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VOID PARADIGM – Tout Ira Mieux Sans Nous

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cover artwork VOID PARADIGM Tout Ira Mieux Sans Nous
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Band: VOID PARADIGM 🇫🇷
Titel: Tout Ira Mieux Sans Nous
Label: I, Voidhanger Records
VÖ: 12/22/25
Genre: Experimental Black Metal

Bewertung:

3,5/5

Die französische Experimental-Metal-Band VOID PARADIGM präsentiert ihr viertes Studioalbum. „Tout Ira Mieux Sans Nous“ vermischt Elemente aus Black Metal, Doom Metal, Jazz, Progressive und dodekatonischen Kompositionstechniken – eine interessante Stilmischung, ein komplexes Werk.

Gewalttätige Klangattacke trifft Jazz-Fusion

Gequälte Schreie eröffnen das Album, gefolgt von einem gewalttätigen Angriff der Klänge. Der erste Song trägt nur den Titel „Part I“ – tatsächlich besteht das gesamte Album aus nur einem Song, für Vinyl-Zwecke in zwei Teile geteilt. Nach dem sehr aggressiven Start beruhigt sich die Musik mit tribalem Rhythmus und minimaler Instrumentierung. Sehr dissonant, klar im Bereich des Experimentellen, mit Einflüssen aus Jazz oder Fusion, mit guttural geschrienen Vocals, die die abrupte und dissonante, fast disharmonische Instrumentierung sehr gut ergänzen. Aber da steckt mehr im Song: Die Vocals bewegen sich in vielen verschiedenen Registern, jedes mit unterschiedlichen Ansätzen und emotional aufgeladen. Auch die Gitarrentechniken variieren von Stil zu Stil, und die Drums – nicht unbedingt schnell – bringen etwas Ordnung ins allgemeine Chaos.

Komplexe Komposition, komplizierte Instrumentierung – die Leadgitarre kann wirklich zerrissen und unmelodisch sein, kurze Quietscher, aber immer gefolgt von melodischeren Passagen. Der Rhythmus ist ziemlich langsam, mit Wechseln, die eine druckvollere oder erdrückendere Atmosphäre bringen, mit Doom-artigen Tempos oder manchmal Groove-Tempos. Weit entfernt von einem harmonischen Stück sind widersprüchliche Akkorde die Hauptthemen. Eine sehr langsame und lange Passage mit gesprochenen Vocals, sehr emotional vorgetragen von Gastvocalistin Mütterlein (Marion Leclercq), beendet den Song. Kein besonders erfreuliches Hörerlebnis – der experimentelle Teil des Albums kann manchmal wirklich seltsam sein, aber eine treffende Übung in sehr zeitgenössischer Musik.

VOID PARADIGM sind in Rouen, Normandie, ansässig, und der Hauptsongwriter ist Julien Payan (Ataraxie, Sordide) an Gitarren und Bass. An seiner Seite der Jazz-Metal-Drummer Alexis Damien (No Terror In The Bang) und Sänger Jo Théry (Ataraxie, Funeralium), beide ebenfalls an den musikalischen Arrangements beteiligt. Zu guter Letzt fügt Special Guest Mütterlein mit ihrer kraftvollen Vocal-Performance der Identität des Albums etwas hinzu.

Nihilismus in perfekt eingefangener Kakophonie

Die Produktion ist sehr gut – die Kakophonie von Klängen ist perfekt eingefangen. Ohne Exzesse oder zu poliert dient sie der Musik. Guter Bass, sparsame Drums, stilistisch vielfältige Gitarren und unfreundliche Vocals sind alle sehr gut ausbalanciert. „Tout Ira Mieux Sans Nous“ erkundet Nihilismus, die zeitgenössischen Störungen – klimatisch, sozial, politisch – und den unstillbaren Drang nach endlosem Wachstum und Individualismus, die die Menschheit ihrem eigenen Untergang entgegentreiben.

Das sehr langsame Tempo, das den ersten Teil beendet, setzt sich in „Part II“ fort, nur mit anderem Vocal-Ansatz und einer noch quietschigeren Gitarre, aber der Gesamtsound bleibt in derselben Zone. Für einen großen Teil des Songs kontrollieren die Drums die Musik auf nicht sehr schnelle, aber intelligente Weise. Das verwandelt sich langsam in einen sehr Uptempo-Moment – ein sehr guter und interessanter. Immer noch nicht melodisch, aber mit solidem Rhythmus und kohärenteren Gitarren und Vocals. Wäre das ein eigenständiger Song, sicher ein Höhepunkt des Albums.

Doch langsame und atmosphärische Musik kehrt in den folgenden Passagen zurück mit erneuter Verzweiflung in den Vocals – Mütterleins Beitrag zur emotionalen Aufladung der Musik ist unbestreitbar. Die gesamte Klanglandschaft kehrt zum typischen Sound der Band zurück: dramatisch, erdrückend. Vergessen wir nicht, dass wir in VOID PARADIGM zwei Musiker haben, die auch den Sound von Ataraxie prägen – einer der überwältigendsten und erdrückendsten Atmosphären, die man in Doom/Funeral-Doom-Metal finden kann. Geschrien, mit disharmonischen Klängen für den Großteil des Songs. Die Atmosphäre bleibt verstörend, aber kurze melancholische Einflüsse machen sich ebenfalls bemerkbar. Das Album endet abrupt, unerwartet, auf dieselbe schroffe Art, wie es begonnen hat.

Experimentell, fordernd, nicht für jeden

Stilistisch nicht ganz Black Metal – vielleicht kann der Vocal-Ansatz auf manchen Passagen diesem Genre zugeordnet werden, selten die Gitarre, aber in seiner Authentizität und Dissonanz hat es die Essenz von Black Metal eingefangen. Nicht sehr viel musikalische Substanz im Album, aber das ist typisch für experimentelle Musik – sehr lange Passagen von nur wiederholten dissonanten Akkorden, die in verschiedenen Registern alternieren. Dennoch gibt es hier Momente bemerkenswert guter Musik, nur sind die unter Lärm und disharmonischen Passagen verborgen. Und hier werden die Worte disharmonisch oder dissonant als musikalische Begriffe verwendet, nicht um etwas Schlechtes auszudrücken.

Eher eine Klangsammlung, aber das erwartet man von Musik, die als experimentell bezeichnet wird. Keine einheitliche Arbeit – die Stile und Einflüsse machen die Musik von VOID PARADIGM zu einer interessanten, aber sehr zusammenhanglosen Erfahrung. Aber intensiv, verstörende Musik. Nicht für jeden – „Tout Ira Mieux Sans Nous“ erfordert Geduld und sicherlich den Wunsch, experimentelle Musik auszuprobieren.

Fazit: VOID PARADIGM erkunden mit „Tout Ira Mieux Sans Nous“ weiterhin seltsame Klangwelten – disharmonisch und schrill.

Tracklist

01. Part I
02. Part II

Besetzung

Alexis Damien – drums
Julien Payan – guitars, bass
Jonathan Thery – vocals

Special guest on vocals – Mütterlein

Internet

VOID PARADIGM – Tout Ira Mieux Sans Nous CD Review

ASTRAL SPEAR – Ancient Throne of Sinister Rites

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cover artwork ASTRAL SPEAR Ancient Throne of Sinister Rites
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Band: ASTRAL SPEAR 🇵🇱
Titel: Ancient Throne of Sinister Rites (EP)
Label: Signal Rex
VÖ: 12/12/25
Genre: Black Metal

Bewertung:

4/5

Eine neue Black-Metal-Band, die als mysteriöse Entität auftritt und sich der Welt ausschließlich durch ihre Musik vorstellen will. ASTRAL SPEAR präsentieren ihr Debütalbum „Ancient Throne of Sinister Rites“ – eine Ode an puren Old-School-Black-Metal.

Kraftvoller Start mit polnischen Black Metal Einflüssen

Der erste Song, schlicht „Intro“ genannt, besteht aus Windgeräuschen, Naturklängen und einer entfernten Melodie. Nur eine sehr kurze Passage, um uns in die Atmosphäre zu holen. „On Your Command“ liefert dann echten Old-School-Black-Metal-Sound. Dicht, aggressiv, roh – ein sehr guter und typischer Klang. Nicht wahnsinnig schnell, vielmehr eine Kombination aus atmosphärischer und aggressiver Melodie, aber eine überzeugende. Geschriene Vocals, Shrieks und rohe Gitarren, alles kombiniert mit einer atmosphärischen Note, die dem Song eine besondere Aura verleiht. Ein klarer Einfluss auch vom frühen polnischen Black Metal – die ersten Behemoth-Alben haben hier Resonanz, aber nicht nur. Ein starker Start, beeindruckende rohe Musik, guter Black Metal.

Die polnischen Newcomer sind eine weitere von Mysterium umhüllte Black-Metal-Band – kaum etwas lässt sich über sie finden. Eigentlich nichts, sie haben es geschafft, jede Identität oder Geschichte zu verbergen. Auch nicht viel über das Album – sowohl Band als auch Label halten die Verwirrung aufrecht, unentschieden über den Titel, der als „Astral Spear“ oder „Ancient Throne of Sinister Rites“ zu finden ist, auch als Mini-LP oder EP bezeichnet. Aber all das sind Details. Wie immer, wenn eine Band sich verstecken will, sollten wir einfach die Musik sprechen lassen.

Melodische Leadgitarre als emotionales Zentrum

Der nächste Song, treffend „Intro II“ betitelt, sind nur ein paar Sekunden Heulen, bevor „My Master’s Call“ dieselben gequälten Schreie und massive Instrumentierung als Klangwand bringt. Die Leadgitarre webt einen melancholischen und melodischen Akzent, wird aber nicht von solider Instrumentierung gestützt – bleibt allein mit den Drums, um ein melodisches Solo zu weben. Ein simpler, aber kraftvoller Song, geladen mit Nostalgie und Traurigkeit. Eine leichte Abkehr von norwegischen Vorvätern, zu melodisch in dieser Hinsicht, aber wieder eine gute, inspirierte Komposition.

Die Produktion lässt sich als roh klassifizieren, aber mit ein paar klaren Elementen. Insgesamt bleibt sie dem authentischen Black-Metal-Ansatz treu mit sehr dichtem Mix. Die Vocals klingen distant und infernalisch, harsch, dämonisch, während die Instrumentierung dicht und aggressiv ist. Die Rhythmussektion macht das absolute Minimum und hält das Tempo. Es gibt seltsame Momente, wenn die Leadgitarre sich in melodische Passagen wagt, aber nur ein paar Drum-Beats übrig bleiben. Fast wirkt es, als hätten sie keine Möglichkeit, eine Rhythmusgitarre im selben Raum zu mixen. Diese Passagen klingen jedoch gut und melodisch – nur fühlt man, wie plötzlich der gesamte Hintergrund verschwindet und nur die Leadgitarre strahlen lässt. Etwas merkwürdig.

Wings of Madness“ startet fast leise mit sehr distanten Gitarren, die langsam den Sound öffnen. Eine solide Basspräsenz gibt etwas Dynamik, ansonsten ein langsamer und minimalistischer Song. Immer noch melodisch, aber abrasiver – eine weinende Leadgitarre fügt eine neue melancholische Stimmung hinzu. Aber ein direkter, infernalischer Sound.

Ein weiteres Interlude ist „Intro III„, diesmal länger, aber wieder nur mit gruseligen Klängen – wirkt wieder etwas fehl am Platz. Der finale richtige Song „Herald of Torment“ gewinnt etwas Kraft zurück wie in den ersten Songs und ist schneller. Ansonsten dieselben dämonischen Shrieks und insgesamt aggressiver Sound. Eine verhallte Leadgitarre sichert die melodische Note, aber der Gesamtsound bleibt laut und voll. Ein abruptes Ende hinterlässt den Eindruck, dass etwas noch nicht fertig ist. Nun ja, das ist die künstlerische Vision und sicher eine typische Black-Metal-Vision.

Vielversprechendes Debüt mit ungenutztem Potential

Keine revolutionäre Arbeit, eher eine Hommage an Old School. Simpler Black Metal mit allen Charakteristiken des Genres. Gute Songs, irgendwie sind die Intros etwas nervig und haben keinen Wert als Songs – sollten besser in die folgenden Songs integriert werden. Vielleicht brauchen sie eine längere Tracklist, damit es wie eine Mini-LP aussieht, aber das wirkt wie ein Trick. Die Hauptsongs sind ziemlich kurz und fühlen sich oft so an, als hätten sie ihr musikalisches Potential nicht voll ausgeschöpft. Eher wie eine Eröffnung ohne Schluss – oder vielleicht liegt es daran, dass die Musik so gut ist, dass man mehr will.

Die interessantesten Teile sind die melodischen Leadgitarren-Passagen, die mit Seele und Melodie daherkommen und in jedem der Songs die melodische Balance geben, die sonst nicht so präsent ist. Dieses kurze Album zeigt das Potential der Band. Die Musik ist gut, und trotz ihrer Einflüsse schaffen sie es, etwas Einzigartiges und Authentisches zu kreieren.

Fazit: ASTRAL SPEAR wirken mit ihrem Debüt wie eine vielversprechende Band – eine kurze Arbeit, aber mit vielen denkwürdigen Momenten.

Tracklist

01. Intro
02. On Your Command
03. Intro II
04. My Master’s Call
05. Wings of Madness
06. Intro III
07. Herald of Torment

Besetzung

Internet

ASTRAL SPEAR – Ancient Throne of Sinister Rites CD Review

WINDSWEPT – The Devil’s Vertep

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cover artwork WINDSWEPT The Devil’s Vertep
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Band: WINDSWEPT 🇺🇦
Titel: The Devil’s Vertep
Label: Season of Mist: Underground Activists
VÖ: 12/12/25
Genre: Black Metal

Bewertung:

4/5

WINDSWEPT, das ukrainische Black-Metal-Projekt, kehrt mit seinem dritten Studioalbum zurück: „The Devil’s Vertep„, ein Konzeptwerk, das historische Fakten ans Licht bringt und in Musik hüllt – düstere, dunkle, beklemmende Musik.

Historisches Drama in rohem Black Metal

Ein plötzlicher und sehr aggressiver Start. „Infanticide“ beginnt, die historische Geschichte der grausamen Entdeckung einer Säuglingsleiche zu erzählen. Musikalisch typischer Black Metal mit einem Hauch Emotion und Atmosphäre. Melodisch, aber mit abrasiven Vocals – Shrieks, fast schreiend, aber sehr leidenschaftlich und ausdrucksstark. Nicht sehr kompliziert in der Komposition, aber der Sound ist voll, mit klarem Bass und unerbittlich hämmernden Drums. Ein guter Start, ein repräsentativer Song für WINDSWEPT.

Inspiriert von den Hexenprozessen 1753–1754 in der Westukraine entfaltet sich die Erzählung über die Songs des Albums und taucht die Hörer glaubwürdig in eine eisige Atmosphäre aus Anklage, Geständnis und Hinrichtung ein.

Investigation“ startet noch weniger melodisch mit klaren Riffs und denselben dämonischen, infernalischen und erstickten Shrieks. Die Melodie ist simpel, selbst wenn ein Rhythmuswechsel mehr Kraft in den Song einbringt. Die Rhythmusgitarre sichert auch das Fundament des Songs, aber das Tremolo-artige ist das, was den Sound mit Black Metal verbindet. Eine Crust-Passage verleiht einen neuen und multidimensionalen Klang. Eine komplexe Komposition, übersetzt in simple Akkorde, aber insgesamt eine gute.

2016 von Roman Sayenko gegründet, am besten bekannt als treibende Kraft hinter Drudkh, wurde WINDSWEPT als Raum für Spontaneität und instinktives Schaffen konzipiert. R., wie er auf dem Album genannt wird, übernahm hier nicht nur die Gitarre, sondern auch die Vocals. Zusammen mit zwei engen Mitarbeitern, ebenfalls von DrudkhK. am Bass und V. am Schlagzeug – wollten sie Black Metal in seiner ungefilterten Form einfangen. Sessions wurden mit minimaler Vorbereitung angegangen, oft in nur wenigen Tagen aufgenommen – die Essenz der Band lag in der Improvisation. Sie teilen viele gemeinsame Projekte oder Bands, sind Kollegen bei Drudkh, Hate Forest, Precambrian, Rattenfänger oder Ex-Mitglieder von Bands wie Blood of Kingu, Dark Ages, Old Silver Key, Herbarium oder Pragmatik. Durch all diese Projekte zeigen sie eine große Bandbreite an Kreativität.

Musik als Erzählung der Geschichte

Knarrende Klänge, dissonante eröffnen „Torture & Confession„, aber nur für kurze Zeit – ein konstanter Rhythmus übernimmt bald die Kontrolle, ein anderer Vocal-Ansatz und wieder eine melodische Linie mit melancholischem, traurigem Touch. Und wieder eine distinkte Basslinie – ein sehr wichtiger Beitrag zum Gesamtsound. Die Geschichte, die erzählt wird und lyrisch den vorherigen Song fortsetzt, handelt von Verhören und Folter mit einer sehr evokativem Mittelpassage, die Lyrics und Musik verbindet – dynamisch und aggressiv.

Die Produktion ist roh, aber in dieser Hinsicht eine gute – behält den rohen Sound bei, lässt aber auch die Musik klar wahrnehmbar werden. Eine seltene Sache: Ein sehr präsenter und starker Bass ist über die gesamte Dauer des Albums zu hören, nicht nur ein paar Noten. Aber die Musik hat mehr Facetten, und alle sind unterschiedlich aufgenommen, um näher an der Geschichte zu sein, die der Reim erzählt. Jedes Instrument ist ziemlich klar zu hören. Irgendwie atypisch für das Genre – ein Widerspruch zwischen Klarheit und Rohheit, aber insgesamt ein ausgewogener Sound.

Dieselbe Klanglandschaft in „The Potion“ – unerbittliche Drums und verzweifelt schreiende Vocals. Eine kalte und dunkle Stimmung umgibt die Akkorde, die immer noch sehr minimal sind. Sehr aggressive Drums, nicht nur als Technik, sondern auch als Sound, mit einer melodischen, hallenden Leadgitarre – der Sound entwickelt sich zu einem vollen, bei dem alle Instrumente in einem hohen Tempo und sehr gut koordinierten Einsatz beitragen. Wieder verschiedene Klangtexturen verwendet, um die dramatische Geschichte zu vermitteln: „Nest of the Witches“ bringt einen dichteren Gitarrensound und einen langsameren, aber erdrückenderen Rhythmus. Mit repetitiven Akkorden, aber keine fade Musik – sie haben die Musik klar gestaltet, um der Geschichte zu folgen. Nun sprechen die Reime die Anklagen aus, und die Musik ist erdrückend, trostlos, hoffnungslos.

Der finale Song, die Schlussfolgerung, treffend benannt „Verdicts„, und die Musik oszilliert zwischen voll aggressiv und nur atmosphärisch. Die Leadgitarre kommt nur mit ein paar Akzenten, disparate Noten, aber mit kraftvoller Wirkung. Ghoulische, dämonische Vocals sind ebenfalls eher kurze Akzente, um die musikalische Richtung zu unterstreichen. Das Album schließt in einer traurigen Note – eine Stimmung voller Trauer, Traurigkeit, ein hoffnungsloses Gefühl.

Authentische Geschichtenerzähler mit starkem Erbe

Die Musiker hinter dem Projekt sind so gute Geschichtenerzähler und schaffen es, Lyrics mit einem Sound zu ergänzen, der diese zusammenbindet. Erinnert sehr klar an späte Darkthrone mit ihrer Musik, die so viele musikalische Stile umfasste. Sicher haben alle anderen Projekte der Bandmitglieder Resonanz in WINDSWEPTs Musik auf „The Devil’s Vertep“ – letztendlich sind es dieselben Musiker. Man findet Echos von Drudkh oder Hate Forest über das gesamte Album. Und das ist eine gute Sache.

Das gesamte Album hat ein Gefühl von Authentizität – musikalisch durch einen intuitiven Ansatz und ein sehr gutes Gespür für Komposition, aber auch als Sound: simpel, aber wild, unkompliziert, aber mit der erdrückenden Atmosphäre, die zur historischen Geschichte gehört. Für jeden, der WINDSWEPTs frühere Alben kennt, ist „The Devil’s Vertep“ keine Abkehr von ihrem Sound – vielleicht introspektiver und atmosphärischer und weniger rein Black Metal, auch nicht sehr weit von Werken anderer Bands entfernt, die mit den Mitgliedern verbunden sind.

Fazit: WINDSWEPTs neues Album „The Devil’s Vertep“ lässt eine traurige Geschichte in Musik verwandeln – die Musik fängt Schmerz, Verzweiflung und dunkle Gefühle ein.

Tracklist

01. Infanticide
02. Investigation
03. Torture & Confession
04. The Potion
05. Nest of the Witches
06. Verdicts

Besetzung

K. – Bass
V. – Drums
R. – Guitars, Vocals

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WINDSWEPT – The Devil’s Vertep CD Review

WOUNDED IN FOREST – Antihuman Artist

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Wounded In Forest - Antihuman Artist - album cover
Wounded In Forest - Antihuman Artist - album cover

Band: WOUNDED IN FOREST 🇫🇮
Titel: Antihuman Artist
Label: Inverse Records
VÖ: 05/12/25
Genre: Death Metal

Bewertung:

4/5

Wenn man Death-Metal hört, denkt man automatisch an brutale Riffs, tiefe Growls und eine unverblümte Aggression, die direkt ins Mark trifft. Mit ihrem aktuellen Album »Antihuman Artist« liefern WOUNDED IN FOREST genau das – und noch ein bisschen mehr. Die Band aus Finnland zeigt, wie man das Genre nicht nur bedient, sondern ihm neue Nuancen verleiht.

Das Line-up bleibt stabil und bestens eingespielt: Joni Moisanen übernimmt den Gesang und die Gitarren, unterstützt von Joonas Kokkoniemi an der Gitarre. Miikka Pyykkönen sorgt am Bass nicht bloß für den tiefen, druckvollen Unterbau, sondern steuert gelegentlich auch Gesang bei. Jussi Tuomisto schließlich hält am Schlagzeug alles zusammen, mit präzisem Blastbeat-Spiel und einem Timing, das die gnadenlose Dynamik der Songs perfekt trägt. Dieses Zusammenspiel ist sofort hörbar – die Musiker verstehen einander blind und das wirkt auf »Antihuman Artist« wie eine gewachsene Einheit, die jeden Song trägt.

Gitarren wälzen sich wie eine dunkle Flut

Schon der Opener »The Growth« ist ein Statement. Die Gitarren wälzen sich wie eine dunkle Flut über die Rhythmussektion, während Moisanens tiefe Growls eine Atmosphäre schaffen, die gleichzeitig bedrückend und magnetisch ist. Die Band nutzt hier nicht isoliert Brutalität als Mittel, sondern setzt subtile Nuancen ein: kleine Tempowechsel, dissonante Harmonien und dynamische Pausen sorgen dafür, dass der Song mehr ist als eine simple Ansammlung von Riffs. Es ist der Auftakt zu einem Album, das in sich geschlossen wirkt, aber nie eintönig wird.

»Take the Son of a Bitch« treibt diese Intensität weiter. Hier wird die rohe Gewalt mit einer annähernd punkigen Direktheit kombiniert. Das Schlagzeug hämmert unbarmherzig, die Gitarren schneiden sich durch die Mixebenen, und der Gesang schwankt zwischen growlendem Untergang und wütendem Schreien. Man spürt die Energie der Band, die scheinbar jede Note aus sich herauspresst, ohne dass es nach Mühe aussieht. Gleichzeitig zeigt sich eine gewisse Struktur, die den Song nicht uneingeschränkt zu einem wilden Gebräu macht, sondern zu einem präzisen geschnitzten Angriff auf die Sinne.

Mit »Virent Carnes« wird die dunkle, beinahe schon morbide Seite von WOUNDED IN FOREST sichtbar. Das Stück ist langsamer, bedrohlicher, approximativ hypnotisch. Hier zeigt sich, dass die Band mehr kann als unbedeutend Geschwindigkeit und Brutalität. Kleine melodische Motive, die sich zwischen den dröhnenden Riffs verstecken, sorgen für Spannung und geben dem Song eine unterschwellige Dramatik. Man merkt, dass die Band über das Genre hinausdenkt, ohne es zu verraten.

Gebündelte Energie

»Godspeed Filthy Warrior« dagegen ist wieder ein schnellerer, härterer Track, der klassische Death-Metal-Elemente aufgreift, ohne dabei altbacken zu wirken. Die Gitarrenarbeit ist hier besonders hervorzuheben: Moisanen und Kokkoniemi ergänzen sich perfekt, wechseln zwischen brutalem Power-Chording und schnelleren Lead-Passagen, die das Ohr fordern und gleichzeitig fesseln. Die rhythmische Basis aus Bass und Schlagzeug hält alles zusammen und gibt den Songs eine klare Richtung, wenngleich sie durch die komplexen Riffs vielschichtig wirkt.

Mit »Altar of Needles« geht die Band in eine experimentellere Richtung. Das Tempo wechselt, die Stimmung schwankt zwischen bedrückender Dichte und angenähert doomartigen Momenten. Es ist ein Song, der zeigt, dass WOUNDED IN FOREST nicht in einem Schema gefangen ist. Die Band wagt kleine Brüche im Songaufbau, die hingegen immer organisch wirken, niemals erzwungen.

Den Abschluss bildet »The Last Leg«, ein Stück, das die bisherige Energie bündelt und noch einmal alles gibt, was die Band auszeichnet: Wucht, Präzision, Atmosphäre. Der Song wirkt wie ein finales Statement – hier klingt die Band nicht allein wütend, sondern daneben selbstbewusst, streckenweise reflektierend. Es ist ein Abschluss, der das Album rund macht und den Hörer erschöpft, im Kontrast hierzu zufrieden zurücklässt.

Insgesamt hinterlässt »Antihuman Artist« einen starken Eindruck. WOUNDED IN FOREST zeigen, dass sie ihr Handwerk verstanden haben, ohne auf bloße Brutalität zu setzen. Das Album ist abwechslungsreich, durchdacht und handwerklich sauber umgesetzt. Die Produktion unterstützt die Musik perfekt: Alles klingt klar und druckvoll, jeder Schlag sitzt, jede Gitarrenspur hat Raum. Gleichzeitig bleibt die rohe Energie erhalten, die Death Metal ausmacht.

Starkes Statement in der Death-Metal-Szene.

Wenn man einen kleinen Kritikpunkt anbringen will, dann vielleicht, dass die Band noch ein bisschen mutiger in Richtung Eigenständigkeit gehen könnte. Einige Passagen erinnern stark an klassische Genregrößen, und manchmal wünscht man sich, dass sie noch ein Stück weiter in eigene Klanglandschaften vorstoßen. Doch das ist eher ein Schönheitsfehler, denn musikalisch stimmt hier fast alles.

»Antihuman Artist« ist ein Album für Liebhaber von Death-Metal, die neben purer Aggression desgleichen ein Gespür für Dynamik und Struktur schätzen. WOUNDED IN FOREST liefern mit diesem Werk eine starke Visitenkarte ab und zeigen, dass finnischer Death-Metal nicht stupide brutal, sondern darüber hinaus intelligent sein kann.

Fazit: »Antihuman Artist« von WOUNDED IN FOREST ist ein starkes Statement in der Death-Metal-Szene.

Tracklist

01. The Growth
02. Take the Son of a Bitch
03. Virent Carnes
04. Godspeed Filthy Warrior
05. Altar of Needles
06. The Last Leg

 

Besetzung

Joni Moisanen – guitar & vocals
Miikka Pyykkönen – bass & vocals
Joonas Kokkoniemi – guitar
Jussi Tuomisto – drums

 

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WOUNDED IN FOREST – Antihuman Artist CD Review

SEPULCHRAL – Beneath The Shroud

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SEPULCHRAL -Beneath The Shroud - album cover
SEPULCHRAL -Beneath The Shroud - album cover

Band: SEPULCHRAL 🇪🇸
Titel: Beneath The Shroud
Label: Soulseller Records
VÖ: 05/12/25
Genre: Death Metal

Bewertung:

3,5/5

SEPULCHRAL haben sich in den letzten Jahren still, hingegen beharrlich einen Ruf als eigenständige Stimme im Death Metal erspielt. Ihr neues Album »Beneath The Shroud« wirkt wie der bisher klarste Ausdruck dessen, was die Spanier antreibt: düsterer Druck, schleppende Fäulnis, abrupt ausbrechende Gewalt und ein Gespür für bedrückende Atmosphäre. Das Trio Dusk am Bass und Gesang, Gaueko am Mikro und Gorka an Gitarre liefern ein Werk ab, das zwischen verwinkelter Gruftromantik und dröhnender Erdschwere pendelt.

Zwischen verwinkelter Gruftromantik und dröhnender Erdschwere

Der Einstieg über »A Pact Written In Bone Dust« macht sofort klar, wohin die Reise geht. Das kurze Intro klingt wie das Öffnen eines verwitterten Sarkophags. Es ist kein spektakulärer Start, er packt im Gegensatz hierzu durch die Stimmung und leitet nahtlos in den Titelsong »Beneath The Shroud« über, bei dem SEPULCHRAL zum ersten Mal die Zähne zeigen. Die Gitarren sind staubig und roh, aber nicht chaotisch. Gorkas Riffs wirken wie alte, wiedergefundene Fragmente aus der Frühphase des skandinavischen Death Metal, doch ihr Arrangement hat genug eigene Handschrift, um nicht als bloße Verneigung durchzugehen. Mal growlt Dusk breiter und erdiger, mal prescht er mit einem sägenderen Timbre nach vorn. Das sorgt für Bewegung, selbst wenn die Riffs eher in schwerfälligen Schleifen arbeiten. Der Bass grummelt nicht nur im Hintergrund, sondern trägt zur Druckwelle bei.

»Abandoned Feretrum« ist einer der Songs, die sich sofort festsetzen. Nicht wegen eingängiger Melodien, sondern wegen der klaren Dramaturgie. Die Band baut hier stärker auf rhythmische Wiederholungen, die sich winden wie ein Ritual, das niemand freiwillig sehen möchte. Der Mittelteil arbeitet mit einem schleppenden Groove, der approximativ schon Doom-Gene erkennen lässt. Überhaupt neigt die Band dazu, das Tempo herunterzufahren und Spannung in den Pausen aufzubauen. Das erzeugt mehr Gewicht, als es überhastetes Geknüppel könnte.

»Conflagration Of Sacred Bones« bringt im ersten Drittel die aggressivste Phase des Albums. Die Gitarren fächern sich breiter auf, die Vocals wirken härter artikuliert, und das Drumming schlägt im Blastbeat-Modus Funken. Gleichzeitig rutscht der Song später in ein hypnotisches Riffband, dass die Hitze der ersten Minuten in eine träge Glut verwandelt. Diese Wechsel sind eines der stärksten Elemente des Albums: SEPULCHRAL zwingen ihre Stücke nicht in starre Formen, sondern lassen sie atmen wie ein lebender Organismus.

Knarzender Blackened-Death-Metal

Mit »Torchless Crossroads« wird die Platte annähernd unheilvoller. Der Klang wirkt kälter, die Riffs kantiger. Der Song arbeitet viel mit Andeutungen, bevor er wirklich explodiert. »Cloaked Spectres« dagegen ist direkter. Die Gitarren laufen wie eine kreisende Klinge, und die Stimmen beider Sänger verschmelzen zu einem grollenden Nebel, der den Song wie eine zweite Rhythmusspur begleitet.

Einer der Höhepunkte liegt im hinteren Drittel: »From The Crypt, The Putrid Mist«. Der Titel klingt überzogen, im Kontrast hierzu trifft er musikalisch ins Schwarze. Das Stück trägt eine seltsame Mischung aus Behäbigkeit und drohender Bewegung in sich, wie ein Wesen, das sich im Nebel abzeichnet, ohne Form anzunehmen. Das anschließende »Blood, Phlegm, Black Bile« setzt auf rohe Energie. Der Bass knarzt hier besonders stark und treibt das Ganze vorwärts, während die Gitarren stellenweise fast nach altem Blackened-Death klingen.

»Gravestone Covenant« ist ein Song, der vor allem durch seine Struktur überzeugt. Die Band beschränkt sich nicht auf reine Zerstörung, sondern lässt kleine melodische Verformungen zu, die den Song aus dem Einheitsgrau heben. »Poison Wind«  fühlt sich wie der unruhigste Moment der Platte an. Die Riffs sind zerrissen, die Übergänge abrupt, und die Vocals brüllen eher, als dass sie formen. Manche werden das als Highlight sehen, andere als überladenen Zwischenschritt.

Das finale »Lost In The Ruins« wirkt wie eine Zusammenfassung der gesamten Platte ohne Rückgriff auf typische Schlussnummer-Gesten. Der Song hat einen schweren Sog, und im letzten Drittel fällt die Band in ein Riff, das sich wie eine Erinnerung an etwas längst Vergrabenes anfühlt. Die Platte endet nicht triumphal, sondern in einer Art düsterem Nachhall, der länger bleibt als erwartet.

Durchdacht, roh und atmosphärisch dicht

»Beneath The Shroud« ist ein Album, das nicht auf schnelle Wirkung setzt. Es ist durchdacht, roh und atmosphärisch dicht. Manchmal verliert sich die Band einigermaßen in ihren eigenen Ideen, nichtsdestoweniger genau darin liegt auch der Reiz. Für Fans erdigen, grollenden Death-Metals, der ohne Schnickschnack auskommt, dürfte dieses Werk ein lohnender Fund sein.

Fazit: »Beneath The Shroud« von SEPULCHRAL ist ein finsteres, atmosphärisch dichtes Album, das die dunklen Seiten des Genres auslotet.

Tracklist

01. A Pact Written In Bone Dust
02. Beneath The Shroud
03. Abandoned Feretrum
04. Conflagration Of Sacred Bones
05. Torchless Crossroads
06. Cloaked Spectres
07. From The Crypt, The Putrid Mist
08. Blood, Phlegm, Black Bile
09. Gravestone Covenant
10. Poison Wind
11. Lost In The Ruins

 

Besetzung

Dusk – Bass & Vocals
Gaueko – Vocals
Gorka – Guitars & Drums

 

Internet

SEPULCHRAL – Beneath The Shroud CD Review

GLASGOW KISS – Down In Flames

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glasgow kiss - down in flames - album cover
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Band: GLASGOW KISS 🇳🇴
Titel: Down In Flames
Label: Eclipse Records
VÖ: 12/12/25
Genre: Alternative Rock/Metal

Bewertung:

4/5

GLASGOW KISS melden sich mit ihrem zweiten Studioalbum »Down In Flames« zurück und zeigen einmal mehr, dass die norwegische Alternative-Rock- und Metal-Szene nach wie vor einiges zu bieten hat. Die Band, bestehend aus Charlotte Marlen Midtun am Gesang, Daniel Anker Goli und Sveinung Sveen an den Gitarren, John Erik Soltvedt am Bass sowie Frode Andreassen am Schlagzeug. Diese Besetzung präsentiert auf diesem Werk eine Mischung aus kraftvollen Riffs, emotionaler Intensität und eingängigen Melodien, die sich sowohl für Rockliebhaber als desgleichen für Metal-Fans lohnt.

Druckvolle Gitarrenarbeit

Schon der Opener »Destiny« setzt ein deutliches Zeichen: Eine druckvolle Gitarrenarbeit, gepaart mit Midtuns klarer, doch facettenreicher Stimme, zieht den Hörer sofort in ihren Bann. Das Stück lebt von der Spannung zwischen melodischen Passagen und treibender Härte. Es zeigt, dass GLASGOW KISS nicht einfach nur Songs schreiben, sondern Atmosphären schaffen wollen, die nachhallen. Midtuns Gesang wirkt angrenzend nie überladen, sondern transportiert Authentizität und Emotionen, was den Song außerdem textlich überzeugend macht.

Titeltrack »Down In Flames« ist das Herzstück des Albums. Er kombiniert Alternative-Rock-Sensibilität mit metallischen Elementen, ohne dass einer der beiden Stile aufgesetzt wirkt. Die Gitarrenarbeit von Goli und Sveen ist einnehmend: mal melodisch, mal aggressiv, beständig mit einem klaren Sinn für Dramaturgie. Der Song hat einen eingängigen Refrain, der sich nach dem ersten Hören festsetzt, und zeigt die Stärken des Quintetts im Songwriting: Eine Balance aus Härte und Eingängigkeit, die heutzutage keineswegs selbstverständlich ist. Die Rhythmussektion aus Bass und Schlagzeug sorgt für solide Drive-Momente, die den Songs eine gewisse Schwere verleihen, ohne zu monoton zu werden.

»On Your Own« greift die etwas düstere Stimmung auf und bietet eine Mischung aus melancholischem Text und treibendem Sound. Hier zeigt sich die Fähigkeit der Band, emotionale Tiefe zu erzeugen, ohne dass die Musik nahe an Energie verliert. »The Wall« setzt auf ein intensives Riffing und rhythmische Komplexität, während »One Last Time« eine nachdenklichere Seite der Band zeigt, getragen von Midtuns eindringlichem Gesang und einer sanft treibenden Instrumentalbegleitung.

Stimmungsvolle Gitarrenharmonien und eine fein austarierte Dynamik

Mit »Forsaken« und »Those Wasted Years« bringt das Album zwei weitere Facetten von GLASGOW KISS zum Vorschein: Während der erste Song mit harten Breaks und schnellen Gitarren überzeugt, punktet der zweite mit nostalgischer Melancholie, die durch stimmungsvolle Gitarrenharmonien und eine fein austarierte Dynamik getragen wird. Besonders auffällig ist, wie die Band geschickt mit Kontrasten spielt: harte Gitarrenriffs stehen neben leisen, emotionalen Momenten, und Midtuns Stimme navigiert elegant zwischen diesen Extremen.

Den Abschluss macht »Put the Blame On Me«, ein Track, der nochmals alle Stärken der Band bündelt. Der Song ist energiegeladen, melodisch und zugleich kraftvoll, ein würdiger Schlusspunkt für ein Album, das sich vom ersten bis zum letzten Ton stringent präsentiert. Die Produktion ist klar und dynamisch, sodass jedes Instrument seinen Raum bekommt, ohne dass das Gesamtbild darunter leidet. Hier wird deutlich, dass GLASGOW KISS nicht bloß Musiker, sondern auch Produzenten mit Gespür für den eigenen Sound sind.

Insgesamt zeigt »Down In Flames«, dass GLASGOW KISS auf dem besten Weg sind, sich einen festen Platz in der norwegischen und internationalen Alternative-Rock-Szene zu sichern. Die Band meistert die Gratwanderung zwischen melodischem Rock und metallischer Härte mit erstaunlicher Leichtigkeit und bleibt dabei beharrlich authentisch. Besonders hervorzuheben ist die Stimme von Charlotte Marlen Midtun, die sowohl verletzlich als daneben kraftvoll wirken kann und den Songs emotionale Tiefe verleiht. Die Gitarrenarbeit ist abwechslungsreich und präzise, während die Rhythmussektion stets für einen stabilen, aber nicht starren Unterbau sorgt.

Kritisch könnte man anmerken, dass manche Songs sich in Struktur und Tempi ähneln, was dem Album gelegentlich ein wenig Vorhersehbarkeit verleiht. Dennoch gelingt es »Down In Flames« immer wieder, durch überraschende Breaks oder emotionale Höhepunkte die Aufmerksamkeit des Hörers zu halten. Die Balance zwischen Härte und Melodie, zwischen Eingängigkeit und Komplexität, ist hier sehr gut gelungen.

Reichlich Stoff zum Entdecken und Wiederhören

Mit »Down In Flames« liefern GLASGOW KISS ein starkes Album ab, das gleichermaßen Fans von Alternative Rock sowie Metal-Freunde anspricht. Es ist ein Werk voller Energie, Emotion und musikalischem Können, das die Band in ihrer besten Form zeigt. Die 4 von 5 möglichen Punkten spiegeln diese Qualität wider: GLASGOWS KISS schaffen es, sich mit einem eigenständigen Sound zu positionieren, der weder Trends hinterherläuft noch Beliebigkeit erzeugt. Wer die Mischung aus eingängigen Melodien, druckvollen Riffs und atmosphärischer Tiefe schätzt, findet hier reichlich Stoff zum Entdecken und Wiederhören.

Fazit: Für Fans von Alternative-Rock und Metal ist »Down In Flames« definitiv eine Empfehlung wert und zeigt das Potenzial von GLASGOW KISS, sich in der Szene zu etablieren.

Tracklist

01. Destiny
02. Down In Flames
03. On Your Own
04. The Wall
05. One Last Time
06. Forsaken
07. Those Wasted Years
08. Put the Blame On Me

 

Besetzung

Charlotte Marlen Midtun – Vocals
Daniel Anker Goli – Guitar
Frode Andreassen – Drums
John Erik Soltvedt – Bass
Sveinung Sveen – Guitar

 

Internet

GLASGOW KISS – Down In Flames CD Review

BLOOD RED THRONE – Siltskin

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BLOOD RED THRONE - Siltskin - album cover
BLOOD RED THRONE - Siltskin - album cover

Band: BLOOD RED THRONE 🇳🇴
Titel: Siltskin
Label: Soulseller Records
VÖ: 05/12/25
Genre: Death Metal

Bewertung:

4/5

BLOOD RED THRONE gehören seit Jahren zu den zuverlässigsten Exporten, wenn es um kompromisslosen Death Metal aus Norwegen geht. Ihr neues Album »Siltskin« zeigt erneut, warum viele die Band als eine der beständigsten Kräfte des Genres sehen. Die fünf Musiker – Daniel “Død” Olaisen und Ivan “Meathook” Gujić an den Gitarren, Sindre Wathne Johnsen am Mikro, Freddy Bolsø am Schlagzeug und Stian Gundersen am Bass liefern ein Werk ab, das technisch anspruchsvoll, gleichwohl keinesfalls steril wirkt. Genau diese Mischung ist seit jeher ihr Markenzeichen.

Keine Anstalten den Weg zu entschärfen

Der Einstieg gelingt mit »Scraping Out The Cartilage«, einem Track, der sofort klarstellt, dass die Band keinerlei Anstalten macht, ihren Weg zu entschärfen. Die Gitarren sägen sich in einem kantigen Wechsel aus schnellen Läufen und wuchtigen Akkorden nach vorne. Johnsen setzt früh ein Zeichen, wie variabel er mittlerweile phrasiert. Sein tiefes Growl ist kräftig genug, um auch im dichtesten Gitarrengewitter präsent zu bleiben. Bolsø hält das Ganze zusammen, ohne je in bloßes Geballer abzurutschen. Sein Schlagzeugspiel wirkt kontrolliert und hat trotzdem eine rohe Energie, die man nicht künstlich herstellen kann.

»Beneath The Means« legt direkt nach. Der Song setzt stärker auf Groove, bleibt hingegen bissig. Hier zeigt sich auffallend gut, wie eng das Zusammenspiel zwischen Bass und Gitarren ist. Gundersen legt eine kernige Tiefe unter die Riffs, die dem Stück ein bedrohliches Fundament gibt. Olaisen und Gujić ergänzen sich mit melodisch verschlungenen Leads, die nie in Richtung Melodic-Death-Metal kippen, sondern die Atmosphäre nur weiter verdichten.

 

Mit »Husk In The Grain« wird das Tempo angezogen. Der Track ist kürzer gehalten und wirkt wie ein gezielter Schlag. Das Riffing ist klar auf Attacke ausgelegt, während Johnsen eine fast schon rhythmische Aggressivität entwickelt. Der Refrain fällt nicht im klassischen Sinn auf, im Gegensatz hierzu es gibt eine markante Wendung im Mittelteil, die sich sofort einprägt.

»Necrolysis« ist einer der düstersten Songs des Albums. Langsame, schwere Gitarren ziehen den Hörer hinunter, approximativ wie ein Sog. Bolsøs Drums wirken hier eher wie markierende Schläge, die den Song strukturieren. Der Gesang klingt tiefer, annähernd grollend. Man merkt, wie die Band in solchen Momenten ein Gefühl von Gewicht und Schwere erzeugt, ohne in Doom-Territorium abzudriften.

»Anodyne Rust« bietet danach einen Gegenpol. Die Strophen sind hektischer, die Breaks kantiger. Hier arbeitet die Band mit schnellen Wechseln, die aber ausgeschlossen überladen wirken. Gerade die Gitarrenharmonien im letzten Drittel des Stücks zeigen, wie viel Feingefühl in den Kompositionen steckt, desgleichen wenn die Oberfläche purer Härte entspricht.

Mit »Vestigial Remnants« kommt einer der rhythmisch spannendsten Tracks der Platte. Bolsø treibt die Band mit präzisen Akzenten voran, während die Gitarren sich in einem Wechsel aus Tremolos und komplexen Mustern austoben. Der Song wirkt wie ein ständiges Vor- und Zurückkippen, was ihn angelegentlich lebendig macht.

Stimme mit harschem Charakter

»Vermicular Heritage« ist wiederum direkter gehalten. Die Riffs erinnern an den frühen Stil der Band, ohne altmodisch zu klingen. Gerade Fans der ersten Alben werden hier viel wiedererkennen. Johnsen liefert eine seiner intensivsten Performances auf »Siltskin«. Man spürt, wie gut seine Stimme mit dem harschen Charakter des Stücks harmoniert.

»On These Bones« gibt dem Album eine kurze Atempause, zumindest im relativen Sinne. Das Tempo ist moderater, doch die Atmosphäre bleibt angespannt. Die Melodien wirken etwas offener, was dem Track einen leicht erzählerischen Charakter verleiht. Hier zeigt sich besonders gut, wie sicher BLOOD RED THRONE mittlerweile darin sind, kleine Nuancen in ihren Sound einzubauen, ohne ihre Grundlinie zu verlieren.

Den Abschluss bildet »Marrow Of The Earth«, ein zähes, schwer wirkendes Finale. Der Song klingt, als wolle die Band noch einmal alles bündeln, was »Siltskin« ausmacht. Erdige Tiefe, präzise Härte, dichte Gitarrenwände und ein Gesang, der nicht versucht, über dem Mix zu stehen, sondern sich mitten hineinfrisst. Gerade diese Kompaktheit macht den Schlusspunkt so stark.

Gekannte Stärken, Erfahrungen und Energien werden im vollen Ausmaß dargeboten

»Siltskin« ist ein Album, das zeigt, warum BLOOD RED THRONE seit Jahren zuverlässig abliefern. Es gibt keine Experimente, die bloß um ihrer selbst willen eingebaut wurden. Stattdessen hört man eine Band, die ihre Stärken kennt und sie mit Erfahrung und Energie ausspielt. Der Sound ist klar, druckvoll und lebendig, die Songs sind abwechslungsreich genug, um über die gesamte Länge zu tragen. Wer Death Metal schätzt, der hart, technisch sauber und dennoch dreckig im besten Sinne ist, bekommt hier genau das.

Fazit: BLOOD RED THRONE beweisen mit »Siltskin«, dass sie nach wie vor eine kraftvolle Kraft im Death-Metal sind.

Tracklist

01. Scraping Out The Cartilage
02. Beneath The Means
03. Husk In The Grain
04. Necrolysis
05. Anodyne Rust
06. Vestigial Remnants
07. Vermicular Heritage
08. On These Bones
09. Marrow Of The Earth

 

Besetzung

Daniel ‚Død‘ Olaisen – Guitar
Sindre Wathne Johnsen – Vocals
Freddy Bolsø – Drums
Ivan ‘Meathook’ Gujić – Guitars
Stian Gundersen – Bass

 

Internet

BLOOD RED THRONE – Siltskin CD Review

AGE OF EMERGENCE – The All Seeing Eye Part 2

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AGE of Emergence - The All Seeing Eye Part 2 - album cover
AGE of Emergence - The All Seeing Eye Part 2 - album cover

Band: AGE OF EMERGENCE 🇦🇺
Titel: The All Seeing Eye Part 2
Label: Independent
VÖ: 01/12/25
Genre: Groove/Progressive Metal

Bewertung:

3,5/5

AGE OF EMERGENCE sind seit einigen Jahren eine dieser Bands, die man am ehesten im Dunstkreis moderner Prog- und Groove-Metal-Acts verortet, die sich nicht davor scheuen, schwere Riffs mit erzählerischem Anspruch zu verbinden. Das Trio aus Australien verfolgt seit Beginn ein Konzept, das sich wie eine fortlaufende Chronik entfaltet. »The All Seeing Eye: Part 2« knüpft direkt an den ersten Teil an und versucht, das musikalische und thematische Gefüge weiterzuspinnen. Die Band besteht aus Dean Holmes am Bass und Gesang, Matt Neilson an der Gitarre und ebenfalls Gesang sowie Adam Clayton am Schlagzeug. Schon auf früheren Veröffentlichungen fiel auf, wie gut sich die drei gegenseitig Raum verschaffen, ohne den Gesamtsound zu verwässern. Auf dem neuen Release setzen sie diese Linie fort, wenngleich nicht jede Idee gleich stark zündet.

Mix aus wuchtigen Riffblöcken, treibenden Grooves und melodischen Einschüben

Die EP umfasst drei Songs: »Voice of the Lost«, »Mountains Greed« und »Twilight Zone«. Trotz der kurzen Spielzeit ist das Material dicht, abwechslungsreich und sichtlich darauf ausgelegt, ein Kapitel der übergeordneten Geschichte zu erzählen. Musikalisch wirkt das Ganze wie ein Mix aus wuchtigen Riffblöcken, treibenden Grooves und melodischen Einschüben, die mitunter in psychodelische oder ambientartige Stimmungen abdriften. Die Produktion ist klar, im Gegensatz hierzu nicht überpoliert. Man spürt den Willen, die Energie eines Trios zu bewahren, das in einem Raum steht und gemeinsam atmet.

»Voice of the Lost« eröffnet die EP. Der Song startet mit einem schneidenden Gitarrenmotiv, das sich langsam auffächert, während Bass und Schlagzeug den Boden festziehen. Neilsons Gitarrenton wirkt scharf, demgegenüber nicht steril. Holmes legt mit seiner Basslinie viel Fundament und hält die Spannung in Momenten, in denen sich das Arrangement zurücknimmt. Der Gesang pendelt zwischen melodisch getragenen Linien und stellenweise leicht rauen Ausbrüchen. Inhaltlich greift der Song das Gefühl auf, sich im Schatten einer übergeordneten Macht zu verlieren. Der Refrain bleibt im Kopf, ohne darauf aus zu sein, eine Chart-Hook zu liefern. Das Stück zieht einen eher durch Stimmung und Dynamik rein. Für einen Opener funktioniert das gut.

»Mountains Greed« geht direkter nach vorn. Die Riffs erinnern an moderne Groove-Metal-Acts, wirken dagegen nie wie bloße Kopien. Clayton spielt mit viel Druck, oft leicht versetzt zur Gitarre, was dem Stück eine gewisse Unruhe gibt. Gerade hier merkt man, wie stark der Schlagzeuger den Bandsound prägt. Sein Spiel verleiht dem Song den nötigen Biss. Textlich taucht die Band tiefer in das Konzept der Serie ein, hier mit Fokus auf Verblendung und Machtstreben. Die Gitarren verschachteln sich im Mittelteil in einem spannenden Call-and-Response-Motiv. Der Song hat Energie, allerdings verliert er gegen Ende nahezu an Kontur. Es wirkt fast so, als hätte die Band noch eine Idee unterbringen wollen, ohne sie komplett auszuarbeiten. Trotzdem gehört das Stück zu den Highlights der EP.

»Twilight Zone« rundet das Werk ab und zeigt die ruhigere, introspektivere Seite der Band. Die ersten Sekunden erinnern an einen Soundtrackmoment, bevor sich das Lied langsam zu einem schweren Mid-Tempo-Groover aufbaut. Der Bass ist diesmal deutlich präsenter und arbeitet sich mit warmem Ton durch die tiefen Frequenzen. Die Gitarren weichen gelegentlich in flirrende Harmonien aus, was dem Track einen leicht entrückten Charakter gibt. Der Gesang steht stärker im Vordergrund, was dem Song gut bekommt, da er erzählerisch dichter ist. Gegen Ende gelingt der Band ein gelungener Spannungsbogen mit einer finalen Steigerung, bevor alles in einem kurzen, offenen Ausklang verebbt. Hier zeigt sich, dass AGE OF EMERGENCE vor allem dann glänzen, wenn sie Atmosphäre und Härte miteinander verzahnen.

Stimmige Fortsetzung des Konzepts

Gesamt betrachtet liefert »The All Seeing Eye: Part 2« eine stimmige Fortsetzung des Konzepts, auch wenn nicht jeder Moment gleich überraschend wirkt. Die Band hat ein gutes Gefühl für Dramaturgie und weiß, wie man mit begrenzter Spielzeit ein vollständiges Bild malt. Gleichzeitig wäre bei manchen Passagen etwas mehr Mut zur Reduktion spannend gewesen. Der Sound ist kraftvoll, aber nicht überladen. Die drei Musiker spielen hörbar vertraut miteinander, was dem Gesamtwerk ein organisches Gefühl gibt.

Mit 3,5 von 5 Punkten bleibt ein solides Groove-/Prog-Metal-Release, das Lust macht auf den nächsten Teil der Reihe.

Fazit: Insgesamt zeigt AGE OF EMERGENCE mit »The All Seeing Eye: Part 2«, dass sie das Potenzial haben, sich in der Szene zu etablieren.

Tracklist

01. Voice of the Lost
02. Mountains Greed
03. Twilight Zone

 

Besetzung

Dean Holmes – Bass & Vocals
Matt Neilson – Guitar & Vocals
Adam Clayton – Drums

 

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AGE OF EMERGENCE – The All Seeing Eye Part 2 CD Review

JOURS PÂLES – Résonances

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cover artwork JOURS PÂLES Résonances
cover artwork JOURS PÂLES Résonances

Band: JOURS PÂLES 🇫🇷
Titel: Résonances
Label: Les Acteurs de L’Ombre Productions
VÖ: 05/12/25
Genre: Black Metal

Bewertung:

4,5/5

Das französische Black-Metal-Projekt JOURS PÂLES präsentiert mit „Résonances“ sein viertes Album – mit jedem Werk ein erneuter emotionaler Ausbruch, aber mit einem einzigartigen Stil. „Résonances“ folgt dieser Linie: atmosphärisch und gewalttätig zugleich, aber interessante und faszinierende Musik.

Organische Kontraste in komplexer Klangwelt

Synth-Musik, sehr melodisch, und ein kraftvoller Bass sind die Eröffnungsakkorde in „La Frontière Entre Nous Et Le Néant„, doch langsam ist eine sehr dissonante Gitarre zu hören, dann eine akustische Gitarre, gefolgt von einer Klangwand und sehr dynamischem Drumming. Eine komplexe Klanglandschaft, aber all diese Elemente sind sehr gut zu einer einheitlichen Klangwelt verschmolzen. Höchstwahrscheinlich war dieser Song als instrumentales Intro gedacht – ein atmosphärisches und gut ausgearbeitetes.

Echter Black Metal startet den nächsten Song: „Une Splendeur Devenue Terne„, aggressiv, mit verzweifelten Vocals, aber ein zarterer Sound – akustische Gitarren bringen einen friedlichen und delikaten Moment. Diese beiden Klanglandschaften wechseln sich kontinuierlich durch den Song ab: von heruntergestimmten Riffs und aggressiven Solos zu sensiblen Gitarrenpassagen, von langsamen Rhythmen zu sehr Uptempo-Passagen, von verzweifelten Vocals zu stillen Momenten. Ein Song voller Kontraste, aber so gut komponiert, dass all das natürlich wirkt und alle Übergänge auf organische Weise geschehen. Insgesamt stilistisch eher Post-Black, aber eine beeindruckende Komposition, ein sehr guter Song – ein klarer Höhepunkt.

JOURS PÂLES ist das Soloprojekt von Spellbound (An Norvys, Aorlhac, ex-Asphodèle, ex-Hellböözer, ex-Towersound). 2020 gestartet, nachdem die mittlerweile verehrte Band Asphodèle sich aufgelöst hatte. Den Namen nach dem einzigen von Asphodèle veröffentlichten Album „Jours Pâles“ nehmend, startete Spellbound das neue Projekt als Fortsetzung der vorherigen Band. Im neuen Projekt ist er für Vocals und Keyboards verantwortlich, auch für Songwriting und Texte. Ebenfalls auf dem Album: als Gastmusiker wird Ben L. (Pictured, DarwiN) am Schlagzeug genannt sowie Kim Carlsson (Hypothermia, ex-Life Is Pain, ex-Lifelover) als Gastvocalist (Track 6).

Exzellente Produktion enthüllt viele Schichten

Sehr melodisch, aber mit wütenden Vocals behält „L’Essentialité Du Frisson“ die Aggressivität des vorherigen Songs bei und kombiniert komplizierte Gitarrensolos mit verzweifelten, sehr theatralischen Vocals – ein Song, der trotz seiner Wut voller Atmosphäre bleibt und die Stimmungen der Komposition vermittelt. Black Metal im Kern, aber voll verschiedener Klänge und modernerer Einflüsse – ein dramatischer, aber beeindruckender Song.

Cleane, aber irgendwie geschriene Vocals, immer noch sehr voller Rage, verwandeln sich in verzweifelte Schreie – „Cinéraire“ ist ein weiterer Song voller Drama, und hier mehr als bei vorherigen Songs glänzen Spellbounds Vocals. So viele Ansätze und Techniken beherrscht er. Und er meistert all diese Techniken und schafft es, so viele Stimmungen und emotionale Zustände zu vermitteln. Die Hintergrundmusik ist nicht minimal – Gitarren, Keys, dynamische Drums in einem meist aggressiven Fundament, das die Vocals perfekt ergänzt. Ein weiterer Höhepunkt.

Das Album braucht in seiner Komplexität der Klänge eine sehr gute Produktion, um all diese musikalischen Klanglandschaften gut zusammenzubringen. Und tatsächlich ist die Produktion exzellent, mit so viel Liebe zum Detail. Beim ersten Hören könnte man sagen, es ist ein vocal-dominiertes Album, aber mit jedem weiteren Hören werden immer mehr überraschende Details offenbart. Sehr sorgfältig dosiert, das dominante Instrument wechselt viele Male während eines Songs, bleibt aber insgesamt ein ausgewogener Sound.

Emotionale Tiefe mit orchestraler Fülle

Incommensurable (Chanson Pour Aldérica II)„, eine Fortsetzung eines Songs vom 2022er-Album „Tensions„, bringt eine sehr melancholische Stimmung, getragen von einer sehr traurigen Gitarre und Synths für fast die Hälfte seiner Länge, dann eine plötzliche Explosion solider Riffs und unerbittlicher Drums – aber die Hauptmelodie setzt sich fort. Wieder stilistisch eher Post-Metal, ein Sound, der sich entwickelt und die melodische Note behält. Nach der instrumentalen und technischen Darbietung kehrt „Mouvement Ostentatoire Rémanent Totalitaire“ zu trostlosen, gequälten Vocals zurück – hier ist der Beitrag von Kim Carlsson unverkennbar und bringt eine neue Dimension in die Vocals. Insgesamt ein Song, der gewalttätige musikalische Momente mit fast ruhigen abwechselt.

Weniger melodisch im Start lässt „Viens Avec Moi“ die Rage dominieren, aber eine kaum hörbare melodische Linie ist da, im Hintergrund, und trägt sehr zum Sound bei. Viele Schreie auf mehreren Vocal-Ebenen in allen Tönen und in allen Stimmungen. Am Ende kehrt der Song zum instrumentalen typischen Sound zurück und kombiniert viele melodische Schichten mit einer aggressiveren. Und diese Aggressivität startet den nächsten Song „Savile“ mit soliden Riffs und Vocals, die gesprochene Vocals mit hochgepitchten Screams kombinieren. Auf den späteren Songs haben sie etwas von der Sensibilität verloren, die sie am Anfang des Albums zeigten, aber die Musik bleibt interessant.

Die zarten Gitarren kehren zurück in „La Plus Belles Des Saisons“ – leidende Vocals, dennoch kehrt der Gesamtsound zu dem zurück, der am Anfang des Albums so gut funktioniert hat, und hier hält das Klavier die delikate melodische Linie. Der letzte Song des Albums ist ein weiterer instrumentaler, „10-11-2021„, mit Ambient-Sounds – sehr leichte und sanfte Musik, gespielt auf mehreren Ebenen auf Synthesizern, ein ruhiges und nostalgisches Albumende.

Faszinierend in seiner Gesamtheit

Ein extrem reichhaltiges Album – so viele Klänge treffen in jedem Song zusammen. Permanent wechselnde Stimmungen: Melancholisches und Emotionales wechseln sich mit Aggressivem und Dynamischem ab. Aber Spellbound schaffte es, all das in einem kohärenten Werk zu verbinden, voller Herz und Haltung. Keines dieser Gefühle dominiert am Ende – sie wechseln sich ab und folgen einander auf natürliche Weise. Die zweite Hälfte des Albums verliert etwas vom mehrschichtigen Sound und wird direkter, aber nie fade Musik. Die Explosion der Klanglandschaften ist jedoch in der ersten Hälfte offensichtlicher.

Nicht vollständig Black Metal, aber das Genre wird nie auf den Songs von „Résonances“ vergessen. Bei den instrumentalen Stücken ist eine klare Post-Metal-Richtung zu hören, aber bei vielen anderen behält die Orchestrierung nur die Aggressivität des Genres bei, nicht die typischen Klänge. Faszinierend in seiner Gesamtheit, mit so vielen unvergesslichen Momenten – auch als Album kohärent, verbunden und voller Seele.

Fazit: Ein extrem komplexes Werk, ein ganzes Universum an Klängen – JOURS PÂLES‘ „Résonances“ kombiniert zarte und gewalttätige Klanglandschaften in einem faszinierenden Album.

Tracklist

01. La Frontière Entre Nous Et Le Néant
02. Une Splendeur Devenue Terne
03. L’Essentialité Du Frisson
04. Cinéraire
05. Incommensurable (Chanson Pour Aldérica II)
06. Mouvement Ostentatoire Rémanent Totalitaire
07. Viens Avec Moi
08. Savile
09. La Plus Belles Des Saisons
10. 10-11-2021

Besetzung

Spellbound – Vocals, Keyboards

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JOURS PÂLES – Résonances CD Review

Myth Carver – Twist Of Fate

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Myth Carver – Twist Of Fate - Artwork
Myth Carver – Twist Of Fate - Artwork

Band: Myth Carver 🇺🇸
Titel: Twist Of Fate
Label: No Remorse Records
VÖ: 28/11/25
Genre: Heavy Metal

Bewertung: 4/5

81%

Die EP »Twist Of Fate« von den Texanern MYTH CARVER ist eigentlich schon acht Monate alt, schlug allerdings im Underground recht ordentlich ein, weswegen sich die Plattenfirma dazu entschied, diesen Einstand nochmals (erweitert um zwei schon 2024 veröffentlichte Songs) auf CD und Platte aufzulegen.

Somit ist die Band nun weltweit etwas mehr im Fokus und bietet ihr bisher komplettes Schaffen feil.

Dem Beipackzettel sind als Einflüsse Judas Priest und der „Punch alter Metallica“ zu entnehmen, und hier muss ich leider ein Veto einlegen:
Zum einen wird hier ziemlich hoch gepokert, was ich für die Band schade finde, denn die Klasse der genannten Referenzen erreicht man freilich zu keinem Zeitpunkt der rund sechsundzwanzig Minuten.
Zum anderen ist das Eröffnungsstück »Untamend Steel«, mit seiner unbändigen Urgewalt und den messerscharfen Riffs, für mich eher eine Mixtur aus alten Exodus und Savatage.

Den Judas Priest – inspirierten Gesang, der ebenfalls auf dem Begleitschreiben angemerkt ist,
kann man zumindest nicht ganz von der Hand zu weisen. Jedoch klingt Sänger Daniel Schmuck (ein Zungenbrecher für Amerikaner!) vielmehr nach den jungen John Olivia denn nach Rob Halford, was insbesondere im, stilistisch zwischen Sirens und Hall Of The Mountain King, Höhepunkt »Iron Helm« gut zur Geltung kommt.

Die relativ junge Band ist dabei keine blasse Kopie.

Leicht europäisch geprägt, klingt »Thunderkill« schon nach mitachtziger Priest, denn so kennt man die – wohlgemerkt qualitativ sehr gute –  Machart des Songs auch von Bands wie Primal Fear.
»Shadow Firmanent« bringt dafür sowohl Judas Priest als auch Savatage unter einen Hut, offeriert aber auch eingängigere Elemente in Form von Synth, wie sie unter anderem Andy Boulton ab 1987 bei Tokyo Blade benutzte, was hier eine Bereicherung ist und für Charakter sorgt.

Die Bonüsse bestechen ebenfalls durch die perfekte Verbindung der beiden Haupteinflüsse, wobei »Crimson Train« auf diesem Rundling nicht nur den Abschluss, sondern auch die beste Komposition markiert.

Nix Metallica, nix Rob Halford, aber viel Potenzial.

»Twist Of Fate« macht auf jeden Fall eine Menge Lust auf mehr,  dennoch sollte man sich mittelfristig und durchgehend, wie zu Beginn der EP, ein musikalisch schärferes Profil zulegen, damit man nicht zur reinen Retrocombo verkommt. Ich bin gespannt auf das erste Album!

Tracklist

01. Untamed Steel
02. Thunderkill
03. Shadow Firmament
04. Iron Helm
05. King of the Pyre (Bonus)
06. Crimson Terrain (Bonus)

Besetzung

Daniel Schmuck – Gesang
Tom Reyes – Gitarren
Jayson Braffett – Gitarren
Andrew Messer – Bassgitarre
Steven Rodriguez – Schlagzeug

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MYTH CARVER – Twist Of Fate CD Review