Band: Avarice 🇩🇰
Titel: Perpetual Ruin
Label: Mighty Music
VÖ: 19.06.2026
Format: CD / Vinyl / Digital
Genre: Melodic Death Metal / Thrash Metal / Groove Metal / Hardcore

Tracklist

01. Beyond the Grave – 05:17
02. Underling – 03:45
03. Empires of Sand – 04:19
04. Tyrannicide – 04:42
05. New Age of Enslavement – 03:19
06. The Bacchanalia – 04:07
07. Enter the Arena – 04:00
08. Cult of the Forgotten God – 04:19
09. Nature Prevails – 03:28
10. The Wolf King – 04:05

Besetzung

Anders Sinding – Gesang
Jens H. – Gitarre
Troels Rasmussen – Gitarre
Emil Stephansen – Bass
Troels Lund-Sørensen – Schlagzeug

Produktion:
Produktion, Mixing und Mastering – Chris Kreutzfeldt

Physische Ausgaben:
Digipack-CD mit zwölfseitigem Booklet
Schwarze Vinyl-Ausgabe mit farbigem Einleger

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Gier, Macht, Aufstieg und unausweichlicher Niedergang: Bereits der Bandname Avarice – zu Deutsch Habgier – passt hervorragend zu einem Album, das den menschlichen Hang zur Selbstzerstörung über zehn Stücke hinweg untersucht. »Perpetual Ruin« ist das zweite vollständige Studioalbum der dänischen Formation und folgt drei Jahre nach dem selbstbetitelten Debüt. Veröffentlicht wird die Platte über Mighty Music. Musikalisch verbinden Avarice klassischen Death- und Thrash Metal mit schwedischen Melodien, schweren Groove-Riffs und der körperlichen Direktheit des Hardcore. Das Ergebnis klingt modern, druckvoll und auf die Bühne ausgerichtet, ohne seine Wurzeln bei Sepultura, Slayer, Machine Head, The Haunted und At The Gates zu verleugnen. Inhaltlich kreisen die Stücke um vergessene Reiche, politische Unterwerfung, Gewaltherrschaft, moralischen Verfall und jene wiederkehrenden Mechanismen, durch die Menschen ihre Zivilisationen errichten, ausbeuten und schließlich selbst zu Fall bringen.

Full Album Stream: Perpetual Ruin

JENSEITS DES GRABES BEGINNT DER GROOVE

»Beyond the Grave« eröffnet das Album zunächst mit ruhigen Gitarren. Der beinahe friedliche Einstieg hält jedoch nicht lange an. Verzerrte Akkorde, schwere Drums und ein rhythmisch versetztes Hauptriff verwandeln die Atmosphäre innerhalb weniger Augenblicke in einen massiven Groove-Metal-Angriff.

Troels Lund-Sørensen setzt nicht sofort auf permanente Doublebass, sondern arbeitet mit schweren, beinahe tribalartigen Schlägen. Dadurch erhält die Komposition eine körperliche Bewegung, die deutlich an die wuchtigeren Seiten von Sepultura und Lamb Of God erinnert. Die Gitarren von Jens H. und Troels Rasmussen greifen diese Rhythmik auf und verdichten sie zu einer breiten Wand.

Über dem Instrumental steht der raue Gesang von Anders Sinding. Seine Stimme bewegt sich zwischen tiefen Death-Metal-Growls und aggressiven Schreien. Die verschiedenen Lagen werden gezielt eingesetzt und verhindern, dass der Vortrag über die gesamte Spielzeit in derselben Tonhöhe verharrt.

Mit mehr als fünf Minuten ist der Opener zugleich das längste Stück. Avarice nutzen die zusätzliche Zeit für mehrere Tempowechsel und melodische Gitarrenpassagen. Trotzdem wirkt »Beyond the Grave« nicht überladen. Die einzelnen Abschnitte führen nachvollziehbar ineinander und stellen nahezu sämtliche Bestandteile vor, die das Album anschließend weiter ausarbeitet.

»Underling« setzt stärker auf langsame, abgehackte Riffs. Der Song behandelt selbst auferlegte Unterwerfung und die Bereitschaft, das eigene Potenzial aus Angst oder Bequemlichkeit nicht auszuschöpfen. Die Musik vermittelt dieses Gewicht durch schleppende Übergänge und kurze melodische Doppelgitarren.

Gerade die Verbindung aus Groove und Melodie funktioniert überzeugend. Das Hauptriff besitzt genügend Einfachheit, um sofort zu wirken, während die harmonisierten Gitarren für zusätzliche Tiefe sorgen. Der Song ist keine technische Demonstration, sondern ein bewusst kompakter Schlag in die Magengrube.

REICHE AUS SAND UND DER MORD AM TYRANNEN

»Empires of Sand« bildet den thematischen Mittelpunkt. Der Titel beschreibt Reiche, die auf Ehrgeiz, Gewalt und der Illusion dauerhafter Macht aufgebaut werden. Was scheinbar für die Ewigkeit geschaffen wurde, zerfällt letztlich ebenso zuverlässig wie eine Festung aus Sand.

Musikalisch arbeitet das Stück geradliniger als der Opener. Die Gitarren treiben nach vorn, der Rhythmus bleibt straff und Anders Sinding führt mit klar gesetzten Phrasen durch die Komposition. Ein melodischer Mittelteil erweitert den ansonsten kompromisslosen Angriff, ohne die Spannung aufzulösen.

Avarice formulieren keine konkrete historische Abhandlung. Antike Reiche und gefallene Herrscher dienen als Spiegel für gegenwärtige Machtstrukturen. Die Menschheit verändert ihre Werkzeuge, nicht aber zwangsläufig ihre destruktiven Instinkte.

Noch aggressiver fällt »Tyrannicide« aus. Der Titel bezeichnet die Tötung eines Tyrannen, und entsprechend angriffslustig präsentiert sich die Musik. Thrash-Riffs, schwere Groove-Unterbrechungen und melodische Leads werden zu einem der stärksten Stücke des Albums verbunden.

Die Gitarrenarbeit ist besonders geschlossen. Jens H. und Troels Rasmussen wechseln zwischen gemeinsamer Rhythmusarbeit und kurzen harmonisierten Linien. Emil Stephansen erhält am Bass genügend Raum, um die Übergänge mit zusätzlichen Bewegungen zu versehen, anstatt lediglich die tiefsten Gitarrentöne zu verdoppeln.

Der Refrain besitzt trotz des extremen Gesangs einen hohen Wiedererkennungswert. Doppelte Gesangsspuren verstärken einzelne Aussagen und verleihen dem Stück einen beinahe chorartigen Charakter. »Tyrannicide« zeigt besonders deutlich, dass Härte und Eingängigkeit keine Gegensätze sein müssen.

DAS NEUE ZEITALTER DER UNTERWERFUNG

»New Age of Enslavement« gehört mit knapp dreieinhalb Minuten zu den kürzeren Stücken. Die Band verzichtet auf einen langen Aufbau und setzt sofort mit einem schnellen Thrash-Riff ein. Der Hardcore-Einfluss tritt hier deutlicher hervor: kurze Gitarrenschläge, kompakte Breaks und ein Rhythmus, der unmittelbar auf den Moshpit zielt.

Der Titel lässt sich sowohl politisch als auch gesellschaftlich lesen. Moderne Unterwerfung benötigt nicht zwangsläufig sichtbare Ketten. Kontrolle kann ebenso durch Abhängigkeit, Angst, wirtschaftlichen Druck oder die freiwillige Aufgabe kritischen Denkens entstehen.

Die Direktheit steht dem Album gut. Nachdem die ersten vier Stücke mehrere melodische und rhythmische Entwicklungen aufgebaut haben, reduziert »New Age of Enslavement« die Formel auf ihre aggressivsten Bestandteile. Der Song gehört nicht zu den kompositorisch komplexesten Nummern, erfüllt innerhalb der Dramaturgie jedoch eine wichtige Funktion.

»The Bacchanalia« verändert anschließend die Atmosphäre. Der Titel verweist auf die antiken Festlichkeiten zu Ehren des römischen Gottes Bacchus, die für Rausch, Ekstase und den zeitweisen Verlust gesellschaftlicher Ordnung standen.

Die Gitarren greifen stellenweise klassischere Heavy-Metal-Harmonien auf. Gleichzeitig bleibt das rhythmische Fundament schwer und aggressiv. Dadurch entsteht ein interessanter Gegensatz zwischen beinahe feierlichen Melodien und einer Musik, die jederzeit in offene Gewalt umschlagen kann.

Das Stück arbeitet stärker mit mittlerem Tempo und braucht etwas länger, um seine Wirkung zu entfalten. Gerade diese Zurückhaltung verhindert jedoch, dass das Album nach fünf Tracks ausschließlich als Abfolge ähnlich angelegter Thrash- und Groove-Angriffe wahrgenommen wird.

DIE ARENA VERLANGT NACH BLUT

»Enter the Arena« zieht das Tempo wieder an. Das Riffing ist direkter, die Schlagzeugfiguren drängen nach vorn und der Gesang klingt besonders konfrontativ. Die Arena steht als Schauplatz für Unterhaltung, Macht und die kalkulierte Opferung Einzelner vor einem begeisterten Publikum.

Die Nummer besitzt eine deutliche Live-Ausrichtung. Die Übergänge sind klar, der Groove lässt ausreichend Raum für Bewegung und der Refrain dürfte sich ohne größere Anlaufzeit in einer Konzerthalle festsetzen. Dabei bleibt der Song hart genug, um nicht in eine bloße Mitgrölnummer abzudriften.

Troels Lund-Sørensen sorgt mit Tempowechseln dafür, dass der Angriff nicht geradlinig durchläuft. Kurze Doublebass-Schübe werden von schweren Schlägen und Breaks unterbrochen. Diese Wechsel geben den Gitarren zusätzlichen Druck.

»Cult of the Forgotten God« ist rhythmisch komplexer angelegt. Verschobene Schlagzeugakzente, Tom-Figuren und ungerade wirkende Übergänge erzeugen eine unruhige Atmosphäre. Der titelgebende Kult wird nicht mit symphonischen Chören oder ausgedehnten Ritualklängen illustriert. Die Bedrohung entsteht aus der Instrumentierung selbst.

Das Stück gehört zu den technisch interessanteren Momenten. Besonders das Zusammenspiel zwischen Schlagzeug und Gitarren fällt auf. Die Riffs werden mehrfach neu betont und wirken dadurch bei ihrer Wiederkehr nicht wie einfache Wiederholungen.

Anders Sinding nutzt verschiedene Gesangslagen. Tiefe Growls treffen auf schärfere Schreie, während einzelne Passagen durch gedoppelte Stimmen verbreitert werden. Diese vokale Variation verleiht dem dichten Arrangement zusätzliche Konturen.

DIE NATUR FORDERT IHR GEBIET ZURÜCK

»Nature Prevails« beginnt mit einem schnellen Stakkato-Angriff. Gitarren, Bass und Schlagzeug setzen nahezu gleichzeitig ein und erzeugen einen der härtesten Einstiege der Platte. Anschließend nehmen Avarice das Tempo zurück und wechseln in eine langsamere, beinahe lauernde Passage.

Dieser Kontrast bildet die Stärke der Nummer. Die Natur erscheint nicht als romantische Landschaft, sondern als gleichgültige Kraft, die menschliche Zivilisationen überdauert. Gebäude zerfallen, Grenzen verschwinden und sämtliche Vorstellungen von Kontrolle werden irgendwann durch Zeit und natürliche Prozesse korrigiert.

Musikalisch hätte der Song leicht in eine weitere geradlinige Thrash-Nummer kippen können. Die langsameren Strophen und die wechselnde Rhythmik verhindern das. Emil Stephansen bringt mit seinem Bass zusätzliche Bewegung in die reduzierten Abschnitte, während die Gitarren anschließend umso härter zurückkehren.

Das abschließende »The Wolf King« fällt aus dem bisherigen Rahmen. Neben Growls und Schreien setzt Anders Sinding kurzzeitig auf höhere, beinahe theatralische Stimmen, die Erinnerungen an King Diamond wecken.

Dieser Wechsel dürfte nicht jeden Hörer sofort überzeugen. Innerhalb des Albums ist er jedoch sinnvoll, weil er das Finale klar von den vorherigen Stücken abgrenzt. Die hohen Stimmen werden sparsam verwendet und übernehmen nicht die gesamte Komposition.

Gitarren und Schlagzeug bleiben im bekannten Spannungsfeld aus Thrash, Melodic Death und Groove Metal. Der Song beendet das Album nicht mit maximaler Geschwindigkeit, sondern mit einer breiteren und leicht unheimlichen Atmosphäre. Dadurch entsteht ein tatsächlicher Schluss, statt lediglich ein weiterer Angriff an die Trackliste angehängt zu werden.

FÜNF MUSIKER MIT GEMEINSAMEM ZIEL

Die größte Stärke von Perpetual Ruin liegt im geschlossenen Zusammenspiel. Kein Instrument wird dauerhaft als technische Hauptattraktion behandelt. Die Musiker ordnen ihre Fähigkeiten den Songs unter und setzen Virtuosität gezielt ein.

Jens H. und Troels Rasmussen bilden eine vielseitige Gitarrenfront. Schwere Groove-Riffs, schnelle Thrash-Akkorde und harmonisierte Melodien greifen ineinander. Die Leads sind präzise, werden aber nicht zu ausgedehnten Solovorführungen.

Emil Stephansen bleibt auch unter den dichten Gitarren hörbar. Besonders in den rhythmisch reduzierten Passagen liefert sein Bass eigene Bewegungen und verhindert, dass die tiefen Frequenzen vollständig von den Gitarren besetzt werden.

Troels Lund-Sørensen spielt kraftvoll und variabel. Er verwendet Doublebass und schnelle Thrash-Rhythmen, versteht aber ebenso die Wirkung langsamer, schwer gesetzter Schläge. Seine Leistung gibt den einzelnen Stücken jeweils eine eigene Bewegungsform.

Anders Sinding besitzt eine aggressive und vielseitige Stimme. Die Verbindung aus Growls, Schreien und den ungewöhnlichen hohen Passagen des Finales sorgt für Abwechslung. Nur gelegentlich nimmt der sehr präsente Gesang den Gitarren etwas Raum.

MODERNER DRUCK OHNE VOLLSTÄNDIGE GLÄTTUNG

Chris Kreutzfeldt, bekannt durch seine Arbeit mit Cabal, Møl und Ghost Iris, verantwortet Produktion, Mixing und Mastering. Das Album klingt entsprechend modern, breit und druckvoll.

Die Gitarren besitzen erhebliches Gewicht, bleiben aber klar genug, um melodische Doppelspuren und kurze Leads erkennen zu lassen. Die Bassdrum setzt sich deutlich durch, während Snare und Toms ausreichend Körper behalten. Auch der Bass wird nicht vollständig unter der Gitarrenwand begraben.

Der Klang ist stärker kontrolliert als bei einer rohen Old-School-Thrash-Produktion. Manche Übergänge wirken beinahe zu sauber und verlieren etwas von jener Gefahr, die ein weniger polierter Mix erzeugen könnte. Für die Verbindung aus Melodic Death, Groove Metal und Hardcore ist die moderne Produktion jedoch grundsätzlich passend.

Besonders positiv fällt die Dynamik innerhalb der Arrangements auf. Die Songs sind laut und massiv, bestehen aber nicht aus einer vollständig gleichförmigen Klangfläche. Ruhigere Einstiege, verlangsamte Strophen und melodische Gitarren erhalten genügend Platz, bevor die gesamte Band wieder einsetzt.

VOM STILLSTAND ZUR PERMANENTEN ZERSTÖRUNG

Avarice wurden bereits 2006 gegründet und erspielten sich innerhalb der dänischen Metal-Szene einen Namen. Nach einer langen Unterbrechung kehrte die Formation 2021 mit der EP »Reborn In Blood« zurück.

Das selbstbetitelte Debütalbum erschien 2023 und etablierte die heutige Verbindung aus Death Metal, Thrash, Melodie und Groove. »Perpetual Ruin« setzt diesen Weg fort, wirkt jedoch fokussierter und produktionstechnisch deutlich mächtiger.

Die Band besitzt noch nicht in jedem Stück eine vollständig unverwechselbare Handschrift. Vergleiche mit Sepultura, Machine Head, Slayer, Trivium und The Haunted drängen sich regelmäßig auf. Avarice übernehmen jedoch keine einzelne Vorlage vollständig, sondern kombinieren verschiedene Einflüsse zu einem schlüssigen Gesamtbild.

Gelegentlich ähneln sich die schweren Midtempo-Riffs und Groove-Breaks. Das Album gleicht diese Nähe durch melodische Passagen, wechselnde Tempi und das ungewöhnliche Finale aus. Mit 41 Minuten ist die Spielzeit zudem kompakt genug, um Ermüdungserscheinungen zu vermeiden.

FAZIT:

»Perpetual Ruin« ist ein kraftvolles zweites Album, auf dem Avarice Melodic Death Metal, Thrash, Groove und Hardcore zu einer modernen und bühnentauglichen Einheit verbinden. Besonders »Beyond the Grave«, »Tyrannicide«, »Cult of the Forgotten God« und »Nature Prevails« überzeugen, während einige ähnlich aufgebaute Midtempo-Riffs und die stellenweise sehr kontrollierte Produktion leichte Abzüge verursachen. Der ewige Kreislauf des Untergangs mag inhaltlich unausweichlich sein – musikalisch befinden sich die Dänen jedoch eindeutig im Aufstieg.

Internet

Avarice - Perpetual Ruin - CD Review

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