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Caught In A Mirror – Neoncore

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Band: Caught In A Mirror 🇩🇪
Titel: Neoncore
Label: Bleeding Nose Records
VÖ: 22.05.2026
Format: Digital
Genre: Neoncore / Metalcore / EDMcore / Cyberpunk

Tracklist

01. C.I.A.M.
02. I’m Okay
03. Immer Schneller (Speeding German Version)
04. Party Ganze Nacht
05. So Sorry
06. Speeding
07. Summer Vibes // Neon Lights
08. Tornado
09. Down (feat. Ben Zimmermann)
10. Club Night (feat. Morgana)

Besetzung

Giu – Gesang
Dario – Gitarre
Hendrik – Gitarre
Fabian – Bass
Kris – Schlagzeug

Gäste:
Ben Zimmermann – Gesang auf „Down“
Morgana – Gesang auf „Club Night“

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Ist Das Die Zukunft? Wenn man »Neoncore« von Caught In A Mirror hört, kann man diese Frage durchaus stellen. Hier wird Metalcore nämlich nicht nur mit ein paar Synths hübsch angemalt, sondern gleich komplett mit EDM, Hardstyle, Partycore und Neonlicht in den Club-Moshpit geschubst. Genre in einem Satz: Neoncore ist Metalcore mit Rave-Gen, Breakdowns, Drops, Clean-Hooks, Screams und genau jener Energie, bei der die Nebelmaschine freiwillig Überstunden macht und der Strobo schon nach drei Songs kündigen möchte.

Albumstream:

MOSHPIT TRIFFT MAIN FLOOR

»Neoncore« ist kein Album für Leute, die bei elektronischen Beats im Metal sofort die Kutte zuknöpfen, beleidigt Richtung Ausgang marschieren und dabei murmeln: „Früher war mehr Holz.“ Caught In A Mirror wollen genau diese Grenze sprengen. Hier treffen Metalcore-Aggression, Club-Ästhetik, Hardstyle-Schub und ein gewisser Humor aufeinander, der das Ganze angenehm entkrampft. Das klingt nach Krawall mit LED-Streifen, funktioniert aber erstaunlich konsequent.

Die Band aus Hemer setzt auf Direktheit. Keine endlosen Intros, keine verkopfte Konzeptprosa, kein zehnminütiges Selbstfindungsriff. Stattdessen gibt es Songs, die schnell auf den Punkt kommen, den Refrain nicht vergessen und trotzdem genug Wucht haben, um im Pit nicht nur höflich mit den Schultern zu wackeln.

DER SPIEGEL LEUCHTET BUNT

»C.I.A.M.« eröffnet das Album wie eine Visitenkarte mit Stroboskop. Clean Vocals, harsche Ausbrüche, elektronische Elemente und ein klarer Fokus auf Live-Wirkung werden direkt in Stellung gebracht. Das Stück macht nicht lange herum, sondern sagt: Willkommen, hier wird getanzt und geprügelt, manchmal sogar gleichzeitig.

»I’m Okay« öffnet danach eine etwas persönlichere Seite. Der Song ist melodischer, emotionaler und weniger reine Party-Abrissbirne. Gerade diese Nummer zeigt, dass Caught In A Mirror nicht nur Neon-Konfetti werfen wollen, sondern auch verstehen, dass moderne Core-Musik zwischen Selbstbehauptung, innerem Druck und ordentlich Druckluft funktionieren kann.

DEUTSCH, SCHNELLER, DRECKIGER

Mit »Immer Schneller (Speeding German Version)« zieht das Album das Tempo an. Der Song wirkt wie ein überdrehter Autobahntrip zwischen Metalcore-Club und Eskalationsmodus. Die deutsche Sprachfärbung gibt dem Ganzen mehr Direktheit, fast schon etwas Rotziges. Das passt, weil der Track ohnehin nicht nach polierter Hochglanz-Show klingt, sondern nach Adrenalin mit Blaulicht.

»Party Ganze Nacht« ist dann genau das, was der Titel verspricht. Kein subtiler Kammermusikabend, sondern Neoncore mit ausgestrecktem Mittelfinger und breitem Grinsen. Die Breakdowns knallen, die elektronischen Elemente schieben, und man merkt sofort: Live dürfte das Ding eine sichere Bank sein. Natürlich ist das nicht gerade zurückhaltend, aber Zurückhaltung wäre hier auch ungefähr so sinnvoll wie ein Stehplatzverbot im Circle Pit.

ZWISCHEN HAKEN UND HITFAKTOR

»So Sorry« fällt im Gesamtbild etwas glatter aus. Der Song ist sauber gemacht, aber im Vergleich zu den stärkeren Nummern weniger bissig. Hier ist die Hook vorhanden, die Produktion sitzt, doch der besondere Neoncore-Funken springt nicht ganz so stark über. Kein Ausfall, aber eher ein Durchatmer als ein Volltreffer.

Mit »Speeding« sind Caught In A Mirror dann wieder deutlich stärker unterwegs. Aufgebaut auf ein bombenfestes Fundament aus Drums und Bass werden die Gitarren wuchtig, modern und treffsicher perfekt draufgesetzt. Darüber knallen elektronische Elemente, ohne die Riffs zu kastrieren. Genau so muss diese Mischung funktionieren: nicht Metal mit Laptop-Anhängsel, sondern ein gemeinsamer Motor mit viel zu viel Koffein im Tank.

SOMMER, LICHT UND ABRISSKANTE

»Summer Vibes // Neon Lights« ist einer dieser Songs, bei denen der Bandname fast Programm wird. Man erkennt den eigenen Metalcore-Reflex, aber im Spiegelbild tanzt plötzlich ein Rave-Zombie mit Sonnenbrille. Die Nummer verbindet harte Gitarren, Gutturals, elektronische Beats und eine auffallend helle Grundstimmung. Klingt widersprüchlich? Ist es auch. Genau deshalb bleibt es hängen.

»Tornado« gehört zu den klaren Höhepunkten des Albums. Der Track hat Zug, Hook, Druck und diesen direkten Live-Charakter, den man nicht künstlich herstellen kann. Hier sitzt die Balance zwischen Party und Prügel besonders gut. Die Band dreht auf, ohne das Songwriting zu vergessen. Das ist moderner Metalcore, der nicht so tut, als müsste Härte immer bierernst aus der Wäsche schauen.

PERSÖNLICHER, ABER NICHT ZAHM

»Down« mit Ben Zimmermann zeigt eine zugänglichere, fast radiotauglichere Seite, ohne völlig weichgespült zu wirken. Der Song setzt stärker auf Emotion, Melodie und Mitsingmoment. Das dürfte manche Härtefraktion kurz skeptisch gucken lassen, aber im Albumfluss ist diese Nummer wichtig. Sie zeigt, dass Neoncore nicht nur aus Drop, Breakdown und Partyansage besteht.

Zum Abschluss macht »Club Night« mit Morgana noch einmal den Deckel vom Neonfass. Der Track klingt wie der logische Endpunkt dieser Platte: Club, Core, Energie, Gaststimme, Eskalation. Nicht alles daran ist subtil, aber Subtilität war hier auch nie die Mission. Der Song will den Raum anzünden, nicht die Steuererklärung sortieren.

SOUND MIT STROBOSKOP UND STAHLKAPPE

Produktionstechnisch ist »Neoncore« klar auf Wirkung getrimmt. Die Drums drücken, der Bass hält das Fundament fest, die Gitarren schneiden modern und klar durch den Mix, während die elektronischen Elemente nie nur Zierrat sind. Gerade das ist entscheidend: Die Synths, Drops und Beats wirken nicht wie nachträglich aufgeklebtes Festival-Konfetti, sondern gehören zum Grundkonzept.

Giu liefert zwischen Clean Vocals, Screams und Growls eine starke Leistung. Er muss hier nicht nur Härte liefern, sondern auch den Party-Charakter tragen, ohne ins Peinliche abzurutschen. Die Gitarrenarbeit von Dario und Hendrik setzt die modernen Core-Kanten, während Fabian am Bass und Kris am Schlagzeug das Ganze stabil nach vorne schieben. Kurz gesagt: Untenrum steht das Ding bombenfest, obenrum blinkt es wie ein Jahrmarkt nach Stromschlag.

NICHT FÜR JEDEN, ABER MIT KLARER MISSION

Klar, wer bei EDM-Beats im Metal sofort die Kutte zuknöpft und beleidigt Richtung Ausgang marschiert, wird mit »Neoncore« seine liebe Not haben. Manche Passagen sind bewusst überdreht, manche Hooks sehr glatt, manche EDM-Elemente mit Ansage auf Eskalation gebaut. Das kann man feiern oder ablehnen, aber egal ist es nicht.

Und genau das spricht für die Band. Caught In A Mirror haben eine klare Identität. Sie wollen nicht klingen wie der nächste austauschbare Modern-Metalcore-Act mit schwarzen Hoodies und tieftrauriger Promo-Pose. Sie bringen Farbe, Licht, Bewegung und ein ordentliches Maß Wahnsinn rein. Das muss man sich erst einmal trauen, gerade in einer Szene, in der viele lieber denselben Breakdown zum zwölften Mal anders anmalen.

FAZIT:

»Neoncore« ist ein modernes, grelles und extrem energiegeladenes Album, das Metalcore mit EDMcore, Hardstyle und Party-Ästhetik zusammenzwingt, bis die Sicherungen fliegen. Caught In A Mirror liefern keinen Underground-Monolithen für Kerzenschein und Grabesmiene, sondern einen neonbunten Abriss zwischen Moshpit und Mainfloor.

Die stärksten Momente sind »Immer Schneller (Speeding German Version)«, »Party Ganze Nacht«, »Speeding«, »Summer Vibes // Neon Lights«, »Tornado« und »Club Night«. Kleine Abzüge gibt es für einzelne glattere Passagen und dafür, dass nicht jeder Song denselben Punch hat. Aber wenn diese Platte zündet, dann richtig.

Für Fans von Electric Callboy, modernem Metalcore, EDMcore, Partycore und Bands, die keine Angst vor Neonlicht haben, ist »Neoncore« ein klarer Fall. Nicht immer fein, nicht immer tiefgründig, aber verdammt effektiv. Hoschi, das ist kein Album für die Sofaecke – das ist der Soundtrack für den Circle Pit mit Getränkebon im Schuh und blinkendem Neonarmband am Handgelenk.

Internet

Caught In A Mirror - Neoncore - CD Review

Musth – Jollysad

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Musth - Jollysad - cover artwork
Musth - Jollysad - cover artwork

Band: Musth 🇳🇴
Titel: Jollysad
Label: Codfather Records
VÖ: 22.05.2026
Format: Digital / LP als Jollysad / Under Nature’s Skirt Vinyl ab 29.05.2026
Genre: Alternative Metal / Noise Rock / Experimental Rock / Prog Metal

Tracklist

01. Jollysad
02. Pixeldust
03. Disposable Income in the Hands of Teenagers
04. En Passant

Besetzung / Credits

Alexander M. Delver – Gesang
Musth – Performance / Co-Produktion
Sigve Bull – Produktion / Co-Produktion
Adam Muñoz – Mix
Magnus Gulbrandsen – Mastering

Aufgenommen in den Phat Cat Studios, November 2025

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Aus Norwegen kommt mit »Jollysad« von Musth eine EP, die schon im Titel verrät, dass hier Frohsinn und seelischer Dachschaden zusammen in einem schlecht beleuchteten Proberaum eingeschlossen wurden. Genretechnisch bewegen sich Musth irgendwo zwischen Alternative Metal, Noise Rock, Experimental Rock und angeknackstem Prog-Wahnsinn. Kurz gesagt: Das ist Musik für Leute, die bei geraden Songstrukturen nervös werden und bei schiefen Grooves anfangen zu grinsen.

Albumplaylist:

KONTROLLIERTER KOLLAPS MIT GRINSEN

»Jollysad« ist keine EP, die höflich anklopft. Sie fällt eher durch die Tür, trägt einen kaputten Zylinder und fragt, ob hier zufällig jemand Bock auf schiefe Takte, Theaterstimme, Noise-Kanten und kleine musikalische Nervenzusammenbrüche hat. Musth klingen dabei nicht beliebig verrückt, sondern überraschend präzise. Hinter dem ganzen Wahnsinn steckt Arrangement-Arbeit, Timing und ein ziemlich klares Gefühl dafür, wann Chaos Spaß macht und wann es einfach nur nervt.

Aufgebaut auf ein bombenfestes Fundament aus Drums und Bass werden die Gitarren mal zackig, mal schräg, mal beinahe surfartig perfekt draufgesetzt. Darüber turnt der Gesang von Alexander M. Delver zwischen Theater, Wutausbruch, schrägem Charme und leichtem Kontrollverlust. Das ist nichts für Puristen mit Lineal im Proberaum. Aber wer seine Musik gerne kantig, lebendig und ein bisschen durch den Fleischwolf gedreht mag, bekommt hier ordentlich Futter.

DER TITELTRACK MACHT DEN DECKEL AUF

»Jollysad« eröffnet die EP mit genau dieser Mischung aus Übermut und innerem Knacks. Opernhafte Gesten, kantige Gitarren und ein Aufbau, der erst so tut, als wüsste er, wohin er will, nur um dann bewusst einen Haken zu schlagen. Der Song ist verspielt, aber nicht albern. Schräg, aber nicht ziellos. Ein starker Einstieg, weil er sofort klarmacht: Musth spielen nicht nach Regelbuch, sie haben höchstens mal eines angezündet.

PIXELSTAUB UND PROG-KIRMES

»Pixeldust« legt noch eine Schippe Eigenwilligkeit drauf. Da treffen zupackende Riffs auf verspielte Gitarrenfiguren, kurze Ruheinseln und vokale Verrenkungen, die irgendwo zwischen Mr. Bungle-Nervosität und Alternative-Metal-Dramatik liegen. Der Song wirkt wie ein schlecht gelaunter Zirkusautomat, der plötzlich anfängt, richtig gute Grooves auszuspucken.

Das funktioniert vor allem, weil die Band trotz aller Sprünge den roten Faden nicht verliert. Ja, das Ding macht Faxen. Aber es macht Faxen mit Können. Und genau da trennt sich bei solcher Musik die Spreu vom Hoschi.

TEENAGER, GELD UND DER WAHNSINN DAZWISCHEN

»Disposable Income in the Hands of Teenagers« ist der kürzeste, aber vielleicht bissigste Track der EP. Hier wird nervös geschnitten, geschoben und gerüttelt. Post-Hardcore-Anrisse, Noise-Rock-Druck, schräge Breaks und ein fast absurdes Gefühl für Timing prügeln sich um die Vorherrschaft. Und doch fällt der Song nicht auseinander.

Die Nummer wirkt wie ein Kommentar auf Konsum, Überforderung und jugendliche Selbstzerlegung, ohne dabei zum trockenen Lehrstück zu werden. Statt erhobenem Zeigefinger gibt es einen musikalischen Tritt in die Einkaufswagenreihe. Kurz, knackig, schön bekloppt.

GERADER? JA. NORMAL? NICHT WIRKLICH.

»En Passant« spielt im Vergleich etwas direkter. Hier kommen die Alternative-Rock-Qualitäten der Band stärker nach vorne. Der Song baut dynamisch auf, hat einen besseren Fluss und wirkt zugänglicher, ohne die eigene Schräglage komplett aufzugeben. Genau das tut der EP gut, denn nach drei Tracks voller Kurvenfahrten braucht es diesen etwas klareren Abschluss.

Trotzdem bleibt auch »En Passant« weit genug weg vom Standard. Die Gitarren greifen sauber, das Rhythmusfundament sitzt stabil, und der Song zeigt, dass Musth nicht nur Chaos können, sondern auch Spannung, Struktur und Druck.

LIVE-ENERGIE STATT HOCHGLANZPOLITUR

Besonders sympathisch ist der Sound. »Jollysad« wurde bewusst live und roh angelegt, nicht totpoliert, nicht klinisch glattgezogen. Das hört man. Die EP atmet, knarzt, springt und hat Kanten. Genau dadurch wirkt sie lebendig. Wo andere Bands jedes Schlagzeugfell digital bügeln, lassen Musth lieber den Proberaumschweiß drin.

Das Ergebnis ist nicht immer hübsch, aber verdammt wirksam. Die Produktion gibt den Songs genug Druck, ohne ihnen den Charakter rauszuziehen. Gerade bei dieser Art Musik ist das Gold wert. Zu glatt produziert, wäre das nur noch eine Freakshow im Museum. So aber hat das Ding Puls.

KURZ, SCHRÄG, ABER MIT SUBSTANZ

Mit knapp 17 Minuten ist »Jollysad« natürlich kein abendfüllender Monolith. Aber die Kürze steht der EP gut. Mehr davon hätte vielleicht ermüdet, weniger wäre nur ein Appetithappen gewesen. So bleibt das Ganze kompakt, bissig und angenehm unberechenbar.

Nicht jeder Moment zündet sofort. Manche Wendung wirkt beim ersten Durchlauf eher wie ein Stolperstein als wie ein Geistesblitz. Doch gerade das macht den Reiz aus. Musth sind keine Band, die man nebenbei wegsortiert. Man muss sich auf diesen leicht durchgeknallten Kosmos einlassen. Dann macht das Ding richtig Laune.

FAZIT:

»Jollysad« ist eine kurze, schräge und sehr unterhaltsame EP zwischen Alternative Metal, Noise Rock, Experimental Rock und proggigem Irrsinn. Musth liefern keine glatte Genre-Ware, sondern einen kompakten Haufen kontrolliertes Chaos mit starken Grooves, mutigen Brüchen und herrlich schrägem Humor.

Die stärksten Momente sind »Jollysad«, »Disposable Income in the Hands of Teenagers« und »En Passant«. Kleine Abzüge gibt es dafür, dass die EP in ihrer Kürze eher wie ein wilder Zwischenruf wirkt als wie ein vollständig ausgearbeitetes Statement. Aber was für ein Zwischenruf das ist, meine Güte.

Für Fans von Mr. Bungle, Faith No More, System Of A Down, schrägem Noise Rock und unberechenbarem Alternative Metal ist »Jollysad« ein richtig feines Teil. Nicht glatt, nicht brav, nicht bequem – aber mit Hirn, Humor und ordentlich Druck im Gebälk.

Jollysad EP Stream:

Internet

Musth - Jollysad - EP Review

XCIII – In Puncto Ad Inferna Descendunt

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XCIII - In Puncto Ad Inferna Descendunt - cover artwork
XCIII - In Puncto Ad Inferna Descendunt - cover artwork

Band: XCIII 🇫🇷
Titel: In Puncto Ad Inferna Descendunt
Label: Club Inferno / My Kingdom Music
VÖ: 22.05.2026
Format: Digital
Genre: Avantgarde Post Rock / Coldwave / Black Metal / Ambient

Tracklist

01. Et Quand Il Pleut, Je Danse
02. The Great Escape
03. Petit Bateau
04. Wrath
05. Island Of Lost Soul
06. Your Body
07. Vert Doux

Besetzung

Guillaume Beringer / XCIII – Musik, Texte, Konzept

Gastbeiträge:
Louison – Gaststimme auf „Et Quand Il Pleut, Je Danse“ und „Petit Bateau“
Beanzy – Gastbeitrag auf „Island Of Lost Soul“

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Aus Frankreich kommt auf euch etwas ganz Eigenwilliges zu, und zwar ein Werk, das sich nicht so einfach in eine Schublade stopfen lässt, ohne dass die Schublade beleidigt zurückschlägt. XCIII präsentieren mit »In Puncto Ad Inferna Descendunt« keine klassische Metal-Platte, sondern eine kurze, dichte, abgründige Reise zwischen Avantgarde Post Rock, Coldwave, Ambient, dunkler Elektronik und kleinen schwarzen Metal-Schatten, die immer wieder aus der Wand kriechen.

Albumstream:

Hinter XCIII steht Guillaume Beringer, der das Projekt als eine Art persönliches Klangtheater führt. Der Bandname steht für die römische Zahl 93 und verweist auf Charles Baudelaires Gedicht »À Une Passante« aus »Les Fleurs du Mal«. Das passt, denn auch diese Veröffentlichung lebt von Flüchtigkeit, dunkler Schönheit, verstörender Zärtlichkeit und Momenten, die nur kurz aufblitzen, bevor sie wieder im Schatten verschwinden.

AVANTGARDE MIT OFFENER FALLTÜR

»In Puncto Ad Inferna Descendunt« ist keine Veröffentlichung, die auf klassische Songlogik setzt. Wer hier Strophe, Refrain, Gitarrensolo und nochmal Refrain erwartet, wird vermutlich schauen wie der Ochs vorm Industrial-Synthesizer. Die Musik funktioniert eher über Atmosphäre, Schichtung und psychologische Spannung. Post-Rock-Flächen treffen auf Coldwave-Kühle, dazu kommen elektronische Pulsierungen, gelegentliche Black-Metal-Anflüge, Sprach- und Gesangsfragmente sowie eine unheimliche Nähe zu Trip-Hop und düsterem Art Rock.

Man hört sehr schnell, warum in der Presse Namen wie Ulver, The Pineapple Thief, Porcupine Tree, Lunatic Soul, Anathema und Massive Attack fallen. XCIII klingen aber nicht wie eine Kopie dieser Referenzen. Vielmehr wird aus diesen Einflüssen ein eigener Zustand gebaut: traumartig, verwischt, unbequem, manchmal fast sanft, dann wieder wie ein kalter Griff an den Nacken.

ZWISCHEN ABGRUND UND KINDERSTIMME

Ein zentrales Motiv dieser EP ist der Abstieg. Nicht als plumpe Höllenfahrt mit Plastikflammen, sondern als innerer Fall. Der Titel »In Puncto Ad Inferna Descendunt« trägt bereits dieses Gefühl in sich: ein plötzlicher Moment, ein Riss, ein kurzer Schritt, und man ist weiter unten, als man je sein wollte. Guillaume Beringer beschreibt das Werk als verschiedene Abstiege in den Abgrund, mit einer Gewalt, die nicht einfach brutal, sondern fast körperlos und liminal wirkt. Genau so klingt diese Musik: nicht wie ein Faustschlag, sondern wie ein Traum, der langsam unangenehm wird.

Besonders stark ist die Einbindung von Louison, der Tochter von Guillaume Beringer. Ihre Stimme bringt eine kindliche, fast zerbrechliche Ebene hinein, die nicht niedlich wirkt, sondern gespenstisch. Dieser Kontrast zwischen Unschuld und dunkler Klangarchitektur macht die Platte an mehreren Stellen richtig interessant. Da wird nicht einfach ein Gastbeitrag als Effekt eingebaut, sondern ein emotionales Gegengewicht geschaffen.

DER REGEN TANZT NICHT ALLEIN

»Et Quand Il Pleut, Je Danse« eröffnet die EP mit einer merkwürdigen Mischung aus Unschuld, Melancholie und unterschwelliger Bedrohung. Der Titel klingt fast poetisch leicht, aber die Musik setzt direkt eine andere Färbung darunter. Die Stimme von Louison gibt dem Stück eine kindliche Aura, während die Instrumentierung dieses Gefühl langsam in dunklere Räume zieht. Das ist kein fröhlicher Regentanz, sondern eher ein Versuch, im Unwetter nicht stillzustehen.

Musikalisch arbeiten XCIII hier stark mit Kontrasten: sanfte, fast fragile Momente werden von elektronischer Kühle und dunkler Atmosphäre unterwandert. Der Song wirkt wie ein Fenster, durch das man in eine Welt blickt, die zunächst schön aussieht, aber sobald man genauer hinsieht, merkt man: Da stimmt was nicht. Genau dieser Reiz trägt den Einstieg sehr gut.

FLUCHTWEGE OHNE AUSGANG

»The Great Escape« trägt schon im Titel den Wunsch nach Befreiung. Aber natürlich sind wir hier nicht im Stadionrock, Hoschi. Diese Flucht klingt nicht triumphal, sondern unsicher. Die rhythmische Struktur wirkt etwas beweglicher, die elektronischen Elemente treten deutlicher hervor, und unter der Oberfläche liegt eine nervöse Spannung. Es ist, als würde man rennen, aber nicht wissen, ob man dem Abgrund entkommt oder nur schneller darauf zusteuert.

Hier zeigen XCIII sehr schön, wie sie Post-Rock-Dynamik und Coldwave-Stimmung verbinden. Der Song baut keine große Explosion im klassischen Sinne auf, sondern lässt seine Unruhe durch kleine Verschiebungen wachsen. Die Spannung kommt nicht aus brachialem Geballer, sondern aus der Frage, wann diese kontrollierte Oberfläche endlich bricht.

PETIT BATEAU AUF SCHWARZEM WASSER

Mit »Petit Bateau« folgt einer der eindringlichsten Momente der Platte. Wieder ist Louison zu hören, und wieder entsteht diese sonderbare Reibung zwischen kindlicher Stimme und dunkler Umgebung. Der Titel ruft Bilder eines kleinen Bootes hervor, aber bei XCIII fährt dieses Boot nicht gemütlich über einen klaren See. Es treibt eher nachts auf schwarzem Wasser, ohne Ziel, ohne Ufer, ohne richtige Kontrolle.

Musikalisch ist das Stück kompakt, aber atmosphärisch sehr dicht. Die Melodien wirken einfach, fast naiv, doch genau daraus entsteht die Beklemmung. Wenn Unschuld in eine Umgebung gestellt wird, die nicht sicher ist, braucht es keine Prügelorgie, um Unruhe zu erzeugen. Das Stück zeigt, dass XCIII ihre stärksten Momente oft dann haben, wenn sie Härte nicht aus Lautstärke, sondern aus Stimmung entwickeln.

WUT AUS DEM NEBEL

»Wrath« zieht die Platte in eine härtere Richtung. Hier wird die Dunkelheit körperlicher, kantiger, giftiger. Der Titel bedeutet Zorn, und genau diesen Zorn hört man nicht als plumpes Geschrei, sondern als Druck, der aus dem Inneren kommt. Die Black-Metal-Schatten werden deutlicher, die Atmosphäre bekommt mehr Kälte, und die Musik wirkt weniger träumerisch als zuvor.

Das ist wichtig für den Fluss der EP, denn nach den fast geisterhaften ersten Stücken braucht es diesen Einschnitt. »Wrath« ist nicht einfach der harte Track für die Metal-Fraktion, sondern ein notwendiger Bruch im emotionalen Verlauf. Hier wird aus dem Abstieg ein Widerstand, aus der Melancholie eine innere Spannung. Die Nummer gibt dem Werk mehr Biss, ohne den avantgardistischen Charakter zu verlieren.

VERLORENE INSEL, VERLORENE SEELE

»Island Of Lost Soul« bringt mit Beanzy einen weiteren Gastbeitrag ins Spiel und erweitert das Klangbild noch einmal. Die Nummer öffnet sich in Richtung urbaner, fast trip-hop-artiger Schattenwelt. Hier merkt man besonders, dass XCIII keine Angst vor stilistischen Fremdkörpern haben. Rap-Elemente, dunkle Elektronik, Ambient-Flächen und Post-Rock-Anteile werden nicht fein säuberlich sortiert, sondern ineinander geschoben.

Das könnte theoretisch schnell nach Baustelle klingen, funktioniert hier aber erstaunlich kohärent. Der Song wirkt wie ein innerer Monolog auf einer Insel, die mehr psychischer Zustand als realer Ort ist. Verlorenheit wird nicht als großer Pathos-Moment ausgestellt, sondern als dumpfes Weiterexistieren. Gerade diese Zurückhaltung macht das Stück stark.

KÖRPER, NÄHE UND KÄLTE

»Your Body« arbeitet stärker mit körperlicher Präsenz. Der Titel klingt unmittelbar, vielleicht sogar intim, doch die Musik legt sofort eine Distanz darüber. Hier geht es nicht um Wärme, sondern um Wahrnehmung, Entfremdung und die Frage, wie nah man einem Körper sein kann, ohne wirklich Nähe zu empfinden. Die elektronischen Elemente geben dem Song eine kalte, beinahe klinische Seite.

Musikalisch ist das einer der Songs, bei dem die Coldwave-Färbung besonders gut greift. Der Track pulsiert, aber er explodiert nicht. Er bleibt kontrolliert, fast eingefroren. Genau dadurch entsteht eine unheimliche Spannung. XCIII machen hier keine Musik für den schnellen Kick, sondern für dieses unangenehme Nachhallen, das erst später so richtig greift.

VERT DOUX UND DER LETZTE SCHIMMER

Der Abschluss »Vert Doux« wirkt wie ein letzter, grüner Schimmer in einer Landschaft, die längst ausgekühlt ist. Der Titel lässt etwas Weiches, beinahe Sanftes vermuten, doch auch hier bleibt diese typische XCIII-Ambivalenz erhalten. Schönheit und Verstörung liegen direkt nebeneinander. Das Stück wirkt wie ein Ausklang, aber nicht wie eine Erlösung. Eher wie ein Moment, in dem man kurz innehält und merkt, dass der Abstieg nicht vorbei ist, sondern nur leiser geworden ist.

Als Abschluss funktioniert »Vert Doux« sehr gut, weil es die Platte nicht mit einem übergroßen Finale zukleistert. Stattdessen klingt die EP aus, als würde sich ein Bild langsam auflösen. Keine Faust in die Luft, kein Happy End, kein dramatischer Schlussakkord. Nur ein Nachhall, der sich festsetzt.

KLANG, KONZEPT UND WIRKUNG

Die Produktion von »In Puncto Ad Inferna Descendunt« lebt von Räumlichkeit und Textur. Hier wird nicht alles nach vorne geprügelt, sondern vieles schwebt, flackert, pulsiert oder liegt wie Nebel über der Musik. Das macht die EP sehr atmosphärisch, verlangt aber auch Aufmerksamkeit. Nebenbei beim Staubsaugen funktioniert das eher nicht, außer man möchte sich dabei wie in einem französischen Arthouse-Albtraum fühlen.

Stark ist vor allem, wie geschlossen das Werk trotz der stilistischen Vielfalt klingt. XCIII verbinden Avantgarde, Post Rock, Coldwave, Ambient, Black-Metal-Schatten und elektronische Experimente nicht als wildes Genre-Bingo, sondern als zusammenhängende Klangsprache. Die Musik ist nicht immer bequem, aber sie ist konsequent. Und genau das zählt hier.

NICHT METAL GENUG? GERADE DESHALB SPANNEND

Natürlich muss man klar sagen: Wer hier ein klassisches Metal-Album erwartet, wird möglicherweise enttäuscht sein. »In Puncto Ad Inferna Descendunt« ist keine Riffplatte im üblichen Sinne. Es gibt keine durchgehende Schlagzeugwalze, keine permanenten Blastbeats, keine Gitarrenwand, die alles niederbügelt. Die Härte entsteht vielmehr aus Stimmung, Abgrund, Kälte und dieser unangenehmen Mischung aus Schönheit und Verfall.

Gerade deshalb passt diese EP aber in den Metal-Underground-Kontext. Denn Underground bedeutet nicht nur schneller, lauter, härter. Es bedeutet auch: eigenwilliger, riskanter, sperriger. Und genau das ist XCIII. Dieses Projekt geht nicht den sicheren Weg. Es baut lieber einen dunklen Flur, stellt ein Kinderspielzeug in die Ecke, lässt irgendwo eine Basslinie pochen und wartet, bis der Hörer selbst merkt, dass die Tür hinter ihm zu ist.

KLEINER UMFANG, GROSSE SCHATTEN

Mit knapp 25 Minuten ist »In Puncto Ad Inferna Descendunt« eher eine Maxi-EP als ein voll ausgewachsenes Album. Das ist aber kein Nachteil. Im Gegenteil: Die Kürze sorgt dafür, dass die Stimmung nicht ausfranst. Jeder Song hat seine Funktion, und bevor sich der experimentelle Ansatz zu sehr ausdehnt, ist der Spuk auch schon wieder vorbei.

Trotzdem bleibt ein kleiner Kritikpunkt: Nicht jede Idee bekommt denselben Raum zur Entfaltung. Manche Passagen wirken eher wie Skizzen eines größeren Klangkosmos. Gerade weil die Atmosphäre so stark ist, hätte man sich hier und da noch etwas mehr Entwicklung gewünscht. Aber lieber eine kurze Platte mit klarer Handschrift als 70 Minuten aufgeblasenes Konzeptgedöns, bei dem nach der Hälfte keiner mehr weiß, wo vorne und hinten ist.

FAZIT:

»In Puncto Ad Inferna Descendunt« ist ein düsteres, eigenwilliges und atmosphärisch sehr starkes Werk zwischen Avantgarde Post Rock, Coldwave, Ambient und schwarzen Metal-Schatten. XCIII liefern keine Musik für schnelle Genre-Schubladen, sondern eine kurze, intensive Reise in innere Abgründe. Das Album wirkt wie ein Traum, der zuerst schön aussieht und dann langsam seine Zähne zeigt.

Die stärksten Momente sind »Et Quand Il Pleut, Je Danse«, »Petit Bateau«, »Wrath«, »Island Of Lost Soul« und »Vert Doux«. Besonders die Gastbeiträge von Louison geben dem Werk eine eigenartige, fragile und zugleich verstörende Note. Kleine Abzüge gibt es dafür, dass manche Ideen gerne noch länger hätten wachsen dürfen und das Ganze eher EP- als Album-Charakter besitzt.

Für Freunde von Ulver, Massive Attack, Lunatic Soul, Anathema, Porcupine Tree oder dunklem Art-/Post-Rock mit avantgardistischer Schlagseite ist »In Puncto Ad Inferna Descendunt« eine klare Empfehlung. Kein leichtes Werk, kein klassischer Metal-Brocken, aber ein spannender Abstieg mit Stil, Schatten und Substanz.

Full Albumstream:

Internet

XCIII - In Puncto Ad Inferna Descendunt - Review

BLOODY FALLS – IV

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BLOODY FALLS – IV - Cover
BLOODY FALLS – IV - Cover

Band: BLOODY FALLS 🇫🇮
Titel: IV
Label: Art Gates Records
VÖ: 05/06/26
Genre: Melodic Death/Groove Metal

Tracklist

01. By My Own Grave
02. Pestilence Is All I Need
03. I Am The Devil
04. The Four
05. Doomed To Repeat
06. The Churn
07. Mother, Your Son Is Bleeding
08. Wrath
09. Enter The Mourn
10. Before The Alpha
11. Black Death

 

Besetzung

Antero Hakala – Vocals
Stavros Mathios – Guitar
Marko Mäkinen – Guitar
Mika Lehtinen – Bass
Rami Vartiainen – Drums

 

Bewertung:

2,5/5

Mit ihrem vierten Album „IV“ präsentieren BLOODY FALLS eine Mischung aus melodischem Death und Groove Metal, die sich hörbar an den großen Vertretern der frühen 2000er orientiert. Die Produktion ist druckvoll, die Gitarren besitzen ausreichend Wucht, und die Rhythmussektion sorgt über weite Strecken für ein solides Fundament. Dennoch hinterlässt das Album einen zwiespältigen Eindruck.

Biografischer Überblick

BLOODY FALLS wurden 2017 in Finnland gegründet. Weniger als zehn Jahre nach ihrer Gründung umfasst ihre Diskografie bereits drei Studioalben und eine EP. Ihr neuestes Werk, „IV“, ist nicht nur Anspielung auf die Tatsache, dass es bereits ihr viertes Full-Length-Album ist. Es bedient sich konzeptuell weitestgehend der Thematik rund um die vier apokalyptischen Reiter, jedoch nicht ausschließlich. Das Album markiert laut der Band ein neues musikalisches Kapitel und ist bislang das aggressivste Werk der Finnen.

Die stilistische Essenz

Bereits die ersten Songs machen deutlich, worauf die Band setzt: mittlere Tempi, schwere Riffs, Double-Bass-Passagen und ein aggressiver Gesangsstil, der dem Material zusätzliche Härte verleihen soll. Gerade Letzteres klingt jedoch nicht vollkommen überzeugend: Die tiefen Growls wirken atemlos und bleiben in ihrer Ausdrucksbreite begrenzt, wodurch viele Songs emotional auf einer ähnlichen Ebene verharren. Auch kompositorisch greifen BLOODY FALLS immer wieder auf dieselben Muster zurück: schleichende Gitarrenintros, bevor die volle Instrumentierung und das Gebrüll einsetzen. Was anfangs funktioniert, nutzt sich im Albumverlauf merklich ab.

Highlights

Dabei mangelt es „IV“ keineswegs an gelungenen Momenten. Besonders „I Am The Devil“ sticht hervor und demonstriert eindrucksvoll, welches Potenzial in der Band steckt. Der Song verbindet starke Riffarbeit mit einem epischen Übergang zum Refrain, bietet hörbare Variationen im Gesang und setzt mit kleinen Details – etwa gezielten Akzenten auf den Schlagzeugbecken – genau jene Dynamik frei, die vielen anderen Stücken fehlt. Dass dieser Titel als Single ausgewählt wurde, überrascht nicht: Er gehört zu den mitreißendsten und eigenständigsten Momenten des Albums.

Auch an anderer Stelle blitzen interessante Ideen auf: „The Four“ gewinnt durch eine unerwartete mittelalterlich anmutende Passage an Charakter, während „Doomed To Repeat“ mit einem gelungenen Solo und dezent eingesetzten Synthesizermelodien zusätzliche Atmosphäre erzeugt. Einen emotionalen Höhepunkt bildet „Mother, Your Son Is Bleeding“, dessen Texte auf realen Geschichten aus dem Umfeld der Band basieren. Die Ehrlichkeit und Rohheit der Thematik verleihen dem Song Gewicht, auch wenn er musikalisch nicht dieselbe Wirkung entfaltet wie seine lyrische Grundlage.

Fehlende Eigenständigkeit

Das grundlegende Problem von „IV“ ist seine fehlende Eigenständigkeit. BLOODY FALLS erinnern häufig an andere Bands, ohne dabei eine klar erkennbare eigene Handschrift zu entwickeln. Vieles klingt vertraut, teilweise sogar wie ein Déjà-vu, bei dem man ständig überlegt, wo man ähnliche Riffs, Songstrukturen oder Melodieführungen bereits gehört hat. Besonders im Groove-orientierten „The Churn“ werden die Parallelen zu Genregrößen wie LAMB OF GOD deutlich. So bleibt „IV“ letztlich ein Album mit hörbarem handwerklichem Können, einigen starken Einzelmomenten und einer überzeugenden Produktion. Was jedoch fehlt, ist eine eigene Identität.

Zu gut gemeinte Spielzeit

Was die Bewertung angesichts der mangelnden Abwechslung zusätzlich drückt, ist die lange Spielzeit. Mit elf Songs und knapp einer Stunde Laufzeit fordert „IV“ die Aufmerksamkeit des Hörers stärker, als es das Songmaterial letztlich rechtfertigt. Es werden nur vereinzelt echte Überraschungsmomente eingestreut, wodurch spätestens in der zweiten Albumhälfte ein Gefühl der Resignation bzw. Ermüdung entsteht. Wenn ein Album 35–40 Minuten lang ist, kann man gewisse Wiederholungen oder mangelnde Eigenständigkeit leichter verzeihen. Bei knapp einer Stunde Spielzeit werden jedoch genau solche Schwächen deutlich sichtbarer. Eine engere Auswahl hätte den stärksten Songs mehr Gewicht verliehen und die Schwächen weniger offensichtlich werden lassen.

Fazit: BLOODY FALLS verlieren sich auf „IV“ zu häufig in bekannten Genre-Konventionen. Für Fans klassischen melodischen Death Metals und modernen Groove Metals bietet das Album durchaus Unterhaltung – der entscheidende Funke, der „IV“ aus der Masse herausheben würde, bleibt jedoch aus.

Internet

BLOODY FALLS – IV

Desecresy – The Secret Of Death

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Desecresy - The Secret Of Death - cover artwork
Desecresy - The Secret Of Death - cover artwork

Band: Desecresy 🇫🇮
Titel: The Secret of Death
Label: Xtreem Music
VÖ: 21.05.2026
Format: Digital / CD / 12″ LP / Cassette
Genre: Death Metal / Death Doom / Old School Death Metal

Tracklist

01. Gorge of the Dead
02. It Appears in a Dream
03. By the Slowing Vortex of Time
04. Crypthymn
05. Ancient Timbre of Demise
06. Rotting Ghouls
07. Summoned With Necrolunar Telepathy
08. Vanishing Existence

Besetzung

Tommi Grönqvist – Gesang, alle Instrumente, Songwriting, Produktion

Bewertung:

4 von 5

Ja sacht mal, haben wir Death Metal Wochen bei Metal Underground? Kaum hat man sich aus einem modrigen Kellergewölbe herausgebuddelt, kommt aus Finnland schon der nächste tonnenschwere Brocken angekrochen und haut einem die Graberde direkt wieder in die Kauleiste. Desecresy melden sich mit »The Secret of Death« zurück, und wer bei diesem Titel romantische Kerzen, gepflegte Friedhofsästhetik und ein bisschen Nebelmaschine erwartet, wird hier sehr schnell von einem uralten, schleppenden Todeskoloss überrollt.

 

Albumstream

Hinter Desecresy steht inzwischen komplett Tommi Grönqvist, der hier Musik, Gesang, Instrumente, Produktion und Artwork verantwortet. Das ist wichtig, denn »The Secret of Death« klingt nicht wie ein Projekt, bei dem verschiedene Meinungen um Aufmerksamkeit ringen. Dieses Album wirkt wie ein einziger, finsterer Block. Kein glattes Modern-Death-Metal-Produkt, kein technischer Selbstbeweihräucherungszirkel, sondern eine langsam atmende Gruft aus Riffs, Doom-Schwere und höhlenartigem Grollen.

EIN ALBUM WIE EIN STEINSARG

Die bisherigen Kritiken zu »The Secret of Death« zeichnen ein recht geschlossenes Bild: Desecresy liefern Death Metal, der nicht auf Dauerfeuer setzt, sondern auf Monolithen. Das Tempo bleibt häufig langsam bis mittig, die Riffs drücken wie feuchtes Mauerwerk, und die Atmosphäre ist weniger Horrorfilm-Sprungschreck als vielmehr dieses unangenehme Gefühl, wenn man merkt, dass hinter einem im Dunkeln doch etwas steht. Genau da liegt die Stärke der Platte.

Musikalisch bewegt sich das Album tief im Old School Death Metal, trägt aber eine deutliche Death-Doom-Schlagseite mit sich. Aufgebaut auf ein standfestes Fundament aus Drums und Bass türmen sich Gitarrenwände auf, die nicht glänzen, sondern faulen. Die Gitarren sind gekonnt aufgebettet, mal walzend, mal schabend, mal mit diesen kalten, geisterhaften Melodien versehen, die bei finnischem Death Metal oft so wirken, als würden sie aus einem zugeschütteten Tunnel herausleuchten.

DIE GRUFT ÖFFNET SICH

»Gorge of the Dead« macht direkt klar, wohin die Reise geht. Der Song öffnet nicht einfach ein Album, er reißt einen Schlund auf. Die Riffs walzen schwer, grobkörnig und ohne Eile nach vorne. Der Gesang kommt aus der Tiefe, als würde jemand unter einer Steinplatte noch einmal Luft holen. Atmosphärisch ist das der perfekte Einstieg: keine freundliche Einladung, sondern ein Grabtor, das zufällt.

»It Appears in a Dream« schiebt das Ganze stärker ins Albtraumhafte. Der Titel deutet bereits an, dass es hier nicht nur um körperlichen Verfall geht, sondern um Bilder, die sich in den Kopf fressen. Musikalisch wirkt die Nummer etwas schwebender, aber keineswegs leichter. Diese kalte finnische Schwärze zieht durch die Gitarren, während der Song eher kriecht als rennt. Genau das macht ihn so wirkungsvoll.

ZEIT, TOD UND DER LANGSAME STRUDEL

Mit »By the Slowing Vortex of Time« zieht Desecresy das Tempo noch stärker in zähe Bahnen. Der Song klingt, als würde die Zeit selbst im Schlamm feststecken. Hier geht es nicht um den schnellen Nackenschlag, sondern um Druckaufbau. Die Wiederholungen wirken fast rituell, ohne langweilig zu werden. Wer Death Metal nur als Hochgeschwindigkeitsprügelei versteht, wird hier eventuell ungeduldig. Wer aber diesen morbiden, hypnotischen Ansatz liebt, bekommt genau das richtige Futter.

»Crypthymn« ist dann schon vom Titel her feinster Gruftdienst. Das Stück hat etwas Liturgisches, aber nicht im Sinne von Weihrauch und Kirchenfenster, sondern eher wie eine Beschwörung tief unter der Erde. Die Nummer ist kompakter und direkter, wirkt aber nicht kleiner. Hier wird die Prügel nicht rausgeschmissen, weil es modern klingen soll, sondern weil dieser rostige Schlag aus dem Gesamtbild heraus notwendig wirkt.

DER MODDER-GROOVE IN DER MITTE

In der Mitte des Albums steht mit »Ancient Timbre of Demise« einer der stärksten Momente der Platte. Das Stück baut sich erst unheimlich auf und lässt dann diesen massiven Modder-Groove los, der einem die Gesichtszüge Richtung Steinzeit zieht. Besonders stark ist die Verbindung aus brachialem Riffing, dunkler Melodieführung und einer Atmosphäre, die eher urzeitlich als bloß retro klingt. Der Song wirkt, als hätte jemand Death Metal nicht geschrieben, sondern aus einem Felsblock geschlagen. Thematisch lässt sich das Stück als Klangbild eines unausweichlichen Endes lesen: kein Drama, kein Pathos, sondern eine archaische Gewissheit. Alles vergeht, und Desecresy liefern den Soundtarck dazu.

»Rotting Ghouls« bringt anschließend wieder mehr körperliche Direktheit hinein. Die Nummer stapft, knurrt und schiebt, als würde eine halb verweste Horde durch sumpfiges Gelände marschieren. Gerade Bass und Drums tragen hier viel Gewicht. Das Fundament ist nicht poliert, sondern dreckig, schwer und ungemütlich. So muss das klingen, wenn Death Metal nicht im Fitnessstudio trainiert, sondern in Katakomben Liegestütze macht.

OKKULTER SCHATTEN UND KOSMISCHER MODER

Mit »Summoned With Necrolunar Telepathy« wird es noch einmal okkulter. Der Titel allein klingt schon wie eine Notiz aus einem verbotenen Buch, das man besser nicht laut vorliest. Musikalisch verbindet der Song die rituelle Seite des Albums mit einem leichten kosmischen Horrorfilm-Gefühl. Die Gitarren kreisen wie kalte Monde über einem Friedhof, während der Gesang tief aus dem Untergrund heraus grollt. Hier zeigt sich, dass Desecresy bei aller Einfachheit im Grundgerüst eine enorme atmosphärische Kontrolle besitzen.

Der Abschluss »Vanishing Existence« ist dann kein bloßes Finale, sondern ein langsames Verschwinden. Der Song nimmt sich Zeit, arbeitet mit einer beinahe filmischen Atmosphäre und lässt das Album nicht einfach enden, sondern auslaufen. Als würde die eigene Existenz Stück für Stück im Nebel verschwinden. Gerade als Closer funktioniert das hervorragend, weil hier nicht nur noch einmal geprügelt wird, sondern der ganze Weg des Albums in eine letzte Konsequenz geführt wird.

KLANG, HANDWERK UND WIRKUNG

Klanglich sitzt »The Secret of Death« genau dort, wo diese Art von Death Metal hingehört: tief, dumpf, schwer, aber nicht völlig matschig. Die Produktion ist roh und massiv, ohne den Charakter der Songs zu verschlucken. Die Drums wirken hohl und erdig, der Bass füllt die Zwischenräume mit fauliger Wärme, und die Gitarren stehen breit im Raum, ohne sterile Studio-Glätte zu bekommen.

Tommi Grönqvist gelingt dabei etwas, das bei Solo-Projekten keineswegs selbstverständlich ist: Das Album klingt nicht vereinzelt oder dünn, sondern wie eine komplette, in sich geschlossene Todesmaschine. Die Songs sind nicht auf technische Schaustellerei ausgelegt. Hier spielt niemand für die Galerie. Die Wirkung entsteht durch Gewicht, Wiederholung, Atmosphäre und Konsequenz.

KEIN GLANZ, KEINE GNADE

Natürlich muss man auch sagen: Wer große Refrains, melodische Erlösung oder moderne Hochglanzproduktion sucht, ist bei Desecresy falsch abgebogen. »The Secret of Death« ist kein Album für nebenbei, kein nettes Häppchen Death Metal und schon gar kein Werk, das sich beim ersten Durchlauf komplett öffnet. Die Songs sind langsam bis mittelschnell, schwer, repetitiv und bewusst finster.

Aber genau darin liegt ihre Stärke. Dieses Album will nicht überraschen, indem es alle zwei Minuten den Stil wechselt. Es will dich in einen Zustand versetzen. Und das gelingt. Der Death Metal von Desecresy ist nicht flashy, nicht trendbewusst und nicht zugänglich im üblichen Sinne. Er ist ein dunkler Raum, in den man hineingeht, obwohl man ziemlich genau weiß, dass dort unten nichts Gutes wartet.

EIN GEGENENTWURF ZUM MODERNEN HOCHGLANZ-GEBALLER

Im Vergleich zu vielen modernen Death-Metal-Veröffentlichungen wirkt Desecresy fast wie ein Gegenentwurf. Keine sterile Überproduktion, keine sportliche Griffbrett-Show, kein glattgebügelter Algorithmus-Sound. Stattdessen gibt es Gruft, Druck, Finsternis und eine enorme Konsequenz. Die Songs schielen nicht auf Playlisten-Kompatibilität, sondern auf Atmosphäre. Und genau das macht diese Platte so glaubwürdig.

Die öffentlichen Reviews gehen in der Tendenz in dieselbe Richtung: »The Secret of Death« wird als schweres, hypnotisches und höhlenartiges Death-Metal-Werk wahrgenommen, wobei besonders die düstere Produktion, die langsam bis mittig marschierenden Tempi und der bedrückende Gesamtsog auffallen. Nicht jede Kritik sieht darin ein Meisterwerk, aber selbst zurückhaltendere Einschätzungen erkennen die klare Handschrift und die konsequente Umsetzung an.

FAZIT:

»The Secret of Death« ist ein starkes, finsteres und konsequentes Death-Metal-Album, das seine Wirkung nicht durch Effekthascherei, sondern durch Atmosphäre, Gewicht und Beharrlichkeit entfaltet. Desecresy liefern hier keinen leicht verdaulichen Genre-Snack, sondern eine unterirdische Reise durch Verfall, Tod und kosmischen Horror.

Die stärksten Momente sind »Gorge of the Dead«, »By the Slowing Vortex of Time«, »Ancient Timbre of Demise«, »Summoned With Necrolunar Telepathy« und »Vanishing Existence«. Kleine Abzüge gibt es dafür, dass die Platte atmosphärisch sehr geschlossen bleibt und dadurch nicht jeder Song sofort ein komplett eigenes Gesicht zeigt. Dafür wächst das Album mit seiner monolithischen Konsequenz.

Für Fans von Incantation, Asphyx, Bolt Thrower, Rippikoulu, Abhorrence, Mythic oder Rottrevore ist »The Secret of Death« ein Pflichtbesuch in der Gruft. Hoschi, Licht aus, Kerze an, Tür verriegeln – die Toten haben hier das bessere Soundsystem.

Albumstream:

Internet

Desecresy - The Secret of Death - CD Review

W.M.D. – Against All Warnings

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W.M.D._Against-All-Warnings_2026
W.M.D._Against-All-Warnings_2026

Band: W.M.D. 🇨🇦
Titel: Against All Warnings
Label: Self-Released
VÖ: 05/06/26
Genre: Thrash Metal

Tracklist

01. Eyes Of A Killer
02. Agaisnt All Warnings
03. The Black Expanse
04. Kleptomania
05. Post Human Predator
06. March Of Death…
07. The Thin Red Line
08. Already Dead
09. Painful Vengeance

 

Besetzung

Skyler Mills – Vocals/Guitars
Jon Power – Bass
Ryan Idris – Drums

 

Bewertung:

4,5/5

Achtung, Achtung: Es folgt aggressiver Thrash aus Kanada, der Mosh Pits im Wohnzimmer anzetteln könnte! Das neue Album der jungen Thrasher W.M.D. aus Vancouver trägt den frechen Name „Against All Warnings“. Fans des Genres sollten hier auf jeden Fall reinhören.

Kurzer biografischer Überblick

„W.M.D.“ steht für „When Minds Develop“ – und damit ist bereits ein Großteil dessen verraten, was man über die Band erfährt. Laut Bandcamp umfasst ihre Diskografie bislang lediglich eine Demo („’DEMO’lition“, 2014) und ein Album („Lethal Revenge“, 2018). Nach einer achtjährigen Veröffentlichungspause reiht sich „Against All Warnings“ nun als zweites Studioalbum ein.

Stilistisch scheint sich in dieser Zeit wenig verändert zu haben: Schnörkelloser, brachialer Thrash Metal mit klassischen wie modernen Einflüssen und markanter Bassarbeit prägt sowohl das neue als auch das ältere Material. Während die früheren Cover-Artworks noch offenließen, ob hier eher Brutal Death Metal oder Old-School-Thrash zu erwarten ist, spricht die Musik eine deutlichere Sprache. Das Artwork des neuen Albums (von Alex Malakmadze) wirkt entsprechend treffender und harmoniert wesentlich besser mit dem musikalischen Inhalt.

Erbarmungslos, kraftvoll und präzise

Die erste Single, die zugleich der erste Song des Albums ist, verschafft uns einen guten Eindruck, womit wir bei den restlichen sieben Songs rechnen können. Auf „Eyes of a Killer“ attackiert uns Skyler Mills mit messerscharfen sowie groovigen Riffs und seiner eigentümlichen Stimme. Ryan Idris treibt das Lied am Schlagzeug erbarmungslos nach vorne. Jon Power macht seinem Nachnamen alle Ehre und drängt sich mit kraftvollen Bass-Lines in den Vordergrund. Der Sound ist frisch und modern, behält aber etwas Erdiges, das der Musik Authentizität verleiht. Die Instrumente sind hervorragend aufeinander abgestimmt, wodurch das präzise Zusammenspiel der drei Musiker noch eindrucksvoller zur Geltung kommt. Besonders die prominente Rolle des Basses erweist sich als großer Pluspunkt. Da die Band nur über einen Gitarristen verfügt, übernimmt der Bass weit mehr als die bloße rhythmische Unterstützung des Schlagzeugs: Er steuert eigenständige Linien bei, die den Songs zusätzliche Tiefe verleihen und im Mix genügend Raum erhalten, um ihre Wirkung voll zu entfalten.

Abwechslungsreich und fesselnd

„Against All Warnings“ lässt nicht viele Verschnaufpausen zu, aber anstatt von der ersten bis zur letzten Sekunde wie ein tollwütiges Biest zu wüten, überzeugen W.M.D. mit Abwechslungsreichtum. Alleine die zahlreichen Fills, Beat- und Rhythmuswechsel von Ryan Idris am Schlagzeug sind so unfassbar befriedigend. Im gleichnamigen Lied „Against All Warnings“ gibt es z. B. eine Drumsolo-Passage, die um ein paar Takte länger dauert als erwartet. Solche Details fesseln und machen das Hören zu einem Erlebnis. Tempowechsel und unkonventionelle Songstrukturen tragen ebenso zu einem abwechslungsreichen Werk bei. Lieder wie „Post Human Predator“ und „The Thin Red Line“ zeigen, dass W.M.D. die Brutalität eines Songs auch gut mit bewusst gedrosseltem Tempo und umso böseren Riffs verkörpern können.

Nostalgie trifft auf Moderne

Die Gitarrenriffs erwecken oft nostalgische Gefühle; häufig erinnern sie wiederum an moderne Thrash-Bands. „Against All Warnings“ ist ein gutes Beispiel dafür – vor besagter Drum-Passage gibt es ein Riff, das an Old-School-SLAYER erinnert. In „Kleptomania“ bekommt man „Kill ‘Em All“-METALLICA-Flashbacks. Zwischendrin kann man es nicht immer genau definieren, aber die klassischen Einflüsse der Bay Area sind definitiv da. Gleichzeitig hört man die Energie von jüngeren Bands heraus: die Brutalität z. B. von WARBRINGER, die Vielfalt von ANGELUS APATRIDA und den Groove von HAVOK. Dadurch gelingt W.M.D. eine überzeugende Verbindung aus traditionellen Thrash-Wurzeln und moderner Vehemenz.

Fazit: W.M.D. erfinden mit „Against All Warnings“ den Thrash Metal nicht neu, aber ihr Zugang ist unglaublich erfrischend, dynamisch und unterhaltsam – ein Anspieltipp für alle Thrasher!

Internet

W.M.D. – Against All Warnings

Membrance – Resa Marciana

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Membrance - Resa Marciana - cover artwork
Membrance - Resa Marciana - cover artwork

Band: Membrance 🇮🇹
Titel: Resa Marciana
Label: Ad Noctem Records
Herkunft: Venedig, Italien
VÖ: 19.05.2026
Genre: Old School Death Metal / Death Metal / Groove Thrash / Blackened Death Metal
Format: Digital / CD

Tracklist

01. Batipai
02. Sentensa da Resa
03. Rioba
04. Turistificai
05. Serenissima
06. Morte de Vero
07. Redi Tegnue
08. El Cason dei Sette Morti
09. Cà Dario
10. Caronte
11. E Mi me ne So’ndao

Besetzung

Davide Lazzarini – Vocals, Bass
Mattia Guzzonato – Rhythm & Lead Guitar
Giacomo Rusconi – Rhythm & Acoustic Guitar
Giovanni De Fraja – Drums, Percussion

Gäste:
Luca Gerardini – Additional Vocals auf „Batipai“
Costanza Benedettelli – Violin auf „Serenissima“
Ludovica Marcuzzi – Soprano Vocals auf „Redi Tegnue“
Marco Pedrali – Clean Vocals auf „Caronte“

Bewertung:

4 von 5

Venedig sinkt hier nicht romantisch im Abendrot, sondern wird von Membrance in den modrigen Schlamm der Lagune gezerrt. Mit »Resa Marciana« legt die Death-Metal-Formation aus der Serenissima ein Album vor, das nicht einfach nur nach Old School Death Metal klingt, sondern nach fauligem Wasser, alten Steinen, zerbrochenen Symbolen und einer Stadt, die zwischen Mythos, Massentourismus und Verfall zerrieben wird. Wer hier gondelnde Postkartenromantik sucht, bekommt stattdessen eine rostige Kette um den Hals und wird in den Maschinenraum der Lagune geschubst.

Membrance - Resa Marciana - Albumstream:

Membrance existieren seit 2012 und stehen musikalisch für schwedisch geprägten Old School Death Metal mit HM2-Kante, Groove-/Thrash-Einschüben und dunklen Black-Metal-Schattierungen. Auf »Resa Marciana« wird dieser Stil aber nicht nur als Soundtapete benutzt. Die Band baut daraus ein Konzeptalbum, das vollständig im venezianischen Dialekt gehalten ist und sich mit Legenden der Lagune, alten Geschichten der Inseln und dem heutigen Zustand Venedigs auseinandersetzt. Das ist kein billiges Lokalkolorit, sondern Identität mit Dreck unter den Fingernägeln.

Aufgebaut auf ein standfestes Fundament aus Drums und Bass werfen Davide Lazzarini, Mattia Guzzonato, Giacomo Rusconi und Giovanni De Fraja hier die Prügel ordentlich raus, lassen aber genug Atmosphäre stehen, damit die Platte nicht nur als stumpfer Death-Metal-Brocken funktioniert. Die Riffs fräsen, die Drums treiben, der Bass schiebt aus dem Untergrund, und über allem liegt dieser morbide venezianische Schatten. »Resa Marciana« klingt, als würde eine Stadt selbst ihr Urteil sprechen.

Die Lagune schlägt zurück

Mit »Batipai« eröffnet die Band das Album nicht mit einem langen Intro, sondern direkt mit erdiger, schwitzender Arbeitermetal-Wucht. Der Begriff verweist auf die Welt der venezianischen Wasserwege, auf harte körperliche Arbeit, Pfähle, Holz, Wasser, Schlick und das Fundament einer Stadt, die auf Gewalt gegen die Natur und zugleich auf technischer Genialität errichtet wurde. Musikalisch passt das bestens: Die Nummer rammt sich wie ein Pfahl in den Boden, drückt nach vorne und setzt sofort klar, dass Membrance hier nicht an dekorativer Lagunenromantik interessiert sind.

Das zusätzliche Vokalfeuer von Luca Gerardini gibt dem Song noch mehr rauen Charakter. Davide Lazzarini röchelt, bellt und knurrt sich durch das Stück, als würde er nicht nur einen Text performen, sondern alte Erde ausspucken. Darunter setzen Bass und Drums ein massives Fundament, während die Gitarren herrlich schmutzig sägen. Hier wird gleich zu Beginn klar: Die Band verbindet historische und lokale Themen mit Death Metal, ohne dabei in Museumsführung abzurutschen. Das Ding lebt, stinkt und beißt.

»Sentensa da Resa« führt das Konzept noch deutlicher aus. Schon der Titel wirkt wie ein Urteil: Die Kapitulation ist nicht mehr Option, sondern bereits ausgesprochen. Inhaltlich lässt sich der Song als Abrechnung mit einer Stadt lesen, die ihre Seele verkauft hat. Venedig erscheint hier nicht als unantastbare Schönheit, sondern als Körper, der langsam unter seinem eigenen Mythos, unter Ausverkauf, Gier und Selbstaufgabe zusammenbricht.

Musikalisch trifft die Band hier einen starken Punkt zwischen Groove und finsterer Raserei. Die Gitarren sind gekonnt aufgebettet, schneiden aber trotzdem tief. Der Song hat diese Qualität, die gute Old-School-Death-Metal-Stücke brauchen: Er wirkt roh, aber nicht unkontrolliert. Die Prügel werden rausgeschmissen, aber mit System. Genau dadurch bleibt »Sentensa da Resa« hängen.

Steinerne Händler und touristische Fäulnis

»Rioba« greift eine bekannte venezianische Legendenfigur auf: Sior Antonio Rioba, verbunden mit den Statuen der Mastelli-Brüder am Campo dei Mori. In der Überlieferung stehen diese Figuren für Gier, Betrug und Versteinerung als Strafe. Genau daraus machen Membrance ein starkes Death-Metal-Bild. Der Mensch wird nicht einfach bestraft, er wird zu dem, was sein Inneres längst war: kalt, hart, leblos.

Musikalisch arbeitet der Song mit einer bedrohlichen Schwere, die sehr gut zu dieser Idee passt. Die Riffs schleifen wie Stein auf Stein, während Giovanni De Fraja an den Drums immer wieder Druck aufbaut, ohne den Song kaputtzuhetzen. Mattia Guzzonato und Giacomo Rusconi liefern Gitarrenarbeit, die sowohl oldschoolig röhrt als auch dunkle melodische Schatten durchlässt. Das ist kein glattes Material, sondern schön rauer Todesstahl aus der Lagune.

Mit »Turistificai« wird es dann richtig gesellschaftskritisch. Der Titel lässt kaum Zweifel: Hier geht es um Tourismus, Überformung, Kommerzialisierung und die Verwandlung einer lebendigen Stadt in ein konsumierbares Produkt. Venedig wird nicht mehr bewohnt, sondern benutzt. Nicht mehr verstanden, sondern fotografiert. Nicht mehr geliebt, sondern abgegriffen.

Der Song ist kurz, bissig und kommt schnell auf den Punkt. Genau so muss so ein Thema musikalisch umgesetzt werden. Keine großen Umwege, keine feine Samthandschuh-Kritik, sondern ein ordentliches Brett gegen den Ausverkauf. Membrance klingen hier wie eine Band, die nicht nur über ihre Stadt singt, sondern aus ihr herauskotzt. Das hat Energie, Wut und eine gewisse böse Direktheit. Volle Kanne Hoschi, aber mit sozialem Unterbau.

Die Serenissima blutet

»Serenissima« trägt einen großen Namen. Die Republik Venedig, die alte Macht, das historische Selbstbild, der Mythos der prächtigen Wasserstadt: All das steht in diesem Titel mit im Raum. Doch Membrance stellen keinen goldenen Bilderrahmen darum. Sie zeigen die Risse. Die Geige von Costanza Benedettelli verleiht dem Song eine besondere Note und sorgt dafür, dass sich für einen Moment etwas Tragisches und beinahe Würdevolles öffnet.

Gerade dadurch wird der Song stark. Zwischen Death-Metal-Wucht und folkloristischer Färbung entsteht ein Moment, in dem das Album seine emotionale Tiefe zeigt. Das ist nicht einfach nur Geballer, sondern ein Stück über verlorene Größe. Die Serenissima klingt hier nicht triumphal, sondern müde, verwundet und vom eigenen Erbe erdrückt. Die Band schafft es, historische Schwere und metallische Brutalität zusammenzubringen, ohne dass es aufgesetzt wirkt.

»Morte de Vero« lässt sich im Kontext des Albums als weiteres Bild des Verschwindens lesen. Ob man dabei an Glas, Wahrheit, Handwerk oder brüchige Schönheit denkt: Der Song setzt diese Zerbrechlichkeit nicht sanft um, sondern zermahlt sie. Hier geht es nicht um hübsche Trauer, sondern um Verlust, der knackt und splittert. Die Gitarren arbeiten hart, der Bass drückt tief, und die Produktion lässt genug Schmutz stehen, damit das Material nicht steril wirkt.

Der Song steht beispielhaft für eine Stärke des Albums: Membrance können Atmosphäre, ohne ihre Death-Metal-Kante zu verlieren. Wo andere Bands bei folkloristischen oder lokalen Konzepten gerne weich werden, bleiben diese Venezianer bissig. Die Melancholie steckt im Schlamm, nicht im Zuckerwasser.

Unter Wasser lauern die Toten

Mit »Redi Tegnue« geht es hinaus in die Unterwasserwelt der Lagune und der nördlichen Adria. Die Tegnùe sind Felsformationen und Riffe, die Fischer fürchteten, weil sich Netze daran verfingen. Als Bild ist das großartig: etwas Verborgenes unter der Oberfläche, das festhält, zerreißt und nicht loslässt. Genau so klingt der Song auch. Er hat eine lauernde Qualität, als würde unter der Wasserlinie etwas Altes atmen.

Der Sopran von Ludovica Marcuzzi gibt dem Stück eine zusätzliche geisterhafte Ebene. Diese Stimme wirkt nicht wie ein nettes Ornament, sondern wie ein Echo aus der Tiefe. Darüber legen Membrance ihre Death-Metal-Wucht und schaffen einen der atmosphärisch stärkeren Momente der Platte. Das ist brachial, aber nicht stumpf. Es hat Bilder im Kopf, und diese Bilder riechen nach Salz, Algen und Tod.

»El Cason dei Sette Morti« gehört zu den stärksten Titeln des Albums, weil hier die Lagunenlegende voll in den Death Metal kippt. Der Titel verweist auf die düstere Erzählung der sieben Toten, auf alte Orte, Ruinen, Wasser und die Art von Volksglauben, die nicht freundlich am Lagerfeuer sitzt, sondern kalt im Nacken hängt. Der Song nimmt diese Stimmung auf und übersetzt sie in eine wuchtige, dunkle Nummer.

Musikalisch ist das Stück ein Brett. Die Band setzt auf Druck, schneidende Riffs und eine Atmosphäre, die deutlich schwärzer wirkt als reiner HM2-Death. Die Drums schieben den Song energisch nach vorne, während die Gitarren eine bedrohliche Fläche bauen. Hier merkt man besonders gut, wie Membrance Groove, Old-School-Death und blackened Stimmung miteinander verweben. Das ist einer dieser Songs, bei denen man sofort versteht, warum das Album mehr ist als nur eine weitere Todesblei-Scheibe.

Verfluchte Paläste und letzte Überfahrten

»Cà Dario« greift mit dem gleichnamigen Palast eines der bekanntesten unheimlichen Motive Venedigs auf. Das Gebäude gilt in vielen Erzählungen als verflucht, verbunden mit tragischen Schicksalen und Todesfällen seiner Besitzer. Für ein Death-Metal-Album über Venedig ist dieses Thema natürlich ein gefundenes Fressen. Doch Membrance nutzen es nicht als bloßen Gruselkitsch, sondern als weiteres Symbol für eine Stadt, deren Schönheit immer auch etwas Morbides hatte.

Musikalisch ist »Cà Dario« kompakt, druckvoll und giftig. Der Song braucht keine überlange Dramaturgie, sondern arbeitet mit direkter Wirkung. Die Riffs greifen, der Groove sitzt, und Lazzarini klingt, als würde er die Mauern dieses Palastes persönlich anknurren. Es ist genau diese Mischung aus Legende und körperlicher Härte, die das Album trägt.

Mit »Caronte« kommt der Fährmann ins Spiel. Charon, der die Toten über das Wasser bringt, passt perfekt in dieses Album. Venedig ist ohnehin eine Stadt der Übergänge: Land und Wasser, Leben und Tod, Geschichte und Verfall, Mythos und Massentourismus. In »Caronte« wird diese Übergangsstimmung besonders deutlich. Die Clean Vocals von Marco Pedrali setzen einen interessanten Kontrast zur ansonsten rauen Stimme von Lazzarini.

Das Stück wirkt dadurch fast wie ein Ritual. Nicht im symphonischen Sinne, sondern eher wie eine dunkle Überfahrt, bei der man weiß, dass es kein Zurück mehr gibt. Die Band gönnt sich hier mehr Atmosphäre, ohne den Druck zu verlieren. Das ist stark komponiert und zeigt, dass Membrance mehr können als nur geradeaus prügeln. Sie können auch Szenen bauen.

Der Abschied aus der sinkenden Stadt

Das abschließende »E Mi me ne So’ndao« ist eine Bearbeitung eines alten venezianischen Volksstücks und bildet damit einen konsequenten Abschluss. Nach all den Legenden, der Kritik am Zustand der Stadt, der Fäulnis, den Geistern und den Toten wirkt dieser letzte Song wie ein bitterer Abschied. Nicht pathetisch, nicht kitschig, sondern wie ein letzter Blick auf eine Heimat, die man liebt und zugleich nicht mehr wiedererkennt.

Gerade dieser Abschluss macht »Resa Marciana« runder. Die Band kehrt nicht einfach mit einem letzten Knüppelriff zurück, sondern bindet das folkloristische Fundament des Albums noch einmal offen ein. Dadurch wird klar: Dieses Album benutzt Venedig nicht als hübsche Kulisse. Es kommt aus dieser Stadt, aus ihren Geschichten, aus ihrem Dialekt, aus ihren Schatten.

Fazit

»Resa Marciana« ist ein starkes, eigenständiges und atmosphärisch dichtes Death-Metal-Album geworden. Membrance verbinden schwedisch geprägten Old School Death Metal mit Groove-/Thrash-Druck, dunklen Black-Metal-Schattierungen und einem konsequent venezianischen Konzept. Das Ergebnis klingt roh, schwer und identitätsstark. Hier wird nicht einfach irgendeine Standard-Horrorästhetik bedient. Hier wird eine Stadt zerlegt, die zwischen Mythos, Tourismus, Legende und realem Verfall gefangen ist.

Die Leistung der Musiker sitzt. Davide Lazzarini trägt das Album mit seiner rauen Stimme und seinem Bassfundament, Giovanni De Fraja hält das Material mit wuchtigem Drumming zusammen, während Mattia Guzzonato und Giacomo Rusconi die Gitarren gekonnt zwischen sägendem Death Metal, schweren Grooves und düsteren Melodien aufbetten. Die Gastbeiträge sind sinnvoll eingesetzt und geben einzelnen Songs zusätzliche Farbe, ohne den Death-Metal-Kern zu verwässern.

Kleine Einschränkung: Wer mit venezianischem Dialekt nichts anfangen kann, wird textlich natürlich eher über Stimmung, Titel und Konzept einsteigen müssen. Gleichzeitig ist genau das aber auch eine der größten Stärken der Platte. Membrance klingen nicht austauschbar. Sie klingen nach Herkunft, nach Schlamm, nach Geschichte und nach einer Stadt, die langsam untergeht, während draußen noch jemand Selfies macht.

Schlusswort

Unterm Strich ist »Resa Marciana« eine brachiale, morbide und kulturell stark verwurzelte Death-Metal-Platte. Membrance liefern keine Touristenführung durch Venedig, sondern eine Leichenöffnung am lebenden Mythos. Die Lagune wird hier nicht besungen, sie wird aufgerissen. Und aus dem Wasser steigen Legenden, soziale Wut, alte Flüche und jede Menge Todesblei.

Wer Death Metal mit Charakter sucht, sollte diese Platte definitiv auf dem Schirm haben. »Resa Marciana« ist dreckig, wuchtig, atmosphärisch und inhaltlich deutlich spannender als viele Genre-Veröffentlichungen, die nur den nächsten Kadaver durchs Riffwerk ziehen. Hier wird nicht nur geprügelt. Hier wird Venedig begraben. Und zwar laut.

Membrance - El Cason dei Sette Morti - Official Video

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Membrance - Resa Marciana - Album Review

Crown The Beast – Judgement

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Crown The Beast - Judgement - cover artwork
Crown The Beast - Judgement - cover artwork

Band: Crown The Beast 🇩🇰
Titel: Judgement
Label: Emanzipation Productions
Herkunft: Odense, Dänemark
VÖ: 15.05.2026
Genre: Death Metal / Groove Death Metal / Modern Death Metal
Format: Digital EP

Tracklist

01. Ruins Of Babylon
02. Human Target
03. Judgement

Besetzung

Jason Campbell – Vocals
Søren Rønnebech Grønning – Guitars
Simon Skyrme – Guitars
Lars Von Løvendal – Guitars
Jens Moseholm – Bass
Mikkel Øllgaard Bjelke Laursen – Drums

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Crown The Beast legen mit »Judgement« keine EP vor, die sich lange mit höflicher Vorrede aufhält. Drei Songs, knapp vierzehn Minuten Spielzeit, ein apokalyptischer Grundton und eine Produktion, die sofort deutlich macht: Hier wird nicht dekoriert, hier wird gerichtet. Die dänische Death-Metal-Formation aus Odense packt groovigen Modern Death Metal, oldschoolige Schwere und eine ordentliche Ladung Endzeitstimmung zusammen und formt daraus ein kompaktes Werk, das trotz kurzer Laufzeit erstaunlich geschlossen wirkt.

Die EP fühlt sich an wie ein Blick auf eine Menschheit, die ihr Urteil bereits erhalten hat, aber noch nicht ganz verstanden hat, dass die Vollstreckung längst begonnen hat. Crown The Beast arbeiten dabei nicht mit filigranen Schnörkeln, sondern mit Druck, Groove und einer dunklen Atmosphäre, die zwischen religiösem Strafgericht, Zivilisationsverfall und menschlicher Selbstzerstörung pendelt. Andere Kritiken haben bereits hervorgehoben, dass diese drei Songs ordentlich Druck machen, zugleich aber auch Atmosphäre besitzen. Genau darin liegt die Stärke von »Judgement«: Das Material prügelt, aber es denkt beim Prügeln noch mit.

Crown The Beast - Judgement - YouTube Playlist

Babylon fällt nicht lautlos

Mit »Ruins Of Babylon« eröffnen Crown The Beast diese EP nicht kopflos, sondern mit schwerer Entschlossenheit. Der Song baut sich zunächst methodisch auf, wirkt beinahe wie das Anrollen einer Kriegsmaschine, bevor Tempo, Drums und Riffing spürbar anziehen. Hier wird nicht einfach nur losgeprügelt, sondern ein Untergangsszenario aufgebaut, das musikalisch ebenso massiv wie kontrolliert wirkt.

Die drei Gitarren sind ein entscheidender Faktor. Søren Rønnebech Grønning, Simon Skyrme und Lars Von Løvendal sorgen nicht für unnötige Überladung, sondern für ein breites, drückendes Klangbild. Darunter arbeiten Jens Moseholm am Bass und Mikkel Øllgaard Bjelke Laursen an den Drums als wuchtiges Fundament, auf dem der Song seine apokalyptische Architektur errichtet. Gerade das Zusammenspiel von Groove, schweren Gitarren und kurzen Geschwindigkeitsschüben macht den Einstieg so effektiv.

Inhaltlich lässt sich »Ruins Of Babylon« als Bild für den Zusammenbruch einer dekadenten, selbstgerechten Zivilisation lesen. Babylon steht hier nicht nur für einen historischen oder biblischen Ort, sondern für Hochmut, moralischen Zerfall, Machtmissbrauch und eine Welt, die sich selbst für unangreifbar hält. Der Song schaut auf diese Welt nicht mit Mitleid, sondern mit kalter Konsequenz. Wenn diese Mauern fallen, dann nicht durch Zufall, sondern weil ihr Fundament längst verfault ist.

Besonders tiefgründig wird der Song dadurch, dass er nicht bloß Zerstörung feiert. Unter der Oberfläche steckt eine fast alttestamentarische Frage: Was passiert, wenn eine Gesellschaft so lange auf Ausbeutung, Gewalt und Selbstvergötterung baut, bis sie unter dem eigenen Gewicht zusammenbricht? Crown The Beast beantworten diese Frage nicht mit Philosophie-Seminar, sondern mit Death Metal. Und manchmal ist das die deutlichere Sprache.

Der Mensch als Zielscheibe

Mit »Human Target« greifen Crown The Beast zu einem Cover von Six Feet Under. Das passt auf dieser EP erstaunlich gut, denn der Song bringt den Blick vom großen Zivilisationsgericht auf den einzelnen Körper. Wo »Ruins Of Babylon« auf Ruinen, Reiche und moralischen Verfall schaut, geht es hier direkter, körperlicher und brutaler zur Sache.

Musikalisch bleibt die Band dem Geist des Originals treu, drückt dem Stück aber klar den eigenen Stempel auf. Der Groove sitzt schwerer, der Sound wirkt moderner, und die dänische Version besitzt diese massive, bullige Präsenz, die sehr gut zu Crown The Beast passt. Das ist kein Cover aus Pflichtgefühl, sondern eine Neuformung. Man merkt, dass die Band diesen Song nicht nur nachspielt, sondern durch ihren eigenen Fleischwolf dreht.

Textlich kreist »Human Target« um Entmenschlichung, Gewalt, Überleben und den Zustand, in dem der Mensch nicht mehr als Person, sondern nur noch als Ziel wahrgenommen wird. Das ist im Death Metal natürlich kein neues Motiv, bekommt im Kontext von »Judgement« aber eine zusätzliche Bedeutung. Nach dem Fall Babylons steht hier nicht mehr die Stadt im Mittelpunkt, sondern der Mensch selbst: verletzlich, brutalisiert, benutzt und am Ende nur noch Objekt eines tödlichen Spiels.

Gerade dadurch fügt sich das Cover sinnvoll in die EP ein. Es wirkt nicht wie ein Fremdkörper, sondern wie ein zweites Kapitel: Erst wird die Zivilisation gerichtet, dann der Mensch selbst auf seine Gewaltförmigkeit reduziert. Das ist nicht schön, aber konsequent. Und ja, die Version knallt amtlich. Die Prügel werden nicht nur rausgeschmissen, sie werden mit Quittung zugestellt.

Das Urteil ist gesprochen

Der abschließende Titeltrack »Judgement« ist das eigentliche Zentrum der EP. Hier bündeln Crown The Beast die apokalyptische Idee, die bereits in den beiden vorherigen Songs vorbereitet wurde. Die Band selbst beschreibt das Stück sinngemäß als hasserfüllten letzten Blick auf die Menschheit vor dem Ende der Welt. Genau so klingt der Song auch: nicht wie eine Warnung, sondern wie eine bereits laufende Vollstreckung.

Musikalisch kommt »Judgement« schneller, aggressiver und direkter aus den Boxen. Die Gitarren arbeiten mit groovender Härte, die Drums treiben das Stück nach vorne, und Jason Campbell liefert eine vokale Performance ab, die zwischen Anklage, Zorn und Vernichtungsansage pendelt. Seine Stimme klingt nicht wie ein Erzähler von außen, sondern wie die Verkörperung des Urteils selbst. Das ist wichtig, weil der Song sonst leicht in platte Endzeitpose kippen könnte. Stattdessen wirkt er ernst, schwer und entschlossen.

Inhaltlich geht es um den Moment, in dem die Menschheit nicht mehr erklären, rechtfertigen oder verhandeln kann. Der Richter tritt auf, sieht den moralischen Zerfall und spricht das Urteil. Die religiöse Bildsprache wird dabei nicht als frommer Trost genutzt, sondern als Waffe. Engel des Todes, göttlicher Wille, Verfall des Menschen: All das formt ein Szenario, in dem Erlösung nicht mehr im Raum steht. Nur Abrechnung.

Gerade hier wird »Judgement« tiefgründiger, als man bei einer kurzen Death-Metal-EP vielleicht erwartet. Es geht nicht nur um Ende, Tod und Vernichtung, sondern um Verantwortung. Die Menschheit wird nicht ausgelöscht, weil ein Monster zufällig schlechte Laune hat, sondern weil sie über lange Zeit selbst an ihrem Urteil mitgeschrieben hat. Das macht den Song stärker: Er ist nicht bloß apokalyptisch, sondern moralisch aufgeladen.

Fazit

»Judgement« ist eine kurze, aber sehr wirkungsvolle EP. Crown The Beast liefern drei Songs, die nicht einfach nur nebeneinanderstehen, sondern thematisch und atmosphärisch zusammenarbeiten. »Ruins Of Babylon« zeigt den Fall einer verrotteten Welt, »Human Target« richtet den Blick auf den entmenschlichten Einzelnen, und »Judgement« spricht am Ende das große Urteil über eine Menschheit, die sich selbst an den Rand geführt hat.

Musikalisch überzeugt die EP durch massiven Groove, moderne Produktion und oldschoolige Schwere. Die drei Gitarren machen ordentlich Alarm, ohne das Material zu überfrachten. Der Bass sorgt für Tiefe, die Drums treiben mit klarer Wucht, und Jason Campbell gibt dem Ganzen eine Stimme, die nicht um Aufmerksamkeit bittet, sondern sie sich einfach nimmt. Besonders stark ist, dass Crown The Beast ihre Brutalität nicht nur als Selbstzweck einsetzen. Hinter dem Druck steckt eine Atmosphäre, und hinter der Atmosphäre steckt ein Gedanke.

Kleine Einschränkung: Mit nur drei Songs ist die EP natürlich eher ein Appetizer als ein vollständiges Festmahl. Gerade weil »Ruins Of Babylon« und »Judgement« so gut funktionieren, wünscht man sich fast noch zwei eigene Songs mehr, um diese Endzeitvision weiter auszubauen. Das Six Feet Under-Cover ist stark umgesetzt, nimmt aber eben auch Raum ein, den man gerne noch mit eigenem Material gefüllt gesehen hätte.

Schlusswort

Unterm Strich ist »Judgement« eine starke, brachiale und atmosphärisch dichte Death-Metal-EP geworden. Crown The Beast zeigen hier nicht nur, dass sie grooven, drücken und vernichten können, sondern auch, dass sie ein klares Gefühl für Stimmung und thematische Verdichtung besitzen. Diese EP ist kurz, aber sie hinterlässt Spuren.

Wer groovigen modernen Death Metal mit oldschooliger Schlagkraft sucht, sollte Crown The Beast definitiv auf dem Schirm haben. »Judgement« ist kein netter Gruß aus Odense, sondern ein apokalyptischer Vorschlaghammer mit moralischem Unterton. Das Urteil ist gesprochen. Und es klingt verdammt schwer.

Crown The Beast - Judgement

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Crown The Beast - Judgement - EP Review

KEOPS – Bitter Story For Humanity

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Keops-Bitter-Story-for-Humanity-Coverartwork
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Band: KEOPS 🇭🇷
Titel: Bitter Story For Humanity
Label: NoCut
VÖ: 22/05/26
Genre: Metal

Tracklist

01. Walk of Death
02. Breath of Fire
03. Misery Memento
04. Bitter Story for Humanity
05. Sacred Land
06. The Rite
07. She Sells Sanctuary (THE CULT Cover)
08. False Gods
09. The Machine
10. Sinner

 

Besetzung

Vana Beara – Vocals
Bruno Mičetić – Guitar
Branimir Habek – Guitar
Zoran Ernoić – Bass
Adam Miler – Drums

 

Bewertung:

3,5/5

Metal ist als Stilrichtung bekannt dafür, nicht die Augen vor schwierigen Themen zu verschließen, sondern sie gezielt anzusprechen und musikalisch aufzubereiten. KEOPS machen auf ihrem neuen Album genau das: Der plakative Name „Bitter Story For Humanity“ lässt unweigerlich den inneren Misanthropen aufhorchen und lädt zum Philosophieren ein. Mit ehrlichen Texten über die Herausforderungen unserer Zeit und einer Bandbreite an spürbaren Emotionen gestaltet sich ihr neues Werk abwechslungsreich und mitreißend.

Kurzer Biografie-Überblick

Die aus Rijeka in Kroatien stammenden KEOPS sind seit 1995 als solche bekannt, jedoch nicht immer für denselben Sound. Ursprünglich klangen sie mehr wie eine Pop-Rock-Band mit kroatischen Lyrics. Der Wechsel zu englischen Texten und einem härteren Sound wurde auf dem letzten Album, „Road to Perdition“ (2022), vollzogen. Diese Entscheidung enthüllte sich bald als goldrichtig, denn in den letzten vier Jahren teilten sie mit Größen wie OVERKILL, THERION, ALESTORM und RAGE die Bühne. Sogar gemeinsame Konzerte mit dem legendären Sänger Bruce Dickinson dürfen KEOPS in ihrer Band-Biografie aufzählen.

Besetzungswechsel am Mikrofon

Mit dem Ausstieg ihres Sängers Zvonimir Špacapan, dessen einzigartige Stimme ein wichtiger DNA-Baustein der Band war, standen KEOPS nach diesem gewaltigen Aufschwung sogleich vor der großen Herausforderung, diese Stimme zu ersetzen. Wenige Monate nach der Hiobsbotschaft verkündete die Band Vana Beara als neue Sängerin. Vocal-Covers von Singles des Vorgänger-Albums auf ihren Social-Media-Plattformen ließen uns wissen, dass diese Frau eine unglaubliche Power hat. Diese Power durfte sie bald schon live unter Beweis stellen. Nun sind wir mittendrin in der neuen Ära einer jungen Band und nehmen das Zusammenspiel mit dem neuen Mitglied auf „Bitter Story For Humanity“ genauer unter die Lupe!

Erste Eindrücke

Den Album-Auftakt macht „Walk of Death“, ein Titel mit dezenten progressiven Ansätzen und dem vom Vorgänger bekannten Mix aus Melodie und Groove. Die Gitarren spielen in den Strophen abgehackt und erzeugen einen Marschartigen Rhythmus in gemäßigtem Tempo. Der Refrain ist im Gegensatz dazu sehr melodisch und feinfühlig. „Breath of Fire“ hat da schon eine gänzlich andere Wirkung. Die heftige Einbettung der Keyboards bauscht das Lied stimmungsvoll auf und setzt schöne Akzente. Es hat eine stärkere Intensität und einen besseren Flow als der erste Titel, obwohl beide geradlinig aufgebaut sind. Die mittig platzierte Synthesizer-Sequenz weckt Erinnerungen an das Vorgängeralbum, das diese Klangelemente bereits aufgriff. Im weiteren Verlauf des Albums kommen sie immer wieder zum Einsatz – insbesondere präsent bei „Misery Memento“ und „Sacred Land“.

Die neue Stimme von KEOPS

Vana sorgt über das Album hinweg immer wieder für Überraschungen. Im Refrain von „Breath of Fire“ erstaunt sie uns mit einem tiefen, kehlig gegrölten „hear the roar“, das einmal mehr die Bandbreite ihres Gesangs demonstriert. Ihre Stimme ist von Natur aus eher tief. Durch den gezielten Einsatz von Belting, Vibrato und Stimmverzerrung verleiht sie den Texten zusätzliche Ausdruckskraft. Zudem beherrscht sie es, ihrer Stimme einen rauen und frechen Klang zu geben, was die musikalische Atmosphäre wirkungsvoll unterstützt. Egal, welche Technik in Einsatz kommt, Vana singt immer mit unglaublicher Kraft.

Sound und Produktion

Bei „Misery Memento“ rückt neben dem catchy Refrain der Sound in den Fokus, denn dieser weicht hier von den beiden anderen Liedern ab. Mit Kopfhörern klingt es, als würden das rechte und linke Ohr nicht gleich beschallt werden.  Im Gegensatz dazu klingt „Sacred Land“ fast überproduziert. Hier hat man die Symphonic-Power-Metal-Schraube ohnehin einen Hauch zu fest angezogen, denn die Keyboards und orchestralen Arrangements kämpfen beharrlich gegen die Gitarren an. Obwohl das Album in Summe gut klingt, lenken diese feinen Nuancen ab. Schöner wäre es, wenn alle Lieder wie aus einem Guss klingen würden.

Stil und Songaufbau

Stilistisch bedienen sich KEOPS – wie zuvor bei „Road to Perdition“ – vorwiegend klassischen Stilelementen des Rock und Heavy Metal. Als Hommage an ihre musikalischen Einflüssen hat das Quintett ein Cover der Rockband THE CULT eingebaut, welches extrem von dem aufpolierten Sound profitiert und sich schön in die Tracklist des Albums einfügt. Die Gitarren sind tief gestimmt, was besonders den düsteren Liedern („The Rite“, „False Gods“, „The Machine“, „Sinner“) in die Karten spielt. Beim Songaufbau wird wenig experimentiert. Ein mitreißender Refrain stellt häufig das Herzstück des Songs dar. Dank Synthesizer und verschiedener Gesangstechniken haben die Lieder trotzdem genug Charakter, um nicht eintönig und langweilig zu klingen. Am ehesten weichen „The Rite“ und „False Gods“ von einem 0815-Aufbau ab.

Stilistische Abweichungen, die neue Wege offenbaren

Apropos Abweichungen – die letzten drei Lieder auf „Bitter Story For Humanity“ weichen aus verschiedenen Gründen noch einmal vom Status Quo ab: „False Gods“ wird von einer orientalischen Note begleitet, die sich vorwiegend in den Synthesizern und dem Gesang manifestiert. Mit „The Machine“ bekommen wir eindeutig die aggressivste Version von KEOPS zu hören. Das durchgehende Double-Bass-Kommando von Adam Miler treibt die Strophen grandios voran. Die Gitarristen Bruno Mičetić und Branimir Habek spielen währenddessen progressive, heftig groovende Riffs und Hooks, die mich an experimentelle Songs von AVATAR erinnern. Abgerundet wird der Song durch Vanas kurze Growl-Momente, die der Band neue kreative Möglichkeiten eröffnen.

Gesamteindruck

„Bitter Story For Humanity“ weist durchaus einige Schwächen auf: Die Einbindung von Synthesizern und orchestralen Arrangements wird nicht konsequent verfolgt, sodass stellenweise der Eindruck entsteht, die Band befinde sich noch in einer kreativen Erprobungsphase. Dabei ist weniger problematisch, dass die Synthesizer von Song zu Song unterschiedlich stark in Erscheinung treten, sondern vielmehr die Art ihres Einsatzes. Besonders in „Sacred Land“ wirken sie überbetont und verleihen dem Stück einen symphonischen Power-Metal-Charakter, der im Gesamtgefüge des Albums deplatziert erscheint. Andere Experimente hingegen erweisen sich als deutlich gelungener. Als Paradebeispiel kann hier „The Machine“ gelten: Die verzerrten, tiefen Gesangspassagen, kombiniert mit einer treibenden Double-Bass und markanten, eigenwilligen Gitarrenriffs, eröffnen der Band spannende neue Perspektiven, die künftig weiter ausgelotet werden sollten.

Fazit: „Bitter Story For Humanity“ von KEOPS präsentiert sich als solide Veröffentlichung und würdiger Nachfolger seines Vorgängers. Es bewahrt jene mitreißende Energie, die bereits das vorherige Werk auszeichnete, und sorgt dafür, dass man immer wieder gerne zu den Songs zurückkehrt, ohne dass sich Ermüdungserscheinungen einstellen.

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KEOPS – Bitter Story For Humanity

Makkmat – Syke Fantasier

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Makkmat - Syke Fantasier - cover artwork
Makkmat - Syke Fantasier - cover artwork

Band: Makkmat 🇳🇴
Titel: Syke Fantasier
Label: Self released / DIY
Herkunft: Norwegen
VÖ: 15.05.2026
Genre: Grindcore / Extreme Punk / Powerviolence / Crust
Format: LP / CD / MC / Digital

Tracklist

01. Kjeften Renner
02. VX
03. Arna Verdenskrieg
04. Belgisk Kongo
05. År Null
06. Makaber Kontrast
07. Ensom Ulv
08. Shahed-136
09. Ser Rødt
10. Dødelig Våpen
11. Svindler I Guds Navn
12. Smiths Uvenner
13. Nuestro Futuro (Denak)
14. Cock of the Troll
15. Lalla I Bensin
16. Nedi Bunkeren
17. Ghetto Stress
18. Skinn Bein Gamleheim
19. Kløyva Tunge
20. Ytterste Nød
21. Vanntett Alibi
22. Etsende Skinnlag

Besetzung / Produktion

Besetzung: öffentlich nicht belastbar angegeben
Final Sound: William Blackmon (Gadget)

Hinweis:
Makkmat werden als norwegische Extreme-Punk-/Grindcore-Formation geführt.

Bewertung:

2 von 5 Punkten

Grindcore bzw. Extreme Punk der dir so richtig die Prügel Naußschmaßt und dir das Hirn zerdeppert: Genau damit kommen Makkmat auf »Syke Fantasier« um die Ecke. 22 Songs in etwas über 23 Minuten, das ist keine ausgedehnte Klangreise, das ist eher ein musikalischer Kurzstreckenlauf mit brennenden Schuhen. Die norwegische Truppe setzt auf Geschwindigkeit, Wahnsinn, politische Giftigkeit, Punk-Wut und Grindcore-Geballer, das nicht höflich fragt, ob man bereit ist. Man ist es. Oder eben nicht. Das Album interessiert sich dafür ungefähr so sehr wie ein Blastbeat für Wellness.

Makkmat - Syke Fantasier - YouTube Playlist

Nach dem 2019er Werk »Beina Brenner« melden sich Makkmat mit einem Album zurück, das sich anfühlt, als hätte jemand Crust, Fastcore, Powerviolence, Grindcore und eine Ladung gereizten Straßendreck in einen Betonmischer geworfen und anschließend auf „Schreddern“ gestellt. Dabei ist »Syke Fantasier« kein stumpfer Krachklumpen. So viel Chaos hier auch regiert, die Songs haben ihre kurzen Pointen, ihre abrupten Wendungen, ihre kleinen Widerhaken und immer wieder diesen dreckigen Humor, der die Sache trotz aller Aggression erstaunlich unterhaltsam macht.

22 Songs, 23 Minuten und kein Platz für höfliche Begrüßung

Schon »Kjeften Renner« macht klar, dass Makkmat nicht lange herumfackeln. Der Titel lässt sich grob als „das Maul läuft“ oder „die Klappe rennt“ verstehen, und genau so fühlt sich der Einstieg an: verbale Überhitzung, musikalische Ungeduld und eine Band, die sofort losprügelt. Hier geht es nicht um elegante Songarchitektur, sondern um komprimierte Aggression. Der Song wirkt wie ein Kommentar auf Leute, die viel reden, aber wenig Substanz liefern. Also quasi ein perfekter Soundtrack für Kommentarspalten, Stammtische und politische Luftblasen.

»VX« und »Arna Verdenskrieg« schieben danach direkt nach. Musikalisch bleibt das Tempo hoch, die Songs sind kurz, hektisch und effektiv. »Arna Verdenskrieg« klingt vom Titel her wie eine absurde lokale Apokalypse, als würde ein Weltkrieg plötzlich nicht mehr global, sondern in einer konkreten, fast lächerlich kleinen Szenerie ausbrechen. Genau dieser Kontrast passt gut zu Makkmat: große Gewaltfantasien, politischer Irrsinn und schwarzer Humor werden in winzige Grindcore-Explosionen gepresst.

Kolonialgeschichte, Nullpunkt und makabre Gegensätze

Mit »Belgisk Kongo« wird es thematisch deutlich historischer und bitterer. Der Titel verweist unmissverständlich auf koloniale Gewalt, Ausbeutung und europäische Brutalität. Dass Makkmat so ein Thema in unter zwei Minuten abhandeln, passt zum Grindcore: keine Vorlesung, keine sanfte Einordnung, sondern ein kurzer Schlag auf den Tisch. Musikalisch wird hier keine Trauerfeier veranstaltet, sondern Wut destilliert.

»År Null« wirkt wie ein Reset-Moment. Jahr Null, alles zurück auf Anfang, aber nicht im hoffnungsvollen Sinn. Eher als Bild für gesellschaftlichen Zusammenbruch, radikale Neusortierung oder den Wunsch, alte Strukturen so lange zu zertrümmern, bis nur noch Trümmer als Ausgangspunkt bleiben. »Makaber Kontrast« setzt diesen Gedanken weiter fort: Zwischen bitterer Realität und groteskem Humor liegt hier oft nur ein Blastbeat Abstand.

Gerade diese frühen Songs zeigen, warum »Syke Fantasier« besser funktioniert, als man bei 22 Miniaturen erwarten könnte. Die Stücke sind kurz, aber nicht leer. Sie wirken wie angezündete Zettel mit Parolen, die dir jemand ins Gesicht wirft, bevor du überhaupt fragen kannst, ob das jetzt Kunst, Wut oder beides ist.

Einsame Wölfe, Drohnen und rotes Sehen

»Ensom Ulv« nimmt sich vermutlich den Typus des einsamen Wolfs vor: isolierte Radikalisierung, gekränkte Männlichkeit, Gewaltfantasie und das gefährliche Selbstbild des Einzelnen gegen alle. Im Grindcore-Format wird daraus kein psychologisches Drama, sondern ein kurzer Abriss. Makkmat müssen hier keine Figur ausleuchten. Sie werfen sie auf den Boden und lassen den Sound darüberfahren.

»Shahed-136« ist einer der deutlichsten aktuellen Bezugspunkte des Albums. Der Titel verweist auf die gleichnamige Kamikaze-Drohne, und damit geht es um moderne Kriegsführung, technische Entmenschlichung und Tod auf Distanz. Musikalisch passt diese Kälte erstaunlich gut zur hektischen Gewalt der Band. Wo andere über Dystopie singen, klingt Makkmat so, als wäre die Dystopie längst im Proberaum angekommen und hätte den Verstärker voll aufgedreht.

»Ser Rødt« bedeutet sinngemäß „sieht rot“ oder „rot sehen“. Inhaltlich lässt sich das als Moment blinder Wut lesen. Der Song wirkt wie ein kurzer Kontrollverlust, ein Zustand, in dem Sprache, Moral und Vernunft durch Raserei ersetzt werden. Und ja, musikalisch wird hier entsprechend die Prügel rausgeschmissen. Feinfühlig ist anders, aber bei Makkmat erwartet man auch keinen musikalischen Yogakurs.

Waffen, falsche Frömmigkeit und Feindbilder

»Dødelig Våpen« ist vom Titel her eindeutig: tödliche Waffe. Das kann man als direkte Gewaltkritik verstehen, aber auch als Kommentar auf eine Welt, in der Gewaltmittel, Sprache und Ideologien selbst zu Waffen werden. Bei Makkmat ist das nie sauber getrennt. Der Lärm selbst wird zum Werkzeug, mit dem gegen den ganzen Irrsinn gehämmert wird.

Sehr stark ist auch »Svindler I Guds Navn«. Der Titel lässt sich als „Betrüger im Namen Gottes“ verstehen und nimmt religiöse Heuchelei, Machtmissbrauch und spirituellen Betrug ins Visier. Das ist genau jene Art Thema, die im Extreme Punk bestens aufgehoben ist: keine höfliche Kirchenkritik im Sonntagsanzug, sondern ein kurzer, wütender Tritt gegen Scheinheiligkeit.

»Smiths Uvenner« bleibt etwas offener, könnte aber als Abrechnung mit kulturellen Feindbildern, Szenecodes oder persönlicher Abgrenzung funktionieren. Der Song steht im Albumkontext weniger für eine große These als für den nächsten kurzen Stich in eine Sammlung aus politischer Wut, Humor und sozialem Ekel.

Unser Zukunftslärm und Troll-Hähne im Sturzflug

Mit »Nuestro Futuro (Denak)« öffnen Makkmat sprachlich kurz den Horizont. Der Titel bedeutet „unsere Zukunft“, ergänzt durch einen Begriff, der im Baskischen als „alle“ gelesen werden kann. Inhaltlich wirkt das wie ein kollektiver Gedanke: Zukunft nicht als sauber geplanter Fortschritt, sondern als Frage, wem diese Zukunft überhaupt gehört. Im Kontext der Platte klingt das nicht optimistisch, sondern eher wie ein Aufschrei aus der Prekariatswaschmaschine.

»Cock of the Troll« bringt dann den absurderen Humor hinein. Ob man das jetzt als Troll-Karikatur, Internet-Aggression oder schlicht als dreckige Grindcore-Pointe liest: Der Song macht genau das, was solche Titel tun müssen. Er dauert nicht lange, er ist unangenehm, und er lässt einen kurz überlegen, ob man lachen oder den Kopf gegen die Wand bewegen soll. Idealerweise beides, aber bitte mit Maß.

»Lalla I Bensin« klingt wie ein Bild von kompletter Orientierungslosigkeit im brennbaren Zustand. Lallen im Benzin, taumeln in einer Umgebung, die jederzeit hochgehen kann. Das passt hervorragend zur gesamten Platte: »Syke Fantasier« wirkt oft, als wäre die Welt nicht nur kaputt, sondern auch noch mit Brandbeschleuniger eingerieben worden.

Bunker, Ghetto-Stress und das Altenheim aus Haut und Knochen

»Nedi Bunkeren« führt hinunter in den Bunker. Das kann Schutzraum sein, aber auch Rückzug, Isolation und Angstfantasie. Im Kontext einer Platte, die sich durch Krieg, Gewalt, politische Abgründe und gesellschaftliche Spaltung fräst, wirkt dieser Bunker weniger rettend als beklemmend. Man versteckt sich nicht vor der Welt, man wird mit ihrem Echo eingesperrt.

»Ghetto Stress« klingt direkter und sozialer. Hier geht es um Druck von unten, urbane Enge, Überforderung und vermutlich jene Form von Stress, die nicht aus ein paar unbeantworteten E-Mails entsteht, sondern aus echten Lebensbedingungen. Makkmat nehmen das nicht sentimental, sondern pressen es in einen kurzen Grindcore-Ausbruch.

»Skinn Bein Gamleheim« gehört schon vom Titel her zu den stärkeren Bildern des Albums. Haut, Knochen, Altersheim: Das klingt nach körperlichem Verfall, institutioneller Kälte und einer sehr unromantischen Sicht auf das Altern. Der Song könnte als bitterer Kommentar auf Pflege, Würdeverlust und das Wegsortieren alter Menschen gelesen werden. Musikalisch bleibt auch hier keine Zeit für Trauerpathos. Es wird abgerissen, bevor jemand Kerzen aufstellen kann.

Gespaltene Zungen und die letzten Reserven

»Kløyva Tunge« bedeutet gespaltene Zunge und deutet stark auf Lüge, Doppelzüngigkeit und Manipulation hin. Der Song passt damit sauber in die politische Schlagrichtung der Platte. Bei Makkmat geht es oft darum, falsche Autoritäten, aufgeblasene Redner, Betrüger und aggressive Ideologien zu entlarven. Nur eben nicht mit Fußnoten, sondern mit Blastbeats.

»Ytterste Nød« steht für äußerste Not. Hier wird der Ton existenzieller. Der Songtitel ruft Bilder von letzter Grenze, Ausnahmezustand und Überlebensmodus hervor. In der Abfolge des Albums fühlt sich das an wie der Moment, an dem die Raserei nicht mehr nur wütend, sondern erschöpft wird. Das Tempo bleibt, aber darunter liegt eine andere Farbe: nicht weniger brutal, aber stärker von Endzeitgefühl durchzogen.

»Vanntett Alibi« bringt wieder diese typische Makkmat-Giftigkeit: wasserdichtes Alibi. Das klingt nach Ausrede, nach Schuldabwehr, nach jemandem, der sich aus Verantwortung herauswindet. Der Song kann als Seitenhieb auf politische Täter, gesellschaftliche Wegducker oder private Feiglinge gelesen werden. Kurz gesagt: Alle, die mit sauberem Hemd aus dem Dreck kommen wollen, bekommen hier musikalisch eins auf die Finger.

Wenn die Haut ätzt und der Rausch endet

Mit »Etsende Skinnlag« endet »Syke Fantasier« passend unangenehm. Der Titel lässt an ätzende Hautschichten, körperliche Zersetzung und ein Bild denken, das mehr nach Wundverband als nach Happy End klingt. Als Abschluss funktioniert das hervorragend, weil die Platte ohnehin keinen versöhnlichen Bogen schlägt. Sie kommt schreiend rein, verwüstet die Bude und geht wieder, bevor jemand die Polizei oder wenigstens einen Akustiker rufen kann.

Musikalisch fasst der Schluss noch einmal alles zusammen, was das Album ausmacht: kurze Songs, hohe Schlagzahl, kreischende Vocals, metallische Gitarren, Crust-Einschübe, Fastcore-Nervosität und diese völlig überdrehte Energie, die zwar anstrengend ist, aber nicht leblos. Hier lebt etwas. Es ist nur sehr wahrscheinlich schlecht gelaunt und hat eine rostige Gabel in der Hand.

Fazit

»Syke Fantasier« ist ein herrlich kaputter Grindcore-/Extreme-Punk-Klumpen, der seine 22 Songs ohne unnötiges Fett durch den Fleischwolf jagt. Makkmat liefern ein Album, das brutal, schnell, politisch giftig, humorvoll überdreht und angenehm ungehobelt wirkt. Dabei geht trotz aller Raserei nicht alles im Einheitslärm unter. Gerade die Mischung aus Crust, Powerviolence, Fastcore, Death-Metal-Riffing und kurzen Sample-Einschüben sorgt dafür, dass die Platte lebendiger ist, als man nach dem ersten Schlag ins Gesicht vielleicht vermuten würde.

Natürlich ist das hier nichts für Leute, die beim Musikhören erst einmal gemütlich die Klanglandschaft betrachten möchten. »Syke Fantasier« ist kurz, heftig und manchmal so verdichtet, dass einzelne Ideen kaum Luft bekommen. Aber genau diese Überladung gehört zum Konzept. Die Platte will nicht bequem sein. Sie will dich anbrüllen, durchschütteln und nach 23 Minuten mit leicht schiefem Blick wieder ausspucken.

Stark sind vor allem »Kjeften Renner«, »Belgisk Kongo«, »Shahed-136«, »Svindler I Guds Navn«, »Ghetto Stress«, »Kløyva Tunge« und »Etsende Skinnlag«. Nicht jeder Song bleibt für sich allein dauerhaft hängen, doch als Gesamtpaket funktioniert diese extreme Kurzstreckenattacke verdammt gut.

Schlusswort

Makkmat beweisen mit »Syke Fantasier«, dass Grindcore auch dann noch frisch wirken kann, wenn er seine alten Werkzeuge benutzt: Tempo, Wut, Lärm, Sarkasmus und gesellschaftliche Frustration. Die Band macht daraus keinen glattgezogenen Studio-Hochglanz, sondern ein DIY-Geschoss mit Punk-Herz und Grindcore-Zähnen.

Wer mit Napalm Death, Magrudergrind, Brutal Truth, Rotten Sound, Afgrund oder crustiger Powerviolence etwas anfangen kann, sollte hier unbedingt reinhören. »Syke Fantasier« ist kein Album für den gemütlichen Sonntagmorgen mit Kräutertee. Es ist eher der Moment, in dem jemand den Tisch umtritt, die Anlage aufdreht und ruft: „So, jetzt wird’s ungemütlich.“ Und ja, manchmal braucht man genau das.

Internet

Makkmat - Syke Fantasier - CD Review