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Desolus – Dwellers Of The Twilight Void

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Desolus - Dwellers Of The Twilight Void - cover artwork
Desolus - Dwellers Of The Twilight Void - cover artwork

Band: Desolus 🇺🇸
Titel: Dwellers of the Twilight Void
Label: Hells Headbangers Records
Herkunft: Washington, D.C., USA
VÖ: 15.05.2026
Genre: Thrash Metal / Death Thrash / Blackened Thrash Metal
Format: CD / LP / MC / Digital

Tracklist

01. The Portal
02. Dweller of the Twilight Void
03. Trespass the Threshold
04. The Pact (Sealed in Blood)
05. Threading the Atom
06. Visages of Death
07. Woman of Infernal Beauty
08. Primordial Evil
09. Show No Mercy
10. Nefarious Dominion

Besetzung

Jimmy Frost – Guitars, Vocals
Vivek Rangarajan – Bass, Vocals
Bileh Dougsiyeh – Drums
Travis Stone – Drums, Guitars

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Da wird nicht lange gefragt, ob der Nacken schon auf Betriebstemperatur ist: Desolus schmeißen auf »Dwellers of the Twilight Void« direkt die Prügel raus und machen dabei keine Gefangenen. Nach dem 2024er Debüt »System Shock« legt die Truppe aus Washington, D.C. ihr zweites Album vor und klingt dabei noch finsterer, noch hektischer und stellenweise so, als hätte jemand eine alte Thrash-Kassette aus einem verfluchten VHS-Regal gezogen und mit Blut wieder zum Laufen gebracht.

Musikalisch wird hier sehr klar auf die alte Schule geschielt: Sodom, Kreator, Dark Angel, etwas frühe Sepultura, ein Hauch Sadus, dazu eine ordentliche Portion death-thrashiger Raserei und schwarzer Unterton. Das alles wirkt aber nicht wie ein Museumsbesuch mit Staubschicht, sondern wie eine wilde Nacht in einem Keller, in dem der Strom flackert und irgendeiner ruft: „Noch schneller!“ Genau diese Energie ist die große Stärke von »Dwellers of the Twilight Void«. Es ist brachial, räudig, hektisch und trotzdem erstaunlich präzise gespielt.

Desolus - Dwellers of the Twilight Void - YouTube Playlist

Ein Portal öffnet sich und danach gibt es keine Pause mehr

»The Portal« dient als kurzer Einstieg und macht sofort klar, wo die Reise hingeht. Das ist kein elegantes Intro mit großem Sinfonie-Orchester, sondern ein kurzer Horror-VHS-Moment, der klingt, als würde man im falschen Keller die falsche Kassette einlegen. Danach ist Schluss mit Atmosphäre zum Warmlaufen, denn »Dweller of the Twilight Void« tritt die Tür ein.

Der Titeltrack ist der erste richtige Angriff des Albums und zeigt Desolus in Bestform. Die Gitarren sägen, die Drums hetzen, der Bass treibt das Ganze voran, und der Gesang kommt wie ein wütender Befehl aus einem schwarzen Tunnel. Inhaltlich lässt sich der Song als Eintritt in eine Zwischenwelt deuten, in der nicht mehr klar ist, ob man noch Mensch, Opfer oder bereits Teil des Rituals ist. Die Leere im Titel ist hier kein ruhiger Ort, sondern ein Schlund.

Musikalisch wird direkt brachial gearbeitet. Die Riffs fliegen einem mit hoher Geschwindigkeit entgegen, ohne dabei beliebig zu wirken. Gerade das macht den Song so stark: Desolus können rasen, aber sie verlieren die Kontrolle nicht. Das ist Thrash Metal mit Pulsrasen, Todesgeruch und einem schönen Schlag ins Genick.

Über die Schwelle und hinein ins Verderben

Mit »Trespass the Threshold« wird das Thema des Überschreitens weitergeführt. Der Song klingt, als hätte jemand nicht nur eine verbotene Tür geöffnet, sondern danach auch noch gedacht: „Ach komm, was soll schon passieren?“ Spoiler: genug. Das Stück arbeitet mit rasanten Riffwechseln, giftigem Gesang und einer unruhigen Dynamik, die den Song permanent nach vorne peitscht.

Textlich lässt sich »Trespass the Threshold« als Warnung vor dem Betreten einer Grenze lesen, die besser unangetastet geblieben wäre. Es geht um Neugier, Hochmut und den Moment, in dem Erkenntnis nicht Befreiung bringt, sondern den eigenen Untergang einleitet. Das passt perfekt zur okkult-horrorhaften Ausrichtung des Albums.

Instrumental zeigen Jimmy Frost und Travis Stone, wie gut die erweiterte Gitarrenfront der Band tut. Die Riffs wirken dichter, die Attacke ist breiter, und trotzdem bleibt diese nervöse, fast durchgedrehte Energie erhalten. Aufgebaut auf einem rasenden Fundament aus Bass und Drums werden die Gitarren nicht einfach aufgeschichtet, sondern präzise in die Rippen gefahren.

Blut, Schwur und die schlechte Idee des Tages

»The Pact (Sealed in Blood)« setzt die dämonische Grundstimmung konsequent fort. Schon der Titel sagt im Grunde alles: Hier geht es nicht um einen harmlosen Handschlag, sondern um einen Schwur, der mit Blut besiegelt wird. Inhaltlich steht der Song für freiwillige Verdammnis, für einen Deal mit finsteren Mächten und für jenen Moment, in dem jemand glaubt, Kontrolle über etwas zu haben, das ihn längst besitzt.

Musikalisch wird erneut ordentlich Prügel rausgeschmissen. Der Song zieht mit hohem Tempo los, hat aber genug rhythmische Winkel, um nicht einfach nur geradeaus zu ballern. Der Gesang wirkt besonders gehetzt, fast beschwörend, während die Instrumentalfraktion mit messerscharfer Präzision durch die Nummer jagt. Bileh Dougsiyeh liefert an den Drums eine Leistung ab, die nicht nur schnell, sondern richtig bissig im Timing ist.

Der Song gehört zu den stärkeren Momenten der ersten Albumhälfte. Er verbindet Old-School-Thrash mit einer okkulten Atmosphäre, die angenehm bösartig wirkt, ohne in billige Gruseldeko zu kippen. Das ist kein Plastikdämon aus dem Sonderangebot, das ist eher der Typ aus der Ecke, der schon seit drei Stunden schweigt und trotzdem der gefährlichste im Raum ist.

Atome werden eingefädelt, Nackenwirbel ebenfalls

»Threading the Atom« ist einer der Tracks, bei denen die Band ihren Wahnsinn am überzeugendsten bündelt. Hier wird nicht nur Tempo gemacht, hier wird richtig geackert. Der Bass bekommt mehr Raum, die Gitarren schieben mit irrer Hektik, und die Drums treiben das Ganze so nach vorne, dass man fast Angst bekommt, die Band könnte gleich durch die Studiowand brechen.

Inhaltlich deutet der Titel auf eine Art extreme Manipulation von Materie, Ordnung und Energie hin. Das Atom als kleinste Baueinheit wird hier nicht wissenschaftlich nüchtern behandelt, sondern fast wie ein okkulter Mechanismus. Es geht um Eingriff, Zerlegung und Neuformung, aber nicht im Labor mit sauberem Kittel, sondern eher in einer dämonischen Werkstatt mit sehr fragwürdigen Sicherheitsvorschriften.

Musikalisch ist das ein echtes Zentrum des Albums. Vivek Rangarajan am Bass drückt sich hörbar durch den Mix, was dem Song zusätzliche Wucht gibt. Die Riffs sind wild, aber nicht planlos. Genau hier zeigen Desolus, warum sie in der Masse der Retro-Thrash-Bands auffallen: Sie können nicht nur nach alten Helden klingen, sondern schreiben Songs, die eigenständig genug sind, um hängen zu bleiben.

Totengesichter im Hochgeschwindigkeitsrausch

»Visages of Death« kommt kürzer, direkter und noch etwas giftiger daher. Der Titel arbeitet mit Bildern von Tod, Fratzen, Visionen und vielleicht auch mit jener Erkenntnis, dass der Tod nicht als abstrakte Idee auftaucht, sondern einem irgendwann ganz konkret ins Gesicht schaut. Die Nummer wirkt entsprechend wie ein schneller, brutaler Blick in eine dunkle Galerie.

Musikalisch wird hier nicht viel Zeit verschwendet. Desolus ziehen die Schrauben weiter an, setzen auf schnelle Riffs, aggressive Vocals und eine Produktion, die rau genug bleibt, um die alte Schule nicht glattzubügeln. Das klingt nicht perfekt poliert, und genau das passt. Der Song braucht keine sterile Hochglanzwand. Er braucht Schweiß, Tempo und den Eindruck, dass gleich jemand beim Spielen aus Versehen Feuer fängt.

Gerade im Zusammenspiel mit »Threading the Atom« bildet »Visages of Death« einen starken Mittelteil. Die Band wirkt hier wie eine Maschine, die zwar rostig aussieht, aber trotzdem schneller läuft, als gut für sie wäre.

Infernalische Schönheit mit sehr schlechter Laune

»Woman of Infernal Beauty« bringt eine etwas andere Farbe ins Album. Der Song bleibt natürlich rasend und aggressiv, bekommt aber durch seinen Titel eine stärker verführerische, dämonische Komponente. Inhaltlich lässt sich das Stück als Begegnung mit einer zerstörerischen, übernatürlichen Figur lesen, deren Schönheit nicht rettet, sondern vernichtet. Die klassische Metal-Faszination für das Gefährliche im Schönen wird hier also mit ordentlich Thrash-Gift versehen.

Musikalisch wirkt der Song etwas speed-metallischer, ohne die finstere Grundierung zu verlieren. Die Gitarren arbeiten schneidend, der Gesang bleibt rau und wahnsinnig, und die Band findet auch im zweiten Teil des Albums noch genug Energie, um nicht einzuknicken. Nicht ganz jeder Moment erreicht die Wucht der ersten Hälfte, aber schwach ist das hier keineswegs.

Die Nummer funktioniert besonders dann, wenn die Band das Tempo kurz anders gewichtet und den Groove stärker durchscheinen lässt. Dadurch entsteht Abwechslung, ohne dass Desolus plötzlich zahm wirken würden. Keine Sorge, hier wird weiterhin geprügelt, nur eben mit leicht anderem Gesichtsausdruck.

Uraltes Übel, frische Schläge

»Primordial Evil« macht dem Namen alle Ehre. Hier geht es inhaltlich um das Böse als etwas Ursprüngliches, etwas, das nicht erst entsteht, sondern schon immer unter der Oberfläche gelauert hat. Kein moderner Horror, kein technischer Albtraum, sondern uralte Finsternis mit Zähnen. Der Song passt damit perfekt zur gesamten Albumästhetik.

Musikalisch ist »Primordial Evil« ein kompakter Thrash-Abriss mit schwarzer Färbung. Die Drums feuern, die Gitarren reißen nach vorne, und der Gesang klingt weiterhin so, als wäre Ruhe eine persönliche Beleidigung. Diese permanente Attacke kann für manche Hörer anstrengend sein, aber wer genau das sucht, bekommt hier die volle Packung.

Die Stärke des Songs liegt in seiner Direktheit. Desolus überlegen nicht lange, ob sie noch eine hübsche Brücke einbauen sollten. Sie rennen los und lassen den Rest hinter sich aufräumen. Manchmal ist das vollkommen ausreichend.

Slayer als Pflichtübung und Finale im dunklen Reich

Mit »Show No Mercy« steht eine Slayer-Coverversion auf dem Album. Das passt natürlich wie der Patronengurt zur Lederjacke, denn der Einfluss der alten Thrash-Schule ist bei Desolus ohnehin kaum zu überhören. Die Band spielt den Song energisch und respektvoll, auch wenn man ehrlich sagen darf: Der spannendere Teil des Albums liegt klar im eigenen Material.

Der Abschluss »Nefarious Dominion« bringt die Platte dann noch einmal auf den eigenen Kurs zurück. Der Titel deutet auf ein finsteres Herrschaftsgebiet, auf Macht, Verdammnis und eine Welt, in der das Böse nicht mehr anklopft, sondern längst auf dem Thron sitzt. Musikalisch ziehen Desolus noch einmal das Tempo an und schließen das Album mit einem Stück ab, das nicht versöhnlich endet, sondern die Tür zur Gruft offenstehen lässt.

Als Finale funktioniert »Nefarious Dominion« gut, auch wenn die erste Albumhälfte insgesamt noch zwingender wirkt. Dennoch bleibt die Nummer stark genug, um das Werk mit erhobenem Schädel und kaputtem Nacken zu verlassen.

Fazit

»Dwellers of the Twilight Void« ist ein brachiales, rasendes und schön finsteres Thrash-Metal-Album geworden. Desolus erfinden den Stil nicht neu, aber das ist hier auch nicht der Auftrag. Die Band nimmt die alte Schule, jagt sie durch ein Horror-VHS-Portal, streut Death-Thrash-Schärfe darüber und haut anschließend so lange drauf, bis die Sache ordentlich dampft.

Besonders stark sind »Dweller of the Twilight Void«, »Trespass the Threshold«, »The Pact (Sealed in Blood)«, »Threading the Atom« und »Visages of Death«. Gerade die erste Albumhälfte ist ein wilder Lauf, der kaum Luft lässt und trotzdem genügend Riff-Ideen mitbringt, um nicht als stumpfes Geballer durchzugehen. Die zweite Hälfte verliert minimal an Überraschungskraft, bleibt aber immer noch stark genug, um jeden Thrash-Fan mit Vorliebe für rasende, dunkle und leicht wahnsinnige Musik abzuholen.

Die neue Quartett-Besetzung tut der Band hörbar gut. Die zweite Gitarre gibt dem Sound mehr Breite, Bileh Dougsiyeh bringt an den Drums eine irre Energie ein, und die Produktion besitzt diese raue, kellerartige Klarheit, die zum Material passt. Nicht jedes Detail ist perfekt ausgeleuchtet, aber genau dadurch bleibt der Sound lebendig.

Schlusswort

Wer mit frühem Kreator, Sodom, Dark Angel, Sadus, Slayer und death-thrashiger Raserei etwas anfangen kann, sollte Desolus nicht ignorieren. »Dwellers of the Twilight Void« ist kein höfliches Album, sondern ein 36-minütiger Sprint durch Schädel, Feuer, Portale und Riffsalven.

Hier wird nicht dekoriert, hier wird geschossen. Desolus liefern ein Album, das nach altem Thrash riecht, aber nicht wie bloße Nostalgie wirkt. Es ist schnell, fies, brachial und macht genau das, was es machen soll: Prügel rausschmeißen, Nacken ruinieren und den Hörer mit einem Grinsen zurücklassen, das vermutlich ärztlich abgeklärt werden sollte.

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Desolus - Dwellers of the Twilight Void - CD Review

Dromos – Failing Light

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Dromos - Failing Light - album artwork
Dromos - Failing Light - album artwork

Band: DROMOS 🇬🇧
Titel: »Failing Light«
Label: Argonauta Records
Herkunft: London, England
VÖ: 15.05.2026
Genre: Funeral Doom / Death Doom / Atmospheric Doom Metal
Format: CD / Digital

Tracklist

01. My Final Tomb
02. Death Is Silence
03. Sinking Horizon

Besetzung

Sami – Vocals
Patrick – Guitars
Amadeus – Guitars
Matt – Bass

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Über Argonauta Records erschienen, legen die Londoner Funeral-Doom-Visionäre DROMOS mit »Failing Light« ein Album vor, das mit gerade einmal drei Songs auf über 46 Minuten Spielzeit kommt. Wer hier nach schneller Unterhaltung sucht, ist ungefähr so richtig wie ein Speed-Metal-Fan auf einer Beerdigung im Zeitlupentempo. DROMOS nehmen sich Zeit, breiten ihre Kompositionen aus und lassen jeden Ton so lange im Raum stehen, bis er nicht mehr nur gehört, sondern körperlich wahrgenommen wird.

Bereits das Konzept des Albums ist klar: Hier geht es nicht um schnelle Effekte, sondern um Schwere, Verlust, innere Leere und jene Art von musikalischer Geduld, die im Funeral Doom zwingend notwendig ist. »Failing Light« klingt nicht nach einem Album, das dem Hörer entgegenläuft. Es wartet. Es steht da. Es schaut einen an. Und irgendwann merkt man, dass man längst in dieser Dunkelheit sitzt.

Nach ihrer 2024 erschienenen EP gehen DROMOS auf »Failing Light« deutlich weiter in Richtung Funeral Doom, atmosphärischer Doom und meditativer Langform. Die Death-Doom-Wurzeln sind weiterhin spürbar, doch die Band verzichtet auf überflüssige Ausbrüche und setzt stattdessen auf Spannung, Wiederholung, Textur und langsame Verschiebungen. Das ist Musik für Menschen, die auch dann noch zuhören, wenn andere längst gefragt haben, ob der Song eigentlich schon angefangen hat.

DROMOS - Audio & Video Playlist

Ein Grab, das sich nicht öffnet, sondern langsam schließt

Mit »My Final Tomb« eröffnen DROMOS dieses Werk nicht mit einem klassischen Einstieg, sondern mit einem langsamen Abstieg. Über zwölf Minuten bauen sich Gitarren, Bass und Stimme zu einer Klangmasse auf, die nicht hektisch drückt, sondern mit unerbittlicher Ruhe arbeitet. Die Riffs bewegen sich in gemächlichen Bahnen, die Verzerrung liegt schwer im Raum, und die Stimme von Sami wirkt, als käme sie nicht aus einer Kehle, sondern aus einem Ort, an dem längst keine Sonne mehr ankommt.

Inhaltlich lässt sich »My Final Tomb« als Auseinandersetzung mit Endgültigkeit, Rückzug und dem Bewusstsein des eigenen Verschwindens lesen. Der Titel spricht nicht von irgendeinem Grab, sondern von einem letzten Ort. Es geht also nicht nur um Tod als abstraktes Motiv, sondern um die intime Vorstellung, dass alles irgendwann auf einen Punkt zuläuft, an dem keine Fluchtbewegung mehr möglich ist. Genau das übersetzen DROMOS musikalisch sehr überzeugend: Der Song schreitet nicht voran, er senkt sich ab.

Besonders gelungen ist, dass die Band trotz der enormen Langsamkeit nicht in bloße Monotonie kippt. Die Gitarren von Patrick und Amadeus arbeiten mit kleinen Verschiebungen, während Matt am Bass das Fundament nicht nur stützt, sondern richtig spürbar macht. Hier geht es nicht um technische Angeberei. Hier zählt Gewicht, Atmosphäre und die Kunst, aus wenigen Bewegungen eine große Wirkung zu ziehen.

Wenn Schweigen lauter wird als jedes Wort

»Death Is Silence« führt diesen Weg fort, wirkt dabei aber noch stärker wie ein innerer Raum. Der Song nimmt sich über 13 Minuten Zeit und macht deutlich, dass DROMOS Funeral Doom nicht als starre Stilübung verstehen. Zwischen growlender Tiefe, harschen Momenten und beinahe verletzlich wirkenden klareren Passagen entsteht ein Spannungsfeld, das dem Stück eine sehr menschliche Note gibt. Gerade diese Mischung ist wichtig, weil die Musik sonst schnell nur als schwere Wand funktionieren würde.

Der Titel »Death Is Silence« öffnet viel Deutungsraum. Tod erscheint hier nicht als lauter Einschlag, sondern als Verstummen. Als Ende von Sprache, Erinnerung, Widerstand und vielleicht auch Trost. Wo andere Bands solche Themen mit großen Gesten ausbreiten, setzen DROMOS auf Geduld. Die Musik wirkt, als würde sie um eine Leerstelle kreisen, ohne sie direkt auszusprechen.

Musikalisch ist das Stück besonders stark, wenn die Band die Spannung in langen Bögen hält. Einzelne melodische Linien lösen sich aus der schweren Grundierung, verschwinden aber wieder, bevor sie zu viel Hoffnung aufkommen lassen. Das ist kein Song, der mit schnellen Höhepunkten arbeitet. Vielmehr entwickelt er eine bedrückende Sogwirkung, die sich erst nach mehreren Minuten vollständig entfaltet. Hier muss man als Hörer mitgehen. Wer nur nebenbei reinhört, verpasst den eigentlichen Kern.

Gerade in der mittleren Phase zeigt sich die Stärke von DROMOS: Die Band lässt Raum, ohne dass das Arrangement leer wirkt. Zwischen den Tönen liegt viel Spannung, und genau dort entsteht die eigentliche Wirkung. Das erinnert in seiner Geduld und Größe stellenweise an die Schule von Bell Witch oder Mournful Congregation, ohne einfach deren Formel nachzubauen.

Zwanzig Minuten Untergang im Zeitlupenformat

Mit »Sinking Horizon« folgt schließlich das große Schlusskapitel. Über 20 Minuten Laufzeit sind im Funeral Doom natürlich keine Seltenheit, aber sie sind immer auch eine Prüfung. Eine Band muss diese Zeit füllen können, ohne nur Länge mit Bedeutung zu verwechseln. DROMOS bestehen diese Prüfung weitgehend sehr souverän. Das Stück wirkt wie ein langsames Versinken, bei dem der Horizont nicht mehr Orientierung gibt, sondern selbst verschwindet.

Inhaltlich lässt sich »Sinking Horizon« als finale Bewegung des Albums verstehen. Nach dem persönlichen Grab und dem Schweigen des Todes öffnet sich nun ein größerer, beinahe kosmischer Abgrund. Der Horizont, normalerweise Zeichen von Richtung oder Zukunft, sinkt weg. Was bleibt, ist kein klarer Ausblick, sondern eine Weite, die zunehmend alles verschluckt. Diese Deutung passt hervorragend zur offiziellen Beschreibung des Albums als Musik, die Verlust und seine scharfen Ränder nachzeichnet.

Musikalisch arbeiten DROMOS hier mit noch größerer Geduld. Die Riffs rollen langsam heran, ziehen sich zurück, verdichten sich wieder und schaffen eine Atmosphäre, die zwischen Trauer, Erschöpfung und stiller Erhabenheit pendelt. Die Vocals setzen dunkle Akzente, während die Instrumente nicht einfach begleiten, sondern den eigentlichen seelischen Raum des Songs bilden. Besonders stark sind jene Momente, in denen die Gitarren nicht nur schwer, sondern beinahe schwebend wirken.

Natürlich verlangt »Sinking Horizon« einiges an Aufmerksamkeit. Wer Funeral Doom nicht gewohnt ist, wird hier eventuell mit den Hufen scharren und auf den großen Ausbruch warten. Doch genau darum geht es nicht. Der Song lebt von seiner Dauer, seiner langsamen Entfaltung und dieser unerbittlichen Konsequenz. DROMOS machen keine Musik für den schnellen Hunger. Sie servieren ein Werk, das man aushalten und durchschreiten muss.

Fazit

»Failing Light« ist ein starkes, schweres und erstaunlich geschlossenes Funeral-Doom-Album geworden. DROMOS reduzieren ihr Material nicht auf reine Langsamkeit, sondern arbeiten mit Atmosphäre, Klangtiefe und emotionaler Spannung. Die drei Songs greifen sinnvoll ineinander und wirken weniger wie einzelne Stücke als wie drei Abschnitte einer langen Bewegung nach unten.

Besonders überzeugend ist die Produktion. Der Mix von Greg Chandler gibt dem Album Tiefe, ohne alles in undurchdringlichem Nebel verschwinden zu lassen. Die Gitarren haben Raum, der Bass trägt mit enormer Schwere, und die Stimme sitzt genau dort, wo sie hingehört: nicht dominant über allem, sondern eingebettet in diese massive Klangarchitektur. Das Mastering von James Plotkin sorgt zusätzlich dafür, dass die Platte druckvoll bleibt, ohne ihre Dynamik zu verlieren.

Kleine Einschränkung: »Failing Light« ist kein Album für jede Stimmung und auch kein Werk, das sich beim ersten Hören sofort vollständig öffnet. Gerade »Sinking Horizon« fordert Geduld, und an manchen Stellen hätte ein minimal stärkerer Kontrast dem Material noch zusätzliche Wirkung gegeben. Doch das ist Kritik im Detail, denn grundsätzlich wissen DROMOS sehr genau, was sie tun.

Schlusswort

Wer Funeral Doom sucht, der nicht nur auf rohe Schwere setzt, sondern auf Atmosphäre, Verlust, meditative Wiederholung und eine fast rituelle Langsamkeit, sollte DROMOS unbedingt auf dem Schirm haben. »Failing Light« ist kein leichter Brocken, aber ein lohnender. Dieses Album hetzt nicht, bettelt nicht um Aufmerksamkeit und macht keinerlei Anstalten, sich dem Hörer anzubiedern. Es steht einfach da, dunkel, massiv und geduldig.

Für Freunde von Bell Witch, Mournful Congregation, Warning, Pallbearer und den langsameren Seiten von Esoteric ist »Failing Light« eine klare Empfehlung. DROMOS liefern ein Debütalbum, das mit wenigen Songs eine enorme Wirkung erzielt und zeigt, dass Funeral Doom auch 2026 noch tief treffen kann, wenn eine Band Geduld, Atmosphäre und Gewicht richtig einzusetzen weiß.

DROMOS - My Final Tomb

Internet

DROMOS - Failing Light - CD Review

Gravery – Purified In Blood

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Gravery - Purified In Blood - cover Artwork
Gravery - Purified In Blood - cover Artwork

Band: Gravery 🇮🇹
Titel: Purified In Blood
Label: Upstate Records / Blood Blast Distribution
Herkunft: Mailand, Italien
VÖ: 15.05.2026
Genre: Downtempo Deathcore / Beatdown / Deathcore
Format: EP / Digital

Tracklist

01. Icon of Sin
02. Purified In Blood
03. Fragments of Life
04. An Ode To Death

Besetzung

Luca “Pigo” De Simone – Vocals
Luca Cocconi – Guitars
Francesco Marenghi – Bass

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Schmeißen sie euch die Prügel raus! Anders kann man den Einstieg in »Purified In Blood« von Gravery kaum passend beschreiben. Die italienische Downtempo-Deathcore-Formation aus Mailand kommt nicht mit Samthandschuhen, nicht mit vorsichtigem Herantasten und schon gar nicht mit freundlicher Begrüßungsmusik um die Ecke. Hier werden die Verstärker angeschoben, die Boxen bekommen direkt Druck auf die Membran, und nach wenigen Sekunden ist klar: Diese EP will keine langen Erklärungen liefern, sondern einschlagen.

Nach ihrer ersten EP »Everything That Is Born Must Die« und mehreren Singles zeigen Gravery auf »Purified In Blood«, dass sie ihren Sound weiter verdichtet haben. Vier Songs, knapp über zwölf Minuten Spielzeit, keine unnötige Luft im System. Das Material bewegt sich zwischen Downtempo Deathcore, Beatdown-Schwere und grob gehauenen Death-Metal-Anteilen. Wer also nach filigranem Schöngeist sucht, ist hier falsch abgebogen. Wer aber gerne tief gestimmte Gitarren, bösartige Breakdowns und eine Atmosphäre zwischen Aggression, innerem Verfall und düsterer Katharsis sucht, bekommt ordentlich Futter.

Gravery - Purified In Blood - YouTube Playlist

Wenn die Sünde direkt die Tür eintritt

Mit »Icon of Sin« starten Gravery ohne Umwege. Der Song wirkt wie eine Ansage aus Beton: schwere Gitarren, ein tief pumpender Bass und ein Gesang, der nicht bittet, sondern befiehlt. Luca “Pigo” De Simone klingt dabei wie jemand, der seine Stimmbänder nicht schont, sondern als Werkzeug benutzt, um Druck aufzubauen. Die Growls und Shouts sind massiv, roh und direkt, ohne dass sie im Mix untergehen.

Inhaltlich lässt sich »Icon of Sin« als Blick auf Schuld, Verfall und eine beinahe kultische Selbstzerstörung lesen. Der Titel deutet auf eine Figur hin, die nicht nur sündigt, sondern selbst zum Symbol der Sünde geworden ist. Das passt zur musikalischen Gestaltung: Der Song wirkt nicht wie eine Erzählung über moralischen Konflikt, sondern wie dessen körperliche Entladung. Besonders die Breakdowns sitzen dabei wuchtig und geben dem Stück diese unbarmherzige Wirkung, die moderner Deathcore braucht.

Blutritual mit schwerem Fundament

Der Titeltrack »Purified In Blood« geht noch stärker in eine rituelle Richtung. Schon der Titel arbeitet mit einem paradoxen Bild: Reinigung durch Blut. Das klingt nicht nach Erlösung im hellen Sinne, sondern nach einer gewaltsamen Form von Läuterung. Hier wird nichts sauber gewaschen, hier wird etwas durch Schmerz, Opfer und Gewalt transformiert.

Musikalisch setzen Gravery auf eine niederwalzende Struktur. Aufgebaut auf ein standfestes Fundament aus Bass und Gitarren schiebt der Song langsam, aber mit massiver Wirkung nach vorne. Luca Cocconi legt die Gitarren nicht einfach als Lärmteppich aus, sondern setzt die Riffs gezielt wie Schläge. Francesco Marenghi sorgt am Bass für zusätzliche Tiefe und lässt den Sound richtig aus dem Bauch heraus arbeiten.

Genau hier zeigt sich, warum diese EP funktioniert. Gravery sind nicht angetreten, um besonders viele Farben zu malen. Sie setzen auf wenige, aber sehr wirkungsvolle Mittel: Druck, Wiederholung, Breaks und eine finstere Grundstimmung. Der Titeltrack ist dabei das Zentrum der EP, weil er musikalische Gewalt und thematische Dunkelheit am klarsten zusammenbringt.

Reste eines Lebens zwischen Druck und Leere

»Fragments of Life« bringt im Vergleich eine etwas andere Färbung hinein. Der Song bleibt schwer, bleibt kompromisslos und bleibt klar im Deathcore verwurzelt, wirkt aber in seiner Stimmung etwas zerrissener. Schon der Titel legt nahe, dass es um Bruchstücke, Erinnerungsreste oder ein Leben geht, das nicht mehr als Ganzes wahrgenommen wird.

Inhaltlich kann man »Fragments of Life« als Auseinandersetzung mit innerem Zerfall lesen. Es geht weniger um äußere Gewalt als um das Gefühl, dass etwas Menschliches in Einzelteile zerfällt. Die Musik unterstützt diesen Eindruck durch einen Wechsel aus stampfenden Passagen und kurzen Bewegungen, die den Song etwas dynamischer wirken lassen. Hier zeigt die Band, dass sie nicht nur eine einzige Prügel-Temperatur kennt.

Besonders stark ist der Bass, der den Song nicht nur unten absichert, sondern ihm eine eigene Schwere gibt. Zusammen mit den Gitarren entsteht eine Wand, die nicht schön sein will, aber effektiv arbeitet. Gravery bleiben dabei angenehm direkt: kein übertriebener Aufbau, kein künstliches Drama, sondern klare Ansage und dann ab dafür.

Eine Todeshymne ohne Weihrauch

Mit »An Ode To Death« endet »Purified In Blood« auf konsequente Weise. Der Titel klingt zunächst fast feierlich, doch musikalisch wird hier nichts verklärt. Diese Ode ist kein getragenes Abschiedslied, sondern ein weiterer schwerer Schlag aus dem Maschinenraum. Die Riffs arbeiten mächtig, die Breakdowns kommen mit ordentlich Gewicht, und der Song gibt der EP einen Abschluss, der nicht versöhnt, sondern noch einmal nachsetzt.

Inhaltlich steht »An Ode To Death« für eine direkte Konfrontation mit Tod und Endlichkeit. Nicht als poetische Betrachtung, sondern als harte Tatsache. Gerade dadurch passt der Song sehr gut ans Ende. Nach Sünde, Blutritual und Lebensfragmenten steht hier das letzte Motiv: Tod als Endpunkt, als Schatten über allem und vielleicht auch als einzige Gewissheit in einer Welt, die bei Gravery ohnehin nicht gerade freundlich gezeichnet wird.

Musikalisch ist das Stück einer der stärksten Momente der EP. Die Riffs wirken massiv, die Rhythmik zieht schwer nach unten, und Luca “Pigo” De Simone liefert noch einmal eine vokale Vorstellung, die keine Gefangenen macht. Das ist nicht subtil, will es aber auch nicht sein. Gravery schließen die EP so, wie sie sie begonnen haben: mit maximalem Druck und klarer Zielrichtung.

Fazit

»Purified In Blood« ist kurz, hart und auf den Punkt gebracht. Gravery liefern hier keine ausufernde Reise, sondern vier kompakte Schläge aus Downtempo Deathcore, Beatdown und dunkler Death-Metal-Schwere. Das Rad wird nicht neu erfunden, aber die Italiener wissen sehr genau, welche Werkzeuge sie einsetzen müssen, damit das Ergebnis funktioniert.

Besonders stark sind der direkte Einstieg mit »Icon of Sin«, die rituelle Wucht des Titeltracks »Purified In Blood« und der massive Abschluss »An Ode To Death«. »Fragments of Life« bringt zusätzlich eine leicht andere Stimmung hinein und verhindert, dass die EP zu gleichförmig wirkt. Die Produktion ist modern, druckvoll und lässt genug Raum für Bass und Gitarren, damit die Songs nicht nur laut, sondern auch körperlich spürbar wirken.

Natürlich darf man hier keine große stilistische Überraschung erwarten. Gravery setzen auf direkte Gewalt, tiefe Stimmung und langsame Einschläge. Wer damit nichts anfangen kann, wird nach wenigen Minuten die weiße Fahne schwenken. Wer aber auf Bands wie Bodysnatcher, Cell, Heavy//Hitter oder Volatile Ways steht, bekommt mit »Purified In Blood« eine EP, die ordentlich die Statik im Raum prüft.

Schlusswort

Gravery liefern mit »Purified In Blood« eine starke zweite EP ab, die genau weiß, was sie sein will: kurz, schwer, finster und kompromisslos. Die Band zeigt noch Luft nach oben, gerade wenn es um mehr Abwechslung innerhalb der Songstrukturen geht, aber das Fundament stimmt. Für Fans von modernem Downtempo Deathcore ist das hier ein amtlicher Brocken.

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Gravery - Purified In Blood - EP Review

VOLBEAT, FULCI 29.06.26 Residenzplatz Salzburg

volbeat - Live Photo Salzburg Residenzplatz

VOLBEAT, FULCI 29.06.26 Residenzplatz Salzburg

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VOLBEAT & FULCI am Residenzplatz Salzburg – Metal trifft auf Sommerfest-Stimmung

Zwei Welten, eine Bühne

Wenn sich an einem milden Frühlingsabend mehrere tausend Besucher auf dem historischen Residenzplatz in Salzburg versammeln, erwartet man vieles: Rock, ausgelassene Stimmung, Bierbecher in der Luft und jede Menge Mitsingmomente. Was vermutlich die wenigsten erwartet hatten, war ein kompromissloser Auftakt aus italienischem Brutal Death Metal. Genau dafür sorgten FULCI am 29. Mai 2026 als Support für die dänischen Rock- und Metal-Giganten VOLBEAT.

Die Kombination wirkte auf dem Papier ungewöhnlich, entwickelte aber ihren ganz eigenen Reiz. Während FULCI mit extremen Sounds und Horrorfilm-Ästhetik die Grenzen des Publikums testeten, lieferten VOLBEAT später eine nahezu perfekte Mischung aus Heavy Metal, Hard Rock, Rockabilly und Groove Metal, die den Residenzplatz in eine einzige große Feier verwandelte.

FULCI fordern das Publikum heraus

Die italienische Formation FULCI gehört seit Jahren zu den spannendsten Vertretern des Brutal Death Metal. Benannt nach dem legendären Horror-Regisseur Lucio Fulci, setzen die Musiker konsequent auf extreme Härte, düstere Atmosphäre und technische Präzision. Dies wurde während der Songs ersichtlich, bei welchen Einspielungen im Hintergrund liefen, welche den Rezensenten an seine jungen Jahre erinnerten. 80er Splatter aus der Feder des oben genannten Regisseurs. Sehr gute Kombination mit dem Todesblei der Italiener.

Mit Jason Dahlke am Mikrofon, den Gitarristen Domenico Diego und Ando Ferraiuolo, Bassist Clemente Diglio sowie Schlagzeuger Edoardo Nicoloso legte die Band vom ersten Ton an ein brutales Brett vor. Blastbeats, tief gestimmte Gitarren und gutturale Growls dominierten das Geschehen auf der Bühne.

Dabei wurde schnell deutlich, dass etwa 80 Prozent der anwesenden Besucher mit dieser Form des Death Metals nicht sonderlich vertraut waren. Viele Zuschauer blickten zunächst etwas ratlos Richtung Bühne, während eingefleischte Extreme-Metal-Fans die Gelegenheit nutzten, die Italiener lautstark zu feiern und ihre Rübe ordentlich zu schütteln. Meine Person betreffend war der Sound, wie desgleichen die Kombination des Death Metal sichtlich angetan und noch heute spüre ich die Auswirkungen im Nackenbereich.

Dennoch darf man FULCI zugutehalten, dass sie ihren Auftritt ohne Kompromisse durchzogen. Anstatt sich einem breiteren Publikum anzubiedern, präsentierte die Band genau das, wofür sie stehen. Kompromisslose Härte und musikalische Extreme. Wenngleich die Resonanz im Publikum unterschiedlich ausfiel, hinterließ die Gruppe einen professionellen Eindruck und bewies, dass sie auch auf großen Bühnen bestehen kann.

VOLBEAT übernehmen das Kommando

Nach einer Umbaupause war die Spannung spürbar. Die Vorfreude auf VOLBEAT war im gesamten Areal greifbar. Als die Band schließlich die Bühne betrat und mit »The Mirror and the Ripper« eröffnete, war die anfängliche Zurückhaltung schlagartig verschwunden.

Frontmann Michael Poulsen zeigte sich von Beginn an bestens aufgelegt. Seine markante Stimme gehört mittlerweile zu den unverwechselbarsten im modernen Rock und Metal. Unterstützt wurde er von Gitarrist Flemming C. Lund, Bassist Kaspar Boye Larsen und Drummer Jon Larsen, die gemeinsam eine eingespielte und druckvolle Einheit bildeten.

Bereits bei »Lola Montez« verwandelte sich der Residenzplatz in einen riesigen Chor. Kaum ein Song demonstriert besser die besondere Fähigkeit von VOLBEAT, eingängige Melodien mit schweren Gitarrenriffs zu verbinden. Die Zuschauer sangen jede Zeile mit und sorgten für die ersten Gänsehautmomente des Abends.

Neue Songs bestehen den Praxistest

Besonders interessant war die Integration aktuellerer Stücke in die Setlist. »Temple of Ekur«, »Demonic Depression«, »Fallen« und »By a Monster’s Hand« fügten sich nahtlos zwischen die bekannten Klassiker ein.

Vor allem »Demonic Depression« entfaltete live eine beeindruckende Wirkung. Die düstere Grundstimmung des Songs wurde durch die intensive Darbietung der Band noch verstärkt. Gleichzeitig bewies das Publikum, dass auch die neueren Stücke bereits ihren Platz im VOLBEAT-Kosmos gefunden haben.

Michael Poulsen verstand es dabei immer wieder, die Zuschauer einzubinden. Seine Ansagen wirkten sympathisch und authentisch, ohne jemals künstlich oder aufgesetzt zu erscheinen.

Eine Reise durch die Bandgeschichte

volbeat - Live Photo Salzburg ResidenzplatzIm weiteren Verlauf des Konzerts präsentierten VOLBEAT einen gelungenen Querschnitt ihrer Karriere. Mit »Sad Man’s Tongue« kam erstmals die Rockabilly-Seite der Band besonders stark zur Geltung. Sofort wurde getanzt, geklatscht und laut mitgesungen.

»The Devil’s Bleeding Crown«, »Guitar Gangsters & Cadillac Blood« und »Dead but Rising« sorgten anschließend für zusätzliche Dynamik. Gerade die härteren Songs entwickelten vor der beeindruckenden Kulisse des Salzburger Residenzplatzes eine enorme Wucht.

Ein besonderes Highlight blieb einmal mehr das legendär betitelte »In the Barn of the Goat Giving Birth to Satan’s Spawn in a Dying World of Doom«. Trotz seines beinahe absurd langen Titels gehört der Song zu den beliebtesten Nummern der Band und wurde entsprechend enthusiastisch aufgenommen.

Mit »Heaven nor Hell« folgte einer der emotionalsten Momente des Abends. Tausende Stimmen sangen den Refrain gemeinsam, während die Abenddämmerung langsam über Salzburg hereinbrach.

Stimmung auf Höchstniveau

Was den gesamten Abend auszeichnete, war die durchwegs ausgezeichnete Atmosphäre. VOLBEAT besitzen die seltene Fähigkeit, unterschiedlichste Fans unter einem Dach zu vereinen. Metalheads standen neben Rockfans, Familien neben langjährigen Anhängern der Band.

Bei »Shotgun Blues«, »The Devil Rages On«, »Die to Live« und »Let It Burn« erreichte die Stimmung endgültig ihren Höhepunkt. Die Besucher feierten ausgelassen, ohne dass die Veranstaltung jemals chaotisch wirkte.

Auch organisatorisch präsentierte sich das Konzert auf einem guten Niveau. Die Abläufe funktionierten reibungslos, Wartezeiten hielten sich in Grenzen und die Sicherheitskräfte agierten unauffällig, aber professionell.

Die große Schlussphase

Mit »Better Be Fueled Than Tamed« und »Seal the Deal« steuerte der Abend auf sein Finale zu. Spätestens bei »For Evigt« war klar, dass VOLBEAT ihr Publikum fest in der Hand hatten.

Als anschließend »Still Counting« angestimmt wurde, verwandelte sich der Residenzplatz endgültig in einen einzigen großen Chor. Kaum ein Song besitzt im Live-Kontext eine vergleichbare Wirkung. Die Zuschauer sangen jede Zeile mit und feierten die Band frenetisch. Besonders den Rock/Metal Nachwuchs auf die Bühne zu laden, fanden alle sichtlich sympathisch. Blickte man auf die Gesichter der Kids, war klar, diese Band aus Dänemark ist für Jung und Alt. Generationenverbindend und mit viel Kommunikation über die Absperrungen hinweg.

Den Abschluss bildete das Medley aus »A Warrior’s Call« und »Pool of Booze, Booze, Booza«. Noch einmal wurde alles mobilisiert, was an Energie vorhanden war. Fäuste reckten sich in die Luft, Bierbecher wurden gehoben und die Band verabschiedete sich unter lautem Jubel.

Ein kleiner Makel zum Schluss

So gelungen der Abend insgesamt auch war, ein organisatorischer Kritikpunkt blieb nicht unerwähnt. Unmittelbar nach dem letzten Song wurden die WC-Anlagen geschlossen. Angesichts der großen Besucherzahl führte dies zu einer wenig erfreulichen Situation. Zahlreiche Konzertbesucher sahen sich gezwungen, ihre Notdurft an umliegenden Hausmauern zu verrichten. Eine längere Öffnungszeit der Sanitäranlagen hätte dieses Problem problemlos vermeiden können und wäre im Sinne aller Beteiligten gewesen. Über die Getränkepreise will ich gar nicht erst sprechen, denn solch überteuerten Preise stießen bei mir auf Unverständnis.

VOLBEAT lieferten am Residenzplatz Salzburg ein beeindruckendes Konzert ab, das sowohl musikalisch als auch atmosphärisch überzeugte. Die Dänen präsentierten eine hervorragend zusammengestellte Setlist, spielten technisch auf hohem Niveau und schafften es mühelos, mehrere tausend Menschen in Feierlaune zu versetzen.

FULCI eröffneten den Abend mit einer kompromisslosen Demonstration des Brutal Death Metal. Wenngleich ein Großteil des Publikums mit dieser extremen Stilrichtung wenig anfangen konnte, zeigte die Band Charakter und zog ihren Auftritt konsequent durch.

Am Ende bleibt ein Konzertabend in Erinnerung, der von guter Organisation, großartiger Stimmung und einer fantastisch aufgelegten Hauptband geprägt war. VOLBEAT bewiesen einmal mehr, warum sie zu den erfolgreichsten europäischen Rock- und Metalbands der Gegenwart zählen. Salzburg bekam eine energiegeladene Show geboten, die den Fans noch lange im Gedächtnis bleiben dürfte.

Setlist Volbeat

01. The Mirror and the Ripper
02. Lola Montez
03. Temple of Ekur
04. Demonic Depression
05. Fallen
06. Sad Man’s Tongue
07. The Devil’s Bleeding Crown
08. By a Monster’s Hand
09. Guitar Gangsters & Cadillac Blood
10. Dead but Rising
11. In the Barn of the Goat Giving Birth to Satan’s Spawn in a Dying World of Doom
12. Heaven nor Hell
13. Shotgun Blues
14. The Devil Rages On
15. Die to Live
16. Let It Burn
17. Better Be Fueled Than Tamed
18. Seal the Deal
19. For Evigt
20. Still Counting
21. A Warrior’s Call / Pool of Booze, Booze, Booza

VOLBEAT, FULCI - Live Review

Die Enterbten – Niemals Zu Spät

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DIE ENTERBTEN – NIEMALS ZU SPÄT: ART-PUNK, NEONLICHT UND EINE STIMME MIT WOW CHARAKTER

Band: Die Enterbten 🇩🇪
Titel: Niemals Zu Spät
Label: NRT-Records
VÖ: Sommer 2026
Format: CD / Digital / Hi-Res Download (+ Bonusfeatures)
Genre: Neonpunk / Art-Punk / New Wave / Alternative Rock

Tracklist

01. Bock Auf Dieses Leben
02. Niemals Zu Spät
03. Nein
04. Stark Wie Ein Shark
05. Hauptgewinn
06. Einzigartig
07. Mädchen
08. Im Bett Geblieben
09. Frei
10. Tick Tack

Besetzung

Michaela Ansey – Gesang
Frank Hentschel – Gitarre
Mario Hoverath – Bass
Guido Rizzato – Keyboard
Ingo Dudda – Schlagzeug

Alle Songs geschrieben von:
Michaela Ansey & Die Enterbten

Alle Songs komponiert von:
Michaela Ansey, Frank Hentschel, Guido Rizzato, Mario Hoverath, Ingo Dudda

Produktion:
Die Enterbten

Mix & Master:
Peter Dümmler

Bewertung:

4,5 von 5 Punkten

Mit »Niemals Zu Spät« liefern Die Enterbten ein Album ab, das bewusst auf den glorreichen Schatten der Achtziger blickt, sich dort aber nicht bequem einrichtet. Die Band aus Brühl verbindet New Wave, Alternative Rock und Art-Punk zu einem Sound, der die Vergangenheit kennt, aber in der Gegenwart steht. Das klingt nach Neonlicht, nach Clubbühne, nach deutschen Texten mit Haltung und nach einer Band, die sehr genau weiß, dass Nostalgie allein noch keinen Song trägt.

Wer bei Nina Hagen Band die expressive Frontstimme, bei Ideal die direkte deutsche New-Wave-Schlagkraft und bei frühem Alternative Rock die kantige Unmittelbarkeit schätzt, dürfte hier sehr schnell andocken. Die Enterbten kopieren diese Referenzen jedoch nicht, sondern übersetzen deren Energie in einen eigenen Begriff: Neonpunk. Der passt, denn diese Musik leuchtet, hat aber trotzdem Ecken.

Musikvideo:

EINE BAND MIT VORGESCHICHTE UND ZIELRICHTUNG

Gegründet wurden Die Enterbten 2023 in Brühl. Einzelne Mitglieder hatten zuvor bereits gemeinsam bei Die Rockgören gespielt, doch hier geht es nicht um Coverband-Routine, sondern um eigenes Material mit klarem Profil. Michaela Ansey steht als Frontfrau im Mittelpunkt, während Frank Hentschel an der Gitarre, Mario Hoverath am Bass, Guido Rizzato an den Keyboards und Ingo Dudda am Schlagzeug den musikalischen Rahmen setzen.

Schon in den ersten Takten wird klar: Hier steht keine unsichere Newcomer-Truppe im Raum, sondern eine Band, die Erfahrung mitbringt. Der Sound wirkt geschlossen, das Zusammenspiel sitzt, und die Songs sind nicht auf bloße Attitüde gebaut. Die Enterbten verbinden Spielfreude mit Struktur. Das ist gerade bei dieser Mischung aus Punk, Wave und Alternative wichtig, denn ohne Substanz würde der Stil schnell zur bloßen Pose verkommen.

BOCK AUF DIESES LEBEN – DER AUFTAKT ALS ANSAGE

Mit »Bock Auf Dieses Leben« öffnen Die Enterbten das Album sehr direkt. Der Song hat Tempo, Druck und einen positiven Grundimpuls, ohne in platte Gute-Laune-Musik abzurutschen. Ingo Dudda legt am Schlagzeug einen treibenden Puls vor, Mario Hoverath gibt dem Stück mit seinem Bassspiel Stabilität, während Frank Hentschel die Gitarren klar und schnörkellos aufsetzt. Dazu leuchten die Keyboards von Guido Rizzato in genau jener 80er-Farbe, die dem Album seine eigene Signatur gibt.

Textlich geht es um Widerstand gegen innere Schwere. Der Song ruft nicht einfach zur oberflächlichen Lebensfreude auf, sondern stellt Lebenslust als aktive Entscheidung dar. Sorgen, dunkle Phasen und Selbstzweifel werden nicht ausgeblendet, aber sie bekommen nicht das letzte Wort. Der Refrain funktioniert dadurch wie ein Aufbruchssignal. Michaela Ansey trägt das mit einer Stimme vor, die zwischen Rockröhre, Punktheater und New-Wave-Charisma pendelt. Genau hier wird zum ersten Mal deutlich, warum Vergleiche mit Nina Hagen naheliegen, ohne dass Ansey zur bloßen Nachfolgerin degradiert werden sollte.

NIEMALS ZU SPÄT – AUFBRUCH STATT STILLSTAND

Der Titeltrack »Niemals Zu Spät« führt diesen Gedanken weiter, wirkt aber noch pointierter. Gitarren und Bass schieben nach vorne, die Rhythmussektion arbeitet kompakt, und die Synthesizer setzen helle Akzente über das Fundament. Das Stück hat etwas von klassischem deutschen New Wave, aber die Produktion sorgt dafür, dass es nicht wie ein Archivfund klingt.

Inhaltlich ist »Niemals Zu Spät« eine Absage an das Gefühl, bestimmte Träume oder Entscheidungen seien irgendwann nicht mehr erlaubt. Der Text spielt mit großen und kleinen Lebensentwürfen, mit absurden Wünschen, späten Neuanfängen und dem Mut, noch einmal loszugehen. Das wird nicht pathetisch ausgewalzt, sondern mit einem Augenzwinkern formuliert. Der Song sagt: Du musst nicht jung sein, um neu anzufangen. Du musst nur anfangen.

NEIN – SELBSTBESTIMMUNG MIT DRUCK

Mit »Nein« setzen Die Enterbten eines der stärksten Ausrufezeichen des Albums. Der Song ist rhythmisch griffig, tanzbar und gleichzeitig inhaltlich klar positioniert. Es geht um persönliche Grenzen, um toxische Kontrolle, um Manipulation und um die Entscheidung, sich nicht formen oder zum Schweigen bringen zu lassen.

Gerade hier zeigt sich die Stärke von Michaela Ansey als Interpretin. Sie singt nicht nur, sie setzt sich durch. Ihre Stimme hat Biss, aber auch Kontrolle. Die Band arbeitet dazu druckvoll und präzise. Die Gitarren bleiben scharf, die Keyboards geben dem Song einen kühlen Neonrahmen, und die Rhythmusgruppe hält die Spannung hoch. »Nein« ist kein komplizierter Song, aber ein sehr wirksamer. Er braucht keine langen Erklärungen, weil seine Haltung sofort verständlich ist.

STARK WIE EIN SHARK – DUNKLER, SCHWERER, KÄMPFERISCHER

»Stark Wie Ein Shark« öffnet eine dunklere Tür. Die Synthesizer wirken hier mystischer, die Gitarren treten härter hervor, und die Atmosphäre ist deutlich angespannter. Der Song handelt von einem tiefen Einschnitt, von Angst, Überforderung und der Notwendigkeit, sich gegen eine bedrohliche Macht zu behaupten. Dabei wird Stärke nicht als makellose Unverwundbarkeit dargestellt, sondern als tägliche Entscheidung, trotz Belastung aufzustehen.

Musikalisch ist das einer der interessantesten Momente des Albums, weil Die Enterbten hier mehr Drama zulassen. Der Refrain wirkt stellenweise etwas kantiger als bei den ganz großen Ohrwürmern der Platte, doch der Aufbau, die düstere Klangfärbung und Anseys eindringlicher Vortrag machen das Stück trotzdem stark. Besonders Guido Rizzato setzt mit seinen Keyboardflächen Akzente, die dem Song eine fast filmische Spannung geben.

HAUPTGEWINN – EIN OHRWURM MIT WÄRME

Mit »Hauptgewinn« zeigen Die Enterbten, dass sie nicht nur Haltung, sondern auch große Eingängigkeit beherrschen. Der Song ist melodisch, warm und sofort zugänglich. Die Keyboards schimmern, Bass und Gitarre laufen sauber zusammen, und über allem steht erneut diese Stimme, die den Song nicht nur trägt, sondern prägt.

Textlich geht es um das Finden eines Menschen, der nicht wie eine kurze Begegnung wirkt, sondern wie ein echtes Ankommen. Liebe, Freundschaft, Vertrauen und eine Portion Verrücktheit werden hier miteinander verbunden. Das könnte schnell zu süß werden, bleibt aber durch die Bandperformance angenehm geerdet. »Hauptgewinn« ist einer dieser Songs, die im ersten Moment leicht wirken, aber gerade deshalb hängen bleiben.

EINZIGARTIG – SELBSTIRONIE STATT SELBSTOPTIMIERUNG

»Einzigartig« spielt mit Selbstbild, Selbstbewusstsein und Humor. Der Song feiert Individualität, aber nicht in der aalglatten Motivationsposter-Variante. Stattdessen arbeiten Die Enterbten mit Selbstironie, kleinen Übertreibungen und einem charmanten Blick auf Ecken, Kanten und Eigenheiten.

Musikalisch bleibt das Stück im griffigen Midtempo und verbindet Rockelemente mit New-Wave-Farben. Der Text stellt die eigene Persönlichkeit nicht als perfekt dar, sondern als lebendig, widersprüchlich und gerade deshalb wertvoll. Das passt sehr gut zur Grundhaltung der Band: Man muss sich nicht glätten lassen, um zu funktionieren. Man darf auffallen.

MÄDCHEN – KLARE BOTSCHAFT, STARKER DRIVE

»Mädchen« gehört zu den inhaltlich deutlichsten Songs des Albums. Die Nummer stellt Gleichstellung, Selbstbewusstsein und weibliche Stärke in den Mittelpunkt. Dabei vermeiden Die Enterbten einen übertrieben belehrenden Ton. Der Song ist direkt, aber nicht schwerfällig. Er will bewegen, nicht referieren.

Musikalisch mischen sich Indie-Rock-Anleihen, New-Wave-Flächen und punktgenaue Rhythmik. Einige Breaks und Richtungswechsel sorgen dafür, dass der Song nicht zu statisch wird. Das Thema wird ernst genommen, aber in eine Form gebracht, die live funktionieren dürfte. »Mädchen« ist kein erhobener Zeigefinger, sondern ein selbstbewusstes Statement mit Tanzflächenpotenzial.

IM BETT GEBLIEBEN – DER ALLTAG ALS KLEINE KATASTROPHE

Mit »Im Bett Geblieben« wird es humorvoller, aber nicht belanglos. Der Song beschreibt diese Tage, an denen bereits der Morgen falsch abbiegt. Der Wecker, der Kaffee, das Wetter, die kleinen Pannen: Alles arbeitet gegen einen. Aus diesem alltäglichen Frust machen Die Enterbten eine tanzbare Nummer mit trockenem Witz.

Die Orgel- und Synthesizerfarben geben dem Stück Charakter, während Drums, Bass und Gitarren für Bewegung sorgen. Besonders stark ist, dass der Song seine Komik nicht aus billigen Pointen zieht. Er funktioniert, weil jeder diese Momente kennt. Man steht auf und merkt nach fünf Minuten: Vielleicht wäre Liegenbleiben heute tatsächlich die vernünftigere Entscheidung gewesen.

FREI – EIN MOMENT DES LOSLASSENS

»Frei« nimmt Tempo heraus und setzt stärker auf innere Bewegung. Der Song spricht von Loslassen, vom Abschalten des ständigen Denkens und vom Mut, sich selbst nicht dauerhaft zu kontrollieren. Dadurch wird das Stück zu einem der emotionaleren Momente des Albums.

Die Band spielt hier zurückhaltender, ohne kraftlos zu wirken. Gerade dadurch bekommt der Gesang mehr Raum. Michaela Ansey kann ihre Stimme nicht nur als energische Frontansage einsetzen, sondern auch als Trägerin von Nachdenklichkeit. Inhaltlich geht es um Freiheit als Zustand, der nicht durch äußeren Lärm entsteht, sondern durch das Zulassen von Ruhe. Das ist angenehm unaufgeregt und bleibt dennoch hängen.

TICK TACK – DER INNERE SCHWEINEHUND HAT KEINE RUHE

Am Ende steht mit »Tick Tack« ein Song, der das Thema Aufschieben und Selbstsabotage aufgreift. Der innere Schweinehund wird als dauerhafter Störenfried beschrieben, der Ziele blockiert, Ausreden liefert und immer dann auftaucht, wenn Bewegung nötig wäre. Gleichzeitig bleibt der Song nicht in Frust stecken, sondern setzt auf Gegenwehr.

Musikalisch ist »Tick Tack« ein guter Abschluss, weil er noch einmal den Kern der Band zusammenfasst: deutsche Texte, klare Hook, tanzbarer Puls, Wave-Färbung und eine gewisse punkige Direktheit. Der Song verabschiedet das Album nicht mit großer Geste, sondern mit einem unruhigen Ticken im Nacken. Die Zeit läuft, also besser nicht zu lange warten.

SOUND UND PRODUKTION

Die Produktion von »Niemals Zu Spät« setzt auf Klarheit und Bandcharakter. Das Album klingt modern genug, um nicht in Retro-Schlieren zu verschwinden, bewahrt aber zugleich genug Kanten, um nicht steril zu wirken. Die Synthesizer sind präsent, aber sie dominieren nicht alles. Die Gitarren bleiben erkennbar, der Bass ist tragend, und das Schlagzeug hält die Songs konsequent in Bewegung.

Gerade diese Balance ist entscheidend. Die Enterbten funktionieren nicht als reines Wave-Projekt, nicht als klassische Punkband und auch nicht als reine Alternative-Rock-Formation. Der Reiz liegt in der Verbindung. Die Songs sind eingängig, aber nicht leer. Sie sind textlich klar, aber nicht überfrachtet. Und sie haben genug Persönlichkeit, um sich von vielen glattproduzierten Deutschrock- und Pop-Rock-Veröffentlichungen abzuheben.

NRT-RECORDS UND DIE ARBEIT HINTER DEM RELEASE

Ein eigenes Lob verdient auch die Arbeit von NRT-Records. Die Veröffentlichung wird nicht nur nebenbei begleitet, sondern mit sichtbarem Einsatz, sauberer Vorbereitung und einem professionellen Pressekit unterstützt. Gerade im Underground ist gute Promoarbeit keine Nebensache. Sie entscheidet oft darüber, ob eine Band überhaupt wahrgenommen wird oder zwischen unzähligen Releases verschwindet.

Hier merkt man, dass Label und Band gemeinsam an einer ernstzunehmenden Präsentation arbeiten. NRT-Records setzen nicht auf leere Behauptungen, sondern liefern Material, Kontext und eine engagierte Außendarstellung. Das passt zu einer Band, die mit »Niemals Zu Spät« hörbar mehr will als nur ein paar Songs ins Netz zu stellen.

ZWISCHEN NINA HAGEN, IDEAL UND EIGENER HANDSCHRIFT

Die Vergleiche zu Nina Hagen Band und Ideal drängen sich an mehreren Stellen auf, aber sie erklären das Album nur teilweise. Von Nina Hagen kommt die Idee der großen, eigenwilligen Frontfigur, die Gesang nicht nur als Melodie, sondern als Ausdrucksform versteht. Von Ideal könnte man die knappe Direktheit, den deutschen New-Wave-Puls und die urbane Klarheit ableiten.

Doch Die Enterbten wirken nicht wie eine Band, die fremde Blaupausen nachzeichnet. Ihre Stärke liegt darin, diese Einflüsse mit eigenen Themen, eigener Bühnenenergie und einer heutigen Produktion zu verbinden. Das Album fühlt sich dadurch vertraut an, aber nicht verbraucht. Es hat Wiedererkennungswert, ohne sich komplett auf Referenzen zu verlassen.

FAZIT:

»Niemals Zu Spät« ist ein starkes, selbstbewusstes und sehr eingängiges Album zwischen Art-Punk, New Wave, Alternative Rock und deutschsprachiger Punk-Haltung. Die Enterbten liefern keine nostalgische Kostümprobe ab, sondern eine lebendige Platte, die den Geist der Achtziger aufnimmt und in eine moderne Form bringt.

Die stärksten Songs sind »Bock Auf Dieses Leben«, »Niemals Zu Spät«, »Nein«, »Hauptgewinn«, »Mädchen« und »Frei«. Besonders Michaela Ansey überzeugt als Sängerin und Texterin mit Ausdruck, Präsenz und Charakter. Dahinter steht eine Band, die ihre Songs nicht nur begleitet, sondern geschlossen nach vorne bringt.

Eine Zeitkapsel? Eine Hommage? Vielleicht. Vor allem aber ist »Niemals Zu Spät« ein Album mit Haltung, Ohrwürmern und eigener Farbe. Fans von Nina Hagen Band, Ideal, Art-Punk, New Wave und female-fronted Alternative Rock sollten Die Enterbten unbedingt auf dem Radar haben. Dieses Debüt zeigt eine Band, die angekommen wirkt, obwohl sie gerade erst richtig loslegt.

EP Anhören: Bock Auf Dieses Leben

Internet

Die Enterbten - Niemals Zu Spät - CD Review

DRAGONBORN – No Mercy

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DRAGONBORN - No Mercy - cover artwork
DRAGONBORN - No Mercy - cover artwork

Band: DRAGONBORN 🇹🇷
Titel: No Mercy
Label: Iconic Records
VÖ: 03/05/26
Genre: Epic Pagan Metal

Tracklist

01. Ash Before Dawn
02. Warhorns for Liars
03. Execution
04. Revenge of Pagan Storms
05. Valexus – Lord of Ice
06. When Steel Forgot Fire

 

Besetzung

Ekrem Kani – Vocals, Guitars
Cihan Engin – Guitars
Berrak Saka – Vocals
Yudum Sürmeli – Bass Guitar
Çağrı Mustafa Yalçın – Drums

 

Bewertung:

3,5/5

Zwischen Mythos und Stahl

DRAGONBORN stammen aus der Türkei und bewegen sich im Spannungsfeld von epischem und düsterem Pagan-Metal. Die Band verbindet aggressive Riffs, hymnische Strukturen und eine eigene Fantasy-Welt, die sich wie ein roter Faden durch ihre Musik zieht. Im Mittelpunkt steht ein klassisches Metal-Setup, ergänzt durch weiblichen Gesang, der den Songs eine zusätzliche melodische und atmosphärische Ebene verleiht. »No Mercy« ist ein weiterer Versuch, diese Mischung zu schärfen und die eigene Klangidentität zu festigen.

Ein Einstieg wie ein aufziehender Sturm

Das Album beginnt mit »Ash Before Dawn«, einem instrumentalen Intro, das sofort eine cineastische Stimmung erzeugt. Dunkle Klangflächen, leicht orientalisch angehauchte Motive und ein langsam wachsender Spannungsbogen bereiten den Weg für das, was danach folgt. Ohne große Umschweife zieht »Warhorns for Liars« die Geschwindigkeit an und zeigt schnell, wohin die Reise geht. Druckvolle Gitarren, rasende Drums und ein harscher, dominanter Gesang bestimmen das Bild.

DRAGONBORN setzen hier stark auf klassische Pagan-Metal-Strukturen. Viel Rhythmusarbeit, eingängige Refrains und ein ständiger Wechsel zwischen epischer Weite und aggressiver Direktheit.

Zwischen Kampf, Mythos und Rache

Mit »Execution« und »Revenge of Pagan Storms« zeigt das Album seine kompromisslose Seite. Die Songs wirken wie musikalische Schlachtfelder, auf denen sich Gitarrenwände und Double-Bass-Attacken begegnen. Besonders auffällig ist hier die Produktion, die roh genug bleibt, um Druck zu erzeugen, aber gleichzeitig genug Raum für melodische Elemente lässt.

»Valexus – Lord of Ice« sticht als eines der atmosphärischeren Stücke hervor. Hier wird das Tempo leicht gedrosselt, während sich ein frostiges, fast schon nordisch anmutendes Klangbild entfaltet. Der weibliche Gesang von Berrak Saka bringt hier eine klare Kontrastfläche ins Spiel und sorgt für Momente, die sich deutlich vom restlichen Material abheben.

Dynamik zwischen Härte und Melodie

»When Steel Forgot Fire« wirkt fast wie ein emotionaler Bruch innerhalb der Platte. Die Komposition arbeitet stärker mit Melodieführung und dramatischen Spannungsbögen. Hier zeigt sich, dass DRAGONBORN nicht nur auf reine Aggression setzen, sondern auch versuchen, narrative Tiefe in ihre Songs einzubauen. Das Outro schließt den Kreis wieder in ruhigerer Form. Es wirkt weniger wie ein klassischer Abschied und mehr wie ein Nachhall, der die vorherigen Bilder noch einmal aufgreift und langsam verblassen lässt.

Produktion und Gesamtwirkung

»No Mercy« lebt von seiner klaren Ausrichtung. Die Gitarren sind präsent, die Drums druckvoll, der Gesang dominant im Mix. Besonders positiv fällt auf, dass die Band trotz aller Härte immer wieder melodische Fenster öffnet, die den Songs Luft geben. Gleichzeitig fehlt dem Album stellenweise etwas mehr Eigenständigkeit im Songwriting. Manche Ideen wirken vertraut, fast schon genretypisch vorhersehbar.

Dennoch gelingt es DRAGONBORN, eine konstante Atmosphäre aufzubauen, die das Album trägt. Die Mischung aus epischen Elementen, aggressivem Metal und folkloristisch angehauchter Stimmung funktioniert über weite Strecken überraschend gut.

»No Mercy« ist eine solide EP im Bereich Epic-Pagan-Metal, das vor allem durch seine Atmosphäre und seine konsequente Ausrichtung punktet. Die Band zeigt klare Stärken in der Verbindung von Härte und Melodie, bleibt aber in einigen Momenten zu sehr in bekannten Mustern verhaftet. Für Fans des Genres liefert das Album dennoch genügend Futter, um hängenzubleiben.

Fazit: DRAGONBORN gelingt es auf »No Mercy«, eine dunkle, epische Atmosphäre zu schaffen, die den Zuhörer fesselt.

Internet

DRAGONBORN - No Mercy - CD Review

NORGAAHL – Black Spirits

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NORGAAHL – Black Spirits - cover artwork
NORGAAHL – Black Spirits - cover artwork

Band: NORGAAHL 🇩🇪
Titel: Black Spirits
Label: Independent
VÖ: 15/05/26
Genre: Groove/Death/Thrash Metal

Tracklist

01. Church of Krampus (feat. Solo Christian Wieser – Virial)
02. Black Spirit (feat. Solo Yannik Emmerich – Bloodline)
03. Waller
04. Noagerlzuzla
05. Kneissl
06. Bluadschink (feat. Vocals Gündo Vural – YMP)
07. Wossaweiber
08. Devil’s Last Pint

 

Besetzung

Max Gottinger – Guitar
“Bloodshed” Bas Beer – Bass
Fabian Schneider – Guitar, Vocals
Anton Fingerhut – Drums
Michael Langner – Vocals

 

Bewertung:

3,5/5

NORGAAAHL melden sich mit »Black Spirits« zurück und liefern ein Full-Length-Debüt-Album, das sich konsequent zwischen Groove, Death und Thrash-Metal bewegt. Die Band aus dem deutschsprachigen Raum hat sich in den letzten Jahren einen Ruf für rohe Energie und gleichzeitig klar strukturierte Songwriting-Ansätze erspielt. Dieses Spannungsfeld zieht sich auch durch das neue Werk, das sowohl auf Druck als auch auf Wiedererkennungswert setzt.

Die Besetzung bringt dabei ordentlich Gewicht mit! Max Gottinger an der Gitarre, Bas Beer am Bass, Fabian Schneider an Gitarre und Vocals, Anton Fingerhut am Schlagzeug sowie Michael Langner am Mikrofon. Schon diese Doppelbesetzung im Gesang deutet an, dass hier keine lineare Struktur verfolgt wird, sondern ein Wechselspiel aus Attacke und Dynamik.

Druckvoller Sound zwischen Groove und Abriss

Klanglich setzt »Black Spirits« auf eine klare, aber bewusst raue Produktion. Im Walzwerk von Sergej Durkat entstand ein Mix, der jedes Instrument nach vorne holt, ohne den Schmutz komplett zu glätten. Die Gitarren schneiden präzise durch den Mix, während Bass und Drums ein massives Fundament legen, das sich eher wie eine Welle als wie ein Rhythmusgerüst anfühlt.

Gerade im Groove-Bereich zeigt die Platte ihre Stärke. Viele Riffs sind nicht auf Geschwindigkeit ausgelegt, sondern auf Gewicht. Wenn das Tempo anzieht, kippt die Stimmung in Richtung klassischer Thrash-Intensität, bevor wieder diese schleppenden, fast doomigen Passagen übernehmen. Diese Wechsel sorgen dafür, dass sich das Album selten vorhersehbar anfühlt.

Auch die Vocals arbeiten mit Gegensätzen. Tiefes Growling trifft auf aggressivere Shouts, wodurch sich ein ständiger Dialog entwickelt, der den Songs zusätzliche Schärfe verleiht.

Zwischen okkulten Bildern und regionalem Einschlag

Inhaltlich bewegt sich »Black Spirits« in einem düsteren Themenfeld. Okkulte Motive, mythische Figuren und eine rohe, teilweise fast volkstümliche Bildsprache prägen die Texte. Auffällig ist der bewusste Mix aus Englisch, Deutsch und dialektalen Elementen. Diese Kombination wirkt nicht wie ein Stilmittel aus dem Lehrbuch, sondern eher wie ein natürlicher Teil der Identität.

Gerade dieser regionale Einschlag verleiht dem Album eine eigene Farbe. Statt austauschbarer Genre-Standards entsteht ein Bezug zu Geschichten und Bildern, die näher an der eigenen Herkunft liegen. Das macht die Platte greifbarer, auch wenn sie musikalisch klar im extremen Metal verankert bleibt.

Songs mit Gästen und klaren Höhepunkten

Die Trackliste zeigt schnell, dass hier nicht auf Einheitsbrei gesetzt wird. Schon der Opener »Church of Krampus (feat. Solo Christian Wieser – Virial)« baut eine bedrohliche Atmosphäre auf, die sich langsam steigert, bevor sie in typischer Groove-Intensität explodiert. Der Titeltrack »Black Spirit (feat. Solo Yannik Emmerich – Bloodline)« setzt stärker auf technische Gitarrenarbeit und bringt zusätzliche melodische Akzente ins Spiel.

Besonders auffällig sind die Stücke »Waller« und »Noagerlzuzla«, die mit ihren Laufzeiten Raum für ausgedehnte Spannungsbögen lassen. Hier zeigt sich die Band am experimentierfreudigsten, ohne den roten Faden zu verlieren.

Mit »Bluadschink (feat. Vocals Gündo Vural – YMP)« kommt eine der interessantesten Kollaborationen ins Spiel. Die zusätzlichen Vocals erweitern das Klangbild deutlich und sorgen für eine fast narrative Ebene. Auch »Devil’s Last Pint« sticht hervor, da der Song trotz klassischer Struktur sehr gut zwischen Geschwindigkeit und Groove pendelt und damit einen passenden Schlusspunkt setzt.

Produktion und Gesamtwirkung

Die Produktion trägt viel dazu bei, dass »Black Spirits« trotz seiner Rohheit kontrolliert wirkt. Gitarren sind scharf definiert, das Schlagzeug hat Druck ohne übermäßige Kompression, und der Bass bleibt jederzeit spürbar. Diese Klarheit verhindert, dass die komplexeren Arrangements im Chaos verschwinden.

Gleichzeitig bleibt das Album nicht durchgehend gleich stark. Einige Passagen wirken eher wie Übergänge als voll ausgearbeitete Höhepunkte. Genau hier zeigt sich auch, warum die Platte nicht völlig durch die Decke geht, sondern im soliden oberen Mittelfeld bleibt.

»Black Spirits« ist ein kraftvolles, stellenweise sehr intensives Album, das seine Stärken im Zusammenspiel aus Groove, Death und Thrash Metal ausspielt. Nicht jeder Moment sitzt perfekt, aber die Band zeigt ein klares Profil und genug Ideen, um hängenzubleiben.

Fazit: NORGAAHL beweisen mit »Black Spirits«, dass regional verwurzelter Metal auch auf internationalem Niveau überzeugen kann.

Internet

NORGAAHL – Black Spirits - CD Review

Hellevate – Killicon Valley

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Hellevate - Killicon Valley - cover Artwork
Hellevate - Killicon Valley - cover Artwork

Band: Hellevate 🇺🇸
Titel: »Killicon Valley«
Label: Independent
Herkunft: Kansas City, Missouri, USA
VÖ: 22.05.2026
Genre: Thrash Metal / Speed Metal / Heavy Metal
Format: CD / Digital

Tracklist

01. D.T.C.
02. In The Long Grass
03. Invoke Apocalypse
04. Demagogue
05. The Rampart
06. Holy Man
07. Jorogumo
08. Part Of The Tribe
09. Killicon Valley (Silicon Dust)
10. The Lost Pages
11. Thou Shalt Kill
12. Curse God And Die

Besetzung

Robert Browne – Vocals
Dan Whitmer – Guitar
Joshua Cole – Guitar
Zack Burke – Bass
Ruben Lopez – Drums

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

Silicon Valley ist jener Fleck Erde, an dem große Tech- und Computerunternehmen wie Apple groß wurden und an dem Innovation, Kreativität und digitaler Größenwahn gerne gemeinsam am Kaffeebecher nuckeln. Einst traf dort Technikbegeisterung auf Pioniergeist, heute reiben sich dort KI-Kultur, Tech-Billionäre, Automatisierungswahn und die nächste große Buzzword-Blase gegenseitig die Schultern. Genau dieses Feld haben sich die US-amerikanischen Thrash-, Speed- und Heavy-Metal-Schergen von Hellevate ausgesucht und ihr neuestes Langspielalbum treffenderweise »Killicon Valley« genannt.

Nach den ersten Vorboten »In The Long Grass« und dem Titelstück »Killicon Valley (Silicon Dust)« war bereits klar: Hier wird nicht freundlich an die Tür geklopft, hier wird mit Stollenstiefeln durchs Rechenzentrum getrampelt. Hellevate präsentieren absolut amtlichen Thrash Metal, der sich zwischen klassischer Bay-Area-Schule, Speed-Metal-Raserei und traditioneller Heavy-Metal-Kante bewegt. Die Produktion ist modern, aber nicht klinisch totpoliert. Es scheppert, drückt, sägt und knallt ordentlich aus den Boxen.

Mit Stahlkappen durchs Rechenzentrum

Der instrumentale Einstieg »D.T.C.« begrüßt den Zuhörer nicht freundlich, sondern schleudert direkt ordentlich eins raus. Treibende Bässe, Powerchords, die fast schon vermuten lassen, dass gleich eine Saite reißt, und ein knackiger Vorwärtsdrang zeigen spielerisch, wozu die Band fähig ist. Das Stück ist instrumental, aber es macht direkt klar, wohin die Reise geht: kein Wellnessbereich, kein Schaumbad, sondern Nackenmuskeltraining mit Stahlkappen.

Wenn im hohen Gras nicht nur die Mücken lauern

Mit dem eigentlichen Opener »In The Long Grass« kommt erstmals Gesang dazu. Inhaltlich geht es um gejagte Beute, lauernde Raubtiere und den brutalen Moment, in dem Flucht nicht mehr Option, sondern Überlebenspflicht ist. Das Ganze erinnert deutlich an eine räuberische Jagdszene, in der die Gefahr nicht frontal aus dem Nebel stapft, sondern intelligent, schnell und aus mehreren Richtungen zuschnappt. Musikalisch büßt die Band nichts von ihrer Kompromisslosigkeit ein, sondern haut ordentlich aufs Schnitzel. Robert Browne macht hier einen amtlichen Job, auch wenn seine aggressiven Shoutings schon früh zeigen, dass er nicht der Mann für zarte Kerzenscheinballaden ist.

Skynet lässt grüßen und der Thrash-Motor läuft heiß

Bei »Invoke Apocalypse« werden angesichts des Konzeptes Erinnerungen an Terminator, Skynet und andere maschinelle Untergangsphantasien wach. Direkt mit ordentlich Feuer unterm Arsch geben Hellevate weder sich noch dem Publikum Zeit, sich auszuruhen. Die Gitarren von Dan Whitmer und Joshua Cole arbeiten präzise, das Schlagzeug von Ruben Lopez feuert ordentlich nach vorne, und Zack Burke legt mit dem Bass eine stabile Betonplatte unter das Ganze.

Machtgier, Gepolter und ein Riff-Fundament aus Beton

Bei »Demagogue« geht es mit mächtig Gepolter und etwas strukturierter gezügelt zur Sache. Aufgebaut auf ein energisches Rhythmusriffing aus Bass und Gitarren, angetrieben von soliden Drums, wird hierbei Kritik an machtgierigen Individuen geübt, die, wenn es ihnen einen Vorteil bringt, auch über Leichen gehen. Der Song poltert, keilt aus und bleibt dennoch nachvollziehbar arrangiert. Genau hier zeigen Hellevate, dass sie nicht nur schnell können, sondern auch Druck mit Struktur verbinden.

Der Wall steht, die Stimme wackelt manchmal

Etwas Diversität bringen Hellevate mit »The Rampart« in ihren Sound. Für Bandverhältnisse geht es gemäßigter zu, wobei auch klanglich mehr Abwechslung ins Spiel kommt. Diesmal geht Robert Browne mit tieferer Stimme zur Sache, und das steht ihm wirklich gut. Da muss man auch direkt mal einen Kritikpunkt anbringen: In diesen tieferen, kontrollierteren Momenten klingt er deutlich stärker als in manchen Screams, bei denen er stellenweise wirkt, als hätte ihm gerade jemand mit voller Begeisterung in die Familienjuwelen gebissen. Charmant? Nicht immer. Wirkungsvoll? Schon eher.

Scheinheilige unter Beschuss

Schwermütiger wird es mit »Holy Man«. Hier arbeiten Hellevate kontrollierter im Midtempo und zaubern kompositorisch das ein oder andere Ass aus den Ärmeln. Inhaltlich werden religiöse Scheinheiligkeit, Machtmissbrauch und Bigotterie aufs Korn genommen, allerdings nicht stumpf mit dem Vorschlaghammer, sondern mit mehr Biss als plumper Parole. Die Band klingt hier fokussiert, giftig und angenehm riffbetont.

Spinnenfrau, Wendungen und kontrollierte Raserei

Fast schon progressiv, mit einigen Wechseln und einem fließend übergehenden Arrangement, kommt »Jorogumo« aus den Boxen. Der Song überzeugt durch eine starke Struktur und feine Gitarrenarbeit. Hier zeigt sich, dass Hellevate mehr können als nur Geschwindigkeitsrausch und Thrash-Keule. Die Nummer hat Wendungen, Atmosphäre und genug melodische Details, um nicht einfach im Geballer unterzugehen.

Stammesruf mit Thrash-Kante

»Part Of The Tribe« überzeugt mit hymnischem Charakter, kompromissloser Härte, komplexerer Rhythmik und einem gewissen Ohrwurmcharakter. Der Song treibt, schiebt und hält die Spannung hoch. Auch hier ist die Band instrumental absolut auf der Höhe. Man merkt, dass die Musiker ihr Handwerk verstehen und nicht bloß auf alte Thrash-Schablonen zurückgreifen.

Silicon Dust statt Tech-Erlösung

Das bereits angeschnittene Titelstück »Killicon Valley (Silicon Dust)« ist dann die große technologische Abrissbirne des Albums. Inhaltlich wird gegen KI-Hype, Tech-Bonzen, Automatisierungsfantasien, Shareholder-Denken, Arbeitsplatzvernichtung und die große Silicon-Valley-Selbstbeweihräucherung ausgeteilt. Der Song macht aus Technikangst keine plumpe Roboter-Apokalypse, sondern richtet die Wut auf jene, die mit künstlicher Intelligenz vor allem Profit, Kontrolle und billige Arbeitskraft verbinden. Musikalisch geht das Ding souverän nach vorne: fantastische Drums, ein starker Bass und präzise Gitarrenarbeit bilden die Grundlage. Leider nervt der Frontmann hier zwischendurch wieder ein wenig, auch wenn er grundsätzlich einen amtlichen Job macht. Es ist eben dieser Moment, in dem man denkt: Keule, ja, wir haben verstanden, du bist sauer – aber da braucht es keine Luftschutzsirene für und die muss nicht dauerhaft auf Werkseinstellung stehen.

Wenn die Band ohne Frontsirene atmen darf

Im Gegensatz zu diesem Geschwindigkeitsrausch erweist sich »The Lost Pages« als düsterer und schwermütiger Song, der zunächst den Bass stärker betont und dann melodisch mit Leadgitarren arbeitet. Hierbei wird souverän komponiert, und die Band wird als Einheit hervorgehoben, die ihr Handwerk versteht. Das Stück gewinnt gerade dadurch, dass es nicht permanent mit dem Kopf durch die Wand will. Ohne das übertriebene Gejaule der Frontsirene kann man hier besonders gut hören, wie stark Hellevate instrumental eigentlich aufgestellt sind.

Zum Schluss nochmal Abriss mit erhobener Faust

Mit »Thou Shalt Kill« und »Curse God And Die« findet dieses Werk schließlich einen vernünftigen Abschluss. Beide Songs liefern noch einmal Härte, Tempo und ordentlich Krawall, ohne das Album komplett neu zu erfinden. Hellevate bleiben sich treu, drücken weiter aufs Gas und lassen den Hörer mit einem soliden Thrash-Nachgeschmack zurück.

Fazit

»Killicon Valley« ist an und für sich ein solides Album geworden. Hellevate liefern amtlichen Thrash Metal mit Speed-Metal-DNA, Heavy-Metal-Fundament und genügend moderner Wut im Tank. Die Riffs sitzen, die Drums treiben, der Bass macht Druck, und die Gitarren zeigen mehrfach, dass hier keine Anfänger am Werk sind. Besonders stark sind »In The Long Grass«, »Demagogue«, »Jorogumo«, »Killicon Valley (Silicon Dust)« und »The Lost Pages«.

Der größte Reibungspunkt bleibt jedoch Robert Browne. Seine Stimme passt grundsätzlich zum Material, keine Frage. Er bringt Aggression, Gift und Energie mit. Aber ob der Frontmann zwischendrin wirklich immer schreien muss, als stünde er kurz davor, in den Chor der unfreiwilligen Eunuchen aufgenommen zu werden, geht über meinen Verstand. In kontrollierteren und tieferen Momenten wirkt er deutlich stärker, während manche Screams eher anstrengend als effektiv sind.

Trotzdem bleibt »Killicon Valley« ein stark riffendes, wütendes und thematisch schön bissiges Album, das Tech-Wahn, KI-Kultur und gesellschaftlichen Kontrollverlust mit ordentlich Thrash-Metal-Stahl bearbeitet. Nicht alles zündet perfekt, aber wenn Hellevate treffen, dann scheppert es gewaltig. Für Freunde von kompromisslosem, modernen Thrash mit klassischer Schlagseite ist das Ding definitiv einen Durchlauf wert.

Hellevate - Killicon Valley (Silicon Dust)

Internet

Hellevate - Killicon Valley - CD Review

Faded Remembrance – The Blessing Of Downfall

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Faded Remembrance - The Blessing Of Downfall - cover artwork
Faded Remembrance - The Blessing Of Downfall - cover artwork

Band: Faded Remembrance 🇭🇺
Titel: The Blessing Of Downfall
Label: Bitume Prods
VÖ: 15.05.2026
Format: Digital / CD Digipak
Genre: Atmospheric Doom Metal / Gothic Doom / Doom Death Metal

Tracklist

01. The Blessing Of Downfall
02. Shadowhaunt
03. Glimmering Hope
04. At The Gates Of Avalon
05. Deep In The Forest
06. Requiem
07. Thoughts Of Disobedience
08. Pride Far Gone
09. Slumber In The Darkness

Besetzung

Tamás Géza Albert – Komposition, Aufnahme, Instrumente, Gesang, Mixing, Mastering, Artwork

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

Mit »The Blessing Of Downfall« liefert Faded Remembrance ein Album ab, das nicht nach vorne stürmt, sondern sich langsam wie Nebel in einen kalten Wald legt. Hinter dem Projekt steht Tamás Géza Albert, der hier nicht nur singt, sondern laut Credits auch Komposition, Aufnahme, Instrumente, Mixing, Mastering und Artwork verantwortet. Das ist also kein klassisches Bandgefüge, sondern ein Ein-Mann-Doom-Kosmos mit viel Schatten, Schwermut und atmosphärischer Eigenwilligkeit.

Albumstream:

Mutige Individualität im Sound Zwischen Athmospheric Doom und Gothic Doom

Stilistisch bewegt sich »The Blessing Of Downfall« zwischen Atmospheric Doom, Gothic Doom und doomigem Death-Metal-Unterbau, ohne sich komplett auf gutturale Härte zu verlassen. Stattdessen stehen raue, dunkle Clean-Vocals, schwere Gitarren, Synthesizer und ungewöhnliche Bläserfarben im Zentrum. Gerade Trompete und Posaune geben dem Album eine eigene Note, die manchmal bitter, manchmal geisterhaft und manchmal fast tröstend wirkt. Für eine Platte aus diesem Genre ist das durchaus mutig, denn hier wird nicht nur der nächste schwere Riffbrocken in die Gruft gerollt.

Der Titeltrack »The Blessing Of Downfall« eröffnet das Album mit schwerem Gang und melancholischem Zug. Aufgebaut auf ein standfestes Fundament aus Drums und Bass entwickelt der Song seine Wirkung langsam, aber konsequent. Die Gitarren drücken, der Gesang bleibt dunkel und kantig, und die Atmosphäre wirkt wie ein Abstieg, der nicht dramatisch inszeniert werden muss, weil der Boden ohnehin schon bröckelt.

Kompromisslosigkeit in Sachen Härte und fast schon unheimlicher Tiefe

»Shadowhaunt« gehört zu den stärkeren Stücken der Platte. Hier sind die Gitarren gekonnt aufgebettet, während Synthesizer und Bläser dem Song eine schwebende, fast unheimliche Tiefe verleihen. Das Stück klingt nicht nach klassischem Doom nach Lehrbuch, sondern eher nach einer einsamen Wanderung durch alte Erinnerungen. Genau in solchen Momenten findet Faded Remembrance seine stärkste Seite: schwer, aber nicht stumpf; melancholisch, aber nicht völlig kraftlos.

Mit »Glimmering Hope« und »At The Gates Of Avalon« zeigt das Album seine melodischere Seite. Die Songs nehmen sich Zeit, wirken aber nicht ziellos. Gerade die cleanen Gitarrenpassagen bringen eine schöne Weite hinein. Allerdings merkt man hier auch: »The Blessing Of Downfall« verlangt Geduld. Wer schnelle Refrains oder sofortige Nackenbrecher sucht, steht hier am falschen Friedhofstor.

Sprich dein letztes Gebet! Der Doom Metal kommt

»Deep In The Forest« und »Requiem« verdichten die Atmosphäre weiter. Die Musik bleibt langsam, schwer und nachdenklich, bekommt aber durch die rauere Stimme und die dunklen Bläserfarben zusätzliche Spannung. Besonders »Requiem« besitzt diesen erzählerischen Charakter, als würde jemand in einer verlassenen Kapelle seine letzten Gedanken in den Staub sprechen.

Im hinteren Teil setzen »Thoughts Of Disobedience«, »Pride Far Gone« und »Slumber In The Darkness« noch einmal stärker auf innere Unruhe. Die Texte kreisen um menschliche Natur, Glauben, Zweifel, Emotionen und Zerfall. Das passt zur Musik, die weniger explodiert als langsam nach innen frisst. Kleine Abzüge gibt es dennoch, weil sich manche Stimmungen über die lange Spielzeit ähneln und nicht jeder Song sofort ein eigenes Gesicht bekommt.

FAZIT:

»The Blessing Of Downfall« ist ein düsteres, atmosphärisches und eigenwilliges Doom-Album, das besonders durch seine Bläser, Synthesizer und rauen Clean-Vocals auffällt. Tamás Géza Albert stemmt das gesamte Werk alleine und schafft dabei eine glaubwürdige, melancholische Klangwelt. Das Album ist nicht perfekt, manchmal etwas langatmig und in Teilen zu gleichförmig, aber es besitzt Charakter.

Die stärksten Songs sind »The Blessing Of Downfall«, »Shadowhaunt«, »Requiem« und »Slumber In The Darkness«. Wer My Dying Bride, frühe Paradise Lost, Anathema, Moonspell, Candlemass oder düsteren Doom mit ungewöhnlicher Instrumentierung mag, sollte hier definitiv hineinhören. Kein leichter Brocken, aber einer mit Seele, Schatten und einem kalten Händedruck aus der Tiefe.

Full Album Stream

Internet

Faded Remembrance - The Blessing Of Downfall - CD Review

ÖTTE – Prolog

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OETTE - Prolog - cover artwork
OETTE - Prolog - cover artwork

Band: ÖTTE 🇩🇪
Titel: Prolog
Label: NRT Records
VÖ: 2026
Format: Digital
Genre: Deutschrock / Heavy Rock / Art Rock / Punk ’n’ Roll

Tracklist

01. Rockin’ Clown (Gimme All Your Lovin’)
02. Theater In Berlin
03. Seelenfresser
04. Kalter Morgen

Besetzung

Chris Ötte – Gesang
Frank Bothur – Gitarre
Rene Radke – Bass
Michael Hahn – Schlagzeug

Bewertung:

5 von 5 Punkte

ÖTTE ist keiner dieser Musiker, die mal eben aus dem Proberaum stolpern und hoffen, dass der Verstärker schon irgendwie den Rest erledigt. Der Mann hat seit 1982 den Bass in der Hand, mit der ÖTTEBAND Fußball-WM-Luft geschnuppert, vor großen Kulissen gespielt, Alben wie »Saitenwechsel«, »Grünes Licht«, »Gare du Noise« und »Mayday« rausgehauen und sich über Jahrzehnte zwischen Deutschrock, Rock’n’Roll, Pop-Momenten und Art-Rock-Kante seine eigene Ecke gebaut. Dazu kommt ein echtes Stück Panikrock-Geschichte: ÖTTE ist seit Jahren eng mit dem Kosmos von Udo Lindenberg verbunden, begleitete dessen Rockliner, stand dort sogar im direkten Umfeld von Udo Lindenberg und Nina Hagen an der Reeling-Gitarre und etablierte mit dem Rockliner-Veteranen-Treffen ein jährliches Fantreffen für die Panik-Familie. Man merkt also: Hier kommt kein Newcomer mit frisch polierter Sonnenbrille, sondern ein alter Hase mit Narben, Herz, Humor und ordentlich Strom auf der Leitung. Mit »Prolog« liefert ÖTTE nun den Appetizer zum kommenden Album »Rockin’ Clown« – und zwar nicht als laues Warm-up, sondern als vier Songs starke Kampfansage zwischen Heavy Rock, Art Rock, Punk’n’Roll, Ballade und deutscher Texttiefe.

EP-Stream:

DER CLOWN IST ZURÜCK – UND ER MEINT ES ERNST

Mit »Rockin’ Clown (Gimme All Your Lovin’)« meldet sich ÖTTE direkt druckvoll zurück und hat dabei hörbar eine Schar an merkbar talentierten Musikern im Rücken. Die stilistische Melange aus Heavy Rock, Art Rock und klassischem Rock’n’Roll geht im mittleren Tempo direkt zur Sache und kommt mit ordentlich Druck aus den Boxen. Das ist kein zaghaftes Hallo, sondern eher ein breit grinsendes: „Da bin ich wieder, Hoschi – und jetzt wird aufgedreht.“

Aufgebaut auf ein mächtiges Fundament aus Drumgrooves von Michael Hahn, die nicht stumpf nach Schema F durchlaufen, sondern mit Toms, Breaks und sauberer Dynamik arbeiten, legt Bassist Rene Radke ein absolut geiles Bassspiel darunter, das die Musik nicht nur begleitet, sondern aktiv nach vorne trägt. Frank Bothur überzeugt mit griffigen Rhythmusgitarren, die eine bluesige Rock’n’Roll-Natur verstrahlen, setzt mit seinem epischen Gitarrensolo aber noch einen obendrauf und zeigt deutlich: Hier sind keine Feierabend-Schrammler unterwegs, sondern Musiker, die wissen, wie man einen Song trägt.

Und vorne steht natürlich Chris Ötte. Der Mann hat ein Bariton-Organ mit durchdringender Schwere, dem man im Zweifel auch den Wetterbericht abkaufen würde. Nur wäre das hier verschwendet, denn lyrisch steckt in »Rockin’ Clown (Gimme All Your Lovin’)« deutlich mehr als reine Rampensauerei. Aus der Ego-Perspektive erzählt der Song vom Clown als Figur zwischen Entertainer, Heiler, Schmerzträger und Rock’n’Roll-Missionar. Er bringt Farbe in graue Welten, gibt dem Publikum Glück, Flucht, Fantasie und Adrenalin – doch unter der Schminke sitzt Einsamkeit. Gerade dieser Gegensatz macht den Song stark: Der Clown spendet Licht, obwohl er selbst im Schatten steht.

BERLIN BRENNT, TANZT UND SCHMERZT

Nach diesem starken Einstieg ist die Luft aber noch lange nicht raus, denn ÖTTE und seine Band legen direkt eine Schippe drauf. Mit dem zügigen Punk’n’Roll-lastigen »Theater In Berlin« zeigt ÖTTE, dass er auch tanzbar kann. Treibende Drums und satte Bässe liefern im Zusammenspiel mit der Gitarre die Grundlage für ein perfektes Rockspektakel, das den Zuhörer in seinen Bann zieht. Hier riecht nichts nach glattgebügelter Radioware, sondern nach Asphalt, Neonlicht, Kippenrauch und Großstadtnacht.

Inhaltlich ist »Theater In Berlin« eine wuchtige Momentaufnahme einer Stadt, die gleichzeitig glänzt und blutet. Zwischen Rausch, Hoffnung, Einsamkeit, falschen Küssen, dunklen Ecken und flackernden Lichtern zeichnet ÖTTE ein Berlin, das nicht nur Kulisse ist, sondern Hauptdarsteller. Die Stadt wird zum Theater, in dem jeder seine Rolle spielt, während Schmerz und Wunderkerzen nebeneinander brennen. Das ist romantisch, dreckig, angeschlagen und trotzdem voller Leben. Genau dieser Kontrast gibt dem Song seinen besonderen Reiz.

Musikalisch ist die Nummer schneller, direkter und kantiger als der Opener. Der Punk’n’Roll-Schub sitzt, die Hook bleibt hängen, und live dürfte »Theater In Berlin« eine sichere Bank sein. Man sieht förmlich die Fäuste in der Luft, während irgendwo zwischen Dreck und Goldstaublicht die Gitarren scheppern. So muss ein Song über Berlin klingen: nicht sauber, nicht brav, aber verdammt lebendig.

DUNKELHEIT MIT BISS

Lyrische Tiefgründigkeit ist eine der absoluten Spezialitäten von ÖTTE. Ein starkes Zeugnis dafür ist der Heavy Rocker »Seelenfresser«, der mit seinem düsteren Charakter noch einmal eine ganz andere Tür aufstößt. Eröffnet von Synthesizern und Effekten, die fast wie aus einem Horrorfilm kommen, wird der Zuhörer von schweren Bässen, massiven Gitarren und Doublebass-Drums empfangen. Das verleiht dem Stück einen stark metallischen Charakter und sorgt dafür, dass die EP nicht nur rockt, sondern stellenweise auch richtig finster die Zähne zeigt.

Zunächst bleibt der Song im Verse im mittleren Tempo, baut Spannung auf und zieht den Hörer langsam in diese kalte Atmosphäre hinein. Im Refrain schaltet die Nummer dann in ein anderes Energielevel und drückt mächtig nach vorne. Hier wird es schwerer, härter und giftiger. »Seelenfresser« ist kein Song, der nett anklopft. Der tritt die Tür ein, stellt sich mitten in den Raum und fragt, wer hier eigentlich wem die Seele aussaugt.

Inhaltlich geht es um psychische Zersetzung, toxische Beziehungen, innere Kälte und den Moment, in dem aus Verletzung Gegenwehr wird. Der sogenannte Seelenfresser erscheint als Figur, die Energie nimmt, Gift verteilt, Worte verdreht und emotionale Reste verwertet. Doch der Song bleibt nicht in der Opferhaltung stehen. Im Verlauf kippt die Perspektive: Aus Schmerz wird bissiger Trotz, aus Ohnmacht wird Abwehr. Das macht die Nummer so effektiv. ÖTTE suhlt sich nicht nur in der Dunkelheit, sondern zeigt, wie aus dieser Dunkelheit Widerstand entsteht.

BALLADE IM ASCHELICHT

Zum krönenden Abschluss gibt es mit »Kalter Morgen« eine melancholisch anmutende Ballade, die man nach der Heavyness von »Seelenfresser« so vielleicht nicht erwartet hätte. Genau deshalb funktioniert sie so gut. Der Song beweist die Vielseitigkeit von ÖTTE und zeigt, dass er nicht nur Druck, Dreck und Rock’n’Roll kann, sondern auch große Gefühle ohne Kitschfalle.

Die Nummer beginnt mit effektvoll verzerrtem Klavierspiel und einer Atmosphäre, die fast wie aus einem alten Grammophon heraus in den Raum kratzt. Danach öffnet sich der Sound in einen klareren, größeren Hi-Fi-Klang. Fantastische Streicher, akustische Gitarren und ein starker Gesang von Chris Ötte sorgen dafür, dass sich »Kalter Morgen« langsam entfalten kann. Die E-Gitarre agiert hier weniger als Brechstange, sondern als melodisch ambitioniertes Element voller Leidenschaft und Liebe zum Detail.

Inhaltlich ist »Kalter Morgen« vielschichtig und schwer. Der Song kreist um Erinnerung, Verlust, Überleben und die Frage, was bleibt, wenn selbst die Erinnerung brüchig wird. Bilder von Schnee, Asche, Staub, Blei und Stille erzeugen eine Nachkriegs- oder Katastrophenstimmung, ohne dabei platt zu werden. Es geht um Spuren, die nicht verschwinden, um Namen, die in der Kälte festfrieren, und um das leise Begreifen, dass Überleben nicht automatisch Heilung bedeutet. Als Abschluss der EP ist das mutig, weil es nicht mit Konfetti endet, sondern mit Nachhall.

SOUND ZWISCHEN STRASSENSTAUB UND BÜHNENLICHT

Produktionstechnisch wirkt »Prolog« angenehm organisch. Die Songs atmen, die Instrumente haben Platz, und trotzdem fehlt es nicht an Druck. Gerade die Rhythmussektion aus Michael Hahn und Rene Radke gibt der EP ein solides, standfestes Fundament. Darauf werden die Gitarren von Frank Bothur gekonnt aufgebettet – mal bluesig, mal schwer, mal punkig, mal melodisch.

Chris Ötte setzt sich mit seiner Stimme klar in den Vordergrund, ohne die Band zu überfahren. Das ist wichtig, denn »Prolog« lebt nicht nur vom Sänger, sondern vom Zusammenspiel. Die EP klingt nach Band, nach Raum, nach Erfahrung. Keine sterile Plastikproduktion, kein künstlich auf jung gebürsteter Deutschrock, sondern Musik mit Ecken, Narben und einem durchaus erwachsenen Verständnis von Dynamik.

Besonders stark ist, dass jeder Song eine eigene Farbe besitzt. »Rockin’ Clown (Gimme All Your Lovin’)« ist die Rückkehr mit breitem Grinsen und wundem Herzen. »Theater In Berlin« liefert Großstadt-Punk’n’Roll mit Tanzbein und blutiger Lippe. »Seelenfresser« schiebt sich schwer und metallisch durch die Dunkelheit. »Kalter Morgen« schließt als melancholischer Blick zurück. Vier Songs, vier Stimmungen, ein roter Faden: ÖTTE erzählt vom Fallen, Weitermachen, Erinnern und Wiederauferstehen.

ZWISCHEN WUT, HOFFNUNG UND ROCK’N’ROLL

Was »Prolog« besonders macht, ist die Mischung aus klassischer Rockenergie und biografischer Schwere. Man hört dieser EP an, dass hier kein Künstler auf Autopilot läuft. Die Songs bewegen sich zwischen Verzweiflung, Hoffnung, Wut, Theater, Erinnerung und diesem typischen Rock’n’Roll-Trotz, der sagt: Ihr könnt mich ankratzen, aber nicht auslöschen.

Natürlich ist das keine moderne Metalcore-Platte und auch kein Hochglanz-Alternative-Rock für algorithmische Playlisten. ÖTTE bleibt in seinem eigenen Kosmos: Deutschrock mit Charakter, Heavy-Rock-Elementen, Balladenstärke, Art-Rock-Flair und einem Hang zur großen Geste. Manchmal ist das bewusst theatralisch, manchmal rau, manchmal pathetisch – aber nie egal.

Und genau das ist der Punkt: »Prolog« ist kein seelenloses Zwischenprodukt, sondern eine klare Ansage. Der Titel passt. Diese EP fühlt sich tatsächlich wie der Auftakt zu einem neuen Kapitel an. Der Clown steht wieder im Rampenlicht, aber er kaspert nicht nur herum. Er zeigt Zähne, Wunden und Herz.

FAZIT:

»Prolog« ist eine gelungene EP, die Vorfreude auf das kommende Album »Rockin’ Clown« weckt und ÖTTE als gereiften Rockmusiker mit starker Band, klarer Stimme und erzählerischem Tiefgang präsentiert. Zwischen Heavy Rock, Punk’n’Roll, düsterer Härte und melancholischer Ballade zeigt diese Veröffentlichung viele Seiten, ohne auseinanderzufallen.

Die stärksten Momente sind der druckvolle Opener »Rockin’ Clown (Gimme All Your Lovin’)«, das großstädtisch flackernde »Theater In Berlin« und der finstere Heavy-Rocker »Seelenfresser«. »Kalter Morgen« setzt zum Abschluss einen emotionalen Kontrapunkt und beweist, dass ÖTTE auch leise, nachdenkliche Momente mit Format stemmen kann.

Für Fans von deutschsprachigem Rock mit Charakter, klassischem Songwriting, kräftiger Stimme, ehrlichen Texten und einer ordentlichen Portion Bühnenblut ist »Prolog« ein klarer Fall. Keine Plastiknummer, kein Blender, kein halbgare Comeback-Übung. Das Ding hat Herz, Druck und Haltung.Vergesst den Joker, ÖTTE der rockende Clown ist zurück – und unter der Schminke brennt noch immer das Feuer.

ÖTTE - Prolog - EP-Stream

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ÖTTE - Prolog - EP Review