GEFRIERBRAND – Es war einmal

GEFRIERBRAND – Es war einmal album cover

Band: Gefrierbrand
Titel: Es war einmal
Label: Self-Released
VÖ: 29/02/20
Genre: Death/Black Metal
Bewertung: 4,5/5

Ein Album rund um Märchen und Sagen zu kreieren ist ein genialer Einfall seitens GEFRIERBRAND. Wenn man bedenkt, dass die Märchen, die uns als Kinder vorm Schlafengehen vorgelesen wurden, in Wirklichkeit auf ganz anderen, teils extrem blutrünstigen Geschichten basieren, passt die Thematik umso besser zu einer Metal-Band. Schon CARACH ANGREN haben mit „This is No Fairytale“ bewiesen, dass man ein Kindermärchen in ein wahrhaftiges Schauermärchen verwandeln kann.

Inspiriert von den dunklen Wäldern und tiefen Tälern des Schwarzwaldes schufen GEFRIERBRAND also „Es war einmal“, das noch düsterer und gleichzeitig melodischer sein soll als die beiden Vorgänger, „Zeitensturm“ und „Weltenbrand“. Klingt ja vielversprechend…

Ein quietschender Schaukelstuhl, Buchseiten, die umgeblättert werden und eine Akustikgitarre – mehr braucht es nicht für ein spannendes Intro. „Es war einmal“ bereitet einem von Anfang bis Ende Freude. Nach dem Intro geht es erbarmungslos weiter mit dem gleichnamigen Lied. Der Puls schnellt auf 180, was den schnellen Riffs und Drums geschuldet ist. Dazu kommt der absolut geniale Text: kurze prägnante Zusammenfassungen und Highlights von vielen bekannten Märchen, die zum Teil auf der CD selbst noch einmal thematisiert werden. Das allerbeste ist allerdings der Gesang. Dieses diabolische Geschrei, das irgendwo zwischen Death und Black Metal-Vocals angesiedelt ist – traumhaft!

Boten des Todes“ – wo zum Teufel bleibt meine schallisolierte Gummizelle?! Das Lied ist einfach so episch, so brutal und aggressiv, ich liebe es! Ich bekomme dabei immer das starke Bedürfnis, irgendetwas zu zerstören und laut mitzuschreien. Wahrscheinlich kennt ihr das Gefühl selbst, wenn ein Lied euch emotional komplett aus der Bahn wirft und euer innerer Dämon überhand nimmt. Naja, so fühlt es sich zumindest bei mir an.

Leider, oder zum Glück, bleibt dieses Gefühl das ganze restliche Album relativ konstant. „Der Graf von Gleichen“ ist nämlich mindestens genau so genial wie das Lied davor und das danach. „Wie Kinder Schlachtens miteinander gespielt haben“ startet mit basslastigem Intro und erweckt den Eindruck, dass es ein ruhigerer Song wird. Der Schein trügt gewaltig. Diese Grausamkeit der Lyrics, der teuflische Gesang und die perfekte musikalische Untermalung machen auch diesen Titel zu einen meiner Favoriten.

Das Intro von „Totenhemdchen“ erinnert mich an irgendeine Melodie oder ein Lied. Ich zerbreche mir seit ich es das erste Mal gehört habe den Kopf darüber, aber ich komme einfach nicht darauf. „Totenhemdchen“ hat etwas Gruseliges an sich. Wenn man dem Text Aufmerksamkeit schenkt, läuft einem ein kalter Schauer über den Rücken. Besonders als nach ungefähr drei Minuten die Stimmung komplett kippt – genial.

Tief im Frost“ ist schneller und ein weiteres Highlight. Einen typischen Chorus gibt es nicht, dafür Strophen, die erneut meinen Dämon glücklich stimmen. Das nächste Lied ist wieder schneller. In „Das letzte Haus (am Ende des Brotkrumenweges)“ geht es um das Märchen von Hänsel und Gretel. Die beste Stelle kommt gegen Ende, wo die Atmosphäre kurz umschwenkt und dann wieder eskaliert.

Grab aus Dornen“ handelt von Dornröschen und startet sehr ruhig, wobei auch hier schnell die Stimmung auf Donnerwetter umschlägt. Die Neuinterpretation ist absolut genial, aber ich will inhaltlich nichts vorwegnehmen. „Das Schrättele“ ist das erste Lied das mir nicht so gut gefällt. Ich kann nicht genau sagen, wieso, denn es ist auf keinen Fall schlecht. Aber es ist das letzte, das ich auswählen würde, wenn ich ein beliebiges Lied des Albums hören möchte.

In „Rot“ geht es wenig überraschend um Rotkäppchen, jedoch erzählt aus der Perspektive des Wolfs. Zum ersten Mal hört man den klaren Gesang von Gitarristen Frosch, der mir ehrlich gestanden nicht so gut gefällt. Er hört sich ein bisschen schief an. Die Idee, für diesen Song clean vocals mit Teufelszunge zu kombinieren, war allerdings genau richtig. Die Umsetzung ist leider nicht so gelungen.

Fazit: „Es war einmal“ ist eine grausam-schöne Neuinterpretation alter Märchen und Sagen, die einem ein böses Grinsen ins Gesicht zaubert und Kindheitserinnerungen blutrot färbt.

Tracklist

01. Prolog
02. Es war einmal
03. Die Boten des Todes
04. Der Graf von Gleichen
05. Wie Kinder Schlachtens miteinander gespielt haben

06. Totenhemdchen
07. Tief im Forst
08. Das letzte Haus (am Ende des Brotkrumenweges)
09. Grab aus Dornen
10. Das Schrättele
11. Rot

Besetzung

Tom Seyfarth (Lead-Vocals)
Julian Fröschle (Guitar & Vocals)
Sascha Dummann (Guitar & Vocals)
Ingo Pfisterer (Bass)
Yannick Argast (Drums)

Internet

GEFRIERBRAND – Es war einmal CD Review

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