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Fulci – Risorsero dalla Tomba e Fu… L’Apocalisse!

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Fulci - Risorsero dalla Tomba e Fu… L’Apocalisse - cover artwork
Fulci - Risorsero dalla Tomba e Fu… L’Apocalisse - cover artwork

Band: FULCI 🇮🇹
Titel: Risorsero dalla Tomba e Fu… L’Apocalisse!
Label: 20 Buck Spin
VÖ: 20.03.2026 / Vinyl: 01.05.2026
Genre: Brutal Death Metal / Gore-Giallo Death Metal / Horror Soundtrack

Tracklist

01. Risorsero dalla Tomba e Fu… L’apocalisse!
02. Paura che Uccide
03. Apoteosi Del Mistero

Besetzung

Jason Dahlke – Gesang
Fiore Stravino – Gesang
Klem Diglio – Bass
Edo Nicoloso – Schlagzeug
Dom Diego – Lead Guitar / Synth
Ando Ferraiuolo – Acoustic and Rhythm Guitar

Nate Garrett – Gastgesang auf »Apoteosi Del Mistero«

Bewertung:

3,5 von 5

WENN DER TOD AUS DEM GRAB STEIGT

Wenn man das Cover dieses Werks schon ansieht, kommen einem 80’s Horror Movie Vibes auf, und alleine das weckt schon Neugierde. Doch wie sagte Oma schon immer so schön? Don’t Judge A Book By Its Cover, und dies bringt uns direkt zum Inhalt.

Bei FULCI ist dieser erste Eindruck aber nicht nur leere Verpackung, sondern tatsächlich Programm. Die italienische Death-Metal-Formation, benannt nach dem Godfather of Gore Lucio Fulci, hat schon immer verstanden, dass Horror nicht nur Blut, Gedärm und billiger Schockmoment bedeutet. Horror ist Atmosphäre. Horror ist dieses unangenehme Kribbeln im Nacken. Horror ist der Moment, in dem die Synthesizerfläche einsetzt und man bereits weiß, dass gleich etwas aus dem Nebel kriechen wird.

Mit »Risorsero dalla Tomba e Fu… L’Apocalisse!« liefern FULCI keinen klassischen Langspieler, sondern eine kurze, knackige und extrem filmische Maxi-Single beziehungsweise EP ab. Das Ganze dient als Soundtrack zum gleichnamigen Kurzfilm und ist inspiriert von Lucio Fulcis morbidem Kino-Kosmos, insbesondere von dieser Mischung aus paranormalem Schrecken, Spaghetti-Western-Staub und italienischem 70er- und 80er-Jahre-Gore-Horror. Genau dieser B-Horror-Movie-Charakter wird soundtechnisch perfekt eingefangen. Man riecht förmlich das alte VHS-Band, sieht die körnigen Farben, die billigen Nebelmaschinen und die Graberde unter den Fingernägeln.

(Hört hier »Risorsero dalla Tomba e Fu… L’Apocalisse!«)

EIN SOUNDTRACK AUS GRABERDE, SYNTHESIZERN UND TOD

Der Titeltrack »Risorsero dalla Tomba e Fu… L’apocalisse!« eröffnet dieses kurze Werk nicht mit der Abrissbirne, sondern mit Atmosphäre. Und genau das ist wichtig. FULCI werfen einem nicht direkt den ersten fauligen Kadaver vor die Füße, sondern lassen den Friedhof erst einmal atmen. Synthesizer, cineastische Spannung, dieses Gefühl von altem italienischem Horrorkino und eine gewisse morbide Theatralik greifen hier ineinander. Das ist keine bloße Einleitung, sondern eher ein Vorspann, bei dem die Kamera langsam über Grabsteine fährt und irgendwo im Hintergrund schon das Unheil lauert.

Gerade hier merkt man, dass FULCI ihr Konzept ernst nehmen. Diese Band nutzt Horror nicht einfach als dekoratives Splattermotiv, sondern baut Musik wie kleine Filmszenen. Man hört die Nähe zu alten Soundtracks, zu Fabio Frizzi, zu diesen unheimlichen Melodien, die nicht schön im klassischen Sinne sind, sondern sich wie kalte Finger um den Hals legen. Das Stück macht nicht viel im Sinne klassischer Songstruktur, aber es macht verdammt viel im Sinne von Stimmung. Und genau damit zieht es einen hinein.

Dann kommt »Paura che Uccide«, und hier wird aus dem schleichenden Grauen endgültig ein Angriff. Die Nummer walzt mit schwerem Riffing nach vorne, groovt im Midtempo und trägt diese typische FULCI-Wucht in sich. Es ist nicht die filigrane Death-Metal-Chirurgie, bei der jeder Takt beweisen muss, wie viele Skalen man auswendig gelernt hat. Nein, hier geht es um Druck, um modrige Gewalt, um diesen stumpf-brutalen Punch, der direkt aus der Gruft zu kommen scheint. Die Growls klingen markerschütternd, die Gitarren sägen sich durch das Material, und das Schlagzeug treibt den Song mit der Wucht einer rostigen Kettensäge voran.

PAURA CHE UCCIDE WÄLZT ALLES PLATT

»Paura che Uccide« ist der Moment, in dem dieses Werk endgültig zeigt, warum FULCI innerhalb des modernen Brutal Death Metal eine eigene Duftmarke setzen. Die Band klingt nicht steril, nicht klinisch totproduziert und auch nicht wie die tausendste Kopie aus dem Slam-Baukasten. Vielmehr verbindet sie Brutalität mit Atmosphäre. Das Ding hat Riff, Groove und Nackenbrecher-Faktor, aber eben auch diese cineastische Aura, die im Hintergrund immer mitschwingt. Man könnte fast sagen: Hier mosht der Zombie noch mit Stil.

Besonders stark ist, dass FULCI ihre Härte nicht nur über Tempo definieren. Der Song lebt von seinem Gewicht. Die Riffs fallen nicht einfach nach vorne, sie drücken sich langsam durch die Tür, während dahinter schon der nächste Untote wartet. Dazu kommen Leads, die stellenweise diese hässliche, fiebrige Schärfe mitbringen, die perfekt zum morbiden Setting passt. Das ist Death Metal, der nicht glänzen will, sondern verwesen möchte. Und genau darin liegt seine Schönheit.

Auch die Produktion spielt dem Material gut in die Karten. Der Sound ist modern genug, um ordentlich Druck zu machen, aber nicht so glatt poliert, dass die ganze Horror-Dreckigkeit verloren geht. Die Gitarren sind massiv, der Bass gibt dem Ganzen diesen fauligen Unterbau, und die Drums knallen, ohne den Soundtrack-Charakter zu erschlagen. Der 80’s B-Horror-Movie-Charakter wird also nicht nur über Artwork und Songtitel transportiert, sondern tatsächlich über das Klangbild selbst. Man bekommt hier kein nostalgisches Poster an die Wand gehängt, sondern den passenden Sound aus dem Keller darunter.

APOTEOSE DES MYSTERIUMS

Mit »Apoteosi Del Mistero« folgt dann der vielleicht spannendste Moment dieser Veröffentlichung. Der Song basiert auf einem Thema von Fabio Frizzi aus »City Of The Living Dead« und wird von FULCI in eine eigene, schwere und beinahe doomige Form gebracht. Das ist nicht einfach ein Cover, das man mal eben als Bonus auf die Platte klatscht. Es wirkt eher wie ein Ritual. Langsam, bedrohlich, schattenhaft und getragen von einer Atmosphäre, die mehr nach Katakombe als nach Proberaum klingt.

Der Gastgesang von Nate Garrett gibt dem Stück noch einmal eine andere Farbe. Seine Stimme bringt einen fast sakralen, pathetischen Einschlag hinein, der wunderbar zu dieser Mischung aus Horror-Kitsch, Doom-Schwere und Death-Metal-Dreck passt. Gerade dadurch bekommt der Song etwas Eigenes. Er bricht mit der vorherigen Brutalität, ohne das Werk zu verlassen. Vielmehr öffnet er einen anderen Raum innerhalb desselben Albtraums. Wo »Paura che Uccide« körperlich zuschlägt, zieht »Apoteosi Del Mistero« den Hörer eher langsam in die Dunkelheit.

Und genau das ist die eigentliche Stärke dieser EP. Sie ist kurz, ja. Vielleicht sogar sehr kurz. Aber sie fühlt sich nicht belanglos an. In etwas mehr als elf Minuten schaffen es FULCI, einen kleinen Horrorfilm im Kopf zu starten. Man bekommt Intro, Gewaltexplosion und finsteres Finale. Das ist dramaturgisch sauber gebaut und funktioniert gerade deshalb so gut, weil kein unnötiges Fett an den Knochen hängt. Dieses Werk ist kein Festmahl, sondern ein blutiger Happen. Aber einer, der hängen bleibt.

ZWISCHEN GORE-GIALLO, DEATH METAL UND VHS-NOSTALGIE

Interessant ist, wie souverän FULCI hier zwischen Soundtrack und Death Metal pendeln. Viele Bands würden bei einem solchen Konzept entweder zu sehr in reines Intro-Gedudel abrutschen oder den filmischen Ansatz sofort mit stumpfem Geballer erschlagen. FULCI hingegen wissen, wann Atmosphäre wichtiger ist als Geschwindigkeit und wann der Hammer fallen muss. Das macht »Risorsero dalla Tomba e Fu… L’Apocalisse!« deutlich wertvoller, als man es bei nur drei Songs zunächst erwarten würde.

Natürlich kann man kritisieren, dass dieses Werk nur ein Appetizer ist. Wer nach »Duck Face Killings« direkt ein vollwertiges neues Album erwartet hat, wird hier erst einmal etwas verdutzt auf die Laufzeit schauen. Aber das wäre auch ein bisschen unfair. Diese Veröffentlichung versteht sich nicht als großes Hauptgericht, sondern als filmischer Zwischenschritt, als morbide Brücke zwischen Vergangenheit, Gegenwart und dem nächsten vollständigen Kapitel der Band. In dieser Funktion macht sie genau das, was sie soll.

Die Nähe zu altem italienischem Horror ist dabei kein billiger Fanservice. FULCI arbeiten mit diesen Versatzstücken, weil sie zu ihrer musikalischen DNA gehören. Gore, Zombies, okkulte Stimmung, Synthesizer, Death Metal und diese gialloartige Überzeichnung sind hier keine Kostümierung, sondern Identität. Wenn andere Bands Horror bloß auf ihre Shirts drucken, graben FULCI den ganzen Friedhof aus und bauen daraus ein Studio.

FAZIT:

»Risorsero dalla Tomba e Fu… L’Apocalisse!« ist kurz, aber alles andere als belanglos. FULCI liefern hier keinen vollwertigen Langspieler, sondern einen kompakten, atmosphärischen und wuchtigen Horror-Soundtrack im Death-Metal-Gewand. Der 80’s B-Horror-Movie-Charakter wird nicht nur optisch, sondern auch soundtechnisch perfekt eingefangen. Man hört Grabnebel, alte VHS-Kälte, italienische Horrorästhetik und brutalen Death Metal in einem schmutzigen, aber stimmigen Gesamtbild.

Der Titeltrack baut die Kulisse auf, »Paura che Uccide« reißt die Tür zur Gruft ein, und »Apoteosi Del Mistero« schließt das Ganze mit doomiger, fast sakraler Schwere ab. Besonders stark ist, dass diese drei Stücke trotz kurzer Laufzeit wie ein geschlossenes kleines Werk funktionieren. Hier wird nicht einfach Material zusammengeworfen, sondern ein klarer audiovisueller Kosmos angedeutet.

Wer mit FULCI bisher nichts anfangen konnte, wird hier vermutlich nicht plötzlich zum Kultanhänger mutieren. Wer aber Death Metal mit Horrorfilm-DNA, morbider Soundtrack-Atmosphäre und ordentlich fauligem Groove liebt, bekommt hier ein kurzes, aber sehr feines Stück Nekro-Kino für die Ohren. Ein paar Minuten mehr hätten diesem Werk sicher nicht geschadet, doch was vorhanden ist, sitzt. Und zwar wie die Axt im Schädel eines schlechten B-Movie-Zombies.

Risorsero dalla Tomba e Fu… L’Apocalisse!

Internet

Fulci - Risorsero dalla Tomba e Fu… L’Apocalisse! - CD Review

Exploding Head Syndrome – Deathbeds

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Exploding Head Syndrome - Deathbeds - cover artwork
Exploding Head Syndrome - Deathbeds - cover artwork

Band: Exploding Head Syndrome 🇳🇴
Titel: Deathbeds
Label: Independent
VÖ: 08.05.2026
Genre: Punk Rock / Melodic Hardcore / Hardcore Punk

Tracklist

01. Preaching To Rats
02. Confessions
03. Age Of Deviation
04. Deathbeds
05. Sinking
06. Scrabby
07. Sins Of Fathers
08. The Lynx
09. Faultlines
10. Taste My Sauce
11. The Ballad Of Denial

Besetzung

Eirik Ekholdt – Gesang
Morten Rørvig – Gesang, Gitarre
Jonas Andreassen – Gitarre
Håvard Jacobsen – Bass, Gesang
Lars Kirkerud – Schlagzeug

Bewertung:

4,5/5

Mit ihrem neuen Album »Deathbeds« beweisen die aus Oslo stammenden Punkrocker Exploding Head Syndrome, dass melodischer Hardcore und Punk Rock auch im Jahr 2026 noch ordentlich Dampf aus dem Kessel lassen können, ohne dabei nach aufgewärmter Nostalgie zu klingen. Hier wird nicht höflich angeklopft, hier wird die Tür eingetreten, der Verstärker aufgerissen und der Raum anschließend in eine gepflegte Pogo-Zone verwandelt.

Dabei ist »Deathbeds« keines dieser Alben, das sich erst minutenlang warmspielen muss, bevor es seine Wirkung entfaltet. Die Norweger kommen direkt auf den Punkt. Kurze Zündschnur, klare Haltung, starke Refrains und ein Sound, der zwischen 90er-Punk, melodischem Hardcore und moderner Direktheit steht. Das Album ist aggressiv, eingängig, politisch bissig und an einigen Stellen sogar herrlich bekloppt. Genau diese Mischung macht den Reiz aus.

Aufgenommen wurde »Deathbeds« im Herbst 2025 in Oslo. Mit Chris Cresswell, bekannt durch The Flatliners und Hot Water Music, hatte die Band einen Produzenten an Bord, der nicht nur aus der Ferne seinen Namen auf das Projekt klebte, sondern während der Aufnahmen direkt vor Ort war. Gemischt wurde das Werk von Kjell Thomas Tøssebro Mathisen, das Mastering übernahm Espen Høydalsvik bei Oslo Fuzz. Das Ergebnis klingt druckvoll, lebendig und angenehm ungeschönt. Keine klinisch glattpolierte Punk-Plastikproduktion, sondern ein Album mit Schweiß, Kante und genug melodischer Schlagkraft, um sich sofort im Ohr festzubeißen.

PUNKROCK MIT HALTUNG, HERZ UND ZÄHNEN

Inhaltlich zeichnen Exploding Head Syndrome auf »Deathbeds« ein ziemlich düsteres Bild der Gegenwart. Es geht um Machtmissbrauch, gesellschaftliche Ermüdung, korrupte Strukturen, politische Verblendung, Schuldverschiebung, Selbstbetrug und die Frage, wie lange ein System eigentlich noch brennen kann, bevor alle so tun, als wäre der Rauch nur Nebelmaschine.

Das klingt schwer, und ja, thematisch ist dieses Album auch schwer. Trotzdem wirkt »Deathbeds« nie wie eine trockene Vorlesung über den Untergang der Welt. Dafür hat die Band zu viel Gespür für Tempo, Melodie und diesen ganz bestimmten Hardcore-Punk-Reflex, der einen nicht in den Sessel drückt, sondern aus ihm herausschleudert. Exploding Head Syndrome verpacken ihre bitteren Beobachtungen in Songs, die live vermutlich nicht diskutiert, sondern verschwitzt werden.

Besonders stark ist, dass die Band nicht nur wütend klingt, sondern fokussiert. Hier wird nicht ziellos gegen alles gebellt, was sich bewegt. Die Wut hat Richtung. Die Songs treffen, weil sie nicht nur laut sind, sondern auch präzise formuliert wirken. Und wenn dann noch diese Refrains einsetzen, die zwischen Melodic Hardcore, Punk Rock und fast schon hymnischem Mitgrölfaktor pendeln, dann ist schnell klar: »Deathbeds« ist kein bloßer Krawall, sondern ein verdammt gut geschriebenes Punkalbum.

PREACHING TO RATS: DER STARTSCHUSS IN DEN POGORAUSCH

Mit »Preaching To Rats« eröffnen Exploding Head Syndrome ihr neues Langspielwerk und zeigen direkt, wie absolut geiler Punkrock beziehungsweise Hardcore-Punk funktionieren kann. Der Song fackelt nicht lange und versetzt seine Zuhörer in einen Pogorausch, der es in sich hat. Zunächst kommt die Nummer mit einem simplen Gitarrenriff daher, das fast ein wenig nach Indie Rock schielt, bevor mit einem Attackeeffekt der mächtige Sound einsetzt. Nach einigen Drumbreaks und Fills legt die Band dann kompromisslos los.

Instrumental ist das geradlinig, aber keineswegs langweilig. Das Schlagzeug von Lars Kirkerud treibt die Nummer mit ordentlich Schweißarbeit nach vorne, während Bass und Gitarren das Fundament in dieser kompromisslosen Drei-Akkord-Manier zementieren, die modernen Punk und Hardcore verkörpert, ohne die Traditionen des Genres mit Füßen zu treten. Kurze Leads und präzise Breaks halten das Arrangement zusammen und sorgen dafür, dass aus Geschwindigkeit nicht bloß Durchmarsch wird.

Inhaltlich dreht sich der Opener um Verführung, Verantwortungslosigkeit und den Zusammenbruch alter Gewissheiten. Der Song beschreibt eine Welt, in der falsche Versprechen, Angst und Machtinstinkte stärker werden als Vernunft und Würde. Es geht um Menschen, die andere manipulieren, sich aber aus jeder Verantwortung stehlen. Der Titel trifft dabei sehr gut: Hier wird nicht zu einem aufgeklärten Publikum gesprochen, sondern in ein System hinein, das längst von Misstrauen, Gier und Verrohung angefressen ist.

CONFESSIONS: EIN REFRAIN, DER BLEIBT, UND EINE ANKLAGE, DIE SITZT

Ja, der geneigte Rezensent muss es gestehen: Das hier ist verdammt guter, melodischer und kompromissloser Punk beziehungsweise Hardcore. Mit »Confessions« liefern Exploding Head Syndrome einen Song ab, der in zügiger Geschwindigkeit nach vorne geht, aber gleichzeitig einen Refrain besitzt, der sich sofort im Kopf festsetzt. Man könnte an manchen melodischen Stellen kurz an die eingängigeren Momente einer Band wie Blink-182 denken, doch der Unterbau ist deutlich härter, zorniger und weniger sonnig.

Textlich ist »Confessions« eine direkte Abrechnung mit einem System, in dem Konsequenzen nicht für alle gleich gelten. Der Song richtet sich gegen jene, die sich durch Geld, Einfluss und Macht aus jeder selbst gegrabenen Grube freikaufen können. Es geht um Verantwortungsflucht, moralischen Bankrott und eine Gesellschaft, die oft lieber schnelle Lösungen glaubt, als die Mechanismen dahinter zu hinterfragen. Exploding Head Syndrome treffen hier einen Nerv, weil sie nicht abstrakt über Ungerechtigkeit singen, sondern über ein konkretes Gefühl: Manche dürfen alles, andere bezahlen die Rechnung.

Musikalisch ist das eine der stärksten Nummern des Albums. Die Mischung aus Druck, Eingängigkeit und bissiger Klarheit funktioniert hervorragend. Der Song hat Hitpotenzial, ohne sich anzubiedern. Genau so muss moderner Punk klingen, wenn er nicht nur nostalgisch auf alte Zeiten schielen, sondern selbst Relevanz besitzen will.

AGE OF DEVIATION: MELODIE, CHAOS UND GESELLSCHAFTLICHE SCHIEFLAGE

Mit einem punkrockartig angehauchten Indie-Intro leitet »Age Of Deviation« etwas gemäßigter ein und zeigt, dass Exploding Head Syndrome auch dann funktionieren, wenn sie nicht sofort Vollgas fahren. Der Song besitzt eine starke melodische Linie und einen Refrain mit absoluter Ohrwurmgarantie. Trotzdem ist diese Nummer nicht weniger Punk als der Rest der Scheibe. Eher zeigt sie, wie vielseitig diese Band innerhalb ihres Rahmens agieren kann.

Inhaltlich beschäftigt sich der Song mit einer Gesellschaft, in der Wahrheiten zerfallen und Missverständnisse fast schon als Treibstoff dienen. Fakten sind nicht mehr einfach Fakten, Lügen nicht mehr einfach Lügen. Entscheidend ist immer öfter, wer spricht, welche Gruppe zuhört und welche Version der Wirklichkeit gerade am bequemsten erscheint. Der Song wirkt damit wie ein Kommentar auf eine Zeit, in der Abweichung, Provokation und gezielte Zerstörung von Gewissheiten nicht nur Nebenerscheinungen, sondern fast schon Geschäftsmodell geworden sind.

Besonders stark ist hier das Songwriting. Exploding Head Syndrome schaffen es, einen melodisch fast schon schönen Song zu schreiben, der inhaltlich alles andere als bequem ist. Diese Spannung macht »Age Of Deviation« zu einem frühen Höhepunkt des Albums.

DEATHBEDS: SCHWERE, HÄRTE UND EIN TITELTRACK MIT NACHDRUCK

Der nach dem Album benannte Song »Deathbeds« besticht anschließend durch Schwermut und Heaviness. Die Band liefert hier ein starkes Brett zwischen traditionellem Punkrock und Hardcore ab und bleibt ihrem Genre absolut gerecht, ohne dabei auf Autopilot zu schalten. Die Rhythmusinstrumentalisierung ist gottverdammt Punk, doch immer wieder hauen Exploding Head Syndrome kleine Gitarrenleads, Breaks und melodische Gesangspassagen heraus, die zeigen, dass hier weit mehr passiert als bloß Schrammelpunk mit angezogener Handbremse.

Textlich ist »Deathbeds« einer der politisch deutlichsten Songs des Albums. Es geht um nationale Mythen, Machtfantasien, historische Schuld, Gewalt und die gefährliche Bereitschaft, sich von einem selbstherrlichen Anführer in den Abgrund ziehen zu lassen. Gleichzeitig steckt im Song noch ein Rest Hoffnung: Der falsche Weg ist nicht unausweichlich, Umkehr bleibt möglich. Genau dieses Spannungsfeld zwischen Warnung und letzter Chance verleiht der Nummer Gewicht.

Der Shoutgesang sitzt perfekt im Soundbild, während die melodischen Chöre dem Ganzen die Krone aufsetzen. Hier zeigen Exploding Head Syndrome, dass politische Direktheit und musikalische Eingängigkeit keine Gegensätze sein müssen.

SINKING: MELODIC HARDCORE IM TIEF GESTIMMTEN PUNKZIRKUS

Ohrwurmfaktor-Refrains zu schreiben, haben Exploding Head Syndrome drauf. Das beweisen sie auch mit »Sinking«, einer Nummer, die melodische Hardcore-Einflüsse in den ohnehin tief gestimmten Punkzirkus einfließen lässt. Der Song bleibt direkt hängen, ohne dadurch harmlos zu wirken. Im Gegenteil: Unter der melodischen Oberfläche brodelt es gewaltig.

Inhaltlich geht es um zerstörte Beziehungen, moralische Erschöpfung und den Moment, in dem niemand mehr so genau weiß, ob man zu viel oder noch immer nicht genug versucht hat. Der Song beschreibt ein gegenseitiges Untergehen, ein Wechselspiel aus Abhängigkeit, Schuld, Wut und dem Wunsch, endlich loszulassen. Dabei bleibt offen, wer eigentlich wen mit nach unten zieht. Genau darin liegt die Stärke der Nummer: »Sinking« funktioniert sowohl als persönliche Beziehungskrise als auch als größeres Bild für gesellschaftliche Systeme, in denen alle wissen, dass sie untergehen, aber keiner rechtzeitig aussteigt.

Musikalisch liefert die Band hier eine der emotional eingängigsten Nummern des Albums. Der Refrain greift sofort, die Gitarren treiben sauber nach vorne, und die Mischung aus Melodie und Frust sitzt punktgenau.

SCRABBY: KURZ, BRUTAL UND HERRLICH DURCHGEKNALLT

Das unglaublich ultrabrutal mit Vollgas abgehende, aber nicht weniger melodische »Scrabby« bringt eine andere Farbe ins Album. Hier wird es kürzer, dreckiger und mit einem Augenzwinkern gefährlich. Die Nummer setzt sich mit einer Figur namens Scrabby auseinander, die irgendwo zwischen Bandmaskottchen, Katastrophenfreund, Psychopath und betrunkener Abrissbirne herumstolpert.

Textlich wirkt der Song wie eine humorvolle Horrorgeschichte aus dem Proberaum oder Tourbus. Scrabby ist jemand, der Chaos anzieht, Grenzen überschreitet, Hilfe einfordert und im nächsten Moment wieder zubeißt. Das Ganze ist bewusst überzeichnet und lockert die schwere Grundstimmung des Albums auf, ohne wie ein Fremdkörper zu wirken. Gerade weil »Deathbeds« thematisch oft finster ist, tut so ein kurzer Irrsinnsausbruch gut.

Musikalisch ist »Scrabby« ein schneller Schlag in die Rippen. Kein langes Nachdenken, keine tiefenpsychologische Analyse nötig. Der Song kommt, grinst schief, verwüstet kurz die Wohnung und ist wieder weg.

SINS OF FATHERS: POGOGARANTIE MIT APOKALYPTISCHEM UNTERBAU

Mit Trommelwirbeln, gewohnt zügigen Gitarren und präzise eingespielten Riffs geht es bei »Sins Of Fathers« wieder mächtig zur Sache. Die Nummer besitzt diese pure Aggression und Pogogarantie, bei der man am liebsten den Raum durch eine gepflegte Pogoorgie in Schutt und Asche legen möchte. Gleichzeitig ist der Song mehr als nur ein körperlicher Ausbruch.

Inhaltlich befasst sich »Sins Of Fathers« mit vererbter Schuld, falschen Entscheidungen und dem Gefühl, in einer Gegenwart zu leben, die durch die Fehler vorheriger Generationen bereits beschädigt wurde. Der Song beschreibt eine Welt, in der Menschen nach Abkürzungen suchen, den falschen Figuren vertrauen und am Ende genau jene Dinge ersticken, die Leben ermöglichen könnten. Es geht um gesellschaftliche Selbsttäuschung und um die bitteren Folgen von Wertsystemen, die Besitz, Status und Macht über alles stellen.

Der Refrain bringt diese Endzeitstimmung stark auf den Punkt, ohne plump zu werden. Exploding Head Syndrome verbinden hier Energie mit Aussage. Das Ergebnis ist eine Nummer, die live wahrscheinlich ein absolutes Brett sein dürfte.

THE LYNX: UNTER ZWEI MINUTEN KONTROLLVERLUST

Direkt ohne höflich anzuklopfen tritt »The Lynx« die nächste Tür ein. In unter zwei Minuten spielt die Band eine Nummer herunter, die kompromisslos, hektisch und angenehm neben der Spur wirkt. Der Song ist kurz, aber nicht klein. Hier steckt viel Unruhe drin, viel Selbstironie, viel Absturz und ein bisschen dieser Wahnsinn, der im Punk schon immer besser funktioniert hat als glattgebügelte Ernsthaftigkeit.

Textlich wirkt »The Lynx« wie ein Bericht aus einem Kopf, in dem gerade alles gleichzeitig brennt. Es geht um Selbstzerstörung, körperliche Erschöpfung, Chaos im Freundeskreis, Fluchtfantasien, Delirium und den absurden Wunsch, einfach irgendwie durch das Leben zu fliegen, bis es vorbei ist. Die Figur im Song ist halb Mensch, halb Luchs, halb Katastrophe. Mathematisch ergibt das keinen Sinn, punkrocktechnisch aber absolut.

Die Nummer lockert das Album erneut auf, ohne harmlos zu sein. »The Lynx« ist witzig, aber nicht dumm. Unter dem Irrsinn liegt eine echte Nervosität. Genau dadurch funktioniert der Song so gut.

FAULTLINES: MONSTRÖSER PUNKROCK MIT OHRWURMREFRAIN

Monströs geht es dann mit »Faultlines« weiter. Hier bringen Doublebass-Drums im Vers zusätzlichen Druck ins Spiel, während einfache, eingängige Bass- und Gitarrenarbeit die Grundlage legt. Die Instrumente stützen sich gegenseitig, schieben gemeinsam nach vorne und machen Platz für einen Refrain, der wieder mächtig glänzt. Dass Exploding Head Syndrome spätestens jetzt zu den Bands gehören, die Refrains nicht nur schreiben, sondern in den Gehörgang schrauben können, ist keine Überraschung mehr.

Inhaltlich handelt »Faultlines« von Rissen in Beziehungen, Wahrnehmung, Schuld und gegenseitiger Abhängigkeit. Es geht um Menschen, die sich gegenseitig verletzen, einander aber trotzdem nicht loslassen können. Gleichzeitig wird der Blick größer: Die persönlichen Bruchlinien stehen auch für gesellschaftliche Spaltungen, für Manipulation, Egoismus und das Bedürfnis, sich endlich von bestimmten toxischen Kräften zu befreien.

Der Song ist stark, weil er dieses Gefühl von gemeinsamer Krankheit und gemeinsamer Gegenwehr musikalisch gut umsetzt. Der Druck stimmt, die Melodie sitzt, und der Refrain hebt die Nummer noch einmal deutlich an.

TASTE MY SAUCE: HOT SAUCE, HÖLLENFEUER UND HARDCORE PUNK AS FUCK

Mit »Taste My Sauce« servieren uns Exploding Head Syndrome einen weiteren Ohrenschmaus, der es in sich hat. Ordentlich Hardcore Punk as fuck, ein brachialer Tritt in die Hoden, aber eben mit einem Grinsen im Gesicht. Nach all den düsteren politischen und gesellschaftlichen Themen wirkt diese Nummer wie die scharfe Soße auf dem ohnehin schon brennenden Teller.

Textlich ist »Taste My Sauce« eine überdrehte Hymne auf Hitze, Schmerz, Reinigung und kulinarische Demütigung. Was zunächst wie ein Spaßsong über scharfe Soße wirkt, bekommt durch die aggressive Inszenierung fast rituelle Züge. Die Soße wird zur Prüfung, zur Strafe, zur Lektion in Demut. Natürlich ist das nicht bierernst gemeint, aber genau deshalb funktioniert es. Der Song bringt Humor ins Album, ohne die Energie zu senken.

Musikalisch geht das Ding nach vorne wie ein kurzer Abrissbagger. Keine große Verschnaufpause, kein unnötiger Zierrat. »Taste My Sauce« macht genau das, was der Titel verspricht: Es brennt.

THE BALLAD OF DENIAL: DAS GROSSE FINALE

Zum krönenden Abschluss geben Exploding Head Syndrome mit »The Ballad Of Denial« ihren längsten und progressivsten Song zum Besten. Hier liefert die Band kompositorische Pionierarbeit im Punk- und Hardcorebereich ab, zumindest gemessen an dem, was man auf diesem Album bis dahin gehört hat. Die Nummer nimmt sich mehr Zeit, baut größer auf und führt viele Stärken der Platte zusammen: Aggression, Melodie, gesellschaftliche Anklage, Endzeitstimmung und eine spürbare Dramatik.

Inhaltlich ist »The Ballad Of Denial« das Zentrum des Albums. Der Song beschreibt eine Welt im Zustand der Verdrängung. Moral verrottet, Ressourcen schwinden, Gier regiert, und während die Lage immer bedrohlicher wird, flüchten sich Menschen in Besitz, Bequemlichkeit, Ausreden und Selbstbetrug. Besonders stark ist, wie der Song die klassischen Phasen des inneren Widerstands gegen die Wahrheit aufgreift: Leugnung, Wut, Verhandlung, Niedergeschlagenheit. Doch am Ende steht keine einfache Erlösung, sondern eine bittere Erkenntnis: Vielleicht ist der Mensch selbst das Problem, das verschwinden muss, damit etwas anderes überleben kann.

Musikalisch durchläuft die Nummer fast das gesamte Spektrum der Band. Von aggressiven Passagen über melodische Momente bis hin zu schwereren, fast apokalyptischen Abschnitten wirkt »The Ballad Of Denial« wie der große Schlussmonolog dieses Albums. Das ist ambitioniert, aber nicht aufgeblasen. Gerade als Finale funktioniert der Song hervorragend, weil er »Deathbeds« nicht einfach beendet, sondern noch einmal zusammenfasst und zuspitzt.

SOUND UND PRODUKTION: DRUCKVOLL, DIREKT UND NICHT TOTPOLIERT

Die Produktion von Chris Cresswell steht diesem Album ausgesprochen gut. »Deathbeds« klingt modern genug, um druckvoll aus den Boxen zu kommen, aber nicht so sauber, dass die Punk-Energie dabei sterilisiert wird. Die Gitarren haben Biss, der Bass drückt, das Schlagzeug knallt, und die Vocals sitzen genau dort, wo sie hingehören: vorne, wütend und greifbar.

Besonders angenehm ist, dass die melodischen Refrains nicht weichgespült werden. Sie bekommen Raum, aber sie werden nicht in Pop-Punk-Zucker getaucht. Exploding Head Syndrome bleiben rau genug, um glaubwürdig zu sein, und eingängig genug, um hängen zu bleiben. Diese Balance ist nicht selbstverständlich. Viele Bands kippen entweder in zu viel Glätte oder in zu viel Krach. Deathbeds findet hier einen sehr starken Mittelweg.

Auch die kurzen humorvollen Ausbrüche wie »Scrabby« und »Taste My Sauce« sind gut platziert. Sie nehmen dem Album nicht die Schwere, sondern sorgen dafür, dass die düstere Grundhaltung nicht in Monotonie versinkt. Zwischen Weltuntergang, Machtkritik und scharfer Soße entsteht dadurch ein Album, das mehr Facetten besitzt, als man beim ersten Durchlauf vielleicht erwartet.

FAZIT:

»Deathbeds« ist ein verdammt starkes Punkrock- und Melodic-Hardcore-Album, das seine Wut nicht nur herausschreit, sondern sauber in Songs gießt. Exploding Head Syndrome klingen hier präzise, bissig und erstaunlich komplett. Die Band verbindet harte Verse, hymnische Refrains und gesellschaftliche Anklage zu einem Album, das gleichermaßen in die Beine, in den Kopf und gelegentlich direkt in die Magengrube geht.

Besonders stark sind Songs wie »Confessions«, »Age Of Deviation«, »Deathbeds«, »Faultlines« und das große Finale »The Ballad Of Denial«. Gleichzeitig sorgen Nummern wie »Scrabby« und »Taste My Sauce« dafür, dass das Album bei aller Härte nicht in bierernster Weltuntergangsstarre versinkt. Diese Platte hat Haltung, Humor, Geschwindigkeit und verdammt gute Refrains.

Ein Album, das überzeugt und das man sich zu fast jeder Gelegenheit reinziehen kann. Nur auf einer Ü40-Party sollte man mit »Deathbeds« vorsichtig sein. Am Ende bleiben dort vermutlich nur zwei Gäste übrig, aber die zerlegen euch dann mit einer derart gepflegten Pogo-Ekstase die Bude, dass selbst der DJ freiwillig den Sicherungskasten sucht. Genau so muss Punkrock wirken: unbequem, direkt, melodisch, laut und mit genug Energie, um den Alltag für knapp eine Albumlänge in Schutt und Asche zu legen.

Exploding Head Syndrome - Deathbeds - CD Review

ARROGANZ – Death Doom Punks

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cover artwork ARROGANZ Death Doom Punks
cover artwork ARROGANZ Death Doom Punks

Band: ARROGANZ 🇩🇪
Titel: Death Doom Punks
Label: Testimony Records
VÖ: 15/05/26
Genre: Black/Death Metal

Tracklist

01. Die For Nothing
02. Under Scarred Skin
03. Pain Forged Armor
04. Death Doom Punks
05. Anti-Ideology
06. Arsenic Breath
07. Incubus‘ Veins
08. Earths Final Dose
09. Spirit Arsonist

Besetzung

-K- : Vocals, Bass
-T- : Drums
-B- : Guitars

Bewertung:

3,5/5

Das deutsche Trio ARROGANZ ist mit ihrem siebten Full-Length zurückgekehrt, betitelt „Death Doom Punks„. Nicht nur vom Titel, sondern wie die Band erklärte, soll es transparenter die musikalischen Wurzeln und Inspirationen der Band darstellen. Keine große Abweichung vom etablierten Band-Klang, bringt dennoch frischen Atem in ihren typischen Sound.

Distanzierte Vocals, technisches Fundament

Finsteres Flüstern eröffnet den ersten Song des Albums, „Die For Nothing„, setzt fort mit simplen und direkten Akkorden, mild aggressiv, eine technische Instrumentierung, die mehr an andere Genres erinnert als an eine Mischung aus Death und Black Metal. Die Vocals sind sehr distanziert, kaum hörbar, geflüstert und tief geknurrt, wiederholen dieselben Worte ohne viel Fantasie. Wenn der Klang in fast jazzige Dimensionen gleitet, wird der ganze Song allerdings interessanter. Nicht sehr kreative Hauptmelodie, simpel aber effektiv.

Eine starke Basslinie eröffnet „Under Scarred Skin„, mehr eine Fortsetzung des vorherigen Songs, dasselbe Tempo und sehr ähnliche melodische Linie. Mit Ausbrüchen von Aggressivität behält der Song eine ungewöhnliche Struktur, und die professionelle Basslinie sowie einige komplexe Riffs erinnern wieder stilistisch an Technical Death Metal.

ARROGANZ kommen aus Torgau, Berlin und Nürnberg, zeigen, wie sehr die Band ein eng verbundenes Team ist. Eine sehr ungewöhnliche Weise, sich als Band zu verorten an jedem Ort, wo die Musiker leben. Jedenfalls hat die Band seit dem letzten Release ein neues Mitglied, neben Gründungsmitglied -K- an Vocals und Bass und lang dienendem Schlagzeuger -T- ist ein neuer Gitarrist in die Reihen eingetreten, -B-, getauft als Bandmitglied mit nur einem Buchstaben, in traditioneller Band-Weise.

Leider bringt der nächste Song nicht viel Unterschied im Klang, auch nicht in der Komposition. „Pain Forged Armor“ versucht, mehr Akzent auf die Vocals zu setzen, diese bleiben distanziert und wiederholen immer noch dieselben paar Worte immer und immer wieder. Dann bringt der Titelsong „Death Doom Punks“ endlich einen Wechsel, ein Uptempo alterniert mit langsamem in kurzen Reprisen, und dieser Ansatz gibt ein bisschen Dynamik. Als Komposition fühlt sich der Song allerdings erzwungener an, die natürliche Weise, wie sich die vorherigen Songs entfalteten, ist hier nicht zu finden. Noch mehr kann ein falscher dramatischer Ansatz in den Vocals gespürt werden. Und noch mehr hat ein brutaler Ansatz vom Schlagzeug mit konstanter und fantasieloser Serie harten Hämmerns den gesamten Song fast entgleisen lassen. Nicht der beste Moment der Band.

Gemischte Produktion, Bass und Gitarren als Stärken

Die Produktion ist sehr gemischt, von sehr ausbalancierten Momenten zum genauen Gegenteil. Insgesamt sind die Vocals sehr im Hintergrund, das ist nicht notwendigerweise eine schlechte Sache, besonders in Anbetracht der übermäßig wiederholten gleichen Texte. Nicht schlecht als Vocal-Timbre, diese Wiederholungen werden langsam allerdings nervtötend. Auch die Instrumente sind inkonstant gemixt, die Drums kommen entweder zu sehr im Hintergrund oder als dominierender Klang. Gitarren und Bass kommen tatsächlich besser im Mix und halten die Musik am Laufen, die echten starken Punkte der Band.

Einige Punk-Einflüsse können in „Anti-Ideology“ gehört werden, auch mit viel besseren Vocals, die hier variierten Ansatz und viele verschiedene Techniken zeigen. Füge konstantes Uptempo und einige originale Riffs und insgesamt sehr versierte Instrumentierung hinzu, und wir haben einen der interessantesten Songs des Albums. „Arsenic Breath“ kommt mit kurzen melodischen Einfügungen in einen sehr dissonanten Gesamtklang, interessante Rhythmussektion, eine weitere geschickte Demonstration. Auch eine bizarre instrumentale Passage im zweiten Teil, die angeblich ihre Verbindung zu Black Metal repräsentiert, eine, die nicht wirklich funktioniert.

Eine weitere Serie solider Riffs macht „Incubus‘ Veins“ zu einem der dynamischen Songs auf dem LP, endet wieder in immer und immer wiederholten Texten. Das mag das Band-Markenzeichen sein, es ist wirklich seltsam. Dieser Ansatz setzt sich sehr ähnlich fort in „Earths Final Dose“ und auch im finalen Song „Spirit Arsonist“ mit größerer Dosis Chaos und ein weiterer Song, der durch technische Ausführung beeindruckt, aber nicht durch kompositorische Fähigkeiten.

Unerwartete Evolution hinterlässt bleibenden Eindruck

Weniger Black Metal, als man erwartet, und wenn man näher auf den Album-Titel „Death Doom Punks“ schaut, kann man leicht bemerken, dass „Black“ nicht zum Titel gehört, und das ist auch, was die Musik reflektiert. Meist eine Kombination aus Technical Death Metal und Hardcore oder Punk, mit komplexer Instrumentierung und besonders einem Bass, der weiter durch das ganze Album beeindruckt. Drums oszillieren zwischen nur gutem Rhythmus-Halter und Momenten der Dominanz, nicht zum echten Vorteil der Musik.

Außer den ersten Songs, die mehr oder weniger derselbe Song sind, kommt das Album dann in sehr unerwarteter Evolution, interessant und variiert, oder kopiert einfach dieselben Karten durch mehrere Songs. Und ein spaltendes Album, es gibt viele nur gewöhnliche Passagen, überraschend kommt es mit der Qualität, den Hörer zu einem neuen Spin anzustiften, um die ganze Musik besser zu verstehen. Ein Album, das den Hörer zum Stoppen und Nachdenken bringt, einige Momente sind so unerwartet und ungewöhnlich, fühlen sich dennoch integriert in den Band-Klang an. Aus analytischem Standpunkt nichts Besonderes, ein Klang, der einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Und keinen negativen.

Mit all den Ähnlichkeiten zwischen Songs und so fantasielosen Texten hat die Musik auf „Death Doom Punks“ dennoch einen gewissen Grad an Interessantem, es gibt etwas, das das Album verhindert, ein wirklich uninspiriertes oder mittelmäßiges Werk zu sein. Nicht übermäßig fantasievoll oder einzigartig, mit jedem neuen Hören enthüllt das Album neue Qualitäten, und trotz der schwachen Momente eine gute und interessante Arbeit.

Fazit: ARROGANZ zeigen mit „Death Doom Punks“ Technical Death/Hardcore-Mix, repetitive Texte, dennoch interessant und mit bleibender Wirkung.

Internet

ARROGANZ - Death Doom Punks

Voidchaser – Interstellar I

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Voidchaser - Interstellar I - cover artwork
Voidchaser - Interstellar I - cover artwork

Band: Voidchaser 🇨🇦/🇸🇪
Titel: Interstellar I
Label: Independent / Chaotic Good Music
VÖ: 09.04.2026
Genre: Progressive Metal

Tracklist

01. The Grand Design
02. Welcome to Terra Corp
03. Initiation Day
04. Hyperconverter
05. Anything for Love
06. Rain / Solar Winds
07. Ivory Tower
08. Renew

Besetzung

Chad Bernatchez – Gesang, Gitarre
Jici Lord-Gauthier – Gitarre, Bass
Colin MacAndrew – Schlagzeug

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

SCI-FI-PROG MIT PHILOSOPHISCHEM KERN

Voidchaser greifen auf »Interstellar I« nach den Sternen – und haben dabei erfreulich wenig Interesse an bloßer Hochglanz-Kulisse. Das Album erzählt von Konzernmacht, technologischem Größenwahn, emotionaler Entfremdung und der Frage, was vom Menschen übrigbleibt, wenn Systeme wichtiger werden als Seelen. Terra Corp ist dabei nicht nur ein erzählerischer Gegner, sondern Sinnbild für eine Welt, in der Kontrolle als Fortschritt verkauft wird.

(Hört hier das komplette Album)

Angefangen bei dem Opener »The Grand Design« merkt der Phantasie-affine Zuhörer, dass hier filmisch gedacht wird. Die eröffnende Narration zieht stimmt den Konsumenten auf das, was ihm bevorsteht ein, bevor »Welcome to Terra Corp« mit schwerem Riffing, proggigen Verschiebungen und großem Refrain den eigentlichen Konflikt startet. Textlich wirkt der Song wie ein Werbevideo aus einem autoritären Zukunftskonzern: freundlich im Ton, bedrohlich in der Konsequenz. Genau in dieser Doppelbödigkeit liegt der Reiz des Albums.

DIE MASCHINE GROOVT

Musikalisch liefern Voidchaser ein dichtes Paket, das zwischen moderner Prog-Metal-Wucht, hymnischer Melodik und cineastischer Breite pendelt. Colin MacAndrew trommelt präzise, aber nicht steril. Seine Parts haben Druck, Dynamik und genug Variabilität, um die langen Kompositionen lebendig zu halten. Jici Lord-Gauthier verankert die Songs mit Bass und Gitarrenarbeit im unteren Frequenzbereich und sorgt gleichzeitig dafür, dass die Arrangements nicht auseinanderfallen.

Chad Bernatchez steht als Sänger und Gitarrist im Zentrum dieser Reise. Seine Stimme trägt die großen Refrains, ohne den härteren Passagen die Zähne zu ziehen. Gerade in »Initiation Day« funktioniert das stark: Der Song beschreibt den Eintritt in ein System, das Zugehörigkeit verspricht, aber Identität verschlingt. Zwischen melodischem Aufschwung und unterschwelliger Beklemmung treffen Voidchaser hier ihren stärksten dramaturgischen Nerv.

KOSMISCHE GRÖSSE, MENSCHLICHER KERN

»Hyperconverter« ist der technische Brennpunkt der Platte. Die Nummer wirkt hektischer, härter und dunkler, als würde die Maschine endgültig heißlaufen. Das Gastsolo von Charlie Griffiths fügt sich dabei organisch ein und setzt einen prägnanten Akzent, statt sich als Fremdkörper aufzudrängen. »Anything for Love« schlägt anschließend emotionalere Töne an und zeigt, dass das Konzept nicht nur aus Weltraum, Konzernlogik und Stahl besteht, sondern auch aus Verletzlichkeit.

Mit »Rain / Solar Winds« und »Ivory Tower« ziehen Voidchaser die Dramaturgie weiter auseinander. Mal dominieren breite Melodiebögen, mal kantige Riffs, mal diese typische Prog-Metal-Lust am Wechselspiel. Nicht jeder Abschnitt sitzt gleich zwingend; an einigen Stellen ist das Album so detailreich geschichtet, dass einzelne Ideen im Gesamtbild etwas an Kontur verlieren. Doch selbst dann bleibt die Ambition spürbar.

»Renew« setzt den Schlusspunkt mit deutlich erhobenerem Blick. Der Gastgesang von Michael Eriksen gibt dem Finale zusätzliche Größe und lässt die Geschichte nicht in völliger Dunkelheit enden. Nach all der Kontrolle, Kälte und Übermacht klingt hier zumindest die Möglichkeit eines Neubeginns an.

FAZIT:

»Interstellar I« ist ein ambitioniertes Progressive-Metal-Album mit starkem Konzept, überzeugender Musikalität und viel Sinn für große Szenen. Die Band denkt cineastisch, spielt technisch souverän und verliert den emotionalen Kern nur selten aus dem Blick. Kleine Abzüge gibt es für die stellenweise sehr dichte Produktion und einige Passagen, die etwas kompakter noch stärker gewirkt hätten. Trotzdem: Wer modernen Prog Metal mit Science-Fiction-Narrativ, massiven Refrains und erzählerischem Anspruch sucht, findet hier ein starkes Album mit eigener Umlaufbahn.

Welcome to Terra Corp Lyric Video:

Internet

Voidchaser - Interstellar I - CD Review

Tarask – Sitra Ahra

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Tarask - Sitra Ahra - cover artwork
Tarask - Sitra Ahra - cover artwork

Band: Tarask 🇫🇷
Titel: Sitra Ahra
Label: Antiq Records
VÖ: 07.04.2026
Genre: Black Metal

Tracklist

01. Evocation I
02. Evocation II
03. Evocation III
04. Evocation IV
05. Evocation V
06. Evocation VI

Besetzung

H.P.K. – Gesang, Gitarren, Bass
Florian – Schlagzeug

Maéna – Artwork
Borie de la Combe Noire – Logo, Layout
Florian – Drum Recording

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Black Metal Ist Krieg! Und doch ist »Sitra Ahra« von Tarask kein stumpfer Angriff, sondern ein finsteres Konzeptalbum über innere Zersetzung, gesellschaftliche Gleichschaltung und den Griff nach okkulter Selbstbefreiung. Der Titel verweist auf die „andere Seite“, auf eine Gegenwelt, in der der Mensch nicht erlöst, sondern mit seinen Dämonen konfrontiert wird. Die Konzeption zeichnet eine klare Linie: Nach dem Entkommen aus einer korrumpierenden Stadt bleibt der Protagonist allein zurück und sucht Antworten in Satanismus, Goetia und qliphothischer Symbolik.

(Hört hier das komplette Album)

»Evocation I« öffnet dieses Ritual breit und wuchtig. Die Nummer wirkt wie ein Eintritt in einen geistigen Schacht: lange Spannungsbögen, kalte Melodik, eruptive Ausbrüche. H.P.K. trägt das Album fast vollständig auf seinen Schultern. Seine Gitarrenarbeit ist nicht nur rasend, sondern auch erzählerisch. Die Riffs ziehen Kreise, brechen aus, fallen zurück und erzeugen dadurch ein Gefühl von Verlorenheit. Der Gesang wirkt wie ein permanentes Ringen mit sich selbst: mehr Beschwörung als klassische Frontmann-Leistung.

Ein amtlich ausgearbeitetes Composing trifft auf einen kompromisslosen Sound

Aufgebaut auf einem Fundament aus Schlagzeug und Bass entwickelt »Sitra Ahra« seine eigentliche Körperlichkeit. Florian spielt nicht bloß Begleitung, sondern gibt den langen Stücken Richtung. Blastbeats, Midtempo-Walzen und zurückgenommene Passagen wirken sauber dosiert. Der Bass bleibt meist im Untergrund, aber genau dort ist er wichtig: Er gibt dem Material Druck, ohne die morbide Atmosphäre zu überladen.

»Evocation II« und »Evocation III« zeigen die melodisch stärkere Seite des Albums. Hier wird die lyrische Idee des Konformitätszwangs musikalisch greifbar: Die Songs kreisen wie Gedanken, die sich nicht abschütteln lassen. Besonders »Evocation III« besitzt eine zwingende Architektur, weil Aggression und Reflexion nicht gegeneinander arbeiten, sondern sich gegenseitig verschärfen.

Abwechslungsreichtum im düsteren Kerkerstudio

Der Bruch kommt mit »Evocation IV«. Akustische Dunkelheit und geisterhafte weibliche Stimmen öffnen kurz einen fragilen Raum. Textlich lässt sich das als Moment deuten, in dem die okkulte Suche nicht Macht, sondern Verwundbarkeit offenlegt. Danach zieht »Evocation V« das Album wieder tiefer hinab: dichter, schwerer, introspektiver.

»Evocation VI« bündelt schließlich alles: spiritueller Absturz, Selbstprüfung, Erlösungssehnsucht und die bittere Erkenntnis, dass die Flucht nach innen ebenfalls ein Gefängnis sein kann. Musikalisch ist das stark, weil Tarask Atmosphäre nicht als Dekoration versteht, sondern als tragende Substanz.

FAZIT:

»Sitra Ahra« ist ein intensives, geschlossenes Black-Metal-Werk mit depressiver Schwere, okkulter Symbolik und überraschend klarer Dramaturgie. Nicht jeder lange Abschnitt sitzt gleich zwingend, doch die Leistung von H.P.K. und Florian überzeugt durch Vision, Ausdauer und emotionale Konsequenz. Ein Album für Hörer, die Black Metal nicht nur als Raserei, sondern als Abstieg begreifen.

Tarask - Sitra Ahra Full Album:

Internet

Tarask - Sitra Ahra - CD Review

The Machinist – Towers

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The Machinist - Towers - cover artwork
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Band: The Machinist 🇬🇧
Titel: Towers
Label: Independent
VÖ: 07.04.2026
Genre: Blackened Industrial Metal /Death Metal

Tracklist

01. Sagittarius In Bloom
02. Of Creation And Cancer
03. Cellular Catharsis

Besetzung

John T – Gesang, Bass, Synths, Drum Programming
Tobias Gray – Gitarre
George Kal – Gitarre

George Nerantzis – Mixing, Mastering
Duncan MacPherson – Artwork

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Aus England kommt was ganz cremiges auf die Szene zu! The Machinist liefern mit »Towers« keine beiläufige EP, sondern ein kompaktes Extrem-Metal-Monument, das Industrial-Kälte, Black-Metal-Furie und Death-Metal-Druck in drei langen Stücken bündelt. Schon »Sagittarius In Bloom« zeigt, dass hier nicht einfach losgeprügelt wird: Der Song arbeitet mit Kontrasten, synthetischer Spannung und einem massiven Aufbau, der zwischen Maschinenlogik und apokalyptischer Theatralik pendelt.

(Hört hier den Song und schaut den Clip)

Aufgebaut auf einem Fundamant aus Drums und Bass entsteht ein Sound, der permanent nach vorne drückt. John T ist dabei der zentrale Motor: Seine Vocals schneiden sich aggressiv durch das Material, während Bass, Synths und Drum-Programming den Stücken ihre mechanische Härte geben. Besonders stark ist, wie die Rhythmik nicht nur stützt, sondern den Songs eine unruhige, fast industrielle Pulsfrequenz verpasst.

Die Gitarren von Tobias Gray und George Kal liefern dazu keine bloße Wand aus Lärm, sondern gezielte Schneisen. In »Of Creation And Cancer« greifen rasende Attacken, dissonante Figuren und galloppierende Passagen sauber ineinander. Das wirkt extrem, aber nicht planlos. Die Musiker verstehen, wie man Chaos kontrolliert, ohne ihm die Gefährlichkeit zu nehmen.

Der fast elfminütige Abschluss »Cellular Catharsis« ist der stärkste Beweis für die Ambition dieser EP. Der Song wächst, kippt, bäumt sich auf und wirkt eher wie ein Endzeitritual als wie ein normaler Track. Hier erreicht »Towers« seine größte Wucht, auch wenn die Überlänge nicht jede Sekunde gleich zwingend hält.

FAZIT:

»Towers« ist fordernd, finster und beeindruckend konsequent. The Machinist verbinden technische Härte mit industrieller Kälte und schaffen eine EP, die Fans von Anaal Nathrakh, Morbid Angel und extremer Klangarchitektur definitiv antesten sollten.

Of Creation And Cancer Visualiser:

Internet

The Machinist - Towers - CD Review

Evilean – Exhumation Evilean

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Evilean - Exhumation Evilean - cover artwork
Evilean - Exhumation Evilean - cover artwork

Band: Evilean 🇦🇺
Titel: Exhumation Evilean
Label: Independent
VÖ: 03.04.2026
Genre: Death Metal / Groove Metal / Crossover

Tracklist

01. Die Blind
02. Damzel of Death
03. Lost Cause
04. Bitchcntscumfck
05. Killing Fields

Besetzung

Jojo Shaw – Gesang, Gitarre
Jim Ramses – Bass
Robin Stone – Schlagzeug

Troy McCosker – Produktion, Mixing, Mastering

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Beim Lesen des Namens dieser Combo stellt man sich die Frage, ob es sich hierbei um die Zombie-Zwillingsschwester von Eveline handeln könnte? Naja, sämtliche Spekulationen zum Trotz: Evilean kommen nicht mit Samthandschuhen, sondern mit ordentlichen Schwielen. oder vielleicht eher mit Graberde unter den Fingernägeln? Jedenfalls klingt der Titel »Exhumation Evilean« weniger nach Debüt-EP als nach einer Ausgrabung aus einem feuchten Grab, in dem alte Death-Metal-Kassetten, persönliche Dämonen und unaufgeräumte Wut übereinanderliegen. Genau dort setzt diese australische Formation um Jojo Shaw auch an: nicht glatt, nicht modern zurechtpoliert, nicht auf maximale Streaming-Verträglichkeit gebürstet, sondern roh, kantig und stellenweise bewusst unbequem.

Die EP ist kurz, aber sie macht keinen kleinen Eindruck. Fünf Songs, knapp unter zwanzig Minuten, keine überflüssigen Umwege. Evilean werfen Death Metal, Groove Metal und Crossover-Elemente in einen Raum, verriegeln die Tür und lassen die Stücke gegeneinander anlaufen. Das Ergebnis ist nicht immer sauber sortiert, aber gerade diese Unordnung gehört zum Konzept. Hier will nichts elegant gleiten. Hier wird geschoben, gekratzt, gewürgt und gezerrt.

(Hört hier die komplette EP und schaut die Clips)

EXHUMIERTER SOUND MIT QUALITÄT STATT MODERNER GLANZPRODUKTION

Interessant ist an »Exhumation Evilean« vor allem, wie sehr diese EP ihren eigenen Dreck nicht verstecken will. Viele aktuelle Death-Metal-Produktionen klingen wie sterile Präzisionsmaschinen: perfekt ausgeleuchtet, perfekt editiert, perfekt entmenschlicht. Evilean gehen einen anderen Weg. Der Sound bleibt massiv, aber er besitzt Reibung. Die Gitarren haben diesen knorrigen, schweren Zug, der eher nach rostiger Werkbank als nach Hochglanzstudio klingt. Der Bass von Jim Ramses füllt den unteren Bereich mit genügend Druck, ohne sich in technische Angeberei zu verlieren, während Robin Stone am Schlagzeug das Material zusammenhält, wenn es in chaotischere Zonen kippt.

Das ist kein Death Metal, der den Hörer mit chirurgischer Komplexität beeindrucken will. Evilean setzen stärker auf Instinkt, Körperlichkeit und unmittelbare Aggression. Man hört dieser EP an, dass sie aus Spannung, innerem Druck und einer gewissen Lust am Kontrollverlust entstanden ist. Genau dadurch wirkt sie glaubwürdig. Nicht jeder Übergang sitzt elegant, nicht jeder Part ist kompositorisch zwingend ausformuliert, doch die Grundenergie ist echt. Und manchmal ist genau das wichtiger als die perfekte Schnittkante.

DIE BLIND: EIN EINSTIEG WIE EIN SCHLAG IN DEN STAUB

»Die Blind« eröffnet die EP ohne lange Vorwarnung. Das Stück wirkt wie ein Herausbrechen aus einer Erdschicht, in der lange etwas gegärt hat. Die Riffs kommen roh, direkt und mit einer bösartigen Trockenheit, die sofort klarstellt, dass Evilean keine melodische Schonfrist geben wollen. Besonders stark ist hier die Art, wie die Gitarren nicht nur brutal drücken, sondern auch eine gewisse nervöse Unruhe erzeugen. Es geht nicht bloß um Härte, sondern um ein Gefühl von Bedrängnis.

Jojo Shaw klingt dabei nicht wie jemand, der extreme Vocals als Effekt benutzt, sondern wie jemand, der sich durch das Material hindurcharbeitet. Ihre Stimme ist kratzig, giftig und körperlich. Sie muss nicht permanent in den tiefsten Keller growlen, um gefährlich zu wirken. Viel eher lebt sie von ihrer angefressenen Präsenz. »Die Blind« ist damit ein passender Auftakt: nicht der variantenreichste Song der EP, aber ein klares Statement. Hier wird nicht angeklopft. Hier wird die Tür eingetreten.

DAMZEL OF DEATH UND DER SCHMALE GRAT ZWISCHEN TRAUMA UND MYTHOS

Mit »Damzel of Death« wird die EP thematisch noch interessanter. Der Song bewegt sich im Spannungsfeld aus Gewalt, Wahrnehmung, Schuld, Rache und dunkler Faszination. Statt eine einfache Horrorpose aufzubauen, greift das Stück stärker in psychologische und biografisch aufgeladene Räume. Gerade dadurch hebt es sich von vielen reinen Splatter-Texten ab. Es geht nicht nur um Blut, sondern um die Frage, wie Gewalt erzählt, verzerrt und gedeutet wird.

Musikalisch besitzt »Damzel of Death« einen der einprägsameren Grooves der EP. Das Hauptriff ist simpel genug, um sofort zu greifen, aber schwer genug, um nicht billig zu wirken. Die Rhythmussektion setzt darunter einen stabilen Körper, während die Vocals darüber wie ein angezündeter Draht hängen. Der Song zeigt, dass Evilean mehr können als nur stumpf prügeln. Wenn die Band ihre Brutalität mit Atmosphäre verbindet, entsteht tatsächlich eine eigene Handschrift.

LOST CAUSE: DAS ZENTRUM DER EP

»Lost Cause« ist nicht ohne Grund der Song, der die EP nach außen am stärksten repräsentiert. Inhaltlich geht es um ein zerstörerisches Ego, Manipulation, Kontrollwahn und den Moment, in dem Selbstbild und Wirklichkeit endgültig auseinanderbrechen. Das passt hervorragend zum Sound: Der Track wirkt gleichzeitig aggressiv und unheimlich schillernd. Zwischen massiven Riffwänden und düsteren melodischen Einsprengseln entsteht eine Atmosphäre, die nicht einfach nur brutal ist, sondern innerlich vergiftet.

Hier findet Evilean die stärkste Balance zwischen Songwriting und roher Entladung. Die Nummer hat mehr Wiedererkennungswert als der Opener, mehr innere Dramaturgie als mancher der direkteren Abrissmomente und genug Härte, um nicht in atmosphärische Unentschlossenheit abzurutschen. Gerade die Kombination aus wütender Stimme, drückender Gitarre und einer fast fiebrigen Spannung macht »Lost Cause« zum Kernstück der EP. Wenn man nur einen Song antesten will, sollte es dieser sein.

BITCHCNTSCUMFCK: HÄSSLICHKEIT ALS PROGRAMM

Schon der Titel »Bitchcntscumfck« macht klar, dass hier keine gepflegte Abendunterhaltung wartet. Das Stück ist der vielleicht direkteste Wutausbruch der EP. Es klingt wie eine bewusst übersteuerte Konfrontation, wie ein Track, der nicht vermitteln, sondern angreifen will. Die Death-/Groove-Metal-Kante tritt hier besonders deutlich hervor: schleppende Druckmomente, kurze Ausbrüche, wiederkehrende Riffblöcke und eine Stimmung, die eher aus Zorn als aus klassischer Kompositionslogik geboren wird.

Das funktioniert über weite Strecken, weil Evilean diese Hässlichkeit nicht weichzeichnen. Gleichzeitig zeigt der Song auch eine Schwäche der EP: Wenn die Band zu lange auf derselben Angriffshaltung bleibt, verliert die Brutalität ein wenig an Wirkung. Es gibt Momente, in denen aus hypnotischem Nachdruck beinahe Monotonie wird. Trotzdem bleibt »Bitchcntscumfck« wichtig für das Gesamtbild, weil er den kompromisslosen Kern der Band freilegt. Das ist nicht schön. Das soll auch nicht schön sein.

KILLING FIELDS: DER SCHWERSTE SCHLUSS

Mit »Killing Fields« endet »Exhumation Evilean« in einem der stärkeren Momente. Der Song wirkt breiter, schwerer und etwas kontrollierter als die brutaleren Ausbrüche davor. Hier bekommt der Bass mehr Raum, die Drums drücken das Stück nach vorn, und die Gitarren bauen eine Atmosphäre auf, die nicht nur auf Angriff, sondern auch auf Nachhall setzt. Gerade in den langsameren Passagen zeigt sich, dass Evilean nicht ausschließlich von Tempo leben.

»Killing Fields« ist kein versöhnlicher Abschluss. Eher wirkt der Song wie der letzte Blick auf ein Schlachtfeld, nachdem der unmittelbare Lärm abgeklungen ist. Die Vocals klingen hier besonders zerrissen, fast gehetzt, während die Instrumente darunter eine massive, erdige Schwere erzeugen. Als Finale funktioniert das gut, weil es die EP nicht einfach abrupt auslaufen lässt, sondern den vorher aufgebauten Druck in eine dunklere, schleppendere Form überführt.

ZWISCHEN KATHARSIS UND CHAOS

Die große Stärke dieser EP liegt in ihrer Glaubwürdigkeit. Evilean klingen nicht wie eine Band, die sich einen extremen Stil ausgesucht hat, weil er gerade passt. »Exhumation Evilean« wirkt eher wie ein Ventil. Die Songs sind rau, aggressiv und in ihrer besten Form unangenehm nah. Besonders dann, wenn persönliche Dunkelheit, Death-Metal-Schwere und Groove ineinandergreifen, entwickelt das Material eine starke Wirkung.

Die Kehrseite: Die EP ist nicht immer sauber fokussiert. Manche Übergänge wirken eher impulsiv als zwingend. Einige Parts leben stark von Energie, aber weniger von kompositorischer Raffinesse. Wer Death Metal vor allem technisch, präzise und strukturell ausgefeilt erwartet, könnte sich an der rohen, stellenweise chaotischen Anlage reiben. Doch gerade diese Unordnung ist auch Teil des Reizes. Evilean sind auf diesem Debüt noch nicht die perfekt austarierte Maschine, sondern eher ein frisch ausgegrabenes Monster, das noch Erde spuckt.

SOUND: ROH, FETT UND PASSEND UNKOMFORTABEL

Die Produktion von Troy McCosker trifft den Charakter der EP gut. Der Sound ist schwer und kräftig genug, um professionell zu wirken, bleibt aber rau genug, um die Musik nicht zu entschärfen. Besonders die Gitarren profitieren von dieser Entscheidung. Sie klingen nicht steril, sondern körnig und bissig. Auch die Drums haben genügend Punch, ohne das Material in eine klinische Plastikproduktion zu drücken.

Das passt zu den Themen der EP. »Exhumation Evilean« handelt nicht von klaren, sauber sortierten Erzählungen. Es geht um verzerrte Erinnerung, innere Unruhe, Macht, Gewalt, Ego, Schmerz und das, was man lieber nicht vollständig erklärt. Ein zu glatter Sound hätte dieser Musik die Zähne gezogen. So bleibt sie kantig, manchmal unberechenbar und oft unangenehm körperlich.

FAZIT:

»Exhumation Evilean« ist ein starkes, roh belassenes Debüt, das seine Wirkung nicht aus Perfektion zieht, sondern aus Druck, Atmosphäre und emotionaler Direktheit. Evilean liefern keine EP für Hörer, die ihren Death Metal fein sortiert, elegant produziert und makellos durcharrangiert brauchen. Hier regiert der Schmutz. Hier kratzt die Stimme. Hier rumpelt und schiebt es. Genau das macht den Reiz aus.

Am besten funktionieren Evilean, wenn sie ihre Brutalität mit psychologischer Spannung verbinden. »Lost Cause«, »Damzel of Death« und »Killing Fields« zeigen besonders deutlich, wohin diese Band wachsen kann: in Richtung eines extremen, persönlichen, groovenden Death-Metal-Sounds, der nicht nur zuschlägt, sondern nachwirkt. Schwächer wird es dort, wo Chaos und Wiederholung den Songs etwas Struktur nehmen.

Trotzdem bleibt am Ende ein Debüt, das sich behauptet. »Exhumation Evilean« ist keine glattgeschliffene Visitenkarte, sondern ein schmutziger Ausbruch. Nicht jeder Knochen sitzt schon an der richtigen Stelle, aber das Skelett steht. Und wenn Evilean diesen Weg weitergehen, die stärksten atmosphärischen Ansätze vertiefen und das Songwriting noch etwas schärfen, könnte aus dieser Exhumierung mehr werden als nur ein kurzer Aufstieg aus dem Grab.

Lost Cause Video:

Internet

EVILEAN - Exhumation Evilean

MANGLED RECREMENT – Demo

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cover artwork MANGLED RECREMENT Demo
cover artwork MANGLED RECREMENT Demo

Band: MANGLED RECREMENT 🇵🇱
Titel: Demo
Label: Caligari Records
VÖ: 15/05/26
Genre: Death Metal

Tracklist

01. Boiled to Death
02. Irresponsive Cephalic Fracture
03. Bile Seeping Crypt
04. Buried Beneath Grubs

Besetzung

 

Bewertung:

3,5/5

Eine neue Band präsentiert ihr Debütwerk. Das polnische Trio MANGLED RECREMENT kommt mit „Demo“ – tatsächlich ein Demo-Tape, das der Welt ihre ersten musikalischen Ideen vorstellt. Ein guter Sound und insgesamt eine solide Produktion prägen den ersten positiven Eindruck dieses ersten Releases der Band.

Schwerer Einstieg im Old-School-Gewand

Stark verzerrt, aber klar im schwedischen Old-School-Death-Metal verwurzelt, bringt der Opener „Boiled to Death“ ein massiv drückendes Klangbild. Tiefer gestimmte Gitarren, infernalische Growls, eine klare Rhythmik, ein aggressiver und bedrückender Sound, insgesamt eine morbide und düstere Atmosphäre. Die Musik funktioniert dabei sehr gut, die Einflüsse von Entombed oder Dismember sind in jeder Passage hörbar, was an sich nichts Negatives ist. Den Sound dieser Ära aufzugreifen, ist absolut legitim, solange die Umsetzung stimmt – und genau das gelingt MANGLED RECREMENT hier überzeugend.

MANGLED RECREMENT sind ein Underground-Death-Metal-Trio aus Lublin in Polen. Gegründet 2024, handelt es sich hier um ihr erstes Demo mit vier Songs. Viel mehr ist über die Band nicht bekannt, außer dass sie „seit 2024 in den Kellern von Lublin vor sich hin verwesen“ und dass die Mitglieder auch in anderen lokalen Bands aktiv sind, etwa bei Leucotome und Toughness.

Ein ähnliches Klangbild setzt sich im nächsten Song „Irresponsive Cephalic Fracture“ fort, diesmal mit komplexeren Gitarren und deutlichen Tempowechseln, während die drückenden Riffs weiterhin das abrasive Gesamtbild tragen. Eine ambientartige, düstere Zwischenpassage in der Songmitte ist zwar sauber eingebaut, bringt aber weder musikalisch noch atmosphärisch echten Mehrwert, sondern wirkt eher wie eine Kopie bekannter Stilmittel. Schade, denn dadurch verliert der Song an Substanz. Auch wenn danach wieder die verzahnten Leadgitarren und soliden Riffs einsetzen, bleibt der Bruch im Fluss spürbar.

Solide Produktion für ein Demo

Die Produktion ist gut, deutlich besser, als man es von einem Demo erwarten würde. Die Instrumente sind klar hörbar, der Mix wirkt ausgewogen, stellenweise sind sogar moderne Akzente zu erkennen. Insgesamt eine balancierte und professionelle Produktion für dieses kurze Release.

Weniger fokussiert als die vorherigen Tracks zeigt sich „Bile Seeping Crypt“, der mit unterschiedlichen Tempos arbeitet und in seinen Höhepunkten eine rasante, technisch anspruchsvolle Passage bietet. Der Bass tritt hier besonders hervor, und alle Instrumente greifen sehr gut ineinander. Ein eigenständigerer Song und ein überzeugender Moment auf dem Demo.

Auch im abschließenden „Buried Beneath Grubs“ gibt es keine großen stilistischen Veränderungen: kraftvolle Riffs und wütende Vocals dominieren, ergänzt durch chorartige Backing-Vocals der gesamten Band, die dem Song zusätzliche Tiefe verleihen. Prägnante Gitarren, die zwischen Riffs und fuzzigen Texturen wechseln, sowie eine leicht chaotische Rhythmussektion ergeben erneut eine interessante Interpretation klassischer Genre-Elemente. Kompositorisch etwas fragmentierter und weniger inspiriert als die stärksten Momente zuvor, aber dennoch ein gelungener Abschluss.

Klarer Fokus auf Riffs und Wirkung

Alles auf diesem „Demo“ ordnet sich den massiven, verzerrten Riffs unter, genau so, wie es im Old-School-Kontext sein sollte. Gerade hier gelingt die Verbindung zum klassischen Sound am überzeugendsten, und MANGLED RECREMENT zeigen ausreichend technisches Können, um zu belegen, dass sie das Genre verstanden haben. Roh, aggressiv, direkt und druckvoll – ein kurzes Debüt, das klare Ansätze erkennen lässt.

Besonders originell ist das Material nicht, eher eine weitere Verbeugung vor Bands wie Entombed, Grave oder Dismember und der ursprünglichen schwedischen Death-Metal-Welle. Dennoch gelingt es MANGLED RECREMENT, diese Einflüsse in einigen starken Passagen sinnvoll zu bündeln. Angesichts ihres jungen Alters wirkt die Band vielversprechend und dürfte in Zukunft noch mit interessanten Veröffentlichungen nachlegen.

Fazit: MANGLED RECREMENT liefern mit „Demo“ ein solides Debüt im schwedischen Old-School-Death-Metal-Stil, technisch überzeugend, wenn auch wenig originell, mit klar erkennbarem Potenzial.

Internet

MANGLED RECREMENT - Demo

AN ABSTRACT ILLUSION, DISILLUSION – 07.05.2026, Viper Room Wien

AN ABSTRACT ILLUSION

LIVE SPRING 2026

DISILLUSION , AN ABSTRACT ILLUSION

07.05.2026, Viper Room Wien

Ein weiterer Abend, an dem zwei Konzerte aus sehr ähnlichen musikalischen Bereichen gleichzeitig stattfanden und die Wiener Progressive-Metal-Fans in zwei Richtungen teilten. Nach dem außergewöhnlichen Album „The Sleeping City“ fiel die Entscheidung für AN ABSTRACT ILLUSION allerdings leicht, auch wenn die Parallelveranstaltung ebenfalls mit einem starken Release aufwartete. So wurde dieser Abend mit AN ABSTRACT ILLUSION und DISILLUSION zu einem Konzert voller Melodie, progressiver Songstrukturen, aber ebenso voller Härte.

AN ABSTRACT ILLUSION

AN ABSTRACT ILLUSION waren als Special Guests angekündigt, für viele Besucher jedoch die eigentlichen Headliner des Abends. Nach einer Reihe von Alben auf höchstem Niveau bringt die schwedische Band in ihrer Livebesetzung alles mit, was Progressive Metal ausmacht: Melodie, Komplexität, technische Klasse und Härte.

AN ABSTRACT ILLUSION

Sie eröffneten den Abend mit einigen ihrer emotionalsten Songs. „Silverfields“ funktionierte hervorragend als Einstieg, beinahe wie ein langes Intro. Live klang der Song dichter und natürlicher als auf Album, mit besseren Drums und weiterhin stark präsenten Keyboards, während die Gitarren nach und nach den Sound ergänzten und daraus ein deutlich schwereres Klangbild machten.

AN ABSTRACT ILLUSIONFrontmann Christian Berglönn warnte das Publikum vorab, dass die Band „Death Metal und lange Songs“ liebe – und genau darum ging es bei diesem Auftritt. Die typische Melodik der Alben wurde live deutlich verändert, und stellenweise wirkte AN ABSTRACT ILLUSION eher wie eine Progressive-Death-Metal-Band. Dichter Sound, getragen von einem permanent präsenten und sehr überzeugenden Bass, dazu zwei Gitarren, weiterhin melodisch, aber wesentlich aggressiver eingebunden, sowie ein unnachgiebiges Schlagzeugspiel.

Massive Akkorde bestimmten auch „Blackmurmur“, ebenfalls vom aktuellen Album. Live wirkte der Song noch komplexer als erwartet. Wenn auf Album manchmal die Keyboards dominieren, kam das Gewicht des Sounds hier viel stärker von den übrigen Instrumenten.

AN ABSTRACT ILLUSIONDer Viper Room war ordentlich gefüllt, auch wenn er nicht überlaufen wirkte. Durch die enthusiastischen Reaktionen entstand dennoch das Gefühl eines komplett begeisterten Publikums. Und das absolut verdient, denn die Performance war vom ersten bis zum letzten Ton beeindruckend. Progressiver Metal aus Schweden, aber mit so viel Leidenschaft gespielt, dass das Publikum völlig in der Musik aufging.

Es folgten „Slaves“ vom gefeierten Album „Woe“, einem Release, das für viele mindestens auf dem Niveau von „The Sleeping City“ steht. „Frost Flower“ wurde mit einer persönlichen Widmung angekündigt und brachte viel Melancholie und Sensibilität mit sich, gleichzeitig aber auch heftige Dynamikwechsel und aggressive Ausbrüche schwerer Akkorde innerhalb derselben polyrhythmischen und verzweigten Strukturen.

AN ABSTRACT ILLUSIONJeder Musiker hätte große Anerkennung verdient, doch neben dem Sänger ragte besonders Karl Westerlund mit seinen technisch starken, aber gleichzeitig emotionalen Solos heraus. Ebenso wichtig für den typischen Sound der Band war Robert Stenvall an Keyboards und Backing Vocals. Mit Ausnahme des zweiten Gitarristen beteiligten sich alle Musiker am Gesang – eine Hauptstimme und vier zusätzliche Vocals. Kein Wunder also, dass der Sound so vielschichtig wirkte. Auch der Bassist trug nicht nur rhythmisch, sondern ebenso gesanglich enorm viel zum Gesamtbild bei. Und eigentlich war die Bühne für diese Band deutlich zu klein.

Nach jedem Song reagierte das Publikum begeistert, überhaupt war die Stimmung an diesem Abend eine der intensivsten, die man in Wien erleben kann. Endloser Applaus nach jedem Stück, völlig verdient. Komplexe Musik, perfekt live umgesetzt. Nach dem melancholischen „Emmett“ endete das Set mit „In the Heavens Above, You Will Become a Monster“, einer Reise in die härteste Seite der Band. Ein langer Song, ein weiteres Beispiel technischer Klasse und diesmal unnachgiebiger Progressive Death Metal – wütend, komplex und intensiv. Ein würdiger Abschluss eines außergewöhnlichen Auftritts.

AN ABSTRACT ILLUSION

Setlist

01. Silverfields
02. Blackmurmur
03. Slaves
04. Frost Flower
05. Emmett
06. In the Heavens Above, You Will Become a Monster

DISILLUSION

DISILLUSION feierten an diesem Abend das zwanzigjährige Jubiläum ihres Albums „Gloria“, was sich massiv in der Setlist widerspiegelte. Während die Band ursprünglich als Progressive/Melodic-Death-Metal-Gruppe begann, markierte das zweite Album einen bewussten Bruch mit dem früheren Sound. Ein bis heute polarisierendes Werk wegen seiner deutlichen Abkehr vom klassischen Death Metal.

DISILLUSION

Und genau dieser Sound dominierte den Beginn ihres Auftritts: eine Mischung aus Industrial Metal, Progressive Metal und Electro-/Rock-Elementen. Die Atmosphäre wirkte fast „techno-gothic“, voller poppiger Momente, und der stilistische Spagat der Band wurde sofort deutlich.

DISILLUSIONVor dem Konzert wirkte die Band auffallend angespannt. Normalerweise waren sie auf dieser Tour der Opener, und eine gewisse Nervosität war spürbar. Der Wechsel von der dichten Atmosphäre des vorherigen Auftritts fiel abrupt aus. „Gloria“ ist ohnehin nicht ihr stärkstes Werk, und die vielen gesprochenen Passagen, industrial- und gothicartigen Elemente sowie der dramatische Gesang entfernten sich deutlich von dem, was man an diesem Abend eigentlich erwartete. Metal im klassischen Sinn war das nur bedingt.

Der Opener „Don’t Go Any Further“ wurde immerhin von dem deutlich härteren „The Great Unknown“ abgelöst, bevor die Band erneut zwischen den unterschiedlichen Ansätzen wechselte. Dieser Song passte wesentlich besser zum Abend: schwerer, melodisch und deutlich näher am Progressive/Melodic Death Metal. Gleichzeitig zeigte sich hier auch der starke Kontrast zwischen den beiden Sänger/Gitarristen – der Frontmann eher klassisch rockig in seiner Bühnenpräsenz, der zweite Musiker deutlich stärker im Metal verwurzelt. Dieser Gegensatz spiegelte sich ebenso in ihren Bewegungen wider: auf der einen Seite fast Rock’n’Roll-artige Gestik, auf der anderen Seite heftiges Headbanging und klassische Metal-Attitüde.

DISILLUSIONDanach kehrte die Band wieder stärker zum Industrial-Sound zurück, um weitere Stücke von „Gloria“ zu präsentieren. Clean Vocals im beinahe gesprochenen „Telefonstil“, viel Synthesizer, während Gitarren und Bass oft eher begleitend wirkten, repetitive Strukturen und eingängige Passagen. Live funktionierten diese Songs immerhin deutlich härter als auf Album.

Doch sobald der Jubiläumsteil vorbei war, änderte sich die Atmosphäre spürbar. Der Sound blieb melodisch, wurde aber wesentlich schwerer und traditioneller im Melodic-Death-Metal verankert. Hier überzeugte besonders der Gitarrist/Growler mit starken Vocals, eindrucksvollen Gitarrenparts und auch akustischen Passagen. Mit „…And the Mirror Cracked“ kam schließlich einer der stärksten Songs des Abends – progressiv, technisch anspruchsvoll und zurecht einer der beliebtesten Titel der Band.

Die abschließenden Songs vom aktuellen Album „Ayam“, darunter „Driftwood“ und „Tormento“, zeigten erneut die schwerere Seite von DISILLUSION, kombiniert mit viel Melancholie und emotionalem Klargesang. Eingängige Songs, mit denen die Fans vollkommen zufrieden wirkten. Insgesamt eine interessante Band, deren Stilvielfalt den Auftritt abwechslungsreich machte und immer wieder unerwartete Wendungen im Sound brachte.

Setlist

01. Don’t Go Any Further
02. The Great Unknown
03. The Black Sea
04. Alea
05. Gloria
06. ….And the Mirror Cracked
07. Between
08. Save the Past
09. Am Abgrund
10. Driftwood
11. Tormento

Antirope – Bring Me To Zero

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Antirope - Bring Me To Zero - cover artwork
Antirope - Bring Me To Zero - cover artwork

Band: ANTIROPE 🇩🇪
Titel: Bring Me To Zero
Label: Eclipse Records
VÖ: 01.05.2026
Genre: Alternative Metal / Grunge / Psychedelic Doom

Tracklist

01. Monolith
02. Unholy
03. Zero
04. Afterglow
05. Life Is A Lie
06. Cascades
07. Dry Your Eyes
08. Intervention
09. Sunshine Of Your Love (Cream Cover)
10. Beyond
11. Aurora

Besetzung

Slaven Stokic – Gesang / Gitarre
Patrick Fleischer – Gitarre / Background Vocals / Produktion
Julie Fleischer – Bass / Background Vocals
Jürgen „BamBam“ Wiehler – Schlagzeug

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

ANTIROPE aus München sind keine Band, die sich mit dekorativer Schwere zufriedengibt. Hier wird nicht einfach ein bisschen Alternative Metal mit Grunge-Patina überzogen, damit es nach Neunzigern riecht. ANTIROPE ziehen ihre Einflüsse aus Black Sabbath, Soundgarden und Neurosis tief in einen eigenen, dunklen Raum, in dem Riffs schwer atmen, Vocals zwischen Druck und Verletzlichkeit pendeln und der psychedelische Unterton eher wie eine offene Wunde als wie ein Farbfilter wirkt.

Mit »Bring Me To Zero« legt die Band ihr zweites Album vor und klingt dabei deutlich entschlossener als auf dem Debüt »Amnesia«. Dieses Album wirkt nicht wie eine lose Sammlung starker Ideen, sondern wie ein zusammenhängender Abstieg: schwer, hypnotisch, verhangen, aber nie völlig hoffnungslos. Wo andere Gruppen im Alternative-Metal-Segment oft entweder in Retro-Verklärung oder moderne Glattproduktion kippen, bleiben ANTIROPE angenehm unbequem. Das Material ist roh genug, um zu knirschen, aber präzise genug, um nicht im Proberaumnebel zu verschwinden.

(Hört hier die Songs und schaut die Clips)

Die Songs wurden erneut live eingespielt, diesmal in Patrick Fleischers Lungfull Studios. Das hört man. »Bring Me To Zero« besitzt diese seltene Körperlichkeit, die vielen modernen Metal-Produktionen fehlt. Die Platte schiebt nicht nur über Lautstärke, sondern über Luft, Raum und Reibung. Jeder Anschlag hat Gewicht, jedes Becken wirkt wie eine Warnlampe, jeder Basslauf trägt ein Stück Erdreich mit sich. Genau darin liegt die große Stärke des Albums: ANTIROPE klingen massiv, ohne steril zu werden.

DER MONOLITH BEGINNT ZU ATMEN

Der Opener »Monolith« macht sofort klar, dass ANTIROPE keine Geduld für höfliche Warm-up-Gesten haben. Das Stück baut sich wie ein schwarzer Block vor dem Hörer auf: schwer, unnachgiebig, schleichend bedrohlich. Textlich wirkt »Monolith« wie das Bild einer fremden Macht, die gleichzeitig beobachtet, verfolgt, erstickt und kontrolliert. Es geht weniger um ein äußeres Monster als um eine innere Instanz, die sich verselbstständigt hat. Diese Mischung aus Paranoia, Überwachung und Selbstverlust passt hervorragend zum schweren Riffing. Der Song rollt nicht einfach los, er presst sich langsam in den Raum.

Musikalisch ist »Monolith« ein starker Einstieg, weil die Band hier sofort ihre Kernkompetenz zeigt: Groove statt Tempo-Flucht, Druck statt Virtuosen-Gefuchtel, Atmosphäre statt bloßer Härte. Slaven Stokic singt und schreit nicht gegen die Musik an, sondern scheint in ihr festzustecken. Seine Stimme klingt rau, gedrückt und doch erstaunlich melodiefähig. Gerade dieser Kontrast macht den Einstieg so wirksam.

»Unholy« führt diese Dunkelheit weiter, öffnet aber eine andere Tür. Der Song spielt mit religiös aufgeladenen Begriffen, mit Nähe, Abhängigkeit, Hingabe und dem Wunsch, sich aus einer erstickenden Verbindung zu lösen. Die Bedeutung liegt nicht im plakativen Antireligionsgestus, sondern in der Verdrehung von Heiligkeit: Was eigentlich schützen sollte, wird zur Last. Was wie Erlösung klingt, fühlt sich nach Unterwerfung an. ANTIROPE verpacken das in einen zähen, hypnotischen Fluss, der sich langsam ausdehnt und im Refrain eine finstere Sogwirkung entwickelt.

RESET-KNOPF IM KOPF: DER TITELKERN

Mit »Zero« erreicht das Album früh seinen konzeptionellen Mittelpunkt. Der Song handelt von Orientierungslosigkeit, Kontrollverlust und dem Wunsch, alles auf null zu setzen. Das ist keine Kapitulation, sondern eher eine radikale Reinigung: Der Kopf ist voll Lärm, die Welt wirkt entrückt, und irgendwo zwischen Schlaf, Schreien und Erstarrung wächst der Wunsch nach einem Punkt, an dem man wieder anfangen kann. Genau deshalb ist »Zero« so wichtig für »Bring Me To Zero«. Der Song erklärt nicht nur den Titel, er verkörpert ihn.

Musikalisch ist »Zero« einer der besten Momente der Platte. Patrick Fleischer und Slaven Stokic schichten die Gitarren nicht zu einem undurchdringlichen Matsch, sondern lassen dem Riff Raum zum Atmen. Julie Fleischer hält darunter den dunklen Puls, während Jürgen „BamBam“ Wiehler mit kontrollierter Wucht spielt. Sein Drumming ist kein Show-Off, sondern ein tektonischer Motor. Er gibt dem Stück Gewicht, ohne es zu überladen.

»Afterglow« wirkt dagegen wie der Blick auf die Trümmer nach dem inneren Zusammenbruch. Textlich geht es um Flucht, Zeichen, die vielleicht Warnungen sind, und eine Situation, in der Heilung nicht mehr rechtzeitig kommt. Der Song besitzt etwas Endzeitliches: Man rennt, aber nicht mehr unbedingt, um zu entkommen. Eher, um noch einmal Geschwindigkeit zu spüren, bevor alles niederbrennt. Die Musik greift diese Stimmung gut auf. Zwischen schweren Gitarren und großem Refrain entsteht ein fiebriges Spannungsfeld, das an Soundgarden in besonders bleierner Verfassung erinnert, ohne zur Kopie zu werden.

LÜGEN, MASKEN UND DER BLICK UNTER DIE HAUT

»Life Is A Lie« taucht noch tiefer in Selbsttäuschung und emotionale Erschöpfung ein. Der Text kreist um hohle Träume, dunkle Wünsche, Verdrängung und den Versuch, eine innere Lüge lange genug am Leben zu halten, bis sie sich wie Realität anfühlt. Das ist kein optimistisches Stück, aber ein ehrliches. Slaven Stokic klingt hier besonders stark, weil er nicht nur Härte liefert, sondern Müdigkeit, Bitterkeit und Trotz in dieselbe Linie presst. Solche Momente zeigen, dass ANTIROPE keine reine Riffmaschine sind.

»Cascades« ist textlich einer der spannendsten Songs des Albums. Das Stück beschäftigt sich mit falschen Gesichtern, sichtbarer Angst hinter einstudierten Gesten und dem Wunsch, die Welt auf den Kopf zu stellen, um endlich klar zu sehen. Die Bedeutung liegt in der Entlarvung: Was lächelt, ist nicht automatisch heil. Was ruhig wirkt, kann längst Risse haben. Musikalisch arbeitet der Song mit einer schönen Mischung aus Schwere und Bewegung. Der Bass von Julie Fleischer ist hier besonders wichtig, weil er nicht nur den Grundton hält, sondern die unterschwellige Spannung verstärkt.

»Dry Your Eyes« ist einer der emotional zugänglicheren Songs auf »Bring Me To Zero«. Textlich geht es um Durchhalten, Abschied, Wut, Selbstkontrolle und das Wiederaufrichten nach einer schwierigen Strecke. Der Song ist nicht weich, aber er besitzt eine fast tröstende Härte. Nicht im Sinne von alles wird gut, sondern eher: Geh weiter, auch wenn die Straße lang ist. Diese Mischung aus bitterem Humor, zäher Widerstandskraft und innerem Aufstehen macht »Dry Your Eyes« zu einem wichtigen Ruhepol des Albums.

DIE MUSIKER: KEINE STAFFAGE, SONDERN DAS FUNDAMENT

Die Leistung der Musiker ist einer der Hauptgründe, warum »Bring Me To Zero« so gut funktioniert. Slaven Stokic trägt das Album mit einer Stimme, die nicht auf klassische Perfektion setzt, sondern auf Charakter. Er kann rau drücken, melodisch öffnen und sich in den Songs so positionieren, dass man ihm den inneren Kampf abnimmt. Gerade in »Zero«, »Life Is A Lie« und »Aurora« zeigt er, dass er nicht nur Sänger, sondern Erzähler dieser dunklen Reise ist.

Patrick Fleischer liefert an der Gitarre und hinter den Reglern eine bemerkenswert geschlossene Arbeit ab. Seine Riffs haben Masse, aber auch Kontur. Er weiß, wann ein Akkord stehen bleiben muss, wann ein Groove ziehen darf und wann ein Song mehr Luft braucht. Als Produzent hält er die Platte auf Kurs: schwer, organisch, druckvoll, aber nicht überproduziert. Gerade bei dieser Art von Musik ist das entscheidend, denn ein zu glatter Sound hätte der Band die Schattnen genommen.

Julie Fleischer ist am Bass mehr als nur die Verstärkung der Gitarren. Ihr Spiel gibt den Songs Tiefe, Wärme und diesen unterschwelligen Druck, der viele Passagen erst richtig gefährlich macht. In einer Band, die stark über Groove und Atmosphäre arbeitet, ist der Bass kein Nebenschauplatz, sondern tragende Statik. Ihre Background Vocals fügen dem Material zusätzlich Farbe hinzu, ohne die düstere Grundierung aufzubrechen.

Jürgen „BamBam“ Wiehler schließlich bringt eine spürbare neue Stabilität in die Band. Seine Vergangenheit bei Bonfire und Megaherz hört man nicht als stilistische Schablone, sondern als Erfahrung: Er weiß, wie man einen Song trägt, statt ihn zu überfahren. Die Grooves sind schwer, die Fills sitzen, die Akzente kommen mit Nachdruck. Besonders in »Intervention« und »Beyond« zeigt er, dass Präzision und rohe Energie keine Gegensätze sein müssen.

INTERVENTION, KONTROLLVERLUST UND DIE LUST AM EINGRIFF

»Intervention« ist einer der unmittelbarsten Songs der Platte. Textlich dreht sich das Stück um Angst, Erstarrung, Kontrollverlust und den Wunsch, dass jemand oder etwas eingreift. Gleichzeitig klingt darin eine gefährliche Faszination für diesen Eingriff mit. Es geht nicht nur darum, gerettet zu werden, sondern auch darum, die Eskalation zu spüren. Genau diese Ambivalenz macht den Song stark: »Intervention« ist nicht bloß ein Hilferuf, sondern ein Stück über den Moment, in dem man die Kontrolle verliert und trotzdem nicht sicher ist, ob man sie wirklich zurückhaben will.

Musikalisch knallt »Intervention« am direktesten. Das Riff hat eine kantige, fast industrielle Wucht, ohne die Band in Richtung reiner Maschinenmusik zu ziehen. Jürgen „BamBam“ Wiehler schiebt das Stück mit schwerem Punch nach vorne, während die Gitarren wie Betonplatten aufeinanderkrachen. Dass externe Reviews gerade diesen Track als starken, aber noch nicht völlig explodierenden Spannungsaufbau wahrnehmen, ist nachvollziehbar. Der Song lebt von seiner kontrollierten Bedrohung.

Mit »Sunshine Of Your Love« wagen sich ANTIROPE an einen Klassiker von Cream. Solche Coverversionen sind riskant, weil das Original durch seinen legendären Riffcharakter fast unantastbar wirkt. ANTIROPE machen aber nicht den Fehler, den Song nur schwerer nachzuspielen. Sie ziehen ihn in ihre eigene Dunkelkammer. Aus bluesiger Psychedelik wird ein doomiger, verlangsamter Sog. Die ursprüngliche Wärme wird nicht zerstört, sondern verdunkelt. Dadurch passt das Cover erstaunlich gut ins Album, auch wenn es natürlich als Fremdkörper erkennbar bleibt.

DER WEG NACH DRAUSSEN FÜHRT WEITER NACH UNTEN

»Beyond« nimmt den Gedanken des Zerfallens wieder auf, geht aber stärker in Richtung Loslassen und Neubeginn. Textlich steht hier ein Ich im Zentrum, das nicht lange stabil bleibt, auseinanderfällt und nach einem Weg zurück an den Anfang sucht. Gleichzeitig öffnet sich ein Sehnsuchtsraum: Irgendwo jenseits des gegenwärtigen Zustands könnte eine Form von Befreiung liegen. Der Song verbindet die Schwere des Albums mit einer fast epischen Weite und gehört zu den Momenten, in denen ANTIROPE am überzeugendsten zwischen brutaler Erdung und seltsamer Schönheit pendeln.

Der Abschluss »Aurora« ist dann kein klassischer Rausschmeißer, sondern ein langsames, großes Nachglühen. Der Text kreist um Angst, innere Stimmen, das Bedürfnis, etwas endlich auszusprechen, und die Frage, wann Veränderung echt ist und wann sie nur als Maske dient. »Aurora« klingt wie ein Licht am Ende des Albums, aber nicht wie Erlösung. Eher wie ein fahler Morgen nach einer Nacht, in der zu viel aufgebrochen ist. Genau deshalb ist der Song als Finale so stark. Er lässt die Platte nicht triumphierend enden, sondern offen, wund und nachhallend.

Auch hier zeigt sich, warum ANTIROPE mehr sind als eine weitere Retro-Alternative-Band. Die langen Spannungsbögen, die schweren Gitarren, die kontrollierten Ausbrüche und die emotionalen Schattenflächen ergeben ein Gesamtbild, das nicht nach bloßem Stilzitat klingt. Ja, man hört die Erbmasse von Black Sabbath, Soundgarden, Alice In Chains und Neurosis. Aber ANTIROPE wirken nicht wie eine Band, die alte Poster anbetet. Sie nehmen diese Sprache und schreiben damit ihre eigenen dunklen Sätze.

STÄRKEN UND SCHWÄCHEN

Die größte Stärke von »Bring Me To Zero« liegt in seiner Atmosphäre. Dieses Album hat Gewicht. Nicht nur akustisch, sondern emotional. Die Songs wirken, als würden sie etwas mit sich herumtragen, das zu schwer ist, um es einfach in Refrains aufzulösen. Dazu kommt eine Produktion, die der Band hervorragend steht: live genug für organische Reibung, fett genug für moderne Durchsetzungskraft, transparent genug für Details.

Die Schwäche liegt dort, wo auch externe Kritiken ansetzen: Manche Songs verharren etwas zu lange in ähnlichen Tempi und Stimmungen. Wer permanente Eskalation erwartet, könnte »Bring Me To Zero« stellenweise als zu gleichförmig empfinden. Einige Passagen verlassen sich stark auf Wiederholung und Sog, statt auf überraschende Wendungen. Das ist kein Fehler im klassischen Sinn, denn genau daraus entsteht der hypnotische Charakter der Platte. Aber es sorgt dafür, dass nicht jeder Song gleich zwingend zündet.

Trotzdem überwiegen die starken Momente klar. »Zero«, »Intervention«, »Beyond«, »Aurora«, »Cascades« und »Unholy« zeigen eine Band, die ihre eigene Sprache gefunden hat. ANTIROPE sind am besten, wenn sie nicht versuchen, schneller oder lauter als alle anderen zu sein, sondern wenn sie ihre Schwere ausdehnen, bis sie psychologisch wird. Dann klingt »Bring Me To Zero« nicht nur heavy, sondern wirklich bedrückend.

FAZIT:

»Bring Me To Zero« ist ein starkes zweites Album einer Band, die ihre Identität hörbar geschärft hat. ANTIROPE liefern keinen leicht konsumierbaren Alternative-Metal-Snack, sondern eine schwere, dunkle und emotional aufgeladene Platte, die zwischen Grunge, Doom, Stoner Rock und modernem Alternative Metal ihren eigenen Raum findet. Das Album ist wuchtig, hypnotisch und stellenweise beklemmend schön.

Die Musiker spielen als Einheit: Slaven Stokic führt mit rauer, verletzlicher Stimme durch den Abstieg, Patrick Fleischer baut massive Gitarrenwände und hält produktionstechnisch alles zusammen, Julie Fleischer gibt den Songs den nötigen Tiefendruck, und Jürgen „BamBam“ Wiehler bringt den Groove mit der Erfahrung eines Drummers, der weiß, wann Kraft mehr zählt als Geschwindigkeit.

Textlich verhandelt »Bring Me To Zero« Kontrollverlust, innere Lähmung, Selbsttäuschung, toxische Nähe, Aufbruch, Abschied und den Wunsch nach einem radikalen Neustart. Das Album schaut dorthin, wo es unbequem wird, und findet unter dem Gewicht immer wieder etwas Menschliches. Nicht jeder Song schlägt gleich tief ein, und an manchen Stellen hätte etwas mehr Tempokontrast gutgetan. Doch wenn ANTIROPE ihre dunkle Maschine einmal richtig ins Rollen bringen, entsteht eine Sogwirkung, die man nicht so schnell abschüttelt.

Die stärksten Songs sind »Zero«, »Intervention«, »Beyond«, »Aurora«, »Cascades« und »Unholy«. Wer Alternative Metal mit Schwere, Charakter und psychologischer Tiefe sucht, sollte »Bring Me To Zero« nicht nebenbei hören, sondern laut, konzentriert und am besten in einem Raum, in dem die Wände ein bisschen nachgeben.

Zero Video:

Internet

Antirope – Bring Me To Zero - CD Review