die Italiener an einer eigenen Heavy-Metal-Sprache ab, die im klassischen Fundament wurzelt, aber mit dunkleren, introspektiveren und progressiveren Elementen angereichert wird. Nach dem Debüt »Falling From Heaven« und der EP »The Besiders«erscheint mit »Thorn« nun das neue Album über Rockshots Records.

Schon der Titel trifft ziemlich genau den Kern. »Thorn« ist kein Album, das nur glänzen will. Es sticht, kratzt und arbeitet sich langsam unter die Haut. Die Platte beschäftigt sich mit inneren Verletzungen, verpassten Chancen, Selbsttäuschung, Einsamkeit, Glaubensverlust und der Frage, wie viel Schutz ein Mensch ertragen kann, bevor dieser Schutz selbst zum Käfig wird.

EIN STURM ALS AUFTAKT

Eröffnend mit »Squall-led« begrüßt Heavenfall den Zuhörer mit einem kurzen Regeneffekt, ehe wenige Augenblicke später klar wird, was die Band auf dem Kerbholz hat. Zuerst brachial einleitend und dann im Verse gezügelter in der Rhythmik, entwickelt sich der Song zu einem ordentlichen Brett. Komplexe Drums geben sich nicht einfach mit Schema F zufrieden, sondern lassen hier und da auch Doublebass-Einlagen zu.

Aufgebaut auf einem Fundament aus treibenden Drums und satten Bässen, treiben galoppierende Powerchords simultan mit dem Bass das Arrangement voran. Darüber setzt Sänger Dest seine Stimme, die einerseits die typische hohe Heavy-Metal-Lage bedient, andererseits aber auch druckvoll und durchaus aggressiv werden kann. Seine Stimme passt zur Musik wie der Deckel auf den Topf und liefert über weite Strecken den melodischen Leitfaden.

Inhaltlich handelt »Squall-led« davon, aus Fehlern, Stürmen und schmerzhaften Erfahrungen eine Bedeutung zu ziehen, ohne sich erneut von Trauer oder alten Mustern verschlucken zu lassen. Die Zeichen sind da, doch sie richtig zu lesen, bleibt der eigentliche Kampf.

HELLES LICHT, DUNKLE ANGST

Mit einem hochtonigen Lead, das inspirierend aus der Anlage kommt, empfängt »Sudden Zenith« den Hörer. Hier wird sofort klar, dass Heavenfall den melodischen Heavy Metal nicht nur verwalten, sondern mit ordentlich Drama aufladen wollen. Dest klingt stellenweise stark von Bruce Dickinson beeinflusst. Das ist zwar nicht unbedingt schlecht und steht dem Song durchaus gut, lässt aber manchmal den Schatten der eisernen Jungfrauen etwas deutlich über dem Stück hängen.

Treibende Drums, satte Bässe und Rhythmusgitarren im Unisono bilden die gewohnt metallische Grundlage. Die Melodie kommt vor allem aus dem Gesang und der Leadgitarre. Zwischen Midtempo und kurzen Geschwindigkeitsboosts wechselt der Song geschickt die Richtung. Dazu kommen Breaks, Leadparts und inspirierte Soli, die dem Stück das Sahnehäubchen aufsetzen.

Textlich beschreibt »Sudden Zenith« den Moment, in dem plötzlich etwas Helles, Positives und fast Erlösendes ins Leben tritt, zugleich aber die Angst entsteht, genau dieses Licht wieder zu verlieren. Der Song lebt von diesem Gegensatz aus Aufbruch und Verlustangst.

OHNE KERZENLICHT DURCH DIE NACHT

Mit einer düsteren Einleitung, die zunächst eine gewisse Ruhe ausstrahlt, führt »No Candlelight« in eine andere Stimmung. Schwere Gitarrenshots und Drumfills gesellen sich dazu, und wenn man das Sounddesign dieser Nummer in Bildern beschreiben müsste, dann wäre es ein Unheil, das sich langsam ankündigt.

Der Song ist im mittleren Tempo gehalten, schwenkt zwischendrin aber auch in Doublespeed um. Progressive Schnörkel in Gitarren, Bass und Arrangement sorgen dafür, dass »No Candlelight« nicht einfach geradeaus marschiert, sondern sich immer wieder neu öffnet.

Inhaltlich geht es um Entwurzelung, innere Unruhe und die Suche nach Zugehörigkeit. »No Candlelight« ist ein Song für Menschen, die keinen Ort finden, an dem sie wirklich ankommen. Nicht jugendliche Orientierungslosigkeit allein steht im Zentrum, sondern ein allgemeines Gefühl des Fehl-am-Platz-Seins. Musikalisch unterstreichen messerscharfe Riffs, fingerfertige Soli und melodische Präzision die Ambition der Band, auch wenn der Song kompositorisch stellenweise etwas angestrengt wirkt.

ILLUSIONEN IM GALOPP

In dem zügigen und stampfenden »This Illusion« geht es im Galopp-Powerchord-Modus weiter, ohne angezogene Handbremse. Jaulende Gitarrenakzente setzen hier und da Reizpunkte, während die Leadgitarren erneut einen amtlichen Job machen. Der Song besitzt eine mechanischere, martialischere Schlagseite und wirkt dadurch härter, kantiger und weniger romantisch als die vorherigen Stücke.

Inhaltlich kreist »This Illusion« um die Suche nach einem Gegenüber, das die eigenen Kämpfe, Ziele und Leidenschaften wirklich versteht. Gleichzeitig steht die bittere Erkenntnis im Raum, dass diese Verbindung vielleicht nur Wunschdenken bleibt. Der Mensch sucht Nähe, findet aber Leere. Genau daraus entsteht die eigentliche Härte des Songs.

WAS MAN LIEGEN LÄSST

Melancholisch, ja eigentlich schon gefühlvoll präsentieren Heavenfall mit »Left Apart« eine ruhigere Seite. Völlig ohne Verzerrung und mit viel Hall geht der Song zunächst den Weg einer stilleren Nummer. Diese Ruhe wird jedoch bald von einer druckvollen Soundwall aus Metalbass und Gitarre unterbrochen, bevor der Verse wieder Raum für den sanfteren Ton der Stimme lässt.

Hier zeigt sich, dass Heavenfall nicht nur laut können. Die Band versteht es, eine melodische Heavy-Metal-Maschine kurz zurückzufahren, ohne ihre Spannung zu verlieren. Wenn der kräftige Bandapparat wieder einsetzt, wirkt das nicht beliebig, sondern wie ein emotionaler Rückschlag.

Lyrisch geht es in »Left Apart« um all jene Dinge, die man im Leben beiseiteschiebt, weil man glaubt, später noch Zeit dafür zu haben. Doch manchmal ist später nur ein anderes Wort für zu spät. Der Song trägt genau dieses Bedauern in sich, ohne in reinen Kitsch abzurutschen.

UNTER SAUREM REGEN

»Lingering Under The Acid Rain« eröffnet mit einem mehrstimmigen Chor, den man so zunächst nicht erwartet hätte. Nach einem tom-betonten Drumfill scheint die Band erst einen weiteren Metalkracher im mittleren Tempo mit Doublebass-Druck abzufeuern. Denkste. Nach dem ersten Kopfschütteln setzen Heavenfall einen triolenbetonten Bass und akustische Gitarren ein, um den warmen Gesang von Dest strahlen zu lassen.

Gerade dieser Wechsel macht den Song spannend. Das Arrangement schwenkt zwischen ruhiger Innerlichkeit und griffigem, powerchordgeladenem Heavy Metal hin und her. Mit gänsehautverursachender Stimme wird hier ein melodisches Stück modernen Heavy Metals präsentiert, das stärker wirkt, weil es seine Dynamik nicht verschenkt.

Inhaltlich ist »Lingering Under The Acid Rain« ein Weckruf. Der Song behandelt das Feststecken in alten Erinnerungen und die Erkenntnis, dass Veränderung nicht von außen kommt. Wer unter seinem eigenen sauren Regen stehen bleibt, darf sich nicht wundern, wenn innerlich etwas abstirbt. Das epische Gitarrensolo im letzten Viertel krönt diese druckvolle Nummer würdig.

METALTANGO IM SOMMERFROST

Bei »Midwinter In July« bittet die Band im mittleren Tempo zum Metaltango. Der Song kommt druckvoll aus den Boxen und sprüht vor selbstbewusstem Können der hier amtierenden Musiker. Natürlich erfinden Heavenfall das Rad nicht neu, doch besonders durch den Gesang bleibt die Nummer direkt im Gedächtnis hängen.

Lyrisch erzählt »Midwinter In July« von innerer Kälte, die man hinter einem Lächeln versteckt. Nach außen wirkt alles kontrolliert, doch unter der Oberfläche friert etwas fest. Dieses Bild vom Winter mitten im Juli passt hervorragend zur musikalischen Grundstimmung: schwer, groovend und klaustrophobisch, aber nie völlig hoffnungslos.

GLAUBE, MACHT UND FALLENDE MASKEN

Nach einem kurzen Spoken-Word-Part von Alex Hruban führt »Ora Pro Nemine« in gemäßigterem Tempo und mit fast balladesker Melodieführung durch Gesang und Leadgitarre weiter. Vernünftig strukturiert im Zusammenspiel von Schlagzeug, Bass und Gitarren entsteht hier die Grundlage für eine melodisch starke Gesangsleistung.

Inhaltlich richtet sich »Ora Pro Nemine« gegen religiöse Heuchelei, Machtmissbrauch und Institutionen, die Schwäche ausnutzen, um ihre eigene Stellung zu festigen. Der Song greift nicht Glauben als persönliche Erfahrung an, sondern die Maschinerie, die daraus Kontrolle, Reichtum und Unterwerfung formt. Im letzten Drittel wird natürlich das obligatorische Gitarrensolo zum Besten gegeben, das dem Stück eine weitere emotionale Komponente verleiht.

NACHTIGALLEN UND VERLORENE REINHEIT

Mit »Midnightingale« zeigt Heavenfall eine der introspektivsten Seiten des Albums. Der Song ist als Powerballade angelegt und wird durch den Violin-Beitrag von Filippo Pedretti zusätzlich veredelt. Hier geht es weniger um metallische Muskelkraft als um bittersüße Melodien, Sehnsucht und das Festhalten an einem inneren Kern, der von der Welt nicht vollständig beschädigt werden soll.

Textlich handelt die Nummer von verlorenen Hoffnungen, von Menschen, die nachts durch eigene Erinnerungen wandern, und vom Wunsch, sich trotz aller Enttäuschungen ein Stück kindlicher Reinheit zu bewahren. Gerade in einem langen Album wie »Thorn« ist dieser Moment wichtig, weil er nicht nur Tempo herausnimmt, sondern emotionale Tiefe schafft.

DER GARTEN ALS KÄFIG

Mit leidenschaftlicher Melodieführung leiten Heavenfall dann zu »The Wind Chimes Garden« über. Der Song ist ein kraftvoller, melodischer Heavy-Metal-Stampfer und zeichnet sich durch die gewohnte Klasse aus: druckvolle Metalgitarrenpracht, kompositorische Fingerfertigkeit und eine Produktion, die ordentlich schiebt.

Der Iron-Maiden-nahe Gesang steht dem Werk gut, wobei die Band fließend zwischen mittlerem und gedoppeltem Tempo wechselt. Arpeggio-artiges Spiel der Leadgitarre ziert hier und da den melodischen Teil. Klavierklänge sorgen für unvorhergesehene Wendungen im Arrangement, die kurz aufblitzen und melancholisch düster klingen.

Inhaltlich beschreibt »The Wind Chimes Garden« einen Schutzraum, der zur Gefangenschaft wird. Sicherheit wird hier als goldener Käfig gedacht. Der Song stellt die entscheidende Frage: Ist es das wert, nicht verletzt zu werden, wenn man dafür die eigene Freiheit verliert?

GIFTPFLANZE ALS FINALE

Zum krönenden Abschluss gibt es mit »Stramonium« noch einmal ordentlich Druck auf die Ohren. Wucht im mittleren Tempo, thrashige Riffs, solide Midtempo-Passagen und melancholische Momente sorgen dafür, dass das Finale seiner Rolle gerecht wird. Die Nummer ist komplex, wirkt aber nicht so sperrig, wie sie auf dem Papier sein könnte.

Lyrisch behandelt »Stramonium« Selbsttäuschung, das Festhalten an Träumen und die bittere Notwendigkeit, sich manchmal selbst eine Lüge zu erzählen, um weitergehen zu können. Der Song wirkt wie eine innere Überlebensstrategie: Man weiß, dass manches Gift ist, nimmt es aber trotzdem, weil es kurzfristig die Kraft gibt, nicht unterzugehen.

Gerade als Abschluss funktioniert »Stramonium« gut, weil es viele Facetten des Albums bündelt: schwere Riffs, große Melodien, dunkle Gedanken und diesen dauerhaften Zwiespalt zwischen Aufbruch und Absturz.

PRODUKTION UND GESAMTWIRKUNG

Der druckvolle Mix und das Mastering runden »Thorn« amtlich ab. Die Produktion bleibt klar, ohne die Härte zu glätten. Das Ergebnis besitzt Balance, Druck und genug Transparenz, um die komplexeren Arrangements nicht im Klangnebel verschwinden zu lassen.

Gerade die eingespielte Grundlage hört man vielen Momenten an. Heavenfall wirken nicht wie eine Band, die zufällig Riffs aneinanderklebt, sondern wie Musiker, die ihren Heavy Metal bewusst mit introspektiver Schwere aufladen.

Ganz frei von Schwächen ist »Thorn« dennoch nicht. Mit elf Songs ist das Album lang geraten, und nicht jede Komposition hält ihre Spannung durchgehend. Manche Stücke verlieren sich etwas in ihrem eigenen Anspruch, andere hätten mit etwas Straffung noch stärker getroffen. Doch selbst dort, wo die Platte leicht ausfranst, bleibt das handwerkliche Niveau hoch.

FAZIT

»Thorn« von Heavenfall ist ein starkes, ambitioniertes und emotional aufgeladenes Heavy-Metal-Album, das klassische Genretradition mit moderner Schwere und progressiver Detailarbeit verbindet. Die Band liefert keine bloße Nostalgie, sondern einen Sound, der seine Wurzeln kennt und trotzdem nach vorne denkt.

Besonders stark sind die druckvolle Rhythmusarbeit, die satten Bässe, die melodisch wie technisch überzeugenden Gitarren und die markante Stimme von Dest, die zwischen hoher Heavy-Metal-Linie, Gefühl und aggressiver Kante pendelt. Inhaltlich greift »Thorn« tief in die emotionale Wundtasche: Schuld, Suche, Kälte, Illusion, Glaubensbruch und Selbstschutz ziehen sich wie ein Dorn durch das Album.

Nicht jeder Song überzeugt durchgehend, und stellenweise wäre weniger mehr gewesen. Trotzdem ist »Thorn« kein schlechtes Werk, ganz im Gegenteil. Heavenfall zeigen, dass Heavy Metal auch 2026 noch traditionell, melodisch, druckvoll und zugleich persönlich klingen kann.

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