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1349 – Winter Mass

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cover artwork 1349 Winter Mass
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Band: 1349 🇳🇴
Titel: Winter Mass
Label: Season of Mist
VÖ: 28/11/25
Genre: Black Metal

Bewertung:

4/5

Ein Live-Album der norwegischen Black-Metal-Veteranen 1349 – „Winter Mass“ ist ein musikalisches Erlebnis der bekanntesten und beliebtesten Songs der Band, alle live gespielt mit der charakteristischen Aura eines Konzerts. 1349, Vertreter der aggressivsten Art von Black Metal, haben sich bei jedem ihrer acht Studioalben vom selben Leitprinzip inspirieren lassen: die Düsternis, das Unheimliche und die ursprünglichen Emotionen des norwegischen Black Metal zurückzubringen. Kurz nach Ende des Pandemie-Lockdowns aufgenommen, bricht „Winter Mass“ mit der charakteristischen klanglichen Wut der Band auf die Szene ein.

Aggressive Klangwand von Anfang an

Das Konzert eröffnet mit „Enter Inferno“ – finstere Klänge und Effekte bereiten auf den sonischen Angriff vor, der mit „Sculptor of Flesh“ kommt. Pure Black-Metal-Verrücktheit, aggressiver Sound von allen Instrumenten, solide Riffs und infernalische Vocals. „Slaves“ ist einer der kompaktesten und musikalisch am schwersten zugänglichen Songs, und live scheint er etwas Offenheit zu gewinnen – die Gitarre legt eine Serie fast melodischer Riffs hin, und auch Clean Vocals bringen mehr Zugänglichkeit. „Through Eyes of Stone“ mit seinem klaren Riff und wahnsinnigem Drumming, infernalischen Schreien und eiskalten Vocals ist ein perfektes Beispiel für 1349-Musik. Ein furioses Stück mit dissonanten Gitarrenpassagen.

Live-Alben werden heutzutage immer seltener. Einst ein von Fans heiß erwartetes Event, boten Live-Alben die rohe Energie und Aufregung einer Live-Performance und vermittelten die authentischste Erfahrung einer Lieblingsband. Doch mit dem Aufstieg von YouTube und Social Media sind Live-Aufnahmen und kurze Clips alltäglich geworden. Infolgedessen schwindet dieser Nischenaspekt der Musik. Offizielle Live-Performances sind selten, außer bei symphonischen oder akustischen Neuinterpretationen klassischer Melodien. Das ist bedauerlich, da Live-Alben eine einzigartige und immersive Art bieten, Musik zu erleben.

Atmosphärischer, zumindest bei den Eröffnungsakkorden, kommt „Cauldron“ – nach den finsteren, gruseligen Klängen trifft ein Sturm von Sounds den Hörer. Wieder nicht sehr melodisch, nur im Refrain lässt sich eine klarere melodische Linie erkennen. Hermetisch, nicht sehr zugänglich – roh, dunkel und abrasiv.

Stabile Besetzung seit über 20 Jahren

Enttäuscht von der Richtung des Genres Mitte der 90er, gründete Vocalist Ravn 1997 die Band 1349 mit Bassist Seidemann (Mortem, Svart Lotus, ex-Pantheon I). Die aktuelle Besetzung der Band, die Gitarrist Archaon (ex-Antaios, ex-Funeral, ex-Tsjuder (live)) und Schlagzeuger Frost (Satyricon, ex-Zyklon-B, ex-Gorgoroth, ex-Keep of Kalessin, ex-Gehenna (live)) umfasst – eine stabile Besetzung seit mehr als 20 Jahren – ist exakt die Line-up, die man auf diesem Live-Album findet.

Die aggressive Welle setzt sich fort mit „Striding the Chasm“ – direkt und voller Rage – und „Chasing Dragons„, wieder atmosphärischer am Anfang, aber fallend in höllische Klänge mit massivem Drumming und kalten, unfreundlichen Vocals. Oder „Serpentine Sibilance„, langsamer, aber ohne eines der finsteren und unbehaglichen Elemente zu verlieren, die für die Band charakteristisch sind. Eher wie ein Moment zum Luftholen nach der sehr schnellen Instrumentierung der übrigen Songs.

Einer der beliebtesten Songs der Band ist „I Am Abomination„, und er klingt sehr gut im Live-Set. Sehr dynamisch, ohne mit Aggression überladen zu sein, mit klarerer melodischer Richtung. Theatralische Vocals, sehr dunkel, wahnsinnig schnelle Gitarren und frenetisches Drumming. Immer noch einer der zugänglichsten Songs der Band und ein Höhepunkt in jedem ihrer Live-Konzerte.

Bemerkenswert gute Produktion für Live-Verhältnisse

Die Produktion ist bemerkenswert gut für ein Live-Album – sie fängt die aggressive Seite von 1349s Musik sehr gut ein, auch die typische Rohheit, aber der Sound ist trotz allem ziemlich klar. 1349 ist mehr ein Statement als ein musikalisches Erlebnis, wenn man an Musik denkt, wie wir sie kennen. Vielleicht zu selten und zu leise im Mix sind die Publikumsreaktionen – nur sehr kurze Ovationen sind zu hören, und das ist schade, weil es etwas Authentizität verliert.

Die Klangwand kehrt zurück mit „Golem“ – wie bei so vielen anderen Songs ist es Frost, der mit seinem klaren Drumming Ordnung in die Kakophonie von Klängen seiner Kollegen bringt. Dynamisch, eine gute Performance. „Atomic Chapel“ kommt näher an das, was wir heute als Old-School-Black-Metal definieren. Mit gesprochenen Passagen, aber insgesamt melodischer als übliche Songs der Band.

Viel zu melodisch im gesamten Konzertkontext eröffnet „Dodskamp“ mit klaren, Tremolo-gepickten Gitarren. Nichts anderes ist melodisch am Song, aber die Leadgitarre ist durch den gesamten Song hindurch zu hören und bildet einen klaren Kontrast zum Rest der Band. Der Schlusssong „Abyssos Antithesis“ bleibt in der kryptischen klanglichen Wut der Band, aber man hört die Menge applaudieren und intensiv am Konzert teilnehmen. Wahnsinnig schnelle Instrumente, chaotische Klänge – ein starkes und beeindruckendes Ende des Konzerts und Albums.

Authentisch, extrem, nicht für jeden

Sie haben die aggressivsten Songs für das Live-Set gewählt, aber sicher ein typisches Live-Set für 1349. So klingen sie live, und das ist Musik mit permanenten Wechseln in Rhythmus und melodischen Linien. Schwierig, zu so einem sich ständig verändernden Sound zu headbangen – und das ist es, was eine Menge bei einem typischen 1349-Konzert tut: einfach nur auf die Bühne starren. In Ekstase für die Fans oder in Schrecken für jeden, der die Musik nicht kennt, denn dies ist eines der unfreundlichsten und lärmendsten Live-Erlebnisse, die man haben kann.

Kein angenehmes Erlebnis – die Musik ist extrem aggressiv, und die permanente Klangwand kann für jemanden ermüdend werden, der 1349s Musik nicht gewohnt ist. Aber sehr authentisch, und tatsächlich haben 1349 einen Teil des ursprünglichen Black Metal gefunden und sind mit diesem Sound ins Extreme gegangen. Puristen, trve und okkult. Ein Muss für Fans der Band und für Fans von extremem Black Metal.

Fazit: 1349s Live-Album „Winter Mass“ fängt präzise die musikalische Essenz der Band ein – die Rohheit und Authentizität von extremem Black Metal.

Tracklist

01. Enter Inferno
02. Sculptor of Flesh
03. Slaves
04. Through Eyes of Stone
05. Cauldron
06. Striding the Chasm
07. Chasing Dragons
08. Serpentine Sibilance
09. I Am Abomination
10. Golem
11. Atomic Chapel
12. Dodskamp
13. Abyssos Antithesis

Besetzung

Ravn – Vocals
Seidemann – Bass
Archaon – Guitars, Vocals (backing)
Frost – Drums

Internet

1349 – Winter Mass CD Review

CADAVER – Hallucinating Anxiety

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cover artwork CADAVER Hallucinating Anxiety
cover artwork CADAVER Hallucinating Anxiety

Band: CADAVER 🇳🇴
Titel: Hallucinating Anxiety
Label: Listenable Records
VÖ: 28/11/25
Genre: Death Metal

Bewertung:

4,5/5

Das Debütalbum der norwegischen Legenden CADAVER von 1990, „Hallucinating Anxiety„, erhält neues Leben und eine Neuveröffentlichung. Remastered, remixed, mit limitierter farbiger Vinyl-Edition und neuem Cover bringt diese Wiederveröffentlichung eines der wichtigsten und prägendsten Werke vom Beginn des (heute Old-School) schwedischen Death Metal zurück ins allgemeine Bewusstsein.

Kultalbum mit komplizierter Geschichte

Ein Album mit komplizierter Geschichte. Zunächst als Split mit dem Carnage-Meisterwerk „Dark Recollections“ veröffentlicht, dann als einzelnes Album – mit einigen Unstimmigkeiten über die Song-Reihenfolge oder wie sie zusammengeführt wurden. Doch nichts konnte „Hallucinating Anxiety“ davon abhalten, ein Referenzalbum zu werden, ein Kultwerk.

March of the Collapse“ ist ein Intro, nicht Teil der Originalveröffentlichung – sehr kurze gruselige Klänge und eine raue, finstere Stimme. Schon sehr bald startet „Twisted Collapse“ mit sehr rohem Sound, heruntergestimmten Gitarren, morbider Atmosphäre und insgesamt dissonantem Klang. Aber es ist so ein interessanter Einblick in den Sound des frühen schwedischen Death Metal.

Ebenfalls mit komplizierter Geschichte sind CADAVER eine 1988 gegründete Band, Pioniere des Death Metal und eine der originellsten Bands aus Norwegen, mit engen musikalischen Beziehungen zu schwedischen Bands, die damals einen neuen und originellen Stil von Extreme Metal spielten. Aus Råde/Fredrikstad, nahe Oslo, stammend – damals eine lebendige Metal-Community – machten sie sich nach einer Serie beeindruckender Demos einen Namen in der Szene, bekamen einen Plattenvertrag, und bald wurde das erste Album „Hallucinating Anxiety“ veröffentlicht. Mit sehr guter Rezeption folgte zwei Jahre später ein zweites Album, doch 1993 wurde die Band wegen musikalischer Differenzen aufgelöst. Wiederbelebt von Gitarrist Anders „Neddo“ Odden, dem einzigen konstanten Mitglied durch all die Jahre, waren sie zwischen 1999 und 2005 wieder aktiv, mit einem dritten Album in dieser Periode. 2019 erfolgte eine dritte Reunion, seither sind sie aktiv. Neben Neddo, der mittlerweile auch Bass und Vocals übernommen hat, sitzt Dirk Verbeuren am Schlagzeug. In dieser Besetzung veröffentlichten sie drei weitere LPs mit gemischter Rezeption.

Neuanordnung bringt frische Perspektive

Das neu remixte Album wurde auch neu arrangiert – die Songs erscheinen in anderer Reihenfolge als im Original, die ersten Songs sind jetzt die, die ursprünglich auf der B-Seite der LP waren. „Corrosive Delirium“ ist Uptempo mit simpleren Akkorden, noch finstereren Growls, unerbittlichen Drums und gutem Rhythmus. Es hat alle Zutaten von frühem Death Metal – kurz und effektiv. „Abnormal Deformity“ bringt gute Riffs, die Vocals bleiben nur ein distantes, raues, eher geflüstertes – aber makabres – Element. Mit Tempowechseln, aber die bestrafende und abrasive melodische Linie beibehaltend.

Erosive Fester“ bringt schnelleren Rhythmus, aber minimalere Instrumentierung – Vocals und Drums bestimmen hauptsächlich den Klang. Gitarren sehr im Hintergrund, jedenfalls ein deutlich besserer und klarerer Sound verglichen mit dem Original. Das Album behält denselben Ansatz und die musikalische Richtung für die nächsten Songs bei: „Cannibalistic Dissection„, „Hypertrophyan“ oder „Petrified Faces“ – ähnlich in Ansatz und Aggressivität, aber alle mit unterschiedlichen musikalischen Ideen und jeder mit einem charakteristischen Sound und melodischer Linie. Ein damals kreativerer Ansatz. Gute Riffs und ein leicht melodischerer Sound kommen in „Mental Abhorrence„, aber immer noch rau und gewalttätig.

Die Produktion ist roh – wenn man bedenkt, dass hier ein 35 Jahre altes Album vorliegt, aufgenommen unter den damaligen Bedingungen, was roh bedeutet wegen technologischer Limitierungen, nicht als künstlerische Vision. Nun wurden durch sorgfältigen Remix und Remaster die alten Bänder bearbeitet, um das Beste aus dem Originalsound in besserer Klangqualität herauszuholen. Und es ist eine deutlich bessere Qualität als die Originalaufnahme, behält aber die authentische Stimmung des 90er-Albums bei. Insgesamt gute Arbeit – auch ohne die Klarheit, die wir heute gewohnt sind, ein guter Sound, besser ausbalanciert und angenehm zu hören.

Pioniergeist in jedem Riff spürbar

Das ursprüngliche Intro „Tuba Libre“ kommt in dieser Neuauflage sehr spät – kurz und atmosphärisch, aber sehr dissonant, ein perfektes Intro für „Ignominious Eczema„, den längsten Song des Albums mit über vier Minuten. Eine andere Klanglandschaft, komplett anderer Gitarrensound, nicht mit dem typischen heruntergestimmten Sound, auch viel langsamere Riffs. Nur die Vocals sind ähnlich zu den Songs davor, und die groteske Atmosphäre.

Gute Riffs kehren in „Innominate“ zurück – alle mit typischen Akkorden, die Teil des Death-Metal-Sounds sind, wie wir ihn kennen. Das Tempo oszilliert zwischen sehr schnell und viel langsamer, ein Song auf der Suche nach Richtung, aber auch das ist mittlerweile typischer Teil davon, wie Death Metal klingt. Sicher sind all diese Einflüsse im modernen Death Metal nicht ausschließlich CADAVERs Verdienst – alle Bands jener Zeit kreisten ihre Musik um dieselben Ideen und Klanglandschaften. Eine Wiege von Ideen, die zwischen Musikern ausgetauscht wurden und sich langsam zu einem extremen Musikstil kristallisierten, heute bekannt als schwedischer Death Metal.

Der Titelsong „Hallucinating Anxiety“ ist sehr dissonant und nicht besonders melodisch. Mit einem klaren Riff, aber alles andere scheint nur zu schütteln und nicht sehr melodisch zu sein. Aber ein interessanter Song in seinem so rohen Ansatz. „Maelstrom“ ist vocal-dominiert, sehr aggressiv, aber im Ansatz nicht viel anders als die vorherigen. Wild, abrasiv. „Bodily Trauma“ kommt mit prominentem Bass-Sound und dynamischerem Drumming. „March of the Twisted“ ist der finale Song, ein Outro mit denselben symphonischen Akkorden wie das Intro und auch derselben gruseligen Stimme – schließt den Kreis mit denselben verstörenden Klängen wie am Anfang.

Verdiente Neuauflage für neue Generation

Mehr als nur ein Blick zurück in die Geschichte des Death Metal mit den frühen Tagen dessen, was heute Old-School-Death-Metal ist – das Album bringt den authentischen Sound der Anfänge zurück. CADAVER wurden mittlerweile zur Kultband, und dieser Status basiert sehr stark auf genau diesem Album. Und im Rückblick ist es eine absolut verdiente Fanwertschätzung. Voller Ideen, tonnenweise gute Akkorde, originelle Riffs und insgesamt eine Pionierband mit authentischem Werk.

Mehr als nur Nostalgie – ein Album, das es verdient, wieder ans Licht gebracht zu werden, für die neue Generation und auch für die alten Fans, die es vielleicht vergessen haben. Eine verdiente Neuauflage. Die Qualität der Musik spricht für sich selbst, keine Worte sind nötig, um das Album zu beschreiben oder zu loben. Und ja, auch wenn es einige nicht ganz perfekte Dinge auf dem Album gibt und nicht alles war und ist perfekt, verdient es keine Kritik. Eine starke Empfehlung für neue oder alte Fans des Death Metal.

Fazit: 35 Jahre nach Erstveröffentlichung erhält CADAVERs Debüt „Hallucinating Anxiety“ eine neue Behandlung, die das Beste aus einem sehr wichtigen Album herausholt.

Tracklist

01. March of the Collapse (Intro I)
02. Twisted Collapse
03. Corrosive Delirium
04. Abnormal Deformity
05. Erosive Fester
06. Cannibalistic Dissection
07. Hypertrophyan
08. Petrified Faces
09. Mental Abhorrence
10. Tuba Libre (Intro II)
11. Ignominious Eczema
12. Innominate
13. Hallucinating Anxiety
14. Maelstrom
15. Bodily Trauma
16. March of the Twisted (Outro)

Besetzung

Anders Odden – Guitars
René Jansen (R.I.P. 2014) – Bass
Ole Bjerkebakke – Drums, Vocals

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CADAVER – Hallucinating Anxiety CD Review

Darklon – Mind Reaper

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Darklon – Mind Reaper - Artwork
Darklon – Mind Reaper - Artwork

Band: Darklon 🇬🇷
Titel: Mind Reaper
Label: No Remorse Records
VÖ: 28/11/25
Genre: US Power Metal

Bewertung: 5/5

99%

War das Debüt der Griechen noch ein sehr gelungenes Tribut an den US (Epic) Metal der frühen Achtziger, der sich vorrangig alten Manowar und Omen widmete, ist die vor gut zwei Jahren erschienene Fortsetzung The Redeemer das wohl beste Omen – Album seit The Curse.
Dies alles vollbrachte man, trotz der offensichtlichen Einflüsse, mit genug Profil.
Ex-Sänger Niklos Antonogiannakis gehört übrigens auch weiterhin den großen Vorbildern an, leider jedoch nicht mehr dieser Band. Kontinuität ist bei der Band also nicht nur bei dem dargeboten Stil sicher, denn

»Mind Reaper« ist das dritte Album mit dem dritten Sänger!

Nachdem man mit Nick Protonotarios und Nikos Antonogiannakis zwei, aufgrund des J.D. Kimball – Timbre, passende Sänger hatte, durfte man vorab skeptisch sein. Denn die Wahl fiel diesmal auf Bill Chrepas von den Melodic Metallern Wildfire.
Stimmlich anders, wirkte er unpassend, jedoch konnte man ja als Außenstehender auch nicht erahnen, zu was er in der Lage sein kann, wenn die Instrumentalfraktion ihn ernsthaft jagt.
Und meine Fresse, der Typ wird nicht gejagt, er dreht den Spieß um!

Dieses Werk unterscheidet sich in einigen Merkmalen zu seinen Vorgängern.

Da wäre zuerst die Produktion. Diese war bisher sehr angenehm warm, diesmal gibt es eine urbane  US Power Metal Produktion, also direkt und fett auf die Kauleiste.
Das gleiche gilt für die Songs, die ohne Verschnaufpause direkt durch den Äther marschieren und den Nacken malträtieren. Selbst die Solos sind songdienlicher und weniger ausschweifend, aber wieder exzellent.
Und dann wäre hier noch der Neuzugang am Mikro, der aufgrund der leichten Stilkorrektur nicht nur nicht an seine Vorgänger anknüpfen muss, sondern den ihm gebotenen Freiraum voll ausfüllen kann.

US Power Metal par ecxellance!

Eröffnet wird »Mind Reaper« mit der knapp vierminütigen Walze »In The Abyss«, die gnadenlos im Midtempo nebst eindringlichem Refrain, eines klar macht:
Der Epikanteil fällt roher Gewalt zum Opfer!
Im folgenden Titeltrack fiel bei mir übrigens der Groschen, denn DARKLON orientieren sich nicht stumpf an dem Metal Church – Debüt, alten Vicious Rumors oder Jag Panzer, das Album ist vor allem eine Huldigung an die „verschollene“ Phase des US Metal in den Neunzigern.

Und nicht nur die Instrumentalfraktion orientiert hauptsächlich sich an dieser Epoche, Sänger Chrepas klingt in den aggressiven Passagen wie Patrick Hughes von Mystik,
die damals mit The Plot Sickens ein Meisterwerk des US Power Metal geschaffen hatten.
»Soul Stealers« bindet Elemente Mittachtziger Judas Priest in Kombination mit dem genretypischen Drive, das treibende »Powercast« geht in diesem Genre, übrigens genauso wie »Shockwave« und das überragende »Hell`s Heroes«, nicht besser.

Die weiteren Leckerbissen sind das mit einem Spoken Word Intro beginnende »The Mad Messiah«, welches sich präzise in der Mitte von Melodie und Härte bewegt sowie »Psyched Out«.
Das Lied bietet neben allen benannten Aspekten obendrein noch Melodien, die nur Steel Prophet in ihrer Hochzeit bis 2001 boten und heutzutage, zumindest ansatzweise, unter anderem von Scorcher auf diese Art und Weise zum Besten geben.

Der US Power Metal ist, mit seiner unnachahmlichen Verbindung aus Härte und Melodie sowie der Verschmelzung von Erhabenheit auf der einen, dem „musikalischen Blitzkrieg“ auf der anderen Seite, für viele die Königsklasse des Heavy Metal.
Und genau das zeigen DARKLON auf »Mind Reaper« beinahe bis zur Perfektion auf!
Wer unter anderem Alben wie Metal Church, Doomsday For The Deceiver, Book Of Dead, The Plot Sickens oder auch Reborn als Göttergaben regelmäßig verehrt, der sollte hier unbedingt reinhören!
.

Tracklist

01. In The Abyss
02. Mind Reaper
03. Soul Stealers
04. Powercast
05. The Mad Messiah
06. Shockwave
07. Hell’s Heroes
08. Psyched Out

Besetzung

Billy „The Kid“ Chrepas – Gesang
Kras K.D. – Gitarren
Savvas G – Bassgitarre
Geor Kana – Schlagzeug

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DARKLON – Mind Reaper CD Review

5RAND – Ordhalia

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5RAND - Ordhalia - album cover
5RAND - Ordhalia - album cover

Band: 5RAND 🇮🇹
Titel: Ordhalia
Label: Art Gates Records
VÖ: 28/1125
Genre: Modern Metal

Bewertung:

4/5

5RAND veröffentlichen mit »Ordhalia« ihr Debüt und treten damit in einen überfüllten, demgegenüber spannenden Bereich der härteren Musik. Melodic-Death und Groove-Metal sind Genres, in denen viele Bands um Aufmerksamkeit kämpfen. Das Quartett macht von Beginn an klar, dass es nicht einfach nur eine weitere Formation sein will, die bekannte Muster nachspielt. Hinter Bassist Acey Guns, Sängerin Julia Elenoir, Gitarrist Pierluigi Carocci und Drummer Andrea De Carolis steckt hörbar ein gemeinsamer Anspruch, ihren Sound mit Präzision, Energie und einem deutlichen Gespür für Atmosphäre zu formen.

Düsterer Vorhang der unvermindert fällt

Der kurze Auftakt »Lullaby for the Broken« funktioniert wie ein düsterer Vorhang, der aufgeht und die Szenerie freigibt. Das Intro ist knapp, im Gegensatz hierzu wirkungsvoll. Der sich anschließende Song »Bloodlife« zeigt sofort die Stärken der Band. Julia Elenoir wechselt mühelos zwischen kraftvollen Growls und klaren, melodischen Linien, ohne dass es gekünstelt wirkt. Caroccis Riffs sitzen punktgenau, und die Rhythmusgruppe pumpt den Track nach vorn, ohne ihn zu überfrachten. Das Zusammenspiel ist auffällig sauber, was der Platte früh ein professionelles Fundament gibt.

»Ordhalia« schlägt in eine ähnliche Kerbe, dessen ungeachtet, mit stärkerem Fokus auf Groove. Viele Bands verlieren bei solchen Nummern das Gleichgewicht zwischen Härte und Eingängigkeit. 5RAND gelingen hier ein paar hübsche kleine Kniffe: leichte melodische Anhebungen kurz vor den Refrains, ein paar rhythmische Hakenschläge und vor allem ein abgöttisch kontrolliertes Schlagzeugspiel, das nie übersteuert. De Carolis macht das, was einem Song wie diesem guttut – er treibt an, aber lässt Luft. Mit »The Nihilist« schaltet das Album einen Gang höher. Der Track wirkt dichter und schwerer, approximativ klaustrophobisch. Die Gitarren bauen eine Wand, die nicht als reiner Lärm funktioniert, sondern immer wieder kleine Fenster für Atmosphäre öffnet. Elenoirs Performance ist hier besonders stark. Sie schreit nicht, um Schreien zu zeigen, sondern setzt ihre Stimme dynamisch ein. Man merkt, wie sehr die Band auf Spannungsbögen vertraut.

»Double Bind« zeigt dann eine andere Seite. Der Song ist direkter, fast schon hymnisch. Stellenweise fühlt er sich an wie eine gelungene Mischung aus klassischem Melo-Death und modernerer Groove-Spielart, ohne sich zu übertrieben an Genrevorbilder zu hängen. Der Refrain besitzt Wiedererkennungswert, hingegen ohne weichgespült zu sein. Die Band schafft es, ein Thema auszuspielen, das weder ausgelutscht noch zu verkopft klingt.

Mix betont die tiefere Frequenzarbeit

»Turbid« ist eines der härteren Stücke und lebt von seinem leicht verstörten Charakter. Die Gitarren klingen hier kantiger, beinahe unruhig, und der Mix betont die tiefere Frequenzarbeit. Das gibt dem Song ein eigenes Profil und sorgt demonstrativ, dass die Mitte des Albums nicht ins Gleichförmige abrutscht. Gegen Ende erfreut ein leidenschaftlich geschmackvoller Groove-Part, der nicht nach Radiotauglichkeit schielt, sondern mühelos druckvoll wirkt.

Mit »Ritual of Silence« kommt ein Stück, das seinen Namen ernst nimmt. Ruhig ist es nicht, indessen setzt die Band vermehrt auf Atmosphäre. Die Vocals schweben gelegentlich über den Gitarren, und es entsteht eine räumliche Tiefe, die der Platte guttut. Die Produktion zeigt an dieser Stelle, wie gut sie auf die Band zugeschnitten ist. Nichts verschwimmt, und trotzdem strahlt das Stück eine gewisse Unschärfe aus.

»Lethargy« sorgt danach dafür, dass das Album nicht in melancholischer Schwere hängen bleibt. Der Song ist flotter, klar strukturiert und liefert ein paar der stärksten melodischen Momente des ganzen Werks. Die Gitarrenlinien im Mittelteil sind liebevoll gestaltet und zeigen, dass 5RAND nicht bloß auf Wucht baut, sondern daneben feine melodische Ideen zu bieten hat.

Mit »Resurge in Death« nähert man sich dem Finale. Der Song wirkt wie eine Art Rückblick auf die Stärken der Band. Saubere Riffs, fester Groove, ein Gesang, der sowohl Biss als desgleichen Ausdruck hat. Alles greift ineinander und fügt sich logisch in den Verlauf der Platte.

Der Abschluss »Silent Line« beendet »Ordhalia« mit einem würdigen, leicht nachdenklichen Ton. Auch hier verzichten 5RAND auf Pathos und bleiben nah an ihrem Stil. Der Song rundet die Reise ab, ohne das Gefühl zu hinterlassen, dass etwas fehlt oder künstlich verlängert wurde.

Debüt, das sich sehen lassen kann

Insgesamt liefert die Band ein Debüt, das sich sehen lassen kann. Nicht alles ist revolutionär, allerdings vieles ist stimmig, kompetent und mit Herzblut umgesetzt. Der Mix aus Melodic-Death und Groove-Metal wirkt frisch genug, um neugierig zu machen, und die spielerische Qualität hebt die Platte klar über Durchschnittsniveau.

Mit »Ordhalia« gelingt 5RAND ein beeindruckendes Werk, das sowohl eingefleischte Metal-Fans als auch Neueinsteiger anspricht.

Tracklist

01. Lullaby for the Broken
02. Bloodlife
03. Ordhalia
04. The Nihilist
05. Double Bind
06. Turbid
07. Ritual of Silence
08. Lethargy
09. Resurge in Death
10. Silent Line

 

Besetzung

Acey Guns – Bass
Julia Elenoir – Vocals
Pierluigi Carocci – Guitar
Andrea De Carolis – Drums

 

Internet

5RAND – Ordhalia CD Review

STRUCK A NERVE – Struck A Nerve

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cover artwork STRUCK A NERVE Struck A Nerve
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Band: STRUCK A NERVE 🇬🇧
Titel: Struck A Nerve
Label: Listenable Records
VÖ: 28/11/25
Genre: Thrash Metal

Bewertung:

4/5

Ohne jede Spur von Bescheidenheit bezeichnen sich STRUCK A NERVE als „das neue Gesicht des UK-Thrash-Metal“ oder versprechen „den brachialsten Thrash zu kreieren, den das Vereinigte Königreich je erlebt hat„. Mit zitierten Einflüssen von großen Namen wie Power Trip, Enforced oder sogar Slayer und Sodom verspricht das Debütalbum „Struck A Nerve„, ein kraftvolles und aggressives Werk zu werden.

Beeindruckender Start voller Wut und Präzision

Uptempo und sehr aggressive Riffs und Vocals eröffnen das Album. „Noctural Terror“ hat eine dichte Instrumentierung, sehr soliden Rhythmus, bellende Vocals und Riffs, Riffs, Riffs. Guter Thrash, voller Gewalt und Furie. Mit unerbittlichem Uptempo-Rhythmus – ein beeindruckender Albumstart.

Struck A Nerve“ ist der Titelsong und damit Namensgeber der Band. Und er liefert ab – sie halten sich bei diesem für sie so repräsentativen Song nicht zurück. Ein scharfes Solo und gute melodische Linie machen den Song komplett. Epischer Chorgesang und gesprochene Vocals verleihen ihm eine hymnische Dimension. Bis zu diesem Punkt eine sehr gute Energie im Album, wirklich beeindruckend und genau die Art von Thrash Metal, die alles Nötige mitbringt: schnell, präzise, aggressiv und voller Rage. Vielleicht sind sie tatsächlich eine aufstrebende Kraft im Thrash Metal.

STRUCK A NERVE wurde 2024 von ehemaligen Mitgliedern von Shrapnel gegründet, einem recht bekannten Namen im Thrash Metal, zuletzt eher Metalcore oder Alternative Metal. Dieser Genrewechsel könnte ein Grund für einige Mitglieder gewesen sein, eine neue Band zu gründen, obwohl nichts Offizielles zu diesem Thema vorliegt. Beide Bands stammen aus Norwich, Norfolk, England, und teilen sich derzeit ein Gründungsmitglied: Gitarrist Nathan Sadd. Zwei weitere Musiker sind ehemalige Shrapnel-Mitglieder – Aarran Tucker (auch ex-Terebos, ex-Sathamel) an Bass und Vocals sowie Chris Williams (Gama Bomb, ex-Gravemind, ex-Onslaught (live)) am Schlagzeug. Nur Gitarrist Lexell Altaïr hat keine gemeinsame Vergangenheit mit beiden Bands.

Solide Produktion unterstreicht die Aggression

Dieselbe gute Energie bringt „Parade Of Violence“ – abrupte Riffs und rasante Rhythmussektion. Massiver Sound, es ist schön, dass sie den Rhythmus und den bestrafenden Sound beibehalten. Genauso „Inside The Torture Fortress„, etwas langsamer, aber mit dramatischeren Vocals und präsenterer Leadgitarre sowie einem akustischen finalen Moment – ein erster Schwachpunkt auf dem Album.

Gute Produktion, ausgewogener Sound zwischen allen Instrumenten. Die Vocals bleiben zwar das dominante Element, aber wie es sein sollte, ist auch die Rhythmusgitarre sehr präsent im Mix, ebenso die Rhythmussektion mit gutem Bass und Drums, die das sehr hohe Tempo markieren. Technische Instrumentierung, sehr versierte Musiker – präzise und straff. Die Produktion fängt all das ein, und das Endergebnis ist dynamisch, aber auch mit klarem Old-School-Feeling.

Mit einem Namen, der irgendwie an die Vorväter des Genres erinnert, setzt „Raining Death“ den sonischen Angriff fort. Die massive Rhythmusgitarre kehrt nach dem vorherigen Song, der als Verschnaufpause diente, noch aggressiver zurück. Melodisches Solo und Uptempo. Eine giftige Atmosphäre, furiose galoppierende Riffs, ein messerscharfes Solo, hart zuschlagendes Drumming – ein weiterer Song, der alle Kästchen ankreuzt, die einen guten Thrash-Metal-Song ausmachen. Ein klarer Höhepunkt.

Die Klanglandschaft bleibt für die nächsten Songs unverändert: „Moon Sniper“ mit massiven und sehr schweren Riffs oder „Last Eyes See All„, das sich eher wie ein Füllsong anfühlt, ohne dass etwas heraussticht. „The Knife Scrapes The Bone“ kehrt sehr schnell zurück, mit gutem Bass und beeindruckend komplexem Sound, wird aber groovy und verliert den Funken nach den ersten Akkorden. Der finale Song „Leviathan Wings“ bringt einen Soundwechsel – ein Intro mit akustischen Gitarren, danach fällt das Tempo deutlich ab, wird melodischer, viel langsamer, aber immer noch mit erdrückenden Gitarren zwischen atmosphärischen Passagen. Eine komplett andere Klanglandschaft, und das ist der bleibende Eindruck, der all die guten von den vorherigen Songs verändert. Seltsame Entscheidung für den Schlusssong – ohne Zweifel der schwächste Moment des Albums.

Starker Beginn, enttäuschendes Ende

Ernsthaft aggressiver Thrash Metal. Nicht unbedingt ein revolutionäres Werk, aber ein traditionelles und solides. Ein erfreuliches Hörerlebnis und, was im Thrash Metal wichtig ist, ein guter Headbanger. Ein Album, wie so viele andere, mit beeindruckendem Start und enttäuschendem Ende, wo sie sich entschieden haben, Stil und Ansatz komplett zu ändern. Schade, dass sie nicht bei der Richtung geblieben sind, mit der das Album eröffnet wurde – sie verpassen so ein großartiges Gesamtwerk. Stellenweise wirkt das Album gehetzt, als wären sie in Eile gewesen, es fertigzustellen.

Andererseits sind sie nicht wirklich originell. Die Songs sind sich ziemlich ähnlich, was dem Album ein sehr geschlossenes Gefühl und einen einheitlichen Ton von Anfang bis Ende verleiht, aber auch das Gefühl, dass sich manche Passagen von einem Song zum anderen wiederholen oder ähnliche Akkorde in vielen Songs vorkommen. Das typische Beispiel von „ein Riff, ein Song“. Nichts Schlechtes, aber es neigt dazu, nach ein paar Songs oder nach mehrmaligem Hören fade zu werden. Aber um das Positive zu nehmen: eine energiegeladene Arbeit, noch keine Offenbarung im weltweiten Thrash Metal, aber ein vielversprechendes Debüt.

Fazit: STRUCK A NERVEs Debüt „Struck A Nerve“ zeigt beeindruckendes Talent und beweist: Sie sind eine aufstrebende Kraft im Thrash Metal.

Tracklist

01. Noctural Terror
02. Struck A Nerve
03. Parade Of Violence
04. Inside The Torture Fortress
05. Raining Death
06. Moon Sniper
07. Last Eyes See All
08. The Knife Scrapes The Bone
09. Leviathan Wings

Besetzung

Aarran Tucker – Bass, Vocals
Chris Williams – Drums
Nathan Sadd – Guitars
Lexell Altaïr – Guitars

Internet

STRUCK A NERVE – Struck A Nerve CD Review

BEZDAN – Upon The Altar

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cover artwork BEZDAN Upon The Altar
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Band: BEZDAN 🇭🇷
Titel: Upon The Altar
Label: I Hate Records
VÖ: 28/11/25
Genre: Black/Death/Thrash Metal

Bewertung:

3,5/5

Nach 13 Jahren Existenz und einigen Singles und EPs präsentieren die kroatischen Thrasher BEZDAN endlich ihr von Fans heiß erwartetes Debütalbum. Roh und böse, Old School, leidenschaftlich und aggressiv.

Energiegeladener Start mit soliden Riffs

Das Album beginnt mit Heavy-Metal-Vibe – „Upon The Altar“ ist der Titelsong, aber erwartungsgemäß nur ein sehr kurzes Intro mit typischen Black-Metal-Akkorden. Schon bald kündigen shredding Gitarren an, dass hier etwas anderes kommt. Ein höheres Tempo und deutlich komplexerer Sound setzen mit „Sacrificial Death“ ein – kerngesunder Thrash mit Vocals, die zwischen Growls und hochgepitchten Screams wechseln. Solide Riffs, infernalische Vocals, aber eine distanzierte und zu dezente Rhythmussektion. Die gebellten Vocals bedrohen weiterhin den Hörer, doch die Tempowechsel schmälern den guten ersten Eindruck. Alles in allem guter Thrash, voller Energie und Leben.

BEZDAN kommen aus Zagreb, obwohl sie während ihrer Existenz an verschiedene Orte im Land zogen und erst kürzlich in die Hauptstadt zurückkehrten. Von 2009 bis 2012 als Desecrator bekannt, ist Gitarrist Filip Horvat das einzige Mitglied aus dieser Zeit. 2012 umbenannt in Bezdan mit neuen Mitgliedern: Sänger und Gitarrist Tomislav Baranašić sowie Bassist und Backing Vocalist Filip Vučković. Drummer Ivan Bajrović stieß in späteren Jahren dazu.

Der nächste Track „Dark Messiah“ zeigt beeindruckende technische Fähigkeiten der Rhythmusgitarre. Der Stil bleibt klar Thrash Metal – konfrontative Vocals, sehr direkter und kraftvoller Sound mit langem, komplexem Solo, repetitiven Reimen, offensiv. Kurz und sehr eindringlich, aber kraftvoll und mit ansteckender Energie – ein klarer Höhepunkt.

In denselben Bahnen bewegt sich „When Death Becomes Your Life“ mit erstickten Vocals, massiven und guten Riffs, einer melodischen Linie, die eher eine Fortsetzung des vorherigen Songs darstellt. Oder „Endless Fields Of Bones“ – langsamer und melodischer, zunächst wirkt es, als hätten sie ihre Energie verloren, doch sie erholen sich schnell mit guten schnellen Riffs und rauen, harschen Vocals. Allerdings sind die Riffs auf diesem Track nicht besonders kreativ und wiederholen sich immer wieder. Der ständig wechselnde Rhythmus und die Verlangsamung tun dem Gesamtsound nicht gut. Aber klanglich erinnern die Songs an Possessed und ihren In-your-face-Thrash-Metal.

Old-School-Produktion mit mangelnder Tiefe

Die Produktion ist okay, es fehlt etwas an Dynamik und Tiefe, weil Drums zu weit hinten im Mix sind und Bass fast nicht vorhanden ist. Offensichtlich nehmen die Vocals den größten Anteil am Sound ein, dann erst die Rhythmusgitarre. Etwas zu flach und ohne die Dynamik, die das Genre normalerweise hat. Mehr in Richtung traditioneller Old-School-Thrash-Metal, so auch die Produktion – klingt wie eine sehr alte Aufnahme. Als Inspirationen nannten sie „Possessed, 80s Death, Höhlenmensch-Sepultura sowie alte Ex-Jugoslawische Helden wie Heller, Evil Blood und einen Hauch Black/Speed Metal.“ Interessanterweise sind all diese Einflüsse durch das Album hindurch klar hörbar, und das ist sicherlich eine schwierige Aufgabe für die Produktion, all das in einen ausgewogenen Sound zu integrieren.

Das Album setzt sich in dieselbe Richtung fort: „Hades Knights“ bringt vage Black-Metal-Einflüsse, bleibt aber langsam und größtenteils leblos sowie musikalisch uninspiriert. Besser komponiert mit interessanteren Riffs ist „Vengeance“ – geschriene Vocals, konfrontativ, aggressiv. Wahnsinnig schnelles Tempo mit entsprechenden Uptempo-Riffs, eine schöne Rückkehr zur energetischen Atmosphäre nach einer flachen Albummitte. Hier sind die Black-Metal-Einflüsse ebenfalls hörbar, zwar keine sehr wichtige Komponente ihrer Songs, aber vorhanden – insgesamt ein Song, der Energie und gute Dynamik bringt.

Sehr Old-School-Thrash kommt mit „Infernal Howls“ – hochgepitchte Vocals und ein gesunder Rhythmus sowie ein Old-School-Solo, lang und aggressiv. Man hört auch Heavy-Metal-Akkorde und eine Prise Death Metal. Eine komplexere Klanglandschaft, eine komplexe und gut verwobene Komposition. Der Song präsentiert sich als sehr guter und ausgewogener Mix all ihrer stilistischen Einflüsse. Ein guter Song.

Der finale Song „Crypts Of Ancient“ bringt wieder wechselnde Tempos – nach einer atmosphärischen Eröffnung kehren sie zum Leben zurück, aber leider wechseln sie ständig den Rhythmus, was in inkonsequentem Sound resultiert. Gut und schlecht in einem Song, aber typisch für die Band.

Ehrlicher Old-School-Thrash mit kleinen Schwächen

Das Album klingt insgesamt mit zu wenig kompositorischer Variation, und trotz all der Wechsel zwischen verschiedenen Geschwindigkeiten und Ansätzen bringen diese nicht unbedingt Dynamik – sie zerbrechen eher die Songs in Stücke. Aber jeder Thrash-Metal-Fan wird auf dem Album etwas finden, das ihm gefällt.

Ehrlicher und simpler Thrash Metal. Ein guter Headbanger und angenehmes Hörerlebnis, aber nichts, was man noch nie gehört hat. Nichts Schlechtes auf dem Album – größtenteils ist es leidenschaftlicher Hochgeschwindigkeits-Thrash. Der bewusst Old-School-Ansatz lädt zu Vergleichen mit alten legendären Bands ein, was unfair wäre. Als eigenständige Musik betrachtet, ohne retrospektive Blicke, ist BEZDANs Musik gut – voller Energie und Aggressivität, eine gute Debütarbeit.

Fazit: Old-School und guten Thrash liefern BEZDAN mit ihrem Debütalbum „Upon The Altar“ – eine furiose, intensive und temporeiches Werk.

Tracklist

01. Upon The Altar (Intro)
02. Sacrificial Death
03. Dark Messiah
04. When Death Becomes Your Life
05. Endless Fields Of Bones
06. Hades Knights
07. Vengeance
08. Infernal Howls
09. Crypts Of Ancient

Besetzung

Filip Horvat – Guitars
Tomislav Baranašić – Vocals, Guitars
Filip Vučković – Bass, Vocals (backing)
Ivan Bajrović – Drums

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BEZDAN – Upon The Altar CD Review

SUFFERING – Things Seen But Always Hidden

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cover artwork SUFFERING Things Seen But Always Hidden
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Band: SUFFERING 🇬🇧
Titel: Things Seen But Always Hidden
Label: Apocalyptic Witchcraft
VÖ: 28/11/25
Genre: Black/Doom Metal

Bewertung:

2/5

Die britische Black/Doom-Metal-Band SUFFERING bezeichnet sich selbst als „Beschwörer von Dunkelheit und Wahnsinn“ durch ihre Musik. Nach siebenjähriger Pause präsentieren sie ihr zweites Album. Von einer Evolution im Sound kann keine Rede sein – im Gegenteil: Der reichhaltigere Klang des Debüts ist verloren gegangen, und die aktuelle LP ist eine einseitige Arbeit, die von geschrienen Vocals und Atmosphäre beherrscht wird.

Abrupte Stilwechsel zerbrechen den Fluss

Das Album beginnt mit trauriger, sorgenschwerer Stimmung. „The House With The Red Door“ eröffnet langsam, mit zarten Akkorden und gruseligen Hintergrundgeräuschen – die Musik ist sehr melodisch, akustische Gitarren und filigrane Klänge. Doch mitten im Song ändert sich alles schlagartig, fast wie ein Produktionsfehler: Die Horrorklänge kehren zurück, dazu Black-Metal-Rhythmus und typischer Sound. Geisterhafte Vocals, dämonisch, gequält. Auch der Klang wird nun sehr roh. Aggressiv, ohne jede Spur von Melodie.

Enthralled“ startet ebenfalls direkt – sehr roher Sound, Tremolo-gepickte Leadgitarre, infernalisch geschriene Vocals, ein brutaler Ansatz. Die langsame Gitarre, die in der Mitte mit simplen, trauernden Akkorden einsetzt, weicht verstörenden, terrorisierten Vocals in typischem Black-Metal-Sound. All diese wechselnden Stile geschehen abrupt, und die stilistischen Änderungen zerbrechen die Songs in getrennte Teile ohne klare Verbindung. Ein Song mit guter melodischer Linie, die in den finalen Momenten zurückkehrt, um ihn zu beenden.

SUFFERING wurden 2012 in den West Midlands gegründet und vertreten okkulten Black Metal. Sturmgeist Fornicator Insultus ist das einzige Mitglied, das noch von Anfang an dabei ist – er übernimmt die Vocals und bildet den Kern der Band. Die restlichen Mitglieder sind alle in den letzten Jahren dazugestoßen: Aýdlig an den Gitarren, Malleus am Schlagzeug und Inquinatus am Bass.

Fast schon Depressive Black Metal kommt „The Chamber Of Breathtaking Delights“ mit erotischen Lustgeräuschen im Hintergrund – sicher ein großer Kontrast zu den jenseitigen Schreien oder der weiblichen gesprochenen Stimme, die zusätzliches Drama beisteuert. Musikalisch aber weder interessant noch kohärent. Stilistisch dominiert Doom Metal den Song, die Instrumentierung ist weit entfernt, sehr leise – fast nur Screams und Shrieks sind klar zu hören. Kein denkwürdiger Song der Band.

Mangelhafte Produktion verstärkt die Probleme

Die Produktion ist nicht gut. Die Unterschiede zwischen den musikalischen Ansätzen passieren viel zu abrupt, ohne Übergang. Es klingt, als hätte man zwei oder mehr Songs aneinandergeklebt, aber nicht sorgfältig. Die Black-Metal-Parts scheinen aus einem anderen Studio zu stammen als die Doom-Teile. Die beiden Stile begegnen sich nie. Zudem sehr unausgewogen, mit viel zu starkem Fokus auf Vocals und Screams. Schreie als Hintergrundklang, Schreie als Hauptvocals, Schreie über die gesamte Albumdauer.

Weiter geht es im gleichen Stil mit denselben Problemen: „Consorting With The Devil“ hat diesmal immerhin klare Riffs, und gute dazu. Weiterhin im Doom-Metal-Bereich, tiefe Basslinien unterstreichen das. „What Once Was Shall Be Again And What Is Shall Be No More“ ist musikalisch extrem minimalistisch, eher eine Sammlung von Klängen und Schreien. Seltsam und etwas, das der Musik keinen Mehrwert bringt. Ein zweifelhafter, vergesslicher Moment.

Apocrypha Through The Keyhole“ setzt den experimentellen Sound fort – langsam mit entfernten Akkorden, eine emotional aufgeladene melodische Linie in Form eines Tremolo-gepickten Solos, dazu aggressivere Geräusche. Eine klare Fortsetzung des vorherigen Songs, gleiche Akkorde und musikalische Linien – es fühlt sich aus allen Blickwinkeln wie derselbe Song an. Atmosphäre ist das, was sie hier ausdrücken, und das ist tatsächlich wichtig für das gesamte Album.

Etwas musikalischer kommt „Hell On Earth New Eden“ mit anständigem Black-Metal-Tempo und allgemeinem Sound. Begonnen mit höllischen Schreien, fortgesetzt mit wenig Musik und vielen Schreien – das ist alles, was man in den letzten Songs gehört hat. Wechselnde Tempos, aber es wirkt unentschlossen. Der finale Song „Behind The Green Door“ kehrt zu Doom Metal zurück, wahrscheinlich der kohärenteste Song – sie schaffen es, sich auf eine Melodie für den gesamten Song zu konzentrieren. Aber eine viel zu lange Schlusspassage mit Klängen, die an eine terrorisierte weibliche Person erinnern, mit Kampfgeräuschen oder etwas anderem – Horror-Kino, aber diesmal viel zu viel. Leute kaufen Musikalben, um Musik zu hören, nicht Regen und Schreie. Enttäuschende Erfahrung.

Atmosphäre dominiert, Musik fehlt

Seltsame Musik, nicht unbedingt angenehm zu hören – zu viele Produktionsprobleme und sehr inkohärent in Sound und Komposition. Ein Album, das eindeutig von Vocals dominiert wird, alles andere ist nur Zusatz. Viel Musik hört man auf dem Album nicht, der Fokus liegt ausschließlich auf Atmosphäre, und unangenehme Vocals fügen nur eine weitere Schicht gruseliger Klänge hinzu. Eher als Soundtrack für einen Horrorfilm geeignet denn als eigenständiges Album. Es wirkt, als hätten sie jetzt nur noch Screams, Shrieks und infernalische Vocals. Diese dominieren den Gesamtsound derart, dass nichts anderes wirklich durchscheint – keine Melodien, keine Instrumentierung, totaler Fokus auf Schreie. Schlechte Produktion und auch Songwriting. Aber wie versprochen ist es Musik, die „Dunkelheit und Wahnsinn“ hervorruft.

Jedes Mal, wenn sie eine kohärente musikalische Idee entwickeln, lassen sie diese sofort fallen, und das Gesamtgefühl ist so zusammenhanglos. Viel inkohärenter und ohne klare Richtung als die älteren Werke – cinematische Effekte waren dort auch vorhanden, aber minimal, jetzt dominieren sie. „Symphonies: Diabolis“ war ein Black-Metal-Album mit langsamerem, doom-lastigem Rhythmus, nun sind die Stile sinnlos vermischt. Ein deutlicher Rückschritt.

Fazit: SUFFERINGs jüngstes Werk bringt weniger Musik und mehr Atmosphäre ins Spiel – musikalisch uninteressant, aber reich an gruseligen und unbehaglichen Effekten.

Tracklist

01. The House With The Red Door
02. Enthralled
03. The Chamber Of Breathtaking Delights
04. Consorting With The Devil
05. What Once Was Shall Be Again And What Is Shall Be No More
06. Apocrypha Through The Keyhole
07. Hell On Earth New Eden
08. Behind The Green Door

Besetzung

Sturmgeist Fornicator Insultus – Vocals
Aýdlig – Guitars
Malleus – Drums
Inquinatus – Bass

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SUFFERING – Things Seen But Always Hidden CD Review

MASTER’S HAMMER – Maldorör Disco

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cover artwork MASTER'S HAMMER Maldorör Disco
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Band: MASTER’S HAMMER 🇨🇿
Titel: Maldorör Disco
Label: Darkness Shall Rise
VÖ: 26/11/25
Genre: Black Metal, Experimental

Bewertung:

3,5/5

Nach ihrer letzten Show zur Unterstützung ihres Albums „Fascinator“ 2018 schien die Geschichte von MASTER’S HAMMER vorbei zu sein. Doch die Band ging in den Winterschlaf und ist nun nach sieben Jahren mit einem neuen Album zurück. Bekannt dafür, sich jeder Kategorisierung zu widersetzen, veröffentlichte die Band ihr bisher experimentellstes und am wenigsten Black-Metal-lastiges Album, „Maldorör Disco„. Obwohl unverkennbar MASTER’S HAMMER, zeigt es wie immer ihr Engagement, Grenzen zu verschieben.

Synth-dominierte Klänge statt Metal-Riffs

Von den ersten Noten an wird klar, dass dies ein weiteres experimentelles Werk der tschechischen Meister ist. „Andel Slizu“ eröffnet mit Synth- und Keyboard-Noten und gutturalen, rauen Vocals. Aber auch Riffs setzen ein, begleitet von denselben leichten, typisch Pop- oder Disco-artigen Synth-Klängen. Eine leichte Musik mit nur wenigen Akzenten, die daran erinnern, dass sie als Metal-Band gelten. Abgesehen von sehr wenigen minimalen Gitarreninterventionen und Vocals, die zwischen melodischem Clean-Gesang oszillieren, sind es einfach moderne „Disco“-Akkorde.

Dieselbe Atmosphäre und wieder Synth-dominante Noten in „Genisis P. Orridge„. Die Klanglandschaft ist jedoch das, was MASTER’S HAMMERs Musik auf den letzten Alben geworden ist. Sie waren nie Black Metal im traditionellen Sinne, immer eine experimentelle Band mit mehr oder weniger Schwere in ihrer Musik.

MASTER’S HAMMER, 1987 gegründet, stammen aus Prag und haben eine lange Geschichte hinter sich. Als Band mit großem Einfluss auf die erste Welle des Black Metal angepriesen (oder präziser: zwischen der ersten und zweiten), tauschten sie ihre Demos mit der Welt aus – rohe Musik und das Ausprobieren neuer musikalischer Pfade. Franta ŠtormVocals, Gitarren, Bass – ist das Herz und die Seele der Band, auch das einzige Originalmitglied. Necrocock (Gitarren) war ebenfalls fast von Anfang an zusammen mit Franta Mitglied der Band, verließ sie und kehrte über all die Jahre zurück. Neuere Mitglieder sind Honza Kapák am Schlagzeug und Kamil Princ an den Keyboards.

In der bereits etablierten musikalischen Richtung setzt „Take It Or Leave It“ fort. Leicht, melodisch, mit entfernten Riffs, erinnert das eher an Industrial Metal als musikalischen Stil. Die Vocals von Franta geben eine Rauheit, können aber nach Metal-Standards noch als Clean Vocals betrachtet werden. Melodisch, leichte Akkorde – „Maldorör Disco“ bringt noch dramatischere Vocals, der Titelsong hat einen guten Rhythmus, aber wie der Name schon sagt, mehr in Disco-Richtung. Ein simpler Song mit einem eingängigen, aber einfachen Refrain.

Radiofähige Produktion für leichte Klänge

Die Produktion ist gut, aber die Musik ist auch nicht sehr komplex. Gitarren bleiben im Hintergrund, während Keyboards und Synths die präsentesten und dominantesten Sounds sind. Aber ein klarer Sound, sowohl aus der Perspektive moderner Musik als auch als Fast-Metal-Album betrachtet. Die Band verwendet übliche Sounds für leichte Musik, auch das Mixing ist nicht sehr komplex. Radiofreundlich, entsprechend gemischt und gemastert. Größtenteils auf Tschechisch gesungen, verleiht das dem Album eine besondere Note.

Bochnatky“ bringt einige klare Gitarren ins Spiel, ein Sound, der stilistisch näher an Heavy Metal kommt, aber einige gute Riffs sind hier vorhanden. Nicht so schwer im Refrain, mit femininen Background-Vocals und sogar einigen Mikrofon-Effekten, typisch für deutlich billigere Musik, aber stilistisch wieder näher an Industrial Metal. Der schwerste Song auf dem Album bisher, einer der interessantesten Songs des Albums.

Beast Within“ bleibt in karnevalesker Atmosphäre. Aber sicherlich theatralisch und mit der unverkennbaren Note der Band, deutlich schwerer als die ersten Songs des Werks. Diese letzten Songs erinnern seltsamerweise an die letzten Werke von Rammstein – sicher, der Stil und der kompositorische Ansatz sind das, was sie gemeinsam haben, aber auch einige Akkorde sind ziemlich ähnlich. Die Verwendung moderner Effekte auf den Vocals bringt ebenfalls Ähnlichkeiten. Aber die Songs haben eine gewisse Eingängigkeit. Einige Screams und Shrieks im Vocal-Ansatz in „Bicycle Day„, aber die Musik bleibt experimentell und von Keyboards dominiert. Mit einigen Riffs, aber besser durchdachte Komposition als Instrumentierung. „Doppelgänger“ ist langsam, dissonant, mit heruntergestimmten Riffs und klaren Folkmusik-Einflüssen.

Ein weiterer Ausflug in Disco-Sounds ist „El Teide“ – mit effektgeladenen Vocals klingt es eher wie ein radiofreundlicher Song mit nostalgischer Stimmung von 80er-Jahre-Musik. Selbst für MASTER’S HAMMER eine Kuriosität. Der letzte Song „Slatina“ experimentiert weiter, aber in dieselbe Richtung. Der Vocal-Ansatz bleibt theatralisch, die Mikrofon-Effekte sind noch da und schaffen eine ungewöhnliche Erfahrung.

Pioniere mit verdientem Freiraum zum Experimentieren

Ritual“ war ein Meisterwerk in einem Stil, der noch nicht einmal benannt war, aber später zu Black Metal wurde – der Wunsch, neue Sounds und Ausdrucksformen zu erforschen, machte das möglich. „Jilemnický Okultista“ war ebenfalls ein wichtiges Album, aber bereits dort wurde ihre Abkehr von Metal-Musik, wie wir sie jetzt sehen, deutlich, mit immer mehr seltsamen oder experimentellen Klängen, die in den Band-Sound kamen. Von da an gingen sie weit von ihren Wurzeln weg – das dritte Album mit dem Titel „Šlágry“ zeigt die Richtung an, die die Band einschlug. Aber sie werden immer eine der Bands bleiben, die viele musikalische Türen für nachfolgende Bands öffneten, die ihren Einfluss erhielten.

Franta hat nichts mehr zu beweisen. Er ist auch nicht mehr wirklich aktiv als Musiker, das ist nur noch ein Nebenhobby geworden. Das gibt ihm die Gelegenheit, das zu spielen, was er jetzt fühlt, ohne jegliche Einschränkungen. Und „Maldorör Disco“ ist Musik, die mit Leidenschaft gemacht wurde – dieselbe Leidenschaft, die vor fast 40 Jahren ihre Meisterwerke am Anfang ihrer Karriere erschaffen hat.

Die karnevaleske und theatralische Atmosphäre ist die Konstante in ihrer Diskografie, zeigt aber auch die spielerische Art, wie sie die Musik sehen, die sie kreieren. Das letzte Album „Maldorör Disco“ ist kein Meisterwerk, bringt aber einige nostalgische Momente und zeigt viele musikalische Richtungen, in die die Band involviert ist. Hörer, die das Theatralische und Unkonventionelle genießen, werden auf MASTER’S HAMMERs „Maldorör Disco“ viel zu schätzen finden. Diese LP dient als Beweis für ihren unermüdlichen Drang zu innovieren und Grenzen zu verschieben, Konventionen und Erwartungen missachtend.

Fazit: MASTER’S HAMMERs letztes Werk „Maldorör Disco“ hält sie ziemlich weit von Metal-Musik entfernt, aber ihre Freude am Experimentieren ist noch da.

Tracklist

01. Andel Slizu
02. Genisis P. Orridge
03. Take It Or Leave It
04. Maldorör Disco
05. Bochnatky
06. Beast Within
07. Bicycle Day
08. Doppelgänger
09. El Teide
10. Slatina

Besetzung

Franta Štorm – Vocals, Guitars, Bass
Necrocock – Guitars
Honza Kapák – Drums
Kamil Princ – Keyboards

Internet

MASTER’S HAMMER – Maldorör Disco CD Review

Cradle Of Filth, Suffocation – 20.11.2025, SiMM City Wien

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CRADLE OF FILTH 01

SPLINTERED IN WINTER Tour, 

Cradle Of Filth, Suffocation, Mélancolia, Naraka

20.11.2025, SiMM City Wien

Cradle Suffocation Tour Poster

Große Namen auf dem Poster des Abends: Cradle Of Filth als eine der prägendsten Bands zwischen Symphonic-, Black- und Gothic Metal, dazu als Special Guests die brutal-technischen Death-Metal-Legenden Suffocation sowie die Newcomer Mélancolia und Naraka. Ein multigenres Abend, aber einer, der viel Energie versprach. Organisiert von Barracuda Music und Mind Over Matter.

NARAKA

Mit großer Skepsis, denn das Album Anfang des Jahres war wenig überzeugend. Dennoch erhielten die Franzosen NARAKA den Opener-Slot eines relativ großen Konzerts – und man durfte gespannt sein, ob sie live mehr abliefern. In einer noch fast leeren SiMM City trat Tour-Drummer Jo Darlington vor das Publikum und verbeugte sich. Eine sympathische Geste, die sofort Nähe erzeugte.

NARAKA 01

Musikalisch starteten sie dann überraschend aggressiv, deutlich weniger melodisch als erwartet. Man kennt die Band eigentlich als stark melodisch geprägtes Projekt, doch hier zeigte sie ein völlig anderes Gesicht: ein roher, bewusst unsauberer Gesamtsound. Genau das, was auf dem Album störte, setzte sich live fort – keine Fehlleistung der Technik, sondern offensichtlich eine gewollte klangliche Entscheidung. Die Vocals dagegen lagen sauber im Mix, und Théodore Rondeau zeigte als Frontmann eine starke Leistung: permanent in Bewegung, seine Growls wirkten zu Beginn gut und wirkungsvoll.

NARAKA 02Trotz geringer Zuschauerzahl spielte die Band professionell weiter, und schließlich bewegte sich der Stil wieder in jene melodischen Gefilde, die man von NARAKA kennt. Doch viele dieser melodischen Passagen wirkten kompositorisch seltsam eingeklebt, ohne organische Übergänge. Die vielen Breaks erschwerten jedes Headbanging, die meisten Besucher schauten eher zu, anstatt wirklich mitzugehen. Modern – ja, aber musikalisch wenig überzeugend. Langsame Abschnitte wirkten undefiniert, weder melodisch noch aggressiv – schlicht unglücklich gewählt für einen Liveset.

Bei „Blazing Sun“ waren die Clean-Vocals deutlich daneben. Ein Problem, das auf dem Album bereits auffällt, live jedoch noch störender wird. Viel Dramatik, viel Pathos – aber wenig Substanz. Auch kam es mehrfach zu kleineren Unsicherheiten zwischen Instrumenten und Vocals, etwas, das unerfahrenen Bands live eben passieren kann. Die letzten Songs entschärften den schlechten Gesamteindruck immerhin etwas: nur Growls und Screams, solide Rhythmen und eine klarere melodische Linie.

Live so enttäuschend wie auf dem Album – kein gelungener Auftakt. Der Sound war okay, die Musik erwartbar, aber immerhin war das Publikum inzwischen aufgewärmt und bereit für die nächsten Bands.

MÉLANCOLIA

Die Deathcore-Band aus Melbourne begann mit einem langen elektronischen Intro. Im März bereits gesehen, zeigt sich die Band nun deutlich gereifter. Neues Album, neue Optik – musikalisch derselbe knallharte Deathcore mit starken Tempowechseln, Geschrei, hohen Screams und theatralischer Inszenierung.

MELANCOLIA 01

Jetzt in Weiß gekleidet, die Gesichter bemalt, fast mit einer Zirkus-Anmutung. Musikalisch stark, aber die Show ist noch beeindruckender, ein Mix aus Choreografie, Szenografie und theatralischer Überzeichnung. Das Publikum, inzwischen zahlreicher, reagierte positiv.

MELANCOLIA 02Zwischen den Songs wirkten sie völlig normal, doch während des Sets war alles durchinszeniert – fast zu viel Drama. Musikalisch boten sie ein Set ausschließlich aus dem zweiten Album: komplexer, atmosphärischer, mit Stücken wie „All_Is_Rust“, „Icanseethroughtheholesinmyhands“, „Lithia“ oder „Random.Access.Misery“. Hohe Screams, Clean-Vocals, Growls – alles dabei. Alex Hill beeindruckte als Sänger und zentrales Aushängeschild. Kompositorisch wie technisch stark.

Die Verbindung zum Publikum war gut, doch die Beteiligung blieb zurückhaltend. Viele waren klar wegen der anderen Bands da. Mélancolia sind für ihr Genre sehr stark und haben Potenzial für eine große Karriere. Aber in diesem Setting passte die Mischung der Stile nicht optimal – ein guter Auftritt, aber sichtbar nicht für dieses gesamte Publikum gemacht.

SUFFOCATION

Eine seltsame Verbindung zwischen Mélancolia und SUFFOCATION: Auch die letzte Europatour bestritten sie gemeinsam, und schon damals wirkte die Mischung aus brutalem/technischem Death Metal und melodischen bzw. deathcore-nahen Bands etwas merkwürdig. Denn was nun auf dem Programm steht, ist reiner brutaler Death Metal – vorgetragen von den Amerikanern aus Long Island, New York, die zu den prägendsten Vertretern dieser extrem aggressiven Spielart zählen.

Suffocation 01

Während des ersten Sets und auch davor waren die Jungs von SUFFOCATION im Publikum oder draußen anzutreffen, freundlich plaudernd mit jedem. Sympathische Haltung, sehr bodenständig, offen, nahbar. Ein bemerkenswerter Kontrast zu ihrer Musik, die einem regelrecht die Sinne angreift: tief gestimmte Gitarren, eine majestätische, zugleich bedrohliche Rhythmussektion, scharfe, durchdringende Solos und bellend vorgetragene, von Wut und Raserei durchzogene tief grollende Vocals.

Suffocation 02Der Saal ist inzwischen fast voll, und die Interaktion mit der Musik wird spürbar intensiver; der Moshpit formiert sich sichtbar – was bei SUFFOCATION ohnehin dazugehört. Eine so kraftvolle Musik, so präzise und akkurat auf die Bühne gebracht. Und mit Songs wie „Pierced from Within“ oder „Effigy of the Forgotten“ steigt die Energie weiter.

Vom aktuellen Album spielen sie lediglich zwei Stücke, „Seraphim Enslavement“ und „Perpetual Deception“. Der Rest der Setlist basiert auf den frühen Alben – jenen Werken, die als Klassiker gelten und zugleich den Grundstein für Brutal Death Metal als Genre gelegt haben.

Suffocation 03SUFFOCATION gehören zu den Giganten des Genres, und jede ihrer Shows besitzt eine eigene, besondere Intensität. Sie sind professionelle Musiker mit enormer Erfahrung, und das zeigt sich in jeder Sekunde ihres Auftritts. Terrance Hobbs, einzig verbliebenes Gründungsmitglied, glänzt mit seinen Soli, seinem konzentrierten, präzisen Spiel; Derek Boyer beeindruckt mit seiner markanten Bühnenpräsenz, schwenkt seinen Bass in alle erdenklichen Positionen, ohne dass der Druck aus dem Fundament jemals nachlässt. Das neueste Bandmitglied, Sänger Ricky Myers, liefert äußerst präzise ab, seine Growls fügen sich perfekt in den Gesamtsound ein. Gleichzeitig ist er ein guter Entertainer, sucht den Kontakt zum Publikum und versteht es, die Menge in Bewegung zu bringen.

Die letzten Songs – „Liege of Inveracity“ mit seinem perfekt synchronisierten Rhythmus oder „Infecting the Crypts“ mit den einprägsamen Soli – dürfen in keinem SUFFOCATION-Set fehlen. Zu wichtig, zu sehr geliebt, zu definierend für ihren Sound. Gewaltige Musik, eine enorm dichte Klangwand und eine hoch technische Darbietung. Eindrucksvoll.

Zwar ist dies bereits ihr drittes Konzert in Wien seit Veröffentlichung von „Hymns from the Apocrypha“, doch jede Show besitzt ihren eigenen Charakter – und die Energie, die sie durch ihre Musik freisetzen, bleibt beeindruckend.

Suffocation 04

CRADLE OF FILTH

Die Detailverliebtheit bei der Bühnengestaltung war beachtlich. Eine Mitarbeiterin richtete zwanzig Minuten lang millimetergenau die Hintergrundbeleuchtung aus – unzufrieden, korrigierend, zurückkehrend, erneut justierend. Perfektionismus in Reinform.

CRADLE OF FILTH 02

Dann war es so weit: Dani Filth und seine Musiker betraten die Bühne. Nach einer kurzen, choreografierten Einführung begann der Abend mit „To Live Deliciously“, dessen dramatische Vocals und melodische Akkorde live deutlich schwerer und dichter wirkten als auf dem Album. Der Sound wirkte massiver, härter – gleichzeitig gingen manche der vielschichtigen Ebenen verloren. Live bot die Band eine direktere, aggressivere Version ihrer Songs. Auch Dani klang anders: seine markanten Höhen fehlten zunächst fast völlig.

CRADLE OF FILTH 03Die Reaktion des Publikums war begeistert. Mit permanent wehenden Haaren fand Dani langsam in seine Form. Der erste Gesamteindruck war klar: Die Songs klangen live wie eine schwerere, verdichtete Version, weniger filigran, weniger ornamental, dafür roh und eindringlich.

Trotz der lang diskutierten bandinternen Konflikte war musikalisch nichts davon spürbar. Letztlich ist Dani der einzige wirklich unersetzliche Fixpunkt.

How Many Tears to Nurture a Rose?“ kam so viel härter als auf dem Album, dass man das Stück kaum wiedererkannte – ein Eindruck, der für fast alle neueren Songs galt. Die ältere Ära funktionierte live deutlich besser. Danis Dualität aus tiefen Screams und hohen Schreien prägte den Gesamtsound, ergänzt durch geflüsterte Passagen für zusätzliche Dramatik.

CRADLE OF FILTH 04Nymphetamine (Fix)“, einer ihrer größten Klassiker, wurde entsprechend gefeiert. Der Song ist live immer ein Höhepunkt und wirkte nun noch emotionaler. „White Hellebore“ dagegen fiel live eher ab, der Refrain wirkte repetitiv und im Set etwas verloren.

Die neuen Clean-Vocals von Kelsey Peters, live dabei, funktionierten besser als ihre Vorgängerinnen – weniger vampirisch, emotionaler und stimmiger für die aktuelle Ausrichtung. Der Schwerpunkt der Setlist lag klar auf älteren Songs – sehr zur Freude jener, die die moderne Phase weniger mögen. Dani kommentierte das mit trockenem Humor: Man spiele heute vom besten Album überhaupt – vom „Best of“. Ein Scherz, aber passend vorgetragen.

Der Abschluss gehörte den frühen Werken: „Funeral in Carpathia“, der klar schwarzmetallischste Moment des Abends, sowie „Death Magick for Adepts“ und „Her Ghost in the Fog“ rundeten das Konzert ab. Hits, Klassiker, entscheidende Songs der Bandgeschichte. Und Dani stimmlich auf den alten Stücken auch stärker und sicherer.

Ein gutes, ausgewogenes Konzert, das die verschiedenen Epochen von CRADLE OF FILTH vereinte: melodisch und brachial zugleich.

CRADLE OF FILTH 05

Setlist

01. To Live Deliciously
02. Demagoguery
03. Nocturnal Supremacy 
04. Malignant Perfection
05. The Principle of Evil Made Flesh
06. How Many Tears to Nurture a Rose?
07. Nymphetamine (Fix)
08. White Hellebore
09. Bathory Aria 
10. Funeral in Carpathia
11. Death Magick for Adepts
12. Her Ghost in the Fog

HAVAMAL – Age Of The Gods

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Havamal - Age Of The Gods - album cover
Havamal - Age Of The Gods - album cover

Band: HAVAMAL 🇸🇪
Titel: Age Of The Gods
Label: Art Gates Records
VÖ: 21/11/25
Genre: Melodic Death Metal

Bewertung:

4/5

Wer bei HAVAMAL sofort an nordische Mythologie denkt, liegt natürlich richtig. Die Band aus Schweden hat sich seit ihren ersten Veröffentlichungen fest im melodischen Death-Metal verankert, indessen ohne die überladenen Klischees vieler Viking-Acts zu bedienen. Auf »Age Of The Gods« zeigt das Quintett, wie man kraftvolle Riffs, klangliche Wucht und erzählerische Details sauber zusammenbringt, ohne dass etwas nach reiner Show wirkt. Die Besetzung mit Björn Larsson am Mikrofon, Tino Vesanen am Bass, Stefan Peltonen am Schlagzeug sowie dem Gitarren-Duo Lennie Spetze und Kjell Gilliusson wirkt eingespielt und zielstrebig. Man merkt vom ersten Ton an, dass jeder weiß, wann er Raum nehmen und wann er Platz lassen muss.

Breiter Gitarrensound, galoppierendes Schlagzeug

Der Einstieg »The Pagan Path« führt ohne Umschweife hinein ins Album. Ein breiter Gitarrensound, galoppierendes Schlagzeug und Growls, die weder brüllen noch flüstern, sondern klar artikuliert nach vorn gehen. HAVAMAL setzen hier schon ihr Markenzeichen: melodische Linien, die sich aus dem Riffing heraus entwickeln, statt separat darübergelegt zu wirken. Spetze arbeitet mit Keyboard-Akzenten, die eher Atmosphäre schaffen als sich in den Vordergrund drängen. Das verleiht dem Song einen offenen, beinahe erzählerischen Charakter.

»Wolfraiders« zieht das Tempo an. Peltonen hält den Song mit präzisen Kicks zusammen, während Vesanens Bass abermals kleine rhythmische Haken schlägt. Die Gitarren arbeiten hier deutlich schärfer, approximativ thrashig, behalten im Gegensatz hierzu die melodische Ader bei. Der Refrain trägt ordentlich und zeigt Larssons Gespür für Dynamik. Gerade weil seine Growls nicht auf reine Härte setzen, sondern in verschiedenen Nuancen schimmern, bekommt der Song einen festen Kern, der hängen bleibt.

Mit »The Day Of Reckoning« wird es räumlicher. Das Stück baut auf einem schweren Riff auf, das immer wieder von helleren Gitarrenlinien durchbrochen wird. Die Drums wirken hier weniger hastig und eher wie ein Puls, der sich durch den Song zieht. Die Band spielt in diesem Track stark mit Spannung und Entladung. Wenn der Song sich im Mittelteil öffnet und die Melodie nach vorne tritt, entfaltet sich ein angenehmer Sog.

Rhythmische Akzente und melodische Wendungen

»Sigmund Fafnirsbane« gehört klar zu den erzählerischsten Momenten des Albums. Die Band schafft es, mythologische Themen nicht wie reinen Fantasy-Kitsch wirken zu lassen. Stattdessen wird die Geschichte über rhythmische Akzente und melodische Wendungen getragen. Vor allem Gilliussons Lead-Arbeit hebt sich hervor. Die Gitarren klingen hier fast hymnisch, ohne ins Pathos abzurutschen. Larsson phrasiert die Vocals so, dass man die Handlung zwar nicht Wort für Wort verfolgen kann, im Gegensatz hierzu deutlich spürt, worum es geht.

Mit »The Shaman« zieht das Album die Stimmung einigermaßen dunkler. Keyboard-Flächen legen sich wie ein Nebel über die Gitarren, die Drums arbeiten viel mit Tom-Akzenten, und Larssons Stimme bekommt eine rauere Kante. Dieser Track lebt von einer Mischung aus Ritualhaftigkeit und treibendem Metal-Fundament. Besonders stark sind die Gitarrenharmonien im letzten Drittel, die nahezu Unruhiges, gleichwohl zugleich mitreißendes haben.

»Hymns Of The Fallen« schaltet wiederum in den Angriffsmodus. Der Song ist rhythmisch direkter als vieles zuvor und zeigt Peltonen von seiner härtesten Seite. Die Gitarren wechseln zwischen schnellen Läufen und breiten Akkorden. Der Refrain setzt auf eine klare Melodieführung, die im Kopf bleibt, ohne zu glatt zu wirken. Man spürt hier, wie gut die Band ihren Sound inzwischen im Griff hat.

Mit »Lokis Damnation« nähert man sich dem dramatischsten Moment des Albums. Der Song ist schärfer, kantiger und hat eine gewisse Wildheit, die perfekt zum Titel passt. Die Band schichtet hier mehrere Melodielinien übereinander, ohne dass der Song je ins Chaos kippt. Larssons Stimme ist hier besonders präsent und liefert die wohl beste Performance des Albums. Die Mischung aus Härte und strukturierter Melodie wirkt stimmig und druckvoll.

Den Abschluss macht »Ashwalker«. Der Song wirkt wie ein Auslaufen nach einer langen Reise, ohne in reine Balladenstimmung zu verfallen. Die Gitarren sind zurückhaltender, die Melodien wirken gesetzter, im Kontrast hierzu nicht weniger eindringlich. Der Track bringt die Themen des Albums noch einmal zusammen und schafft es, einen ruhigen, hingegen starken Ausklang zu setzen.

Dichtes, gut ausgearbeitetes Album

Insgesamt liefern HAVAMAL mit »Age Of The Gods« ein dichtes, gut ausgearbeitetes Album, das sowohl Fans des klassischen Melodic-Death als auch Hörer mit Vorliebe für mythologische Konzepte abholt. Der Sound ist klar, die Songs sind durchdacht und das Zusammenspiel der Musiker sitzt. Ein paar Passagen könnten mutiger sein, aber das mindert den Gesamteindruck kaum. Vier von fünf Punkten sind hier vollkommen verdient.

Fazit: Mit »Age Of The Gods« gelingt HAVAMAL ein beeindruckendes Werk, das sowohl musikalisch sowie thematisch tief in den Mythologien und dunklen Welten verwurzelt ist.

Tracklist

01. The Pagan Path
02. Wolfraiders
03. The Day Of Reckoning
04. Sigmund Fafnirsbane
05. The Shaman
06. Hymns Of The Fallen
07. Lokis Damnation
08. Ashwalker

 

Besetzung

Björn Larsson – Vocals
Tino Vesanen – Bass
Stefan Peltonen – Drums
Lennie Spetze – Guitars and Keyboards
Kjell Gilliusson – Guitars

 

Internet

HAVAMAL – Age Of The Gods CD Review