Joey DeMaio´s Spoken Word Tour Kleine Meistersingerhalle, Nürnberg 02.11.2019

Dass die Final Battle Tour nicht wirklich das Ende von MANOWAR sein sollte, war wohl für die wenigsten eine Überraschung. Ich persönlich hatte gedacht, dass es zumindest eine formale Auflösung, gefolgt von einer Reunion-Tour ab 2020 geben würde.

Stattdessen hat man im Nachhinein behauptet, das Wort Abschied sei nie im Raum gestanden. Leider sind  MANOWAR zu faul, ihre eigene offizielle News-Sektion entsprechend zu frisieren, wo auch heute noch schwarz auf weiß von „Final Tour“ und „Farewell“ zu lesen ist!

Die Spoken Word Tour des Joey DeMaio wurde dennoch bereits früh eingeplant, weil man halt unverbesserlich ist. Die Wartezeit auf das Event war dann von viel selbstironischen und sarkastischen Spekulationen geprägt: Wie würde dieses angeblich nie dagewesene multimedial-epochale Ereignis aussehen? Wird der stolze Ticketpreis annähernd in Leistung aufgewogen? Wird Joey überhaupt live-haftig auftreten, oder als 3D-Hologramm vor sich hin labern? Wird er innerhalb der ersten 10 Minuten abbrechen, weil das Mikro nicht zu 100% seinen Ansprüchen genügt? Wird außer mir und meinem Kumpel überhaupt jemand auftauchen? Wird Götz Kühnemund die Veranstaltung stürmen?

Wie voll war es? Nun, allein waren wir nicht. Der Ansturm war allerdings begrenzt, so dass der Saal wohl nicht einmal halbvoll war. Auffallend war das deutlich gehobene Altersspektrum der spärlich angereisten Fans (Mit 30plus zählte ich zu den Youngsters vor Ort).

Es ist als Band natürlich schön, wenn alte Fans einem treu bleiben. Das zeigt aber auch, dass MANOWAR mit ihren halbseidenen Aktionen der letzten Jahre keine neuen Fans mehr hinzugewinnen konnten. Zumindest keine, die gewillt sind, 70 Euro fürs Redenschwingen auszugeben.

Nicht gerade Rock´n´Roll war die Stimmung vor Ort. Weitestgehende Stille prägte die weitläufigen Hallen der Location, in denen die angegraute Bandshirt-Trägerschaft wie ein merkwürdiger Fremdkörper wirkte.

Nun denn, wir betreten den Saal, in denen akribisch aufgereihte und halbleere Reihen von Stühlen sich erstreckten.

Eine Lächerlichkeit am Rande war dort die sogenannte Brandschutzmaßnahme: Man durfte seine Jacke nicht über die Lehne des Stuhls legen, sondern hatte diese schön artig auf den Schoss zu legen. Unser Glück, dass ein Security-Fachmann penibel über die Einhaltung dieser lebensrettenden Maßnahme wachte, es wäre sonst sicher ein Inferno ausgebrochen.

Ein Wunder, dass im hintersten Teil des Saales ein Merchandise-Ständchen aufgebaut werden durfte, in dessen Nähe ich mich nun lieber nicht mehr wagte – Ein zu intensives Beschauen der Ware hätte möglicherweise eine Stichflamme erzeugt.

Gegen 20:30 Uhr schritt jedenfalls der Mann der Stunde selbstbewusst auf die Rednerbühne. (Es war übrigens unübersehbar, dass der Mann Rechtsträger ist, und man fragte sich: Wie hatte er dieses Ding zu Zeiten des arschfreien Tanga-Bühnenoutfits in der Hose fixieren können?).

Aber Ehre, wem Ehre gebührt: Die Bühne hatte DeMaio über den zweistündigen Auftritt hinweg redegewandt und unterhaltsam im Griff, was das Handwerk des Sprechers anbelangt.
Die Aussage zu Beginn, er hasse es über sich selbst zu sprechen, sorgte natürlich sofort für heitere Stimmung. Und los ging es mit den zu erwartenden Anekdoten über die schwierigen Anfangstage, Probleme mit Clubmanagern wegen der Berge von Verstärkern, Begegnungen mit Ronnie James Dio und Lemmy Kilmister, wie toll Deutschland und die deutschen Fans sind, ein paar Frauengeschichten, und wie er erst mit „Kings Of Metal“ Geld verdient hat. Bei Kings Of Metal endet dann auch die Band-Geschichte, schließlich ist zum hierzu erschienenen (und mit 50 Euro überteuerte) Bilder(!)buch „Blood Of The Kings“ zumindest ein weiterer Teil geplant.

Der Ausstieg von Ross The Boss wird sehr kurz abgehandelt: Der Mann wollte plötzlich halt wieder nur Blues spielen, so die knappe Erklärung.

Das alles wusste DeMaio durchaus unterhaltsam zu erzählen und mit lebendigen Anekdoten zu bereichern. Von irgendwelchen spektakulären Enthüllungen kann allerdings keine Rede sein. Dasselbe gilt für die Bilder und kurzen Videosequenzen aus den gehüteten Bandarchiven.

Zum Abschluss ließ es sich der King Of Kings freilich nicht nehmen, uns darzulegen, wie herzlich egal ihm doch Geld sei und dass ihm lediglich die Fans alles bedeuten. Er endete sehr amerikanisch mit einer „Glaube an dich selbst“-Botschaft, und das war´s.

Als Zusage beantwortete Joey noch einige ausgewählte Fanfragen, welche vor Auftrittsbeginn von den angereisten Fans schriftlich abgeben werden durften. Ich vermute an dieser Stelle stark, dass diese zuvor etwas aussortiert wurden. Anders kann ich mir kaum erklären, dass es keine einzige kritische Frage gab.

Immerhin wissen wir nun, warum MANOWAR kaum auf Festivals spielen: Der Aufwand für einen MANOWAR-Auftritt ist den armen Festivals einfach zu groß. Ja, genau.

Unterm Strich könnte man sagen, dass Joey einen kurzweiligen Rednerabend mit einer guten Prise Humor und vielen Anekdoten hingelegt hat, mit dem er die Anwesenden zwei Stunden lang gut unterhalten konnte. Das reicht aber bei weitem nicht aus, um den im Vorfeld getätigten übergroßen Ankündigungen gerecht zu werden. Der stolze Eintrittspreis ist ebenfalls nie und nimmer gerechtfertigt. Dazu kommt, dass die üblichen großen Worte über die Liebe zu den Fans und die Unwichtigkeit des Geldes jederzeit durch das Geschäftsgebaren des DeMaio widerlegt werden (Bock auf einen Bildband mit Autogramm für 150 Euro?).

Und: Leider war Götz Kühnemund nicht da.

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Wenn mir irgendwas von Manowar nicht gefällt, konsumiere ich es solange, bis ich endlich nach mehreren Durchläufen erkenne, welche Großtat die New Yorker wieder geleistet haben. Leider habe ich diese Geduld nicht bei anderen Bands, tut mir leid für euch.

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